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Montag, 27. November 2023

Gruß aus der Küche

Eine Passage, an der in den letzten Tagen gearbeitte wurde, al undals Gruß voim Koch,. Einige Seiten aus dem Roman, der auf mittlerweile über 700 Seiten angewachsen ist. Ein Ende ist nciht absehbar, die Figuren hören nicht auf, zu fordern. 

Ausschnitt aus Buch 2, Seite 476 ff.

Was jetzt natürlich genau umgekehrt war. Aber ich wollte nichts sagen, sie war so stolz.Gut. Ich fuhr an. Die Kebaps waren sowieso schon kalt. Und sie war am glücklichsten, wenn sie sie die Augen schließen und den Kopf auf meine Schulter legen konnte.
Da vorne links?
Sie nickte.
Und die nächste rechts?
Sie nickte.

Donnerstag, 17. Dezember 2020

Prinzipieller als geplant, weniger überzeugend als gedacht

Dieses Video des in New York arbeitenden, per Staatszugehörigkeit aber österreichischen Impfexperten, des Vaccinologen Dr. Florian Krammer, wurde dem VdZ dieser Tage von Leser P zugespielt. 

Denn es sei, so die Meinung des Absenders, doch zu 95 Prozent überzeugend! 

Die Antwort, zu der sich der VdZ kurzfristig so angeregt fand, daß er (wie schon so manches Mal) seinen Tagesplan umstieß, um sich den damit zusammenhängenden Fragen zu widmen (was er eigentlich gar nie vorgehabt hätte) ist denn doch so prinzipiell entwickelt, daß er sich auf Drängen von Leser R, an dem sich der VdZ ratsuchend wandte, dazu entschloß, sie auch dem Leser zur Verfügung zu stellen. Denn sie berührt grosso modo Fragen zu Impfung und Immunsystem in Zeiten der Corona, in denen so manche derzeit um Antworten ringen.*

"Überzeugt wovon? Weil man dann weiß, wie bestimmte und selbst innerhalb des Zellgeschehens isoliert betrachtete Abläufe funktionieren? Dazu hätte genügt, vor zwanzig Jahren "Helena" zu lesen, wo ich diese Mechanismen durch die Figur des Dr. Estlect in den abstrakten Vorgängen erklären lasse (wo der das Immunsystem in den größeren Rahmen der Seele stellt) oder vor zehn Jahren die Blogbeiträge, die ich aus der Befassung mit dem Syphilis-Erreger verfaßt habe, in denen ich mich besonders mit dem Aspekt der Steuerungsübernahme eines Eindringlings beschäftigt habe. 

Denn hier haben wir es mit dem Spezifikum des Gefährdungsgeschehens wie des Abwehrverhaltens als Moment der Persönlichkeit zu tun. (Grob auf die Spitze gebracht: Eine ganz heilige Frau wie die Gottesmutter war sicher nie krank.) Oder aber auch die Ausführungen von Sucharit Bhakdi oder des Clemens Arvay, die genau das virale Geschehen sehr gut (nur etwas anders betont, und spezifich auf Corona gemünzt) beschrieben haben. Ohne deren Randunschärfen zu übersehen, wo Medizin mit Weltanschauung und damit Anthropologie zusammenstößt. 

Aber diese alle sind eben keine bloßen Techniker. Und die eigentliche Problematik - weder der Corona-"Pandemie" noch der Impfung - wird von Technikern, zu denen dieser Krammer genau so wie dieser Nowotny (der ist, wie so viele Ärzte sind) gehört, nicht berührt. Deren Metier immer nur Ablaufoptimierung eines enthusiastisch verfolgten Technizismus und völlig analog zur Magie ist. 

Schon gar, weil er die Welt des manipulierten Geschehens künstlich setzt und isolierte Abläufe behauptet. Ginge es aber so, dann wäre nicht erklärbar, wie es unerwünschte Nebenwirkungen oder sogar richtige Opfer von Impfungen gibt. Man denke nur an die Impfung in der "Schweinegrippe-Pandemie" vor einigen Jahren, mit hunderten schwerst Geschädigten.

Spätestens jetzt sind wir damit beim auch von Dir konzedierten moralischen Problem von Impfungen angelangt. Das keine Frage von Impftechnikern sein kann, denn sonst hätte auch dieser Krammer einen anderen Beruf gewählt. Wobei er sogar innerhalb dieses Videos beträchtliche Ungenauigkeiten aufweist, die er gefließentlich so übergeht, als spielten sie keine Rolle. Man achte alleine auf seine Sprache.

Denn was heißt es, wenn Krammer bei Minute 28'18 "man weiß, daß diese [Impfungen] relativ gut funktionieren" sagt? Relativ gut? Ist das nicht exakt eines (!) der echten Probleme mit Impfungen? Und das ist nur ein Beispiel aus etlichen, die man beim Anhören seiner Ausführungen anführen könnte. Wozu ich mir das alles aber noch einmal und nur unter diesem Gesichtspunkt von Logik und rationaler Redlichkeit (=Sprache) ansehen müßte, wofür mir aber Zeit und Muße fehlt. 

Dabei bin ich gar kein "prinzipieller Impfgegner". Ich halte aber deren Anwendung für in so hohem Maß auf stets individuell zu erwägende Grenzbereiche beschränkt, daß ich den "allgemeinen Vorbehalt" der "Impfleugner" eher durchgehen lasse als generelle Impfbejahung, die meist plumper Teil einer mechanistischen, materialistischen Anthropologie ist. 

Samt der Ansicht, daß (wenn schon, dann eher) die Medizin genau als Sanierungstechnik ihre "Berechtigung" hätte, sodaß ich deren frühere Nähe zu Berufen wie dem des Baders und Barbiers für sachgemäßer halte als so manche heutige Einschätzung.

So nebenbei halte ich auch Bhakdis Befürchtung auf eine Auto-Immunreaktion durch RNA-Impfstoffe für ziemlich berechtigt. Der es genauso erklärt, wie Krammer in diesem Video. Der diesen Aspekt natürlich auch nicht - nicht einmal ansatzweise - nennt. Dabei liegt er gerade bei diesem Video auf der Hand. Wenn Zellen Partikel herstellen, die dem des Virus gleich sind, steht doch nach meinem schlichten Denken zu befürchten, daß diese Zellen vom übrigen Immunsystem als "Feind" erkannt werden. 

Schon innerhalb der Zelle entsteht doch das Problem eines "anderen", weil der Zellkern doch um Gotteswillen nicht isoliert in der Zelle sein Dasein fristet, sondern sämtliche Bestandteile der Zelle "informiert". Plötzlich aber hat er in diesem Bereich einen die Herrschaft ergreifenden Widerspruch, um das Geschehen simpel zu erklären, der auf jede Schwäche des Kerns in seinem Streben nach Information des ihm zugewiesenen Bereichs sofort mit Invasion reagiert. 

Natürlich kann das menschliche Genom nicht durch eine RNA-Implantation verändert werden. Das verhindert schon die ontologische Tatsache, die davon ausgeht, daß die Idee, also das archetypische Idealbild einer Zelle im Zellkern seine erste Verfleischlichung hat, und der sich dem Idealbild gemäß formt. (Das ist der Grund, warum - O-Ton Krammer - eine Veränderung der DNA der menschlichen Zelle "Blödsinn, also extrem unwahrscheinlich" ist. 

Ist etwas, das extrem unwahrscheinlich ist, nun tatsächlich "Blödsinn? Immerhin findet nun diese Idee, die "aus Liebe" zur Inkarnation drängt, schon an seiner Türschwelle zur Welthaftigkeit als Fleisch, als Leib, das erste Hindernis einer zu überwindenden Fremdheit. Was das für Auswirkungen hat kann beim besten Willen niemand vorhersagen. Nicht zuletzt auch nicht Krammer, der das nur für "extrem unwahrscheinlich" hält. 

Und by the way Dr. Bhakdi gar nicht widerspricht, der nichts anderes als Krammer sagt, es nur anders bewertet: Daß es dazu keine wirklich relevanten Studien gäbe. Die erst relevant sind, wenn sie weit größeren Umfang haben als die bereits "durchgeführten". Vorher sind sie bestenfalls "grob hinweisend", aber keine "Studien", auf die sich eine verantwortungsbewußte Einschätzung für einen Einsatz im Rahmen einer Impfkampagne beziehen dürfte.

Und zwar aus Seinszustand, nicht aus "Wollen". Denn ein Virus ist kein Lebewesen, das etwas aktiv anzielen kann. Reine Materia kann nur Konstellationen in Beziehungen mehr oder weniger entsprechen, die aktiv aber nur von Lebendem angestrebt werden können. Ein Virus kann damit auch nicht "versuchen" oder "anstreben", wie Krammer die Worte wählt. Womit er, nimmt man es so, sogar von der Art und Weise zu erkennen gibt, wie er die Aktiv-Passiv-Rolle in biologischem Geschehen einschätzt. 

Wobei ich ja noch weitergreife und Allergien keineswegs als "rein körperlichen Nebeneffekt" sehe, sondern aus der Leib-Seele-Ganzheit des Menschen, aus der Bedeutung des Fleisches in dieser Ganzheit, tatsächlich auch Probleme für das Erkennen des Allergikers und seiner geistig-seelischen Tätigkeit damit verbunden sehe.

Man kann, meine ich, doch ganz sicher nicht bestreiten, daß körperliche Zustände eine Wirkung auf den Erkenntnisstand eines Menschen (als Sein in der Wahrheit) haben. Sodaß eben Jesus Christus (und die Gottesmutter) auch "ganz schön" waren, also auch ganz vollkommen in der leiblichen Gestalt. 

Und das ist nicht ohne Bedeutung für einen Gott-Menschen, der von sich sagt, er sei "Weg - Wahrheit - Leben". Der ja sogar in der von außen zugefügten Beschädigung des Leibes (in Folterung und Zu-Tode-Bringung) jenen Akt sah, in dem er die Welt erlöste. Es ist eben nicht bedeutungslos, daß er dann leiblich auferstanden und sogar leiblich in den Himmel aufgefahren ist. Aber zumindest darin werden wir ja wohl kaum Meinungsdivergenzen haben.

Nachtrag: Wer sich noch näher mit der vor wenigen Tagen von der FDA - Federal Drugs Association, (Staatliche Zulassungsinstanz für Medikamente und Impfstoffe in den USA) veröffentlichten Studie über den Covid19-Impfstoff von Pfizer/BioNtech auseinandersetzen möchte, dabei auch deren Ungenauigkeiten nicht übergangen wissen möchte, dem sei wie so oft in der Corona-Angelegenheit die Seite von William M. Briggs empfohlen. Auf der der Statistiker und Theologe sich gründlich damit auseinandersetzt. 

Fazit? Kein Arzt, kein Mediziner, kein Pharmazeut kann entscheiden, ob eine Impfung für eine Bevölkerung gut oder gar notwendig ist - oder nicht.

Jeder muß FÜR SICH die Entscheidung treffen, ob er sich impfen läßt oder nicht. Und dabei um die möglichen Gefahren und Nebenwirkungen wissen, denn die gibt es in jedem Fall. Impferfolge sind nämlich IMMER STATISTISCHE ERGEBNISSE einer Abwägung MÖGLICHER NUTZEN gegen MÖGLICHE SCHÄDEN. Dort (aber nicht alleine dort) setzt dann eine ethische Bewertung an.

Dabei lassen wir (wie Briggs) die hier nicht klärbare Frage aus, ob für diesen Impfstoff tatsächlich Zellmaterial abgetriebener Föten verwendet wird. UND wir lassen aus, ob überhaupt vom Coronavirus eine generelle Gefahr ausgeht, die angeraten sein läßt, ihn als größere Gefahr zu sehen als (sagen wir) über die Straße zu gehen, oder an der jährlichen Grippe zu erkranken.


*1:21 Zur Person Florian Krammer 3:47 Coronaviren & SARS-COV2 allgemein 10:36 Infektion & Immunantwort 7:49 Arten von Impfstoffen 29:07 mRNA Impfstoffe 37:33 Prozess der Impfstoff-Entwicklung und -Zulassung 51:54 Zahlen zu den aktuellen Impfstoffkandidaten 57:29 Sicherheit & Impfschäden 1:07:37 Reaktogenität (Nebenwirkungen) 1:09:15 Produktion, Verteilung, Administration, Aufbau der Immunität 1:11:45 Schutz vor Krankheit vs. Schutz vor Infektion 1:15:15 Wie lange hält der Schutz an 1:16:33 Zusammenfassung


*141220*

Montag, 6. Oktober 2014

Wirklichkeit ist immer zeitlos (2)

Teil 2) Der Traum, Alkohol und Masturbation




Was aber im Zeitlosen bleibt, hat keine Gestalt, und es ist deshalb nicht (direkt) sinnlich erkennbar. Das im Traum "Gesehene" ist also das aus der unbewußten Phantasietätigkeit zum nur Gefühlten Hinzugefügte. Das Wahrgenommene wird durch das Gewußte ersetzt, sieht man von jenen Bereichen und Fällen ab, in denen sich die reale Alltagswelt - als Geflecht von Gestalten, von realen Körpern, und damit von Zeit und Raum - bereits einzumischen beginnt. (Der Mensch bleibt ja auch im Traum realer, auf einem Bett, in einem Zimmer etc. liegender Körper.) Deshalb werden die meisten Träume wie in der Dämmerung wahrgenommen, in der sich ja jeden Tag neu die Welt auszublenden beginnt.

Umgekehrt braucht der Mensch dieses ungehemmte Aufsteigen des in ihm Wirkenden, das sich nur sichtbar machen kann, wenn es sich an den Strukturen der Persönlichkeit im Wachsein, eingebunden in dieses Weltgeflecht, vorbei zur Kenntnis bringt. An ihrem Ort, zu ihrer Zeit. Denn jedes Alltagsgeflecht ist immer mangelhaft. So tritt er mit einem Paket an Erfahrenem als Aufgabe im nächsten Aufwachen in die Welt hinein - als Welt, und als Aufgabe. (Schlafentzug wirkt deshalb direkt dissoziierend.) Als einer der Pole, zwischen denen sich Menschsein erst vollziehen kann. Hier hat jede Kulturdroge (in gewissem Sinn, zumindest in ihrer Intention, auch Zustände wie Trance) ihren sehr berechtigten, ja notwendigen Platz.**

Aber die Welt des Menschen ist Gestalt. Der Mensch träumt also immer im Rahmen seines Seins, im Rahmen seiner wirklichen Wirklichkeit, in ihren Berührungspunkten mit der begegnenden wirklichen Wirklichkeit. Traum ist deshalb Gespräch.
 



**Sieht man von möglichen Ausnahmefällen ab - dem VdZ fällt hier nur höchste Heiligkeit ein - ist deshalb zu Vorsicht vor allen jenen geraten, die jede Kulturdroge, deren Wesen Steuerung und rechte Platzzuweisung ist, strikt ablehnen. Fanatismus ist nur eines der Gesichter, die solcher Puritanismus zeigt. Aber erst in dieser (temorären) umhegten Selbstauflösung kann sich Neues zeigen und geboren werden. Deshalb ist der kultische Wert des Weines, wie er alle Kulturen zu allen Zeiten kennzeichnete, mehr als logisch. Ohne diese temporäre, partielle Selbstauflösung kann Kultur gar nicht geschaffen werden, sie bleibt ein immer enger werdendes menschliches Konstrukt. Das Weinverbot im Islam erzählt also eigentlich viel mehr, als manchem lieb sein mag, und beleuchtet vieles an seiner Geschichte.

Gleichzeitig erhellt sich aus dieser Perspektive viel über den Alkoholiker. Der meist schon aus Disposition der Schwäche, der fehlenden seelischen Spannkraft (und hier soll nicht von "Schuld" gesprochen werden), das Alltagsgeflecht in einer selbst getragenen Ordnung nicht zu ertragen vermag. (Das gilt auch für Zeiten starker Bedrückung, die die normale Fassungskraft überbeanspruchen.) Wie im Fall des Drogensüchtigen noch deutlicher wird, schwächt er so Disponierte oder Präparierte aber damit erneut seine Fassungskraft, und gerät in einen spiralförmigen Abwärtssog. Sinngemäß gilt dieser Hinweis natürlich auch für Partialspannungen (man denke an die Masturbation, oder an ungehemmten Sex, logische Folge eines Zerfalls der Repräsentationskraft von institutionalisierten Partnerschaften, bei gleichzeitig hohem und vom Einzelnen zu wenig verhinderten Niveau an Anregung - auch das eine spiralförmige Bewegung). 





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Sonntag, 5. Oktober 2014

Wirklichkeit ist immer zeitlos (1)

Der faszinierendste Aspekt des Träumens ist, daß in ihm die Wirklichkeit der Welt zur Reinform kommt. Denn wenn im Traum Sprünge über Raum und Zeit keine Rolle spielen, so zeigt sich darin das wirklich Bewegende: als immer Gegenwärtiges, Wirkendes, zeigt sich das Wesen der Wirklichkeit.

Während sich im Alltag, im wachen Bewußtsein, die Verflechtung an das Hintereinander zeigt, das sich jeweils einen Raum schafft bzw. diesen hat. Dort muß es im Nachdenken, im Durchdringen des Vereinzelten auf seine Grundzüge reduziert werden, um so zur Wirklichkeit von Geschehnissen zu gelangen.

Darin liegt das Wesen der dramatischen Dichtung begründet. Die genau das tut. Und damit die Welt der zeitlich und räumlich gebundenen Erscheinungen auf das Ihnen zugrundeliegende führt, das an sich keine Zeit und keinen Raum kennt. Sich aber zur Gestaltwerdung in diese hinein entfalten muß. Ohne diese Auseinanderfaltung gienge es nicht. Aber in ihr zeigt sich nur jeweils im Ringen und Anpochen, was zur Reingestalt kommen will. Das Drama legt es frei, stellt es dar, als Ergebnis des Ordnens der zuerst wie freie Assoziationen auftauchenden Einzelerscheinungen, die sich erst in Teilbündeln finden, ehe sie zum Insgesamt zusammenfaßbar weil im Einzelnen vom Einzelnen geläutert werden.

Spiel der Assoziationen wie im Traum. Dem allerdings die konkrete Gestalt fehlt, der im Gefühl bleibt bzw. aus diesem auftaucht. Der Punkt, von dem aus die andrängenden, jeweils aber zeitlosen Wirklichkeiten geordnet und gereiht und bewertet werden können. Im Traum zu verharren würde deshalb heißen, die Welt zu verlieren. Eine Erscheinung, wie sie in extremis dem Schizophrenen eigen ist. Und sämtlichen (auch temporären) Dissoziationserscheinungen, etwa im Drogenrausch, aber auch dem (immer entwicklungsbedürftigen) Kind* vergleichbar. Als Unfähigkeit zur Gliederung in Sinn, die heute in so mannigfachen Formen auftreten, als Folge der Auflösung (bzw. Verweigerung) der Identität. 



Morgen Teil 2) Der Traum, Alkohol und Masturbation



*Nur insofern kann man von der Wahrheit des Kindermunds sprechen, und insofern spricht man auch von der Wahrheit des Berauschten. Denn natürlich kann diese Ungeordnetheit, in der sich diese äußern, sogar verborgene oder verheimlichte Wahrheiten - als Hilfestellung - ans Tageslicht bringen. In allen Gefahren, auch jener, ein vorhandenes Interpretationsnetz zu sprengen und den Menschen erst recht in Unordnung zu versetzen.

Anderseits zeigt es Unreife von Persönlichkeit, Werkunfähigkeit, solche frei aufsteigende Assoziationen oder Antriebe ungeordnet abzusondern. Vieles also, was man heute zurecht als allgemeine Unhöflichkeit beklagt - und es ist längst eine allgemeine Erscheinung - ist in Wahrheit Vorstadium zu einer dissoziativen Persönlichkeitserkrankung. Es ist tragisch und Folge von Dummheit, daß diese Erkrankung (in egal welchem Stadium) heute sogar oft noch als "(Hoch-)Begabung" dargestellt wird.




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Sonntag, 16. Dezember 2012

Im Zeigen von Pornographie

Was Peter Nadas in einem längeren Gespräch mit dem Schweizer Fernsehen sagt, ist ein ähnlicher, wenn nicht gleicher Ansatz, den der Verfasser dieser Zeilen für seinen Roman "Helena" gewählt hat. Nadas wurde gefragt, warum die Sex-Szenen in seinem Opus Magnum "Parallelgeschichten" so deutlich ausgeführt wurden. Sodaß ihm sogar Pornographie vorgeworfen wurde - ähnlich wie dem Verfasser dieser Zeilen bei seinem Roman "Helena, oder: Das Gute ist was bleibt".

Nadas meint, daß er wie ein Wissenschaftler daran gegangen sei, eine These zu verifizieren - oder zu falsifizieren. Und seine These war, daß die Liebe in Zeiten der Diktatur immer frei bleibt. Aber er habe zur Kenntnis nehmen müssen, daß je näher er die Liebe untersuchte, dies auch in der Liebe nicht der Fall ist.

Diesen nihilistischen Standpunkt freilich - Nadas sieht sich unter dem starken Einfluß von Hegel - kann der Verfasser dieser Zeilen nicht teilen. Die Explizitheit der Sexualität in manchen Passagen sollte vielmehr zeigen, daß die Sache nur auf sich beschränkt keinen Ausweg kennt. Sie enthält aus sich heraus keine Erlösungskraft, sondern macht sogar unfrei. Bliebe man auf diesem Punkt stehen, würde Nadas zuzustimmen sein. Nádas sieht jede Theologie oder Philosophie, die sich - Nádas bezieht es auf Auschwitz - nicht auf diese Erschütterung bezieht, für nichtig. Das erklärt sich deutlich genug.

Aber es gehört eben zum Humanen, zum Menschen, daß sich das Maß seiner Freiheit nicht aus der Beschränkung auf fleischliche Vorgänge definiert, sondern daß das Leben selbst im Maß seiner Geistigkeit zur Entfaltung kommt. Damit wird jede bloße Leiblichkeit einerseits relativiert, sie bleibt nicht alles, wenn auch der Ort der wesentlichen Auseinandersetzung, also keineswegs ontologisch gesehen gleichgültig - sie ist vom Seelischen, Geistigen nicht zu trennen. Insofern ist die leibliche Erlösung das eigentliche Geschehen des Heils, das der mensch sucht, und er weiß in dieser Suche sogar darum, das kann man in ihr tatsächlich sehen.

Auf bloße körperliche, material-objektive Vorgänge reduziert, bleibt von der Liebe aber tatsächlich nichts, nicht einmal Befriedigung, und eine für sich gesehene Sexualität hört nicht auf, zu suchen. Was ihr die eigentümliche Dynamik verleiht - das immer mehr, immer wilder, immer auslotender, immer grenzenloser, letztlich immer zerstörerischer.

Als Kristallisationspunkt geistig-seelischen Lebens aber gliedert sie sich in ihrer rein fleischlichen Natur nahtlos in das ein, was eigentlich erst Leben zu nennen wäre. Das keineswegs in rein materialistischen Vorgängen erschöpft ist, sondern im Gegenteil, diese zum Ausdruck der geist-seelischen Verfaßtheit des Menschen, von dem seine Sexualität sogar ausgeht, macht.

Das zu zeigen sind Nadas sowie der Autor dieser Zeilen denselben Weg gegangen: sich der puren, gewissermaßen wissenschaftlich objektivierten "Realität" des fleischlichen Aktes zu stellen, ihn ungeschminkt vor Augen zu stellen, gerade unter den Blickpunkten, die dem heutigen Menschen vertraut sind. Nádas bezieht darin ja sogar die Homosexualität mit ein. Mit demselben Ergebnis, das sich aus dieser Betrachtung folgerichtig ergibt: aus sich selbst heraus birgt der körperliche Akt keine Erlösung, keine Gemeinschaft, nicht einmal Befriedigung. Für Nádas leben alle Menschen deshalb in Paralleluniversen - parallel.

Aber während Nadas bei dieser Ernüchterung stehenbleibt, fand der Verfasser dieser Zeilen Ausweg und Sinn. Sodaß die pure leibliche Sexualität ihren Weg aus der Unfreiheit aus sich selbst heraus anbietet - indem ihre Ausweglosigkeit erfahrbar wird. Diese Katharsis herauszuarbeiten war die (häufig mißverstandene) Aufgabe von "Helena", die also auch keine Mißbrauchsgeschichte ist, unter der das Buch ebenfalls gerne summiert wurde. Die nämlichen Stellen (bei weitem freilich nicht so ausführlich wie bei Nádas) SIND also nicht Pornographie, sondern sie ZEIGEN und thematisieren das Wesen der Pornographie. Daß der Leser auch Pornographie daraus entnehmen kann, liegt an ihm. Aber wie in der paradoxen Intention wird gerade in der Vertiefung dieser (verirrten, perspektivelosen) Suche nach Inhalt im bloß Körperlichen seine Ausweglosigkeit gezeigt werden.

Wo der Leser die Wirkungen dieser Explizitheiten erfährt, erfährt er somit auch seine eigene Verfaßtheit, in aller Gefährdung zur Unfreiheit, die ja eine Ich-Spaltung ist. Dies soll ihm damit erkennbar werden, indem er erfährt, daß er sich zu sich selbst verhalten kann. Daß Sexualität nicht einfach für sich steht, in jedem Fall Teil seiner Selbst ist, sondern gerade zum Gegenteil werden kann: Ort der Selbstentfremdung weil Wesensverfehlung. Die vielleicht wesentlichste Erfahrung in der Diskussion um die Rolle der Sexualität. Nádas lehnt ja, als Hegelianer, dieses Wesen als Eidos, als zu Erfüllendes, als allem Menschen Vorausgehendes, ab, es ist ihm (wie heute meist) relativ, bloß historisch definiert. Darin unterscheidet sich seine Sichtweise fundamental von der des Verfassers von "Helena".

Nur geht Nádas nicht über das Faktische hinaus, die Welt ist in ihm ausdefiniert. Ja, er stößt mit der Nase auf etwas, das ihm entgeht: Gerade in diesem In-sich-bleiben der körperlichen Welt, das sich mehr und mehr steigern muß, zeigt sich die deutlichste Parallele zum Judenvernichtungswahn des Hitler-Regimes! Je mehr die Situation Deutschlands gefährdet wurde, je näher die Endkatastrophe rückte, desto exzessiver wurde der Fanatismus der "Endlösung". Die Vernichtung der Körperlichkeit der Juden, die aber das entscheidende Problem des Hitler-Regimes nicht lösen konnte, wurde in dem Maß grenzenlos, als die Kriegslage aussichtslos war. Die Lösung lag also nicht im Körper!

Freilich, in diesem durchaus "brutal-realistischen" Aufzeigen ist dieser Weg beider, Nádas' wie des Verfassers dieser Zeilen, auch höchst aktuell. Er scheidet sich aber am entscheidenden Punkt - dem Horitziont, in den dieses Faktische hineingestellt wird. Nádas zeigt sich darin als Materialist, als Nihilist. Der das Geheimnis des Lebens selbst zwar darstellt, aber nicht enthält. Sodaß auch die nur so definierte Liebe, als momentanes, dabei höchst ambivalentes Gefühl er Hinneigung (mit dem Bereich des Eros), nicht ausreicht. Nicht zufällig ist Nádas ja auch Photograph, und er sagt, daß Erkennen vom Sehen ausgeht.

Nein, gerade darin widerspricht er sich, ohne es zu merken. Wo er im Gespräch mit dem SF sogar holpert, als er den Menschen damit den Tieren erst gleichstellt, um dann dem Tier doch selektive Wahrnehmung beizulegen. Doch also das Licht dem im Sehen Erkannten vorausgehend?

Das was etwas wirklich ist, ist durch seine Haut, seine Kontur nicht bestimmt. Das rein Leibliche weist nur auf etwas Dahinter hin - das Wirkliche. Und das Wirkliche, das ist für das Auge unsichtbar. Deshalb ist auch das, was im sexuellen Akt passiert, etwas anders als der physikalisch-chemische Austausch von Körperflüssigkeiten, und kein technisch hervorgerufener Orgasmus der Welt vermag die Erfülltheit von hingebender Liebe auch nur annähernd zu bieten. Das Fleisch, schreibt Michel Henry einmal sogar, ist unsichtbar. Was wir sehen ist etwas, das wir mit Leib verobjektivieren, zu einem Gegenstand der Physik machen. Aber seine Wirklichkeit ist ganz anders, jede Leiche erzählt das. (Weshalb jede Pornographie, wenn sie nicht durchbrochen wird, immer mehr den Schaden des Objekts sucht.)

Man sieht dieses wirklich Wirkliche aber nur im Maß der Freiheit des Geistes, und dessen Intentionalität - führen wir hier ruhig das Wort "Herz" ein - ist kein Erkenntnisverhinderungsgrund, sondern Tor der Erkenntnis: als Hinneigung und Suche des Einen Wirklichen, in dem alles enthalten ist, als Suche seiner Heimat, seines Ziels - dem Bestand, der Ewigkeit als Wirklichkeit. Wo die Rolle der Wahrheit einsetzt, die sich auf die Verfaßtheit der Welt als Fleischwerdung des Logos, des Sinns selbst bezieht.* Der für Hegel ja auch nur historisch relativ ist.

Denn nur in der Selbstergreifung, im Geist, im Selbstbesitz als Ganzer, in Leib und Seele in einer Ordnung und damit Ganzheit, kann der Mensch dann auch Erlösung (auch und gerade der Körperlichkeit, die in ihrer Dynamik in die Gesamtordnung des Ich eingegliedert, nicht losgelöst, innerweltlich wie abgetrennt vom Ich verselbständigt ist, was ja das Wesen der Unfreiheit ist) weil Gemeinschaft - im Geist der Wirklichkeit, im alles Umfassenden, dem Einen, dem Ort der Ruhe - finden.


Hinweis: Blogeintrag aus 2011: Robert Spaemann, "Nur das Unsichtbare ist sichtbar"



*Das Eigentliche der Dinge ist ja ihr Sinn, das was gesehen wird - es ist ihr Sinn! Sinnlosigkeit sieht buchstäblich nichts. Was soweit geht, daß Menschen, die in ihrem Leben keinen Sinn mehr erkennen, aufhören, wahrzunehmen. Der Verfasser dieser Zeilen kennt sogar jemanden, der organisch erblindete, als er meinte, sein Leben hätte keinen Sinn mehr, nur noch sterben wollte. Er hörte auf zu sehen. Erst kann der Mensch sehen, dann kommt das Auge. Erst kann er hören, dann kommt das Ohr.



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Dienstag, 9. Oktober 2012

Von zwei Seiten

Im Roman, schreibt Goethe einmal sinngemäß, wird Mögliches unter unmögliche Bedingungen gestellt. Daraus lebt er, und daraus wird das Mögliche erst erhellt, ja formt sich gar begrifflich. 

Im Märchen ist es umgekehrt: Unmögliches, Phantastisches, wird in eine Lage des Möglichen gebracht, und bricht damit die Wahrnehmung aus Verhärtungen im alltäglichen Zweckdenken auf.

Den Stoff sieht jedermann vor sich. Den Gehalt aber findet nur der, der etwas dazu zu tun hat. Die Form ist ein Geheimnis den meisten.


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