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Montag, 12. September 2022

Viel zu spät, und dann auch noch falsch (1)

   Synode 2022 - Katerjammern
Was das Erschütterndste an dieser ganzen "Synode" der deutschen "katholischen Kirche" ist? Daß man das Geheule der Vorsitzenden, als die nach langen Monaten und Jahren errungene Schlußdokumente ... NICHT ANGENOMMEN wurden. Daß jahrelang herumgequatscht und geschuster wutde, und nun stellt sich heraus, daß nicht einmal die Delegierten im formal nötigen Ausmaß dahinterstehen.

So verblendet sind diese Herrschaften (darunter viele  Damen), daß sie nicht einmal bemerken, wie vollkommen irrelevant und uninteressant das ist, was sie für die brennenden Punkte und Probleme der Welt und des Glaubena halten. Daß sie nichteinmal merken, wie weltweit - aber AUSZERHALB Europas, dessen Niederbrechen, das sich in uneren diesen Jahren in voller Gestalt zeigt - ein regelrechtes Aufbrechen der religiösen Sehnsüchte stattdinet. Selbst von China* hört man, wie dort im Volk das Religiöse erstarkt. 

Mittwoch, 12. September 2012

Trendnachklang

Im Nachklang zum gestern veröffentlichten Bericht über Trends und Zürich, könnten einem auch gewisse Parallelen auffallen. Wie die, daß das überragende Merkmal unseres Wirtschaftssystems der Trend ist, Gewinne zu privatisieren, Verluste aber zu vergemeinschaften. Nicht nur in Wirtschaftsbelangen, wo es allen so sauer aufstößt. Ob denn das nicht eine Übereinstimmung mit dem sozialstaatlichen Generalsatz der Versicherung gegen das Leben, als Grundstimmung der Generationen, ist?  Seit Jahrzehnten als Lebensgrundhaltung, die sich zum Generalnenner feststellen läßt, der auch auf die Rettungsaktionen im Rahmen der letzten bzw. aktuellen Wirtschaftskrise subsummieren läßt. Solch ein Leben läßt sich in einer Großstadt tatsächlich leichter organisieren.

Aber Konservativismus als Trend wird ja schon seit längerem beobachtet, und im übrigen vom Autor dieser Zeilen seit Jahrzehnten prognostiziert. Mit einer kleinen aber entscheidenden Einschränkung - daß er nämlich positivistischen Charakter haben wird bzw. hat. Denn er erwächst nicht aus einer kulturellen Gesamtbewegung, sondern als Reaktion.  Denn da ist noch etwas, was alle Erhebungen und Beobachtungen verzeichnen: Eine seltsame Mutlosigkeit. Und da will man gar nicht eine jüngst veröffentliche Umfrage zitieren, die den eigentümlichen Umstand bloßlegte, daß die Hauptsorge der heutigen jungen Menschen ... die Sicherheit ihrer Pensionen ist!

Schon gar nicht soll hier angeführt werden, daß es doch Merkmal des jungen Menschen immer gewesen war, NICHT an die Zukunft zu denken.  Ja, das ist ja gerade das Erfrischende an der Jugend, ich versteige mich sogar dazu: immer gewesen. Wo sich immer in der Jugend, die noch den ursprünglicheren Lebensquellen näher steht als der bereits in die Form hinein gewordene Erwachsene, Rebellion bemerkbar macht weil machen MUSZ. Es wäre seltsam, wenn das nicht mehr der Fall wäre.

Dem stellt der Autor dieser Zeilen eine merkwürdige andere Beobachtung zur Seite, deren autobiographischen Hintergrund zu vermuten dem Leser freisteht, aber selbstverständlich bestritten wird. Daß er die erschütternde Feststellung machen mußte, daß ihm Widerstand und Aufbegehren immer dann entgegentrat, wenn er geradezu die Anforderung stellte, sich GEGEN Trends und Massenerscheinungen des Zeitgeists zu stellen bzw. das überhaupt zu können. Da trat ihm eine Jugend entgegen, die das Recht auf Vermassung, das Recht auf Rundumversicherung, das Recht auf Totalversorgung einforderte! Dabei ist der Autor dieser Zeilen keineswegs ein Alt-68er, er bekam es nur mit deren Auswirkungen zu tun, wie ja jeder. Seine Ausbrechen als Jugendlicher, und manche meinen, es sei heftig gewesen, war zugleich ein Aufbegehren GEGEN dieses Versorgungsdenken, gekennzeichnet von gewissem Leichtsinn und Wagemut, sein Leben ins Meer hinauszustoßen!

Könnte es also nicht sein, daß dieser Trend zu traditionelleren Werten (Gänsefüßchen wären angebracht) in einen ganz anderen Rahmen zu stellen wäre? Wenn es nämlich so ist, wie hier behauptet wurde, daß die Lebenshaltung der Gegenwart in ihrem Grundzug die Absicherung gegen jene Ängste ist, die zu integrieren (denn das Nichts als existentielle Bedrohung ist niemals auszuklammern, immer präsent, es klafft unter ALLEM Sein, das in seinem Streben nach Konkretisierung und Bestand ja das Bollwerk gegen dieses Drohende bedeutet) und zu überspannen eigentlich der Weg des Lebens ist, wenn das also so ist, dann wäre dieser Konservativismus lediglich eine dialektische Ausformung eben dieses nihilistischen Grundgefühls!? 

Dann wäre der heutige Konservativismus nach nicht mehr als eine weitere Forderung an den Sozialstaat nach Konstanz, nach Absicherung der Situation totaler Versorgung und Rundumversicherung gegen alles. Nach Privatisierung der Nutzen, und Kollektivierung der Lasten, bei gleichzeitigem Anspruch auf den Nutzen des anderen. Des anderen! Und in einer Situation, in der durch gezielte Destabilsierung die Familien ihre Vorzüge nicht mehr ausspielen können, wird dann auch ihr Nutzen rationalisiert, wird sie utilitarisiert, und ... dem Staat, der Umgebung die Verantwortung für die Fruchtnießung ihrer Vorzüge überantwortet.

Denn in einer Situation, in der die Frau - nur als Beispiel zur Illustration - durch nichts mehr in existentieller Verpflichtung steht (auch die Kinderlasten werden ihr ja vielfach "abgenommen"), durch Einflußnahmen, die aus ganz anderen Ecken kommen als die um die es hier geht, ist es nur "wünschenswert", wenn eheliche Pflichten gestärkt werden, denn sie betreffen dann nur noch den Mann. (Stattdessen sind Unterhaltsverpflichtungen in den letzten Jahren sogar noch verschärft worden, ja es gab und gibt Diskussionen, sie auch auf außereheliche Verhältnisse umfassend auszuweiten!) Und das bei längst geschehener Dogmatisierung des Feminismus!

Nicht nur einen Fall kennt der Verfasser dieser Zeilen, wo Frauen sich völlig im Recht fühlen, ja mit "traditionellen Werten" argumentieren, und vehement auf die unlöslich ehernen Bande der Ehe hinweisen, den Mann, um sich selbst noch mehr dem Wesentlichen der Ehe - der Selbsttranszendenz auf ein Gemeinsames hin - im Namen ihrer "Eigenständigkeit" zu entziehen. Mit der amüsanten Spielart, traditionellere Verhaltensweisen großmütig zu "gewähren", solange es ihnen opportun erscheint.

Kurz: Kann es im Rahmen des heutigen gesellschaftlich, staatlich abgesicherten Defaitismus überhaupt eine Renaissance "konservativer Werte" geben? Oder ist die beobachtbare Wende zu traditionelleren Werten (und Rollenbildern) nicht längst nur noch eine zeitangepaßtere Spielart der Zersetzung, die nur die Zersetzung selbst im letzten Moment doch noch verhindern soll - durch Verpflichtung der ... anderen? Und ist deshalb nicht ihr Gesicht - als contradictio in adjectio - zwangsläufig voluntaristisch, um vor allem zu vermeiden, sich mit dieser menschlichen Grundangst - der Ungesichertheit des Daseins - auseinandersetzen zu müssen? Wird er nicht deshalb kaum mehr als Zitat bleiben, dessen wirkliche Kräfte ganz andere Wege gehen, und ihn also keineswegs als fundamentale "Umkehr" klassifizieren lassen?

Wer das emotionale Chaos einer "Hippie-Elterngemeinschaft" (und auf die eine oder andere Weise sind das heute fast alle Eltern) erlebt hat, ja der ist nicht selten unter jenen zu finden, die vehement die Vorzüge einer traditionellen Familie, mit Ordnung und Stabilität, preisen und fordern. Aber so gut wie nie unter jenen, die diese Knochentour der Selbsttranszendierung - gerade bei so fundamentaler Prägung durch Ungeformtheit, durch Vernachlässigung (die ist es, die ja bei "antiautoritärer", "freizügiger" Erziehung meist nur kaschiert werden soll) - auch gehen, die sie in Wahrheit  nur hervorbringen kann. Frei nach dem Motto: Wasch mich, aber mach mich nicht naß!

Und da wären wir denn da - bei Partnerschaft ohne Ehe, bei Ehe ohne (beiderseitige) Endgültigkeit, bei Religiosität ohne Religion, bei Nachwuchs ohne Anstrengung, bei Gemeinschaften ohne Verbindlichkeit und Belastung, bei Familien ohne Integrität. Und wer belastet, wer Spannungsaufbau verlangt, der hat einfach Unrecht. 

Kinder? Natürlich, sie sind ja so ein "emotionaler Gewinn", schreibt die NZZ deshalb. So dächte man wieder, schreibt sie. Und führt oben an, daß der Tend zu mehr Kindern mit der Errichtung von ... Abgabestellen zusammenhängt. Daß "emotionaler Gewinn" dabei auf positive, kurzfristige oder gar oberflächliche Gefühle reduziert werden könnte, ist nicht mehr im Blick.  Kinder ja, aber ohne daß sie den Lebensstil wirklich beeinflussen. Ein Ende des Individualismus? Ja, aber nur dort, wo er das brauchen würde, was erst individuell - weil zur Persönlichkeit - macht: Spannungstrage, Mühe im Aufbau, Niederlagen und Ausgeliefertheit. Denn nur so wird das Leben wirklich gesteigert - qualititativ, nicht einfach quantitativ.

Vor uns liegt deshalb ein Konservativismus, der genau das zu vermeiden versuchen wird, behauptet der Verfasser dieser Zeilen, ja der aggressiv werden wird bzw. ist: Er will die Vorzüge der traditionellen Lebensformen, aber er ist nicht mehr in der Lage und willens, deren Entstehungsbedingungen zu erfüllen. Er will ihren formalen Schein weil Nutzen. Aber nur, solange und wo es konveniert. Er fordert ihn sogar zum Trend, um in der Masse wieder untergehen zu können. Er will so sehr wie noch nie Willkür. Aber er will nicht mehr ihre Folgen. Das ist sie, diese Wende, und kaum mehr. Eine technizistisch geprägte Generation kann eben nur noch ... technizistisch denken. Und Technik heißt: Effektproduktion.
 

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Dienstag, 11. September 2012

Leidbilder und Trends

Zwar sei es von einem Geburtenboom noch weit entfernt, aber, so schreibt die NZZ, Zürich verzeichnet seit zehn Jahren einen deutlichen Trend zu Mehrkindfamilien. Mittlerweile seien bereits wieder über 4000 Kinder in Familien mit drei Kindern zuhause, und nicht nur bei Zuwanderern, sondern auch bei angestammten Schweizern. Mittlerweile ist es wieder hipp, mehr Kinder zu haben, und Zürich verzeichnet in einer Trendumkehr seit 2000 konstanten Geburtenüberschuß.

Über die Gründe kann nur gemutmaßt werden. Revitalisierungsprogramme für die Altstadt und leerstehende Industriegelände haben jedenfalls das städtische Wohnen wieder attraktiv gemacht. Nachdem Zürich verglichen mit den 1960er-Jahren mit deutlich über 400.000 Einwohnern auf heute etwa 380.000 fiel. Offiziellen Quellen ist zu entnehmen, daß als Ziel definiert wurde, bis zum Jahr 2025 wieder 450.000 Einwohner und mehr zu erreichen. Dazu müßte aber noch viel passieren, denn auch mit diesen Geburtenziffern mit jährlich rund 4.500 Geburten wäre mittelfristig durch die Alterspyramide (die über die Babyboomjahre der frühen 1960er einen Bauch nach oben schiebt, der sobald er das Sterbealter erreicht, also in 20, 30 Jahren, auch die Bevölkerungszahlen rasch nach unten fallen lassen wird) noch nicht einmal eine Stabilisierung der Bevölkerungszahlen möglich.



Schon länger, so die NZZ, sei aber in der gesamten westlichen Welt ein klar erkennbarer Trend zu konservativen Werten festzustellen. Ihn kennzeichnete

[...] stärkeres Interesse an den Religionen, weiße Hochzeiten, Begeisterung für Schwingfeste und die Tatsache, dass junge Schweizerinnen und Schweizer der EU gegenüber skeptischer eingestellt seien als ihre Eltern [...]

Das Single-Dasein werde zunehmend vom Leitbild zum Leidbild. Die Gemeinschaftsorientierung nehme wieder zu, und das lasse sich in einer Stadt einfacher verwirklichen. 

Vermutlich sind deshalb die gestiegenen Angebote für Kinderbetreuung ein wesentlicher Grund. Jährlich würden derzeit bei Züricher Kindertagesstätten 400 Kinder zusätzlich unterzubringen sein. Die jungen Frauen bemerken, daß Kinder nicht unbedingt ein Ende ihrer beruflichen Ambitionen bedeuten muß, so ein Stadtverantwortlicher. Und dann steht im Artikel ein bemerkenswerter Satz: 

Auch in den Zürcher Freiluftbars sind Kinder keine Seltenheit; man nimmt sie mit, macht etwas weniger lang Party, behält den kinderlosen Lebensstil im Grundsatz aber bei.
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Görlitz in der schlesisch-wendischen Oberlausitz
Der Trend zur Verstädterung ist schon lange auch in Österreich und Deutschland deutlich. Wie Erhebungen ergeben, wachsen die Großräume Wien und Graz seit Jahren stark. Während sich ganze Landstriche regelrecht entvölkern - wie die östliche, nördliche und westliche Steiermark (wie überhaupt der Alpenraum), oder der Voralpenbereich und das Waldviertel in Niederösterreich, samt dem südlichen Burgenland. Deutschland hat einen ähnlichen Trend zu verzeichnen. In der Altstadt von Görlitz, war unlängst in der FAZ zu lesen, stehen die Mieten bereits bei bis zu einem (1) Euro pro m2. Trotzdem fiel die Bevölkerungszahl der ostsächsischen Stadt in den letzten 20 Jahren auf die Hälfte, auf 55.000.

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