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Sonntag, 27. März 2022

Ein Sinn. Ein Werk. Ein All. Und viele kleine Stücke.

Vielleicht nirgendwo sonst kommt das Wesen der menschlichen Arbeit so zur Deutlichkeit wie im Überarbeiten einer "alten" Arbeit, eines bereits bestehenden, einmal herausgegebenen (also auch verkauften) Werkes. Das man damals natürlich für gut und zumindest als "das Beste" ansah, das unter einer bestimmten Idee herauszuarbeiten war. 

Herauszuarbeiten, weil Arbeit immer heißt, aus einem amorphen "Allesmöglichen" ein konkretes "Dies" zu machen. Das im Falle des Künstlers - oder wie hier: Des mehr als Schreibenden, nämlich des Schriftstellers. - zu einem für sich stehenden, einzelnen Werk wird. Ein Werk, das im Laufe seines Lebens aber immer umfänglicher, immer allumfassender, immer komprimierter und immer endgültiger wird.

Also dessen, der wie der Gewerbetreibende auch die Idee zu seinem Werk herausschält, nicht eine "fremde" Idee (weshalb bis in die Renaissance erstensder Künslter als reiner Handwerker gesehen wurde, und zweitens es nie "dessen" Werk war, sondern das Werk des Auftraggebers. Der in diesen Zeiten, wo die Gesellschaften keine Kunst mehr BRAUCHEN, und also auch nicht mehr in Auftrag geben, der Künstler noch spezifischer und gequälter wurde. Er muß sich nun den Auftrag gewissermaßen SELBST auch noch herausarbeiten. Er muß in sich und aus sich und seinem Leben jene Botschaft finden, zu der er GEWORDEN ist. 

Erstmals entstand dieses Problem eines gewissen Müßiggangs (und da bestehen Zusammenhänge, zweifellos, und das sind Gefahren) mit der Renaissance bzw. als Zerfallsprodukt der zuuvor noch existierenden kulturellen, gesellschaftlichen Geschlossenheit des Mittelalters. Künstler wird nun nur noch der, der sich "sonst umbringt", wie es Fritz Muliar einmal so unvergleichlich ausdrückte. "Ummm...", das zog er so. 

Montag, 21. Oktober 2013

Apropos

War da nicht erst unlängst eine Glosse, die über Vaclav Klaus? Über die Alten, die nun so weise geworden sind, und das, was sie selbst uns eingebrockt haben, natürlich ablehnen, weil es falsch sei? (Wobei das dann natürlich alles erst so geworden ist, das hätte man doch alles vermeiden können ... Wichtig, dieser Satz gehört immer dazu!) 

Die noch vor fünfzehn Jahren alle niedergemacht haben, die genau das gesagt oder vorhergesagt oder getan haben, das sie nun "weise geworden" von sich geben, und diesen ganzen Schmock in ach so poetische Traumbilder verpacken, was sind wir nicht poetische Existenzen und zerbrechen am Weltschmerz?! wir Künstler, wir wollen doch nur lachen und tanzen und weinen und uns freuen, und ganz einfach, ganz einfach Kind sein, darf man das denn heute nicht mehr? Ach, wie sind wir nicht weit gekommen, oder so.

Klaus Peymann, 13 Jahr lang Direktor des Wiener Burgtheater, seit zehn, fünfzehn Jahren Besitzer des Berliner Ensemble, ist einer von diesen. Lesen Sie sein Interview in der Presse. Jetzt, wo es bald mal ans Ehrengrab geht, wo man sich ganz bescheiden neben Hegel, Fichte und Brecht liegen wollen, denn "ganz Kleiner bin ich ja auch nicht." Quälen Sie sich, lesen Sie den eitlen Schmock der Lebens- und Kunstsimulanten, damit Sie immunisiert werden.

Wobei man dieses Thema, diese Beiträge auch mit den Einträgen kurzschließen könnte, in denen die zunehmende Dummheit beklagt wird.




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