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Montag, 30. Mai 2022

Wir tauchen im 5. Jahrhundert in den See ... (1)

Um Ihren Gatten, den Frankenherzog Chlodwig (*466/+511), die Wahrheit des Christentums erfahren zu lassen, dem sie innig anhing, ließ seine Frau Chlodechild die Kirche mit allem schmücken, das ihre Schatzkammer hergab,, um ihn durch die Schönheit zu überzeugen. Die Wände waren mit kostbaren Teppichen verhangen, und zeigten fromme Szenen, die litirgischen Gefäße teils extra angefertigt worden, und die Liturgie des taufenden Bischofs war von der größten Üppigkeit.deren die Kirche damals aufzubieten hatte.

Aber es ging etwas schief. Als alle das Taufbecken umstanden, und der Bischof den Säugling ins kalte Wasser tauchte, erlitt der offenbar einen Schock, und seine Atmung hörte auf. Ob er definitiv ertrunken ist, oder nur am Schock aus dem Eintauchen in gewiß recht kaltes Wasser verstarb, ist nicht überliefert, Fakt ist aber, daß das Kind tot aus dem Becken gehoben wurde, dem auf nicht ganz geplante Weise also sein Versprechen eingelöst hatte: Irdisches Leben durch das Ewige Leben zu überlagern weil in eine neue und transzendente Dimension zu erheben.

Mittwoch, 30. Oktober 2013

Ein neues Reich

Der Übergang von den Merowingern zu den Karolingern ist keineswegs die einfache Fortsetzung einer Staatsgeschichte, schreibt Henri Pirenne, auch wenn beide Staatsgebilde sich "Fränkisches Reich" nannten.

Die Merowinger waren wie Rom, ein Laienstaat, ihr König ein "rex francorum". Die Karolinger aber verdanken ihr Mandat der Kirche, sie waren deshalb "Dei gratia rex Francorum" - Könige von Gottes Gnade. Auch ihr Reichsgebiet hat sich dramatisch geändert. Nun sind gleich viele Germanen wie Romanen "Franken", während die merowingische Herrschaft ein quasi romanisches Volk hatte, und die Antike weiterführte. Erst hier ihnen endet die Antike, beginnt das Mittelalter.

Die Hausmeier, die Verwalter der Merowinger, sind nur scheinbar die Erben eines im 7. bis 8. Jahrhundert unter dem Ansturm wie Anlaß der Araber zu Dekadenz und Chaos heruntergekommenen Reichs. Sie gründen es in Wahrheit neu, verdrängen die Merowinger. Der Königs- und dann Kaiserbegriff, unter den Karl der Große fällt, unterscheidet sich grundlegend von dem eines römischen Kaisers - jener war Imperator. Karl und die von ihm begründete Kaisertradition ist hingegen auf ihrer Eigenschaft als Oberhaupt der Ecclesia, der Kirche, als Haupt der Christenheit als Vollbild der menschlichen Gesellschaft auf Erden, begründet. Eine Entwicklung, die ihre Entstehung - dem Einbruch des Islam in die Welt des Mittelmeeres verdankt, der das römische Reich, die antike Welt zerstört.

Nun bekommt auch die Salbung eine völlig neue Qualität, und schließt an die alttestamentliche Königssalbung an. Wo sich im König Priester- und Herrschergewalt ("Zwei Schwerter") vereinen. Die Königssalbung ist von der Priesterweihe nur wenig zu unterscheiden.* Ein Verständnis also als "Amt", nicht mythischer Abstammung eines fleischlichen Menschen. Freilich mit neuen Spannungsfeldern, die sich dann im Investiturstreit definitiv entladen, aber bis in die Gegenwart virulent bleiben in der Frage: Was ist der König? Was ist die Kirche? Welche Stellung hat die Kirche zur weltlichen Macht?

Denn mit den Karolingern sind die Könige/Kaiser der Kirche unterstellt. Ihr verdanken sie ihre Legitimität. Mit der Renaissance freilich lebt der alte Herrscherbegriff wieder auf, und spitzt sich im Absolutismus zu. Noch Ludwig II. (der Bayernkönig) wird sich im 19. Jahrhundert auf dieses alte Herrscherverständnis berufen.



*Man betrachte nur den Fall der Anglikanischen Kirche - deren Oberhaupt der König ist. Auch der Protestantismus in Deutschland wird später aus vielen Quellen dieser Richtung gespeist. Denn eigentlich lebt in Luther diese Einheit des Amtes - im Landesherren, in der staatlichen Obrigkeit - wieder auf, die der Papst Gregor VII. auseinandergerissen hat. Während bei Luther die Kirche als Institution überhaupt verschwindet.




*301013*

Freitag, 25. Oktober 2013

Ursachenkette

Eine interessante Verschiebung war der Grund für das allmähliche Ausdünnen der Macht der Merowinger, bis sie 751 im Übergang der Krone auf die Karolinger endete, schreibt Henri Pirenne.

Der große Reichtum der Merowinger beruhte - auf Zöllen und Wegegeldern. Die durch den blühenden Handel mit dem gesamten Mittelmeerraum über das gesamte 5.-7. Jhd. den königlichen Schatz füllten. Der Einfall der Sarazenen, in dessen Folge der Wirtschaftsraum des westlichen Mittelmeeres zum Erliegen kam, brachte aber den völligen Zusammenbruch dieser Einnahmenquelle. Die Küsten waren damit verloren. Marseille etwa, das noch im 6. Jhd. über 300.000 Einwohner hatte, verödete, die Häfen waren überall leer. (Seine Rolle als Brücke Europas mit der Levante und Asien sollte ab dem 9. Jhd. Venedig einnehmen.) Der zuvor noch selbständige, zahlreiche Stand der Kaufleute verschwand fast völlig.

Damit versiegten die Einahmen, damit konnte das Königshaus seine Macht immer schwerer aufrecht halten.

Erst kam das Buhlen um die Kirche, die mit mehr und mehr Privilegien ausgestattet wurde, was ihr eine enorme Stellung im Staat einbrachte. Aber man mußte sie an der Seite haben, die Macht zu stärken. Damit aber fielen weitere Grundlagen für Einnahmen weg - etwa die Grundsteuern. Wobei die Klöster ohnehin nie die großen Handelsknotenpunkte gewesen waren. Geld überhaupt wurde bald zur seltenen Erscheinung, es wurden kaum noch Münzen geprägt. Die Zahlungen aus Byzanz, das sich damit zuvor einen starken Verbündeten gegen die Langobarden hielt, fallen aus.

In Folge des Zusammenbruchs des Wirtschaftsraums Mittelmeer (er erholte sich erst ab dem 9. Jhd., aber nur im östlichen Teil, eben durch Venedig bzw. Byzanz und Süditalien, die je starke Flotte unterhielten, etwas das den Franken nie gelungen ist) verlagerte sich in ganz Gallien und Germanien der Wirtschaftsschwerpunkt nach Norden, ins Binnen- und Festland - namentlich auf den Boden, auf die bäuerliche Wirtschaft, den (geldlosen) Naturalhandel. Das hieß nun eine Stärkung der Grundbesitzer, und damit der Bauern und vor allem des Adels. Um diesen bei der Stange zu halten, wurden auch ihm nach und nach mehr Konzessionen gemacht, damit aber die Macht des Königshauses, die natürlich auf Geld beruhte, immer weiter geschwächt, bis der König ganz in der Hand des Adels war.

Nachdem das Meer versperrt ist, zerfällt aber die Ordnung in den Städten, an sich Säulen königlicher Macht. Damit fehlen die Patrizier, die Bildungsschicht, aus der die Bischöfe, Geistlichen und Verwaltungsbeamten rekrutiert werden. Und so gerät mit ihnen die Kirche im Süden Galliens in heillose Unordnung. Für Jahrzehnte, ja Jahrhunderte verschwinden Bischofssitze, werden nicht mehr besetzt. Damit fällt die letzte Stütze des Königs.

Ende des 7. Jhds. versucht das Königshaus noch einmal, die Verwaltung durch Beamte (aus niedrigerem Stand) zu zentralisieren - Macht zurückzuholen. Aber ohne Erfolg, es kommt zum Widerstand, bereits unter dem Argument mangelnder Legitimität, dem Widerstandsrecht gegen die "Tyrannei", den das Königshaus 680/83 verlor und teuer bezahle. Sie werden zu bald lächerlichen Schattenkönigen, und die Frage um ihre Herrschaft zur Frage um ihre Fähigkeit dazu. Anarchie bricht aus, das Land wird zerstückelt, das Königshaus kann sich nicht mehr wehren. Die Vormacht des Nordens - Austrasiens - in Gallien beginnt, unterstützt von den dortigen Bischöfen. Mit den schwachen Königen, die dennoch ein bis zuletzt mächtiger mythischer Volksglaube an die göttliche Sendung der Merowinger trägt, brechen erstmals Spannungen zwischen dem antik-romanischen Süden und dem germanischen - anti-antiken, aber immer mächtigeren - Norden auf. 683 übernimmt bereits ein nordgallischer (austrasischer) Hausmeier, der den König regelrecht ignoriert, die faktische Macht über das ganze Frankenreich.

Und auf dieser faktischen Macht wird dann die Entscheidung des Papstes Zacharias Bezug nehmen, als man ihn 751 fragt, wer die Königskrone tragen solle - der "legale" Merowinger, oder der, der die Macht eines Königs habe. Der Papst entscheidet sich für den Karolinger Pipin. Und weil er in Folge der Eroberung des Mittelmeerraumes durch die Araber und einem damit geschwächten Byzanz von den Langobarden bedroht wird, also die Franken als Schutzmacht braucht, bricht der nächste Papst Stefan II. 754 erstmals mit dem Kaiser in Byzanz, unterstellt sich dem Schutz Pipins - dem abendländischen Kaisertum unter Pipins Sohn Karl wird in der Folge der Weg geebnet.

Ohne Mohamed, ohne die Zerstörung der Einheit des Mittelmeerraumes durch die Araber, wäre es nie zu einem abendländischen Kaiser gekommen, und hätte sich keine römisch-germanische Kultur entwickelt.





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