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Dienstag, 24. Januar 2023

Hintergrundrauschen (2)

Von der Propädeutik zum Konkreten. Warum die Taliban in Afghanistan Zukunft haben könntenUnd dabei stößt man immer wieder auf ein Problem, das umso größer ist, als es nur schwer ins Bewußtsein zu heben ist. Sich aber  in eigentlich vollkommen falschen Lehren am freiesten vorkommen. Wie in diesen Beispielen, die lustigerweise, siehe oben, am ehesten noch in sogenannten "feministischen" Thesen zirkulieren.

Denn womit wir es in diesem hier aufgegriffenen, aber so wesentlichen Problem zu tun haben, stößt auf Undenkbarkeit, weil es auf (nur je anders gestaltete) Tabuisierung der Frauenfrage bei ALLEN Seiten stößt, egal welchen Spektrums (links, rechts, usw. man sie zuordnen möchte. Keine der derzeit kursierenden Denkweisen, wie immer sie auch aussehen, sind dabei auch nur im Ansatz geeignet, die Frage zu lösen. Ausnahmslos alle gehen fehl, und ihr Streit ist deshalb das den Kern des Problem vermeidende Umkreisen als Ausweg und Flucht.

Was wiederum mit einer in allen diesen Richtungen enthaltenen, kulturellen Erscheinung kurzgeschlossen werden kann oder muß. Die (kurz und bündig formuliert) mit Männern zu tun hat, die es nicht mehr wagen, ihre Mütter als absolute (weil eigentliche oder einzige) Autorität infrage zu stellen. 

Montag, 23. Januar 2023

Hintergrundrauschen (1)

Wie immer auch Irrtümer verpackt sind, wie immer sie daherkommen, ist am besten als Anforderung an die Wahrhaftigkeit zu sehen, in der man sich zur sittlichen höhe durchringt, den wahren Kern in JEDER These zu suchen und zu sehen. Mir zumindest ist nochkeine Theorie untergekommen, die VOLLKMMMEN aus der Luft gegtriffen ist, und nicht irgndeinen Funken Wahrheit enthält. Wenn sie den eigentlichen Aussgen der Wahrehit widersprechen dann weil irgendwo auf ihre Entstehungs- und Vergbreitugnweg ein sittlicher Irrtum geschehen ist, der Ebenen durcheinanderschemißt, oder Theorien nicht an die richtigen Präpositionen rückzubinden vermag.

Wir schicken dies voraus, weil wir hier mehrere Ansätze aufgreifen werden, die eigentlich grob defiziös sind, aber aus bestimmten Aspekten ihre augenblickliche Dominanz in einem Kern begründet haben, der an ihnen wahr ist, und der anderseits die elementarste Schwäche es Abendlandes (v. a. des US-Westens) ins Mark trifft.

Donnerstag, 10. November 2022

Filmempfehlung (2)

Die Einheit der Welt zerbricht Als billige irische Arbeiter (Siehe Anmerkung*) kommen, senkt er einfach den Lohn für alle Arbeiter. Manche (auch unser Vater) können diese Ursache für die Kürzung gar nicht glauben, weil ihr Wertegefüge nur Gedanken wie die zuläßt, daß eben die Marktpreise für Kohle niedrig sind. Und das tragen eben wie immer ALLE mit. 

Aber daß der Reiche die Notlage aller ausnützt, das KANN nicht sein. Denn wo sollten die Menschen im Tal sonst ihren Lebensunterhalt verdienen? Nun aber müssen sie erstmals feststellen, daß sie nicht mehr untrennbar zu einem Ganzen verbunden sind, sondern einseitig diese Verbundenheit zur brutal ausgenützten Abhängigkeit ausgeformt wird.
Der Vater wehrt sich dennoch vehement gegen die Selbsthilfe der meisten übrigen Dorfbewohner, die nach Gewerkschaft und Streik rufen. Streik? Niemals, das wiederspricht den Lebensgesetzen! Ein sinnvolles, pralles Leben gibt es nur durch Opfer. 

Mittwoch, 9. November 2022

Filmempfehlung (1)

In "How Green Was My Valley" hat der Regisseur John Ford eines jener - man möchte fast sagen: ultimativen - Meisterwerke geschaffen, für die jeder Künstler lebt und an welchem Punkt er seinen Pinsel aus der Hand legt, um auf den Tod zu warten. Denn mehr kann er nicht mehr sagen, er hat alles für ihn zu Sagende in ein Werk komprimiert. 

Wer darin einen Widerspruch zu den übrigen Werken Fords erkennen möchte, hat Unrecht. Denn auch der Western, das "eigentliche Genre" durch das Fords berühmt wurde, ist verkannt, wenn man ihn nicht als Epos der Kulturwerdung eines Landes begreift. Wo der Westernheld aus einem chaotischen Gärkessel allmählich eine Gemeinschaft der Werte und des Rechts bilden will, in dem das Recht eben nur aus dem subjektiven Lebensgehalt stammen kann. 

Recht und Ordnung, die in "How Green Was My Valley" aber schon in Jahrhunderte oder gar Jahrtausende alten Lebensgemeinschaften Fleisch geworden ist, das nachkommendes Fleisch - junge Generationen - wie von selbst prägt und in dieselben Werte und Haltungen hineinerzieht. Nur darin utnerscheidet sich also der Western von diesem Film Fords - im Stadium des Rechts. 
Eine gute Welt aber kann nur durch Opfer und Selbsthingabe erreicht werden. Und die Welt Ford's ist auch eine Welt, in der Gott selbst dieses Opfer verlangt, auf daß Leben, Schönheit und Größe wie Gerechtigkeit, Liebe und Barmherzigkeit sie durchwese. Was wäre sonst lebenswert, was anders als eine Hölle?

Donnerstag, 25. August 2022

Im Sohn der Vater, im Werk der Künstler

Die Analogie des Schöpferischen Werkes und des Weges zur Heiligkeit. Wo in der Hingabe ans Schöpferische, das zu einer Lebensweise wird, die eigentliche Substanz ins Werk wandert. So, wie der Sohn gezeugt wird, entsteht also das Werk als verlängertes, ja im Mitleiden eigentlicheres Ich, der zum bloßen Durchgangspunkt wird, während sein eigentliches Leben im Werk stattfindet. Dort ist seione perspnliche Ebene der Reinigung und Läuterung und des Gebets.
[Wer saber ist mein Bruder, mein Sohn, meine Mutter? Der mein Wort hört und es befolgt, der ist mir Bruder, Schwester und Mutter und Sohn.] Nicht das Blut definiert die Zugehörigkeit zum Haus, sondern der Gehorsam, der "Mensch guten Willens".
Die Erfahrung des Schreibens unterscheidet sich nicht mehr von der des geistigen Weges, wie ihn Johannes vom Kreuz beschreibt. Schreiben ist der Akt seiner Heiligung. Nicht anders wie dem Tischler sein Stuhl, gewiß, nur anders weil andere Menschheitsbereiche umfangend. Aber es gibt den Tischler, der ganz im Stuhl aufgeht, und dessen Stuhl dann (indirekt) das Heiligste verkündet.

Es ist dann das Werk, das liebt, es ist das Werk, das handelt, es ist das Werk, das verkülndet. Und der das Werk aufnehmende wird durch das Werk erhoben, in dem sein Schöpfer aufgegangen und damit verborgen ist.

Samstag, 11. Juni 2022

Von einem Gott in drei Personen

Augustinus geht in seiner Trinitätslehre von Gott als Geist aus. Und stellt die Dreifaltigkeit als Selbsterkenntnisschema Gottes dar: Gott erkennt sich in seinem Sohn. Wenn man diese Frage aber beim Wort nimmt, so könnte man zur Ansicht kommen, es sei DOCH nur EINE Person, die SICH erkennt, sodaß die Trinität also nicht drei Personen, sondern lediglich eine Erkenntnisstruktur ist. Das hat tausenddreihundert Jahre später die Aufklärung gerne aufgegriffen, sie nun überhaupt die Dreifaltigkeit antsorgt hat, um Gott als abstrakten Geist oder Begriff, nicht mehr als Person zu definieren, und die katholischen Gotteslehre durch einen neurtralen "Deismus" zu ersetzen.

Nun, in gewisser Weise ist die Dreifaltigkeit ja tatsächlich eine Struktur, allerdings ist sie das AUCH. Das ist aber Gott nicht in seinem Grund, denn dort ist er personal. Dies ist nicht nur Offenbarung, sondern ist auch das, was die Menschheit seit je empfunden bzw. sich erinnert (sic!), als Erinnerung weitergegeben hat, die (erst im Paradies, später als Heiden) zu ihrem Gott ein persönliches Verhältnis wußten. Dem als Urheber von allem man immer (!) in einem Schuldverhältnis gegenüber stand.

Mittwoch, 4. Mai 2022

Ab dannen/da die Welt/in Widerspruch zerfällt

Wollen wir uns an dieser Stelle aber noch einmal genauer mit einen Themenbereich befassen, der das Kernstück der Thesen Walter von Lucadou's ist. Es iost mechanistisch wie dessen gesamtes Weltbild. Denn was immer er auch einschränkend dazu sagen wollte, er ist materialistisch und letztlich also a-theistisch. Das ist gewiß der Grund, warum er sich doch so großer Beliebtheit offizieller deutscher Stellen erfreut. 

Aber das schicken wir nur voraus, um eine gewisse Vorsicht einhzumahnen, weil eine gewisse Ideenstruktur bei ihm sehr brauchbar scheint, um etwas zu verstehen, was auch wir sehr ähnlich sehen, aber noch nicht so weit ausformuliert haben, sodaß uns Lucadour nun inspiriert hat, es in einem Teilschritt zu versuchen.

Lucadour unterscheidet demnach die physikalische Welt in zwei Bereiche, deren einer dem anderen übergeordnet ist, ohne aber auf ihn verzichten zu können. Den einen nennt er Verschränktheit, das heißt, hier werden Einzeldinge und -bereiche so synchron (jawohl, wir können hier C. G. Jung bereits anklingen lassen) beherrscht, daß sie ablaufen ohne daß man sagen könnte, was zuerst war. Sie verhalten sich, als gäbe es keine Ursache und Wirkung, als würden sie wie ein Teil eines übergreifenden Ganzen agieren.

Freitag, 7. Januar 2022

Kleinere Beobachtungen

Es ist nicht uninteressant, die Situation der ältesten Tochter zu studieren. Deren Leben nicht selten vom Bemühen bestimmt ist, die "bessere Version der Mutter" zu werden. Auch als "die bessere Frau" für den Vater, weshalb ihr Versuch, die Mutter zu übertrumpfen, die Wertelandschaften und Eigenschaften des Vaters wiedergeben. Das heißt also, nicht ohne den Vater gesehen werden kann, dessen "leeren Platz an seiner Seite" sie zu füllen, den sie zu überzeugen versucht. Und dabei nicht selten Schadenfreude (der Mutter gegenüber) ihre Rolle spielt.

Die nächsten Töchter haben es da ein wenig leichter. Sie stehen nicht mehr so unter diesem Druck einer mit den nächsten Kindern schwindenden Aufmerksamkeit der ältesten Tochter, haben deshalb also auch weniger den Vater im Zentrum ihrer Rechtfertigung. 

Mit einem gewissen Sonderfall, der Tochter,

Mittwoch, 30. Juni 2021

Veganismus als Schuld an der Erde (1)

Oh, singe den Zorn, oh Göttin des Peleïden Achilleus (oder auch des Hans Zurngreiter, den Buben vom Bert), darüber, wie man sich täuschen kann. Oh, wie oft leben wir in Verhältnissen, deren wahrer Hintergrund oft im selben Verhältnis anders und sogar kontradiktisch ist, als seine Deckmäntel in Wortgebilden errichtet eine stille Gegebenheit und Selbstverständlichkeit nützen, also ins Leere stoßen. Wo dann ein wortreiches Gebilde darüber gesponnen wird, das nichts weniger als eine Lüge, als der berühmte Mündungsrauch, der verhindern soll zu sehen, woher das Geschoß wirklich kommt. Genau das läßt sich über den Vegetarismus, noch deutlicher aber über das Veganertum aussagen. 

Dessen Ideologie (und kein Veganer bestreitet, daß seine Einstellung eine solche ist) nicht nur dadurch ihre matriarchalisch, matrizentrische Gründung verrät, daß sie wie ein Heißluftballon über der Erde schwebt und kein Loch in seiner Außendecke erlaubt, weil er sonst aus dem Gleichgewicht gerät, den existenznotwendigen Auftrieb verliert und abstürzt, nein - er verrät diese Herkunft durch seine Wiederspiegelung in der Mythologie.

Samstag, 22. Mai 2021

Man kann's auch übertreiben (2)

Teil 2) Wenn ein Sündenbock zum Sündenbock wird  (Teil 1 am 14. Mai 2021) 


Wir stellen uns ferner die Frage, ob nicht die angebliche Ableitung sexueller Energie in Pornographie und Virtualität vor allem gewisse Verbrechen erfindet, fördert und nährt, und schließlich gebiert und evoziert. Speziell die Kinderpornographie ist nämlich zum einen nicht nur nicht Ableitung realen Wollens und Strebens, sondern so eindeutiges KIND der Pornographie, daß es sie außerhalb der Virtualität gar nicht gibt.

Speziell die Kinderpornographie ist (zumindest solange sie noch kein Habitus ist, sodaß sich also ein bereits geformter, "auftrainierter" Leib in die Entscheidungsprozesse einmischt) Verweis auf eine ganz andere Problemlage. An die aber - und das ist das eigentliche Problem - wagt sich niemand mehr heran. So sehr fürchtet man sie sogar, daß man alles auf dem weiten Umweg, den man beschreitet, um die Schlacht mit den Hooligans der gegnerischen Rabauken zu vermeiden, ratzeputz niederholzt.

Freitag, 14. Mai 2021

Man kann's auch übertreiben (1)

Es ist ein wenig seltsam, daß über weite Strecken dieselben Kräfte, die für sexuelle Befreiung eintreten, die Pornographie ablehnen. Und nicht nur das, diese Ablehnung trägt teilweise bereits aggressive Züge. Ganz so, als würden alle Schranken, hier den Archetyp eines Sündenbocks zu konstituieren, zunehmend fallen. Sodaß sich (ähnlich wie in der #metoo-Bewegung) ganz andere, elementarere und vor allem komplexere Dinge zu einer Ersatzabführung bündeln. In die hinein dann der Wille (zusätzlich aus dem Verstand genährt) Energie lenkt. 

So wird die Ablehnung der Pornographie sogar zu einer Art Gleitmittel, zu einem nächsten Trojanischen Pferd, um im Kampf gegen dieses "na wohl auch von Ihnen abgelehnte Zeug!" auch die Zustimmung zu Totalitarismen einzuholen. Denn wenn schon nicht beim Klima, wenn schon nicht bei Corona, dann ist doch wenigstens bei der Pornographie gerechtfertigt, das Verhalten der Menschen bis zum Gang auf die Toilette zu regeln. NICHT WAHR?

Eben. Nicht wahr.* 

Donnerstag, 2. Juli 2020

Warum Gott als Mann gesehen werden muß (2)

Teil 2)



Das heißt nichts anderes, als daß sich im männlichen Tun die geistige Spitze des Menschseins (somit auch alles an Zugehörigkeit! als Stellvertretung! als Teil eines Ganzen, also als Universalium!) zeigt. Das ohne die frauliche Seite freilich nicht da wäre. So, wie das Haupt, Christus, seinen Leib - die Kirche! - sucht weil zu seinem Ganzsein braucht. Nicht im ontologischen Sinn, Jesus hat ein Sein ohne Schöpfung und ohne Mensch, na selbstverständlich!, aber im existentiellen Sein. 

Das ist das Geheimnis der Liebe Gottes zu den Menschen. Nicht den Menschen ontologisch aus dem Geschöpflichen ins Göttliche zu holen, sondern am Göttlichen durch Anähnlichung (eine "Leistung" des Menschen, die er zu erbringen hat, will er Glück erleben) teilhaben zu lassen - in der geistigen Sohnschaft. Denn Teilhabe ist nur dem Söhnlichen (sozusagen) möglich. Weshalb auch die Frau das Sohn-sein zu erreichen hat, will sie teilhaben an der Erlösung durch Christus, am Opfer vor Gott, am Weltsein als Lobpreis Gottes.

Wollte man das anders sehen, wäre auch die Priesterschaft selbst unrettbar angegriffen. Und genau das ist der Fall: Mit dem Zerfallen des konkreten Menschenbildes als dem innertrinitarischen Geschehen nachgebildeten Existierens - nicht zufällig als Vater und Sohn bezeichnet, die im Heiligen Geist, einer eigenen Person, zu einem Ganzen, zu "Gott" werden, einem ewigen Actu, einem handelnden Sein, einem im Handeln seienden Sein gewissermaßen - als Identität ist der Priester zerfallen. 
Und MIT DEM PRIESTER zerfiel AUCH DER MENSCH. Nicht umgekehrt, nicht anders, sondern genau so.
So, wie die Begriffe mit dem männlichen Geschlecht nicht NICHT Männlich sind, ist im Mannsein alles einem Begriff Zuzuordnende enthalten. Und in gleicher Weise ist im männlichen Gott Vater und Sohn IM Heiligen Geist das Wesen des Männlichen als Wegweisung weil Wesensdefinition des Menschen - als Mann! - enthalten. 

Alle diese windelweichen Versuche, die Frau dadurch zu "retten", indem man sie unter Auflösung aller Begriffe und damit des Denkens auf eine Ebene mit dem Mann hebt, weil das auf abgeleitete, indirekte Weise so ist (sic!), es aber für die Schöpfung keinen Weg gibt, der sich auf direkt anstrebbare, abgeleitete Weise begehen ließe (weil das abgeleitete Allgemeine immer nur im Konkreten enthalten ist - oder sonst gar nicht) sind lächerliche Windelpruntzereien. Und deshalb niemals gottähnlich. Sondern des Teufels. Dieses Meisters des Windelprunzens weil Meisters der Begriffsauflösung.

Und da gibt es keine Entschuldigung des Mannes, weil er sich denn doch nicht über das Weib erheben wolle, und so weiter, und so fort. Nein. Sondern vor allem muß ihm diese Aufgabe als Last begreiflich werden. Denn erst dann wird auch aufhören, daß der hierarchisch Untere den Oberen zu beneiden beginnt, weil dieser angeblich Vorteile habe. 

Er hat sie nicht. Nicht in der Ewigkeit. Denn mit der Höhe der Stufe, in der ein konkreter Mensch steht, wächst auch die Schärfe der Prüfung, unter der er steht. Und daran scheitert jeder, der meint, er sei an einem unteren Platz, der ihm so gar nicht gemäß sei, weil er doch weiter nach oben gehörte. Und - UND! - umgekehrt. 

Der VdZ schreibt dies ganz bewußt unter Weglassung aller Hin- und Rücksichten und Querverweise. Er tut dies, weil sich die gesamte Diskussion in den letzten Jahrzehnten nur noch in diese peripheren Bereiche verlagert hat, die aber ihren Rang verloren haben, weil die Hauptsache - daß Gott männlichen Geschlechts ist - sich in allen Disputen mittlerweile völlig verloren hat. Aber wozu soll dann überhaupt noch gesprochen werden? Wo doch nun der Mensch am Boden klebt, von dem er sich nicht einen Zentimeter erheben kann, weil ihm die Grundbegrifflichkeit des Mensch- und Weltseins versagt bleibt.



*260620*

Mittwoch, 1. Juli 2020

Warum Gott als Mann gesehen werden muß (1)

Lange Zeit bereits sieht sich der Katholik mit der Aussage konfrontiert, daß Gott nicht geschlechtsspezifisch gesehen werden dürfe. Dabei ist seit je auffällig, wie viele rhetorische Kniffe verwendet werden müssen, wieviele Begriffsrelativierungen und damit -auflösungen erfolgen müssen, um diese Definition Gott aufrecht zu halten oder zu "begründen". 

Gleichzeitig - so könnte man sagen, so müßte man es sehen - begann, mit einem kleinen Nachhinken, die geschlechtliche Identität des Menschen zu wanken, bis sie sich ganz auflöste. Damit haben wir es heute zu tun. 

Vage Gegenbewegungen waren zu beobachten, um zu retten, was zu retten ist, und doch dabei völlig neue Begriffe zu schaffen. Gegenströmungen entstanden, die Mann und Frau je eine eigene Identität zusprachen. Und mit viel Krampf und Kampf versuchten zu definieren, was das nun sei, Mann, Frau, Vater, Mutter, wie man das nun verstehen solle und könne. Meist endeten diese gut gemeinten (und gut gemeint ist das Gegenteil von gut!) Neubegriffenheiten im geistigen Niemandsland eines nicht wirklich zu fassenden Geschlechts, in dem sich letztlich vor allem das Geschlechtsspezifische nahezu auflöste. 

Der Mann und Vater wurde weichliche Zerrfigur, die Frau zum irgendwie abgemilderten, aber dennoch gleichberechtigten - emanzipierten - letztlich aber gleichwertigen Geschlecht. Und was es an Verquertheiten noch mehr gab und gibt. Die nur eine diffuse "Liebe" und "Hingabe" noch einte. Der genau das fehlte, was Liebe und Hingabe aber ist: Das selbstüberschreitende Erfüllen eines Parts, der unveränderlich ist. Zumindest insofern unveränderlich, als sein Ideal, seine Idee also, fest und unveränderlich stehen muß. Denn ist das verhandelbar, ist es bereits aufgelöst. 

Wie kann das auch anders sein? Wie kann der Mensch meinen, den Menschen anders definieren zu können denn als Ableitung des "Nach seinem Abbild schuf er ihn"? Wenn also Gott verschwimmt, verschwimmt auch der Mensch, wenn die geschlechtliche Identität Gottes unwichtig wird, wird sie das auch beim Menschen.

Dabei haben wir nicht den geringsten Hinweis aus der Fleischwerdung Gottes selbst, daß dem so wäre! Nicht nur war Jesus Mann, sondern auch den Vater bezeichnete er immer als Vater. Nicht als "na sagen wir halt, aber es könnte auch Mutter" und so weiter, und so fort. Nein. Vater. Sohn. Brüder.

Bei dieser Gelegenheit muß ein heftiger und längst fälliger Einspruch gegen die gezielten Greuel getan werden, in denen den Lesungen in der Liturgie meist ein "Brüder UND SCHWESTERN" vorgestellt wird, wo es expressis verbis aber "Brüder" heißt. Söhne, und nicht "Söhne und Töchter".

In dem idiotischen Bemühen, gewissermaßen, die Würde der Frau zu retten, indem man ihr eine dem Manne gleichgestellte Identität zusprach, und sie somit auf dessen Ebene hob, wurde das Entscheidende mit Füßen getreten und in Grund und Boden gestampft. Das, was in der Genesis bereits vorgezeichnet war und als einzige Begriffsdefinition des Geschlechts zulässig sein KANN, und zwar weil in Bezug zur Ebenbildlichkeit mit Gott gesehen: Daß Gott DEN MENSCHEN schuf, indem er ihn ALS MANN (Adam) schuf, und erst in zweiter Linie als Mann UND FRAU schuf. Wobei er die Frau der Seite Adams entnommen hat.

Und dort muß deshalb jede Geschlechtsdefinition ansetzen - beim Mann. So, wie in Jesus DER MENSCH allgemein vor Augen stand, ist im Mann auch die Frau enthalten. Damit sind wir auch bei der wahrlich geistesgestörten (sic!) Diskussion um die Geschlechtsspefizität von Begriffen, die sich nicht zufällig dem generischen Geschlecht des Mannes in eins zu fallen scheinen. 

Warum? Weil im Mann alles enthalten ist. Auch die Frau. Sie ist es nur insofern nicht, als die Frau eine Auslagerung aus dem Menschsein (des Mannes, das heißt: Menschsein immer als Mann, der wie alles ein Archetyp ist, also ein Modell der Ordnung der Schöpfung) ist, und insofern der Mann nach diesem Teil sucht, weil er ihn existentiell braucht.
So, wie beide, Mann wie Frau, in der Selbstüberschreitung, durch diese Mann-Männin-Konstellation jeden dieser Aspekte des Menschseins=eigentlich Mannseins erst zur Wirklichkeit und damit zur Welt bringen. Ohne diese "Frau aus dem Mann genommen" hätte dem Menschsein seine wirkliche Wirklichkeit gefehlt, die immer erst als Moment der Selbstüberschreitung WIRD, also ist. 
Als Ergänzendes, als "Fleisch von meinem Fleisch, Bein von meinem Bein." Als Boden, als Materia, ohne die er nicht Mensch weil Welt sein könnte. 

Morgen Teil 2)



*260620*

Mittwoch, 23. Oktober 2019

Nur der Gehorsame ist frei

Es klingt auf gewisse Weise wie ein Widerspruch, aber es ist nur ein Paradox, das denn doch in Logik aufgeht. In der Logik, die von der Geschaffenheit in der Ebenbildlichkeit zu Gott gründet, die den Menschen in seinem innersten Wesen prägt und formiert. 

Damit geht es um die Anähnlichung an Gott als den eigentlichen, ja den einzigen Weg, zu seiner Bestimmung, zu seinem Sinn, zum logos zu finden. Und diese Anähnlichung wiederum setzt Gehorsam Gott gegenüber voraus, also Gehorsam den Seinsprinzipien der Welt gegenüber. Insofern dient nicht nur alles Erkennen, alles Forschen (somit die Wissenschaft an sich), der Übernahme der Seinsgesetze - die einen selbst zutiefst prägen und geprägt haben - und damit der Anähnlichung an Gott im Wissen, das "sein" Wissen ist, als Teilhabe, sondern in diesem Ähnlichsein ist des Menschen größte Freiheit verankert. 

Während die Gnosis nun freilich meint, im Wissen sei auch die Anähnlichung bereits geschehen, umfaßt sie in Wahrheit eine ganzheitliche Haltung, eben der Haltung der Offenheit zur Wahrheit. Und diese ist ein Selbstüberschreiten, also ein Von-sich-weg auf ein-etwas-zu, in Hingabe. So daß erst so das Wesen des Wissens wirklich wird, das da Wahrheit genannt wird. Und das ist weit mehr als rationale Richtigkeit, ja das Rationale gründet selbst in diesem ganzheitlichen Ähnlichsein Gott gegenüber. 

Wie dieser Mensch ist, in seiner größten, in seiner ursprünglichsten Gedachtheit und damit Berufung, wird uns erst in Jesus Christus begreiflich. Dem zu begegnen eben nicht eine "Transportation von Information" ist, sondern an dem wir über eine "Transformation der Information", die sie weit über Daten hinausgehen läßt, teilhaben. So daß sich der Schritt der Anähnlichung in der personalen Begegnung mit Jesus Christus vollzieht. Indem wir ihn lieben, ihm gehorchen, gehorchen wir dem Sein und Wissen an sich, im Vater, das im Heiligen Geist in die Existenz (als Vollzug) kommt, das heißt: Der immer actu, tätig, aktiv ist, und erst und nur insofern ist.

Dieses Gehorchen, dieses Selbstüberschreiten nun ist immer ein Eintreten in einen Ort, der uns vorausgeht und immer ein Ort des "Gemeinsamen" ist, das mit allen eint, die ebenfalls diesem Ort zugehören. Ort ist IMMER eine Art von Kollektivem, eine Universalie, eine geistige Beziehung im Begriff, in dem das Ich sich stärkt, weil es von sich ab- und auf etwas zugeht, sich der Gnade überantwortet, die erst zum freien Individuum (weil Gottähnlichen) macht.

Darin liegt auch erst die Individualisierung, die ein Individualisieren von "Gemeinsamem", Universalem, immer zu Übernehmendem ist. Selbst das, was nur uns gehört - manche Talente etwa - sind deshalb wesensgemäß und über den Menschen aussagend auf ein Gemeinsames ausgerichtet, nie isoliert möglich. Talent, gerade Talent ist eine lediglich sehr spezifische Form von Ort, also von Gemeinsamem, sodaß auch hier erst der Gehorsam in der Selbstüberschreitung dem Einzelnen seine Individualität und sein Talent voll oder sogar überhaupt entfalten läßt.

Es ist ein Paradox somit, daß im gehorsamen Einordnen (also im Eintreten in einen Ort innerhalb des Wissens Gottes, seiner Ideen sohin, dem logos) in eine Ordnung (die in Gott Vorsehung ist), die sich auch im Sozialen und als immer heilig und unantastbar sein müssende Tradition (die dann auf Gott selbst zurückgeht, also seine Spuren trägt) ausdrückt, ja gerade dort ausdrückt, die schöpferische Freiheit ihr höchstes Maß empfängt.

Die Freiheit des Menschen wird also in dem Moment auch der vollkommenen Freiheit Gottes (und diesen ohne absolute Freiheit zu denken ist unsinnig) ähnlich (analog), als wir ihm vollkommen gehorsam sind. Denn Freiheit ist ein Akt, in der Haltung ein ständiger Akt, nicht ein Zustand. Als Sohn und Söhne des Vaters, als jene, die in Christus (und nur so ist es möglich) vor den Vater treten, und im Sohnesgehorsam im Heiligen Geist atmend an der Dreieinigkeit teilhaben.




Donnerstag, 25. Juli 2019

Ein erschreckendes Symptom (2)

Teil 2) Die exkursartigen Anmerkungen 


*Rap ist im Grunde die künstliche (aber nicht: künstlerische!) Ästhetisierung der Kommunikations- weil Formunfähigkeit.

²Insofern ist Teil des Symptoms und des Erschreckens auch die absurde Reaktion in weiten Teilen der "Gegenöffentlichkeit", wie sie sich gerne nennt. Die Ahnungslosigkeit, die Ungebildetheit, die etwa bei Tichys Einblick in einem Kommentar erkennbar wird, ist zwar nicht überraschend, aber denn doch furchterregend. Hier wird außerdem mit "Meinungsfreiheit" argumentiert, als wäre deren Problematik als Ergebnis einer solchen absurden, völlig verfehlten Diskussion, die nicht im Ansatz erfaßt, worum es dabei überhaupt geht, erfaßt. Kurz gesagt: Früher hatten Kinder am Tisch der Erwachsenen zu schweigen, und das hatte seinen guten Grund. Meinungsäußerung und -verbreitung ist von Stellung, von Ort, von Stand, von Aufgabe nicht zu trennen. 

Das einzuschränken, und zwar in den Rahmen eines sozialen, institutionellen Gefüges zu stellen, dient zudem dem Schutz der Unmündigen. Denn auch für Äußerungen muß jeder Mensch Verantwortung übernehmen. Aber was soll man von Menschen halten, die laufend mehr Macht (Möglichkeiten, Potenz) haben, als ihrem Sein entspricht? Wie kindisch ist also doch diese ganze Diskussion um "Meinungsfreiheit", die das Wesentliche - das, was es wirklich zu schützen gilt! - nicht einmal trifft? 

Im übrigen wird hier einmal mehr deutlich, wie wenig der Liberalismus als Geisteshaltung in der Lage ist, zu gestalten. Er wird immer nur dort und höchstens dort "zutreffend", wo er an dem, was er selbst zu verantworten hat, zu leiden beginnt.

**Wobei das so gar nicht stimmt. Wenn man das Video ansieht gelangt man eher zur Frage, ob es nicht sein könnte, daß man manche herkömmliche Kräfte - also auch in der CDU - unterschätzt hat. Und vielleicht sogar, zumindest im Ansatz, als Versuch sehen muß, diesem aufkommenden Wahnsinn einer dämonischen Gegenwelt noch etwas entgegenzuhalten. Allein, sie ist dem nicht gewachsen. 

Aber wenn es eine politische Zukunft unserer Gesellschaft geben soll, dann kann der VdZ sie nicht anders sehen als in einem Zusammengehen der noch verbliebenen konstruktiven Kräfte, und die bündeln sich derzeit vor allem in und um die AfD. Diese Kräfte müssen sich also zusammenschließen, anders kann es keinen Ausweg geben. Und die Altparteien mit einem Akt der Reue und der Schuldeinbekenntnis einen Neustart wagen. An der Frage, ob das realistisch zu erwarten ist, wird sich die Zukunft unserer Länder entscheiden. Sollten sich aber diese Kräfte mit diesen Anti-Kräften verbinden (CDU-Grüne etwa, ÖVP-Grüne), dann wissen wir endgültig, daß an unseren Gemeinwesen endgültig nichts mehr zu retten ist.

Zumal es eine Tatsache ist, und das zeigt dieses Video auf jeden Fall, daß das, was politisch zu tun wäre, dermaßen gegen die vorgeblichen Intentionen und Begierden der jungen Generation steht, daß man von Parallelwelten reden muß, die miteinander gar nichts mehr zu tun haben. Weil die jungen Menschen jeder Realität völlig entfremdet sind.

***Es gibt zwar eine gewisse Bereitschaft zu sehen, daß Väter "fehlen", aber gerade dieser Aufruf findet sich fast immer als dermaßen irrtumsbehaftet und fehlgeleitet, daß ein Entstehen einer neuen Vatergeneration schon im Ansatz gerade im Meinen, daß man gegensteuert, verhindert wird. Es geht weder um biologische Abstammung, noch um eine Neudefinition von Vaterschaft als "liebe Spielpartner" oder Zweitmuttis, weil die Verwiesenheit von Kindern in der Familie aus abstrakten Funktionen aufgelöst wird. Deshalb hat Vaterschaft auch direkt mit einem Ende von Emanzipation und Feminismus zu tun. Aber diese Hürde wagen derzeit nicht einmal die sogenannten "Rechten" oder "Konservativen" anzugreifen. Wenn selbst Leitfiguren der Rechten - wie H. C. Strache - auf "Papamonat" gehen, wenn sämtliche sogenannten rechten Parteien mit der "Verteidigung der christlichen Werte" auch die Gleichstellung der Frau meinen (und damit das Fundament jeder sozialen Ordnung, die Ehe, bereits im Apriori unmöglich machen), weiß man, daß alles zu spät ist. 

Morgen Teil 3) Zusammenführungen 



*300519*

Mittwoch, 24. Juli 2019

Ein erschreckendes Symptom (1)

Erst mit einiger Verspätung hat der VdZ dieses Video eines "Rappers Rezo"* gesehen. Das heißt - er hatte es sich vorgenommen. Aber nach wenigen Minuten nur noch in Stichproben weitergeschaltet, denn er war sprachlos und erschrocken. Denn hier haben wir ein Symptom einer Fehlentwicklung, die in allem schon lange - auch an dieser Stelle - analysiert und sogar vorhergesagt war. Daß es dann so kommt will man ja selber nicht so recht glauben, muß es aber immer wieder zur Kenntnis nehmen.

Man kann nicht mehr recht sagen, auf welches Versagen solche Dinge im Einzelnen zurückzuführen sind, die uns in diesem Video mit voller Keulengewalt entgegenschlagen. Und eine inhaltliche Analyse lohnt nicht, sie wäre erstens vergeblich, und zweitens ist sie längst geschehen, sie wird diesmal auch nicht mehr gehört. Und drittens tun sich ohnehin andere diese sinnlose Sisyphos-Arbeit an, aber mit auch noch so guten Argumenten ist da sowieso kein Blumentopf zu gewinnen. Dieser Zug ist abgefahren, die Gehirnwäsche hat gesiegt.

Immerhin, eines muß man Rezo zugestehen: Der Rapper (was immer das als Seinsbeschreibung sein soll; ist "Nichts", also Formlosigkeit, tatsächlich "etwas"?) hat alle diese zahllosen Fäden des Irrsinns und der Irrationalität gebündelt, auf typische Weise rationalisiert, und zu einer Reingestalt geführt, die verblüfft. Und eben - erschreckt.

Versagen des Bildungssystems. (Lesen Sie einmal, was Michael Winterhoff dazu zu sagen hat, wenn Sie es nicht längst und seit vielen Jahren auf diesen Seiten gelesen haben: Diese Jugend ist weil wurde systematisch verblödet! Und Rezo ist ein Beleg dafür.) Versagen der Pädagogik. Versagen des Sozialstaates. Versagen unzähliger Ideologien. Versagen des MASSENinternet und der social media als "Informations- und Kommunikationsmedium", die es überhaupt nicht ist, es ist vielmehr - auch das wurde hier oft und oft dargestellt, schon vor vielen Jahren - eine gigantische Verwirrungsanstalt.² Versagen der sozialen Ordnungen. Ja, und natürlich auch: Das Versagen der Politik.**

Es könnte einem angst und bang werden, mit welchem Erfolg die jungen Menschen offenbar bereits umerzogen und zu manipulierten Akteuren der Destruktionskräfte wurden. Denen wir selbst den Raum gegeben haben. Und die man nur einer Kategorie zurechnen können: Als Bewegung gegen das Sein. Als Nichtung somit.

Die Jugend präsentiert sich somit als das, wovor ständig gewarnt wurde, auch an dieser Stelle, weil alles so absehbar war: Sie ist nun das, wovor gewarnt wurde, ein Spielball. Als gehirngewaschene, denkunfähige Generation, die wie eine Marionette dem Wahnsinn der Gegenwart dient. Der jetzt zur dominierenden Gestalt werden will. Wehe uns!

Wehe uns, wenn nicht endlich wieder Väter aufstehen, die Väter von Gestalt her sind. Denn Rezo zeigt sehr genau was herauskommt, wenn diese Väter fehlen. Aber dazu müssen wir erst wieder dessen gewahr werden, was Vaterschaft überhaupt heißt.***

Wenn es nämlich niemand zu sagen wagt - es gehört gesagt: Diesem Rezo gehören von seinem Vater ein paar hinter die Löffel, samt vier Wochen Hausarrest, Streichung des Taschengeldes, und Arbeit im Kuhstall. Denn ein Kind hat sich nicht in die Debatte der Männer einzumischen. Es sollte zuerst einmal selber Mann werden. So lange wird auch sein Computerzeug versperrt gehalten, damit er aufhört, dem Haus, das das Haus des Vaters ist, Schande zu bereiten.





Morgen Teil 2) Die exkursartigen Anmerkungen




Sonntag, 1. Juli 2018

Brief an einen Sohn (5)

Teil 5 - Schluß



Bei diesen Andeutungen (was für eine Chuzpe, diese Textmenge noch Andeutungen zu nennen ... ;-) will ich es insofern einmal belassen, als ich natürlich sehr mit Dir in Deinen emotionalen Nöten mitfühlen kann. Vielleicht habe ich erzählt - ich hatte 1980 bis 81 in Graz eine "Beziehung", die für mich desaströs endete. Auch hier hat sie mich verlassen, wenn man Betrug als verlassen sehen will, der es aber ist. Ich war nachher nicht mehr der alte, vielmehr zutiefst verwundet, fast könnte man sagen: Tödlich getroffen. Samt Selbstmordversuchen. Ach ja, ich erinnere mich, ich habe davon erzählt.

Wenn es auch im Detail sicher anders war als bei Dir, vereint uns doch auch in diesem Punkt ein gewisses gemeinsames Schicksal, das wollte ich damit sagen. Was mich sehr berührt. Wobei: Das soll ja bei Vätern und Söhnen keineswegs selten, ja sogar die Regel sein ... Aber aus heutiger Sicht ging es denn doch um dasselbe wie bei Dir: Ich habe nicht die Kraft gehabt, dieser "Beziehung" einen Namen zu geben: Ehe.

Und sie hat das auch abgelehnt, ich hatte es einmal angesprochen. Wobei ich heute denke, daß sie das bereut. Sie lebt heute alleine, hat nie geheiratet. Ich werde sie nie mehr kontaktieren, gewiß nicht. Aber ich habe so eine seltsame Ahnung, daß sie etwas begriffen und vielleicht sogar bereut hat. Und das hat mit "Beziehung" zu tun. Sie wollte "Beziehung", hielt Ehe für unnotwendig. Heute ist sie allein. Wie so extrem viele Frauen übrigens. Beobachte einmal wie viele mit vierzig, fünfzig Jahren oft unter Tränen feststellen, daß sie ihr eigentliches Lebensziel, ihre größten Wünsche - Familie, Ehe, Kinder etc. - NICHT erreicht haben. Trotz Karriere und Volvo in der Garage und Photos von Urlauben in Thailand und Peking, oder weiß der Deibel was. Wobei meist, ja fast immer auch das nicht. Sie haben ihr Leben gelebt, aber es ist nichts Dauerhaftes geblieben.

Irregeleitet waren wir beide, schon damals, 1980/81 in Graz, und das ist gleich wie heute bei Euch Jungen sozusagen. Durch die überall propagierte "neue" Sicht von Mann und Frau, die sich ja alles quasi selbst arrangieren können, weil ja alle so frei sind, vor allem die Frauen. Was für ein Unsinn. Erfüllung gibt es nur in Bindung. Erst Bindung informiert empirische Daten, weil Gestalt erst dann entsteht, wenn sie sich behauptet, und das heißt: abgrenzt, aus dem Chaos heraushebt, im Namen ein "Etwas" macht, weil Informierung "Bindung" ist.

Womit wir auch zurück bei der Physik wären. Erst Form macht aus einem ständig variablen "irgendwie" eine tragfähige Gestalt. Das hat nichts mit "konservativ" zu tun, das ist einfach realistisch. Daß das heute so gar nicht mehr erkannt wird, hat vor allem mit dem Sozialstaat als "Rückversicherung für das Leben" zu tun.

Natürlich weiß ich, daß vor allem die Frauen katastrophal fehlgeleitet (weil auf sich gestellt, "e-manzipiert", also: aus der Hand gegeben oder genommen oder geworfen, je nachdem) sind. Sie betrifft die heutige Verwirrung noch mehr als die Männer. Umso höher wäre also der Männer Verantwortung, die vor allem eine Pflicht zum Widerspruch, zum "Besserwissen" ist. Wer führt MUSZ besser wissen. Eine hohe Verantwortung, vor allem oft ein schweres Kreuz. Aber wer führen will MUSZ dazu den Mut, ja die "Frechheit" haben. Und ohne Führung wiederum gibt es kein Seiendes! Alles lebt aus einer Spitze, einem Haupt - Form, Sinn ist damit sogar Ausdehnungsgrenze - und Beziehung, als Anstoßen von Grenzen.

Deshalb proklamieren die Frauen Ansprüche, die mit dem, was sie wirklich wollen, nicht einmal mehr im Entferntesten übereinstimmen. Anderseits aber muß man genau zuhören, genau zusehen. Denn indirekt - indirekt! - zeigen sie, die viel mehr die fleischliche, sinnenbezogene, und deshalb so leicht zu beeinflussende Komponente des Weltseins sind, oft sehr genau an, worum es ginge. Als Gestalt, als Bewegung des Seins, viel vor allem im Instinkt, nicht als "Denken". Man muß bei Frauen mehr als bei Männern (oder Dingen) ihre Schatten lesen, die sie an der Wand hinterlassen, vor der sie sich bewegen.

So, und nun sind auch die Schienen gelegt für die zweite Variante. Du bist immerhin mein Sohn, und über Ähnlichkeiten haben wir bereits gesprochen. Was wäre, ***, wenn wir beide gar nicht einen "Fehler" gemacht hätten, sondern uns in einer irrtümlichen Annahme über uns und unsere Wünsche, Ziele selbst befunden hätten, wenn das die Frauen sogar gespürt hätten? Und Frauen sind oft tatsächlich sehr handfest-klug, nur wissen sie es meist nicht. Wenn wir also in Wirklichkeit diese "Ehen" deshalb nicht "so richtig" angestrebt hätten, weil wir beide sie ... gar nie gewollt, nur so irgendwie gemeint hatten, sie zu wollen, oder meinten "irgendwas in dieser Richtung" wollen zu müssen, warum auch immer?

Was hätten wir dann beide also verloren?

Gerade wenn Männer sehr geistig orientiert sind, ***, ist die Bedeutung des Fleischlichen - und Ehe, Zweisamkeit ist maßgeblich etwas Fleischliches und wird vor allem dann dazu, wenn wie bei uns beiden der Fall, wir enge körperliche Kontakte (um es so zu umschreiben) mit den Frauen bereits hatten, diese sich gar zur (oh ja, supertollen ...) Gewohnheit ausbildeten - oft sehr sekundär, ja unter Umständen (wie beim Zölibat) gar nicht vorhanden und dem eigentlichen Lebensziel entgegen. Dann ist unsere "Ehe" - und jeder, wirklich jeder Mensch ist auf Ehe angelegt! - doch die Ehe mit einer geistigen "Frau", mit einem Volk, einer Gemeinde, einer Zuhörerschaft, einem Publikum, Angestellten, was auch immer noch Dir dazu einfällt?

Ob das bei Dir so ist, weiß ich nicht. Aber vielleicht solltest Du es erwägen? Versuche nur einmal, es mit Deinen Gedanken zum "Nobelpreis" zusammenzubringen. Mit dem mir gegenüber geäußerten Zielbild, "Wissenschaftler" zu werden. Ich sage nicht, daß das prinzipiell alles unvereinbar wäre, und ich kann Dir gar nicht sagen, wie ich mich über Enkel von Dir freuen würde. Aber sehr oft ist es das. Dann sind unser beider Kinder und Enkel eben ... nicht fleischlicher Art. Nimm es nur als Gedanke, als Möglichkeit, und höre genau, ob sich dazu in Deinem Inneren etwas regt.

Aber auch darüber, darüber, mein lieber Sohn, können wir, wenn Du das willst, bei einem Stadtpark-Spaziergang ausführlicher sprechen. Den wir vielleicht in nicht zu ferner Zukunft abhalten? Die Perspektive, daß wir uns wieder treffen, macht mich sehr froh.

Und so wünsche Dir von ganzem Herzen alles Gute, und viel viel Kraft, die Schmerzen der Trennung von einer "faszinierenden Frau", wie Du es nennst, gut zu verwinden. Arbeit, Aufgabe, Sinn (!) - und Spiel ;-) - ist da ein recht gutes Mittel. Wenn Du deshalb auch nicht ganz vergessen solltest, daß Du recht sicher ein gehörig Maß dazu selbst beigetragen hast.

Vielleicht machst Du Dir dann vor allem keine Vorwürfe, was Du "falsch gemacht" hättest. Vielleicht hast Du gar nichts falsch gemacht. So oder so. Dann wirst Du aus dem Schmerz wenigstens etwas gelernt haben. "Wo Gott eine Tür zuschlägt, macht er ein Fenster auf!"

Und noch einmal: Ich freue mich über Deine geistige Entwicklung und bin stolz auf Dich und die Richtung, in die Du zu gehen scheinst. Gerne habe ich deshalb auch dieses eine Photo, das ich von Dir digital aufgetrieben habe, ich gestehe es, meiner heutigen Lebensgefährtin (in Deutschland) gezeigt. Was für ein Prachtsohn, hat sie gemeint. Ja, habe ich geantwortet, eine kostbare Perle. Und habe ihr ein wenig erzählt. Auch von früher, als Du noch mein kleines, so zerbrechlich empfundenes Söhnchen warst. Auch das wäre ja ein Hinweis auf Geistiges.

Gott, die Ursache von allem Sein (Physik!), das alles Gut (= am Sein Teilhabende, also alles Seiende) treibende (schaffende) Sein selbst also, aus dem alles Seiende heraus in Liebe, in Zustimmung zur Welt "isset" (ist ist ein Aktivum!), möge diesen kostbaren Menschen schützen.

***, ich bete für Dich.

Dein Dich liebender

Vater




*090618*

Freitag, 29. Juni 2018

Brief an einen Sohn (4)

Teil 4)




Die Frage um Form und Gestalt wird Dich in der Physik auf Schritt und Tritt begleiten, wenn Du in ihr ehrliche Erkenntnis der Welt (und damit ihrer Gründe, da kommt eines aus dem anderen) suchst.

Ich habe vor kürzerer Zeit ein wunderbares Buch gelesen, eine ganz trockene physikalische Abhandlung von Wolfgang Köhler, einem deutschen Physiker beziehungsweise fächerübergreifenden Naturwissenschaftler. "Die physischen Gestalten in Ruhe und im stationären Zustand: Eine naturphilosophische Untersuchung". Eines der Bücher, die an sich vergriffen sind, schon lange - wobei: in der Uni-Bibliothek wirst Du es wahrscheinlich noch finden - und die ich deshalb bei einem Verlag in Indien (sic!) zum Nachdruck (um unglaublich wenig Geld) bestellt hatte. Eine Literatur-Beschaffungs-Methode, der ich mich schon lange bediene, denn die aktuelle Literatur ist oft sehr sehr schwach, und ich wundere mich wieder und wieder, daß man nicht merkt, daß die Wissenschaft vor fünfzig oder hundert Jahren tatsächlich weiter war als die heutige, aber das ist ein eigenes Thema.

Köhler zeigt darin, daß die Eigenschaften der Materie von der Form (und damit von der Beziehung!) abhängen, also nicht "an sich" feststehen, sondern eine bestimmende Gestalt brauchen. Gestalt gibt den Teilen immer ein Zusätzliches, das als Sinnhorizont auftritt. Das trifft sich unter anderem mit Heisenberg. Der Name wird Dir ja vertraut sein.

Form. Darum geht es. Und Form muß allem VORANgehen, und geht allem voran. Jemand mußte die Schreibmaschine nicht nur zuvor erdacht haben, ehe er sie machte. (Das war sogar ein Österreicher aus Südtirol. Drum sagen die Italiener: Ein Italiener ...) Er mußte ihren SINN kennen, noch besser kennen als der Erfinder des Gänsekiels, sozusagen, um diese Maschine dann diesen Sinn erfüllend zu erdenken. Nur wer Sinn besser erkennt, "erfindet" deshalb etwas.

Erst Form (die damit dem Sinn quasi entspricht, dem logos) kann Materie binden, zu Eigenschaften (Empirie) prägen. Sie steht am Anfang, nicht als summiertes Ergebnis quasi mechanischer Prozesse (wie bei der Schreibmaschine), zeigt Köhler. Zur Gestalt geworden (also Form die Materie "in-form-iert") weisen diese physischen Dinge dann völlig neue Eigenschaften auf. Und das läßt sich in Analogie (also: Ähnlichkeit, wenn auch auf anderer konkreter Ebene) auch auf die Zwischenmenschlichkeit übertragen. Denn alles, ***, alles trägt im Grunde dieselben Archetypen, nein, wird von diesen vielmehr getragen, nur auf je völlig anderer Ebene, und immer geht es darin um "Sinn", logos, "auf-zu". Das ist sehr wichtig, weil ja gerade die Wissenschaft verlangt, daß eine Untersuchungsmethode der Art des Untersuchten entsprechen muß. Die Physik führt also unweigerlich zur Meta-Physik. Und sie verlangt deshalb die schärfste Sprache, das härteste Denken.

Übermorgen (Sonntag) Teil 5 - Schluß





*090618*

Donnerstag, 28. Juni 2018

Brief an einen Sohn (3)

Teil 3)




Nun, mein lieber Sohn, das führt mich zur Angelegenheit, die Dich derzeit wohl am intensivsten seelisch beschäftigt, die um Dein Mädchen. Das ich leider nicht kenne. Aber ich meinte schon aus Deinen knappen Schilderungen damals in Graz etwas erkannt zu haben, das ich auch anzusprechen versucht hatte, indirekt zumindest, von dem Du aber, wie ich meinte, nicht recht etwas hören wolltest. Ich habe dazu zwei Varianten, sozusagen. Die erste wäre ein gewisser Vorwurf (keine Angst, die zweite ist es nicht), und der lautet und begründet sich wie folgt:

***, der Fehler oder Widerspruch wird schon aus Deinem Sprechen darüber erkennbar. Du nennst es "Beziehung". Was aber ist "Beziehung"? Kannst Du aus Deinen Studien (die Du so wunderbar intensiv betreibst, ich bin tief bewegt das zu sehen!) erkennen, daß "Beziehung" irgendetwas erklärt oder definiert? Verlangt nicht "Beziehung" (als empirische Erkenntnis aus Beobachtung) eine Präzisierung? Eine Benennung? Einen Namen? Ein ... definiertes Wesen, aus dem jederzeit Ziel und Sinn hervorgeht?

Ja, heute reden alle von "Beziehungen" in Mann-Frau-Angelegenheiten. Aber niemandem scheint aufzufallen, was für ein leeres Gequatsche das ist. Der Mensch ist sui generis ein Kulturwesen, also braucht er auch notwendig kulturelle Formen. Für alles. Braucht. Lebensnotwendig. Untrennbar. Nicht "vielleicht, oder auch nicht, werden sehen, oder auch nicht". Welt ist immer das Sichtbare, das Konkrete, das vom Menschen "Gemachte". Kultur. Und Kultur, Menschsein heißt: Beziehung in eine Form überführen und darstellen, und damit Welt darstellen und damit Welt konstituieren. Schaffen heißt aber immer: BENENNEN. Einen Namen geben. Ein konkretes, ganz konkretes Wesen beschließen, VORHER, dann als ‚telos‘ anstreben, der somit Ausgangs- wie Zielpunkt ist. Logos.

Ich kann Dir deshalb einen gewissen Vorwurf nicht ersparen. Ich habe es in Graz angedeutet. Es liegt nämlich am Mann, aus dem Bezogensein auf eine Frau (und aus ihrer zum Mann) etwas Konkretes zu machen! Und das ist ... die Ehe. Das Haus. Die Familie, die ich lieber "Haus" nenne. Erst hier kann man sich auf eine konkrete Gestalt hin transzendieren, erst hier kann sich etwas entwickeln, das mehr ist als ein sich irgendwie Aushalten oder im Bett verlustieren oder was auch immer. Und aus diesem Transzendieren kann man zu sich selber werden. Ja, NUR darin. Denn NUR so bricht die die Zeit konstituierende Zeit in die Welt, weil sie Raum wird (Wieder: Physik, und damit: Musiktusch.)

Es ist also Zukunft, Aufbau "von etwas", das Gegenwart und damit überhaupt erst "Sein" konstituiert. Wenn der Mann einer Frau das nicht bietet, ***, wird sie gehen, das ist so sicher wie das Amen im Gebet. Sie braucht ein Haus als Perspektive, als Plan, als Ziel, in dem sie ihre Stellung haben wird. Weil sie gegenwärtig werden will. Das ist nur vernünftig. Und das erwartet sie vom Mann, ob sie das zugibt, weil sie darum weiß oder nicht. Oder meint selber irgendwas "Wichtiges" werden zu wollen, wie, das meine ich, bei Dir der Fall war (und Du bist darauf hereingefallen). Denn der Mann ist der "Bestimmer" gegenüber der Frau, die auf Bestimmung wartet, auch wenn sie das scheinbar ablehnt, heute meist aus Gruppendruck.

Oder von bereits verblödeten Müttern zur Selbstverfehlung geschliffen.

Das ist (schon rein physikalisch betrachtet) eine ontologische Tatsache, ein Wesensmerkmal, das nicht unserer Disposition unterliegt. Wie falsch hier der Feminismus heute liegt, kannst Du daraus vielleicht ermessen. Dem ich wie so vielen gegenwärtig populären Auffassungen zuschreibe, daß er vor allem die jungen Menschen (und in dem Fall rechne ich Dich dazu) zu Verwirrung führt, sodaß sie ihre Lebensziele nicht erreichen, weil sie das falsche, völlig ungeeignete Denkwerkzeug haben. Und damit die Welt nicht mehr richtig einschätzen, Situationen nicht wesensgemäß beurteilen, um richtige Alltagsentscheidungen treffen können.

Die heute vorzufindenden allgemeinen Auffassungen, mit denen gerade Ihr Jungen zugeschüttet werdet, mit erheblichem emotionalem Druck ("Alleinsein", Einsamkeit, erinnerst Du Dich an diesen Gesprächspunkt damals im Oktober in Graz? Man muß zum Denken einsam sein können!) sind deshalb so gefährlich. Ich bin also ein vehementer Feind dieses heutigen Denkens, das ja gar kein Denken mehr ist, sondern nur so tut als ob es eines wäre, weil es halt auch wie Sprache (wie! nicht ALS) durch den Kopf rauscht etc. Unsere heutige Welt (und damit die Menschen, vor allem die jungen) ist regelrecht zugemüllt mit nie durchgedachten, sprachlich entsprechend verschwommen gehaltenen Dingen. Also Nebeln, dogmatisierten Mythen (als Religionsersatz) und wieviel völligem Schwachsinn. Irrationalität wird sogar als Heilmittel verkündet, weil einem die Sprache fehlt um Begriffe zu klären, "Gefühl" soll den Verstand ersetzen, "Spontanität" die Vernunft, und "Leidenschaft", Getriebenheit wird zum "Gefühl" erklärt, das noch dazu leiten soll. (So nebenbei: Das ist der perfekt manipulierbare Konsumidiot.) Damit kann man aber kein Leben bestreiten. Und damit kann man auch keine "Beziehung" zu einer wirklichen "Beziehung" gestalten, die erst zu einer Beziehung wird, wenn ich ihr konkrete Form und Gestalt gebe.

Morgen Teil 4







*09062018*

Mittwoch, 27. Juni 2018

Brief an einen Sohn (2)

Teil 2




Mein lieber ***, wenn ich so umständlich den Brief an Dich begonnen habe, dann deshalb, weil ich Dir so kurz wie es mir möglich war, anreißen wollte, daß ich mich über Deine geschilderten Entwicklungen zur Physik sehr freue! Sie bestätigt mir, was ich in Graz vor nun schon fast zwei Jahren mit großer Freude festgestellt habe: Daß Du wirklich nach Wahrheit suchst. Und das führt zwangsläufig von der Chemie zur Physik (denn Chemie löst sich letztlich ja in Physik auf), und ich hoffe sehr, daß diese Dich noch weiterführen wird. 

Ich selber lese gerne und viel Bücher mit physikalischen Themen. Der Grund ist einfach: Physik muß streng am Ursache-Wirkungs-Prinzip kleben bleiben. Sie muß (oder müßte; leider ist vieles heute in der Physik auch nur noch mehr oder weniger phantasievolle Mythologie geworden) also streng logisch bleiben. Und sie geht noch deutlich erkennbarer als so manche andere Wissenschaft (die deshalb oft gar keine mehr ist, sondern zur "Erzählung phantasievoller Geschichten" wurde) von Grundprinzipien der Welt aus. Diese sind Erkennbarkeit, diese sind Ursache-Wirkung, und diese sind Fragen des Sinns, die damit untrennbar verbunden sind. 

Somit zeigt sich mir, daß Du wirklich nach Wahrheit suchst, und nicht wie so viele meinst, ein Studium wäre das Lernen der Anwendung, des Nutzens, der Mechanik der Schreibmaschine, um zum ersten Bild zurückzukommen. Ich habe schon in Graz mit Freude festgestellt, daß es das sein könnte, was uns beide sehr stark verbindet, worin wir uns beide also am meisten ähneln. 

Zumal sich ja in den Kindern immer bestimmte Teilaspekte des Vaters ausdrücken, die in der nächsten Generation noch spezifischer ans Licht kommen und Welt werden (weil seiend konstituieren) sollen. Deshalb hängt subjektive Entwicklung immer mit dem Frieden mit dem Vater zusammen. Denn wer sich gegen diesen wendet oder seinen Segen ablehnt, wendet sich gegen sich selbst. Die Mutter ist das Nicht-Individuierte, mit dem man schon rein körperlich in eins fällt. Das Personale wird aber erst im Vater (dem Geist-Prinzip) zum Individuum. Gaben und Talente sind nie rein technische Fertigkeiten, darin irrt man heute gewaltig, wie in so vielem. Sie sind immer auf den Ursprung bezogen, sind also Fertigkeiten, die die Beziehung zum Ursprung brauchen, weil sie erst daraus Sinn beziehen und damit von bloßer Schreibmaschinenmechanik zu "Fertigkeit" werden. Beuge Deinen Arm auf und nieder - ist das eine Fertigkeit? Setze diese Bewegung aber in einer Weltmeisterschaft im Sumi-Ringen ein - plötzlich wird sie zur Fertigkeit! 

Denn letztlich ist Welt Beziehung weil Ort, und daraus Raum - aus der Zeitlosigkeit in die Zeit. (Also auch das sogar sehr physikalische Fragen, die aber nur in der Philosophie begreifbar werden.) 

Und auch diesen Weg suchst Du, wie mir Dein liebes, vertrauensvolles Schreiben, für das ich Dir sehr danke, belegt. Ich traue Dir selbstverständlich alles zu, auch einen Nobelpreis ;-) ! 

Denn Du scheinst mir den richtigen Weg zu gehen. Ein Studium ist nämlich nie eine "Ausbildung", das ist ein katastrophales Mißverständnis, das heute so viele haben. Es ist ein Weg, der zum selbständigen Denken führen muß. Oder: sollte. Auch wenn das nur wenige wahrnehmen und glauben, mit einem in Gold gefaßten Wandbild-Zertifikat wäre ihnen ein Freibrief für "richtiges Denken" zugesprochen. 

Deine Schilderungen zeigen mir aber, daß das bei Dir nicht der Fall ist. Dazu gratuliere ich Dir. (Übrigens: Auch ich habe eine Fundamentalidee zur Welt, die sich bis heute nicht falsifiziert hat. Vielleicht kommen wir einmal so weit, daß ich sie Dir auseinandersetze. Soweit ich das überblicke (und meine Bibliothek als "geistige Spur" umfaßt mittlerweile immerhin achttausend Bücher, darunter auch eine nicht unbeträchtliche Abteilung Physik, vor allem aber Metaphysik) ist sie wirklich erstmals von mir entwickelt worden, auch da haben wir vielleicht etwas gemeinsam ;-) Nur mit einem Nobelpreis rechne ich nicht ;-/ Dennoch würde sie praktisch "alles" erklären und ist noch nie so ausgedrückt und damit gefaßt worden. 

Denn Denken ist ja vor allem einmal Sprache. Form. Wirkmächtige Form. Dazu später mehr. Aber nie "erfinden" wir in Wahrheit etwas, sondern immer wenden wir die Wahrheit einem neuen Tag zu, heben sie neu ans Licht. Es ist immer dieselbe Wahrheit, unsere Aufgabe ist lediglich, sie täglich neu zu entdecken. 

Dabei versuche ich mich immer ehrlich zu prüfen. Denn Denken hat viel, ja hat zu allererst mit Sittlichkeit zu tun. Ach wie viele suchen im Denken nur einen Weg, um ihr Sosein zu rechtfertigen, oder sich eine Schlagwaffe im Umgang mit anderen anzufertigen, also sophistisch zu sein. Ich spreche zwar bewußt nicht von Moral im Sinne eines Moralismus. Aber ein wenig hat es denn doch mit Moral zu tun, ich hoffe, Du verstehst mich. Aber was hat es für einen Sinn, bitte schön, sich selbst möglichst elegant zu bescheißen? Und man bescheißt sich verdammt leicht und gerne. Deshalb muß man sich täglich, stündlich, sekündlich prüfen. Und doch fällt man immer wieder auf sich herein, und folgt einer Versuchung.


Morgen Teil 3)





*090618*