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Dienstag, 31. März 2020

Doch eine Strafe Gottes? (1)

Was sagt E. Michael Jones zur Corona-Krise? Wir finden dazu ein Video, das wir am Ende dieser Artikelserie bringen, noch mehr aber in einem auf den Seiten des Culture Wars Magazine veröffentlichten Langtext. Der deshalb empfehlenswert ist, weil Jones es im Video nicht schafft, wirklich eine These vorzustellen; sie findet sich eher im Text. Wir versuchen hier nun, auf der Grundlage seiner Aussagen eine zusammenhängende Erzählung zu formen, in der wir uns freilich manche Freiheit nehmen.

Jones beginnt seine Ausführungen mit der Erinnerung an König David, als er wiederholt schwer gesündigt hatte: Erst das Drama um Bathseba und deren Mann Uria, dann noch die Volkszählung - das war für Gott genug. Er ließ David die Wahl zwischen drei Strafen: Eine dreijährige Hungersnot fürs ganze Land, drei Monate in der Hand der Feinde, oder drei Tage Pest. (Siehe übrigens auch hier: Das Volk, in einer "Ehe" mit seinem Herrscher, nimmt selbstverständlich am Schicksal seiner Führer teil, die sogar die Strafe wählen. Anm.) David, der so viel menschliche Komponente wie möglich ausschließen, eher so viel Gott wie möglich wollte, wählte die Pest. (2 Sam 24; 14-5)
Die Situation heute ist ähnlich, und man muß sich fragen: Hat sich einer der Führer für Pest entschieden? Vielleicht als Deckmantel, in dessen Windschatten ganz andere Fehler und Sünden vertuscht und verborgen werden sollen? Zwei Hauptverdächtige könnten da identifiziert werden - Amerika und China.
Denn es ist heute doch auch alles anders als zu Zeiten Davids - sehr komplex, und scheinbar verwirrend. Einige meinen deshalb, daß wir uns mitten in einem Krieg befinden. Amerika hat China als Schuldigen identifiziert, der die Weltwirtschaft treffen möchte, in China wiederum geistert die Erzählung herum, daß der Corona-Virus von den USA als Biowaffe* freigesetzt worden ist.
Giovanni Gasparro (*1983) - Die Bedrohung

In diesem Krieg ist ein noch nie dagewesenes Instrumentarium der Kontrolle und Steuerung der Information aufmarschiert, das für Europa per politischem Beschluß sogar offen zentralisiert wurde. Ohne jede Scheu vor Gegenwind wird die gesamte Informationswelt auf Wichtigkeit und Relevanz von Netz-Information über Datendurchflußmengen (bis Halsweite Null, sozusagen) gesteuert. 

Selbst Wirtschaftsvorgänge (amazon, das einen Umsatzboost erlebt, mußte bereits "nicht lebensnotwendige Produkte" in der Bearbeitung benachrangen, um nicht mit öffentlichen Forderungen in Konflikt zu geraten; Netflix, um nur Beispiele zu nennen, hat angesichts deutlich gestiegener Abrufzahlen Ähnliches etabliert; Anm.) werden mit diesen simplen Mitteln, die "niemand sieht", bereits gesteuert.

Wir fügen hinzu, weil es in dieselbe Kerbe schlägt: Im Rahmen einer Seuchenbekämpfung kam es auch zur eleganten Stillegung der antiglobalistischen Proteste (vor allem in Frankreich). Man hat ebenso das Verstummen der einen außer-demokratischen, illegalen Putsch vorbereitenden Proteste von Klima- und anderer linker Bewegungen, die ein Einreißen unserer Kultur und unserer Gesellschaften forderten, erreicht. Ein Widerspruch zur These der Oligarchen? Mitnichten. Hauptnutznießer dieses Verstummens sind immer ... Politiker. 

Wie Macron, dem seine Nähe zur Oligarchie wie Lippenstift am Kragen klebt. Demgemäß hat Frankreich, das (seit DeGaulle) ohnehin eine sehr autoritäre, präsidiallastige Verfaßtheit hat, die derzeit schärfsten Ausgehverbots-Gesetze. Nur mit einem per Computer herunterzuladenden Dokument darf man auf der Straße gehen. Wer solch ein Dokument nicht vorweisen kann, wird bestraft oder gleich arrestiert. Was glaubt der Leser, was schlagartig mit den "lästigen" Protesten der Gilets jaunes passiert ist?

(Per 25. März wurde sogar über Indien, das sind 1,3 Milliarden Menschen, für die nächsten 21 Tage die Quarantäne verhängt; Zahl der "Infekte"? 400; Anm.)

Was inzwischen in Dänemark passiert ist, ist mit Gewißheit nur Vorreiter für Resteuropa: Hier wurden nun sogar Zwangstests und -impfungen verordnet. Nirgendwo in Europa hat die Exekutive (sowie deren Vertreter, wie Privat-Sicherheitsfirmen) derartige Befugnisse, wie sie jeder Gewaltdiktatur zur Ehre gereichen würden und bereits jetzt bis März 2021 geltend gemacht wurden. Diesen Gesetzen nach zu urteilen "befindet sich Dänemark im Krieg."

Das geschieht mit der Rechtfertigung der Berufung auf die Wissenschaft. Die als Religionsersatz gott- und offenbarungsgleiche Autorität beansprucht und zugestanden erhält. Sie transportiert mittlerweile, abhängig vom Geld, die "Szenarios", die über die Welt von den Oligarchen (die die Bildungsinstitutionen und Elite-Forschungseinrichtungen - etwa über die Rockefeller-Stiftung - beherrschen) verhängt werden.

Unter ihrem Einfluß verhängen die Staaten weltweit Kriegszustand, der jede öffentliche Ordnung außer Kraft setzt. Sie ist gerne, wie eine Hure, bereit, dieser Politik (die selbst wiederum in einem Wechselspiel mit der Oligarchie verknüpft ist) Instrumentarium und Rechtfertigung für eigene Ziele zu sein.



*250320*

Klassische Werbung

Jaja, diese Amis ... Werbung als Opernaufführung. Charming, isn't it?




Aber das gibt's in zahlreichen weiteren Stilrichtungen. Hier eine Auswahl.







Und zum Schluß noch eine Boyband






Montag, 30. März 2020

Corona - Wo sich Träume erfüllen

Das aktuelle Update zur die gesamte Corona-Krise begleitenden statistischen Verifikation von William M. Briggs findet der Leser unter diesem Link. Darin geht Briggs nicht nur auf die Chronologie dieser Pseudokrise ein, sondern zeigt, in welchem Ausmaß falsches Denken zwangsläufig zu falschen Rückschlüssen über die Wirklichkeit, in der wir als Realität leben, führt. Dieses falsche Denken ist wiederum die Folge eines wirklichen Irrtums, oder aber einer aus charakterlichen, psychologischen Gründen verschobenen Interpretationswillens. Kurz und bündig gesagt: 
Nicht wenige WOLLEN eine solche Corona-Krise, darauf könnte man es eindampfen.
Briggs' Update vom 24. März 2020 läßt sich mit seinem Vergleich am Schluß seiner Ausführungen subsummieren: Die Corona-Krise gleicht der Flüchtlingskrise. Auch dort wurden zumindest zu Anfang viele von einzelnen schockierenden Bildern von toten Kindern oder verzweifelten Frauen so bewegt, daß sie ihr gesamtes Denken nur noch unter die Prämisse gestellt haben, DIESES LEID zu verhindern. Dabei haben sie vergessen, daß es sich hier um tatsächliche Einzelfälle handelt, zum einen, die zum anderen die Folge durchaus kritisierbaren Verhaltens und unverantwortlichen Strebens waren. Neben der Tatsache, daß mit diesen Migrantenströmen so mancher ein ganz anderes Süppchen kochen wollte. 

Es hat Monate, ja Jahre gedauert, bis die Mehrheit der Bevölkerungen in unseren Ländern "umgedacht" hat. Das heißt, sich von den Emotionen aus diesen Bildeindrücken lösen konnten, um die Angelegenheit in ihrer sachlichen Grundlage zu betrachten. Und da fiel das Urteil seltsamerweise ganz anders aus.

Nicht viel anders verhält es sich bei der sogenannten Corona-Krise, nicht anders wird es sich zukünftig verhalten. Daraus alleine wird so manches verstehbar, in dem Verantwortliche bereits heute vorbeugen, daß das Urteil gegen sie zu realitätsgerecht ausfallen wird. Sondern sich nach den Bildern orientiert, die derzeit unser Urteilen beherrschen. In dem so verführerischen Irrglauben, daß Photographie Kunde von Wirklichkeit geben kann! Sie kann sie aber nur belegen, nicht aus sich "zeigen". Dazu braucht es ein Narrativ, einen Interpretationshorizont.

Besonders bedauerlich ist dabei, meint Briggs, daß sich so viele Konservative (conservatives hat im Amerikanischen eine noch weitergespannte Bedeutung als bei uns) dieser Kollektivtäuschung durch Bilder - das ist es nämlich - hingeben. Wie beim Migrationsproblem, wie beim Klimawahn, ist nämlich auch hier das individuelle Verhalten zum meisten Teil von Bildern motiviert, die schreckliche Todesszenen zeigen. Wer aber als Konservativer wäre Hoffnungsträger, daß unsere Gesellschaften ihre Generalerzählung an der Wirklichkeit, nicht im Wahn, orientieren?

Blickt man hinter die Kulissen, wie auch Briggs es in seinem Blog tut, wahrt man einen sachlichen Blick, dann stellt man fest, daß die Reaktionen auf diese Virenerkrankung die tatsächliche Gefahr sind. Weil in einem Ausmaß unangemessen, daß die ernste Gefahr aus dem Corona-Virus - die bislang völlig unaufgeregt getragene Krankheitserscheinungen und "Epidemien" in nichts überragt, im Gegenteil! - darin gesehen werden muß, politische, gesellschaftliche, psycho-soziale Folgenlawinen auszulösen, die nun wirkliche Bedrohungen für unsere Gesellschaften sind.
Keep calm! Bleibt also ruhig! Bleibt vor allem normal. Anderes kann man bei nüchternem Faktenstudium nicht sagen. 
Wir unterliegen als Bürger unserer Staaten zwar auch dessen Gesetzen, müssen sie also befolgen. Niemand aber kann uns zwingen, diese Maßnahmen NICHT als das zu sehen, was sie sind: Verrückt und in jedem Fall weit weit überzogen. 

Niemand kann uns auch zwingen, die Motive zu solchem politischen Verhalten ganz woanders zu suchen, als in wirklicher, berechtigter Sorge um die Gesundheit von uns Bürgern.



*240320*

Verweigerte Identität

Die Verweigerung des Ortes aber, die vor allem in der Stellung der Frau (mit "Gleichberechtigung" als Hebel) ausgedrückt wird, die wiederum dem Mann die Identität verweigert, also auch dessen Wirklichkeitsanbindung, nimmt immer haarsträubendere Formen an. Mit diesem Bild postet ein Mann und bittet seine Leser auf Facebook, ihm zu helfen, weil die Frau ihre Empfängnisverweigerung erst bei einer Million Likes aufzugeben bereit ist. Das ist aus der Geschichte auch nur in matriarchalen Gesellschaften bekannt, wie sie jeweils die Vorstufe vor dem Verschwinden eines Volkes sind.







Sonntag, 29. März 2020

Der Krieg der Sekten (2)

Teil 2) Eine Situation des Generalmißbrauchs 
Zu einer riesigen Sekte als Normalzustand geworden


*Analog zum Verhalten in Mißbrauchssituationen - der VdZ verweist auf Artikel auf diesen Seiten, in denen er unsere Zeit als getragen von der Methodik des Mißbrauchs klassifizierte - wird deshalb alles getan, um ALLE zum MITTUN zu animieren. Niemand soll ausgenommen werden, niemand soll später einmal sagen können, er hätte die Folgen nicht mitverursacht. Was übrigens KEINE Verschwörung ist, davon kann man sicher ausgehen, sondern ein psychisch-sozialer Effekt, den man bei nur etwas Menschenkenntnis annehmen darf. Dieser freilich kann dann tatsächlich zu Verschwörungen führen, die sich freilich anders nennen weil selbst anders sehen.

Wie es vermutlich jede Verschwörung tut. Die wenigstens anfänglich (siehe Carroll Quigley in seiner Beschreibung der Anfänge der Verschwörungsgesellschaften im anglo-amerikanischen Raum) nicht "als Verschwörung" auftritt, sondern von Personen getragen wird, die reale Probleme zu sehen meinen, die sie bekämpfen wollen. Dieser Kampf erst macht mit der Zeit eine Verschwörung "notwendig", weil sie im Sinne der Problembekämpfung effizienter ist.

**Die Ähnlichkeit solchen Verhaltens mit dem Geschehen in einer Sekte ist augenfällig, und keineswegs Zufall. Sie hängt mit der Gespensterhaftigkeit der "Gefahr" zusammen: Dort ist es der Teufel, der immer und überall ist, hier ist es die Gefahr der Ansteckung durch den anderen (=jeder). 

Man könnte also sogar sagen, daß wir uns derzeit verhalten, als wären unsere Länder und Völker zu einer einzigen Sekte geworden! Wenn jemand über Veränderungen spricht, die die derzeitige Corona-Krise für unsere Gesellschaften bedeutet, dann ist das praktisch immer unsinniges Gerede, stimmt aber in einem Fall: Die Veränderungen werden auffällig jenen psycho-sozialen Folgen gleichen, die Sektenmitglieder und -aussteiger aufweisen.






*240320*

Es geht um Rechtfertigung

Nein, es gibt ihn nicht [den reinen, klaren, eindeutigen Bösewicht; Anm.]! Nicht so! Um Böses zu tun muß der Mensch es zuallererst als Gutes begreifen oder als bewußte, gesetzmäßige Tat. 

So ist, zum Glück, die Natur des Menschen beschaffen, daß er für seine Handlungen eine Rechtfertigung suchen muß.

Noch alle Shakespeare'schen Bösewichter zerbrachen nach einer Zeit, an ihrem Gewissen, an zwölf Toten. Dann war ihre Geisteskraft und ihre Phantasie am Ende. Es fehlte ihnen etwas. Was?


Die Ideologie! Sie ist es, die der bösen Tat die gesuchte Rechtfertigung und dem Bösewicht die nötige zähe Härte gibt. Jene gesellschaftliche Theorie, die ihm hilft, seine Tage vor sich und vor den anderen reinzuwaschen, nicht Vorwürfe zu hören, nicht Verwünschungen, sondern Huldigungen und Lob.

So stärkten sich die Inquisitoren am Christentum, die Eroberer an der Erhöhung der Heimat, die Kolonisatoren an der Zivilisation, die Nationalsozialisten an der Rasse, die Jakobiner (die früheren und die späteren) an der Gleichheit, an der Brüderlichkeit und am Glück der künftigen Generationen.

A. Solschenizyn in "Archipel GULAG"



Samstag, 28. März 2020

Der Krieg der Sekten (1)

... und keiner weiß davon!


Was auch immer man James Corbett vorwerfen kann, dessen Gedankenwelt durch die Konzentration auf Verschwörungen ein wenig darunter leidet, nicht immer das Maß deren realer Auswirkungen richtig einzuschätzen - seine journalistische Tätigkeit ist bemerkenswert und immer zumindest originell. So meint er diesmal, in der "Corona-Krise", daß wir uns mitten in einem Krieg befinden, von dem seltsamerweise aber niemand etwas zu wissen scheint. Denn er trägt ein anderes Etikett. Er heißt "Corona-Pandemie". 

Wer sich ansieht, was als Gegenmaßnahmen verhängt wurde, welche sozialen wie politischen Folgen diese vermeintliche Pandemie hat, nimmt verblüfft zur Kenntnis, daß sich die Folgen für die Lebensweise zahlreicher Länder und Völker einer ganz bestimmten Situation absolut gleichen: 
Wir leben real unter denselben Lebensbedingungen, die ein schrecklicher, weltweiter Krieg hätte.
Volkswirtschaften brechen ein, Grenzen werden dicht gemacht, Menschen flüchten in eine Bunkersituation und richten sich auf Bedingungen ein, in denen es zu Verknappungen lebensnotwendigster Produkte kommt. Die Medien werden zentral gesteuert - wie in einem Krieg - und Zensur ist nicht nur üblich, sondern von den Menschen akzeptiert. Deren soziales Leben sich im Zustand des Krieges gegen jeden anderen Menschen befindet, der zur tödlichen Gefahr hochstilisiert wurde. 

Wie überhaupt alle diese Einschränkungen akzeptiert werden, weil wie in einem Krieg alles unter die Maxime des "Überlebens des Ganzen" gestellt ist, wo Kollateralschäden in Kauf genommen werden müssen. 

Auch die Gräben der Entfremdung fehlen nicht. Sie verlaufen zwischen jenen, die "ansteckend" sind (und das sind ganze Länder wie China, Persien, Italien) und wo sich die Epidemie mehr ausgebreitet hat, und jenen, die sich durch völligen Abbruch der kollateralen Beziehungen einigeln. Die Schuldigen und damit die Aggressoren sind dabei klar. Ihre Aggression rechtfertigt jede diplomatische Katastrophe, die solches Verhalten noch vor wenigen Wochen gewesen wäre.

Gleichzeitig steht die Staatsmacht gegen ihre Bevölkerungen. Zwar verkünden die Medien und Pressemitteilungen von "Gemeinschaft und Solidarität", doch jeder Augenschein, die Polizeipräsenz auf den Straßen,
die stetig steigende Rigorosität, mit der "Fehlverhalten" als "a- und antisoziales Verhalten" identifiziert und sanktioniert - weil bestimmtes Verhalten totalisiert** - wird, 
die Aktivierung der militärischen Ressourcen, das Versammlungs- und faktische Vereinsverbot, die Verhängung von Sondergesetzen, Ausnahmezuständen und die ganz selbstverständliche Inanspruchnahme von Sonderrechten durch die Regierenden, mit denen sie diktatorisch eingreifen, spricht eine ganz andere Sprache. Nämlich die eines Kriegszustands. Sogar Tote, "im Kampf Gefallene" liefert dieser Krieg.

Die Liste der Parallelen zu einer realen Kriegssituation wäre noch weit, weit verlängerbar. Kann also jemand sagen, worin sich der gegenwärtige Zustand von dem eines weltweiten Krieges unterscheidet? Es fehlt nicht einmal die Ausrufung!

Man könnte diesen Krieg mit einem Computerspiel vergleichen, in dem die Teilnehmer plötzlich begonnen haben, ihr ganzes Leben in diese Auseinandersetzung am Bildschirm und auf den Festplatten mit hineinzuziehen. Und ihre Sinnhorizonte gemäß den Prämissen des Spieles neu zu modellieren. 

Woher das Gefühl einer seltsamen Unwirklichkeit kommt, das so viele bei sich feststellen, blieb zwar vorerst ein Rätsel. Aber es wird daran gearbeitet, es zu lösen. Das Meiste von dem, was sich vor allem in den Medien tut, ist nur unter diesem Blickwinkel verstehbar: Die Medienwelt wurde einem Generalversuch, die erste, unbedingte Realität dieses Spieles zu beweisen. Und man muß ernsthafte Sorge haben, daß sie damit durchkommen. Mit jedem Tag, mit jeder Maßnahme, mit jeder Folge mehr wird die Unmöglichkeit der dafür verantwortlichen, mittätigen* Autoritäten zunehmen, diese Fehlannahme zuzugeben und zu korrigieren.

Daß somit die nächste Zukunft von Annahmen getragen sein wird, die unser alltägliches Leben nach den Regeln dieses Spieles neu ordnen, und durch weitgreifende Entscheidungen den Lauf der Welt ändern. Weil das aber nur in einem gesellschaftlichen Chaos enden kann, ist die stetige (und schließlich exponentielle) Zunahme von Zwangsmaßnahmen der Staaten gegenüber ihren Bevölkerungen so gut wie sicher.

Morgen Teil 2) Zu einer riesigen Sekte 
als Normalzustand geworden



*240320*

Zwang zur Gottgleichheit

Dieser eine Punkt ließ den VdZ aufhorchen. Er hat Erhellungspotential, der Leser möge es selbst prüfen. Da heißt es in einer Glosse auf Tichys Einblicke, in der Angela Merkel mit dem Chinesenführer Xi Jinping verglichen wird:

 »„Beim Umgang mit der Krise stehen sowohl das Ansehen als auch die Legitimität der Partei auf dem Spiel“, heißt es im akademischen Fach-Newsletter „China Neican“: „Letzten Endes werden die Chinesen die Partei – trotz all der Kontrolle der öffentlichen Meinung – sehr kritisch beurteilen.“«

Diese Aussagen lassen sich nämlich auf einen Punkt verdichten: Den, in welchem einer Partei (und deren Funktionäre, die an dieser Parteimacht teilhaben) oder einer Person selbst göttliche Kraft zugeschrieben werden. Jene Kraft, die "alles" regeln und lenken kann.

In diesem Denken wird zugleich der Glaube an diese Lenkungskraft, der Glaube daß aus dieser Partei (oder dieser Person) alles Gute erfließt, zum zentralen Punkt. Somit ist dieser Punkt auch die logische Entwicklung der Parteiendemokratie! 

Diesem Glauben ist jede Form von Zweifel tödlich, er bedroht die Existenz der Partei bzw. die Stellung als Stand, also jenen Ort im Netz der Beziehungsgeflechte (die man Gesellschaftsordnung nennt), von dem alles Wohl ausgeht. Das gilt natürlich auch bei Personen. Womit der Schritt zum Kult (als Aberglaube, als Götzenglaube) gar nicht mehr zu setzen ist, der ist bereits implizit gegangen.

So ist die Notwendigkeit einer Zensur erklärbar. Die aber nicht bei Medien aufhört, dort beginnt sie eher. Sie muß vielmehr die Gehirne der Einzelnen umfassen. Die Parteiendemokratie hat also den Zug zum Totalitären als Wesensbestandteil. 

Wie Xi Jinping es sagt: Die Chinesen werden die Partei "sehr kritisch beurteilen". Sie werden von ihr alles erwarten, weil sie gottgleich gesetzt ist. Wenn das nicht eintritt, wenn der Glaube daran einbricht, werden aber die Kaiser geopfert. Das hat nicht nur in China Tradition. Umso mehr muß der Kaiser darauf achten, daß niemand Zweifel an ihm äußert und damit sät. Es geht um sein Leben. Er braucht die Gottgleichheit - samt dessen Sphäre des Sakrosankten - lebensnotwendig.

Diese Stellung wird nunmehr zur gedachten Stellung. Sie erwächst aus einer Vorstellung des Gesamtgebildes "Gesellschaft" (wie groß oder klein, wie spezifisch auch immer, also vom Vogelzüchterverein bis zum Staat), und überwuchert die Wirklichkeit des Dings (hier: der Partei; oder bestimmten Repräsentanten.)

Der Wert des Nimbus übertrifft somit ihre Aufgabe, er wird absolut gesetzt. Eine Folge der Verdinglichung des Geistigen.

Aber lassen wir das einmal beiseite. 

Nicht zufällig kennen wir diese Tendenz auch von der Kirche, wo sie die Vitalität und Wirklichkeit ihres Tuns und Handelns unter die Notwendigkeit stellt, daß ihre Stellung nicht angekratzt werden darf (obwohl sie das in der Meinung der Menschen eben WEGEN dieses Handelns längst ist). Und wie in der Kirche, so ist auch bei den Parteien ein schleichender Wirklichkeitsverlust die Folge. Der schließlich zum Ausgrenzen der Vernunft führt, weil die Vernunft - an sich eine Anbindung an die Wirklichkeit (die hinter allem steht! also mit Realität, mit Faktischem nicht zu verwechseln ist) - zum Feind des Nimbus, der gedachten Stellung wird.




Freitag, 27. März 2020

Honi soit qui mal y pense (2)

*Teil 2) Zu Norditalien - Kleiner Grundkurs
in der Geschichte des Kapitalismus



*Die Kultur- und Wirtschaftsgeschichte zeigt, daß weltweit Wohlstand und Reichtum auf Herstellung wie Handel von Textilien aufgebaut ist. Deren Wurzeln bis hinein in Landwirtschaft und Chemische Industrie - Stoffe und Fasern! - reichen. Sie entwickelt sich überall in derselben Dynamik einer Internationalisierung, aufgrund immer noch hoher Handarbeitsgrade zu niedrigen Löhnen und hoher Mechanisierung. Anderseits verfallen die Rohstoffpreise, was diesen Ertragsdruck bis in Landwirtschaft und Grundstoffindustrie weiterreichen läßt. Auch dort mit denselben Folgen einer Umwälzung der Folgen (soziale Folgen, Umweltzerstörung, Schwächung der Religion, Schwächung der Familie, etc.) auf die Allgemeinheit durch ein Zerreißen der Kostenwahrheit. 

Der Konkurrenzdruck erfordert aber auch einen immer höheren Kapitaleinsatz, macht wiederum Fremdkapitalien nötig, was zur Ablösung von Unternehmen von UnternehmERn führt. Umso leichtfertiger erfolgen Unternehmensentscheidungen, die die Kostenwahrheit zerreißen und Folgekosten auf die Allgemeinheit umwälzen. Was wiederum nur durch weitere Verflechtungen (INvestitionen in Medien und "Bildung", s. u.) Akzeptanz findet und verschleiert werden kann. 

Aufgrund der Zwänge aus Zinsen unterliegen lokal wie international (und heute global) Textilfabriken immer ausschließlicher denselben mathematischen Anforderungen wie Zinsrechnungen. Das hat unmenschliche Arbeitsbedingungen zur Folge, in denen sich die Löhne nicht mehr an (lokalen!) Gegebenheiten und Lebensformen orientieren. Was wiederum zur verstärkten Entwurzelung der Arbeitenden führt, die in Funktionen aufgelöst einerseits immer internationaler werden, anderseits die Frau als Billiglohn-Reservoir und somit Lohnkonkurrenz zum Mann etablieren, also Motor des "Feminismus" sind.

Die mathematische Logik, der aufgrund des immer stärkeren Konkurrenzdrucks bald sämtliche Unternehmen durch nötiges Fremdkapital für Investitionen in Maschinen unterliegen.

Zu immer geringeren, vor allem nicht mehr familien-nährenden Löhnen Arbeitende - die Folge ist ein Rückgang der Geburten, was wiederum einen Sog für zuwandernde Arbeiter aus Gebieten mit niedrigerem Wohlstand erzeugt - stehen einer immer kleiner (weil zentralisierter) und immer reicher werdenden Schichte von Kapitalbesitzenden gegenüber. 

Deren Interessen - getragen von entpersönlichten Kapitalerträgen - sich immer stärker auf von der eigentlichen, ursprünglichen Branche losgelöste Bereiche richten. Und deshalb starken Einfluß in Politik, Kunst und reinen Investitionsbereichen (Immobilien, Edelmetalle, Geldverleih), aber auch in Medien und (nutzenorientierte) Bildung gewinnen. Jeweils getragen durch die Macht des Kapitals als Macht gesellschaftlich-kultureller Bewegung.



*240320*

Was aber steht wirklich in der Bibel?

Wir beziehen uns zur Abwechslung wieder einmal auf einen Artikel auf OnePeterFive. Der nämlich etwas von so großer Bedeutung gelassen ausspricht, daß es unbedingt aufgegriffen und den werten Lesern als glänzender Edelstein vor Augen gehalten werden soll. Es geht vorerst um eine Stelle, die so leicht zu verstehen scheint, die auch schon so oft zitiert worden ist, daß es fast nicht der Mühe wert scheint, sie noch einmal anzusehen. 
Als viel Volk zusammenkam und die Leute aus allen Städten ihm zuströmten, sagte er in einem Gleichnis: "Ein Sämann ging aus, seinen Samen zu säen. Beim Säen fiel einiges an den Weg, wurde zertreten, und die Vögel des Himmels pickten es auf. Anderes fiel auf steinigen Grund. Es ging zwar auf, verdorrte aber, weil es keine Feuchtigkeit hatte. Anderes fiel mitten unter die Dornen. Die Dornen wuchsen mit auf und erstickten es. Und anderes fiel auf gutes Erdreich, ging auf und trug hundertfältige Frucht." Bei diesen Worten rief er aus: "Wer Ohren hat zu hören, der höre!" Da fragten ihn seine Jünger, was dieses Gleichnis bedeute. Er antwortete: "Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu verstehen. Den anderen werden sie nur in Gleichnissen dargeboten, damit sie sehen und doch nicht sehen, hören und doch nicht verstehen. (Lk. 8, 4-10)
Was der VdZ meint wird vielleicht klarer, wenn man weiß, daß diese Übersetzung (aus dem Griechischen) zwar gebräuchlich, im Grunde auch nicht falsch, aber eine Interpretation ist. Die sich natürlich nach jenem Verständnishorizont richtet, den der Übersetzer hatte oder beim Publikum annahm, während er den buchstäblicheren, sich direkter aus dem Originaltext ergebenden Sinn als für das normale Ohr unverständlich ansah. So ungefähr muß das sein, und nach wie vor wird diese Stelle so übersetzt und verlesen. 

Was steht da aber nun im Original? Was der VdZ mit diesem Gewese meint wird dem, der hören will, klarer, wenn er hört, daß da nicht steht, daß der Sämann einfach "einen Samen sät", sondern dieser Samen ist etwas anders - denn im Original steht, und so müßte man es lesen, daß der Sämann SICH sät. 

Mehr wollen wir aufs erste auch gar nicht dazu sagen. Außer, daß aus dieser Stelle klar wird, warum die Liturgie, warum das Opfer vor Gott, warum die Heiligen Zeremonien im Altarraum nur von Männern durchgeführt werden können. Nicht, daß man sich noch dazu als "Begründung" darauf berufen kann oder soll, wie es (leider) so oft geschieht. Weil man die tiefere Erklärung entweder selber nicht kennt, nicht versteht, oder dem anderen nicht zumuten will. Auch das Volk (s. o.) murrte, als Jesus auf die Bitte, er solle die Heilsspeise (oder, an anderer Stelle, am Jakobsbrunnen auf Durst und Wasser bezogen) geben, antwortete, daß ER diese Speise sei. Worauf das Volk dann abwinkte, weil nicht verstand: Was für ein Unsinn, wie kann jemand sich selbst zur Speise geben?

Er kann. Ja, das Zueinander der Dinge, die Schöpfung im Insgesamt also, ist ein Zueinander der ... Gestalten. Und aus diesem Zueinander von Gestalten ernährt sich alles, so wie alles einander Speise ist. Und Same, der - siehe oben - aufgeht, oder vertrocknet, und so weiter. 

Nicht Funktionen sind es, die auch auf Gestalt verzichten könnten, die die Schöpfung, die Welt im Dasein hält. Effekte sind nur die Folge des Aufeinanderwirkens von Gestalt - Agere sequitur esse/Das Handeln folgt dem Sein - und deshalb an eine Gestalt GEBUNDEN.

Aber noch mehr! Das Bildhafte, das die eigene Gestalt in die Welt trägt, hat in Wirklichkeit keinen lediglich chimärenhaften, sondern den wahren Charakter einer "festen Speise", eines "festen Dings". Jedenfalls wäre es unserer Vorstellungswelt angemessener, es so zu imaginieren. 

Denn alles gibt einander Speise, alles ist einander Speise. Aber es ist einander nur dort und deshalb Speise, wo es Sein hat, also auch am Guten teilhat, gut "ist". Und gut ist etwas in dem Maß, als es am Gut selbst, also an Gott, teilhat - also auferbaut aus der Gestalt Gottes ist. Nur dieses Gestalthafte, dieser Same der Gestalt Gottes läßt die Welt überhaupt bestehen. Deshalb mußte Jesus, der Sohn Gottes, Mensch werden, deshalb mußte er sich uns im Abendmahl geben, deshalb muß er bei uns in den Zeichen von Brot und Wein bleiben.

Wissen Sie, geneigter Leser, was Jesus also meint? 



*120320*

Donnerstag, 26. März 2020

Honi soit qui mal y pense (1)

Die Luftbedingungen in Norditalien gehören zu den schlechtesten in ganz Europa. Das untenstehende Photo zeigt den dortigen Wintersmog (NO2) im Februar 2020. Norditalien ist zudem stark überaltert. Schon bisher war die Zahl der Toten wegen Grippeviren höher als im Rest von Europa. Statistiken weisen deshalb schon lange hohe Zahlen von Kranken auf, die im höheren Alter stehen und durch die lange Jahre eingeatmete schlechte Luft unter respiratorisch-pneumatischen Symptomen leiden. Warum aber wird das gerade in diesem Gebiet Europas nicht besser? Das hat mehrere Gründe, die als "Folgen des hohen Industrialisierungsgrades" zu bezeichnen nicht die ganze Wahrheit trifft.

Norditalien, dieses reichste Gebiet Italiens, kann man neben dem Unterlauf des Rheins - mit fast identischer und sogar zeitlich paralleler historischer Entwicklung (was zugleich eine Mitbedingung durch die Überregionalisierung war) - als Urland des europäischen Kapitalismus bezeichnen. Der wie jeder Kapitalismus, aber überhaupt wie der Wohlstand einer Volkswirtschaft, auf der Textilbranche aufgebaut ist und war.*

Dort leben und arbeiten viele tausend chinesische Fremdarbeiter. Alleine in Prato sind es 40.000 (das sind 20 Prozent der Bevölkerung dieser Stadt in der Toskana), 15.000 davon illegal. Die zum überwiegenden Teil unter unmenschlichen, alle lokalen und behördlichen Sicherheits- und Arbeitsstandards unterbietenden Bedingungen und zu niedrigsten Löhnen für chinesische Firmen arbeiten. Ihre Löhne liegen zwei bis drei Euro unter denen italienischer Arbeiter, und ihre Lebensbedingungen sind haarsträubend. Viele schlafen sogar in der Fabrik.

Nur in den letzten sechseinhalb Jahren wurden über 1.900 chinesische Fabriken kontrolliert und 909 davon wegen grober Sicherheits- und Arbeitsplatzmängel geschlossen. Sanktionierte Fabriken machten sich aber selten die Mühe, die Probleme zu beheben, und ziehen es vor, unter einem neuen Namen wieder zu eröffnen. Viele Firmen öffnen und schließen so schnell, daß sich eine behördliche Prüfung schon zeitlich gar nicht ausgeht.
Viele Migranten gründeten ein eigenes Unternehmen und schufen eine Art Outsourcing, bei dem nicht Waren exportiert wurden, sondern Menschen.
Die dort Textilien herstellen, die "Made in Italy" nicht nur in China reißenden Absatz finden, sondern in ganz Europa gefragt sind. Und einen mörderischen Konkurrenzkampf in Norditalien entfacht haben, der die gesamte Textilbranche zu einem Kriegsgebiet gemacht hat.

Denn die Textilbranche ist heute von "fast fashion" gekennzeichnet, von Mode also, die oft nur wenige Male getragen wird und im Laden nur wenig kosten darf, weil die Trends im Verbraucherverhalten immer rascher wechseln. Oft ist dabei nur der Name italienisch ("Teresa Moda" etwa), die Produktion aber auf zahlreiche Subunternehmen in wechselnden Verflechtungen verlagert, die von Chinesen betrieben werden.

Außerdem werden von diesen chinesischen Produktionsclustern in riesigem Ausmaß Steuern hinterzogen, und Milliardengewinne nach China verschoben. Das ist den Behörden bekannt. Doch die sind nicht zuletzt deshalb machtlos, weil deren Verbindungen zur Mafia schützende Hände beinhalten. Auch ist mit den chinesischen Behörden kaum Zusammenarbeit möglich, die aber nötig wäre, um diese Machenschaften strafrechtlich verfolgen zu können.


*Morgen Teil 2) Zu Norditalien - Kleiner Grundkurs
in der Geschichte des Kapitalismus



*240320*

Ein kurzes Aufblitzen von Vernunft

Eine interessante Stimme zum Niedergang der SPD erhielt in Tichys Einblicke Gehör. Der wegen persönlicher Intrigen aus der Partei ausgetretene Essener Stadtrat Karlheinz Endruschat gibt hier seine Meinung kund. Die Sprengkraft nur dadurch erhielt, als sie einem gewissen Einbruch des Wirklichen Raum ließ. So daß etwas wie Vernunft durchs Gewebe blinkt. Und die ist der größte Gegner der Decke der Ideologie, die sich so lückenlos über unser Land gebreitet hat. Auch wenn die Treue zur SPD anzeigt, daß nicht die Vernunft an sich, sondern lediglich das momentan an der Vernunft Nützliche angenommen wird. Der Moment also, wo sich die Böcke von den Schafen trennen. 

Das Endurteil vor Gott wird aber nicht aus Nützlichkeitsmomenten getroffen, sondern aus der Grundentscheidung. Das Gute ist nicht das Nützliche! Sondern "gutes Handeln" ist ein Handeln aus dem Sein heraus, auch wenn das Handeln selbst unvollkommen und mangelhaft ist. Das weniger Mangelhafte eines Handelns ersetzt also nicht das Gute. Sondern solches Handeln bleibt dann leeres Bemühen.
Aber lassen wir das, kehren wir zu einer anderen Disputebene zurück.

Im Grunde ist alles an der Kritik an der SPD (es trifft größtenteils auch für die SPÖ zu) bekannt, aber er faßt es gut zusammen. Erstaunlich klar wird in diesem Interview der genuin christliche  Impuls erkennbar, der einst hinter allen sozialrevolutionären Bewegungen stand. Wie immer bei Häresien, also bei falschen Gewichtungen (die immer aus einem Mangel an Verständnis des Zentralen entsteht) von Teilaussagen eines Anschauungsgebäudes, wird diese Häresie irgendwann zum Todfeind der Herkunftslehre. Wie beim Sozialdemokratischen bzw. beim Sozialismus, der die (richtig verstandene) Freiheit des Menschen eines Effekts willen beschneidet, weil die Verankerung des Seins in der Vorsehung Gottes unbegriffen bleibt. Ihm bleibt fern, daß erst aus dieser Offenheit für das Spiel Gottes das Schöpferische der Welt erwächst. 

Woran man so etwas aber auch in anderen Weltanschauungen erkennt (die sich formell aber noch als unterschieden von der Sozialdemokratie bezeichnen, wie es bei der CDU oder ÖVP der Fall ist, sich aber im Kern nicht mehr unterscheidet) ist der Umstand, daß dort besonders gern von "nötigen Innovationen" (usw.) gefaselt wird.
Zum Abschluß ein Zitat aus dem Gespräch mit Endruschat:

Werden diese Probleme von den Bürgern bei Wahlkämpfen angesprochen?

In den betroffenen Stadtteilen ist das, was ich sage, eine Binsenweisheit. Das Problem ist eben, daß die Politik der SPD aus den wohlhabenden Stadtteilen heraus gemacht wird. Da leben auch diejenigen, die Posten und Funktionen in der Partei haben. Man könnte den Eindruck bekommen, daß die Partei sich für Stadtteile wie Altenessen gar nicht mehr besonders interessiert. Man hat wohl irgendwann entschieden, vielleicht auch nur informell, daß man diese Stadtteile mit den Problemen der Zuwanderung belasten will. Und das schlechte Gewissen entlastet man, indem man Dekorationen schafft, wie mal eine Grünanlage. Aber die eigentlichen Probleme dieser Stadtteile im Niedergang nimmt man nicht auf.




Mittwoch, 25. März 2020

Handeln im Zeitalter der Etiketten

Vor achtzehn Jahren ließ der VdZ eine Figur in einer seiner Kabarett-Tragödien sagen: "Die Sachen müssen heute gar nimmer sein, was sie sind, es muß nur noch draufstehen, daß sie das oder das sind."

Greta Thunberg hat nun verkündet, daß sie "von zu Hause" streikt. Denn auf die Straße zu gehen ist viel zu gefährlich. Der Coronavirus, wir verstehen. 

Daß man es auch noch wagt, solche Mitteilungen in die Öffentlichkeit abzusondern ist das Widerlichste daran. Das aber so verdammt typisch ist. Für diese Zeit, für diese Generationen. Anderseits hat es schon seine ontologische Richtigkeit, nur wissen das die Jungen nicht. Sie spüren es nur an der seltsamen Lahmheit der Motivation. Ein Nicht-Problem wird mit Nicht-Handeln danach beantwortet.

"Fritz, beweg doch Deinen Arsch von der Couch, seit Mittag liegst Du nur noch rum!"
"Häää? Ich lieg doch nicht einfach rum! Ich streike für den Weltfrieden, Mama!"
"Ach so. Tschuldige, wußte ich nicht."
"Aber Hauptsache meckern, nich' wahr? Ihr mit Euren Vorurteilen .."
"Dann sag das doch das nächste Mal dazu, dann kann ich Dir kein Unrecht tun."
"Das ist soooo typisch ..."
"Ja woher soll ich das denn wissen?!"
"Daaa, siehst Du nicht die Kamera? Ich übertrage meinen Streik ins Internet!"
"Oh ..."
"Ich hab schon 300.000 Klicks, siehste?"
"Wow. Und 100.000 haben sich dem Streik schon angeschlossen. Also echt, was diese Jugend so auf die Füße stellt, das hätten wir nie geschafft. Was waren wir doch für Mauserl im Vergleich. Wenn ich daran denke, wie wir mit dem Fahrrad an die Donau gefahren sind ... 500, 600 waren wir, wenn es hochkommt. Und die Neustaufener Bezirksnachrichten haben darüber berichtet."

***

Etwas Näherliegendes von der Handlungsfront: In Zeiten der Coronakrise und der allgemeinen Quarantäne hat sich gerade in der Straße ein wahrer Wettlauf der "Handelnden" entwickelt. Bewohner um Bewohner hat Lautsprecherboxen auf die Fensterbank gestellt, und es tobt ein Wettlauf der Musiken, die nun in kaum faßbarer Lautstärke (haben die Menschen heute - scheinbar alle! - Tonanlagen, die für eine Stadionbeschallung reichen, zuhause!?) durch die Gasse tönen. 


*230320*

Neulich unter Stalin (4)

Erst als Alexander Solschenizyn auf der Gefängnispritsche lag, hat er über diese seine Vergangenheit nachgedacht, über seine Offizierslaufbahn in der Roten Armee. Und sich an die Grauen der ersten Jahre seiner eigenen Ausbildung erinnert, an die Erlebnisse mit schikanierenden Vorgesetzten, mit Menschen, die seiner nicht würdig waren, wie er damals, als Leidender, zu erkennen meinte. Aber dann kamen die Sterne aufs Schulterstück, einer, zwei, drei, vier, fünf, und plötzlich war alles Schlimme ... vergessen.

Und er erinnert sich an jene 'glücklichen' Jahre als Offizier. An den Moment, wo er einfach begann, die "Freude des Moments" zu genießen, in diesem "einfach so leben", einfach dazugehören. Wo er Offizier unter Offizieren war, und nicht nachdenken mußte. Auch er erlebte die Freude, zu einer Art zu gehören, zu leben wie alle lebten, sich darein einzufügen, wie es halt Brauch war.  Wo der zufriedene Augenblick manche Erinnerung auszulöschen schien.
Die Freude, manche seelische Finesse zu vergessen, die man von Kind an in mir gepflegt.
[Dabei - wie war er selbst als junger Soldat sinnlos, auch mit Schlafentzug, geschunden worden! Aber sieh da ...] Endlich hatten wir die Würfel am Kragen! Und es war noch kein Monat vergangen, da ließ ich, als ich im Hinterland eine Batterie formierte, den Soldatenjungen Berbenjow wegen einer Unachtsamkeit zur Schlafenszeit vom widerspenstigen Sergeanten Metlin schleifen ... (Ich habe es VERGESSEN, habe es in all den Jahren aufrichtig vergessen! Jetzt beim Schreiben kommt mir die Erinnerung ...) Und ein alter Oberst, der gerade Revision hielt, ließ mich zu sich kommen und redete mir ins Gewissen. Ich aber (nach der Universität, wohlgemerkt!) rechtfertigte mich damit, daß man es uns in der Schule so beigebracht hat. Das heißt also: Wozu das Alle-Menschen-sind-Brüder, wenn wir in der Armee sind?
Es setzt das Herz den Stolz an wie das Schwein den Speck.
Und er erinnert sich, wie er seine Untergebenen geschunden, sinnlose Befehle gegeben, die manchem sogar das Leben gekostet hatten, oft sogar nur, um seinen Vorgesetzten zu genügen. Wie er respektlos und gierig gewesen war, wie er Vorteile ausgekostet und sogar ausgeschlachtet hatte, wie sie das Offiziersdasein eben gewährte.
Das alles machen die Achselstücke aus einem Menschen. Und wo sind nur Großmutters Unterweisungen vor der Ikone geblieben! Und wo die Träume des kleinen Pioniers über das künftige Reich der Gleichheit!
Und als mir die 'Smersch'-Leute beim Brigadekommandant damals diese verfluchten Achselstücke samt der Koppel herunter rissen und mich vor sich her schoben zu ihrem Auto, da war ich angesichts dieses Trümmerhaufens meines Daseins auch noch dadurch zutiefst betroffen, daß ich nun in solch' degradiertem Zustand durchs Zimmer der Telefonisten gehen sollte, o Schreck, daß mich Gemeine in diesem Aufzug sahen! 

Am darauffolgenden Tag begann mein Fußmarsch in Richtung Sibirien.

 Wird fortgesetzt

Dienstag, 24. März 2020

Warum unsere Lage pervers ist

Es reicht nicht, Wahrheit zu erkennen und es reicht nicht einmal, sie niederzuschreiben. Selbst wenn das Erkannte umfassender ist, als Autoritäten, die das Narrativ einer Gesellschaft bestimmen. Dem VdZ ist bewußt, daß es ihm an solcher Autorität weithin fehlt. Wenn er hier also Raffael Bonelli ins Blog stellt, dann nicht, weil er diesem "anhängt" oder alles für gut befindet, was dieser sagt. Sondern weil er einiges von dem vorträgt, was in diesem Blog viel umfassender bereits zu lesen war und ist. 

Viel von der im Netz tatsächlich zu beobachtenden Wut ist übrigens genau darin verwurzelt. Es ist die verzweifelte Wut der auch durch das Internet verbreiteten Illusion, daß Autorität, also offizielle, gesellschaftliche Hierarchie, ohne Bedeutung wäre. Daß es nur auf die "Qualität", auf die "Begabung", das "Talent" etc. etc. ankäme. NEIN, eben nicht! Und im Netz läßt sich genau diese Erfahrung machen: Daß auch dort nur sehr reale Hierarchien von Bedeutung sind. Auch und gerade vor dem Hintergrund, daß sich "Samen zu säen" aus der Stellung in dieser gesellschaftlichen, (selbst heute!) nicht hinterfragbaren Ordnung (Hierarchie = Heilige Ordnung) ergibt. Somit hängt auch das Fruchtbringen davon ab. Und das ist nicht in quantitativen Maßstäben zu messen, wie es das Internet vorgaukelt (mit Zahlen von likes, "clicks" usw.).

Es geht um die Stellung in der Hierarchie, in der jeder - jeder! - steht. Und jeder - jeder! - steht an seinem Platz, der ihm vorausgeht, der ihn sein Leben lang bestimmt. Die linken Theorien, die heute Allgemeingut zu sein vorschützen (dabei nicht einmal der geringsten Realitätsprobe standhalten), stimmen nicht einmal im Ansatz. Wir irren uns deshalb ganz fatal. Werden zwar von dieser ontologischen Wahrheit nach wie vor bestimmt, aber kennen diese Wahrheit nicht mehr. Und deshalb treffen wir am laufenden Band falsche, fatal falsche Entscheidungen. Wie in der Corona-Krise, die riskiert, daß wir in katastrophale wirtschaftliche Zustände zurückfallen, weil wir einer zur Panik hochgeschaukelten Scheingefährlichkeit zum Opfer gefallen sind. Und begrüßen, was uns zerstört. Das nennt man im übrigen ... Perversion. 

Vieles, was nun an der lächerlich überzogenen Angst vor einem "Virus" zum Ausdruck kommt, ist etwas ganz anderes. Es ist die Angst des im Weltraum Schwebenden, der keine Ahnung hat, wo überhaupt noch etwas ist, das ihm Halt geben könnte. Denn wir finden keine Balken der Wahrheit mehr. Und das alles ist die Logik einer jahrhundertelangen, in den letzten Jahrzehnten, in den letzten Jahren exponentiell emporgeschossenen Fehlentwicklung aufgrund von Irrtümern. Es ist also eine Ersatz-Angst, die wir erleben. Mit einem "Virus" hat das nichts, absolut gar nichts zu tun.



Wir leiden nicht an einer "Corona-Krankheit", wie leiden an der Unfähigkeit, Realitäten noch zu erkennen, und deshalb angemessen zu reagieren! Hören Sie eine Stellungnahme der anerkannten Virologin Karin Mölling vom Max-Planck-Institut. 
Das zeigt sich in der lächerlichen Klimapanik, das zeigt sich in der Coronapanik: Die aufgrund einer angeblichen "Kompetenz" in die Führungsebenen geschobenen Personen sind nicht mehr in der Lage, die Wirklichkeit zu erkennen. Und führen uns in den Abgrund, aus dem zu erlösen wiederum uns aufgelastet wird. (Das gilt im übrigen auch für "führende Stimmen der Wissenschaft".)
Weil wir uns aufgrund dieser Zufallsentscheidung "Wahlen" in einer perversen Situation wiederfinden, uns selbst überlassen zu sein, und das dann "Führung" zu nennen. Führung kann sich nur aus göttlichem Anspruch herleiten! Niemals kann der Schüler selbst bestimmen, ob das zu Lernende gut oder richtig ist.

Den durch solche "Wahlen" (denen sogar die Grundvoraussetzung von Wahl fehlt: Die Freiheit, die nur aus Sittlichkeit kommen kann) befeuerten Mechanismen entstammen mittlerweile sämtliche "Führungspersönlichkeiten", die das Schicksal Europas bestimmen. Denn losgelöst von absoluten Hierarchien, losgelöst von absoluter Legitimität (so daß heute alles ein permanenter, nie abreißender Lauf um Legitimität ist!), wird plötzlich die charakterliche Disposition entscheidend.

Und was haben wir da? Frauen, Halbwüchsige. Fast immer schon Menschen in schweren Sündenkonstellationen, Menschen in objektiv nicht geordneten Lebenssituationen ... deren Handeln davon bestimmt ist, ihre Unordnung zu rechtfertigen oder schönzufärben, also zur Ordnung zu erklären. Allesamt aber unfähig, und zwar per ontologischer Konstitution unfähige Menschen, Wirklichkeit überhaupt zu erkennen. Denn dazu bräuchte es die Ablösung von persönlicher Situation und das Hinausschreiten ins Offene der Wirklichkeit weil Wahrheit.

Stattdessen sind sie alle getrieben von nur einer Fähigkeit: Diesen pervers falschen Mechanismus, in einer fatal und allgemein unsittlichen Situation "nach oben" zu kommen, die sich von der Situation, in der dann ein Nach-oben-Gekommener vor sich hat, völlig unterscheidet, zu bedienen.
Denn dieses "Dort-oben-sein" ist eine Frage der Selbstüberschreitung und dazu braucht es (oder: bräuchte es) Heiligkeit, bräuchte es Bindungsfähigkeit ans Objektive der Wirklichkeit, also der Wahrheit in der Welt. Also Dispositionen, die in keiner solcher "Wahl" überhaupt wesentlich sind, ja die sogar im Wege stehen.
Ein Volk aber kann und darf nur von absoluten Strukturen regiert werden, niemals von Personen, die willens und in der Lage sind (und sich damit noch dazu brüsten!), diese Strukturen auszuhebeln und zu verändern. Das aber ist heute der Fall, und es ist die Situation einer permanenten Revolution. Die immer nur ein Ergebnis kennt: Totalschaden weil Totalchaos. Die Leichtigkeit, mit der sämtliche Regierungen Europas, ja der Welt, derzeit einen Total-Shut-Down angesichts einer unfaßbar lächerlichen, der Wirklichkeit niemals entsprechenden Coronakrise ausgelöst haben, ist das einzig Erschütternde derzeit.
Nicht die objektive Welt bringt uns also einem Chaos gefährlich nahe oder wird es unausbleiblich machen. Sondern dazu ermächtige "gewählte" Personen, die in Positionen sind, in denen es auf die subjektive Disposition ankommt. Sie sind damit aber auch die Schuldigen. Nicht, wie wir auch noch beschuldigt werden, wie versucht wird uns einzureden: Wir selbst. Diese Schuldigen als diese Verantwortungsträger sind überhaupt nicht in der Lage, die Folgen ihres Handelns zu tragen! Stattdessen werden sie wieder im Allgemeinbauch der Allgemeinheit verschwinden, und selbst noch von den Gutmachungen zehren. Anstatt diese zu erbringen!
Wir wurden und werden in eine Schadenssituation getrieben, in deren Trümmerrauch viele, enorm viel versuchen, unsichtbar in ihrer Schuld zu werden, und im allgemeinen Trümmerrauch zu entschlüpfen.



***
Zwar läßt sich der VdZ hier nicht auf eine Detaildiskussion ein, aber das in diesem Video Vorgestellte ist in seiner Grundstruktur sehr stringent und trifft sich mit so mancher hier vorzufindenden Argumentation. Die aus einer völlig anderen Richtung kommend zu denselben Ergebnissen gelangt. Es sei außerdem auf Parallelen zur Behauptung eines HI-Virus hingewiesen, der Fall liegt nicht unähnlich. Und er liegt in seinen Grundzügen nicht unähnlich zur Massenhysterie die angeblich dräuede (auch hier: Kampf gegen eine nicht evidente, sondern mögliche Bedrohung!) Klimakatastrophe betreffend.



***

Nachtrag: Windschattenreiter, wo man hinschaut ... Diese Nachricht ist atemberaubend. Der gesamte Medienraum Europas - Mainstream wie "alternativ" - wird "im Dienste der Krisenbekämpfung" instrumentalisiert und zentral gesteuert. 



*220320*

Ein illustrierender Zufall

Eigentlich wollte der VdZ aus Pietät darüber schweigen. Denn er weiß schon lange darum. Aber nun, nach einem Beitrag auf Achgut, möchte er doch darauf eingehen. Es geht um Jordan Peterson, es geht um seinen Gesundheitszustand. Denn da geht es nicht um eine Lungenentzündung oder einen heimtückischen Tumor. Es geht um ... psychische Erkrankung. Beim Propheten der geistigen Gesundheit will das natürlich schon etwas heißen. Und das tut es noch mehr, wenn wir auf die genaueren Beschreibungen eingehen.

(Die Tagespost vom 12. Februar 2020)  Wie die kanadische Tageszeitung "National Post" mitteilte, leidet Peterson an einer Abhängigkeit von Benzodiazepinen, der wichtigsten Wirkstoffgruppe unter den Tranquilizern. Diese Beruhigungsmittel nahm er vor einigen Jahren wegen einer Angststörung ein, die nach einer Autoimmunreaktion auf Lebensmittel aufgetreten sei, wie seine Tochter Mikhaila in einem an die Öffentlichkeit gerichteten Video kommunizierte. Seine Familie habe seine physische Abhängigkeit im vergangenen April festgestellt, nachdem seine Frau Tammy eine Krebsdiagnose erhalten hatte.

Denn Peterson schlitterte in diese Krankheit, weil er zur seelischen Stärkung in Angstzuständen begann, Psychopharmaka einzunehmen. Daraus entwickelte sich aber eine fatale Abhängigkeit, samt Nebenwirkungen und Folgen. Die, wie man an anderen Orten liest, zu neurologischen Schäden führte, die wiederum durch Antiepileptika* behandelt werden.  Angeblich hat sich Peterson einer Entzugsbehandlung in Moskau unterzogen und befindet sich auf dem (langen) Weg der Heilung. Er kann angeblich nicht alleine gehen. (Auch das kennt der VdZ: sind die Nerven im Bein beschädigt, fehlt es an Balancemöglichkeiten, der Gang wird unsicher, man kann nicht mehr fest stehen.) Aber viel interessanter ist zu erfahren, daß Peterson auch an Autoimmunreaktionen gelitten hatte.

Was sind Autoimmunreaktionen?

Sie sind einem Mangel in der Persönlichkeitsstruktur zuzuschreiben. Sie sind ein Mangel in der Außenkontur, in der Festigkeit der Außenhülle, wie sie nur durch die Selbstüberschreitung zustande kommt. Genau das war der Fehler in Petersons Anschauungen, die er in weltweiten Vorträgen (zu einem horrenden Honorar; Peterson wurde regelrecht wohlhabend dadurch!) zum Besten gab. Die aber immer auf Introspektion beruhten! Introspektion! Als Gegenteil eines gesunden Persönlichkeitsaufbaus, aber voll im Zeitgeist. Und DARAUF beruhte seine enorme Popularität. Er vereinte gewissermaßen vernünftiges, kritisches Gedankengut, das bestimmte Schmerzreaktionen, Reaktionen auf einige (aber nicht auf ihren einen Grund zurückgeführte) gröbere Dummheiten der Zeit. Wie eben der Liberalismus es macht: Er schreit, wenn etwas weh tut, das er aber selbst initiiert hat, das er zumindest nicht in seinen wirklichen Ursachen erkennt.

Ja, Liberalismus, den Peterson immer vertrat, ist sogar eine Weltanschauung der (Selbst-)Auflösung, eine Waffe gegen alles und jeden, der noch klare Kontur hat. Der also wirklich im Sein gegen das Nicht-Sein, gegen die Seinsauflösung, also gegen das Böse steht und immer stand. Der Kampf geht nicht unter Liberalen, er geht nicht zwischen Rechts und Links, es geht im Weltkampf um Sein und Nicht-Sein, um Sein und Anti-Sein. Auch Peterson stand und steht gegen das Sein! Auch wenn er das eine oder andere erkannt hat, was sich besonders in seiner Kritik der Postmoderne zeigt. Die alles auf einen Machtkampf zurückführt, in dem richtigen Erfassen des Seins, also der Gestalt, der Figur, ALS MÄCHTIGKEIT.

Wer meint, man müsse Liberale kaltstellen, weil sie dem Sein entgegenstünden, ist lächerlich

Auch diese Theorie vernahm der VdZ. Er hält absolut nichts davon, denn - Peterson war kein Reaktionär, er war kein Konservativer im eigentlichen Sinn, er war kein Vertreter des Seins, der der enorm großen, zahlreichen Phalanx der Seinsfeinde gegenüberstand. Peterson war ein Liberaler!

Und umso nützlicher für den Liberalismus, als er durchaus Kluges auf Schienen gestellt hat, die am fernen, für die meisten nicht sichtbaren Horizont, mit dem Hauptstrang der Schienen, der Peterson selbst nicht klar war, in den Liberalismus führten. Nur, weil er gegen den Genderismus auftrat (dabei selber immer wieder bekräftigte, daß er das nur als Verstoß gegen die Freiheit für falsch halte, nicht, weil es prinzipiell falsch sei) ihn als "Rechten" abzustempeln war immer eine Dummheit oberflächlicher Auseinandersetzung, wie sie für das Klima der heutigen Auseinandersetzungen aber so typisch sind:

Der Kampf "rechts gegen links", schon gar wo er im Grunde eine Auseinandersetzung innerhalb des Liberalismus ist, ist ein Scheintheater der Zweitwirklichkeit. Innerhalb derer zu halten, darum geht es einer Gesellschaft, die jeden Bodenkontakt verloren hat und meint, fliegen zu können, weil sie fällt. Das Mittel, die Menschen in diesem Schwebezustand zu halten, der Boden, auf den sie gelockt werden, ist aber der Liberalismus. Der Fall Jordan Peterson zeigt aber, daß es ein Fallen ist, das nur deshalb andauert, weil der Boden immer tiefer gegraben und immer wieder durch Bearbeitung mit der Harke der Zerkleinerung der Schollen der Wirklichkeit aufgeweicht wird, auf den man eines Tages aber dann doch aufschlägt.





*Auch der VdZ nimmt solche Medikamente, auch er leidet unter Schädigungen der Nerven aufgrund Unterversorgung (eine Berufskrankheit, gewissermaßen: durch zu langes Sitzen). Sie heilen nicht, sie helfen nur (und das sehr effektiv), mit den beachtlichen Nervenschmerzen umzugehen.




Montag, 23. März 2020

Erfahrung von Macht und Staat

Ob die nun da und dort aufplatzende, neue soziale Verantwortung dem Nachbarn und Nächsten gegenüber von Dauer ist, kann man bezweifeln. V. a. wenn die so extrem einschränkenden Maßnahmen länger dauern als ein paar Tage, eine Woche, zwei. "Dann wird's eng." Dann kommen subjektive Bedrängnisse, die noch nicht absehbar sind, und die viele nicht abführen können. Sodaß man davon ausgehen kann, daß die dann aufkommenden Bewältigungsmechanismen gesundheitliche Folgen haben könnten - etwa durch vermehrtes Essen und Trinken als Ersatzhandlungen - die jeden möglichen Corona-Schaden blaß ausschauen lassen. 

Auch das Verhalten von Ärzten ist teilweise paradox. Ärzte, die bislang mit Infektionssituationen gelebt haben, die jede Coronagefährdung ums Vielfache übersteigen, tun jetzt so, als stünden sie in einer absoluten Todes-Situation. Dringend notwendige Operationen werden verschoben, Behandlungen ausgesetzt. Was daraus an gefährlichen Lagen erwächst, kann man momentan noch gar nicht abschätzen.

Eines wird recht sicher länger bleiben: Die Erfahrung des Staates, die die Menschen derzeit in Österreich beeindruckt. 
Man erlebt einen Staat, der funktioniert! Man erlebt eine Bevölkerung, die sich klaglos und sofort fügt. Die sogar im Eindruck eines von diesen Generationen noch nie erfahrenen Gemeinschaftserlebens steht. Wo sogar jedes Hinterfragen von Sinnhaftigkeit politischen Handelns zum Generaldelikt wird, nur Nuancen kritisiert werden können. Angesichts einer zum gigantischen Schwarzen Mann aufgeblasenen Coronaangst WOLLEN die Menschen starke Führung. Das überrascht die Politik, der Spielräume geöffnet werden, die sie nicht geahnt hätte. 
Und das zu einem historischen Moment, in dem man noch vor wenigen Wochen gemeiniglich der Auffassung war, daß der Staat tot sei. Daß deshalb die Bevölkerungen des Westens sogar an der Sinnhaftigkeit vieler traditioneller gesellschaftlicher Mechanismen zweifeln. Wo der Staat angeblich sogar in private Hände zurückgegeben wird und sich von unten heraus zu neuen gesellschaftlichen Formen aufstellt.

Das wird nun ausgeräumt, wie es aussieht. Es findet ein neues Erleben von Macht und Staat statt. Auf der einen Seite das einer Macht, die über einen in nie geahnter Totalitarität verfügt (geht sie doch auf Gesetze zurück, die von 1913 stammen, also völlig andere Strukturen zur Grundlage hatten). Und dann ist da das Erleben der Macht durch die Politik, die einen regelrechten Macht-Schock ausgelöst hat. Noch nie haben die österreichischen Politiker erlebt, wieviel konkrete Macht sie haben.
Ist das nicht eine erstaunliche Koinzidenz? Wie reagiert man auf eine allzu offensichtlich unnotwendige, hysterisch-überzogene, medial hochgezogene Totalkrise, wenn alles, was diese Krise bewirkt, in einer Linie mit den Entwicklungen der letzten Jahrzehnte (genau genommen: Jahrhunderte) steht, die auf Totalitarismus, Gemeinwohlverdunstung und Freiheitsverlust hinauslaufen? Wer glaubt an ein historisches Ereignis außergewöhnlicher Dimensionen, wenn alles ... gewöhnlich bleibt? Wer glaubt an das Überraschende, Unvorhergesehene eines Einschnitts, der besser nicht hätte inszeniert werden können? Wer glaubt da an göttlichen und nicht an dämonischen Rückenwind der Coronakrise?
Interessante Aspekte, die Servus TV am 19. März 2020 dazu einbringt. Auch "Talk im Hangar-7" ist, wie man immer wieder sieht, einer jener Fast-Narrenräume der Vernunftkonstituierung, von denen dieser Tage die Rede war.




***



*200320*

Nichts kann ohne Beziehung begriffen werden

Der kürzlich verstorbene, weltweit bekannte Physiker Freeman Dyson - Gott hab ihn selig - formuliert in diesem Gespräch einen bedeutenden Satz: Man kann die Atmosphäre nicht verstehen ohne daß man sie in Zusammenhang mit der Vegetation begreift. Denn die Interaktion ist für den Zustand beider ausschlaggebend.

Dieses Prinzip läßt sich auf sämtliche Gegenstände der Naturwissenschaft erweitern. Es außer acht gelassen zu haben ist der wohl schwerste Fehler, den die Entwicklung der Wissenschaft begangen hat. Die es sich heute mehr denn je zum Grundsatz gemacht hat, die Dinge FÜR SICH zu stellen, und unabhängig von ihrem Ort, ihren Beziehungen zu allem, das sie umgibt und in ein Ganzes einbettet, zu sehen.

Alles "das etwas ist", alles, das Sein hat, also am Sein teilhat, fällt unter dieses Prinzip. Daß es in ein Beziehungsfeld gestellt ist, und erst zu sich selbst wird, weil und inwieweit es auf alles reagiert und mit diesem interagiert, das es betrifft. Naturwissenschaft muß deshalb von diesen Gesamtfeldern ausgehen, die durch alle Schichten der Schöpfung hindurch bis hinein in die Welt des Geistes reicht. Ja, von dort ausgeht, weil von einer Idee ausgeht. Und nur insoweit überhaupt ist, als es sich auf diese Idee als sein Fundament transzendiert, das heißt, nicht introspektiv "auf sich" glotzt, sondern auf das, was es wahrnimmt, reagiert und entfaltet. 

Das stimmt umso mehr, als jedes Seiende, alles was etwas ist, nur auf das reagiert, das heißt bei sinnlichen Lebewesen nur das sinnlich aufnimmt, das seinem Wesen entspricht. Insofern hat also jedes Wesen, ob lebendig oder nicht lebendig, "seine Welt". Die sich beim Menschen als dem Ebenbild Gottes eben auf die gesamte Schöpfung bezieht. Das ist es, was diese Schöpfung tatsächlich zu "seiner Welt" macht, weil sie seinem Maß angepaßt ist. Nichts also in der Natur, nichts in der Schöpfung, das sich nicht im Menschen befindet.* Deshalb kann der Mensch die Welt erkennen, weil er an der Grammatik Gottes teilhaben kann.







*Goethe bringt das in dem bekannten Satz zum Ausdruck: "Wäre das Auge nicht sonnenhaft, so würde es die Sonne nicht sehen."




*090320*

Sonntag, 22. März 2020

Hymne der Gleichschaltung

Die Radiostationen in ganz Europa spielen es angeblich rauf und runter. Schmalzig, dramatisch, sentimental. "You'll never walk alone." Die Zeitungen propagieren es - das "Lied der Coronaseuche", die Hymne des gemeinsamen Lebensgefühls. In dem 500 Millionen und mehr tun, was eine Diktatur nie so hinkriegen würde: Sie verhalten sich alle gleich, fühlen, denken, reden gleich, "wissen" gleich, handeln gleich ... und stehen alle - gleich - dem großen Bruder alleine gegenüber, gleich in der Angst vor dem anderen, der den Tod bedeuten könnte. 

Spielt es, singt es, aus den Fenstern, in die Höfe hinab, auf die Straßen hinunter, in Euren einsamen Zimmern, spielt es! Seid weniger allein in dem Gefühl, daß es Millionen gibt, die mit Euch gleich sind.

Die Hymne an den guten großen Bruder, der sich um uns kümmert, und alles wieder gut macht.




*200320*

Zum angeblichen Verbot Heiliger Messen

Die Nachrichten in den Pfarren und Bistümern, daß angesichts (und DURCH) die Coronakrise die Heiligen Messen mit Publikumsbeteiligung VERBOTEN wären, war oft rascher im Publikum als die Verbote. Daß in jedem Fall diese Verbote nicht (oder: SO nicht) stimmen, zeigt das Berliner Institut Philip Neri

Das zeigt, wie es trotzdem geht. Man muß sich nur anmelden, samt Personendaten wie Adressen und Namen, dann wird auf die gesetzlich mögliche Obergrenze abgestimmt, und los geht's. Notfalls wird (wie bei Messen der Piusbruderschaft, nur aus organisatorischer Vorbildlichkeit hier angeführt) eine Messe angehängt. Es ist alles nur ein bißchen - und zwar wirklich nur ein bißchen - umständlicher. Zumindest, solange der Zelebrant nicht herumrotzt und die Leute anspuckt.

Nachtrag vom 22. März 2020: Leider war auch diese Nachricht zu optimistisch. Wie das Institut Philip Neri mitteilt, hat es sich per Sonntag Laetare auch an die Anweisungen des Berliner Senats gerichtet, und sämtliche Messen mit öffentlicher Beteiligung abgesagt.



*180320*

Der klandestine Atheismus

Dieses sind die Zeiten für die großen Männer mit den tiefen Worten. Wie jenem von Joachim Löw, den der VdZ als Spieler, noch mehr als Trainer (v. a. bei Wacker Innsbruck) sehr schätzte. Aber nun, durch die Coronakrise in die Langeweile gedrängt, drängt es ihn, mit Gedanken an die Öffentlichkeit zu treten, die nichts mit Fußball zu tun haben. Und dabei zerbröselt alles Gute, was der VdZ je über ihn gedacht hat.

Joachim Löw ist wie die meisten, nein, die allermeisten heute, etwas Bestimmtes. Der Leser möge sich erst selber ein Urteil machen. Ein Urteil über jemanden, der da sagt, das sich "die Erde gegen die Menschen wehrt".

Pause. Sie denken wohl. Na, kommt nichts?

Also gut, hier die Lösung des Rätsels: Leute, Leutelchen dieser Denkart gehören in die Schublade "doofe Atheisten". Denn Atheisten sind strunzdumm. Mehr gibt es über sie nicht zu sagen. Und über jene, die heute ach so tiefe Sprüche von sich geben.

Si tacuisses ... Für einen großen Fußballlehrer hätte ich Dich gehalten. Jetzt weiß ich, daß alles an Joachim Löws Laufbahn Zufall und primitiver Mechanismus war, zumindest ab einem gewissen Zeitpunkt. Brüder an der Spree, schmeißt ihn deshalb als Bundestrainer endlich raus. Daß die deutsche Fußballnationalmannschaft zunehmend "nichts mehr reißt", wie man an der steirischen Mur sagt, ist KEIN Zufall. Atheisten, die somit dem Zufall unterliegen, sind zu nichts zu gebrauchen. Sie tun nur so.



*180320*

Neulich unter Stalin (3)

Aber wäre er nicht auch fähig gewesen zu einem jener Monster zu werden, wie sie Merkmal des Systems waren? Solschenizyn stellt sich die Frage, und er, der viele Jahre das System GULAG durchmessen hat, der es von allen Seiten kennt, kann diese Frage nicht beantworten. Es wäre möglich gewesen, schreibt er stattdessen, und er könnte nicht sagen, was ihn davon abgehalten hat, NICHT in den NKWD einzutreten, nicht einer der Schergen zu werden.

Woher kam sie überhaupt, diese Wolfsbrut im russischen Volk? Ist sie nicht von unserem Stamm, von unserem Blut? Es ist eine grausige Frage: Wäre aus mir ein gleicher Henker geworden, wenn das Leben ein bißchen anders gelaufen wäre?

Denn sie waren als Studenten, als Jugendliche unfaßbar naiv, und voller Hoffnung auf die versprochene, leuchtende Zukunft der Sowjetunion. Sie liefen eben am Tag, mit ihren Fahnen und Parolen der strahlenden Welt des Sozialismus. Die Schergen aber arbeiteten, die Gefängniswagen fuhren in der Nacht.

Und ein Vierteljahrhundert später, hätte man da nicht sagen können: Jetzt aber, jetzt hat man das System durchschaut, von der Folter erfahren, von den rund um uns herum brodelnden Verhaftungen, von den vollen Gefängnissen, den Lagern wissen können. Aber immer noch - nein! [...] Woher hätten wir über die Verhaftungen wissen und warum darüber nachdenken sollen? Daß alle Honoratioren der Gegend abgesetzt, abgelöst wurden - das war uns entschieden gleichgültig. Wenn diese oder jene Mitstudenten über Nacht weg waren, wenn zwei oder drei Professoren verschwanden, was machte es? Wurden halt die Prüfungen leichter. 

Der Kampf gegen den inneren Feind war eine logische Aufgabe des historischen Materialismus, die Vorlesungen sprachen unverblümt davon. Was das aber hieß machte sich niemand klar. Und wie groß doch die praktischen Vorteile waren, wenn man einfach im System blieb?! Warum also nicht dem NKWD beitreten? Das war doch allemal besser als ein kümmerlich bezahlter Lehrerposten irgendwo in einem gottverlassenen Landkreis. Die NKWD-Schulen lockten stattdessen mit üppigen Naturalien und doppeltem bis dreifachen Gehalt. Was hatte wenigstens die meisten auch seiner Mitstudenten, was ihn also abgehalten, was zum "Nicht-Bösen" werden lassen, wo doch alle Argumente dafür sprachen?

Was wir empfanden, hatte aber keine Worte. (Und wenn, dann hätten wir sie aus Angst einander nicht anvertraut.) Irgendwo, nicht im Kopf - in der Brust saß der Widerstand. Von allen Seiten können sie auf dich einreden: "Du mußt!" und dein eigener Kopf ruft im Chor: "Du mußt!"
Bloß die Brust sträubt sich: Ich will nicht, ES STINKT. Ohne mich, wie ihr wollt, aber ich bleibe draußen!

Das kam von weit her, von Lermontow vermutlich. Von jenen Jahrzehnten russischen Lebens, als es für einen anständigen Menschen, offen und laut gesagt, keinen schlimmeren Dienst gab als den des Gendarmen. Nein, von weiter zurück.
Das waren, ohne daß wir es wußten, nur die Kupfermünzen der Kopeken, mit denen wir uns von den vorväterlichen Goldrubeln loskauften, von jener Zeit, da die Sittlichkeit noch nicht als etwas Relatives galt und die Unterscheidung zwischen Gut und Böse einfach mit dem Herzen getroffen wurde.

Später wird er freilich einmal schreiben, daß er begreifen hat müssen, daß man genau diese Gefühle ablegen muß, will man ein System wie das des GULAG überleben. Man muß alles Menschliche, jedes Gefühl, jedes Mitgefühl mit dem anderen, jede liebende Erinnerung, alles ablegen - man muß zum Stein werden, will man das System, will man die Verhöre, will man den GULAG überleben.

Wird fortgesetzt



Samstag, 21. März 2020

Es geht auch vernünftiger

Da muß man gar nicht viel dazu sagen. Kaum etwas, das nicht angesprochen wird. Alles ein Riesentheater? Möglich. Wahrscheinlich. Auf jeden Fall: Sehens-, hörenswert, was die zwei eher abgeschobenen Politiker Josef Cap (SPÖ) und Peter Westentaler (FPÖ) da von sich geben. Fellner schafft es immer wieder ein Gesprächsklima zu schaffen, in dem wirklich jeder sagt, was er sagen zu müssen glaubt.

Fellner! LIVE wurde in den letzten Jahren (fast schon) einer jener Orte, die Gesellschaften unbedingt brauchen, damit sich ein Denk- und Sozialklima bilden kann, an dem die Vernunft eine Chance hat. Fast muß man deshalb sagen, weil der alte Fellner als Senior-Herausgeber der Tageszeitung "Österreich" es selbst ist, der hier eine Decke abhängt, mit der er das wirklich Hohe niederzieht und Vernunft auf die Ebene seiner etwas reparaturbedürftigen "Bildung" herunterreißt. Und damit wäre auch ein Land auf diese Ebene "des Richtigen" heruntergerissen, wie Fellner sich das eben vorstellt, damit auf Vergemeinung beschränkt und nicht auf Gemeinschaft ausgerichtet. Deshalb reicht dieses Magazin noch nicht, um so ein Raum für Österreich zu sein. Aber es ist ein kleiner Anfang, nicht der falscheste Schritt.

Gemeinschaft, Einheit kann es nur unter der Vernunft geben. Gar nicht, "weil alle dasselbe denken und meinen." Denn Vernunft braucht nicht "das Richtige". Sie braucht auch nicht die Zustimmung, dieses "gut = so gedacht wie man selber denkt", und kann mit Meinungen leben, die alles andere als die eigene sind. Vernunft ist vielmehr die Ausrichtung auf das Wahre, das immer unerreichbar ist, das aber als Sonne dient, deren Schatten der Vernunftwillige, der Mensch guten Willens, auf die Erde werfen kann. Sie braucht dazu aus dem Nutzengeflecht der Gesellschaft herausgenommene, immune, sakrosankte Räume des Narrentums, will sie überhaupt in einer Gesellschaft als einzig konstruktive Kulturkraft entstehen und bestehen.




***

In der Schweiz braucht es zu dieser Vernunftgewaltleistung wie oben freilich keinen Narrenraum. Da kommt sowas durchaus noch im Alltag vor. Wie in der Neuen Zürcher Zeitung, oder im Journal 21. Bei den Eidgenossen kommt Menschenverstand offenbar auch auf der freien Wildbahn vor. In einer Kostprobe hier einige Zeilen aus der NZZ, der Leser möge den Rest selbst nachschlagen. Der Text hat mit einer Woche Abstand in keinem Punkt seine Relevanz geschmälert.
[cit ... So hat der Risikoforscher Gerd Gigerenzer errechnet, dass in den Wochen nach 9/11 die Amerikaner vom Fliegen auf das Autofahren ausgewichen sind, dadurch aber etwa 1600 mehr Verkehrstote gezählt wurden. 
Ähnliches kann uns heute mit der Angst vor dem neuen Coronavirus passieren: Die Menschen steigen vom öV auf Autos um, die Nachfrage nach Mietautos boomt. Es ist möglich, dass es dadurch mehr Verkehrstote als Corona-Opfer geben wird. Die Menschen spenden aus Angst weniger Blut. Die Tafeln für Arme erleben einen Einbruch, weil weniger Lebensmittel zur Verfügung gestellt werden, die gehortet werden. 
Wir gehen einer Weltwirtschaftskrise entgegen, verursacht durch Unterbrechung der Lieferketten oder den Einbruch des Fremdenverkehrs in Ländern wie Italien, wo der Tourismus 13 Prozent des Bruttoinlandproduktes ausmacht. Das könnte im Vergleich zum relativ geringen Risiko, am Coronavirus zu sterben, höhere Sterberisiken für die Armen erzeugen. Arme, die sich – wie heute schon in den USA – nicht mehr leisten können, zum Arzt zu gehen. .../cit] NZZ vom 12. März 2020


*210320*

Zum Wahnsinn gesteigert

Kalifornien, ein Staat in der Größenordnung von Frankreich, und ebenfalls seit Jahren (wie Italien oder Spanien oder ... China) ständig einen Schritt vor dem - manchmal schon mitten im - Bankrott, hat für acht Wochen ein Ausgehverbot verhängt. Nur die Supermärkte bleiben geöffnet (die freilich anders als bei uns alles haben, bis zu Pharmazeutika.) Hier ein Video eines Laien aus dem Nordwesten von Chicago. Es zeigt, worauf sich derzeit das US-Militär offenbar einrichtet. Eine Menge Zeugs, das da über die Schienen rollt! 

Die Aufnahmen stammen vom Abend des 19. März. Es ist, als würden sich alle wünschen, daß es kräftig tuscht. An dieser ganzen Coronakrise ist dabei nicht ein Funken rational. Nur rationalistisch, also mit viel Gedankenmaterial und Worthülsen angereichert, was alles aber nur belegt, und das die Phantasie, bewegt von Wünschen und allen möglichen Antrieben, zu Zerrbildern zusammenbastelt. Alles längst Anzeichen von einem sich immer mehr aufbauenden, kollektiven Wahnsinn.

Offenbar haben die nicht so Unrecht, die schon seit Tagen sagen, daß das Corona-Scheintheater die Dimensionen von 9/11 übertreffen wird, und zwar in jeder Hinsicht. Noch dazu, wo die Amerikaner ohnehin für Zweitwirklichkeit, auf der sich das alles abspielt, mehr als offen sind, weil sich fast alles in den USA, samt dem "Staatsfundament", auf dieser Ebene bewegt.

Briggs schreibt, daß er sogar vom Eingreifen der Nationalgarde nicht überrascht wäre. Denn wie lange werden die Leute das durchhalten? Womit muß man dann rechnen?

Ist es aber nicht auch herrlich zu sehen, was Sean Penn den Menschen rät, wie sie sich in einer Krise verhalten sollen? Haben wir nicht alle mit brennendem Herzen darauf gewartet, daß Hollywood-Schauspieler aus der Gehaltsklasse "Supermillionär" ihre umfassende Kompetenz unter Beweis stellen, und dem kleinen Mann raten, daß er es schaffen kann, sie selbst machen es ja vor?

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Ein Wahnsinn auch, welche "Schäden" der Coronavirus nun anrichtet. Keine zwei Wochen dauert der Wahn, nicht einmal eine Woche die Ausgangssperre, und schon melden Unternehmen WEGEN des Coronavirus Insolvenz an.

Richte der Leser Bleistift und viel Papier, die Liste der SCHÄDEN DURCH DEN CORONAVIRUS wird noch sehr sehr lang werden. Es gibt manchen Stimmen nach und schon jahrelang bis zu 15 Prozent Zombiefirmen. Das sind Unternehmen, die seit langem aus dem letzten Loch pfeifen, und nur durch billige Kredite noch irgendwie bestehen blieben. Auch das hat die Politik vor sich hergeschoben. Nun kann man die Blase elegant aufstechen, und alles hat einen schicksalhaften Schuldigen: Einen kleinen Grippevirus, den man seit den 1960er Jahren kennt, und nun aufgeputzt und geschmückt in den Scheinwerfer rückt ...

Daß bei Vapiano das ganze Unternehmenskonzept für A und F war, einem der wirklichkeitslosen Märchen der Gegenwart aufgesessen ist ("Richte man sich total nach dem Kunden, der kann alles haben, wie er es WILL ...") sagt jetzt natürlich keiner.



*200320*