Oh wenn die Menschen wüßten, wie leicht durchschaubar sie sind. Sie würden sich nur noch verbergen, sich in die Büsche schlagen. Wie Kain. Wie Adam und Eva nach dem Sündenfall.
Und daran ist auch erkennbar, zu welcher Art der Existenz sie gerufen sind! Daran, wie sie auf den Anruf Gottes reagieren.
Jeder Mensch hört nur das, was seinem Sein - und das ist das allem und jedem VORAUSGEHENDE URBILD, das es vor allem zu erkennen gilt, das einem in gesunden Kulturen von (elterlichen) Autoritäten DURCH PRÄGUNG, DURCH GEWÖHNUNG vorgegeben wird, DAMIT MAN ES ERKENNT (weil man een nur erkennt, was man ist, usw.) - entspricht.
Vielleicht kann man wirklich sagen, daß Leben schlicht und ergreifend EINE LIEBGEWORDENE GEWOHNHEIT ist. Umso mehr als man doch aus Erfahrung, aus Anschauung sagen muß, daß die Natur eines Menschen aus seinen Gewohnheiten geformt und nachgebildet wird. Ist nicht Welt und Leben Ausbildung von Strukturen - und das war es dann auch schon!?
Umso mehr als man aus ebensolcher Erfahrung ganz sicher auch sagen kann, daß FALSCHE Gewöhnungen der sicherste Weg zum raschen und frühzeitigen TOD, zur tragischesten Selbstverfehlung sind?
Was sind aber Gewohnheiten mehr als GEHORSAM gegenüber Strukturen, die einen umgeben, die man sieht (s. o., siehe die Bemerkungen zum Zusammenhang von sehen und erkennen, usw. usf.) oder sehen muß?
Wenn man das einmal begriffen hat wird auch der Zustand der gegenwärtigen Gesellschaft (Kultur) begreifbar. Der vor allem der ungesättigten Anforderungen des eigenen Seins geschuldet ist. Wenn die Strukturen einer Gesellschaft unsicher werden und sind, reduziert sich alles, woran Identität und Anruf erkennbar wird, auf die ANTWORTEN.
Bleibt das wahre, innere Anfragen unbeantwortet - und zwar nicht nur der Höhe nach! sondern der ENTSPRECHUNG gemäß, nach der GEMÄSZHEIT! - wird das Existieren zu einem Wettlauf um das in den Augen der Allgemeinheit (Autorität) bzw. Macht, der man unterliegt, schönste Kostüm. Es geht dann gar nicht mehr um ZUFRIEDENHEIT, um den wirklichen inneren Frieden also, sondern das Maß der Antworten, die man zu ergreifen sucht, wird ENDLOS, kennt keine Grenzen mehr.
Das Problem der Gegenwart ist also tatsächlich, daß das Kostüm der Antworten in so gut wie allen Fällen NICHT PASST. Und zwar fast immer ZU WEIT, ja VIEL ZU WEIT ist. Sodaß wir speziell im Westen unter einer seltsamen Krankheit leiden. WIR HABEN ZU VIELE ANTWORTEN, wir haben aber SO GUT WIE NIE DIE FRAGEN. So gut wie immer suchen die Menschen DIE BESTEN ANTWORTEN, ohne zu wissen, was ihre Fragen sind.
Deshalb so viel Angst, deshalb so wenig Vertrauen. Deshalb der Zerfall des Sozialen, soweit es WIRKLICH DAS SOZIALE IST, und nicht eine der meist grotesken, lächerlichen Popanze von "Gutheit", die fast immer "soziale Gutheit" heißen, ja beweisen soll. Deshalb dieses unerträgliche Maß von Lügen und Schein, Bluff und Täuschung, Manipulation und (geheim gehaltener, geistig-psychischer) Gewalt, in der das Urteil des anderen beherrscht, brutal geformt werden soll.
Es ist aber eine Angst vor der Gemäßheit, der Entsprechung, der Bescheidung, ein Kostüm der Antworten anzuziehen. Denn es gibt kein Maß mehr (weil kein Vertrauen) wie weit die Fähigkeit, Antworten aufzunehmen und damit seelischen Frieden zu gewinnen, für das eigene Leben (das es so gar nicht mehr gibt) AUSREICHT.
Also wächst aus dieser Angst die Gier, Antworten aufzunehmen, und AUF JEDEN FALL mehr Antworten zu haben, also der nächste, die Umgebung, die HEIMAT (die somit auch verschwindet bzw. verschwunden ist.)
Man kann nur noch den Kopf schütteln, wenn die Situation der sogenannten BILDUNG mit Sorgenfalten auf der Stirn diskutiert wird. Und von Jahr zu Jahr werden die Sorgenfalten größer statt kleiner, und das Maß dafür verschwindet, wieviel GELD (als soziale Gebundenheit, als fixe Dispositon der Kraft, der Energie der Allgemeinheit, ALSO VON JEDEM, bitteschön!)
SO VIEL WIE MÖGLICH, so hoch und weit und glänzend wie möglich- und das wird damit das einzige Kriterium - ist kein Maß, im Gegenteil! Wer möglichst viel gewinnen will, wird alles verlieren.
Viel zu groß sind deshalb die Schuhe, die sich die allermeisten anziehen. (Während sie anderen, wenigen, zu klein sind, ohne daß ihr Klagen als Druckschmerz anerkannt wird, der viel zu engen Antworten zuzuschreiben ist.) Viel zu weit die Jacken, und die Hüte rutschen bis zu den Nasenspitzen. (Ist es nicht Mode, gerade unter den Jungen, die Hände unter den Ärmeln der Pullover und Jäckchen zu verbergen?) Deshalb die immer absurderen Weltbilder, mit denen sich die Allgemeinheit umgeben hat.
Oh nein, wir haben nicht zu wenige Antworten. Wir haben aber kaum je noch die passenden! Die der eigenen Daseinsanforderung WIRKLICH entsprechen. Und das Gewand der Antworten ist für unsere Kultur gerade für die Mehrheiten, ja die überwiegenden Mehrheiten VIEL ZU GROSZ. Sodaß die im Munde geführten Worte fast immer nur noch leeres Geplappere, ein Herumschlagen mit Genehmem, irgendwie "Passendem", und vor allem - dem anderen überlegen, zumindest nicht unterlegen zu sein (denn auch das könnte natürlich nicht für einem passend, angemessen sein.) Schon die Empfindlichkeit, die Nervosität aber, mit der diese Aussage quittiert wird, zeigt die Wahrheit dieser Antwort. Die so viele befrieden würde, würden sie das Vertrauen haben, sie anzunehmen.