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Freitag, 29. Oktober 2021

Der Theaterabend der Woche (2)

Das Normale wird zum Kranken, das Gesunde zum Kranken, das Schöne zum Häßlichen. Was die Welt ist, kann uns dann nur noch der andere sagen. - Wie in dem Stück sollen wir dazu gebracht werden, unsere Vermögen, unser Erbe einer fremden, anderen Autorität ausliefern. Und uns selbst jedes Urteils zu begeben, das wir in bestimmten Dingen hätten oder haben könnten oder sogar haben sollten. Immerhin geht es ja ums Überleben!

Da wird dann jede Grippe (denn die Grippe selbst ist verschwunden) zu Covid19, einer tödlichen Pandemie, die zwar kein einziges Kriterium erfüllt, das wir stets als Merkmal einer Pandemie angesehen haben, was selbst von der Allgemeinheit (Politik, Wissenschaft) aber wiederum den "Maßnahmen gegen diese Pandemie" zugeschrieben wird. 

Der öffentliche, allgemeine Diskurs wird so zu einem Handel mit lauter fiktiven Dingen, die sämtlich, wirklich sämtlich aus dem Bereich des "Möglichen" stammen, das aber jeweils nur knapp NICHT geschehen ist. Deshalb ist es NICHT DA. Seine Brisanz erhält es aus dem nächsten Möglichen, aber nicht da-seienden. Das aber da "ist", wir sehen es nur (in dem Fall) "noch" nicht. Und werden es nie sehen, weil wir ja dagegen handeln. Darauf einzulassen es zu sehen, zu sehen daß es "da" ist, wäre nämlich der SuperGAU. Angeblich. Weil die Autorität es so behauptet.

Wie bei einer Erkrankung AN einem sogenannten Corona-Virus, fortgeführt durch VARIANTE X und Variante Y, Z ... 

Donnerstag, 28. Oktober 2021

Der Theaterabend der Woche (1)

QR Verfilmung Gaslicht

Das Stück "Gaslicht" von Patrick Hamilton, hier als Verfilmung einer Theateraufführung (in einer Produktion des Südfunk Stuttgart aus dem Jahre 1977; noch vor vierzig Jahren gab es noch jede Menge Theaterabfilmungen im Fernsehen, statt der von Hollywood zugekauften Spielfilme, welche Praxis erst so richtig ab dem Massen-Rechtekauf von Leo Kirch Anfang der 1980er einsetzte) mit Josef Meinrad, Erika Pluhar und Gustav Knuth, ist als Kriminalstück angelegt, das an den Horror grenzt, soweit Horror am Theater überhaupt darzustellen ist. 

Was schon viel über den Horror als Genre aussagt. Aber darum soll es uns nicht gehen. Denn das Stück behandelt über alle Unterhaltung hinaus ein im Einzelfall viel tieferes Problem der Zwischenmenschlichkeit. 

Im Einzelfall deshalb, weil das "Gaslichten/gaslighting" wie jeder Psychologismus (ja wie so viele Begriffe überhaupt) aus einem Vorbeifließen des Lebens nur einen flüchtigen Ausschnitt herausgreift. Der erst beim und durch das zugleich definierende Hinschauen - die sogenannte Evidenz weiß im Voraus, was dann "abgeleitet" wird - zu einem Ding gerinnt und letztlich erstarrt. 

Ein Ding, das es gibt, und doch wiederum nicht gibt. Schon ein gaslighting selbst zu sehen kann damit bereits ein seelisches Problem bedeuten, das dann durch die Realität angeblich gefunden wird. Auch wenn es ein Gaslichten sehr wohl geben kann. Und gibt. Nicht nur das. Wir befinden uns in einem riesigen Gaslichter-Versuch, der globale Ausmaße angenommen hat. Aber gehen wir es langsam an.

Samstag, 2. März 2019

Der Samstag-Nachmittag-Film

Eigentlich ist es ein wunderbar gelungener Unterhaltungsfilm mit einem großartigen Gustav Knuth, der da vor uns abläuft. In seiner Dramaturgie sauber und geschlossen läuft "Großer Ring mit Außenschleife" vor uns ab und ist von der ersten bis zur letzten Minute sehenswert und sogar spannend. Aber was ihn darüber hinaus sehenswert macht, ist seine äußerst treffende, punktgenaue Sozialkritik! Nicht im linken Sinn, sondern die Figur des Straßenbahnfahrers, der einfach der Bürokratie zum Opfer fallen soll, sich das aber nicht bieten läßt und um ein Recht kämpft, das über allen Gesetzen steht (weil diesen nur zugrundeliegen muß) und dem zunehmend kapitalistischen Nutzenkalkül, das in alle Ebenen unserer Gesellschaft nach den ersten Wiederaufbaujahren nach dem Krieg 1945 einzog. Freilich, erst als man das nicht mehr brauchte, was die Basis schuf, auf der sich so ein Wirtschaftsdenken überhaupt erst breit machen konnte. Das das Vorhandene schlicht und einfach an sich riß.

Wie sehr das Unrecht ist, zeigt der Film recht überzeugend und mit dem Augenzwinkern eines kleinen Schelmenstücks. Die Wirtschaft muß dem Menschen dienen, sie darf ihn nicht umgekehrt zu einem bloßen Faktor abwerten. Besonders tragisch und kaltherzig-anonym und technisch wird das, wenn so ein Denken öffentliche Einrichtungen erfaßt. Für die sich ein interessanter "Ausweg" zeigt, der auf den ersten Blick nicht auffallen mag - die Korruption. Die Korruption ist es auch in diesem Film, so klein und amüsant sie daherkommen mag, die diesem Moloch wieder ein menschliches Gesicht abzwingt, weil eine zweite Ebene einzieht, die der Oberfläche aber überlegen ist, sie beherrscht. War es Absicht, war es Zufall, daß dieses im Kapitalismus entscheidende, umso heftiger abgeleugnete (!) Moment in diesem Film dramaturgisch entscheidend wird?

Oder muß (oder kann) man darin eine geschickte Strategie des Regisseurs erblicken? Denn immerhin ist Eugen York Deutsch-Russe. Auch wenn York schon in der Kindheit aus dem zaristischen Rußland nach Berlin gekommen war, so liefert seine Vita durchaus Hinweise auf eine recht Kapitalismus-kritische Sichtweise. Die manchen Herrschern über den westdeutschen Film nicht unsympathisch gewesen sein mag. Immerhin hat York seine Karriere dann im öffentlich-rechtlichen Bereich erst so richtig realisiert. Nachdem das deutsche Publikum seinen kurz nach dem Kriege fabrizierten KZ-Film nicht nur nicht angenommen, sondern angefeindet hat, mag in ihm so manche Kränkung gewisse Haltungen verschärft haben. Könnte es sein, daß York eine gewisse schuldbeladene Haltung des Deutschen sui generis verlangt, aber nicht erhalten hat? Könnte es also sein, daß seine Kritik am deutschen Wirtschaftswunder auch fragwürdige Motive zum Vater hat?

Wie auch immer, es ändert nichts an der Gültigkeit dieser im Film gezeigten, sehr konkret und realistisch-nachvollziehbar gemachten Kritik.








*070118*

Samstag, 23. Februar 2019

Der Samstag-Nachmittag-Film

Diesmal soll die Aufmerksamkeit des Lesers auf ein wahres Kleinod der deutschen Filmgeschichte gelenkt werden. Das dem Publikum weit weniger bekannt ist als Kennern der Filmgeschichte. Denn "Unter den Brücken" unter der Regie von Helmut Käutner wurde von Mai bis Oktober 1944 in Berlin und Umgebung gedreht, als es bereits schwierig war, die Bombenschäden in Berlin auszublenden, und wo sich die Rote Armee bereits der Oder näherte. Erst 1946 kam er deshalb in die Kinos, 1945 gab es ja kaum noch funktionsfähige Lichtspieltheater in Berlin.

Aber er zeigt einmal mehr, daß der deutsche Film auch mitten in all den Wirren und ideologischen Bedrückungen des Landes künstlerisch erstaunlich freie Hand hatte. Dafür sorgte Goebbels höchstpersönlich, der sämtliche Filmproduktionen des Deutschen Reiches zur Ufa zusammengezogen und die Filmproduktion zentralisiert hatte. Dennoch hatten Propagandafilme einen nur kleinen Anteil (etwa 15 Prozent) an der bemerkenswerten Produktivkraft des Films. Der deutsche Spielfilm blieb beliebt und qualitativ hochwertig, weil die Künstler große Freiheit genossen. Was 1944 sogar zur erstmaligen Überschreitung der Milliarde bei der Zahl der Kinobesucher im Reich geführt hatte.

"Unter den Brücken" ist ein überaus poetischer, künstlerisch wirklich gelungener Film, zu dem Helmut Käutner auch am Buch mitarbeitete, das sich an einen französischen Roman anlehnt. Der in der Geschichte zweier Männer, Kahnschiffer, Teilhaber an demselben Lastkahn, mit dem sie tief verbunden sind, die dieselbe Frau lieben, eine Privatheit des Lebens, eine Individualität und persönliche Originalität, dabei eine Breite des Lebensspektrums zeigt, die immer gültig bleibt. Und die das eigentliche Wesen der Poesie ausmacht. 

Mag rundum die Welt zusammenstürzen, die Welt der allermeisten Menschen ist davon eigentlich unberührt. Sie dreht sich um Liebe, seelische Konflikte, zwischenmenschliche Spannungen, und alltägliche Lebensbewältigung. Unglaublich fein das Spiel, unglaublich subtil in allen filmerischen Mitteln (man beachte alleine das Licht!) und tollen Einfällen sind die seelischen und zwischenmenschlichen Konflikte auf die Leinwand gebracht. Man kann in manchen Szenen die Figuren denken hören, ohne daß etwas gesprochen wird. Ganz ruhig und unspektakulär das Geschehen, und doch packend bis zum Schluß. Großartig die Proponenten, phantastisch gelungen die Figurenzeichnung, allen voran von Gustav Knuth, Carl Raddatz und Hannelore Schroth.

Besonders interessant übrigens die Behandlung des Erotischen, der Leser möge sich selbst seine Gedanken dazu machen. Sie wird nämlich in ihrer Bedeutung gerade im Zwischenmenschlichen durchaus realistisch gezeigt, und damit auch in ihrer Relevanz nicht geschmälert, aber auch in ihrer Notwendigkeit zur Ordnung deutlich. Entsprechend verändert sie ihre Rolle im Film.








*070119*

Samstag, 25. November 2017

Der Samstag-Nachmittag-Film

Hier haben wir ihn endlich - Gustav Knuth, neben Dieter Borsche und Marianne Koch, und dem herrlichen Dieter Söhnker als "Falotti". In der Verfilmung des nächsten Spoerl-Romans "Wenn wir alle Engel wären". Wie immer süffige Komödienkomposition, mit elegant-gekonnt verquickten Handlungssträngen, und wunderbarer Katharsis, die in eine Versöhntheit mit der Welt ausläuft. Passend zur tiefen Menschlichkeit, die Spoerl eben auszeichnet. Wir schreiben außerdem das Jahr 1956. Das deutsche Wirtschaftswunder war zuerst und vor allem ein seelisches Wunder.

Für die Älteren unter uns ist der Film aber auch ein Eintauchen in die Kindheit, und davon kann man nicht genug Schlucke zu sich nehmen. Übrigens begreift man da auch, wie der Stil, zu spielen, mit der kulturellen Verfaßtheit zu tun hat, in der der Film hergestellt wird. Denn die Stilisierung menschlicher Haltungen und Gesten korrespondiert mit der Komplexheit und Höhe des sozialen Verhaltens selbst. Und muß in der Kunst immer mehr oder weniger leicht über dem simplen Alltag stehen. Hinter allem Stil wird das Natürliche als das Unverstellte erkennbar. Die Art zu spielen sagt damit aus, wohin sich eine Kultur bewegt.








*141017*

Samstag, 11. November 2017

Der Samstag-Nachmittag-Film

Leider ist die Verfilmung von "Der Raub der Sabinerinnen" mit Gustav Knuth aus dem Jahre 1954 im Netz nicht frei verfügbar. Aber diese Verfilmung aus dem Jahre 1934 hat nicht nur auch ihre Vorzüge, sondern der Film ist absolut des Sehens wert, er ist einfach köstlich! Und die schauspielerischen Leistungen, die offenbar zu jener Zeit "Dutzendware" waren, sind bemerkenswert. Ja, mehr noch, insgesamt ist diese Verfilmung besser als die spätere Neuverfilmung, die dann aber so großen Publikumserfolg hatte.

Alleine - was für ein entzückendes Sächsisch! Nur war vielleicht das Star-Business in jener Zeit noch nicht so ausgebaut. Aber welcher Wortwitz damals noch! Die Sache war eindeutig mehr betont. Was könnte sich ein Schauspieler mehr wünschen? Na sagen Sie das einem heutigen Regisseur. Die überbordende Komödie wäre nicht die erste, die aus der Tragödie geboren ist. Ach, was für eine Liebeserklärung ans Theater!

Denn, unter uns, man ahnt den wunderbaren Knuth bereits hier vorweg, der die Rolle auf eine ganz andere Ebene stellte. Denn er hat sie "ganz anders" angefaßt. Ach, was hat sich da geändert! Gustav Knuth, der VdZ liebt diese Rollenfigur. Aber - die damalige Schauspielkraft war im Allgemeinen größer. Was für eine Spielfreude, was für eine Lust, spüren Sie es? Aber speziell nach dem Krieg begann im Filmgeschehen das persönliche Schicksal des Schauspielers, das Persönliche überhaupt, die Kunst zu überlagern.

Lassen wir uns also gemeinsam verführen, lieber Leser, in diesen frühen Film einzusinken, der so voller Poesie, voller Spiel im besten Sinne steckt. Und sehen wir meinetwegen vorweg einen kurzen Ausschnitt mit eben diesem Gustav Knuth. Aber dann wissen wir, warum er in der Rolle so großen Erfolg hatte. Warum auch die Verfilmung 20 Jahre zuvor besser, künstlerisch wertvoller ist. Denn eine ganze Filmkultur hatte sich damals in wenigen Jahrzehnten geändert, weg von der Kunst. Und wir müssen sagen ... naja, der Leser soll es sich denken.













*131017*