Treibgut - Wo am breiten Strome die Ufer stehen, sind Schwarzerlensamen aufgegangen, und schäumen als saftige Büsche die Ränder der großen Lethe, die alles ins Dunkele Meer trägt; ihre weichen Äste, die noch nicht ahnen lassen, welcher später als kahler Stamm reife Blätter hoch in der Sonne wiegen wird, tauchen in die Wasser, wie Kinderhände. Dann und wann greifen sie, denen alles noch ernstes Spiel ist, nach Treibgut. Oder es bleibt hängen, lädt zum Tanze, haucht im Kusse Lebwohl
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Freitag, 18. November 2022
Zerstörung der Hierarchien aus dem Prinzip des Heidentums
Mittwoch, 30. März 2022
Warum DIE MENSCHHEIT, nicht nur einzelne Menschen gefallen sind (2)
Dienstag, 29. März 2022
Warum DIE MENSCHHEIT, nicht nur einzelne Menschen gefallen sind (1)
Samstag, 1. Januar 2022
Ad Maiorem Gloria Dei
Aber wir müssen es insofern zu verstehen suchen, als wir DIE KIRCHE erst begreifen können, wenn wir sie unter diesen Auspizien zu sehen versuchen. Als SOCIETAS PERFECTA ist sie nämlich KEINES dieser zeitlichen Abfolge-Reiche, sondern eine Dynamik des Heiligen Geistes, die ihr Material AUS dem Irdischen umfaßt, durchdringt und zur Gestalt bringt, die wir dann WELT heißen dürfen.
Materia - Mater. Der 1. Jänner ist deshalb der Gottesmutter Maria geweiht, die dieses bedingungslose JA der Erbsündelosen in die Welt ERSTMALS seit Eva WIEDER gebracht hat.
Analog der Ersten Schöpfung einige tausend Jahre zuvor, nur noch weiter gehoben: Durch die geschichtlich gewordene göttliche Erlösungstat.
Freitag, 11. März 2016
Rechtsprechung ist immer schöpferisch (2)
Selbst das sprachliche Verstehen eines Gesetzestextes ist ja zuerst vom Selbstverstehen des Lesenden und Auslegenden geprägt. Denn jedes Verstehen kann nur das Eingehen in einen bereits vorhandenen Verstehenshorizont bedeuten, und seine Erkenntnis wird immer davon abhängen, wie glaubwürdig es dem Verstehenssubjekt selbst ist. Eine Richtigkeit des Rechts kann es deshalb nur im Verfahren selbst geben.
Ein Mann fragt seinen Rabbi: Rabbi, ist es meinem Nachbarn erlaubt, mit seiner Frau zu schlafen? Na klar, sagt der Rabbi. Rabbi, ist es mir erlaubt, mit meiner Frau zu schlafen? Na sicher, auch klar, sagt der Rabbi. Rabbi, ist es mir erlaubt mit der Frau des Nachbarn zu schlafen? Unter keinen Umständen, hebt der Rabbi die Hände. Und, Rabbi, ist es dem Nachbarn erlaubt, mit meiner Frau zu schlafen? Da sei Gott vor, hebt der Rabbi beschwörend die Arme. Rabbi, sagt nun der Mann, wo bleibt aber jetzt die Logik? Wenn ich mit einer Frau schlafen darf, mit der mein Nachbar nicht schlafen darf, um wieviel mehr darf ich dann mit einer Frau schlafen, mit der sogar er schlafen darf?
Donnerstag, 10. März 2016
Rechtsprechung ist immer schöpferisch (1)
"Das Rechtsgefühl nimmt das Resultat vorweg, das Gesetz soll dann nachträglich die Gründe und die Grenzen dafür hergeben," schreibt dazu Gustav Radbruch. "Es verlangt einen behenden Geist, der vom Allgemeinen zum Besonderen, und vom Besonderen zum Allgemeinen springen kann." Es braucht, wie Einstein es einmal formulierte, "mehr die Phantasie als das Wissen." Vorverständnisse sind das immer Menschliche an der Rechtsprechung, und kein Computer, keine noch so hochentwickelte Technik kann sie leisten. Erst das Vorverständnis ermöglicht es aber, im Zirkelhaften eines jeden Rechtsfindungsverfahrens zurecht zu kommen.
Samstag, 14. Dezember 2013
Die Sache des Volkes
Freitag, 18. Oktober 2013
Ende der Herrschaftsusurpation
**Und hinter dem Gedanken, daß die Hysterie, mit der sich viele heute aufs Internet, die social media, stürzen, genau darin begründet ist - in der Sehnsucht nach legitimer, machtvoller Herrschaft und Wiederherstellung von Ordnung - dürfte viel Wahrheit stecken. Dieselbe tiefenseelische Grundsstruktur (als ontisches Zueinander der Dinge) dürfte im Spiel sein. Denn die Haltung, mit der die Menschen dem Internet (etc.) begegnen, ist eine Haltung der "Erwartung", daß etwas Hinzukommendes, Mächtiges ihr Leben ändere.
Donnerstag, 26. September 2013
Fluch dem Kaiser
Montag, 1. Juli 2013
Zentralismus als Zerfall
Damit ist gleichfalls logisch, daß das einzige Land, das aus sich heraus noch legitim war, mehr und mehr an Stärke im Staatsverband gewann - Ungarn, das über alle Zeiten und bis heute ihr tragendes, nur keine Gestalt nehmendes, vakantes Prinzip anerkennt, bewahrt und hoch hält: die Krone. So wie alle übrigen Staatsteile Österreichs auf ihre legitimen Teile - Staaten und die heute Bundesländer genannten Länder - zurückfielen.
Der Verfasser dieser Zeilen ist sicher, daß der Zerfall der Republik Österreich unaufhaltsam ist. So grotesk das heute vielen erscheinen mag, und so "zufällig" es geschehen wird.² Daß gerade in Österreich die Stimmen, die ein Auflösen des Nationalprinzips in Europa fordern, so laut sind, kommt nicht von ungefähr. Aber ein kommendes Neues kann nicht auf der Grundlage geschichtsverklärender Nostalgie (in die hinein sich alles Mögliche einmischt, das mit Habsburg und deren Monarchie nur zufällig in eins gesetzt wird) entstehen, sondern braucht eine klares Bewußtsein der wirklichen Bewegungen im tiefsten Untergrund der Seelen. Und das bedeutet, daß endlich die Geschichte des Landes, aus dem erst seine aktuelle Position verstehbar würde, wirklich - und das heißt: anders, als es heute geschieht - aufgearbeitet werden müßte.
²Möglicherweise zeigt sich in Schweden - Vorreiter des technizistischen Zentralismus - noch früher, was vielen europäischen Staaten bevorsteht.
Dienstag, 2. April 2013
Von den Ständen
Was der Staufer da tat, entsprang nicht zufällig einer grundsätzlichen Gedankenbewegung - der konkreten Erneuerung des Römischen Reiches, die Friedrich in seinem Cäsarentum (mitsamt der Gottgleichheit des Herrschers) sehr handgreiflich wiederbelebte. Schon bei den Römern trat diese Erscheinung der Bürokratie auf, und auch hier war sie eine Verfallserscheinung.
Noch schlimmer wird die Verwirrung, wenn solcherart klasseninterne Ordnungen auch dem Standesgefüge gegenüber gelten sollen, sodaß Rang oder Fertigkeit den Stand ersetzt. Das sind sämtlich degenerative Erscheinungen der Auflösung der Stände, schreibt Riehl.
Diese Einteilung in drei Stände ist uraltes Menschheitsgut, als Grundgefüge der Schöpfung. Sie ist schon in ältesten indogermanischen Wurzeln nachweisbar, wo sie den gesellschaftlichen Kräften gemäß (Gesellschaft als Nachbildung des göttlichen Ideenkosmos, ja der Dreifaltigkeit als Grundstruktur alles Geschaffenen), in variierender Nuancierung, in der Form von Krieger/Mann/Edelmann - Bauer/Frau/Bürger - Priester/Sänger/König auftreten.* Wobei diese Dreifaltigkeit als Idee - Geist - Fleisch - Dreiheit in allen Ständen wiederum Struktur des Wirklichen bildet.
*Im Kastenwesen Indiens findet sich diese Dreiteilung - historisch degeneriert und gewandelt - bis zum heutigen Tag.
Donnerstag, 28. März 2013
Niedergang eines Standes - Adel (2)
Geprägt, in den Köpfen der Menschen verankert in Jahrhunderten des Verfalls, wo schon der Gedanke des Adels durch Verleumdung und höchstherrliches Interesse verloren gegangen ist, weil seine Realität nur noch vereinzelt und in Resten rein erfahren werden konnte. Opfer des Kampfes der Zentralmacht gegen ihren gesellschaftlichen Mittelbau, der ihr im Wege war. Übrig blieb ein Adel, der in seinem Selbstgefühl, aus dieser gewußten Leere heraus, die Selbstbehauptung und Überheblichkeit der Angst (!) nach außen kehrte, das ihn vom Volk trennte, anstatt ihn zu verbinden. Gerade in den Kanzleibeamten und Hofschranzen lebt eindrucksvoll ein "Standes-"bewußtsein, das nur als bedauernswerte Neurose einzuschätzen ist, weil er sich in Wahrheit nie aus anderen Ständen wegbewegt, sich deshalb von ihnen in einem stets nur künstlichen Selbsterheben bloßen Ranges gefährdet weiß.
In dem seine ursprüngliche Aufgabe nur noch als schwacher Faden, als Erinnerung gar durchscheint. Die ältesten, der Ursprungskraft des Adels am nächsten stehenden Adelsgeschlechter und -familien sind mit dem Mittelalter fast restlos ausgestorben, und wurden durch den Adel, der bereits seiner ersten Umdefinition entsprang, ersetzt. Und selbst von diesen Nachfolgegeschlechtern, die noch mit den Besitztümern und Ländern der ältesten, ursprünglichsten Adelsfamilien her die uralten Pflichten und Rechten übernommen hatten, sind mit dem 18. Jhd. auffallend viele zumindest in ihren Hauptstämmen erloschen. Eine persönliche Erneuerung im tiefsten Sinne - weil eben Familien und -verbände nach dem Vollbringen ihres Wirkens erlöschen - gab es seit dem Mittelalter nicht mehr. Der seither hinzukommende Adel folgt bereits einer sinnwidrigen, verzerrten Idee.
Wenn, dann kann Adel aber nur aus Quellen kommen, in denen die wahre Geschichte des Volkes, dem sie als Gesellschaft eingefügt sind, gegenwärtig, und tragfähig, also sittlich lebendig und im Volk, im Boden verwurzelt ist. Dazu genügt Kaisernostalgie also sicher nicht. Und ganz sicher nicht das Wollen, zentralistische Deformation, ja Perversion der Reichsidee durchzusetzen.
*Man beachte alleine die maria-theresianische "Rechtsreform", die als staatsmännische Großtat zu sehen bereits anzeigt, welche Stunde für das Abendland, dessen Grundgedanke der organismische Föderalismus ist, geschlagen hat. In ihr hat die Kaiserin (sic! aus dynastischen Interessen wurde sogar diese Unmöglichkeit eines grundpatriarchalen Gedankens installiert, damit der monarchische Gedanke an sich sinnentleert!) die letzten Reste von Partikularismus mit eisernem Besen im Dienste des Zentralismus entsorgt. Gerade in Österreich wird vielfach mit nostalgischer Verklärung umgeben, was längst pure Dekadenz war, das Ende einleitete, anstatt im besten Sinn zu "reformieren". Selbst wenn man Maria Theresia zugute halten muß, daß sie vieles in Notwehr angesichts erdrückender - mit Preußen und Frankreich, aber selbst Rußland über Iwan den Schrecklichen und Peter den Großen in der Zentralisierung weit fortgeschrittener - Feinde tat, also "nachzog", indem sie Österreich ähnlich schlagfertig machte, was ihr bis zum 3. Schlesischen Krieg definitiv gelungen war. Aber der Preis war enorm.
Mittwoch, 27. März 2013
Niedergang eines Standes - Adel (1)
Deshalb ist die bürgerliche, bäuerliche Freiheit - anders als in heutigen Vor- und Fehlurteilen - direkt mit einer starken Adelsschichte verbunden, das ist in allen europäischen Gesellschaften nachzuweisen. Einen politischen Gegensatz zwischen Liberalismus und Aristokratie zu konstruieren wäre also an sich widersinnig, auch hier liefert England* den Beweis. Mit dem Gegenbeispiel Rußland, dessen gesamter Adel nach Iwan dem Schrecklichen nur noch in der Rückbindung an den kaiserlichen Dienst bestand.**
Damit schlug auch die Stunde eines neuen, städtischen Bürgertums, des Geld- und Hofadels. Denn Zentralisierung bedeutet: Geld, das persönliche Bindung und Selbstgenerierung lebendfähiger Kleinorganismen ersetzen, künstlich beleben muß. Bis hinein in die Kriegsführung, die sich genau deshalb entscheidend ändert, zur Geldsache wird. Karl V. wurde bereits durch Bürger, die Fugger, zum Kaiser, die ihm das nötige Geld gaben, und später einerseits wichtigste Geldgeber der Kaiser wurden, anderseits die Industrialisierung der Wirtschaft (weltweit!) per kaiserlicher Privilegien entscheidend betrieben.
**Der Widerspruch Liberalismus : Aristokratie ist sozialer Natur, schreibt Wilhelm Riehl in seiner "Naturgeschichte des Deutschen Volkes", nicht politisch.
Freitag, 15. März 2013
Kaiser und Papst
Samstag, 2. März 2013
Maßgebender Gott (4)
*Ist uns das nicht bekannt? Friedrich ging selbstverständlich davon aus, daß ER im Besitz dieses ausreichenden Wissens, ausreichender Vernunft war, kraft seines Wissens, seiner Bildung, seiner Bereitschaft zur Bildung. Und vor allem aus seiner besonderen Inspiration - kraft seiner Stellung, als Herr der Menschen. Welcher ein Mensch sein mußte. Zu diesem Glauben an die besondere Stellung in der Unmittelbarkeit vor Gott siehe nachfolgende Bemerkungen.
**Solche Konstellationen sind aus sehr vielen Herrscherviten bekannt. Georg Misch zeigt in seiner "Geschichte der Autobiographie", welche Bedeutung göttliche Zeichen, wunderbare Fügungen, Omina für die Legitimitäts- und damit Machtfrage von Herrschern - und gerade von Ursupatoren! - hatten. Nicht zuletzt ... die Zufälle, die zur Machtergreifung Hitlers führten, sowie die seltsamen Zusammenfälle in seiner Zeit bis 1938, die Joachim C. Fest sicher mit Recht in ihrer Bedeutung dahingehend zusammenfaßt, als sie Hitler an seine göttliche Sendung wirklich glauben ließen.
Aber, geneigter Leser, ist da nicht die Frage erlaubt, woher denn wir, wie Heutige, unsere Selbsteinschätzung beziehen? Beziehen wir sie nicht auch aus den Omina unseres Lebens? Stammt nicht die Einschätzung unserer Stellung im Weltgefüge der Erfahrung einer Wirklichkeit der technischen Zivilisation, in der wir die Welt beherrschen, sie sich unterwirft, über die wir verfügen? Woher sonst sollte wohl die Einschätzung stammen, wir könnten die Welt, sämtliches Leben auf ihr, auslöschen, ihr Wohlergehen hänge von uns ab?
Genügt der Hinweis auf den Spruch aus dem Alten Testament, daß "der Eintritt in die Weisheit Gottes die Gottesfurcht" sei? Woher aber soll Gottesfurcht kommen, wenn sie gar nicht erfahren wird? Wovor soll sich der europäische Mensch fürchten, außer: vor sich selbst? Vor Blitz und Donner, Hagel und Sturm, Wind und Wetter? Die sind ja doch auch (so meint er zumindest) menschenverursacht!? Ist nicht unser ganzer Sozialstaat, unser Alltagserleben, ein einziger Versuch, jede Nicht-Beherrschbarkeit zu eliminieren, ja bis in die Pädagogik als Erlebensfaktor auszuschalten? Nicht anders hat Friedrich II. - oder Hitler, das Muttersöhnchen, übrigens! - sich erlebt: Alles zu können. Das Rad der Welt selbst zu drehen.
***Wer glaubt, es handele sich hierbei um "des Kaiser's Bart", um unwesentliche Fragen, irrt gehörig. Denn diese Fragen ziehen sich in ihrem Grund bis ins Leib-Seele-Problem der Gegenwart, und das steckt in unseren alltäglichsten Alltäglichkeiten. Ja, sie ist die Grundfrage unserer politischen Systeme! Wir haben sie ganz aktuell am Tisch liegen. Selbst die Frage um die EU wird in der Frage um Gott und sein Verhältnis zur Welt entschieden, sie ist als keine "politische" Frage zu lösen.
Freitag, 1. März 2013
Maßgebender Gott (3)
MIt denen er seinen ganzen Staat erstmals in der abendländischen Geschichte auf gebildete Laien aufbaute. Dazu gründete er in Neapel sogar eine Staatsuniversität mit allen Fakultäten, denn mit der Beachtung der menschlichen Vernunft war auch der Wille Gottes erfüllt. Staatsbürger durften nur noch dort studieren, auch Kleriker. Immerhin ging aus dieser Universität aber auch ein Thomas von Aquin hervor, Schüler des Iren Petrus von Hibernia in den Naturwissenschaften. Der im Anschluß an Friedrichs Zeit die kirchliche Philosophie und Dogmatik auf so engelsgleiche Füße stellte, und im Grunde die Fragen, die Friedrich aufgeworfen hatte, präzise durchdachte und klärte.
Keine Kleriker fanden sich bald mehr in der Verwaltung, alle Staatsvorgänge wurden säkularisierte Organe kaiserlicher Zentralmacht, durchwirkt vom Geist der Gesetze. Und damit gewann Friedrich die Bürger und Laien der Städte. Während der Kirche die bäuerliche Masse blieb. Man konnte bei ihm "Karriere machen", selbst am kaiserlichen Hof den Adel verdrängen, gar kaiserlicher Consilarii, Berater werden.
Wie jener Großhofrichter Petrus de Vinea, der bald für die Ohren des Kaisers als alleiniger Ausleger der Wahrheit galt. Er war wahrscheinlich der Verfasser aller kaiserlichen Gesetzestexte, ja des "Kaisers Mund", oberster Richter, letzter Sprachschöpfer des Lateinischen , Erzieher und Lehrer einer ganzen Schreibergeneration, Mittelpunkt eines hochgeistigen Hoflebens, von dem etwas wie eine neue Lehre in die Welt ausging, getragen von lauter jungen und hochgebildeten Leuten. Analog zu Petrus nannte man ihn "Schlüsselträger" - denn er hatte die Schlüssel zur Weltmacht, zum Kaiser.
Seine Briefkunst (seine Briefe werden später wegen ihrer stilistischen Brillanz und dichterischen Qualität herausgegeben) war dem Kaiser wesentlich - denn in ihr zeigt sich eine bemerkenswerte Analogie auch zur Welt des Internet. Petrus de Vinea mußte mit seinen Briefen ein virtuelles Bild des Kaisers in der Welt aufbauen. So, wie es diesem genehm war und nützte
Der Legende nach als Sohn von Bettlern (in Wahrheit aus angesehener Familie), aus dem Nichts vom Kaiser aufgehoben, und wieder hinabgestürzt: Dante sieht ihn in der Hölle, im Geisterwald der Selbstmörder, als Opfer von Hofintrigen.
Denn am Hofe des Staufers herrschte ungeheurer Zynismus, eine Stimmung aus Spott und Hohn, ja Blasphemien, die man über die "Gegenwelt" ausgoß. In der Art, daß ein Beamter zum Tode Verurteilten die Beichte verweigerte: als Freunde des Papstes wären sie doch schon dadurch heilig.
Petrus de Vinea gerät 1249 in den Verdacht, an einem Giftanschlag des Hofstaates auf den Kaiser beteiligt gewesen zu sein. Vieleicht war er das sogar tatsächlich, Dante läßt es ihn abstreiten. Er wird geblendet, entmachtet, und inhaftiert. Den Sturz aus höchsten Höhen verkraftet er nicht.
Aber so schwoll der Bürokratismus immer mehr an, und das verlangte nach neuen Berufen: Schreibkräften, Kanzleipersonal, etc. - Stadtberufe. Schließlich setzte der Kaiser seine Juristen schon als Bischöfe ein. Manchmal waren sie zufällig auch Kleriker, wenn sie sich dem neuen Geist anpaßten. Die Prälaten an seinem Hof waren keine selbständigen Bringer des geistigen Lebens mehr, wie es ihr Amt gewesen wäre.
Friedrich war das ohnehin bedeutungslos gewesen. War er Gottes Stellvertreter, war in ihm auch das Priesteramt vorhanden - im übrigen eine uralte Annahme, die sich in allen Kulturen findet: Herrscher als Abstämmlinge von Gott. Die immerhin in Jesus als neuem Adam, Stammvater aller Menschen, seine direkte Entsprechung zu finden schien.
Donnerstag, 28. Februar 2013
Maßgebender Gott (2)
Mittwoch, 27. Februar 2013
Maßgebender Gott (1)
Alles in seinem totalen Staat war Majestätsangelegenheit, alles war vom Staat zu regeln, bis in letzte Details hinein direkte staatliche Verwaltungsangelegenheit.* Von der Fischerei, bis zur Schädlingsbekämpfung. Er machte genau das, wie man sich heute oft eine "Verwaltungsreform" vorstellt: Er schaffte alle Mittlereben zwischen Bürger und Staat ab. Und damit das oft sehr komplexe Rechtsgefüge aus Rechten und Pflichten und Standesbelangen, das natürlich "lästig" war. Städte durften sich keine Stadtoberhäupter mehr setzen, die wurden vom Kaiser bestellt, bald Klöster nicht mehr ihre Äbte, Diözesen ihre Bischöfe. Das ganze von ihm regierte Land wurde der "uniformitas" unterworfen, gleichgehobelt. Und gleichzeitig nach außen durch zahlreiche Festungen gesichert. Was sich ihm sperrte, wurde brutal überwunden.
Sein zentralistischer Staat verwandelte sich je nach Bedarf in einen total abschließbaren, "geschlossenen Handelsstaat", als mittelalterliche Stadtwirtschaft, ausgedehnt auf ein ganzes Königreich: Staatswirtschaft ging über Privatwirtschaft, was lohnend schien, wurde zum Staatsmonopol, Import/Export nach Staatsbedarf geregelt, streng überwacht, und besteuert. Vergab er Rechte, so wie den Seidenhandel an die Juden, dann gegen hohe Abgaben. Er führte eine Einheitsmünze ein, vereinheitlichte Maße und Gewichte. Bald war der Staat größter Landeigentümer, und damit Lebensmittelproduzent. Bauern, die zuwenig arbeiteten, wurde ihr Land weggenommen und jenen gegeben, die es bearbeiteten. Bald konnte niemand mehr mit den Staatsbetrieben konkurrieren, die nicht einmal Zölle zahlten, die herausholten, was herauszuholen war.
Als einmal - Kantorowicz erzählt einen konkreten Fall - in Tunesien Hungersnot ausgebrochen war, und tunesische Händler in Sizilien anlandeten, um mit genuesischem Geld Getreide von privaten Bauern zu kaufen, schickte Friedrich sofort einen arabisch sprechenden Unterhändler nach Tunis, ließ alle Häfen sperren, mit Staatsgeld sämtliches Getreibe aufkaufen, das zu kriegen war, die kaiserliche Flotte beladen und auslaufen, und gestattete dann wieder, die Häfen zu öffnen. Da war aber wohl seine Flotte bereits in Tunis angelangt. Der Staat, hatte nur mit diesem einen Handel eineinhalb Millionen Mark verdient.
*Außer Zivilangelegenheiten, die keine staatlichen Agenden betrafen. Die waren Friedrich völlig gleichgültig. Bürger konnten oder mußten sich die Rechtsnormen für Privatstreitigkeiten selbst suchen.