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Dienstag, 8. November 2022

Islam - die Apotheose des Gutmenschen

Der Bevölkerungsaustausch war immer ein Vernichtungskampf gegen die Kirche. Denn es ist natürlich auch die Kirche, die uns die Heilige Schrift gegeben hat. Und es ist die Kirche, die den Interpretationsrahmen für die Heiligen Texte liefert. Selbst der Koran zeugt davon. 

Er war die Frucht einer synkretistischen Religion (als übergeordnete, einen sollende Zusammenfassung lokaler, größtenteils arianischer Religionsbekenntnisse), die zu größten Teilen aus einer christlichen Verkündigungsschrift ("Querein") entstanden ist, der aber die Deutungsgrundlage entglitten ist, und im Laufe der Jahrhunderte auf das Problem einer ungenügend entwickelten )arabischen) Schrift traf. Sodaß sich mit der Tradition auch die stets nur durch mündliche Weitergabe lebendige Kenntnis der Inhalte, AUF DIE HIN die Schrift zu verstehen war, verloren hat. verlor. Und schließlich völlig neu interpretiert werden mußte. 

Dienstag, 1. November 2022

Das weltzugewandte, damit weltschaffende Gefäß

Die Heiilige Schrift ist Struktur und Grammatik unserer Sprache, und damit unseres Denkens. Sie schließt somit die Kluft zwischen dem amorphen Fühlen und Erfassen und dem Sprechen und Denken. Sie ist durch ihre sprachliche (und nur als Heilige Poesie begreifbare) Gestalt das weltzugewandte Gefäß des Geistes Gottes. Damit sich die gesamte Gestalt des Menschen naturgemäß bis in den Verstand hinein erheben kann. Um so das Insgesamt der Vernunftgegründetheit des Menschen zu bilden und ihn zur vollen Freiheit zu heben. In der der Anfagn das Wort war.

Deshalb ist die Bedeutung der vier Evangelisten gar nicht hoch genug einzuschätzen. ie werden in direkte Verbindung zum zweithöchsten Chor der Engel, den Cherubim, gebracht, die der Prophet Ezechiel als Ochse, Löwe, Adler und Mensch sah, was den Charakter der vier Säulen der Weisheit Gottes beschreibt.

Donnerstag, 25. August 2022

Mutter aller Häresien

Die Mutter aller Häresien, schreibt Thomas v. Aquin einmal, ist der Glaube, daß die irdische Wissenschaft das umfassende Wissen, das uns ind er göttlichen Offenbarung geschenkt ist, übersteigt und aussticht. 

Es ist also immer dieser gespaltene Zugang zur Welt, die an sich bereits - weil eine Schöpfung - eine Selbstoffenbarung Gottes des Schöpfers ist, in dem der Mensch sein "eigenes" Zusammenbräu für erhellender und erklärender hält, als die Heilige Überlieferung es sei. Denn Gott, dieser GANZ ANDERE, ist (wiue jedes ANDERE) direkt nur erkennbar, wenn er sich offenbart, ansonsten kann fur ihn nur rückgeschlossen werden.

Der Hochmut hinter dieser Haltung, ihn aber gar nicht zur Erkenntnis der Welt zu benötigen, wird nicht zuletzt darin offenbar, als es üblich ist, sich dem Wissen der Vorväter gegenüber (denen wir dann auch die Heilige Schrift verdanken) als so unendlich weit überlegen zu halten, als wären diese Weisen und Propheten und Denker in einer Art debilen Grenzzustands zwichen Kindern und frommen Dummerchen gewesen. 

Sonntag, 21. August 2022

Gedankensplitter (1433)

Es gehört zu den beglückendsten Erfahrungen eines Mannes (wir mich) am Beginn seiner 60er, zu erkennen, daß uns die Schrifte und Heiligen Texte so immens weit voraus sind, daß wir täglich mit neuer Erwartung in dieses Spannungsfeld treten dürfen. Um uns dann mit neuen Einsichten beschenken zu lassen. 

Ich vermute, daß diese Haltungsveränderung, die darin ihren Ausdruck findet, mit der bloßen Tatsche zusammenhängt, daß ich wieder und wieder nicht nur die Unzulänglichkeit des eigenen Planens und Denkens erfahren habe, sondern auch, daß ich Texte, die ich vor zwanzig, dreißgi oder fünf Jahren las, immer wieder und wieder wie neu auftreten. Und ich Wahrheiten darin erkenne, die mir vor fünf oder zwanzig Jahren vollkommen verschlossen geblieben waren. 

Samstag, 30. Juli 2022

Aut Deus - Aut Nihil (2)

Aber der zweite Reinigungsvorgang ist bedeutender. Und: Wie man erkennt, wo man steht - Aber dieser ersten Reinigung, der aktiven Renigung, in der wir es sind, die alles tun müssen, schließt sich mit der Zeit eine zweite an. Die sich in ihrer Hobelwirkugn bereits mehr auf die nächsten Ebenen bezieht. 

Und das ist die passive Reinigung. Denn niemand kennt uns so,. wie Gott es gut, er ist uns näher als wir es sind. In ihr lernt der Mensch zu allem Ja zu sagen, was Gott mit ihm will, lernt den Willen Gottes mehr als alles sonst zu suchen. Lernt an der Wahrheit zu hangen, und nicht an irdischem Ersatz. Denn alles formt sich dem Bilde nach, an dem es hangt.
Schon hier zeigt sich die völlig unvereinbare Antithetik des Christentums zu allem, was sich heute als Kritik am Zeitgeist geriert, oder gar Spiritualität nennt. Und ausnahmslos als "Selbstermächtigung" identifiziert wird, sodaß das Gute mit dem gleichgesetzt wird, "was ich will". Mehr als das. Nur das Christentum KENNT den Gott, dem es anhangt.

Donnerstag, 28. Juli 2022

Aut Deus - Aut Nihil (1)

Wie schwer es doch den Christen zu fallen scheint, die Radikalität des Anspruchs zu begreifen, die im Christentum nicht einfah nur "loiegt", wie eine "Superleistung", sondern die das Christentum überhaupt erst IST. Sodaß man sagen kann daß es erst BEGINNT, wenn der Satz "Entweder Gott oder das Nichts", das glatt in "entweder Heiligkeit oder die Hölle" übersetzt werden muß, begriffen wird. 

Die Heilige Schrift ist ein einziges Verweisen auf diese Radikalität, auf diese Ausschließlichkeit, in der das Leben des Erlösten erst dort real ist, wo es sich unentwegt von der Gnade und der Gemeinschaft mit Gott her nährt.

Erst dann auch beginnt all die weitere Literatur zu sprechen, die sich daran gruppiert, und die alle dem selben dient, was auch in den Tageslesungen des 23. Juli  einmal mehr vor Augen gestellt wird. 

Es ist die Kurzformel der Mystik, wenn es im Galaterbrief 2,19-20 heißt: 

Freitag, 29. April 2022

Wir können aber nicht nicht-zeugen

Der Zeugungsakt liegt zwar im unbedingten Wesen und damit im existieren immer daseienden Wesensvollzug unseres Menschseins, ja des Seins aller Lebewesen, aber er utnerliegt nicht deren bzw. unserer Machbarkeit, das heißt, wie können ihn icht willkürlich beeinflussen, was heißt: nicht nicht-wollen, nicht abstellen. Gott wollte nicht, daß wir auch noch vom Baum des Lebens essen, denn dann hätten wir vermutlich nie mehr zum Leben selbst gefunden. 

Zur Wahrheit können wir (stets freilich nur im Gehorsam dem göttlichen Wort gegenüber, dieser Textur des Seienden) noch finden, wenn es auch sehr mühsam ist, weil wir gewissermaßen gegen unsere faktsiche Natur ankämpfen und sie überwinden müssen. Aber beim Leben wären wir gewissermaßen immer "zu spät" gekommen: Wir wären schon tot gewesen, ehe wir noch einen Akt hätten setzen können, der uns zum Leben führt.

Sonntag, 16. August 2020

Denn der Vater sieht nur das Glied des Hauses (2)

Teil 2) Gottes Weg mit der Schöpfung ist real.
Wir sind aber die Realität, ja jede Realität nicht mehr gewöhnt.



Wir sind heute die Realität², ja irgendeine Realität nicht mehr gewöhnt, so seltsam das klingen mag. Und im Katholischen, das heißt im Allumfassenden (als das Alles Enthaltende), gibt es sehr reale Bedingungen und Schritte. Warum? Weil auch die Welt so ist! Und was in der Welt sichtbar wird verweist uns auf die innere Grammatik Gottes. Das gilt es einfach zu akzeptieren, und es ist auch nicht widervernünftig, weil die Vernunft sich nach den Gesetzen der Welt, deren logos, deren Logik, richten muß.
Entspricht es nicht jedermanns Erfahrung, daß keine Tat Sinn hat, wenn sie nicht innerhalb der Realität der Welt steht? Diese Realität ist aber viel umfassender, als wir oft meinen. Zumal sie innerhalb der Realität Gottes als allumfassender Realität steht.
Das ist der Maßstab für Wahrheit, die niemals in Widerspruch zur Welt stehen kann. Wo das der Fall zu sein scheint kann es also nur an uns liegen, an unserem Irrtum, der im Grunde aber immer in einer Sünde seinen Grund hat. Weil die Wahrheit personal ist, hängt die Teilhabe an ihr von einer persönlichen Beziehung ab.

Jesus sagt: Ich BIN der Weg, die Wahrheit und das Leben! Es geht also um ein persönliches Verhältnis, um eine Beziehung zur Wahrheit, und das heißt zu Jesus.

So wie wir zu jedem Mitmenschen eine Beziehung haben, und erst durch bestimmte Akte der Liebe, Wahrheit und Sündenlosigkeit objektiv real wird. (Das Beste daran: JEDE Art der Stellung zu jemandem oder etwas IST die Realisierung einer Beziehung. Nicht einmal die Ignoranz kann das verändern, und ist ein Akt, der das Begegnende, Ignorierte von beiden Seiten betrifft. So wie der Fisch im Wasser, ist der Mensch in das Wasser der Beziehung getaucht, die Welt, die Schöpfung.)

Deshalb muß sich auch jeder Mensch entscheiden, wie er sich zu Gott und Christus Jesus stellt. Und nur innerhalb dieser Beziehung zu ihm kann er wirklichen Zugang zu ihm finden. So ist die Stellung des Menschen zu Gott immer "entschieden", also einer Entscheidung zuzuschreiben: Ob in ihm sein zu wollen, oder nicht. Der, noch einmal, die innere Grammatik der Schöpfung vorgibt, deren dynamischer pneumos (Atem) und logos ist (Sinn, Wort, Wahrheitsstruktur, Grammatik, "auf-zu"-Dynamik ...)Weil jedes Werk von seinem Hervorbringer zeugt, dessen Eigenschaften und Wesen erkennbar macht.
Wer sich deshalb gegen ihn entscheidet, nein, wer sich NICHT FÜR IHN entscheidet, wer sich entscheidet nicht in Gottes zweiter Person Christus Jesus sein zu wollen, diesem logos der Welt, steht außerhalb des göttlichen logos und außerhalb der Welt und Schöpfung. Er wird deshalb VON GOTT GAR NICHT GESEHEN, er existiert nicht vor Gott.  
Das Feuer, von dem Jesus ausdrücklich und nicht selten spricht, ist deshalb kein Feuer, das Gott "macht" oder dem Gottfernen zufügt, sondern es ist die Qual desjenigen, der außerhalb der Schöpfung steht. Die nur IN Gott Bestand hat und seiend sein kann. Die Hölle ist somit das Sein im Nichtsein. An Gottes Gnade und innerer Qualität sozusagen kann nur teilhaben, wer zu seinem Hause gehört.


*Unter anderem lebt die gesamte Esoterik von dieser Selbsteinschätzung. So wie jeder der Wege, in denen jemand SELBST seinen Heilsweg aussucht, und zum Beispiel der katholischen Kirche den Rücken kehrt, um zu irgendeiner Abspaltung überzutreten (die immer auf eine Weise protestantisch sind, wie Orthodoxie, Evangelikale oder direkt protestantisch-evangelische Kirchen).

**Wobei nicht unerwähnt bleiben soll, daß die Taufe sogar von Ungetauften vollzogen werden kann. Ihre einzige Bedingung ist einerseits der Wille (ob selbst oder durch Paten ausgedrückt ist unwesentlich), zur Kirche als dem Volk Gottes zu gehören, und anderseits der objektive Vollzug durch Wasser und die Formel "Ich taufe Dich auf die Dreifaltigkeit IM NAMEN von Vater, Sohn und Heiligem Geist. 

Der Mensch kann und darf bei der Taufe also ANSTELLE VON GOTT SELBST (in seinem Namen!) handeln und reden. Ein Akt, den aber hier eben der Mensch setzt, den freilich Gott erst vollendet, durch seine Gnade. Das kann der Mensch, weil er "nach seinem Ebenbild", nach dem Ebenbild Gottes gemacht ist. Der Taufende handelt also bis an die Grenze des überhaupt dem Menschen Möglichen. 

Die Tatsache (der Ebenbildlichkeit) ist, es sei hier einmal mehr gesagt, von so immenser Bedeutung, daß sie nicht oft genug betont werden kann. Denn sie ist ein Schlüssel zum gesamten Glaubens- und Heilsgebäude.

²Die deutsche Sprache kennt (etwa im Gegensatz zum Englischen, innerhalb dessen solche Themen zu disputieren fast unmöglich sind) sehr feine begriffliche Unterschiede. Deshalb wollen wir hier ganz kursorisch definieren: Realität ist die weltzugewandte, geschichtlich werdende Seite der wirklichen Wirklichkeit, in der sie steht. (Insofern kann Realität von der Wirklichkeit abweichen, weil diese nur graduell erfüllen.) Um selbst wiederum in der Wirklichkeit zu stehen. Also, vereinfacht gesagt: Jesu Menschwerdung ist Realität, als Wollen (wirkliche Wirklichkeit, also die weltzugewandte Dynamik des Wirklichen) des Vaters (des Ideengebers, des Wissens selbst, damit des Innersten der Wirklichkeit), und alles das steht in der Wirklichkeit, aber auch der wirklichen Wirklichkeit (in der Schöpfung Realität geworden) der Dreifaltigkeit.



*310720*

Samstag, 15. August 2020

Denn der Vater sieht nur das Glied des Hauses (1)

Vielleicht wird die Stelle in der Heiligen Schrift unterschätzt. Sie sieht ja eigentlich leicht verständlich aus. Aber hört man genau zu, wird sie doch in Wirklichkeit unverständlicher? Was steht hinter Aussagen von Jesus (und sinngemäß finden sich eine Reihe solcher Stellen, und für zahlreiche weitere ist dieser Aspekt wichtige Ergänzung, die als Hintergrund mitzudenken wäre), in denen er Folgendes betont: Was einem seiner Brüder getan ist, das ist ihm getan. 

Warum bindet Jesus die "gute Tat" und die Nächstenliebe an die Eigenschaft des "Bruders"? Wäre da nicht jene Stelle viel wichtiger (und in der pastoralen Realität kennt der VdZ auch nur diese als gerne und viel verwendet), in der Jesus die Nächstenliebe NICHT daran bindet, daß der Hilfebedürftige Teil des Volkes Gottes (Israel) ist? Richtig, der Leser hat sie sofort erkannt - die Stelle des barmherzigen Samariters (siehe unter anderem Lk 10,25ff).

Stellen wir zuvor noch eine Verbindung her, nämlich mit der für manche vielleicht verstörenden Aussage, daß Jesus immer wieder betont, daß er ZUERST nur zu seinem auserwählten Volk gekommen ist. Andere bezeichnet er sogar als "Hunde", die keinerlei Barmherzigkeit (und Wunder) verdient hätten. Auch hier also beschränkt sich Jesus auf "seine Brüder", um es einfach zu sagen. 
Die Taufe als realer Vollzug der Zugehörigkeit.
Gott sieht nur den Menschen, der in Christus vor ihm steht. 'Der andere ist jenes Unkraut, von dem Jesus immer wieder spricht. Das zwar vorerst unangetastet bleibt, aber am Tag der Ernte ins Feuer wandert. So wird verständlich, warum es zu unseren Lebenszeiten dem Nicht-Getauften, sogar dem Bösen scheinbar nicht anders oder schlechter geht als mir, dem Getauften, dem "Besseren". (Und man darf, ja muß das so formulieren.) 

Gerade in der Gegenwart, die man ohne viel Verlegenheit als "gottfern" bezeichnen muß. Nach objektiven Gesichtspunkten! Nicht nach subjektiver Selbsteinschätzung. Denn das würde wohl kaum jemand zugeben, im Gegenteil, in den allermeisten Fällen behauptet der Gottferne sogar die größere GottNÄHE, sieht den subjektiven (und nicht objektiven) Weg als Rechtfertigung und Ausweis höherstehender Gutheit*. 
Die Wahrheit ist in ihrem Kern deshalb heute vielen so schwer verdaulich, weil sie einem der neuen Verhaltensparadigmen widerspricht, nämlich dem der Sentimentalität als Kriterium von gut und böse.
Gott sieht nur den Menschen, der in Christus lebt und ist. Indem er mit ihm Gemeinschaft hat, in das Leben der Dreifaltigkeit hineingenommen (genommen, nicht "getreten"; Gnade, nicht Eigenmacht) ist, und deshalb in Gott ist. Alle übrige Menschheit sieht Gott gar nicht. Sie wird deshalb am Jüngsten Tag ausgerissen und ins Feuer geworfen.

Und es gibt nur eine Stelle in der Heiligen Schrift, die man als letzte Hoffnung ansehen könnte, das ist jener Verweis aus Jesu Mund, daß "für Gott nichts unmöglich" ist.

Der Weg zur Erlösung ist objektiv. Er ist ein objektives und sehr reales Geschehen als Merkmal und Bezeichnung an BESTIMMTEN Menschen, die von Gott dazu auserwählt wurden. Durch die Kirche, die die Taufe vollzieht** und dadurch den bestimmten Menschen Gottes Volk zugesellt.

Wir haben keinen Anlaß zu meinen oder zu glauben, daß es auch anders sein könnte. Daß es einen Weg zu Gott und in die Seligkeit des Himmels gäbe, der außerhalb des Leibes Christi - der Kirche! - real würde. Es gibt auch keinen Weg "durch gute Taten". Und es gibt keinen Weg, weil jemand "das gleiche tut wie ein Getaufter", nur eben nicht getauft ist. Auch diese Stellen in der Heiligen Schrift sollte man da nicht übersehen, in denen Jesus darauf hinweist, daß am Jüngsten Tag zwei scheinbar das gleiche tun, am gleichen Ort sind, aber nur einer in die Erlösung hineingenommen weil gerufen ist.
"Wir haben gelebt wie Du!" Gehandelt, geliebt, gearbeitet, gefeiert und gelebt. Und sind nun doch nicht erlöst? 
Auf die Tat selbst, auf die Tat an sich kommt es eben nicht an. Der Katholizismus ist also einerseits sehr einfach, so einfach, daß er zu gewisser Nachlässigkeit verführen könnte. Denn er ist anderseits so real, so objektiv wirklich, wie wir es heute gar nicht mehr gewöhnt sind. In einer Zeit, in der wir nur noch am Bildschirm leben, und die jederzeitige Änderung eines Geschehens erfahren, das volatil ist.


Morgen Teil 2) Gottes Weg mit der Schöpfung ist real.
Wir sind aber die Realität, ja jede Realität nicht mehr gewöhnt.



*310720*

Sonntag, 23. Dezember 2018

Geburt aus dem Eid (4/2)




Audio + Video Teil 4/2






Teil 4/2


In diesem Sinn kann es auch Tradition - vor allem wo sie lange schon währt, denn über kurze Frist kann auch eine Täuschung bestehen, wenn auch nur auf ihre Art - nur als Gutes geben. Denn was nicht gut ist, ist nicht wahr, und es muß deshalb vergehen. Irgendwann vergeht alles, was nicht gut, nicht schön, nicht wahr ist. Weil ihm das Sein fehlt, zu dem es die Teilhabe nicht aufrecht halten kann.

Diese Tradition wird aber nicht einfach nur durch Personen in aktuellen, heutigen Akten und Gesprächen und Ansprachen vermittelt. Sondern sie lebt in allem, was die Menschen, die einem bei der Geburt schon voraus gegangen sind, in ihrem Leben gewirklicht haben. Womit die Welt, sagen wir, vollgestellt ist, in die wir geboren werden, und die im Ergreifen dann unsere Welt wird.

Als Kultur, in der wir leben. In einem Volk als Gemeinschaft der sich ans selbe Erinnernden, also mit einer gemeinsamen Geschichte, in seinen Gewohnheiten, seiner Sprache, seinen Bräuchen und Kulten und Riten, seinen Tänzen und Liedern, kurz in allem, was das ausmacht, was man Lebensvollzug nennt. Dort liegt auch unsere Basis als Individuum, weil wir uns zu allem diesen auch verhalten. Also kommunizieren. Einzelner und Tradition haben damit etwas Unauflösbares, weil die Kommunikation wie gesagt zwei Seiten braucht, sonst fällt Sprache ins Leere, löst sich auf.

Man muß dazu auch die Seite sehen, daß ein Mensch, der ja auch leiblichen Ursprung hat, durch das ihm Mitgegebene auf diese Umgebung hin vorgeprägt ist. Der mitgegebene Leib ist das Sehwerkzeug, um es einfach zu sagen, die Raumstation, von der aus man der Welt begegnet. Der man nie entfliehen, die man bestenfalls und langsam etwas verändern kann. Über den Geist als einzige Brücke, damit ... über die Gnade, also nicht von uns alleine zu schaffen. Weil, wie gesagt, die Sprache der Sprache nicht aus uns kommt, sondern uns voraus geht. Wir haben also einen Leib, eine Basis, mit all ihrer Geschichte. Auch in negativen, verweigernden Haltungen, was immer heißt: Ein Gut ausklammernd. Aber genau so und noch weit mehr in allem, was uns überhaupt ausmacht. Was uns ... über die Sprache, über die wir verfügen, und damit erst über die Grammatik denken läßt. Was uns jenen Boden gibt, auf dem wir stehen. Von dem aus wir urteilen und planen.

Wenn es heute also Meinung ist, was man als Postmoderne bezeichnet, daß sich jeder Mensch zur Lebenserfüllung in einen Zustand der "tabula rasa" bringen muß, wo es keine vorgegebenen Gedanken und keine vorgegebene Grammatik gebe, so ist das nicht nur sinnlos und unmöglich. Es ist selbstzerstörerisch. Und daneben ist es auch müßig eine Sprache zu suchen, die keine "Macht" oder "Hierarchie" enthält. Als Wille und Absicht. Das tut sie notwendig, sonst gäbe es Sprache gar nicht, sonst gäbe es keine Grammatik als geistiges System, als Struktur von Beziehungen, und damit keine Sprache.

Der Mensch erhält die Sprache, er erhält die Erzählungen, die nicht nur "Inhalte" weitergeben, sondern die in sich jene Basis und Weltstruktur enthält, aber auch an ihrem Ursprungsende sozusagen die Grammatik des transzendenten Seins, des Wortes, der Wahrheit (die bereits die welthafte Gestalt der Sprache der Sprache ist), die zuerst einmal die Basis aller seiner weiteren Urteile und Entscheidungen bildet.

Wer die Tradition ablehnt, lehnt zuerst einmal sich, und darin seine Vorfahren ab. Er vertraut ihnen nicht, und damit sich selbst nicht. Das ist der wirkliche Grund, warum wir social media brauchen. Sie sind die ständig notwendige Selbstvergewisserung, weil wir uns nicht mehr trauen, weil wir unseren Vorfahren nicht mehr vertrauen.

Gerade zu Weihnachten erleben wir etwas Besonderes. Wir erleben, daß sich das Geheimnis der Welt in einer Erzählung kundtut. Und Erzählung heißt: Einer dargestellten Grammatik. Einer mündlichen Erzählung, die in der Schrift leichter erinnert werden kann, deren Schriftzeichen zumindest Bojen sind, die uns zu den innersten Inhalten der letztlich transzendenten oder transzendenzoffenen Sprache führen.

Und diese Offenheit hat Sprache übrigens immer. Deshalb ist es durchaus lohnenswert, auch dem Lügner genau zuzuhören. Letztlich sagt er die Wahrheit, oder eine Wahrheit, nur auf eine andere Art. Und irgendwann verrät er sich. Irgendwann führt sich die Lüge ad absurdum, und verkündet die Wahrheit, als Grund, warum sie zur Lüge umformiert wurde. Also zur Täuschungsabsicht über die Welt wurde. Aus der heraus man eine andere, neue Welt schaffen wollte. Sie ahmt damit Gott nach, will sein wie Gott. Lüge und erste Sünde liegen wie im Ehebett beieinander.

Damit kehren wir zum Anfang dieser Ausführungen zurück. Daß die Sprache in seinen Urgründen ein Eid ist. Ein Versprechen auf Weltschöpfung. Unsere Sprache ist die ikonenhafte Offenbarung jener Sprache, auf der die Welt insgesamt beruht.

Die Erzählung enthält die Grammatik der Welt, haben wir gesagt. Umso mehr trifft das auf die Erzählungen vom Anfang der Welt zu. So ist es auch bei Weihnachten, diesem neuen Anfang der Welt. Im Weihnachtsevangelium. Und wird in der Lesung am ersten Weihnachtstag, dem Prolog des Johannes Evangeliums, ausgelegt. Wo die tiefe Grammatik der Weltschöpfung, die Eidhaftigkeit des Wortes vor Augen steht: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.

Indem dieses Wort auf die Erde kommt, fleischlich wird - als Gestalt, in der alles enthalten ist: als fleischgewordener Gott, der zugleich in einer der drei Personen Mensch, also Sohn Gottes ist - wird die Welt tatsächlich neu geboren, weil nicht nur durch eine Ikone, sondern durch den nunmehr welthaft gewordenen, Fleisch gewordenen Urgrund neu geschaffen.

Die Welt erhält in ihrem weltlichen Kreislauf, in dem sie gewissermaßen in sich steht bzw. stehen sollte, der ohne Verbindung mit Gott, dem Sein, aber nicht sein kann, diese Bestandsquelle neu zurück. Gott wird eingeschleust gewissermaßen in diesen Kreislauf der Sinne und Beziehungen, der die Welt ist.

Es sind ja die Sinne, über die wir an jenem Außen teilhaben können, das uns grundlegt und dann immer wieder von neuem nährt, also bestehen läßt, was dem Menschen als Ebenbild Gottes zubedacht war. Die in der Ähnlichkeit enthaltene Disposition der Teilhabe an jener innergöttlichen Gnade, zu jener Liebe, in der Gott ist, und Fleisch geworden wieder unter uns weilt. Und nun wie im Paradies unter uns wandelt, und damit auf eine Weise - in der Kirche - die Welt in ein Paradies verwandelt. Jenes Paradies, von dem die Propheten gekündet haben, daß es eines Tages kommen wird - in der Fleischwerdung Gottes.

An ihn angebunden, und nur insoweit, sind wir Bewohner dieses Paradieses. Dessen Vollgestalt freilich noch nicht da ist, dazu muß das Schlechte wie bei der Ernte als Spreu ausgesondert werden. Beim Jüngsten Gericht. Aber wir Getaufte dürfen bereits in dieser geistigen Welt und Wirklichkeit leben. An der wir freilich nur im Glauben ganz teilhaben können. Aber einmal, nach dem Jüngsten Tag, werden wir nicht mehr glauben müssen, sondern werden es sehen.

Im Weihnachtsfest machen wir diesen Anfang Realität. In dem Paradies gehörigen Spiel des Ritus, des Kultes, der in den Gebräuchen deren konkrete Weltwerdung vollzieht. Uns damit zeigt, wie Geist Welt wird, so wie Gott Mensch wurde.

Lassen wir uns das deshalb nicht nehmen. Sondern begehen wir mit heiligem, ehrfürchtigem Ernst jenes Spiel, als das die Welt überhaupt nur sie selbst ist. Mit allen Traditionen, mit allen Gesten und Riten, mit allem Kult. Wie es uns übergeben wurde. So daß wir aus Weihnachten heraus, vom Eid Gottes aus, der sich uns zugesagt hat, der uns seinen Eid gegeben hat, weil er gesprochen hat, weil sein Wort in der Welt ist, in ein neues Jahr gehen, das somit im Wort begonnen zu einer Weltschöpfung wird. Die Wandel und Wechsel zur Eigenschaft hat, damit auch die Jahreszeiten braucht, weil Sein in der Welt - Freiheit - nur jeweils aktiv, im Vollzug an einem Begegnenden, überhaupt da sein kann.

Wir können von hier aus die letzte Linie ziehen. Daß nämlich diese Weltschöpfung in einer Person gründet. Und diese Person wiederum in einem Namen, dem ersten und eigentlichen Wort - Jesus. Dem Grund- und Schlußstein der Welt, in dem er sie in das Universale der göttlichen Gegenwart hebt. Zum himmlischen Jerusalem. Dem Urbild jeder Ikone, jeder Schrift, jedes Wortes, jedes Dings auf der Welt. In ihm ist alles enthalten.

Und so können wir auch unser Sprechen - unserem Hauch - spiritus, spirare, atmen - als Träger (als Träger! als Ikone! nicht als dieser Gott selbst!) des göttlichen Hauchens innerhalb der Dreifaltigkeit - als Weltzeugungsakt begreifen. Das in der Wahrhaftigkeit den Eid - zum schönen, guten, Welt werden sollenden Wort geworden - erfüllt.

Im hinausgestellten Wort ist alles eine Idee aus dem unendlichen logos, dieser nach außen drängenden, lebendigen, beziehungsvollen Grammatik des Geistes. Der sich im Wort in die Welt hebt, die im Gehörtwerden - auch in unserem eigenen Hören, denn wir hören uns selbst, ja denken ist sprechen und hören, ist nicht leise, ist nicht stumm, sondern tönt in uns - bewegt und somit Welt schafft.

Je mehr unser Sprechen zum Eid wird, und in dieser Haltung also Fenster zur Gnade wird, desto mehr schöpferische Kraft haben wir. Weil wir Gott ähnlich sind, und so an seinem inneren Leben teilhaben können.

Das wird uns in Weihnachten durch die Fleischwerdung Gottes des Sohnes wieder geschenkt.


*181218*

Geburt aus dem Eid (4/1)

Wenn aber der Anfang von allem das Wort war, das bei Gott war, und das Gott war, stehen wir nicht nur vor der Welt als Schöpfung, dann stehen wir nicht nur vor dem Menschen als Ebenbild Gottes und seiner Sprache als seiner ersten, ihn grundlegenden Bedingung - die Sprache ist also nicht "vom Menschen erfunden", das trifft nur auf eine bestimmte Weise zu, als anpassendes, tastendes Bemühen zur eigentlichen Sprache zurückzufinden, wo das "Ja" ein "Ja", das "Nein" ein "Nein" ist. Dann stehen wir auch vor der Tatsache, daß sich in der Sprache die Eigenschaften des Sprechenden offenbaren, und dazu gehört, daß er die Ursache der Dinge der Welt ist. Im Wort, im Gedanken, in der Sprache ist die Ursache der Welt.

Worte, Sprache, die mehr ist als ratio, als Verstand, sind nur ein Aspekt davon, sondern die die Sprache als jenes Gewebe betrachten, auf dem die Welt - ja letztlich Gott - überhaupt aufruht und insofern die Welt ist. Damit stehen wir vor der Tatsache, daß die Grammatik dieses innerste Wesen des Sprechenden - also die Wahrheit - erkennbar macht. Die Gesetze der Grammatik der Welt sind somit Hinweis auf Struktur und Gesetz der Wahrheit.

Das macht begreifbar, warum in einer Zeit, in der die Wahrheit als "nicht vorhanden" bezeichnet wird, sowohl die Welt als auch die Sprache verkommen muß, und verloren geht. Beides verliert nicht nur ihren Wahrheitsgehalt, sondern mit dem Wahrheitsgehalt auch ihre kommunikative Möglichkeit. Denn ohne Wahrheitsbezug gibt es kein Sprechen. Und damit keine Welt. 
Wo die Sprache ihre Verbindlichkeit, ihre Eidhaftigkeit verliert, verliert der Mensch die Welt.

Das wird auch durch die viele Schrift (fälschlich weil vorschnell als "Information" bezeichnet) nicht anders, die heute mehr und mehr das ad personam gerichtete, gesprochene Wort ersetzen soll, was ein furchtbarer Irrtum genauso ist wie ein verzweifelter Versuch, ihre Tragfähigkeit in der Welt wieder zu finden.

Weil die Schrift auf eine Symbolhaftigkeit zurückgeht, in der die ins Transzendentale, alles Welthafte, Geschöpfliche, Begründende reichende Tiefe als Sprache der Sprache (wie Heidegger es nennt) hinweisend, aber als Ganzes, Integeres, als ikonenhaftes Bild repräsentiert und damit als Fenster dorthin gegenwärtig gesetzt wird.

Das ist der Grund, warum Schrift und Bild (als Symbol, also als Kunst) auch in unserer Kultur anfänglich keine zwei Dinge, sondern eins waren. Die alte Buchmalerei, aber auch die alten Bilder oder Kirchenmalereien drücken genau das aus. Ich behaupte: das ist auch der einzige Hintergrund der Höhlenbilder. Sie sind keine "Zeichnungen", sie sind Schrift, die einmal Ikone war. So wie jedes Ding, jedes Lebewesen, einfach alles ... Schrift war und ist.

Schrift ist die Ikone der Sprache, Fenster zu einer geistigen Wirklichkeit - zu der des logos, in dem aller Grund zusammen-, mit Gott in eins fällt. Wo Sein, Wille, Handeln, Liebe nicht mehr auseinanderfällt, wie beim Menschen, dem die Göttlichkeit fehlt, weil er Gott nicht mehr in allem gleicht. Sondern in einer innergöttlichen Beziehungshaftigkeit west und nur im Aktiven, im Handeln, im Vollzug IST.

Beim Menschen ist genau dies, was bei ihm in Ähnlichkeit, also Analogie da war, in der Sünde auseinandergefallen. Weil er sich vom Einen, dem Urbild seines Ganzen, abgewandt hat. Ihm ist nun Hintereinander, Nacheinander, was in Gott eins war und ist.

Schrift ist deshalb in ihrer eigentlichen Form Abbild vom Urbild, und Fenster zum Unendlichen Geist. Und jeder, der sich viel mit Schriftsprache auseinandersetzt, wird bestätigen, daß im Schreiben die reinste Form des Denkens welthaft wird. Der Schriftsteller, der Philosoph DENKT IM SCHREIBEN, bestenfalls (weil flüchtig) noch im Gespräch. Und sonst nicht.

Damit ist auch klar, daß ein gesprochener, noch mehr aber ein geschriebener Text immer verweisenden Charakter hat, sich nie selbst genügen kann, sondern als Kommunion für Sprechenden wie Hörenden da ist. Sie ist wie ein Molekül, dessen Bindungsverlangen nach vielen Seiten ausgreift. Und in gewisser Weise auch in dieser Beidseitigkeit entsteht. Jeder Schreibende, jeder Sprechende spricht FÜR jemanden. Und wenn es nur einer ist. Und wenn es nur Gott ist.

Schrift - Bild, Ikone - ist aber auch Erinnerungshilfe, so daß ein Bild aufs andere kommen kann - Denken als Gebäude möglich wird. Sie weist mehr noch auf eine Erinnerung hin, die allen Menschen gleich ist, nur in vielem vergessen, verdrängt, abgelehnt wurde. Eine Erinnerung an die Fundamente der Welt. Die ein Bild sind. Das eine Grammatik enthält. Die Grammatik der Welt.

Die ursprünglich allen Menschen gleich war, und die innere Nähe aller Sprachen zueinander begreiflich macht, in der sich alle Menschen auch heute noch letztlich verstehen können.

Ich bin vor 12 Jahren nach Ungarn gezogen. Und habe mich bis heute geweigert, auch wenn es nicht immer leicht war, die Sprache zu lernen. Ich habe dabei von Anfang an die Erfahrung gemacht, daß das für eine Alltagskommunikation auch gar nicht notwendig war. Es gab noch so viel, das eine Kommunikation möglich machte, Geste, Tonfall, Laute, nur als Beispiele, daß ich für die alltäglichen Dinge auch so durchkam. Es genügte Aufmerksamkeit. Und Rückgriff auf menschliche Erfahrung.

Wenn eine solche Kommunikation auch nicht immer leicht ist. Weil sie ursprünglich von einer einzigen Tradition ausging, von einer einzigen Weitergabe und von dort aus immer wieder weitergegeben wurde und wird, die heute - das ist der Inhalt der Erzählung vom Turm zu Babel, die Ursache dafür liegt im Hochmut, in der Abweisung der Spache der Sprache - in viele Teileigenheiten und -traditionen zerfallen ist.

Denn es ist nicht nur in allen Sprachen eine Erinnerung enthalten, die weitergegeben wird, sondern auch in ihrer Einzeltradition ist die einem weitergegebene Sprache das Fundament der eigenen Weltsicht, des eigenen Denkens. Als Sprechen und Denken IN ewigem Raum, an einem Ort, in einer Landschaft und Kultur. Eingeschränkt, spezifisch.

Das Erinnerte bildet dann den Boden jeder Person, jedes Menschen. Wer einmal mit Alzheimer-oder Demenz-Patienten zu tun hatte, weiß, daß diese mit der Erinnerung auch ihre Persönlichkeit verlieren, nicht mehr greifbar werden, so etwas wie "verschwinden" - weil die gewirklichte Gestalt der Person, die es nur in einem In-der-Welt-sein geben kann, also mit Bezügen, nur durch Erinnerung in der Welt bleibt. Dem Demenzkranken, oder machen wir es einfacher: dem Vergeßlichen, ist es nicht möglich, Persönlichkeit zu bewahren. Und umgekehrt. Der Unsittliche zeigt auch immer ein "schlechtes Gedächtnis". Das erst heißt, alle Bezüge in sich zu tragen und zu repräsentieren. Er wird in vollem Sinn wieder zum Kind, auch in seiner Verdienstlosigkeit.

Das heißt, daß ihm das entschwindet, was ihm als Mensch und Persönlichkeit übergeben wurde und laufend wird. Durch die Eltern, aber auch und je älter jemand wird, desto mehr durch die weitere oder engere Umgebung. Weil alles Welthafte, alles Dingliche auf dem Wort beruht, sind auch alle Dinge, die Welt, Erinnerungsträger, und damit Gerüst und Stütze einer Persönlichkeit. Der Demenzkranke, der Erinnerungslose kann nur diese Dinge nicht mehr lesen. Oder ... will sie nicht mehr lesen. Wie es bei manchen sogenannten Geisteskranken oft so deutlich erkennbar ist. Die Verweigerer mehr sind als angeblich Kranke.

Damit ist es die Erinnerung, die einem Menschen in dem Maß Freiheit, also Verfügungskraft über seine Möglichkeiten zu haben - das alleine zeigt schon die Verbindung von Freiheit mit dem Guten - als die Umgebung einerseits der Sprache der Sprache wahrhaftig, gerecht wird, und auch, als er den Dingen richtig, wesensgemäß begegnungsfähig und vor allem begegnungswillig ist.

Und damit auch in dem Maß, als diese Umgebung auch wahrhaftig ist. Also in ihrer Sprache das symbolisiert, was auch dem Kind (weil allen Menschen gleichermaßen) zugrunde liegt und ihm somit Welt wie Transzendentes erschließt. Als Wahrheit. Die als Schönheit sichtbar, im Guten erfahrbar und im eigenen Tun als Ergreifen der Wahrheit lebendig wird.

Ebenfalls heute) Fortsetzung - Teil 4/2



*131118*

Sonntag, 5. Juli 2015

Der Inhalt Heiliger Sprache

Jeder Übersetzer weiß um die Schwerigkeit, die Poesie eines Werks - und im letzten ist jedes geschriebene Wort ein Stück Poesie, ob es ein Gedicht oder eine philosophische Aussage ist - in eine andere Sprache zu transformieren. Und es ist meist unmöglich, wenn das neue Werk nicht zumindest eine Neuschöpfung ist, die vom poetischen Inhalt ausgeht, nicht von der bloßen sprachlichen Form. Und es mit diesem Inhalt auch zugleich in eine neue Kultur stellt. Dennoch geht etwas unwiderbringlich dabei verloren, und das ist niemals nachholbar: Daß jedes Werk auf eine Zeit hin und aus ihr heraus geschaffen wurde.

Drückt sich aber in diesem Werk eine zeitlose, ewige Tatsache aus, kann auch die Form nicht verändert werden. Nur so ist dieser Inhalt gleich präsent.

Es ist nicht gut, aus dem Latein in der Heiligen Messe beziehungsweise Liturgie einen Fetisch zu machen. Es ist auch nur die halbe Wahrheit, daran festzuhalten zu verlangen unter Hinweis auf Zwecke und Nutzen. Das alles reicht nicht, das alles sind nur Folgenbeschreibungen.

Der wahre Grund muß in der Ehrfurcht vor dem untransponierbaren Inhalt liegen, der in eine neue Sprache transformiert niemals mehr derselbe sein kann, ÜBER den eine neue Sprache nur noch sprechen kann. Nur im Festhalten an dieser damit immer "heiliger" (und abgehobener) werdenden, nur noch liturgisch verwendeten Sprache, in die der Gründungsimpetus untrennbar verwoben ist, die im Laufe der Zeit aber auch immer weiter auf diese nur anschaulichen Inhalte hin angepaßt wurde, kann auch dieser Inhalt gleich und unverändert weitergegeben werden. Mit größter Behutsamkeit sind deshalb auch nur jene poetischen Aussagen einfügbar, ein Kult damit veränderbar, die diese Inhalte noch präziser, noch begrifflich ausgefeilter zur Darstellung bringen. Weshalb es immer große Heilige waren, die den Inhalten in Anschauung verwandt geworden waren, deren Gebete nach und nach die Liturgie, den Kult angereichert haben. Und nur Heilige könnten es sein, die ein Reform eines Kults durchführen, nur Heilige, die ein Vorhandenes weiter in die Welt hinein ausfalten, auf daß diese für eine Zeit aus ihr heraus greifbar bleiben.*

Ansonsten kann man nur noch über diesen Inhalt sprechen, der als Arkanum zunehmend in die hermetischen Hände jener wandert, die die alte Sprache noch verstehen, und sich in ihr und damit in den Inhalten bewegen können. Aber man gibt ihn damit nicht mehr - weil immer mangelhaft - in der kultischen Handlung selbst weiter. Was umso tragischer wird, wenn die Heilige Handlung selbst Träger der realen Vermittlung Gottes in die Welt ist - im Sakrament.



*Darin wurzelt dieser "tödliche Instinkt", mit dem seit geraumer Zeit in immer kürzeren, ja extrem kurzen Prüfräumen sämtliche Päpste der Neuzeit heiliggesprochen werden. Denn damit (und im letzten: nur damit) lassen sich Reformen sakrosankt stellen. Umgekehrt setzt eine Liturgie von jedem, der in die Heilige Handlung eingreift, diese Heiligkeit voraus. Und genau das ist die fatale Konsequenz, einer Umkehrung gleich, wie sich aus der "Volksbeteiligung" in der Liturgie der Katholischen Kirche zeigt. Der den protestantischen Trugschluß verbreitete, Heiligkeit wäre subjektivistisch attestierbar, ja überhaupt durch Selbstgefühl attestiert. Die Folgen sind logisch zusammenhängend: Nicht nur, daß der VdZ eine erstaunliche Menge von Menschen kennt, sie sich selbst und sogar ausdrücklich als "heilig" bezeichnen.

Mehr noch: Die heutigen Heiligsprechungsverfahren² sind überhaupt zu Heiligsprechungen der Anhänger des Heiligzusprechenden geworden, und damit zu Mitteln aktueller, selbstreferentieller Kirchenpolitik. Im Falle Johannes Paul II. und Polen wurde dies sogar explizit als Grund für eine enorme Dringlichkeit - Stärkung der heutigen (!) faktischen polnischen Kirche durch "Sanktifizierung" - ins Treffen geführt. Und im Fall des aktuellen Papstes (samt Emeritus) hat sich diese Heiligsprechung bereits auf deren Zeit als Lebende ausgeweitet: Die zahlreichen Apologien der Päpste, die ihr Handlen und Sprechen "benedicieren" (also: gut-sprechen; aktiv und wörtlich verstanden), tragen allesamt den Charakter von Argumenten in Heiligsprechungsverfahren.

²Das alles vom VdZ gesagt, ohne sich ein Urteil darüber anzumaßen, ob die betreffenden Personen wirklich heilig waren oder nicht. Dennoch: Wenn es heute auch meist heißt, daß Heiligsprechungen den Charakter der Unfehlbarkeit tragen, so gibt es gute Argumente dafür, daß dies eine unzulässige Ausweitung der Definition der päpstlichen Unfehlbarkeit ist. Die sich nicht zuletzt in der Heiligsprechungsformel selbst, also der dabei verwendten Sprechformel (sic!) ausdrückt, deren Inhaltsbezug v. a. seit dem 1. Vatikanum allzu großzügig ausgelegt wird. - Da greift also ein Rad ins andere. Die Warnung Kardinal Newmans vor der Unfehlbarkeitserklärung des Papstes (nicht des Inhalts, als der realen Wirkung auf die Kirche wegen) könnte also noch berechtigter sein, als er selber meinte. Denn mit dem unfehlbaren Papst (welche Unfehlbarkeit seither nach und nach vom Amt in die faktische, menschliche Person wanderte) wurde in unausbleiblicher Wirkungskette auch das Kirchenvolk ... unfehlbar, weil heilig.

Denn im Anhängen an eine Person (oder ein Ding) nimmt man an dessen Wirklichkeit teil. Aus dieser anthropologischen Tatsache begründet sich die Einheit und das Schicksal der Welt in seinem Bezug zur Vorsehung (Ordnung) Gottes überhaupt (die in der "Quellperson" Jesus Christus verankert ist - nur in ihr, in Gott selbst, wird Maske und Mensch dahinter eins: im Willen des Vaters: "wer mich sieht, sieht den Vater".)

Weshalb menschliche Identität nur als (imperativischer) Bezug zur Maske (persona) zu verstehen ist. Die Ordnung Gottes (wenn man sie sich bildlich vorstellen möchte) ist eine Ordnung von "Masken", als Ideengefüge aus/in Gott. (Namen und Begriffe sind ja ganz real Auftrag.) Wo jemand die Maske ablegt, oder ständig hervorlugt³ (wie es das narzißtische Kind tut, das diese Wirklichkeiten in "ich" und Maske noch nicht auseinanderhalten kann), sie also "verdoppelt" und damit enteigentlicht, tritt er aus dieser Ordnung heraus. Selbst das Gender-Problem wurzelt GENAU darin.

Das ist aber bei so hohen Ämtern wie Papst oder Kaiser von entscheidender Bedeutung, denn sie verlieren damit als "Personen" ihre reale Einungskraft. Kaiser oder Papst sind deshalb historisch immer unter "Ornaten" verschwunden, und haben nach außen nur ALS Amtsträger in entsprechendem Ritus gehandelt. An ihnen DARF nur das Amt als Kopf eines Organismus sichtbar sein. Auf die Spitze getrieben muß man sogar sagen: Ein König, der die Insignien des Reichs geringschätzt und ablegt, IST gar kein König mehr, sondern nur noch Herr XY. Das hat in der Geschichte der Menschheit nachweisbar die allergrößte Bedeutung! Und sie hat es noch heute, nur kennen es nur noch wenige, weil sie sich und den Menschen nicht mehr kennen.

³Ein katastrophales Signal, im übrigen, weil sich der Mensch HINTER einer Maske in seinem faktischen Sein selbst ins Zentrum der (göttlichen) Ordnung der Theateraufführung schiebt. (Man stelle sich das ganz real während einer Aufführung am Hoftheater zu Wien vor. Schauspiel heißt nämlich genau das: Verschwinden des privaten Menschen hinter der Rolle, der Maske.)

Der Witz dabei: Weil dieses Verschwinden hinter einer Maske eine hohe und ständig neu zu erbringende sittliche Leistung ist (die nur in der Tugendhaltung nach und nach "leichter" wird, denn Tugend IST das Verschwinden hinter der Maske), die Anstrengung verlangt, ist es in einer Zeit, der es GERADE UM dieses Hervortreten geht, in der alles darum geht, sich das "Leben zu erleichtern", denn das ist der Charakter der Gegenwart, ist es also heute logisch, daß solchen "Hervortretern" besondere "Sympathie" entgegengebracht wird. Es ist aber - man täusche sich da nur nicht! - die (hämische) Sympathie der Vergemeinung, in der sich Übeltäter bekanntlich gerne zu "Gemeinschaften" finden.

Der VdZ hat in seinen Monaten im Obdachlosenheit (2001) genau das hautnah erlebt: Wo man in Bruderschaft unter seinesgleichen willkommen ist, solange man diesen schrecklichen Zustand (in dem alle ihre Masken des öffentlichen Theaters ablegen) nicht zu überwinden trachtet, um wieder hinter eine/seine (!) Maske zu gelangen.

Genau das stellt sich in einer jüngst veröffentlichten Umfrage zu Glaubwürdigkeiten dar: Dergemäß Papst Franziskus persönlich (als Bergoglio) fast die höchste Stufe an Glaubwürdigkeit erreichte, während die Kirche (!) nur noch vor der EU-Kommission, aber sogar hinter der Politik rangiert. (Man trennt das also! Frage sich doch einmal einer, wie das möglich ist! Denn gerade und NUR im Papst wird Kirche unüberwindlich und untrennbar real, darin gründet ja sogar das Unfehlbarkeitsdogma!) Der Papst hat es also geschafft, sich persönlich, als Juan Bergoglio, in wahrer Schizophrenie von der Kirche "abzukoppeln" - anstatt sie und nur sie "zu sein". Aber mehr als das: Er hat gewisse Eigenschaften des Amtes in seine private Jackentasche gesteckt, und ist auf und davon gelaufen. Denn natürlich ist sein Glanz nur dem Glanz des Amtes geschuldet. Der Witz dabei: Es gibt jede Menge "Katholiken", die darüber jubeln! Über die Gründe dafür wurde alles gesagt.

Wie bei einem Schauspieler also, der zwar nie eine Rolle (gut) gespielt hat, aber es dennoch (über Meinungsmache, Täuschung, Blendung) geschafft hat, ALS XY zum größten Schauspieler gekürt zu werden. Und eiderdautz - solche Schauspieler gibt es heute tatsächlich zuhauf.
 
 
 
 
 
*050715*

Mittwoch, 21. Januar 2015

Von der Pflicht, eine Religion kennenzulernen (2)

Teil 2) Wieweit und worin KANN ein christkatholischer Mensch
überhaupt einen Andersgläubigen lieben? Wieweit und worin MUSZ er das? 
(Plus die Anmerkungen zum ersten Teil)




Freilich, eben weil man nur lieben kann was man kennt, hätte ein Christ die Pflicht, um den Nächsten lieben zu können, ihn - und damit auch seine Religion - kennenzulernen. Aber handelt es sich hier nur darum? Steht diese Nächstenliebe überhaupt auf ihrem Fundament, das alleine sie nämlich tragen kann: dem der Liebe zu sich selbst? Vor allem aber: Um etwas lieben zu können ist es notwendig, seine Wirklichkeit zu erkennen. Denn man kann nur eine Wirklichkeit lieben. Etwas lieben heißt also keineswegs, das Schlechte, das also Nicht-Wirkliche des anderen, zu lieben oder einfach so zu tolerieren. Da schlägt Liebe sehr schnell zur Nicht-Liebe um. Insofern könnte, ja müßte man christliche Liebe als Liebe zur "anima naturaliter christianum" bezeichnen. Sie ist die Liebe zur Ebenbildlichkeit des Menschen zu Gott. Aber sie ist auch damit in gewisser Weise eine Liebe zur "Idee", die jeder Mensch verkörpert, und darin Liebe zu Gott. Richtet sich die Liebe nur auf das faktische Leibliche eines Menschen, wird sie sogar zum Götzendienst. Denn man DARF und KANN gar nicht ALLES an einem Menschen lieben. Dann wäre dieser ja vollkommen wie Gott.

Weil man nur das Gute lieben kann, Gott (der Dreifaltige, mit Christus, dem Sohn) aber das Gute selbst ist, kann man nur das Christliche oder (bedingt, also relativ) das aufs Christliche Hinweisende lieben. Eine andere Aussage ist dem Katholiken (bzw. als darin eingeschlossen: Christen) gar nicht möglich. Denn daß sich auch außerhalb der Kirche menschliches Heil vollziehen kann, ist nicht möglich zu glauben ("de fide", also Dogma). Der fleischgewordene Sohn Jesus Christus erst hat die Menschheit mit Gott versöhnt, den Menschen in diese göttliche Dimension, das Heil, hineingenommen, sofern es dieser annimmt - oder nicht.

Denn als Ebenbild Gottes ist der Mensch zur Freiheit (der Annahme oder Ablehnung) als Teil seines vollkommenen Menschseins begabt wie (als Notwendigkeit, das wird oft vergessen) aufgerufen. Freiheit und Heiligkeit sind Synonyme! Freiheit aber gibt es nur in der Wahrheit. Und Jesus Christus IST die Wahrheit, in Person. Er lehrt sie nicht nur, wie jeder andere Religionsstifter. Sein uns geschenktes Heil ist mehr als Lehre, es ist auf unübertreffliche Weise (und daß sie unübertrefflich ist, liegt schon in seiner Natur als Gott begründet, denn Gott KANN nur vollkommen sein, also muß das auch auf seine Offenbarung "einer für alle" zutreffen) "ganzheitlich".

Mehr, anderes ist bestenfalls angesichts der uns nicht ermeßlichen Barmherzigkeit Gottes zu hoffen, als Weg aber ist es nicht "zu empfehlen". Genau das führt ja auch zur Wertschätzung wahrer kultureller Werte, auch wenn sie in anderen Kulturkreisen vorzufinden sind. Sie sind das quasi materiale Moment, in das sich Gnade und Gottes Geist überhaupt erst ergießen kann, wie es dann in der Taufe bzw. den Sakramenten ganz real passiert. WENN sie solche denn sind, denn es gibt sehr wohl eine Unkultur, die sich als "Kultur" geriert.

Deshalb richtet sich der Auftrag der Kirche auf die Verbreitung ihrer selbst. "Gehet hin in alle Welt und taufet ..." Nicht auf die Gleichstellung jener, die sie ablehnen. Darüber läßt sich gar nichts Bestimmtes sagen, also kann es auch nicht verantwortet werden. Was sich darüber sagen läßt, ist im Katholischen mit Begriffen wie "Bluttaufe", "Begierdetaufe" (bzw. -sakrament) bereits bis an die Grenze des aus Glaubensgeist überhaupt Sagbaren ausgeweitet, doch nie ohne Christusbezug. Denn Frieden kann es nur in Christus geben, für jene, die "bonae voluntatis" sind: Guten Willens Gott (in seinem Hause, der Kirche) gegenüber.

Oder sollen wir verwegenere Fragen stellen, wie die: Braucht es erst Katholibane, die Terrorakte setzen, um sie christlich motiviert darzustellen, auf daß dann die Katholische Kirche sich davon distanzieren und das Recht reklamieren kann, daß Kritiker die eigentlichen Inhalte des Christentums kennenzulernen hätten, die alleine sie ja vertritt? Immerhin könnte sie das sogar (bei Protestanten ist das ja auch schon gar nicht mehr möglich), weil es nur eine Glaubenslehre und eine Interpretationsautorität gibt. 

Würde das dann gar endlich die viel beschworene Neuevangelisation Europas auslösen, weil jeder nun die Pflicht hätte, die Heiligen Schriften und Traditionen der Kirche zu studieren, und zu verstehen? Steckt dieser durchtriebene Plan gar hinter dem Bemühen nicht weniger katholischer und höchster katholischer Würdenträger, das Verstehen des Islam einzumahnen?

Der Leser möge sich seinen eigenen Reim darauf machen. Der VdZ kann es nicht wirklich.




*Gerade die jüngst veröffentlichten Statistiken über Gottesdienstbesuche zeigen, daß gerade noch 10 Prozent der Katholiken (regelmäßig) einen Gottesdienst besuchen.

**Nikolaus von Kues, der Cusanus, hat schon im 15. Jahrhundert eine eingehende Kritik des Koran verfaßt. Er kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Wobei er darauf hinweist, daß dort, wo der Koran schön und wahr ist, er eine Abform der Bibel ist. Auf der er ja aufbaut. Hingegen sind die Stellen, wo er abzulehnen ist, immer Stellen, wo er von der Bibel abweicht. Dieses Urteil, meint der VdZ, könnte einem Katholiken doch auch reichen, zumindest auf's Erste?




*210115*

Dienstag, 20. Januar 2015

Von der Pflicht, eine Religion kennenzulernen (1)

Aspekte - Sichtweisen

Es heißt zu warten, bis sich die trüben Wasser wieder geklärt haben, um jene Linien wieder zu finden, die aus dem bloß Aktuellen wieder schöpferische Gegenwart und damit Zukunft machen. Man fischt nicht in trüben Gewässern.




Die Aufforderungen, den Q'ran (Koran) zu lesen, um den "wahren Islam" kennen- und beurteilen zu lernen, prasseln mittlerweile in einer derartigen Dichte auf den Europäer ein, daß es recht verwundert. Haben wir wirklich die Pflicht, uns mit einer Religion auseinanderzusetzen, die nicht die unsere ist, um so Taten, die im Namen dieser Religion begangen werden, als dieser gar nicht zuzuschreiben qualifizieren zu können? Handelt es sich da nicht eher um eine Bringschuld der Muslime? Und: sind die überhaupt daran interessiert?

Das könnte man sich nämlich mit Michael Klonovsky fragen, der von der interreligiösen "Mahnwache" am Berliner Brandenburger Tor berichtet. Zu der Aiman Mazyek vom Zentralrat der Muslime (der im übrigen, so Klonovsky, kaum zwanzigtausend Mitglieder repräsentiert) geladen hatte, und wo sich neben Vertretern aller größeren muslimischen Verbände Deutschlands Bundeskanzlerin Merkel, Bundespräsident Gauck und diversen Kabinetts- und Bundestagsmitgliedern auf der Tribüne einfanden. Um "ein Zeichen zu setzen" für Toleranz und gegen den Terror.

Höchst scharfsinnig fragt Klonovsky, was es dann zu bedeuten habe, daß sich zu diesem Aufruf in der größten muslimischen Stadt Deutschlands, der zweitgrößten der Welt (nach Istanbul), kaum zehntausend Mitdemonstranten eingefunden hatten. Von denen der überwiegende Teil Nicht-Muslime waren. Was wurde also hier demonstriert? Oder haben gar jene Muslime mehr ausgesagt, die "diesem Zeichen" eher wenig Bedeutung schenkten? Wessen Anliegen, welche Gesinnung wird also hier von den Proponenten des öffentlichen politischen Lebens vertreten, und welche Stellung hat diese im Verhältnis zu den Bürgern? Das sind doch viel spannendere Fragen?!

Hat außerdem noch niemand gefragt, ob die Angst vor dem Islam, wie sie vielen in diesen Tagen regelrecht zum Vorwurf gemacht wird, als wäre Angst nämlich einfach etwas, in der man automatisch schuldig wäre, ob nicht also diese Angst (zumindest: auch) eine wahre Aussage sein könnte. Und da muß man gar nicht zur Spitzfindigkeit der Scheidung Angst : Furcht (als Angst vor Konkretem) greifen. Ob sie also nicht auch mit dem Auftreten und Rezipieren der Muslime in Deutschland (und Österreich) zu tun haben könnte. Nicht als Anschuldigung ist das gemeint, sondern einfach als Frage "wissenschaftlicher Redlichkeit". Immerhin haben wir es doch ohne Frage mit dem Phänomen zu tun, daß hier Menschen zu uns kommen, die ohne viel zu fragen ... ihre, der unseren fremde Religion und Kultur leben.

Muß man da "krank" oder "faschistisch" oder "nationalistisch" oder gar "rechtsradikal" (und, im übrigen, auch das längst üblich: "unchristlich", "nicht katholisch" etc.) sein, um das als Bedrohung zu empfinden? Hat man nicht die Pflicht zur eigenen Wahrnehmung? Wird nicht diese Wahrnehmung in dem Maß unwahr, als sie sich nicht in geistigem objektivem Urteil, also "nach" den Sinnen, objektiviert, und heißt das denn nicht auch, daß sie sich über reale Details erheben muß? Ist nicht sogar gerade das Versinken ins Einzelne, in Details, in Teilqualitäten, die größte Gefahr für die Wahrheit?

Dies jenen gesagt, die da meinen, eine Wahrheit, ein wahres Urteil über etwas würde sich übers "Kennenlernen des Details" quasi erst formieren. Der Mißbrauch etwa zeigt, welche Gefahr und Täuschung im Urteil gerade darin liegt, eine empirische Erfahrung nicht ins Ganze des Geistes und der Gesamtordnung (der Ideen, um es über Plato anschaulich zu machen) überführen zu können (oder zu wollen, weil das Einzelerlebnis willentlich fürs Ganze genommen wird, man wie die Maus aus Liebe zum Speck die Falle akzeptiert.)

Umgekehrt ist das Ganze immer in jedem Detail, ja nur dort. Richtig, weil alles einem Ordnungsgefüge zubehört, läßt sich aus dem Detail aufs Ganze schließen, als Teil eines Ganzen. Aber zum einen nur, wenn man es zu abstrahieren vermag, dazu braucht es auch bereits abstrahierte Lebenserfahrung, um ableiten zu können, und zum anderen braucht es dazu nicht JEDES quantitative, ja nicht einmal qualitative Detail. Dem Erfahrenen genügen oft winzige Bruchstücke einer Menge, um auf das Ganze schließen zu können. Jemand mit guter Menschenkenntnis vermag Menschen oft schon nur nach wenigen Augenblicken verblüffend genau einzuschätzen, bis hin zu ganzen Lebensgeschichten, die sich daraus folgern lassen. Jeder reifere Künstler kann dies bestätigen, ja er lebt davon, das ist ja sein Metier: Wirklichkeit ist unsichtbar! Ein Streit über Einschätzungen hat also nur Sinn, wenn er auf der Ebene der abstrakten Urteile stattfindet, nicht auf der einer (oft sogar das Gesamturteil nur verwirrenden) quantitativ unterschiedlichen Kenntnis von Details. (Das ADHS-Syndrom, aber auch Geisteskrankheiten wie Schizophrenie, demonstrieren genau das.)

Ist es denn überhaupt anders gemeint? Hat man sich je bemüht zu zeigen, daß es NICHT so gemeint ist? Oder wie soll man Aufrufe eines Erdogan deuten, der seine "Landsleute in Deutschland" aufruft, türkische Traditionen in Deutschland zu leben? Da ist mit dem entschuldigenden Wörtchen "Wahlkampfrhetorik" nicht wirklich etwas getan. Zumindest hat man es hier mit einem kulturellen Unterschied zu tun, der beachtlich und keineswegs eine Erfindung der Gegenwart ist. Denn selbst schon die Germanenstämme waren berühmt dafür, sich wo immer sie hinkamen, blitzartig den dortigen Lebensgebräuchen, ja den Religionen einzupassen.

Aber um zur Frage nach dem Koran (wir bleiben bei der deutschen Phonetik) zurückzukommen: Sollen dem Aufruf, den Islam kennenzulernen, also genau jene Menschen folgen, die ihre eigene Religion, das Christentum, gar nicht mehr kennen? Denn daß dies der Fall ist, ist unbestreitbar. Ist dieser Regen an Aufrufen also nicht eher einem Versuch gleichzustellen, ein Land zu islamisieren, das nämlich gar keine Religion mehr hat, die es ernst genug nimmt, um sie kennenzulernen?* Zumal der Koran ja keineswegs einfach ein dummes Buch ist, sondern durchaus sehr schöne und tiefe Stellen hat.**

Meist haben ja die größten Kritiker erschreckend wenig Ahnung (und noch weniger Verstehen) von Glaubensinhalten, die sie kritisieren. Das betrifft den Islam nicht weniger als den Katholizismus.  Man kann aber nur lieben, was man kennt. Diese beiden Pole auch des Glaubens sind nicht zu trennen. Woraus man durchaus schließen könnte, daß diejenige Religion, die man zuerst kennt, auch recht wahrscheinlich die ist, der zu folgen man sich entschließt. Das Bibelverbot in vielen vorwiegend muslimischen Staaten kommt ja nicht von ungefähr, dort kennt man die Gefahr.


Morgen Teil 2) Wieweit und worin KANN ein christkatholischer Mensch
überhaupt einen Andersgläubigen lieben?
Morgen auch: Die Anmerkungen



*200115*

Freitag, 11. Januar 2013

Präsenz des Wortes

Der Unterschied zwischen geschriebenem und gesprochenem Wort ist weit höher, als er nominalen, abstrakten Inhalten entsprechen könnte, schreibt Walter Ong SJ in "The Presence of the Wort". Anthropologisch eindeutig ist, daß das gesprochene Wort eine Präsenz hat, die gar keinen Vergleich mit Geschriebenem möglich macht. Das ja nur auf Gesprochenes referiert.

Verlagert auf die visuelle Ebene, wird, analog zum Aufbau des Sehvorgangs, dessen Inhalte in ganz anderem Maß als Gehörtes von der Interpretation abhängen, das Gelesene inhaltlich vom Leser interpretiert. Er überschreitet also mit Lektüre seinen eigenen Horizont kaum bis gar nicht. Das Gesprochene trägt aber die Eigenschaften der Person des Sprechers mit sich, die Situation, den Raum. Es schafft damit real Gegenwart, weil es über die Zeit hinaushebt, auch hier: anders als das Geschriebene. Ohne Raum und Zeit aber kann sakrale Begegnung gar nicht stattfinden, zeigt Mircea Eliade. Denn das Göttliche steht über Raum und Zeit, bewohnt sie. 

Geschriebenes unterliegt Raum und Zeit, bezieht sich auf Vergangenes. Es macht das Wort zum Objekt, ist vergleichbar, ja muß verglichen werden. Und sie haben einen deutlich geringeren Realitätsgrad als Gesprochenes. Schrift hat lediglich höhere Dauer in der Zeit, was sie sogar mitbegründet hat - als Zeugnis, als Erinnerungshilfe.

Ein Hörvorgang ergreift den Hörer, wandelt ihn. Er vermittelt nicht nur Gegenwart und Aktualität oder Dringlichkeit, sondern in ihm wird damit ein Inhalt vermittelt, den die Schrift gar nicht fassen kann. Theoretisch würde ein Leser ohne Rückgriff auf bereits Gehörtes, ohne (stillen) inneren Sprechvorgang beim Lesen, gar nichts verstehen von dem, was er an Zeichen vor sich sieht.

Der Psychologe J. C. Carothers schreibt in "Culture, Psychiatry and the Written Word", daß deshalb nur wenige Menschen Kommunikationsprobleme haben, wenn sie sich im Sprechen ausdrücken. Sie werden relativ leicht verstanden. Anders aber im Schreiben. Die Schrift transportiert nur wenig vom Verfasser, und bringt deutlich weniger Verständnis, weil der Leser immer eher nach seinen eigenen Vorurteilen und auf der Grundlage seiner Verstehensbasis urteilt.* Das wird nur im Maß der "excellency" des Schreibers etwas besser. Die Kraft des Gesprochenen als Kommunikationsmittel ist unvergleichlich höher, als sie Schrift je erreicht. Wir vergessen allzu leicht, wie wenig die Schrift von dem aufnehmen kann, was das Sprechen zu vermitteln vermag. So daß die Fähigkeit, reale Situationen mündlich zu meistern, die der schriftlichen Bewältigung bei weitem übersteigt. 

Gerade die Technisierung der Abläufe - in der Wirtschaft zeigt es sich deutlich - und das Ansteigen nach Dokumentation (in der Schriftlichkeit) hat die Notwendigkeit mündlicher Konferenzen und Besprechung nicht nur nicht abgeschafft, sondern technische Durchdringung läßt (und ließ nachweisbar) Besprechungen sprunghaft ansteigen. Die sich oft sogar nur damit befassen, schriftliche Dokumente zu klären, die Verwirrung angestiftet haben. Dokumente, Briefe, können kaum mehr als Fußnoten und Bestätigungen zu vis-a-vis-mündlichen Besprechungsinhalten darstellen. 

Jeder kann ja versuchen, ein Gespräch schriftlich wiederzugeben - er wird feststellen, wie schwierig, ja unmöglich das ist. Vielmehr macht es eine Redaktion notwendig, und damit eine Änderung des gesprochenen Wortes, um Inhalte - je nach Verständnishorizont und Ordnungsfähigkeit des Schreibers! - auszudrücken. Ohne vorgefaßten Sinn kann man ja überhaupt nicht schreiben. Die Schrift kann aber nicht fassen, kann gar nicht ausdrücken, was alles in der mündlichen Rede vor sich ging. Und sie hat eigene Regeln, die nur mehr oder weniger annähernd das Gesagte einfangen können. Geschriebenes ist also auch nur von jenen mehr oder weniger gut zu entziffern, die auch diese Regeln adäquat in Gesprochenes umdeuten können. Im Maß, wie der Entzifferer "gut" reden kann.

Einer der Gründe dafür, schreibt Ong weiter, ist, daß das gesprochene Wort Teil einer Aktualität ist, und seine wirkliche Bedeutung sich nur aus dem Kontext einer Situation ergibt. Dieser kaum eingrenzbare, faßbare Kontext ist in einem Gespräch zum Beispiel automatisch da, und alle Sinne sind beteiligt im Liefern von Qualitäten, die direkt mit der Aussage zu tun haben. In der Schriftlichkeit muß der Leser sich alles die Situation des Schreibenden betreffend vorstellen, und es zusätzlich inhaltlich umsetzen, und beides kann er nur in seinem Maß. Die sinnliche Wirklichkeit des Schrifttextes ist bereits anderes, als die als Hörender, und sie ist eine neue und weitere Aussage. Denn es ist zu berücksichtigen, daß die Situation des Lesens selbst bereits ein Kontext IST, der sich auf die Bedeutung auswirkt. 

Im Lesen fehlt die Innerlichkeit des Sprechenden, obliegt der Vorstellungswelt des Lesers.** Im Hören wird diese Innerlichkeit ja schon alleine über die Stimme sehr umfassend mitgeliefert.*** Das Sehen muß das Objekt aufbrechen, um es zu durchschauen. Das Hören aber hört es aus sich, als Ganzes, und in seiner Qualität. An der Entwicklung des Hörens (nicht im selben Maß bei den anderen Sinnen!), in der Innerlichkeit des Hörgeschehens, läßt sich sogar die intelligente Stufe eines Lebewesens ablesen - je höher und von Zentralität (das entscheidende Merkmal von Organismen) bestimmt und durchwirkt es ist, desto innerlicher ist sein Hören, und desto näher kommt es menschlicher Intelligenz. Den tiefsten Punkt von Innerlichkeit, parallel dazu, verortet der Mensch in seiner Geistigkeit, die das bloße Denken noch einmal übersteigt.





*Der Verfasser dieser Zeilen hat bereits mehrmals hier darüber gehandelt, wie lächerlich es ist, die heute bei über 50 Prozent der Grundschulabgänger auftretende Unfähigkeit, sinnerfassend und -zusammenhängend zu lesen, als Mangel von "Lesetrainings" etc. der Schule anzulasten. Ja, es liegt nicht einmal daran, daß "zuwenig gelesen" wird. Rein quantitativ ist nämlich das Gegenteil der Fall: noch nie wurde so viel gelesen, wie heute. Ja, das ist sogar Teil der Krankheit. Lesen und Verstehen ist keine Frage technischer Schriftbeherrschung. Bestens trainierte Fähigkeit, Buchstaben in Worte und Sätze zu transferieren (=Lesen), kann sogar gefährlich das Sprechen entleeren. Lesen ist aber eine Frage der Persönlichkeit. Aus der Erfahrung seines Lebens heraus meint der Verfasser dieser Zeilen sogar, daß man es heute bereits mit über 90 Prozent dysfunktionalem Analphabetismus zu tun hat. Nur wenige Menschen trifft man, denen ausreichend zuzutrauen ist, daß Ihr schriftlicher Ausdruck auch das transportiert, was sie wirklich meinen. Die Höhe einer Kultur oder "Bildung" aus dem Fehlen von Analphabetismus ableiten zu wollen ist einfach dumm.

In dieselbe Kerbe schlägt das Problem des Rechnens, das jüngste Erhebungen ergeben haben, und das in der Presse mit "Jeder zweite Schüler kann nicht rechnen" beschlagzeilt wurde. Jeder sechste Vierzehnjährige kann nicht einmal einfache Grundrechnungen durchführen. Besonders unter Migranten ist der Anteil besonders hoch. Das läßt auf zwei Ursachen schließen - die Lehrmethoden beziehungsweise Zustand und Stellung der Schule, und den kulturellen Zustand. Ohne in Details zu gehen, läßt sich ein Grundzug annehmen, der in eine Grundthese der Kulturkritik läuft.

Rechnen ist ja keineswegs ein abstrakter Vorgang, sondern fußt in einer unmittelbaren Kraft zur Vorstellung von Dinglichkeiten. Ja, überhaupt im Grundverhältnis zu den Dingen. Wem die Dinge verschwinden, der kann nicht mehr rechnen, weil ihm geistig die Dinge/Einheiten entgleiten. Das einzige was verwundert ist, daß diese so deutlichen Symptome, die unter anderem auf den Medienkonsum verweisen, niemand in ihren Wurzeln erkennt. Keine Methode der Welt vermag wirklich "rechnen" zu lehren, wenn das Verhältnis zu "Eins" sowie seinen Bezügen - Zwei, Drei, etc. - , dem Ding also, nicht distinkt ist, auf das alle übrigen Zahlen und Rechenoperationen aufbauen. Wer die Beziehungen zu den Dingen abschafft, indem er sie orts- und zeitlos macht, löst auch die Vorstellung auf, die im Erleben der Welt gründet - die Geometrie. Dann greifen nur noch voluntaristische, positivistische Gedankenabläufe, und sie sind typische Erscheinungen fehlender Kultursubstanz, der Entwurzelung. Die Konstruiertheit braucht, um noch "etwas" zu sein

Nur Ort und Zeit läßt erleben, und insofern erkennen. Arithmetik bezieht sich auf die Geometrie. Nur aus der Kraft zu Dinglichkeit kann sich auch Rechnen bilden. Wem die Dinge innerlich - in Emotion, aus Mangel an Kraft zur Dinglichkeit, aus Mangel an Dingen - verschwimmen, kann mit ihnen nicht spielen, sie in kein Verhältnis setzen. Wenn die Welt ihre Ordnung nicht mehr repräsentiert, werden die Dinge nicht mehr erfahrbar. 

**Aus der Erfahrung mit dem Sprechen selbst hat der Verfasser dieser Zeilen die Gewißheit gewonnen, daß Stimme, Sprache NIE lügen können. Es liegt nur am Hörenden, das herauszuhören beziehungsweise sich dessen bewußt zu werden. Wie anders im Schreiben, im Lesen. Nichts ist so leicht zu belügen, wie ein lesendes Publikum. Wenn Simone Weil die Abschaffung der Parteien verlangt, so hat das genau diesen Hintergrund: Ein wirkliches Bild von einem Mandatar kann sich ein Wähler fast nur im direkten Gegenüber bilden. Was nicht heißt, daß nicht gerade mit dieser Tatsache erst recht gelogen werden kann. Indem andere Mechanismen eingesetzt werden, die die Interpretation, die hörende Wahrnehmung blenden. Hitler war schon deshalb den meisten Kandidaten überlegen, weil er per Flugzeug - schon das eine Aussage die der Stimmung der damaligen Zeit voll entsprach: In ihrer Faszination von Modernem, der Gier nach Neuem - die gewaltige Anzahl von Vorwahlversammlungen besuchte. Alle diese Versammlungen aber waren perfekt inszenierte Massensuggestionen, die die Wahrnehmung des Redners bereits vorgaben, und die Hitler eben in die Augen hoben, die nur Oberflächen sehen. Zuhörer, die sich nicht beeinflussen ließen, die genau zugehört hatten, wandten sich - als Phänomen ist das bezeugt - rasch von ihm ab. Ein Zuhörer am 13. März 1938 am Wiener Heldenplatz hat dem Verfasser dieser Zeilen erzählt, wie er Hitler aus wirklichem Interesse genau zugehört habe. Sein Urteil war augenblicklich klar: ein Wahnsinniger. Hitler gab es nur inszeniert. NIE "entspannt", gelassen, als "er selbst". Er war nie er selbst, alles war "Rolle" und Interpretationszwang auf den Wahrnehmenden, der in eine schizoide Situation geriet. Hitler-Anhänger ähneln deshalb frappierend Mißbrauchsopfern, nicht weniger als ein großer Teil der heutigen Österreicher, die zu ihrem Mißbrauch ja zustimmen.

***Häufig findet man die These, daß deshalb die audiellen Medien dieses Hören ersetzen könnten. Das ist ein tragischer Irrtum! Richtig daran ist nur, daß sie der Sehnsucht nach Gehörtem entsprechen. Sie sind nicht nur eine völlig andere Situation, und damit Aussage, sondern über die technische Weiterentwicklung zur Elektronik wurde der sinnliche Inhalt eines Gesprochenen immer mehr verkürzt, und nicht nur das, er ist - über den Programmierer, der entscheidet, WAS WIE erfaßt und transformiert wird - bereits in höchstem Maß interpretiert. Zwischen altem Röhrenradio oder mechanischem Plattenspieler und digitalem mp3-Player besteht also nicht einfach ein quantitativer, sondern ein prinzipieller Unterschied. Das gleiche gilt sinngemäß vom Wandel der Photographie, von analog zu digital. Das digitale Kino oder Fernsehen bringt sich selbst um. Darüber ein andermal. 





*110313*

Samstag, 1. Dezember 2012

Merkmal des Niedergangs

Wir machen uns ein völlig falsches Bild, wenn wir meinen, daß der Beginn der Schriftlichkeit im Mittelalter ein Fortschritt gewesen wäre, schreibt Melville Jacobs. Selbst die Rechtsbücher, aus Zweckgründen mit die ersten Verschriftlichungen, waren nie mehr als Kommentare zu lebendigem, vorhandenem Recht gewesen, und das war lebendig in Wort und Geste. Der Beginn der Verschriftlichung war einesteils lediglich als Notbehelf verstanden. Andernteils aber war im 12., 13. Jhd. das Bewußtsein überall vorhanden, daß es einen beginnenden Niedergang markierte. Der den Niedergang der lebendigen Gegenwart der entsprechenden Haltungen im Volk einerseits kennzeichnete, anderseits aber überhaupt erst auslöste und vorantrieb. Denn nach und nach wanderte das Recht nun in die Schriften, und begann sich aus einer eigenen literarischen Logik heraus zu speisen. Die nicht mehr einfach die Logik des Lebensvollzugs der Menschen war.

Schrift ist nicht die logische Folge der Mündlichkeit, beide haben im Grunde nichts miteinander zu tun, und die Schriftlichkeit ist keine Fortentwicklung des Mündlichen. Sie ist ein verminderndes Derivat daraus. Das geht so weit, daß jemand, der zu schreiben versteht, meist gar nicht mehr in der Lage ist, das Wesen der Sprache (als Mündlichkeit, als Akt) überhaupt zu erfassen. Sein Gegenstand ist ein eigener Gegenstand - die Schriftsprache, die sich vom Symbol zum Zeichensystem entwickelte, mit einer eigenen Logik, die sich aus dieser Zeichenhaftigkeit (nicht aus den Sprachinhalten) ergibt. Für bestimmte Gebiete oder Aufgabenbereiche der Sprache (wobei das Zurückführen von Sprache auf grundsätzliche, bloße Zweckhaftigkeit ausdrücklich verneint werden muß) ist deshalb Schriftlichkeit nicht nur ungeeignet und irrelevant, sie ist sogar eine Verhinderung.

Nur in der Mündlichkeit blieb das Weistum der Menschen, ihr gesamter Welthorizont erhalten und lebendig, aus dem heraus alleine Recht, Sitte und Weltdeutung erst verstehbar wird. In der oralen Weitergabe wurde es in einer Ganzheit weitergegeben, die die Schriftlichkeit für sich nicht einmal annähernd erreichte. War deshalb Lesen ohne lautes Sprechen des Gelesenen undenkbar, verdünnte sich auch dieser Bezug nach und nach, auch mit der Perfektionierung des Schreibens durch Vermehrung der Zeichenvielfalt, durch Einführung von Gliederungen und Zwischenräumen, die mehr und mehr in lautloses Lesen möglich machte (weil Sinntransport auch ohne Hören möglich schien). Im selben Maß wurde Sprache als Ganzes aufgelöst, und als direkte Folge entwickelte sich der Rationalismus als völlig anderer Zugang zu Sprache und einem ganz neuen Denken. Wo das Pferd - um ein Beispiel Ong's anzuführen - zum Auto mit Beinen statt Rädern wird.

Mündlichkeit ist also nicht ein Vorstadium einer Kultur, die halt "noch keine Schriftlichkeit hat", schreibt deshalb Walter Ong in "The Presence of the Word". Es ist ihre Essenz, die die Schriftlichkeit - die sich immer auf diese Mündlichkeit bezog, erst von ihr seine Wahrheit und Wahrhaftigkeit bezog - aufzufangen suchte, deren Verdünnung sie aber selbst vorantreibt. Indem sie das Wort selbst abstrahiert, fragmentiert und entwertet.

Mit gravierenden Auswirkungen auf die Interpretation der Heiligen Schrift. Der Protestantismus in seinem "sola scriptura" war nur noch die Blüte dieses Fehlverständnisses, das wesentlich und in vieler Hinsicht mit der Auswirkung dieser Technik in Zusammenhang steht. Ohne entsprechenden Traditionshintergrund muß eine bloße Interpretation der Verschriftlichung (die selbst schon eine Interpretation ist, die des Mündlichen) zwangsläufig zu falschem Verstehen führen.




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Montag, 24. September 2012

Ambivalenzen

aus 2007) Man kann es drehen, man kann es wenden - auf zwei Büchern - Homer's Ilias und Odyssee sowie der Bibel, als Altes und Neues Testament - beruht unsere gesamte Abendländische Kultur? Alle späteren Spuren führen zu diesen beiden Büchern, alle späteren Gehalte und Gestalten sind in ihnen bereits angelegt. Wobei Homer selbst wiederum in der Bibel enthalten ist.

Ja, und doch genau auch: nein. Denn unsere Kultur beruht eben auf den darin bezeichneten Inhalten, und als Kunstwerke: auf den in ihnen dargestellten Inhalten. Aber immer sind es die Inhalte, das Dahinter, und das kann nur in der Tradition weitergegeben werden: von Seinendem zu Seiendem.

Auf Homer und der Bibel ALS Bücher aber beruht zugleich alles, was das Abendland ruiniert hat und ruiniert.

Was immer aber darüber hinaus die Kultur angreift und angegriffen und geschwächt hat, stammt bestenfalls aus dem Versuch, Inhalte darüber hinaus zu erfinden, und zu verankern, die aber gar keine Inhalte sind. So jene Irrtümer, die aus der Veränderung des Denkens erfolgen, die durch das Medium Buch selbst bedingt sind, sobald es absolut genommen wurde.



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Sonntag, 16. September 2012

Alpha und Omega

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Die Schöpfung ruht auf dem Ton, der im Geist ruht, der aus dem Ton im Rhythmus - im Geist! - zum Wort Gestalt nimmt, und dieses Wort baut die Dinge auf.

Ist nicht die Kernphysik genau an dem Punkt, ob sie es weiß oder nicht? Ist es nicht so - Türkauf hat mich auf den Gedanken gebracht - daß die sinnliche Unfaßbarkeit dieser Atomwelten genau darauf hinweist? Es ist nur noch Geist, in dem uns diese Welt faßbar ist, das ist der entscheidende Punkt. Und wenn wir uns in einem Geist befinden, der Gott ausklammert, kann jede Wissenschaft nur noch in der Eitelkeit münden. Weil wir dann in unserem Selbst gefangen bleiben. Denn wir sehen nur, was wir sind. 

Auch und gerade in der Atomphysik wird es deutlich! Heisenberg‘s Unschärferelation kratzt genau an diesem Punkt: Unsere Beobachtung, unser Festlegen wollen des Atoms, scheitert daran, daß unser Sehen, unser Blick, die Art unseres Sehen, die Atome verändert, beeinflußt, sodaß wir nicht mehr sie, sondern uns sehen!

Deshalb ist zu dieser Welt der "Nicht-Dinge" nur noch Zugang über die Mathematik, als Ausdruck - nicht als rationalistisches "Gesetz" an sich! - dieser kosmischen Strukturen. Das macht auch das Problem des Experiments aus, wie Türkauf schreibt. Denn mit ihm wird unsere Erkenntnis plötzlich "gemacht". Es drückt aber nur noch aus, was wir selbst sind. Wissenschafter wurden aber seit Galilei zu Machern, sind erst in zweiter Linie Denker.

Wir sehen die Welt in dem Geist, der in uns waltet. Wir sehen sie nicht „objektiv“, von uns getrennt. Auch die Meßapparaturen drücken nur unsere Art des Zugangs aus, und messen nur innerhalb dieser Selbstreferentialität. So sehr die Welt außerhalb von uns besteht. Aber auch hier: in einem Dialog mit uns, immer! Denn alles in der Schöpfung ist aufeinander bezogen, und ist letztlich auf den Menschen bezogen. 

Als Abbild Gottes trägt der Mensch in sich jene Strukturen - man verzeihe die Begrifflichkeit, die aber hier versagen MUSZ - die der gesamten Schöpfung zugrunde liegen. In Jesus Christus ist uns dies endgültig klar geworden. Denn er IST somit wirklich der Weg, die Wahrheit, das Leben.

So wird unsere Art des Denkens zu unserem Denken selbst, denn in dieser Art drückt sich unsere Ähnlichkeit zum fleischgewordenen Logos aus. Auch unsere Lebensgeheimnis ist an diese Fleischlichkeit untrennbar gebunden. In dessen Seinend-Sein sich das Sein repräsentiert.

Aber Seiende werden wir nur, wenn wir uns in das Begegnende hinein geben, uns übersteigen, um so unser punkthaftes ich zum Selbst werden zu lassen. Gegeben also, nicht gemacht.

Wird aber aus der Haltung ein Ego, aus unserem Selbst, so wird auch unser Selbst gemacht, ist nicht mehr organisch lebendig, wo es seinen Halt in der kulturellen Gestalt hat, die deshalb immer vorläufig bleibt. Das Ego macht starre Kulturformen, es bringt jede Kultur zum erlöschen, erstickt das Leben.

Denn in ihm stellt sich nicht mehr das Wort dar, aus dem alles ist und wird und wurde.

So läuft die ganze Schöpfung in diesem einen Wort zusammen ... dem fleischgewordenen Jesus Christus. Gott gab uns seinen Namen, in dem alles sich umfaßt, wo Gott sich selbst umfaßt, und in dem alles ist. "Quod es super omne nomen."

Anton Bruckner, "Christus factus est"



Dresdner Kreuzchor (23. April 2011)

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Dienstag, 12. Januar 2010

Wozu Literatur?

Rudolf Borchardt schreibt an einer Stelle:

"Das alte Helenenvolk, das unter dorischer Vorherrschaft, nach Überfärbung Makedoniens und des aeolischen Theassalien und Boeotien, Mittelgriechenland besiedelt, den Peloponnes erobert, Athen gebrochen und schließlich bis zu Leuktra und Mantinea kraftmäßig das Festland gewaltet hat, das dorische, ist durch Ionien in die Abwehrformen starren Schweigens gedrückt worden und hat keine Literatur, denn Literatur haben hieß sich aufgeben.
Sparta schweigt und handelt [...] während Athen für alles Griechische das Wort prägt und führt, auch, und das ist die Tragik der Geschichte, für den lippenstrengen Feind und endlichen Bezwinger."

Auch die Geschichte der französischen Troubadoure - der ersten Formen dokumentierter poetischer Kunst außerhalb des Religiösen - zeigt: Schriftlichkeit trat erst in dem Augenblick ein, wo die Tätigkeit erstarb, von ihrem wirklichen Lebensquell abgeschnitten war.

Wie im alten Griechenland, war auch in Frankreich Aufzeichnung (außerhalb des Kultes) nur eine Angelegenheit des Arbeitsbehelfes - der nebensächlich behandelt, ständig verändert, angepaßt, erweitert, gekürzt wurde, und unter Kollegen blieb - der Sänger und Spielleute. Erst als sich diese so alltäglich eingebundenen Formen totgelaufen hatten, kam es zur Entwicklung einer eigenen literarischen Kunst "für sich".

Nimmt man Homer's Ilias oder französische Literatur - bei beiden hat sich die resultierende, später "siegende" Literatur (in Frankreich: die der militärisch überlegenen Franken) aus zahllosen Überlagerungen, aus persönlichen, politischen oder karrieretechnischen Motiven, aus Reaktionen auf Publikumsgeschmack etc. mehr oder weniger angepaßt, eingeschmiegt. Aber die wirkliche Verbindung mit den Volkswurzeln - also das, was man im besten Sinnen nur als "Nationalliteratur" bezeichnen kann - war oft genug abgetrennt. Die Funktion der Literatur veränderte sich.

Sie wurde zu einem im Leben selbst funktionslosen Ersatz für ungelebtes Leben.




*120110*

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Geheimnis der Entwicklung

Das Geheimnis der Entwicklung eines großen Künstlers, so Julius Meier-Graefe in seinem Buch über Delacroix, besteht vielleicht nur darin, seine Erregung über immer engere Kanäle fließen zu lassen. Dazu gehört die brutale Kraft der Erstlingswerke.

Die hatten viele [...]  Aber es gehört notwendig ein anderes dazu, der Geist, der die Kanäle erfindet, das Göttliche jenseits der Kraft, das die angeborenen Gaben der Natur unablässig zu höherem Nutzen treibt, die weise Ökonomie der Verteilung, die Fähigkeit, die Kunst jung zu halten, auch wenn des Körpers Kräfte versagen.




*231209*