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Samstag, 7. Januar 2023

Fenserbrettvögelchen

Mich wundert die eurphorische Reaktion mancher Leute, die ich eigentlich für sehr gescheit halte, daß sie nun wieder auf Twitter zugelassen sind. Und nun nageln sie täglich drei Botschaften an deren Verteiler. Aus einer Reaktion in einem Gespräch aber sehe ich noch klarer, daß Twitter nicht ein Kanal "offenen Informationsflusses" ist, sondern WIE JEDES MEDIUM eine eigene Wirklichkeit erzeugt. An deren Gestalt dann allemöglichen Seiten ihre Kräfte verwenden, um sie ihren Vorstellungen gemäß aussehen zu lassen.

Nie, wirlich nie fand ich mich durch Twitter-nachrichten aber "besser informiert". Wa sich auf Twitter las sagte mir nur, was jemand AUF TWITTER geäußert hatte. Das sonst aber keine Bedeutung hatte. Sondern nur davon lebte 
Twitter berichtet, was auf Twitter steht. Es gründet somit einen eigenen weiteren Gesprächskreis, der dann irgendwo in der Landschaft des Lebens herumsteht. Twitter ist nicht wichtig, weil es Inhalte bietet, sondern weil es Inhalte auf Twitter bietet. Twitter hat Bedeutung, weil es Twitter ist. Twitter ist pure Tautologie, nahe am Selbstzweck. 
Twitter ist einfach ein weiteres Plaudereckchen, das selbst aber ... IRGENWO, also an einem Punkt im Raum, STEHT. Und DAS läßt eine Aussage über seine Bedeutung treffen. Ein Vorgehen also, das für diese Epoche so bezeichnend ist: In der nichts besser wurde, ERSTMALS seit Menschengedenken, dafür alles ANDERS. Wir sind heute also immer ausscließlicher mit der Lösung von Problemen befaßt, die es nur gibt, WEIL wir sie zu lösen versuchen. 
Damit wir uns recht verstehen: Nicht "weil es damit zusammenhängenge Probleme" gibt, nein. Sondern weil der (tatsächlich) wahnhafte Glaube, ein Problem zu lösen, DAS PROBLEM SELBST IST, das immer mehr Kräfte zu binden versucht, je mehr es ins Nichts steigt.  Wie ein Morot, der nichts mehr antreibt, sondern sich  selbst verzehrt, bis die Energie erschöpft weil er verschwunden, verbrannt ist. 
Wir verbrennen uns ebenfalls selbst. Auch an Orten wie Twitter.

Samstag, 25. Juni 2022

Bedrohungen des Weltfriedens

Er hat bislang hier noch nie viel Erwähnung gefunden, gilt aber in den Augen vieler Zeitgenossen als höchst relevante Stimme zum Zustand unserer Gesellschaften, weil der Menschheit im Allgemeinen - Noam Chomsky. Aber warum hätte ich ihn auch erwähnen solllen, halte ich doch seine zahlreich publizierten, vom entstandenen Nimbus mehr als von ihrer wirklichen Substanz lebenden Theorien für völlig überbewertet und sub specie aeternitatem unbedeutend.

Daß er dennoch im öffentlichen Diskurs den Nimbus eines der großen Weisen der Menschheit genießt, schreibe ich bestimmten Öffentlichkeitsdynamiken zu. Die wie in so vielen, ja fast allen Fällen der Welt eine Autoritäts- und Gültigkeitsstuktur verpassen, die mehr als irreführend und einer Okkupation ähnlicher als einer Erfüllung ist. Die lediglich das Wabern um einen nicht gefundenen, unsichtbaren, aber letztlich doch alles tragenden Kern darstellt: Als Wabern unbedeutend, lediglich in diesem Trabantendasein von gewisser, fast möchte ich sagen dialektischer Bedeutung, zumindest kann man zu dieser Ansicht kommen. 

Donnerstag, 8. November 2012

Schwer zu findende Wahrheit

Es gilt das Paradigma, daß Markt bedeute, daß Konsumenten rationale, selbstbestimmte Entscheidungen träfen. Tatsache ist aber, daß die Werbeindustrie, und mit ihr die gigantische PR-Industrie, die Zielsetzung haben, diese Rationalität zu untergraben. Das sagt Naom Chomsky in einem Gespräch im Schweizer Fernsehen. Als 2009 die Werbeindustrie den Preis für die besten Werbekampagne vergab, fiel die Entscheidung auf die Wahlkampagne Barack Obama's. Er hatte sogar Apple geschlagen.

Werbung, Propaganda, PR, versucht die Rationalität der Menschen zu verwirren. Sie versucht, ihre Entscheidungsbasis irrational zu halten.  Ob links, ob recht - alle Richtungen sind nur Seiten derselben Medaille. Und diese Medaille ist eine Frage der wirtschaftlichen Macht, der Wirtschaft. Eine Frage der Durchsetzungskraft rivalisierender Partialinteressen. Die Medien, Träger wie Forum der öffentlichen Meinung, spiegeln die Meinungen der Eliten wider, nicht die Probleme der Menschen.

Der Graben zwischen öffentlicher Meinung und Politik ist deshalb groß. Denn die öffentliche Meinung ist nicht mit den Inhalten der Politik ident - die Politik beeinflußt nur die öffentliche Meinung. Aber die hat mit den wirklichen Inhalten der Politik nichts zu tun.

Die Menschen, so Chomsky, wollen im Grunde genau das, was man als "sozialdemokratisch" bezeichnet. Sie wollen mehr Unterstützung, mehr Sozialleistungen, mehr Geld für Bildung, weniger Rüstung, weniger Kluft zu den Reichen. Weil aber die Stimmung in der Bevölkerung eher den Demokraten zuneigt, mußten die Republikaner neue Schichten ansprechen - und sie taten es vor allem über die religiöse Schiene. Sie diskutieren über surreale Themen, abstrakte Probleme. Die Menschen sind verwirrt, ihnen werden die Fakten verschleiert.

Es ist Tagesmeinung, Kindern, die dem Leistungsmodell der Gesellschaft nicht entsprechen, mit Medikamenten "leistungsbereit" zu machen. Ja es gilt als soziale Maßnahme.

"Dritte" Parteien, zwischen den Blöcken in den USA, sind defacto chancenlos. Ihnen fehlt schon das Geld, um eine effektive Propaganda zu starten, und durchzuhalten. Politik in den USA braucht 1. Geld, 2. Geld, und 3. ... das habe man vergessen.

Rund 70 % der Bevölkerung haben keinerlei Einfluß auf die Politik. Der Einfluß steigt mit dem Einkommen. Die USA wird nur von einer Partei regiert - der "business-party", mit zwei Fraktionen, den Republikanern und den Demokraten. Weil die gesamte amerikanische Gesellschaft in den Augen Chomsky's nach rechts gerutscht ist, sind die Demokraten zu den früheren "gemäßigten Republikanern" geworden.

Es geht um die zentrale Frage, so Naom Chomsky, ob wir an die Wahrheit der Aufklärung glauben, oder nicht. In der sich im freien öffentlichen Diskurs die Wahrheit von selbst zum Leitbild er Politik macht. Selbst Abraham Lincoln wollte die Rassenfrage dadurch klären, die Farbigen in ihre Herkunftsländer zurückzuschicken. Die öffentliche Meinung hat ihn eines besseren belehrt.





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