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Samstag, 16. Januar 2021

Ein Theaterabend mit Folgen (3)

Teil 3) Die Erlösung durch den Einen 
wird im Mahl allgemein

 

Nun, zum Ende des langen Theaterabends, wird das Vollkommenere, zu dem wir geworden sind, zur neuen Basis des weiteren Lebens. Zum Startpunkt zu einem nächsten, höher gereihten "gelungenen Tag." 

Im Mahl. Im "Essengehen" nach dem Theaterbesuch. Der wohl sichtbarsten Analogie zum Mahl, an dem Gott selbst Speise wird. Wo das zuvor ausgebrannte Reine als Seinszustand durch das Essen zum Dauerzustand verfleischlicht wird.

Ein Essengehen, das der Leser bewußt nur nach einem Theater absolvieren sollte, das ihm zuvor durch eine wahrhaftige Katharsis gehen ließ. Sodaß der, der sich an den Tisch sitzt, ein "Besserer" ist als er vor der Theateraufführung war. Nicht als Moralist. Sondern in seinem Sein. In seinem Zustand, in dem er seinen ontologischen Gegebenheiten vollkommen entspricht. Geläutert. Gereinigt. Befreit. 

"Agere sequitur esse." Das gute Handeln (dahingehend erst als solches bestehende: Als Seinsentsprechung! als Entsprechung der Idee Gottes, des Absoluten, im unendlichen Mosaik Gottes, der Vorsehung, nie statisch, aber immer wahr!) folgt dem "guten Sein." 

Deshalb darf (!) nur nach einem vollkommenen Reinigen eine Verewigung des Zustands in der Speise erfolgen. Nur der, der der Ordnung der Wahrheit entspricht, darf somit am Mahl der Vollkommenheit teilnehmen.

So möge der Leser selbst entscheiden, nach welcher der Aufführungen zum "King Lear" er guten Gewissens essen gehen sollte. Und nach welchen das Essengehen lediglich Teil eines romantischen, ideologischen, lediglich der Gewohnheit entspringenden Rituals ist. Das ihn aber nicht in den Himmel, sondern in die Selbstvernichtung verdauen wird. 


*301220*

Samstag, 7. November 2020

Wider Enzykliken (4)

 Teil 4) Wie das Katholische zur Ideologie wurde
Aus einer Ideologie aber folgt Totalitarismus

Nun geschieht aber Folgendes, und dem Leser wird nun vielleicht klarer, warum der Anfang den Inclusivismus aufs Spielbrett holte: Dieses Selbstgefühl der Schwäche ist notwendige Konsequenz des Verzichts auf jene männliche Vernunft, die sich nicht selbst von der intellektuellen Rechtfertigung abhängig macht, sondern diese zwar liefern kann wenn sie möchte, aber um die prinzipielle Problematik des Intellektualismus weiß: Der eine prinzipiell andere Sphäre mit Mitteln beweisen soll, die gar nicht dieser Ebene zugehören. 

In den Augen dieser Welt ist die Kirche, ist der Glaube "unterlegen". Aber eben nur in den Augen DIESER Welt! Nicht in den Augen Gottes, nicht in den Augen der Wirklichkeit. Die mangelnde Selbstverfügung, die man mit dem Schritt in den Wettbewerb alleine innerhalb der Mittel dieser Welt ausgelöst hat, hat den Verlust des Selbstwerts bewirkt. Was nun einsetzte ist exakt das, was mit dem Inclusivismus des Inders beschrieben wurde.**** 

Man hat, mit den Worten von Abszessium Kuhschneider formuliert, diesem weltweit berühmten Bänkelsänger aus dem Inneren Allgäu, mit dem Zweiten Vatikanum auf die allumfassende Wirklichkeit und Macht verzichtet, um sich der Welt "verständlich" zu machen. Man hat den Ferrari in der Garage gelassen, um mit dem Tretroller um die Wette fahren zu können. Den der andere nicht als Seinsmangel fährt, sondern der fortan der Maßstab der Fortbewegung sein soll. Man hat dieses unendliche Licht des Glaubens und der Wahrheit ausgeklammert, um fortan mit dem beschränkten Verstand des Nichtgläubigen zu denken. 

Die Folge ist, daß sich das gesamte katholische Denken in Widersprüche zu verheddern beginnt. Aus dem unendlichen Wahrheitsgebäude wurde ein irrationales Gefühlsgelände. Von dem nun (weil es keine Grenzen mehr kennt weil scheinbar hat) behauptet wird, daß es "alles" enthält, was in der Welt der Fall ist (um einen Satz von Wittgenstein zu mißbrauchen). 

Fortan war die Kirche mehr und mehr nur noch bemüht der Welt zu beweisen, daß sie in ihren Kategorien denken und handeln konnte. Mit der unausbleiblichen Folge, daß sie auch die Kriterien der Welt aufzugreifen begann, ohne deren wirkliche Wirklichkeitsrelevanz noch beurteilen zu können. Was nach sich zieht, daß dieses Bestehen-können vor der Welt von dieser selbst abhängig wird: Die weltliche Instanz wird für die Kirche, die auf jede Kohärenz und Widerspruchsfreiheit in ihrer Lehre verzichtet, bindend.³

Daß dabei die katholische Soziallehre beispiellos verzerrt wird kann nicht ausbleiben. Diese hat sich von einem befreienden Regelsystem in ein System von schwerfälligem Emotionalismus und theoretischer Inkohärenz verwandelt. 

Die Rolle der katholischen Soziallehre bestand nie darin, eine politische Plattform oder Ideologie vorzuschreiben. Sie wollte nie mehr als die Grenzen festlegen, außerhalb derer der gefallene Mensch in geistigen Verfall geraten würde. Dazu mußte sich der Mensch seiner Rolle in der Politik ermächtigen und sie mit katholischem Blut durchdringen. 

Hier sind die Grenzen, das soll uns die katholische Soziallehre dabei sagen. Aber innerhalb dieser Grenzen bist Du frei. Diese Grenzen SCHAFFT aber nicht die Kirche, sondern sie weist nur darauf hin. Die Kirche schafft nicht die Wahrheit. Die Wahrheit schuf die Kirche! Heute aber erlebt der katholische Denker eine Kirche, in der das Denken abgelehnt wird. Weil der Klerus in eine Atmosphäre führen will, die er selbst schafft. Und zu der er sogar zwingt. 

Das ist totalitär!

Alle, die nicht mit dem Geist des Papstes, mit der Atmosphäre, die er geschaffen hat, übereinstimmen, werden immer eingeschüchterter. Und warten wie furchtsame kleine Parteifunktionäre von Jahr zu Jahr mehr, welches Denkverbot mit einer jederzeit verkündbaren neuen Anweisung von oben kommen könnte. Noch nie (!) hatten deshalb päpstliche Verkündigungen dermaßen großes Gewicht wie heute.

Das hat zu Schizophrenie und immer unüberschaubareren, zahlreicheren De-facto-Schismen in der Kirche geführt. Denn da stehen auf der einen Seite jene, die an der modernen Atmosphäre festhalten, und auf der anderen Seite die, die nach den alten Regeln leben wollen, die die Kirche zwei Jahrtausende vertreten hat. 

Mit der unausbleiblichen Folge, daß diese Verwirrung auch den Papst selbst erfaßt, der diese Widersprüche zumindest ahnt, aber nicht mehr auflösen kann. Was er mit Leutseligkeit zu versöhnen bzw. zu überspielen trachtet. 

Ich kann Laien nur empfehlen, schreibt Richard Greenhorn abschließend, dieses Spiel nicht mitzuspielen. [...] Wir schulden den Päpsten Respekt. Sie aber schulden uns Kohärenz.

Ein kleiner Tip für die alltägliche Praxis: Stelle sich der Leser vor, er wäre Analphabet. Oder taubstumm. Oder beides. Dann versuche er sich vorzustellen, welche Rolle der Papst nun in seinem Glaubensleben spielte. Vielleicht findet er so eine Position, mit der es sich als Katholik leben läßt. Zu der er jedenfalls keine weiteren Enzykliken - schon gar nicht solche wie Laudato Si und Fratelli tutti - braucht. Und da gehen wir mit den Sichtweisen des Greenhorns völlig d'accord.


³In seinem Begriff vom "Wirken des Heiligen Geistes" hat Franziskus sogar explizit das Vernunftauflösende, das jede Widersprüchlichkeit in Atmosphäre, in Gefühl auflöst, zum expliziten Moment dieses Wirkens erhoben.

****Also sollte sich der Leser Fratelli Tutti einmal unter dem Gesichtspunkt des Inclusivismus lesen. Dann wird ihm der Aufruf zur Geschwisterlichkeit und Interreligiosität, den er dort findet, in ganz neuem Sinn aufscheinen.


*141020*
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Freitag, 6. November 2020

Wider Enzykliken (3)

Teil 3) Ein Paradigmenwechsel mit schweren Folgen


Diese Realität, die wir im Glauben bekennen, hat aber eine strenge Grammatik. Die besser zu hören dienen vor allem jene Grenzen, die das Papstamt setzte, indem es das ausschied, was sicher NICHT dazugehörte. Ansonsten aber konnte sich jeder innerhalb dieses Glaubensgutes bewegen, wie es ihm quasi beliebte.

Auf die Grenzen zu verzichten bedeutet aber etwas ganz Schwerwiegendes: Das Wissen um diese innere Grammatik der Wahrheit geht mit der Zeit verloren. Der nun einsetzende Versuch einer positivistischen Rekonstruktion durch Festlegung der Wahrheit in Wahrheitssätzen hat schwerwiegende Konsequenzen: Das Katholische wird von einem System der Freiheit und Weite zu einem System der beschränkten Ideologie.
Den Beweis für diese Einschätzung liefert das, was nach 1965 einsetzte: Der Wettstreit um die richtige Interpretation. Der sich auf einen Geist des Vatikanums berief, den zu unterscheiden nur für den wirklich Glaubenden möglich ist, sich aber einem (sozusagen) kommunikationellen Disput entzieht.

Weil ein Disput vor allem keine moralischen Kategorien kennt, die auf derselben Ebene wie er selber liegen. Das heißt, daß Glaubensfragen im Grunde auf logischer Ebene alleine (!) nicht zu entscheiden sind, wenngleich sie niemals unlogisch und widersprüchlich sein können. 

Dem Disput über theologische Fragen steht also jedes Tor offen, mißbraucht und Opfer von Äquivokation, Scheinlogik und der Lüge des Schizoiden zu werden. Dementsprechend blieb eines: Immer mehr wurde das Katholische überhaupt dem Irrationalen überantwortet. 

Erlaube der Leser einen Querverweis: Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht, hat die Entwicklung des "Wissens" (in der sich nun als solche formierenden "Wissenschaft") eine ganz analoge, parallele Entwicklung genommen! Auch hier wurde in ihrer kulturellen Bedeutung Wissenschaft zu einer Ideologieformulierung. Man sehe sich doch die gegenwärtigen Dispute um Klima und Corona, aber auch um Themen wie Schöpfung/Evolution oder Kosmologie an. 
Ja, die gesamte Bildung einer sogenannten Weltanschauung der Gegenwart unterliegt haargenau demselben Problem, das hier an der Kirche sichtbar gemacht wurde. Wir sehen hier dogmatische Konflikte, keine wissenschaftlichen Auseinandersetzungen.

Die Folge war eine immer vollständigere Aushebelung des individuellen Urteilsvermögens. Was denn nun katholisch sei, was zu tun und zu lassen sei, fiel zwar einerseits mehr und mehr in die Hand der Obrigkeit, denn es gab kein verbindliches Urteil mehr. Die Kirche, der Papst beanspruchte für sich lediglich noch, so wie jeder nur zu denken.

"Nach dem Zweiten Vatikanum," so Greenhorn, "sieht es ganz anders (als zuvor; Anm.) aus. Seit dem Konzil fungiert der Papst in seinen Enzykliken nicht als Herrscher oder Lehrer, sondern als Akademiker, der versucht, eine These zu unterstützen: Das Zweite Vatikanische Konzil. [...] 
Wann immer nun die Entscheidung ansteht, die Kirche oder die Konzilsväter zu zitieren, wählen die Päpste die Konzilsväter. Die vage, unbestimmte Autorität von Enzykliken ist hervorragend für die vage und widersprüchliche Natur der damaligen päpstlichen Lehre geeignet. Man merkt sofort, daß moderne Enzykliken nicht von Männern geschrieben wurden, die sich als Repräsentanten der Kirche verstehen. Das päpstliche "Nein" wird durch das "Ego" ersetzt."

"Das ist bereits bei Johannes Paul II. erkennbar, von dem so vieles geschrieben wurde, so Greenhorn weiter, das nichts als ein Versuch ist, die Lehre der Kirche in die kantische Ethik zu übertragen. Es gibt keinen Grund, dies außerhalb der intellektuellen Zufriedenheit zu versuchen. Die neunundneunzig Prozent der Katholiken, die keine Ahnung haben, was Kantsche Ethik bedeutet, haben weitgehend unlesbare und meist stumpfe Bücher vor sich liegen, die wenig oder gar keine Bekehrungskraft haben."

Aber die bisher schlimmste Form dieses Intellektualismus findet sich nun in den Enzykliken von Papst Franziskus. In seiner jüngsten Enzyklika findet sich schon rein gar nichts mehr, was sich in ein wirksames Gesetz oder sogar in ein umsetzbares moralisches Prinzip verwandeln ließe. Es ist einfach ein persönliches Grübeln darüber, wie sich der Papst gerne die Welt vorstellte. 

Er nimmt damit aber nicht mehr die Rolle eines Papstes ein. Das ist die Rolle eines Ideologen.

Sämtliche der letzten drei Päpste waren keine Führer mehr. Alle drei überwachten lediglich einen beispiellosen institutionellen Zusammenbruch. Sie waren schwache Führer und schlechte Gouverneure, die nicht führen wollten oder konnten. Stattdessen taten sie alles eine moralische Atmosphäre zu schaffen, in der sie nicht mehr als oberster Hirte weil Papst auftreten mußten. Die Päpste des 19. Jahrhunderts waren lange im Clinch mit dem Staat. Die Päpste unserer Zeit sind es mit ihrer eigenen Institution.

Selbstgefühl der Schwäche und Unterlegenheit - Das Katholische als Inklusivismus
 
Morgen Teil 4) Wie das Katholische zur Ideologie wurde
Aus einer Ideologie aber folgt Totalitarismus


*141020*
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Mittwoch, 4. November 2020

Wider Enzykliken (1)

Die neueste Enzyklika von Papst Franziskus, "Fratelli Tutti", verstärkt den Eindruck, der einen angesichts der Kirche befallen muß, nämlich den der Erbärmlichkeit und Schwäche. Das schreibt der Amerikaner Richard Greenhorn in einem Artikel, der am Blog von William M. Briggs unter dem Titel "Against Papal Encyclicas - Gegen päpstliche Enzykliken" in diesen Wochen erschienen ist. 

Aber es ist nicht die Zuflucht zu irgendeinem - fremdverfaßten, damit nicht so deutlich der eigenen Verantwortung unterstehendem - Pejorativ, das den an kirchlichen Angelegenheiten noch Interessierten verlocken sollte, diese Ausführungen zu lesen. Sondern es ist die Gedankenlinie, die so bemerkenswert ist, daß sie dem VdZ die Wanderung in diese Bibliothek der Orientierungssuche inmitten einer verrückt gewordenen Welt wert ist. Der sie aufnimmt und in der respektlosen Art, die wir von ihm gewohnt sind, in sein Weiterspinnen einbindet.

Dabei schadet es nichts, sich die Anmerkungen von Greenhorn von vor einigen Wochen vor diesen, Fratelli tutti zum Anlaß nehmenden Gedanken zu Gemüte zu führen. Die unter dem vielsagenden Titel "Integralismus als Verzweiflungsakt des Liberalismus" erschienen sind. 

Das Greenhorn, das den Artikel verfaßt hat, meinte mit Integralismus, die aktuelle Diskussion in den USA, ob man nicht die Kirche (und überhaupt die Religionen) in eine Art von Mitspracherecht in der Politik ausstatten solle. An sich ist zwar die Verfassung der USA die einzige und erste, in der Kirche/Religion und Staat strikt getrennt sind (wir haben darüber hier, unter Bezug auf die Arbeiten von David Wemhoff, ausgiebig gehandelt), der Staat also eine rein weltliche, laizistische Angelegenheit ist. Das ist in der Praxis natürlich gar nicht möglich, weil Glaube und Religion immer eine Rolle, ja eine so große Rolle spielen, daß sie der Politik sogar Vorgaben macht, ja meint, machen zu MÜSSEN. 

Insofern geht es nun darum, der Kirche bzw. der Religion auch offiziell diese Rolle strukturell einzuräumen. Sie also in den Staat, in die Gesellschaft offiziell (wieder) zu integrieren. Denn bislang ist es möglich, und es wurde auch immer mehr der Fall, daß religiöse Motive bei Richterentscheidungen ausdrücklich auszuschließen und aus der Rechtsprechung herauszuhalten waren. Aber damit war die Mehrheit der Amerikaner so gar nicht zufrieden, und das ist ziemlich verständlich.

Wir sehen damit, daß dieser Integralismus nicht mehr als eine Spezialform dessen ist, was der VdZ mit Paul Hacker Inclusivismus nennt: Der Staat gibt von seiner Macht ab. Das heißt nicht weniger als daß man aus einer (vermeintlich) überlegenen Position heraus das Verlangen aufgibt, das öffentliche Bekenntnis zu einer hierarchischen Ordnung zu verlangen, in der man überlegen ist und großmütig zuläßt, daß die (in den eigenen Augen unterlegene) Position des anderen "auf Augenhöhe gestellt wird." 

Insoweit verschwimmen also die Begriffe, denn dieser Integralismus ist nicht nur Ausfluß des Liberalismus, er ist noch umfassender gedacht Inclusivismus. Und als solcher ist es bereits beschrieben, weshalb wir im weiteren Voranschreiten diesen Begriff verwenden werden. Weil er damit seine Aktualität besser vor Augen stellt.

Deshalb sehen wir uns verpflichtet, die Schrift von Paul Hacker, diesem großen deutschen Indologen (und die meisten Indologen von Weltruf sind interessanterweise Deutsche), zum Inclusivismus anzupreisen. Die dankenswerterweise von Gerhard Oberhammer 1983 herausgegeben und somit der Nachwelt zugängig wurde. 

Wo Hacker, der sich zeitlebens mit indischer Religion und Philosophie und Lebenswirklichkeit* befaßte aufgezeigt hat, daß die typisch indische Grundhaltung**, die wir gerne - aber irrtümlich! - als extrem tolerant und liebevoll (also liberal) einschätzen, aus einem Unterlegenheitskomplex geboren ist, den Indien über seine letzten tausend Jahre Geschichte kultiviert hat. In der es von lauter überlegenen Mächten bestimmt worden ist - vom Islam, vom Christentum und von der abendländischen Kultur, also dem Westen, in der Gestalt von Portugal, Frankreich, England, und zuletzt USA. 

Mit dem Grunderleben, daß das eigene Schicksal, das Weltschicksal immer noch von anderen Mächten bestimmt wird, OBWOHL Indien mittlerweile das einwohnerstärkste Land der Welt ist. Da wacht aber heute etwas auf. Wir sehen es in einer immer feindlicheren Haltung gegenüber dem Christentum. Und wir sehen es im Inclusivismus der Inder. Wer schon mit Indern zu tun hatte wird an deren ganz subtiler Arroganz erkennen, was der VdZ meint.

Inclusivismus ist, grob gesagt, eine Haltung, in der alles, was einem begegnet, mit einer stillen, nie wirklich explizit gemachten Theorie (die mehr eine Haltung, vor allem eine Behauptung einer Theorie, also mehr eine These denn eine durchgedachte Theorie ist) umfangen wird. Diese Behauptung lautet in etwa so, daß dieses einem begegnende Phänomen oder Theorie oder Philosophie oder Religion in der eigenen Theorie oder Philosophie oder Religion (oder in allem zusammen) längst enthalten ist. Deshalb ist man ihr DOCH überlegen. Auch wenn man das nicht durchsetzen (und schon gar nicht beweisen) kann.

Noch ein Gedanke soll wie eine Saite angeschlagen werden, auf daß im Kommenden ein Ton mitklingt, den der Leser hört, während er den Textgedanken folgt. Diese Integration, dieser Inclusivismus ist erst möglich geworden, weil die vordem unterlegene Seite dieser Trennung bewiesen hat, daß sie der überlegenen Seite nicht schadet. 
Das Wesen des Inclusivismus ist also auch, daß es der Unterlegene ist, der sich integriert. Obwohl er in Wahrheit meint, der Überlegene zu sein. 
Schwirrt Ihnen, werter Leser, nun der Kopf? Geduld. Es ist nicht so kompliziert. Es ist nur komplex, und nicht simpel. 

Nun haben wir endgültig das Bett des Flusses vorgegraben, in das sich die Gedanken des Greenhorns ergießen, dessen Ergüsse wir zum Anlaß weiterer Erörterung nehmen. So können wir die Richtung deutlicher machen, in die der Fluß des Wirklichen fließt. 

Auch hier geht es nämlich um Unterlegenheit, und einer daraus erwachsenen Beweis- und Behauptungshaltung, die aber von keiner Theorie wirklich getragen und zu tragen ist. Zu widersprüchlich, zu wirr sind die Wünsche, und um solche handelt es sich, die der Verfasser von Fratelli Tutti vorträgt. Schon gar, sieht man sie im Rahmen der katholischen Lehre, die seit zweitausend Jahren unverändert steht.


Morgen Teil 2) Der Kampf um Bedeutung und Autorität
- Was sich im Ersten und Zweiten Vatikanischen Konzil wirklich geändert hat


*Aus welchem Durchmessen des geistigen Raumes des Menschen er zu seinem äußerst empfehlenswerten Alters- und Weisheitswerk "Das ICH im Glauben bei Martin Luther" kam.

**In ihrer religiösen Form bezeichnen wir Westler diese Lebenshaltung gerne als "Hinduismus", und nennen sie "Weltreligion". Kaum etwas könnte verfehlter sein. Wir tun das, weil wir es so gewohnt sind, aber in Indien ist es völlig anders. Hacker kommt aus der intensiven Befassung mit dessen Religion zu dem Urteil, daß man von "einer" Religion gar nicht sprechen kann. Praktisch hat nämlich jedes Dorf, manchmal jede Familie eine ganz eigene Religion. Alleine die Zahl der Hauptgötter und deren Interpretationen, die wenigstens noch so halbwegs durchgängig sind, beläuft sich auf mehrere zehn-, wenn nicht hunderttausend. Und sie sind mit unseren Denkkategorien kaum zu ordnen. 

Was uns in Europa als "hinduistische Religion" oder "Weisheit der Veden" etc. etc. vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts begegnet, ist, und hier teils beachtlich reüssiert hat (man denke nur an die Beatles und den Run, den diese ausgelöst haben), ist durch bestimmte Figuren geprägt und vor allem gemacht, die uns mit einer Religion (oder Religionen) bekannt gemacht haben, die es so in Indien gar nicht gibt. Die eine regelrechte Erfindung ist, die von diesen Leitfiguren bereits durch das Scheidewasser europäischer Philosophie gemangelt wurde. Denn diese alle haben in Europa studiert. Somit ist es eine Illusion zu glauben, uns würde in diesen Heilslehren und -lehrern eine uralte indische Weisheitsreligion begegnen, geprägt von uralten Schriften, den Veden. Nichts wäre falscher!


*141020*
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Sonntag, 29. Dezember 2019

Wie gesagt: Schlechte Bischöfe.

Der Staat New York hat nun definitiv ein Gesetz erlassen, das die Abtreibung bis zum Zeitpunkt der Geburt gestattet. Viele Staaten werden folgen oder sind bereits gefolgt, basiert dieses Gesetz doch auf einem höchstrichterlichen Entscheid vom Vorjahr, der in diese Richtung weist. Hinkünftig werden im Kreißsaal Arzt und Mutter diskutieren, ob das Kind (lebend) geboren werden soll oder nicht. So lange muß der Arzt das Kind medizinisch bestens versorgen. Fällt die Entscheidung "nein", wird es getötet.

In diesem TV-Interview mit dem Kardinal von New York, Erzbischof Timothy Dolan, offenbart sich die ganze Inferiorität der Kirche in diesen Vorgängen. Wo Dolan, ein Kardinal, auf die Frage, ob der Gouverneur von New York, Andrew Cuomo, nun nicht exkommuniziert werden sollte, allen Ernstes sinngemäß mit der Feststellung antwortet, daß er nichts davon halte. Denn eine Exkommunikation sei kirchenrechtlich eine interne Disziplinierungsmaßnahme, habe aber keine öffentliche Wirkung. Man müßte mit dem Gouverneur reden, und das habe sicher schon jemand gemacht. Dolan sieht sich also nicht einmal als oberste Instanz, die dafür zuständig sei, dies in der Öffentlichkeit klarzustellen! Cuomo habe sich ohnehin seit längerem einen Spaß daraus gemacht, der Kirche öffentlich zu widersprechen, und stolz Gesetze etabliert, die der Lehre der Kirche widersprechen. Das habe ihm schon viel Applaus in den Medien gebracht, und vor allem Stimmen bei den Wahlen.

Dabei kennt Dolan das Kirchengesetz scheinbar gar nicht. Denn jede (!) Abtreibung (oder die Beteiligung daran, auch die Gutheißung etc. fällt also darunter) bedeutet (nicht: führt zu", sondern: "bedeutet in dem Moment") eine dermaßen gravierende Abwendung von Gott, daß sie "ipso facto" eine Exkommunikation darstellt. Der New Yorker Gouverneur, der sich als Katholik bezeichnet, ist also ohnehin bereits exkommuniziert, das heißt nicht mehr aktiver Teil der Kirche und vom Heil ausgeschlossen. Dies in einem Akt festzustellen ist also primär gar keine Setzung, sondern die Feststellung eines bereits bestehenden Zustands.

Und zwar nicht erst jetzt, wo die Sache für den Geschmack vieler "allzu sichtbar" wird. Ein Kind, voll überlebensfähig, wird getötet, weil es den Eltern nun doch nicht paßt. Alleine, was das für perverse Situationen heraufbeschwört, denn per Gesetz ist ein Kind ab dem Moment, wo es den Mutterbauch verlassen hat, Person mit allen Rechten und vom Gesetz voll geschützt.  Was, wenn das Kind noch lebt, nachdem versucht wurde, es zu töten? Man weiß von bisherigen Abtreibungen, daß es oft genug der Fall ist. Es liegen viele Berichte vor, die davon berichten, daß aus dem Leib geholte Kinder abgelegt und "sterben gelassen" werden. Wird es nun wiederbelebt?

Dennoch läge es in der dringenden Pflicht der Kirche, dies öffentlich zu verkünden, zumal die Dimension dieser Todsünde als Gesetzgeber öffentlich ist. Und zwar nicht einfach aus Gründen der Öffentlichkeitsarbeit, sondern als definitiven Akt, der allen Katholiken klar macht, daß dieser Mann nicht mehr lebender Teil der Kirche ist und Ächtung und Ausstoßung als öffentliche Haltung auf sich gezogen hat. Hier noch von "Dialog" oder "Pastoraler Klugheit" zu reden ist dermaßen absurd, daß es einem den Atem raubt. Der Instinkt der Menschen, die dies als notwendigen Schritt der Kirche sehen (selbst wenn sie vorgeben, davon wenig zu halten) hat also einmal mehr völlig Recht. Und es wäre pastoral gehandelt, dies dem Gouverneur klar zu machen, und hätte ihm wohl schon früher mehrmals klargemacht werden sollen. Denn Straflosigkeit bringt Keckheit, Keckheit aber Ausschweifung.

Stattdessen liefert Dolan diesen ganzen Sermon an aufgeweichtem Gehirnnebel, wie wir ihn vom deutschen "Beratungsschein" und den österreichischen offiziellen kirchlichen Lebensschützern der Aktion Leben* kennen (und wie sie von der Lehre eindeutig abgelehnt wird). Natürlich muß man sich um die Mütter und Kinder kümmern, keine Frage, aber das ist nicht ausreichend, die Sache geht viel weiter und tiefer. Niemals kann die Kirche eine Abtreibung schulterzuckend zur Kenntnis nehmen, sich die Hände in Unschuld waschen und sagen: Gut, gehen wir zum nächsten Fall, um des Friedens willen müssen wir diese Kompromisse eben ertragen. Da verrutschen so manche Stufen der Hierarchie von Gütern! Stattdessen gibt Dolan zu bedenken, daß eine späte Abtreibung für Frauen immer gefährlicher wird. Na wenn das mal kein Argument ist ...**

Der Demokrat Cuomo*** hat einfach ständig weiter provoziert. Seit Jahren. Es bringt ihm auch diesmal viele Stimmen bei liberalen Linken. Aber immer noch nicht ist der Krug zersprungen, mit dem er Wasser holt. Die Kirche war so "pastoral". Nun hat er also noch einen draufgelegt. Das gibt es ja nicht, irgendwann muß doch die Klatsche zuschlagen?

Ein energisches Einschreiten in einem öffentlichen Akt hätte vermutlich schon längst ihm, auf jeden Fall aber vielen Katholiken klargemacht, daß die Kirche eine ernste Sache ist. Klargemacht, daß die Lehre der Kirche unverändert ist, daß Abtreibung unter keinen Umständen zulässig und klug ist, und zur Selbstausschließung aus der Kirche führt. Die Kirche ist eben keine reine Privatsache.






*In Österreich vertritt (anders als in Deutschland) nur die (inoffizielle) "Pro Life"-Bewegung die kirchliche Position zur Abtreibung, nicht die von der Bischofskonferenz (sic!) geförderte "Aktion Leben".

**Es zeigt nur einmal mehr, gewissermaßen als "Bonus", wie gelogen und geheuchelt die Behauptung ist, daß die Legalisierung der Abtreibung der Gesundheit der Frau diene. Wobei man unabhängig von den Folgen fürs Seelenheil die schweren psychischen, also gesundheitlichen, und sozialen Folgen für Frauen ohnehin schon längst verschweigt, oder gar als "Haßrede" abkanzelt.

***Zur Erinnerung: Das ist jener Weltretter, der nun New York zur Klimarettungshauptstadt der Welt umwandeln will, um das Leben auf diesem Planeten zu retten. Jaja, da muß man schon manche schwere Entscheidung treffen. Wie sagte SS-Himmler, der auch die Welt retten wollte, in einer legendären Ansprache in Posen 1943? "Wir wissen, was es heißt, wenn hundert Leichen daliegen. Wenn fünfhundert daliegen, und wenn tausend daliegen. Aber das durchgehalten zu haben, und dabei anständig geblieben zu sein ... ist ein Ruhmesblatt." Das schwere Kapitel zu bewältigen kann eben nur der Mensch der neuen Ordnung.






Freitag, 21. Dezember 2018

Eine katholisch-jüdische Debatte (5)

Teil 5)




Nur ist das gar nicht das Problem. Warum soll es nicht möglich sein, das Judentum abzulehnen, so wie Juden den Islam oder das Christentum ablehnen? Das kann ja gar nicht anders sein. 

Das Problem ist, daß es einige jüdische selbsternannte Sprecher (und Organisationen wie die Anti-Defamation League ADL, die Morse als sehr linksgerichtet bezeichnet) gibt, die sich erstens als "Stimme der Juden" ausgeben (können), und sich zweitens die Freiheit nehmen, jeden, der das Judentum kritisiert, als Anti-Semiten zu diffamieren und ihm das Wort zu verbieten. Wozu sie nämlich die Macht haben, weil die Medien zu großen Teilen in der Hand von Juden sind. Und niemand kann sie zur Ordnung rufen. Niemand kann einschreiten, einen Vorfall wie den jüngst in Pittsburgh (wo ein offenbar Verwirrter acht Juden in einer Synagoge erschoß; Anm.), medial auszuschlachten und als Folge von "gesellschaftlich angelegten, strukturellen Anti-Semitismus" zu erklären und als politische Waffe gegen christliche Politik zu mißbrauchen.

Das Problem ist, sagt schließlich Morse, daß sämtliche Religionen mit demselben Umstand zu tun haben: Daß sie marxistisch unterwandert sind. Jones' Replik darauf? Wir denken sie uns selber: Es sind nicht die Marxisten, die das Judentum unterwandern, sondern Juden, die den Marxismus als Waffe einsetzen.

Auch wenn man klar sagen muß: In dieser Haltung finden wir bei weitem nicht nur das Judentum. Es ist eine Haltung, die alle Menschen aufweisen, die sich von Gott abwenden. Es ist immer die Haltung der Rebellion gegen das Sein, gegen die Ordnung, gegen die Wahrheit - gegen den logos, der der Welt zugrunde liegt.

Noch etwas bleibt anzumerken: Hat nicht E. Michael Jones mit einer früher bereits gemachten Feststellung Recht, als er davon sprach, daß in dem Moment, wo man Juden angreift, es kein "Judentum" mehr gibt? Dann sind es nur noch Einzeltäter. Kriminelle. Abtrünnige. Oder individuell von einer Ideologie Verführte. Der/das/die "wahre ..." ist (durch zahlreiche Schriftstellen etc. belegbar) anders. Kennen wir Europäer dieses Vorgehen nicht bereits von einer anderen Religion aus dem Vorderen Orient, dem Islam?

Und bewegen wir Katholiken uns nicht in dieselbe Richtung? Ist nicht das die wahre Katastrophe, die sich so real am Horizont abzeichnet, wo die Kirche die Wahrheit regelrecht zu verweigern begonnen hat? Das heißt nicht, daß es nicht stimmt, daß in jedem Katholiken (bei jeder Sünde, das nur nebenbei) eine Häresie steckt. Aber jeder Katholik hat (noch, wenn dazu auch schon oft archäologische Tätigkeit notwendig ist) eine feste Wahrheit als Bezugspunkt, auf den er sich transzendieren kann. Von wo er ablesen kann, wo er in Gefahr ist, den Himmel weil die Erlösung in Christo (also: der Wahrheit!) zu verspielen.










*021118*

Donnerstag, 20. Dezember 2018

Eine katholisch-jüdische Debatte (4)

Teil 4)




Erneut relativiert Morse. Denn genau dasselbe kann man über linksgerichtete Katholiken sagen. Warum wird ein Joe Biden (demokratischer Vizepräsident unter Obama) nicht exkommuniziert, der sich öffentlich für Abtreibung ausspricht? Es ist falsch zu sagen, daß Juden für die Abtreibung sind. Es sind einige linksgerichtete Juden, die sich dafür aussprechen. Gut, ja, die generelle jüdische Position ist hier liberaler als die im Katholizismus. Das geht auf einen Beschluß von Rabbinern im Mittelalter zurück. Nachdem man die Sache ein Jahr lang diskutiert hatte, kam man zum Entschluß, daß der Fötus erst nach vierzig Tagen im Mutterleib beseelt wird. Wenn man darüber nachdenke, wer die Abtreibung propagiert habe, müssen man doch auch Katholiken nennen, die maßgebend waren?!

Das weist Jones zurück. Es sind Zeugnisse von Juden selbst, die bestätigen, daß die Liberalisierung der Abtreibung in den USA von Juden ausging. Ohne sie hätte es das nicht gegeben. Dasselbe sei vom Bolschewismus zusagen: Ohne Juden hätte es ihn nicht gegeben. Sie betrieben seinen Durchbruch. Und das Problem beginnt genau dort, wohin sich Morse immer wieder zurückzieht. Wenn er sagt, daß all das nicht jüdischer Theologie entspreche. Wer aber legt das fest? Wo ist "das Judentum" definiert und erfaßbar? Wer bestimmt es? Chuck Morse? Das Judentum ist schlicht und ergreifend nicht definierbar. Also kann es auch keine Seite geben, die "unjüdisch" ist, denn jede sagt das von jenen Juden, die nicht ihren Ansichten und Interpretationen zustimmen. Das Argument, daß die Tora einen Grundstock vorgebe, der eindeutig ist, ist in dem Moment hinfällig, wo es nicht auch eine Auslegungstradition gibt, die eindeutig ist. Das aber hat es im Judentum nie gegeben.

Freilich, es zeigt sich das ganze Dilemma des gegenwärtigen Pontifikats. Denn es ist ein Jude, der darauf hinweist, daß diese Eindeutigkeit auch bei der Kirche - trotz ihrer Strukturen, durch Hierarchie klar bezeichenbar - nicht mehr gegeben ist. Und zwar durch diesen Papst. Dabei hat sogar er, der Jude, in moralischen Fragen immer wieder auf die Kirche hingehört. Es bleibt Jones nur das historische Argument: Die Kirche hat früher eine klare Position gehabt. Und dieser widerspricht das Judentum zwar, aber die Kirche hat immer festgehalten, daß das alles kein Recht darauf gibt, Juden etwas Böses zuzufügen. Umgekehrt gibt es keinem Juden das Recht, die Moral, den Glauben, die Ordnung einer Gesellschaft zu attackieren. An sich ist aber das Evangelium klar "anti-jüdisch", man lese nur das Johannes-Evangelium. Es gibt zwischen Judentum und Katholizismus einen Konflikt, der niemals beseitigt werden kann.



Morgen Teil 5)







*021118*

Mittwoch, 19. Dezember 2018

Eine katholisch-jüdische Debatte (3)

 Teil 3)




Hier bringt Jones den Zionismus ein. Ob der denn keine messianische Bewegung sei? Ja, meint Morse, zum Teil sicher, aber nicht kommunistisch. Sondern darin gehe es um die Sehnsucht der Juden, in jenes Land zurückzukehren, das Gott einmal Abraham verheißen und gegeben hat. Aber auch darin geht es nicht um eine Neuverteilung von Wohlstand, um Weltherrschaft, um ein autoritäres Weltregime. 

Das sei schon richtig, meint Jones, der Zionismus ist sogar das Gegenteil des Kommunismus, er ist jüdischer Nationalismus. Während jüdischer Kommunismus ja jüdischer Internationalismus ist. Aber es bleibt die Tatsache bestehen, daß der Zionismus eine messianische jüdische Bewegung ist. Deshalb hatte das Judentum seit dem 19. Jahrhundert mit zwei konkurrierenden messianischen Bewegungen zu tun, die es gespalten haben: Kommunismus und Zionismus. Und bis 1967 hat sich der Kommunismus mehrheitlich durchgesetzt. Ab da begann ein Umdenken. Denn man hat festgestellt, daß die Bürgerrechtsbewegungen zu nichts als Problemen führten und auf die Juden selbst zurückschlugen. 

Plötzlich warfen die Schwarzen auch Juden aus den Schulen und Universitäten. Das führte innerhalb der jüdischen Bevölkerung in den USA zu großer Desillusionierung über den Kommunismus. Also warf man sich nun auf den Zionismus. So entstand schlagartig eine neue politische messianische Bewegung.  Die Linie der Kontinuität liegt deshalb nicht in der Frage zwischen "rechts und links", sondern in der Frage einer messianischen Politik, die das spezifisch Jüdische ausmacht. Und darin zieht sich die Linie bis zu diesem Vakuum, das die Zurückweisung des Messias Jesus Christus entstehen hat lassen. Weil sie eben damit keinen Messias haben. 

Was Morse durchaus eingesteht. Dennoch dürfe man, meint er, die spirituellen, religiösen Facetten des Zionismus nicht übersehen, denn er beruft sich auf die Heilige Schrift, die Propheten, die Tora, die Überlieferung. Die Gründung des Staates Israel selbst (ausgehend von der Balfour-Deklaration) muß man trotzdem in einem größeren Rahmen sehen. Nach dem Ersten Weltkrieg wollten alle Völker im Nahen Osten selbständig werden und eigene Staaten gründen, auch die Araber, die Muslime. Denen das israelische Streben im Wege stand. Deshalb stand Israel auch fünfundzwanzig muslimischen Staaten gegenüber. Zu denen sich aber endlich langsam die Beziehungen normalisieren, weil doch alle dasselbe wollen: Ein gutes, friedliches Leben in einem prosperierenden Land. 

Dem widerspricht Jones, der die Politik Israels alles andere als friedfertig nennt. Wie solle man es sonst bezeichnen, wenn israelische Scharfschützen palästinensische Frauen und Kinder an der Grenze zu Gaza erschießen? Was sollen sich da die islamischen Staaten denken? Morse wendet ein, daß Israel den Gazastreifen freiwillig an die Palästinenser abgetreten hat. Dabei mußten sogar jüdische Bewohner das Land verlassen. Es hat den Gaza unterstützt, ebenso wie die ganze Welt. Aus Gaza hätte eine "französische Riviera" werden können, denn das Land bietet beste Voraussetzungen. Stattdessen benützen es die Palästinenser dazu, von dort aus Krieg gegen Israel zu führen. 

Bisher haben sie sechstausend Raketen auf Israel abgefeuert. Sie haben Tunnels unter der Grenze durchgegraben, um jederzeit nach Israel eindringen zu können und Juden zu töten, wie es ihnen beliebt. Es wäre ein Leichtes für Israel, dort einzumarschieren oder eine Bombe abzuwerfen, um den Spuk ein für allemal zu beenden. Stattdessen versucht man eben nur jene auszuschalten, die Juden töten möchten, versucht keine Unschuldigen dabei zu Schaden kommen zu lassen. Man ist sogar mit Soldaten eingedrungen, um eben nur Schuldige bei der Hamas zu finden und auszuschalten, keine Unschuldigen. Mit dem Ergebnis, daß neunundachtzig Israeli dabei ihr Leben ließen. Es geht hier eben um Krieg, und in einem Krieg werden Menschen getötet. 

Das weist Jones strikt zurück. Denn den Grundfehler hat Israel gemacht, das den Palästinensern ihr Land gestohlen und diese in ein großes KZ gedrängt hat. Mit dem Ziel, das palästinensische Volk auszulöschen. Was Morse auf das Schärfste zurückweist. Jones geht einen Schritt zurück, auf den eigentlichen Konflikt, der derzeit innerhalb der Juden besteht. Wo sich scheinbar links- und rechtsgerichtete Juden gegenüberstehen. Wo die einen gegen Trump sind, die anderen sich für ihn und seine Außenpolitik aussprechen. Beide vereint doch dasselbe: Die einen, die rechten Juden, schießen Palästinenser über den Haufen, die linksgerichteten Juden unterstützen die Abtreibungsagenda. Das ist das Verbindende: Beide eliminieren, wer ihnen nicht in die Agenda paßt.

Morgen Teil 4)




*021118*

Dienstag, 18. Dezember 2018

Eine katholisch-jüdische Debatte (2)


Teil 2)




Ja, Juden werden von den Vorstellungen einer Weltherrschaft, wie sie der Neokonservatismus vertritt, angezogen. Morse bestreitet das nicht. Aber das werden auch viele Christen. George Bush oder Dick Cheney sind zum Beispiel keine Juden. (Sie sind vielmehr Mitglieder einer protestantischen Splitterkirche; Anm.) Und Juden lehnen auch den Marxismus ab, ja jede Form von Kollektivismus. Aber auch der Nationalsozialismus war eine messianische Bewegung, und wenn man nun den Kommunismus dem Judentum zuschreibt, könnte man das mit dem Nationalsozialismus und dem Christentum genauso machen. 

Hier hakt Jones ein. Denn warum sind Juden so anfällig für messianische Ideologien? Weil sie eben keinen Messias haben. Und das führt zu einer Logik der Kompensation. Das ist es, warum die These vom prinzipiell revolutionär gestimmten Juden bleibt, weil dies mit der Zurückweisung des Messias Jesus Christus zusammenhängt. 

Morse bestreitet nicht, daß es hier Zusammenhänge gibt. Aber er weist darauf hin, daß sich diese Juden dann im Zustand der Apostasie, des Abfalls vom Judentum befinden. Doch daraus könne nicht bestritten werden, daß - sogar nach den Worten des Neuen Testaments, sogar Jesus bekräftigt das - der Bund Gottes mit dem Volk Israel auf ewig geschlossen ist. Und ewig meint eben das: Ewig. 

Dem hält Jones entgegen, daß die Juden seit der Zeit Christi die Bedingungen ihres auf Abraham und Moses zurückgehenden Glaubens nicht mehr erfüllen können. Denn sie brauchen dazu einen Tempel, das Opfer, eine Priesterschaft der Tradition. Es ist dieses Vakuum, weshalb sie zu politisch-messianischen Bewegungen so hingezogen werden. Natürlich betrifft das nicht jeden einzelnen Juden, nicht von jedem kann man das also sagen. Die Chassidim waren sogar eine Gegenbewegung dazu, sie sind eine Bewegung des Schweigens, nicht revolutionär. Aber grundsätzlich gibt es dieses Vakuum im Judentum, von dort kommt diese Tendenz zu revolutionären, messianischen Bewegungen (wie sie der Kommunismus sind, auf den schließlich auch der Neokonservativismus zurückgeht, usw. usf.). Daraus stammt das "Tikkun Olam"*, also diese Pflicht, die Welt als Ganzes zu heilen. Dabei steht jede religiöse Überzeugung außerhalb des Judentums im Weg. Deshalb propagieren Juden - und sie bestreiten das auch nicht - Dinge wie die Homosexuellen-Ehe.

Das Magazin Tikkun Olam, so Morse, lehne er ab. Es sei ein kommunistisches Magazin, nicht genuin jüdisch. Tikkun Olam selbst sei nämlich nur als Vorbildlichkeit gemeint, solle zur Nachahmung anregen, wie man sein eigenes Leben verbessern könne. Es enthalte nicht den Auftrag, die Welt zu erobern. Wenn Amy B. Dean (Vorsitzende der Century Foundation, die wiederum Gesellschaften fördert, die sich gesellschaftliche Veränderungen auf die Fahne geschrieben haben) öffentlich erkläre, daß die Homosexuellen-Ehe Teil des Tikkun Olam sei, dann deshalb weil sie eben Kommunistin ist. Die auf die Vorschriften wie Juden zu leben haben, einen feuchten Kehricht gibt. Dasselbe gilt für einen Rabbi Michael Lerner, dieser Leitfigur aus der 1968er Bewegung und Herausgeber von Tikkun Olam. Sie sind Kommunisten, keine orthodoxen Juden. 

Wobei Morse zugibt, daß viele Juden (vor allem aus den USA) in die Entstehung des Sowjetkommunismus verwickelt waren, und sich oft leider auch unter den Übelsten befanden. Er sei deshalb der Ansicht, daß sich das Judentum seiner historischen Schuld bewußt werden und öffentlich von dieser Häresie distanzieren müsse. Denn in der jüdischen Religion geht es um Privateigentum, um das Recht auf freien Handel und Wirtschaft, um die Werte der Familie, um den Glauben an Gott, auf Erziehung und Ausbildung etc. sei größter Wert gelegt, sie steht also im unvereinbaren Widerspruch zum Kommunismus. Dessen Ideen freilich viele Juden angenommen haben. Die es in einflußreiche Positionen innerhalb des Judentums geschafft, und es somit korrumpiert haben. 

Aber könnte man dies nicht auch von der Katholischen Kirche sagen? Freilich, sie hat eine klar organisierte Struktur, einen Vatikan, einen Papst, das macht es leichter, sie zu konfrontieren, das ist ein Vorteil, keine Frage. Schon beim Protestantismus hat man deshalb ähnliche Probleme, auch er war in diese kommunistischen Ideen tief verstrickt.


Morgen Teil 3)


*Wörtlich "Die Reparatur der Welt" ist eine Bewegung aus der Frühzeit des Rabbinertums bzw. in der Kabbalah ausgeführt, der geheimen Erlösungslehre des Judentums. In ihr sollen "alle Gefäße zerbrochen werden", um die Menschheit von den Folgen der Ursünde zu befreien. In diesem Gespräch wird es aber auch als Verweis auf das einflußreiche jüdische Magazin "Tikkun Olam" gebraucht.





*021118*

Montag, 17. Dezember 2018

Eine katholisch-jüdische Debatte (1)

Ist der Neokonservatismus eine jüdisch-messianische, letztlich auf den Trotzkismus zurückgehende revolutionäre Bewegung - oder ist er die Bewegung messianisch denkender und fühlender Menschen, von denen einige auch Juden sind? Ist das Judentum selbst eine revolutionäre Bewegung, die aus der Zurückweisung des fleischgewordenen Logos, Jesus Christus, das Judentum zutiefst als eine gegen Gott, das Wort gerichteten Religion nach dem Kreuzestod Jesu entstanden ist? Das sind die Kernfragen dieser spannenden Debatte zwischen dem Katholiken E. Michael Jones und dem Juden Chuck Morse. 

Morse bestreitet diesen Vorwurf. Indem er zwischen eigentlichem Judentum und verschiedenen Formen messianisch-revolutionärer Häresien unterscheidet. Das traditionelle Judentum sucht Spiritualität, und in dieser die Schaffung der Bedingungen für die Herabkunft des göttlichen Messias. Es lehnt die Verknüpfung dieser Heilserwartung mit allen Formen von politischem, charismatischem Messianismus ab. Auch wenn unbestritten ist, daß viele Juden eine gewisse Affinität zu solchen Bewegungen haben. Wenn Jones sich also auf diesen Charakterzug bezieht, dann meint er diese Juden, die aber vom orthodoxen Judentum selber abgelehnt werden. Mit gleichem Recht könnte man ja sonst auch davon sprechen, daß verschiedene christlich-messianische Strömungen (wie im Calvinismus und allein seinen Afterformen, im Hussitentum, oder in der Bewegung der Wiedertäufer) das Christentum (den Katholizismus) selbst repräsentieren. 

Was Jones natürlich bestreitet, was die Kirche selbst natürlich bestreitet. Doch sieht er überall dasselbe Problem: In der Zurückweisung des logos (Gott ist Geist, ist Wahrheit) verliert jede kulturelle weil religiöse Bewegung ihre Bewegung, bleibt an einem Punkt stehen. Und entwickelt Methoden, diesen Schritt doch noch zu vollziehen. (Was im übrigen auch die Gnosis behauptet; Anm.) Aber das Entscheidende ist, daß der logos sich herabneigen muß - aus sich heraus kann der Mensch, der auf dem logos, der Vernunft strukturell aufbaut, sich nicht in Gott hinein bewegen. Er braucht diese Gnade, er braucht diese direkte fleischliche Herabkunft Gottes, des Ursprungs von allem. Darin gründet die Hoffnung aller Katholiken, daß sie über den Messias in diesen göttlichen Geist hineingeholt werden.

Chuck Morse sieht das Kernproblem woanders. Er meint, daß allen diesen Fehlentwicklungen die Tatsache zugrunde liegt, daß sich der Mensch nicht als Geschöpf begreift, wie es die Genesis beschreibt. Den eigentlichen Beginn der messianischen Bewegungen setzt Chuck Morse deshalb auch nicht mit der Kreuzigung Christi fest. Vielmehr geht er bereits auf den Hellenismus (und seinen Universalismus; Anm.) zurück, begann also zweihundert Jahre vor Christi Geburt. Mit der großen Rolle, die die Rückkehr aus dem babylonischen Exil darin spielte. Sie erreichte in der Zeit Christi allerdings seinen Höhepunkt (Christus selbst sei deshalb als Teil dieser messianischen Strömungen anzusehen, so Morse), der dann mit dem Tod von Simon bar Kochba (ca. 132 n. Chr.) und dem letzten großen jüdischen Aufstand endete. Als viele Juden und Rabbiner - aber beileibe nicht alle - tatsächlich in diesem den herabgekommenen Messias zu erblicken meinten. Bar Kochba hat damit einen Bürgerkrieg ausgelöst, denn viele Rabbiner waren eben nicht dieser Ansicht.

Entsprechend ist im Talmud, meint Morse, keine neue Religion begründet worden, sondern nach der Zerstörung des Tempels und nach der Diaspora (als die Juden, die nicht hingerichtet oder versklavt wurden, auf römischen Befehl hin in alle Winde zerstreut wurden, also ausreisen mußten) wurde ein Weg gesucht, wie auch ohne das Tempelopfer, Herzstück des "alten" Judentums, trotzdem die Juden als Juden leben, den Willen Gottes erfüllen, und sich vergeistigen konnten, gute Taten zu vollbringen, sich zu heiligen. Weil das aber immer eine Angelegenheit einer "Kirche" (als Versammlung, als letztlich nur von einer Gemeinschaft zu bewahrendes Gut) sein muß, wurde es als Schriftensammlung von Rabbinern angelegt und fortan in den Synagogen zur Auslegung der Thora (die Hl. Schrift, im Wesentlichen also das Alte Testament der Christen) benutzt. 

Die bekannten Stellen, an denen Jesus in der Hölle gesehen wird, wo er in Exkrementen gekocht wird, sind später dazugekommen, und Morse bedauert, daß sie je verfaßt wurden. Sie entsprechen nämlich nicht dem orthodoxen Judentum. Denn in diesem gibt es eine derartige Höllenvorstellung gar nicht. Diese kommt vielmehr aus dem Christentum. Die Juden kennen zwar eine Hölle, verbinden damit aber keine konkrete Vorstellung.



Morgen Teil 2)




*021118*

Donnerstag, 26. September 2013

Fluch dem Kaiser

"Die vor der ganzen Kirchenversammlung verlesene Bannsentenz schlug wie der Blitz ein und rief einen ungeheuren Schrecken Hervor. Der Meister Thaddäus von Suessa und die übrigen Vertreter des Kaisers brachen mit ihrem Gefolg ein laute Klagerufe aus, schlugen zum Zeichen ihres Schmerzes auf Schenkel und Brust, und konnten sich nur mit Mühe der hervorbrechenden Tränen erwehren [...]

Der Herr Papst aber und die anwesenden Prälaten verfluchten, die angezündeten Kerzen in der Hand, den Kaiser, der nicht mehr Kaiser zu nennen sei, schrecklich und furchtbar, während dessen Sachwalter bestürzt die Versammlung verließen."  

Matthäus Parisiensis Chronica maoira, Mon. Germ., zur (nun bereits zweiten, 1227 von Papst Gregor IX., nun von Papst Innozenz IV. ausgesprochenen) Exkommunikation 
Kaiser Friedrich II. im Jahre 1245 auf dem Konzil von Lyon




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