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Samstag, 2. März 2013

Maßgebender Gott (4)

Teil 3) Sich als Gott erfahren



Kantorowicz nimmt wohl mit Recht an, daß Friedrich in seinen pointierten Auffassungen maßgeblich von seinen Erlebnissen bei seinem Kreuzzug, vor allem von der Freundschaft mit dem ägyptischen Sultan Al-Kamil geprägt war. Denn genau das erlebte er dort, die gottähnliche Stellung und Machtfülle des Regenten. Aber nicht weniger müssen den sehr jungen Friedrich die Ereignisse geprägt haben, die seine Regentschaft selbst wie das Mirakel göttlicher Fügung zustandekommen ließen. 

Mehrmals haben scheinbar winzige Zufälle die Weichen zu seinen Gunsten gestellt: Verspätung des real gewählten und mächtigeren Kaisers Otto IV., des Welfen, um eine Stunde in Basel; die verlorene Schlacht bei Bouvines 1214, die das Schicksal des gesamten Abendlandes maßgeblich bestimmen sollte, an der Friedrich selbst gar nicht teilnahm, usw.  Friedrich als legitimer, aber ausgebooteter, machtloser Kaiseranwärter, mußte das in seiner psychischen Lage fast zwangsläufig als Signum seiner Gottsendung empfinden bzw. hochdeuten.** Daß Gott mit ihm war, ja daß er Werkzeug Gottes war - er damit persönlich zur Vorsehung für die Menschheit wurde.***

Klarer weltimmanenter Materialismus, den Friedrich nicht zuletzt aus seiner Befassung mit der arabischen Kultur (und deren Aristoteles-Rezeption) bezog. Ein geordneter Staat war das verwirklichte Paradies. Er wirkte damit maßgebend für die Staatsentwicklungen am ganzen Kontinent. Diese Weichenstellungen des frühen 13. Jhds. hat auf jene Geleise gelenkt, die zu den Problemen der Gegenwart geführt haben, in denen sich diese Grundfragen ausdrücken.








*Ist uns das nicht bekannt? Friedrich ging selbstverständlich davon aus, daß ER im Besitz dieses ausreichenden Wissens, ausreichender Vernunft war, kraft seines Wissens, seiner Bildung, seiner Bereitschaft zur Bildung. Und vor allem aus seiner besonderen Inspiration - kraft seiner Stellung, als Herr der Menschen. Welcher ein Mensch sein mußte. Zu diesem Glauben an die besondere Stellung in der Unmittelbarkeit vor Gott siehe nachfolgende Bemerkungen.

**Solche Konstellationen sind aus sehr vielen Herrscherviten bekannt. Georg Misch zeigt in seiner "Geschichte der Autobiographie", welche Bedeutung göttliche Zeichen, wunderbare Fügungen, Omina für die Legitimitäts- und damit Machtfrage von Herrschern - und gerade von Ursupatoren! - hatten. Nicht zuletzt ... die Zufälle, die zur Machtergreifung Hitlers führten, sowie die seltsamen Zusammenfälle in seiner Zeit bis 1938, die Joachim C. Fest sicher mit Recht in ihrer Bedeutung dahingehend zusammenfaßt, als sie Hitler an seine göttliche Sendung wirklich glauben ließen.

Aber, geneigter Leser, ist da nicht die Frage erlaubt, woher denn wir, wie Heutige, unsere Selbsteinschätzung beziehen? Beziehen wir sie nicht auch aus den Omina unseres Lebens? Stammt nicht die Einschätzung unserer Stellung im Weltgefüge der Erfahrung einer Wirklichkeit der technischen Zivilisation, in der wir die Welt beherrschen, sie sich unterwirft, über die wir verfügen? Woher sonst sollte wohl die Einschätzung stammen, wir könnten die Welt, sämtliches Leben auf ihr, auslöschen, ihr Wohlergehen hänge von uns ab? 

Genügt der Hinweis auf den Spruch aus dem Alten Testament, daß "der Eintritt in die Weisheit Gottes die Gottesfurcht" sei? Woher aber soll Gottesfurcht kommen, wenn sie gar nicht erfahren wird? Wovor soll sich der europäische Mensch fürchten, außer: vor sich selbst? Vor Blitz und Donner, Hagel und Sturm, Wind und Wetter? Die sind ja doch auch (so meint er zumindest) menschenverursacht!? Ist nicht unser ganzer Sozialstaat, unser Alltagserleben, ein einziger Versuch, jede Nicht-Beherrschbarkeit zu eliminieren, ja bis in die Pädagogik als Erlebensfaktor auszuschalten? Nicht anders hat Friedrich II. - oder Hitler, das Muttersöhnchen, übrigens! - sich erlebt: Alles zu können. Das Rad der Welt selbst zu drehen. 

***Wer glaubt, es handele sich hierbei um "des Kaiser's Bart", um unwesentliche Fragen, irrt gehörig. Denn diese Fragen ziehen sich in ihrem Grund bis ins Leib-Seele-Problem der Gegenwart, und das steckt in unseren alltäglichsten Alltäglichkeiten. Ja, sie ist die Grundfrage unserer politischen Systeme! Wir haben sie ganz aktuell am Tisch liegen. Selbst die Frage um die EU wird in der Frage um Gott und sein Verhältnis zur Welt entschieden, sie ist als keine "politische" Frage zu lösen. 






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Freitag, 1. März 2013

Maßgebender Gott (3)

Teil 3) Das Reich Gottes auf Erden wird säkular




Friedrich II. hat nicht die Zweiteilung (und Zueinanderordnung) der Welt in Sacerdotium und Imperium gesehen. Wenn war es nur Taktik, oder das Ahnen des theoretischen Problems. Für ihn war Imperium zugleich Sacerdotium: Er war als Kaiser (bzw. König) nicht nur in einer Linie mit Christus als König, sondern auch der Hohepriester des Reiches Gottes auf Erden. Nicht der Papst. Und weil sein Faktisches, sein menschliches Dasein, Ausdruck der Vernunft war, war auch jede seiner realen menschlichen Handlungen verbindlich.* ER war damit ganz persönlich auch die Quelle des Rechts, das seinen Leib, das Volk das er regierte, ordnen mußte. Weshalb er das für das Abendland in seinem Fortgang dann maßgebliche Rechtswerk herausgab. Natur, Vernunft und Notwendigkeit waren seine Grundsätze, die ihn das erste staatliche Gesetzbuch seit der Antike herausgeben lassen.

MIt denen er seinen ganzen Staat erstmals in der abendländischen Geschichte auf gebildete Laien aufbaute. Dazu gründete er in Neapel sogar eine Staatsuniversität mit allen Fakultäten, denn mit der Beachtung der menschlichen Vernunft war auch der Wille Gottes erfüllt. Staatsbürger durften nur noch dort studieren, auch Kleriker. Immerhin ging aus dieser Universität aber auch ein Thomas von Aquin hervor, Schüler des Iren Petrus von Hibernia in den Naturwissenschaften. Der im Anschluß an Friedrichs Zeit die kirchliche Philosophie und Dogmatik auf so engelsgleiche Füße stellte, und im Grunde die Fragen, die Friedrich aufgeworfen hatte, präzise durchdachte und klärte.

Keine Kleriker fanden sich bald mehr in der Verwaltung, alle Staatsvorgänge wurden säkularisierte Organe kaiserlicher Zentralmacht, durchwirkt vom Geist der Gesetze. Und damit gewann Friedrich die Bürger und Laien der Städte. Während der Kirche die bäuerliche Masse blieb. Man konnte bei ihm "Karriere machen", selbst am kaiserlichen Hof den Adel verdrängen, gar kaiserlicher Consilarii, Berater werden.

Wie jener Großhofrichter Petrus de Vinea, der bald für die Ohren des Kaisers als alleiniger Ausleger der Wahrheit galt. Er war wahrscheinlich der Verfasser aller kaiserlichen Gesetzestexte, ja des "Kaisers Mund", oberster Richter, letzter Sprachschöpfer des Lateinischen , Erzieher und Lehrer einer ganzen Schreibergeneration, Mittelpunkt eines hochgeistigen Hoflebens, von dem etwas wie eine neue Lehre in die Welt ausging, getragen von lauter jungen und hochgebildeten Leuten. Analog zu Petrus nannte man ihn "Schlüsselträger" - denn er hatte die Schlüssel zur Weltmacht, zum Kaiser.

Seine Briefkunst (seine Briefe werden später wegen ihrer stilistischen Brillanz und dichterischen Qualität herausgegeben) war dem Kaiser wesentlich - denn in ihr zeigt sich eine bemerkenswerte Analogie auch zur Welt des Internet. Petrus de Vinea mußte mit seinen Briefen ein virtuelles Bild des Kaisers in der Welt aufbauen. So, wie es diesem genehm war und nützte

Der Legende nach als Sohn von Bettlern (in Wahrheit aus angesehener Familie), aus dem Nichts vom Kaiser aufgehoben, und wieder hinabgestürzt: Dante sieht ihn in der Hölle, im Geisterwald der Selbstmörder, als Opfer von Hofintrigen. 

Denn am Hofe des Staufers herrschte ungeheurer Zynismus, eine Stimmung aus Spott und Hohn, ja Blasphemien, die man über die "Gegenwelt" ausgoß. In der Art, daß ein Beamter zum Tode Verurteilten die Beichte verweigerte: als Freunde des Papstes wären sie doch schon dadurch heilig.

Petrus de Vinea gerät 1249 in den Verdacht, an einem Giftanschlag des Hofstaates auf den Kaiser beteiligt gewesen zu sein. Vieleicht war er das sogar tatsächlich, Dante läßt es ihn abstreiten. Er wird geblendet, entmachtet, und inhaftiert. Den Sturz aus höchsten Höhen verkraftet er nicht.

Aber so schwoll der Bürokratismus immer mehr an, und das verlangte nach neuen Berufen: Schreibkräften, Kanzleipersonal, etc. - Stadtberufe. Schließlich setzte der Kaiser seine Juristen schon als Bischöfe ein. Manchmal waren sie zufällig auch Kleriker, wenn sie sich dem neuen Geist anpaßten. Die Prälaten an seinem Hof waren keine selbständigen Bringer des geistigen Lebens mehr, wie es ihr Amt gewesen wäre.

Friedrich war das ohnehin bedeutungslos gewesen. War er Gottes Stellvertreter, war in ihm auch das Priesteramt vorhanden - im übrigen eine uralte Annahme, die sich in allen Kulturen findet: Herrscher als Abstämmlinge von Gott. Die immerhin in Jesus als neuem Adam, Stammvater aller Menschen, seine direkte Entsprechung zu finden schien.





Teil 4 morgen) Sich als Gott erfahren





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Donnerstag, 28. Februar 2013

Maßgebender Gott (2)

 Teil 2) Sich ein Volk heranbilden




Friedrich II. hatte es wie immer mit Staatsnotwendigkeiten begründet. Die Kassen waren auch damals leer, Friedrich verschuldet, der Krieg mit dem Papst in vollem Gang - der Deal war alternativlos. Und "imminens necessitas" war immer vorhanden, auch für alle möglichen Steuern, die immer "Ausnahmen" waren. Auch wenn Friedrich als der reichste Fürst Europas seit Karl dem Großen galt - Kapital hatte er nie angehäuft. Wurde die Lage entspannter, erließ er auch mal wieder Steuern. Immerhin waren auch seine Gegner die finanzkräftigsten Mächte der damaligen Welt: die Kirche, und die oberitalienischen Städte. Bis, ja bis ... das Land erschöpft war. Friedrich hatte mit der Welt Raubbau betrieben. Aber er hatte erstmals eine "Nation" geschaffen: Und das aus einem derartigen Völkergemisch, wie Sizilien eines war - denn nur dort war möglich, was er durchzog. Nur hier traf er auf keine stärkeren verwurzelten Gegenkräfte.

Gleichzeitig verbot er sizilischen Frauen, ohne seine Zustimmung Zugereiste zu heiraten. Denn sizilische Frauen sollten die Ehe eingehen, um ... Nachwuchs zu ziehen, so den Staat zu erhalten. Das verlangte bereits normgeprägte Männer, aber er wollte auch ein sizilisches Blut züchten, um aus diesem Blutsgemisch irgendwann ein einheitliches Volk zu erhalten.

Und das gelang: Als dreißig Jahre nach Friedrich die Franzosen - das Haus Anjou hatte sich das Land angeeignet -  vertrieben wurden, erhob sich das sizilische Volk in einem wahren Nationalrausch unter dem staufischen Adlerzeichen mit unvergleichlicher Brutalität und schlachtete in einem Blutrausch die Gallier ab. Sizilischen Frauen, die von Franzosen schwanger waren, wurden sogar die Leiber aufgeschnitten, um die fremde Frucht herauszuholen und zu zertreten.

Wer sich den Gesetzen fügte, erlangte "das ewige Heil". Wer nicht, wer auch nur kritisierte, war verdammt, und wurde schwer bestraft. Denn das Volk war der Organismus, den der Kopf zu ordnen hatte, der vom Kopf selbst lebte. Der Kaiser war die Fortführung der Inkarnation Jesu, sein Staat war Gottes Reich auf Erden. Des (gebildeten) Kaisers Vernunft war die Vernunft Gottes, er war gottunmittelbar, brauchte keinen Mittler (in Wirklichkeit auch keine Kirche), sondern er selbst war der inkarnierte, fleischliche Mittler.

Den Querverweis auf den  maßgeblichen Heiligen dieser Zeit, den Heiligen Franz von Assisi, hier einzufügen geschieht nicht ohne Hintergrund. Denn auch das Problem des Hl. Franz liegt in dieser Gottunmittelbarkeit, die die franziskanische Spiritualität kennzeichnet, und die, wenn sie nicht ihr natürliches Maß findet (Franz' "Rettung" war, daß er nie die konkrete Hierarchie anzweifelte; nur darin her er sich von so vielen Ketzerbewegungen der damaligen Zeit - aber damit fundamental - abgegrenzt, wurde seine Bewegung keine Sekte), direkt in Reformation und Renaissance mündet, und damit in der Neuzeit anlangt.






Teil 3 morgen) Das Reich Gottes auf Erden wird säkular




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Mittwoch, 27. Februar 2013

Maßgebender Gott (1)

Das Gerücht ist nicht zu besiegen - Kaiser Friedrich II. wäre ein Ausbund an Toleranz und Milde gewesen. Genau das Gegenteil ist wahr, schreibt Ernst Kantorowicz in der Biographie über den Staufer, die er verfaßt hat. Das Abendland hat weder vorher noch nachher einen derartig gewaltbereit-intoleranten Herrscher hervorgebracht. Denn kein Kaiser, so Kantorowicz, war dem Anspruch wie dem Wesen nach so schlechthin der RICHTER, wie Friedrich der II., der als Richter jahrhundertelang hindurch in der Vorstellung der Welt weitergelegt hat und dessen Wiederkehr man als Richter erwartete, als Rächer menschlicher Entartung. Ein toleranter Richter aber gleicht lauem Feuer.

Für Friedrich war er selbst Stellvertreter Gottes auf Erden. Die Widersprüchlichkeit, die sich in seinem formalen Anerkenntnis des Papstes ausdrückte, ließ er aus politischen, nie direkt ausgesprochenen Gründen bestehen.  Denn er ließ zwar die Kirche weiter wirken, offiziell, auch weil er keinen Konflikt mit der Religiosität der Bevölkerung heraufbeschwören wollte, aber er ersetzte sie. Sein Staat WAR die Ecclesia, die verwirklichte, reale Ecclesia.

Deshalb war das Gesetz, auf dem er das Staatsleben - in seinem Land vorerst, im Königreich Sizilien (mit Unteritalien bis Neapel) - aufbaute, und das von Rechtsgelehrten ausgearbeitet wurde, gleichzeitig Gesetz Gottes, denn menschliche Vernunft war auch die Vernunft die die Schöpfung regierte. Und sie war fleischlich repräsentiert im Kaiser, in seiner Person. Sein Wille war also dem Willen Gottes gleich, was er an Gesetzen erließ war auch Gottes Gesetz, dem er unmittelbar gegenüberstand. Wer ein Gesetz übertrat, beleidigte somit Gott selbst. 

Wer den Herrscher oder einen von ihm eingesetzten Beamten beleidigte oder auch nur in Frage stellte, beging einen Religionsfrevel in der Majestätsbeleidigung. Auch hier veränderte er folgerichtig grundlegend das System: die Lehensfreiheit wurde ersetzt durch von ihm bestellte, im Grunde omnipotente Beamte, die für Verstöße und Vergehen schwerst bestraft wurden. Kein Beamter durfte aus jener Gegend stammen, über die er eingesetzt wurde. Damit war sein Vermögen konfiskabel. Aber wenn sie auch 
einem gnadenlosen Kontrollsystem unterlagen - genau deshalb waren sie korrupt, wie eben typisch für eine Tyrannis.

Staat war damit gleichzeitig Ort der Religion. Folgerichtig wertete er die (zuvor nur kirchliche) Inquisition auf, ja führte sie als Staatsanliegen ein. Und verfolgte alle Ketzer in seinem Königreich Sizilien (und dann über ganz Italien, Sizilien war eine Art Normvorlage) mit brutaler Gewalt. Seine Toleranz anderen Religionen gegenüber beschränkte sich auf jene Fälle (er siedelte die sizilischen Sarazenen sogar außerhalb Siziliens an) in denen er sie für seine Machtzwecke benützen konnte.

Alles in seinem totalen Staat war Majestätsangelegenheit, alles war vom Staat zu regeln, bis in letzte Details hinein direkte staatliche Verwaltungsangelegenheit.* Von der Fischerei, bis zur Schädlingsbekämpfung. Er machte genau das, wie man sich heute oft eine "Verwaltungsreform" vorstellt: Er schaffte alle Mittlereben zwischen Bürger und Staat ab. Und damit das oft sehr komplexe Rechtsgefüge aus Rechten und Pflichten und Standesbelangen, das natürlich "lästig" war. Städte durften sich keine Stadtoberhäupter mehr setzen, die wurden vom Kaiser bestellt,  bald Klöster nicht mehr ihre Äbte, Diözesen ihre Bischöfe. Das ganze von ihm regierte Land wurde der "uniformitas" unterworfen, gleichgehobelt. Und gleichzeitig nach außen durch zahlreiche Festungen gesichert. Was sich ihm sperrte, wurde brutal überwunden.

Sein zentralistischer Staat verwandelte sich je nach Bedarf in einen total abschließbaren, "geschlossenen Handelsstaat", als mittelalterliche Stadtwirtschaft, ausgedehnt auf ein ganzes Königreich: Staatswirtschaft ging über Privatwirtschaft, was lohnend schien, wurde zum Staatsmonopol, Import/Export nach Staatsbedarf geregelt, streng überwacht, und besteuert. Vergab er Rechte, so wie den Seidenhandel an die Juden, dann gegen hohe Abgaben. Er führte eine Einheitsmünze ein, vereinheitlichte Maße und Gewichte. Bald war der Staat größter Landeigentümer, und damit Lebensmittelproduzent. Bauern, die zuwenig arbeiteten, wurde ihr Land weggenommen und jenen gegeben, die es bearbeiteten. Bald konnte niemand mehr mit den Staatsbetrieben konkurrieren, die nicht einmal Zölle zahlten, die herausholten, was herauszuholen war.

Als einmal - Kantorowicz erzählt einen konkreten Fall - in Tunesien Hungersnot ausgebrochen war, und tunesische Händler in Sizilien anlandeten, um mit genuesischem Geld Getreide von privaten Bauern zu kaufen, schickte Friedrich sofort einen arabisch sprechenden Unterhändler nach Tunis, ließ alle Häfen sperren, mit Staatsgeld sämtliches Getreibe aufkaufen, das zu kriegen war, die kaiserliche Flotte beladen und auslaufen, und gestattete dann wieder, die Häfen zu öffnen. Da war aber wohl seine Flotte bereits in Tunis angelangt. Der Staat, hatte nur mit diesem einen Handel eineinhalb Millionen Mark verdient.

Teil 2 morgen)  Sich ein Volk heranbilden





*Außer Zivilangelegenheiten, die keine staatlichen Agenden betrafen. Die waren Friedrich völlig gleichgültig. Bürger konnten oder mußten sich die Rechtsnormen für Privatstreitigkeiten selbst suchen.




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