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Dienstag, 5. März 2024

Das Gute ist was bleibt

[...] Es war in den Jahren ab 1988, als ich mit meiner Firma begonnen habe, Tondachziegel aus Südtirol zu importieren. Um ein Haar hätte ich mit einem großen Dachdecker in Grein sogar den Generalimport übernommen, nur hatten die damals noch Qualitätsprobleme, die meteorologischen Bedingungen in österreichischen Alpen waren noch deutlich schärfer als in Süditorl. Die Temperaturextreme, die ein Dach etwa in Mariazell innerhalb von 24 Stunden (/und über vier, fünf Monate) aushalten muß, sind freilich für jeden Tondaczziegelhersteller eine Herausforderung. Doch habe ich viele Ziegel importiert, im Flachland war es kein Problem. Ud sie waren ja nicht nur sehr hübsch und auch leichter und erheblich billigr als die deutschen Prdukte, die diesen Markt beherrscht haben  Aber da mußten auch die Südtiroler dazulernen.
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Was will ich dami sagen? Ich habe mehrere male besucht. Und der Wohlstand dort war beeindruckend. Nicht weniger beeindruckend als der Wille der dortigen Menschen, ihre österrichische, deutsche Lebensart zu behaupt den und zu pflegen. Wie war das möglich? Noch 1914 war (ganz) Tirol das Armenhaus der deutschsprachigen Teile der Monarchie! Südtirol. Ein reines Bauernland, kleinstrukturiert, bettelarm (aber extrem konservativ. Und das heißt in jedem FAll - sonst ist es nur pseudo-konservativ - AUFS EIGENE BEDACHT, Nicht im Egoismus, sondern aus der Pflicht, sich am GEGE§BENEN - also auch an der Tradition - zu trandzendieren, das als Maßstab und erste Forderung ans eigene Leben zu sehen.Nicht "auch", nicht als Dekor, den man ins Fenster stellt, sondern als echtes Tor zur Lebensquelle.
Ich will nicht sagen, daß die Abtrennung 1918 ein Glück war. Aber beide Tirol, NOrd wie Süd, sind heute in ihren Staaten je eine der reichsten Regionen.

Freitag, 6. Dezember 2019

Eine unsanierbare Ehe

Diesen Film hat der Südtiroler Schützenbund produzieren lassen. In einer Metapher will sich eine Frau von ihrem ungeliebten Ehemann scheiden lassen. Eine Umfrage einer Südtiroler Zeitung hat erst in diesen Wochen ergeben, daß der Wunsch der Südtiroler, sich von Italien zu trennen, überwältigend groß ist. Aber der Ehemann dieser Zwangsheirat von St. Germain-Trianon 1919 will sie nicht freigeben. Eine Ehe, in der es von Anfang an an Liebe gefehlt hat.

Doch die Südtiroler haben nie aufgegeben. Noch ist das Deutsche dominierende Landessprache, und pflegen die Menschen ihre alten Bräuche und Sitten. Die Italienisierung, wie sie v. a. unter Mussolini brutal vorangetrieben wurde, ist nicht geglückt. Heute leben in Südtirol drei Völker in Parallelgesellschaften mit drei Kulturen. Österreicher - Ladiner - Italiener. Und sie tun es friedlich, stören einander nicht. Aber das reicht allen Seiten nicht. Das Kirchenrecht weiß, daß eine nie gültig geschlossene, erzwungene Ehe nie fruchtbar wird. Sie ist unsanierbar.







Dienstag, 13. Dezember 2016

Es waren die Vorfahren von Ötzi

Es gibt keinen Zweifel: Der am Gurgler Eisjoch in Südtirol gefundene Schneeschuh ist älter als der "Ötzi", und wissenschaftlichen Untersuchungen folgend zwischen 3800 und 3700 v. Chr. angefertigt worden. Der im Ötztal vor einigen Jahren gefundene Ötzi hingegen ist um 3100 v. Chr. in eisiger Höhe verschieden.

Damit ist außerdem klar, daß der Gletscher auf 3100 m Seehöhe damals so groß (oder klein) war wie heute. Der Gletscher dürfte also zwischenzeitlich angewachsen und nun wieder zurückgegangen sein.

Bildrechte: Unser Tirol
Der Schneeschuh ist übrigens schon genau so konstruiert wie jene, die bis vor einigen Jahren von südtiroler Bauern selbst noch gebaut und verwendet wurden. Vielleicht liegt der Klimawandel also gar nicht am CO2, sondern am Ausstoß von Gehirndämpfen durch Alpenbewohner, die schon vor 5800 Jahren Winterurlaub am Gletscher machten? Die Korrelation ist jedenfalls ziemlich gleich hoch.

Oder liegt es an ganz anderen Umständen? Vielleicht haben ja die Esoteriker um Däniken recht, die ja immer behauptet haben, daß es schon vor tausenden von Jahren eine außerirdische Zivilisation auf Erden gab. Die hatten dann sicher auch Industrieschlote in ihren Kristallstädten und Auspuffrohre an ihren Überschallflitzern. Oder waren es doch die Fürze der Mammuts?





*281016*

Dienstag, 31. Mai 2016

In Südtirol finge alles an!

Und wenn sich alle auf den Kopf stellen, und wenn das auch als billige Anbiederein an einen österreichischen Parteikurs gewertet werden mag, wei es dem VdZ schon so oft unterstellt wurde, aber völlig haltlos ist: Die Forerung von Heinz Christian Strache, daß die Südtirol-Frage grundlegend zu überdenken, am Selbstbestimmungsrecht der Völker festgemacht sei, und deshalb sehr wohl eine außenpolitisch aktuelle (und in ihrer historischen Verankerung regelrecht lächerlich aufgehängte) Frage sei - die nach der Wiedervereinigung von Tirol - so ist das einer, ja, fast der wichtigste Schritt zu einer Gesundung Österreichs. Denn jeder Staat BEGINNT in seinem Verhältnis zu Außen. Die Außenpolitik der letzten Jahrzehnte ist einer, nein, der Hauptgrund für die im Inneren so desaströse Verfaßtheit der Alpenrepublik. 

Wenn Politik in Österreich beginnen will, endlich, endlich! wieder substantiell zu werden, so muß sie bei der Außenpolitik beginnen. Und das heißt hier - Wiedervereinigung von Südtirol. 

Freilich, möglicherweise muß man auch manche Südtiroler aus der Lethargie einlullender Wohlstandsgesättigkeit wieder ein wenig aufwecken. Meist hat nämlich gerade der, der im Detail steckt - also sogar noch besondere Authentizität seiner Empirie beansprucht - genau unrecht und ist trotz der scheinbaren "Vor-Ort-Kenntnis" der Ahnungslose und Dumme. Weil er im Vereinzelten feststeckt. Der umfassendere, wahrere, richtigere Blick stammt immer von außen, aus der Distanz.

Wenn Österreich sich aber überhaupt jemals wieder finden will - will! es ist eine Frage des Willens! des Mutes selbst zu sein! - dann muß es bei seiner Verantwortung im zentraleuropäischen Raum beginnen. Beginnen! Nicht irgendwann vielleicht enden. Irgendwann, wenn Österreich überhaupt nur noch zu einem stinkenden Haufen geldgeregelter, identitätsloser Schnitzel- und Beamtengehaltsphantasien geworden ist.

Im Außenverhältnis steckt aber die Erfahrung des Eigenen. Deshalb steckt in der Südtirolfrage die Identitätsfrage Österreichs! Sonst kann sich der Staat gleich auflösen, als Endpunkt einer langen und ständig noch quälend verlängerten Agonie, die jede geistige Substanz verdampfen ließ.

So unausgebacken deshalb die Parteiprogramme der "neuen Rechten" in Deutschland (AfD) wie in Österreich (der FPÖ) sein mögen. Sie haben genug Substanz und frappierende Richtigkeiten, die jeden Menschen mit halbwegs Verstand bewegen müßten. Beide setzen in Fragen an, die vom offiziellen Politikschwank als "unwichtig" undnebensächlich weggeredet werden. Aber beide setzen bei den richtigen Prinzipien an. Gerade ein Katholik, ein Christ müßte wisse, daß sich ein ontologisches Unrecht nicht einfach durch Wegschweigen und -beschwichtigen lösen läßt, im Gegenteil. Weil nur in der Ontologie der wirklich werden wollende Wille Gottes steht.

Ob die Parteien der Weg sind ist eine andere Frage. Aber die Südtirolfrage ist keineswegs gelöst, weil viele Südtiroler und noch mehr Wiener Politikkrüppel es sich irgendwie gemütlich eingerichtet haben. Denn jedes Staatsprinzip ist seinem Wesen  nach personal, nicht zufällig-territorial. Die Überwindung der Nationalidee läßt sich nicht erzielen, indem man die willkürlichen Grenzen von 1919 "endgültig anerkennt". Sondern indem man die Größe aufbringt, Fehler zu korrigieren. 

Und Schuldbewältigung kann nicht an der Trägheit irgendwelcher Brüsseler Beamtenfuzzis scheitern, deren Schuldbewußtsein nicht einmal bis zum Gehaltskonto reicht. Jeder Katholik weiß, daß das nicht reicht. Und ist es nicht seltsam, daß die Forderung nach Bedeutungslosigkeit von Grenzen gerade dort aufhört, wo linkes Bewußtsein sich gerade mal gestört fühlt, weil es was zu tun und Recht gar zu bestehen gäbe? Wenn also Grenzen "unbedeutend" sind - warum dann diese doch?

Wenn Wien überhaupt jemals - jemals! also seit den Habsburgern! - legalistisch als Herrschaftszentrum verankert war, dann durch die personalistische Herrschaft in Tirol seit dem 14. Jhd. Das vielfach so genannte "Stammland Österreichs" (das Niederösterreich südlich der Donau) war nämlich schon territorialistisch. Was aber ist Österreich anderes als Wien-Tirol? Wenn es überhaupt jemals ein österreichisches Proprium gab, dann war es diese Achse. Tirol-Wien, Wien-Tirol. Und Tirol IST Südtirol.*


Alles Selbstsein eines Staates (ja, jedes Organs und jedes Organismus) beginnt bei seinen Außenverhältnissen. Bei der Außenpolitik. Und ein Staat beginnt wie endet bei jener Kultur- und Volksgrenze, wo der Wille zur Einheit, zum gemeinsamen höheren Selbstein beginnt wie endet. Österreich hat in seiner tiefsten Seele nie aufgehört, Südtirol als Teil seines Staatswillens zu sehen. Dort muß Politik, die sich so bezeichnet, also beginnen.**

Ja, es ist eine Herausforderung, und sicher nicht so leicht zu bewerkstelligen. Aber es muß das Ziel eines Österreich sein, das behaupten will, überhaupt ein Staat zu sein. Denn jeder Staat hat eine Sendung die viel weiter reicht als fette Sonntagsbraten zu garantieren. Das Zieren selbst der Südtiroler ist nämlich eine Reaktion auf die Verluschtheit österreichischer Politik seit Jahrzehnten. So einem Pruntzverein von Weichbirnen, als der sich Österreich seit vielen Jahrzehnten präsentiert, möchte ja nicht einmal Kleinmarkstetten an der Hirschach angehören. Sowas nimmt man nur notgedrungen nur auf sich.


*So wie Serbien am Amselfeld/Kosovoskie Polje beginnt.


**Der nächste Schritt muß Slowenien/Untersteiermark sein. Die einstige Untersteiermark ist ohne den künstlichen Apparat EU gar nicht lebensfähig. Das macht die katastrophale (nicht einmal: tragische) Verfehltheit einer Politik auch eines "so gutmeinenden" (aber eigentlich ahnungslosen) Außenministers Alois Mock (ÖVP) erahnbar, der sich die Füße wund rannte, um diese Staaten zur Selbständigkeit zu treiben, und damit katastrophale Fehlentwicklungen fast schon in den Status eines "too big to fail" setzte. 

Was wäre Österreich-williger weil zugehörigkeitseinsichtiger gewesen als ein Slowenien, das sich eben als Kleinstaat gegen die südlichen Begierden gar nicht wehren konnte, wenn es nicht in seine geschichtlichen Wurzeln zurückkehrte? Das gleiche läßt sich über die Krain und Triest sagen, übrigens mit die ältesten Gebiete eines "Österreich". Bis heute, ja heute mehr denn je, in ihren neuen Zugebilden gar nicht überlebensfähige Landschaften, blanke Opfer blinder Gier eines neugebildeten Territorial-Italien. Jeder heute spuckt auf die Faschisten. Aber ihre historischen Fehler und Mißgestaltungen zu korrigieren wagt niemand?





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Mittwoch, 4. Dezember 2013

Freiheit bedeutet Adel

Es ist nicht ohne Interessantheit, was Pirenne über die Entstehung des Adels schreibt. Immerhin ist Pirenne ein profunder Kenner der Materie.

Denn er meint, daß die Gleichsetzung der Bedeutung von "Adel" mit "Freier" im 10. Jhd. noch allgemein war. Sodaß JEDER, der FREI war, auch ADELIG war. In dieser Bedeutung ist es in die Zeit fortgewachsen. In den schneller als Deutschland sich entwickelnden Gesellschaften von Frankreich und den Niederlanden lebt das selbst in der Namensgebung - "de", oder "van", die von Deutschen als "Adelsprädikate" verstanden werden, in den betreffenden Ländern aber zum Teil sogar gar nicht - noch fort. Und in der Antike wurde er ohnehin nur so verstanden.

Nicht Adel bedeutet Freiheit - sondern Freiheit bedeutete Adel.

Nur der Umstand, daß viele, manchmal ein gesamte Bevölkerung, diese Freiheit aufgab oder aus wirtschaftlichen Gründen* aufgeben  mußte, und daß sich aus dieser Konzentration der Verantwortlichkeit auf immer weniger eine Art "Schichte" herausbildete, hat zu dem geführt, was in den deutschen Ländern den Begriff "Adel" nach heutigem Verständnis herausgebildet hat. Die Reduzierung der Freien war es also, die den Adel zu einem "Stand" machte.

Selbst, wenn man sagt, daß sich der Adel hier aus der Übernahme von Verwaltungsaufgaben, dort aus der Dienstpflicht zur Waffe - also dem direkten Dienst am König, am Staat - entwickelte, so ist soziologisch klar, daß es nur aus dem Bauernstand heraus, sowie aus der Schichte der römischen Beamten, die auch in unseren Ländern noch verblieben waren, zu solch einer Schichtenbildung kommen konnte. Wer wäre sonst dagewesen?

Aber ADEL und FREIER ist in seiner ursprünglichen Bedeutung synonym. Auf beide wurden die alten Rechtsgefüge des Familien- und Sippenrechts angewandt, sie waren rechtsfähig. Aus der faktischen Entwicklung heraus wurde dieses Recht aber zunehmend auf immer weniger anwendbar, und dieselbe faktische Entwicklung führte zur Erscheinung der "Leibeigenen".

Hier sei mit besonderer Innigkeit auf den Vergleich der Entwicklung in Bayern und Tirol hingewiesen. EIN Volk, eine Bevölkerung - ZWEI völlig unterschiedliche Entwicklungen! Die Tiroler, die bis heute sogar ihr Recht auf Waffentrage ("Schützenvereine") aus der Pflicht zur Landesverteidigung heraus bewahrt haben, waren immer FREI. Sie haben auch topographisch bedingt ihren Kampfgeist nie aufgegeben.** Im nur einen Bergkamm entfernten (und außerdem einfacher zu bewirtschaftenden) Bayern hat sich ein System der Großgrundbesitzer herausgebildet, in dem nur wenige diese ursprüngliche Freiheit behielten.



*Die mikroökonomischen Mechanismen einer Konzentration von Grund und Boden, dem Übergang vom Besitzer zum Pächter, sind vielfältig und komplex, und zu allen Zeiten und aller Orten recht ähnlicher Natur. Vor allem Ackerbauern (Kornfrüchte haben weit geringere absolute Spannen als etwa Viehzucht) waren davon betroffen. Nur einige der so häufigen Mißernten hintereinander, bei dem allgemeinem Geldmangel damals sowieso, und ein kleiner Landherr konnte ruiniert, in die Abhängigkeit genötigt sein, um zu überleben. Längerer Kriegsdienst, der jedem Freien oblag, hieß zudem längere Abwesenheit vom heimatlichen Hof, war damit doppelt belastend.

**Bis in die neueste Zeit hinein: Als im August 1915 Italien Österreich völlig überraschend iin Südtirol angriff, waren es rund 90.000 einfache Tiroler (an sich wehrunfähig erklärte) Bürger, vom Schüler bis zum invaliden Greis, die mit einfachsten Mitteln die vielfach überlegenen Angreifer wenigstens so lange gehemmt, bis nach drei, vier Wochen reguläre österreichische Truppen von der Ostfront herangeführt waren. Von den Kärntnern 1919 - gegen jugoslawische Truppen - ist nicht viel weniger zu sagen. Daß dies alles heute, in Zeiten, wo Freiheit überhaupt kein oder bestenfalls ein "ja, auch irgendwie" Wert mehr zu sein scheint, nicht mehr verstanden wird, wundert nicht. Wie früher, wird Wohlstand gegen Freiheit eingetauscht. Die Menschen waren immer gleich.





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Mittwoch, 13. November 2013

Der König hat nichts mehr zu sagen

Der Zerfall der Königs- und Zentralmacht, der Umbau Europas zu einer Feudalgesellschaft im 7. und 8. Jhd. vollzog sich enorm schnell und unter wechselseitig einwirkenden Bedingungen. Nachdem die Steuerleistungen - der Einfall des Islam im Mittelmeer hat das "Geld" verschwinden lassen weil den Handel mangels Austausch ausgetrocknet, und damit das Steueraufkommen ausgetrocknet - blieb den Königen nichts anderes übrig, als sich die Treue ihrer Edlen und Mächtigen durch Landzuweisungen zu sichern. Das waren schon zuvor die Besitzer großer Ländereien gewesen, denn nur sie waren in der Lage, wenigstens im Kleinen Ordnung aufrechtzuhalten, Recht zu garantieren. Die Könige konnten es nicht mehr, ihnen fehlten selbst die Geldmittel.

Das führte zu einer Kettenreaktion, denn fortan unterstellten sich mehr und mehr kleinere Grundbesitzer und Bauern oder sonstwie freie Menschen (von den zahlreichen Sklaven, Kolonen (Minderberechteten, an die Scholle Gebundenen) und Leibeigenen, die aus den antiken Vorzeiten noch da waren, gar nicht zu reden) gleichfalls einem Großen, einem Granden, einem Grafen. 

Denen binnen eines Jahrhunderts so viel Macht zufloß, daß der Raum königlichen Rechts in Europa schon im 8. Jhd. verschwindend gering wurde. Den Königen gingen regelrecht ihre Untertanen verloren. Je mächtiger diese Grafen und Großen wurden, desto schwieriger war es außerdem, sie an die Königsmacht zu binden. Und eine der "Zahlungen", um Ordnung aufrechtzuhalten, war, sie der Königsmacht gegenüber immun zu stellen. Königliche Beamte hatten auf ihren Ländereien nichts mehr zu sagen, sie waren uneingeschränkt Herren auf ihren Ländern. Und sie nützten diese Freiheit oft sehr zum Leidwesen ihrer Untertanen.* Recht war damit vom Charakter der Rechtssprechenden abhängig.




*Daß die (meisten) Tiroler Bauern "seit Menschengedenken" frei waren und sind - schon anders als fünfzig Kilometer nördlich, im flach werdenden Bayern - führt sich mit Gewißheit auf den Umstand zurück, daß sie sich immer selbst verteidigt hatten, diese Pflicht (die auch ein Recht wurde) nie abgegeben hatten, und bis heute in Resten (siehe: Tiroler Schützen) sogar bewahrt haben. Wozu ihnen sicher die Topographie zuhilfe kam, aber das tut nichts zur Sache. Erst Maria Theresie hat im 18. Jhd. dieses Recht brutal ignoriert und damit formell fast ausgelöscht, in dem noch eine Erinnerung an eine uralte Freiheit lebt, die keine historische Entwicklung endgültig beseitigen konnte.





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Samstag, 20. April 2013

Anpassungsgesetze

Die Frau ist weit mehr von der hergebrachten Sitte abhängig, als der Mann. Deshalb ist sie weit konservativer, als der Mann. Wandert eine Frau in einen anderen Landstrich, heiratet dort, so wird sie trotzdem die Sitte ihres Herkommens dort pflegen. Und sei es in der Küche des Hauses.* Während der Mann - von den Außenbeziehungen deutlich abhängiger - sich sehr rasch anpaßt. Heiratet ein Mann in einen entfernten Landstrich, merkt man bald nichts mehr von seinem Ursprung.

Als man in unseren Ländern den Familiennachzug als "Recht" festsetzte, hat man damit zugleich die Integration erheblich erschwert. Erst seither ist auch zu beobachten, daß Zuwanderer ihre fremden Sitten weiter pflegen. In Ländern mit hohen Zuwandererzahlen sind es deshalb die zugewanderten Frauen, die die prägenden Sitten verändern, in gewissem Sinn Integration also behindern. Besonders gilt das natürlich für Herkunftsländer oder -gruppen, wo die Integrität der Familie noch hohen Stellengrad hat.**





*Auch der Verfasser dieser Zeilen, mit einer Mutter aus der schon sehr böhmischen, an sich schlesischen Graftschaft Glatz, ist mit den Finessen böhmisch-schlesischer Küche aufgewachsen. Die wirkliche österreichische Kost war ihm immer fremd.

**Am Beispiel der Türkei läßt sich diese Tatsache als Mittel der Politik ausgezeichnet aufzeigen. Ihre "Waffe" waren die konservativen anatolischen Bauern, die nicht nur halb Europa, sondern auch Nordcypern binnen weniger Jahrzehnte zu Ländern mit völlig veränderter Sitte gemacht haben. Die wie im Falle von Nordcypern - der Verfasser dieser Zeilen verweist auf einige sehr erhellende Gespräche und Beobachtungen, die er anläßlich eines Aufenthalts dort geführt hat - die Einheimischen nicht nur aufgrund der zahl, sondern wegen völlig veränderter Sitten UND Sprachgebräuche zu Fremden im eigenen Land gemacht haben. Waren vor der türkischen Invasion auch die Nordcyperer in erster Linie Cyperer, nicht Türken, mit einer sehr eigen gefärbten, noch alten, nicht von Atatürk reformierten türkischen Sprache, sind sie heute eindeutig und zuerst Türken, mit der modernen türkischen Sprache und im Vergleich zu vor 1973 völlig veränderter Lebensweise. Erreicht wurde das durch die gezielte Zuwanderung von 150.000 anatolischen Bauern bzw. Familien. 
Mussolini hat im Falle von Südtirol dasselbe - mit süditalienischen Zuzüglern - praktiziert, um das Land zu italienisieren. Bozen ist heute eine italienische Stadt! Männer würden das niemals erreichen. 10 Jahre Besatzungszeit haben in Österreich nicht den winzigsten Rest an russischer Lebensart hinterlassen. Hier gab es nur Soldaten. Schaue man aber nach dem ehem. Ostdeutschland, wo auch deren Familien wohnten.
Es gäbe mit Sicherheit interessante Ergebnisse, einmal den Einfluß der amerikanischen Frauen in den besetzten Zonen Westdeutschlands auf die Amerikanisierung der deutschen Lebensart zu untersuchen.
Immerhin gibt es Beobachtungen und Schilderungen, wonach sich der Einfluß eines zugewanderten Großvaters bereits kaum noch nachweisen läßt. Eine zugewanderte Großmutter allerdings läßt sich noch nach vier Generationen in rückgelassenen und weitergepflegten Sitten nachweisen. 
Und man sollte sich dabei einmal Gedanken darüber machen, warum Mitochondrien - die weiblichen Zellkraftwerke - praktisch unbegrenzt in aller Generationenfolge nachweisbar sind, wie die Genetik mittlerweile weiß, während männliches Erbe nach mehr oder wenigen Generationen praktisch "aufgelöst" ist. Sucht man in der Paläpanthropologie Abstammungsverhältnisse, so sucht man nur noch nach weiblichen Zellbestandteilen.  






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Samstag, 26. November 2011

Schwere Versäumnisse - II

Teil 2) Gehen wir nicht diesen Weg, wird es Europa mehrfach zerreißen

So hätte zielgerichtete Außenpolitik aussehen müssen, und so müßte sie aussehen. Solange das nicht erkannt wird, wird es alle diese kleinen Staaten in der Spannung zwischen übermächtigem Zentralraum - EU, Weltgemeinschaft - und volkeigenen, "nationalen" Bedürfnissen zerreißen. Denn die Aufgaben sind so nicht lösbar, jeder Staat für sich gestellt stößt immer wieder auf eigentlich unlösbare Schwierigkeiten, weil die Probleme, die er ausgelöst hat, immer die falschen Ebenen betreffen. Ebenen, für die im Lande keine Strukturen da sind, nie waren wie nie sein werden.

Diese Staaten sind auch heute was sie sind, weil sie einen gewissen Weg gegangen sind, den man nicht einfach vergessen, auslöschen kann. Alle diese Länder sind in solchen übergroßen Strukturen aber ständig an den Rand des Abgrunds gedrängt, wo ihnen nur als Lösung bleibt: Überleben, aber totale Unterwerfung.

Zum Gegenbeweis kann die alle diese Länder gleichermaßen betreffende Problematik der jeweiligen Außenpolitik hergenommen werden, wo nur die Tschechei einen "Ausweg" insofern gesucht und gefunden hat, der übrigens historisch fast traditionell ist: durch eine starke Anlehnung an die USA hat dieses Land eine kleine Hintertür der starken zentraleuropäischen, aber damit vor allem deutschen Vorherrschaft geschaffen. An den Wirtschaftszahlen aber läßt sich deutlich absehen, daß eben dieser geographische Raum zu einem Hinterhof Deutschlands heruntergekommen ist. Auch das ist historisch absolut nicht einmalig, sondern nachvollziehbar gewachsen bzw. verursacht. Passiert nichts, wird der Konflikt sich erneut auf dasselbe alte und ungelöste Thema zuspitzen: Deutschland gegen England und Frankreich! Beide Länder können sich seit Jahrhunderten nicht mehr anders helfen, als Europa zu schwächen, um selbst zu überleben, angesichts eines unvermeidlich übermächtigen Deutschland.

Christoph Steding hat es in seiner Studie "Das Reich und die Krankheit der europäischen Kultur" 1937 überzeugend nachgewiesen (wenn auch mit anderen Schlußfolgerungen beendet): Europa pendelt seit vielen Jahrhunderten zwischen dieser Logik, wonach ein starkes Deutschland ein schwaches Westeuropa, und umgekehrt, bewirkt.*

Dafür gibt es nur einen Ausweg, und er ist historisch-politisch so logisch, daß alle Probleme, die diese Länder haben, damit weitgehend erklärbar sind, ob wirtschaftlich, ob kulturell, ob innenpolitisch wie außenpolitisch (so sehr diese beiden Bereiche nämlich zusammenhängen): wenn jeder dieser Staaten begönne, sich erst einmal um die regionalen, zentraleuropäischen Aufgaben und Nachbarn zu kümmern, um so die notwendige und richtige Symbiotik, Verwachsenheit im Nahraum zu erreichen. Um dann die nächsten Schritte anzugehen.


Daß die EU selbst sich in Hinblick auf diese Logik, die ja mehr Staaten und Räume betrifft (man denke da nur an das Baltikum mit Polen und Weißrußland, mit assozieerten Räumen in der Ukraine und in Rußland selbst; man denke an den Balkan, Räume, die allesamt ähnlich gelagerte Probleme haben, die Pleite Griechenlands hat ihre Wurzeln GENAU DORT: im inadäquaten Anspruchspartner), zwar neu adaptieren müßte, zugleich aber in einer Strukturreform weit besser aufgestellt wäre, als sie es derzeit ist, würde ihr en passent einen weiteren Vorteil verschaffen: sie hätte endlich jene Hände (weil den Rücken) frei, der sie die Aufgabe erfüllen ließe, zu der sie einzig - ich betone: einzig! - sinnvoll (und da wäre sie es wirklich) ist: um Europa im weltweiten Konzert seine angestammte und gleichfalls historisch gewachsene Rolle spielen zu lassen.

Denn die Welt leidet am selben Syndrom: es fehlt ihr jede Struktur, weil ihr jener Kopf, der ihr alle diese Ideen gab, die heute ihren Geist bestimmen, aber zu reinen Logizismen verkommen, weil ihr der Repräsentant abhanden gekommen ist. Man denke nur an Afrika! Ideen aber, Geist, lebt nur personal, persönlich, nicht als mathematische Formel und Funktion.



*Mit einer interessanten historischen Tatsache: daß es immer der schweizer-allemannische Raum war - Baseler Raum, Elsaß, Rheingebiet -  der die Stärke Deutschlands von innen her bestimmte, oder aushebelte. In gewisser Hinsicht könnte man die Habsburger (Freiburg!) als Bestätigung dieser These betrachten: die Wahl Rudolfs von Habsburg zum deutschen König und Kaiser des Römischen Reichs 1278 erfolgte ... um einen starken zentraleuropäischen Raum zu vermeiden, der sich in Ottokar von Böhmen längst zu bilden angeschickt hatte, der in Wahrheit jene Mission verfolgte, die ihm die Habsburger dann aus der Hand nahmen, UND um ein starkes Deutschland zu verhindern.

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Freitag, 25. November 2011

Schwere Versäumnisse - I

Allmählich wird immer sichtbarer, was an Außenpolitik im zentraleuropäischen Raum - und ich spreche von jenem Raum, der 1918 zerschlagen worden ist, geographisch also vom Raum der ehemaligen Monarchie - v. a. seit 1945 versäumt worden ist. Und ich meine da vor allem Österreich, aber es betrifft alle übrigen Länder der ehemaligen Donaumonarchie.

Zerschlagen in lauter Kleinstaaten, steht diesen Kleinstaaten nur eine große, übermächtige EU-Ebene gegenüber, und jeder dieser Staaten muß sich politisch nach der Pfeife Brüssels richten, das völlig logisch zu einer Hierarchie wird, an deren Spitze Deutschland steht, auch wenn Frankreich noch so tut, als könne und wolle es mithalten. Damit bauen sich in Europa dieselben Spannungen auf, die bereits im 19. Jahrhundert jene Pulversituation bewirkt haben, an der das Faß ab 1914 bis 1945 auseinanderflog - die Situation eines harmonischen Kräftespiels am Kontinent.

Es geht gar nicht um eine Wiedererrichtung der Monarchie, auch wenn diese als Konzept für alle betroffenen Staaten politisch das einzig Vernünftige wäre - aber reden wir von Österreich, Tschechei, Slowakei, Ungarn, Slowenien, Kroatien, und reden wir von "assoziierten Gebieten", wie der Westukraine und Siebenbürgen, denn als Ganzes wären diese Länder (die Ukraine wäre zu groß, zu inhomogen, Rumänien und Bulgarien wären allerdings überlegenswerte Kandidaten in einem späteren Stadium) und natürlich ... Südtirol und den Triestiner Raum. Hier ist ein historisch und kulturell homogener Lebensraum, in dem seine momentane kulturelle Gestalt historisch so gewachsen ist, daß er auf ein Ganzes hinzielt, bzw. aus diesem herauswuchs.

Das hätte auch anders kommen können, gewiß, aber es ist so gekommen, und in dieser Konstellation ist dieser Raum gewachsen, mit einer wirklich eigenen Kultur, mit ganz realen wirtschaftlichen und persönlichen Symbiosen: unsere momentanen Strukturen sind, ob wir das wollen oder nicht, aufeinander zu gewachsen und NUR miteinander das, geworden, was sie heute sind. Es ist deshalb regelrecht sinnlos so zu tun, als könnte sich für jeden dieser Staaten ein eigenes Profil, ein eigenes Szenario des Weiterlebens entwickeln. Alles das sind Notlösungen, und sie entsprechen nicht den wirklichen Gegebenheiten und Bedürfnissen.

Otto v. Habsburg hat deshalb immer wieder sehr richtig von einer "historischen Mission" Österreichs gesprochen, und er hat genau das damit angesprochen. Diese Rolle hätte Österreich ausfüllen müssen, sie hätte uns Identität gegeben, und es wird uns auch keine andere Rolle Identität geben, so sehr wir uns auch bemühen, "selber" zu einer solche zu kommen - Identität hat mit Außenbeziehungen zu tun. Wenn wir aber dieses "für andere" umlügen wollen, umdeuten wollen, weil uns die wirkliche Baustelle zu mühsam ist, die auch wir mit angerichtet haben - es bedürfte da durchaus einer Aufarbeiten der historischen Schuld der Habsburger, denen Familienpolitik oft genug mehr wert war als Staatspolitik -

Natürlich hat es diese außenpolitischen Ansätze immer gegeben, ich erinnere an Erhard Busek, der gleichfalls immer von diesem zentralen europäischen Raum sprach, und der damit der letzte relevante Politiker Österreichs war, der dies thematisierte. (Wobei Busek sogar - allerdings in unbedeutenden Funktionen - an solchen Assoziationskörperschaften arbeitet, so sehr Busek selbst fragwürdige Gestalt ist.)

Dann, aus diesem geeinten Zentralraum heraus, wo mit Augenmaß und im Nahverhältnis alle jene Probleme gelöst werden können, die nur in jeweils stufenweise sich erweiternden Nahkreisen gelöst werden können, dann erst kann der nächste Schritt getan werden, der Zusammenschluß mit dem nächst weiteren Kreis, und damit erst sind wir bei der EU angelangt. Und aus dieser heraus erst kann es in Weltverbände gehen.

Morgen_ Teil 2) Gehen wir nicht diesen Weg, wird es Europa mehrfach zerreißen


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