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Samstag, 4. Juni 2022

Wieder ziehen die plündernden Horden über die Steppe (3)

Steppenreiter machen ihre Beuteräume menschenleer. Die Herrschaft, die sich ihr Volk erfindet - Genau das hat sich Franz von Vitoria in Spanien auch überlegt, und hat damals etwas gewagt, das uns unerhört erscheinen mag, damals aber offenbar gar nicht so gesehen wurde. Obwohl in Philip II. ein König (die Kaiserwürde hatte man da schon an die Familienlinie der Habsburger in Österreich zurückgehen lassen) am Thron saß, der nicht mit sich spaßen ließ, ging es um geistige Subversion, hielt der heute "Vater des Völkerrechts" genannnte Universitätslehrer mit seiner Meinung nicht hinterm Berg. 

Daß er nämlich die Monarchie dieses (also König Philipp's) Zuschnitts NICHT als die ideale Verfaßtheit eines Staates sah. Zu leicht kann das in eine Absolutheit und Deifizierung kippen, wie es dann hundert Jahre später auch in ganz Europa begonnen hat zu geschehen. Aber dann? 

Was, wenn der König zum absoluten Tyrannen wird? Was, wenn er sein Reich für seine persönlichen und schändlichen Interessen mißbraucht, wie es die Habsburger ja auch nicht gerade selten praktiziert haben? Was hilft den beherrschten Menschen dann noch? Sie sind ihrem Monarchen total ausgeliefert, und die Kirche kann das nicht mehr korrigieren (wie Josef II. es in Wien dann auch bewiesen hat.) 

Freitag, 3. Juni 2022

Wieder ziehen die plündernden Horden über die Steppe (2)

Wer nützlich ist darf am Tisch der Barbaren speisen, der Rest hofft unterm Tisch auf ein paar Krumen - Der Verführungskraft dieser Leitlinie ist offenbar auch der derzeitige Herr des Hauses Habsburg erlegen. Als ich Karl von Habsburg unlängst wieder einmal näher zuhörte, denn er gab in Servus TV ein Stelldichein, rollten sich mir nämlich die Zehennägel ein. 
Nicht nur, daß Habsburg wirkt, als hätte ihn ein D-Zug vergewaltigt, macht er nun auf wichtiger Unternehmer. Denn er hat irgendwas mit einer Telephonfirma in Kiew zu tun. Wie schön, Habsburgs haben ja immer schon gerne viel geplaudert. Und ein Geschäft ist das allemal, weltweit, in einer Welt, die nach Narrativen lechzt, die ihren geistig verwirrten Zustand des Herumlügens um den logos in ein allherrlich fabuliertes Kostümchen mit Liebesgeschmack zum Aufspeicheln faßt. 
Auch dieser Karl scheint in dem Punkt Erfahrung zu haben. Wie wenig sein Persönlichkeitskostüm aber mit Wirklichkeit zu tun hat erkennt man aber an seiner Bereitschaft, eine passende Geschichte gleich mal zu erfinden. Wer schon mit dem Wirklichen geshcmust hat, der kann darauf aber gerne verzichten, denn die Ohrfeige kommt garantiert.
Und noch einer Versuchung ist er erlegen, auch hier hat sich ja schon so mancher Habsburger zu Tode gewichtigt - auch dieser Habsburg hat die Nützlichkeit als Legitimationsquelle entdeckt. Und damit ist er auch endlich wer im Konzert der Zeitgeistquaker, und kann endlich aufhören, die Balladen aus längst vergangenen Tagen - also die Lieder dom Ewigen - zu singen. 
Das will heute doch kein Mensch hören, wie soll man da noch ein bissel mehr Telephonminuten verkaufen? In Kiew! Wo doch niemand Ewiges (also Vergangenes) hören will, sondern nur Zukünftiges, nein: Nützliches.
Der heutige Habsburg fährt Motorrad (tut Karl seit seiner Jugend), ist geschieden und wieder liiert, und hat drei Kinder. Nicht acht oder siebzehn. Und den Sinn fürs Pragmatische hat die schon damals sehr gewöhnungsbedürftige Allianz mit deren Mutter aus wenn schon nicht standesgerechten, so wenigstens reichem und nützlichem Haus ja ohnehin schon vor Jahrzehnten bewiesen. Na Hauptsach, mer seint all zerfrieden.

Donnerstag, 2. Juni 2022

Wieder ziehen die plündernden Horden über die Steppe (1)

Je länger und je häufiger ich mich mit der Ukraine befasse, weil es diese Tage so vor die Haustüre tragen, desto umschweifiger werden die Gedanken. Denn irgendwie scheint die Sache festzustecken, und ihr Schritt so in Zeitlupe gesetzt, daß die Gedankenpferde viel schneller laufen, und vor und zurück und hin und her stampfen.

Etwa in der Überlegung, daß sich in der heutigen Ukraine wieder einmal deren eigentlich recht altes, aber offenbar nie erlöstes Schicksal an die Oberfläche trägt. Und das ist dieser Raum als die "Große Ebene", das Große Feld, wie es im Grunde als einzig legitimen Namen trägt. Flach wie eine Palatschinkenpfanne, haben sich hier große und kleine Völker durchbewegt, und keines ist je zur Ruhe gekommen. 

Fast alle sind übrigens Turkvölker, sodaß ich wohl anerkennen muß, daß diese Rasse weltgeschichtlich eine völlig unterschätzte Rolle zu spielen scheint. Von Korea bis vielleicht sogar Japan, haben sie - als Hunnen, Magyaren, Türken, Seldschuken, Tataren, Mongolen an die Oberfläche der Geschichte gekommen - am Schicksalsrad der Welt kräftiger gedreht, als uns gemeiniglich bewußt ist.

Dienstag, 21. September 2021

Gedankensplitter (1349)

Mann und Frau werden aneinander. Natürlich auch in der Charakteristik, in der sich auch das Faktische, nicht nur das ideale (ontologische) widerspiegelt. Deshalb liegt es auf der Hand, die sich immer mehr aufbauenden Gewaltsysteme, 

mit denen Eliten und jeder, der zu Einfluß kommt 

bis hin zur Impfpflicht, in der der Nachbar dem ungeimpften Nachbarn seinen Stich auferlegen will, wodurch er ihn in seine durch die Scheinallianz der Identifikation 

(der Stellvertretung für die Obrigkeit; in der Stellvertretung, in der Repräsentanz gehört man einer Gruppe zu; in der Impfpflicht, die man dem Nachbarn auferlegt, hat man deshalb "Anteil" an den Eliten) 

die mit der Staatsführung identische, also im Diktatorischen "wachsende" Macht spüren läßt, 

in der die (im Realleben depotenzierten) Eliten, die Priester des Geheimwissens der Wissenschaftlichkeiten, die sogenannten Massen zwingen, karniefeln und durch Verhaltensgebote bis ins Intimste drangsalieren, 

in einem direkten Zusammenhang (Korrelation) mit dem Verlust der Macht des Mannes innerhalb der Zweierbeziehung Mann-Frau und vor allem den Kindern gegenüber zu sehen. 

Samstag, 21. März 2020

Es geht auch vernünftiger

Da muß man gar nicht viel dazu sagen. Kaum etwas, das nicht angesprochen wird. Alles ein Riesentheater? Möglich. Wahrscheinlich. Auf jeden Fall: Sehens-, hörenswert, was die zwei eher abgeschobenen Politiker Josef Cap (SPÖ) und Peter Westentaler (FPÖ) da von sich geben. Fellner schafft es immer wieder ein Gesprächsklima zu schaffen, in dem wirklich jeder sagt, was er sagen zu müssen glaubt.

Fellner! LIVE wurde in den letzten Jahren (fast schon) einer jener Orte, die Gesellschaften unbedingt brauchen, damit sich ein Denk- und Sozialklima bilden kann, an dem die Vernunft eine Chance hat. Fast muß man deshalb sagen, weil der alte Fellner als Senior-Herausgeber der Tageszeitung "Österreich" es selbst ist, der hier eine Decke abhängt, mit der er das wirklich Hohe niederzieht und Vernunft auf die Ebene seiner etwas reparaturbedürftigen "Bildung" herunterreißt. Und damit wäre auch ein Land auf diese Ebene "des Richtigen" heruntergerissen, wie Fellner sich das eben vorstellt, damit auf Vergemeinung beschränkt und nicht auf Gemeinschaft ausgerichtet. Deshalb reicht dieses Magazin noch nicht, um so ein Raum für Österreich zu sein. Aber es ist ein kleiner Anfang, nicht der falscheste Schritt.

Gemeinschaft, Einheit kann es nur unter der Vernunft geben. Gar nicht, "weil alle dasselbe denken und meinen." Denn Vernunft braucht nicht "das Richtige". Sie braucht auch nicht die Zustimmung, dieses "gut = so gedacht wie man selber denkt", und kann mit Meinungen leben, die alles andere als die eigene sind. Vernunft ist vielmehr die Ausrichtung auf das Wahre, das immer unerreichbar ist, das aber als Sonne dient, deren Schatten der Vernunftwillige, der Mensch guten Willens, auf die Erde werfen kann. Sie braucht dazu aus dem Nutzengeflecht der Gesellschaft herausgenommene, immune, sakrosankte Räume des Narrentums, will sie überhaupt in einer Gesellschaft als einzig konstruktive Kulturkraft entstehen und bestehen.




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In der Schweiz braucht es zu dieser Vernunftgewaltleistung wie oben freilich keinen Narrenraum. Da kommt sowas durchaus noch im Alltag vor. Wie in der Neuen Zürcher Zeitung, oder im Journal 21. Bei den Eidgenossen kommt Menschenverstand offenbar auch auf der freien Wildbahn vor. In einer Kostprobe hier einige Zeilen aus der NZZ, der Leser möge den Rest selbst nachschlagen. Der Text hat mit einer Woche Abstand in keinem Punkt seine Relevanz geschmälert.
[cit ... So hat der Risikoforscher Gerd Gigerenzer errechnet, dass in den Wochen nach 9/11 die Amerikaner vom Fliegen auf das Autofahren ausgewichen sind, dadurch aber etwa 1600 mehr Verkehrstote gezählt wurden. 
Ähnliches kann uns heute mit der Angst vor dem neuen Coronavirus passieren: Die Menschen steigen vom öV auf Autos um, die Nachfrage nach Mietautos boomt. Es ist möglich, dass es dadurch mehr Verkehrstote als Corona-Opfer geben wird. Die Menschen spenden aus Angst weniger Blut. Die Tafeln für Arme erleben einen Einbruch, weil weniger Lebensmittel zur Verfügung gestellt werden, die gehortet werden. 
Wir gehen einer Weltwirtschaftskrise entgegen, verursacht durch Unterbrechung der Lieferketten oder den Einbruch des Fremdenverkehrs in Ländern wie Italien, wo der Tourismus 13 Prozent des Bruttoinlandproduktes ausmacht. Das könnte im Vergleich zum relativ geringen Risiko, am Coronavirus zu sterben, höhere Sterberisiken für die Armen erzeugen. Arme, die sich – wie heute schon in den USA – nicht mehr leisten können, zum Arzt zu gehen. .../cit] NZZ vom 12. März 2020


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