Dieses Blog durchsuchen

Posts mit dem Label Mann (Golo) werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Mann (Golo) werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 12. September 2008

Doch, es kann.

Golo Mann zum Vietnam-Krieg:

Verführt wurden sie (die Amerikaner) dazu durch falsche Analogien, durch geschichtsleere Formeln, an die man sich klammert, durch Welt-Unkenntnis trotz allem in der Welt-Herumfliegens, durch die unausmessbare Blindheit der Kriegsfachleute, denen die Nicht-Fachleute, die Provinz-Politiker sich beugen zu müssen glaubten, durch uralten Missionsdünkel, durch brutale Neigungen, Prestigesucht, Rechthaberei und was noch - nur nicht durch die Dialektik des Kapitalismus. So dumm, glauben Hegels Urenkel, kann es in der Geschichte doch nicht hergehen. Doch, es kann.





*120908*

Freitag, 1. August 2008

Nicht mal das leistet sie

"Ein kaum weniger fragwürdiger geistiger Bundesgenosse der Demokratie war die fortschrittliche Sozialwissenschaft, so wie sie in einigen Universitäten gelehrt wurde. In der Nachfolge Max Webers, der die Wertfreiheit oder reine Sachlichkeit der Soziologie gefordert hatte, aber kaum mit dessen menschlicher Größe. Auch in der Nachfolge von Marl Marx.
...
In einfachem Deutsch: es kam Ideen und Werten keine Wahrheit zu; man mußte zeigen, welche Interessen sie maskierten, woher sie kamen und warum sie zu vergehen verurteilt waren.
...
Wie konnte man helfen, die geistige Krise zu überwinden, von der man so gerne sprach, wenn alle Glaubensinhalte nur als vergängliche gesellschaftliche Erscheinungen galten?
...
... unfähig, die Dinge zu verstehen, was doch gerade ihr Beruf gewesen wäre, geschweige denn, zu einem Hort des Widerstands zu werden? Um wie viel hilfreicher waren hier die alten Zentren des Glaubens und der Tradition, die christlichen Kirchen."

Golo Mann in "Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts" über das Versagen der marxistischen Sozialwissenschaften, auch dem Nationalsozialismus gegenüber.





*010808*

Die Leistung der Kunst

"Schöne Gedichte helfen immer, bringen immer etwas in Ordnung, tun der Seele immer gut." 

Golo Mann, wie in einem beschwörenden Appell an die Reinheit der Kunst, inmitten seiner Betrachtungen über die Dämonien der Zwischenkriegszeit in Deutschland, und enttäuscht über die Unverantwortlichkeiten und "sensationsheischenden Arrangements" von Tucholsky oder Brecht.





*010808*

Dienstag, 15. Juli 2008

Ohne Ausweg

In den Augen von Golo Mann war es einer der schwersten Fehler der Intelligenz der Zwischenkriegszeit (Weimarer Republik), zu kritisieren (wenn es auch noch so berechtigt war), OHNE eine Alternative anbieten zu können. Das hat in seinen Augen den Weg für Hitler am stärksten geebnet: der vorgab, eine Alternative zu sein, weil zu besitzen.





*150708*

Mittwoch, 18. Juni 2008

Was hat was beeinflußt?

An das Kernproblem der Astrologie und jeder Wahrsagerei rührt das Problem "Wallenstein". Ab dem Zeitpunkt, so man recht gesichert annimmt, daß Wallenstein es in Händen hielt, verschwimmt die Grenze zwischen einem posthoc-Vollzug und wirklicher Spiegelung. Eines beginnt dem anderen seine Gesetze aufzudrängen.

So ist nicht mehr abzuschätzen, ob Wallenstein 1618 sein Abenteuer in Gradisca (gegen Venedig) nicht bereits vollzog, um das Horoskop auszuschöpfen ... und nicht seinen persönlichen Handlungstrieb. Wo er den Grundstein zu seiner "Ferdinand-Verbindung" legte, dessen Dankbarkeit für den an sich fast bedeutungslosen Gefallen (sieht man von seiner urkundlich erwähnten Tapferkeit und Umsicht ab - 200 kostenlos beigestellte Kämpfende, bei Zehntausenden involvierten erzherzoglichen Soldaten) ihm den späteren Aufstieg einbrachte.

Ein Horoskop, das übrigens Johannes Kepler erstellte (Horoskope zu erstellen war für Astronomen die einzige Möglichkeit, ihre "unnütze Wissenschaft" finanzieren zu können). Und das eine Genauigkeit, eine Zutreffendheit aufweist, die wirklich staunen macht. Relativ gesichert ist (laut Golo Mann) die Aussage, daß Wallenstein nicht vor 1616 in Besitz des Horoskops kam, das Kepler erstellte, ohne um Wallenstein (der zum Zeitpunkt der Horoskoperstellung außerdem ein völlig unbedeutender, unbekannter Mann war) zu wissen.





*180608*