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Donnerstag, 19. August 2021

Der Lebensweg der klaffenden Wunde

Man kann nicht genug über die überlieferte Aussage des Hl. Laurentius nachdenken. Dieser, als Diakon für organisatorische Belange, im besonderen aber auch für die (heute so genannte) Sozialarbeit zuständig, ließ sich von den römischen Oppressoren der Kirche Wagen geben. Darauf wolle er die Schätze der Kirche, die herauszugeben er bei Androhung schwerster Folter aufgefordert worden war, aufladen und herbeischaffen. Man übergab ihm die Gefährte. Die der Heilige daraufhin mit den Armen und Notleidenden belud, für die er zu sorgen hatte. Damit fuhr er zu den Römern. 

Das, rief er, das sind unsere Schätze, die Armen und Notleidenden! Was darauf folgte, ist überliefert, und in einem seiner Wahrzeichen ausgedrückt, einem Rost: Er wurde auf einen eisernen Rost geschnallt, und über Kohlenglut "geröstet". Laurentius ertrug die uns unvorstellbare Marter angeblich fröhlich und im Gebet, ja er soll mittendrin sogar gerufen haben: Dreht mich um, auf der einen Seite bin ich schon durch!

Worum aber geht es eigentlich bei diesem Sinnbild, das Laurentius hier lieferte? Geht es um die soziale Arbeit, an der sich ein gestandener Christ beweisen kann, um Schätze im Himmel zu sammeln, indem er sein gutes Herz demonstriert? Wohl eher nicht. Ja, sogar sicher nicht. 

Freitag, 16. Juli 2010

Seltsame Parallele

Man meint vielfach, daß Zeiten, in denen die Wissenschaft im Volk eine große Rolle spielt, Zeiten verminderten Aberglaubens seien.

Betrachtet man die Menschheitsgeschichte scheint das Gegenteil der Fall zu sein! In Zeiten starker Wissenschaften schießt der Aberglaube, das Okkulte, ins Kraut! Sowohl im einfachen Volk, wo sich alle möglichen Formen von Wissensverkrüppelungen breitmachen, wie aber auch bei den hohen Herrschaften!

Ein illustratives Beispiel: die Renaissance. Hier - der Mensch, nüchtern und rationalistisch wissenschaftlich, der das Weltbild auf den Kopf stellt. Und dort - die fast seuchenartig sich ausbreitenden okkulten Praktiken, allen voran die Astrologie. Bei denselben Personen mitunter!

Der geneigte Leser meint, die angesprochenen Wissensverkrüppelungen hätte es nur im 15. Jahrhundert (auf jeden Fall: "früher") gegeben? Na dann sei er versichert: es hat sie "immer" gegeben. Und immer war gewiß: nicht "heute" ... und dann richte er zur Vergewisserung, daß ihn ein großes Staunen noch befallen wird, einmal den Blick auf das, was gerade der Umstand der Halbgebildeten (und: was mehr als Halbbildung ist das Ergebnis des Absolvierens heutiger Schulen und Universitäten, die nur noch Vollzugsorgane zeitgemäßer Hermetisierungsriten sind?) als "durch Wissenschaft abgesichertes Wissen" vertritt. Und dann richte er den Blick auf die kaum mehr überblickbaren okkulten, esoterischen Praktiken, Geheimlehren und Kulte, die sich heute finden, und deren groteske Auswüchse hier gar nicht aufgezählt, sondern nur dem Archiv - zur späteren Belustigung - anheimgestellt werden sollen, weil sie dem gemeinen Volksempfinden bereits so "normal" vorkommen, daß man das Staunen der letzten Vernünftigen über all diese Narrheit nicht nachvollziehen kann.

Und IN dieser Zeit des späten 15., frühen 16. Jahrhunderts, in der alles auf einen Endpunkt wartete, in einer Endzeit zu leben meinte, auf ein großes, alles umwälzendes Ereignis wartete (unter anderem auch auf eine neue Sintflut übrigens ... wegen Gletscherschmelze? Nein, aufgrund einer seltsamen Prophetie ...), da entstand auch der Hexenwahn.

Der also NICHT - wie oft so fälschlich vermeint - eine Frucht des Mittelalters, sondern der beginnenden Neuzeit war! Wo mit einem Male die geordnete Welt des Mittelalters - wo die ganze Welt eine einzige Ordnung war - zerfiel, zu einem Hort der Dämonien, zur Hölle, zum Schrecken wurde. "So können die Dinge nicht mehr weitergehen," war der Tenor.

Die Kunst zeigte diese Umbrüche. Zeigt sie es nicht heute genauso? Ist nicht der heutige Verzicht auf Ordnung in der Welt (sogar: die Flucht in den Trash) - die Öffnung des Tores zur Hölle auf Erden? 


*160710*

Mittwoch, 18. Juni 2008

Was hat was beeinflußt?

An das Kernproblem der Astrologie und jeder Wahrsagerei rührt das Problem "Wallenstein". Ab dem Zeitpunkt, so man recht gesichert annimmt, daß Wallenstein es in Händen hielt, verschwimmt die Grenze zwischen einem posthoc-Vollzug und wirklicher Spiegelung. Eines beginnt dem anderen seine Gesetze aufzudrängen.

So ist nicht mehr abzuschätzen, ob Wallenstein 1618 sein Abenteuer in Gradisca (gegen Venedig) nicht bereits vollzog, um das Horoskop auszuschöpfen ... und nicht seinen persönlichen Handlungstrieb. Wo er den Grundstein zu seiner "Ferdinand-Verbindung" legte, dessen Dankbarkeit für den an sich fast bedeutungslosen Gefallen (sieht man von seiner urkundlich erwähnten Tapferkeit und Umsicht ab - 200 kostenlos beigestellte Kämpfende, bei Zehntausenden involvierten erzherzoglichen Soldaten) ihm den späteren Aufstieg einbrachte.

Ein Horoskop, das übrigens Johannes Kepler erstellte (Horoskope zu erstellen war für Astronomen die einzige Möglichkeit, ihre "unnütze Wissenschaft" finanzieren zu können). Und das eine Genauigkeit, eine Zutreffendheit aufweist, die wirklich staunen macht. Relativ gesichert ist (laut Golo Mann) die Aussage, daß Wallenstein nicht vor 1616 in Besitz des Horoskops kam, das Kepler erstellte, ohne um Wallenstein (der zum Zeitpunkt der Horoskoperstellung außerdem ein völlig unbedeutender, unbekannter Mann war) zu wissen.





*180608*