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Sonntag, 22. Januar 2023

Fliegenverscheuchen

Ein bemerkenswerter Sastz aus dem Film "Brennendes Indien" (1959), Regie J. Lee Thompson, u. a. mit Lauren Bacall.
"Die halbe Welt schlägt auf Britannien ein und will es loswerden, weil wir angeblich so schädlich für ihre Kultur sind. Dabei tun sie es aus Gründen, die ihnen gar nie bewßt geworden wären, wenn sie wie nicht dazu in die Lage versetzt hätten."  

Montag, 6. September 2021

Si tacuisses (2)

Was ist also nun das Fazit aus der Sache? Das Führen von Stellvertreterkriegen. - Daß die Formulierung, daß es außerhalb der Kirche Heil gebe, nicht gemacht werden kann. Denn dann ist sie falsch und unsinnig, weil die Kirche ohnehin die allumfassende (also kat-holische) Versammlung der Geheiligten ist. Das wäre also so als behauptete man, daß man außerhalb des Weltalls Planeten gefunden habe.

Somit streifen wir am Problem der gesamten Dogmengeschichte. Die vor allem seit dem 19. Jahrhundert, als Gegenbewegung gegen den sich abzeichnenden Kultur-, Geistes- und Glaubensverfall, das Grundbesteck der Kirche befestigen wollte, damit es nicht verloren gehe. Damit aber hat man Aussagen in positive Formulierungen gepackt, die eine Eigenwirkung entwickelt haben. Wie die von der Unfehlbarkeit des Papstes, die zu einer "Verheiligung" (als Vergötzung) des Faktischen sämtlicher Päpste geführt hat, und zwar schon zu deren Lebzeiten, und niemand im Volk mehr weiß, was an päpstlichen Aussagen "total verbindlich" ist und was nicht. 

Sogar ein Schisma ist diesem Umstand zu verdanken, denn damals haben viele die römisch-katholische Kirche verlassen (wie die Altkatholiken). Und Schisma ist eine ganz andere und wirklich schlimmere Sache, als die Häresie. Aber nun wurde kein Ausweg mehr gelassen, und viele haben auch heute mit dieser Aussage ein Problem, in dem sie sich vor die Entscheidung gestellt sehen.

Sonntag, 5. September 2021

Si tacuisses (1)

C meinte, es sei falsch, einfach falsch, zu sagen, daß es nur in der Kirche das Heil gebe. Warum er überhaupt auf diese Aussage kommt? Ich weiß es nicht. Und genau darin liegt das Problem: Hätte ich nicht den Eindruck, daß er diese "Weite" nur benützt, um seine eigene und mir überlegene Gutheit darzustellen, wäre alles so einfach. 

Aber dazu müßte man den Unterschied zwischen einer positiven Formulierung und einer Wahrheit erkennen, die darin liegen kann, daß man etwas "nicht sicher sagen" kann. Wie es bei jedem Geheimnis der Fall ist. 

Worauf jemand außer der Kirche hoffen will, ist mir bis heute nicht klar geworden. Weil er gut lebt? Was ist dieses "gut"? Ich habe es noch nie anders gesehen denn als platte irgendwie zeitgeistige "Wohltat", bei der mir einfach nicht klar wird, woran sie sich bemessen könnte. Außer - eben! außer! - bei seiner eigenen Gutheit.

Und hier beginnt auch das Problem. Denn das Handeln ist das Selbstvollziehen des Seins. Das heißt, daß jemand nur behaupten kann "gut" zu handeln, wenn er gleichzeitig damit sagt "Ich BIN gut." 

Um diesen Zusammenhang von Heiligkeit und Gutheit weiß der Mensch. Deshalb ist die Aussage, "gut zu handeln", auch immer eine Aussage über die Heiligkeit. 
Der "Gutmensch" ist also nicht einfach der, der gut handelt, der der meint sein "gutes Handeln" würde legitimieren. Er ist der, der sich klandestin für heilig hält. Wir haben deshalb nicht das Problem der "political correctness". Diese ist vielmehr vorgeschoben, weil das Handeln legitimieren und damit beweisen soll, weil der Zusammenhang gewußt wird. 
Wir haben deshalb ein viel tieferes Problem, als ein moralisches. Wir haben das Problem, daß sich so viele Menschen als Heilige sehen.

Samstag, 7. November 2020

Wider Enzykliken (4)

 Teil 4) Wie das Katholische zur Ideologie wurde
Aus einer Ideologie aber folgt Totalitarismus

Nun geschieht aber Folgendes, und dem Leser wird nun vielleicht klarer, warum der Anfang den Inclusivismus aufs Spielbrett holte: Dieses Selbstgefühl der Schwäche ist notwendige Konsequenz des Verzichts auf jene männliche Vernunft, die sich nicht selbst von der intellektuellen Rechtfertigung abhängig macht, sondern diese zwar liefern kann wenn sie möchte, aber um die prinzipielle Problematik des Intellektualismus weiß: Der eine prinzipiell andere Sphäre mit Mitteln beweisen soll, die gar nicht dieser Ebene zugehören. 

In den Augen dieser Welt ist die Kirche, ist der Glaube "unterlegen". Aber eben nur in den Augen DIESER Welt! Nicht in den Augen Gottes, nicht in den Augen der Wirklichkeit. Die mangelnde Selbstverfügung, die man mit dem Schritt in den Wettbewerb alleine innerhalb der Mittel dieser Welt ausgelöst hat, hat den Verlust des Selbstwerts bewirkt. Was nun einsetzte ist exakt das, was mit dem Inclusivismus des Inders beschrieben wurde.**** 

Man hat, mit den Worten von Abszessium Kuhschneider formuliert, diesem weltweit berühmten Bänkelsänger aus dem Inneren Allgäu, mit dem Zweiten Vatikanum auf die allumfassende Wirklichkeit und Macht verzichtet, um sich der Welt "verständlich" zu machen. Man hat den Ferrari in der Garage gelassen, um mit dem Tretroller um die Wette fahren zu können. Den der andere nicht als Seinsmangel fährt, sondern der fortan der Maßstab der Fortbewegung sein soll. Man hat dieses unendliche Licht des Glaubens und der Wahrheit ausgeklammert, um fortan mit dem beschränkten Verstand des Nichtgläubigen zu denken. 

Die Folge ist, daß sich das gesamte katholische Denken in Widersprüche zu verheddern beginnt. Aus dem unendlichen Wahrheitsgebäude wurde ein irrationales Gefühlsgelände. Von dem nun (weil es keine Grenzen mehr kennt weil scheinbar hat) behauptet wird, daß es "alles" enthält, was in der Welt der Fall ist (um einen Satz von Wittgenstein zu mißbrauchen). 

Fortan war die Kirche mehr und mehr nur noch bemüht der Welt zu beweisen, daß sie in ihren Kategorien denken und handeln konnte. Mit der unausbleiblichen Folge, daß sie auch die Kriterien der Welt aufzugreifen begann, ohne deren wirkliche Wirklichkeitsrelevanz noch beurteilen zu können. Was nach sich zieht, daß dieses Bestehen-können vor der Welt von dieser selbst abhängig wird: Die weltliche Instanz wird für die Kirche, die auf jede Kohärenz und Widerspruchsfreiheit in ihrer Lehre verzichtet, bindend.³

Daß dabei die katholische Soziallehre beispiellos verzerrt wird kann nicht ausbleiben. Diese hat sich von einem befreienden Regelsystem in ein System von schwerfälligem Emotionalismus und theoretischer Inkohärenz verwandelt. 

Die Rolle der katholischen Soziallehre bestand nie darin, eine politische Plattform oder Ideologie vorzuschreiben. Sie wollte nie mehr als die Grenzen festlegen, außerhalb derer der gefallene Mensch in geistigen Verfall geraten würde. Dazu mußte sich der Mensch seiner Rolle in der Politik ermächtigen und sie mit katholischem Blut durchdringen. 

Hier sind die Grenzen, das soll uns die katholische Soziallehre dabei sagen. Aber innerhalb dieser Grenzen bist Du frei. Diese Grenzen SCHAFFT aber nicht die Kirche, sondern sie weist nur darauf hin. Die Kirche schafft nicht die Wahrheit. Die Wahrheit schuf die Kirche! Heute aber erlebt der katholische Denker eine Kirche, in der das Denken abgelehnt wird. Weil der Klerus in eine Atmosphäre führen will, die er selbst schafft. Und zu der er sogar zwingt. 

Das ist totalitär!

Alle, die nicht mit dem Geist des Papstes, mit der Atmosphäre, die er geschaffen hat, übereinstimmen, werden immer eingeschüchterter. Und warten wie furchtsame kleine Parteifunktionäre von Jahr zu Jahr mehr, welches Denkverbot mit einer jederzeit verkündbaren neuen Anweisung von oben kommen könnte. Noch nie (!) hatten deshalb päpstliche Verkündigungen dermaßen großes Gewicht wie heute.

Das hat zu Schizophrenie und immer unüberschaubareren, zahlreicheren De-facto-Schismen in der Kirche geführt. Denn da stehen auf der einen Seite jene, die an der modernen Atmosphäre festhalten, und auf der anderen Seite die, die nach den alten Regeln leben wollen, die die Kirche zwei Jahrtausende vertreten hat. 

Mit der unausbleiblichen Folge, daß diese Verwirrung auch den Papst selbst erfaßt, der diese Widersprüche zumindest ahnt, aber nicht mehr auflösen kann. Was er mit Leutseligkeit zu versöhnen bzw. zu überspielen trachtet. 

Ich kann Laien nur empfehlen, schreibt Richard Greenhorn abschließend, dieses Spiel nicht mitzuspielen. [...] Wir schulden den Päpsten Respekt. Sie aber schulden uns Kohärenz.

Ein kleiner Tip für die alltägliche Praxis: Stelle sich der Leser vor, er wäre Analphabet. Oder taubstumm. Oder beides. Dann versuche er sich vorzustellen, welche Rolle der Papst nun in seinem Glaubensleben spielte. Vielleicht findet er so eine Position, mit der es sich als Katholik leben läßt. Zu der er jedenfalls keine weiteren Enzykliken - schon gar nicht solche wie Laudato Si und Fratelli tutti - braucht. Und da gehen wir mit den Sichtweisen des Greenhorns völlig d'accord.


³In seinem Begriff vom "Wirken des Heiligen Geistes" hat Franziskus sogar explizit das Vernunftauflösende, das jede Widersprüchlichkeit in Atmosphäre, in Gefühl auflöst, zum expliziten Moment dieses Wirkens erhoben.

****Also sollte sich der Leser Fratelli Tutti einmal unter dem Gesichtspunkt des Inclusivismus lesen. Dann wird ihm der Aufruf zur Geschwisterlichkeit und Interreligiosität, den er dort findet, in ganz neuem Sinn aufscheinen.


*141020*
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Freitag, 6. November 2020

Wider Enzykliken (3)

Teil 3) Ein Paradigmenwechsel mit schweren Folgen


Diese Realität, die wir im Glauben bekennen, hat aber eine strenge Grammatik. Die besser zu hören dienen vor allem jene Grenzen, die das Papstamt setzte, indem es das ausschied, was sicher NICHT dazugehörte. Ansonsten aber konnte sich jeder innerhalb dieses Glaubensgutes bewegen, wie es ihm quasi beliebte.

Auf die Grenzen zu verzichten bedeutet aber etwas ganz Schwerwiegendes: Das Wissen um diese innere Grammatik der Wahrheit geht mit der Zeit verloren. Der nun einsetzende Versuch einer positivistischen Rekonstruktion durch Festlegung der Wahrheit in Wahrheitssätzen hat schwerwiegende Konsequenzen: Das Katholische wird von einem System der Freiheit und Weite zu einem System der beschränkten Ideologie.
Den Beweis für diese Einschätzung liefert das, was nach 1965 einsetzte: Der Wettstreit um die richtige Interpretation. Der sich auf einen Geist des Vatikanums berief, den zu unterscheiden nur für den wirklich Glaubenden möglich ist, sich aber einem (sozusagen) kommunikationellen Disput entzieht.

Weil ein Disput vor allem keine moralischen Kategorien kennt, die auf derselben Ebene wie er selber liegen. Das heißt, daß Glaubensfragen im Grunde auf logischer Ebene alleine (!) nicht zu entscheiden sind, wenngleich sie niemals unlogisch und widersprüchlich sein können. 

Dem Disput über theologische Fragen steht also jedes Tor offen, mißbraucht und Opfer von Äquivokation, Scheinlogik und der Lüge des Schizoiden zu werden. Dementsprechend blieb eines: Immer mehr wurde das Katholische überhaupt dem Irrationalen überantwortet. 

Erlaube der Leser einen Querverweis: Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht, hat die Entwicklung des "Wissens" (in der sich nun als solche formierenden "Wissenschaft") eine ganz analoge, parallele Entwicklung genommen! Auch hier wurde in ihrer kulturellen Bedeutung Wissenschaft zu einer Ideologieformulierung. Man sehe sich doch die gegenwärtigen Dispute um Klima und Corona, aber auch um Themen wie Schöpfung/Evolution oder Kosmologie an. 
Ja, die gesamte Bildung einer sogenannten Weltanschauung der Gegenwart unterliegt haargenau demselben Problem, das hier an der Kirche sichtbar gemacht wurde. Wir sehen hier dogmatische Konflikte, keine wissenschaftlichen Auseinandersetzungen.

Die Folge war eine immer vollständigere Aushebelung des individuellen Urteilsvermögens. Was denn nun katholisch sei, was zu tun und zu lassen sei, fiel zwar einerseits mehr und mehr in die Hand der Obrigkeit, denn es gab kein verbindliches Urteil mehr. Die Kirche, der Papst beanspruchte für sich lediglich noch, so wie jeder nur zu denken.

"Nach dem Zweiten Vatikanum," so Greenhorn, "sieht es ganz anders (als zuvor; Anm.) aus. Seit dem Konzil fungiert der Papst in seinen Enzykliken nicht als Herrscher oder Lehrer, sondern als Akademiker, der versucht, eine These zu unterstützen: Das Zweite Vatikanische Konzil. [...] 
Wann immer nun die Entscheidung ansteht, die Kirche oder die Konzilsväter zu zitieren, wählen die Päpste die Konzilsväter. Die vage, unbestimmte Autorität von Enzykliken ist hervorragend für die vage und widersprüchliche Natur der damaligen päpstlichen Lehre geeignet. Man merkt sofort, daß moderne Enzykliken nicht von Männern geschrieben wurden, die sich als Repräsentanten der Kirche verstehen. Das päpstliche "Nein" wird durch das "Ego" ersetzt."

"Das ist bereits bei Johannes Paul II. erkennbar, von dem so vieles geschrieben wurde, so Greenhorn weiter, das nichts als ein Versuch ist, die Lehre der Kirche in die kantische Ethik zu übertragen. Es gibt keinen Grund, dies außerhalb der intellektuellen Zufriedenheit zu versuchen. Die neunundneunzig Prozent der Katholiken, die keine Ahnung haben, was Kantsche Ethik bedeutet, haben weitgehend unlesbare und meist stumpfe Bücher vor sich liegen, die wenig oder gar keine Bekehrungskraft haben."

Aber die bisher schlimmste Form dieses Intellektualismus findet sich nun in den Enzykliken von Papst Franziskus. In seiner jüngsten Enzyklika findet sich schon rein gar nichts mehr, was sich in ein wirksames Gesetz oder sogar in ein umsetzbares moralisches Prinzip verwandeln ließe. Es ist einfach ein persönliches Grübeln darüber, wie sich der Papst gerne die Welt vorstellte. 

Er nimmt damit aber nicht mehr die Rolle eines Papstes ein. Das ist die Rolle eines Ideologen.

Sämtliche der letzten drei Päpste waren keine Führer mehr. Alle drei überwachten lediglich einen beispiellosen institutionellen Zusammenbruch. Sie waren schwache Führer und schlechte Gouverneure, die nicht führen wollten oder konnten. Stattdessen taten sie alles eine moralische Atmosphäre zu schaffen, in der sie nicht mehr als oberster Hirte weil Papst auftreten mußten. Die Päpste des 19. Jahrhunderts waren lange im Clinch mit dem Staat. Die Päpste unserer Zeit sind es mit ihrer eigenen Institution.

Selbstgefühl der Schwäche und Unterlegenheit - Das Katholische als Inklusivismus
 
Morgen Teil 4) Wie das Katholische zur Ideologie wurde
Aus einer Ideologie aber folgt Totalitarismus


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Mittwoch, 4. November 2020

Wider Enzykliken (1)

Die neueste Enzyklika von Papst Franziskus, "Fratelli Tutti", verstärkt den Eindruck, der einen angesichts der Kirche befallen muß, nämlich den der Erbärmlichkeit und Schwäche. Das schreibt der Amerikaner Richard Greenhorn in einem Artikel, der am Blog von William M. Briggs unter dem Titel "Against Papal Encyclicas - Gegen päpstliche Enzykliken" in diesen Wochen erschienen ist. 

Aber es ist nicht die Zuflucht zu irgendeinem - fremdverfaßten, damit nicht so deutlich der eigenen Verantwortung unterstehendem - Pejorativ, das den an kirchlichen Angelegenheiten noch Interessierten verlocken sollte, diese Ausführungen zu lesen. Sondern es ist die Gedankenlinie, die so bemerkenswert ist, daß sie dem VdZ die Wanderung in diese Bibliothek der Orientierungssuche inmitten einer verrückt gewordenen Welt wert ist. Der sie aufnimmt und in der respektlosen Art, die wir von ihm gewohnt sind, in sein Weiterspinnen einbindet.

Dabei schadet es nichts, sich die Anmerkungen von Greenhorn von vor einigen Wochen vor diesen, Fratelli tutti zum Anlaß nehmenden Gedanken zu Gemüte zu führen. Die unter dem vielsagenden Titel "Integralismus als Verzweiflungsakt des Liberalismus" erschienen sind. 

Das Greenhorn, das den Artikel verfaßt hat, meinte mit Integralismus, die aktuelle Diskussion in den USA, ob man nicht die Kirche (und überhaupt die Religionen) in eine Art von Mitspracherecht in der Politik ausstatten solle. An sich ist zwar die Verfassung der USA die einzige und erste, in der Kirche/Religion und Staat strikt getrennt sind (wir haben darüber hier, unter Bezug auf die Arbeiten von David Wemhoff, ausgiebig gehandelt), der Staat also eine rein weltliche, laizistische Angelegenheit ist. Das ist in der Praxis natürlich gar nicht möglich, weil Glaube und Religion immer eine Rolle, ja eine so große Rolle spielen, daß sie der Politik sogar Vorgaben macht, ja meint, machen zu MÜSSEN. 

Insofern geht es nun darum, der Kirche bzw. der Religion auch offiziell diese Rolle strukturell einzuräumen. Sie also in den Staat, in die Gesellschaft offiziell (wieder) zu integrieren. Denn bislang ist es möglich, und es wurde auch immer mehr der Fall, daß religiöse Motive bei Richterentscheidungen ausdrücklich auszuschließen und aus der Rechtsprechung herauszuhalten waren. Aber damit war die Mehrheit der Amerikaner so gar nicht zufrieden, und das ist ziemlich verständlich.

Wir sehen damit, daß dieser Integralismus nicht mehr als eine Spezialform dessen ist, was der VdZ mit Paul Hacker Inclusivismus nennt: Der Staat gibt von seiner Macht ab. Das heißt nicht weniger als daß man aus einer (vermeintlich) überlegenen Position heraus das Verlangen aufgibt, das öffentliche Bekenntnis zu einer hierarchischen Ordnung zu verlangen, in der man überlegen ist und großmütig zuläßt, daß die (in den eigenen Augen unterlegene) Position des anderen "auf Augenhöhe gestellt wird." 

Insoweit verschwimmen also die Begriffe, denn dieser Integralismus ist nicht nur Ausfluß des Liberalismus, er ist noch umfassender gedacht Inclusivismus. Und als solcher ist es bereits beschrieben, weshalb wir im weiteren Voranschreiten diesen Begriff verwenden werden. Weil er damit seine Aktualität besser vor Augen stellt.

Deshalb sehen wir uns verpflichtet, die Schrift von Paul Hacker, diesem großen deutschen Indologen (und die meisten Indologen von Weltruf sind interessanterweise Deutsche), zum Inclusivismus anzupreisen. Die dankenswerterweise von Gerhard Oberhammer 1983 herausgegeben und somit der Nachwelt zugängig wurde. 

Wo Hacker, der sich zeitlebens mit indischer Religion und Philosophie und Lebenswirklichkeit* befaßte aufgezeigt hat, daß die typisch indische Grundhaltung**, die wir gerne - aber irrtümlich! - als extrem tolerant und liebevoll (also liberal) einschätzen, aus einem Unterlegenheitskomplex geboren ist, den Indien über seine letzten tausend Jahre Geschichte kultiviert hat. In der es von lauter überlegenen Mächten bestimmt worden ist - vom Islam, vom Christentum und von der abendländischen Kultur, also dem Westen, in der Gestalt von Portugal, Frankreich, England, und zuletzt USA. 

Mit dem Grunderleben, daß das eigene Schicksal, das Weltschicksal immer noch von anderen Mächten bestimmt wird, OBWOHL Indien mittlerweile das einwohnerstärkste Land der Welt ist. Da wacht aber heute etwas auf. Wir sehen es in einer immer feindlicheren Haltung gegenüber dem Christentum. Und wir sehen es im Inclusivismus der Inder. Wer schon mit Indern zu tun hatte wird an deren ganz subtiler Arroganz erkennen, was der VdZ meint.

Inclusivismus ist, grob gesagt, eine Haltung, in der alles, was einem begegnet, mit einer stillen, nie wirklich explizit gemachten Theorie (die mehr eine Haltung, vor allem eine Behauptung einer Theorie, also mehr eine These denn eine durchgedachte Theorie ist) umfangen wird. Diese Behauptung lautet in etwa so, daß dieses einem begegnende Phänomen oder Theorie oder Philosophie oder Religion in der eigenen Theorie oder Philosophie oder Religion (oder in allem zusammen) längst enthalten ist. Deshalb ist man ihr DOCH überlegen. Auch wenn man das nicht durchsetzen (und schon gar nicht beweisen) kann.

Noch ein Gedanke soll wie eine Saite angeschlagen werden, auf daß im Kommenden ein Ton mitklingt, den der Leser hört, während er den Textgedanken folgt. Diese Integration, dieser Inclusivismus ist erst möglich geworden, weil die vordem unterlegene Seite dieser Trennung bewiesen hat, daß sie der überlegenen Seite nicht schadet. 
Das Wesen des Inclusivismus ist also auch, daß es der Unterlegene ist, der sich integriert. Obwohl er in Wahrheit meint, der Überlegene zu sein. 
Schwirrt Ihnen, werter Leser, nun der Kopf? Geduld. Es ist nicht so kompliziert. Es ist nur komplex, und nicht simpel. 

Nun haben wir endgültig das Bett des Flusses vorgegraben, in das sich die Gedanken des Greenhorns ergießen, dessen Ergüsse wir zum Anlaß weiterer Erörterung nehmen. So können wir die Richtung deutlicher machen, in die der Fluß des Wirklichen fließt. 

Auch hier geht es nämlich um Unterlegenheit, und einer daraus erwachsenen Beweis- und Behauptungshaltung, die aber von keiner Theorie wirklich getragen und zu tragen ist. Zu widersprüchlich, zu wirr sind die Wünsche, und um solche handelt es sich, die der Verfasser von Fratelli Tutti vorträgt. Schon gar, sieht man sie im Rahmen der katholischen Lehre, die seit zweitausend Jahren unverändert steht.


Morgen Teil 2) Der Kampf um Bedeutung und Autorität
- Was sich im Ersten und Zweiten Vatikanischen Konzil wirklich geändert hat


*Aus welchem Durchmessen des geistigen Raumes des Menschen er zu seinem äußerst empfehlenswerten Alters- und Weisheitswerk "Das ICH im Glauben bei Martin Luther" kam.

**In ihrer religiösen Form bezeichnen wir Westler diese Lebenshaltung gerne als "Hinduismus", und nennen sie "Weltreligion". Kaum etwas könnte verfehlter sein. Wir tun das, weil wir es so gewohnt sind, aber in Indien ist es völlig anders. Hacker kommt aus der intensiven Befassung mit dessen Religion zu dem Urteil, daß man von "einer" Religion gar nicht sprechen kann. Praktisch hat nämlich jedes Dorf, manchmal jede Familie eine ganz eigene Religion. Alleine die Zahl der Hauptgötter und deren Interpretationen, die wenigstens noch so halbwegs durchgängig sind, beläuft sich auf mehrere zehn-, wenn nicht hunderttausend. Und sie sind mit unseren Denkkategorien kaum zu ordnen. 

Was uns in Europa als "hinduistische Religion" oder "Weisheit der Veden" etc. etc. vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts begegnet, ist, und hier teils beachtlich reüssiert hat (man denke nur an die Beatles und den Run, den diese ausgelöst haben), ist durch bestimmte Figuren geprägt und vor allem gemacht, die uns mit einer Religion (oder Religionen) bekannt gemacht haben, die es so in Indien gar nicht gibt. Die eine regelrechte Erfindung ist, die von diesen Leitfiguren bereits durch das Scheidewasser europäischer Philosophie gemangelt wurde. Denn diese alle haben in Europa studiert. Somit ist es eine Illusion zu glauben, uns würde in diesen Heilslehren und -lehrern eine uralte indische Weisheitsreligion begegnen, geprägt von uralten Schriften, den Veden. Nichts wäre falscher!


*141020*
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Montag, 27. Juli 2020

Mehr Kinderlähmung, bitte!

Wir wollen uns gar nicht erst mit der Behauptung auseinandersetzen (der wir nicht wenig Glauben schenken), daß es keinem einzigen Impfstoffvertreter bisher gelungen ist ordnungsgemäß nachzuweisen, daß sein Impfstoff tatsächlich gegen die jene Krankheit schütze, gegen die zu schützen behauptet wird.

Wir wollen uns nur mit einem kleinen Streit auseinandersetzen, in dem versucht wird, einer Behauptung eines renommierten indischen Magazins, daß es einer Studie zahlreicher indischer Ärzte nach zwischen 2000 und 2017 496.000 Kinder gab, die von Kinderlähmungserscheinungen schwerstens geschädigt wurden. Schädigungen, die DURCH die von einer Gates-Stiftung oder einer mit dieser verbandelten Institution über Indien herniedergesenkt wurde. Es gibt strenge Indizien dafür!
Nicht irgendwo auf der Welt hat Polio selbst in so einem Zeitraum derartige Schäden bewirkt. Es gibt eine hoch signifikante Korrelation zwischen der Durchimpfungsaktivität mit dem Vaccin OPV und dauerhaften, schweren Krankheitssymptomen (Kinderlähmung) bei Kindern in Indien. 
Diese Symptome sind exakt in dem Maß gestiegen, wie die Durchimpfungsrate stieg. Der Grund, warum Indien seit 2014 (sic!) offiziell poliofrei ist, liegt also sehr sicher in ganz natürlichen Phänomenen, wie sie einen Epidemieverlauf kennzeichnen. Es kann keinen Grund mehr geben, aus egal welchen Gründen Impfungen aufrecht zu halten. Die 496.000 gelähmten Kinder sind ZUSÄTZLICH zum üblichen Epidemieverlauf und nur in Zusammenhang mit Impfungen gezählt worden.
Die Behauptung wurde natürlich häufig angegriffen und als übliche Verschwörungstheorie auf übliche Weise derangiert. Die Studie selbst freilich ... bleibt unwidersprochen.

***

Vielleicht Fake News und Erfindung, vielleicht aber auch nicht. Es betrifft die WHO (diesmal war es also nicht Bill Gates, wenngleich auch der diesbezüglich genug seltsame Äußerungen gemacht hat). Die schon lange und recht offen über die Kombination von Empfängnisverhütungs- (beziehungsweise Abtreibungs-) und (Tetanus-)Impfstoffen gesprochen hat. Nun wird behauptet, daß genau das in Kenia und auf den Philippinen seit den 1990er Jahren angewandt worden ist.

Die kenianische Bischofskonferenz hat sich seit Jahren deshalb echauffiert und die Einstellung dieser Programme gefordert. Die Kombination von Tetanusimpfstoffen mit Empfängnisverhütungsmitteln (eigentlich hier: Abtreibungsmitteln, denn der Körper der Frau reagiert auf die sich einnisten wollende, befruchtende Eizelle wie gegen einen Krankheitserreger) ist aber - wenn diese Behauptung denn wahr ist - bis heute schon millionenfach angewandt worden.

Denn es ist einerseits durch Untersuchungen und Feldanalysen (beziehungsweise der deutlich höheren Raten an Fehlgeburten bei geimpften Frauen) so naheliegend, daß man davon ausgehen könnte: Die WHO hat in Kenia und auf den Philippinen mit ihrer Tetanus-Impfkampagne, die sich vor allem an Frauen zwischen vierzehn und neunundvierzig Jahren wandte, die verdeckte Co-Anwendung von Empfängnisverhütung ausprobiert.

Aber es gibt auch gegenteilige Untersuchungsergebnisse, auch durch Analysen der Impfstoffe, die seit Auftauchen (sic!) dieser Behauptungen verwendet wurden, die das nicht bestätigen. Und so geht der Streit seit Jahren an. In der Folge hat die Bischofskonferenz den Frauen Kenias jedenfalls vorsorglich einmal abgeraten, sich an der Tetanus-Impfkampagne der WHO zu beteiligen.




*220720*

Dienstag, 2. Juni 2020

Gottseidank leben wir nicht in Indien

So mancher Leser wird sich vielleicht noch erinnern - die meisten werden es freilich schon vergessen haben, oder einfach schon damit leben, ohne es zu hinterfragen, weil man damit einfach aufgewachsen ist - wie vor etlichen Jahren der Wind der Aufregung durch den Digitaläther rauschte. Als die EU in ihrem unermüdlichen Bestreben, die Daten der Bürger dieses großartigen Rechtsraumes der Philanthropie zu schützen, die Anfertigung von digitalen Aufnahmen von Menschen, die dazu nicht ausdrücklich (und am besten schriftlich, mancher könnte es sich ja später noch anders überlegen) ihre Zustimmung gegeben hatten, zu verbieten. 

Millionen und Abermillionen sinnige wie (noch mehr) unsinnige Photos per Handy und Digitalkamera mit UltraLightZoom und SoftwashApp wurden dadurch verhindert. Und Millionen von Touristen, rüstige Omas, seriöse Ehepartner, oder einfach zoffengeile junge SocialMediaFreaks eilen seither mit Griffel und Schreibblock durch die touristisch frequentiertesten Gegenden des Abendlandes, um wegen ihrer Erinnerungsphotos, auf denen zufällig auch einige fremde Personen im Hinter- (oder, je nach Kunstfertigkeit, Vorder-)Grund keine teuren Prozesse zu riskieren. Sie alle tun es aber auch, weil sie den Datenschutz für eine ernstzunehmende Sache halten.
Vor allem bestand nach solchen Regelungen echter Bedarf im Volk. Man hörte es förmlich aus allen Wohnstuben und digitalen Keller-Digitalstudios klagen und ächzen: Regelt endlich dieses verdammte Tracking! Da könnte jemand, der mich gar nicht kennt, noch in fünfzehn Jahren rekonstruieren, daß ich am 34. Mai 2043 in Gockelstein am Blasenhuhn war! 
Und was erst, wenn die Gesichtserkennung weiter fortschreitet. Sich mit den Paßämtern kurzschließt, und so binnen Sekundenbruchteilen weiß, was ich mittags gegessen, am Vortag eingekauft, am Nachmittag verdaut habe, welcher Blutgruppe ich bin, welche Medikamente ich nehme (und deshalb an Krankheiten leide, denn die Röntgenbilder aus dem voll digitalisierten Labor sind für solche Zwecke ungeeignet, also: noch), was ich am Abend gepostet oder auf Google-Cloud hochgeladen habe, also denke und meine und sinne. 
Welche Bücher ich lese (also: kaufe, der Algorithmus darauf ist sehr niedrig gepolt), welche Gefahr ich also sein könnte und damit bin. Möglicherweise, werter Leser, möglicherweise? Ach, wir denken ja heute (siehe frühere Arbeiten an dieser Stelle) alle schon so wissenschaftlich und modern, weil wir ohne jede Höhenangst in Möglichkeiten herumturnen. Die dank der Segnungen akademisch getaufter Statistik (Inschallah!), welche uns dank Jahrzehnte dauernder Bildungswege (noch einmal: Inschallah!) in Fleisch und Blut übergegangen sind, zu soliden Gewißheiten, ja zu so sicher gewußtem "Wissen" geworden sind, daß wir das ruhigen Gewissens in dogmatisierter Form schlucken.
Sie, werter Leser oder Nicht-Leser, sehen das ja auch in ihrem sonstigen Digitalverkehr so. Klicksen in ihrem Windows Anwendungen-Bereich aus, was nur irgendwie Verfolgbarkeit verspricht, ducken sich unter Kameras in öffentlichen Räumen, verweigern Fingerprints im Reisepass, und feuern Studenten an, die sich in Megaprozesse mit Facebook und Google einlassen, in denen es um die unsittliche merkantile Verwendung zufällig abgegebener, aber umso eifriger eingesammelter Daten. Und nicht wenige wären jederzeit bereit, eine Petition zu unterschreiben, in denen dem MI6 oder dem amerikanischen Heimatschutz, der NSA, das Licht ausgeblasen (sprich: Der Geldhahn zugedreht) würde.

Worum ging es in diesem Photographierverbot der EU? Es ging um die Möglichkeit, daß aus digitalen Daten (wie es Photos heutiger Machart meist sind) die Personen ZU TRACKEN wären. Zu tracken. Das heißt: Es wäre verfolgbar, wo sich Personen jeweils aufhielten.

In diesem Punkt war mit den Datenschutzbeauftragen der Europäischen Gemeinschaften nicht zu spaßen. Denn die wußten, daß das Verfolgen des Aufenthalts einer Person (übers Handy, das bekanntlich jeder und immer bei sich trägt) die Mutter der Totalüberwachung der Menschheit ist. Von dort aus läßt sich alles, wirklich alles rund um eine Person rekonstruieren und vorhersagen. Der Aufenthaltsort einer Person ist deshalb so etwas wie eine Heilige Kuh des Datenschutzes. Mit Recht. Es ist der Schlüssel.

Wer das allerdings in der Retrospektive betrachtet und aktuelle Selbstverständlichkeiten ansieht, könnte sich wie im falschen Film fühlen. Denn da stimmt etwas nicht. Als eine der Konsequenzen der Corona-Krise wird nämlich nun von sämtlichen Regierungen der EU, was sage ich: der Welt!, mehr oder weniger brutal (wenn sanft, dann nur, weil es um so auszusehen geschminkt wird - man nennt das "making up") die Installierung eines Tracing- oder Tracking-App betrieben. Auch in unseren Ländern. Weil es jetzt um unsere Gesundheit geht. Das wußten ja die Datenbeauftragten von vor zwei Jahren nicht, daß es auch eine Gesundheit gibt. Die geht natürlich vor!

Was denn doch auf gewissen Widerstand stößt, wenn es Regierungen betreiben. Denn da hat es so manches "G'schmäckle", wie der Schwabe und seine oder sein_e - in oder _in oder *in oder _*innin gerne sagt. Das geht nicht!

Also sind die Politiker in unseren Ländern doch recht vorsichtig, und ihre Lügen oft noch höchster elegant, und ihr Lächeln doppelt besonders charmant, und ihre Beteuerungen zwar besonders unglaubwürdig, wir kennen unsere Pappenheimer ja, aber umso ehrlicher (und wie!) NEIN. Tracking? Niemals! Höchstens ... ja höchstens ... freiwillig. Gut, ja, dann geht es.

Herrschaften und Damsohlen: Das ist natürlich in jedem Fall gelogen. Und zwar völlig, vom Kopf bis zur Sohle sozusagen. Denn die machen das ohnehin nicht als "von der Regierung auferlegter Zwang". Wo kommen wir da hin! Wir wollen doch alle Freiheit, und noch einmal Freiheit. Besonders die Grünen. Die machen alles nur, wenn es freiwillig ist, wie der österreichische Vizekanzler Kogler, dieser edelste aller Ritter der Freiheit, doppelt glaubwürdig betont hat. 
Und natürlich versprach er (und sein Chef, der Kurz Wastel, dieser Liebling der Omis und Opis, umso heiliger), daß niemand jemals und überhaupt nie nicht und nie diese Daten MISZBRAUCHEN, also für falsche Zwecke einsetzen würde. Nie. Nie und nie. Klar, weil dann würden wir das nicht mögen. Klar, sagt den K & K, dann würden die Menschen das mit Recht nicht mögen, das sehen sie völlig ein, das würden sie auch nicht mögen. Nur bei einer Gefahr, klar, da schon. Und Gefahr heißt: Bei möglicher Gefahr. (Verdammt, schon wieder dieses Wort: Möglich ...)
Wenn überhaupt also dann nur, wenn es die Vernunft gebietet. Und das tut sie bei der tödlichen Corona-Gefahr auf jeden Fall. Denn man bedenke was wäre, wenn man jemanden mit Corona-Virus trifft ... nicht auszudenken! Und man meide vor allem jene falschen Fuffziger, die freundlich lächeln, aber dabei erst vor ein paar Minuten jemanden getroffen haben, der jemanden kennt, der mit jemandem bis auf einen Viertel Meter nahe war.

Der aber sogar von einem Corona-Virus noch innerhalb der Inkubationszeit gehört hatte (also: haben muß; nicht vergessen: Das Mögliche ist über die Häckselrolle der Wissenschaft gezogen das neue Sichere! Wahrscheinliches ersetzt das Ungewisse! Was für eine sichere Welt wir doch heute haben!), weil sein Großvater an Herzversagen samt begleitender Nierenembolie und erst kürzlich aufgebrochenem Lungenödem gestorben, aber als immerhin nicht auszuschließender, also möglicher, also zu konstatierender Corona-Toter exhumiert, und als solcher auch auf ausdrücklichen Wunsch der Angehörigen in Statistik und Geschichte einging, weil es dem faden Leben der Angehörigen wenigstens einen Hauch von Geschichtsbedeutung einflößt.

Nein, das wird die Regierung nicht einführen. Die wird nur die Freiwilligkeit scheinheilig betonen. Die wird auch das den Betrieben und Kaufhäusern und Grenzübertrittswünschen überlassen, die erledigen das wie von selbst. Wer zukünftig noch nach Buxtehude oder Paris einfliegen möchte, wird nicht anders können als sich mit so einem Kasterl samt installierter Corona-App ausweisen und legitimieren zu können. Kein Paar Schuh wird noch zum Anprobieren bereit stehen, kein Freibad noch Einlaß gewähren - ohne Ausweis der ganz aktuellen Freiheit von Corona-Risiken. 

Also wird sich jeder "freiwillig" diesen Deppenquark aufs Händi laden, und wie! Ist ja auch interessant, wenn es alle Augenblicke blinkt und quakt, wenn Leute vorbeigehen, und so ihren "Corona-Status" über Daten-Quick-Schaltung ohne noch daran zu denken bekanntgeben. Der bekannt und zumindest hochrechenbar ist (auch bei jenen, die gar kein Handy haben!), WEIL die Daten über die Aufenthaltsorte und die dort nahe oder nächst gewesenen Menschen das ermöglichen. 

Denn nur darum geht es in dieser Corona-App. Das nun sämtliche EU-Staaten zwar nicht aufdrücken, aber wärmstens anempfehlen. So anempfehlen, daß es im Grunde auf ein Diktieren hinausläuft. Das aber (wir haben das an anderer Stelle schon ausgeführt) wie von selbst über Drittanwender und Mittelsmänner - vulgo Sündenböcke - laufen wird.

Zwang wird es nur geben, wenn sich zu wenige freiwillig dafür entscheiden. Aber das kann man ja eine Zeit lang abwarten. Wie in Indien. Wo es auch freiwillig war. Und als sich innerhalb weniger Tage fünfzig der 1.350 Millionen Einwohner dazu entschieden, diese App, die so schön blinkt und leuchtet, sobald man in die Nähe menschlicher Ansiedelung kommt, herunterzuladen und auf "Install" zu drücken, sah die Welt für die Regierung auch noch rosig aus. Aber dann stagnierte das Ding.

Und es waren denn doch zu wenige, zumindest in kurzer Zeit. Weil diese App erst dann so richtig funzt, wenn man ein zuverlässiges Gesamtbild erhält. Und dazu braucht es einen bestimmten Prozentsatz an Nutzern, vulgo Usern, der sich bei ungefähr 60 bis 70 Prozent bewegt. Ab da bekommt man ein Bewegungsbild der GESAMTEN Bevölkerung, denn die Fehlenden, die Handy-Muffel oder Verschwörungstheoretiker mit Doppel-Datenvermeidungs-Schutz und Gummistiefel, die und deren Daten und Profile und Aufenthalte kann man dann locker und jederzeit rekonstruieren.

Also begann man erst verdeckt, dann immer offener, diese App zu fordern und zu erzwingen. Diese App, die die Bewegungsdaten erfaßt, auswertet und vor allem in Risikoquotienten zurück aufs Handy spielt, sodaß man jederzeit (wie bei einer Ampel, meinte der österreichische Gesundheitsminister treuherzig, und Ampeln, lieber Leser, die lieben wir doch wirklich alle, oder?) abschätzen kann, "welches Corona-Risiko" jemand birgt, der einem über den Weg läuft. Oder Eintritt in ein Konzert will. Oder um einen Termin am Amt ansucht. Oder ... ach, die Phantasie hat der Leser ja selber. 
(Kronen Zeitung) Kommt der Nutzer in die Nähe eines anderen App-Besitzers, tauschen sich automatisch Daten aus. Wird jemand positiv auf das Virus getestet, werden die Kontakte informiert. In Indien gibt es zusätzlich noch eine Einstufung in die Risikokategorien grün, orange und rot, basierend auf Selbstangaben zum Gesundheitszustand und der Reisegeschichte.
Heute ist es so, daß diese Zwangsmaßnahmen immer offener und unverschämter werden. Denn Indien braucht nicht fünfzig, Indien braucht eine Milliarde installierter Apps. Mindestens. Und da ist der Weg noch weit, schon gar, wenn man diese abscheuliche Lethargie der Inder berücksichtigt.

Na Gott sei Dank, daß wir nicht in Indien leben. Da würden wir ja völlig überwacht! Und das, bitte schön, das wollen wir wirklich nicht. Hauptsache bleibt doch wirklich, daß wir gesund sind.

Noch eine Freude ist aber zu verkünden. Eine Freude, die wir den Datenschützern dieser Welt verdanken. Die sich nicht so einfach von den Regierungen abspeisen lassen, Inschallah. Sondern die darauf bestehen, daß die Daten NUR FÜR GESUNDHEITSZWECKE ausgewertet werden dürfen. Dann freilich, dann, wenn die Regierungen DAS garantieren, und dazu muß noch einiges an Datenlecks gestopft werden - was sage ich: EINIGES!, VIELES! - dann darf man diese App aber schon mal nützen. Also freiwillig. Denn jeder, wie er will.

Und ich will keine Photos von mir. Bitte. Sonst komme ich mit EU-Bestimmungen. Denn sonst könnte man rekonstruieren, wo ich mich zu einem bestimmten Zeitpunkt aufgehalten habe. Was bei Photos, zumalen bei Erinnerungsphotos wildfremder Menschen, ja wirklich ein Unding ist.



*150520*

Dienstag, 21. April 2020

Und manches ist nun doch genug (3)

Teil 3)


Kann es somit sein, daß Jones selbst einem der amerikanischen Mythen auf den Leim geht, die von einer Machbarkeit ausgehen, die vom Logos der Welt überhaupt nicht gedeckt ist?! Die von einer realen, historischen Erfahrung ausgeht - ein Kontinent wurde durch lauter neue, wurzellose Zuwanderer besiedelt, ohne daß sich je daraus ein Volk gebildet hat, so daß der Staat das ist, als was er von Anfang an gedacht war: Eine Wirtschaftsunternehmung auf Zeit - die sich mit dem wahren Begriff von logos als der gottgewollten, inneren, ontologisch fundierten Grammatik von Staat und Volk gar nicht deckt? 

Diese Bezogenheit auf logos, als subjektive Moralleistung, sei es dann, so Jones, die die einzige Gegenkraft gegen die Kabale von Wirtschaftsbossen und Kapitalunternehmern bildet. Nur diese Klugheit wäre auch in der Lage, die Macht aus den Händen der Oligarchen zurückzuholen, und zwar in die Hand der Menschen. 

Was über den im Englischen völlig unzureichenden Begriff "people" - das Englische ist für die Philosophie ungeeignet weil unzureichend! - nicht zwischen "Leute" und "Volk" zu unterscheiden weiß, und in diesem Fall dramatisch fehl geht. Bei Jones bleibt sozusagen nur mehr so etwas wie ein Schüttelsäckchen übrig, mit ein paar Menschen darin.

Der VdZ muß - leider, denn er schätzt E. Michael Jones vielfach - hier seine Kritik an manchen seiner Positionen sogar verschärfen.** Denn so, wie Jones es hier darstellt, denkt niemand, der sich als Teil eines Volkes und eines Staates begriffen hat. So denkt jemand, der vielmehr von einem Staatsbegriff ausgeht, der mit Staat gar nichts zu tun hat, sondern dies lediglich als zufällige, vielleicht praktische Form der Selbstorganisation einer Ansammlung von Menschen (von Volk soll da gar nicht geredet werden) versteht. Die aber durchaus auch anders aussehen könnte. So denkt vielleicht aber ein typischer Amerikaner. Der so denkt (weil mit diesem Denken dorthin auswanderte), wie die Gründerväter der USA es von Anfang an verstanden haben - die den neu gegründeten "Staat" als Wirtschaftsunternehmung auffaßten. 

Und daraus dann den Begriff des Gemeinwohls als Sinn des Staates zur Gänze neu und im Grunde aufklärerisch definierten. Oder anders ... eben genau das gar nicht tun konnten, weil dieser Begriff an einen im logos, dem Wissen und Denken Gottes konstituierten Begriff von Volk, gebunden ist. Aber die Amerikaner SIND KEIN VOLK. Sie sind bestenfalls eine Ansammlung von vielen Völkern. Wer das nicht begreift, wird die USA niemals verstehen können. Selbst wenn er dort geboren ist.

Das Maß der Gerechtigkeit und "richtiger" Regierung bemißt sich nur in zweiter oder sogar dritter Linie aus dem subjektiven, moralischen Genügen der Repräsentanten, und nicht einmal aus ihrer "Tüchtigkeit". Die Frage der historischen Existenz eines Staates muß sich aus der objektiven Ordnung und Struktur beziehen, und diese wiederum braucht ihre Legitimierung in der Ordnung Gottes. Alles andere ist bestenfalls die "Struktur" einer Pirateninsel. Die auch nicht legitimer wird, weil der Oberhäuptling "tugendhaft-moralisch" lebt. Jones fordert somit die Quadratur des Kreises, nicht mehr und nicht weniger! 

Das Fragen um die USA muß wahrscheinlich um die Fragen gehen, die sich mit "Reich" befassen - nicht mit einem bloßen Perennieren des gegenwärtigen strukturellen, grundsätzlichen Zustands, der gelinde gesagt, einem Sauhaufen mehr gleicht als einem "Staat". Und weil der Föderalismus noch eine Menge von Reich "hat", daran erinnert, darauf zurückgeht, wird diese Frage in den USA nicht immer so virulent an der Oberfläche getragen. Aber sie muß gelöst werden, will die USA auf Dauer bestehen. 

Das einzige, was bei Jones somit als "Rezept" gegen die Lüge der Zeit und gegen den Kulturverfall übrig bleibt (und die Frage nach dem richtigen Leben ohne die Frage nach Volk und Kultur zu stellen ist sinnlos), ist eine Form von Puritanismus, von protestantischem Moralismus. Und das ist es ganz sicher nicht. Nicht für die USA, und nicht für das Drama um einen sogenannten Corona-Virus. Das alles bleibt sonst Stückwerk.




*Theologie ohne Glaube ist eine Aporie, ist unmöglich.


**Da muß sogar ein schwerwiegendes Mißverständnis von logos überhaupt vorliegen (weshalb der VdZ auf die Lektüre des soeben erschienen neuesten Buches von Jones schon gespannt ist.)



*170420*

Montag, 20. April 2020

Und manches ist nun doch genug (2)

Teil 2) 


Die Antwort darauf kann nur eine Tugend geben - die Tugend der Klugheit, sagt E. Michael Jones. Als die Fähigkeit die Wahrheit zu erkennen, und danach zu handeln. Sie ist jedem Menschen zugängig, der frei ist. 

Spätestens hier aber muß der VdZ Jones widersprechen, sogar scharf widersprechen. Denn Jones sieht in dem universal, also jedem Menschen gleichermaßen zugängigen logos (als der inneren Grammatik, der Zielrichtung, dem Sinn und damit der Wirklichkeit und Realitätskraft der Schöpfung) die "Grundlage der repräsentativen Regierungsform". Jones tut also hier nichts anderes, als die Legitimität einer Regierung von ihrer Fähigkeit abhängig zu machen, "klug", also der Wahrheit gemäß "zu handeln". 

Damit, so Jones, disqualifizieren sich auch Regierungsbeauftragte oder -repräsentanten, die wie der (weibliche) Gouverneur von Michigan (als Lesbierin) homosexuell sind. Zwar stimmt es, daß Menschen mit gleichgeschlechtlichem Lebensstil (Frauen und Männer auf je eigene Weise) für Führungspositionen ungeeignet sind. Denn sie sind nicht in der Lage, subjektive Gestimmtheiten zu überwinden, ja ihre gesamte Lebenshaltung ist mehr oder weniger ausschließlich mit Rechtfertigungsgesten gegenüber der objektiven Wirklichkeit und Wahrheit beschäftigt. 

Aber die Legitimität von Regierungen beziehungsweise deren Vertreter bemißt sich nicht aus dem Tugendgrad! Das hieße, jede Form von Amt als Moment objektiver Ordnung (als "Ort") zu leugnen, und alles in der faktischen Person zu verankern! Weil, so Jones, ihre Lasterhaftigkeit jeden Zugang zum logos, also der inneren Grammatik der Welt und Wirklichkeit (und damit zur Natur der Dinge, sohin letztendlich zum Willen Gottes) blockiert. 

Die Lösung kann aber nicht darin liegen, daß deshalb - wie soll das auch praktisch geschehen? in einer öffentlichen Moralprüfung anstelle einer Wahl? - nur jemand mit hohem Tugendgrad zu hohen Staatsämtern (etc.) zugelassen wird.
Vielmehr muß also die Qualität einer Regierung in der objektiven amtlichen Struktur festgelegt sein, will man nicht auf eine Lösung ausweichen, die da heißt ... Diktatur. Nur in der Diktatur ist die persönliche Qualität des Herrschenden von Bedeutung, ja ausschlaggebend. 
Ein Regierender kann und darf in jeder anderen Regierungs- und Staatsform gar nicht so viel Handlungsermächtigung und Spielraum haben, daß das wesenhafte Schicksal eines Landes von ihm persönlich abhängt.
Vielmehr muß er sich selbst und muß er von anderen als Platzhalter der letzten, alles umfassenden Macht sehen bzw. gesehen werden. Dieses Korrektiv kann diesen Statthalter auch wieder abberufen, absetzen quasi, wenn er den Kriterien der absoluten Ordnung nicht entspricht. Wenn die Kirche diese Aufgabe nicht übernimmt - in einer christlichen Kultur! - entsteht eine nicht mehr zu regelnde Diskussion über die absoluten Dinge, die in immer (!) unvereinbaren subjektiven Überzeugungen und damit Bürgerkrieg endet.*
Oder wie soll sonst die Legitimität einer gewählten Person entstehen, wenn icht aus dem Absoluten heraus, aus dem auch jeder Einzelne lebt? DOCH durch die Wahl des Volkes? Nach welchen Kriterien ist dann "richtig" oder "falsch" zu beurteilen? Nach dem subjektiven moralischen Leben des Gewählten? Legitimiert das, beziehungsweise der Grad der "Heiligkeit", auch schon vor dem Absoluten, also vor Gott?

Thomas von Aquin war jedenfalls nicht dieser Meinung. Abgesehen von der Schwierigkeit, wie sich Heiligkeit ohne zuvor bestehenden Ort definiert, also: Heiligung DURCH das Amt, fast gleichgültig, wie tauglich jemand ist. Ja, gerade in dieser Untauglichkeit dennoch erwählt zu werden ist jenes Tor, durch das sich Heiligkeit als Einbruch vom Absoluten her - dem der Mensch "Platz macht" - konstituieren kann. Der selige Karl von Österreich ist dafür ein Beispiel.

Wie soll sich Legitimität (und das ist das Kriterium der Gottgefälligkeit; nicht irgendwelche moralisch-moralistischen Leistungen), die nur als Legitimierung im und durch das Absolute (Kirche) denkbar ist, wo das Amt sich also verdankt, in einer Demokratie ergeben? Hat nicht Engelbert Dollfuß - der heute nicht gerade geschätzt wird - als einziger einen gangbaren Weg gesucht, der nämlich darum weiß, daß diese Demokratie immer nur Übergangsform, einer funktionalen Konkursverwaltung vergleichbar, von einer Monarchie zur anderen ist.

Wir haben es hier mit der Schwäche der Demokratie in der amerikanischen (und natürlich auch der europäischen) Form zu tun, das ist das Geheimnis der Aporie. Wo mangels objektiver Ordnung - die nicht auf das Gemeinwohl abzielt, sondern jedes Mal neu definiert werden muß, zumindest fordert Jones das von einer Regierung - der Weg eines Volkes, eines Landes IN TOTO von den jeweils regierenden Personen abhängt. Und zwar TOTAL, ich wiederhole mich. Und Total ist nicht zufälliger Anklang an Totalitarismus.


Morgen Teil 3)



*Formal/-ell greift dieses Konzept "Nation" auf das aufklärerische Konzept des "Contract sociale - Gesellschaftsvertrag" (lies nach bei Rousseau) zurück. Wo sich Bürger per Willenserklärung zusammenschließen. Was uns meist nicht bewußt ist, daß Amerikas Unabhängigkeit von England direktes Vorbild für die französische Revolution war! Thomas Jefferson unternahm in den Jahren vor 1789 - auf Einladung - mehrere Vortragsreisen in Frankreich. Das amerikanische Vorbild war die Blaupause für Frankreich.

Dieses Konzept, das ja keinesfalls neu ist, sondern im Grunde auf das Gründungskonzept der Marken (Österreich, Brandenburg, etc.) im 10. Jahrhundert zurückgreift, sieht Gesetz (Vertrag) auf Land bezogen. Wer immer dieses Land betritt tritt diesem Vertrag, diesem Gesetzeswerk bei. Der Mensch ist in diesem Konzept austauschbar. Der Vertrag löscht das Gemeinwohl als Staats- und Volksprinzip auf. So nebenbei: Das ist die Grundlage des Kapitalismus. Sie ist identisch mit der moralischen Grundlage für Sklaverei.

Das ist zudem eine Weiterführung des Königskonzepts als politischen Faktor. (Denn eigentlich heißt Königtum: Allem übergeordnete Macht, aber keine Politik!) Wo der König alle Machtbereiche hat und politisch damit agiert, die NICHT jemandes Eigentum sind. Dazu gehören "neutrale" Plätze, wie Märkte, überregionale Straßen, Straßenkreuzungen, und bald auch Städtegründungen als Gegenmacht zum paternalen, familialen Organisationsprinzip von Volk und Staat. 

Dazu gehört aber natürlich auch Feindesland, Eroberungen, oder (wie in den USA mit seiner Landnahme) Land, auf das niemand direkt Eigentumsanspruch erhebt. In jedem Fall folgt daraus Zentralismus.




*170420*

Sonntag, 19. April 2020

Und manches ist nun doch genug (1)

Uns Sozialstaats-Fettgefressenen und -Verblödeten ist nicht klar, was dieser Total-Lockdown, dieser totale, staatlich verordnete Schluß, jede soziale Tätigkeit zu unterlassen, für manche Länder und Völker heißt. Wie die Inder. Millionen von Menschen haben keine Möglichkeit mehr, zu überleben! Als Ministerpräsident Narendra Modi bekanntgab, daß der totale Lockdown verlängert werden solle, kam es zu Unruhen.

Hunderttausende in Bombay und anderen Riesenstädten gingen auf die Straße, um zu protestieren. Um den "Corona-Virus" einzudämmen, nimmt man seitens der Obrigkeit offenbar in Kauf, Millionen Mitbürger zu Tode hungern zu lassen, damit nicht Corona-Tote" auf der Statistikseite der WHO aufscheinen. Die Absurdität ist zwar in unseren Ländern nicht geringer, hier aber sind die Schuldenmechanismen (pardon, man nennt das "Bildung") besser ausgebaut und jeder Private hat die Möglichkeit, sich noch weiter und weiter zu verschulden. Das ist in Indien, wo immer noch ein riesiger Anteil der 1,4 Milliarden Einwohner nicht einmal ein Konto hat, natürlich nicht möglich.

So nebenbei sei angemerkt, daß UNSER Lockdown ja auch für diese Länder große Auswirkungen hat. Denn mit einem Mal sind Zulieferungen aus diesen Ländern, die wir zuvor zu abhängigen Lohnsklaven gemacht haben, die uns liefern sollen, so kurzfristig und so billig wie möglich, ohne jede Rücksicherung natürlich, nicht mehr möglich, beziehungsweise ist die Nachfrage einfach ausgefallen.
Wie sagt dann der Liberale? Selber schuld.
Zwar haben bei uns diese "Maßnahmen", mit denen "Leben gerettet" werden soll, "koste es was es wolle"!, auch wenn gar keine Leben zu retten sind, also einfach als Schnuckelschnutz-Girlande am lächerlichen Trottelleben der Eliten, auf den ersten Blick zumindest nicht diese existentielle Dimension. Doch sind die Protestversuche einiger Dutzender (oder meinetwegen, sollen es ein paar hundert Bürger gewesen sein) in einigen wenigen Städten Deutschlands und Amerikas, um diesen aberwitzigen, vollkommen sinnlosen Totalschluß des Lebens endlich abzuschütteln, wertzuschätzen. 

Und als Platzhalter für viele viele Bürger zu sehen, die entweder den Mut nicht haben, dasselbe zu tun, obwohl sie inhaltlich derselben Meinung wären, oder deren Gefühl für Freiheit bereits so der Gleichschaltung zufolge niedergebügelt wurde, daß die Tatsache zu wenig Motivkraft entwickelt, daß gegen alle unsere Grundgesetze der Staat in der Gestalt von wahnsinnig gewordenen Politikern willkürt, als wären wir in wildesten Geschichtszeiten von Totalitarismus.

Erst wird uns über Jahrzehnte regelrecht eingeprügelt, daß es höchste Menschenpflicht ist, sich und sein Leben zu überregionalisieren, zu entwurzeln gar, ja zu globalisieren, um dann plötzlich festzustellen, daß der Staat wie eine Gluckhenne für die intimsten physiologischen Bedürfnisse zuständig ist, und deshalb "die Pflicht" hat, das gesamte persönliche, ja intimste Leben, bis hin zu Verwandtenbesuche und Altenfürsorge, mit einem Federstrich ZU UNTERSAGEN. 
Es reicht. Es reicht nun nicht nur vielen bei uns. Es reicht ganzen Völkern und Völkergemeinschaften. Mit Völkern, die noch nicht - so wie wir in unseren unnatürlichen Länderkonstrukten - völlig gehirngewaschen und jeder Menschenbasis beraubt wurden, sondern die noch genug Natursubstanz haben, um das Wesentliche des Menschseins nicht einfach so und per Willkürerlässen abstellen zu lassen. 
Die Rolle, die die Kirche in diesem unwürdigen Spiel einnimmt, ist, so E. Michael Jones in diesem dramatischen Aufruf, so unsäglich, daß man es kaum zu nennen wagt. Kirchenvertreter wagen es doch tatsächlich - gegen jede katholische Lehre und Sichtweise! - jeden Widerstand gegen staatliche Maßnahmen, vor allem aber jeden Widerspruch gegen "wissenschaftliche Evidenz", zur Sünde gegen die Menschlichkeit zu erklären! Das ist unerhört. Das ist unglaublich. Das ist eine Selbstverfluchung von Teilen des Klerus vor dem Antlitz Christi, die in der Geschichte ihresgleichen sucht. 

Und es stockt einem der Atem! Es stockt einem der Atem, solchen Irrsinn zu hören und ertragen zu müssen, daß er als "Katholizität" ausgegeben wird. Es stockt einem der Atem, diese 
VERNUNFTWIDRIGE TYRANNEI DER WISSENSCHAFT, DIE GANZE KULTUREN UND GANZE VÖLKER INS VERDERBEN REISST, 
auch noch zum kirchlichen Gebot erhoben zu sehen. Weil ethische Verantwortung sich aus den Aussagen "der Wissenschaft" ergebe. Wer diesen ganzen Zirkus rund um den Corona-Virus so halbwegs sachorientiert verfolgt hat, kann und muß hier nur noch den Kopf schütteln, wenn nicht die Fäuste im Sack ballen: Was für Wissenschaft? Was für Unsinn? Was für Widersprüchlichkeit? Was für Aussagen sind überhaupt "wissenschaftlich"? Und nicht zuletzt: Was für ein Staat weil was für Gesetze?

Dies von einem Klerus gesagt, der offenbar nicht mehr in der Lage ist, der schlimmer noch: die persönliche Basis für ein solches Verstehen* gar nicht mehr hat (denn darum geht es in Wirklichkeit), das Katholische überhaupt auch nur zu denken. 
SO GEHT ES NICHT MEHR LÄNGER WEITER.
Sind wir überhaupt in der Lage, die Folgen dieser "ethischen Entscheidung" - erste Hochrechnungen in den USA tauchen auf, die dort von bis zu sechzig Millionen Arbeitslosen ALS FOLGE DES CORONA-SHUTDOWN sprechen, gar nicht zu reden von den psycho-sozialen, ja medizinischen Folgen solcher Totalradierung eines gesellschaftlichen Gesamtlebens; diese Folgen werden sich nun progressiv, also in einem Tag für Tag gesteigertem Tempo entwickeln, das ist uns noch gar nicht klar! 

Was meinen solche Stimmen (wie die von Pater White, offenbsar maßgeblich genug, um von Jones im Video zitiert zu werden) aber überhaupt? Mißbrauchen sie nicht abstrakte Begriffe wie "Staat", um sie jeder beliebigen Situation überzustülpen? Was ist mit Staat in den USA gemeint? Jener Staat, in dem Figuren wie Bill Gates so viel Macht akkumuliert hat, daß er (übrigens: ein Studienabbrecher) "im Namen der Wissenschaft" die repräsentative Regierung quasi außer Kraft setzt und die reale Kontrolle "kraft besseren Wissens" zu übernehmen beansprucht? 

Und katholische Stimmen wie eben dieser Pater White verlangen, im Namen des "höheren Gutes", eines angesichts der "Bedrohung" notwendigerweise "geschlossenen, einigen Staates", jede Kritik zu unterdrücken. Weil das in dieser historischen Situation, wenn auch gegen ewige Prinzipien stehend, "unethisch" sei. So daß jeder, der einfach keine wirkliche Bedrohung durch den Corona-Virus sehen kann, zu weichen habe. Wenn der auch keineswegs "gegen" die Wissenschaft steht, sondern sich sogar genau auf deren Prinzipien beruft. 

Ist es also tatsächlich moralisch geboten, im Namen dieser notwendigen Konzentration der Kräfte "des Staates" (was heißt: der "wahrhaftig weil ethisch richtig Wissenden" gegen alle sonstigen Wissenden, so ungefähr, so verwirrend überhaupt) jede Kritik zu unterlassen, weil Verwandte und Familienmitglieder "zu Tausenden" sterben.

Nun, was aber, wenn diese Tausenden NICHT sterben? Wenn es diese ABERMILLIONEN CORONA-KRANKEN gar nicht gibt? Siehe diese Stellungnahme eines Hamburger Pathologen: "Ich habe noch keinen einzigen Corona-Toten gesehen!" Und erst in diesen Tagen hat der VdZ das erste mal von jemandem gehört, daß er von jemandem gehört habe, daß der jemanden kenne, der jemanden kenne, der als 60jähriger an Corona erkrankt sei, "und das sei wirklich eine schwere Erkrankung."

Was insofern bemerkenswert ist, als sich mathematisch zeigen läßt, daß sich alle Bewohner der Erde über sieben oder acht Ebenen persönlich "kennen". Sodaß der VdZ kurz mal an die Möglichkeit dachte, daß es vielleicht nur einen, oder fünf, oder siebenunddreißig Corona-Kranke weltweit überhaupt geben könnte, um "eine Pandemie" zu erkennen.

Ebenfalls in diesen Tagen hat die New York Post berichtet, daß willkürlich tausende Tote auf die Listen der "Corona-Toten" gesetzt worden sind - obwohl die mit Corona nicht das Geringste zu tun haben, aber jemanden kannten der jemanden kannte ... und sich deshalb angesteckt haben könnten, was mangels Obduktion nicht mehr evaluiert werden kann, was dennoch reicht, um in die Kategorie Corona-Opfer zu fallen.

Oder was ist von einem Senator zu halten, der erzählt, daß er selbst Zeuge von Vorgängen ist, offiziell Tote "mit Covid19 zugeschriebenen Symptomen" dem Virus in der Statistikmeldung zuzurechnen, obwohl nie festgestellt wurde, ob er diesen Virus überhaupt getragen hat? 

Wir sehen hier nur die Spitze eines Eisbergs einer scheinbar von manchen Kräften gewollten Pandemie-Hysterie. Warum? Es kann nur eine Erklärung geben: Weil man über solch eine Hysterie die Menschen ganz leicht kontrollieren kann. Und was wir derzeit in unseren Ländern erleben, bestätigt doch genau das! Den Menschen hier ist "wegen der Gesundheit" nicht einmal mehr wichtig, ob Regierungsmaßnahmen mit den Gesetzen übereinstimmen. Diese Gesundheitsbedrohung aber ist ... nicht real. Wissenschaftlich nicht real! Sie ist allerbestenfalls eine subjektive Mutmaßung.

Eine Reihe von Fragen wird in dieser seltsamen Situation virulent. Denn es geht offenbar um einen Machtkampf, wo wie in einem Putsch versucht wird, die Staatsmacht zu brechen und zu übernehmen. In der Corona-Krise zeigt sich die Natur dieses Kampfes, als der Kampf des Staates gegen eine von bestimmten Kräften instrumentalisierte Wissenschaft. Die in jahrzehntelanger, orchestrierter, zielbewußter "publizistischer Arbeit" für den (medienabhängig gemachten*) Menschen der Gegenwart als einzig relevante Stelle der Definition von Wahrheit und Wirklichkeit, sowie der Vorgabe der Kriterien von Bildung (und damit dem Zugriff auf Generationen) etabliert wurde. 

Wer spricht heute noch für den Staat? Donald Trump? Oder nicht doch Bill Gates mit seinen über enorme Kapital- und Medienmacht gesteuerten Organisationen, sowie all den von ihm indirekt gesteuerten Institutionen?** Dessen Mund schon in der Stellung eingefroren erscheint, in der er "vaccination" von neun Milliarden Menschen ausspricht, als spräche er von "gasation". Wer spricht für die Wissenschaft? (Hier eine Stellungnahme eines Biologen zur "Gates-Vaccination" in der Coronakrise. Eines Biologen, der nicht einmal "Impfgegner" ist.)

Sind das Politiker und vielfach politisch verstrickte Agitateure, die Tag für Tag die Panik eines bevorstehenden Weltuntergangs verbreiten, oder seriöse Wissenschaftler, die um die Begrenztheit ihres Faches wissen, und die verkünden, daß diese Pandemie "vorüber" ist und keinerlei drakonische Maßnahmen erfordert? 

Morgen Teil 2)

*In der Unsäglichkeit dieser Quarantäne, in der zu leben wir verhaftet sind, mehren sich prompt schon Stimmen die allen Ernstes meinen, daß doch diese gegenwärtige Erfahrung zeige, daß ein soziales Leben NUR DURCH SOZIALE MEDIEN vollumfänglich MÖGLICH wäre. Und der VdZ kennt Menschen, die Menschen kennen, die erzählt haben, daß die mediale Erfahrung der per Video-Lifeübertragung "konsumierten" Messen und Liturgien der realen Erfahrung sogar überlegen sei. Da macht es Staunen, daß sogar der Papst eine dringende Ermahnung ausgesprochen hat, genau dies nicht zuzulassen: Eine Virtualisierung der Liturgie- weil Kulterfahrung.

**Hier zeigt sich ein Elend des Kapitalismus. Der Geld=Macht=Einfluß durch die der Kapital=Zinsmechanik eigenen Konzentration  (die menschliche, damit immer irgendwo unwägbare Aktivität der Arbeit und des Wirtschaftens wird der unmenschlichen Zwangslogik der Mathematik der Zinsrechnung unterworfen) produziert, ohne es an Gemeinwohl und absolute Moralkriterien zu binden. Geld ist aber neutral. 

Damit haben wir die katastrophale Situation, daß wir Menschen mit enormem Einfluß - siehe Bill Gates - haben, die ihr Geld=Macht auf Bereiche wenden, die sachlich gesehen eine Katastrophe sind. Wir haben es - sogar WEGEN dieser Machtfiguren - mit einer schrecklichen, wirklich schrecklichen Misformation von Leitbildern zu tun, die aber jene Leitbilder sind, nach denen auszustrecken wesentliches Merkmal des Menschseins ist. Aber sich wie bei Bill Gates nach völlig falschen Leitbildern ausstrecken.

Schon deshalb muß eine Regierung die Macht von Geld einschränken. Auf das, was es bedeutet, Geld zu haben - ohne entsprechende moralische, geistige Qualifikation ist das für jede Gesellschaft regelrecht verhängnisvoll. Es gibt kaum schlechtere Faktoren einer Gesellschaft - das ist sogar in engstem sozialem Umfeld bemerkbar! und zwar von jedem, der heute Menschen "mit Geld" kennt - als ungebildete Geldbesitzer.  

Nicht nur, aber gerade auch in der Endphase der Monarchie sind hier schreckliche Fehlentwicklungen - mit Langfristwirkung - geschehen. Wo die Habsburger aus ihrer notorischen Geldnot heraus eine völlig verfehlte Elitenbildung in die Wege geleitet haben. Etwa durch absurde Erhebungen von Neureichen in den Adelsstand. Was aber seit der Spätphase des Mittelalters (was sich in die/der Renaissance dann endgültig entladen hat) Usus war, und unsere Gesellschaftsordnungen zertrümmert hat!



*170420*

Sonntag, 13. Oktober 2019

Kaschmirische Widersprüche (2)

Teil 2)



Diese neu aufgebrochenen, von außen hereingetragenen Identitätsfragen seien also das Problem, das der Liberalismus, für den Kaschmir so berühmt gewesen sei, gar nicht gekannt hätte. "Die Rechten" seien die Übeltäter. Das Rezept für Frieden heiße aber Liberalismus!

Den (gar nicht so seltsamerweise) auch China stark unterstützt. Recht wahrscheinlich, weil es ähnliche Probleme in seinem eigenen Land befürchtet, der Konflikt mit den Uiguren im Nordwesten des Landes schwelt ja auch schon seit langem, und Peking hat ihn bisher mit viel Gewalt niederzuhalten versucht. Mit dieser Segregation aber sei plötzlich Kaschmir massiv in den Fokus Pekings geraten, das eine Ansteckung mit Identitätsfragen befürchtet.

Denn der chinesisch-kommunistische Weg hat bekanntlich eine Eigenschaft, wie jeder Kommunismus übrigens: Er macht alle Menschen "gleich", und das heißt: Er nichtet alle Menschen gleichermaßen, indem er ihre Gestalt für irrelevant erklärt und sich auf die alle angeblich wirklich einende weil gleich machende, eine bloße (und immer selektive, hierarchisch gestufte, das noch dazu) Funktionalität, bezieht. Dann, zu konturlosen Pfützen entformt, kommen Konflikte gar nicht mehr auf, solange Reisportion und Fernsehprogramm stimmen. Nimmt es da Wunder, wenn man feststellt, daß die USA diese Haltung Chinas prinzipiell mitträgt?

Der Grund also, warum der VdZ hier auf diese Sache eingeht, liegt auf der Hand. In der "Szene der Kritiker", die sich gegen alles und jedes wenden, oft mit sehr viel Recht sogar, bestehen nicht einfach nur Widersprüche, die zeigen, daß es nirgendwo (und schon gar nicht bei sogenannten Rechten, als der Corbett von vielen gesehen wird) eine wirklich durchgedachte Basis der Weltanschauung und Philosophie gibt. Sie transportieren sogar wie trojanische Pferde alle nur eine Botschaft: Die des Liberalismus. Und befestigen damit jene großen Mauern, die sie gefangen halten, und die sie ignorieren, weil ihnen die kleinen Randsteine der Kunstbeete reichen, um ihre archetypischen Scheinspiele um Wahrheit und Gerechtigkeit auszutragen.

Nur aber, wenn man weiß, wie der Mensch ist, und das heißt, wenn man weiß, wie er sein will (weil soll) kann man ohne Widerspruch (wenn auch nicht immer ohne Paradox) beurteilen, was richtig und was falsch, was dem Menschen förderlich und was diesen schädigend ist. Gerade die Rechte aber zeichnet sich dadurch aus, daß sie einem Menschenbild anhängt, das (weil falsch) auf denselben Prinzipien basiert wie ihre großen Gegner, die Linken. Dadurch wird ihnen Identität tatsächlich bestenfalls zum ideologisch-positivistischen Bild, in dem sich die Rolle der Religion zur romantischen "Notwendigkeit" reduziert, bestenfalls. 

Aber der Mensch beginnt bei der Religion, nur diese vermag jene Wertematrix zu nähren, auf der alles weitere Denken, Fühlen und Urteilen aufbaut. Hier zu tun, als sei es gut und wünschenswert, alle Religionen "gleichberechtigt" anzusehen, und im übrigen irrelevant für Angelegenheiten wie Frieden und Wohlstand, ist eigentlich Ausweis eines Dachschadens größeren Ausmaßes, durch den es permanent reinregnet. Das Problem unterschiedlicher Religion mag eine Zeit lang durch Ignoranz und einer gleichgültigen Haltung zu einem "Na, geht doch so wunderbar miteinander?!" abgeschmolzen werden.

An diesem Irrtum eines universalistischen, quasi wurzellosen, allgemeinen religiösen Irgendwas der supertollen Menschen ist selbst Mahatma Gandhi gescheitert, der das Auseinanderbrechen Indiens entlang der religiösen Linien (im Westen Pakistan, im Osten Bangladesch) nicht verhindern konnte. Nicht, weil die alle so böse waren, sondern weil er sich gemäß dem indischen "Inklusivismus" (siehe Paul Hackers großartige Arbeiten dazu) irrte. Weil er sich und die Tatsache verkannte, daß Inklusivismus keine besonders demütige, sondern im Gegenteil, eine besonders hochmütige Haltung ist. Nebenbei gesagt: Die Moslems hatten es im hinduistisch dominierten Indien alles andere als leicht. Moslem war jahrhundertelang mit Sklave identisch. Er stand sogar unterhalb der untersten Hindu-Kaste (Hindu=Religion der Inder, das heißt keine erfaßbare Gesamtreligion, sondern tausende spezifische Religionen, oft von Dorf zu Dorf verschieden, mit Millionen von Göttern) der der 'Unberührbaren', weil er gar nicht zur Gesellschaft dazugehörte. Hochmut ist eben die Überlegenheitsgeste des Unterlegenen.

Aber nicht lange funktioniert so eine Gleichmacherei, die eine Nichtung des Individuellen ist. Und Individuelles ist der einzige Zugang des Menschen zum logos. Der in jedem Menschen lebt, dessen Anruf jeder spürt. Jeder. Immer. Als Quelle des Lebens. In dem Moment, wo sich dieses wirkliche Leben wieder regt weil regen gelassen wird - und das regt sich, immer, auch nach langer Zeit, wie ein Same, der lange Zeit wie tot wirken mag, und dann doch, bei Regen, wieder austreibt - wird sie höchst relevant. Und eiderdautz - sogar unduldsam. Und so gar nicht "liberal", so gar nicht "tolerant". Wenn sich in Indien, nach Jahrhunderten, ja oft Jahrtausenden Absinken auf einen Elendsstatus, wieder Religion erhebt, muß man das also zuerst einmal freudig begrüßen! Das liberale (in Wahrheit diabolische weil zerstörerische) Geschwafel von "Religionsfreiheit" und "gleichberechtigte Religionen" als Gesellschafts- und Friedensprinzip auf jeden Fall nicht.

Aber ohne Grundreligiosität hat es auch keinen Sinn, die Menschen zur Vernunft zu führen - zum Katholizismus. Und nichts sonst kann eine dauerhafte, "nachhaltige" Kultur aufbauen, denn jede, wirklich jede "Religion" hat letztlich einen kapitalen Irrtum, der durch psychogene Elemente zugeflickt wird. Sie wird deshalb zwangsläufig zur Ideologie, die nach und nach die gesamte Religion durchwuchert wie Krebs. Nur der Katholizismus hat das nicht, zumindest im Prinzip, weil er auf der Wahrheit beruht, nicht auf Psychogenese, und damit katholisch (allumfassend) offen ist.

Im Einzelnen hat liberale Kritik (und so gut wie alles, was sich heute als "Kritik im Netz" zeigt, hat den Ideengrund des Liberalen) manchmal Recht, das stimmt. Aber im Ganzen ist sie eine contradictio in adjectio, die kein einziges der angesprochenen Probleme, die lediglich aus zufälligen, subjektiven Schmerzerfahrungen zu solchen werden, zu lösen vermag, Die zum Gegenteil sogar diese Probleme noch vergrößert, weil sie die wirklichen Ursachen (weil die Wirklichkeit), weil sie den Menschen, weil sie den Sinn der Welt gar nicht kennt. Sodaß alles zum bloßen Pragmatismus herabsinkt.







Samstag, 12. Oktober 2019

Kaschmirische Widersprüche (1)

Der Einspruch des VdZ würde kaum hörbar sein, würde jemand behaupten, daß große Teile der supertollen "Kritik im Netz" inhaltsleere Spiele archetypischer Konflikte sind, die sich eher aus Charakterdispositionen denn aus realen, sachlichen Problemen ergeben. Das anzunehmen legt auch dieses Interview nahe, in dem der amerikanische Superaufdecker Corbett, der mit täglich neuen Videos (die gar nicht immer uninteressant sind) den Verschwörungen der Welt auf der Spur ist (oder auf den Leim geht, was man nimmt, ist Geschmackssache), die so gar nicht immer Theorie sind. 

Ansonsten ist die Internetkritik dermaßen verworren und widersprüchlich, daß man sich nur wundern kann, daß sich von so viel hirnloser Meinung so viele so viel Aufklärung und Information erwarten. Entsprechend bewirkt auch dieses Interview nur Kopfschütteln. Da spricht Corbett mit Dr. Muhamad Junaid, einem Fachmann für Kaschmir, der in den USA studiert hat und lebt, über die jüngsten Entwicklungen. 

Was ist passiert? Seit vielen Jahren rumort es in Kaschmir, dieser nordwestlichen Provinz Indiens, wo eine Mehrheit von Muslimen einer Minderheit von Hindus gegenübersteht. Weil aber die Hindus das große (hinduistische) Indien hinter sich wissen, haben sie sich so manche Eskalation erlaubt, und die Muslime oft genug darauf geantwortet. Aber es waren die minoritären Hindu, die Massaker angerichtet haben, es waren Hindu, die durch Kapitalzustrom aus Indien die reale Macht der Hindu so gestärkt haben, daß sie der Bevölkerungsverteilung nicht entsprach, und oft genug einer Unterdrückung der Muslime gleichkam. 

Was sogar Pakistan (diese wegen der Religionskonflikte in ganz Indien 1956 erzwungene Ausgliederung aus Indien im Westen, im Osten entstand 1971 aus Ostpakistan bekanntlich Bangladesch) bereits zu verschiedentlichem warnen sollenden Eingreifen veranlaßt hat. Wie einem Einsatz von Kampfflugzeugen. Tatsächlich stehen und standen sich dort seit der Teilung hunderttausende Soldaten beider Länder (und Religionen) gegenüber, und ein Ausbruch der immer wieder aufflackernden kleineren Scharmützel und Feuer zu einem großen Krieg war für manche nur eine Frage der Zeit.

Bisher war Kaschmir ein Staat im Staat, mit weitgehender Autonomie. Mit der sollte das Problem der beiden unvereinbaren Religionen regional gelöst werden. Aber das schien alles andere als zu gelingen. Nun hat deshalb die Regierung in New Delhi reagiert und durchgezogen. Erst wurde die Zahl der in Kaschmir stationierten Soldaten der indischen Armee auf eine Million erhöht, dann wurden sämtliche führende Politiker inhaftiert und jetzt das Ende der Autonomie verhängt. Jeder politische Widerstand dagegen wird mit vorgehaltenem Gewehr unterdrückt. Kaschmir steht nunmehr nicht nur unter der Kuratel von New Delhi, sondern wird ab sofort in zwei Verwaltungseinheiten geteilt. Deren einer ist fortan muslimisch, deren anderer fortan hinduistisch geprägt. Durch klare Trennung der beiden Religions- und damit Volksgruppen soll der Konflikt befriedet werden. 

Narendra Modi, der Chef der Regierung Indiens, hat damit nichts anderes gemacht als das Unvereinbare wieder getrennt - zwei Religionen, zwei davon geprägte Kulturen können nur "nebeneinander" leben und existieren, wenn sie jeweils einen autonomen Lebensraum haben, der sich mit dem der anderen Gruppen nicht schneidet. Modi hat also ziemlich klug gehandelt (er wird doch nicht dieses Blog lesen? Immerhin hat es auch regelmäßig Zugriffe aus Indien) und das Unvereinbare durch den richtigen Segregationismus, der durch eine starke Exekutivmacht jeweils geschützt werden muß, von seinen Reibeflächen befreit. 

Die sich automatisch ergeben, wenn Menschen unterschiedlicher Religionen auf demselben geographischen Raum leben sollen. Denn unterschiedliche Religionen sind unvereinbar. Sie sind nur dann (und dann nur scheinbar) vereinbar, wenn allen die Religion gleichgültig ist. Wie es der Liberalismus predigt, der Fragen der Identität, der Religion in die zweite Reihe abschiebt, weil vordergründig angeblich alle Menschen nur ihr (gleiches) täglich Brot, ihr (allen gleiches) Lammschaschlik und ihr iPhone samt 87 TV-Kanälen wollen. Auf das Niveau von Schweinen herabgesunken, muß nur noch alles getan werden, um alle auf diesem Niveau der Unsittlichkeit und Niedrigkeit zu halten. Wer immer mehr sein will, wer immer auf die verrückte Idee kommt, es gehe im Leben um Sinn, Identität und einen Auftrag dem Ewigen gegenüber, ist ein Störenfried und muß eliminiert werden.

Also meint auch Dr. Junaid, daß diese Segregierung falsch sei. Sie sei Zentralismus, mit dem man ein so wunderbares Land wie Kaschmir zertrümmert habe. In dem vor fünfzig, sechzig Jahren Hindu und Muslime nicht nur friedlich miteinander gelebt hätten, sondern sich auch einer Lebensweise befleißigt hätten, die praktisch keine Unterschiede kannte. Bis die Nationalisten kamen, bei den Muslimen nicht weniger wie bei den Hinduisten, und die Fackel in den Holzstoß warfen, auf dem zuvor doch alle so satt und durcheinander geschlichtet lagen.

Religiöse Unterschiede seien erst später hineingetragen worden. Und Junaid macht die "Rechten" dafür verantwortlich. Denen der kaschmirische Liberalismus ein Dorn im Auge gewesen sei. Sowohl auf muslimischer Seite wie auf der der Hindu wäre der Einfluß (auch durch Investitionen) von nationalistischen Ideologien immer größer geworden. Plötzlich gehe es überall um Identität - das war doch vorher allen gleichgültig gewesen?

Ehe wir dieser Frage weiter nachgehen, wollen wir aber doch die realpolitischen Aspekte der Entscheidung Modis ansehen. Denn sie kann nicht ohne Pakistan gesehen werden. Das sich nicht zweimal bitten läßt, wenn es um militärischen Einsatz zugunsten der muslimischen Glaubensbrüder geht. Einen nächsten Krieg zwischen den militärisch hochgerüsteten Ländern Indien und Pakistan, beides sind vermutlich Atommächte, hat Modi nun etwas Feuerholz entzogen.

Bleibt noch die Frage, ob Modi tatsächlich zentralistisch gehandelt hat? Das können wir aus unserer Soproner Stube, die Indien nur übers Internet betrachten kann, nicht wirklich beurteilen, würden aber aus allen vorliegenden Fakten sagen: Nein. Nicht in jedem Fall ist nämlich das Einschreiten der Zentralmacht zu verurteilen. Schon gar, weil Indien eher als "Reich" gesehen werden muß, das gewaltige Widersprüche zu vereinen sucht, ohne sie auslöschen zu wollen oder zu können. Und das ist ja die Funktion eines Reiches: Ein Dach zu bilden, das mehrere oder viele lokale Entitäten zusammenfaßt, und Schiedsrichter spielt, wenn es Konflikte gibt. Der VdZ sieht Modi also genau als das, als Schiedsrichter eines Reiches, das Indien heißt.


Morgen Teil 2)




Samstag, 13. April 2019

Wird das die nächste Lawine?

Wenn es sich so verhält, wie der römische Journalist und kritische Geist Sandro Magister sagt und warnt, dann droht der Kirche eine nächste schreckliche Lawine. Denn in allen Mißbrauchsskandalen wurde einer noch gar nicht angerührt. Aber es gibt bereits Fälle, wie einer jüngst in Indien, an denen er sich bereits als jene tickende Zeitbombe anmeldet, die die Öffentlichkeit bald erschüttern könnte.

Die Rede ist vom sexuellen Mißbrauch von Nonnen durch Kleriker. Die in Ausnützung ihrer Autoritätsstellung, aber auch ihrer finanziellen Macht, vor allem im mittleren bis südlichen Afrika, aber bei weitem nicht nur dort, Nonnen zu sexuellen Diensten und Verhältnissen erpressen. Noch profitieren sie davon, daß Nonnenklöster noch strengeren Schweigepflichten unterliegen wie das bei Männerklöstern der Fall ist. Noch profitieren sie davon, daß solche Klöster oft in direkter finanzieller Abhängigkeit von jenen Klerikern stehen (etwa wenn sie höhere Positionen oder gar episkopale Würden bekleiden), und es vorkommen soll, daß die Oberen dieser Klöster betroffene Nonnen schon aus existentiellen Gründen zu striktem Schweigen drängen. Aber der Grundsatz "hier sexuelle Dienste - dort Geld und Wohltaten" spielt eine größere Rolle, als man meinen sollte. 

Im Weltmaßstab soll das so verbreitet sein, daß es einer Megatonnen-Bombe gleicht, die vor sich hin tickt. Denn es gibt schon erste Anzeichen, daß Nonnen sich das nicht mehr länger gefallen lassen bzw. daß manche dieses Problem an die Öffentlichkeit tragen wollen. In Indien hat es sich bereits angedeutet. Der beschuldigte Bischof bestreitet zwar die Vorwürfe, dennoch wurde er unter Anklage gestellt und ins Gefängnis geworfen. Aber es ist nicht leicht Nonnen dazu zu bringen, solche Fälle zu melden. Denn nicht immer können sie dann Hilfe erwarten, oft ist es gerade umgekehrt. Es soll sogar Fälle gegeben haben, wo sie zu Abtreibungen gezwungen wurden.

Vor allem in der Subsahara-Region soll der Mißbrauch von Nonnen durch Kleriker enorm verbreitet sein, schreibt Magister. Es gibt bereits Erhebungen, wonach 26 Länder von dieser "Seuche" betroffen sein sollen. Und eine erste Dissertation dazu - von einem Priester aus Togo - ist derzeit in Arbeit. Wo noch dazu oft eine Haltung vorliegt, die den Zölibat (fälschlich) so deutet, daß er zwar die Ehe, aber nicht den sexuellen Verkehr verbietet. Speziell in Afrika gelten Nonnen außerdem als "safe sex"-Objekte, denn die Angst vor Ansteckung mit Aids ist groß. Allgemein herrscht aber ein gravierender Mangel an Respekt für das geweihte Leben von Frauen, meint Magister. Und dazu kommt der Treibsatz der finanziellen Abhängigkeiten oder Wohltaten.

Aus eigenen Informationsquellen möchte der VdZ noch hinzufügen, daß die Motivlage des afrikanischen Klerus in vielen Fällen ohnehin fragwürdig ist. Denn Priester zu werden, heißt für Afrikaner oft in erster Linie, daß sie dann versorgt sind. Während es für arme Familien, aus denen diese Priester stammen, bedeutet, daß sie nun jemanden haben, der für sie sorgt. Weshalb sie nicht selten Druck auf ihre Sprößlinge ausüben, unter den Talar zu schlüpfen. Was für Nonnen vermutlich nicht weniger gelten dürfte. So nebenbei sei noch gesagt, daß die Kirche Afrikas finanziell extrem von Rom abhängt.

Also hat Papst Franziskus dann (ausnahmsweise einmal) recht, wenn er das Mißbrauchsproblem in der Kirche auf "Klerikalismus" zurückführt. Das ist zwar nicht (als Hauptmotiv) zutreffend, wenn es um den Westen und weite Bereiche der Weltkirche geht, wo Mißbrauch ein Problem der Homosexualität und bestenfalls sekundär eines des Klerikalismus ist. Aber für diese Fälle ist der Vorwurf deutlich zutreffender.

Dennoch ist hier ein nächstes schweres Versagen Roms zu befürchten, schreibt Magister. Denn die ersten Anschuldigungen, die das Ausmaß des Mißbrauchs von Nonnen durch Kleriker angedeutet haben, sind bereits Mitte der 1990er Jahre in Rom aufgekommen. Und Gerüchte dazu gibt es mehr als genug. Aber bis heute hat die Kirche keine Maßnahmen getroffen, keine Richtlinien entwickelt, wie damit umzugehen ist. (Im übrigen in weiten Teilen der Weltkirche auch nicht zu den auch bei uns bekannt gewordenen Mißbrauchsfällen Jugendlicher durch Kleriker.) Man schläft zu diesem Problem.





*020219*

Mittwoch, 5. September 2018

Alles Soziale ist auf ein Ganzes bezogen

Das Kastenwesen in Indien läßt sich, schreibt Louis M. Dumont in seinen zum Standardwerk gewordenen Buch "Gesellschaft in Indien", nur verstehen, wenn man begreift, daß es ein Gesamtsystem ist, auf das sich jede Einzelregelung der Hierarchie innerhalb der Bevölkerung bezieht. Diese Hierarchien haben zwar einerseits einen klaren religiösen Grundzug, der sich anhand der Kategorien als "rein" und "unrein" bezeichnen läßt und die Nähe oder den Bezug zum Himmel (salopp formuliert) ausdrückt, das also jede einzelne Stufe durchwirkt und als Grundkonstituierende der gesellschaftlichen Ordnung gesehen werden muß. 

Aber niemand denkt in Individualkategorien, sondern alles ist auf ein Ganzes bezogen, das sogenannte Jajmani. Innerhalb dieses Ganzen zählt der Gedanke, daß jeder je nach seinem Stand, seinem Platz in der Hierarchie, die sehr komplex und in vielen vielen Nuancen aufgebaut ist, auch Bedürfnisse hat, und das das Jajmani, das Gesamtsystem, jedem dieses Auskommen ermöglicht. Es ist unserem früheren Zunftsystem in vielem ähnlich, etwa weil es Konkurrenz verhindert, die ja immer zu Lasten des Schwachen geht, läßt man sie einfach frei walten.

Das Jajmani hat sehr viel mit Arbeitsteiligkeit zu tun, mit Abhängigkeitsbeziehungen und auch Macht, keine Frage. Aber der Abhängige kann sich immer auf ein alles durchwirkendes Solidaritätsempfinden berufen, in dem er davon ausgehen kann, daß sein Auskommen als Recht besteht und von allen mitgetragen wird. Der Arbeitgeber, der Übergeordnete (und das ist weit weniger starr vorzustellen, als man meinen könnte, und variiert häufig, so daß in einem Punkt dieser Vorgesetzter jenes sein kann, während es sich in einem anderen anders verhält) ist also nicht einfach ein Machthaber, sondern er ist weit mehr ein Verantwortlicher.

Vor jeder ökonomischen Beziehung aber steht die Ordnung als System persönlicher Beziehungen. Aus diesen Beziehungen ergeben sich dann Entlohnungsverhältnisse, die eigentlich fest geregelte Verhältnisse der Anteilhabe an den Früchten des anderen bedeuten. Sie bedeuten weitgehend den Tausch von Gütern (und Leistungen), wenn auch Geld immer schon eine Rolle spielte. Und manche Leistungen immer schon in Geld abgegolten wurden. Zum Beispiel die meisten priesterlichen Dienste. Interessanterweise, schreibt Dumont, gilt dies in den meisten Teilen Indiens auch für die fünf Berufe Goldschmied, Wagner, Maurer, Steinmetze, Schmiede und Kupferschmiede, die (man müßte sagen: weltweit) eine gewisse Nähe zur religiösen Handlung (und man könnte in gleichlautendem, mit dem Religiösen verschwimmenden Sinn erweitern: zur Kunst) haben.

Ein Aspekt soll noch herausgegriffen werden, weil er beim VdZ Erinnerungen weckt, die Ähnlichkeiten zwischen Ordnungen bei uns wie in Indien aufweisen. Es geht um die Tatsache, daß gewisse Funktionen für bestimmte Kasten und Stände unter ihrer Standeswürde sind. Zum Beispiel das Rasieren (zu dem auch das Nägelschneiden gehört), das die meisten Inder unrein machen würde. Also tut es der Barbier. Er weiß somit, daß auch er sein Auskommen hat, denn niemandem fiel es früher ein, das selbst zu machen. Der er an und für sich in den meisten Teilen Indiens somit wegen seiner unreinen Tätigkeit zwar an einer weit unteren Sprosse der Gesamthierarchie* steht, aber in anderen Bereichen weit oben rangiert. 

Es gilt als Richtmaß, daß jeder Mensch EINE Zuordnung zu einem Stand hat, die man grob gesprochen als "innerhalb einer unveränderbaren Kaste" ansehen kann. Und das hat so viel mit Beruf zu tun, daß man das Jajmani (bzw. der Abstufungen innerhalb einer Kaste ebenso wie das Gesellschaftssystem insgesamt) sogar als System der Arbeitsteiligkeit betrachten könnte. 

Oft aber sind diese Zuordnungen durch Tätigkeiten ergänzt, die als Grundordnungsstufe ganz woanders agieren würden. Die Realität ist also sehr komplex, und hat zudem immer eine gewisse regionale, geographische Ausprägung - jedes Dorf, jede Region (und damit jede Provinz) ist selbst wieder eine solche Ordnung als Ganzes.

So hat der Barbier das Recht, Hochzeits- und Geburtsnachrichten zu verbreiten, was wohl auch mit Begleitumständen seiner Funktion zu tun hat. Und wer eine Hochzeit verkünden will, läßt es vom Barbier geschehen. Auch das, übrigens gibt es sogar noch heute: Der "Hochzeiter" geht auch heute noch in vielen Landregionen Österreichs per Auftrag (und Entlohnung, oft in Naturalien) und überbringt die Nachricht oder die Einladung.

Dumonts ethno-soziale Studie scheint sich also zwar nur auf Indien zu beziehen. Aber er schärft auch den Blick für die unsere Gesellschaften subtil durchwirkenden, den indischen oft sehr ähnlichen Strukturen und Ordnungen. Die einen mit Ehrfurcht vor diesen feinen zwischenmenschlichen Abstufungen erfüllen, mit denen wir es auch heute noch zu tun haben. Die im letzten auch bei uns auf religiöse Ordnungen zurückgehen. Sich vor allem aber auf ein Ganzes beziehen, das umso fundamentaler wirkt, als wie beim Auge das Natürlichste, Gesündeste auch das am letzten Sichtbare ist - wenn alles zerrissen ist, ist es für das Ganze zu spät. Nur wenn das Auge krank ist, sieht es sich selbst.



*Aber immer noch vor dem Beruf des Schauspielers kommt, der wirklich ganz unten steht.





*130818*