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Sonntag, 10. Juli 2022

Weiteres zu Land und Volk der Ungarn

Unser Mitteleuropa
In "Unser Mitteleuropa" fand ich in diesen Tagen einen Artikel über die Ungarn und das Land. Wenngleich mein Urteil über Ungarn in den letzten Jahren wieder deutlich milder und (schon gar im Vergleich zum Westen) günstiger ausfällt, so konnte ich doch nicht umhin, dem Autor Elmar Forster, von dem ich schon recht brauchbare Texte gelesen habe, einen längeren Brief zu schreiben. 

In dem ich einige der in seinem Artikel vertretenen Ansichten als nicht wirklich gerecht oder sogar unzutreffend  kritisiere, auch wenn ich etliche andere seiner Sichtweisen teile. 

Während der Artikel nur im Link aufzurufen ist, bringe ich hier die per Brief versandte Antwort auch als quasi "öffentlichen Brief".

Sonntag, 26. Juni 2022

Der kommende König ist nur noch nicht sichbar

Der Magnetstab der Geschichte, um den herum sich das Karussel des (vermeintlichen, weil so lauten) Geschehens abspielt und dreht, ist der eine und einzige Herr und Herrscher, der Regent des Alls - Jesus Christus, Rex Indelebilis und Rex Infinitum, ab primae et ad finitum. Und nur um diesen einen König, die Form allen Inhalts, kann sich deshalb auch ein irdisches Imperium bewegen. Geht es ganz von ihm weg, oder startet es von woanders, um sich als Kostüm und irdische Gestalt ins Spiel zu schmuggeln, geht es schief.

Viel Verwirrung ist entstanden, als Kaiser Franz II. sich zum österreichischen Kaiser Franz I. (1804) ausrief, um zwei Jahre später als Franz II., letzter Kaiser des Römischen Imperiums, abzudanken. Nie wurde seine Krone seither aus der Vitrine der Schatzkammern geholt, und was sich seither in besonders brutalen und blutigen Kriegen, die sich im 20. Jhd. ins Infernalische stiegerten, abspielte, waren nichts als Versuche, diese scheinbar "verschwundene" Krone des Imperiums auf das Haupt der jeweiligen Mächte zu täuschen und zu zaubern. 

Viele trugen dieses Hologramm, alle um zu täuschen, und noch heute wird das natürliche Empfinden der Menschen, nicht wissend, daß es letztlich untrüglich ist, durch ein und dasselbe Hologramm getäuscht, geht es in "Wahl" um die Stühle der Staatsmacht. Wo ein Instrumentarium der Bedienung harrt, das von Jahr zu Jahr weniger beherrscht und gekannt wird. Die Macht der unsichtbaren Krone ist so unermeßlich größer, weiter, als unserem vertrockneten Verstand noch erreichbar ist.

Dienstag, 7. Juni 2022

Da stimmt vieles nicht mehr (2)

Anmerkung*, die eine Aus- und Weiterführung wurde  - Es gibt viele Gründe den Ausführungen von Leuten wie Quigley Carroll Glauben zu schenken. Der als seinerzeitiges MItglied dieser (tatsächlich verschwiegenen und verschworenen) Welteliten um Rhodes, Milner, Rothschild und einigen Königshäusern Europas, vor allem denen von England, Belgien und den Niederlanden.

Wer weiß, vielleicht stimmt, was jemand behauptet, daß auch die Habsburger darein verwickelt sind, ganz ausschließen will ich es nicht. Denn zu auffällig haben deren jüngere Generationen Ziele verfolgt und zu tranceartig verfolgen sie sie noch, die dem Ziel der Entsubstantiierung der abendländischen Identität weil Kultur namens einer marxistisch-nihilistischen, rationalistischen Neudefinition von Gemeinwohl als numerischem Wohlstand, bezeichnen muß. Die Ereignisse rund um die Ukraine und die Rolle, die aktuell Habsburger darin spielen, hat mich endgültig sehr mißtrauisch gemacht. 

Denn auch wenn ein Erzherzog Otto als Kaisersohn seine Sympathien verdient hat - so wirklich den Durchblick hatte er nicht. Viel zu sehr träumen auch seine Nachfahren (und der ganze Hauskreis, der sich darum formiert) einen Zustand herbei, in em sie einfach wieder eine "bedeutende Rolle" spielen können, und dazu bekriechen sie zu auffällig so manche Körpergegend, die hier explizit auszuführen von manchen als unschicklich gesehen werden mag.

Montag, 6. Juni 2022

Da stimmt vieles nicht mehr (1)

Man kann die Substanzlosigkeit des Arguments, daß man sich von einem anderen Staat ökonomisch nicht abhängig machen dürfe, förmlich riechen. Denn genjau das ist ja das Wesen des internationalen Warenaustausches - das, was benötigt aber im eigenen Land nicht erhhältlich ist, wird von einem anderen Ort geliefert. Und das führt immer zu Abhängigkeit, die aber immer auch wechselseitig sind. Selbst wenn als Gegenleistung nur Geld geliefert wird.

Das aber wäre bei der Lieferung russischer fossiler Brennstoffe - Gas, Öl, Kohle -keinesfalls so gewesen. Denn Rußland hat umgekehrt enormen Bedarf an Produkten, die es selbst nicht herstellen, die aber Westeuropa (um diesern konkreten Fall geht es) hat und gerne liefern würde. Ja, auf das sich die Kapazuitäten des Westens sogar ausgerichtet haben.

Montag, 14. März 2022

Der erste König der Ukraine

Übrigens, wußten Sie, daß die Ukraine für einige Wochen sogar von einem Habsburger "regiert" worden ist? Die Rede ist von Wilhelm von Habsburg, dem "Roten Prinzen", wie einer seiner Spitznamen lautete. Ihm wurde schon im Herbst 1914 sowohl von den Kaisern in Wien wie Berlin der Auftrag erteilt, die damals zum Zarenreich gehörigen westrussischen, von Moskau nicht so wirklich geliebten Gebiete (in denen es so viele kleine Völker mit je eigenen Sprachen, und zudem noch so viele Juden gab) sowie für Galizien und der Bukowina, die damals habsburgischer waren als man es sich vorstellen kann (ich erzähle später, warum das sogar in ganz eigentlichstem Sinn so war), zu studieren. 

Und zu schauen, ob sich dort (und welche) politische Strukturen für "Länder" aufbauen ließen. Zu einer verantwortlichen Regentschaft gehören eben auch Überlegungen um Dinge, die theoretisch sein könnten, und auch träumen darf man da einmal. Weh dem, der keine Träume hat, er hat keine Zukunft. Und wer keine Zukunft hat, der hat bereits die Gegenwart verloren.

Auf jeden Fall war es im Sinne beider Kaiser, zwischen ihren  Reichen und dem Zarenreich einen gewissen Puffer zu schaffen. Es braucht nicht viel an Einsicht um zu erkennen, daß eine direkte Nachbarschaft deutlich rascher Probleme schafft, als ein gewisser Abstand. Es ist eine uralte politische Weisheit, daß Feindschaften zwischen Nachbarn oft blitzschnell entstehen, viel seltener aber zwischen "übernächsten" Völkern.

   Wilhelm von Habsburg, evtl. König der Ukraine
Erzherzog Wilhelm von Habsburg liebte bald das abgelegene, so ganz eigene, archaische Leben in Ostgalizien und weiter östlich und südlich. Er war fasziniert von dieser komplexen, vielsprachigen, vielkulturellen Urlandschaft, der er immer mehr zugehören wollte, und lernte deshalb ukrainisch. In diesen Zeiten entwickelte er gar zu mancher Frau leidenschaftliche Gefühle.

Im Zuge des Kriegsverlaufs wurde Ostgalizien von Österreich und Deutschland besetzt. Schon in dieser Zeit setzte Wilhelm durch, daß Galizien gewisse Autonomie zugestanden bekam. 

Nach dem Frieden von Brest-Litowsk 1917 kamen umfangreiche weitere Gebiete unter deutsch-österreichische Fuchtel, sodaß die besetzten Länder bis zum Schwarzen Meer reichten. Daraus wollte Wilhelm nun sein Königreich gestalten. Und für einige Momente schien sein Traum auch in Erfüllung zu gehen. 

Dienstag, 22. Februar 2022

Von Schriftprache und Diebstahl (2)

Warum heute nicht Holland die Welt bestimmt? Es war Raub und Diebstahl, Neid und Gier. Es war das, was angeblich hinter einer Schrift steht, die Gott gestohlen wurde.Nur zwei Faktoren war es zuzuschreiben, daß die Niederlande nicht zu einem Weltreich geworden sind, sondern wurden, was sie auch heute noch sind - ein europäischer Mittelstaat. Beide Faktoren haben mit dem zu tun, was man als Gier und Ehrgeiz bezeichnen muß. Sie HATTEN, deshalb rechneten sie nicht mit Neid. Sowohl finanziell, als auch geistig. Und beide Faktoren lassen uns wieder bei der Sprache ankommen, in der sich dieser Kampf zwischen Begabung und starrem Regelzwang als Kriterium am Beispiel Luthers und der Lutherischen zeigt.

Dabei kann man sogar sagen, daß - natürlich neben der Tüchtigkeit der Niederländer selbst - die niederländischen Hafenstädte geistiges und kommerzielles Zentrum West- und Mitteleuropas geworden waren, weil sich alle Ingredienzien zusammenfanden, die allesamt aus Ausstoßungsprozessen in Europa stammen, die nun die Rheinmündung als Ferment durchwirkten. 

Montag, 21. Februar 2022

Von Schriftprache und Diebstahl (1)

Ich hatte ganz vergessen - dabei ist es mehr als logisch - wie sehr Konrad Burdach gegen die Mär gekämpft hat, daß Martin Luther die neuhochdeutsche Sprache "erfunden" habe. Nicht nur ist das unwahr, sondern Luthers Schriften sind durch die Bank dem Stand der Zeit HINTERHER gewesen. Und es läßt sich nachweisen, wie viel an seiner "Sprache" die Buchdrucker und -setzer noch geändert, dem aktuellen Gebrauch angepaßt und modernisiert haben. Erst ab etwa 1530 hat Luther sich den neueren Stand der Schreibweise des Deutschen angeeignet, und seine Schriften angepaßt.

Die Verbreitung des Neuhochdeutschen ging vielmehr ohnehin von Thüringen aus. Das zur damaligen Zeit und Epoche das geistige und sprachliche Zentrum Deutschlands war. Der enorme Einfluß Luthers auf die deutsche Sprache, den natürlich niemand abstreiten kann, ist vielmehr indirekter Effekt gewesen. Er stammt aus der Übersetzung der Heiligen Schrift generell, die zu einer Aneignung der Heiligen Texte durch das Volk geführt hat.

Sonntag, 19. Juli 2020

Als der Antichrist kam

Es ist grotesk? Es ist tief wahr zu sagen: Wären wir wie Andreas Hofer und die Tiroler in den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts in der Lage das System des Napoleonismus des aufgeklärten Europas als System des Antichristen zu erkennen, wäre unsere Kultur noch gesund. Somit ist es ein Symptom, ein ganz bedenkliches Symptom sogar, daß wir heute diese Haltung gar nicht mehr verstehen können, sondern bestenfalls als frömmlerischen Obskurantismus abstempeln.

Oh wie wir uns aber täuschen zu meinen, dies wäre eine Frage der Vernunft, des Verstandes, der Logik, der Ratio. Sie ist etwas ganz anderes. Sie ist irrationales Produkt (also bloß der Entscheidung, dem Urteil folgende Rationalisierung) einer sittlichen Haltung, zu der wir uns entschieden haben. Von der Zeit Hofers trennen uns nicht Verstandeswelten, nicht Zivilisation oder Technik oder Fortschritt, sondern Welten des Sittlichen. Der Kostümwechsel ist nur Klimbim, Täuschung, und der angebliche Fortschritt seit damals nur Ergebnis der Flucht vor der Wahrheit, in der wir uns selbst verdammt haben.

Verstehen, und somit auch in einem Film wahrhaftig darstellen, können wir das, was Hofer und seine Tiroler bewegte, also schon lange nicht mehr. Sodaß man schon froh sein muß, wenn eine Darstellung dieser Epoche nicht allzu schlimm danebengeht, nicht allzu sehr zu interpretieren versucht. Was immer daneben gehen muß. Und heute geht es im Film (wie in der Kunst generell) so gut wie immer daneben.

Denn wir haben das System der Unfreiheit lieben gelernt, es ist vielleicht sogar schon erblicher Faktor einer durch Gewohnheit fleischlich gewordenen und damit vererbbaren Neigung zur Selbstverfehlung und damit zum Tod geworden. Ausgedrückt in Krankheiten, die Generationen und Völker befallen, nicht nur einzelne Personen.

Damit fehlt natürlich den Unsrigen überhaupt jede Möglichkeit, einen guten Film zu machen. Über Hofer, aber auch generell. Von Sünde und Schuld getrieben kann niemals Wahrheit und Wirklichkeit - das Wesen der Kunst - entstehen weil geschaffen werden. Und Geschichte muß jeweils geschaffen werden, sie "ereignet" sich nicht "von selbst".

Aber schon damals war Tirol - in derselben Konstellation wie heute - gespalten. Die Städter, die Profiteure des Napoleonismus, der letztlich gesiegt hat, und in dem wir heute leben, hielten sowohl in Tirol wie in Bayern das Heraufgekommene, die Neue Zeit, für das Wünschenswertere.

Ihre Lebenshaltung ist sie, die unsere, die heutige. Sie ist eine Haltung des Arrangements mit der Unfreiheit, in der wir das Ewige (das es nur existentiell gibt, nicht als Attitüde, nicht als Kirsche auf einem ansonst mechanistischen, auf Effekt abzielenden Lebensablauf) zugunsten des Irdischen aufgegeben haben. Nur in dieser Transzendenzbereitschaft wie -fähigkeit aber liegt die Freiheit.

Den Verlust der Freiheit ertragen wir nicht nur, sondern wir wünschen ihn lange schon herbei. Um unserer Schuld auszuweichen. So wird unser Wollen eine Verwünschung der Welt (des und der anderen), in der wir selbst in quälender Unfreiheit stehen und weder Mut noch Kraft haben, uns zur Freiheit zu erheben. Das ist die Hölle. Unsere Zeit ist deshalb böse geworden, unser Lachen ist heimtückisch, zynisch und falsch. Das Gut, das wir nicht haben, soll auch nicht der andere haben.

Freiheit ist ein actu, ein aktives Existieren als permanentes Offensein gegen die Wahrheit hin. Sie ist kein permanent durch äußere Umstände zu erreichender oder sichernder Zustand. Aber in Ketten liegend, wollen wir sie gar nicht mehr erkennen, weil uns jeder Schmerz zu groß scheint. Als Verdrängungsstrategie, in der der Mensch zu oft glaubt, es sich dauerhaft einrichten zu können, scheint dieser Schmerz noch erträglich. Diese Losung ist ausgegeben, an diese Losung klammern wir uns, und zertreten jeden, der sie anzweifelt.

So wird aus einer Bedrückung eine unvergebbare Sünde wider den Heiligen Geist. Der Antichrist, als den die Tiroler Napoleon begriffen haben, hat gesiegt. Und er zerstört die Geschichte, macht sie zu einem bloßen faktischen Ablauf von toten Ereignissen, in denen sich jeweils nur dasselbe wiederholt und die Oktavenleiter der Weltebenen rauf und runter klettert. Weil Mechanismus das Lebendige verweigert und aus der Welt bannt, sodaß diese sich auf sich selbst geworfen in sich selbst dreht.

Da nimmt es nicht Wunder, wenn aus solcher Kulturstimmung die Anschauung wächst, daß die Welt ein starres Schema ist, das sich in Zyklen wiederholt, aus denen nicht ausgebrochen werden kann.




*120620*

Freitag, 30. Dezember 2016

Schicksalshafte Verbindung

Indem sich die Fugger auf die Seite der Habsurger mit dem späteren Karl V. geschlagen hatten, sich also gegen die Valois entschieden, die nach dem Tode Maximilians 1519 ebenfalls um den Kaiserthron buhlten, nahm ihr Schicksal einen wohlbekannten Lauf, der sich in der Geschichte immer wieder abgespielt hatte und noch abspielen würde. Denn die mehr als 800.000 Gulden, die dem Habsburger die Kaiserkrone gekostet hatte, waren eine ungeheure Summe, im heutigen Kaufwert mehreren Milliarden Euro gleich. Gleich wie es den Medici mit dem englischen König gegangen war, waren die Fugger fortan gezwungen, die Habsburger zu finanzieren. Mit lediglich "unwucherischen" 5 %, wie sie öffentlich verkündeten, denn der Wucherzins war nach wie vor eine geistlich gesehen haarige Sache. Und Jakob Fugger war ein sehr frommer Mann.*

Aber der Kaiser war damit für die Fugger "too big to fail". Jakob Fugger wußte das, und er setzte sich sofort mit Karls Kämmerern zusammen, um einen Rückzahlungsplan aufzustellen. Denn der Kaiser mußte auf jeden Fall willens und in der Lage sein, die Kredite zurückzuahlen. Und das war oft genug nur mit nächsten und immer mehr Krediten möglich, die von den Fuggern, aber auch von zahlreichen anderen Bank- und Handelshäusern kamen. Karl V. mußte auf alle Fälle liquide blieben! Dieses Geld aber mußten die Fugger selbst borgen, wenn zu wenig zurückfloß, und das tat es oft, und zwar mit 10 % Zinsen und mehr. Ein Teufelskreis, wie er schon die Medici ruiniert hatte und das immer gleiche Merkmal von Geldgeschäften mit Regierungen war: So lange Geld und immer mehr Geld leihen zu müssen, bis diese nicht mehr zahlen konnten. 

Doch hatte das auch einen anderen Grund. Denn die Geschäfte selbst - vor allem der Bergbau, oder die Handelsmonopole - als Basis der Geschäfte dieser Häuser waren direkt von diesen selben Regierungen abhängig. Fielen diese, oder wechselten sie auch nur, würden möglicherweise auch die Monopole und Konzessionen fallen. Da hing einer vom anderen ab. 1521 war die Zahlungsfähigkeit des Kaisers nur noch aufrechtzuhalten, weil er Bergbau-Konzessionen in Südamerika vergab, die den Fuggern erlaubte** ihr Kapital auszuweiten, um durch (schon recht risikoreiche) Perspektiven noch positiv zu bleiben. Da war die Kirche schon längst ausgestiegen und hatte es aufgegeben, diese Vorgänge noch verstehen und moralphilosophisch bewerten zu wollen, während die Protestanten das der Magie so ähnliche Geldwesen gleich zum Teufelswerk erklärten.

Die Habsburger gingen 40 Jahre nach Karls Kaiserkrönung bankrott. Das Haus mit seinem weltumspannenden Reich, in dem die Sonne nie unterging, teilte sich wieder in die spanische und österreichische Linie. Karls Sohn Philipp II. von Spanien ging sogar alle paar Jahre pleite, und das trotz der gewaltigen Mengen an Gold und Silber, die bereits aus Südamerika kamen. Aber selbst sie konnten die Schulden nicht mehr abdecken, führten dafür zu einer desaströsen Inflation. (Jawohl, das alles, was wir heute erleben, ist auch mit einer reinen Goldwährung möglich; das sei den Goldnarren ins Stammbuch geschrieben.) Die aus den nicht zurückgezahlten Krediten kumulierten Zinsen hatten sich jeweils wieder und wieder zu einer derartigen Summe angesammelt, daß die Schuld utopisch geworden war. Nichts ging dann mehr. Und so rissen die Regierungen Mitte des 16. Jhds. das gesamte oberdeutsche Bank- und Finanzwesen mit in den Abgrund und sorgten für eine veritable und hartnäckige Rezession. Der Finanzplatz Europas aber wanderte vom Augsburger Weinplatz, wohin er von Florenz hergekommen war, nach Amsterdam weiter.





*Er war nicht nur fromm, sondern er verstand die Religion auch. So hat er sich immer und vor allem gegen die liturgischen Mißbräuche gewandt, die überall längst eingerissen waren. Er wußte, daß Religion zuerst einmal Kult ist, sonst ist sie gar nicht, und daß Kultur im Kult beginnt.

**Die bereits doppelte Buchhaltung als die laufende Überführung der Erfolgs- in eine Kapitalbilanz führten. Damit wird jederzeit der wirkliche Stand eines Betriebes erkennbar, und Geschäfte erhalten durch den Faktor "Zeit" eine neue Dimension der Ausweitung. Das gesamte Geldwesen der Neuzeit, die gesamte heutige Finanzwirtschaft wäre ohne diese Methode undenkbar, denn sie beruht praktisch NUR auf der Zeit. Jakob Fugger, der als kaufmännischer Lehrling in Venedig das Handwerk gelernt hatte, war also mit modernsten Wassern gewaschen.





*141116*

Montag, 1. Juli 2013

Zentralismus als Zerfall

Ein Reich zerfällt nicht, weil es sein Zentrum verliert, sondern es zerfällt, wenn die Tugenden und Eigenschaften, die es in seiner hierarchischen und gestalthaften Vielfalt halten, sich auflösen.

Deshalb haben die Kaiser des Abendlandes ihr Reich in dem Moment aufzulösen begonnen, als sie die gewachsenen Hierarchieebenen (im Adel) übergingen, und sich direkt an die Städte und Bürger wandten, ihren Bund MIT IHNEN schlossen. Damit haben sich Tugenden und Eigenschaften aufgelöst, denn als "Funktion" SIND sie nicht mehr Tugenden, sondern der künstliche Leim aus der Not der Auflösung. 

Niemand hat deshalb das Römische Reich so nachhaltig zerstört, als der stärkste Kaiser, den es bis dahin überhaupt gesehen hatte - der Staufer Friedrich II. Historisch zeigt sich deshalb auch der direkte Verfall, der ihm folgt, sogar mit einem Interregnum, das durch eine veränderte Politik abgelöst wurde: dem der bloßen Hausmachtpolitik, in der sich die Auflösung direkt vorbereitete, und in der nur 250 Jahre später sogar das Haus (Habsburg) selbst erloschen ist.*

Was immer an realpolitischen "Gründen" dafür angeführt wird - sie wurzeln alle in diesem Zerfall des Großen, weil der gesamte Mittelbau abgeräumt wurde, und in ihm das, was das Reich selbst zusammenhielt: die real wirkenden Tugenden.




*Karl VI. blieb ohne (nur als Mann/Sohn möglichen) Thronfolger. In der pragmatischen Sanktion, in der er seine Tochter Maria Theresia installierte (Reichskaiser freilich konnte weiterhin nur ein Mann sein: Franz Stephan von Lothringen, ihr Mann), löste sich das Reich endgültig auf. Ihr Enkel Franz II. gründete deshalb folgerichtig als Franz I. ein neues Reich - Österreich. Dem aber alle innere Kraft bereits fehlte, aus besagten Gründen, das nur noch ein verwesender Leichnam war, der im 19. Jhd. dahinvegetierte, bis er der historischen Logik zum Opfer fiel. Was da kam war aber nur noch Folge der Auflösung,die in Karl VI Gestalt genommen hatte. Denn Maria Theresia, eine Frau, hatte die Stellung Österreichs im Reich schon realpolitisch definitiv verspielt, und den Aufstieg Preußens als neuer Herrschermacht über Deutschland, der es an innerer Legitimität mangelte, das deshalb aus seiner Natur heraus voluntaristisch-gewaltsame Mißgeburt war, verschuldet. Und so nebenher die Aufklärung - wie könnte es anders sein! Ihre Installation selbst war bereits aufklärerische Funktionalität! - zum Regierungsprinzip gemacht, damit und ganz real die natürlicheen Gesellschaften ihres Herrschaftsbereichs selbst aufgelöst, und "moderne" Gesellschaften geschaffen. Der Mythos, unter dem sie hierzulande in verklärendes Licht gestellt wird, ist pure Geschichtsfälschung. Auch sie war ja so besonders "volksnah". 

Damit ist gleichfalls logisch, daß das einzige Land, das aus sich heraus noch legitim war, mehr und mehr an Stärke im Staatsverband gewann - Ungarn, das über alle Zeiten und bis heute ihr tragendes, nur keine Gestalt nehmendes, vakantes Prinzip anerkennt, bewahrt und hoch hält: die Krone. So wie alle übrigen Staatsteile Österreichs auf ihre legitimen Teile - Staaten und die heute Bundesländer genannten Länder - zurückfielen.

Der Verfasser dieser Zeilen ist sicher, daß der Zerfall der Republik Österreich unaufhaltsam ist. So grotesk das heute vielen erscheinen mag, und so "zufällig" es geschehen wird.² Daß gerade in Österreich die Stimmen, die ein Auflösen des Nationalprinzips in Europa fordern, so laut sind, kommt nicht von ungefähr. Aber ein kommendes Neues kann nicht auf der Grundlage geschichtsverklärender Nostalgie (in die hinein sich alles Mögliche einmischt, das mit Habsburg und deren Monarchie nur zufällig in eins gesetzt wird) entstehen, sondern braucht eine klares Bewußtsein der wirklichen Bewegungen im tiefsten Untergrund der Seelen. Und das bedeutet, daß endlich die Geschichte des Landes, aus dem erst seine aktuelle Position verstehbar würde, wirklich - und das heißt: anders, als es heute geschieht - aufgearbeitet werden müßte.

²Möglicherweise zeigt sich in Schweden - Vorreiter des technizistischen Zentralismus - noch früher, was vielen europäischen Staaten bevorsteht.



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Samstag, 16. Juli 2011

Wer begehrt Einlaß?

Das traditonelle Begräbniszeremoniell der Habsburger in der Kapuzinerkirche zu Wien.



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Montag, 11. Juli 2011

Geschützt gegen die Urteile aus dem, was einem geschieht

Ein Portrait des Deutschen Fernsehens über die Arbeit von Otto von Habsburg im Europaparlament. "Meine europäische Haltung entstand aus der Distanz - in Amerika. Da habe ich die Einheit der Kultur des Kontinents wirklich erlebt."


1. Teil



2. Teil


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Montag, 4. Juli 2011

Gott hab ihn selig

Otto von Habsburg, 1913-2011

Thronfolger des letzten Kaisers von Österreich und Königs von Ungarn

(Bild: Die Presse/Clemens Fabri)

Verstorben in den frühen Morgenstunden des 4. Juli 2011 
in Pöcking am Starnberger See, Bayern

R. i. p.

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Sonntag, 28. März 2010

Vielleicht war alles ganz anders

Eine interessante, und bei näherem Nachdenken vieles beleuchtende These, die Joachim Fernau in "Deutschland, Deutschland, über alles ..." vertritt - auf der Feststellung aufbauen, daß jeder Glanz des Kaisertums in Deutschland im 17. Jahrhundert längst erloschen, Maria Theresia (deren Erbberechtigung - Karl VI. hatte keine männlichen Nachkommen - und damit Legitimität in einem Teil Deutschlands nie anerkannt wurde) nur noch "Fürstin in ihrem Stammland" war:

"In blinder Gier hatten die Habsburger unter Vernachlässigung aller Reichsgeschäfte und Kaiserpflichten ihren persönlichen Besitz mit allen Mitteln der Verträge, der Tauschgeschäfte und der Heirat vergrößert. Aus jener Zeit stammt das Wort: Tu felix Austria nube, Du glückliches Österreich, heirate!

Man kam sich sehr schlau vor. Das Schicksal präsentierte jedoch jetzt (im 18. Jahrhundert; Anm.) die Rechnung: Die Habsburger Untertanen bestanden aus Böhmen, Mähren, Österreichern, Krainern, Tirolern, Siebenbürgern, Ungarn, Oberitalienern, Flamen, Wallonen und Serben, ein sinnwidriges Völkergemisch, das uns die Welt später schwer übel genommen hat. Es zwang den Kaiser damals, undeutsch zu denken. Die Ungarn haßten ihn, die Böhmen haßten ihn, die Wallonen haßten ihn, die Italiener haßten ihn. Es war ihm egal. Verzweifelt klammerte er sich an seinen erheirateten und erschacherten Besitz, ständig jonglierend."

Tja, was soll man da noch sagen ... außer: Wo wollte man ihm widersprechen? Außer daß die Geschehnisse der letzten paar hundert Jahre ihre auffällig stimmige Logik erhielten, die den gelernten Österreicher zwingen würde, sein Selbstbild, das er ohnehin nie auf die Reihe bekommt (und das vielleicht dann, wenn er sich dieser Wahrheit gegenüber öffnet, endlich, endlich ihr Gleichgewicht fände), neu zu überdenken? Ein Ende hätte es dann mit falscher Habsburg-Romantik, ja eben diese wäre dann falsch.

Wer hat denn wirklich je die Habsburger gemocht? Die Österreicher, das heißt und hieß: Oberösterreicher? Niederösterreicher? Steirer? Schon unter Rudolf, dem ersten Habsburger auf Deutschem Königsthron, waren sie gegen ihn, er mußte das Land brechen, und er tat es gegen Premysl Ottokar, dem die Menschen in Wahrheit anhingen.

Ist sohin die Geschichte dieses Landes nicht die Geschichte einer jahrhundertelangen, unausgesetzten usurpatorischen Anmaßung? Ist sohin die Geschichte des Adels, der Eliten in diesem Lande, die eines unausgesetzten Verrats? Einer Spaltung der Bevölkerung, in dem man ihm Eliten vorsetzt, die zu ihm in Widerspruch stehen?

Ist das heute anders? Ist also heute nur die Fortsetzung dieses historischen Zuges, in dem ein Volk, Völker, in Geiselhaft stehen?










*280310*

Dienstag, 16. Februar 2010

Mangelnde Identität - ziellose Energie

"Karl V. war der Erbe - für damaliges Maß - unermeßlicher Länder. Wissen wir noch, außer in bürgerlich-materieller Verzerrung, was ein Erbe ist, welchem Bewußtseinsinhalt dieser Begriff einst entsprach, welcher Gewißheit, welcher Verpflichtung?

Wenn wir die Tonbüste des Knaben Karl betrachten, die in Brügge aufbewahrt wird, das Bildnis des 'Kindes von Gent', wie sie ihn nannten, so trifft uns die Prägung eines Menschen, der dank dem Zusammenwirken einer Geschlechterfolge, deren Streben in jedem einzelnen Ahnen auf Herrschaft ausgerichtet war, nun zu äußerster Stilisierung gelangt ist.

Wir gewahren Prägung durch die Rasse, deren Wesen es ist, die von ihr Bestimmten auch vom leisesten Zweifel an der Berechtigung ihrer sie absondernden Merkmale freizumachen[Und das ist identitäre Eigenschaft jedes Standesmerkmals - jedes Berufes, jeder Familie, jeder Sippe, jedes Volkes ...; Anm.] Diese Prägung übt in bestimmten Geschichtsepochen zaubermächtige Wirkung aus, aber stets nur so lang, als sie in sich selbst diese völlige Gewißheit besitzt, denn im Augenblick, in dem die leiseste Frage, die erste Unruhe sie berührt, ist ihre Wirkung endgültig gebrochen, es gibt dann kein Zurück mehr, es gibt keine haltbaren Restaurationen. Ein Bild aus Ton liegt dann zerschlagen im Staub.

Die Menschheit hat lange gelebt, indem sie sich nach hohen Bildern zu formen suchte. Sind die Bilder einmal gestürzt und zerstückelt, dann erscheinen ihre Reste nur noch als die Trümmer einer Lüge und einer Ungerechtigkeit, die zu lange gedauert hat.

Zeiten aber, in denen der Mensch das richtunggebende Vorbild ablehnt, die gestufte Norm verweigert, werden die nackte Gewalt, die Umwandlung aller Formen in entfesselte Energie erfahren."

Carl J. Burckhardt in "Gedanken über Karl V."