Damit jedoch wird mit dem perfidesten aller Tricks gearbeitet: Mit dem Winken mit einer Standeserhöhung durch Tienahme am Aufstand der Intellektuellen, die sie - wie Gott, wie das, was am Horioont der Intellektuellen steht - vonihrem Leid befreien wird. Ganz ohne Gott. Ganz ohne Leiden.
Treibgut - Wo am breiten Strome die Ufer stehen, sind Schwarzerlensamen aufgegangen, und schäumen als saftige Büsche die Ränder der großen Lethe, die alles ins Dunkele Meer trägt; ihre weichen Äste, die noch nicht ahnen lassen, welcher später als kahler Stamm reife Blätter hoch in der Sonne wiegen wird, tauchen in die Wasser, wie Kinderhände. Dann und wann greifen sie, denen alles noch ernstes Spiel ist, nach Treibgut. Oder es bleibt hängen, lädt zum Tanze, haucht im Kusse Lebwohl
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Samstag, 22. Oktober 2022
Der Leidende leidet nur (2)
Freitag, 21. Oktober 2022
Der Leidende leidet nur (1)
Samstag, 23. Juli 2022
Von fataler Romantisierung und noch fataleren Undifferenziertheiten (2)
Freitag, 22. Juli 2022
Von fataler Romantisierung und noch fataleren Undifferenziertheiten (1)
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| Luftausnahme der Protestaufmärsche |
Donnerstag, 5. Mai 2022
Von der Gewalt der Schönheit
Freitag, 3. Dezember 2021
Und das passiert nun wirklich.
Doch belasse ich es vorerst mit folgender Beobachtung: Wenn auch auf allen Seiten, so zeigt sich in der Kritik, in der Gegenströmung, die sich am Coronawahn formiert hat - formiert, denn bestanden hat sie schon sehr sehr lange, ja seit es den Menschen gibt - und der auch diese Seiten zu dienen scheinen (sic! es ist eine reine Koinzidenz, keine Communio, ich hoffe sehr, daß ich das hier bereits ausreichend zeigen konnte) ein allen gemeinsamer Zug. Die einen haben ihn ohne es zu wissen, und mäandern deshalb zwischen ihm und dessen Gegenteil (sic!). Die anderen folgen ihm gezielt und bewußt.
Wir erleben aber nun den endgültigen Siegeszug der französischen Revolution.
So, wie Jacques Rousseau als "Prototyp des Gegenwartsmenschen" angesehen werden muß, und zwar bis auf Punkt und Komma, ist das amerikanische und später französische Revolutionsgeschehen auf oder kurz vor seinen maximal möglichen Punkt der Vollendung angelangt.
Das ist nicht metaphorisch, sondern knochentrocken real zu sehen. Wie leben also in der späten Phase einer ganz realen Revolution, die etwa 1776 begonnen hat, und deren Ziel war, die Welt zu umfassen. Und die eine Idee, einen Alternativentwurf zur Schöpfung als einer Welt, aus der Gott entfernt werden kann und muß, die Idee des Rationalismus (Aufklärung), in dem das Denken des Menschen zum ultimativen Geist erhoben wurde, auf die Ebene der Realisierung gehoben hat.
Sonntag, 4. Juli 2021
Gedankensplitter (1166)
Wenn sich der eine des anderen nicht mehr sicher sein kann, steigt die Notwendigkeit und die Bereitschaft, Abläufe und zu erzielende Eigenschaften zu beschreiben und deren Entstehung zu sichern.
Nicht nur die Qualitätssicherungssysteme sind deshalb vor 30 Jahren aufgetaucht, sondern auch die "blitzschnellen) Kommunikationssysteme - nicht nur Mobiltelephone, sondern es begann beim Telefax, ging zu den Pagern (auch damals Ausdruck besonderer Wichtigkeit und autoritativer Stellung), ging übers Autotelephon, das Internet und schließlich die Cellphones, die Mobiltelephone, bis zu der nächsten Generation, den automatischen Kommunikatoren (als ins Gehirn eingesetzte Transistoren und Kleinstmaschinen), die zumindest über Teilbereiche "abstimmen"; das "intelligente Haus" ist im übrigen ebenfalls Teil dieses "Vertrauens-Ersatzsystems" - haben damals ihren Ausgang genommen. Der VdZ kann sich noch gut erinnern,
Samstag, 15. Mai 2021
Der Samstag Nachmittag Film (1)
Natürlich ist es schon an sich ein Vergnügen, Willy Birgel, den jungen Maximilian Schell (in noch ganz ungewohnter heller Stimmlage!) und den noch jüngeren Heinz Reincke, den wunderbaren Hans Nielsen und jede Menge anderer Filmsterne in derartiger Zusammenballung zu sehen. Aber eine gut gemachte Schnulze (und Schnulzen konnte man in jener Zeit gut machen, gewissermaßen sogar im staatlichen Auftrag, meine Herren, denn es mußten ja ganze Völker im Gemüte wieder aufgerichtet werden!) ist "Ein Herz kehrt heim" aus dem Jahre 1956 gewiß nicht, die unter der Regie von Eugen York entstanden ist.
Vielmehr werden sogar Themen angerissen, die für so einen Publikumsfilm, der unter der Schiene der Stimmungsfilme der Anfänge des Wirtschaftswunderlandes lief, ganz erstaunliche Tiefe haben. (Übrigens: Adenauer war einer derjenigen, die davor gewarnt haben, dem Volk aus scheinbarem "Stimmungsbedürfen" schlechte Kunst zu bieten; das Gegenteil sollte seiner Ansicht nach stattfinden!) Und "Ein Herz kehrt heim" wird seinen Erfolg gehabt haben, er erlaubt auch (war für seine Qualität spricht), ein paar Stufen drunter gelesen zu werden. Aber das war damals gar nicht so notwendig. Auch von der eigenen Mutter mit nicht mehr als der damals üblichen achtjährigen Grundschulausbildung weiß der VdZ, daß der Sinn für echte Tragik und Substanz der dramaturgischen Konflikte weit ausgeprägter war, als die Medienmacher jener Zeit manchmal meinten, den Leuten zumuten zu dürfen. Denn die seien ja dumm.
Samstag, 21. November 2020
Dem zarten Empfinden von Frauen und Kindern angepaßt
Es gab noch vor einigen Jahrzehnten den Begriff der Bowdlerisierung (Bowdlerization). Heute versteht den wohl noch kaum jemand.
Er stammt ursprünglich aus dem Englischen. Und geht zurück auf eine Shakespeare-Ausgabe eines gewissen Thomas Bowdler, die im 19. Jahrhundert unter dem Titel "The Family Shakespeare" die Werke des Dramatikers Frauen und Kindern "angepaßt" präsentierte.
Bowdler hat darin alle das (bzw. sein) Sittlichkeitsgefühl anrührenden Stellen und Konstellationen geglättet, um sie dieser Zielgruppe anzupassen, ohne diese zu zerrütten oder zu verstören. Ophelias Tod war da etwa kein Selbstmord, sondern ein Unfall.
Zur Erinnerung: Ophelia ist Hamlets Geliebte. Sie läßt sich von ihren Verwandten (Laertes!) überzeugen, daß Hamlet sie nicht wirklich liebt, sondern nur ihre Liebe zu ihm (die durch Hamlet offenbar erwidert wird, zumindest beteuert er sie mehrfach) zu erotischen Zuwendungen ummünzen will. Von selber wäre Ophelia freilich nie darauf gekommen, denn ihrer Wahrnehmung nach war Hamlet in seinen Liebesschwüren ehrlich. Doch das Säen des Zweifels hat Erfolg, sie kann Hamlets Verhalten nicht mehr deuten, wird verwirrt, und endet im Selbstmord.
Mittlerweile gibt es kaum noch aktuelle Neuauflagen alter Literatur, egal ob für Kinder oder Erwachsene, die nicht sprachlich "bereinigt" und "heutigem Sittenbedürfnis" angepaßt wurde.
Die Parallele zur politically correct Sprachreinigung, wie sie heute stattfindet, ist für den VdZ augenfällig. Der Leser möge die Aussage daraus selber bilden.
Franco Moretti zieht in "Der Bourgeois" aber noch eine andere Parallele. Er sieht in der Erzählart sowohl von Charles Dickens wie der Hollywoods in Repräsentanten wie Stephen Spielberg analoge Vertreter genau dieser moralischen, angepaßten Erzählweise. Und es ist seines Erachtens nach sehr bezeichnend, daß sie allesamt Geschichten erzählen, die sich gleichermaßen an Erwachsene wie an Kinder richten.
Sowohl Anti-Intellektualismus wie auch der Nützlichkeitsaspekt für die aktuelle Sicht und Dringlichkeit der Bildungspolitik, meint Moretti, kämen darin zum Ausdruck. Die penetrante Allgegenwart von Worten wie "heute" oder "einst", die sich darin finde, zeige eine nur dünn übertünchte Verachtung für die kritische Auseinandersetzung mit menschlichen Gedanken und Gefühlen.
Samstag, 26. September 2020
Was allem zu Grunde liegt (2)
Teil 2)
Man sagt oft, daß Rußland der falsche Ort für die kommunistische Revolution gewesen sein soll, weil das Land ja gar nicht in der für eine Revolution (lt. Marx) notwendigen spätkapitalistischen Phase gewesen war, ja es war noch nicht einmal voll kapitalistisch. Nichts ist aber unwahrer. Es war der richtige Ort.²
Denn Rußland war die passende Idee zum inneren Wesen eines Landes und seines Kernvolkes, das sich zur Weltherrschaft berufen fühlte und bis heute fühlt. Nicht einmal die Staatsidee hat sich geändert, als die eines zentralistisch, autokratisch regierten Landes, das Rußland seit je gewesen ist.
Niemand geringerer als Lenin hat das gewußt, und die alten Grundzüge russischer Herrschaft aufgegriffen: Marxismus war für Lenin Werkzeug, nicht Ziel, für eine andere Universalidee von Herrschaft. Und die besteht unverändert bis heute. Sie baut auf eine radikale Verjüngungsfähigkeit eines leidensfähigen Volkes, auf der Bereitschaft der Führung (siehe Peter d. Große!), Überholtes und Unnützes über Bord zu werfen, und Neues zu integrieren.
Auf dem Boden des russischen Messianismus steht auch die alte Tugend epochenüberspannender Geduld, die sogar bereit ist, vorübergehend schwache Positionen vorerst aufzugeben (um sie später wieder an sich zu reißen), sowie der unentwegte Wille, sich mit dem Gefühl der Legitimität in die inneren Angelegenheiten anderer Völker zu mischen.
Rettung aus dem Chaos und Befreiung unter ein "mildes Joch" (das nur hart wird, wenn der Befreite sich wehrt) sehen sich nicht nur die Menschen des westlichen Europa, die ihrer Kultur müde sind. Es sind auch alle jene, die im Laufe der letzten Jahrzehnte von einem "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" sprachen, der die Menschheit befreien soll - und damit eine Idee verfochten haben, die demselben Anspruch unterliegt: Die Befreiung und messianische Rettung der Menschheit.**
Mittwoch, 10. April 2019
Kuh- statt Pferdemist? Beides stinkt (2)
Dienstag, 9. April 2019
Kuh- statt Pferdemist? Beides stinkt (1)
Samstag, 1. September 2018
Dieses Drehbuch wird gerade geschrieben
Halt, noch einen Sieger wird es geben, die Zugewanderten, namentlich vor allem die Zugewanderten aus muslimischen Ländern. Die sich sofort gegen die Linke wenden wird, sobald sie demokratisch Gewicht haben wird, aus Beobachtungen in der Geschichte wird das wahrscheinlich beim Erreichen von 10 Prozent sein. Ab da verändert sich schlagartig auch ihr Charakter. Und sie wird die Linke offen als das ansprechen, was sie ist: Ganz sicher nicht islamfreundlich.
Denn kaum noch jemand fühlt sich weil seine Rechtsvorstellung noch vom Rechtssystem und der Politik dieses Landes vertreten. Fast jeder aber fühlt sich schon drangsaliert und betrogen, und das mit Recht, denn wie sollte das auch anders sein? Wir stehen, vergessen wir das nicht, in einer Phase, wo schon seit Jahren, und erst in den letzten Jahren mit beeindruckendem Ausmaß, das Recht seine Rolle an Gesinnung und linke Utopie abgetreten hat. Ja, wir leben in einer Situation, die die Folge eines unausgesetzten Rechtsbruchs gerade des Establishments ist.**
Mittwoch, 5. Februar 2014
Pflicht zum Widerstand
Die Großen der Völker, die Adeligen, hätten Zentralismus niemals zugelassen, bildeten ein Gegengewicht zum Herrscher. Was mit der Zentralmacht deshalb zwangsläufig mit der Erstarkung der Herrschermacht (Stichworte: Handel - Städte - Bürgertum - Geld) kam war die Auswechselung des Adels - vom Volks- und Landadel hin zum Beamten-, Geld- und Herrscheradel. Selbst Außenpolitik war damit strengstens an das Volksempfinden gebunden. Imperiale, persönliche Gelüste hatten kaum eine Chance, stießen auch oft genug auf Widerstand, oder wurden zur Privatangelegenheit des Herrschers, für die er allenthalten Allianzen im Volk suchen mußte.
Wer etwa die Geschichte Tirols ansieht, wo die Freiheit noch so ungebrochene Tradition hat, stellt diese erstaunliche Stärke des Volkes immer wieder fest. Nie hätte ein Tiroler die Waffe zu anderen Zwecken als der Verteidigung seines Landes erhoben, nie sich für Außenpolitik mißbrauchen lassen. Darüber (und über mehr) hat sich erst die absolutistische Maria Theresia hinweggesetzt. Außenpolitik dieser Art war eine Frucht der Marken (wie Preußen, Österreich), die von Boden- und Wurzellosen besiedelt wurden, wo eine völlig andere Rechtssituation als in den alten Ländern herrschte.
Die Geschichte Englands in ihrer freiheitlichen Tradition, dem Widerstand gegen absolute Königsmacht, ist deshalb auch wohl den Sachsen zu verdanken, bei denen die Freiheit des Einzelnen besonders stark verankert war.
Wobei sich jeder direkt dem König gegenübersah, wenn ungerechte Gesetze verhängt wurden. Hier gab es keine Standesschranken, Könige sammelten so oft viele sehr persönliche Feinde. Und niemand nahm sich ein Blatt vor den Mund, wenn er der Meinung war, daß der Herrscher gegen das höhere Recht verstieß.
Hier findet sich auch eine wesentliche Aufgabe der Kirche, die sie auch damals zumindest einhielt, damit auf der Seite des Volkes stand, weil es dessen Ordnung im Zusammenleben schützte. Ihr ausgearbeitetes und formalisiertes Widerstandsrecht verband sich hier mit dem alten germanischen Rechtsempfinden, wie es bis heute lebendig ist.
Das stellt man mit Wehmut fest. Es ist der Freimut, der uns so fehlt. Der Untertanengeist, in dem wir lieber unsere Ehre verlieren, als uns falschen Gesetzen nicht zu beugen.
*Wobei ein Rest dieser Auffassung, daß ein Herrscher nur MIT der Zustimmung des Volkes regieren durfte, auch in der römischen Zeit als allgemeines Rechtsempfinden erkennbar ist. Anders ist vieles nicht zu verstehen, meint Fritz Kern in seiner Untersuchung des Widerstandsrechts. Also auch den romanischen Völkern nicht fremd gewesen sein dürfte.
Freitag, 3. Januar 2014
Koalition der Wurzellosen
*Kaiser Maximilian mußte bereits zu Beginn des 16. Jhds. Gesetze zur Wiederaufforstung im Unterland von Tirol erlassen, weil der durch die Pächter (wie die Fugger, Welser etc. - alles Emporkömmlinge, sie alle kamen aus dem Nichts, und doch stützte sich die kaiserliche Macht fast zur Gänze auf sie) Salz-, Kupfer- und Silberbergbau, der sich ausschließlich durch SEINE bzw. kaiserliche Initiative entfaltet hatte, die Wälder rücksichtslos abgeholzt und Mondlandschaften hinterlassen hatte.
****Auch der Begriff des Monarchen ist ja ohne Bezug zum Boden, ohne feste Verankerung. Und bis in die neueste Neuzeit hinein war ihr Herrschaftsbereich nicht auf Land und Boden bezogen, sondern lediglich an ihre Person und persönliche Bindung. Mit dem Volk verwurzelt waren immer nur die kleinen Vögte und Grafen und Herzöge, die aus den Besten des Volkes jeweils hervorgingen bzw. sogar gewählt wurden. Adel im besten, ja im eigentlichen und patriarchalen Sinne, als mit dem Volk zur Familie verbundener Landadel, wie es ihn sehr wohl gab. (Eine sehr lesenswerte Geschichte, die glaubhaft die Entstehung solcher gesunder Volksstrukturen beschreibt, ist "Witiko" von Stifter.) Die Entartung der Herrschaft zur Unterdrückung ihrer Untergebenen, wie sie etwa auch in der selben Zeit ihre Auswüchse zeitigte, wo die Untertanen im eigentlichen Sinn entstanden, willenloses Material in den Händen herrscherlicher Willkür, geht bereits auf einen neuen, wurzellosen Kunstadel zurück, der sich aus königlichen, monarchischen Dienstnehmern - wieder allesamt Emporkömmlinge - rekrutierte.
Freitag, 13. Dezember 2013
Königsmacht durch Geduld. Und Bürgergeld (2)
Über die Verlagerung des Wirtschaftens auf Geld erlangten die Städte aber rasch mehr (reale) Macht als der sie umgebende Adel. Die Wirtschaftsmethoden der Landherren waren ja nur auf Eigenversorgung - eben dem alten römischen, von der Kirche übernommenen Prinzip der Domänen folgend - und Naturalwirtschaft ausgerichtet. Die Städte zogen aber die Bauern an, denn sie brauchten landwirtschaftliche Produkte, die sie mit Geld bezahlten. Damit begannen sie nach und nach, die Macht der adeligen, ritterlichen Landbesitzer zu untergraben, denn die Bauern lieferten nach wie vor ihre Abgaben an ihre Herren in Naturalien, veränderten aber ihre Art zu produzieren, produzierten erstmals über den Eigenbedarf inaus. Denn was sie da erwirtschafteten blieb ihnen auch, in barem Geld. Viele kauften sich sogar von ihren Landesherren frei. Deren Wirtschaftskraft auf diese Weise sank und sank, und zwar so beträchtlich, daß schon im 13. und 14. Jhd. der Großteil der Ritter und kleineren Landbesitzer ruiniert war.
Das französische Königreich aber stand ab dem 16. Jhd. in einer Kraft und Blüte da, in der Frankreich still und leise, über Umwege und Geduld, zur Weltmacht geworden war.
Donnerstag, 12. Dezember 2013
Königsmacht durch Geduld. Und Bürgergeld (1)
So unscheinbar schienen aber die Könige nach wie vor, daß die Lehensnehmer, die Herzöge der ans Kernland anschließenden Domänen, die sogar größer, reicher, mächtiger waren, nicht im Traum daran dachten, das Machtgefüge zuungunsten des Königs zu verschieben. Wozu? Er kratzte sie nicht.
Zufällig hatte über Jahrhunderte jeder König der Kapetinger auch noch einen Sohn, der zu Lebzeiten als Nachfolger installiert wurde, was alle akzeptierten. So wurde die Königswahl durch die Fürsten allmählich zu einer bloßen Zeremonie. (In Deutschland verlief die Entwicklung ja sogar umgekehrt). Bis das Königtum so selbstverständlich mit den Kapetingern verbunden war, daß niemanden mehr störte, auf die Zeremonie zu verzichten, und die Königswürde gleich erblich zu machen.
Es hielten einfach alle, Adel wie Volk, an der formalen und traditionell sakral aufgefaßten Königswürde des Königs fest. So, wie es Karl der Große eben installiert hatte, der die Verdrängung der Merowinger nur über göttlichen Auftrag legitimieren konnte, und blieben formell Untertanen - was die Lehensnehmer ohnehin praktisch kaum berührte.
Auch das Ausland interessierte sich wenig für ein realpolitisch so schwaches Königreich. Es war niemandem Bedrohung, und außenpolitisch nicht existent. Außer, daß es sich mit dem Papsttum (das sich gegen die deutschen Kaiser zu behaupten begann) mehr und mehr verband.
Da bekam die Entwicklung eine ganz eigentümliche Dynamik. Denn mit dem Aufkommen der Städte im 11./12. Jhd., die dem Handel zuzuschreiben ist, entstand zu der Zeit eine neue Bevölkerungsschichte - die der Bürger. Ein Stand, der aus dem Nichts, aus den Unfreien, oft Verachteten weil Wurzellosen gar emporgewachsen war. Ein Stand, der "in der Luft" hing, und auf formale Legitimierung brannte. Mit dem vor allem aber ein Faktor ins Spiel kam, der die Geschichte Europas von Grund auf neu bestimmen sollte - GELD. Das über Jahrhunderte in Europa nahezu verschwunden war.
Montag, 9. Dezember 2013
Der Handel als Teufels Werk
Der brutale kapitalistische Geist entstand zugleich mit dem Handel. Er hatte ihn immer beherrscht, und war am Anfang sogar noch weit stärker, als er es heute ist. Und er entstand in einer Bevölkerungsschichte der Wurzellosen, die von Anfang an ein seltsamer Umstand begleitet: eine Stellung des Vorrechts, wie sie sie zuvor noch nie gegeben hatte.²
**Werner Sombart kommt ja sogar zu der Auffassung, daß der Kapitalismus sich überhaupt aus dem Luxusbedürfnis vor allem der Frauen entwickelt hat. Und so ganz unrecht dürfte er damit gar nicht haben.
***In der spätgotischen Tiroler Pfarrkirche von Schwaz befindet sich noch im 16. Jhd. eine hölzerne Trennwand zwischen den Einheimischen und den zugewanderten Geschäftemachern, den Knappen - ein illustratives Beispiel.
****Bald wurden diese neuen Siedlungen, die sich um alte Verwaltungszentren - Burgen oder Bischofssitze - herum bildeten, zum Schutz mit neuen Wällen und Steinmauern umgeben, wurden zur "Vorstadt", zur "forisburgus", zur "neuen Burg" ("nouveau bourg"). So wurden ihre Bewohner zu ... Bürgern (bourgeois).
²Selbst bei den Römern war der Bauer mit dem Stadtbewohner rechtlich absolut gleichgestellt. Das war im Europa des Mittelalters und der Neuzeit nicht so: der Stadtbewohner war bevorrechtet, genoß überhaupt bald ein Sonderrecht. Rechte aber hatte neben dem Klerus nur der Adel - als Landbesitzer, dem das uralte Recht des Freien VERBLIEBEN war. Daß bürgerliche Parteiungen dem (alten) Adel später dann vorwarfen, er habe VORRECHTE, ist also eine groteske Verdrehung historischer Tatsachen.
Dienstag, 2. April 2013
Von den Ständen
Was der Staufer da tat, entsprang nicht zufällig einer grundsätzlichen Gedankenbewegung - der konkreten Erneuerung des Römischen Reiches, die Friedrich in seinem Cäsarentum (mitsamt der Gottgleichheit des Herrschers) sehr handgreiflich wiederbelebte. Schon bei den Römern trat diese Erscheinung der Bürokratie auf, und auch hier war sie eine Verfallserscheinung.
Noch schlimmer wird die Verwirrung, wenn solcherart klasseninterne Ordnungen auch dem Standesgefüge gegenüber gelten sollen, sodaß Rang oder Fertigkeit den Stand ersetzt. Das sind sämtlich degenerative Erscheinungen der Auflösung der Stände, schreibt Riehl.
Diese Einteilung in drei Stände ist uraltes Menschheitsgut, als Grundgefüge der Schöpfung. Sie ist schon in ältesten indogermanischen Wurzeln nachweisbar, wo sie den gesellschaftlichen Kräften gemäß (Gesellschaft als Nachbildung des göttlichen Ideenkosmos, ja der Dreifaltigkeit als Grundstruktur alles Geschaffenen), in variierender Nuancierung, in der Form von Krieger/Mann/Edelmann - Bauer/Frau/Bürger - Priester/Sänger/König auftreten.* Wobei diese Dreifaltigkeit als Idee - Geist - Fleisch - Dreiheit in allen Ständen wiederum Struktur des Wirklichen bildet.
*Im Kastenwesen Indiens findet sich diese Dreiteilung - historisch degeneriert und gewandelt - bis zum heutigen Tag.

