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Montag, 9. Juni 2014

Sexuelle Perversionen

Es ist einfach interessant, die Schlüsse mögen dem Leser dieser Zeilen anheimgestellt sein. Aber eine Untersuchung in den USA ergab, daß Frauen von - per Lesart: verpönten - harten Pornos kaum weniger "angetörnt" werden, als Männer. Zwar ist die offizielle Aussage anders, zwar betonen Frauen, befragt, die Wichtigkeit feministischer Sichtweisen (was sonst ... wird ja an allen Ecken autoritativ als Wahrheit verkündet), aber in ihrem realen Verhalten reagieren sie anders. 

"Es gibt durchaus ein Publikum für feministenfreundliche Pornos, jedoch ist das nur ein kleines Publikum und ein kleiner Teil der Frauen insgesamt. Was faszinierend ist, ist dass Frauen oft die Idee von feministischen Pornos unterstützen und sozial daran glauben wollen. Aber wenn es darauf ankommt, ist das einfach nicht das, was sie gerne sehen wollen," schreibt Pressetext.at

Das ist wohl auch das, was Lars von Trier zu Anfang seines Films "Nymphomenia II" versucht hat. Zu dem ihm aber nach und nach, und schon gar in der Endredaktion, der Mut verließ, sodaß der Film erbärmlich in einem stockdummen feministischen Statement endet. Mit dem der Filmemacher wohl versuchte, die ursprünglich deutlich geahnte, mehr als gewußte, reflektiverte Grundaussage des Films abzuschwächen versuchte. "Kreide zu fressen," um von den Lämmlein angenommen und geliebt zu werden, so einer der Lehrer des VdZ zu diesem selbst, angesichts seiner Versuche, "konsumiger" zu werden.  

Denn der (freilich) intellektuell überladene Film (was auch dann zum Ausweg aus der eigentlichen Aussage werden soll) zeigt am Anfang durchaus einen Kern der Problematik: Die Frau sucht Heilung von ihrer sexuellen Empfindungslosigkeit durch Unterwerfung. Nicht unähnlich, wie es der VdZ in seinem Roman "Helena" versucht hat.

Dies aber dann als feministisches Problem einer männerzentrierten Gesellschaft auszudeuten läßt auf den Filmemacher freilich nur mit Verachtung herabblicken. Das hätte er billiger haben können. Und er scheint sich selbst dieser Feigheit bewußt gewesen zu sein, denn seine provokanten Äußerungen (über Hitler) motivieren sich so recht eindeutig.  Nur hat er keinen Mut. Leider. Angefangen hätte er nämlich gut. Deshalb bleibt der Film - wiewohl gut im ersten Ansatz - widersprüchlich, in seinem Effekt zwangsweise verwaschen, wird zu einer Mißgeburt.

Trailer zu "Nymphomanica II"




Pornographisch? Lächerlich. Das gehört sogar zu einer der wenigen Stärken des Films: Nymphomaniac II zeigt zwar (auch) "die Pornographie", aber er "ist" sie nicht. Er ist im übrigen auch nicht erotisch.

Was von Trier erst versuchte - es sei ihm wohlwollend unterstellt - trifft die Wahrheit der heutigen Frau tatsächlich zutiefst: Sie fühlt, daß sie ihre sexuelle Erfüllung nur in der Hingabe, in der Eingliederung in die hierarchische Zuordnung von Mann und Frau gewinnen kann. Die ihr ihr (weicher, enteigentlichter) Mann nicht bietet. Dazu muß sie aber aus dem konventionellen Gefüge der Gesellschaft aussteigen. Und das ist SEHR wahr. Eine Unterordnung, die sie dann explizit sucht.

Es gibt erstaunliche Untersuchungen aus den USA, die belegen, daß sexuelle Stimulanz bei der Frau signifikant mit Unterwerfungswünschen und -gesten bzw. -phantasien zusammenhängt. Das feministisch-historisch-relativ umzudeuten ist trottelhaft. Es ist in der Perversion, in der Manie, wie im Film, die natürliche Reaktion auf das offizielle (Denk-)Verbot, das heute über alle Frauen und Mädchen verhängt wird, das sich auf die natürliche Zueinanderordnung Haupt - Leib bezieht: Mann - Frau.

Erst in den vertrottelten 1970igern, einer Epoche, deren paranoider Grundstruktur sich der VdZ in nächster Zeit noch intensiver widmen will - es ist immerhin seine Jugendzeit -, wurde der Orgasmus zum Merkmal von gelungener Sexualität überhaupt. Als die Sexualwelle, aus den USA - bis heute eines der (wie der VdZ mittlweile aus eigener Erfahrung weiß) prüdesten, leibfeindlichsten, puritanischesten Länder weltweit - nach Europa überschwappte, und es zum "Skandal" wurde, daß mehr als ein Drittel der Frauen noch nie (bewußt) einen ... Orgasmus gehabt hatten. Plötzlich wurde es (wer kennte nicht die grotesk dummen Kolumnen etwa einer Gerti Senger in Österreich) zum Kriterium: Die Frau müsse einen Orgasmus erlangen! Selbst und vor allem die Frauen glaubten daran. In einem Satz drückt es ein Proponent im Film auch aus: Am Beispiel von Zenon und der Schildkröte. Was man besonders will, aber dem Geschehen immanent ist, erreicht man nicht, bleibt immer VOR einem.*

Als zweitwirkliche Perversion erscheint dieses Verlangen, das eine ontologische Grunddisposition des Geschlechtlichen anzeigt, dann, wenn diese Untergliederung unterdrückt wird, also keine Weg zur Persönlichkeit findet - und deshalb virtuell bleibt. (Der eigentliche Ehepartner bzw. dann Freund/Partner der Proponentin in dem Film ist entsprechend ein weicher, "verständnisvoller" Nicht-Mann.) Die Proponentin orgasmiert, wenn sie geschlagen wird. Und erweist sich damit als Opfer der Trottelsaga, die seit den Siebzigern grassiert - die gelungenen Sexualität mit der Leistung des Mannes kombiniert, die Frau "zum Orgasmus zu bringen". Ein Spruch, der wie wohl kein anderer gelungene Sexualität seither verhindert.





*Das Beispiel von Zenon gilt als eines der Paradoxa der Logik. Zeon erzählt Folgendes:  Ein Läufer und eine Schildkröte machen einen Wettlauf.  Darin hat die Schidkröte einen Vorsprung von fünf Fuß. Es legt aber die Schildkröte immer ein Fünftel des Weges zurück, den der Läufer aufholt. Fazit: Der Läufer holt die Schildkröte - dieser Logik nach - nie ein ... denn immer, wenn er den Vorsprung aufgeholt hat, ist die Schildkröte wieder um ein Stück Weges voraus. Holt der Läufer diesen auf, ist sie wieder voraus ... Ein Paradoxon der Logik.




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Freitag, 15. Juli 2011

Ok, I am a Nazi

Lars von Trier in Cannes im Mai 2011 bei der Pressekonferenz zur Premiere seines Films "Melancholia 2001" - ein skandalisierter Auftritt, der ihn fast seine Karriere gekostet hätte und wer weiß wieviel wirklich gekostet hat, das wird sich ja noch herausstellen, denn es wird etwas an ihm haften bleiben, allen Entschuldigungen zum Trotz.

Hier ist das Video, auf das mich J dankenswerterweise hingewiesen hat. Er schreibt, daß man etwa ab Sekunde 50 merkt, wie der Mann merkt, wie er sich aus einem völlig harmlosen Geplappere, einer absoluten Ironie, in immer mehr Unsinn verheddert, weil ein Ernst eindringt, mit dem er nicth gerechnet hat. Denn er hat offensichtlich nicht mit einer neurotisierten, zwanghaft reagierenden Öffentlichkeit gerechnet. Mehr und mehr wird ihm das bewußt, und er redet sich nur noch mehr in den Wirbel hinein, seine Witze, seine bizarre Selbstironie, aber auch seine Versuche mit dem Thema zu spielen, greifen nicht mehr, und das Malheur ist fertig.

In dem Bemühen, auf jeden Fall Distanz und moralische "Richtigkeit" anzuzeigen, ist das Thema "Juden & Nazis" zum zivilisatorischen Dämon geworden. Man DARF sich von diesem Thema nicht distanzieren, man soll davon nicht frei werden dürfen - und damit ist auch das Verbot impliziert, es nicht "bewältigen" zu dürfen. Plötzlich gibt es "Blasphemien", und zwar in derselben Öffentlichkeit, die sie bei religiösen Themen schon fast abgeschafft hat, aus derselben Abgeklärtheit und Rationalität, die dieses Thema hinwiederum, und zwar in seiner aktualistischen Form, regelrecht sakralisiert - einen bestimmten Gestus sakralisiert!

Damit soll dieser Gestus psychotisch verankert werden. Als Gegenwehr. Fragen wir uns gar nicht erst, was es bedeutet, daß sich eine Weltöffentlichkeit bemüßigt fühlt, sich SO zu distanzieren, daß es sogar eine Berührung mit dem Thema unmöglich macht, seine Behandlung in Riten festlegt, gegen die erst zu verstoßen das Delikt ist, das Ausstoßung nach sich zieht. Das kann - und hier muß man auf Seiten Triers stehen, keine Frage! - Kunst und Künstlertum nicht akzeptieren. Es MUSZ zu einem Aufbrechen der Zwänge, auch bei diesem Thema, kommen, weil es sonst der Vernunft unzugängig bleibt. Jede Generation muß sich ihre Vernunft aus dem Übernommenen heraus neu aneignen, sich neu zugängig machen. Und dazu muß sie frei sein, hier darf es tatsächlich keine Tabus geben, hier braucht es Freiräume.

Was es nämlich sonst für gegenwärtige und kommende Generationen hieße? Es ist nicht auszumalen, weil es jede subjektive, wirkliche Reaktion apodiktisch unterdrückt. Erst damit aber provoziert man eine Reaktion, die dieses Thema als wirklich nicht - und zwar durch die Art es heute zu behandeln! - bewältigt erweisen wird. Denn plötzlich könnte die gewünschte Haltung - die Ablehnung des Nationalsozialismus, der Judenvernichtung - unter den Verdacht geraten, gar nicht vernünftig zu sein! Warum sonst soll man sie dem subjektiven Vernunfturteil vorenthalten?

Das zu wollen - und leider ist es ein regelrechter pathologischer "Kultur"gestus geworden, der sich in den Schulen, in der sogenannten Pädagogik etc. wie ein Geschwür festgefressen hat - ist tatsächlich zutiefst unvernünftig.




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Montag, 27. Juni 2011

Vage + vage = Unfreiheit

Allmählich fragt man sich, wo wir bereits leben ... Man dreht den Radio auf - Riesenbericht über den (mir bisher völlig unbekannten) französischen Modeschöpfer Galliano, der sich im Vollrausch vergessen, und unflätigst auf Juden und Kapitalisten geschimpft hatte. Ähnliches wäre ja ums Haar Lars von Trier in Cannes passiert, dieselbe Baustelle.

Min.f. Justiz B. Karl - Min. f. Inneres J. Mikl-Leitner
Am selben Tag wird von zwei aufgeräumt lächelnden Ministerinnen - Justiz und Inneres - als großer Erfolg ein Gesetzespaket vorgestellt, das in Anknüpfung an so manche frühere Entgleisung einen nächsten Schritt zur totalen Gesinnungskontrolle im Lande ermöglicht. Unter dem Titel "Terrorbekämpfung" (und wie stolz sie dreingucken!) werden die nächsten Gesetze installiert, deren rechtliche Anwendung von der momentanen Interpretation von "gut" oder "böse" abhängt. Das kann nicht reichen. Man darf keine Rechtslage schaffen, in der es nur vom "guten Willen" des jeweils Regierenden abhängt, ob er die Gesetze mißbraucht oder nicht, den Rechtsstaat auszuhebeln.

Hitler, als Hinweis, mußte kein einziges Gesetz ändern oder neu erfinden. Sein Totalitarismus, mit dem er die totale Macht im Lande an sich riß, erfolgte unter einem rechtlich verankerten Anspruch: Sicherung des Staates gegen Terrorismus.

So nebenbei - und man merkt förmlich, wie stolz sie auf ihre Arbeit sind; Frauen sind eben stets die eifrigsten Perfektionierer eines totalen Systems gewesen - wird die nun mögliche bzw. erleichterte Verknüpfbarkeit der gesammelten Daten gepriesen.

Künftig sollen die Behörden weitgehendere Befugnisse zum Verknüpfen von Ermittlungsdaten bekommen, und die Anleitung zu Begehung, Aufforderung oder "Gutheißung" eines Terrorakts sollen strafbar werden.

Die Ermächtigungsgesetze der Weimarer Republik hatten keinen anderen Inhalt. Eine schwammige Formulierung nach der anderen, und nach den letzen schwammigen Gesetzen (die die Einschränkung der Meinungsfreiheit vorbereiten) die jede "Diskriminierung" verbieten zeichnet sich bereits ab, wohin solche Gesetzgebung führen wird. Nicht "kann" oder österreichischer: "könnte". Nein. Wird.

Das Problem nämlich, auf das wir mit Riesenschritten zueilen, rascher als ich geglaubt habe, ist, daß hier Vorhaltungen erhoben werden können, deren Widerlegung auf Beweisbarkeiten angewiesen ist, die der menschlichen Wahrnehmungsevidenz nicht mehr entspricht. Engt man solche Bereiche zu stark ein, indem man die Toleranz der Bewertung auf abstrakte, kaum wirklich erschöpfend definierbare Ziele - "Freiheit" etc. - beschränkt, öffnen sich immer weitere Tore für reinsten Terror.
Aber das hat nicht nur Auswirkungen auf die direkte Rechtssprechung - auch auf das öffentliche Klima eines Staates. Weil es durch die Bekanntwerdung die individuelle Urteilsbildung erschwert weil neurotisiert.

Jedes menschliche Urteil entsteht zuerst über nichtrationale Evidenzen, über Wahrnehmung, sinnlich. Ratio, Begriffsfindung, ist erst nachträgliche Handhabbarmachung innerer Gewißheiten. Das bedeutet aber auch, daß so gut wie alle menschliche Gewißheiten lediglich graduell unausdrückbar und "beweisbar" sind. Denken, Überzeugungen auf "Beweisbarkeit" im positivistischen Sinn zu verengen bedeutet nicht die Erhöhung deren Vernünftigkeit, sondern letztlich deren beliebige Verdrängung! Denn rational läßt sich jede Überzeugung widerlegen, aber kaum eine a priori "beweisen". Menschliche Überzeugungen  - sollen sie nicht Fanatismus sein - entstehen nicht apriori rational. Sie sind schlichtweg "Erfassungen" von Wirklichkeiten.

Wer dazu vage Gesetze auf vage Gesetze aufbaut, geht mit absoluter Sicherheit einem Punkt zu, wo die Summe aus dieser Addition einen ursprünglich niemals intendierte, nie vorausgesehenen Standpunkt des Gesetzes ergibt, der aber dann unverrückbar da ist, oder geschaffen werden kann. Und der nur zulasten der Gesinnungsfreiheit der Bevölkerung gehen kann.  

Denn diese Gesetze sind - ohne wenn und aber - Gesinnungsgesetze. Sie gehen nicht nach Taten, sondern nach persönlichen Haltungen. Wenn ein Staat einmal damit beginnt fragt sich nur noch, wo er herauskommen wird. Ganz sicher nicht in der Freiheit.

Und da schließt sich der Kreis: der französische Modeschöpfer Galliani, der sich außerhalb allen Anstands benommen hat, (wobei Liebeserklärungen an den Führer  -  "I love Hitler," soll er gerufen haben - möglicherweise in andere human-pathologische Kategorien fallen, als unter Wiederbetätigung) wurde trotz einer öffentlichen Entschuldigung (er ist bekannt für seinen Alkoholkonsum) sofort aus allen Funktionen bei  Dior entfernt. Nicht nur das, wurde er aus seiner eigenen Firma hinauskomplimentiert, fragen Sie mich nicht, wie das geht. Ein Prozeß steht ihm sowieso ins Haus. Das heißt: der Mann wurde für eine gewiß blöde Entgleisung, die aber einfach nicht mehr war: eine Entgleisung, und wer ist nicht schon entgleist ... vollständig vernichtet.

Da geht es nicht darum, daß jemand die Gründung einer neuen Judenvernichtungspartei verkündet hat, und mitten aus einen einen Juden massakrierenden Anhängerscharen heraus verhaftet wurde. Nein. Hier geht es um eine simple "b'soffene G'schicht", wie man so sagt. Selbst wenn der Mann so tatsächlich denken dürfte.

Wenn wir uns aber das Menschsein so einengen, dann bleibt nicht mehr Menschlichkeit, sondern totalitäre Unmenschlichkeit übrig. Dann werden wir tatsächlich zum Lachen in den Keller gehen müssen. Dann wird alle Lebenslust im Bierernst vertrottelter Bürokraten ersticken.

Wer sich nicht mehr von sich selbst distanzieren kann und will, der führt etwas im Schilde. Also frage ich erneut: Wo leben wir bereits?! Fällt das niemandem auf?


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