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Montag, 14. Juni 2021

Geöffnete Schleusen der Rache

Aus einem bestimmten Blickwinkel betrachtet, werden die Analogien zu den Vorgängen in Rußland 1920 und Deutschland 1933 bis 1945 noch schlagender. Denn wer nach Uniformen sucht, sieht sie in jedermanns Gesicht - denn die Masken sind die aktuellen Uniformen.* Sie statten jeden Einzelnen mit der absoluten Systemmacht aus. Er wird sogar zum Entscheidungsträger darüber, ob jemand zur Gemeinschaft gehört, oder nicht.

Und dieses Element des Dazugehörens ist für den Menschen immerhin essentiell. Wer glaubt, er könne sich davon absentieren, geht einer fatalen Täuschung auf den Leim. Denn das Wesen des Menschen ist nicht einfach nur "sozial" im Sinne der Soziologie, sondern auf Gemeinschaft mit dem Sein selbst, also Gott, ausgelegt. Deshalb muß jeder Mensch irgendwo dazugehören, und hat er Gott nicht, sind es auf jeden Fall menschliche Gemeinschaften und Gruppen. Nichts ist so dumm, lächerlich und langweilig wie dieses Gerede vom "emanzipierten Menschen", der "selbständig denkt."
Endlich kann die Kassiererin im Supermarkt, der Lagerarbeiter, der Portier die totale Macht verkörpern, gleichberechtigt mit allen, gleich mit allen gemacht. Endlich können sogar die Kinder, instrumentalisiert von Schulen und Kindergärten, ihre Eltern beherrschen, sich ihnen gleichstellen.
Aber noch ein Moment wird bedeutend,

Freitag, 26. März 2021

Wissenschaft als Zumpferlspiel

Im Jahr 1990, der VdZ hat wohl schon hier berichtet, hatte der VdZ als Bauunternehmer Aufträge im Wert von hundert Millionen abzuwickeln. Fehlte es an österreichischen Fachkräften, um diese Produktion zu stemmen, engagierte er, auf Vermittlung eines slowakischen Architekten, unter anderem ein Dutzend tschechischer Fachkräfte. Darunter einen Diplomingenieur J. Der mit nachweisbarem Hochschulzertifikat auch damit beauftragt war, die Produktionsunterlagen für eine Buswartehäuschen-Serie auszuarbeiten, denn der VdZ sah richtig voraus, daß dies einen nicht unbeträchtlichen Markt in Niederösterreich ergeben würde. Und dieser Diplomingenieur war ja Fachkraft für Holzbau. 

Nach einer Woche zäher Zeichentischarbeit, mit der endlich einmal Kalkulationsgrundlagen auf dem Tisch lagen, staunte der VdZ, daß die Dimensionen der Hölzer für die Konstruktionen ums drei- und mehrfache überdimensioniert waren. Unsichtbar und deshalb nur statisch von Belang, betraf nur diese Position gute fünf Prozent der Verkaufskosten. Völlig perplex guckte Dipl. Ing. J den VdZ an. SO hätten sie nie gedacht. 

Es fehlten Kriterien, ganz einfach. Es fehlten dem Sozialismus Kriterien des vernünftigen, also freien Wirtschaftens und Arbeitens. Und deshalb haben dem Diplomingenieur J jene Kriterien gefehlt, die sein Denken überhaupt relevant gemacht haben. Er hat studiert, aber sein Studium war sinnlos gewesen.

Auf so einer Basis läßt sich natürlich leicht von "Gleichheit" reden. Und - wie in den 68ern samt Nachläufern - vom Muff der Talare skandieren, mit denen man die Relevanz von Wissen, Denken und Logik entsorgte. Die dem eigenen Aufstieg im Wege standen. Jeder ausgebildete, erfahrene Zimmermann in den Reihen der Arbeiterschaft des Betriebs des VdZ war kompetenter. Interessanterweise schien das J zu ahnen, und er ordnete sich auch von Anfang an in diese Arbeiterschaft ein, suchte und fand seinen Platz in der Hierarchie der im Betrieb tätigen Menschen. Und war von Anfang an, getragen von dieser demütigen Haltung der Einordnung als Suche nach dem rechten Platz in der Welt, ein braver, verläßlicher Zimmermann, der in einem begrenzten Rahmen Verantwortung tragen konnte. Der VdZ erinnert sich gerne. Man mußte ihm nur die Aufgaben klar definieren, umreißen, begrenzen.

***

Masha Gesten schreibt in dem spannenden exzellent geschriebenen (und übersetzten) Buch "Die Zukunft ist Geschichte - Wie Rußland die Freiheit gewann und verlor" über die Entwicklung der Naturwissenschaft in der UdSSR. Die in einer immer größer werdenden Frustration der Sowjetforscher endete. Ausgehend vom Primat und den damit ausgehenden Direktiven des Zentralkomitees der KPdSU wurde, schreibt Gesten, die Naturwissenschaft des gesamten Einflußbereichs der kommunistischen Parteien mehr und mehr irrelevant. Die Partei gab vor, was die Forschung zu ergeben hatte, die Ideologie (wie sie die Partei ausdefinierte, und das war nie berechenbar) bestimmte, was zu denken und zu "finden" überhaupt erwünscht und den Gesamtzielen der sozialistischen Gesellschaft zuträglich war. 

Das führte bis in die 1970er-Jahre zu einem immer deutlicheren Rückstand der "sozialistischen Wissenschaft" hinter der Forschung des Westens, schreibt Gesten. Ganze Forschungsgebiete waren eliminiert worden, die sich nun aber als elementar herausstellten. Aufbauend auf Geheimdienstberichten, war das der damaligen Führung der UdSSR endgültig klar. Sie beschloß  (gar nicht so sehr unter Chruschtschow, vielmehr unter seinem Nachfolger Breschnew) deshalb eine Wende. Es war die Wende zu Realen, zum Realismus. 

Natürlich aber getragen von jenem Pragmatismus, der seine Relevanz aus der Nützlichkeit für die politisch definierten gesellschaftlichen Ziele bezogen hat.

Vor diesem Hintergrund betrachtet, ist der hier angefügte Film des Radio Berlin-Brandenburg (rbb) erst interessant. Denn die vorgeschobene "Erklärung" für das "Aufkommen der Rechten", auf die die Geschichte des Mauerfalls" reduziert wird, folgt nur dem üblichen Stumpfsinn. 

Der einer Gesellschaft entspricht, die eine Sendeanstalt aus politischem Willen und von Steuergeldern bezahlt, die nicht in der Lage ist, die Realität des Lebens adäquat zu beschreiben. 

Selbst wenn man anerkennen muß, daß eine Reihe von Tatsachen vorgestellt wird, die manche sehr richtige, unideologische Interpretation der Geschehnisse seit 1989/90 im Rahmen der "Wiedervereinigung" immerhin zuläßt. 

Wie doch das Grundkonzept scheitert. Der hauptsächliche Grund zur Kritik ist der Enttäuschung geschuldet, daß zur Erreichung von "sozialen Zielen" nicht und nicht das "Prinzip Leistung" den Platz in der Hierarchie zu bestimmen vermag. Wie interessant, daß dieses vorgebliche Siegprinzip des Westens gar nicht greift, wie die Ostdeutschen wieder und wieder erkennen mußten.

***

Norman Dennis, Fernando Henriques und Clifford Slaughter zeigen in ihrer (zumindest in der englischen Sozialforschung) legendären Buch "Coal is our Life" einen interessanten Zusammenhang auf. Sind die englischen Kohlearbeiter mit ihren Sozialforderungen erfolgreich, steigen also die Löhne der (damals) hunderttausenden Kohlearbeiter, so fließen diese Gelder in jene Bereiche des Konsums, die diese soziale Gruppe bereits zuvor gekennzeichnet haben. 

Bei höherem Lohne, steigen etwa die Einkaufssummen in Supermärkten, die den Grundbedarf decken, aber es steigen auch die Ausgaben in den Pubs, wo die Männer sich darin überbieten, Runden für ihre Kumpels zu schmeißen. Denn dieses Ritual hat für diese soziale Gruppe enorme, hierarchiebegründende wie -erhaltende Bedeutung. Wer immer mit seinem Einkommen "gruppenidentitätsfremdes" Verhalten finanzieren wollte, fällt aus seinem Identitätskreis, wird nach einem Prozeß der Ächtung zum letztendlich Ausgeschlossenen. Und DAS versucht jeder unbedingt zu vermeiden.


Praktisch keine dieser Mehreinnahmen aber fließen in Bereiche, die den Sozial- und Identitätskreis dieser Gruppen übersteigen. 

Es werden keine neuen Gewohnheiten finanziert, es werden keine "höheren" sozialen Ziele angestrebt. Einkommen und Geld bleiben im Rahmen der sozialen Gruppe, der man über den Vater und damit über die wesentliche, gegenwarts- weil identitätsbegründende Tradition zugehört.



*200321*

Freitag, 16. Oktober 2020

Und der muß es ja wissen!

Was Hans-Georg Maaßen da vorträgt, werter Leser, ist nicht nur hörenswert. Es spricht sogar aber etwas an, das längst in unseren Gehirnen präsenter sein hätte müssen. Daß es das nicht ist und war haben wir eben jener Unterwanderungsstrategie zu verdanken, auf die der KGB bzw. die kommunistischen Politrucks seit den späten 1950er Jahren umgestiegen sind. 

Was hier vorgetragen wird hat nicht nur die Glaubwürdigkeit aus Logik und Erhellungskraft, aus Offenbarungen wie die aus den Mündern abgesprungener ex-kommunistischer Geheimdienstleute - einige sind auch hier bereits vorgestellt worden - die eindringlich seit Jahrzehnten gewarnt haben. Sondern man muß bedenken, daß Maaßen ehemaliger Chef des deutschen Bundesnachrichtendienstes, also eines der Geheimdienste Deutschlands!, gewesen ist. 

Und er räumt mit so manchem Märchen auf, das uns aufgedrückt worden ist. Beginnen wir einmal bei der Wiedervereinigung. Die bei uns vorgestellt wird und wurde, als wäre sie ein rein demokratischer Akt eines Volkes, das sich erhebt, als logischer Schritt der Gesellschaft. Mitnichten! Es war ein Programmpunkt innerhalb der KGB-Strategie! Zu dem gehörte, die ehemalige SED-Landesführung der DDR abzusetzen, weil die die Theorie nach wie vor zu ernst nahm und das eigentliche Ziel dessen, was HINTER DEM KOMMUNISMUS steht, die Weltrevolution weil damit die Weltherrschaft, nicht wirklich verfolgten. 

IHR DÜRFT AUCH NICHT GLAUBEN; WAS IHR SEHT. Das muß jeder beherzigen, der meint, aus den politischen "Geschehen" auch die Motive und Ziele ableiten zu können. Mitnichten und -neffen! Wer vergißt, daß wir es mit einer politischen Vereinigung zu tun haben, die ganz klar das Ziel der Weltherrschaft verfolgt, und zwar von Anbeginn seines Bestehens an, und die daraus noch dazu nicht einmal ein Hehl gemacht hat, dem ist nicht mehr zu helfen. 

Und wir sind so weit. Maaßen sagt es: Im Westen meinte man, Kommunisten seien Sozialdemokraten, die halt ein bißchen mehr wollen. NEIN. Kommunisten sind Menschen, die ein anderes System wollen! Auch die DDR kann nicht auf zwei Sündenböcke reduziert werden, auf das MfS und die SED. Man vergißt, daß sogar die Ost-CDU und sogar die Kirchen überzeugte Kommunisten waren. Das heißt nach 1990 die Integration der Ost-CDU in die CDU einfach zu integrieren. Die Folgen - Merkel! - liegen auf der Hand. Plötzlich betreiben christlich-demokratische Politik Menschen, die in Wahrheit Kommunismus wollen (und das "mit menschlichem Antlitz" verhübscheln).

Man ist kein Verschwörungstheoretiker, wenn man aufhört, an den Weihnachtsmann zu glauben. Und dieser naive Glaube beherrscht nach wie vor unser Denken. Und das nicht zufällig! Sondern als Teil einer Strategie, die - hätte es die Wiedervereinigung nicht gegeben - zehn Jahre später Westdeutschland wie eine reife Frucht in den Schoß des Kommunismus fallen hätte lassen. Die Integration der DDR war aber der schnellere und elegantere Weg, als Taktik im Rahmen der Perestroika-Verwirrung, die man im Westen ausgelöst hat. 




Dienstag, 28. Januar 2020

Ein hartnäckiges Gerücht (2)

Teil 2) Vorsicht mit Lorbeerkränzen


Renault R5, Baujahr 1972
Zurück zur Geschichte oder sagen wir: Zur Legende. Die führenden Funktionäre haben aus verschiedenen Gründen, über die man nur spekulieren könnte (denn ganz einleuchtend ist keine der dann nötigen Erklärungen), angeblich dieses bahnbrechende, wegweisende Konzept abgelehnt. Daraufhin hätten die Zwickauer die Pläne kurzentschlossen VW angeboten, und dessen Manager hätten sofort zugeschlagen.

Um kurz darauf mit dem Golf aufzutauchen, welches VW, das damals in einer substantiellen Krise stand (der Käfer war am absteigenden Ast, ein Alternativkonzept für ein nächstes Massenauto aber nicht vorhanden), in die Lage versetzte, das Feld sozusagen "von hinten" aufzurollen, und sehr bald sämtliche Konkurrenten am Weltmarkt zu überholen.

In der BRD längst bekannt:
Kompakter Glas 04, Bj. 1960 (!)
Nimmt man einmal aus, daß VW mit seinem hohen Anteil an Staatsbeteiligung ein spezieller "Feind" des Ostens war, wäre aber aus anderen Gründen bei so einer Geschichte nicht nachvollziehbar, warum VW das hätte getan haben sollen. Der 1975 auf den Markt gebrachte Golf 1 hatte nichts von so einem Konzept, außer die Raumidee, und die war auch nicht neu. Der kommende Golf war sogar in der Karosserie anders aufgebaut. 

Und VW hätte zudem nichts für ein Raumkonzept dieser Art bezahlen müssen, wenn es diese Ideen nicht schon selbst gehabt hätte. Weil die gesamte europäische (und bald auch die japanische) Konkurrenz mit solchen Modellen bereits am Markt WAR. Schon lange sogar. Der Glas 104 etwa wurde schon 1960 auf den deutschen Markt gebracht. Und die Reihe ließe sich lange fortsetzen. Und das technische Konzept des Golfs hatte VW bereits 1970 mit dem K70 des späteren Golfs produziert.

VW K70, Baujahr 1970
Es war nur noch ein bißchen früh für alle diese Wagen gewesen. Der Zeitgeist für solch ein Auto war erst ab der Mitte der 1970er Jahre so weit gediehen, daß die Nachfrage danach tatsächlich explodierte. Ab da stimmte Form und Inhalt erst zusammen.

Und was war da neu am Zeitgeist? Der Funktionalismus brach sich endgültig Bahn. Überall, nicht nur am Automarkt. Die Autos, die seither gebaut werden, zumindest am Massenmarkt, zumindest beim "Auto für jedermann", haben den ursprünglichen Ansatz der Idee Auto auf den Kopf gestellt. Bislang war "Gestalt" und der Ordnungsraum, in dem sich Gestalt fand und befand, der Ausgangspunkt, und die Technik füllte diese Gestalt. Nun war es umgekehrt. Es ging um Funktionen, um auf bestimmte Aspekte hin reduzierte "Leistung". Design, Art, ja Lebensart wurde zum Zusatzpünktchen, zur eigenen Sache, die man den Dingen nur noch wie Quasten - wenn auch nicht wirklich nötig - umhängte.

Den klaren Zusammenhang aber, den Wahrheit und Schönheit und Gutheit mit Freiheit und schöpferischem Leben sowie einem gedeihlichen Ganzen (sic!) einer Gesellschaft und so auch einer Volkswirtschaft haben, müssen wir hier nicht noch einmal aufzeigen. Der Leser kann es außerdem selbst sehen. Denn spätestens seit dieser Zeit schustern wir (v. a. politisch) nur noch an Reparaturmaßnahmen herum, um die getroffenen Entscheidungen irgendwie noch auf "gut" zu trimmen, weil es ihnen allen sichtbar an so vielem mangelt. Was wir aber seither nur noch posthoc sehen. (Deshalb auch der Aufschwung des Liberalismus zur alleinseligmachenden Ideologie heute. Er macht es genauso, weiß alles erst im Nachhinein, aber dann viel besser.)

Peugeot 104, Baujahr 1972
Die Ingenieure in der ehemaligen DDR waren denen im Westen was die intellektuelle Kapazität anbelangt um nichts unterlegen, im Gegenteil, oft überlegen, weil Meister der Improvisationskunst, die Selbständigkeit beim Denken verlangt, was den Menschen im Westen immer mehr abhanden gekommen ist. Aber man sollte die Kirche im Dorf lassen, und muß ihnen nicht auch den VW-Golf als Goldmedaille umhängen, das haben sie nicht notwendig. Denn VW in Wolfsburg hätte diese Nachhilfe nicht gebraucht.

Es bleibt, und das ist nachweis- und belegbar, daß AUCH die Ingenieure in Zwickau sehr genau wußten, was sich am weltweiten Automarkt abspielte, und wohin der Zeitgeist im Westen ging. Ja, sie ahnten es sehr früh, als noch nichts am Markt wirklich darauf hinwies. Aber darin waren sie nicht die einzigen. Es hing einfach Anfang der 1970er in der Luft, und bekam seinen Anschub spätestens mit der (künstlich erzeugten) Ölkrise. Die ihre Auswirkungen auch in der Art, Dinge und Leben zu denken, hatte. 

Fiat 127, Baujahr 1971
Daß der Golf, diese Erfolgsgeschichte der deutschen Industrie und Ingenieurskunst, nur durch die DDR-Ingenieure genommen habe ist deshalb ein Mythos. Der wie jeder Mythos ein Archetyp in die Welt stellt. Daß nämlich die größeren Geister jenseits der Mauer tätig waren. Sie wurden nur durch das Regime an der vollen Entfaltung ihrer Fähigkeiten gehindert, haben insgeheim und auf mannigfaltige (auch illegale) Weise denn doch die Geschichte des Westens bestimmt. 

Freilich, das Letztere stimmt. Wenn auch auf eine andere Weise. Aber mit dem Bekränzen mit Lorbeeren für die Entwicklung im Westen wäre der VdZ ziemlich vorsichtig. Sie könnten faul sein und stinken.






Montag, 27. Januar 2020

Ein hartnäckiges Gerücht (1)

VW Golf, Baujahr 1975
Man liest es immer wieder, und seine Absicht ist klar, verstehbar und sogar gerecht: Die Ingenieursleistungen in der DDR waren um nichts weniger hervorragend wie im westlichen Bruderstaat. Oft sogar insofern genial, als sie mit weit weniger Möglichkeiten auskommen mußten und deshalb Umwege brauchten, die für westliche Ingenieure gar nicht nötig waren. Über diese Umwege kamen oft genug neue Ideen ans Tageslicht, die jede Anerkennung verdienen. 

Nur eines haben die DDR-Ingenieure nicht gemacht: Sie haben dem VW-Konzern nicht beigebracht, wie das Auto der Zukunft Ende der 1960er Jahre auszusehen habe, und - konkret - den VW-Golf entwickelt. Ein Wagen, dessen Erfolgsgeschichte nur mit dem des Käfers vergleichbar ist. 

Michael Khan geht der Geschichte der Kompaktwagen dieser Art nach, der bis heute einen großen Teil des Kleinwagensektors beherrscht, und damit auch der Geschichte des VW-Golf. Er kommt zu dem recht plausiblen Schluß, daß diese Art von Autos schon überall in Europa in den Startlöchern stand oder sogar schon gestartete Raketen waren, weil es einfach im Zug der Zeit lag. Nahezu jeder europäische Autohersteller kam deshalb Jahre vor dem Golf mit Kompaktwagen ähnlicher Art und Technik auf den Markt, VW hätte den DDR-Golf, selbst wenn er im Osten erfunden worden wäre, nicht gebraucht. Und daß die VW-Ingenieure die Augen offen hatten, was sich so in Europa tat, kann man annehmen. Auch technisch war mit dem K70 alles bereits vorhanden, das später im Golf seine perfekte Kombination fand.

Aber dennoch gibt es diese Legende. Der VW-Golf sei im Autokombinat  VEB Sachsenring in Zwickau entwickelt worden, wo man auch den Trabant baute und nach Neuem sann. Und so kam man auf ein neues Kompaktauto, Zweitürer mit Heckklappe, wassergekühltem Reihenmotor und Vorderradantrieb (schon vergessen? auch das kam in den 1970ern erst so richtig, vorher war jedes Auto heckgetrieben), viel Stauraum (für die bei uns erst jetzt aufkommende Art, in Einkaufszentren und Supermärkten einzukaufen, und außerdem: Um in Urlaub nach Rimini zu fahren, auch das kam jetzt erst so richtig auf), und dennoch nötigenfalls Platz für vier oder fünf Passagiere, trotz der Kleinheit der Außenmaße. Das alles war in der DDR-Version noch auf der Grundlage eines Stahlgerüsts gedacht, das auf die übliche Art mit Plaste-Karosserie umhüllt wurde. Das neue Wagenkonzept war zwar für den Zweitaktmotor des Trabant gedacht, wäre aber mit tschechischen oder rumänischen Motoren jederzeit aufrüstbar gewesen. 

Die DDR-Ingenieure haben bekanntlich ja nie einen brauchbaren Viertaktmotor entwickeln können, so schon vor Jahrzehnten der +Schwager des VdZ, Gott hab ihn selig, ein selbst in der DDR geborener, mit den Eltern aber "hinübergewechselter" Motoringenieur mit viel Überblick und Sachverstand. Der auf seine schnoddrige Berliner Art seufzend stets gemeint hatte: "Die kriejen eenfach keen' Viertakter uff die Reije, nich ums Verrecken, ick kapier's nich."

Nach 1945 waren aus zwei Gründen viele Konstruktionspläne eben einfach "verschwunden". Entweder wegen des bekannten Patentraubzugs der Amerikaner, die in einem wahren Blitzunternehmen mit LKWs noch im Frühsommer 1945 quer durch die Lande (auch im Osten) gerast waren, und hunderttausende Patente und Pläne (und Dokumente, wie schon 1919 übrigens) einkassiert und schiffsladungsweise (sic!) in die USA verschippert hatten. Wo man noch heute riesige Archive führt, die freilich nur Wenigen aufgeschlossen werden.

Aber auch ob des einfachen Umstands, daß die Eigentümer der Industriebetriebe, um absehbaren Enteignungen zu entkommen, nicht nur mit viel Kapital, sondern auch mit sämtlichen Produktplänen in die Westzonen abgedampft waren, um dort oft ganz neu anzufangen. Wenn auch nicht "ganz von vorne".

Die Russen kamen erst spät drauf, was da lief und kamen überall zu spät. Selbst beim beliebten "Export von deutschen Ingenieuren nach Moskau" blieb ihnen nur die zweite Reihe. Nicht nur also, weil Miami oder San Franzisco schon dem Ruf nach einen höheren Spaßfaktor haben als Tscheljabinsker Plattenbauten oder selbst Sotschis Freizeitkombinate, schoß der (buchstäblich) raketenartige Aufstieg der USA zur Technologieweltmacht Nr. 1 im Grunde auf deutschem Mist. Die deutsche Technik und Wissenschaft war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in fast allen Bereichen der der übrigen Welt um zehn, fünfzehn ja dreißig Jahre vorausgeeilt.

So aber wurden überall in der "Ostzone" entkernte Betriebe hinterlassen, von denen oft kaum mehr als die Hardware, also die anfaßbaren Gebäude, Maschinen und Arbeiter übrigblieben, die vieles nun neu erfinden mußten. Zeiss-Optik, deren Geschichte der VdZ etwas näher kennt, ist einer solcher typischen Fälle, drum erwähnt er sie. Der DDR fehlte fortan das, was jede Gesellschaft unbedingt braucht, um sich zu entwickeln: Ein solider, integerer Mittelstand. Diese Geschichte hat sich, übrigens, in allen jenen Ländern wiederholt, aus denen man nach 1945 die Deutschen expedierte. Darin, und nur darin gründet der immer katastrophalere Zustand der dortigen Volkswirtschaften. Es fehlten die Träger des Schöpferischen. Diesen Faktor kennt eben keine der "wissenschaftlichen Analysen" von Gesellschaften mit marxistischer Brille.

Morgen Teil 2) Vorsicht mit Lorbeerkränzen





Mittwoch, 22. Januar 2020

Manche wollen es ja immer noch nicht glauben

Er ist nicht sehr lang, also durchaus zu lesen, aber ganz erstaunlich offen und vielsagend: Im sogenannten "Schürer-Bericht", einer „Analyse der ökonomischen Lage der DDR mit Schlußfolgerungen“, eine damals "Geheime Verschlußsache", die dem Staatsrat vorgelegt wurde. Und die im Netz abrufbar ist. Gerhard Schürer, der als Hauptautor der Untersuchung zu dieser Erkenntnis kam, war immerhin jahrzehntelang Vorsitzender der Staatlichen Plankommission der DDR gewesen, also ein Kenner der Materie. In ihrem Bericht stellten die Autoren nach eingehender Analyse der wirtschaftlichen Situation fest, daß die DDR kurz vor der Zahlungsunfähigkeit stand.

Man sprach offen. Und gesteht implizit das völlige Scheitern der Zentralplanungswirtschaft ein. Weshalb raschest Maßnahmen einzuleiten wären, die einer "freien Wirtschaft" schon recht nahe kommen. Wenn man so will: Die DDR stand aus sich heraus vor einem Mauerfall, und die Staatsführung wußte das.

Nichts hat mehr funktioniert, nirgendwo erfüllte die Realität die Planung. Die allermeisten Zahlen blieben Makulatur. Das einzige, was plangemäß entwickelt war und die Steigerungsraten erfüllte, war die Versorgung mit Geld. Das aber in tote Sparguthaben floß, weil es keine Waren gab. Die Autoren empfahlen deshalb sogar, in weiten Bereichen Marktmechanismen einer freien Preisbildung einzuführen, weil dieses Geld, das der Bevölkerung zur Verfügung stand, nur noch zum Problem und zur Quelle wachsender Unzufriedenheit wurde. Kaufen konnte man sich dafür nämlich nichts, weil es die Produktion (Arbeit=Wert=Äquivalent in Geld), die hinter Geld stehen muß, nicht gab.

Das Lebensniveau insgesamt war somit ohne weitere Auslandskredite nicht mehr finanzierbar. Der Importüberhang war schon jetzt gewaltig, und würde weiter gewaltig steigen, weil auch die Exporte ständig fielen. Zwei Jahre wetterbedingter schlechter Ernteerträge wirkten sich zusätzlich verheerend aus, weil sogar die Lebensmittelreserven draufgingen.

Dabei würde eine Kreditaufnahme über den Internationalen Währungs Fonds bedeuten, daß die damit einhergehenden Forderungen nach Öffnung hin zu einer freien Marktwirtschaft das System hinterfragen würden, "was auf jeden Fall zu verhindern" sei. Aber es würde zweifellos offenbar, daß die Ost-Mark unter erheblichem Abwertungsdruck stand. (In Zusammenhang mit dem Importüberhang würde das sogar inflationären Preisdruck bedeuten, was aber in der Analyse nicht extra erwähnt wurde.) Mit größter Dringlichkeit mußte aber der Export in den NSW (Nicht-sozialistischer-Wirtschaftsraum) erhöht werden. Der Bericht empfiehlt Länder wie Frankreich, Österreich oder Japan. Dafür brauchte man wiederum Investitionen, in Maschinen aus dem Westen ...

Ein Teufelskreis, aus dem sich die DDR nur mit einem radikalen Rundumschlag - wenn überhaupt - befreien konnte. Das Ludwig-Mises-Institut faßt den Bericht zusammen und kommentiert ihn. Es hat recht, wenn es meint, daß dieser Bericht, der nach wie vor kaum bekannt ist, zum Grundstoff in den Schulen gehören müßte.

Schürer et al. weisen auf folgende Punkte hin:
  • Es fehlten materielle und finanzielle Anreize zu Wirtschaften; vor allem die Übernahme von privaten Betrieben durch die Kombinate mußte gestoppt werden, und die Betriebe brauchten Eigenverantwortung.
  • Es gab ein Missverhältnis zwischen „Überbau“ und produktiver Basis; die Verwaltung mußte teils drastisch, ja auf einen Bruchteil reduziert werden. Das Berichts- und Kontrollwesen war ausgewuchert und behindernd, es mußte, so der Bericht, auf Wesentliches eingeschränkt werden.
  • Wichtige Bereiche der Versorgung der Bevölkerung wurden vernachlässigt; viele Produkte gab es nicht, vor allem größere private Wünsche waren unerfüllbar (Autos, TV-Geräte, Stereoanlagen ...) Altbauten waren zu Zehntausenden unbewohnbar, die Infrastruktur hoffnungslos im Rückstand, ganze Städte (namentlich wird zum Beispiel Görlitz erwähnt) verfielen. Selbst der Standard von Sozialeinrichtungen wie Krankenhäusern fiel mehr und mehr.
  • Es gab nur geringe Investitionen, weil einfach kein Geld (Kredit) dafür da war, die notwendigsten Investitionen aber auf Importe aus dem "nicht-sozialistischen Wirtschaftsraum (NSW)" angewiesen waren. Interessant ist, daß sogar hier Realität einbrach, weil der Bericht weiß, daß solche Kredite nur durch Produktions- und Produktivitätssteigerungen rückzahlbar waren. Die man mit Planwirtschaft aber nicht erreichte. Man brauchte also dringend Devisen, die man wenigstens zum Teil durch "Nützung brachliegender Kapazitäten im Tourismusbereich" hereinholen wollte, sprich: Durch Anwerben westlicher Gäste.
  • Investiert wurde in den falschen Bereichen; die Wirtschaft blieb ineffektiv und die Produktivität fiel und fiel, weil auch die Produktionseinrichtungen immer mehr überaltert waren. Der Bericht beziffert den Anteil von Anlagen, die quer über die Branchen sogar überhaupt nicht mehr verwendbar (weil "ausgenutzt") waren, auf rund 50 Prozent. Unbedingt mußte deshalb den Betrieben volle Handlungsfreiheit gegeben werden, denn nur sie wissen, was notwendig ist, und nur sie können es auch kalkulieren und erwirtschaften.
  • Die eigene Planung wurde „in bedeutendem Umfang nicht erfüllt“. Als eine der Maßnahmen rät der Bericht dringend, daß zumindest Berichte über Zustände und Leistungen der Wirtschaft "wahr" zu sein hätten.
  • Die Situation ist so prekär, daß ALLE Vorschläge gleichzeitig umgesetzt werden müssen, sonst ist die unmittelbare Zahlungsunfähigkeit der DDR nicht zu vermeiden.
Interessant ist auch, daß der Schürer-Bericht davon spricht, daß die Grenzen fallen müssen, auch wenn man über die Konsequenzen noch genauer nachdenken sollte. Immerhin war es zu Zeiten offenerer Grenzen durch Abwanderung zu einem volkswirtschaftlichen Schaden von rund 100 Milliarden Mark gekommen. Anders als durch solche Öffnung wäre dem Westen (vor allem der BRD) aber nicht glaubhaft zu machen, daß die Veränderungen ernst gemeint wären. Um diese neue Öffnung vor der Welt zu dokumentieren, empfahlen die Autoren für 1995 sogar eine Bewerbung von Ost- UND Westberlin gemeinsam für die Olympischen Sommerspiele 2004.

Die Zeit gerade unter Gorbatschow sei dafür (1989) günstig. Eine Wiedervereinigung schloß man zwar aus, aber man sah insofern eine neue Zeit, als die DDR beweisen wollte, daß es mit der BRD "gute Nachbarschaft" pflegen und so seinen Beitrag zu einem "zu schaffenden europäischen Haus" leisten würde. Man müsse auf friedliche Koexistenz setzen, mit zwar unterschiedlichen Gesellschaftssystemen, aber durch eine Politik der Vernunft und Entspannung.

Was sagt aber der Bericht uns Heutigen? Viel, denn er gibt weit mehr als Auskunft über das Schicksal jeder sozialistischen Planwirtschaft. Das ist von höchster Brisanz, weil wir heute tatsächlich kurz davor stehen, unsere eigenen Volkswirtschaften auf solch ein Planungssystem umzubauen. "Energiewende" und "Klimarettung" heißt nichts anderes! Und man kann nur mit größter Sorge beobachten, was sich seit vielen Jahren im Energiesektor, derzeit besonders aktuell in der Autobranche abspielt.

Es ist deshalb kein Wunder, daß diese Entwicklungen unter einer Kanzlerin stattfinden, die in einem geschützten Sektor in der DDR sozialisiert wurde. Denn "Geld hatten die ja", sogar (über Auslandskontakte) Westware, und deshalb unhinterfragtes Vertrauen in die Planwirtschaft und die Möglichkeiten einer zentralen Steuerung von Wirtschaft generell. Ihnen erschien Wirtschaft als Mechanismus, der steuerbar ist, und nichts zwang sie in ihrer umzäunten Rundumversorgtheit, die Wirklichkeit der Welt zur Kenntnis zu nehmen.

Genau deshalb hatten sie keine Ahnung über den realen Zustand der DDR. Sie hatten auch keine Ahnung von Arbeit, denn die ist mehr als "tun". Und sie haben deshalb auch heute keine Ahnung über die Folgen, die ein Umbau unserer Gesellschaften zu sozialistischen Systemen haben wird.



 

Freitag, 25. Januar 2019

Der Freitag-Abend-Film

Auf diese Filmproduktion wurde der VdZ erst jüngst aufmerksam gemacht. Und er war überrascht über die Aktualität von "Durchbruch Lok 234" aus dem Jahre 1963. Der die schwierige Situation eines Familienvaters zeigt, der in einem System lebt und seine Kinder aufzuziehen versucht, die seinen Überzeugungen widerspricht. 

Es zeigt sich darin, daß man nur mit "Maßnahmen im eigenen Haus" nicht durchkommt. Besonders Kinder stehen - nicht per se, sondern durch das, was wir als "Errungenschaft" preisen, die Schulpflicht, der Kindergarten* - in einem Abhängigkeits- und Bildungsverhältnis zur Umwelt, und damit zu den öffentlichen ideologischen Systemen. Die - wie heute - in einem fundamentalen Konfliktverhältnis zu den Eltern stehen und keine Alternative lassen. Bleibt angesichts der Verantwortung überhaupt noch eine andere Möglichkeit als zu fliehen? Die innere Emigration bleibt in so einer Lage höchstens dem, der alleine steht.

Ein sehr spannender Film, der sich auf ein wahres Ereignis bezieht. Doch ist es gleichgültig, ob man den Ausgang kennt. Denn Spannendheit zeigt immer etwas an: Das Maß an Identifikation läßt sich im Bangen ums Gelingen einer Sache erkennen. Diese Identifikation ist immer die Ineinssetzung mit einem Archetyp, der auch im Betrachter selbst besteht. Die sich zwar nur an einem Konkreten zeigen weil wirklichen kann, wobei aber dennoch die konkrete Handlung, die Detailgestalten selbst, nur sekundäre Bedeutung hat.

Aber sie hat immerhin hinweisende, auf die konkrete Geschichtlichkeit bezogene Kraft. Im günstigsten Fall fallen also beide Dinge in eins, und der Archetyp trägt auch die wieder erkennbaren Kleider. Und da entfaltet jedes Drama (als Sonatenform - die zweite Form der Kunst neben der Fuge - in der Musik nicht weniger als in der Literatur, im Theater, oder eben im Film) seine entscheidende Wirkung. Wenn es gelingt, dieses (an sich a- oder prä-morphe) Archetypische, an dem man in der Darbietung teilgenommen hat, mit anderen Konkretionen zu füllen. Plötzlich kann sich dann das konkrete eigene ge- und erlebte Leben auf seine wirkliche Wirklichkeit hin erhellen.

Diese Leistung kann ein ideologisch konstruiertes, damit in seiner Tendenz immer totalitäres Werk (ideologische Werke haben immer die Starrheit eines künstlichen Konstrukts, denn ihnen ist die Freiheit, die Offenheit des konkreten geschichtlichen Ausgangs die drängendste Gefahr, weshalb ideologische Werke nie wirklich spannend sind, weil die Ideologie das Archetypische ersetzen will) freilich nicht erbringen. Es bleibt im Konkreten hängen, und meint, im Konkreten auch die kathartische (im "Feuer" reinigende) Wirkung festmachen zu können. Als würde sich das Archetypische immer in derselben Gestalt zeigen.

Man kann den ganzen dramaturgischen Konflikt, der sich im ersten Akt (Teil) aufbauen muß (Exposition), als Konflikt des Archetypischen als eigentlichem Wirklichkeitskreis mit dem Konkreten und dessen vordergründige Gesetzlichkeiten bezeichnen, das irrtümlich für das Wirkliche gehalten wird.

An der Fähigkeit zur Abstraktion läßt sich aber nicht nur die Reife eines Künstlers, sondern auch die des Publikums erkennen.** Eine Kunst, die einer Ideologie zuarbeiten möchte, ist deshalb immer unbrauchbar - und keine Kunst. Und ein Publikum, das ideologische Werke sucht, sucht nur die immer fragile Bestätigung der künstlichen Identität. Die entscheidende Tätigkeit des Künstlers ist somit der des Publikums ähnlich: Sich aus jenem Konkreten (als Lebensträger, nicht als Material des Lebens verstanden) zu lösen, in das er ab ovo eingeflochten ist. Erst dann kann er das Gute, Schöne, Wahre in die Welt stellen, auf daß es in der Existenzberührung mit dem Publikum, den Menschen, der anschließenden Welt, diese in Kommunikation und Kommunion hebe.







*Wie in diesen Tagen bekannt wurde, hat die deutsche Bundesregierung eine Broschüre herausgegeben, die Erzieher in Kindertagesstätten (Kindergärten) anleiten soll, wie mit Eltern zu verfahren ist, die "rechts" stehen. Was am Verhalten der Kinder erkennbar ist. Kita-Mitarbeiter sind angehalten, ein "klärendes" Gespräch mit den Eltern zu suchen, und sie auf die Notwendigkeiten einer "Erziehung zu Vielfalt", "Antirassismus" etc. hinzuweisen. Das ideologische System rückt immer näher, wird immer totalitärer.

Fast zeitgleich gehen in Österreich die Wogen hoch, weil die eher konservative, traditionsorientierte Aufklärungsvereinigung "Teen Star" - die Haltung des VdZ ist freilich bekannt, er hält öffentliche "Sexualaufklärung" in keinem Fall für vertretbar,  aber hier geht es um etwas anderes, um etwas Exemplarisches - von der linken Reichshälfte (und das ist mittlerweile quasi das Gros der "Bildungsbeflissenen") als "homophob" (u. a. wird Homosexualität - richtig - als Identitätsstörung dargestellt; offensichtlich in Österreich bereits ein Rechtsverstoß) und "nicht vielfältig" (weil gegen den Genderismus eintretend), somit als von Schulen unter Verweis auf bereits bestehende Gesetze (sic!) auszuschließen gefordert wurde. Wie sich allerdings mittlerweile herausstellt, geht das gar nicht so einfach per Ministeriumserlaß. Denn diese Maßnahmen sind von den Schulen in Eigenverantwortung vorzunehmen. Tja, die (viel zu halbherzige, im Grunde bloß scheinhafte) Schulautonomie hat vielleicht doch einige kleine Fächelchen geschaffen, in denen sie sich gegen die Indoktrinierung der Kinder wenigstens etwas wehren können. 

**Man erkennt so manche Stupidität der Gegenwart daran, daß gerade die "Gut-Beflissenen" (=Selbst-sich-für-gut-Haltenden) meinen, daß sich das Böse, das Übel an immer denselben Zeichen, Gestalten und Worten erkennen und festmachen lasse. Was in der Regel nicht mehr ist als das "von sich weg-"sprechen eines Archetyps ist, von dem man sich in Wahrheit gar nie lösen konnte. Deshalb sind die Gutmenschen in aller Regel selbst jene Totalitaristen, als die sie andere bezeichnen weil "an Zeichen erkennen" wollen.




*021218*

Samstag, 24. November 2018

Der Samstag-Nachmittag-Film

Diesmal ist es eine Produktion der DEFA, also ein DDR-Musik-Film aus dem Jahre 1968. Aus jener Zeit also, wo man Sonne und Sommer noch mit Freiheit, Frische und Aktivitätslust verband. Michael Krüger schreibt dazu, daß es einer der an Zuschauern gemessen erfolgreichsten Filme der DDR-Zeit war.

Und das ist nachvollziehbar, auch wenn so manche dramaturgische Schwäche auftaucht, die so einen Film außerhalb seiner Zeit gesehen manchmal zäh macht, weil die Stimmung anders resoniert.  Aber es kommt eine jugendliche Frische durch, auch in der Musik, die auch heute wohltut, und nach der man sich mit Recht sehnen darf. Eine Gesundheit, wie sie Unbekümmertheit ausdrückt, und die tatsächlich vor Jahrzehnten noch damals die Jugend an der Schwelle zur Erwachsenheit auszeichnete. Hüben wie offenbar auch drüben. Mit denselben Grenzüberschreitungen, doch darüber spricht man nicht. Mit derselben "Selbstbestimmtheit" der Frau, die später alles aushebeln wird. Da kommt dann aus dem Munde der Frau (mit kurzgeschorenen Haaren):"Ich will was erleben, weil ich heut in Stimmung bin."

So daß sich analog zum Westen das Wesen der sexuellen Befreiung andeutet, wie sie auch den Westen zeitgleich überrollt hat.  Als Individualisierung des Lebens. Und das überrascht auf den ersten Blick. Aber nur auf den ersten. Denn man erkennt dabei, daß diese Befreiung im Osten dieselbe systemdienliche Rolle spielte. Oder, sagen wir es anders: Wie im Westen wird den jungen Menschen diese Freiheit zugestanden, ja zu dieser Ventilation ermuntert, weil sie damit das System der Knechtschaft nicht mehr kritisieren. "Ich tu, was ich will!" Deutlich spürt man, wie damit die Einheit brüchig wird, gar nicht mehr aufzurichten ist. Ratlos bleibt der Mann davor stehen.

Die Folgeschäden waren überall dieselben: Verhütung, Abtreibung, Scheidung. Sie zu legalisieren sollte die Wesenwidrigkeiten verschwinden machen. Wenigstens unsichtbar. Auf der Strecke blieben die Menschen, denen diese Lügen eingeredet wurden.

Dazu kommen nicht unkluge, immer gut arrangierte, manchmal sogar schöne Lieder. Alles bleibt dabei im Rahmen einer allgemeinen Menschlichkeit. Es ist also kein Propagandafilm. Wenn schon, dann spricht die Lebenswirklichkeit für sich. Und erzählt darin genug. Das Spiel zwischen Mann und Frau, das in jungen Jahren so deutlich wird, hat auch in seinem Torkeln zwischen Richtigem und Falschen keine ideologische Systemabhängigkeit. Nicht einmal heute. Auch wenn es schwer ist, das zu erkennen, weil die Masken so verzerrt sind. Insofern ist dieser DDR-Film (sic!) sogar freier, ehrlicher.

Man hat damit eine Stimmung konserviert, wie sie auch der VdZ in seiner Kindheit in den 1960er Jahren erlebt hat. Als wäre das ganze Jahr darauf ausgerichtet, auf diese Zeit, wo das Leben wieder in seine Eigentlichkeit kommt. Und das Wesentliche durchbricht - Liebe, Lebenslust, Freude. Und genau so hat der VdZ auch den heurigen Sommer 2018 erfahren. An den er sich dankbar in diesen Tagen erinnert, die das Jahr wieder in Dunkel und Kälte und Tod des Winters und des Jahresendes zurückführen. Von wo es in einem Monat - Gott sei's gedankt für diese Hoffnung! - wieder als Same in den ersten Austrieben umkehrt, um die Welt zu eben diesem Leben zurückzuführen.

So beginnt in diesen Tagen die Fastenzeit, die der Advent immer war. Als Zeit des Wartens, des bangen Hoffens auf diese Wende zum Leben. Die keineswegs mit technisch berechenbarer Sicherheit kommt, weil alles Wirkliche nur durch die Wirklichkeit der Liebe Gottes reale Welt wird. Somit auch das durch Erfahrung scheinbar "Selbstverständliche" an der Nadelspitze Gottes hängt, und nur in der Haltung des Erbittens auch gegeben wird.








*171018*

Donnerstag, 26. Juli 2018

Da steckt ein Plan dahinter

Da gibt es nicht mehr viel dazu zu sagen. Höre der Leser einfach, was Vera Lengsfeld da in einer guten Stunde über das "System Merkel" erzählt. Erzählt, wie eine kleine Parteifunktionärin, die niemand ernst nahm weil als graue Maus einschätzte, Deutschland nach dem System SED/DDR kaperte. Zu einer DDR.2 umzubauen begann. Zu dem, was Merkel auch in der DDR immer wollte: Zu einem Sozialismus "mit menschlichem Antlitz". Viele, viele Zusammenhänge, die da klar werden. Viele, viele Lügen, die offenbar werden. Und die Gründe und die Gerissenheit, mit der sie etabliert werden.

Die nächste Massenimmigration ist nicht nur im Koalitionsprogramm beschlossene Sache, sie ist im Laufen, und passiert hinter unser aller Rücken. Sämtliche Staaten Europas haben einem UN-Plan zugestimmt, demgemäß 60 Millionen Migranten nach Europa importiert werden sollen. Und Angela Merkel steht maßgeblich dahinter. Die das Parlament völlig ausgeschaltet hat. Und die die CDU, der sie seit 17 Jahren vorsteht, haßt und deshalb getreu dem Vorbild Lenin demontiert hat. In einem Land, in dem mittlerweile die Zensur wieder eingeführt wurde.

Ungemein erhellend! Und ungemein schockierend.







*050618*

Dienstag, 28. November 2017

Was Mißbrauchstäter eben fordern

Noch einmal, weil es dem VdZ in einer jüngst geführten Diskussion erneut unterkam: Gerade die Ostdeutschen, die doch in ihrer Lebensumgebung den niedrigsten Ausländeranteil zu verzeichnen hätten, würden sich am klarsten gegen Überfremdung wehren. Das sei doch krank? Denn wer das erfahre, wer Ausländer in seiner Umgebung erfahre, denke eher milder?!*

Neben anderen Entgegnungen, die dazu zu sagen wären, ist aber genau das das Vorgehen von Mißbrauchstätern: Denn aus der sinnlichen Erfahrung läßt sich keineswegs die logische Richtigkeit, die Wahrheit eines Verhaltens ableiten! Auch der nette Onkel, der seiner Nichte durch Streicheln zwischen ihren Beinen beweist, wie angenehm es doch ist, was dem Kind erst (und mit vollem Grund: es ahnt die geistige Dimension des Menschen als Erwachsenem) seltsam vorkommt, beruft sich auf persönliche Erfahrung. Mit dem perversen Hintergedanken, daß das Kind die geistige Dimension, in der sich Menschsein entscheidet (!), nicht kennt. 

Die Ostdeutschen aber kennen sie, das meint der VdZ aus Begegnungen sagen zu können. Noch mehr als die Westdeutschen, die weit mehr und früher durch Wohlfahrtsstaat, Verwirrung und Geld in den Traum abgedriftet sind - durch Mißbrauch. Damit zu Tätern wurden.

Sie wissen, daß sich eine politische Entscheidung in ihrer Tragweite erst ergibt, wenn sie sich IN DISTANZ ZUR PERSÖNLICHEN ERFAHRUNG nach sachlichen Kriterien bewerten läßt. (Und das ist sie, die Selbstüberschreitung.) Dann erst ist menschliches Urteil in Freiheit möglich. 

Und was Freiheit ist, haben Ostdeutsche weit mehr in aktueller Erfahrung als Westdeutsche, die sie lieber aufgeben, als auf ein angenehmes Gefühl zu verzichten. Und warum sollte die zwischenmenschliche Erfahrung einer Begegnung mit einem Libyer oder Perser oder Syrer weniger angenehm sein können, als die mit einem Kölner, Bautzener oder Hamburger? 

Aber das begründet keine sachliche Entscheidung. Das kann höchstens Element einer umfassenden sachlichen Entscheidung sein. Aber OB ein Volk mehr Zuwanderung möchte oder nicht kann sich niemals aus der persönlichen Einzelerfahrung mit Ausländern erschließen. Es muß buchstäblich weiter denken.

Wer das jedoch fordert, wer das glaubt, wer gar glaubt, die geringere Erfahrung mit Ausländern spräche gegen die Ostdeutschen und ihren sachlichen Verstand, ihre Vernunft, der beweist nur, daß er selber entweder reales oder potentielles Mißbrauchsopfer oder eben - TÄTER ist, was als auf "demselben Beziehungsfeld" ja kaum zu unterscheiden ist. Die Zuwanderungsfrage in Deutschland auf der Ebene der persönlichen aller umfassenderen Sachlichkeit entblößten Erfahrung aufbauen zu wollen ist aber schlichtweg nur ein Mißbrauchsversuch.

Übrigens: der Mißbrauchte hat eben auch die typische Neigung, den anderen in seine Situation der Mißbrauchtheit hineinzuziehen. 

Urteil aber läßt sich nie aus der bloßen sinnlichen Erfahrung aufbauen. Das glauben nur die Rousseauschen Verwirrten, von denen es im Westen nur so wimmelt. So zu denken baut auf einer unzulänglichen Anthropologie, und nicht zuletzt auf einer Unkenntnis der Wirklichkeit auf. Es ist das geistige Entscheiden, das erst (apriorisch) eine Wahrnehmung zu einer solchen macht, und sich über bloß sinnliche, ungeordnete Daten zu einem Urteil formieren läßt.

Vieles an den moralisch-politischen Forderungen des Westens beziehungsweise der Politik ist also das Fordern nach einem Beitritt zur selben Verwirrung, in der man selber sein Leben nicht mehr auf die Reihe kriegt. Weil die realen Ergebnisse des Lebens dem Gesollten und Gewollten nicht und nicht entsprechen wollen. Weil man lieber das Denken dem Fehler anpaßt, als das Leben der Wahrheit. Die geistig ist.




*So nebenbei: Diese Aussage selbst stimmt ja auch nicht, sondern ist eine statistische Spielerei, bewußt zur Lüge eingesetzt. Die Aussagen dazu sind viel komplexer, als sie die bemüht linkistischen Vollidioten mißbrauchen. Mißbrauch überall, einfach überall. Medien voran. Man rede einmal mit Menschen in Gebieten, die einen hohen Ausländeranteil haben! Der Leser wird zu völlig anderen Ergebnissen kommen als die offiziellen Aussagen vorbeten. Hier ist es durchaus angebracht, eigenen Wahrnehmungen zu folgen. Den genannten Umstand zu beklagen ist also selbst schon linkes Gewäsch, aber diktierte Sprechweise, das ist alles. Hier soll Wahrnehmung aufgefangen, umgedeutet werden. Das Wesen des Totalitarismus, übrigens.




*081117*

Sonntag, 6. November 2016

Von der Höllenerfahrung der Ossies (2)

Teil 2) Was aber noch zu sagen ist





Aus eigener Erfahrung mit manchen Westdeutschen seinerzeit wie heute fügt der VdZ aber noch mehr hinzu. Denn was den Ostdeutschen heute so leichtfertig nachgesagt wird, daß sie nämlich angesichts des erlebten Desasters einer ganzen Lebenswelt in der Hackordnung auf die zurückgriffen, die doch noch unter ihnen stünden, und sich dort austobten, muß man bestenfalls für sehr sehr viele Westdeutsche anwenden. Denn dort trifft es ohne jeden Zweifel zu, auch wenn es dieselbe Sichtweise der Barmherzigkeit braucht, dringend braucht. Denn die Entfremdung der Menschen ist auch ein Problem des westlichen Deutschland, nur ist es dort noch mehr tabuisiert. 

Deshalb ist ein großer Teil jener Kräfte, die sich als "politische Empörung" ausdrückt, unbenannt weil unbenennbar - es ist die Entfremdung eines Volkes bzw. aller westlichen Völker, die um Begrifflichkeit sucht und oft hilflos nur auf vorhandene Begriffe zurückgreifen kann. Die Kastration des öffentlichen Diskurses, dieser Raubzug gegen die Freiheit, die zuerst eine Freiheit der Vernunftsuche bedeutet, wendet sich als Fluch auf uns selbst zurück. Denn sie verhindert eine Verobjektivierung der Gegenwart, verhindert den geistigen Raum den eine Sprache bedeutet, und erstickt ihn stattdessen unter Irrationalität, Moralismen und Ideologemen. Bevölkert die Bühne mit Figuren, die nur in ihren willkürlichen Phantasien vorkommen, verhindert aber das Bilden von Realfiguren, um die Aussage nach eigenem Belieben zu beherrschen.

Das Etikett "rechtsradikal" (im speziellen) als Verurteilung zu sozialer Ausgestoßenheit, als Absprechen der Zugehörigkeit zur Menschheit durch Pathologisierung, ist aber für gar zu viele Westdeutsche genau das: Die Chance, ihre eigene Situation als Verlierer nicht zur Kenntnis nehmen zu müssen, sich keine Rechenschaft über ihre eigene Entfremdung gegen zu müssen, die sie in Konflikt mit dem Establishment bringen würde. 

Der Zynismus hinter dieser Zuschreibung ist deshalb kaum zu übersehen - denn Zynismus heißt, dem anderen den Boden wegzuziehen, und ihn dann des wilden Herumschlagens zu zeihen, weil er Halt sucht. Ja, Zynismus heißt oft genug, den anderen als böse zu wünschen, weil ... zur Eigenbemessung als "nicht so böse" zu benötigen. Wenigstens also sich moralisch über andere erhoben zu wissen, wenn man im Eigensein schon nicht höher kommt - und auf die bewußt in letzte Hierarchiestufen gedrückten "rechtsradikalen Ossies" (Ostdeutschen) voller Verachtung zu spucken. 

Wo der braungebrannte, wohlbenährte, aber unglaublich übellaunige kaum 50jährige Frühpensionist (!) - der VdZ hat genau so eine Situation erlebt - sich über die kleine Warteschlange beim Busbahnhof unflätigst schimpfend erregt, und dem "Osten" völlige Unfähigkeit zu allem vorwirft, denn das gäbe es "bei uns" im Westen nicht, das hätten "wir im Westen" perfekt organisiert. Und wo heute Sozialhilfeempfänger aus Berlin davon sprechen, daß diese "rechtsradikalen, rassistischen Ossies" den Mund halten sollen, immerhin haben "wir" sie mit hunderten Milliarden aufgepäppelt.




Nachsatz: Erst wußte der VdZ nicht, was er mit diesem Bericht aus einer Erstaufnahmestelle für Migranten anfangen sollte. Nun, hierher paßt diese Erzählung der Groteske. Denn wer nach diesem - typischen! - Bericht noch behauptet, daß wir es hier mir Vernunft zu tun haben, dem ist ob seiner Blindheit nicht mehr zu helfen. Wo aber Vernunft nicht mehr greift, da ist Hölle.






*210916*

Samstag, 5. November 2016

Von der Höllenerfahrung der Ossies (1)

Auf einen ausgezeichneten Artikel soll an dieser Stelle hingewiesen werden. Unter dem Titel "Der Haß der Entfremdeten" befaßt sich Thorsten Hinz in der Jungen Freiheit mit dem Phänomen des "Rechtsextremismus" in der ehemaligen DDR, namentlich am Beispiel der "brennenden Flüchtlingsheime" von Hoyerswerda et al. 

Martin Walser bezeichnete diesen "Rechtsextremismus" als "Kostümfaschismus". Und er tat es in Einsicht in eine seelische Landschaft von Menschen, denen nach 1990 so gut wie alles zerbrochen war, aber nicht nur das: denen auch alles genommen war. Die gesamte Lebensweise war in Frage gestellt, und paradigmatisch zur Erneuerung ausgeschrieben. Nunmehr htten diese Menschen nichts mehr - keine Arbeit, verwüstete und kahle Landschaften, per Außenbeschluß stillgelegte, verödete Betriebe, und keine Identität mehr.

Eine „Naturgewalt“ sei über sie hereingebrochen, „die das Gelände entseelte und die Betriebe verödete. Die sie enteignete ihres unbestimmten Besitzes, ihrer Sicherheit. (…) Wer waren sie nun. Ihre Blicke, ihre Rechnungen sagten: verächtliche Wesen. Das hatte man aus ihnen gemacht.“ (V. Braun) 

Die Kluft und das Gebaren der Skinheads, die auf körperliche Kraft, aggressive Männlichkeit und auf Einschüchterung abstellten, waren Mittel, sich von der Schwäche der Alten zu absentieren.

Und in diese Wunde, in diese Schwäche wurde sogar bewußt noch nachgestoßen. Der VdZ hatte Gelegenheit, genau das bei einem längeren Aufenthalt in Ostberlin noch 1997 hautnah kennenzulernen. Mit dem oft unglaublichen Verhalten von West-Deutschen, das freilich ohne offizielle Politik nicht zu denken ist. Die jeden Westdeutschen mit dem Siegesläclen von Okkupationstruppen ausstattete, gegenüber seelisch deutlich wahrnehmbar geknickter Menschen - den "Ossies".

Er war auch ins Umland gefahren, hatte dort die stumme Ratlosigkeit als Folge fast flächendeckender, politisch durchgesetzter Stillegungen oft sogar gerade erst errichteter Betriebe (wie eine nagelneue Molkerei, die gar nicht mehr in Betrieb gegangen war) erlebt. Die nun als Architekturleichen die Landschaft (Richtung Greifswalde) - mit ihren ebenso frischen, dicht belegten Siedlungen aus Plattenbauten - gespenstisch und absurd, gar nicht mehr wie eine Lebenslandschaft, eher wie ein Bereitstellungsdepot wirken ließen und jede geleistete Arbeit, jede Selbsterfahrung der Ostdeutschen verhöhnten. Die Menschen verstanden das alles nicht mehr, so hat der VdZ es wieder und wieder gehört, und sie hörten bald auf, sich mit Vernunft zu befassen. Die war nicht mehr relevant. Nun kam eine neue Lehre, die man zwar nicht verstand, aber die wohl stimmen mußte, weil sei die der Sieger war. Nun wurde von anderer Stelle über sie verfügt, sie hatten es hinzunehmen, mußten aufhören, es mit ihrem Verstand ordnen zu wollen.

Und in diese für viele Millionen Menschen furchtbare Situation, die man durchaus mit einer "Höllenerfahrung" gleichsetzen kann, weil keine Vernunft mehr zu greifen schien, hatte die westdeutsche Regierung nun den Beschluß gefaßt, auch noch Migranten auszulagern.  Ja, man muß es sogar so nennen, daß die im Westen selbst schon nicht bewältigen Probleme mit Migranten (oder will ernsthaft jemand von "gelungener Integration" sprechen, sieht man von Einzelfällen ab?) schlicht exportiert, zumindest zum Teil den Ostdeutschen aufgeladen wurden.

Das MUSZTE zu einer völligen Überforderung führen, und keineswegs zufällig explodierte die Situation erstmals in Hoyerswerda - einer in DDR-Zeiten per utopistischem Größenwahn am Reißbrett entworfenen "Stadt", die folgerichtig schon damals eine soziale Wüste aus Trostlosigkeit war, die bestenfalls das höhere Gehalt, das es dort gab, einte.

Wie Karl Otto Hondrich damals befand: „Eine gesamtdeutsche und zugleich eine multikulturelle Identität für das Ganze zu schaffen mutet der Gesellschaft mehr zu, als sie heute einlösen könnte. Es ist ein Zuviel an Gutseinwollen und Gutmachenwollen, was den bösen Deutschen hervorbringt.

Der Osten Deutschlands ist "besonders rechtsradikal"? Er ist "besonders fremdenfeindlich"? Wer es auf diese simplen Sprechblasen bringt hat sich nicht die Mühe gemacht, sich mit dem Thema überhaupt einmal zu befassen. Hinz geht nämlich noch weiter, und weist darauf hin, daß zu diesen realen Verwüstungen auch noch die intellektuelle kam. Denn sofort war ein intellektuelles Establishment da, das genau jene Ideologien des Multikulturalismus und sonstiger Vernunftlosigkeiten, die übrigens fast sämtlich auf Identitätsauflösung abzielen und im Westen bereits ein gigantisches Scheitern ausgelöst hatten, nun dem Osten überstülpte. Umso lieber, als sie dort so richteig "recht" bekamen. Da waren sie ja, die Rechten, die Bösen, die Nazis, die Rassisten. Wie in der Wirtschaft war die ehemalige DDR Jauchegrube für die Versagerschichte des Westens geworden, deren einzige Qualifikation war und ist, "westlich und gut" zu sein.

Hinz hat völlig recht wenn er schreibt, daß auch dieses Kapitel deutscher Geschichte, ja überhaupt die Geschichte der Wiedervereinigung völlig neu geschrieben werden müßte. Denn so, wie es erzählt wird, war und ist es nicht. Aber sie stellt einen Teil jener Erpreßbarkeit dar, die einer ganzen Weltanschauung hilft und die deshalb an einer Fama weiterschreibt, die die deutschen Völker dort hält, wo sie anderen Interessen bedingungslos weil "absolut schuldig" ausgeliefert ist, weil sein Heil nur in ihm übergeordneten Interessensystemen und Lebenswelten liegt, die es nicht selbst bestimmt, denen es sich nur eingliedern kann. Wo aber ein Volk, eine Kultur den Mut zu schöpferisch freier Gestaltung seiner Zukunft nicht mehr hat, ja nicht einmal darüber zu sprechen und damit zu denken vermag, ist es dem Tod und der Hölle ausgeliefert.



Morgen Teil 2) Was aber noch zu sagen ist





*210916*

Samstag, 27. August 2016

Wenn man um das Ende weiß

Ein spannender Film des RBB über eine fast unabsichtlich "passierte" Dokumentation des wirklichen, von allen offiziellen Medienberichten ignorierte Seite des Lebens in der DDR über eine staatliche Dokumentationsstelle. Die ab den 1980er-Jahren zu Gefahr wurde, weil sich allem verordneten Optimismus zum Trotz allgemein eine Ahnung breitmachte, daß es im Sozialismus NICHT immer bergauf gehen wüde, sondern im Gegenteil. Man ahnte, daß diese Dokumente, die in den 1970ern zu filmen erlaubt wurden um für später Beweise des Fortschritts zu haben, belastend werden könnten. Man ahnte immer offener das Ende. Man begann immer mehr, das eigene Tun als Versagen zu begreifen, weil der Vergleichshorizont - ein freie Gesellschaft - wechselte. Plötzlich wurden vorher "normal" eingeschätzte Vorgänge als Erweise eines unglaublichen Gesamtversagens eines Gesellschatssystems begriffen. Drei Jahre vor dem Ende, im Jahre 1986, wurde diese Dokumentationsstelle eingestellt.

Wer die Realität (der Gegenwart) zu verschleiern versucht, weiß, daß er einen Grund hat, sich vor der Objektivität der Wahrheit zu schämen. Wer also wissen will, warum die Menschen heute so "ausgesucht" informiert werden sollen weiß auch am Beispiel der DDR, warum das das Establishment wünscht. Es weiß genau, wo es sich verfehlt.









*250616*

Dienstag, 19. April 2016

Mit einem Scheinwerfer ausgeleuchtet

Ein sehr empfehlenswertes Video der letzten Vorlesung von Hans Werner Sinn vom 21. Dezember 2015. Darin gibt er in einer Rückschau viele Einsichten und hoch interessante Ansichten in seinem Überblick zur Wirtschaftsgeschichte der letzten 50 Jahre. 

Man beachte dabei etwa seinen Abriß zur Entstehung der Staatsschulden ab den frühen 1970er Jahren, zur Entwicklung der Sozialstaaten, zu den Auswirkungen auf Inflation und Lohnniveau sowie zur Produktivität der Wirtschaft.

Beachtenswert auch seine Thesen zu den Gründen für den Totalzusammenbruch der Wirtschaft der DDR. Denn der sei nicht durch den Umwechselungskurs der beiden Landeswährungen von 1:1 ausgelöst worden. In Wirklichkeit habe die DDR ihre umfangreichen Exporte in den Westen stets auf realem Kursniveau (als Kaufkraftparität) gehandelt. Den Todesstoß erhielt die DDR durch die präsumtive Anpassung der Löhne an das westdeutsche Niveau, an der in erster Linie der Westen interessiert war, um Konkurrenz auszuschalten. Plötzlich stiegen nämlich die Lohnstückkosten auch im Osten auf das mehrfache, ohne daß sich dort noch eine adäquate Privatwirtschaft etablieren und langsam aufbauen hätte können. Das Land wurde regelrecht "deindustrialisiert". Heute liegt das Beschäftigtenniveau in der Industrie in der ehemaligen DDR bei einem Viertel von damals.

Man warf die DDR aus dem Rennen, noch ehe sie angetreten war. Denn das Lohnniveau überforderte die realen Produktions-, Infrastruktur- und Lebensbedingungen heillos. Eine ganze Volkswirtschaft - die ja ein Gefüge eines Zueinander ist - wurde damit durch westdeutsche Unternehmer- udn Gewerktschaftsinteressen niedergewalzt. Das wurde der Bevölkerung dann noch als "gute, soziale Tat" verkauft. Das erst machte die gewaltigen Transferleistungen notwendig, die dann Westdeutschland zu leisten hatte. Noch heute liegt das Produktivitätsniveau gegenüber dem Westen bei erst 62 %, obwohl der Lebensstandard dem Westen mehr als angeglichen wurde. Der Einfluß des Staates ist enorm.

Bekannt dürfte dem regelmäßigen Leser dieses Blog dabei diese Aussage vorkommen: "Geldtransfers können die Produktivität eines Staates nicht verbessern. Man kann durch Geldtransfers zwar den Lebensstandard erhöhen, zerstören damit aber die produktive Basis dieses Landes." Genau das ist mit dem Aufkommen des Sozialstaates in den 1970ern auch bei uns eingeleitet worden. Wir verdanken es nur den gigantischen Schuldenbergen, die wir angehäuft haben, um das noch nicht zu bemerken. Aber unsere Wirtschaft ist zu großen Teilen eine reine Scheinwirtschaft, in der nur eines funktioniert: Der infudierte Geldumlauf. "Es gibt kein Netto-Wachstum (also: reales Wachstum) durch Schulden."

Daß die Energiewende eine nahezu absurd falsche politische Entscheidung ist hat Sinn ja schon lange vertreten.

Das und vieles mehr ist deshalb wichtig zu erkennen, weil es die Vorgänge in Südeuropa erst begreifbar macht. Die großartige Überschau, die Sinn hier gibt und zur Zusammenschau ausbaut, ist von großer Bedeutung, will man die Gegenwart verstehen. Sie zu bedenken wäre aber auch ja vor allem für viele jener von Wichtigkeit, die sich als Systemkritiker gebärden.

Übrigens bestätigt Sinn, was der VdZ immer vertreten hat: Man wird mit den vielen Migranten afu einen Widerspruch stoßen, dessen Auswirkungen nicht gerade ermutigen. Einerseits sind diese Migranten schon aufgrund ihres Bildungsniveaus mehrheitlich nur in Niedrigslohnbereichen unterzubringen, will man sie nicht apriorisch als Sozialhilfeempfänger verbuchen. Das aber wird deren Erwartungen frustrieren - sie werden ihre Vorstellungn von Wohlstand und Ansehen, der sie antreibt hierher zu kommen, nämlich in keinem Fall erreichen. Das wird auch dem Islam(ismus), der ja auf einer Sozialbewegung aufruht, mit Gewißheit höchste Brisanz geben.








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Mittwoch, 2. März 2016

Der Einzelne ist ... gleichgültig (3)

Teil 3) Genügt das Tragen von Nike, um einer Kultur anzugehören? 
Oder: Es ist zumindest fraglich, ob die Kultur beim iPhone anfängt und endet




Eben - genau darum, genau um diese alltäglichen, unteren Gefühle und Empfindungen geht es in der ganzen Frage der Migration ÜBERHAUPT nicht. Wer daran zweifelt, daß ein syrisches Kuskus auch köstlich sein kann, hat sowieso einen Dachschaden. Nicht weniger als der, der meint, der (subjektive) Wohlgeschmack eines Kebap "schaaf.mitt.one.ales" samt Bonuskarte "nach neun eine gratis" reiche, um den muslimischen Türken als ewiges Kulturmitglied anzusehen.

Was (so nebenbei) der Einschätzung, daß die Willkommensbegeisterten 2015 aus der Erfahrung, daß für sie das Bedienen eines iPhone höchste weil mittlerweile einzige Kulturleistung ist, den Umstand, daß die meisten Zuwanderungsbegehrer ein solches Gerät in ihrer Gesäßtasche mitführen und elegant bedienen können als hinreichenden Ausweis einer Kultureinheit ansehen. Auch das jedem bekannte Suchen von Steckdosen, um einen Handyakku aufzuladen, ist halt noch nicht wirklich kulturverbindend, genauso wenig wie eine Vorliebe für Nike-Schuhe. Wobei ... da könnte man schon diskutieren ... denn beide Seiten scheinen das oft zu glauben. Oder ist das auch schon alles, was hierzulande noch an Kultur erbracht wird? Markenbewußtsein, Nike-Schuhe? Wer weiß. Auf der Nike-iPhone-Ebene kommt man aber nicht weiter.

Diese Fragen müssen also sehr wohl und zu allererst auf einer sehr abstraktiven Ebene behandelt werden - eben: auf der geistigen Ebene, auf der Ebene der Universalien. Daß das Mädchen aus Eritrea ziemlich hübsch ist, ja nicht einmal, daß der Marokkaner nebenan ordinär und sexuell anlassig ist, während der andere sich ganz ziemlich und anständig aufführt, das Einzelne also, darf da gar keine Rolle spielen. Das kann es nur, wenn es einem Universalen zugehört, es erkennbarer macht, das also eine ontologische Unvereinbarkeit mit den Allgemeinen hier und da und dort darstellt.

Denn von einem kann man mit Sicherheit (!) ausgehen: Daß dieses Universale den anderen, das Begegnende, irgendwann einmal selbst dann zum Träger sucht, also dargestellt sein wird. Und dann haben wir es mit sehr forgeschrittenen, konkreten Kämpfen zu tun. Wer also Frieden will, muß von der Ebene der Universalien her denken. Denn das Einzelne, das Individuelle, ist immer die individualisierte Form eines solchen Universalen, das ohne dieses inhaltsleer (also gar nicht vorhanden, dabei aber als Entelechie suchende, als leibsuchende Kraft immer aktiv) bliebe. Denn die Welt ist die Blühe eines Tanzes des Sinns, der ontologischen Beziehungen. Nicht das Zufallsprodukt der Kebap-Sauerbraten-Konkurrenz.

Und erst aus dieser allgemeinen Abwägung heraus kann dann (vielleicht) entschieden werden, ob das Angstgefühl der Pegida oder der Mäderl in den Gassen Kölns und Buxtehudes aus ontologischer Richtigkeit beruht - oder, zu dieser im Gegensatz stehend, psychogenes Produzieren eines (warum auch immer) gewollten (!) Vorstellungsbildes ist. Erst daraus läßt sich auch entscheiden, ob eine Massenbewegung eine Bewegung der (dann immer: verhetzten, manipulierten, ideologisierten) Vermasstheit ist, oder das ernstzunemende weil ontologisch berechtigte Aufbegehren des Individuellen, das der Gefährdung des Allgemeinen - und damit des Individuellen, das nämlich im Allgemeinen wurzelt und beginnt - wehren möchte.

Wenn das nicht (bald!) passiert, bleibt die ganze Debatte nur die nächste Stufe in der Diskussion um des Kaisers neue Kleider.





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Dienstag, 1. März 2016

Der Einzelne ist ... gleichgültig (2)

Teil 2) Hände die streicheln sind nicht immer nett




Reden wir in vielleicht vorstellbarerer Gestalt, so gefährdet das uch immer ist, weil sehr rasch Unbildliches vergegenständlicht, also im Antlitz der Medusa zu einem Bild versteinert wird: Das Bedrohnungsgefühl, das unsere Bevölkerungen derzeit empfinden, ist auf siene Berechtigung nicht zu prüfen, indem die Vereinzeltheit über das Allgemeine gesetzt wird! also ncith der "Kontakt mit Zuwanderern" ist es, der diese Ängste wirklich "bannt", auch wenn es so "empfunden" wird. Vielmehr wird, wenn das Vereinzelte zu stark wird (man kennt diesen Vorgang: "von etwas hingerissen" werden drückt es etwa aus), das Allgemeinen so verdrängt, daß es sogar noch unzugänglicher, die Situation also ontologisch noch schwieriger wird, als würde diese sinnliche Auseinandersetzung mit einem Proponenten dessen, wovor man sich im Gefühl "fürchtet", wovor man Angst hat, gar nicht stattfinden.

Oder, in einem weiteren konkreten Fall: Man tut der Pegida, und vielen Menschen der ehemaligen DDR, sehr Unrecht wenn man (noch dazu in zynischem Unterton) behauptet, daß ausgerechnet jene am meisten gegen die Zuwanderung opponieren, die am wenigsten davon betroffen seien (weil sich am wenigsten Zuwanderer dort aufhielten, etc.) Vielmehr kann man Phänomene wie die Pegida nur unter ontologischen, weit umfassenderen und grundsätzlichen Gesichtspunkten sehen. Denn Angst entsteht am äußersten (!) Rand eines Dings, Gegenwehr in den alleräußersten, ersten Berührungspunkten mit etwas. Läßt man diese Bedrohung, die diese erste Angst noch dazu sehr präzise zu lokalisieren vermag (!), weil die Wahrnehmung (als geistiger Akt der Zuordnung von sinnlich Aufgenommenem) von allen möglichen Gedankenstörgewittern noch nicht verwirrt ist, aber ungehindert weiter vordringen, wird es immer schwieriger, sie in ihrem elementarsten, umfassendsten Aspekt zu sehen und im Handeln gerecht zu bleiben. Denn im Gegenteil, wird durch das immer konkreter werdende Berührtwerden, das das "Eindringen" im beschriebenen Sinn bedeutet, die geistige Distanz NIEDRIGER, die Entscheidung, das urteilende Verhalten, also IRRATIONALER und UNFREIER.

Ob das schon einmal jemand bedacht hat? Daß jemand, der nach Kontakt mit (sagen wir einfach einmal:) Afghanen, die nun im Nachbarhaus als Asylwerber wohnen, in dem Moment, wo er entdeckt, daß auch sie lachen und weinen und trotzen und sich fürchten und Salz auf die Gurke streuen, die Beurteilung der ontologischen Gegebenheiten, also eine wirkliche Handlungsweise, fast nicht mehr zu ermitteln ist? Weil das Urteilen sich gar nicht mehr auf das wirkliche Geschehen bezieht, sondern auf die Schälweise der Gurken, die Schneuztechnik der Tochter, und die Schuhgröße des Vaters, der mich von einem Kebap kosten läßt, der köstlich schmeckt. Das wäre ungefähr so (und es hat auch direkt mit Mißbrauch zu tun), als würde man das Urteil aus dem Wohlgefühl einer streichelnden Hand beziehen, um zu ignorieren, daß sie einem 40jährigen Böstäter gehört, der sich an ein fünfjähriges Mäderl heranmacht.



Morgen Teil 3) Genügt das Tragen von Nike, um einer Kultur anzugehören? 
Oder: Es ist zumindest fraglich, ob die Kultur beim iPhone anfängt und endet




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Montag, 29. Februar 2016

Der Einzelne ist ... gleichgültig (1)

Es hat etwas Schwieriges im Umgang mit dem Begriff "Vermassung". Und das liegt darin, daß jeder Mensch einer gar nicht eingrenzbaren Menge von Kollektiven, von Universalien zugehört. Nahezu alles, worin sich ein Mensch bestimmen läßt, ist nämlich die Teilhabe an einem für sich stehenden, ein eigenes Sein und vor allem Realität (in ihm nämlich!) habendes Allgemeines. Der Blonde gehört zur Allgemeinheit der Blonden, nicht weniger als der 2-Meter-Riese der der Großwüchsigen, der Wiener zur Österreicher-heit, der Bremer zur Sachsenheit. Die Zubehörigkeiten sind nicht in ihrer Zahl eingrenzbar, und enden in der Bestimmung als Mensch überhaupt.

Der Wille, diese Zugehörigkeit zum Ausdruck zu bringen, ist deshalb jedem Menschen gleich, und er ist elementar und er ist Teil seines Menschseins überhaupt. Es sind nämlich dieses Universalien die Bezugspunkte, die ideae, auf die hin sich ein Mensch transzendieren muß, will er überhaupt Mensch sein. In diesem Akt der Selbstüberschreitung, des Sterbens (wo hinein?) also, liegt sogar das eigentliche Geburtsmoment seines Selbst als Gestalt des unbestimmbaren Ich, das jedem Mensch als Person bzw. in seinem Personsein zugrundeliegt. Es ist der eigentliche Gründungspunkt, als Dynamik eines "zur Welt kommens" - das in der Selbsthingabe (als Paradox also) passiert.

Die Vermassung steht hiemit auch unter einem Paradox. Weil sie in dem Moment passiert, in dem genau diese Zubehörigkeit zu einem Allgemeinen, zu einer Gemeinschaft also, NICHT in der Selbstüberschreitung "einfach ist", "sich" wirklicht, sondern wo sich die Selbstüberschreitung ausspart bzw. auf einen bestimmten Aspekt reduziert, der die Gesamthaltung der Überschreitung (die ein offen-sein-für ist) beschränkt. Hier liegt auch der Geburtspunkt der Ideologien, die immer Einschränkungen sind.

Was noch nicht einmal etwas darüber sagt, ob sie nicht temporär, in Momenten der Verwundung eines Allgemeinen, der verletzten oder gefährdeten Zubehörigkeit zu einem Allgemeinen, ihre Berechtigung hat. Die hat sie nämlich tatsächlich. Temporär, wie gesagt, nicht als letzthinniges humanes Konzept. 

Denn diese Zugehörigkeiten in all ihren unfaßbar vielen Ebenen und Ausprägungen und Ideenbezügen, ohne die es gar kein Individualsein gäbe (!), die es rundum bestimmen, die den Einzelnen vorwerfen, noch ehe er sich dem Mutterleib entwunden hat,  haben eine seltsame Eigenschaft: Sie sind, wenn sie gesund sind, wenn sie bestehen, wenn also der Einzelne sich in der Selbsthingabe am vollkommensten selbst wirklicht, gar nicht ... bewußt. Und sie können auch gar nicht in allen ihren Präluminarien bewußt werden. Sie werden erst dort bewußt, wo sie gefährdet sind. Und das sind sie immer - konkret. Konkret in einem bestimmten Punkt. Dann tritt dieser Punkt als etwas Bestimmtes auf, gegen das sich der Einzelne auch bewußt wernden kann, das ihm also (auch am Eigensein, an den Bestimmtheiten seines So- und Selbstseins) bewußt wird.

Das heißt aber auch, daß der Einzelne eine Bedrohtheit seiner Identität sehr wohl ZUERST fühlt, zuerst spürt, ohne sie noch konkretisieren zu können - und erst allmählich, im Diskurs, im Streit, ja im Kampf gar, zu einem bestimmten Aspekt formt. Das Vereinzelte (und damit immer Konkretere, also eigentlich sogar: die Welt) kommt aus einem Allgemeinen. Immer.

Deshalb muß gesagt werden, daß man vielen Ängsten "in der Bevölkerung" zutiefst Unrecht tut, indem man sie marginalisiert oder zu bloßen ontisch nicht verankerten Psychoiden erklärt. Denn selbstverständlich äußert sich eine durch die Sinne, durch die Teilhabe an den Gestalten der Welt über die Sinne, zuallererst über ... ein Gefühl. Und dieses Gefühl wird durch "Bewußtwerdung" keineswegs eliminiert, und sollte es auch gar nicht. Es ist existentieller als fast jede Rationalisierung zu erfassen vermag, es ist elementar, es ist von größter Bedeutung für die Gesundheit des Einzelnen. Denn das Ontische ist, wenn es real sein soll, wenn es also real IST, sehr wohl Gegenstand der Wahrnehmung, wenn auch nicht direkt, wenn auch nur über die Auswirkungen dieser Entitäten, dieser Seinsheiten, dieses Seienden als Gestalt.

Wenn man also nun behauptet, daß das Gefühl der Bedrohung, das heute so viele Menschen (und an bestimmten Seinsheiten Teilhabende im Besonderen, na etwa so wie Frauen in ihrem Alltagsbewegen bei Dämmerung in dunkelen Gässlein) haben, keine Berechtigung weil Realität hätte, der irrt, im günstigsten Fall, der will aber vor allem lügen, im häufigsten Fall. (Denn es wird heute allgemein derartig viel und allgemein gelogen, daß es einen regelrecht umhaut, wenn man davon erst einmal eine Ahnung bekommt.) Vielmehr sind solche Gefühle gerade dort sogar am berechtigtesten, wo Gemeinschaften (wie gesagt: auf allen Ebenen und in allen Separiertheiten und Aufteilungen) noch intakt sind, aber aus dieser Zugehörigkeit auch teilhaben an ontologischen Gefärdetheiten - das heißt: Etwa an politischen, gesellschaftlichen Veränderungen, die die Beziehung von solchen Seinseinheiten zueinander verschiebt, verändert, oder gar ganz reale Bedrohungen abzeichnen, die noch lange Wege zurückzulegen haben, um eines Tages vielleicht (und dann immer nur in Teilen) "bewußt" und Gegenstand der Debatte zu werden.


Morgen Teil 2) Hände die streicheln sind nicht immer nett




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Montag, 5. Oktober 2015

Ingenieur der menschlichen Seele

Kann journalistische Arbeit wirklich, wie der Berliner Tagesspiegel schreibt, als notwendige "Reeducation" betrachtet werden, in der unter Maßgabe der "aktuellen Probleme" die Bevölkerung umzuerziehen ist? Ganz offenbar aber wird das bereits so betrachtet, wie Thorsten Hinz in der Jungen Freiheit schreibt. 

Und nicht nur er vergleicht die Konformität der heutigen Medien mit den Medien in der DDR. Wo der Journalist zum Weiterleiter wurde, der die gesollten Nachrichten an die Menschen weiterleitete. Zwar ist der Druck von oben nicht mehr so eindeutig zu vergegenständlichen, aber er unterscheidet sich in gar nichts, ist nur indirekter geworden. Und an Job- und Ausgrenzungsangst festgemacht. Ansonsten sind die Unterscheidungen marginal. Das Publikum wird zur Formungsmasse, die in Richtung gesollter Imperative zu manipulieren und selektiv zu informieren ist, weil dem Denken und Fühlen der Menschen nicht zu trauen ist.

Wo aber nur selektiv informiert wird, ist es dem Konsumenten kaum noch möglich, realitätsbezogene, wahre Bilder der Wirklichkeit zu bilden. Man treibt den Fehlinformierten, manchmal (aber nur manchmal) direkt Belogenen in eine Situation, in der der Wahn nicht mehr weit ist, weil sein Denkapparat nicht mehr dem Wahrgenommenen entsprechen kann. So wird man gezielt unmündig gemacht, weil im Grenzfall dem eigenen Urteil nur noch zu trauen wäre, wenn man sich von der Wirklichkeit abschließt, sich aufs eigene Urteil fanatisch versteift.

Aber es gibt noch einen Wirkmechanismus, über den kaum einmal gesprochen wird - den der Überforderung. Denn indem ich den anderen mit Fragen konfrontiere, über die er nun angeblich zu entscheiden habe, sodaß er sich dazu eine Meinung bilde, die aber seinen Sachhorizont weit übersteigt, sodaß eine Meinungsbildung gar nicht möglich ist, frustriere ich ihn gezielt. Und bringe ihn dazu, sich einem Geschehen blind zu fügen, oder sich gezielt in Fanatismen treiben zu lassen, weil der Mensch letztlich immer anderen folgt, deren Meinungen übernimmt und als Parteiiung vertritt. Das ist kein pragmatisches "naja, leider ist das so", sondern es kann gar nicht anders sein, weil die menschliche Gesellschaft so - als existentiell hierarchisches Gefüge - konstituiert ist. Das muß auch eine Medienkritik, eine Journalismuskritik deutlich differenzierter machen, als es derzeit passiert. Diese Dinge sind noch kaum ausreichend reflektiert, und zwar auch in "nicht-so-linken" Bereichen. Die hier auf seltsame Weise einer Gleichheitsideologie, einer Anthropologie aufsitzen, die sie in einer geistigen Tradition (der Aufklärung) beleuchten, die mancher geäußerter Kritik sogar direkt widerspricht - und links ist.

Hier aber noch der letzte Absatz aus diesem Artikel:

Der Journalist als Ingenieur der menschlichen Seele und Werkzeug der Über-Macht! Zu den Folgen der „Reeducation“ gehört nämlich die Akzeptanz der Fremdbestimmtheit – vergleichbar einem Naturgesetz – und ihre Transformation in einen moralischen Imperativ. Die DDR 2.0 ist mehr als nur ein Hirngespinst.





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Montag, 31. August 2015

Ersticken der Vitalität

Zu einer interessanten Aussage kommt eine Studie über die Gebiete der ehemaligen DDR, dem heutigen "Ostdeutschland". Die Welt bringt ihre Ergebnisse, die darauf hinauslaufen, daß es einen recht deutlichen Zusammenhang zwischen der Dichte der Überwachung durch den Staatssicherheitsdienst (Stasi) und der Vitalität eines Gebietes geben dürfte. Sie wirken bis heute nach. Zumindest ist das eine plausible Erklärung, denn die statistischen Zusammenhänge sind relativ leicht konstruierbar, und könnten als Beleg einer solchen Aussage interpretiert werden.

Waren in der gesamten DDR zunehmend und zuletzt gar bis zu 1 % der Bevölkerung (einer von hundert!) direkt (als Angestellte) oder indirekt (Informelle Mitarbeiter) im Dienste der Überwachung des Nächsten tätig, so ist auffällig, daß jene Gebiete, in denen es damals zu besonders dichter Bespitzelung gekommen war, auch heute die notleidendsten sind. Durch Abwanderung und mittlerweile muß man ja schon sagen: Entvölkerung, niedrige Geburtenrate, oder durch ungewöhnlich niedrige Selbständigenrate. Auch die Erfindungen (gemessen an Patenten) liegen deutlich unter dem Durchschnitt.

Das Vertrauen der Menschen zueinander und in die umgebende Wirklichkeit ist in diesen Gebieten ausgehöhlt,  und das wirkt sich zumindest unterbewußt offenbar selbst 25 Jahre nach der "Wende" als Mangel an freier Lebensäußerung aus.

Interessant dabei ist aber noch etwas anderes: Denn das Wissen der Menschen, ja deren Hoffen in einen Gott, der alles weiß, der aber die Wahrheit ist und die Macht für eine ausgleichende Gerechtigkeit hat, ist zu allen Zeiten für die Menschen befreiend gewesen. Offenbar bestehen die o. a. Zusammenhänge also nicht einfach in der Tatsache des Wissens, daß jemand "alles" weiß, sondern darin, daß diese Instanz die Wahrheit IST oder nicht. Nur davon nämlich hängt der Freiheitsgrad ab. Unfrei ist nur der, der gegen die Wahrheit verstößt, in die alles Irdische eingebettet ist, auf das sich alles Irdische bezieht. (Im persönlichen Gewissensleben und Urteilen läßt sich diese Gleichsetzung von Wahrheit, Freiheit und Allgemeinheit übrigens erkennen: der Rang einer Gewißheit hängt von ihrer Stellung als Allgemeines ab.

Aber es kann keine irdische Institution diese Wahrheit selbst SEIN. Selbst die Katholische Kirche tut dies nur, wo und soweit sie sich auf diesen Gott selbst beruft, und ihre identitäre Wahrheit ausschließlich auf die Sakramentalität bezieht. Die Aufgabe und Stellung der Kirche ist deshalb nicht, ein irdisch-gelungenes Leben zu bewerkstelligen, sondern diese Anbindung an die Wahrheit selbst für jeden Einzelnen herzustellen, zu fördern und zu schützen. Das ist ihr größter Befreiungsauftrag, das ist ihr Auftrag als Instrument in der Welt. Ohne Freiheit des Einzelnen ist ihr Auftrag nicht denkbar. Das gilt selbst dann, wenn der Einzelne seine Freiheit freiwillig aufgeben, jemandem anderen übertragen möchte. Auch im Ordensleben etwa kann es deshalb zwar zur freiwilligen Einschränkung der äußeren Lebensbetätigungen kommen, und das ist ja ihr Sinn sogar, aber nur, um dadurch die eigene, individuelle Freiheit (von irdischen Gebundenheiten) in ihr Maximum zu führen. Das bedeutet aber gleichzeitig, das individuelle Versagen des Einzelnen jederzeit zu riskieren und sogar: zu ermöglichen. Erst dann ist es ja Freiheit. Ohne freilich, daß eine Gemeinschaft (auf jeder Stufe) es dann auch akzeptieren muß. Freiheit hebelt also etwa nicht Strafe aus, sogar ganz im Gegenteil: Freiheit ohne Strafe und Sühne beim Verstoß ist gar nicht vorhanden. Wer einen Übeltäter nicht bestraft, ignoriert seine Freiheit als Akt gegen die Wahrheit.

Einen ganz anderen Anspruch stellt eine Diktatur, ja daran erkennt man sie. Sie zielt nämlich auf die innere Freiheit des Einzelnen. Indem sie sich anmaßt, von außen her diese Freiheit auch verordnend gestalten, vervollkommnen zu können, um so einen neuen, erlösten Menschen zu MACHEN - in seinem Inneren. Deshalb die Gewissens- und Gedankenpolizei. Eine Diktatur kann mit der Möglichkeit, zu versagen, zu opponieren, nicht leben; es wäre ein Selbstwiderspruch ihres Anspruchs. Deshalb bestraft eine Diktatur eigentlich gar nicht die Straftat, sondern die moralische Disposition dazu.

Während ein Staat von Freien die innere Disposition unangetastet läßt, aber auf die äußere Tat achtet, wenn sie real und sichtbar das Gemeinwesen schädigt. Erst dort ist das persönliche Leben auch von öffentlich-rechtlichem Interesse, und dort setzt das Recht eines Staates an.

Besonders heikel wird die Frage freilich dort, wo geistige Bedingungen existieren, die eine Zersetzung des Gemeinwesens intendieren. Bestehen solche Spaltungen eines Gemeinwesens auf Dauer, sind sie nicht isolierbar (man denke an die Ausweisung der Protestanten bzw. Katholiken aus ihren Ländern im 17. Jhd.) oder durch geistige Klärungsprozesse, die die Einzheit eines Gemeinwesens wieder herstellen, überwindbar, kann das nur in der Auflösung des Gemeinwesens enden. Weil die differierenden Zielsetzungen - eine davon muß ja gegen die Wahrheit sein, beide können nicht wahr sein - des realen Lebens zu einer Paralyse des Staates führen. Die Frage einer Diktatur ist also keineswegs einfach mit "Ablehnung in jedem Fall"* zu beantworten, und auch nicht von der einer Diktatur immanenten Logik aus zu lösen, weil von der Wahrheitsfrage nicht zu trennen.





*Das hat nicht zuletzt der "Arabische Frühling" gelehrt, der in der Beseitigung der jeweiligen Diktaturen, die ein gewisses Zusammenleben (mit Abstrichen auf allen Seiten) ermöglicht hatten, zum Auseinanderbrechen zahlreicher Staaten und einem aus dem Staatsverfall resultierenden Machtvakuum folgenden Chaos geführt hat, in dem die einzelnen Gesellschaftsgruppen nun um ihren Platz offen kämpfen müssen.




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