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Montag, 6. September 2021

Si tacuisses (2)

Was ist also nun das Fazit aus der Sache? Das Führen von Stellvertreterkriegen. - Daß die Formulierung, daß es außerhalb der Kirche Heil gebe, nicht gemacht werden kann. Denn dann ist sie falsch und unsinnig, weil die Kirche ohnehin die allumfassende (also kat-holische) Versammlung der Geheiligten ist. Das wäre also so als behauptete man, daß man außerhalb des Weltalls Planeten gefunden habe.

Somit streifen wir am Problem der gesamten Dogmengeschichte. Die vor allem seit dem 19. Jahrhundert, als Gegenbewegung gegen den sich abzeichnenden Kultur-, Geistes- und Glaubensverfall, das Grundbesteck der Kirche befestigen wollte, damit es nicht verloren gehe. Damit aber hat man Aussagen in positive Formulierungen gepackt, die eine Eigenwirkung entwickelt haben. Wie die von der Unfehlbarkeit des Papstes, die zu einer "Verheiligung" (als Vergötzung) des Faktischen sämtlicher Päpste geführt hat, und zwar schon zu deren Lebzeiten, und niemand im Volk mehr weiß, was an päpstlichen Aussagen "total verbindlich" ist und was nicht. 

Sogar ein Schisma ist diesem Umstand zu verdanken, denn damals haben viele die römisch-katholische Kirche verlassen (wie die Altkatholiken). Und Schisma ist eine ganz andere und wirklich schlimmere Sache, als die Häresie. Aber nun wurde kein Ausweg mehr gelassen, und viele haben auch heute mit dieser Aussage ein Problem, in dem sie sich vor die Entscheidung gestellt sehen.

Das nicht entstanden wäre, wenn es nicht verkündet worden wäre. Auch Kardinal Newman (und nicht nur er) warnte vor der Verkündigung dieses Dogmas (nicht, weil er es nicht für wahr hielt, ganz im Gegenteil, sondern aufgrund der faktischen Auswirkungen).

Denn in Wahrheit verhalten sich die allermeisten Katholiken, auch wenn sie "dabei geblieben" sind, doch genau so: Was die Päpste verkündet haben und verkünden kümmert sie einen feuchten Kehricht, ist höchstens eine Aussage unter vielen. Aber wer kann in einen Menschen hineinsehen? 

Wer auch nur einen Funken Menschen- und Selbsterkenntnis hat, weiß, daß zwischen dem, was jemand sagt, und dem, was wirklich in ihm der Fall ist, meist Welten liegen. Damit auch zwischen dem, was jemand glaubt, und was jemand SAGT, daß er glaubt. Darüber zu urteilen muß man deshalb Gott überlassen, der jede Seele besser kennt als sie sich selbst. 

Nicht nur gelten die beiden Sätze immer noch, daß "sich niemand auf der Zunge trägt", aber als auch, daß "nur der Heilige sich auf der Zunge trägt." Sondern wie oft ist auch die Ablehnung der Kirche (als DER Mutter) nur der Stellvertreterkrieg mit der LEIBLICHEN Mutter. Den offen zu führen, von der offen sich abzunabeln (um sich "an den Vater" zu binden) man aber nicht den Mut hat. 
Wer sich aber nicht von der Mutter ablöst, kann sich nicht als Vertreter des Vaters, als Träger des Sinns des Hauses, also als logos in der Welt identifizieren und beweisen. Er bleibt identitätslos.  Ohne Identität aber gibt es keine Gutheit. 
Denn das Gutsein ist das Ausgerichtetsein auf den Sinn, von dem das Wort des Vaters spricht. Dieses Wort also (logos) ist dann das Maß (also das Haupt) des Handelns des Leibes. Der sich der Natur des Wortes nach formt. 

Daß die Kirche einen indefektiblen Kopf haben muß, das war immer und ist aber ohnehin ein logischer Schluß. Es ergibt sich schon aus der Tatsache, daß ihr eigentliches Haupt Christus selbst ist, also Gott. Der im Papst nur seinen von ihm beauftragten Stellvertreter hat. An dem diese Tatsache untrennbar und in einer unendlich kleinen, aber zugleich unendlich weiten Spitze "klebt". Bei der Verkündigung eines Dogmas belegt aber schon das Prozedere, daß es sich um eine immer schon von Gläubigen für wahr gehaltene Aussage handelt: Die Bischöfe werden weltweit gefragt, ob dies oder das "in ihrer Diözese und von den Gläubigen geglaubt wird."

Aber auch die, die das Gegenteil sagen, daß es nämlich Heil außerhalb der Kirche gibt, vergehen sich in dem Moment, in dem sie das aussprechen und zum Programm machen. Denn ab diesem Moment ist es falsch. Die Wahrheit dieser Aussage, daß es auch "geben kann", ist ein Geheimnis, das nur Gott überlassen werden kann. Und in den Worten Jesu gründet, in denen er es genau so sagt. 

Ansonsten aber kann nur gesagt werden, daß es außerhalb der Kirche kein Heil gibt.


*Heilige identifiziert man überall und in jeder Kultur und zu allen Zeiten. Und man identifiziert sie, indem man in ihnen auf eine unsagbare Weise Meister (Magis-ter; Magi-er) der Welt erkennt. Die sie so gut kennen, daß sie auch kennen, was dem Nicht-Heiligen, dem einfachen Menschen, verborgen ist. Woraus sich ja dann die Gnostik nährt, die ihre Überlegenheit davon ableitet, daß sie "alles" wüßte, nein, besser wüßte (was noch nicht "alles" braucht) Und damit sind wir wieder bei C .. 


*290821*