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Samstag, 8. Februar 2020

Auf dem Weg zum Sklaventum (2)

Teil 2) Zu den Vätern


Der Vater kommt in allen diesen Konzepten ohnehin nicht mehr vor. Außer in einem Punkt: Er wird alles bezahlen und existentiell tragen müssen. Diese Verpflichtung, diese Verspannung des Mannes in Schuld-, Schulden- und Arbeitsleistung wird deshalb immer weiter wachsen. Als immer offensichtlicher werdender Schritt zum Sklaventum des Mannes kommt er damit Vorstellungen einer Gesellschaftsorganisation zupaß, in der sich eine Elite berufen, verpflichtet und kraft überlegener Moralität legitimiert sieht, den großen Teil der Menschheit als "Materialdepot" für ihre "überlegenen" Interessen zu behandeln. Hier deckt sich perfekt die schlimmste Form des Kapitalismus (als Oligarchentum) mit dem Kadergedanken des "wissenschaftlichen Materialismus" in Marxismus/Kommunismus. Karl Marx hat nicht zufällig die Familie als Hauptfeind des Marxismus erkannt.

Also muß auch die Ehe, diese Grundform des Zueinander des Menschen ("als Mann und Frau schuf er ihn"), aus der Integrität einer Vertrauensbeziehung herausgebrochen werden. Während die Grundempfindung, die den Mann zur Frau zieht - der Eros - über Pornographie und für sich betrachtete Ersatzbefriedigung isoliert, unschöpferisch, weltabgewandt und unfruchtbar gemacht wird. Über die an die Stelle des Eros tretende, isolierbare Begierde nimmt der Mann fortan seine Fremdherrschaft, über die er jederzeit triggerbar werden soll, auf sich. Weil dieser Grundantrieb im Mann aber vor allem steht, nimmt er seine vorgetäuschte Befriedigung, die die Schwachheit begünstigt, ja legitimiert, gerne hin, wenn ihm diese Befriedigung erlaubt wird, und stellt sich "gerne" unter das Joch des Sklavenrads.

Damit hat sich die Elite jede potentielle Konkurrenz um die Weltherrschaft aus dem Weg geschafft. Und sich eine reiche Anhängerschar gesichert, die exakt diese Furcht vor der (männlichen) Konkurrenz (als Urteil vor dem Sein, übrigens, also als Zuweisung eines Ortes, auf den Gott einen hingestellt hat, um es simpel zu sagen) nunmehr als Freibrief garantiert erhält, trotz dieser Schwachheit durch Nützlichkeit und Dienstbarkeit an der Weltherrschaft zu partizipieren, die ihnen sonst verschlossen bliebe.




*261119*

Freitag, 7. Februar 2020

Auf dem Weg zum Sklaventum (1)

Sachlich gesehen bringt Birgit Kelle in einem Gespräch mit Roland Tichy vieles auf den Punkt, und zeigt die Verrücktheit und Widersprüchlichkeit, die sich rund um das Thema "Kind" derzeit aufbaut und in Gesetzesform geronnen ist und weiter rinnen will. Wir stehen in den aktuellen Bestrebungen der Erweiterung der Leihmutter-Regelungen vor den letzten Schritten, die Frau generell als Gebärmaschine auszubeuten, sie auf den Geburtsvorgang zu reduzieren. Und verfangen uns in einem Dickicht von Widersprüchen und moralischen Horrorszenarien, denen niemand mehr Einhalt gebieten wird können.

Diese Widersprüche sind im Tiefsten freilich in jenem materialistischen, evolutionistisch-mechanistischen Menschenbild gegründet, das sich seit geraumer Zeit in unserer Kultur aufgebaut hat. Darin aber kollidiert es mit in der Emotionalität noch wachen Bedürfnissen aller Seiten und Arten. Also muß man leibliche Vorgänge von geistigen trennen, eine hohe Mauer zwischen den beiden errichten, und jede Überschau verhindern. Die psychische (seelische) Welt des Menschen soll damit - in der Tradition der mißverstandenen Auslegung der Rolle des Bewußten beim Menschen seit Descartes - zu einem Theater der Vorstellungen werden, einer Welt, die mit dem Bühnenrand abbricht.

Ethische Grenzen gibt es nur noch dort, wo dieses Bewußtseinstheater noch nicht ausgeweitet genug ist und deshalb mit Emotionen kollidiert, die aus anderen Welten stammen, zu denen die Verbindungen noch nicht genug gekappt sind.

Sehr schön zeigt Kelle aber die ontologischen Zusammenhänge aller derzeit bereits möglichen und möglich werden sollenden Vorgänge rund um Kind und Mutter, d. h. in Wahrheit auch der Väter, die aber bereits völlig aus dem Spiel genommen sind. Abtreibung, Leihmutterschaft, Eugenik (genetische Vorauswahl), Prostitution, und nicht zuletzt: Homosexualität ... 

Aus der "Ehe für alle" wird nun zwangsläufig auch das "Kind für alle". Dieses "Recht" übertrifft alle übrigen Menschenrechte, die etwa das Kind selbst noch hätte, solange es uns noch nicht ausreichend vor die Augen treten kann, im Leib der Mutter. Der Zynismus, die tiefe Verlogenheit, mit denen hier sogar noch von "reproduktiver Gesundheit" gesprochen wird, ist kaum noch zu überbieten. Ebenso wenig wie die Verlogenheit zu übersehen ist, mit der dieselben, die für die Abtreibungsrechte als "Recht der Frau" eintreten, nun die Einführung von "Kinderrechten" fordern. Deren wahre Intention damit offenbar wird: Sie sollen als Instrument dienen, mit dem der Staat beliebig in Familien eingreifen kann, weil er zukünftig sogar die Pflicht festschreibt, sich täglich mit an den Tisch der Familien zu setzen. 

Während die Kinder aus ihrem ureigensten sozialen Gefüge, ALS Kind von Eltern, herausgebrochen und schein-autonomisiert wird. Scheinhalber, weil natürlich der Staat diese Autorität übernimmt, die naturrechtlich als Recht (wie Pflicht, natürlich) lediglich den Eltern zukommt. Damit werden sie zum bloßen Spielball von Interessen und sind Fremdmächten ausgeliefert. Dort unterliegt es einem existentiellen Hürdenlauf, in dem es sich unter ständiger Observation weiß, wo in dem Moment, wo es bestimmten Vorstellungen und Ansprüchen nicht genügt, sein Lebensrecht verwirkt wird.

Kinder werden zur Ware, Leihmütter zu einer neuen Form der Prostitution

Kelle weist aber auch auf noch etwas hin. Zukünftig wird immer mehr den Kindern jene Sicherheit genommen, die bisher als unnehmbar galt: Die Sicherheit der Mutter bzw. wer die Mutter ist. (Denn "Pater semper incertus" - "Der Vater ist immer unsicher", beruht lediglich auf dem Wort und kann sogar ergriffen werden, worauf die Idee der Adoption als Grundform der Beziehung Vater-Kind beruht.) Was besonders in seinen ersten Lebensjahren von entscheidender Bedeutung ist, um sich in der Welt über die Identifikation mit der Mutter zu etablieren, ehe es allmählich zum Wort (zum Vater) kommt, und damit zur Freiheit. 

Die technische Zergliederung, die einer Reduktion des Weltwerdevorgangs auf technische Vorgänge gleichkommt, die sogar örtliche Teilung der Zeugungs-, Empfängnis-, Schwangerschafts- und Geburtsvorgänge macht aber selbst diese Identifizierbarkeit zur juristischen und philosophischen Spitzfindigkeit, der die tiefere emotionale, persönlichkeitsbegründende, vor allem aber der Liebe (über Ähnlichkeit und Vertrautheit) aufhelfende Selbstverständlichkeit fehlt. Man stelle sich alleine vor, was es für einen Menschen an seelischem Bruch bedeutet, neun Monate im Leib einer (fremden) Mutter aufzuwachsen, um dann per Geburtskanal in eine völlig neue, fremde Welt der "Bestelleltern" gestoßen zu werden. So ein Mensch muß also auch als Erwachsener jede Kultur, jede gesellschaftliche Ordnung als Bedrohung durch einen Feind empfinden, der ihm die Einhausung in der Welt verweigert und das Grundvertrauen in die Ordnung der Natur verhindert und zerstört.

Und warum das alles? Wegen der Eigensucht vieler Menschen, die eine Welt wollen, die sich jeden Moment ihrer spontanen Willkür fügt, und jede Wahrnehmung der gigantischen Kollateralschäden, die sie dabei anrichten, ausschalten möchte. Deshalb muß auch jede Logik, jede Konsistenz des Weltbildes vermieden werden. Und man tut es, indem man die Vernunft selbst durch (negative) Moralisierung verhindert, während man den gefälligen Spontanbeschluß positiv romantisiert.

Morgen Teil 2) Zu den Vätern







*261119*

Sonntag, 14. Februar 2016

Wozu man dann doch nicht viel sagt (2)

 Teil 2) Der Sieg der Gabriele Kuby war eine 
Niederlage des Katholizismus und deshalb 
ein Triumph der Linken und des Genderismus




Eine nominell weit kleinere, aber noch unsäglichere Groteske spielte sich diese Woche rund um Gabriele Kuby ab, also im sogenannten "katholisierenden Milieu". Die in etlichen Publikationen sehr prononciert katholisch-fundamental (nicht: fundamentalistisch! das soll hier nicht unterstellt werden) auftretende Deutsche gewann einen (ersten) Prozeß gegen den deutschen Spiegel. Dieser hatte nämlich die Autorin falsch zitiert. Als er über ein in Berlin gegebenes Theaterstück berichtete, das in seiner Fragwürdigkeit tatsächlich keine Wünsche mehr offen läßt. Und die wirklichen radikalen und hetzerischen Dimensionen aufzeigt, in die sich die Linken mittlerweile begeben haben. 

Das wäre alles noch soweit normal und Kuby wäre da nichts anzukreiden, im Gegenteil. Das Possenspiel beginnt erst seine Farben zu entwickeln, wenn man das, was manche katholisch als Schild vor sich hertragenden Medien in den Meldungen über den Sieg eines ihrer Flaggschiffe als Entgegnungstext des Gerichtsurteils öffentlich machen. Wo Kuby also sagt, sie habe nicht DAS gesagt, sondern DAS. 

Dieses letzte DAS - darum geht es. Denn wenn Kuby DAS wirklich meint, dann ist sie ja gar nicht katholisch!? Dann gehört ihr Aufbegehren gegen Sexualisierung und Genderwahn in dieselbe Kategorie, wie das weitester Kreise der Kirche: in die sogenannte Rundablage, den Papierkorb. Die nämlich mit der Linken (als die Hand im Sprichwort) das nehmen, was sie mit der Rechten gleich oder gar doppelt wieder herschenken. Der Leser möge die Details selbst nachlesen, der VdZ hat sie in diesem Blog längst und umfänglich argumentiert.

Nur das soll noch weiter ausgeführt werden, wo die sich so gerne "tolerant" gebenden Katholisierungskatholizisten davon sprechen, daß es ihnen doch niemals darum gehe, die Lebensweise anderer zu inkriminieren - das sei, wenn bestenfalls subjektive Meinung, aber keine Forderung an die Gesellschaft. Solle doch jeder leben, wie er wolle? Herrschaften, diese Argumentation ist ebenso häufig wie katastrophal falsch und unkatholisch. Denn wenn das stimmen würde, wenn die Lebensweise des einen die Menge der anderen, die mit oder um ihn leben, die jedenfalls mit ihm in einer Einheit leben - Volk, Stadt, Bezirk, Kirche, Menschheit - dann wäre die Erlösung Jesu Christi leeres Geschwätz. 

NUR weil das Leben des einen das Leben ALLER ANDEREN tangiert, nur deshalb kann man überhaupt von Erlösung durch Christus sprechen! Selbstverständlich muß einen deshalb die Lebensführung des Nachbarn etwas angehen, selbstverständlich hat sie Auswirkungen auf einen selbst und vor allem auf die, die in eines Verantwortung stehen. Da muß man gar nicht auf funktionalistische Ebenen wie "Vorbild" oder "Verführung" gehen. Das ergibt sich schon aus dem Wesen der Universalien! Das alles liefert zwar noch keine Handlungsanweisung, wie oder daß gegen jemanden im Einzelfall "vorzugehen" sei. Und darf schon gar nicht auf der (protestantischen) Ebene des dogmatischen Moralismus gesehen werden. Aber niemals kann es heißen, daß ein Christ damit zufrieden sein kann, daß diese Lebensweisen öffentlich und offiziell "toleriert" werden, "solange sie einen nicht direkt berühren" vielleicht noch. Sie berühren einen nämlich, so wie alle Menschen einer Gemeinschafts-Ebene, die diesen zugehören, berühren. Stellvertretend, das heißt: einer für alle. 

Das fällt in das ähnliche Gequatsche-Fächelchen (auch das führt Kuby sogar an) wie das so häufige Gelabere, Homosexualität sei so lange keine Sünde, als sie "nicht praktiziert" werde. Sie mag dann keine Tatsünde sein, die erschwerend dazu käme. Aber sie ist als Grundhaltung prinzipiell eine Heilsverfehlung, und zwar die Anzeige einer Heilsverfehlung durch Persönlichkeitsdefekt. So, wie ein Bursche ohne Hände (gewisse Tendenzen der Selbstschwäche und Selbstverfehlung sind natürlich tatsächlich vererbbar, aber nicht "Homosexualität" selbst; eine Kultur zeugt sich selbst eben fort! nach oben - oder nach unten, Himmel oder Hölle; nie aber ist sie vom Individuum zu trennen) niemals Klavier spielen wird. Das heißt nicht, daß man damit einfach "leben" muß, man immer diese Schwäche eben nun mal hat. Die Tendenz dazu vielleicht. Aber dann muß der ohne Hände (des Beispiels) eben auf Umwegen versuchen, doch die Tasten bewegen zu lernen. Weil es ums Klavierspielen geht. Nicht darum, dann eben aufs Klavierspielen zu verzichten. Den Homosexuellen in diesem Irrglauben (zu dem er sowieso neigt) noch zu bestärken, ist eine wahre pastorale Katastrophe, die vor allem eines anzeigt, was auch in jedem Wort Kubys deutlich wird: ANGST. Menschenangst. Angst nicht geliebt zu werden. Angst vor dem einzigen, das man als "Treibsatz der Heiligkeit" bezeichnen könnte: Dem Gegenwind des Nicht-seins, der's um den Arsch ziehen läßt wie Hechtsuppe.

Hier zeigt sich aber etwas, das das Interesse an dieser Marginalie doch höher schraubt. Darin zeigt sich nämlich das Wesen des menschlichen Handelns. Und zwar - am Beispiel des Handelns der Linken. (Alles detaillierte, konkrete Handeln ist ja eine Emanation eines "Dahinter", einer Archetype, einer idea, einer Beziehungsdynamik des Seienden.) Denn nur wenn man Kuby mit Katholizismus verwechselt, kommt man zum Tatbestand einer Verleumdung. Die Linken aber haben ihren eigentlichen Kampf geführt, und das war alles. Und er ist ein Kampf von Typologien, von archaischen Grundbildern, ein wirklicher geistiger Kampf also. Die Linke kämpft nicht gegen Personen! Sie kämpft gegen den Katholizismus. Denn was Gabriele Kuby unterstellt wurde gesagt zu haben, trifft das Wesen des Katholizismus weit (!) besser, als es Kuby in ihrer Gegendarstellung dargestellt hat! Die Linke kennt ihren Feind! Und sie verwendet die in dessen Schattenbereich auftretenden Figuren nur zur Illustration. Es geht nicht gegen Kuby oder Kelle oder wen auch immer. Es geht gegen den Katholizismus. Es geht gegen die Substanz.

Der VdZ hat schon Diskussionen zwischen Anti-Genderisten und Links-Genderisten erlebt (an diesem Ort hat er einmal, soweit erinnerlich, das aber sicher, eine Diskussion zwischen Birgit Kelle und einem linken Genderisten kommentiert, in der Kelle - ohne es zu merken! nur der Linke hat es gemerkt, und dann nahezu geschwiegen ... Kelle hat SEIN HANDWERK geleistet! - regelrecht dem Genderismus den argumentativen Boden aufbereitete, den dieser in dieser speziellen Zugangsweise noch gar nicht hatte.

Die eigentliche Substanz also haben alle diese Figuren (darunter auffallend viele "intellektuell hervorragende" Frauen; erst aus jüngster Erfahrung führt der VdZ auch die Philosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz als Beispiel an) in Wirklichkeit ... längst verraten, wenn sie ihn überhaupt jemals kannten. Was in den letzten Monaten speziell und sehr schmerzhaft auffällt, ist eben der Umstand, daß es eine wirklich intellektuelle "katholische" Szene einfach nicht mehr gibt. Rund um die vor allem im letzten Jahr buchstäblich drängend aufgeplatzten Probleme hat sich der Katholizismus zur flüchtigen Duftmarke verdünnt, und kaum etwas hat sich so blamiert und in die Irrelevanz abgeschoben wie das, was man noch vor vierzig Jahren stolz als repräsentative Elite eines intellektuell höchststehenden Katholizismus bezeichnen konnte. Man versteht heute nicht einmal mehr seine Überschriften.*

Einzelne seltene, singuläre Erscheinungen machen das bei weitem nicht wett. Es gibt diese Szene nicht mehr. Nicht einmal mehr an den Hochschulen. Nur noch ameisenartig herumwabernde kasperlhafte Simulanten einer solchen Szene, die den Eindruck nur noch verstärken: Die Kirche hat nichts mehr zu sagen. Nicht, weil sie nicht hätte! Sondern weil sie es nicht kann. Sie bietet bestenfalls noch Fluchten, und scheint das, was sie ihre Spiritualität nennt, auch nur noch als Fluchtmethode zu kennen. Sie bietet aber dem, der Wirklichkeit, der Realität sucht, keine Orientierung mehr im Wellengekröse der Gegenwart, steht nicht mehr wie ein Leuchtturm (R. Schneider) im Strom der Zeit. Aus deren Dunkel nur noch den schärfsten Augen sichtbare kleine und oft sehr verdeckte Kerzlein aufleuchten.

Der wahre Triumph in dieser Angelegenheit gehört also einmal mehr der Linken, ihr gehört fast jede Diskurshoheit. Und die hat sie auch mit der Publizierung der Entgegenstellung nun einmal mehr bestätigt. Und diese Siege fährt die Linke seit Jahren am laufenden Band ein. Sie weiß, daß es um den Katholizismus geht, nicht um einzelne Figuren, die man umso lieber angreift, als die Popularität, die man ihnen dazu vor die Türe legt, nicht schaden kann, weil sie ohnehin die eigentliche Gefahr nicht repräsentieren, sondern davon ablenken, also die übrigen täuschen. Es gibt zwei Grundsätze, die man immer wieder bestätigt sieht: Wer wirklich einflußreich ist, ist ... nicht bekannt, bleibt im Hintergrund.

Wer wirklich gefährlich wird, der wird (buchstäblich) totgeschwiegen. Wen man wirklich zutiefst fürchtet, den hält man unter der Decke. Es wird gefährlich, wenn man erlebt, daß man populär wird. Auf der Ebene, auf der man Gefahr sieht, ist sie oft gar nicht vorhanden, und das ist selbst wieder eine Strategie der Gefahrenvermeidung, also für den heutigen Menschen mehr als typisch.

Was alles sich unter anderem daran zeigt, daß allen Diskussionen und Gegnern zum Trotz der D-Zug zur Genderisierung ungebremst dahinsaust. Disput gibt es nur um einzelne Dekorationsschrauben. Am Heizofen? Der sogenannte Anti-Genderismus. Die wirklichen Gegner sind kaum benannt.

Gegen-, Anti- zu sein, ist eben nicht nur immer gefährlich, sondern Anti- zu sein ohne wirkliche geistige und tiefgegründete Substanz ist bestenfalls im Sammelsurium der alltäglichen Zwischenmenschlichkeiten gestattet. In einer größeren, öffentlicheren Diskussion geht es fast immer tödlich aus.



*Der VdZ hat vor kurzem den 2015 entstandenen, erstaunlich guten Film über den mexikanischen Aufstand der Cristiada von 1926-29 gesehen - "'Greater Glory" (dt. "Gottes General"), verkörpert von einem wunderbaren Andy Garcia, der eine Bekehrungsgeschichte glaubhaft erzählt, und nur noch von dem großartigen Buben überboten wird, der das Martyrium des zehnjährigen Jose verkörpert (auch er mittlerweile seliggesprochen). Und er hat resigniert festgestellt: Wofür hier zehntausende Katholiken ihr Leben gaben (darunter dutzende mittlerweile selig- und heiliggesprochener Laien und Priester), sich foltern und peinigen und töten ließen, würde im Europa der Gegenwart nicht einmal mehr jemanden zum Aufstehen aus seinem Lehnsessel bewegen. Öffentliches kirchliches Leben? Pah! Sogar die Kirche macht nur noch Vorschläge, von selbst zu verschwinden, und twittert lieber einen Raum des Nichts herbei. Was diesen Mexikanern noch so strahlend aufleuchtete, daß sie sich gegen den Staat auflehnten - der Wert der Freiheit, wie sie in der Integrität der Familie, der Unantastbarkeit des lokalen Lebensraumes (vs. Zentralismus), dem Wert der Religion überhaupt erst entsteht - verscheuchen wir Westler täglich wie eine Fliege beim Frühstückstisch.




Montag, 28. September 2015

Ein bißchen schwanger geht nicht (3)

Teil 3) Leute, die gegen das Gendering auftreten, leisten den Bärendienst - 
Wie Birgit Kelle dem Gender-Mainstreaming die Rutsche legt - 
Das Video





Aber wo wäre der Mut zu sagen, daß es im Wesen (!) der Frau liegt, sich zuerst und vor allem um Familie und Heim zu kümmern? Daß sie das mit allergrößter Wahrscheinlichkeit weil Naturgemäßheit zu einem geglückten Leben führt. Während Beruf, Öffentlichkeit in erster Linie Sache des Mannes sind. Zumindest in den meisten Fällen, weil unzweifelhaft (damit argumentieren ja oft sogar Feministen) die geschlechtliche Grunddisposition auch das berufliche Wirken durchwirkt. Das heißt, daß vielen Berufen die notwendige Sachlichkeit des Männlichen (weil diese Aufgaben das brauchen, ja darauf aufbauen) einerseits fehlt, und anderseits (typisch weiblichen) Berufen genau diese Eigenschaftlichkeit des Weiblichen. Ein öffnen der Berufsfelder für beide Geschlechter bringt zumindest, als Nebeneffekt, eine persönliche Spannung ins Treffen, die der Aufgabenerfüllung alles andere als zuträglich ist. Doch kann das gaze Spektrum der Argumente hier nur angedeutet werden, der Leser möge es weiterspinnen.

Ja, es stimmt schon, das Mann- oder Frausein kann nicht in absolute Bilder der Vorstellungswelt gepreßt werden. Sie haben eine gewisse, aber nur eine gewisse historische Relativität. Aber darüber darf nicht übersehen werden, daß diese Bilder zumindeste Näherungswerte für ein individuell erfülltes Leben bedeuten. Sie bedeuten Grundeigenschaftlichkeiten, die sich im historischen Kleid je nur etwas anders ausformen, und doch gewisse Zuschreibungen gestatten. Worunter auch die (ontologisch gesehen:) hierarchische (weil auf anderer Ebene damit: funktionale) Zuordnung der Geschlechter zu verstehen ist. Wagt man darüber aber zu sprechen? Dabei ist das die Grundbedingung des Seins überhaupt, das erst im trinitarischen Geschehen, als Analogie zur Dreifaltigkeit also - in der es auch um EINEN Gott geht, der aber in drei hierarchisch einander zugeordneten Personen verfaßt ist - begreifbar wird.

Dies ist grob angerissen die Argumentationslinie, der die notwendige, wirklich notwendige (weil eine ganze Generation bereits ins Unglück stürzende)  Gegenwehr gegen das Gendering folgen muß, will sie nicht weggeblasen werden, wie sie das derzeit wird. Und es wäre höchste Zeit, die Schäden sind bereits gigantisch! Dem muß anderseits in einer vorsichtigen Rekonstruktion aber auch ein positives, identifikationsfähiges Gegenbild folgen. Ehepaare im unisex-Schlabberlook, in der der Mann das Baby in der Trageschlaufe hat und beide mit neutralisiert-abstrahierter "Liebe" um sich werfen, sind dazu denkbar ungeeignet - weil selbst bereits genau dieselbe Gender-Verfehlung, lediglich über wesenlose "Frömmlerei getauft".

Begreift denn niemand das Tückische - die metaphysische Dimension, die ins Individuelle tief eingreift - der Reduktion von Beruf und Verdienst auf einen abstrakten "Leistungsbegriff", dann wäre der Beruf durchaus geschlechtsunabhängig zu sehen? Und was ist mit dem Zauberwort der Gegenwart - dem Unsinnswort von den "gleichen Chancen"?

Der Grüne hat im Video deshalb völlig recht, daß die Argumente einer Frau Keller regelrechte Plädoyers für Gender-Mainstreaming sind - und die Dame merkt es nicht einmal. Sind das also die Vorkämpfer, die die Sache braucht? Dann müssen die Genderpropheten nur geduldig zuwarten.

Es braucht vielmehr endlich mehr klare, reflektierte (!) Köpfe und noch mehr Mutige, die nicht mit gewissen Feminismen doch noch kokettieren, sondern sich an den Grundtatsachen des Menschseins (der eigentlichen Grundlage des zuerst Gefühlten, der eigentlichen Grundlage des gewußt Gewußten, weil in den Dingen unbewußt Geschauten) orientieren.

Von solchen Argumentationsträgern aber distanziert sich der VdZ mit aller Deutlichkeit! Sie sind kontraproduktiv. Denn sie spielen dem Gendering regelrecht in die Hände. Derzeit erhalten wir mit dem Gendering nur die Früchte einer ganz tiefgreifenden Zersetzung. In dem Befürworte wie Gegner im selben Boot sitzen, in dem sie im selben Strom auf den Abgrund zutreiben, während sie sich kokett streiten.

Das Gendering abzulehnen muß viel tiefer ansetzen als im pragmatischen Verhindern der einen oder anderen Auswüchse. Der Ast wächst aus dem Stamm. Und schneidet man ihn hier ab, wächst er dort nach. Ein bißchen schwanger geht nicht.

Dort ansetzen, wo sich die Lebenswirklichkeit der Menschen in der "unbeobachten Realität" sich diese metaphysische Gegebenheit sowieso immer wieder ihre Wirklichkeit sucht. Auch das zeigt das Video. Und das macht die gesamte Diskussion zu einem Gutteil ohnehin zu einem substanzlosen Geplappere. Denn das gewußt Gewußte ist eben immer und bei jedem da. Ideologische Verdrängungsmechanismen haben nur die künstliche Ebene der Bewußtseinsvernebelung. Die Diskussion bietet aber in der heute geführten Weise für alle (!) Seiten die bequeme Möglichkeit, der wirklichen Selbstwerdung - in Selbstüberschreitung, im Empfang des Ich aus dem Du, die auch eine Selbstüberschreitung auf ein (in einer Kultur zu normierendes) Geschlechterbild ist - aus dem Weg zu gehen. Das macht sie schlicht und ergreifend zu der Tragödie, die sie ist.









***

Sonntag, 27. September 2015

Ein bißchen schwanger geht nicht (2)


Teil 2)  Den eigentlichen Gründen weicht man aus. Nicht ohne Absicht.



Sich selbst eine Identität zu geben, das steckt hinter dem Gendering. und das ist eine längst allgemeine gesellschaftliche Erscheinung geworden. Das Gendering wehrt sich auf seltsam widersprüchliche Weise (betrachtet man seine weiteren weltanschaulichen Voraussetzungen) gegen die Natur des Menschen, dessen Identität EINE GEGEBENE ist, also eine sozial zumindest mit-konstruierte Identität ist. 

Im Entwicklungsgang des Menschen, vom Kind zum Erwachsenen, ist sie sogar das erste: Sie ist das erste Gerüst, das der Mensch übernimmt, als das er angesprochen wird, das er als erstes, vorläufiges "ich" (aha, so bin ich also) übernimmt und übernehmen muß (!), und allmählich sich bewußt (in der Bildung eines Selbst) anverwandelt zum einen, zum anderen in der Eigentümlichkeit des historisch-zeitlichen Funktionsgefüges (in der Definition von Häberlin gemeint) allmählich als Individualität anpaßt. Aber das Individuell-Sein ist ein MODUS des Allgemeinen, des allgemeinen Menschseins (das ein Sein als Mann UND Frau - in ehelicher Selbstüberschreitung auf den anderen Pol hin - ist.)

Natürlich hat deshalb die geschlechtsspezifische Erziehung - die eine Erziehung ZU EINEM GESCHLECHT ist - beim Kleinkind noch kaum oder keine Bedeutung. Diese wächst, mit dem Heranwachsen, mit der geistigen Reife, und wird vor allem dann wichtig, wenn die Geschlechtsmerkmale ausgebildet sind. Es ist das Hinerziehen auf das Menschsein - das das Ergreifen einer Maske (der persona) ist, auch im Geschlechtlichen. Es sind Gleichschritte, die hier erfolgen müssen: Im allmählichen, erst behutsamen, dann immer fordernderen Einüben des Selbstüberschreitens - auf das Wort hin, auf das (in der Gesellschaft institutionalisierte, damit erst real vorhandene und ergreifbare) Bild hin, auf die Maske (Gesellschaft ist eine Ordnung von Masken, nicht von "Einzelnen") hin, auf den Vater hin. Aber diese Erziehung muß geleistet werden, von den Eltern erst, aber nicht weniger von der gesamten Umgebung, dem gesellschaftlichen Gefüge der Institutionen, also der Kultur.

(Das hat besonders bei körperlichen Fehlbildungen, wie dem Hermaphroditismus, eine große Bedeutung und verlangt hohes Verantwortungsbewußtsein der Eltern; selbst die äußerst seltenen Fälle wirklicher Transsexualität - mit dem Transvestitentum nicht zu verwechseln, die eine Charakterneurose sind - sind getragen, ja ausgelöst vom Verlangen nach einer einzigen, polaren geschlechtlichen Identität.)

Ein Selbstergreifen einer geschlechtlichen (und damit gesellschaftlichen) Identität GIBT ES GAR NICHT. Es ist einfach grausam, Menschen das abzufordern, weil es dem Wesen des Menschen widerspricht. Wer das tut ist einfach dumm und ahnungslos, in den meistene Fällen aber schlicht verantwortungslos und schuldig. Letzteres zu sehen ist nicht unwesentlich, denn der Umgang mit Schuld, der Weg sie loszuwerden, ist ein wesentliches, sehr tief ansetzendes Konstitutivum für die charakterliche Färbung eines Menschen. Und eine der häufigsten Strategien der (natürlich fehlschlagenden) Scheinbewältigung von Schuld ist, das eigene Schuldverhalten zur Norm, zum Allgemeinen zu machen.

Ist der Mensch im Heranwachsen so weit, daß er dieses Artbild (in der Maske) voll "begreift" (alsod ei Maske ergreift), folgt der nächste entscheidende Schritt, und auch dieser belegt das GEGEBENE von Identität (die, noch einmal, NICHT SELBST MACHBAR ist). Denn erst im voll bewußten Selbstüberschreiten wird der Mensch zu sich selbst! Was man wird, ist also auch hier - zum "zweiten mal" - gegeben: Was man ist wird nicht durch ein Selbstdefinieren festgelegt, sondern von den Aufgaben, die herantreten schält es sich gewissermaßen heraus. Mit einer klar sozialen Komponente, denn immer noch ist es zuerst von den anderen gesehen, und erst allmählich, in der Objektivation, die man nach und nach übernimmt, zum wirklichen Selbstsein im Selbstbesitz, im freien Verhalten zu sich selbst also, individualisiert, zur Persönlichkeit gereift. Das bewußte Ich entsteht zuerst also tatsächlich im Du, um einen Satz von Buber oder Rosenzweig oder Ebner aufzugreifen. Der andere erkennt mich (im Objektivieren) besser, früher, als ich selbst mich. Reife heißt dann, diese beiden "Iche" zur Aussöhnung zu bringen, in der (wieder: den Einzelnen übersteigenden) Vernunft.

Das Menschsein ist wie alles irdische Leben - polar. ZWEIpolig.* (Selbst die wenigen Formen der Selbstzeugung bei niedrigen - oder temporär zurück-geniedrigten** - Lebensformen zeigen, untersucht man sie biologisch näher, die Tendenz, solche Polarität auszubilden.) Das ist das eine, es kann nur angedeutet werden, sonst müßte an dieser Stelle eine Bibliothek stehen, um alles auszuargumentieren. Denn es läßt sich ausargumentieren. Die Philosophie hat hier bereits Großartiges geleistet.

Weiters aber ist die Natur der Welt, aller Dinge, eine Spannung zu einem vorgegebenen Artbild! Auch das ist eine metaphysische Erkenntis, kein willkürliches Konstrukt der phantasievollen Anschaulichkeit. Alles, was etwas ist, und alles was ist ist ein ETWAS, bezieht sich auf ein solches Bild. Dieses Bild geht jedem So-sein voraus, es entsteht also nicht von unten nach oben, es wird von oben nach unten vorgegeben. Anders kann gar keine Identitätsbildung vonstatten gehen.

Das betrifft auch das Mann- oder Frausein. Weshalb es ein kultureller Fortschritt war, auch entsprechende kulturelle, institutionalisierte Formen des Mann- und Frauseins (als Normen) herauszubilden. Daß es im Einzelfall zu Unschärfen kommt, eigentlich sogar immer, mal mehr, mal weniger, ist unausbleiblich, aber eindeutig das "geringere Übel" verglichen mit dem Vorteil, sich rascher wahrhaftiger entwickeln, entfalten zu können. Schon gar, wenn diese Bilder nicht kleinbürgerlich-angsthaft verabsolutiert werden.  Denn kulturelle Formen sind natürlich in gewisser Hinsicht relativ, aber nur in bestimmter Bandbreite, und nur peripher. 

Mit dem Geschlecht sind - analog zur geschlechtlichen, bipolaren Konstitution alles Seienden! untrennbar aus dem Befruchtungsakt hier, dem Empfängnisakt dort, von Bild und Materia, von Form und Inhalt - damit auch eindeutige gesellschaftliche Aufgabenstellungen verbunden. Auch diese sind nämlich "von Geschlecht". Das heißt, daß auch der Ansatz, daß Mann oder Frau halt frei wählen sollen, was sie tun, einfach nicht haltbar ist.  Und auch die jeweiligen Individuen NICHT zum Glück führt. Gerade dieses Unglück, das der Gleichbehandlung folgt, ist ja wesentlicher Grund dafür, daß immer neue Gründe gesucht werden, warum "die Gesellschaft" (das Sein nämlich! darum geht es letztlich, oder erstlich!) dieses Glück verhindert: Auch das Gendering ist ja nichts anderes als eine Schuldzuweisung für persönliches Unglück an andere.



Morgen Teil 3) Leute, die gegen das Gendering auftreten, leisten den Bärendienst - 
Wie Birgit Kelle dem Gender-Mainstreaming die Rutsche legt - 
Das Video




*Um diese Zweipoligkeit der Welt - als lebendige wie "anorganische" (dabei aber: nicht inaktive) - zu erfassen, muß man kein Katholik sein. Es ist Grundauffassung sämtlicher Völker und Kulturen der Erde. Und drückt sich überall aus, meinetwegen im Yin-Yang-Zeichen, das ja tatsächlich tiefes Symbol des Wesens aller Dinge ist.

**Deshalb, und unter solchen Bedingungen (dem Rückschritt aus gewissermaßen kulturellem Verlust), gibt es diese Selbstzeugung sogar bei einigen Säugetieren. So sind sie etwa bei Ratten in Notzeiten beobachtbar, wenn die Männchen fehlen. Dort (und bei anderen Lebewesen genauso) aber nur für bestimmte Zeit. Dann braucht es wieder männliche Zeugung, sonst versiegt auch diese Form der Vermehrung. Ähnliches läßt sich auch für viele Pflanzen sagen, wenn z. B. die Blütenzeugung versagt, und Bäume von unten her in Selbstauszeugung austreiben. Jeder Hobbygärtner kann das beobachten, wenn er Bäume stark beschneidet.



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Samstag, 26. September 2015

Ein bißchen schwanger geht nicht (1)

Die Ebene der Polemik reicht nicht, und sie hat nie gereicht, und die Fernsehsendung "Hart  aber Fair", die sich dem Thema Gender widmete und für die der VdZ so selten er sie sah stets eine gewisse Wertschätzung ob der relativen Offenheit der Diskussion entgegenbrachte, beweist es eindrücklich. 

Und macht einen eklatanten Mangel offenbar, der auch den Verteidigern der Geschlechterdifferenzierung, den Gegnern des Gendering, anhaftet. Es ist gut, es ist lobenswert, es aus dem "gewußten Gewußten" heraus zu verteidigen, aber es reicht nicht, um die Zerstörung, die ein rational ausgesäter Zweifel bewirkt, aufzuhalten. Es ist deshalb wirklich bedauerlich, daß die theoretische Aufrüstung der - wie nennen wir sie nur? - "reaktiven" Kräfte so hinter dem oft luziden Argumentieren der Genderideologen so hinterherhinkt. Und in Wahrheit der Diskussion gar nicht gewachsen ist.

Auch, weil man das Grundthema vermeidet, das tief in die metaphysischen Voraussetzungen hinabreicht. Und dem sich dann alle biologischen Tatsachen ganz einfach belegend fügen. Hinter dem Gendering steckt nämlich gleichfalls eine tief metaphysische Vorentscheidung. Daß uns diese Welle so ungebremst überrollt liegt darin, daß selbst Kreisen, die sich dem Gendering widersetzen, einzelne Bereiche aus deren Vorbringen recht sympathisch und vor allem: bequem sind. Zumindest würden sie es anders mit einer Wucht der Auseinandersetzung zu tun haben, der fast alle konsequent und in meist bloß subjektivistischen Pragmatismus ausweichen.  Auch das zeigt die Diskussion eindringlich, und es macht wenig Hoffnung, daß die derzeitigen Proponenten der Anti-Gendering-Bewegung dieser Diskussion jemals gewachsen sind. Jetzt sind sie es nämlich nicht. Es bräuchte also dringend ... andere Vorreiter.

Denn: Ein bißchen schwanger geht nicht. Wer das Gendering nicht an der Wurzel packt, wird es nicht verhindern können. Diese Grundweichen aber greifen in heutige Wertelandschaften sehr tief ein. Nur aber, wenn zu solch weitreichenden Auseinandersetzungen der Mut besteht, wird Gendering noch zu stoppen sein. 

In der Form der derzeitigen "Gegen-Argumentation" liefert die Anti-Gendering-Fraktion sogar dem Gender-Mainstreamin die Argumente ans Bett.

Es gibt natürlich einen Grund, der die Diskussion so schwierig macht, wie es das Video als Fernsehaufzeichnung beweist. Das, was die Menschheit in Wahrheit trägt, ist nämlich nicht das Rationale, sind nicht die reationalen Konstrukte, das reational Gewußte. Sondern es ist das GEWUSZT GEWUSZTE, das vorsprachlich ist, und dem sich dann erst Sprache, und dann Denken ein- und nachfügt. Der Inhalt der Sprache ist nicht ihr rationaler, nominaler "content", sondern das, worin sie hinweisend selber west: das Anschauen der Wirklichkeit, und der Geist, in dem sich diese Wirklichkeit erschließt. (Persönliches Wollen, subjektives Abweichen vom objektiven Gehalt setzt auf dieser Ebene ein, das, was hier "Sittlichkeit" genannt wurde. Und es setzt nicht als "mögliche Alternative" ein, sondern als Abweichen vom überhaupt Möglichen.)

Deshalb ist es unendlich leichter, über rationale Argumente ein gewußt Gewußtes anzuzweifeln, ins Wanken zu bringen, als es zu rekonstruieren, also in einem Disput gleichwertig argumentativ zu entgegnen. Denn was wir wirklich wissen, wissen wir gar nicht bewußt, dem können wir uns nur nähern. 

Das weist auf die Rolle der Tradition. Das ist das eine.

Aber hier schließt sich der Kreis zu einem nächsten Problemkreis, Barbara Gerl-Falkowitz (mit der der VdZ ein entsprechendes Gespräch hatte, in dem diese ähnliche Sorge - mit dem Hinweis, daß "die Gendervertreter doch nicht dumm, sogar sehr gescheit sind" - geäußert hat) hat es mit Nachdruck immer wieder angedeutet: Es geht um die sehr wohl soziale Konstruiertheit der Identität, auch der geschlechtlichen Identität. Konstruiertheit, aber NICHT Konstituiertheit, also nicht Geschaffenheit in eigener Autonomie.


Morgen Teil 2)  Den eigentlichen Gründen weicht man aus. Nicht ohne Absicht.




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Dienstag, 21. Juli 2015

Der Kampf wird immer im Kleinen geführt

Von einem interessanten Fall berichtet Birgit Kelle in der Jungen Freiheit. An der TU Berlin hat sich nämlich ein Student geweigert, seine Seminararbeit in "gendersensibler Sprache" abzufassen. Was auf Widerspruch durch die Prüfenden stieß.

Angeblich sei dies laut Richtlinie „BMFSFJ 2012“ eine Vorgabe seitens der Universität. Zidek widersprach. Selbst die latente Drohung, er bekomme eine schlechtere Note und „alles Diskutieren“ werde ihm nicht helfen, ließ er nicht auf sich sitzen und wandte sich an die Rechtsabteilung der TU. Und siehe da, die ominöse Richtlinie „BMFSFJ 2012“ mit der angeblichen Verpflichtung zu unsinniger gendersensibler Sprache existiert gar nicht. Wissenschaftliches Arbeiten ist das einzige Kriterium, das für die Benotung zählt.

Als der VdZ vor 20 Jahren bereits in der Diözese St. Pölten als Diözesansekretär (Referent) für die Kath. Männerbewegung* erlebte, daß - was die meisten vergessen haben, oder gerne heute mal vergessen: die Kirche war die ERSTE offizielle Institution, die Gendering einführte! und bis heute zu einer Kollektivneurose ausgebaut hat! auch und gerade in Diözesen, deren Bischöfe gerne mal GEGEN das Gendering auftreten ... - die Kirche überall begann, "gendersensibel" vorzugehen, wehrte er sich ebenfalls. DIE KIRCHE WAR VORREITER DES GENDERING in unseren Gesellschaften!

Es war aber nur ein Nebengeräusch der damaligen Tätigkeit des VdZ, in der schon nur seine (pflichtgemäß je erfüllte) Anwesenheit als "ständiger Anlaß für Querelen" galt, der schließlich zur Kündigung führte. Aber er sandte Konferenzprotokolle, die nun in Inklusivsprache abgefaßt wurden, mit dem Vermerk zurück: "Protokolle in Inklusivsprache werden prinzipiell nicht gelesen". Und bestellte Zeitschriften ab, gleichfalls im kirchlichen Raum, die auf Inklusivsprache umstellten, was zu aufgeregten Hintergrunddiskussionen führte, und zu öffentlichen Verhöhnungen. 

Was für ein Querulant, stimmte Bischof Krenn zu. Der Mann ist ungehorsam, meinte er. Er sei sowieso nicht mehr lange da, raunten andere hinter vorgehaltener Hand, um Redakteure linker Postillen zu beschwichtigen - wie könne man, das sei doch so christlich? Und Schönborn atmete auf, als man ihm dasselbe erzählte. Tatsächlich passiert. Nur ein winziges Detail unter vielen, das der VdZ nie auf die große Glocke gehängt hat, wozu auch. Es war ja selbstverständlich. Erwähnt soll freilich auch sein, daß Bischof Küng dieses unrecht noch elegant weiterführte. Was will man vom Opus Dei eben. Die Moral, Ethik mit Kleinbürgertum verwechseln. Das ist halt so absehbar und sicher, das weiß man immer, was gut ist ... Dieselbe pharisäische Drecksbande.

Was glauben aber auch all die Hosenpruntzer, die heute meinen, den großen Glaubenskampf zu führen ... und jede Generation fühlt sich wieder neu zum Kreuzzug der edelen Pfadfinder berufen, es ist verblüffend. Manchmal sind die großenb Kämpfer gar dieselben, die dann den VdZ damals gar noch verhöhnten - um DAS gehe es doch nicht!? Es gehe doch um die Rettung der Kirche und der Welt?! Mit Posaunenklang der apokalyptischen Orchester, und Engelszügen von morgends bis abends.

Aber die wirklichen Kämpfe, die im Kleinen, in zäher Nervenanspannung in den Winzigkeiten der Vernunft spielen, die sich eben im Alltag zeigt, führen sie eben alle nicht, und haben sie alle nie geführt. Damit warten sie, bis die Generalstimmung ihnen den Rücken stärkt, und der Engel herniedersteigt und die scharlachrote Scherpe des Sieges sich von den Himmeln herabneigt, und eine mächtige Stimme ruft: Jetzt ist sie da, die Zeit!

Die werden aber geführt, so wie ihn der Berliner Student führte. Konsequent im Kleinen. Weil es genau hier, im kleinen subjektiven Handlungshoritzont, um den Kampf ums Prinzip geht. Die großen Kämpfe der Schlachreihen gibt es nicht. Das glauben nur Leute, die noch nie Kontakt mit der Wirklichkeit hatten. Der VdZ weiß, was er da sagt.

Warum nicht auch einmal davon sprechen. Freilich, ein wenig Bitterkeit ist da auch dabei. Aber das ändert nichts daß der Leser dieses Blog damit wissen soll und kann, daß der VdZ weiß, wovon er spricht, er hatte enorm viel Einblick, wenn er die Kirche bzw. deren Funktionsträger oft so angiftet. Unter rein menschlichen, welterfahren-realitätsgeerdeten Gesichtspunkten sind 90 Prozent der Kirchenfunktionäre Dreckspack, das Religiosität nur vorheuchelt.

Umso mehr muß man die Kirche begreifen lernen - als Wirkwille Gottes mit der Welt, dem wir täglich neu dankbar und bedürftig begegnen müssen. Den nur Sühne trägt.




*Die damals (und österreichweit) ganz auf "Neuer Mann" umzuschwenken versuchte, was der VdZ (wiewohl der Irrsinn schon sehr weit fortgeschritten war) mit kleinkleiner, konsequenter Arbeit zu verhindern suchte, soweit es in seiner Kompetenz lag. Auch hier - Subversionsarbeit im Geiste des Gendering, die JEDER Bischof Österreichs, ausnahmslos, guthieß. Und heute treten diese Weichwutzler als große Kämpfer für die Polarität der Geschlechter auf? Jetzt ist's am VdZ, höhnisch zu lachen. Schert Euch doch zum ... Almdudler. Schaufel in die Hand gedrückt, und endlich Sinnvolles gemacht, ein anderes Rezept gibt es nicht. Witz dabei: Die Männerbewegung in Oberösterreich gab das Leitthema und daran anknüpfende Umerziehungsprogramm bald auf, obwohl sie es ursprünglich so forciert hatten. Aber "es interessierte die Männer in den Pfarren nicht genug".




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Samstag, 16. November 2013

So geht es nicht

Genau das geht eben nicht, Frau Keller. Sie schreiben daß es an Männlichkeit fehle, nein, an Väterlichkeit, und wollen gleichzeitig erklären, wie die auszusehen habe. Es liebt aber nicht an der "absenz in der Erziehung", die ist kein Ding, das man machen kann. Sie liegt auch nicht am "Zulasssen" durch die Frauen. Sie ist nicht Ausfluß einer neuen pädagogischen Methode und Ergebnis neuester "wissenschafticher Ergebnisse". 

Hinter allen Ihren Zeilen aber, die im European da veröffentlicht wurden, ist sie spürbar - die Angst vor dem Mann. Die Angst vor dem, das sie dann doch ab und zu gerne hätten, aber mit Kontrolle, bitte, mit jederzeit zu betätigender Reißleine. Die Angst, der Mann könnte wirklich wieder das Haupt sein, dem die Frau zu gehorchen habe. Denn das wäre sie, die Männlichkeit. die nicht dosierbar ist, wie man das Gewürzstreuselchen beim Kochen nach und nach beim Abschmecken zusetzt. Dort läge sie, die Väterlichkeit, im Bewußtsein der entscheidenden Verantwortung für einen ganzen Organismus.

So weit soll sie dann doch nicht gehen, die Männlichkeit, die Väterlichkeit. So weit soll Identität denn doch nicht gegeben sein, nicht gemacht, selbst bestimmt. Aber genau das wäre sie. Vor allem aber - NUR das wäre sie. Wenn man Gesundung wollte, wäre nur dort anzusetzen, und dazu würde es genügen aufzuhören, dem Zueinander der Geschlechter vorzuschreiben, wie es sein sollte, und dürfte, und alle Hängematten und Sicherheitsnetze zu entfernen, die den Einzelnen (und vor allem: die Einzelne) von den Konsequenzen seines Handelns bewahren. Dann würde es sich auch wieder - langsam - regeln. Aber genau das wollen auch Sie nicht, Frau Kelle.

Was würden Sie sagen, wenn Ihnen Ihr Mann vorschriebe, sich mehr um den Haushalt zu kümmern, anstatt irgendwelche öffentliche Tätigkeiten auszuüben, weil es dem Wohl des Ganzen, der Familie mehr dienlich wäre? Dann dürfte er doch wieder nicht Mann oder Vater sein? Oder müßte er erst Ihre Genehmigung einholen? Was, wenn er seine Forderung mit gewissem Nachdruck (wollen wir durchaus das Wort "Gewalt" ins Spiel bringen, ja, durchaus, da gehört es nämlich hin) durchzusetzen versuchte? Genau dort aber läge es erst. Und wir können es nur ganz ganz oberflächlich hier andeuten, worum es da ginge, weil es im Konkreten natürlich schwer beschreibbar wird, weil es um eine grundsätzliche Umkehr ginge, nicht ums Ausdefinieren einer nächsten Ideologie. Denn die historischen Inhalte sind stets in gewisser Weise relativ, auch wenn sie in gewisser Weise inhaltlich auch gar nicht so variieren. Es kommt aber auf die strukturelle Qualität an.

Oder sollte das vorher in einem langen und breiten öffentlichen Diskurs unter Anhörung zahlloser Fachleute (darunter Birgit Kelle) festgelegt werden, was ein Mann (der heutigen Zeit) nun doch wieder dürfe, und was nicht, und wann dann doch nicht? Oder räumen wir jede Idee von Mann und Frau weg - soll es sich doch jedes Paar irgendwie selber richten, und hier ist es dann einfach mehr, dort weniger modern? Ist Identität und Persönlichkeit doch ein so ein Ding, das man sich irgendwie einrichten kann, je nach Anforderung der Zeit?

Deshalb ist was Sie schreiben ... kiki. Nur ein nächster tussenhafter flatus vocis im Blattsalat der virtuellen Weltschönrederei, der lediglich in einem anderen Teich zu fischen versucht, wo jene Karpfen schwimmen, die vielleicht eher "einen Kumpel zum Pferdestehlen" suchen.

Früher waren das mal die, die nichts gegen Latzhosen hatten, sogar auch fluchten und ausspuckten und Burschengangs suchten, denen sie erklären konnten, wie toll Männer, wie doof die anderen Zicken sind (und das ist dann tatsächlich typisch weiblich). Das Pendant zu den Weicheiern und Frauenverstehern, die zu doof auch noch verächtlich sind, denn das ist nicht männlich, selbst wenn sie scheinbar das Gleiche tun.

Vor dem Wirklichen haben auch Sie Angst. Gerade vor dem Wirklichen. Das gibt's aber nicht bedingungsweis. Das gibt's nur so richtig richtig. Und das wollen Sie gerade nicht. Ein bisserl mehr Mann-dabei-sein sollte da schon reichen, samt dem "nun bell mal, Hans-Hubert, darfst jetzt!"

Also versuchen Sie nicht mehr als so viele andere - nach dem Prinzip des "Wasch mich, aber mach mich nicht naß" sich auf die "richtige Seite" zu schummeln. Da gehören Sie nicht hin.




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Donnerstag, 29. August 2013

Von NICHT-Ständen und Kleinen Leuten

Die junge FPÖ-Politikerin Petra Steger wird in einem Interview im Standard gefragt, ob die FPÖ sich noch als die Partei des Kleinen Mannes sehe. Die Tochter des früheren FPÖ-Vorsitzenden antwortet darauf, daß das noch so sei. Da fragt der Standard nach: Und warum sei sie dann gegen Vermögenssteuern? Steger verkennt den Charakter der Frage, und antwortet damit, daß daraus der Mittelschichte die Bedrohung erwachse, ihren sauer ersparten Notgroschen zu verlieren. Aber die Frage hätte ganz anders beantwortet werden müssen.

Denn es ist eine Vorentscheidung zu meinen, die Politik "für" jemanden sei zugleich die Politik "gegen" Jemanden. Es heißt, diesen beiden in einem Gegensatz zu sehen. Mittelschichte, Reiche, Kleinermann. Stattdessen sind sie das richtige und notwendige Spektrum der Vielfalt einer Staatsgemeinschaft.

Zu meinen, für den Kleinen Mann sei man nur dann, wenn man seinen Neid auf den größeren Mann schüre und befriedige, ist damit nur dumm. Aber den kleinen  Mann in seiner Lebensweise der Einfachheit und Begrenztheit auf kleineres Lebensumfeld zu schätzen und hochzuhalten - das wäre eine Politik des Kleinen Mannes.

So kommt es, daß die sogenannte Politik des Kleinen Mannes eigentlich die Aussage trifft, daß er besser kein Kleiner Mann sei und bleibe. Daß er doch dieses niedrigere Dasein hinter sich lassen, und zum Größeren und Großen Mann aufsteigen solle. Das wäre doch einmal eine Politik, die dem Kleinen Mann nicht signalisiert, daß sie sich seiner eigentlich schäme, und alles tue, um sein Dasein zu beenden.

Da paßt dann so eine in sich widersprüchliche Aussage recht gut, die Stöger gleich darauf trifft: Nicht alle haben die gleichen Voraussetzungen, aber entscheidend ist, dass alle dieselben Chancen haben. Es gibt aber schon Verbesserungsmöglichkeiten. Wer den Menschen die unterschiedlichen Voraussetzungen nehmen will, will ihr Dasein auslöschen weil nivellieren und für nichtig erklären. Unterschiedliche Voraussetzungen aber, eben: Unterschiedlichkeiten, bringen selbstverständlich für bestimmte Dinge schlechtere, für andere bessere Chancen. Von einer bürgerlichen Partei hätte man also deutlich mehr erwarten sollen.

Übrigens schlägt ein jüngst erschienener Artikel von Birgit Kelle in dieselbe Kerbe, auch wenn es aus den ersten Blick nicht so aussieht. Sie legt dar, daß die Politik der Kinder-Ganztagesbetreuung ein offen ausgesprochenes Ziel verfolgt: die besseren Chancen, die das Aufwachsen in einer intakten Familie mit sich bringt, zugunsten jener aufzulösen, die diese gedeihlichen Lebensbedingungen, die im wesentlichen Vorprägungen auf Stand und Identität der Herkunftsfamilie sind, nicht haben. Mit einem Wort: Chancengleichheit dadurch erreichen zu wollen, in dem sie gleich schlechte Bedingungen für alle fordert. Gerade die Nichtanerkennung des Kleinen Mannes ALS Kleiner Mann bringt mit sich, daß diese für Lern- und Ausbildungserfolge so entscheidende Prägung ALS Prägung - egal welcher Inhaltlichkeit - nur als Merkmal der "Mittel- und Oberschichte" gesehen wird. Das Elend kommt vom NICHT-sein, von den NICHT-Ständen. Nicht aus ihrer Unterschiedlichkeit.

Gerade der Verlust der Kultur der Kleinen Leute, das Nichtbegreifen, daß Ehrbarkeit nichts mit damit zu tun hat, an welcher Stelle des Gefüges einer Gesellschaft jemand steht, daß das nur die Art der Gestaltung dieser Ehrbarkeiten betrifft, ist einer der schlimmsten Verluste unserer Kultur, ihr ganzes Fundament nämlich, den wir zu beklagen haben. Und er kommt vor allem aus dem krankhaften Ehrgeiz, sie zu Großen machen zu wollen, weil sie sonst nichts oder weniger seien.





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Samstag, 6. Juli 2013

Wannen denn die Wale springen (2)

Teil 2) Öffentliche Submissive-Spiele




Polly Adler ist damit Teil jener Generation von Frauen, die vor 20 Jahren aufstand, als Töchtergeneration nach der ersten Feminismuswelle. Als Lucilectric (siehe Video im 2. Teil) mit "Weil ich ein Mädchen bin" reüssierte und damit genau diesen Generationswechsel im Bewußtsein der Frauen anzeigte. Die einfach draufgekommen sind, daß die "neue Frau" auf viel verzichten muß - aber auf nichts verzichten wollen. Die also Erdbeeren von einer ganz anderen Torte mitnaschen möchten, die sie sonst verschmähen.

Der Verfasser dieser Zeilen kennt die Autorin nicht. Nicht persönlich. Aber es würde ihn nicht wundern, wenn in deren Vita ein geschaßter Mann eine gewisse Rolle spielt. Natürlich alles mit Recht und Berechtigung und "richtiger Rechtfertigung".

Damit besteht die Gefahr, daß solcherart aufblitzendes Frausein zu konsumieren - das auftaucht wie die Handpuppe im Kindertheater - dem Konsum von Internet-Pornographie verdächtig ähnelt. Alles bleibt virtuell, bleibt im Reich der Vorstellung. So wie Unterwerfungsspiele die Sexualität längst dominieren, wie eine Untersuchung über Sexualpraktiken jüngst plausibel belegt hat, die wie im Kinderspiel Wirklichkeit simulieren, ohne den Mut zur ihnen grundgelegten Wahrheit der Zueinanderordnung Mann - Frau.

Nahezu die gesamte Bandbreite dieser Sexualpraktiken, die von verworrenen Geistern als Entfaltung der Sexualität oft regelrecht propagiert werden, sind diesem ins Spiel verlegten hierarchischen Zueinander (Unterordnung der Frau, Spiel mit ihrer Würde) zuzurechnen. Sie sind also nicht einmal Vielfalt, sondern nur Äußerungen ein und desselben Grunddrängens, das schon deshalb "Variation" sucht, weil es in keiner probierte "Variante" zur Sättigung kommt.

Vollzug, der (in subtiler, willentlicher Selbsttäuschung: denn die Sinne melden sogar eine scheinbare Realität) in die Virtualität, in die Vorstellung hinaufgedrückt wird und Wirklichkeit vorgaukelt. Als in eben der Wirklichkeit aber nicht mehr gesättigte Natur aus dem männlichen Geben und weiblichen Nehmen, aus Gestalten und Aufnehmen, aus dem Einen, das in aktivem und passivem Prinzip erst eines, und ein Neues wird. Vorstellung, die dem Willen als Urteil aus dem Wesen des Wahrnehmens heraus (dazu noch mehr an dieser Stelle) als "Vollzug" gilt. Sodaß die Sexualität im eigentlichsten Sinn tragisch wird. Weil plötzlich Spiel als Ernst gelten soll. Das Kind weiß aber, daß es spielt! Manichäismus, Spaltung von Leib und Geist in seiner reinsten Form also.

Damit ist Polly Adler keineswegs als einmaliges Phänomen zu sehen. Die scheinbar erfrischendsten, den Feminismus konterkarrierende Beiträge, die meist als Zitate des gesunden Hausverstands daherkommen, zur unseligen Debatte, von Männern groteskerweise gerne und erleichtert beklatscht, kommen mittlerweile von Frauen. Eine Debatte, welche man an sich ja gar nicht ernstnehmen müßte. Was man aber ernstnehmen muß sind ihre Folgen. Auch eine Birgit Kelle fällt in diese Kategorie, so wenig sie sich vermutlich darin sehen würde. In die auch die vor etwa 20 auftauchenden, bis heute bestehenden Kolumnen einer Marga Swoboda gehören. Und wer "Sex and the City" kennt, kennt das amerikanische Pendant. Es sind ... Unterwerfungsspiele.

Aber genug des Bierernsts. Man soll nämlich dennoch das real Spielerische, das Erfrischende, das allen Dung auflockernde solcher Gespräche als Momente, als dialektischer Reiz, wenn er denn real auftaucht (und, als Mann gesagt: wie selten, wie selten taucht er schon auf!) nicht verachten. Der einen nachdenklich darüber macht, wohinein man sich als Mann längst hat zurückdrängen lassen. Als Sprungbrett zum Leben selbst, das man im Absprung - verläßt. In dem durchaus, wie erwähnte Kolumnistin demonstriert, der Eros aufblitzt. Der immer echt ist. Nur ist er hier einer der bunten Fische im dichtbesetzten, keineswegs sortenreinen Teich.

Deshalb: als Mann nur zwischen den Lippen behalten, kosten, als Bild und Logos wachrufen, aber nicht schlucken. So, wie jene es mit dem Leben tun. Das Wahre darin aber darf man nicht übersehen. Denn die Forderung darin, ja die Aufforderung IST wahr, nur wagt sie kein Fleisch anzunehmen. Bei Männern wie Frauen gleichermaßen. In Schach gehalten vom Terror der Debatte, die in der Gestalt als "Allgemeines" daherkommt, in aller normativen Kraft. Die aber aus Widernatürlichkeit in die Spaltung treibt.*

Jene Kraft, aus der sich das Leben zur Gestalt und Schönheit - in Todesverachtung - aufschwingt. Und das blüht nur auf, wenn Offenheit für die Wirklichkeit besteht. Mit aller Bereitschaft, die Folgen aus dem für die Einzelentscheidung Richtigen - das ist Ethik - zu tragen. Die man dann beim Worte zu nehmen, beim Schopfe zu packen hat. Die bedrückende Schizoidität der Gegenwart läßt sich nur so bekämpfen, in der paradoxen Intention, im Wahrnehmen.

Womit wir hier beim Humor, dem übersteigert Ernsten das zum Tragischen wird und in der Selbststeigerung zum Humor kippt, und dort beim Heiligen angelangt sind. Denn wie Polly Adler in einer Kolumne schreibt: Die größten Wale springen dann, wenn man frei geworden ist von Erwartung, und nimmt, was kommt. Denn es ist der Aufruf zum Selbstsein, was sich Kreuz nennt - und dem Eros der Welt zu folgen, ohne Furcht und ohne kleinbürgerliches Moralgewinsele.

Und wer den Bierernst hiesiger Gefilde verläßt, sich südlicherer, romanischerer, teilweise auch östlicherer Destinationen annimmt, wird dabei noch immer Erstaunliches entdecken. Die Kastration des Mannes ist ein germanisches (fast möchte man sagen: germanistisches) Problem. Freud's Entdeckungen waren kein Zufall. Er war Indikator einer kleinen Welt, in der auch in diesem Punkt die große ihre Probe hielt. Nur - dort kommt sie in homöopathischeren Verdünnungen vor.

Aus Polly Adler könnte noch was werden ... Selbst die Aids-Initiative, zu der sie von ihrer Homepage verlinkt, scheint bemerkenswert auf das beschränkt, was Aids-Initiativen eigentlich sein sollten: Obsorge um die Leidenden. Ohne der Welt eine neue Moral aufs Auge drücken zu wollen. Sie müßte nur abspringen. Solange sie nur wippt, bleibt sie nur angsterfüllter Teil dessen, worunter zu leiden sie aber wenigstens eingesteht. Es gibt ihn aber nicht, diesen dritten Weg. Solange sie aber glaubt einen solchen gefunden zu haben, wird ihre Ironie immer wieder Zynismus, bleibt ihre Freiheit die Frechheit der Schamlosigkeit.

Das anzunehmen ist aber nicht realistisch. Denn die Kehre in der Feminismusdebatte kann nur von Männern kommen, die heute nicht einmal mehr den Mut haben, sie zu führen, es lieber den Frauen überlassen. Und die, die spielen damit, was sonst. Wir werden also weiter warten müssen, bis die Wale springen.







*Der Großteil der ebenfalls heute immer häufiger werdenden Libido- und Potenzprobleme hat genau dort seine Ursache: Die fleischliche Wirklichkeit hat keine Relevanz mehr für den Willen als Konglomeratpunkt des Empfindens wie des Reagierens. Der Geist wird nicht mehr angewegt, sondern ihm bleibt nur noch der Verstand. Und damit die Virtualität, die vorgestellte Wirklichkeit als Zielpunkt des Handelns. Die virtuelle Sexualität hat ja ein Merkmal: sie ist in allen ihren Elementen beherrschbar. Die Hingabefähigkeit des Menschen, und damit die Verkostungsfähigkeit für die Wirklichkeit selbst, erlischt damit. Während die somit eintretende Verarmung ihren Ausweg in immer ausgeprägteren virtuellen, spielhaften Praktiken sucht, immer im Provozieren von Wirklichkeit, aber immer kurz davor endend. Mit der sprunglinearen Tendenz, diese wirkliche Wirklichkeit selbst zum Spiel zu machen, ins Spiel zu integrieren, weil mit der Virtualität auch der Ruf nach eben dieser Wirklichkeit - deren Ungesättigkeit immer größer und erfahrener wird - ansteigt, lauter wird. 

Sodaß die Grenzen des Spieles immer weiter überschritten werden, um noch Erlebenswert - und das heißt immer: Neues, als in der Struktur der Ratio nachgespielte Analogie zum Kernwert des Lebens selbst, der im Schöpferischen besteht, weil nur dann die Wale springen, und sie springen immer überraschend, und damit das Element der Wirklichkeit selbst - zu haben. 

Die virtuelle Sexualität drängt damit aus sich heraus auch in die Öffentlichkeit, um sich das Nicht-Vorhandene - Dialektik des Geistes! - erfahrbar zu machen, und Erfahrung heißt: präsent sein. Sucht damit das Gegenüber des Allgemeinen als Analogie zur (einen) wirklichen Wirklichkeit selbst einerseits, als "Gerichtshof" dessen Gewicht immer weiter steigen muß anderseits.

Das hier Gesagte wird vielleicht ein wenig leichter über einen häufiger bewußten inneren Vorgang verstehbar: Der Stolz, der sich seiner bewußt wird, ja aus eben diesem Stolz heraus sich seiner bewußt werden WILL, verordnet sich, wenn er das Unethische des Stolzes erkennt, die Herabwürdigung seiner selbst, um sich Demut vorzugaukeln. Was gerade in der Selbstherabsetzung zu einer Demut führt, die in Wahrheit erst recht Stolz und Hochmut ist, sich der Stolze wie er es ja will sich sogar in der Größe des Demütigen sich selbst verdankt. Der Stolz kommt also gerade in der Selbstherabsetzung besonders leicht zu seiner vollen Erfüllung. Der narzißtische Mensch (ein Phänomen des Stolzes) zeigt dieses Pendeln hervorragend. Im übrigen ist es etwas ganz anderes als das manisch-depressive Verhalten. 





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