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Montag, 12. Dezember 2022

Kniefall vor dem Kind (2)

Der Kniefall ist nicht wegen, sondern trotz des Zustands Gottes als Kind. Deshalb stinkt Hollywoods Lüge gerade zu Weihnachten besonders übel, das sich ein Kind nur zu sehr wünscht, um den König dahinter leichter töten zu können, um sich selbst auf den Thron zu setzen

Um dann die ständige, tägliche, minütliche Selbstrenovation des Einzelnen zu vernichten, sodaß er rat- udn orientierungslos geworden neue Gesetze und Richtlinien annimmt, die er zwar nicht mehr verstehen kann, die ihn aber an einen Platz shcieben, DEN ER NICHT WOLLTE, an dem zu sehen aber ANDERE WOLLEN. Das umschreibt den Zustand, in dem sich eine Gesellschaft dann befindet, der in Wahrheit dann die Akzeptanz einer Fremdherrschaft ist. 

Sonntag, 11. Dezember 2022

Kniefall vor dem Kind (1)

Was wir seit vielen Jahren erleben, wird von Jahrt zu Jahr am Fest Weihnachten exemplarisch. Denn jeder Alltag geht vom Fest aus. Esist das Fest, das die Normen vorprägt, an denen sich der Einzelne orientiert, sobald er die Festessphäre wieder verläßt, auch wenn er es eigentlich gar nicht bemerkt. Aber im Fest wird die Struktur des Lebens programmatisch und für sich gestellt.

Fest heißt nun aber Kult. Nicht auch, als Zusatznutzen, der mal da oder nicht da ist, sondern eins zu eins. Und das diesen Kult Vollziehende hat einen Namen - es ist die KUNST. Die Frage ist also gleichbedeutend mit der Frage nach der Qualität der Kunst, ob ein Festeskult Kunst IST, oder nicht, aber dennoch seine Stelle vertritt. 

Und diese Stelle wird beim Weihnachtsfest durch eine reichhaltige Industrie von Werken eingenommen, die dem Weihnachtsfest eine Deutung geben. Die nominell kaum verändert scheint, und so von jedem mitgetragen werden konnte und kann, und doch klammheimlich umgedeutet wurde, bis sie nahezu zum realen Gegenteil wirde - Liebe, 
Liebe zu den Menschen, und eine daraus geformte Atmosphäre, die eine Art Paradies sein sollte. Als Zustand, den wir immer haben wollten, sollten oder auch könnten. 

Samstag, 13. November 2021

Der Außenseiter und der Sklave

Es ist doch so, daß der völlige Verzicht auf das, was von einem verlangt ist gleichermaßen, wie es das Leben des Menschen zur Vollgestalt bringt, dem Baume durch Würgen, durch den Tod abgepreßt wird. Eine Drahtschlinge wird ihm um die Mitte gelegt, und der Bauer dreht mit seinen klobigen Händen das Stück Latte, an das er die Enden des Metallstreifens geknotet hat, wieder und wieder, und noch einmal, bis nichts mehr geht. Dann wartet er zwei Atemstöße lang, denn es geht nun noch einmal, das entscheidende mal. Erst jetzt ist es getan. Der Baum kämpft ab hier still ums Überleben.

Nur der aber, der der Gewalt unterliegt, bringt die Blüte, in der er sich zusammenfaßt, um sich in der Frucht fallend vom Baume zu lösen. Nur der, der im Herbst zum Sterben geht, schließlich das Haupt in den Nacken sinken läßt, und zur Leiche erstarrt.  

So ist er zum Sklaven geworden, zum Sklaven des Bauernlümmels, der aus dieser Sklavenfrucht dann den Schnaps brennt, an den langen Winterabenden, mit dem er seine herben Feste feiert. Vielleicht zwei Stunden währt der Rausch, oder acht, dann folgt die Stille, und's Vergessen. Zur Weihnacht, zum Jahrauskehr, zur Frostesnacht, in der die Geister umgehen. Die Maische wirft man dann den Schweinen vor. Die lachen und spotten und unterhalten sich angeregt, während sie schmatzen und schlürfen. 

So viel Macht über so wenig das einmal so viel, haha, sagen sie. Und der Eber erzählt von der Garotte, von der ihm sein spanischer Fellkollege berichtet, wie lustig es aussehe, wenn die Delinquenten die Zunge heraushängen ließen, so! Und er macht es nach. Worauf die Lehne ungehalten lacht, während ihre Farken auseinanderstieben um nicht erdrückt zu werden: Letzthinnig hat sogar sie mehr Rechte, gehört sogar sie mehr zu als der Rechtlose, der Außenseiter, der ein Sklave ist.

Sonntag, 10. Oktober 2021

Die Wahrheit, die zunehmend aus Lügen besteht (2)

Damit vervollständigen wir die Abgrenzungen, die wir in letzter Zeit hier vollzogen haben. Es war nicht so geplant, es hat sich so entwickelt, denn es ist eine Phase des Notwendigen - Und das, werter Leser, wollen WIR nun als spezifisch, als signifikant, als prototypisch nennen. Denn es fällt mir zuletzt immer öfter auf. Ich weiß nicht, war es auch früher schon so, oder ist es erst in den letzten Monaten oder im letzten Jahr so geworden. Egal, mir fällt jedenfalls in letzter Zeit auf, daß sich die von mir so genannte "Kritische Szene" mit dieser ganzen Reihe von Protagonisten, zu denen zweifellos auch Ken Jebsen zu zählen ist, die samt und sonders - leider! und es ist wirklich und tief zu bedauern! - von sich Folgendes behauptet.
Sie seien der Wahrheit verpflichtet, sie seien im Gegensatz zu den herrschenden Schichten die wirklichen Denker, sie seien Vorkämpfer für die Demokratie und Freiheit 
(beides verbinden sie auf eine Weise, die den Eindruck erwecken läßt, das gehöre zusammen; Herrschaften, wollen wir wenigstens dabei innehalten, um uns vor Augen zu führen, daß man dazu ziemlich konträrer Meinungen sein könnte), 
für die Rechte von Homosexuellen - TOLERANZ, bitte, TOLERANZ!
Der Gute ist TOLERANT.* Und wir sind die Guten. - Und natürlich vor allem für die Gleichstellung der Frau, das unbedingte Ja zu deren (das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen!) BEGABUNGSPOTENTIAL und -RESERVE (als Sittenlosigkeit im Kardinalfehler Funktion statt Gestalt, Handeln als fluides Sein), und was sonst noch alles an sogenanntem "Wertekanon der Freien und Bessermenschen (als die Gutmenschen)", machen wir es deshalb kurz: 
Die also ziemlich ziemlich LIBERAL mit FREI und damit für KRITISCH halten, ja für eine AUSZENSEITERPOSITION.

Samstag, 9. Oktober 2021

Die Wahrheit, die zunehmend aus Lügen besteht (1)

Den Film "Die drei von der Tankstelle" hat Heinz Rühmann 1930 gedreht. Das war nicht nur drei Jahre vor dem Hitlerismus, sondern als dieser 1933 über Deutschland hereinbrach, war Rühmann bereits ein Volksschauspieler der obersten Klasse. So bekannt, so beliebt, daß die Reichskunstkammer nicht wagte, ihn zu bedrängen. Und nachdem Rühmann wenig Neigung zeigte, den Widerstandskämpfer zu spielen, war mit ihm ohnehin gut Kirschen essen. Also wurde er weiterhin gut gebucht, und drehte sogar noch 1944 die "Feuerzangenbowle".

Eine Komödie, die die Stimmung im Dritten Reich heben, den Menschen Mut zum Leben machen sollte. Und wer den Film kennt (er gehört für mich zu den Filmen, die ich immer wieder sehe, genau wegen dieses Archetyps: Das eines glücklichen, unbeschwerten und unendlich guttuenden unschuldigen Lebens), weiß, daß genau das die Wirkung dieses Films ist. Was alleine ihn zu einem Kunstwerk machen würde, wäre er es nicht aus anderen Gründen ohnehin. 
 

Donnerstag, 1. November 2018

Wehe, wenn alle Außenseiter sind

Der Mensch ist darauf ausgerichtet, sich an der Allgemeinheit zu orientieren. Hier tut man ihm oft Unrecht, indem man alle diese Ausgerichtetheit auf die Allgemeinheit als "Massenverhalten" abtut. Eine Schlinge mehr um den Hals dessen, was sich seit hundert Jahren als "Psychologie" ausgibt.

Es ist der historischen Situation aber geschuldet, daß aus genau diesem Grund Veränderungen, Neuerungen, Entwicklungsimpulse (und in gewisser Hinsicht kann man bei der Menschheit sehr wohl von Entwicklung sprechen, wenn das auch nie darwinistisch gemeint sein kann; und doch steckt genau diese absolute Wahrheit als Wahrheitsfunke auch im Darwinismus, sonst gäbe es ihn ja gar nicht) ... also: daß aus genau diesem Grund Veränderungen und Neuerungen immer von der Peripherie her kommen. Von den Ausgestoßenen, den Alleinigen, den Einsamen, den "Nicht-Soziablen". 

Das begründet die Bedeutung der Dichter, der Philosophen, der Mönche und Heiligen. Sie haben ausgelitten, woran der Haupt-Corpus leidet, ohne damit umgehen zu können. Weil der "normale Mensch" (der an sich nicht mehr oder weniger normal ist als der Periphere) mit sich und seiner Erhaltung im Gefüge der Figuren, dem Welttheater also, beschäftigt ist und das auch sein muß.

Nur darf er nie aufhören, an der Bedeutung der Ausgestoßenen, der Wenigen, der Ausgenommenen festzuhalten. Tut er das, hört seine Lebenskraft auf, versiegt sein Lebensquell, weil er in sich "harmonisiert" erstickt. Denn mehr als alle anderen, hat der Ausgestoßene, der Außenseiter die Chance (die sich nicht automatisch ergibt, sondern die er in mutigem Kampf mit dem Sein zu erringen hat, und viele, viele versagen dabei auch) Gott zu schauen.

Das Wehe gilt also nicht einer Gesellschaft, in der der Außenseiter - Künstler, Poet, Priester, König - geächtet, als Fremder betrachtet wird. Das muß sogar so sein. 

Das Wehe gilt auch nicht den immer Vielen, die in die "Masse" (als Allgemeinheit) fügsam eingehen, die damit Masse (weil Allgemeinheit) sind. Das ist der große Irrtum der letzten 100 Jahre, der die Allgemeinheit zu verweigern begann, und genau damit alles auflöste, ohne Gegengewicht zu schaffen. Das nur Allgemeinheit sein kann!

Das Wehe gilt nämlich einer Gesellschaft, wo immer mehr ihrer Mitglieder glauben, sie seien Außenseiter, weil sie sich keiner Allgemeinheit mehr einfügen und diese damit aufhört, zu existieren. Sodaß das Außenstehende zur Allgemeinheit wird, was nur Chaos - Un-Ordnung - bedeuten kann und damit sicher dem menschlichen Wesen zuwiderläuft. Das Allgemeinheit unbedingt braucht.

In einem solchen Fall sind die einem Idealbilde nach Eingefügten die Außenseiter. Die Rebellen hingegen - die dumpfe Masse.






*101018*

Freitag, 12. Oktober 2012

Nur Not bringt Reformen

Josef Nadler zeigt in seiner Literaturgeschichte - die sich bewußt ist, daß sie eine Deutung zugrunde liegen hat, und man kann über die Deutung streiten, nicht aber über das Deuten selbst, erst Deutung macht überhaupt Ereignis zur Geschichte - daß die deutsche Literatur immer wieder von jenen Gebieten am stärksten geprägt wurde, in denen die Kultur selbst um ihr Leben ringen mußte. 

Historisch aufweisbar, sind somit gerade die geographischen Randzonen der deutschen Völker - dort, wo die Menschen erst zu sich kommen, sich in der Welt als Gestalt festigen mußten - jene gewesen, aus denen jeweils die entscheidenden Anstöße kamen. Und das waren immer auch die Gebiete, die im politisch-historischen Geschehen dann im Brennpunkt standen, in denen sich die Spannungen, längst gefühlt und durchlitten von den Literaten, auch in historischen Umbrüchen entluden. 

Das erklärt das im Verhältnis zur Einwohnerzahl starke Gewicht schlesischer, deutsch-baltischer und ostpreußischer, elsässischer und ... tschechisch-deutscher und generell österreichischer Schriftsteller im Rahmen der deutschen Gesamtliteratur. Das erklärt das Hin- und Herwogen von literarischen Einflüssen und Entwicklungen zwischen oft recht klar abgrenzbaren geographischen Räumen. Und das erklärt das auch enorme Anwachsen höchster geistiger Kräfte in Zeiten eines Einbruchs, so wie es in Deutschland und vor allem Österreich zur Zeit nach dem 1. Weltkrieg der Fall war. Wo regelrecht eine neue Welt geschaffen und rekonstruiert werden mußte, weil die Gebäude abgerissen, im Schutt die Fundamente neu gesucht werden mußten. Eine geistige Atmosphäre, in der leider auch die Blender und Täuscher Hochkonjunktur haben und hatten.

Ein Volksteil oder ein Volk aber, das sicher und satt war, dessen Existenz und Selbstbehauptung nicht (mehr) gefährdet war, ließ auch bald in der Literatur die Dynamik vermissen, sich zu entwickeln. Denn sie verlor wesentliche Aspekte ihrer existentiellen Bedeutung. Was sehr viel über das Wesen der (schriftlichen) Literatur, aber über das Wesen von Sprache überhaupt aussagt.

Aber dieses Gesetz läßt sich nicht nur in der Literatur ablesen. Es herrscht für so gut wie alle Bereiche des Lebens, nicht zuletzt in der Politik. Auch hier kommen die massivsten, drängendsten Anstöße zu Änderungen von den Rändern, in jeder Weise, und in jeder Richtung. Es wäre deshalb verfehlt zu meinen, daß Veränderungen, nach denen heute alle schreien, von etablierten Eliten ausgehen könnten. Das wird nie der Fall sein - warum auch? In ihren Köpfen und Herzen hat sich nie jene Spannung aufgebaut, die existentiell nach Lösungen für Bruchstellen sucht, in denen sie gesamtgesellschaftliche Fehlentwicklungen in ihnen durchlitten haben.

Es waren immer Außenseiter, die zu großen Reformen aufriefen, die Oppositionen, die Verstoßenen, die Leidenden, von denen Anstöße zu Änderungen kamen, und ... auch die Rezepte. Aus dem Mund etablierter Eliten klingt deshalb jeder Aufruf nach Reform wie eine groteske Lüge. Nur wer das, was gut und anstrebenswert, entbehrt, bildet es in sich zu einem Bild, zu einer Sehnsucht aus, und das ist das Bild eines besseren Ganzen. Der Versuch, alles "in die Mitte zu integrieren", wie er selbst bei Migrationsüberlegungen herrscht, ist deshalb eine Reaktion der Bequemlichkeit. Die nur versucht, durch Beteiligung möglichst aller an ihrem fetten, bequemen Leben, in dem sie es sich eingerichtet haben, möglichst NICHTS zu verändern. Nichts nimmt einer Reformkraft so rasch ihr Drängen, als sie ins Gesamte "wohlmeinend" zu integrieren, sie mit Geld zuzuschütten, um sie in Watte zu packen. Der Sozialstaat heutiger Prägung hat deshalb nur ein Ziel: die Macht im Sattel zu halten. Die sich bestens wie eine subkutane Dornwarze ins vitale Fleisch verspreizt hat, sodaß sie nur noch durch großflächige Resektion zu entfernen ist.

Deshalb zeigt sich ein wirklicher Niedergang einer Kultur, eines Staates, vor allem dann an, wenn die Eliten immer ausgefeiltere Beteiligungssysteme einrichten, in denen sie - scheinbar - möglichst viele Menschen "nach oben" ziehen, zu sich. Sodaß ihre Interessen scheinbar zu Interessen möglichst vieler Menschen werden. Solche Organismen verlieren jede Regenerationskraft für Krankheiten. Ihre "Reformen" enthalten nur Rezepte, die die bestehenden Mechanismen "optimieren". Die Krankheit eines Organismus schafft also tatsächlich ihre Gegenmittel selber. Aber sie tut es nur durch wirkliches Leid.

Nicht weniger grotesk, ja geradezu fatal ist es deshalb, Künstler, Literaten, Philosophen, wohlversorgt ihres Außenseitertums zu entheben, indem man sie "fördert" und mit Belobigungen versorgt. Das nimmt ihnen alle Kraft, macht sie zu Ohrenbläsern des Etablissements, zu fetten Hofnarren, als Salz schal und wertlos. Denn ihre reale, existentielle Situation bildet - so wie bei allen Menschen - jene Strukturen, die die Inhalte und Werke hervorbringt. Wer etwas zu verlieren hat, wird bewahren wollen, was er hat. Wer das nicht, wer erst alles zu gewinnen hat, nur der wird versuchen zu verändern. Der entscheidende Punkt in jedem Werdegang eines Künstlers war der, wo er festgestellt hat, daß er nichts mehr im Außen zu verlieren hat. Wenn er erkennt, daß er nur sich selbst hat. Dann ist er allen Etablierten wirklich voraus - weil er sich in seiner Weltentbehrung eine Welt neu schaffen muß. Seine Kraft endet - historisch nachvollziehbar - genau dann, wenn sein Drängen angenommen wird, wenn er "Erfolg" hat.

Reformen ohne existentiellen Kampf gibt es prinzipiell nicht. Außenseiter, die es nicht wirklich sind, denen im Bestehenden kein wirklicher Gegner erwächst, sind nur noch Teil des Establishments, und Außenseitertum wird zur manierierten Attitüde.



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