![]() |
| Unser Mitteleuropa |
Treibgut - Wo am breiten Strome die Ufer stehen, sind Schwarzerlensamen aufgegangen, und schäumen als saftige Büsche die Ränder der großen Lethe, die alles ins Dunkele Meer trägt; ihre weichen Äste, die noch nicht ahnen lassen, welcher später als kahler Stamm reife Blätter hoch in der Sonne wiegen wird, tauchen in die Wasser, wie Kinderhände. Dann und wann greifen sie, denen alles noch ernstes Spiel ist, nach Treibgut. Oder es bleibt hängen, lädt zum Tanze, haucht im Kusse Lebwohl
Dieses Blog durchsuchen
Sonntag, 10. Juli 2022
Weiteres zu Land und Volk der Ungarn
Sonntag, 26. Juni 2022
Der kommende König ist nur noch nicht sichbar
Dienstag, 7. Juni 2022
Da stimmt vieles nicht mehr (2)
Montag, 6. Juni 2022
Da stimmt vieles nicht mehr (1)
Montag, 14. März 2022
Der erste König der Ukraine
Übrigens, wußten Sie, daß die Ukraine für einige Wochen sogar von einem Habsburger "regiert" worden ist? Die Rede ist von Wilhelm von Habsburg, dem "Roten Prinzen", wie einer seiner Spitznamen lautete. Ihm wurde schon im Herbst 1914 sowohl von den Kaisern in Wien wie Berlin der Auftrag erteilt, die damals zum Zarenreich gehörigen westrussischen, von Moskau nicht so wirklich geliebten Gebiete (in denen es so viele kleine Völker mit je eigenen Sprachen, und zudem noch so viele Juden gab) sowie für Galizien und der Bukowina, die damals habsburgischer waren als man es sich vorstellen kann (ich erzähle später, warum das sogar in ganz eigentlichstem Sinn so war), zu studieren.
Und zu schauen, ob sich dort (und welche) politische Strukturen für "Länder" aufbauen ließen. Zu einer verantwortlichen Regentschaft gehören eben auch Überlegungen um Dinge, die theoretisch sein könnten, und auch träumen darf man da einmal. Weh dem, der keine Träume hat, er hat keine Zukunft. Und wer keine Zukunft hat, der hat bereits die Gegenwart verloren.
Auf jeden Fall war es im Sinne beider Kaiser, zwischen ihren Reichen und dem Zarenreich einen gewissen Puffer zu schaffen. Es braucht nicht viel an Einsicht um zu erkennen, daß eine direkte Nachbarschaft deutlich rascher Probleme schafft, als ein gewisser Abstand. Es ist eine uralte politische Weisheit, daß Feindschaften zwischen Nachbarn oft blitzschnell entstehen, viel seltener aber zwischen "übernächsten" Völkern.
| Wilhelm von Habsburg, evtl. König der Ukraine |
Im Zuge des Kriegsverlaufs wurde Ostgalizien von Österreich und Deutschland besetzt. Schon in dieser Zeit setzte Wilhelm durch, daß Galizien gewisse Autonomie zugestanden bekam.
Nach dem Frieden von Brest-Litowsk 1917 kamen umfangreiche weitere Gebiete unter deutsch-österreichische Fuchtel, sodaß die besetzten Länder bis zum Schwarzen Meer reichten. Daraus wollte Wilhelm nun sein Königreich gestalten. Und für einige Momente schien sein Traum auch in Erfüllung zu gehen.
Dienstag, 22. Februar 2022
Von Schriftprache und Diebstahl (2)
Montag, 21. Februar 2022
Von Schriftprache und Diebstahl (1)
Sonntag, 19. Juli 2020
Als der Antichrist kam
Oh wie wir uns aber täuschen zu meinen, dies wäre eine Frage der Vernunft, des Verstandes, der Logik, der Ratio. Sie ist etwas ganz anderes. Sie ist irrationales Produkt (also bloß der Entscheidung, dem Urteil folgende Rationalisierung) einer sittlichen Haltung, zu der wir uns entschieden haben. Von der Zeit Hofers trennen uns nicht Verstandeswelten, nicht Zivilisation oder Technik oder Fortschritt, sondern Welten des Sittlichen. Der Kostümwechsel ist nur Klimbim, Täuschung, und der angebliche Fortschritt seit damals nur Ergebnis der Flucht vor der Wahrheit, in der wir uns selbst verdammt haben.
Denn wir haben das System der Unfreiheit lieben gelernt, es ist vielleicht sogar schon erblicher Faktor einer durch Gewohnheit fleischlich gewordenen und damit vererbbaren Neigung zur Selbstverfehlung und damit zum Tod geworden. Ausgedrückt in Krankheiten, die Generationen und Völker befallen, nicht nur einzelne Personen.
Damit fehlt natürlich den Unsrigen überhaupt jede Möglichkeit, einen guten Film zu machen. Über Hofer, aber auch generell. Von Sünde und Schuld getrieben kann niemals Wahrheit und Wirklichkeit - das Wesen der Kunst - entstehen weil geschaffen werden. Und Geschichte muß jeweils geschaffen werden, sie "ereignet" sich nicht "von selbst".
Aber schon damals war Tirol - in derselben Konstellation wie heute - gespalten. Die Städter, die Profiteure des Napoleonismus, der letztlich gesiegt hat, und in dem wir heute leben, hielten sowohl in Tirol wie in Bayern das Heraufgekommene, die Neue Zeit, für das Wünschenswertere.
Ihre Lebenshaltung ist sie, die unsere, die heutige. Sie ist eine Haltung des Arrangements mit der Unfreiheit, in der wir das Ewige (das es nur existentiell gibt, nicht als Attitüde, nicht als Kirsche auf einem ansonst mechanistischen, auf Effekt abzielenden Lebensablauf) zugunsten des Irdischen aufgegeben haben. Nur in dieser Transzendenzbereitschaft wie -fähigkeit aber liegt die Freiheit.
Den Verlust der Freiheit ertragen wir nicht nur, sondern wir wünschen ihn lange schon herbei. Um unserer Schuld auszuweichen. So wird unser Wollen eine Verwünschung der Welt (des und der anderen), in der wir selbst in quälender Unfreiheit stehen und weder Mut noch Kraft haben, uns zur Freiheit zu erheben. Das ist die Hölle. Unsere Zeit ist deshalb böse geworden, unser Lachen ist heimtückisch, zynisch und falsch. Das Gut, das wir nicht haben, soll auch nicht der andere haben.
So wird aus einer Bedrückung eine unvergebbare Sünde wider den Heiligen Geist. Der Antichrist, als den die Tiroler Napoleon begriffen haben, hat gesiegt. Und er zerstört die Geschichte, macht sie zu einem bloßen faktischen Ablauf von toten Ereignissen, in denen sich jeweils nur dasselbe wiederholt und die Oktavenleiter der Weltebenen rauf und runter klettert. Weil Mechanismus das Lebendige verweigert und aus der Welt bannt, sodaß diese sich auf sich selbst geworfen in sich selbst dreht.
Da nimmt es nicht Wunder, wenn aus solcher Kulturstimmung die Anschauung wächst, daß die Welt ein starres Schema ist, das sich in Zyklen wiederholt, aus denen nicht ausgebrochen werden kann.
Freitag, 30. Dezember 2016
Schicksalshafte Verbindung
**Die bereits doppelte Buchhaltung als die laufende Überführung der Erfolgs- in eine Kapitalbilanz führten. Damit wird jederzeit der wirkliche Stand eines Betriebes erkennbar, und Geschäfte erhalten durch den Faktor "Zeit" eine neue Dimension der Ausweitung. Das gesamte Geldwesen der Neuzeit, die gesamte heutige Finanzwirtschaft wäre ohne diese Methode undenkbar, denn sie beruht praktisch NUR auf der Zeit. Jakob Fugger, der als kaufmännischer Lehrling in Venedig das Handwerk gelernt hatte, war also mit modernsten Wassern gewaschen.
Montag, 1. Juli 2013
Zentralismus als Zerfall
Damit ist gleichfalls logisch, daß das einzige Land, das aus sich heraus noch legitim war, mehr und mehr an Stärke im Staatsverband gewann - Ungarn, das über alle Zeiten und bis heute ihr tragendes, nur keine Gestalt nehmendes, vakantes Prinzip anerkennt, bewahrt und hoch hält: die Krone. So wie alle übrigen Staatsteile Österreichs auf ihre legitimen Teile - Staaten und die heute Bundesländer genannten Länder - zurückfielen.
Der Verfasser dieser Zeilen ist sicher, daß der Zerfall der Republik Österreich unaufhaltsam ist. So grotesk das heute vielen erscheinen mag, und so "zufällig" es geschehen wird.² Daß gerade in Österreich die Stimmen, die ein Auflösen des Nationalprinzips in Europa fordern, so laut sind, kommt nicht von ungefähr. Aber ein kommendes Neues kann nicht auf der Grundlage geschichtsverklärender Nostalgie (in die hinein sich alles Mögliche einmischt, das mit Habsburg und deren Monarchie nur zufällig in eins gesetzt wird) entstehen, sondern braucht eine klares Bewußtsein der wirklichen Bewegungen im tiefsten Untergrund der Seelen. Und das bedeutet, daß endlich die Geschichte des Landes, aus dem erst seine aktuelle Position verstehbar würde, wirklich - und das heißt: anders, als es heute geschieht - aufgearbeitet werden müßte.
²Möglicherweise zeigt sich in Schweden - Vorreiter des technizistischen Zentralismus - noch früher, was vielen europäischen Staaten bevorsteht.
Samstag, 16. Juli 2011
Wer begehrt Einlaß?
Montag, 11. Juli 2011
Geschützt gegen die Urteile aus dem, was einem geschieht
Montag, 4. Juli 2011
Gott hab ihn selig
Thronfolger des letzten Kaisers von Österreich und Königs von Ungarn
![]() |
| (Bild: Die Presse/Clemens Fabri) |
Sonntag, 28. März 2010
Vielleicht war alles ganz anders
"In blinder Gier hatten die Habsburger unter Vernachlässigung aller Reichsgeschäfte und Kaiserpflichten ihren persönlichen Besitz mit allen Mitteln der Verträge, der Tauschgeschäfte und der Heirat vergrößert. Aus jener Zeit stammt das Wort: Tu felix Austria nube, Du glückliches Österreich, heirate!
Man kam sich sehr schlau vor. Das Schicksal präsentierte jedoch jetzt (im 18. Jahrhundert; Anm.) die Rechnung: Die Habsburger Untertanen bestanden aus Böhmen, Mähren, Österreichern, Krainern, Tirolern, Siebenbürgern, Ungarn, Oberitalienern, Flamen, Wallonen und Serben, ein sinnwidriges Völkergemisch, das uns die Welt später schwer übel genommen hat. Es zwang den Kaiser damals, undeutsch zu denken. Die Ungarn haßten ihn, die Böhmen haßten ihn, die Wallonen haßten ihn, die Italiener haßten ihn. Es war ihm egal. Verzweifelt klammerte er sich an seinen erheirateten und erschacherten Besitz, ständig jonglierend."
Tja, was soll man da noch sagen ... außer: Wo wollte man ihm widersprechen? Außer daß die Geschehnisse der letzten paar hundert Jahre ihre auffällig stimmige Logik erhielten, die den gelernten Österreicher zwingen würde, sein Selbstbild, das er ohnehin nie auf die Reihe bekommt (und das vielleicht dann, wenn er sich dieser Wahrheit gegenüber öffnet, endlich, endlich ihr Gleichgewicht fände), neu zu überdenken? Ein Ende hätte es dann mit falscher Habsburg-Romantik, ja eben diese wäre dann falsch.
Wer hat denn wirklich je die Habsburger gemocht? Die Österreicher, das heißt und hieß: Oberösterreicher? Niederösterreicher? Steirer? Schon unter Rudolf, dem ersten Habsburger auf Deutschem Königsthron, waren sie gegen ihn, er mußte das Land brechen, und er tat es gegen Premysl Ottokar, dem die Menschen in Wahrheit anhingen.
Ist sohin die Geschichte dieses Landes nicht die Geschichte einer jahrhundertelangen, unausgesetzten usurpatorischen Anmaßung? Ist sohin die Geschichte des Adels, der Eliten in diesem Lande, die eines unausgesetzten Verrats? Einer Spaltung der Bevölkerung, in dem man ihm Eliten vorsetzt, die zu ihm in Widerspruch stehen?



