Endlich kann die Kassiererin im Supermarkt, der Lagerarbeiter, der Portier die totale Macht verkörpern, gleichberechtigt mit allen, gleich mit allen gemacht. Endlich können sogar die Kinder, instrumentalisiert von Schulen und Kindergärten, ihre Eltern beherrschen, sich ihnen gleichstellen.
Treibgut - Wo am breiten Strome die Ufer stehen, sind Schwarzerlensamen aufgegangen, und schäumen als saftige Büsche die Ränder der großen Lethe, die alles ins Dunkele Meer trägt; ihre weichen Äste, die noch nicht ahnen lassen, welcher später als kahler Stamm reife Blätter hoch in der Sonne wiegen wird, tauchen in die Wasser, wie Kinderhände. Dann und wann greifen sie, denen alles noch ernstes Spiel ist, nach Treibgut. Oder es bleibt hängen, lädt zum Tanze, haucht im Kusse Lebwohl
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Montag, 14. Juni 2021
Geöffnete Schleusen der Rache
Freitag, 26. März 2021
Wissenschaft als Zumpferlspiel
Im Jahr 1990, der VdZ hat wohl schon hier berichtet, hatte der VdZ als Bauunternehmer Aufträge im Wert von hundert Millionen abzuwickeln. Fehlte es an österreichischen Fachkräften, um diese Produktion zu stemmen, engagierte er, auf Vermittlung eines slowakischen Architekten, unter anderem ein Dutzend tschechischer Fachkräfte. Darunter einen Diplomingenieur J. Der mit nachweisbarem Hochschulzertifikat auch damit beauftragt war, die Produktionsunterlagen für eine Buswartehäuschen-Serie auszuarbeiten, denn der VdZ sah richtig voraus, daß dies einen nicht unbeträchtlichen Markt in Niederösterreich ergeben würde. Und dieser Diplomingenieur war ja Fachkraft für Holzbau.
Nach einer Woche zäher Zeichentischarbeit, mit der endlich einmal Kalkulationsgrundlagen auf dem Tisch lagen, staunte der VdZ, daß die Dimensionen der Hölzer für die Konstruktionen ums drei- und mehrfache überdimensioniert waren. Unsichtbar und deshalb nur statisch von Belang, betraf nur diese Position gute fünf Prozent der Verkaufskosten. Völlig perplex guckte Dipl. Ing. J den VdZ an. SO hätten sie nie gedacht.
Es fehlten Kriterien, ganz einfach. Es fehlten dem Sozialismus Kriterien des vernünftigen, also freien Wirtschaftens und Arbeitens. Und deshalb haben dem Diplomingenieur J jene Kriterien gefehlt, die sein Denken überhaupt relevant gemacht haben. Er hat studiert, aber sein Studium war sinnlos gewesen.
Auf so einer Basis läßt sich natürlich leicht von "Gleichheit" reden. Und - wie in den 68ern samt Nachläufern - vom Muff der Talare skandieren, mit denen man die Relevanz von Wissen, Denken und Logik entsorgte. Die dem eigenen Aufstieg im Wege standen. Jeder ausgebildete, erfahrene Zimmermann in den Reihen der Arbeiterschaft des Betriebs des VdZ war kompetenter. Interessanterweise schien das J zu ahnen, und er ordnete sich auch von Anfang an in diese Arbeiterschaft ein, suchte und fand seinen Platz in der Hierarchie der im Betrieb tätigen Menschen. Und war von Anfang an, getragen von dieser demütigen Haltung der Einordnung als Suche nach dem rechten Platz in der Welt, ein braver, verläßlicher Zimmermann, der in einem begrenzten Rahmen Verantwortung tragen konnte. Der VdZ erinnert sich gerne. Man mußte ihm nur die Aufgaben klar definieren, umreißen, begrenzen.
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Masha Gesten schreibt in dem spannenden exzellent geschriebenen (und übersetzten) Buch "Die Zukunft ist Geschichte - Wie Rußland die Freiheit gewann und verlor" über die Entwicklung der Naturwissenschaft in der UdSSR. Die in einer immer größer werdenden Frustration der Sowjetforscher endete. Ausgehend vom Primat und den damit ausgehenden Direktiven des Zentralkomitees der KPdSU wurde, schreibt Gesten, die Naturwissenschaft des gesamten Einflußbereichs der kommunistischen Parteien mehr und mehr irrelevant. Die Partei gab vor, was die Forschung zu ergeben hatte, die Ideologie (wie sie die Partei ausdefinierte, und das war nie berechenbar) bestimmte, was zu denken und zu "finden" überhaupt erwünscht und den Gesamtzielen der sozialistischen Gesellschaft zuträglich war.
Das führte bis in die 1970er-Jahre zu einem immer deutlicheren Rückstand der "sozialistischen Wissenschaft" hinter der Forschung des Westens, schreibt Gesten. Ganze Forschungsgebiete waren eliminiert worden, die sich nun aber als elementar herausstellten. Aufbauend auf Geheimdienstberichten, war das der damaligen Führung der UdSSR endgültig klar. Sie beschloß (gar nicht so sehr unter Chruschtschow, vielmehr unter seinem Nachfolger Breschnew) deshalb eine Wende. Es war die Wende zu Realen, zum Realismus.
Natürlich aber getragen von jenem Pragmatismus, der seine Relevanz aus der Nützlichkeit für die politisch definierten gesellschaftlichen Ziele bezogen hat.
Vor diesem Hintergrund betrachtet, ist der hier angefügte Film des Radio Berlin-Brandenburg (rbb) erst interessant. Denn die vorgeschobene "Erklärung" für das "Aufkommen der Rechten", auf die die Geschichte des Mauerfalls" reduziert wird, folgt nur dem üblichen Stumpfsinn.
Der einer Gesellschaft entspricht, die eine Sendeanstalt aus politischem Willen und von Steuergeldern bezahlt, die nicht in der Lage ist, die Realität des Lebens adäquat zu beschreiben.
Selbst wenn man anerkennen muß, daß eine Reihe von Tatsachen vorgestellt wird, die manche sehr richtige, unideologische Interpretation der Geschehnisse seit 1989/90 im Rahmen der "Wiedervereinigung" immerhin zuläßt.
Wie doch das Grundkonzept scheitert. Der hauptsächliche Grund zur Kritik ist der Enttäuschung geschuldet, daß zur Erreichung von "sozialen Zielen" nicht und nicht das "Prinzip Leistung" den Platz in der Hierarchie zu bestimmen vermag. Wie interessant, daß dieses vorgebliche Siegprinzip des Westens gar nicht greift, wie die Ostdeutschen wieder und wieder erkennen mußten.
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Norman Dennis, Fernando Henriques und Clifford Slaughter zeigen in ihrer (zumindest in der englischen Sozialforschung) legendären Buch "Coal is our Life" einen interessanten Zusammenhang auf. Sind die englischen Kohlearbeiter mit ihren Sozialforderungen erfolgreich, steigen also die Löhne der (damals) hunderttausenden Kohlearbeiter, so fließen diese Gelder in jene Bereiche des Konsums, die diese soziale Gruppe bereits zuvor gekennzeichnet haben.
Bei höherem Lohne, steigen etwa die Einkaufssummen in Supermärkten, die den Grundbedarf decken, aber es steigen auch die Ausgaben in den Pubs, wo die Männer sich darin überbieten, Runden für ihre Kumpels zu schmeißen. Denn dieses Ritual hat für diese soziale Gruppe enorme, hierarchiebegründende wie -erhaltende Bedeutung. Wer immer mit seinem Einkommen "gruppenidentitätsfremdes" Verhalten finanzieren wollte, fällt aus seinem Identitätskreis, wird nach einem Prozeß der Ächtung zum letztendlich Ausgeschlossenen. Und DAS versucht jeder unbedingt zu vermeiden.
Es werden keine neuen Gewohnheiten finanziert, es werden keine "höheren" sozialen Ziele angestrebt. Einkommen und Geld bleiben im Rahmen der sozialen Gruppe, der man über den Vater und damit über die wesentliche, gegenwarts- weil identitätsbegründende Tradition zugehört.
Freitag, 16. Oktober 2020
Und der muß es ja wissen!
Was Hans-Georg Maaßen da vorträgt, werter Leser, ist nicht nur hörenswert. Es spricht sogar aber etwas an, das längst in unseren Gehirnen präsenter sein hätte müssen. Daß es das nicht ist und war haben wir eben jener Unterwanderungsstrategie zu verdanken, auf die der KGB bzw. die kommunistischen Politrucks seit den späten 1950er Jahren umgestiegen sind.
Was hier vorgetragen wird hat nicht nur die Glaubwürdigkeit aus Logik und Erhellungskraft, aus Offenbarungen wie die aus den Mündern abgesprungener ex-kommunistischer Geheimdienstleute - einige sind auch hier bereits vorgestellt worden - die eindringlich seit Jahrzehnten gewarnt haben. Sondern man muß bedenken, daß Maaßen ehemaliger Chef des deutschen Bundesnachrichtendienstes, also eines der Geheimdienste Deutschlands!, gewesen ist.
Und er räumt mit so manchem Märchen auf, das uns aufgedrückt worden ist. Beginnen wir einmal bei der Wiedervereinigung. Die bei uns vorgestellt wird und wurde, als wäre sie ein rein demokratischer Akt eines Volkes, das sich erhebt, als logischer Schritt der Gesellschaft. Mitnichten! Es war ein Programmpunkt innerhalb der KGB-Strategie! Zu dem gehörte, die ehemalige SED-Landesführung der DDR abzusetzen, weil die die Theorie nach wie vor zu ernst nahm und das eigentliche Ziel dessen, was HINTER DEM KOMMUNISMUS steht, die Weltrevolution weil damit die Weltherrschaft, nicht wirklich verfolgten.
IHR DÜRFT AUCH NICHT GLAUBEN; WAS IHR SEHT. Das muß jeder beherzigen, der meint, aus den politischen "Geschehen" auch die Motive und Ziele ableiten zu können. Mitnichten und -neffen! Wer vergißt, daß wir es mit einer politischen Vereinigung zu tun haben, die ganz klar das Ziel der Weltherrschaft verfolgt, und zwar von Anbeginn seines Bestehens an, und die daraus noch dazu nicht einmal ein Hehl gemacht hat, dem ist nicht mehr zu helfen.
Und wir sind so weit. Maaßen sagt es: Im Westen meinte man, Kommunisten seien Sozialdemokraten, die halt ein bißchen mehr wollen. NEIN. Kommunisten sind Menschen, die ein anderes System wollen! Auch die DDR kann nicht auf zwei Sündenböcke reduziert werden, auf das MfS und die SED. Man vergißt, daß sogar die Ost-CDU und sogar die Kirchen überzeugte Kommunisten waren. Das heißt nach 1990 die Integration der Ost-CDU in die CDU einfach zu integrieren. Die Folgen - Merkel! - liegen auf der Hand. Plötzlich betreiben christlich-demokratische Politik Menschen, die in Wahrheit Kommunismus wollen (und das "mit menschlichem Antlitz" verhübscheln).
Man ist kein Verschwörungstheoretiker, wenn man aufhört, an den Weihnachtsmann zu glauben. Und dieser naive Glaube beherrscht nach wie vor unser Denken. Und das nicht zufällig! Sondern als Teil einer Strategie, die - hätte es die Wiedervereinigung nicht gegeben - zehn Jahre später Westdeutschland wie eine reife Frucht in den Schoß des Kommunismus fallen hätte lassen. Die Integration der DDR war aber der schnellere und elegantere Weg, als Taktik im Rahmen der Perestroika-Verwirrung, die man im Westen ausgelöst hat.
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Dienstag, 28. Januar 2020
Ein hartnäckiges Gerücht (2)
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| Renault R5, Baujahr 1972 |
Um kurz darauf mit dem Golf aufzutauchen, welches VW, das damals in einer substantiellen Krise stand (der Käfer war am absteigenden Ast, ein Alternativkonzept für ein nächstes Massenauto aber nicht vorhanden), in die Lage versetzte, das Feld sozusagen "von hinten" aufzurollen, und sehr bald sämtliche Konkurrenten am Weltmarkt zu überholen.
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| In der BRD längst bekannt: Kompakter Glas 04, Bj. 1960 (!) |
| VW K70, Baujahr 1970 |
Den klaren Zusammenhang aber, den Wahrheit und Schönheit und Gutheit mit Freiheit und schöpferischem Leben sowie einem gedeihlichen Ganzen (sic!) einer Gesellschaft und so auch einer Volkswirtschaft haben, müssen wir hier nicht noch einmal aufzeigen. Der Leser kann es außerdem selbst sehen. Denn spätestens seit dieser Zeit schustern wir (v. a. politisch) nur noch an Reparaturmaßnahmen herum, um die getroffenen Entscheidungen irgendwie noch auf "gut" zu trimmen, weil es ihnen allen sichtbar an so vielem mangelt. Was wir aber seither nur noch posthoc sehen. (Deshalb auch der Aufschwung des Liberalismus zur alleinseligmachenden Ideologie heute. Er macht es genauso, weiß alles erst im Nachhinein, aber dann viel besser.)
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| Peugeot 104, Baujahr 1972 |
Es bleibt, und das ist nachweis- und belegbar, daß AUCH die Ingenieure in Zwickau sehr genau wußten, was sich am weltweiten Automarkt abspielte, und wohin der Zeitgeist im Westen ging. Ja, sie ahnten es sehr früh, als noch nichts am Markt wirklich darauf hinwies. Aber darin waren sie nicht die einzigen. Es hing einfach Anfang der 1970er in der Luft, und bekam seinen Anschub spätestens mit der (künstlich erzeugten) Ölkrise. Die ihre Auswirkungen auch in der Art, Dinge und Leben zu denken, hatte.
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| Fiat 127, Baujahr 1971 |
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Montag, 27. Januar 2020
Ein hartnäckiges Gerücht (1)
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| VW Golf, Baujahr 1975 |
Nach 1945 waren aus zwei Gründen viele Konstruktionspläne eben einfach "verschwunden". Entweder wegen des bekannten Patentraubzugs der Amerikaner, die in einem wahren Blitzunternehmen mit LKWs noch im Frühsommer 1945 quer durch die Lande (auch im Osten) gerast waren, und hunderttausende Patente und Pläne (und Dokumente, wie schon 1919 übrigens) einkassiert und schiffsladungsweise (sic!) in die USA verschippert hatten. Wo man noch heute riesige Archive führt, die freilich nur Wenigen aufgeschlossen werden.
Aber auch ob des einfachen Umstands, daß die Eigentümer der Industriebetriebe, um absehbaren Enteignungen zu entkommen, nicht nur mit viel Kapital, sondern auch mit sämtlichen Produktplänen in die Westzonen abgedampft waren, um dort oft ganz neu anzufangen. Wenn auch nicht "ganz von vorne".
Die Russen kamen erst spät drauf, was da lief und kamen überall zu spät. Selbst beim beliebten "Export von deutschen Ingenieuren nach Moskau" blieb ihnen nur die zweite Reihe. Nicht nur also, weil Miami oder San Franzisco schon dem Ruf nach einen höheren Spaßfaktor haben als Tscheljabinsker Plattenbauten oder selbst Sotschis Freizeitkombinate, schoß der (buchstäblich) raketenartige Aufstieg der USA zur Technologieweltmacht Nr. 1 im Grunde auf deutschem Mist. Die deutsche Technik und Wissenschaft war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in fast allen Bereichen der der übrigen Welt um zehn, fünfzehn ja dreißig Jahre vorausgeeilt.
So aber wurden überall in der "Ostzone" entkernte Betriebe hinterlassen, von denen oft kaum mehr als die Hardware, also die anfaßbaren Gebäude, Maschinen und Arbeiter übrigblieben, die vieles nun neu erfinden mußten. Zeiss-Optik, deren Geschichte der VdZ etwas näher kennt, ist einer solcher typischen Fälle, drum erwähnt er sie. Der DDR fehlte fortan das, was jede Gesellschaft unbedingt braucht, um sich zu entwickeln: Ein solider, integerer Mittelstand. Diese Geschichte hat sich, übrigens, in allen jenen Ländern wiederholt, aus denen man nach 1945 die Deutschen expedierte. Darin, und nur darin gründet der immer katastrophalere Zustand der dortigen Volkswirtschaften. Es fehlten die Träger des Schöpferischen. Diesen Faktor kennt eben keine der "wissenschaftlichen Analysen" von Gesellschaften mit marxistischer Brille.
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Mittwoch, 22. Januar 2020
Manche wollen es ja immer noch nicht glauben
Man sprach offen. Und gesteht implizit das völlige Scheitern der Zentralplanungswirtschaft ein. Weshalb raschest Maßnahmen einzuleiten wären, die einer "freien Wirtschaft" schon recht nahe kommen. Wenn man so will: Die DDR stand aus sich heraus vor einem Mauerfall, und die Staatsführung wußte das.
Ein Teufelskreis, aus dem sich die DDR nur mit einem radikalen Rundumschlag - wenn überhaupt - befreien konnte. Das Ludwig-Mises-Institut faßt den Bericht zusammen und kommentiert ihn. Es hat recht, wenn es meint, daß dieser Bericht, der nach wie vor kaum bekannt ist, zum Grundstoff in den Schulen gehören müßte.
Schürer et al. weisen auf folgende Punkte hin:
- Es fehlten materielle und finanzielle Anreize zu Wirtschaften; vor allem die Übernahme von privaten Betrieben durch die Kombinate mußte gestoppt werden, und die Betriebe brauchten Eigenverantwortung.
- Es gab ein Missverhältnis zwischen „Überbau“ und produktiver Basis; die Verwaltung mußte teils drastisch, ja auf einen Bruchteil reduziert werden. Das Berichts- und Kontrollwesen war ausgewuchert und behindernd, es mußte, so der Bericht, auf Wesentliches eingeschränkt werden.
- Wichtige Bereiche der Versorgung der Bevölkerung wurden vernachlässigt; viele Produkte gab es nicht, vor allem größere private Wünsche waren unerfüllbar (Autos, TV-Geräte, Stereoanlagen ...) Altbauten waren zu Zehntausenden unbewohnbar, die Infrastruktur hoffnungslos im Rückstand, ganze Städte (namentlich wird zum Beispiel Görlitz erwähnt) verfielen. Selbst der Standard von Sozialeinrichtungen wie Krankenhäusern fiel mehr und mehr.
- Es gab nur geringe Investitionen, weil einfach kein Geld (Kredit) dafür da war, die notwendigsten Investitionen aber auf Importe aus dem "nicht-sozialistischen Wirtschaftsraum (NSW)" angewiesen waren. Interessant ist, daß sogar hier Realität einbrach, weil der Bericht weiß, daß solche Kredite nur durch Produktions- und Produktivitätssteigerungen rückzahlbar waren. Die man mit Planwirtschaft aber nicht erreichte. Man brauchte also dringend Devisen, die man wenigstens zum Teil durch "Nützung brachliegender Kapazitäten im Tourismusbereich" hereinholen wollte, sprich: Durch Anwerben westlicher Gäste.
- Investiert wurde in den falschen Bereichen; die Wirtschaft blieb ineffektiv und die Produktivität fiel und fiel, weil auch die Produktionseinrichtungen immer mehr überaltert waren. Der Bericht beziffert den Anteil von Anlagen, die quer über die Branchen sogar überhaupt nicht mehr verwendbar (weil "ausgenutzt") waren, auf rund 50 Prozent. Unbedingt mußte deshalb den Betrieben volle Handlungsfreiheit gegeben werden, denn nur sie wissen, was notwendig ist, und nur sie können es auch kalkulieren und erwirtschaften.
- Die eigene Planung wurde „in bedeutendem Umfang nicht erfüllt“. Als eine der Maßnahmen rät der Bericht dringend, daß zumindest Berichte über Zustände und Leistungen der Wirtschaft "wahr" zu sein hätten.
- Die Situation ist so prekär, daß ALLE Vorschläge gleichzeitig umgesetzt werden müssen, sonst ist die unmittelbare Zahlungsunfähigkeit der DDR nicht zu vermeiden.
Was sagt aber der Bericht uns Heutigen? Viel, denn er gibt weit mehr als Auskunft über das Schicksal jeder sozialistischen Planwirtschaft. Das ist von höchster Brisanz, weil wir heute tatsächlich kurz davor stehen, unsere eigenen Volkswirtschaften auf solch ein Planungssystem umzubauen. "Energiewende" und "Klimarettung" heißt nichts anderes! Und man kann nur mit größter Sorge beobachten, was sich seit vielen Jahren im Energiesektor, derzeit besonders aktuell in der Autobranche abspielt.
Es ist deshalb kein Wunder, daß diese Entwicklungen unter einer Kanzlerin stattfinden, die in einem geschützten Sektor in der DDR sozialisiert wurde. Denn "Geld hatten die ja", sogar (über Auslandskontakte) Westware, und deshalb unhinterfragtes Vertrauen in die Planwirtschaft und die Möglichkeiten einer zentralen Steuerung von Wirtschaft generell. Ihnen erschien Wirtschaft als Mechanismus, der steuerbar ist, und nichts zwang sie in ihrer umzäunten Rundumversorgtheit, die Wirklichkeit der Welt zur Kenntnis zu nehmen.
Genau deshalb hatten sie keine Ahnung über den realen Zustand der DDR. Sie hatten auch keine Ahnung von Arbeit, denn die ist mehr als "tun". Und sie haben deshalb auch heute keine Ahnung über die Folgen, die ein Umbau unserer Gesellschaften zu sozialistischen Systemen haben wird.
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Freitag, 25. Januar 2019
Der Freitag-Abend-Film
Ein sehr spannender Film, der sich auf ein wahres Ereignis bezieht. Doch ist es gleichgültig, ob man den Ausgang kennt. Denn Spannendheit zeigt immer etwas an: Das Maß an Identifikation läßt sich im Bangen ums Gelingen einer Sache erkennen. Diese Identifikation ist immer die Ineinssetzung mit einem Archetyp, der auch im Betrachter selbst besteht. Die sich zwar nur an einem Konkreten zeigen weil wirklichen kann, wobei aber dennoch die konkrete Handlung, die Detailgestalten selbst, nur sekundäre Bedeutung hat.
Aber sie hat immerhin hinweisende, auf die konkrete Geschichtlichkeit bezogene Kraft. Im günstigsten Fall fallen also beide Dinge in eins, und der Archetyp trägt auch die wieder erkennbaren Kleider. Und da entfaltet jedes Drama (als Sonatenform - die zweite Form der Kunst neben der Fuge - in der Musik nicht weniger als in der Literatur, im Theater, oder eben im Film) seine entscheidende Wirkung. Wenn es gelingt, dieses (an sich a- oder prä-morphe) Archetypische, an dem man in der Darbietung teilgenommen hat, mit anderen Konkretionen zu füllen. Plötzlich kann sich dann das konkrete eigene ge- und erlebte Leben auf seine wirkliche Wirklichkeit hin erhellen.
Diese Leistung kann ein ideologisch konstruiertes, damit in seiner Tendenz immer totalitäres Werk (ideologische Werke haben immer die Starrheit eines künstlichen Konstrukts, denn ihnen ist die Freiheit, die Offenheit des konkreten geschichtlichen Ausgangs die drängendste Gefahr, weshalb ideologische Werke nie wirklich spannend sind, weil die Ideologie das Archetypische ersetzen will) freilich nicht erbringen. Es bleibt im Konkreten hängen, und meint, im Konkreten auch die kathartische (im "Feuer" reinigende) Wirkung festmachen zu können. Als würde sich das Archetypische immer in derselben Gestalt zeigen.
Man kann den ganzen dramaturgischen Konflikt, der sich im ersten Akt (Teil) aufbauen muß (Exposition), als Konflikt des Archetypischen als eigentlichem Wirklichkeitskreis mit dem Konkreten und dessen vordergründige Gesetzlichkeiten bezeichnen, das irrtümlich für das Wirkliche gehalten wird.
An der Fähigkeit zur Abstraktion läßt sich aber nicht nur die Reife eines Künstlers, sondern auch die des Publikums erkennen.** Eine Kunst, die einer Ideologie zuarbeiten möchte, ist deshalb immer unbrauchbar - und keine Kunst. Und ein Publikum, das ideologische Werke sucht, sucht nur die immer fragile Bestätigung der künstlichen Identität. Die entscheidende Tätigkeit des Künstlers ist somit der des Publikums ähnlich: Sich aus jenem Konkreten (als Lebensträger, nicht als Material des Lebens verstanden) zu lösen, in das er ab ovo eingeflochten ist. Erst dann kann er das Gute, Schöne, Wahre in die Welt stellen, auf daß es in der Existenzberührung mit dem Publikum, den Menschen, der anschließenden Welt, diese in Kommunikation und Kommunion hebe.
**Man erkennt so manche Stupidität der Gegenwart daran, daß gerade die "Gut-Beflissenen" (=Selbst-sich-für-gut-Haltenden) meinen, daß sich das Böse, das Übel an immer denselben Zeichen, Gestalten und Worten erkennen und festmachen lasse. Was in der Regel nicht mehr ist als das "von sich weg-"sprechen eines Archetyps ist, von dem man sich in Wahrheit gar nie lösen konnte. Deshalb sind die Gutmenschen in aller Regel selbst jene Totalitaristen, als die sie andere bezeichnen weil "an Zeichen erkennen" wollen.
Samstag, 24. November 2018
Der Samstag-Nachmittag-Film
So daß sich analog zum Westen das Wesen der sexuellen Befreiung andeutet, wie sie auch den Westen zeitgleich überrollt hat. Als Individualisierung des Lebens. Und das überrascht auf den ersten Blick. Aber nur auf den ersten. Denn man erkennt dabei, daß diese Befreiung im Osten dieselbe systemdienliche Rolle spielte. Oder, sagen wir es anders: Wie im Westen wird den jungen Menschen diese Freiheit zugestanden, ja zu dieser Ventilation ermuntert, weil sie damit das System der Knechtschaft nicht mehr kritisieren. "Ich tu, was ich will!" Deutlich spürt man, wie damit die Einheit brüchig wird, gar nicht mehr aufzurichten ist. Ratlos bleibt der Mann davor stehen.
Die Folgeschäden waren überall dieselben: Verhütung, Abtreibung, Scheidung. Sie zu legalisieren sollte die Wesenwidrigkeiten verschwinden machen. Wenigstens unsichtbar. Auf der Strecke blieben die Menschen, denen diese Lügen eingeredet wurden.
Dazu kommen nicht unkluge, immer gut arrangierte, manchmal sogar schöne Lieder. Alles bleibt dabei im Rahmen einer allgemeinen Menschlichkeit. Es ist also kein Propagandafilm. Wenn schon, dann spricht die Lebenswirklichkeit für sich. Und erzählt darin genug. Das Spiel zwischen Mann und Frau, das in jungen Jahren so deutlich wird, hat auch in seinem Torkeln zwischen Richtigem und Falschen keine ideologische Systemabhängigkeit. Nicht einmal heute. Auch wenn es schwer ist, das zu erkennen, weil die Masken so verzerrt sind. Insofern ist dieser DDR-Film (sic!) sogar freier, ehrlicher.
Man hat damit eine Stimmung konserviert, wie sie auch der VdZ in seiner Kindheit in den 1960er Jahren erlebt hat. Als wäre das ganze Jahr darauf ausgerichtet, auf diese Zeit, wo das Leben wieder in seine Eigentlichkeit kommt. Und das Wesentliche durchbricht - Liebe, Lebenslust, Freude. Und genau so hat der VdZ auch den heurigen Sommer 2018 erfahren. An den er sich dankbar in diesen Tagen erinnert, die das Jahr wieder in Dunkel und Kälte und Tod des Winters und des Jahresendes zurückführen. Von wo es in einem Monat - Gott sei's gedankt für diese Hoffnung! - wieder als Same in den ersten Austrieben umkehrt, um die Welt zu eben diesem Leben zurückzuführen.
So beginnt in diesen Tagen die Fastenzeit, die der Advent immer war. Als Zeit des Wartens, des bangen Hoffens auf diese Wende zum Leben. Die keineswegs mit technisch berechenbarer Sicherheit kommt, weil alles Wirkliche nur durch die Wirklichkeit der Liebe Gottes reale Welt wird. Somit auch das durch Erfahrung scheinbar "Selbstverständliche" an der Nadelspitze Gottes hängt, und nur in der Haltung des Erbittens auch gegeben wird.
Donnerstag, 26. Juli 2018
Da steckt ein Plan dahinter
Die nächste Massenimmigration ist nicht nur im Koalitionsprogramm beschlossene Sache, sie ist im Laufen, und passiert hinter unser aller Rücken. Sämtliche Staaten Europas haben einem UN-Plan zugestimmt, demgemäß 60 Millionen Migranten nach Europa importiert werden sollen. Und Angela Merkel steht maßgeblich dahinter. Die das Parlament völlig ausgeschaltet hat. Und die die CDU, der sie seit 17 Jahren vorsteht, haßt und deshalb getreu dem Vorbild Lenin demontiert hat. In einem Land, in dem mittlerweile die Zensur wieder eingeführt wurde.
Ungemein erhellend! Und ungemein schockierend.
Dienstag, 28. November 2017
Was Mißbrauchstäter eben fordern
Urteil aber läßt sich nie aus der bloßen sinnlichen Erfahrung aufbauen. Das glauben nur die Rousseauschen Verwirrten, von denen es im Westen nur so wimmelt. So zu denken baut auf einer unzulänglichen Anthropologie, und nicht zuletzt auf einer Unkenntnis der Wirklichkeit auf. Es ist das geistige Entscheiden, das erst (apriorisch) eine Wahrnehmung zu einer solchen macht, und sich über bloß sinnliche, ungeordnete Daten zu einem Urteil formieren läßt.
Vieles an den moralisch-politischen Forderungen des Westens beziehungsweise der Politik ist also das Fordern nach einem Beitritt zur selben Verwirrung, in der man selber sein Leben nicht mehr auf die Reihe kriegt. Weil die realen Ergebnisse des Lebens dem Gesollten und Gewollten nicht und nicht entsprechen wollen. Weil man lieber das Denken dem Fehler anpaßt, als das Leben der Wahrheit. Die geistig ist.
Sonntag, 6. November 2016
Von der Höllenerfahrung der Ossies (2)
Aus eigener Erfahrung mit manchen Westdeutschen seinerzeit wie heute fügt der VdZ aber noch mehr hinzu. Denn was den Ostdeutschen heute so leichtfertig nachgesagt wird, daß sie nämlich angesichts des erlebten Desasters einer ganzen Lebenswelt in der Hackordnung auf die zurückgriffen, die doch noch unter ihnen stünden, und sich dort austobten, muß man bestenfalls für sehr sehr viele Westdeutsche anwenden. Denn dort trifft es ohne jeden Zweifel zu, auch wenn es dieselbe Sichtweise der Barmherzigkeit braucht, dringend braucht. Denn die Entfremdung der Menschen ist auch ein Problem des westlichen Deutschland, nur ist es dort noch mehr tabuisiert.
Deshalb ist ein großer Teil jener Kräfte, die sich als "politische Empörung" ausdrückt, unbenannt weil unbenennbar - es ist die Entfremdung eines Volkes bzw. aller westlichen Völker, die um Begrifflichkeit sucht und oft hilflos nur auf vorhandene Begriffe zurückgreifen kann. Die Kastration des öffentlichen Diskurses, dieser Raubzug gegen die Freiheit, die zuerst eine Freiheit der Vernunftsuche bedeutet, wendet sich als Fluch auf uns selbst zurück. Denn sie verhindert eine Verobjektivierung der Gegenwart, verhindert den geistigen Raum den eine Sprache bedeutet, und erstickt ihn stattdessen unter Irrationalität, Moralismen und Ideologemen. Bevölkert die Bühne mit Figuren, die nur in ihren willkürlichen Phantasien vorkommen, verhindert aber das Bilden von Realfiguren, um die Aussage nach eigenem Belieben zu beherrschen.
Samstag, 5. November 2016
Von der Höllenerfahrung der Ossies (1)
Die Kluft und das Gebaren der Skinheads, die auf körperliche Kraft, aggressive Männlichkeit und auf Einschüchterung abstellten, waren Mittel, sich von der Schwäche der Alten zu absentieren.
Er war auch ins Umland gefahren, hatte dort die stumme Ratlosigkeit als Folge fast flächendeckender, politisch durchgesetzter Stillegungen oft sogar gerade erst errichteter Betriebe (wie eine nagelneue Molkerei, die gar nicht mehr in Betrieb gegangen war) erlebt. Die nun als Architekturleichen die Landschaft (Richtung Greifswalde) - mit ihren ebenso frischen, dicht belegten Siedlungen aus Plattenbauten - gespenstisch und absurd, gar nicht mehr wie eine Lebenslandschaft, eher wie ein Bereitstellungsdepot wirken ließen und jede geleistete Arbeit, jede Selbsterfahrung der Ostdeutschen verhöhnten. Die Menschen verstanden das alles nicht mehr, so hat der VdZ es wieder und wieder gehört, und sie hörten bald auf, sich mit Vernunft zu befassen. Die war nicht mehr relevant. Nun kam eine neue Lehre, die man zwar nicht verstand, aber die wohl stimmen mußte, weil sei die der Sieger war. Nun wurde von anderer Stelle über sie verfügt, sie hatten es hinzunehmen, mußten aufhören, es mit ihrem Verstand ordnen zu wollen.
Samstag, 27. August 2016
Wenn man um das Ende weiß
Dienstag, 19. April 2016
Mit einem Scheinwerfer ausgeleuchtet
Daß die Energiewende eine nahezu absurd falsche politische Entscheidung ist hat Sinn ja schon lange vertreten.
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Montag, 18. April 2016
Mittwoch, 2. März 2016
Der Einzelne ist ... gleichgültig (3)
Was (so nebenbei) der Einschätzung, daß die Willkommensbegeisterten 2015 aus der Erfahrung, daß für sie das Bedienen eines iPhone höchste weil mittlerweile einzige Kulturleistung ist, den Umstand, daß die meisten Zuwanderungsbegehrer ein solches Gerät in ihrer Gesäßtasche mitführen und elegant bedienen können als hinreichenden Ausweis einer Kultureinheit ansehen. Auch das jedem bekannte Suchen von Steckdosen, um einen Handyakku aufzuladen, ist halt noch nicht wirklich kulturverbindend, genauso wenig wie eine Vorliebe für Nike-Schuhe. Wobei ... da könnte man schon diskutieren ... denn beide Seiten scheinen das oft zu glauben. Oder ist das auch schon alles, was hierzulande noch an Kultur erbracht wird? Markenbewußtsein, Nike-Schuhe? Wer weiß. Auf der Nike-iPhone-Ebene kommt man aber nicht weiter.
Wenn das nicht (bald!) passiert, bleibt die ganze Debatte nur die nächste Stufe in der Diskussion um des Kaisers neue Kleider.
Dienstag, 1. März 2016
Der Einzelne ist ... gleichgültig (2)
Montag, 29. Februar 2016
Der Einzelne ist ... gleichgültig (1)
Montag, 5. Oktober 2015
Ingenieur der menschlichen Seele
Montag, 31. August 2015
Ersticken der Vitalität
Das Vertrauen der Menschen zueinander und in die umgebende Wirklichkeit ist in diesen Gebieten ausgehöhlt, und das wirkt sich zumindest unterbewußt offenbar selbst 25 Jahre nach der "Wende" als Mangel an freier Lebensäußerung aus.
Interessant dabei ist aber noch etwas anderes: Denn das Wissen der Menschen, ja deren Hoffen in einen Gott, der alles weiß, der aber die Wahrheit ist und die Macht für eine ausgleichende Gerechtigkeit hat, ist zu allen Zeiten für die Menschen befreiend gewesen. Offenbar bestehen die o. a. Zusammenhänge also nicht einfach in der Tatsache des Wissens, daß jemand "alles" weiß, sondern darin, daß diese Instanz die Wahrheit IST oder nicht. Nur davon nämlich hängt der Freiheitsgrad ab. Unfrei ist nur der, der gegen die Wahrheit verstößt, in die alles Irdische eingebettet ist, auf das sich alles Irdische bezieht. (Im persönlichen Gewissensleben und Urteilen läßt sich diese Gleichsetzung von Wahrheit, Freiheit und Allgemeinheit übrigens erkennen: der Rang einer Gewißheit hängt von ihrer Stellung als Allgemeines ab.
Aber es kann keine irdische Institution diese Wahrheit selbst SEIN. Selbst die Katholische Kirche tut dies nur, wo und soweit sie sich auf diesen Gott selbst beruft, und ihre identitäre Wahrheit ausschließlich auf die Sakramentalität bezieht. Die Aufgabe und Stellung der Kirche ist deshalb nicht, ein irdisch-gelungenes Leben zu bewerkstelligen, sondern diese Anbindung an die Wahrheit selbst für jeden Einzelnen herzustellen, zu fördern und zu schützen. Das ist ihr größter Befreiungsauftrag, das ist ihr Auftrag als Instrument in der Welt. Ohne Freiheit des Einzelnen ist ihr Auftrag nicht denkbar. Das gilt selbst dann, wenn der Einzelne seine Freiheit freiwillig aufgeben, jemandem anderen übertragen möchte. Auch im Ordensleben etwa kann es deshalb zwar zur freiwilligen Einschränkung der äußeren Lebensbetätigungen kommen, und das ist ja ihr Sinn sogar, aber nur, um dadurch die eigene, individuelle Freiheit (von irdischen Gebundenheiten) in ihr Maximum zu führen. Das bedeutet aber gleichzeitig, das individuelle Versagen des Einzelnen jederzeit zu riskieren und sogar: zu ermöglichen. Erst dann ist es ja Freiheit. Ohne freilich, daß eine Gemeinschaft (auf jeder Stufe) es dann auch akzeptieren muß. Freiheit hebelt also etwa nicht Strafe aus, sogar ganz im Gegenteil: Freiheit ohne Strafe und Sühne beim Verstoß ist gar nicht vorhanden. Wer einen Übeltäter nicht bestraft, ignoriert seine Freiheit als Akt gegen die Wahrheit.
Einen ganz anderen Anspruch stellt eine Diktatur, ja daran erkennt man sie. Sie zielt nämlich auf die innere Freiheit des Einzelnen. Indem sie sich anmaßt, von außen her diese Freiheit auch verordnend gestalten, vervollkommnen zu können, um so einen neuen, erlösten Menschen zu MACHEN - in seinem Inneren. Deshalb die Gewissens- und Gedankenpolizei. Eine Diktatur kann mit der Möglichkeit, zu versagen, zu opponieren, nicht leben; es wäre ein Selbstwiderspruch ihres Anspruchs. Deshalb bestraft eine Diktatur eigentlich gar nicht die Straftat, sondern die moralische Disposition dazu.
Während ein Staat von Freien die innere Disposition unangetastet läßt, aber auf die äußere Tat achtet, wenn sie real und sichtbar das Gemeinwesen schädigt. Erst dort ist das persönliche Leben auch von öffentlich-rechtlichem Interesse, und dort setzt das Recht eines Staates an.
Besonders heikel wird die Frage freilich dort, wo geistige Bedingungen existieren, die eine Zersetzung des Gemeinwesens intendieren. Bestehen solche Spaltungen eines Gemeinwesens auf Dauer, sind sie nicht isolierbar (man denke an die Ausweisung der Protestanten bzw. Katholiken aus ihren Ländern im 17. Jhd.) oder durch geistige Klärungsprozesse, die die Einzheit eines Gemeinwesens wieder herstellen, überwindbar, kann das nur in der Auflösung des Gemeinwesens enden. Weil die differierenden Zielsetzungen - eine davon muß ja gegen die Wahrheit sein, beide können nicht wahr sein - des realen Lebens zu einer Paralyse des Staates führen. Die Frage einer Diktatur ist also keineswegs einfach mit "Ablehnung in jedem Fall"* zu beantworten, und auch nicht von der einer Diktatur immanenten Logik aus zu lösen, weil von der Wahrheitsfrage nicht zu trennen.
*Das hat nicht zuletzt der "Arabische Frühling" gelehrt, der in der Beseitigung der jeweiligen Diktaturen, die ein gewisses Zusammenleben (mit Abstrichen auf allen Seiten) ermöglicht hatten, zum Auseinanderbrechen zahlreicher Staaten und einem aus dem Staatsverfall resultierenden Machtvakuum folgenden Chaos geführt hat, in dem die einzelnen Gesellschaftsgruppen nun um ihren Platz offen kämpfen müssen.





