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Montag, 4. April 2016

Einblicke in Armut

Bettler voller Armseligkeit in Wien oder Hamburg oder Göteburg? 

Ein Erwerbszweig, der nur eines braucht: Bereitschaft zum Verzicht auf Würde. Nein, nicht aus Not und Getriebenheit, wie es Sozialbewegteste sich selbst vormachen. Sondern weil sich damit gut verdienen läßt. Ein Erwerbszweig, ganz einfach, der von den Kaufkraftunterschieden innerhalb der EU profitiert. Tägliche erbettelte 60 Euro sind in Bulgarien ein Vermögen, und genug, damit Schlepperorganisationen davon bestens leben können.

Eine bulgarische Dokumentation über rumänische und bulgarische Bettler-Organisationen.












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Mittwoch, 25. Februar 2015

Donnerstag, 2. Oktober 2014

Europa muß sich schaffen (3)

 Teil 3) Nur Poesie kann Politik schaffen, 
nur Poesie kann überhaupt ETWAS schaffen,
nur in ETWAS kann der Mensch leben





Es braucht Politiker die wissen, daß Politik die Folge eines schöpferischen, damit poetischen Prozesses ist, weil Staaten überhaupt NUR aus diesem Spiel der Poesie leben, historisch belegbar sonst innerhalb kurzer Zeit zerfallen - wenn diese Poesie fehlt oder verweht. Wo aber ein Staat, der einen Raum bestimmt, zerfällt (und das muß formal noch nicht einmal geschehen sein), entsteht ein Machtvakuum. Jeder Raum aber MUSZ beherrscht werden, das fordert er selber. Das wiederum bewirkt, daß die an diesen entleerten Raum angrenzenden Staaten und Machtgebilde aktiviert werden. Denn nennen wir es beim Wort: Wessen Nachbar nicht berechenbar weil nicht souverän ist, muß Wege suchen, souveräne Nachbarn zu finden, will er nicht selbst zerfallen. Denn das Wesen der Dinge ist, daß sie im Dialog entstehen wie bestehen.

Zwischenruf, klein, leise, so nebenbei: Gibt es ihn also doch, den "Raum an sich"? Ah wa, natürlich nicht. Nicht in diesem bildlichen Zusammenhang. Denn es sind die Dinge, die Raum in sich, mit sich, durch sich bedingen, und in dieser Hinsicht "schaffen". Als Anschauungsform von Beziehungen. Wenn hier also von Anforderungen des Raumes die Rede ist, so nur in dieser Hinsicht, als Dinge Raum schaffen, als sie in ihrer Selbstwerdung (als aktverstandene Identitätssuche zwischen dem Realen und ihrer Idee) somit "schaffen" (als "bedingen".)

Solche Prozesse müssen nämlich einfach einmal begonnen, vorgestellt, angeboten werden. Nur so beginnen Visionen. Nur so beginnen schöpferische Prozesse. Nicht nur der VdZ hat aber den Eindruck, daß es der offiziellen Politik an lebensstarken und wahrhaftigen Visionen eindeutig fehlt. Das spürt die Bevölkerung in ganz Europa, das macht sie so unzufrieden. Schon derzeit ist deshalb das Wachsen einer Kluft bemerkbar, die sich zwischen Bevölkerungen und ihren Führungen auftut. Die geistig Europa auseinanderreißt. Sie liegt darin begründet. Denn der Mensch ist, schreibt Ortega Y Gasset so schön, ein "utopisches Wesen". Er muß sich immer neu konstutuieren, und er muß sich auf einen Sinn, auf ein Ziel hin ausstrecken, sonst bleibt er nicht "stehen", sondern fällt ins Nichts. Gegenwart, Sein als seiende Gestalt, "gibt" es nicht statisch. Sondern nur aus der Spannung des Gestern, das sich nach einem Morgen ausstreckt. Als Tätigkeit.

Die Dimension des Staates - als größte Weite der Person, damit selbst als (analoge) Person - ist dabei keine verzichtbare Zutat. Sie ist jene Errungenschaft, die es möglich macht, den Menschen noch mehr zu sich selbst zu führen. Denn Annäherung ist eine Frage des Abstands - in der Selbstwerdung. Einen "Europäer" aber gibt es nicht. Umgekehrt würden die Menschen kulturell zurückfallen (und was gefährlich ist: sie wissen es nicht, niemand scheint es mehr zu wissen), wenn sich Europa in "Völker" auflöst. Der Spruch de Gaulles - "Europa als Heimat der Völker" - wurde immer mißbräuchlich verwendet. Er sagte wörtlich "STAATSvölker". Was nämlich ist ein Volk? Auch die 20.000 Lavanttaler? Oder erst die 5 Millionen Schotten? Oder 10 Millionen Westukrainer (selbst wieder ein buntes Konglomerat an Völkern)?

Stufen in der Ordnung der Menschen aber können nie übersprungen werden. Was immer einander als Nachbar grüßt, ist gemeinsam nur auf einer nächsten Ebene. Jeder organische, ja jeder chemische Prozeß zeigt das deutlich, und verweist damit (analogisch) auf das Wesen der Welt. Nur so kann ein gemeinsames Europa entstehen, das seine geopolitische Dimension wahrnimmt, zum Wohle aller seiner Völker und Staaten.

Die Aufgabe der EU kann nicht darin liegen, Wärmedämmverordnungen oder Olivenölkännchen oder Antirassismusdoktrinen oder Abtreibungsverordnungen durchzudrücken. Sie kann auch nicht darin liegen, die Einzelstaaten aufzulösen. Darin übernimmt sie sich heillos und unweigerlich, heir ist bereits unendlich viel schiefgelaufen. Sie liegt subsidiär in der Diskussion ("Parla"ment) und Verwirklichung großer politischer Themen, die die Dimension und Verwirklichungsmöglichkeit und Regelbarkeit durch Einzelstaaten eben  übersteigen. Die alle Einzelsubjekte aber - Staaten - in größere Rahmen führen, um so sich selbst besser - und zwar zum Geist hin - in ihrer Eigenart, weil nun gerade eingebettet in einem großen Konzert der Ordnung, entfalten zu können.





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Mittwoch, 1. Oktober 2014

Europa muß sich schaffen (2)

Teil 2) Wer keine Visionen hat, stirbt




Zwei Richtungen müßte also die europäische Politik einschlagen: Auf höherer Ebene den Zusammenschluß mit Rußland suchen, das für Europa eine ideale Ergänzung wäre. Denn es ist keineswegs Zufall, und sehr metaphorisch aufzufassen, daß Rußland jene Rohstoffe und Energien liefert (weil hat), die Europa genau und existentiell fehlen. Die Vorteile, die so ein Bündnis in so vielen Hinsichten hätte, intern wie in einer sich neu formierenden globalen politischen Welt, wären gar nicht aufzuzählen, so zahlreich. Gleichzeitig müßte das Machtgebilde "unter" der EU durch die Schaffung etwa gleichstarker "Reiche" in Gleichgewichte ausgependelt werden. Dies erst würde den vielen Kleinstaaten wirklich nützen, so erst könnte man davon ausgehen, daß auch ihre Interessen genügend im Großkonzert berücksichtigt würden. Vielleicht sogar tatsächlich durch Einbindung der Türkei im Rahmen eines Mittelmeerkonzepts. Damit wäre auch die Position der EU in der Levante, in der Europa einfach viele Interessen hat, warum sollte man das nicht offen sagen, völlig anders, und vor allem: klarer und stärker.

Im aktuellen Fall der Ukraine, die in den Augen des VdZ zerbrechen wird, in einen (vermutlich sogar Kiew noch einschließenden) Rußlandteil, und in einen westlichen Teil, wäre eine Einbindung dieses westlichen Teiles in eine - sagen wir es ruhig - Donauraummonarchie nicht nur die einzige realistische Dauerlösung (denn eine NATO-EU-Einbindung würde das Problem mit den völlig berechtigten Bedürfnissen Rußlands angesichts des Ungleichgewichts der Kräfte nicht nur nicht beheben, sondern in Permanenz aufrechthalten), sondern auch für das Land und seine Kultur im Ringen um Selbststand, und das heißt eben auch: Abgrenzung zum Ostslawischen, der einzige Weg.

Es ist auch für die EU der einzige Weg, behauptet der VdZ. Sie kann nicht zu einem globalen Player weiterschreiten, das zeigt sich immer deutlicher, will sie nicht zu einem Appendix der USA werden. Sie wird aber die politische Einigung des Kontinents nicht schaffen, aus verschiedensten Gründen, und setzt heute - wie in einem Geburtsschaden - im Grunde ungeordnet intern auf vielfach falschen Ebenen an.

Aber selbst Rußland bräuchte dieses Europa, und der VdZ ist gewiß, daß gerade Putin das am besten weiß. Denn ein Pakt mit China ist widernatürlich und für Rußland auf lange Sicht sogar gefährlich. Man betrachte nur die Gestalten - hier ein dünn besiedeltes, riesiges Sibirien, dort ein mit Menschen vollgestopftes China. Räume fordern! China wird Rußland erdrücken. Doch läßt man Moskau derzeit keine Wahl. Und man stärkt damit ... China. Die derzeitige Strategie (soferne man davon überhaupt noch sprechen kann) ist also auch aus Sicht der USA (deren Raum wohl wirklich nur in Amerika liegt, Monroe wußte das) seltsam kontraproduktiv, ja sie hat sich selbst in eine Sackgasse manövriert, wo der nächste Schritt nur noch ein Retourgang sein kann, wie es sich doch seit Jahrzehnten zeigt. Und ist die Situation am Golf, wo der arabische Raum eine Positionierung in der globalen Lage zu schaffen sucht, etwas anderes?

Es schmerzt zu sehen, daß die Haltung der EU Rußland gegenüber so klare Züge haßerfüllten Zynismus' trägt. Eines Zynismus, der einem Charakter entspringt, der in seiner eigenen Verzweiflung lieber alles in den Abgrund reißt, als Scheitern einzugestehen, und sich neu zu orientieren. Selbstverständlich - die Rede ist vom nie übers Kleinkind hinausgekommenen Sprößling Europas, die Rede ist von den USA.

Dazu freilich bräuchte es Größe. Dazu bräuchte es in Europa Minister und Kanzler vom geistigen Format eines Metternich, eines Talleyrand, etc. etc. Woher die kommen sollen? Der VdZ ist der festen Überzeugung, daß sie da SIND. Daß es diese Männer GIBT, auch in Europa, ja mitten unter uns. Nur haben sie sich selbst noch nicht zu dieser Größe entwickelt, die in ihnen noch embryonal ist. Sie konnte sich deshalb nicht ins Licht und an die nötigen Positionen entwickeln, weil die Elitenbildung in Europa einen Fundamentalschaden erlitten hat. "Große Aufgaben bewirken große Männer bewirkt", nicht umgekehrt. Selbst das geistige und politische Leben eines Raumes hat mit seiner Größe zu tun, in der er zur Person, zum Organismus konstituiert ist. Der Leib (zu dem in diesem Sinn der Raum des Menschen wird, den es nur "mit Grenzen" als Leib, als "Etwas", als Gestaltbares gibt) fließt in den Geist zurück, und fordert ihn damit.

"West-Europa" hingegen, ungeeingt, uneinbar, außer mit Gewalt, denkt (schöpferisch) offensichtlich derzeit zumindest nicht in adäquatem Maßstab, bleibt unter seinen Möglichkeiten. Und weil es nach unten - in den Abgrund technischer Starre - blickt, wählt und schafft es seine eigene Zukunft nicht.



Morgen Teil 3) Nur Poesie kann Politik schaffen, 
nur Poesie kann überhaupt etwas schaffen,
nur in ETWAS kann der Mensch leben 




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Dienstag, 30. September 2014

Europa muß sich schaffen (1)

Man muß nicht lange suchen, um die eigentliche Ursache der Probleme, die die Ukraine als "Staat" hat, in der Zerschlagung der Habsburger-Monarchie im zentraleuropäischen Raum zu sehen. Es zeigt sich gerade heute, und wie oft eigentlich schon, der realpolitische Wert, den dieser den anderen europäischen Mächten gleichrangige Staat hatte. Und den er heute hätte. Es wäre zu einer derart zugeschärften Krise mit Rußland gar nie gekommen. Die Ukraine wird dabei nicht nur in zwei, es wird in mehr Teile zerfallen, das wagt der VdZ heute, am 30. August 2014, wo er diese Zeilen schreibt, zu prognostizieren, bzw. werden sich die Linien West-Ost anders ziehen, als man heute meint. Teile, die allesamt eines brauchen: Anschluß an größere Räume und Machtgebilde in Europa, weil sie ihre eigene Souveränität so gar nicht behaupten können, von Staat zu sprechen damit aber zur höflichen Farce wird.

In einer Art Zwischenstufe aber - der dann nur noch, wenn man schon will, eine EU übergeordnet wäre, die als Reichsidee aufgefaßt werden müßte, deshalb auch Rußland einbinden müßte - stünden sich in den EU-Gremien etwa gleichrangige Positionen gegenüber. Selbst eine Willensbildung wäre vereinfacht, an der eine in derartig viele Kleinstaaten aufgespaltene EU nicht nur krankt, sondern an der sie eigentlich zerschellt. Denn die EU vermag den eigentlichen europäischen Gedanken, als wiederum gleichstarker Player im globalen Konzert, nicht zu verwirklichen, ja tendiert genau deshalb dazu, sich auf die Seite der USA zu schlagen, was im Klartext heißt: dorthinein aufzugehen. (In der NATO ist das ja längst der Fall.)

Für diesen Teil Europas würde sich dann neben einer Donauraummonarchie (oder, meinetwegen, -republik) ein Raum Baltikum-Skandinavien-Polen, oder - immerhin ist Polen auf dem besten Weg zu einer europäischen Mittelmacht - nur Baltikum-Skandinavien, neben Polen. Vielleicht wäre das sogar ein Ausweg für Weißrußland, das sich in seiner Angewiesenheit an Rußland, folgt man den Einschätzungen von Peter Scholl-Latour, so gar nicht wohlfühlt. Aber dann stünde Rußland auch nicht mehr die NATO an der Grenze gegenüber, sondern ein etwa gleichrangiger Partner, den man nicht fürchten müßte, weil er sich nicht fürchtet, sodaß ein Neben- und Miteinander in ruhiger Vernunft möglich wird.

Hier wäre die Aufgabe der Außenpolitik der betroffenen "Nachfolgeländer", und das heißt: ganz Mitteleuropas, auf Jahre intensiv beschäftigt. Ein Prozeß würde in Gang kommen, der Herzen und Gehirne der Bevölkerungen ganz neu inspirieren und ihren Willen zur Lebensgestaltung neu entfachen würde. Und sei es durch Überzeugungsarbeit. Denn die meisten dieser Nachfolgestaaten haben genau das getan, was ihnen mit der Monarchie, die viele - kurzsichtig und falsch - selbst nicht mehr wollten: Sie mußten sich sofort einen Anschlußpartner suchen, einen größeren politischen Raum, in den sie eingehen konnten, weil ihr außenpolitisches Gewicht viel zu gering war. Ihre Souveränität - Hauptmerkmal eines Staates - also nicht gegeben bzw. zumindest permanent gefährdet war. Über deren Sinnhaftigkeit man sehr berechtigt streiten kann. Wenn etwa die Tschechen und Polen die USA suchten, oder die Ungarn die EU (was es wohl vielfach bereits bereut). Manche würden gewiß nach wie vor Abneigungen zeigen. Aber so erst entsteht ein Argumente- und Sinngebäude, an dem gearbeitet werden kann.

Darf man träumen? Darf man sich vorstellen, wie alle diese kleinen Länder ihre Spezialisierungen, die auch mit ihren begrenzten und spezifischen geographischen Räumen zu tun hat, in einem größeren Organismus - als Organe - nicht nur beibehalten, sondern zur wahren Stärke entwickeln könnten? Dann muß Ungarn nicht zwanghaft versuchen, ausländische Industrie ins Land zu holen, die Tschechei Lebensmittelachsen aufbauen, Österreich könnte endlich das einzige was es kann, verwalten, müßte nicht seine kleinstrukturierte Wirtschaft ersatzlos auflösen, Slowenien und Kroatien könnten die Seeanbindung bedeuten, die Westukraine (die eine Nähe zu Polen bzw. einem baltisch-polnisch-ukrainischen Gebilde aus historischen Gründen nicht akzeptieren wird) die Kornkammer sein, usw. usf. In einem Dreieck Alpen - Karpaten - Balkan.

Das hat auch die EU versprochen? Ja, aber es ist nicht eingetreten. Denn es gibt Adäquanzen auch und nicht zuletzt in der Größe. Das ist in der freien Natur nicht anders. Es ist auch ein Gesetz menschlicher Kultur, die sich im Staat ihre größte politische Gestalt gefunden hat, die freilich im überstaatlichen Rahmen der Reichsidee bedarf. (Was ist eine UN denn anderes als ein Reichstag?)

Man nehme nur Österreich, das mit dem EU-Beitritt alles, was seine Stärken waren, mit dem man auch die Menschen bei der Abstimmung lockte, ins Nichts aufgelöst bekam. Heute ist das Land so sehr wie noch nie ein lächerlicher Appendix deutscher Politik, und seine Souveränität ist bis zur Unerträglichkeit aufgelöst.




Morgen Teil 2) Wer keine Visionen hat, stirbt




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Montag, 27. Mai 2013

Die einfache Welt (2)

Teil 2) Das sogenannte Wohlstandsgefälle ist kein Grund, 
es ist eine bequeme Ausrede




Es ist nicht das Wohlstandsgefälle - ALS SOZIALES PROBLEM. Wohlstandsunterschiede sind an sich kein soziales Problem, sie gehören zum Leben und zum Menschen dazu wie die Farbe der Augen. Sie werden willentlich und in Dummheit erst dazu gemacht, und von den "Betroffenen" oft "dankbar" angenommen, weil sie sich davon etwas erwarten können, in vielen Fällen stützt es ja genau den Grund und jene Vorläufigkeit, deretwegen sie überhaupt hergekommen sind.

Sie prinzipiell als "Unrecht" zu sehen ist nur bei einer irrigen Anthropologie möglich, die bestenfalls Werkzeug einer Utopie ist, aber nicht dem Wesen des Menschen entspricht. Dieses politische Schlagwort stammt deshalb aus dem Arsenal derjenigen, die sich in ausgesuchter, gut abgeschützter Wirklichkeitsferne die Welt immer schon nach ihrer Facon geschnitzt haben, und die es ihnen leicht macht, weiter in ihren gemütlichen Sofas zu sitzen, wichtige Konferenzen zu besuchen, Weltprobleme lautstark zu diskutieren, deren Lösung sie kennen, und "moralisch" zu handeln.

Die Vorfälle in Schweden (und anderswo) sind keine sozialen Unruhen aus Wohlstandsgefälle. Sie sind reine Migrationsprobleme, keine des Wohlstandsgefüges der betroffenen Staaten. Sie quasi als Menetekel der Gesellschaften Europas AUFGRUND der wirtschaftlichen Entwicklung zu benützen ist politischer Mißbrauch, und NUR deshalb taucht es auch in diesem Licht auf.

Und sie sind Migrationsprobleme, die weit vielschichtere Ursache-Wirkungsgefüge zeigen, als links- oder sonstpopulistische Politik sie darzustellen pflegt. Etwa als bösartiges Verweigern durch böse Einheimische.

Es ist eine völlig andere Haltung, die mit den Zuwanderern - zum Teil, nicht bei allen! - ins Land kam, die diese nach Europa trieb, und weiter treibt, und das macht die Kluft ad hoc und sehr real und auf lange Frist UNüberwindlich. Mit Integrationsfreundlichkeit, einer "Willkommenskultur", und wie die Schlagworte alle heißen, ist damit nichts anzufangen. Dies Kluft zeigt sich in der Ausbildung von Parallelgesellschaften, die an sich bereits klare Absichtserklärung sind, und mittlerweile nicht mehr zu verhindern, sondern der einzige Weg sind, um dieses Problem in den Griff zu bekommen. Weshalb man es gezielt kanalisieren muß, es gibt überhaupt keinen Ausweg. Auch das zeigt sich in Schweden.

Es sind nämlich auch nicht jene Asylanten, die als Geflohene mehr oder weniger unfreiwillig genötigt sind, sich ein neues Leben aufzubauen, das Migrationsproblem ist kein Problem von Asyl (es wird als solches lediglich mißbräuchlich zu verwenden versucht). Der Verfasser dieser Zeilen hat bei wirklichen Asylanten immer eine ganz andere Haltung festgestellt - keine der Erwartung, der Forderung. Sie wußten, daß sie ihr Leben selbst wieder aufbauen, bei Null beginnen mußten.

Man nehme durchaus die Millionen, die nach dem 2. Weltkrieg nach Westdeutschland eingesiedelt wurden als Beispiel, oder die 200.000 Ungarn nach 1956, die in Österreich klaglos integriert wurden. Auch das aber verlief (Deutschland!) keineswegs friktionsfrei, es blieb den Einheimischen nur keine Wahl, wobei die Folgen dramatischer sind und waren, als man heute wahrnehmen möchte: diese Zwangsintegration ist wesentlicher Faktor zur Auslöschung regional geprägter Kultur in Deutschland! Wobei: Welche Haltung hatten diese zuwandernden Menschen!?

Wer selbst bei Spätaussiedlern aus Rußland etwa - der Verfasser hat solche in den 1980er Jahren nicht nur als Kollegen am Fließband erlebt, sondern als Unternehmer Anfang der 1990er auch Siedlungen in Süddeutschland für sie gebaut: auch sie waren politisches Tauschgeschäft, Devisenbringer oder politisches Pfand für so manchen Staat - den Fleiß, die Bereitschaft sich etwas zu schaffen beobachtet hat, sieht manchen Unterschied. Dies dezidiert neutral gesagt, ohne zu werten, nur sachlich-funktional in den Auswirkungen betrachtet.

Und die Haltung ist es in erster Linie, die nun in Schweden zu (gar nicht: ersten; es gab dort schon jahrelang erstaunliche Konflikte, u. a. in einem ausgeprägten Antisemitismus in Teilen Schwedens bei islamischen Zuwanderern, wie z. B. von Malmö schon lange berichtet wird) Eskalationen geführt hat. Vorbeben dafür - Unruhen UNTER den Zuwanderern - gab es also bereits seit Jahren. In einem Land, das den Sozialstaat sowie die Liberalität einer undifferenzierten Einwanderungspolitik auf die größtmögliche Spitze getrieben hat, sodaß der darauf folgenden Kollaps der Staatsfinanzen vor etwa zehn Jahren mit letzter Kraft noch abgewendet werden konnte.

Die Art der Zuwanderungsgestaltung, ja Förderung, ja: FORDERUNG**, hat nun dazu geführt, daß wir sogar regelrecht erpreßbar geworden sind. Weil wir immer die wahrhaftige Auseinandersetzung gescheut haben, Wesen des Sozialstaates ist ja genau das. Nun heißt es also: Entweder Wohlstand - oder Rebellion. In Schweden hat die Polizei nicht einmal den Versuch unternommen, Leben, Hab und Gut der übrigen Bevölkerung zu schützen, sondern "filmt" vorerst einmal alles mit, um nachher die Täter auszuforschen. Die Schäden haben in jedem Fall also auch noch die Betroffenen selbst (über ihre Gemeinschat als Versicherte, bestenfalls) zu tragen. Eine kaum faßbare Bankrotterklärung jeder Ordnungspolitik. Festgenommen wurden nur jene "Rechtsradikale", die sich mittlerweile organisiert hatten, um in Übernahme der Eigen- und Sozialverantwortung diesen Schutz zu übernehmen, den die Polizei verweigert.

Natürlich ist in so einem Aufsätzchen nicht alles und definitiv erklärt und ausgeleuchtet. Aber es will einen Grundzug darstellen, der in den Augen des Verfassers dieser Zeilen in der gesamten Diskussion über Migration und Wohlstand völlig ignoriert wurde und wird. Und der sich nicht einmal mit "Unwillen zur Integration" ausreichend beschreiben läßt. Es verlangt insgesamt eine weit subtilere Bewertung und weit mutigere Lösung der Dinge. Derzeit versucht die Politik ja innerhalb jener Grenzen zu bleiben, in denen sie die wahre Verantwortungsdimension einzugestehen doch noch vermeiden kann.

Anders wird die Befürchtung, daß mit falschen Maßnahmen, allenfalls auch vorbeugend und in anderen Ländern reagiert wird wieder einmal zur Gewißheit. Wohlstand kann niemals durch Zuwendungen und "soziale Maßnahmen" verbessert werden, Wohlstand ist Frucht einer inneren Reife, einer Haltung die sittliche Leistung (und damit kultur- wie religionsabhängig) ist***, die Umstände in denen man lebt und denkt korrelieren exakt damit.

Wer bestimmte Gegenden Europas bereist, die als Herkunftsland so mancher Tausendschaft an Zuwanderern in Österreich und Deutschland bekannt sind, wird bald erkennen, daß die selbst in ihrer Heimat nicht "integriert" sind. Daß sie auch dort ohne Verwurzelung mit dem Boden leben. DAS sind reale kulturelle Differenzen, die sich mit Geld nicht beheben lassen, die mit pekuniärem Wohlstand rein gar nichts zu tun haben. Daß solche Menschen auch überdurchschnittlich leicht "auswandern", weil sie gar nie wo einwandern, weil sie ORTSLOS sind, beantwortet sich von selbst. "Die (X) können mit Häusern nichts anfangen, wie sollen sie es hier?" meinte einmal ein weitgereister Schriftsteller zum Verfasser dieser Zeilen.

Übrigens - jene (X) waren auch in ihrer Heimat alles andere als gern gesehen und ein Problem, das die hohe Politik seit Jahrzehnten gern als Verschiebeobjekt und Mittel ganz anderer politischer Zielsetzungen benützte. Bei seinem Besuch in Nordzypern vor drei Jahren hat der Verfasser dieser Zeilen mit Staunen festgestellt, daß die Probleme der Einheimischen - "Landsleute" dieser Zuwanderer - dieselben sind wie sie aus Hamburg oder Wien oder Stockholm bekannt sind. Die Parallele ist insofern auch interessant, als die alteingesessene Bevölkerung sich mittlerweile in der Minderheit befindet, und durch eine entsprechend angepaßte Verwaltung fremd im eigenen Land ist. Die sich dem abgeteilten Süden näher fühlt, als den "Landsleuten".

Wie immer die Europäer leben, welchen Wohlstands immer sie sich erfreuen - er ist Frucht einer Lebenshaltung, und einer Entfaltung ihres persönlichen Lebens und die Erfüllung eines Lebensauftrags: jenen zur Entelechie, zur Selbstentfaltung. Das hat diese Kultur bestimmt, und dieses Europa in der heutigen entwickelten Form überhaupt entstehen lassen. Selbstentfaltung ist wiederum kein neutrales Computerprogramm, das jeder in sich trägt, man muß es nur an den Strom (Geld und Schule und Methoden) anschließen, sondern UNTRENNBAR, wesensbestimmt mit dem unmittelbaren sozialen Umfeld verbunden, in das sie hineingeboren werden. Jede Herauslösung aus diesem Umfeld hinterläßt eine tiefe Wunde, die Generationen braucht, um wieder zu heilen. Und die nicht künstlich befördert werden kann, die natürlich wachsen muß.****

Zuwanderer müssen also auf ihre neue Heimat hin ZUWACHSEN, um in ein Umfeld einzuwachsen - integriert zu werden. Nicht anders, als es mit heutigen Inländern in einem jahrtausendelangen fortwährenden Fließen und Werden passiert ist. Deren Eingewachsenheit keine Schuld ist, deren Früchte gefälligst abzutreten wären, sondern nicht mehr und nicht weniger als natürliche Bedingung ihres Lebens.

Der kulturelle Herkunftsgrund ist dabei einerseits bei noch so viel Willensanstrengung unüberwindbarer Ausgangspunkt, aber - und das wird völlig übersehen - zugleich immanente Prägung des Zielpunkts. Sind deshalb die Ausgangslagen (Religion, Weltanschauung) unvereinbar, so sind es die Zielpunkte. Es sei denn, die Ausgangshaltung verändert sich ...

Und das ist die eigentliche Forderung - als Kriterium, nicht als quasi Pflicht zur Selbstveränderung, das wird nie funktionieren! - an Zuwanderer, eine Bringschuld, die eine Grundhaltung braucht, und keine "sozialen Maßnahmen", damit sie mehr Geld erwirtschaften können, der Rest wird sich schon ergeben. Wird es nicht. Maßnahmen, die folgerichtig pausenlos auf Aporien, Unvereinbarkeiten stoßen. Man denke nur an die Forderung nach Sprachkenntnis, die in vielen Fällen tatsächlich unmenschlich und sprachpädagogisch verheerend falsch ist, gerade bei Kindern, die zuerst in das Begriffsgefüge ihrer Familie hineinwachsen müssen, um dann erst auf die Symbolik der Fremdsprache ausgreifen zu können.

Wer ohne soziales Umfeld, ohne "auf zu und von her" leben will, will aber nur jene Funktionen seines Umfeldes nützen, die ihm für ein anderes Umfeld nützen. Und das nennt man mit Recht: ausnützen.




**Erst jüngst wieder kamen staatliche Sozial-, Arbeits- und Industriellenvereinigungen zu einer gemeinsam erhobenen Forderung, die Zuwanderung (natürlich: "qualifziert" ...) zu steigern, weil sonst - man höre! - soziale Unruhen eine der Folgen sein würden, weil der Wohlstand, der Sozialstaat in der heutigen Form aus demographischen Gründen nicht aufrechterhalten werden könne. Das klingt schon gar nicht mehr anders als die Forderung im alten Rom, Sklaven ins Land zu holen. Welche Personengruppen aber sind bereit, mit der dauerhaften Zuwanderung (und andere hat in diesem Umfang keinen Sinn) zugleich eine Verpflichtungsleistung zu unterschreiben, 30, 40 oder 50.000 Euro als Schulden, als Anteil am öffentlichen Gebaren pro Person, gleich einmal mit zu übernehmen? Nicht eher jene, die schon in ihrer Heimat sich keinen Deut um Sozialgefüge und Schulden ihres Herkunftslandes geschert haben, die gar nichts mehr zu verlieren haben? Die hoffen, ihre Kalkulation auf egal welche Weise zu ihren Gunsten ausgehen zu lassen?

***Diese Zusammenhänge auseinandergerissen zu haben ist einer der fundamentalsten Schäden, den unser gesamtes gesellschaftliches Gefüge mittlerweile zu tragen hat, und bei dem es fraglich ist, ob es ihn überhaupt überstehen wird. Das ist eine der maßgebenden Wurzeln auch der Finanzkrise seit 2008.

****Zuwanderung in dem quantitativen Ausmaß, wie es seit Jahrzehnten in unseren Ländern passiert ist, kann deshalb - so die hier vertretene These - nur über relativ autonome Parallelgesellschaften aufgefangen werden. Sie ist, eben weil sie höchst differenziert ist, nicht einfach ein mit ein paar politischen Maßnahmen durchführbares "Programm" oder "moralischer Pflicht". Um dann, untereinander formal strikt befriedet, in generationenlangen, jahrhundertelangen Prozessen miteinander verwachsen zu können.






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Sonntag, 26. Mai 2013

Die einfache Welt (1)

Au ja, da ist ja die Welt für die bourgeoisen Schnösel vom Dienst wieder in Ordnung, die in fein monatlich abgesicherten Zahlungseingängen ihre hygienisch reinen Thesen zu Wohlstand haben, und in ihren schmucken Häuschen über die Schuldigen an der Ungleichheit diskutieren. Da stimmt ihre Welt wieder, wenn sie Sätze wie die folgenden lesen, die die APA (Austrian Press Agency) rundgeschickt hat, auf daß ihn so gut wie jede Zeitung wie üblich im copy and paste-Verfahren zur Erfüllung ihrer journalistischen Wahrheitspflicht* abdruckt. Dazu werden auch noch rasch die Leserforen gesperrt, denn die Reaktionen der Menschen lassen jede Vorsicht der politisch erwünschten Korrektheit gegenüber vermissen.

Die Ausschreitungen [in Schweden; Anm.] haben eine Debatte über das wachsende Wohlstandsgefälle in Schweden ausgelöst. Während es der Mehrheit der Bevölkerung wirtschaftlich gut geht, fühlen sich vor allem Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrationshintergrund zunehmend ausgegrenzt.

Dazu eine Beobachtung aus jenen Jahren, als der Verfasser dieser Zeilen noch als Bauunternehmer tätig war, und immer ausländische Arbeitnehmer beschäftigt hatte. Und zwar Handwerker (Tischler, Zimmerleute), denn die waren und sind bis heute in Österreich Mangelware. Es gab nie Probleme mit Tschechen, und auch mit Serben und Montenegrinern nur bedingt. Auch Rumänen waren darunter. Brave, berührend demütige Leute - Flüchtlinge, Asylanten im übrigen. Wohlgemerkt: immer zu gleichem Lohn, leistungsbezogen, wie Österreicher.

Aber mit der Wende in Rumänien kam mit den Rumänen die nun ins Land strömten, und die auch der Verfasser dieser Zeilen verschiedentlich eingestellt  hat, ein völlig neuer Menschenschlag ins Land. Die eine ganz eigentümlich Haltung aufwiesen: Denn sie waren der Meinung, daß sie völlig unabhängig, ob und wieviel sie arbeiteten, EIN RECHT auf denselben Wohlstand hatten, wie die Menschen, die hier lebten. Das ging so weit, daß sie teilweise kaum noch mehr als Anwesenheitsdienst verrichteten, den Kollegen bei der Arbeit zusahen. Als sie dafür auch deutlich weniger Geld erhielten, begann eine Art Streikblockade. Die zwar durch energisches Handeln (und Entlassungen) bekämpft werden konnte, aber in schlagartig gestiegenen Diebstählen, die die Materiallager über Nacht schwinden ließen aber auch durch Polizeikontrollen kaum zu bekämpfen waren, weitergloste.

Eine prinzipiell nicht unähnliche Erfahrung, wenn auch nicht in allen Details übertragbar, kann man noch heute machen, selbst in Ungarn, wo einem immer wieder Menschen begegnen, die sich empören, daß sie mit nominell demselben Beruf nicht denselben Wohlstand wie das Nachbarland im Westen haben. Er stünde ihnen nämlich zu.

Was will uns der Verfasser damit sagen?

Man muß dazu einen Antwortversuch bei der Frage ansetzen: Was verbindet all diese Menschen? Was verbindet sie mit den beachtlichen Unruhen in Schweden? Um dann die These begreifen zu können: Es verbindet diese Menschen eine persönliche Haltung, die sie den Staat als Motor und Quelle allen Wohlstandes, die Politik als Anlaufstelle zur Erfüllung aller Wünsche und Lösung aller Probleme erleben hat lassen. Also hat auch "die Gesellschaft" (die es ja nur konkret gibt, als Land, als Staat, als Stadtgemeinde etc.) dafür Sorge zu tragen, daß sie in diese Lage kommen. Und das ist ein Systemproblem, kein einfach moralisches Problem dieser jener, oder einiger weniger.

Aber noch eine entscheidende Haltung ist vielfach Merkmal der Zuwanderung, der "Gastarbeiter". Auch diese kennt der Verfasser dieser Zeilen aus eigener Anschauung, wenn auch mit umkehrten Vorzeichen. Als er während des Studiums immer wieder für Monate nach Deutschland ging, um in relativ kurzer Zeit, unter Ausnützung bestimmter steuerlicher Begünstigungen, Geld zu verdienen, das ihm das Studium (mit)finanzieren sollte, suchte er als Unterkunft in dieser Zeit eine Bleibe, fast egal welchen Zustands. Er "lebte" dort nicht, er wohnte nur soweit, als es zur Aufrechterhaltung der notwendigsten Lebensvollzüge notwendig war. Nichts an dem Land interessierte ihn in jener Weise, daß man von "Integration" sprechen hätte können. Er wollte an ihrem Geldgebaren teilhaben, aber nicht in dieser Gesellschaft als Teil leben. Er war in einer Ausnahmesituation, einem geringeren Übel, blieb bewußt in einer Situation der Vorläufigkeit.

Genau so verhielten sich nahezu alle die Gastarbeiter, die seit den 1960er Jahren ins Land kamen. Ja Rückkehr war sogar ausgesprochene Absicht. (Diesem Umstand verdanken wir die ersten Pizzerien in Deutschland, übrigens: Teil dieser als vorläufig gelebten Parallelgesellschaften.) Ihre sprichwörtlich katastrophalen Lebensumstände, die sogar manche Entwicklung verhinderten (man denke an Gebäude, die plötzlich wieder geschäftsfähig, wiewohl in desolatestem Zustand waren).

Diese Lebensumstände waren also keineswegs Ausweis mangelnder Aufnahmebereitschaft der Inländer, sondern selbst gewählter Kompromiss, denn sie wollten nur eines: Geld verdienen. Je mehr, desto besser. Mit dem sie dann in die Heimat, irgendwann, zurückkehren wollten. Oder parallel, in den Sommermonaten, ihre Häuser in Pristina oder auf Krk bauten, nicht selten um durch Tourismus, den die daheim gebliebene Frau oder Großmutter managte, weiteres Geld zu verdienen. Für diese Menschen war Österreich, war Deutschland kaum etwas anderes als die Tankstelle ihres zukünftigen Wohlstands, Integration wurde nur soweit betrieben, als sie unumgänglich war, oder eben so mal "passierte". Der Verfasser dieser Zeilen hat bei seinen Arbeitsaufenthalten in Stuttgart Anfang der 1980er Jahre genau diese Haltung bei den zehntausenden Türken und Jugoslawen, die dort die Fließbänder bearbeiteten, in Vollgestalt erlebt. Niemand von diesen Leuten wollte je in Deutschland leben - eine Haltung der Verachtung, übrigens, die so manches andere mit erklärt.

Und noch vor wenigen Jahren hat der Verfasser im Gespräch mit älteren Türken und Serben, die sich seit den 1970er Jahren in Wien aufhielten, die erstaunliche und gleiche Erfahrung gemacht, daß die nur ein Ziel hatten: So lange hier zu bleiben, zu sparen, mieseste und vorläufigste Lebensumstände auf sich zu nehmen, bis sie in Pension gehen konnten. Um dann in ihre Heimat zurückzukehren. Ihr Hierbleiben war oft regelrecht zufällig, hat aber ihre Grundmotivation nicht verändert.



Teil 2) Das sogenannte Wohlstandsgefälle ist kein Grund,
es ist eine bequeme Ausrede
 




*Journalismus ist von Literatur nicht zu trennen, unterliegt in seiner Wurzel deshalb derselben ethischen Verpflichtung und praktischen Genese. Ist in gewisser Weise Literatur, der die Zeit fehlt, zur Literatur zu werden.





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Samstag, 26. November 2011

Schwere Versäumnisse - II

Teil 2) Gehen wir nicht diesen Weg, wird es Europa mehrfach zerreißen

So hätte zielgerichtete Außenpolitik aussehen müssen, und so müßte sie aussehen. Solange das nicht erkannt wird, wird es alle diese kleinen Staaten in der Spannung zwischen übermächtigem Zentralraum - EU, Weltgemeinschaft - und volkeigenen, "nationalen" Bedürfnissen zerreißen. Denn die Aufgaben sind so nicht lösbar, jeder Staat für sich gestellt stößt immer wieder auf eigentlich unlösbare Schwierigkeiten, weil die Probleme, die er ausgelöst hat, immer die falschen Ebenen betreffen. Ebenen, für die im Lande keine Strukturen da sind, nie waren wie nie sein werden.

Diese Staaten sind auch heute was sie sind, weil sie einen gewissen Weg gegangen sind, den man nicht einfach vergessen, auslöschen kann. Alle diese Länder sind in solchen übergroßen Strukturen aber ständig an den Rand des Abgrunds gedrängt, wo ihnen nur als Lösung bleibt: Überleben, aber totale Unterwerfung.

Zum Gegenbeweis kann die alle diese Länder gleichermaßen betreffende Problematik der jeweiligen Außenpolitik hergenommen werden, wo nur die Tschechei einen "Ausweg" insofern gesucht und gefunden hat, der übrigens historisch fast traditionell ist: durch eine starke Anlehnung an die USA hat dieses Land eine kleine Hintertür der starken zentraleuropäischen, aber damit vor allem deutschen Vorherrschaft geschaffen. An den Wirtschaftszahlen aber läßt sich deutlich absehen, daß eben dieser geographische Raum zu einem Hinterhof Deutschlands heruntergekommen ist. Auch das ist historisch absolut nicht einmalig, sondern nachvollziehbar gewachsen bzw. verursacht. Passiert nichts, wird der Konflikt sich erneut auf dasselbe alte und ungelöste Thema zuspitzen: Deutschland gegen England und Frankreich! Beide Länder können sich seit Jahrhunderten nicht mehr anders helfen, als Europa zu schwächen, um selbst zu überleben, angesichts eines unvermeidlich übermächtigen Deutschland.

Christoph Steding hat es in seiner Studie "Das Reich und die Krankheit der europäischen Kultur" 1937 überzeugend nachgewiesen (wenn auch mit anderen Schlußfolgerungen beendet): Europa pendelt seit vielen Jahrhunderten zwischen dieser Logik, wonach ein starkes Deutschland ein schwaches Westeuropa, und umgekehrt, bewirkt.*

Dafür gibt es nur einen Ausweg, und er ist historisch-politisch so logisch, daß alle Probleme, die diese Länder haben, damit weitgehend erklärbar sind, ob wirtschaftlich, ob kulturell, ob innenpolitisch wie außenpolitisch (so sehr diese beiden Bereiche nämlich zusammenhängen): wenn jeder dieser Staaten begönne, sich erst einmal um die regionalen, zentraleuropäischen Aufgaben und Nachbarn zu kümmern, um so die notwendige und richtige Symbiotik, Verwachsenheit im Nahraum zu erreichen. Um dann die nächsten Schritte anzugehen.


Daß die EU selbst sich in Hinblick auf diese Logik, die ja mehr Staaten und Räume betrifft (man denke da nur an das Baltikum mit Polen und Weißrußland, mit assozieerten Räumen in der Ukraine und in Rußland selbst; man denke an den Balkan, Räume, die allesamt ähnlich gelagerte Probleme haben, die Pleite Griechenlands hat ihre Wurzeln GENAU DORT: im inadäquaten Anspruchspartner), zwar neu adaptieren müßte, zugleich aber in einer Strukturreform weit besser aufgestellt wäre, als sie es derzeit ist, würde ihr en passent einen weiteren Vorteil verschaffen: sie hätte endlich jene Hände (weil den Rücken) frei, der sie die Aufgabe erfüllen ließe, zu der sie einzig - ich betone: einzig! - sinnvoll (und da wäre sie es wirklich) ist: um Europa im weltweiten Konzert seine angestammte und gleichfalls historisch gewachsene Rolle spielen zu lassen.

Denn die Welt leidet am selben Syndrom: es fehlt ihr jede Struktur, weil ihr jener Kopf, der ihr alle diese Ideen gab, die heute ihren Geist bestimmen, aber zu reinen Logizismen verkommen, weil ihr der Repräsentant abhanden gekommen ist. Man denke nur an Afrika! Ideen aber, Geist, lebt nur personal, persönlich, nicht als mathematische Formel und Funktion.



*Mit einer interessanten historischen Tatsache: daß es immer der schweizer-allemannische Raum war - Baseler Raum, Elsaß, Rheingebiet -  der die Stärke Deutschlands von innen her bestimmte, oder aushebelte. In gewisser Hinsicht könnte man die Habsburger (Freiburg!) als Bestätigung dieser These betrachten: die Wahl Rudolfs von Habsburg zum deutschen König und Kaiser des Römischen Reichs 1278 erfolgte ... um einen starken zentraleuropäischen Raum zu vermeiden, der sich in Ottokar von Böhmen längst zu bilden angeschickt hatte, der in Wahrheit jene Mission verfolgte, die ihm die Habsburger dann aus der Hand nahmen, UND um ein starkes Deutschland zu verhindern.

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Freitag, 25. November 2011

Schwere Versäumnisse - I

Allmählich wird immer sichtbarer, was an Außenpolitik im zentraleuropäischen Raum - und ich spreche von jenem Raum, der 1918 zerschlagen worden ist, geographisch also vom Raum der ehemaligen Monarchie - v. a. seit 1945 versäumt worden ist. Und ich meine da vor allem Österreich, aber es betrifft alle übrigen Länder der ehemaligen Donaumonarchie.

Zerschlagen in lauter Kleinstaaten, steht diesen Kleinstaaten nur eine große, übermächtige EU-Ebene gegenüber, und jeder dieser Staaten muß sich politisch nach der Pfeife Brüssels richten, das völlig logisch zu einer Hierarchie wird, an deren Spitze Deutschland steht, auch wenn Frankreich noch so tut, als könne und wolle es mithalten. Damit bauen sich in Europa dieselben Spannungen auf, die bereits im 19. Jahrhundert jene Pulversituation bewirkt haben, an der das Faß ab 1914 bis 1945 auseinanderflog - die Situation eines harmonischen Kräftespiels am Kontinent.

Es geht gar nicht um eine Wiedererrichtung der Monarchie, auch wenn diese als Konzept für alle betroffenen Staaten politisch das einzig Vernünftige wäre - aber reden wir von Österreich, Tschechei, Slowakei, Ungarn, Slowenien, Kroatien, und reden wir von "assoziierten Gebieten", wie der Westukraine und Siebenbürgen, denn als Ganzes wären diese Länder (die Ukraine wäre zu groß, zu inhomogen, Rumänien und Bulgarien wären allerdings überlegenswerte Kandidaten in einem späteren Stadium) und natürlich ... Südtirol und den Triestiner Raum. Hier ist ein historisch und kulturell homogener Lebensraum, in dem seine momentane kulturelle Gestalt historisch so gewachsen ist, daß er auf ein Ganzes hinzielt, bzw. aus diesem herauswuchs.

Das hätte auch anders kommen können, gewiß, aber es ist so gekommen, und in dieser Konstellation ist dieser Raum gewachsen, mit einer wirklich eigenen Kultur, mit ganz realen wirtschaftlichen und persönlichen Symbiosen: unsere momentanen Strukturen sind, ob wir das wollen oder nicht, aufeinander zu gewachsen und NUR miteinander das, geworden, was sie heute sind. Es ist deshalb regelrecht sinnlos so zu tun, als könnte sich für jeden dieser Staaten ein eigenes Profil, ein eigenes Szenario des Weiterlebens entwickeln. Alles das sind Notlösungen, und sie entsprechen nicht den wirklichen Gegebenheiten und Bedürfnissen.

Otto v. Habsburg hat deshalb immer wieder sehr richtig von einer "historischen Mission" Österreichs gesprochen, und er hat genau das damit angesprochen. Diese Rolle hätte Österreich ausfüllen müssen, sie hätte uns Identität gegeben, und es wird uns auch keine andere Rolle Identität geben, so sehr wir uns auch bemühen, "selber" zu einer solche zu kommen - Identität hat mit Außenbeziehungen zu tun. Wenn wir aber dieses "für andere" umlügen wollen, umdeuten wollen, weil uns die wirkliche Baustelle zu mühsam ist, die auch wir mit angerichtet haben - es bedürfte da durchaus einer Aufarbeiten der historischen Schuld der Habsburger, denen Familienpolitik oft genug mehr wert war als Staatspolitik -

Natürlich hat es diese außenpolitischen Ansätze immer gegeben, ich erinnere an Erhard Busek, der gleichfalls immer von diesem zentralen europäischen Raum sprach, und der damit der letzte relevante Politiker Österreichs war, der dies thematisierte. (Wobei Busek sogar - allerdings in unbedeutenden Funktionen - an solchen Assoziationskörperschaften arbeitet, so sehr Busek selbst fragwürdige Gestalt ist.)

Dann, aus diesem geeinten Zentralraum heraus, wo mit Augenmaß und im Nahverhältnis alle jene Probleme gelöst werden können, die nur in jeweils stufenweise sich erweiternden Nahkreisen gelöst werden können, dann erst kann der nächste Schritt getan werden, der Zusammenschluß mit dem nächst weiteren Kreis, und damit erst sind wir bei der EU angelangt. Und aus dieser heraus erst kann es in Weltverbände gehen.

Morgen_ Teil 2) Gehen wir nicht diesen Weg, wird es Europa mehrfach zerreißen


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Mittwoch, 2. Februar 2011

Freigewählte Sklaverei

Die rumänische Zeitung ''Adevarul'' (Bukarest) schreibt zu den Aufständen in Ägypten:

"Afrika brennt. Die Revolution hat begonnen. Die Menschen gehen auf die Straße, weil die Lebensmittelpreise explodiert sind. Sie wollen Freiheit, ein besseres Leben. Das heißt: dasselbe, wofür wir vor 20 Jahren gekämpft haben. Damit wir wie im Westen leben, damit wir all das haben, was die Menschen im Westen haben. Bekommen haben wir die Illusion eines besseren Lebens, in Form von Mobiltelefonen, Farbfernsehern mit 110 Programmen und Häusern, für die auch unsere Kinder werden bezahlen müssen. Wir haben alles, aber auf Pump. (...) Man schreit uns in die Ohren, dass wir frei seien. Aber eigentlich sind wir mit Ketten an den Füßen geboren worden. Wir sind die Sklaven der Mächtigen, derjenigen, die geben."

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Montag, 24. Januar 2011

Den Stier bei den Hörnern gepackt

Köstlich, wirklich köstlich! Dacia verrät auf eine äußerst sympathische Weise, die den Stier bei den Hörnern packt, seine Herkunft nicht. Welche Selbstironie! Zielt man aber auf geistvolles Publikum? Wenn das nur nicht schiefgeht. Ein Ehrenpreis in der heurigen Endwertung für Humor ist ihnen aber gewiß.


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Freitag, 14. Januar 2011