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Samstag, 22. Oktober 2022

Der Leidende leidet nur (2)

Die Ablenkung vom Sinn. 'Kein Mitleiden - Nur eine Gruppe macht deshalb das Leiden der Leidenden unruhig. Eine Gruppe, die ihre Stunde gekommen sieht, den eigenen Machtanspruch zu rechtfertigen. Wie diese erwähnte Intellektuellengruppe. Die dnan eifrig darüber beriet, wie man Strukturen und welche aufbauen müßte, um das Volk aus der Misere zu führen. Und dazu wollten sie noch mehr agitieren, um noch mehr Volk auf die Straßen zu bringen.
Damit jedoch wird mit dem perfidesten aller Tricks gearbeitet: Mit dem Winken mit einer Standeserhöhung durch Tienahme am Aufstand der Intellektuellen, die sie - wie Gott, wie das, was am Horioont der Intellektuellen steht - vonihrem Leid befreien wird. Ganz ohne Gott. Ganz ohne Leiden.
Es gibt dieses Volk nicht, und alle die Aufrufe, die von Millionen schwärmen, die angeblich diesen deutshcen Herbst und Winter unter die freien Himmel der Stäte und Dörfer treiben würden, die gibt es nicht und die wird es nicht geben.

Freitag, 21. Oktober 2022

Der Leidende leidet nur (1)

Wieder habe ich es gehört. Wieder haben Intellektuelle in einem hochgelahrten Disput über die Gegenwart davon gesprochen, daß diese und jene Untätigkeit der Regierung eingetreten und zu befürchten" sei, und daß diese damit immer näher dme Punkt käme, an dem dieMassen aufstünden, auf die Straße gingen, und ihr Brot forderten.

Ich weiß nicht, was es war, aber diesmal stand es in großen Buchstaben vor meinen Augen. Diesmal sah ich klar, was da betrieben wurde, und warum.

Denn ich sah diesmal, daß sich dieses Schema seit Jahrund Tag udn Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden, wiederholt. Denn was diese Gelahrten und Intellektuellen da brabbelten, war alles andere als eine Beschreibung der Wirklichkeit, die angestochen wurde, und nun vor dem Ausströmen stehen soll. 

Dieses Imperativische der Worte ist nie zufällig gewählt. Sollen ist ein Befehl,  ein Imperativ, von dem die Imperatoren hoffen, daß er befolgt werde. Von wem? Von den Eliten. Anführern und Politikchefs, zu denen sie selbst nicht gehören.  Und von denen, denen sie angeblich Gutes tun. Ist das aber so?

Samstag, 23. Juli 2022

Von fataler Romantisierung und noch fataleren Undifferenziertheiten (2)

Technizisten protestieren eben schneller als Substantialisten. Sind sie acher? Nein. Entwurzelter, universalisierter? Ja. Hier schreibt der Sohn eines der ersten Bauernbund-Politikers Österreichs nach 1945. Der die kommende Politik gehaßt, aber auch die Bauern wegen ihrer primitiven Gier verachtet hat. - Herrschaften, das sind reale Probleme, und deren gibt es noch mehr. Sie verlangen, daß man auch die unerträgliche Lgein den Niederlanden mit feiner Pinzette sortiert. Der Bauer hat sich in Europa nämlich schon in weiten Teilen - und zwar AUS POLITISCHEM WILLEN, es war gewollt, es war herausgefordert, es war gefordert und mit Milliarden udn Abermilliarden an Geld bewässert - zu einem Industrieunternehmer entwickelt, der kaum noch über die wahren Zusammenhänge von Leben und Lebendigem nachdenkt.

Freitag, 22. Juli 2022

Von fataler Romantisierung und noch fataleren Undifferenziertheiten (1)

Noch mehr als alles sonst fallen zwei Richtungen auf, in die die Gegenwart mit voller Fahrt gerast ist: Die eine ist die Aufdeckung der zahllosen Widesprüche, in die unser Denken (als öffentliches Sprechen) geraten ist, weil die Denkvoraussetzungen voller Widersprüche und Irratinalismen sind. 

Und zum zweiten ist der Widerpruch zwischen Rationalismus und dem Wirklichen selbst aufgebrochen, am deutlichsten erkennbar durch eine Elite, die jeden persönlichen, schöpferischen Bezug zur Welt verloren hat, und die Welt nach Modellen "denkt", und dabei an ihrem innersten Wesen zerschellt. Das ber die einfahcen Bürger nahc wie vor fühlen, und an das sie sich gebunden fühlen (denn wonach sollte ein Mensch sonst sein Leben orientieren), ohnd ber die Widersprüche im Denken und Sprechen och auflösen zu können. Weil das Denkwerkzeut nicht mehr zur Verfügung steht.

      Luftausnahme der Protestaufmärsche       
Am Beispiel der niederländischen Bauernproteste wird es ganz klar erkennbar. Denn die Art und Weise, wie in den Niederlanden Landwirtschaft betrieben wordne ist, ist keijneswegs der Weg eines gottverbundenen Lebens in der Ordnugn der Schöpfung, sondern ein brutales Ausbeuten der chemisch-physikalischen Mechanismen, soweit sie als "wisenschaftlich" erkennbar wurden. Nein, ich mölchte keine holländischen Tomaten und keine Massenproduktion von SChweinefleich, ganz einfach. Massenprodukte, die in eine Ausmaß den gewachsenen, gesunden europäischen Landwirtschaftskreislauf ruiniert haben, der sehenswert ist.

Donnerstag, 5. Mai 2022

Von der Gewalt der Schönheit

Leider ist die in der Antike weithin und lange Jahrhunderte berühmte Statue der Phryne aus der Hand des Praxiteles, der sich wie so zahllos viele unsterblich in die Frau verliebt hatte, irgendwann zerstört worden. Von ihr weiß man also nur noch aus der Überlieferung, denn nach ihrer Entstehung im 4. Jahrhundert v. Chr. war man jahrhundertelang aus der ganzen Welt nach Athen gereist, um dieses Wunder der Schönheit zu sehen. Die angebliche Kopie, die im Vatikan steht, ist alles andere als eine solche, wie kompetente Kunsthistoriker bewiesen haben. 

Als ich dann im Netz nach hierher übertragbaren Bildern suchte, um dem Leser einen Eindruck zu vermitteln, wie diese im 4. Jahrhundert v. Chr. vielleicht berühmteste Hetäre (=Gefährtin) des antiken Griechenland ausgesehen haben könnte, mußte ich passen. 

Freitag, 3. Dezember 2021

Und das passiert nun wirklich.

Es mag unübersichtlich aussehen, dieses Spiel zwischen Kritikern hier, und Politik und Establishment dort. Aber eine Linie war von Anfang an erkennbar, und sie verläuft für viele ganz sicher überraschend. Ja, ganz sicher überraschend.

Doch belasse ich es vorerst mit folgender Beobachtung: Wenn auch auf allen Seiten, so zeigt sich in der Kritik, in der Gegenströmung, die sich am Coronawahn formiert hat - formiert, denn bestanden hat sie schon sehr sehr lange, ja seit es den Menschen gibt - und der auch diese Seiten zu dienen scheinen (sic! es ist eine reine Koinzidenz, keine Communio, ich hoffe sehr, daß ich das hier bereits ausreichend zeigen konnte) ein allen gemeinsamer Zug. Die einen haben ihn ohne es zu wissen, und mäandern deshalb zwischen ihm und dessen Gegenteil (sic!). Die anderen folgen ihm gezielt und bewußt. 

Wir erleben aber nun den endgültigen Siegeszug der französischen Revolution.
So, wie Jacques Rousseau als "Prototyp des Gegenwartsmenschen" angesehen werden muß, und zwar bis auf Punkt und Komma, ist das amerikanische und später französische Revolutionsgeschehen auf oder kurz vor seinen maximal möglichen Punkt der Vollendung angelangt. 
Das ist nicht metaphorisch, sondern knochentrocken real zu sehen. Wie leben also in der späten Phase einer ganz realen Revolution, die etwa 1776 begonnen hat, und deren Ziel war, die Welt zu umfassen. Und die eine Idee, einen Alternativentwurf zur Schöpfung als einer Welt, aus der Gott entfernt werden kann und muß, die Idee des Rationalismus (Aufklärung), in dem das Denken des Menschen zum ultimativen Geist erhoben wurde, auf die Ebene der Realisierung gehoben hat.

Sonntag, 4. Juli 2021

Gedankensplitter (1166)

ie Bürokratie wächst in dem Maß, als das Vertrauen verdunstet, daß der andere und ich dieselben Vorstellungen von Sachlichkeit, dieselbe Art von Zugang zu Sachverhalten (Erkenntnis ist eine Frage der Liebe; allgemeine Liebe ist somit allgemein hohe Kenntnis weil Offenheit für die Sachen der Welt) haben. Und deshalb im Rahmen der Bedingungen eines Ortes (an dem wir beide stehen; das heißt einer Aufgabe aus Beziehung, die wir beide annehmen und der wir beide treu bleiben) auch vom anderen gleichermaßen erfüllt werden.

Wenn sich der eine des anderen nicht mehr sicher sein kann, steigt die Notwendigkeit und die Bereitschaft, Abläufe und zu erzielende Eigenschaften zu beschreiben und deren Entstehung zu sichern. 

Nicht nur die Qualitätssicherungssysteme sind deshalb vor 30 Jahren aufgetaucht, sondern auch die "blitzschnellen) Kommunikationssysteme - nicht nur Mobiltelephone, sondern es begann beim Telefax, ging zu den Pagern (auch damals Ausdruck besonderer Wichtigkeit und autoritativer Stellung), ging übers Autotelephon, das Internet und schließlich die Cellphones, die Mobiltelephone, bis zu der nächsten Generation, den automatischen Kommunikatoren (als ins Gehirn eingesetzte Transistoren und Kleinstmaschinen), die zumindest über Teilbereiche "abstimmen"; das "intelligente Haus" ist im übrigen ebenfalls Teil dieses "Vertrauens-Ersatzsystems" - haben damals ihren Ausgang genommen. Der VdZ kann sich noch gut erinnern,

Samstag, 15. Mai 2021

Der Samstag Nachmittag Film (1)

Natürlich ist es schon an sich ein Vergnügen, Willy Birgel, den jungen Maximilian Schell (in noch ganz ungewohnter heller Stimmlage!) und den noch jüngeren Heinz Reincke, den wunderbaren Hans Nielsen und jede Menge anderer Filmsterne in derartiger Zusammenballung zu sehen. Aber eine gut gemachte Schnulze (und Schnulzen konnte man in jener Zeit gut machen, gewissermaßen sogar im staatlichen Auftrag, meine Herren, denn es mußten ja ganze Völker im Gemüte wieder aufgerichtet werden!) ist "Ein Herz kehrt heim" aus dem Jahre 1956 gewiß nicht, die unter der Regie von Eugen York entstanden ist. 

Vielmehr werden sogar Themen angerissen, die für so einen Publikumsfilm, der unter der Schiene der Stimmungsfilme der Anfänge des Wirtschaftswunderlandes lief, ganz erstaunliche Tiefe haben. (Übrigens: Adenauer war einer derjenigen, die davor gewarnt haben, dem Volk aus scheinbarem "Stimmungsbedürfen" schlechte Kunst zu bieten; das Gegenteil sollte seiner Ansicht nach stattfinden!) Und "Ein Herz kehrt heim" wird seinen Erfolg gehabt haben, er erlaubt auch (war für seine Qualität spricht), ein paar Stufen drunter gelesen zu werden. Aber das war damals gar nicht so notwendig. Auch von der eigenen Mutter mit nicht mehr als der damals üblichen achtjährigen Grundschulausbildung weiß der VdZ, daß der Sinn für echte Tragik und Substanz der dramaturgischen Konflikte weit ausgeprägter war, als die Medienmacher jener Zeit manchmal meinten, den Leuten zumuten zu dürfen. Denn die seien ja dumm. 

Samstag, 21. November 2020

Dem zarten Empfinden von Frauen und Kindern angepaßt

Es gab noch vor einigen Jahrzehnten den Begriff der Bowdlerisierung (Bowdlerization). Heute versteht den wohl noch kaum jemand.

Er stammt ursprünglich aus dem Englischen. Und geht zurück auf eine Shakespeare-Ausgabe eines gewissen Thomas Bowdler, die im 19. Jahrhundert unter dem Titel "The Family Shakespeare" die Werke des Dramatikers Frauen und Kindern "angepaßt" präsentierte.

Bowdler hat darin alle das (bzw. sein) Sittlichkeitsgefühl anrührenden Stellen und Konstellationen geglättet, um sie dieser Zielgruppe anzupassen, ohne diese zu zerrütten oder zu verstören. Ophelias Tod war da etwa kein Selbstmord, sondern ein Unfall.

Zur Erinnerung: Ophelia ist Hamlets Geliebte. Sie läßt sich von ihren Verwandten (Laertes!) überzeugen, daß Hamlet sie nicht wirklich liebt, sondern nur ihre Liebe zu ihm (die durch Hamlet offenbar erwidert wird, zumindest beteuert er sie mehrfach) zu erotischen Zuwendungen ummünzen will. Von selber wäre Ophelia freilich nie darauf gekommen, denn ihrer Wahrnehmung nach war Hamlet in seinen Liebesschwüren ehrlich. Doch das Säen des Zweifels hat Erfolg, sie kann Hamlets Verhalten nicht mehr deuten, wird verwirrt, und endet im Selbstmord.

Mittlerweile gibt es kaum noch aktuelle Neuauflagen alter Literatur, egal ob für Kinder oder Erwachsene, die nicht sprachlich "bereinigt" und "heutigem Sittenbedürfnis" angepaßt wurde. 

Die Parallele zur politically correct Sprachreinigung, wie sie heute stattfindet, ist für den VdZ augenfällig. Der Leser möge die Aussage daraus selber bilden.

Franco Moretti zieht in "Der Bourgeois" aber noch eine andere Parallele. Er sieht in der Erzählart sowohl von Charles Dickens wie der Hollywoods in Repräsentanten wie Stephen Spielberg analoge Vertreter genau dieser moralischen, angepaßten Erzählweise. Und es ist seines Erachtens nach sehr bezeichnend, daß sie allesamt Geschichten erzählen, die sich gleichermaßen an Erwachsene wie an Kinder richten.  

Sowohl Anti-Intellektualismus wie auch der Nützlichkeitsaspekt für die aktuelle Sicht und Dringlichkeit der Bildungspolitik, meint Moretti, kämen darin zum Ausdruck. Die penetrante Allgegenwart von Worten wie "heute" oder "einst", die sich darin finde, zeige eine nur dünn übertünchte Verachtung für die kritische Auseinandersetzung mit menschlichen Gedanken und Gefühlen.



*191020*

Samstag, 26. September 2020

Was allem zu Grunde liegt (2)

Teil 2)


Man sagt oft, daß Rußland der falsche Ort für die kommunistische Revolution gewesen sein soll, weil das Land ja gar nicht in der für eine Revolution (lt. Marx) notwendigen spätkapitalistischen Phase gewesen war, ja es war noch nicht einmal voll kapitalistisch. Nichts ist aber unwahrer. Es war der richtige Ort.² 
Denn Rußland war die passende Idee zum inneren Wesen eines Landes und seines Kernvolkes, das sich zur Weltherrschaft berufen fühlte und bis heute fühlt. Nicht einmal die Staatsidee hat sich geändert, als die eines zentralistisch, autokratisch regierten Landes, das Rußland seit je gewesen ist.
Niemand geringerer als Lenin hat das gewußt, und die alten Grundzüge russischer Herrschaft aufgegriffen: Marxismus war für Lenin Werkzeug, nicht Ziel, für eine andere Universalidee von Herrschaft. Und die besteht unverändert bis heute. Sie baut auf eine radikale Verjüngungsfähigkeit eines leidensfähigen Volkes, auf der Bereitschaft der Führung (siehe Peter d. Große!), Überholtes und Unnützes über Bord zu werfen, und Neues zu integrieren. 
Auf dem Boden des russischen Messianismus steht auch die alte Tugend epochenüberspannender Geduld, die sogar bereit ist, vorübergehend schwache Positionen vorerst aufzugeben (um sie später wieder an sich zu reißen), sowie der unentwegte Wille, sich mit dem Gefühl der Legitimität in die inneren Angelegenheiten anderer Völker zu mischen.


Rettung aus dem Chaos und Befreiung unter ein "mildes Joch" (das nur hart wird, wenn der Befreite sich wehrt) sehen sich nicht nur die Menschen des westlichen Europa, die ihrer Kultur müde sind. Es sind auch alle jene, die im Laufe der letzten Jahrzehnte von einem "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" sprachen, der die Menschheit befreien soll - und damit eine Idee verfochten haben, die demselben Anspruch unterliegt: Die Befreiung und messianische Rettung der Menschheit.**


Darunter alle die Sozialdemokraten der letzten Jahrzehnte, die im gesellschaftlichen Umbau nach sozialistischer Grammatik und Zielsetzung so erfolgreich waren, darunter auch Personen wie ... Angela Merkel.

Sie sagen es, sie verhehlen es nicht, sie sind "ehrlich": Sie alle wollen es. Sie alle wollen Sozialismus. Und sie folgen einer Ideologie, die als Gedanke ein klares Ziel hat. Ehe das erreicht ist, wird er nicht ruhen, weil seine Verfechter nicht ruhen werden.

Und sie haben nie geruht. Denn der Mensch wird seinem Wesen nach - als Gott ähnlich, abbildlich - vom Sinn, vom logos getrieben. Wendet er sich gegen den göttlichen Ursprung der Schöpfung, gegen den logos, der allem zugrunde liegt, ist alles an ihm von diesem Verhältnis zum logos bestimmt. Den wegzubeweisen, den abzuwehren, den niederzuringen er alles aufbietet was er hat. Also all sein Denken und Lügen und Verwirren und Töten. Und zu beweisen, daß ein anderes Konzept stimmt und die Welt zu bestimmen vermag. Niemand ist deshalb so getrieben wie der Kommunist. 

 

²Die Zaren mußten 1917 abtreten, weil sie zu beschränkt weil Rußland-zentriert und damit nicht in der Lage waren, über-nationale Völker zu integrieren, also global zu agieren. Das wollte aber Lenin, auf der Grundlage der tieferen "russischen Sendung zur Weltherrschaft." Und die marxistische Ideologie gab diesem russischen Sendungsauftrag die globale Dimension. 

**Damit sind auch die Feinde Rußlands rasch ausgemacht. Es sind alle jene, die denselben Anspruch haben.


*170920*

Mittwoch, 10. April 2019

Kuh- statt Pferdemist? Beides stinkt (2)

Teil 2)




Der Feudalismus ging über alle die Jahrtausende (und weltweit) eben nur bis zu dem Moment gut, wo die Zentralmacht, der Oberste aller Fürsten, geschwächt wurde. Es begann mit dem unseligen Investiturstreit des 11. Jahrhunderts, dessen Ausgang die königliche Macht demonstrativ brach. Darin aber vor allem den ehrgeizigen Teil des Adels aufstachelte, sich selber der Oberhoheit zu bemächtigen. Was sogar zu einem Interregnum führte. Bis man draufkam, daß es doch eine Oberhoheit brauchte (und Rudolf von Habsburg zum Kaiser gewählt wurde). Und fand seinen definitiven Höhepunkt in dem, was in England "Magna Charta" (1215) genannt wurde, mit der sich heute gräßliche Mißverständnisse verbinden. Denn es ist lächerlich, sie als "erste Festschreibung der bürgerlichen Rechte" zu sehen.

Nichts war sie weniger. Sie war eine Entmachtung des englischen Königs zugunsten eines sich immer mehr als solchen festigenden, selbstherrlichen (neuen) Adels. Die gesamte Entwicklung Englands ab diesem Moment - die Bildung eines allmächtigen Landadels hier, und über die Reformation als deren Meisterstück die Bildung eines rechtlosen, verarmten Volkes dort - ist unter diesem Gesichtspunkt zu sehen. Eine ähnliche Entwicklung fand fast zeitgleich in Deutschland statt, wo ein nur an Italien interessierter Staufer Friedrich II. dem deutschen Adel im Gegenzug für Militärdienste (und "Ruhe") eine Stellung des Adels zugestand, die die erste Vorstufe zur späteren Renaissance war.

In eben diese Zeit aber fällt der Zerfall des Feudalismus. Der von einem neuen Adelsbegriff verdrängt wurde. Der sich immer mehr Rechte anmaßte, die zuvor in dieser Form gar nicht existiert hatten (weil natürlich in der Familienstruktur lagen), oder des Königs alleine waren. Dann kamen militärische Entwicklungen, die den Mann als Landadeligen und Oberhaupt unnötig machten, und schon war alles eingeleitet, um den Cocktail zu mixen, der sich fortan bildete. DAMIT zerfiel eine seit Menschheitsbeginn bestehende Naturordnung, die man in einer bestimmten Epoche Feudalismus nennt.

Dazu kommt, daß die Bereiche, die "die Politik" zu regeln hatte, mit dem was man heute darunter versteht nicht einmal im Ansatz vergleichbar sind. Was heute die Politik als "ihre Aufgabe" sieht übertrifft das, was unter dem Feudalismus Aufgabe der Herren war, fast unendlich. Zu Zeiten des Feudalismus hätte man das als Grund zum Widerstand bis aufs Blut gesehen. Und was man heute als "Raubritterzeit" bezeichnet, war zu großen Teilen genau das.

Was sich nach dem Feudalismus herauszubilden begann, war dann die exakt zu berechnende Folge der Zerstörung der althergebrachten Familien- und Gesellschaftsstrukturen. Zentralismus hier und Bürgertum dort. Dem man die Scheinfreiheit zugestand, sich innerhalb sehr beschränkter Lebensumfelder ihren Feistbauch zu organisieren. Und genau das haben wir auch heute: Der Bürger ist zufrieden, sieht sein Leben als erfüllt, wenn es ihm "gut geht". während er immer mehr Bereiche an die Zentralmacht abgegeben hat und weiter abgibt. Und alle Pfiff nach Staat ruft, weil er schon mit einfachsten zwischenmenschlichen Beziehungen überfordert ist.
Dieser sehr geraffte, unendlich lückenhafte und unvollkommene Abriß zum Wesen des Feudalismus - der keineswegs also eine Herrschaftsstruktur war, in die man alles abladen kann, was einem heute so über die Leber gelaufen ist, sondern eine tief im Naturrecht und in der daraus erwachsenden Tradition verankerte Gesellschaftsform - ist nun der Schlußbemerkung Rietzschels gegenüberzustellen. In der er dem Staat abspricht festzulegen, wer als Mandatar zu gelten habe und wer nicht

Denn sehr wohl hat der Staat als oberste Rechts- und damit Machtinstanz eines Volkes, das sich als Staat gefunden und organisiert hat, dieses Recht. Ja, es ist sogar seine Pflicht, nach Maßgabe des Naturrechts prinzipiell festzulegen, wer es vertreten soll weil es repräsentativ vertritt.

Nur dort besteht ein Problem, wo das, was als Naturrecht, als Natur, als natürlich und damit Grundlage einer Gesellschaft angesehen wird, in seinen Vorstellungen von eben diesem Naturrecht abweicht. Es geht hier also um einen Streit um die Natur des Menschen und einer Gesellschaft! Nicht um das grundsätzliche Recht eines Staates (ja es ist sogar seine Pflicht), daraus dann seine Schlüsse zu ziehen. Wenn Brandenburg also festlegt, daß es diese Aufgabe mit einer Frauenquote erfüllt, und das tut man dort ja wohl, dann ist das keine prinzipielle Frage der Staatsmacht, sondern eine der unterschiedlichen Auffassungen von Natur.

Und diese sind falsch! Diese sind zu kritisieren. In diesen zeigt sich die tiefe Ahnungs- und Vernunftlosigkeit, die heute herrscht, und die einmal mehr das, was als allgemeine Auffassung gesehen wird, als (gelinde gesagt) dumm und unglaublicher Unwissenheit entstammend entlarvt. Was hier gefordert wird, ist schlicht und ergreifend contra naturam. Und deshalb kann es nur scheitern, indem es schreckliche Ergebnisse, oder sagen wir so: Noch schrecklichere Ergebnisse als gegenwärtig, zeitigen würde.
Aber das trifft auf die Gegenansätze, die Herr Rietzschel als maßgeblich sieht, und deren Einhaltung als Richtlinien er fordert, weil erst dieser typisch liberale Verschnitt aller möglichen Nebelworte die Legitimität eines Mandatars herstellt, nicht weniger zu. Und sei es mit der naiven Vorstellung, ein Mandatar würde "durch Leistung" nach oben kommen müssen. Als wäre die Leistung, in diesen Strukturen nach oben zu kommen, dasselbe wie die Leistung, die jemand dem vollen Leben gegenüber erbringt. 
Es ist sogar genau umgekehrt, Merkel liefert doch das illustre Beispiel dafür: Gerade die schaffen es in den heutigen (liberalistischen, also auf "Wettkampf um Posten" abgestellten) Politstrukturen nach oben, die von Leben und Wirlichkeit gar keine Ahnung haben. Dafür alles wissen, wie man jede Skrupel ablegt und den Sittlichen austrickst. Und deshalb, einmal dann oben, nur Unsinn diktieren. Das wird mit einem Parteiensystem sogar noch schlimmer. In der Wahl der Personen, die am tauglichsten für "oben" sind, hat sich der Feudalismus dafür als unendlich überlegen erwiesen. Mit klar definierten Aufgaben, sehr begrenzten Politikfeldern, und persönlicher Kenntnis (samt Einschätzungsvermögen) jener, die diese Aufgaben erfüllen können. Er hat eine Kultur aufgebaut, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. Wo auch Versagen in der Führungsqualität nicht zu verbergen war, sondern jederzeit zur Ablöse derjenigen führte. So entstand eine starke Ordnung, die nun das liberale Bürgertum, wie sich ein Herr Rietzschel das vorstellt, mit Genuß und ohne jede Ahnung, worum es überhaupt geht, in Grund und Boden stampft.





*020219*

Dienstag, 9. April 2019

Kuh- statt Pferdemist? Beides stinkt (1)

Gleich ein nächstes Beispiel soll aus Achgut hergenommen werden. Ein Beispiel dafür, daß auch die sogenannten "Kritiker", die ja so in Mode stehen, oft nur Produzenten unreflektierter Schlagworte sind. Es betrifft eine Glosse von Thomas Rietzschel. Die von zwei Seiten her die Wirklichkeit verfehlt, aber mit breiter Brust daherkommt - und nichts als leere Schlagworte von sich gibt. Der Anlaß dazu waren die Bestrebungen des Bundeslandes Brandenburg, seine Mandatare zukünftig per Männer-Frauen-Quote zu formieren. Jedes Geschlecht - so nebenbei: In solchen Fällen gibt es sie also doch wieder, die Geschlechter?! - soll somit zu gleichen Teilen repräsentiert werden. Oh mein Gott, schreit nun Rietzschel, oh mein Gott!

Und ergeht sich gleich in dem unseligen Versuch, das als "Rückfall in den Feudalismus" zu bezeichnen. Er erklärt auch gleich, was das war. Da wurde der Adel per Abstammung in die Politik gehievt, die sein angestammtes Recht war. Es ging nicht um Leistung, nicht um Können, nein, es ging um bloßes Geburtsrecht. Genau darunter falle auch die Bestrebung Brandenburgs. Außerdem bleibt nicht aus, daß es Zeiten gegeben hat, in denen Wahlrecht mit Steuerleistung gekoppelt war. Und Zeiten, wo nur Männer wählen (und gewählt werden) durften. Erst die bürgerliche Gesellschaft habe den Leistungsgedanken etabliert.

Nun wollen wir einmal Brandenburg vorlassen, so weit sind wir nämlich noch gar nicht. Rietzschels Ausführungen lassen nicht einmal eine geordnete Kritik zu. Denn der Mann setzt einfach einen Sprühnebel an leeren Floskeln in die Welt. Der also gar keiner Argumentationslinie entspricht, auf die einzugehen wäre. Es geht hier einfach um die Aussinterung einiger dieser leeren Schlagworte. Allen voran dem des "Feudalismus" als Drohgespenst. 

Denn der sogenannte "Feudalismus" war keineswegs eine unmotivierte "Machtherrschaft" des Mannes und gar eines "Adels". Denn woher wäre der Adel gekommen, wenn nicht - aus Leistung? Und nicht nur das, der Feudalismus ist eine schlichte und in einer historischen Kontinuität stehende Weiterentwicklung aus der Organisation jeder Gesellschaft in Familien. Denen natürlich der Vater vorgestanden ist. Dessen Aufgabe war auch Schutz und Kampf. Wer sich unter diese Fittiche stellen wollte, ordnete sich unter. Gerne. Freiwillig. Es war also nicht nur Arbeitsteilung, es war auch Leistung, die so allmählich auch eine Schichte hervorragender Männer entstehen hat lassen. Die sich auch untereinander in Hierarchien gliederten. Denn da gab es tüchtigere und weniger tüchtige. Da gab es Männer, Familienoberhäupter, Stammesoberhäupter, die das Zeug hatten, zu organisieeren. Die die persönliche Tüchtigkeit hatten, zu überzeugen, und andere Männer zu führen. 

In dieser ständigen Bewährungsprobe haben sie auch ihre Privilegien erhalten. Aus ihrer Tüchtigkeit heraus. Und wenn sie einmal versagt haben, war es schnell Essig mit ihrer Stellung. Nur so haben sie auch für die allerobersten - die Könige, Kaiser, Landesfürsten, die sich selbst wiederum aus diesen bewährten Männern rekrutiert haben (die Ablöse der Merowinger durch die Karolinger, also den späteren Karl den Großen, war NUR darauf begründet, daß sie real tüchtiger, mächtiger waren als das althergebrachte, ja mythisch verehrte Geschlecht der Merowinger) - ihren Wert bewahrt. Das Erbrecht, die Verortung einer Stellung in der Familie, war ein nur fallweise entstehendes und langsam sich entwickelndes Recht. Die Könige waren keineswegs großzügig in der Zuerkennung solcher Rechte, wo also Titel und Ansprüche auf den Nachkommen übergingen. 

Der weit überwiegende Teil des Adels war also eine aus der Familienstruktur herauswachsende Leitungsstellung. Das ganze Land war so organisiert, ja man möchte sagen: die ganze Welt. Gemeinwohl hängt direkt mit einer ordnenden Struktur zusammen! Die auch in der Lage ist, einzelne Anstrengungen zu bündeln und dadurch Leistungen zu schaffen, die wiederum allen dienen. Man denke an öffentliche Bauten, Wehranlagen, Bewässerungsprojekte, Organisation der Güterverteilung durch Handel (Märkte), Straßenbau, etc.

Vor allem darf man eines nicht vergessen: Daß die Aufgaben der Politik auf einige wenige Bereiche beschränkt waren. Da war einmal das Recht (wer hätte es sonst ausüben sollen? Es mußte ja auch durchgesetzt werden!), und dann war natürlich die Landesverteidigung. Von Privilegien war da nirgendwo etwas zu sehen. Privileg war schlicht die mit einer Stellung einhergehende Macht, die niemand hinterfragt hat. Aus guten Gründen! 

Der Feudalismus war also eine aus gar nicht feststellbarer Urzeit herstammende Organisationsform von Gesellschaften, die auf ihren natürlichen Gegebenheiten aufruhten und diese verlängerten. Das war alles. Rechte des Adels waren äußerst vielfältig, und nur selten in den Stein einer Erbfolge gemeißelt. Wer versagte, wurde aller Recht schneller beraubt, als er denken konnte. Und daß wir überhaupt von Rechten sprechen, ist selbst schon ein Mißverständnis. Denn diese Rechte standen immer in direkter Proportion zu Pflichten, die in beiden Fällen den durchschnittlichen Mann überforderten. Weshalb die meisten diese Rechte und Pflichten gerne an jemanden abgaben, der dumm genug war, sie anzunehmen. Die Entwicklung Bayerns ist dafür ein gutes Beispiel, wo aus einer ursprünglichen Gesellschaft von Freien (wie in Tirol, wo es sich erhalten hat, wo sogar noch heute jeder echte Tiroler seinen Stutzen im Schrank hat) ein mehr und mehr in einzelne Hände übergehende gesellschaftliche Struktur hervorbrachte.

Selbst die heute so gut wie nicht mehr verstandene Frage nach der absoluten Legitimität war an Leistung geknüpft. Wer etwas leistete, speziell in den notwendigen Tugenden, die Adel kennzeichnen mußten, zeigte, daß er mit Gott im Bunde stand. Das galt auch umgekehrt, und war die absolute Versicherung: Wer gegen die göttlichen Gesetze verstieß, konnte niemals ein Volk oder eine Sippe leiten. Nur darauf bezieht sich dann das, was als "Gottesgnadentum" bezeichnet werden kann. Das sich im Zuge der Verbürgerlichung der Gesellschaften (mit denen Staat und Macht zu abstrakten Gebilden, zu verdinglichten Ideen wurden) dann so unselig verselbständigt hat, und nur noch ein Absicherungsmechanismus eines bereits bürgerlich verstandenen Herrschaftsanspruchs war. Aber das war längst nach dem Feudalismus.

Aber selbst die Übertragung eines Herrschaftsrechts durch Erbe, also innerhalb einer Familie, hat seine tiefen Wurzeln in der Leistung. Weil man um die Kraft eines integeren Familienethos wußte, der Generationen nach seinen Wurzeln zu formen vermochte und vermag. Stellt sich ein Erbe als unfähig heraus, und das gab es, auch im deutschen Königtum, war er längste Zeit König gewesen. Es gibt ein tief im altdeutschen Recht verankertes Widerstandsrecht. So etwas kennt unsere heutige Demokratie nicht einmal vom Hörensagen. Hier haben wir auch die größten Nieten und Verderber zu ertragen, "weil sie ja gewählt sind". Dazu lügt man den Menschen vor, sie wären in der Lage, "Leistungspotenz" von Parteileuten zu beurteilen, die sie von Plakaten und Talk-Shows kennen ... als wären die Eigenschaften, dort zu brillieren, auch die, die eine Führungskraft benötigt.

Morgen Teil 2)




*020219*

Samstag, 1. September 2018

Dieses Drehbuch wird gerade geschrieben

Die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in Deutschland laufen derartig vorhersehbar und waren auch vorhergesehen, nicht nur vom VdZ, daß man sich fast die Frage stellen muß: Wer hat das Drehbuch geschrieben? Denn brav erfüllt die Bürgerliche und Linke (beides ist fast schon austauschbar) die Funktion des Treibers, der eine Reaktion der Menschen auslöst, die dann als "rechts" so irgendwie zwar bezeichenbar ist, aber auch nur, weil sie nicht links ist. Oder ist das alles nur die Mechanik, die dem Ungeistigen, dem Toten, dem Vernunftlosen innewohnt, das das Geschehen bestimmt?

Der Sieger steht bereits fest und ist wie immer bereits im 1. Akt, also von Anfang an festgestanden. Und er heißt - eben diese "Rechte", die sich derzeit noch als Fluchtpunkt der Vernünftigen darstellt, auch wenn sich das noch deutlich verflüchtigen wird, weil das Eine, das die Vernunft letztlich ganz Umfassende fehlt. Vernunft ohne die Existentialität Gottes, ohne die Kirche kretiniert irgendwann zu Rationalismus und Esoterik, also zu Lächerlichkeit.

Halt, noch einen Sieger wird es geben, die Zugewanderten, namentlich vor allem die Zugewanderten aus muslimischen Ländern. Die sich sofort gegen die Linke wenden wird, sobald sie demokratisch Gewicht haben wird, aus Beobachtungen in der Geschichte wird das wahrscheinlich beim Erreichen von 10 Prozent sein. Ab da verändert sich schlagartig auch ihr Charakter. Und sie wird die Linke offen als das ansprechen, was sie ist: Ganz sicher nicht islamfreundlich.

Deshalb aber sprach der VdZ immer von einer bevorstehenden "rechten Diktatur". Denn spätestens ab diesem Zeitpunkt wird sich unsere "Wertelandschaft" zur voluntaristischen, moralistischen und totalitaristischen (zumindest der Neigung nach) Vorschriftenlandschaft ändern. 

Warum ist das mit Sicherheit so? Es zeichnet sich längst ab. Denn die "indigenen", also die, sagen wir angestammten, Deutschländer wenden sich von der Kirche ab. Die selbst ebenfalls die Funktion der Treiber übernommen hat und die Menschen von sich weg treibt, weil ihre selbstbeschädigende Funktion zu offensichtlich wird, in der sie mit dem Establishment Walzer tanzt.* Die Rechte hat sich längst auf die Seite der aufklärerischen Parole "Staat und Religion getrennt" eingeschworen, und das heißt: offiziell von der Religion abgesetzt. 

Wobei es eigentlich umgekehrt ist, die Kirche hat die Menschen verlassen, was historisch übrigens eine Novität ist. Kirche (und das ist per definitionem nur die Katholische Kirche, die Protestanten haben keine "Kirche" in deren Sinn) kommt zwar dann noch vor, aber nur noch als gewisse rudimentäre Wertereferenz oder Freizeitbehübschung. Glaubwürdigkeit hat sie keine mehr, auf keiner Seite. Tritt auch noch die derzeitige Generation ab, was in den nächsten Jahren der Fall sein wird, übernimmt eine Generation, die durch das Zweite Vatikanum etc. nicht einmal mehr die physisch-rituelle Prägung der heute Alten hat. Was aber soll dann noch eine "menschliche Gesellschaft" tragen, wenn es nicht die Kirche tut? "Werte"? Glaubt das jemand wirklich? Sind nicht "Werte" als Lebensmaßstab per se bereits Ausdruck von Diktatur?

Mit "Neonazitum" hat das alles aber nichts zu tun.  Es ist ein unausbleibliches weil mittlerweile materiales, geistloses, damit dialektisches Geschehen.

Ebenfalls auffallend ist in diesem Zusammenhang, mit welchem deppensicheren Instinkt die Links-Bürgerliche (Establishment) fortwährend falsche Lageeinschätzungen vornimmt. Und nirgendwo scheint es Stimmen der Vernunft in ihr zu geben. Entsprechend zeigen auch die jüngsten Ereignisse in Chemnitz, daß die Bürger bereits an jenem Punkt sind, wo sich die schon lange überwältigende, aber bislang schweigende Mehrheit allmählich und fast möchte man sagen: unter Notwehraspekten, aufzustellen beginnt. Man kann es ihr nicht einmal verdenken.

Denn kaum noch jemand fühlt sich weil seine Rechtsvorstellung noch vom Rechtssystem und der Politik dieses Landes vertreten. Fast jeder aber fühlt sich schon drangsaliert und betrogen, und das mit Recht, denn wie sollte das auch anders sein? Wir stehen, vergessen wir das nicht, in einer Phase, wo schon seit Jahren, und erst in den letzten Jahren mit beeindruckendem Ausmaß, das Recht seine Rolle an Gesinnung und linke Utopie abgetreten hat. Ja, wir leben in einer Situation, die die Folge eines unausgesetzten Rechtsbruchs gerade des Establishments ist.**

Die Massen - nein, nennen wir sie: die Bevölkerungsmehrheit - haben zwar in einer Revolution noch nie eine große Rolle gespielt, sie waren aber immer das entscheidende Instrument. Der Normalbürger will ja nur eines: Er will in Ruhe leben, arbeiten, Kinder zeugen und Frauen lieben. Daran ist nichts Verwerfliches, im Gegenteil. Deshalb wird auch dieses Aufstehen von Massen so wie immer nur Übergangsphase bleiben. Wobei - wir haben es, der VdZ ist überzeugt, erst mit den allerersten Anfängen davon zu tun. Weil sich diese Linie aber mathematisch-progressiv verhält, wird sie immer rascher ansteigen. Bis sie eine Dynamik bekommt, die sich selbst überschlägt. Dann ist Schluß mit der Partie. Dann hat die gegenwärtige Establishmentschichte (die im Laufe der nächsten Jahre ebenfalls immer häufiger umfallen, also die Seiten wechseln wird, wie immer) endgültig verspielt. 

Was dann kommt? Der VdZ weiß es nicht. Einige dunkle Jahre? Ja. Dunkler als die Gegenwart? Möglicherweise. Möglicherweise aber auch nicht, weil es wieder ruhiger werden könnte. Und der VdZ ist doch im Grunde auch nichts anderes - ein Bürger, der seine Ruhe will. Daß die Kunst und die Freiheit nicht geschätzt wird, ist er zudem auch heute schon gewöhnt. Für ihn wird sich also nicht viel ändern.

Aber die Vision, die Michel Houellebecq in "Die Unterwerfung" gezeichnet hat, ist wohl die wahrscheinlichste Zukunft. Als eine Koalition der "Rechten" (dem Volk) und den Muslimen in einer rechten Diktatur. Sie werden sich arrangieren, zwei Herrschaftsbereiche vereinbaren, zwei Systeme des bürgerlichen Rechts installieren. (Und daran wäre historisch gesehen nichts Außergewöhnliches.) Denn die Segregationslösung - die der angestammten Bevölkerung noch die übergreifende Macht über das Land ließe - wird nicht geschehen, dazu fehlt der Mut und die Einsicht. Dieser Weg hat nicht mehr viel Zeit. Sind die Muslime zu stark, und das ist nur eine Frage der Zeit, ist es damit vorbei.

Aber das Drehbuch, nach dem das alles abläuft, nein, als das alles erkennbar wird, wird derzeit vom Establishment mit erstaunlich festem Griff geschrieben. Es gibt sehr bald auch nichts mehr, das es noch "richtig machen" könnte, um das abzuwenden. Wer sich die Medienlandschaft "nach Chemnitz" ansieht kann nur noch den Kopf schütteln. Sie haben nichts begriffen. Auch für eine linke Diktatur - die verzweifelt noch versucht wird und es noch mehr versucht werden, aber nur noch Auslöser sein wird - ist es bereits zu spät.



*Natürlich ist das absurde, vernunftwidrige Vorgehen der Kirche, die sich dem Establishment an den Hals geschmissen hat - das wird noch viel schlimmer werden - von einem sehr richtigen Grundmotiv getragen, den die Hierarchie in fast dämonisch zu nennender Verblendung nicht erkennt: Es ist der anti-katholische Impuls als anti-menschlicher, anti-göttlicher Impuls. Viel an diesem Anti-Katholizismus, dem die Kirche durch ihr Verhalten selbst die Rechtfertigung liefert, ist der erleichtern sollenden Scheinbefreiung der Moderne zuzuschreiben, das Gewissen der Wahrheit zu verdrängen. Mit dem (gerechtfertigten oder richtigen) realpolitischen Motiv wird somit zugleich die Wahrheit beseitigt. Und die Kirche hat das selber erst möglich gemacht. Ihre Strafe von Gott (man könnte sie dabei als Strafe für den Protestantismus/die Protestantisierung sehen, nicht zufällig also die aktuellen Bemühungen, die "Interkommunion" einzuführen; das ist ja alles nicht zufällig!) war und ist die unaufhebbare Verblendung.

**Vielleicht kriegt Österreich die Kurve noch. Der VdZ würde aber nicht darauf wetten. Noch fehlt etwas Entscheidendes.





*300818*

Mittwoch, 5. Februar 2014

Pflicht zum Widerstand

Es kann einem schon seltsam erscheinen bei näherem Studium der Geschichte des Widerstandsrechts feststellen zu müssen, daß es bis ins Mittelalter auf eine derart selbstverständliche Weise gehandhabt wurde, daß man meinen könnte, es hätte noch nie derartig autoritäre Zeiten gegeben wie - heute.

Wenn Thomas v. Aquin den Tyrannenmord als gerechtfertigt darstellt, so ist das kein Sonderfall eines gelangweilten Denkers, sondern fügt sich in ein allgemeines Rechtsempfinden, das durch die aufkommende Renaissance (die geistig bereits im subjektiven Autonomismus enthalten lag) gefährdet war. 

Denn seit alters her war es - und ganz besonders bei den Germanen - im allgemeinen Rechtsempfinden verankert, daß die Gehorsamspflicht sich nie vorbehaltlos auf den Regenten, den König bezog, sondern auf "die Krone". Kein Herrscher konnte gegen das Volk regieren, ein solcher wurde nie zur Macht gehoben, oder erfreute sich ihrer nicht lange. Die Zahl der Thronstürze sind deshalb zahllos, und sie zeigen kein Rechtschaos, wie man fälschlich meinen könnte, sondern im Gegenteil: die Verankerung des Einzelnen im Recht selbst.

In den überlieferten Krönungszeremonien drückt es sich aus: Erst mußte der Thronprätendent sich verpflichten und schwören, die göttlichen Gesetze und die Rechtsordnung der Väter zu befolgen und zu schützen. DANN erst wurde er durch Akklamation durch das Volk (als mehr oder weniger auf einen Formalakt beschränkter Wahl) gewählt, und dann (später) gesalbt.* Was wieder für manche Mißverständnisse Anlaß gab. Erst galt das Königtum einige Jahrhunderte als Sakrament, und dann bildete sich im Volksglauben, in Anknüpfung an altes Volksempfinden, die Quasigöttlichkeit des Königs selbst heraus. Die Kirche aber hat alles dieses stets bekämpft, und sich in ihrer Stellung dem Herrscher als GEGENÜBER begriffen. Und entsprach damit dem Volksempfinden. Niemals wurde Herrscherwillkür akzeptiert! 

Wollte ein König Änderungen durchführen, Neuerungen, so sah er sich in der Regel rein auf seine privaten Möglichkeiten beschränkt. Etwas wie heute, wo sich die Politik regelrecht als "Gestalterin" des Gesellschaftslebens begreift, hätte es sowohl bei den Germanen wie im Mittelalter NIEMALS gegeben. Es hätte jedes Recht verletzt. Diese Gedanken kamen mit dem Wiederaufleben des römischen Rechts, und sie kamen mit der Zunahme des orientalischen Einflusses, wo die Sichtweise der Göttlichkeit und damit Absolutheit des Herrschers seit Jahrtausenden üblich war. Der Absolutismus in Europa ist sehr jungen Datums.

Die Großen der Völker, die Adeligen, hätten Zentralismus niemals zugelassen, bildeten ein Gegengewicht zum Herrscher. Was mit der Zentralmacht deshalb zwangsläufig mit der Erstarkung der Herrschermacht (Stichworte: Handel - Städte - Bürgertum - Geld) kam war die Auswechselung des Adels - vom Volks- und Landadel hin zum Beamten-, Geld- und Herrscheradel. Selbst Außenpolitik war damit strengstens an das Volksempfinden gebunden. Imperiale, persönliche Gelüste hatten kaum eine Chance, stießen auch oft genug auf Widerstand, oder wurden zur Privatangelegenheit des Herrschers, für die er allenthalten Allianzen im Volk suchen mußte.

Wer etwa die Geschichte Tirols ansieht, wo die Freiheit noch so ungebrochene Tradition hat, stellt diese erstaunliche Stärke des Volkes immer wieder fest. Nie hätte ein Tiroler die Waffe zu anderen Zwecken als der Verteidigung seines Landes erhoben, nie sich für Außenpolitik mißbrauchen lassen. Darüber (und über mehr) hat sich erst die absolutistische Maria Theresia hinweggesetzt. Außenpolitik dieser Art war eine Frucht der Marken (wie Preußen, Österreich), die von Boden- und Wurzellosen besiedelt wurden, wo eine völlig andere Rechtssituation als in den alten Ländern herrschte.

Die Geschichte Englands in ihrer freiheitlichen Tradition, dem Widerstand gegen absolute Königsmacht, ist deshalb auch wohl den Sachsen zu verdanken, bei denen die Freiheit des Einzelnen besonders stark verankert war.

Aber wenn noch im Mittelalter der Herrscher gegen göttliches Recht verstieß, ging er seiner Herrschaft verlustig. Beispiele gibt es jede Menge. (Und in Wahrheit lebt dieses Rechtsempfinden sogar bis heute; selbst wenn man Politiker der Korruption anklagt, hat das diesen Hintergrund.) Der Widerstand war zum einen Recht, aber er war noch viel mehr PFLICHT jedes Bürgers seinem Volk und Land gegenüber. Unrecht des Herrschers entband den Einzelnen sogar vom Eid. Der sich in einem solchen Fall erhob, um gegen den (konkreten, aber geschändeten) Thron FÜR den Thron, nämlich für seine Würde und Unangetastetheit in der objektiven Stellung des (egal welches) Regenten in der Ordnung des Landes zu kämpfen.

Wobei sich jeder direkt dem König gegenübersah, wenn ungerechte Gesetze verhängt wurden. Hier gab es keine Standesschranken, Könige sammelten so oft viele sehr persönliche Feinde. Und niemand nahm sich ein Blatt vor den Mund, wenn er der Meinung war, daß der Herrscher gegen das höhere Recht verstieß.

Hier findet sich auch eine wesentliche Aufgabe der Kirche, die sie auch damals zumindest einhielt, damit auf der Seite des Volkes stand, weil es dessen Ordnung im Zusammenleben schützte. Ihr ausgearbeitetes und formalisiertes Widerstandsrecht verband sich hier mit dem alten germanischen Rechtsempfinden, wie es bis heute lebendig ist.

In der Praxis war es freilich nie leicht, und ist es im Rückblick noch weniger, zu entscheiden, was rechtmäßige (weil den Heiligen Gesetzen folgende) Rebellion war, und was nicht. Und gewiß auch damals wurde oft genug darüber gestritten. Aber niemand hätte das prinzipielle Recht (als Pflicht) zum Widerstand gegen einen ungerechten Herrscher angeweifelt.

Das stellt man mit Wehmut fest. Es ist der Freimut, der uns so fehlt. Der Untertanengeist, in dem wir lieber unsere Ehre verlieren, als uns falschen Gesetzen nicht zu beugen.




*Wobei ein Rest dieser Auffassung, daß ein Herrscher nur MIT der Zustimmung des Volkes regieren durfte, auch in der römischen Zeit als allgemeines Rechtsempfinden erkennbar ist. Anders ist vieles nicht zu verstehen, meint Fritz Kern in seiner Untersuchung des Widerstandsrechts. Also auch den romanischen Völkern nicht fremd gewesen sein dürfte.




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Freitag, 3. Januar 2014

Koalition der Wurzellosen

Die Analyse der Situation Europas zu Beginn der Renaissance von Henri Pirenne endet mit einem verblüffenden Fazit. Denn die einzelnen Wege, die sich mit einem male zusammenführen und die Neuzeit des Kontinents einleiten, sind sämtlich stringent, aber von verschiedensten Richtungen aufgebaut worden: Es sind die Monarchen gewesen, die von den drei mächtigen Neuerungswegen, die zwischen 1450 und 1550 das ganze Abendland auf den Kopf stellten, am meisten profitiert haben, und ohne die sie sich nie hätten durchsetzen können. Als Allianz von vier schwachen gesellschaftlichen Kräften, die einander brauchten: Den Königen und Kaisern, den Bürgen und Kapitalisten, dem Bildungsadel und bürgerlichen Beamtenstand, und den religiösen Eiferern und Neuerern.

Nur in dieser Symbiose konnten sich diese Kräfte gegen den alten, mit dem Volk verwachsenen Adel, gegen das gewachsene Gewerbe und das reaktionäre Zunftwesen, sowie gegen die traditionelle Stellung des Klerus, der das geistige Monopol hielt, durchsetzen. 

Alle diese Emporkömmlinge und Neuerer brauchten die Legitimation und rechtliche Absicherung. Der Kaiser, die Könige und Fürsten verschafften sie ihnen. Und erhielten als Gegenleistung endlich eine ihnen treu ergebene weil von ihnen abhängige Bevölkerungsschichte, die vor allem aber eines hatte: GELD. Erst damit konnten die Monarchen Politik machen, Heere ausrüsten, Einfluß kaufen. Und so schuf sich in diesem einen Jahrhundert mit einem male eine zuvor noch nie gesehen Machtstellung der Fürsten, die die Entwicklung zum Absolutismus bedeutete.

Sie mußten² nicht mehr die Absetzung durch die Völker fürchten, mußten sich nicht mehr den lästigen Kontrollen in den ständischen Räten stellen, mußten sich nicht mehr der Gängelung durch die Kirche unterwerfen, mußten nicht mehr mühsame Bündnisse mit ihren Teilfürsten suchen, um Außenpolitik zu machen, und konnten einen Hof führen, eine Lebensart pflegen, die es in dieser Pracht und Machtfülle noch nie in Europa gegeben hatte. 

Und ihren Verbündeten schufen sie dieselbe Freiheit - die Studierten trennten sich vom Glauben, das Wissen von der Theologie, der Kapitalismus überrundete die streng reglementierten Gewerbebetriebe und begann sich über die ganze Welt - buchstäblich - auszubreiten (es war die Krone, die das Geld zur Entdeckung Amerikas gab). Neue Geschäftsfelder, die die ersten Schrecken des Kapitalismus bereits vorwegnahmen, wie die rücksichtslose Ausbeutung von Bodenschätzen.*

Und die reformierten bzw. protestantischen Kirchen konnten sich von Rom lösen und ihre eigenen respektierten Kirchen gründen, und ungehindert ihre Ansichten im Volk verbreiten. Es waren die Monarchen, die die Renaissance förderten, die so völlig neue Lebensannehmlichkeiten brachte, das Denken völlig auf den Kopf stellte.** Welch innere Dynamik sie trugen zeigt u. a. der Calvinismus, der wenn man ihn ließ, wie in Genf, eine totalitäre Struktur zeitigte, wie wir sie erstmals wieder rein technisch mit dem Internet, der Kontrollmöglichkeit bis in den letzten Lebensbereich hinein, erreicht haben.***

Und die Fürsten, die in der Huld der Monarchen standen, oder wie in Deutschland allerspätestens seit Friedrich II. dem Staufer ihnen im Streben nach Macht und Pracht nacheifern wollten, weil sie scheinbar ohnehin von einem Oberherren emanzipiert waren? Sie konnten mit den Kirchengütern gelockt werden, die es zu requirieren galt, und nach denen sie ohnehin immer schon geschielt hatten. Sie übersahen, wie in Deutschland, daß diese Partialmacht einen großen Verlierer hatte - die gewachsene, natürliche Struktur ihrer Völker, der Gedanke des Föderalen, ja genau genommen: der der Subsidiarität. Ersetzt wurde das durch den Zentralismus, wie er mit der Aufklärung, die endgültig das geistige Futter für diesen Umsturz lieferte, das geistige Ziehbett erhielt. 

Kapitalismus, Aufklärung, Reformation und fürstlicher Absolutismus und Zentralismus, dessen Nähe zum orientalisch definierten Despotismus eines gottähnlichen Monarchen alles andere als zufällig waren, und dem die deutschen Fürsten, als letzte in Europa, mit der Gründung des Kaiserreichs 1871 zum Opfer fielen, waren also je aufeinander gestützte Schwestern. Eine Koalition der WURZELLOSEN. Denn genau das waren sie. Alle.****



²Was in dem heutigen historisch-sachlich (prinzipiell auf jeden Fall) falschen Haß auf die Kirche völlig übersehen wird ist, daß die Katholische Kirche die einzige gesellschaftliche Kraft geblieben war, in all den Jahrhunderten und Jahrtausenden, die den Herrschen in ihrer Tendenz, ihre Macht zu verabsolutieren, Widerstand geboten hatte, nachdem das gemeine Volk zunehmend ausgeschaltet war. Auch heute noch kommt der Haß auf die Kirche nicht aus dem einfachen Volk. Er kommt nach wie vor von den Emporkömmlingen, die Allianzen mit der Macht suchen (siehe u. a. "Marsch durch die Institutionen"). Ihre Berufung auf das Volk ist eine glatte Lüge. Linke ebenso wie Linksgrüne sind Bewegungen des bürgerlichen Kapitalismus. Und so waren es so gut wie alle sogenannten Revolutionen (darüber wurde an dieser Stelle bereits ausführlich berichtet; siehe Stichwort "Jacques Ellul"), die  man mit völlig anders gearteten (selteneren) Notaufständen nicht in einen Topf schmeißen darf. Wenn heute gerade linke Parteien deshalb mit der Angst vor "sozialen Unruhen" argumentieren, so dient dies ausschließlich der Erhaltung ihrer Machtsysteme. Der Leser möge darauf einmal genau achten.

*Kaiser Maximilian mußte bereits zu Beginn des 16. Jhds. Gesetze zur Wiederaufforstung im Unterland von Tirol erlassen, weil der durch die Pächter (wie die Fugger, Welser etc. - alles Emporkömmlinge, sie alle kamen aus dem Nichts, und doch stützte sich die kaiserliche Macht fast zur Gänze auf sie) Salz-, Kupfer- und Silberbergbau, der sich ausschließlich durch SEINE bzw. kaiserliche Initiative entfaltet hatte, die Wälder rücksichtslos abgeholzt und Mondlandschaften hinterlassen hatte.

**Eines von vielen Details: Erstmals taucht in der Innenausstattung, dem Möbelbau, etwas auf, das zuvor völlig bedeutungslos gewesen war - Bequemlichkeit. Ja, erstmals tauchten überhaupt feste Möbel auf. (S. u. a. Siegfried Giedions erhellende Geschichte der Alltagskultur, die er als Weg zur "Herrschaft der Mechanisierung" zeigt)

***Die Parallelen sind überzufällig, und sie zeigen genau das, was sie zeigen - eine Staatskirche, einen Klerikerstaat: Wenn heute Menschen ihrer angeblichen oder vermeinten Einstellungen wegen ruiniert, aus ihren Positionen entfernt werden. Wer heute eine gesellschaftlich relevante Stellung einnimmt, muß längst achtgeben, daß er nichts Falsches, nichts gegen die herrschende Doktrine sagt! Es kostet ihn die Existenz. Genau, wie es im Genf des 16. Jhds. war, um nur ein Beispiel zu nennen. Die Strukturen decken sich aufs Haar.

****Auch der Begriff des Monarchen ist ja ohne Bezug zum Boden, ohne feste Verankerung. Und bis in die neueste Neuzeit hinein war ihr Herrschaftsbereich nicht auf Land und Boden bezogen, sondern lediglich an ihre Person und persönliche Bindung. Mit dem Volk verwurzelt waren immer  nur die kleinen Vögte und Grafen und Herzöge, die aus den Besten des Volkes jeweils hervorgingen bzw. sogar gewählt wurden. Adel im besten, ja im eigentlichen und patriarchalen Sinne, als mit dem Volk zur Familie verbundener Landadel, wie es ihn sehr wohl gab. (Eine sehr lesenswerte Geschichte, die glaubhaft die Entstehung solcher gesunder Volksstrukturen beschreibt, ist "Witiko" von Stifter.) Die Entartung der Herrschaft zur Unterdrückung ihrer Untergebenen, wie sie etwa auch in der selben Zeit ihre Auswüchse zeitigte, wo die Untertanen im eigentlichen Sinn entstanden, willenloses Material in den Händen herrscherlicher Willkür, geht bereits auf einen neuen, wurzellosen Kunstadel zurück, der sich aus königlichen, monarchischen Dienstnehmern - wieder allesamt Emporkömmlinge - rekrutierte.





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Freitag, 13. Dezember 2013

Königsmacht durch Geduld. Und Bürgergeld (2)

 Teil 2) König und Bürger - eine Zweckehe




Über die Verlagerung des Wirtschaftens auf Geld erlangten die Städte aber rasch mehr (reale) Macht als der sie umgebende Adel. Die Wirtschaftsmethoden der Landherren waren ja nur auf Eigenversorgung - eben dem alten römischen, von der Kirche übernommenen Prinzip der Domänen folgend - und Naturalwirtschaft ausgerichtet. Die Städte zogen aber die Bauern an, denn sie brauchten landwirtschaftliche Produkte, die sie mit Geld bezahlten. Damit begannen sie nach und nach, die Macht der adeligen, ritterlichen Landbesitzer zu untergraben, denn die Bauern lieferten nach wie vor ihre Abgaben an ihre Herren in Naturalien, veränderten aber ihre Art zu produzieren, produzierten erstmals über den Eigenbedarf inaus. Denn was sie da erwirtschafteten blieb ihnen auch, in barem Geld. Viele kauften sich sogar von ihren Landesherren frei. Deren Wirtschaftskraft auf diese Weise sank und sank, und zwar so beträchtlich, daß schon im 13. und 14. Jhd. der Großteil der Ritter und kleineren Landbesitzer ruiniert war.

Erstmals hatten die Könige damit wieder das, was Schmiermittel realer Macht ist - eine Finanzwirtschaft. Denn endlich wieder ergaben sich Möglichkeiten, Steuern in Geld einzuheben, etwa über Zölle, Privilegien, oder Gerichtsbußen. Während der (alte) Adel wirtschaftlich mehr und mehr geschwächt wurde, hatte der König etwas, das die Städte dringend wollten und gut bezahlten: Formale Rechte - Legitimation. Freiheitsrechte. Vorrechte. Würdentitel. Ja, in den Bürgerschichten erwuchsen der königlichen Verwaltung sogar erstmals wieder gebildete Schichten, aus denen Beamte für die Verwaltung rekrutiert werden konnten. In denen sogar die politische Abhängigkeit von der Kirche verwich. Das Blatt wendete sich sogar hier.

Genau diese Wege beschritten also die französischen Könige im 12. Jhd. Und holten sich so auch die reale Macht zurück, über das Geld, über seine neuen Verbündeten, die Bürger und Kaufleute, bis kein König in Europa so absolute Macht - die der formal nie angetasteten Macht nämlich dann nur entsprach! - in Händen hatte, wie der König von Frankreich. Der bei der Bevölkerung in einem Ansehen stand, das der Stellung des Papstes verglichen werden kann. Es ging so weit, daß dem König, dem Mittler zu Gott, auch heilende Kräfte zugesprochen wurden. Ein Mythos, der sich bis zu Ludwig XVI. in regelmäßigen Heilungszeremonien auslebte, und bis ins 19. Jhd. fortbestand.

Das französische Königreich aber stand ab dem 16. Jhd. in einer Kraft und Blüte da, in der Frankreich still und leise, über Umwege und Geduld, zur Weltmacht geworden war.




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Donnerstag, 12. Dezember 2013

Königsmacht durch Geduld. Und Bürgergeld (1)

Die Entwicklung Frankreichs im 11. und 12. Jhd. zeigt exemplarisch, was sich in Deutschland, ja in ganz Europa allmählich auch abspielte, wenn auch in seiner Genese nicht gleich so klar erkennbar. Bis ins 11. Jhd. war der König von Frankreich einfach "nur da". Er hatte überhaupt keine Macht mehr, und das, obwohl der Rest "seines" Reiches ein von ihm gegebenes Lehen war.

Und die Könige trugen es mit Ruhe. Während sich in ihrer Domäne, dem Herzen Frankreichs mit Paris in der Mitte, in dem sie sich permanent aufhielten, ein in Europa einzigartiges, vom Hof her verfeinertes kulturelles Leben zu entfalten begann. Paris wurde zur ersten Hauptstadt Europas. Gründete die erste Universität Europas. Wurde zu einem Zentrum der Kunst. Erhielt die ersten gotischen Dome. Die Könige residierten einfach, ohne Macht zwar, aber in Ruhe und Frieden, und wurden selbst von allen in Ruhe gelassen und akzeptiert. Der erste Staat auf dem europäischen Festland (England war noch etwas früher dran) seit dem Ende der Antike entstand.

So unscheinbar schienen aber die Könige nach wie vor, daß die Lehensnehmer, die Herzöge der ans Kernland anschließenden Domänen, die sogar größer, reicher, mächtiger waren, nicht im Traum daran dachten, das Machtgefüge zuungunsten des Königs zu verschieben. Wozu? Er kratzte sie nicht.

Zufällig hatte über Jahrhunderte jeder König der Kapetinger auch noch einen Sohn, der zu Lebzeiten als Nachfolger installiert wurde, was alle akzeptierten. So wurde die Königswahl durch die Fürsten allmählich zu einer bloßen Zeremonie. (In Deutschland verlief die Entwicklung ja sogar umgekehrt). Bis das Königtum so selbstverständlich mit den Kapetingern verbunden war, daß niemanden mehr störte, auf die Zeremonie zu verzichten, und die Königswürde gleich erblich zu machen.

Es hielten einfach alle, Adel wie Volk, an der formalen und traditionell sakral aufgefaßten Königswürde des Königs fest. So, wie es Karl der Große eben installiert hatte, der die Verdrängung der Merowinger nur über göttlichen Auftrag legitimieren konnte, und blieben formell Untertanen - was die Lehensnehmer ohnehin praktisch kaum berührte.

Auch das Ausland interessierte sich wenig für ein realpolitisch so schwaches Königreich. Es war niemandem Bedrohung, und außenpolitisch nicht existent. Außer, daß es sich mit dem Papsttum (das sich gegen die deutschen Kaiser zu behaupten begann) mehr und mehr verband.

Da bekam die Entwicklung eine ganz eigentümliche Dynamik. Denn mit dem Aufkommen der Städte im 11./12. Jhd., die dem Handel zuzuschreiben ist, entstand zu der Zeit eine neue Bevölkerungsschichte - die der Bürger. Ein Stand, der aus dem Nichts, aus den Unfreien, oft Verachteten weil Wurzellosen gar emporgewachsen war. Ein Stand, der "in der Luft" hing, und auf formale Legitimierung brannte. Mit dem vor allem aber ein Faktor ins Spiel kam, der die Geschichte Europas von Grund auf neu bestimmen sollte - GELD. Das über Jahrhunderte in Europa nahezu verschwunden war.


Morgen Teil 2) König und Bürger - eine Zweckehe



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Montag, 9. Dezember 2013

Der Handel als Teufels Werk

Es ist naiv und blauäugig, schreibt Henri Pirenne, sich die Entwicklung des europäischen Handels als organische Evolution von kleinestem Umkreis aus auf immer größeren Warenaustausch "im Guten" vorzustellen. Er war alles andere, als er sich im 11. Jhd. allmählich wieder entwickelte. Er war das Geschäft der Boden- und Besitzlosen, der Ausgestoßenen oder Geächteten, ja vielfach der Morallosen und Verbrecher, er war eine Möglichkeit der Abenteurer und Wurzellosen, zu Macht und Geld zu gelangen. Nur wer nichts zu verlieren hatte, stürzte sich auf den Handel. Kaufleute waren Glückssucher, brauchten oft genug Wagemut, und riskierten ihr Leben. 

Lug und Betrug, List und Täuschung waren seine ersten Elemente, und er stand in so geringem Ansehen, daß ihn die Kirche ächtete, die Händlertum und Christentum für nahezu unvereinbar hielt. Jahrhundertelang war Händler und Betrügern synonym. Erst langsam, im Laufe der Jahrhunderte, entwickelte sich der Kaufmann zu einem Beruf, und sogar zu einem ehrbaren Beruf. Den von Anfang an ein seltsamer Umstand begleitet hatte: Auch wenn sich der Kaufmann faktisch meist gerade aus Unfreien entwickelt hatte, so galt der Kaufmann in seiner Wurzellosigkeit, seiner Nicht-Rückführbarkeit und Unabhängigkeit, als ... frei! Im Bewußtsein der Menschen war ihre (oft so suspekte) Freiheit eine Tatsache, ehe sie auch Recht wurde.

Im Anfang aber profitierte er schlicht von der regionalen Gebundenheit, ja Bescheidenheit des menschlichen Wirtschaftens in Europa. Niemand produzierte über seinen Eigenbedarf hinaus, ja niemandem wäre es eingefallen. Austausch gab es höchstens untereinander, in kleinstem Maßstab, unter Nachbarn vielleicht noch. 

Gab es freilich eine der häufigen und meist regionalen Hungersnöte, mußte Ware von weiter außerhalb zugekauft werden. Ein simpler Schiffer vom Rhein konnte auf diese Weise, mit ausgeprägtem Geschäftssinn, binnen Kurzem reich werden.

Denn hier etwa tauchten sie auf, die Händler, die davon gehört hatten, und woanders billig Getreide aufkauften, um es dann teuer weiterzuverkaufen. Reichte das einzelne Kapital nicht, so schlossen sich mehrere zusammen, gründeten gar Gesellschaften. Und gab es nichts zu kaufen (um es zu verkaufen), so wurden Schiffe gekapert, Beutezüge veranstaltet. Bis ins 12. Jhd. hinein war der gesamte Handel ein Handelsverkehr bewaffneter Karawanen, der "Hansen". So wurde er zugleich immer effizienter. 

Oder im Mittelmeer. Denn seit der islamische Vorstoß im 11. Jhd. seine Kraft verloren hatte, oder gar wie in Spanien und Sizilien auf erste wirkliche Gegenmächte traf, war das Mittelmeer als Transportweg wieder offen, wenn auch nicht mehr der einheitliche Lebensraum wie ehedem. Aber Genuesen, Pisaner, vor allem Venezianer nahmen den Handelsverkehr mit Alexandrien und der Levante wieder auf, wo die Waren aus Indien und China einlangten. Und seit dem ersten Kreuzzug war ohnehin ein reger Warentransport zur Versorgung der neu entstandenen Fürsten- und Königtümer im Vorderen Orient nötig. An dem sich viel Geld verdienen ließ: Versorgungsgüter wurden in den Osten verschifft, Güter aus dem fernen Osten zurückgebracht. 

Der Handel in Europa hat sich aus dem Fernhandel entwickelt. Deshalb ist alles in Europa ohne Kreuzzüge erklärbar - nur die Entwicklung der Wirtschaft nicht, die von den Küsten aus ganz Europa zu durchwirken begann. Von dort aus begannen sich die Städte wiederzubeleben, ein neues Bürgertum entstand, und der Geldverkehr in ganz Europa, den es fast nicht mehr gegeben hatte, nahm wieder zu. Erstmals entstand virtuelles Vermögen, das nicht Boden war.

Vom Süden von Norditalien und der Provence her, und im Norden von den Normannen her, die über ihren Wolga- und Dnjepr-Weg schwunghaften Handel mit Byzanz betrieben*, und als sich diese Wege schlossen über Flandern kamen. In Europa tauchten (zum Teil: wieder) Produkte auf, auf die bald niemand mehr verzichten wollte, man denke nur an Pfeffer, Schmuck, Kosmetik oder Seide.**

Aber es war die Gewinngier, die diese weiten Wege zurücklegen ließ, die Beutesucht, die die Transaktionen immer größer werden ließ. Man traute den abenteuerlustigsten Kaufleuten alles zu, vor allem einen Pakt mit dem Teufel. Sie waren ungebildete Analphabeten, denn für ihre Geschäfte brauchte niemand das Lesen oder das Schreiben. Wo immer sie sich niederließen, waren sie Zugewanderte, die bald die Ansässigen auch zahlenmäßig überflügelten, von denen sie eine tiefe soziale und ethische Kluft trennte***, die sich nur langsam schloß, indem sich eine neue soziale Ordnung bildete. Aber die Anziehungskraft der Kaufleute war enorm. Wo sie sich niederließen, zogen sie bald die Landbevölkerung in ihren Bann. Sie faszinierten durch ihre Freiheit, und boten in oft rasanter Entwicklung Arbeits- und Gewerbemöglichkeiten, sodaß sich Städte wie wir sie heute in Europa kennen heranbildeten.**** Die sich überall bald durch Sonderrechte kennzeichneten, die sie sich erworben hatten, weil ihre neue Funktion für die Macht wertvoll wurde: über das Geld.

Der brutale kapitalistische Geist entstand zugleich mit dem Handel. Er hatte ihn immer beherrscht, und war am Anfang sogar noch weit stärker, als er es heute ist. Und er entstand in einer Bevölkerungsschichte der Wurzellosen, die von Anfang an ein seltsamer Umstand begleitet: eine Stellung des Vorrechts, wie sie sie zuvor noch nie gegeben hatte.²



*Noch im 11. Jhd. war Kiew eine rein skandinavische Handelsniederlassung.

**Werner Sombart kommt ja sogar zu der Auffassung, daß der Kapitalismus sich überhaupt aus dem Luxusbedürfnis vor allem der Frauen entwickelt hat. Und so ganz unrecht dürfte er damit gar nicht haben.

***In der spätgotischen Tiroler Pfarrkirche von Schwaz befindet sich noch im 16. Jhd. eine hölzerne Trennwand zwischen den Einheimischen und den zugewanderten Geschäftemachern, den Knappen - ein illustratives Beispiel.

****Bald wurden diese neuen Siedlungen, die sich um alte Verwaltungszentren - Burgen oder Bischofssitze - herum bildeten, zum Schutz mit neuen Wällen und Steinmauern umgeben, wurden zur "Vorstadt", zur "forisburgus", zur "neuen Burg" ("nouveau bourg"). So wurden ihre Bewohner zu ... Bürgern (bourgeois).

²Selbst bei den Römern war der Bauer mit dem Stadtbewohner rechtlich absolut gleichgestellt. Das war im Europa des Mittelalters und der Neuzeit nicht so: der Stadtbewohner war bevorrechtet, genoß überhaupt bald ein Sonderrecht. Rechte aber hatte neben dem Klerus nur der Adel - als Landbesitzer, dem das uralte Recht des Freien VERBLIEBEN war. Daß bürgerliche Parteiungen dem (alten) Adel später dann vorwarfen, er habe VORRECHTE, ist also eine groteske Verdrehung historischer Tatsachen.






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Dienstag, 2. April 2013

Von den Ständen

Es ist eine historisch erklärbare, aber verfälschende Entwicklung, den Beamten oder den Soldaten als eigenen Stand zu sehen. Neben dem Bauern-, dem Bürgerstand, und dem des Adels, mit der Ausnahme des Proletarierstandes, dem Stand der Auflösung aller Stände. So, wie es auch keinen Klerikerstand gibt, schreibt Riehl in seiner Soziologie. 

Aber die Zentralisierung - wieder: mit der Schlüsselepoche Friedrich II., des Staufers, in der ersten Hälfte des 13. Jhds. - der Staatsmacht brachte auch die Entwurzelung des Staatsbeamten. Dazu kam die Substituierung des Ritters durch den bezahlten Kriegsknecht, auch hier also dieselbe Entwicklung der Loslösung der Tätigkeit aus der Einwurzelung in ein soziales Gefüge. Ihr Bezugspunkt wird somit ein abstraktes Gebilde "Staat", entsprechend hohl und behauptungslastig ihre Identitätskonstruktion.

Ein solcherart wurzelloser Beamter oder Soldat war nur noch der Zentralmacht angeschlossen. Das sicherte die Willfährigkeit, und löste das Problem der Sonderinteressen lokaler sozialer Gefüge. Friedrich II. legte größten Wert auf zumindest jährlichen Wechsel seiner Beamten, um genau diese Verwurzelung mit der Bevölkerung zu vermeiden. Dieser Zweck stand dahinter, sie zu einem eigenen "Stand" zu erklären. Der sie aber nie waren oder sind, der in ihnen sogar dem Wesen nach das Proletariat vorwegnimmt. Deshalb tritt auch erst in dieser Phase das Kastenbewußtsein - die ängstliche Bewahrung von Standesgrenzen, weil man eben um deren Gefährdung weiß - auf, mit dem sozialen Gift der von oben verfügten Privilegien, wenn nicht der Ineinssetzung mit Macht.

Was der Staufer da tat, entsprang nicht zufällig einer grundsätzlichen Gedankenbewegung - der konkreten Erneuerung des Römischen Reiches, die Friedrich in seinem Cäsarentum (mitsamt der Gottgleichheit des Herrschers) sehr handgreiflich wiederbelebte. Schon bei den Römern trat diese Erscheinung der Bürokratie auf, und auch hier war sie eine Verfallserscheinung.

Noch schlimmer wird die Verwirrung, wenn solcherart klasseninterne Ordnungen auch dem Standesgefüge gegenüber gelten sollen, sodaß Rang oder Fertigkeit den Stand ersetzt. Das sind sämtlich degenerative Erscheinungen der Auflösung der Stände, schreibt Riehl.

Ein Stand muß in sich abgeschlossen sein, und er muß sich aus sich selber generieren können. Das können diese erwähnten Sonderklassen aber nicht, genauso wenig wie die künstlichen Begriffsschöpfungen vom "Gelehrten-" oder "Fabrikantenstand", oder was auch immer in der Neuzeit an Verwirrung bereits herrschte, wo Berufsbezeichnungen den Standesbegriff ersetzten. Genau so, wie der Bürgerbegriff durch das Philiströse aufgeweicht wurde, auch hier aus bloßem Beruf Scheinbürgerlichkeit hervorging. Als Verwesungsprodukt zur Proletarisierung wird.

Sie sind zudem offen für Standeswechsel, auch das widerspricht dem eigentlichen Standesbegriff, der sich ja tief in Sitte, Lebensweise und Identität ausdrückt, die aufeinander weisen, aber miteinander nicht kompatibel sein können. Wenn überhaupt, kann sich Standeswechsel damit nur über Generationen manifestieren und wirklichen, niemals aber im Wechselnden selbst. Weil jeder Stand mit seiner Sitte seinen Ethos, die Zueinandergefügtheit als eigentlich Gesellschaftliches erhält und zur Darstellung bringt, und damit das Gesellschaftsganze, den Organismus, lebendig hält.

Diese Einteilung in drei Stände ist uraltes Menschheitsgut, als Grundgefüge der Schöpfung. Sie ist schon in ältesten indogermanischen Wurzeln nachweisbar, wo sie den gesellschaftlichen Kräften gemäß (Gesellschaft als Nachbildung des göttlichen Ideenkosmos, ja der Dreifaltigkeit als Grundstruktur alles Geschaffenen), in variierender Nuancierung, in der Form von Krieger/Mann/Edelmann - Bauer/Frau/Bürger - Priester/Sänger/König auftreten.* Wobei diese Dreifaltigkeit als Idee - Geist - Fleisch - Dreiheit in allen Ständen wiederum Struktur des Wirklichen bildet.



*Im Kastenwesen Indiens findet sich diese Dreiteilung - historisch degeneriert und gewandelt - bis zum heutigen Tag.





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Montag, 31. Dezember 2012

Was man nicht hoffen darf

Die Geschichte der Völker ist eine Geschichte ihrer Religion, schreibt Enrico Castelli in "Die versiegte Zeit". Was heute als Geschichte gesehen wird, ist oft nicht mehr als die Geschichte des Gedruckten, intellektueller Kreise. Nicht die des Volkes. Und so kam es zu gravierenden Verzeichnungen.

So sieht man nicht mehr, wie eng verbunden Adel und Bauern und Handwerker früher immer waren. Sie lebten auf die gleiche Weise, und ihr Leben stand gleichermaßen unter "sub specie aeternitatis". Dieselbe Religion verband sie, derselbe Lebensrhythmus, dieselben Werte. Und beide Stände waren in allen ihren Haltungen strikt an die Kirche, an die Religion gebunden. Nur die angenehmere Lebensweise unterschied sie. Nicht einmal, was auf den Tisch kam.

Unsere Geschichte ist also keine Geschichte der großen Ideen, mit denen wir es zu tun haben. Philosophien, neue Ideen, waren  nur einer kleinen Schichte bekannt, die nach heutigen Maßstäben lächerlich kleine Verbreitung und Resonanz fanden. Niemand hätte im 19. Jhd. verstanden, was "Sozialismus" war. Das mußte erst erklärt werden.

Erst die immer dynamischere Entwicklung des Bürgertums als realer Machtfaktor brachte die allmähliche Hinneigung der Lebensweise auf Technik und Abstraktion. Im Handel, im Intellektuellen als Beruf, welcher den Kleriker in seiner Lebensweise nachahmte. Und erst aus dieser Schichte heraus begann sich das Leben allmählich umzugestalten, in Richtung Technik. Der Proletarier entstand, der von der Technik Abhängige. Und von hier ging auch die Beseitigung der Kirche als geistige Autorität aus - von der Lebensweise, die an der Technik sich formte, an der Zeit als allerersten Faktor, nicht mehr an Personen, nicht mehr an natürlichen Rhythmen, nicht mehr am Eigenleben des Individuums. Dieses war bedeutungslos geworden. Technizismus und Verbürgerlichung gehen Hand in Hand. Denn die Technik braucht die Wirtschaft - nicht umgekehrt, schreibt Castelli. Und in ihrer Folge die Städte als Synapse der abstrakten Funktionen.

Die Geschichte der Denker ist die Geschichte der Einsamen, die man da und dort mal bestaunte, aber die ohne Einfluß blieben. Erhielten sie Beifall so wegen ihrer Gewandtheit, ihrer Originalität, wie man Artisten Beifall klatscht. Nur das religiöse Erlebnis hat die Massen in Bann geschlagen. Nur dem Reformator gelang es, in die Herzen der Menschen einzudringen, weil er von der Kirche kam. Und doch waren es mit der Zeit die Ideen der Einsamen, die über die Umwege des Bürgertums - als Wissen - so unabsehbare Schäden anrichteten, die Lebensweise der Menschen zu ändern begannen. Hin zu einer Gefangenheit von den Ereignissen, der Gefangenheit von alltäglicher "Problemlösung" als Optimierung technischer Abläufe, weg von der alles zusammenfügenden, ordnenden Weisheit. Gott ist nur einem durchgängigen Bewußtsein überhaupt denkbar. Wenn sich der Mensch nur noch in fragmentierten Handlungen wiederfindet, und keine Zeit hat davon zurückzutreten, um zu sich zu finden, fragmentiert sich auch sein Bezug zu einem Transzendenten, er verliert das Unwandelbare.

So wird die ultimative Katastrophe zu Anfang des 20. Jhds. erkennbar. Als sich die gesamte Daseinsweise der Menschen zu ändern begann. Noch im 19. Jhd. unterschied sich die allgemeine Lebensweise kaum von der des 10. Jhds. Sodaß der heutige Mensch wirklkich ganz anders lebt als der von 1890. Mit einem herausragenden, historisch wirklich einmaligen Merkmal: dem Fehlen des Eigenlebens. Deshalb ist auch die Hoffnung der Einsamen sinnlos, wenn sie sagen: man wirde mich schon noch verstehen. 

Nein. Denn wenn alles dem Untergang geweiht ist und unaufhaltsam diesem zustrebt, wird er nie verstanden werden. In der heutigen Zweispaltung zwischen Eigenleben und Lebensform und öffentlicher Meinung ist eine solche Heilung des Zusammenwachsens gar nicht möglich. Die Welt des Denkers der Wahrheit ist von der der Gegenwart grundverschieden - sie leben in zwei verschiedene Sprachen. Der Denker der Wahrheit steht mittlerweile außerhalb der faktischen Lebensvollzüge.

Hoffen, schreibt Castelli? Hoffen kann man immer. Nur: Man DARF nicht immer hoffen. Man kann hoffen, wenn sich die Hoffnung auf übernatürliche Hilfe bezieht, Hoffnung auf Gott ist. Aber man DARF NICHT hoffen, daß der Fortgang bestimmter Ereignisse nicht jene negativen Folgen nach sich zieht, die in der Entwicklung ausgereift, absehbar sind.

Es ist unsinnig zu hoffen, daß Innerlichkeit auf magische Weise aus der Äußerlichkeit entstehen könnte, oder zu hoffen, daß ein Gespräch geführt werden könne, wenn Lärm und Getöse den Raum erfüllen und die ausgesprochenen Worte nicht zum andren dringen, Worte, die ein Gespräch ergeben und nicht bloße Mitteilungen sind, die sich auf Raum und Zeit beziehen.

Wenn wir sehen, daß es keinen schlußfolgernden Geist in dieser Epoche gibt, daß der Wartezustand nicht das Resultat eines Schlusses ist, zu dem wir gelangt sind, sondern etwas, das erlitten wird, eine Passion, durch die wir gehen, so muß zugegeben werden, daß die Krise tatsächlich den Charakter der Katastrophe angenommen hat, und daß die Lösung dieser Krise nicht Rückkehr und Wiederherstellung, sondern Erneuerung sein muß. 

Nur in der wirklichen Diagnose der Zeit aber findet sich jenes Feld, auf dem der gläubige Mensch Gottes Hilfe erwarten kann.





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