Dieses Blog durchsuchen

Posts mit dem Label Bayern werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Bayern werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 23. Dezember 2021

Auch das gehört unter den Baum (2)

Ein Symbol, ein Königreich für ein Symbol! Die Erlösungsidee. Die Feinde. Der Tod. - Käutner stellt ein mehr oder weniger zusammengeklittertes Symbol dar. Er macht Ludwig II. zum Sinnbild des Idealen, des Schönen, Guten, Wahren, das inmitten des Reißwolfs der Moderne untergehen muß. Die Welt ist brutal, und die Macht gehört den Skrupellosen. Aber nur die Schönheit kann Mensch, Kultur, Volk prägen, nur die (idealisch überhöhte, eigentlich aber als Sakrament mißverstandene) Kunst als Kult des Vollkommenen kann ein Volk zu sich selbst führen.

Richard Wagner sollte die Werkzeuge der Auferstehung der innersten Kräfte des Volkes schaffen. Denn so war dessen Werkverständnis, als Liturgie, in deren Grammatik sich die Grammatik des Ewigen enthält, an der der Einzelne vorbehaltlos wie an einer Kommunion teilhat. Was viele nicht wissen ist, daß sein Nibelungenring (insbesonders Rheingold) eine fundamentale Kapitalismuskritik zum Inhalt hat, als das alles wahrlich Menschliche, Hohe Zerstörende.

Mittwoch, 22. Dezember 2021

Auch das gehört unter den Baum (1)

QR Film Ludwig II.
Es geht auch zum Hören, was als Film über "Ludwig II." im Jahre 1955 angelegt wurde (und auf Youtube an mehreren Stellen angeboten wird.) Denn der Maestro della musica höchstpersönlich, Herbert von Karajan, bietet mit den Wiener Philharmonikern sowie namhaften Solisten (Martha Mödl als Isolde, Wolfgang Windgassen als Tristan) die unvermeidliche Wagner-Musik zum Liebling so vieler romantischen Bewegungen, zum Kreis der Legenden und Sagen rund um den vorvorletzten Bayernkönig. 

Den O. W. Fischer spielt. Dessen denkwürdige Leistung einerseits bis in die Nebenrollen (wer hätte da etwa einen Klaus Kinski vermutet? war der auch mal Schauspieler, ehe er sich als Kasperl seiner selbst verdingt hat? natürlich, und wie!) von einem hochkarätigen Ensemble getragen wird. Wer Marianne Koch hier in jungen Jahren (als Prinzessin Sophie, die sich historisch mit Ludwig verlobte, ohne daß es dann zur Ehe kam) sieht, das nebenbei, kann sich nur fragen: Mein Gott, diese vielleicht schönste Frau Deutschlands im 20. Jahrhundert ist wirklich nie gealtert. Sie war immer gleich schön. 

Sonntag, 13. Juni 2021

Gedankensplitter 1165b (Einer von den ganz Wichtigen!)

Der Andere, der Fremde, der Bruder, der Kollege - Haben wir wirklich vergessen, was doch jeder selbst erlebt, der vom Dialekt oft so mühsam zur sogenannten Hochsprache erzogen werden muß? Ist uns nicht nachvollziehbar, daß "wir Deutschen" (als Glieder deutscher Völker) schon automatisch in zwei Sprachen hineingeboren werden? Die, gewiß, viel miteinander zu tun haben, ja. Die aber doch auch so unterschiedlich sind, daß sie jeweils extra erlernt werden müssen.
***
 Kommt nicht auch die heute so oft monierte Rechtschreibschwäche genau aus dieser Ecke? Daß in dem an sich nicht falschen Ansatz "nach der Rede zu schreiben", diese kleine Tatsache übersehen wird: Daß wir alle, zumindest wir alle, die noch bis zu den 1960er Jahren geboren sind, in den Schulen eben "Deutsch" gelernt haben, im fast täglichen Unterricht, und das war etwas völlig anderes als das, was wir nach der Schulglocke, die das Ende der Stunde anzeigte, sofort gesprochen haben? So anders, daß jeder aufgefallen ist.

Sonntag, 19. Juli 2020

Als der Antichrist kam

Es ist grotesk? Es ist tief wahr zu sagen: Wären wir wie Andreas Hofer und die Tiroler in den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts in der Lage das System des Napoleonismus des aufgeklärten Europas als System des Antichristen zu erkennen, wäre unsere Kultur noch gesund. Somit ist es ein Symptom, ein ganz bedenkliches Symptom sogar, daß wir heute diese Haltung gar nicht mehr verstehen können, sondern bestenfalls als frömmlerischen Obskurantismus abstempeln.

Oh wie wir uns aber täuschen zu meinen, dies wäre eine Frage der Vernunft, des Verstandes, der Logik, der Ratio. Sie ist etwas ganz anderes. Sie ist irrationales Produkt (also bloß der Entscheidung, dem Urteil folgende Rationalisierung) einer sittlichen Haltung, zu der wir uns entschieden haben. Von der Zeit Hofers trennen uns nicht Verstandeswelten, nicht Zivilisation oder Technik oder Fortschritt, sondern Welten des Sittlichen. Der Kostümwechsel ist nur Klimbim, Täuschung, und der angebliche Fortschritt seit damals nur Ergebnis der Flucht vor der Wahrheit, in der wir uns selbst verdammt haben.

Verstehen, und somit auch in einem Film wahrhaftig darstellen, können wir das, was Hofer und seine Tiroler bewegte, also schon lange nicht mehr. Sodaß man schon froh sein muß, wenn eine Darstellung dieser Epoche nicht allzu schlimm danebengeht, nicht allzu sehr zu interpretieren versucht. Was immer daneben gehen muß. Und heute geht es im Film (wie in der Kunst generell) so gut wie immer daneben.

Denn wir haben das System der Unfreiheit lieben gelernt, es ist vielleicht sogar schon erblicher Faktor einer durch Gewohnheit fleischlich gewordenen und damit vererbbaren Neigung zur Selbstverfehlung und damit zum Tod geworden. Ausgedrückt in Krankheiten, die Generationen und Völker befallen, nicht nur einzelne Personen.

Damit fehlt natürlich den Unsrigen überhaupt jede Möglichkeit, einen guten Film zu machen. Über Hofer, aber auch generell. Von Sünde und Schuld getrieben kann niemals Wahrheit und Wirklichkeit - das Wesen der Kunst - entstehen weil geschaffen werden. Und Geschichte muß jeweils geschaffen werden, sie "ereignet" sich nicht "von selbst".

Aber schon damals war Tirol - in derselben Konstellation wie heute - gespalten. Die Städter, die Profiteure des Napoleonismus, der letztlich gesiegt hat, und in dem wir heute leben, hielten sowohl in Tirol wie in Bayern das Heraufgekommene, die Neue Zeit, für das Wünschenswertere.

Ihre Lebenshaltung ist sie, die unsere, die heutige. Sie ist eine Haltung des Arrangements mit der Unfreiheit, in der wir das Ewige (das es nur existentiell gibt, nicht als Attitüde, nicht als Kirsche auf einem ansonst mechanistischen, auf Effekt abzielenden Lebensablauf) zugunsten des Irdischen aufgegeben haben. Nur in dieser Transzendenzbereitschaft wie -fähigkeit aber liegt die Freiheit.

Den Verlust der Freiheit ertragen wir nicht nur, sondern wir wünschen ihn lange schon herbei. Um unserer Schuld auszuweichen. So wird unser Wollen eine Verwünschung der Welt (des und der anderen), in der wir selbst in quälender Unfreiheit stehen und weder Mut noch Kraft haben, uns zur Freiheit zu erheben. Das ist die Hölle. Unsere Zeit ist deshalb böse geworden, unser Lachen ist heimtückisch, zynisch und falsch. Das Gut, das wir nicht haben, soll auch nicht der andere haben.

Freiheit ist ein actu, ein aktives Existieren als permanentes Offensein gegen die Wahrheit hin. Sie ist kein permanent durch äußere Umstände zu erreichender oder sichernder Zustand. Aber in Ketten liegend, wollen wir sie gar nicht mehr erkennen, weil uns jeder Schmerz zu groß scheint. Als Verdrängungsstrategie, in der der Mensch zu oft glaubt, es sich dauerhaft einrichten zu können, scheint dieser Schmerz noch erträglich. Diese Losung ist ausgegeben, an diese Losung klammern wir uns, und zertreten jeden, der sie anzweifelt.

So wird aus einer Bedrückung eine unvergebbare Sünde wider den Heiligen Geist. Der Antichrist, als den die Tiroler Napoleon begriffen haben, hat gesiegt. Und er zerstört die Geschichte, macht sie zu einem bloßen faktischen Ablauf von toten Ereignissen, in denen sich jeweils nur dasselbe wiederholt und die Oktavenleiter der Weltebenen rauf und runter klettert. Weil Mechanismus das Lebendige verweigert und aus der Welt bannt, sodaß diese sich auf sich selbst geworfen in sich selbst dreht.

Da nimmt es nicht Wunder, wenn aus solcher Kulturstimmung die Anschauung wächst, daß die Welt ein starres Schema ist, das sich in Zyklen wiederholt, aus denen nicht ausgebrochen werden kann.




*120620*

Mittwoch, 6. Mai 2020

Unsere Länder sind Einwanderungsländer

Der VdZ kann sich nicht erinnern über jenen Zusammenhang gelesen* oder auch nur gehört zu haben, der ihm doch als das wesentlichste Argument erscheint, diskutiert man die vorgebliche Problematik, daß unsere Bevölkerungen so "gehorsam" gegenüber der Obrigkeit sind. Nämlich jenen Zusammenhang, der über die Verwurzelung des Rechts geht, und daraus ableitet, wie sehr Menschen das unveräußerliche Recht sehen, gegen faktische Anordnungen der Regierung zu opponieren. 

Und hier haben wir in unseren Ländern - und nicht zufällig, weil aus derselben Argumentation begründet, die Schweiz ist hier die klarste Ausnahme! - den Umstand, daß Gesetz immer ausschließlicher "auf das Land" geht, und NICHT auf das Volk. Was heißt das? Was das heißt, läßt sich am Beispiel Österreichs am schönsten zeigen. 

In der Gründung der Mark im Jahre 996, die ein rein legislativer Akt von Kaiser Otto III. war, und sich im Wesentlichen auf die heutigen Bundesländer Ober-, Niederösterreich und Wien erstreckte, war erst ein Land OHNE BEVÖLKERUNG, über dem ein Gesetz verhängt wurde. DARAUFHIN kam eine Bevölkerung, aus allen möglichen Teilen der deutschen Länder, jeweils aus einer bestimmten Motivationsgruppe heraus: In ihren eigenen Völkern ohne Platz, ohne Aufgabe, oder so verschuldet, daß ein Neuanfang nötig und sinnvoll war. 

Alle diese Neuankömmlinge trafen auf ein System, das salopp formuliert sagte: Wer will, kann zwar kommen, aber nur, wenn er die von oben verhängten Gesetze akzeptiert. Wer das nicht tut, kann sich vertschüssen.

Unsere eigene Gesellschaftscharakteristik entspricht also in weiten Teilen der Charakteristik, wie sie jedes Einwanderungsland aufweist. Wo also zuerst das Land war, und dann erst ein - austauschbares - Volk folgt.

Überall dort, wo erst ein Volk (!), und DANN ein - volatiles, durchaus auch wechselndes - Land war beziehungsweise dazukam, Land also in Persönlichkeit und Mensch verankert war, und nicht als "Nutzobjekt" dazukam, zu dem anfänglich kaum mehr Beziehung bestanden hat als ein Verhältnis der Vernutzung, weist ein völlig anderes Verhältnis zu Regierung und Gesetz auf.  Hier besteht eine eindeutige Verwurzelung des öffentlichen Rechts in Person, Familie und nächster bis weiterer Umgebung, also erweiterter Persönlichkeit. 

Als Sichtweise, die von Charakter und Haltung getragen wird. Tirol, Bayern, die Schweiz (und hier noch einmal in sämtlichen Kantonen, dabei wieder mit derselben Unterscheidbarkeit) sind keine abstrakten "Ideen", sondern sogar heute noch (wenn auch bereits rudimentär) fleischliche Körper der dort lebenden Menschen.

Wo es diese Verwurzelung in der Familie und Herkunft nicht gibt, fehlt dem nunmehr Vereinzelten jede Schutzschicht, jede Beheimatung, die als Naturgegebenheit existiert und damit schützens- und erstrebenswert ist. Und zwar als so große Selbstverständlichkeit, daß sogar ein diskursives Argumentieren kaum möglich ist, denn das Natürlichste ist auch das, was man gar nicht sieht.**

Diese Menschen aber sind gleichzeitig auf den Schutz der Obrigkeit, der sie mehr oder weniger direkt gegenüberstehen, weil es keine natürlichen Zwischenschichten gibt (wie Nerven, denen die formtragende Eiweißschichte an ihren Enden fehlt), diese Menschen also wollen weil brauchen eine übergeordnete Obrigkeit als eigentlichen Träger jener Kräfte, die sonst der kulturell-soziale, hierarchische Zwischenbau trägt, der die Beziehungen zu Personen, dem Land, den Dingen definiert und in Grenzen setzt, überhaupt erst schafft.

Und diese wurzellosen Menschen - und unsere Länder sind über weite Teile bereits reine "Landgebiete" geworden, die keine gewissermaßen indigene Bevölkerung mehr tragen - sind es, die die autoritative Bedeutung von staatlich verordnetem Gesetz und staatlicher oder sogar überstaatlicher Rechtsordnung kennzeichnen. Sie kennen keine Verankerung des Rechts in den Personen selbst.  Ihr Rechtsbegriff ist voluntaristisch und positivistisch, und deshalb auch auf substantielle Weise veränderbar.

Während der Rechtsbegriff verwurzelter Menschen wie sie selbst, wie jede Legitimität des Daseins selbst, nur in Gott verankerbar ist. Und damit ebenfalls in einer persönlichen Beziehung. Jenem Du, das dem Menschen als Erstes gegenübersteht, wo es zuerst einmal in den Eltern und der näheren und schließlich weiteren (bis zum Unendlichen, also wieder Gott, aber diesmal in einem geläuterten Geist und Verständnis) Umgebung irdisch-fleischlich anwesend ist.

Weil aber eben Recht und Legitimität nur in persönlicher Beziehung existiert, ersetzt der Nicht-Verwurzelte diese fehlende soziale Erfahrung durch einen lebendigen Ersatz - in den Personen der Führung eines Landes und Staates. Selbst wenn es als rationalisierte Ebene so aussieht, als wäre dies in jeweiligen Ideen repräsentiert.

Aber jede Idee ist letztlich und primär in einer Gestalt, also in einer Person repräsentiert, sonst gäbe es keine Möglichkeit, sie zu denken. Denn das Denken ist eine Grammatik der in der Person existierenden Gestalten.

Deshalb tendieren Einwanderungsländer immer zu einem Rückgriff auf frühere Generationen und den darin erinnerten Personen. Weil aber die je historische Gesellschaft eine Gemengelage verschiedenster (entwurzelter) Personengruppen ist, kann ein darauf gegründeter Staat nie zu einer Einheit finden. Und ist das nicht das Bild, das unsere Länder derzeit bereits bieten?

Solchen Ländern aber fehlt, was eine Verfaßtheit der Mitbestimmung der eigenen Lebensumstände grundlegt (worin vergessen wird, daß die Monarchie auf einem solchen Sockel, auf einem Sockel solcher Mitbestimmung als Gesellschaft von Freien aufbaut und historisch immer aufgebaut hat!) und erst möglich macht: Und das ist die Einheit eines (Staats-)Volks in wesentlichen Fragen! Ohne eine solche Einheit, übrigens, ist auch Demokratie nicht möglich. Diese Einheit herzustellen ist auch NICHT im Diskurs MÖGLICH. Deshalb sind solche Verfaßtheiten nur noch durch Diktatur und Gewaltherrschaft überhaupt möglich.

Das sollten wir somit nicht vergessen, wenn wir über unsere Zeit und unsere Lebensumstände nachdenken. Sie entsprechen der Natur unserer Länder, die selbst dort, wo sie das ursprünglich nicht waren, weil das Recht auf Personen beruhte, mittlerweile zu einer Charakteristik geworden sind, die Einwanderungsländern als Ensembles entwurzelter, genuin ortloser Existenzen entspricht.


*Erst in allerjüngster Zeit ist der VdZ auf den - genuin marxistisch orientierten! - Soziologen Henning Eichberg gestoßen, der solche Gedanken bereits vor fünfzig Jahren entwickelt hat. Und sich dafür gefallen lassen mußte, daß er heute als "rechter" oder sogar "rechtsextremer" Denker verleumdet wird, was wirklich grotesk ist.

**Ins Bewußtsein steigt, was fehlt.




*170420*

Samstag, 28. Dezember 2019

Ein hoffnungsvolles Wort zum Zustand der Böden (2)

Teil 2) Neulich in Bayern


Kalb - Mutterkuhhaltung in Utting am Ammersee
In Bayern, namentlich in der Gegend um den Ammersee, wo er sich häufiger aufhält, fand der VdZ übrigens Bewirtschaftungsmodelle, wie er sie nur aus "vorbildlichen" Projekten kennt, die in US-Videos als solche vorgestellt werden, und dort offenbar noch selten sind. Auf den Photos hier sieht man einen offenbar recht erfolgreich auch in der Ab-Hof-Vermarktung tätigen Landwirt, der Kühe und Hühner in Wechselbewirtschaftung auf ein und demselben Feld hält.

Die Eier schmecken vorzüglich und sind über einen Selbstbedienungsautomat, der in einer kleinen Verkaufshütte an der Straße steht, leicht zu erwerben. Nachdem der Stand häufig ausverkauft ist, scheint das Publikum dieses Angebot gut anzunehmen. Angeblich ist nun ein weiterer Apparat mit einer Milchabfüllung geplant. Fleisch wird vom selben Bauern über Flugblattaktionen angeboten, sobald geschlachtet wird. Einziger Nachteil: Ohne vorausgesetzte allgemeine Auto-Mobilität würde dieses Konzept nicht funktionieren. Dafür hatte man eben die Märkte, dafür hat man eben die kleinen Läden direkt im Ort. Diese Stufe und damit ein ganzer Lebensraum, wird bei solch einem Wirtschaften aber übersprungen und ausgetrocknet.

Letztlich ist es somit ein fast zynisches Spiel mit einer Verwurzelungssimulation, die gar nicht mehr wirklich Verwurzelung ist. Die dort anfängt, wo man zu Fuß hingehen kann. Diesen Schritt kann man nie (sic!) überspringen, um mit dem nächsten zu beginnen.

Noch schlimmer wird es freilich in Fällen wie jenem, dem VdZ bekannten, wo der Mann mit dem Range Rover alle zwei Wochen fünfzehn Kilometer zum Betreiber einer abgelegenen Straußenfarm (sic!) fährt, weil das Straußenfleisch angeblich so gesund (und wohlschmeckend) sei. "Ich habe schon drei Kilo abgenommen," meinte er stolz. Der sich natürlich für bodenständig hält, weil der Farmbesitzer sogar den Schinken selber selcht.

Oder wie der Globetrotter, auch der dem VdZ bekannt, der sich in einem Dorf die mittlerweile aufgegebene Gaststätte kaufte und dort nun internationale Spezialitäten - natürlich alles selbst hergestellt - samt italienischen und französischen Feinschmeckerweinen (diese Woche im Angebot! Ein Achterl Chateau de Beufcacque, Loiregebiet, Jahrgang 2013, um zweisiebzig!) anbietet. Und seine Kunden von weither kommen, um im ästhetisiert-weltoffenen Ambiente Linksintellektueller, mit abstrakter Kunst an den Wänden und einer Jazzbühne im Stadel, die "Urigkeit" (=Verwurzeltheit) eines selbstgemachten Ingwertees zu genießen. Ob die Bewohner des Bauerndorfes auch zum illustren Gästekreis zählen hat der VdZ gar nicht mehr nachgefragt.

Professionell und vernünftig -
Kloster Sankt Ottilien i. Bayern
Daß aber Formen vernünftiger Bewirtschaftung und Verwurzelung keine Unmöglichkeit sind, beweist der nicht weit von dieser Weide befindliche, sehr große und vielseitige Landwirtschaftsbetrieb der Benediktiner Abtei Sankt Ottilien, unweit von Schondorf am Ammersee.

Das damit wie immer noch viele Benediktinerklöster in der eigentlichen Tradition des Ordens steht, wie sie von Anfang an in diesem Prinzip des "ora et labora" die europäische Kultur aufrichteten. Nicht "halfen" oder "beitrugen", sondern aufrichteten. Denn sie haben die Menschen sowohl die Arbeit als auch das Wissen und sinnvolle technische Methoden gelehrt. Erstmals wurde Arbeitsteiligkeit als Element eines organischen Lebensumfelds begriffen. Und so das Leben zur Kultur gesteigert, nicht als bloße Bedürfnisbefriedigung im Kot der kurzfristigen Notwendigkeiten liegen gelassen. Aus einer Lästigkeit, die man bei den germanischen Völkern ebenso wie in der gesamten Antike besser anderen überließ, wurde so ein Lobpreis. Dieser war es erst, der Europa zu dem machte, was es einmal gewesen, und an das wir uns heute bestenfalls noch erinnern können.

Das enorm breitgefächerte, saisonal abgestimmte Angebot des benediktinischen Betriebes, das teilweise sogar (selbst) finalverarbeitete Ware (Würste, Säfte, etc.) enthält, wird über einen eigenen Hofladen auch direkt an Endverbraucher verkauft. Und das in einer Qualität, die die wenigen Kilometer Anfahrt (einziger Wermutstropfen) für die Bewohner der umgebenden Ortschaften lohnend machen. Das Etikett "biologisch" oder "bio" fehlt hier meist sogar, es ist gar nicht notwendig. Und ist häufig ohnehin nur Marktzwängen zu verdanken, trägt zur Information selbst wenig bei, sondern verheißt lediglich schmackhaftere Produkte.

Denn auch die Qualität der Böden dürfte weitgehend in diesen Regionen noch besser sein. Dunkle Tschernosen-Böden, deren empfindliche Narbe auch im Winter durch zurückgebliebenes Stroh oder Zwischensaaten geschützt und vital blieb, sind häufig. Der Anteil an ausgelaugten Podsol-Böden, wie er für gerade gerodete Wälder ebenfalls oft typisch ist (die Vitalschichte fertiler Erde muß vom Menschen gepflegt, wenn nicht sogar geschaffen werden), scheint zumindest in den topographisch kleinstrukturierten Alpen- und Voralpenregionen wieder zurückzugehen.

Auch wenn man es den Bauern immer schwerer macht, ja es wirklich so aussieht, als legte man es darauf an, auch die Lebensmittelproduktion aus Europa zur Gänze zu verbannen und auf Zulieferungen aus allen Teilen der Welt zu bauen.





Freitag, 27. Dezember 2019

Ein hoffnungsvolles Wort zum Zustand der Böden (1)

Kuh- und Hühnerweide in Utting/Ammersee
Der VdZ will nicht verhehlen, daß er aus dem Studium zahlreicher Schriften und Videos den Eindruck gewonnen hat, daß die Degradierung der Böden in hohem Maß ein Problem der "übrigen Welt" ist, weniger das der Landwirtschaft in unseren Ländern. Wenn er übers Land fährt staunt er immer wieder, wie häufig Techniken wie Dauerbedeckung durch Zwischensaaten bereits angewendet werden. 

Dies betrifft allerdings nur die Region südlich des Weißwurstäquators (Main). Die Ebenen des nördlichen Teiles unserer Länder sind mit Sicherheit (auch das kennt der VdZ aus eigener Anschauung) weit größerem Raubbau ausgesetzt, weil sie sich als Ebene für rücksichtslose Produktionsmethoden besser eignen.

In Österreich dürfte auch die Ausbildung auf den Landwirtschaftsschulen längst in diese Richtung weisen. Die Zeit der bloßen Mengenproduktion auf Teufel komm raus ist hier offenbar schon längst vorbei. Was sicher auch mit der im EU-Durchschnitt geringen Größe der Betriebe zu tun hat.

Hühner mit Stallwagen, der regelmäßig
den Platz mit den Kühen tauscht.
Zwar haben zum Beispiel  in Nieder-Österreich seit dem EU-Beitritt logischerweise gut ein Drittel der bäuerlichen Kleinbetriebe bereits das Handtuch geworfen (siehe dazu einen Artikel, den der VdZ 1995 für ein Monatsmagazin schrieb, das es heute nicht mehr gibt). Und das war als "Umstrukturierung" auch so gewollt und von Schreibtischfurzern über andere, hier über die Landwirte, verhängt.

Dennoch fällt der bemerkenswert hohe Anteil von kleineren Betrieben auf, die auf den Märkten der kleinen Ortschaften ihre Produkte anbieten, oder immer kundenfreundlicher ab Hof verkaufen. Der Beobachtung nach bekommt man heute in Österreichs Dörfern und (vor allem kleineren) Städten Lebensmittel in einer Qualität angeboten, die oft regelrecht überwältigt. Und das Gottseidank auch ohne Sonderlingsstatus, sondern als Ergebnis rundum vernünftigen, ökonomisch wie ökologisch sinnvollen Wirtschaftens. Den Sonderlingstypus, der oft mehr Ideologie verkauft statt sinnvolle Produkte, findet man zwar auch, aber eher in den Großstädten, dem Publikum entsprechend ...

Aber es macht wütend und resigniert, wenn man wie unlängst in Weitra, im nordwestlichen Waldviertel in Niederösterreich, einem kleinen Städtchen mit kaum 2.500 Einwohnern, sieht, daß es dort bis vor einigen Jahren noch fünf Fleischereien (Metzgereien) nur am oder rund um den Rathausplatz gab. Davon ist noch eine einzige übrig geblieben. Und auch die kämpft, wie die Inhaberin im Gespräch mit dem VdZ klagte. Denn die Supermärkte, die am Ortsrand entstanden sind, nehmen ihnen mit ihren Fleischtheken und Billigangeboten das Grundgeschäft weg. Es bleibt kaum noch eine Überlebenschance, denn nur mit Spezialitäten kann man nicht überleben, zumal immer weniger in den Haushalten selbst und raffiniert wie früher gekocht wird.

Nicht, daß es in den Großmärkten keine Qualität gebe. Fast muß man sagen: Leider, auch die gibt es dort mittlerweile, man hat enorm dazugelernt. Aber was die Supermärkte nicht erfüllen ist die eigentliche Basis der Wirtschaft - der symbiotische Raum, der Kunden wie Erzeuger und Händler zu einem Ganzen zusammenschließt, wo eine Hand die andere wäscht.

Gewiß, ohne Frage gibt es auch in Großmärkten eine Beziehungsebene. In den allermeisten Fällen erfüllen die Mitarbeiter diese Funktion. Aber es sind in Wahrheit große Lügen, die Kunden wie Mitarbeiter inszenieren, weil sie um den letzten Rest von Würde und Lebensfreude kämpfen. Das Menschliche wird hier zum technischen Nutzen ausgebeutet, und das ist in Wahrheit schändlich. So soll eine verbindliche Beziehungsdynamik vorgetäuscht werden, die in Wahrheit nicht existiert. Kein Kunde wird Einfluß nehmen können, ob die Menschen im Markt vor der Stadt angestellt oder entlassen werden, und den Gesamtnutzen zieht eine anonyme Investorengruppe, keine Unternehmerpersönlichkeit, die selbst in verbindlicher Beziehung zum Kunden steht, so daß beide Teile in einem Risiko stehen, das das einzige Ferment echter Verwurzelung ist.

Wem hat damit aber auch hier die EU-Totalregulierung - angeblich im "Konsumenteninteresse" ... - gedient? Richtig, den Großen, den Managerbetrieben, den reinen Gewinnschleudern. Aber weder den Tieren, noch den arbeitenden und vor allem lebenden Menschen. Dafür kann man heute ohne Auto kaum noch für den Alltagsbedarf einkaufen. Die in sich fast organisch funktionierenden Lebensräume aber sind überall verschwunden. Und diese sind es aber, denen alles Wirtschaften dient, wo dessen Platz ist, der soziale Verbindlichkeit braucht, nicht abstrakte Funktion einer rationalistisch-reduktiven Kaufentscheidung, die jedem ein Denken abverlangt, das die eigentliche Lebensdimension ausschließen muß, sonst funktioniert es nicht. Zynisch nennt man das "unternehmerisches Denken". Aber das ist eine Lüge. Es ist ein auf einige rationale Eckdaten reduzierter Begriff, der der Wirklichkeit der Wirtschaft als Lebensvollzug und vieldimensionales Arbeitsfeld gar nicht mehr entspricht.


Morgen Teil 2) Neulich in Bayern





Montag, 9. Dezember 2019

Realistic Catholic Climate Declaration

Entweder gehen Sie direkt zu diesem Link oder lesen und reagieren Sie hier:


Die Erklärung

Das Lehramt der Katholischen Kirche erwähnt in keinem Punkt so etwas wie ein optimales Erdklima, oder führt etwas dazu aus, was ein maximaler Klimaänderungswert wäre, und das sollte es auch nicht. Niemandem ist ein Optimum bekannt.

Das Klima der Erde hat sich immer geändert, ändert sich gegenwärtig, und wird das auch zukünftig tun. Ein Maß, in dem der Mensch dafür verantwortlich ist, ist niemandem bekannt, allerhöchstens angenommen. Es ist aber keine irdische Kraft bekannt, die imstande wäre, einen Klimawandel aufzuhalten. 

Zudem ist größte Vorsicht, ja Skepsis gegenüber jeder Stellungnahme das Klima betreffend angebracht, betrachtet man alleine die über die letzten Jahrzehnte erfolgten falschen und überzogenen Vorhersagen und Prognosen, gleichgültig ob von offizieller oder nur interessierter Seite. 

Über die normale katholische, persönliche Demut und Geduld hinaus, ist aber kein Katholik verpflichtet, irgendeine Umweltschutzmaßnahme zu unterstützen. Das Heil der Seelen ist von weit größerer Bedeutung und Vorrangigkeit als jede Temperatur. Jeder Gläubige sollte deshalb Gott für sein Heil und für das seines Nächsten bitten, nicht für den Planeten.
.
Wer diese Proklamation unterstützen möge, kann seinen Namen auf der Liste der Unterzeichner setzen lassen. Danke! 



Nachtrag: In Anbetracht dessen, daß allen Ernstes die Bayerische Psychologenkammer die Frage aufgeworfen hat, ob man nicht jeden "Klimaskeptiker", d. h. jeden, der so oder ähnlich denkt wie oben, offiziell als "Fall von Psychopathologie" einzustufen, der notwendig zu "therapieren" wäre, kann eine solche weltweite Erklärung, die von einer Reihe anerkannter Persönlichkeiten, Wissenschaftler, Autoren etc. mitgetragen wird, durchaus einen Sinn haben.




Donnerstag, 13. Juni 2019

Also war es doch ein Mord am König

Eine sehr überzeugende Darstellung der Ereignisse rund um den mysteriösen Tod des Bayernkönigs Ludwig II. am 13. Juni 1886. Die hier vorgestellten Ergebnisse einer kriminaltechnischen Untersuchung legt den Schluß nahe, daß Ludwig II. (vermutlich im Auftrag Bismarcks) durch zwei Schüsse in den Rücken getötet wurde. Als er dabei war, auf einer (vermutlich mit Hilfe Kaiserin Elisabeths organisierten) Flucht sein Leben zu retten. 

Für Bismarcks Deutschland-Pläne war Ludwig eine Gefahr. Denn die ablehnende Haltung des Bayernkönigs gegen ein "Deutsches Reich" (das unter preußischem Diktat stand) war unüberwindbar und bekannt. Eine Rückkehr nach München und auf den Thron hätte unabsehbare Folgen für die innere Ruhe Bayerns und damit des gesamten, gerade neu gegründeten Deutschen Reiches gehabt. Noch dazu konnte Bismarck mit seinen Plänen auf die Zustimmung weiter Kreise auch in Bayern rechnen, die von den neuen Bedingungen vor allem wirtschaftlich profitierten. Während das einfache Volk sowie die bayerische Armee auf jeden Fall dem König die Treue gehalten hätte.

Es gibt mehrere Berichte, denen gemäß Ludwigs Leiche nicht nur gräßliche Schußwunden im Rücken hatte, wie sie tatsächlich den Verwundungen gleicht, die die im Video erwähnten "Windbüchsen" verursachen, sondern eine unmittelbar nach dem Auffinden der Leiche angefertigte Skizze eines Malers, die dieser später zu einem Gemälde ausbaute, zeigt den offenen Mund des Königs, aus dem Blut austritt.




Das Bild, das den toten Ludwig mit dem aus dem offenen Mund austretenden Blut zeigt, ist heute zwar verschwunden wie so vieles, was mit dem Fall zu tun hat, aber es gibt eine Aufnahme davon. Die ist in diesem Vortrag bei min. 15:38 zu sehen, der die mittlerweile gefundenen und entschlüsselten privaten Aufzeichnungen des Leibarztes des Bayernkönigs zum Inhalt hat. Sie weisen in dieselbe Richtung: Ludwig II. wurde im Zuge eines Staatsstreiches ermordet.









*130519*

Sonntag, 13. Mai 2018

Ein Hilferuf der Laien

Natürlich ist es ein Hilfeschrei, den die bayrischen Politiker da ausgestoßen haben, indem sie die (neuerliche) Anbringung von Kreuzen in sämtlichen Amtsstuben und öffentlichen Einrichtungen beschlossen haben. Der so wie die Kreuze, die da bald überall wieder prangen sollen, ein wenig in der Luft hängt. Denn was die Kirche selbst davon hält haben die deutschen Bischöfe (allen voran der Münchner Kardinal Marx) auf erschreckende Weise klargemacht. Diesen Kreuzen fehlt also der Boden - die Kirche.

Nicht aber den Bürgern. Und wir wollen hier nicht von allen möglichen sonstigen Signalen (vor allem in Zusammenhang mit der Zuwanderung) sprechen, die mit dieser Geste verbunden sind. Wir wollen uns nur auf jenen Aspekt beschränken, der uns am wichtigsten scheint. Und den man, ob bewußt oder nicht ist hier gleichgültig, auf jeden Fall damit aufrührt.

Denn selbst wenn die Bayern es nicht wissen, so ahnen sie offenbar zumindest, daß ihr Leben ohne Fundament ins Chaos abdriftet. Und das wollen sie nicht. Instinktiv greifen sie deshalb die Zusammenhänge auf, die zwischen Religion und einem ruhigen, friedlichen Leben des Gemeinwohls bestehen. Zumal es nicht so ist, wie heute gerne behauptet wird, daß der Wohlstand zuerst es ist, der Ordnung braucht um sich zu erhalten, sondern umgekehrt: Es ist die Ordnung, die den Wohlstand bringt und dann trägt. 

Und diese Ordnung kann nur die Religion, ja kann eigentlich nur das Christentum geben. Denn der Katholizismus - wenn man denn von Religion bei ihm sprechen möchte - zielt auf die Natur der Dinge ab. Damit gibt er die Möglichkeit, die Welt mit der Vernunft (und dessen seiner Ebene, dem Verstand) zu verstehen und zu begreifen. Darauf konnte jene Wissenschaft, weil jener Arbeits- und Weltbegegnungs-Ethos aufbauen, die es gerade den südlichen Völkern Deutschlands ermöglichten, Dinge zu schaffen, die das Antlitz der Welt zu einem immer feiner verzierten, immer komplexeren, immer farbenfroheren Girlandentanz machen. Der beispielhaft im "Pfeiferlbarock" der Bayern immer noch so präsent ist. Auch wenn er seither zunehmend verwelkt und das heutige Bayern oft eher einer Anstalt von Leichenfledderern gleicht, die aus Särgen Türme bauen.

Die man dann gemeiniglich als Wohlstand, als Wohlleben bezeichnet. Wobei alles das in Wahrheit Relikt, noch nicht in allem tote Präsenz eines hohen Grades von Kultur ist. Und Kultur ist ein Grad der Ordnung. Ordnung aber kann nur eine Natur geben (weil vorgeben), deren Eigenschaften ihre unverzichtbare Relevanz deshalb haben, weil sie aus der Hand eines absoluten Schöpfergottes kommen. Ein Kreuz an der Wand ist also ein Hinweis, daß ein Ort, ein Raum unter die Ordnung der letztlich siegenden Vernunft gestellt wird. Und DAS macht das Kreuz so wichtig: Als liebevolles Zeichen der Hoffnung, des Vertrauens in die Vernunft, und als Zuspruch, wieder und wieder das täglich andrängende Chaos zur Welt zu ordnen.

Deshalb ist es auch immer eine Lüge gewesen, die Kreuze der (vor allem muslimischen) Zuwanderer wegen abzuhängen. Wie sollen die dann begreifen, was ein Land in einen solchen Wohlstand gehoben hat, daß es der ganzen Welt jetzt so begehrenswert vorkommt? Nein, eben nicht, weil Gott Abrakadabra die Wunschzettel erfüllt hat. Selbst wenn man berücksichtigt, daß sich letztlich alles Gelingen Gott verdankt. Sondern weil IN Jesus Christus jene Wahrheit Fleisch wurde, an der im Kult ein Volk teilhatte, das solcherart durchformt eine so großartige Welt aufbauen konnte.*

Die Wiederanbringung - denn von einer solchen muß man meist sprechen - von Kreuzen durch die Politik (sic!) ist dabei ein fast verzweifelter Versuch von Laien, wieder jene Vernunftbasis ihres Lebens zu etablieren, zu stärken, der sie alles verdanken. Und die heute (wobei: im Grunde täglich, seit je) so besonders bedroht scheint. Es ist der Versuch, eine - unsere - Religion in ihrer kulturbildenden und -erhaltenden Kraft wieder in die Welt zu heben. Die ja die Kirche selbst schon aufgegeben zu haben scheint, noch mehr aber den Menschen vorenthält, wenn nicht sogar entzieht.**  Indem sie nämlich Kult (als Maßstab wie Wirkebene des Glaubens, der Wahrheit, die welttragende Gestalt weil Person ist) hier, Vernunft dort, auseinanderreißt und damit die Freiheit zerstört. Dieselbe Freiheit, die sie einmal ins Land brachte, worauf dieses durch die Menschen aufblühen konnte.

Mehr als ein Anfang kann das, was Bayern nun vormacht, freilich nicht sein. Mehr als eine Bitte, ja eine Aufforderung an die Kirche, ihren Platz wieder einzunehmen, ihre Aufgabe wieder zu erfüllen, ist es nicht. Aber das ist es immerhin.



*Man muß es wieder und wieder betonen: Über eine Wirtschaftsentwicklung Afrikas (beziehungsweise anderer Gegenden der Welt) als angeblicher Schlüssel zum Stop der Zuwanderung nach Europa nachzudenken ohne zu begreifen, daß ZUERST eine MISSIONIERUNG notwendig, ja unverzichtbar wäre, ist ein völlig sinnloses Unterfangen, das nur nächste Milliarden und Abermilliarden verschlingen wird, ohne daß das gewünschte Ergebnis jemals eintritt. Wohlstand, Wohlleben, Gemeinwohl ist NICHT zuerst eine Frage von "Ausbildung" oder der Ausstattung mit Maschinen und Infrastruktur (die auch eine Maschine ist), sondern ZUERST eine Frage der Sittlichkeit, der seelischen Formung als Tugendhaltung, die erst ein Zugehen auf die Welt bedeutet. DANN erst werden alle anderen Dinge - im Maß des Wachstums der Sittlichkeit, gewissermaßen - sinnvoll.

Das gibt dem Anbringen der Kreuze in Bayerns Amtsstuben noch eine weitere Bedeutung: Es ist das richtige Ahnen, daß unser Wohlstand heute durch den fast schon allgemeinen Atheismus und Glaubenslosigkeit bedroht ist, denn das ist der Fall. Es ist somit auch ein Versuch, diesem drohenden Absturz zu begegnen.

**Neuerdings wurden sogar an der theologischen Fakultät in Wien die Kreuze abgenommen. Was für ein Begriff von Theologie steht aber hinter einer Theologie - einem Sprechen von Gott - die sich nicht mehr als betende Theologie begreift? Von welcher Empirie, von welchem Erfahrungsgegenstand will diese dann ausgehen? Dabei wäre das sogar das wissenschaftliche Prinzip, demgemäß nämlich die Methode dem Gegenstand entsprechen muß. Ohne Heiligen Geist läßt sich also Theologie gar nicht betreiben. Eine solche Theologie kann Gott nur in der Welthaftigkeit auflösen. Theologie ohne Frömmigkeit ist somit die seltsame Reduktion auf eine Welt, in der Gott offenbar schon ganz aufgegangen ist. Das ist ein Widerspruch in sich. Deshalb muß ein Raum, in dem Theologie vorgetragen wird, auch ein "Heiliger Raum" sein. Und das ist er nur durch konkrete, äußere Zeichen.





*030518*

Donnerstag, 16. Februar 2017

Vorgestern in einer kleinen bayrischen Gemeinde

Leserin B, die in einer kleinen bayrischen Ortschaft wohnt, berichtet, warum sie seit einiger Zeit nicht nur stets Pfefferspray bei sich trägt, sondern ihr Auto sogar auf Tankstellen absperrt. Eine Freundin von ihr war nämlich vor eingen Tagen tanken. Danach ging sie zur Kasse, um zu bezahlen. Als sie zurückkam, saßen aber vier afghanische "Flüchtlinge" in ihrem Auto, die von der völlig verblüfften jungen Frau verlangten, daß sie sie zu ihrer Unterkunft bringe. Sie weigerte sich, und forderte stattdessen energisch die Männer besten Alters auf, ihr Auto zu verlassen. Das ignorierten diese aber, und als trotz mehrmaliger Aufforderung nichts passierte, die vier einfach im Wagern sitzen blieben, rief sie die Polizei an. 

Als diese kam und sie ihr Anliegen vorbrachte, wurde ihre Verblüffung aber nicht geringer. Denn die zwei Beamtern expedierten nun nicht die vier Afghanen aus dem Auto, sondern verlangten von der Wagenbesitzerin, daß sie der Aufforderung der Männer Folge zu leisten habe. Als die sich hartnäckig weigerte, drohten sie ihr schließlich, sie wegen "unterlassener Hilfeleistung" anzuzeigen. Was die Verwirrung der Frau endgültig in Empörung übergehen ließ. Aber ohne Erfolg.

Ein Einlenken der Beamten fand nur darin statt, sie mit dem Polizeiauto bis zur Migrantenunterkunft zu begleiten, wo die vier Männer endlich das Auto verließen. Das Gefühl, auf eine sehr subtile Weise von nunmehr sechs Männern vergewaltigt worden zu sein, konnte die junge Frau aber nicht ganz ablegen.





*110217*

Dienstag, 17. Mai 2016

Echtheit ist nicht machbar

Man kann an Dieter Wielands Filmen so viel erkennen, so viele Grundfragen der Gegenwart erblicken, daß es wirklich lohnt, sie zu sehe. Auch Jahrzehnte nach ihrem Entstehen, sodaß sie vieles, was heute mit viel Geld und vieler Mittelbindung wieder zu "korrigieren" versucht wird, halbwegs verständlich, aber auch einschätzbar machen. Denn oft wird durch Disneyland-Atmosphäre versucht zu simulieren, was längst verloren gegangen ist. Denn es ist ja nicht nur die Architektur, der optische Eindruck, es ist das Leben, das damit immer verbunden ist. Und sei es ein gelähmte, reduziertes oder fehlendes Leben.. Man hat in den 1970ern unsere Länder regelrecht zerstört, endgültig oft. Der oft genug seltsam erlebten Rückwärtsgewandtheit seiner Mutter verdankt der VdZ die Tatsache, daß er diese Veränderungen schon in seiner Jugend als Schmerz empfand.

Aber Wieland hat hier eines der seltsamen positiven Beispiele ins Bild gesetzt - Bayernsoien. Ein Rückbau geht aber nur mit der Bereitschaft einher, nötigenfalls auch auf Errungenschaften der Moderne - in den Gehirnen der Menschen durch "Ansprüche" verankert; Anspruch, überhaupt eines der Grundprobleme der Gegenwart, wir werden das noch weiter ausfalten, denn hier setzt alle Zerstörung an: im logos ... - zu verzichten. Lebensqualität wieder dort zu sehen, wo sie auch wirklich wurzelt. Und das ist nicht der Rechenschieber abstrakt-verklebter Schreibtischgehirne. Das ist das Leben selbst. 

Bayernsoien hat noch rechtzeitig genug reagiert. Da war gerade noch genug Substanz in der Bevölkerung, das Rückbauen war noch kein "Neuschaffen". "Was, dafür habt Ihr einen Planer gebraucht?" Eben. Genau das zeigt, wie noch Leben da war und gewußt ist. 

Viele "Rückbauten" heute funktionieren ja gar nicht mehr, denn es fehlt bereits die Lebenssubstanz in den Orten selbst. Sie bleiben also "Behübschungen", Fehlformen einer absurd gewordenen Romantik. Wenn sich etwa Wiener, die eines der längst billig zu erwerbenden Häuser im Ort als Wochenendsitz kauften, in die mit Landesmitteln gestützten Gastwirtschaft im Waldviertel setzen und dort "Lebensverwurzelungen" zu finden meinen, weil der Wirt die Stubendecke wieder in den Originalzustand versetzt hat und Produkte vom Land auf Gourmet-Niveau gehoben anbietet. Wo Musealität also jene Echtheit vorgaukelt, die dem heutigen Medienkonsumenten noch einzig zugänglich scheint.

Umso richtiger die Aussage in dem Film: Qualität läßt sich nicht mit Geld erreichen. Sie hängt von den Persönlichkeiten ab.

Nach wie vor aber entvölkert sich die ländliche Gegend, laufen gigantische Zentralisierungsprozesse, in der Steiermark, Niederösterreich sogar in dramatischem Ausmaß. Und nach wie vor brüsten sich Politiker allen (!) Couleurs mit neuen Schnellstraßen, die zu bauen sie "erreicht" hätten und immer in einer weiteren Entvölkerung, Entsubstantialisierung des Landes - bei gleichzeitiger Disneylandisierung - münden.

Eine wirkliche Erneuerung der Dörfer kann niemals spektakulär verlaufen. Sie kann nur gelingen, je leiser, unauffälliger, scheinbar beiläufiger sie passiert. Erst dann passiert sie wirklich. Auch bei Rückbauten. Entblutet ist nämlich ein Organismus rasch. Aber das Leben läuft immer langsam, wo es es die Welt wieder neu mit Blut durchwirkt und zur Kultur hebt. Dazu braucht es Organizität, keine ehrgeizigen Schreibtischprogramm.

Gerade das nicht Planbare, Zufällige, Eigenwillige ist nämlich das Entscheidende, Lebenswerte. Die Freiräume, das Unperfekte, das noch nicht Fertige das, das auch kommenden Generationen noch Bewegungsräume gibt und den Ort, das Dorf als Lebens- und Wirklichungsraum erfahren lassen.

Kleines Beispiel: Eine Straßenlampe muß nicht die Nacht zum Tag machen, das erhöht auch die Sicherheit nicht wirklich, weil es zwar Verantwortung verlangt, aber dafür keine Aufforderung bietet, Verantwortung zu vergessen. Eine Straßenlaterne soll stattdessen einfach Orientierung ermöglichen. Plötzlich wird aber sogar der Sternenhimmel wieder sichtbar. Und - ist das nicht jene Orientierung, die eigentlich aller Verortung zugrundeliegt?

Plötzlich, so der Bürgermeister nach dem offenbar noch rechtzeitig erfolgten Rückbau, kann man sich wieder so frei bewegen, es wird viel weniger geschimpft, und plötzlich ist alles wieder so selbstverständlich. Auch wenn es nicht allen paßt, aber das hat es auch mit der vorigen Lösung - der Normstraße durch den Ort - nicht. Was gibt es Besseres zu sagen?








***

Donnerstag, 28. Mai 2015

So geht es, das Leben

Man kann die Weisheit und Poesie nur bewundern, die sich in diesem Filmchen über ein Wirtshaus, seine Gäste, und vor allem seine Betreiber zeigt. In solchen Leben ist alles drin. Wie oft werden die Menschen unterschätzt. Fast immer nur, weil man sie zu wenig trifft.

Der Mensch ist Sozialwesen. Nicht als Zusatzmöglichkeit, sondern konstituionell. Ohne den anderen, ohne Überschreitung auf das Du, in dem er Ich wird, bliebe er bloß unerfüllte Möglichkeit. In den Wirtshäusern, die am direktesten als Vorstufe zu den antiken Foren gesehen werden können, wird er (nach der Familie) weiter in seiner irdischen Gestalt herausgebacken, verwebt sich mit den anderen zur weiteren Familie - als Spielgemeinschaft. Und erhält, ohne daß ihn gleich der Ernst des Lebens erschlägt, seinen Ort im Gefüge der Menschen zugewiesen, an dem er (weil als wer) und aus dem er sein Leben in freier Zustimmung führen kann. Der Stammtisch arbeitet ihn heraus, läutert ihn, beweist ihn, und niemand macht es ihm streitig. Ein Ort des Spieles, des Festes, des Tanzes. Deshalb ist es auch kein Ort der Politik. Es ist zu alledem nur Vorstufe.

So ist Volk - die Mutter - in jeder Hinsicht, weltlich wie religiös, der Schooß des Einzelnen, der erst in dieser Bestimmtheit, die er hier im Spiel vor sich sieht, frei sein kann, weil "den Rücken frei, Boden unter den Füßen hat", sich so als "Ich" in höhere Stufen mutig transzendieren, sich am nächsten Tag wieder ins öffentliche Leben bis zum Vaterland, dem Staat, als Reich der Ideen, ausstrecken kann.

Um, zurück, im Wirtshaus zu berichten, ins reale Leben zurückzuordnen, im Abstand seine Schemen als eigentliche Wirklichkeiten zu sehen. Es ist also ein Ort der Erzählung, der Mythen und Legenden. So, wie der Kult der Ort der Heiligen Erzählung ist, die je in der Erneuerung, im "Gedächtnis", gegenwärtig und wieder und wieder wirksame Namensrufung von Vorhandenem, aber Stummem, Unerlöstem werden, um dann im Einzelnen Fleisch zur volleren Gestalt zu bringen weil dem lückenhaften, aus dem Fluch unvollkommenen Erkennen wieder zu Besitz gebracht.

Das Wirtshaus ist aber auch ein umhegter Ort, an dem alle zu Kindern werden, und in einer Art geschütztem Zwischenreich - nicht Welt, nicht Mutterhöhle - Rollen proben, korrigieren, spielerisch testen. Jeder unbotmäßige, hemmende weil festlegende Welternst wird mit Wein und Bier und Schnaps - Drogen, die jede Kultur als Hilfsmittel braucht² - hinausgedrängt.

Die Welt sinkt ins Dunkel zurück, wird zur erinnerten Erzählung, zum Theater der Schemen, und reines Lebensblut des ursrünglichen "Ich" kann jedem Einzelnen wieder einströmen. Im Erzählen, im Zuhören, spielt der Mensch mit seinem Ich, und lernt es kennen. So steht das Wirtshaus in einer Linie - wenn auch nicht auf je derselben Ebene - mit allen Festen, aber auch mit dem schon höher zu reihenden Theater, und gar seiner höchsten weil sakralen Stufe, dem religiösen Kult, der höchsten Spitze des Menschen im Geist. An dessen Ende sich jeweils nicht zufällig auf der ganzen Welt Speis und Trank als letzter, aber unverzichtbarer Akt des Festes einreihen.

Bei vielen Völkern unterschiedlichster Klimazonen ist das Abendessen heute noch die Haupt- weil Festmahlzeit. Man vergesse die umgehängten Erlärungen aus angeblichem "Nutzen", der Ursprung ist anders, und zeigt sich noch in der Sehnsucht nach dem aus dem Fluch der Erbsünde Verlorenen, dem die Schweißesarbeit entstammt, in der sich der Mensch zum Objekt machen, sich sein Leben verdienen muß.

Im Vergessen dieser Tatsache setzt ja jede Utopie an. Und deshalb hat jedes Fest etwas Utopisches, wie Y Gasset einmal schreibt. Denn wenn man begreift, daß jedes geführte Leben, auch das Alltäglichste, aus dem Heiligen stammt, als unendlicher Kult, zu dem es gar wieder werden will, in der Himmlischen Liturgie, dann begreift man auch den täglichen Feierabend - im Wirtshaus, diesem Versammeln um die Dorflinde, der Sehnsucht nach dieser zur Utopie gewordenen Ursprungswelt.

Wo die Gemeinschaft im Täglichen differenzierter, ja gespaltener ist, zeigt sich das in den Charakteristiken der Wirtshäuser. Diese Stunde verträgt keinen ernsten Widerspruch, und je größer eine Gemeinschaft wurde, desto differenzierter wurde sie auch, desto reiner werden Aspekte darstellbar, die sich sonst noch vermischter, weniger ausgebildet halten - ein Naturgesetz, weil alle Abstammung, aller Fortgang in der Geschichte Entfaltung einer Synthese bringt. Im Guten wie im Schlechten.*

Aber immer ist es die Wirklichkeit der Dorflinde in der Dämmerung. Wo jemand die Fiedel spielt und ein anderer singt, ein Dritter die alten Geschichten erzählt, die als Geister über jedem Zentimeter Bodens, über jeder Mauer, jedem Stein, jedem Hügel und jedem Baum schweben und ihn als Wesen tragen.** Einfach zur Steigerung der Freude der Mitwelt, weil zur Hebung des Gemüts aller ins Höhere, wo noch mehr Freude wartet, sich in der Gewohnheit verfleischlicht, sodaß sich sich allen mehr und mehr höheres Dasein eröffnet. In dieser Stimmung, in dieser Gemütsverfaßtheit geht er dann zu Bett, und im Traum fügen sich alle seine Ebenen, losgelassen, innerlich neu, je nach ihren Kräften, denn der Schlafende kann nicht mehr akthaft in die Vernunft ordnen.

Wenn man sagt, daß die Originale aussterben, oder vom Neurotiker und Sonderling verdrängt werden, so ganz sicher immer (und nur) dort, wo diese beiden Quellen des Individuums - Kult, dessen Profanstufe Theater, und Wirtshaus, je als selbstverständlicher Taskt im Rhythmus des alltäglichen Lebens - versiegt sind. Die unersetzlicher Bestandteil für die Gesundheit der Menschen sind. Wenn die Wirtshäuser*** sterben, stirbt ein Volk.








*Deshalb ist es wahr, daß der Bauernstand der Mutterkuchen jeder Gesellschaft ist, worin sogar die vielfach zu beobachtende Verachtung ihren Grund hat. Denn was alles ist, ist nichts. Aber aus ihm hat sich jede Kultur material entfaltet, und entfaltet sich noch, bis sie in ihrer Spezifiziertheit kollabiert. Nicht notwendig, aber realistisch betrachtet, weil der Mensch eben immer hinter der Vollkommenheit zurückbleibt, dem Sein tagtäglich, ja jeden Augenblick seiner irdischen Zeit, etwas schuldig bleibt.

**Ohne daß ihnen jemand einzureden versucht, daß sie nach den Symphonikern streben sollten.

***Wirtshäuser können auch nicht von Restaurants - einer Geschäftsform - ersetzt werden. Es ist bedauerlich, daß manche meinen, das Überleben der Wirtshäuser durch "Geschäftsmodelle" sichern zu können. Man sichert damit keine Wirtshäuser, sondern man verlegt sie auf reinen Erwerb. Das sind Wirtshäuser aber nur bedingt. Man wird Wirt aus Berufung, aus Lebens- und Menschenliebe, nicht aus Geschäftssinn. Leider beginnt man in Österreich nun durch neue Steuergesetze, auch die Wirtshäuser zu Geschäftsmodellen umzuzwingen, damit eigentlich: zu vorgeschobenen Steuereintreibungsbüros zu machen, wie es die meisten Unternehmen mittlerweile sind. Sie sind aber Lebensformen, die eine gewisse Unfaßbarkeit brauchen, sonst funktionieren sie oft nicht. 

Sie haben ohnehin bereits unter so vielen Gesetzen und Auflagen zu leiden, die nur Brüsseler Beamten eingefallen sein können, die abends gerne auf Geschäftskosten in exquisiten Restaurants ihr "Boeuf Stroganof an Trüffelreis", samt einer Flasche "Chateau neuf du Pape 1976", verlustieren, sich über Anleihenkurse austauschen, und ob der lispelnden Zunge des livrierten Kellners ihre Witze reißen, während sie die winzige Flachse angewiedert an den Tellerrand schieben, während ein Pianospieler dezent Gershwin-Songs spielt. So, sagen sie dann, ehe sie etwas unsicher in den Knieen ins Taxi steigen und ihre Rechnung in die weinrote Rindslederenvelope stecken udn ihr Gebiß im Rückspiegel kontrollieren, so muß jeder Gastronomiebetrieb in Europa ausschauen, damit er eine Zukunft hat, sagen sie dann - geht doch, wie man sieht?! Der lebt doch gut? Und bei uns in Wien jammern sie. Man müßte aber endlich weitere länderübergreifende Qualitätsstandards festlegen, sagen sie dann, das Fleisch war zu kurzfaserig, da hat er gespart, die paar Euro mehr sind doch jedem Kunden auch schon egal, wenn es das Fleisch wert ist, sprechen sie dann in ihr Diktaphon. "Titel: Vorschlag zur Tourismusförderung".

²Aus derzeitiger Sicht ist der VdZ kein Verfechter der Freigabe von Marihuana, wie es derzeit in Österreich diskutiert wird. Es greift seiner Beobachtung nach weit substantieller und rascher in den Persönlichkeitsaufbau ein als Alkohol (außer im Falle des schweren Alkoholismus, nicht aber schon im Rausch), und ist deshalb keine Kulturdroge, sondern eine Kultur-Verhinderungsdroge.



***

Mittwoch, 16. April 2014

Chronik der Ereignisse

Ein Sittenzeugnis der Zeit, mit dem Hauptspieler: Der Politik, die meinte und immer noch meint, sie hätte direkt in das wirtschaftliche und persönliche Tun der Bevölkerung einzugreifen. Die Pleite der Hypo Alpe Adria-Bank, mit einem Belastungspotential für die Steuerzahler in der Höhe der Hälfte der staatlichen Einnahmen aus Einkommenssteuern (17 bis 25 Mrd. Euro) ist ein politisches Desaster allererster Güte. Die Presse bringt nun einen von den Fakten her offenbar gut fundierten Überblick, was hier überhaupt passiert ist, und auch warum, und welche Personen welche Rolle spielten. Hinter vielen Fakten verbergen sich darüber hinaus noch ganze Wagenladungen an weiteren Desastern.

Ein Gesamtdesaster, das aber keineswegs einzigartig dasteht, sondern sich an ähnliche Desaster in den vergangenen Jahrzehnten lückenlos anschließt. Mit einer Kernaussage: All diese Versagensgeschichten sind Zeugnisse einer Elite, die keinerlei Kontakt mehr mit der Wirklichkeit hat, die in zweitwirklichen, auch mit viel Mathematik abgesicherten Scheinweltkreisen lebt. Und so weder Ahnung hat, wie eine Sache gelingt und entsteht, noch was passiert, wenn etwas passiert. Und deshalb eines in jedem Fall hat: Angst vor der Wirlichkeit.




***

Sonntag, 5. Mai 2013

Von Spielebrechern

Na, schreibt Leser L dem Verfasser dieser Zeilen, das haben Sie davon, von Ihrer Idealisierung des Fußballs. Da droht ein italienerischer Spieler (noch dazu - Anmerkung: ? - montenegrinischer Herkunft) der Juventus Turin den anrückenden Bayern aus München vor dem Viertelfinalspiel in Turin mit "Krieg!" Hat der nicht vergessen, daß es sich um ein Spiel handelt? Zeigt das nicht, womit wir es beim Fußball zu tun haben? Mit beinharter Realität? Aber Gott sei Dank hat Rummenigge die richtige Antwort gegeben: Solche Rhetorik hat nichts am Fußballplatz verloren, schon gar nicht von jemandem, der wissen müßte, was Krieg bedeute.

Mitnichten, guter L, mitnichten, und zum Gegenteil. Schon Kinder spielen Krieg, und sie tun, was Spiel eben bedeutet: Wirklichkeit simulieren, der der Ernst aber fehlt. Und dazu gehört das Balzverhalten von Spielern genauso, wie das Blecken der Zähne und das Klopfen auf den Schild. Das weiß mit Sicherheit der Italiener nicht weniger, als Rummenigge. Beweis? Dieses Spiel ist jederzeit zu beenden. Von allen. Und zwar in dem Moment, wo alle sagen: So, Schluß. Damit zerplatzt der Rahmen, aus dem heraus alles was im Spiel passiert ist, gedeutet werden muß und kann.

Der aber, der etwas aus dem Spiel herausgreift, und es in die ernste Realität versetzt, DER ist der Spielverderber. Er hat nicht einmal mehr die Freiheit, das Spiel wirklich zu spielen. Er sieht nicht den abgezirkelten Raum, in dem es stattfindet, sondern dieser Raum scheint überhaupt schon disponibel, je nach Element, das im Spiel vorkommt. Er zerstört die Sonderwirklichkeit, in der alles zwar sachlich den ernsten, wirklich aber den nicht-ernsten Regeln folgt, um sie als Rosenköpfchen auf sein ernstes Jackett zu stecken. Das gehört sich nicht, und das macht die Bayern auf eine Weise lächerlich, die ihnen nicht vergönnt werden soll. Die bei der Pressekonferenz anstatt Betroffenheitsminen lieber zurückfeuern hätten sollen: "Wir schießen zurück! Tritt um Tritt, Tor um Tor, Gurkerl um Gurkerl!" Das hätte gesessen, wenn ein Ribery mit empörter Handgeste angedroht hätte, daß er als Antwort diesen Vucinic tunneln würde, daß der meine, er sei soeben seiner montenegrinischen Männlichkeit beraubt worden. Damit wäre alles im Spiel (und unter Männern) geblieben.

Rummgenibbe aber macht aus Spiel Ernst, und will es plötzlich doch auf der Betulichkeitsebene der seriösen Wirklichkeit sehen. Da aber gehört es niemals hin. Die Italiener, die nichts taten ... als spielen, die wissen das. Selbst wenn der kicker schreibt, daß sie um jeden Grashalm gekämpft hätten. Daß alles Spiel war, hat sich im Spiel bewiesen, und in den Reaktionen auf ihre Niederlage. Die vergessen sogar oft, daß es überhaupt auch Ernst gibt. Denn den gibt es nur in einer anderen Sphäre. Bei denen finden sogar Parlamentswahlen nur als Spiel statt, nach deren Abführung sich herausstellt, daß die Gewählten den Ernst einer Regierung gar nie auf sich nehmen wollten. Und kein Italiener ist ihnen böse.

Wie? Der geneigte Leser meint, daß doch auch die Bayern nur spielten? Daß also die Betroffenheitsmimik gleichfalls nur die - nationalspezifisch eben unterschiedene - Kammschwellung des Gebalzes in der Arena wäre? Naja, das könnte natürlich etwas haben.




***

Samstag, 23. März 2013

Nivellierung nach unten

In einem dramatischen Appell wendet sich der deutsche Lehrer i. R. Rainer Werner an die Öffentlichkeit, nach seinem Buch "Auf den Lehrer kommt es an" diesmal in der Welt. Er warnt eindrücklich vor der Gesamtschule, die dabei ist, das Schulwesen zu überrennen.

Das führt sogar zu einer Umverteilung der Schüler, um ein bestimmte soziale Durchmischung zu erreichen. Sämtliche Erfahrungen, die mittlerweile vorliegen, belegen aber, daß nicht wie von Utopisten vorgegeben, eine undifferenzierte Schülermenge mit "individueller Betreuung" zu höherer Leistung auch der schwächeren - "sozial benachteiligteren" - Kinder kommt, sondern umgekehrt: es kommt überall zu einem Schwächen der Besseren. Sämtliche Untersuchungen, die bislang aber kaum an die Öffentlichkeit dringen, belegen das, was zahllose Pädagogen längst erkannt haben und ausbaden müssen.

Auch die Pisa-Ergebnisse lassen die Deutung zu, daß jene Bundesländer Deutschlands, die auf die Gesamtschule setzen, schlechter abschneiden, als andere. Und gerade Länder mit höherer Leistungsselektion, wie Bayern und Baden-Württemberg, weisen gerade auch in schwächeren Schülergruppen noch immer höhere Leistungen aus, als erwähnte. Die Gesamtschule schädigt also auch die Schwächeren, indem sie das Niveau sämtlicher Schüler senkt. Schon gar wenn man berücksichtigt, daß der finanzielle Aufwand speziell Lernschwächere sonderzubetreuen gar nicht erbracht werden kann.

Es sei ein Irrglaube zu meinen, Bildung sei verteilbar, so wie es mit Geld geschehe. Sie ist ohne soziales Gruppengeschehen (und damit aber auch ohne örtliche Verankerung) nicht denkbar, kann also keineswegs "individualisiert" werden, unter gleichzeitiger Auslöschung sozialer Merkmale. Ein Widerspruch, der zudem den Charakter der Schulreformen in diese Richtung als Utopie entlarvt, die bei sozialer Nivellierung vollmundig "Individualisierung der Lernvorgänge" durchzusetzten vorschützt.

Lernerfolge in Schulen brauchen aber möglichst homogene Lerngruppen, die in unterschiedlichsten Niveaus zueinander in einem Spannungsverhältlnis der Vielfalt stehen müssen. 

Nur so strecken sich auch jeweils untere Niveaus nach den oberen aus, das zeigt die Erfahrung nicht nur in der Schule. Die Wirklichkeit des Menschen fügt sich nicht utopischen Gleichheitsvorstellungen der Nihilierung sozialer Bezüge. Der Mensch ist immer ein "wir", das ist das Wesen des Selbst, er ist nie ein isoliertes Wesen. Ja, das Wir geht dem Ich als Verpflichtung des Gewissens als Formanspruch voraus. Versucht man diese Bezüge zu eliminieren, schon gar indem man Menschen aus ihrem realen örtlichen Umfeld herauslöst, löscht man nur das Höhere, während alle nach unten - dem Formlosen - rutschen. 

Was man zugleich dabei vergißt ist, daß "sozial unten" auch gleichbedeutend mit "ohne Form" und damit ohne Anstrengung sich nach Gestalt auszustrecken bedeutet. Findet der Mensch keine Form als Ziel vor, wird sein Gewissen entmutigt, und seine Kraft der Selbstwerdung erschlafft. Die Wahrnehmbarkeit solcher Ziele ist aber eine Frage der Wahrnehmbarkeit sozialer Stufen, also auch eine Frage konkreter Örtlichkeit, ohne die Gruppenbewußtsein überhaupt nicht möglich ist.




***

Dienstag, 22. Januar 2013

Gegen das Nichtsein

Es ist alles andere als verwunderlich, mit der ABLEHNUNG des Fremden zu werben. In einer Welt der brutalen Entdinglichung ist die Gegenwehr der Dinge gegen ihr Untergehen letztes Signum des Vorhandenseins. Der Grantler ist im Kommen. Jeder Reisende sucht nämlich "etwas".








***

Dienstag, 11. September 2012

Außenpolitische Perspektiven - II

Teil 2) - Monarchie als Ausweg

In solchen kleineren Räumen würde sich auch die Individualität der einzelnen Staaten und Völker wesentlich problemloser entfalten und erhalten können. Und Europa würde auf die einzige Weise erstarken, in der es überhaupt geopolitisch bestehen kann: durch die Stärke seiner Individualitäten. Niemals durch Zentralismus. Selbst EU-weit gesehen, wären auch Entscheidungsfindungen wesentlich leichter, weil sich nur die Vertreter der jeweiligen größeren Sub-Räume gegenübersäßen, die nicht fürchten müßten, daß die dicken fetten mächtigen Einzelglieder der Kette - Deutschland und Frankreich derzeit - ihre Interessen zu deutlich durchsetzen könnten. Noch dazu, wo so viele Kleine von ihnen mittlerweile regelrecht abhängig geworden sind.

Ungefährer Raum einer Mittel-Osteuropa-Allianz
Aber auch andere Fehlentwicklungen könnten so abgefangen werden, und das zeigt sich an sehr konkreten Dingen, in denen die Bürokratie in Brüssel zu einer abgehobenen, größenwahnsinnigen Diktatur abgehoben ist. Das wäre nicht der Fall, wenn die Nähe der nächsten Instanz - vom Nationalstaat an gesehen - größer, der Abstand deutlich geringer wäre. Wie im Falle solcher nächsthöherer Ebenen. Diese Abgehobenheit betrifft nämlich (und das bestätigt diese These) keineswegs bei den Abgeordneten aller Länder in gleichem Maß. 

Sie betrifft genau die kleinen Länder wesentlich mehr, wie sich an der unglaubliche Selbstherrlichkeit österreichischer EU-Deligierter zeigt, die von mal zu mal mit noch zentralistischeren Vorschlägen aufwarten, sodaß Österreich regelrechter Vorreiter für den unseligen EU-Zentralismus wurde. Vieles, was an dieser Stelle bereits über die eigentümlichen Charakterdeformationen des Österreichers zu lesen war und ist, fände auch darin seinen heilsamen Weg - über das Selbstfinden im geographischen Raum. Selbst die meist völlig am Thema vorbeigehende Integrationsfrage ist nur auf der Grundlage starken Selbstseins lösbar, will man die sonst unausbleibliche Entwicklung hin zu Parallelgesellschaften - die ohnehin nur eine Klammer in einer Politik finden können, die der Reichsidee ähnelt -

Kleinere Regionalräume, etwa wie oben vorgeschlagen, würden aber noch ehe es zu großen EU-Maßnahmen kommen müßte, bereits in kleinerem Rahmen ausgleichende Stabilisierungen bedeuten, auch und gerade in wirtschaftlichen Angelegenheiten, würden deutlich krisenfester sein. Unter Völkern, die noch viel mehr und viel Konkreteres verbindet, als es in einem gesamten europäischen Raum der Fall sein kann. Wenn sich auch Österreich endlich - endlich! - seiner historischen Verantwortung stellen müßte, und dazu gehören vor allem seine engen Verbindungen mit seinen aus der Monarchie noch eng verbunden gebliebenen, einem mit jedem Schritt beobachtbar wirklich einheitlichen Kulturraum angehörenden Nachbarvölkern. 

Mit viel Phantasie für eine zukünftige weitere Entwicklung - denn auch Deutschland hätte Entfaltungsspielraum. Etwa entlang seiner historischen Bruchstelle, dem "Weißwurstäquator", der Rhein-Main-Linie, die eine religiös-kulturelle Grenze ist, mit einem  Nordteil, der zum Ostseeraum fände, und einem Südteil, der sich ins Projekt Mitteleuropa eingliedert, sodaß sich das Land wieder außerhalb des als Idee lähmenden Preußentums finden könnte. Denn wer die Geschichte Bayerns kennt weiß, daß es Bayern war, das sich nie wirklich einem dieser Räume zuordnen konnte, und zwischen den umgebenden Mächten hin- und hergerissen war.

Die außenpolitischen Räume Bayerns, historisch gesehen, waren  nämlich seit je, wie eine Grundbewegung des Volkes ... der Alpenraum, der Süden (bayrischer Barock! der das Land bis heute prägt und in dem seine Kraft wurzelte, 1945 einen Zuwachs von 25 % seiner Bevölkerung in Form von Ost-Vertriebenen zu verkraften, ohne sich selbst zu verlieren), vor allem mit dem lombardischen Raum. Eine analoge Entwicklung wäre also auch für Italien vorstellbar, und entsprechende Kräfte sind dort ja ohnehin bereits heute weit lebenskräftiger und offener, lauter als in Deutschland. Auch in Italien spielt die Staatsidee eine ähnliche Rolle wie in Deutschland.

Während die Grundbewegung der Österreicher, ihr Blick, als bayrische Abspaltung, entstanden als Grenzmark gegen den Osten, immer in Richtung Südosten, der Donau entlang, gerichtet war. Diese Sprache spricht noch heute jeder Stein, der seit 1000 Jahren hier aufgerichtet worden ist, und deshalb noch heute die Seelen prägt.

Um an dieser Stelle aber bei Ost-Mitteleuropa zu bleiben, zeigen sich selbstverständlich auch hier klare Anleihen bei der Reichsidee, und eine solche Allianz wäre auch in dieser Hinsicht, in diesem Geist zu verstehen. Deshalb übrigens der obigen Hinweis auf eine Führungsrolle der Tschechei - das in der Achse mit Ungarn einige sehr konkrete, real vorhandene Ansätze zur Restaurierung einer Monarchie (zumindest auf konstitutioneller Basis) bietet. Zu der Österreich bereits viel zu zerrüttet ist, dieses Land braucht orientierende Hilfe von außen, es hat für solche Entwicklungen bereits zu wenig Eigenkraft, und selbst wenn man es als Habsburger-Land sähe, wäre realpolitisch eine Restauration der Habsburger wohl viel zu problematisch, zumindest vorerst, bestenfalls in dem im vorigen Jahr verstorbenen Otto noch denkbar gewesen. Aber dieser Raum hat klare Achsen - Ost/West, Nord/Süd, hat starke Zentralräume mit zugeordnetem Hinterland (das Hauptproblem Wiens, das bis heute keine Westorientierung zustandebringt, nicht ohne Grund, UND seines östlichen Umlands seit 1918). Noch heute, bei vergammelten Eisenbahnanlagen und desaströsen, willkürlich deformierten Straßennetzen, ist man von Wien aus mit dem Auto  rascher in Lemberg, als in Innsbruck, schneller in Prag als in München, und in fünf Stunden in Triest.

Wobei unterschiedliche regionale Großräume auch unterschiedliche Allianzformen benötigen würden. Im Ostseeraum etwa ist eine Monarchie kaum vorstellbar, weil historisch nicht grundgelegt.

Diese Gedanken sind allesamt nicht neu (und hier auch keineswegs im Detail ausgeformt), sondern dem Denkverbot des gegenwärtigen Dogmatismus, mit dem sich unsere Systeme über Wasser halten, zum Opfer gefallen. Aber sie sind mehr als natürlich, und setzen auf natürlichen Wesensprägungen auf. Selbst ein DeGaulle hat sie seinerzeit angeregt, wenn der Verfasser dieser Zeilen sich richtig erinnert. Und man darf sie ganz gewiß nicht radikal diktieren, muß sie in aller Klugheit verfolgen. Aber man sollte sie - hartnäckig und zielbewußt - verfolgen. Denn sie wären ein konkretes und lohnenswertes Ziel, das sich sehr rasch auf die Identität, das Selbstgefühl der betroffenen Länder und damit auf die Lebenskraft aller seiner Bewohner - eines der Probleme, die man bisher völlig ignoriert und in unübertrefflicher Dummheit auf "Nationalismus" etc. geschoben hat! Nationalismus entwickelt sich dort, wo die Existenz bedroht scheint! - auswirken würde. Die sich nicht mehr - zumindest unbewußt, auf jeden Fall unausgesprochen - diffus und ohnmächtig einer übermächtigen Ebene ausgeliefert sähen, von der sie nur "Gnade" erwarten können. Sondern ihre Zukunft selbst gestalten, ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Wenn wir das nicht bald tun, werden chthonische Kräfte Wege suchen, und sie werden uns, in anderen Formen, überraschen, ja überwältigen, auch in ihren Gegenkräften. Wer sein Schicksal aber nicht wählt, sagen schon die alten Römer, den zieht es.

Naiv? Zu simpel? Der Verfasser dieser Zeilen meint, diese Ideen alles andere als das zu sehen. Aber die großen Ideen waren immer einfach. Nur in wirklich zusammengehörigen, einheitlichen Organismen kann sich aber das Prinzip der Selbstähnlichkeit heranbilden - wo der Teil eines Organismus dieselbe Struktur aufweist, aus denselben Geist atmet, wie das große Ganze. Die Grundlage für jeden einzelnen Bürger, weil er nur so in seinem unmittelbaren Umfeld und Alltagshorizont auch die Strukturen des Großen vorfindet und sich in der großen Politik wiederfindet. Während umgekehrt nur so die große Politik auch wirklich für seine Teile spricht, weil mit ihnen identisch geblieben ist.


***

Montag, 28. November 2011

Detail am Rande

Atomstrom für die Alpen, hieß es an dieser Stelle einmal. Nun tritt ein, was für Klardenkende ohnehin selbstverständlich war: Österreich hat sich verpflichtet, an Bayern Speicherstrom zu liefern. Lieferumfang: etwa in der Größenordnung eines der abgeschalteten Atomkraftwerke.

Was man dazu wissen muß: Speicherkraftwerke funktionieren nicht als Perpetuum Mobile, das Wasser, gespeicherte Energie sozusagen (dies alleine eine abgrundtiefe Problematik der Naturzerstörung, es wurde hier bereits behandelt, Heidegger nennt es "Zuhandenheit" der Natur), muß erst nach oben gepumpt werden, um dann, bei Bedarf, binnen weniger Minuten Strom liefern zu können. Deshalb muß das so rasch geschehen, weil zum einen Windkraft relativ rasch ihre Versorgung einstellt, wenn der Wind ausläßt, von Solarstrom gar nicht zu reden, sondern weil die gewaltigen Überlandleitungen, die solche Energielücken ausfüllen könnten, noch auf viele Jahre nicht bestehen, unabhängig davon, daß dies alles eine Umweltzerstörung gigantischen Ausmaßes bedeuten. Begangen im Namen der Umwelt.

Wie füllen sich diese Speicher? Zum einen durch natürlichen Zufluß, aber in der Regel ist das nur die oft lange aufgestaute Grundfüllung des Speicherreservoirs, und wird bis jetzt, wo schon einen Monat keine, wirklich keine Niederschläge in Österreich zu verzeichnen sind, defacto bedeutungslos.

Ist dieses Wasser abgeflossen, einmalig ausgenützt sozusagen, was aber dann? Dann muß Wasser - in der Regel dasselbe - wieder nach oben gepumpt werden! Es gibt dazu gigantische Leitungsrohre, übrigens, die oft in die Berge selbst verlegt worden sind, man sieht sie nur selten. Da blieb man dezent. Es geht ja um den Fremdenverkehr.

Wie aber wird gepumpt? Natürlich mit strombetriebenen Pumpen, und die benötigen bis zu 40 % des Stromes, der im Gegenzug produziert wird. Was durch ausgeklügelte Systeme - Niebelschütz berichtet von Bewässerungssystemen der Araber, die ein wahres Wunder hochintelligenter Naturüberlistung darstellen, angeblich sind im Burgund noch Reste von damals nachgebauten Anlagen zu besichtigen - der Ausnützung der Fallhöhen und Variierung der Rohrdurchschnitte erreicht wird.

Warum aber macht man das? Weil ... WEIL DIESE PUMPTEN MIT ATOMSTROM BETRIEBEN WERDEN, DER IMPORTIERT WIRD. Und der ist insgesamt billiger als der gelieferte Speicherstrom - denn der ist selten und extrem wichtig!

Weil insgesamt also diese Stromlieferung an Bayern (etc., man speist ja blind in eine Netz, nicht an ein Land, was Bayern wirklich entnimmt ist ja nicht etikettierbar) ein Geschäft ist, die Erträge die Aufwendungen übersteigen, macht Österreich das. Selbst bei einem so niedrigen Wirkungsgrad. Und selbst wenn der Strom aus jenen Atomkraftwerken kommt, nachts, gegen die tagsüber protestiert wird, weil sie so nahe an der Grenze zu Österreich gebaut wurden.

Was logisch und klug ist, denn die Leitungswege zum Abnehmerland sollen ja möglichst kurz sein!

Daß es insgesamt einfach nur unethisch ist, sollten wir nicht aus den Augen verlieren. Noch weniger aber, daß es in der Gesamtbetrachtung ein purer Wahnsinn, ja ein Hohn ist: daß nämlich diese "Nachhaltigkeit" der Stromerzeugung - hier, hier war davon die Rede! - den Stromverbrauch in die Höhe schnellen läßt, und damit den Bedarf, und damit die Stromerzeugung.

Ach ja - auch diese Blindleistung steigert das BIP wird erhöht, wie die strunzdummen Sozialistenschädel sagen, zu denen wir alle geworden sind. Damit ist ja der Fortbestand des Euro gesichert, die Wirtschaftskrise überwunden. Die Wirtschaftsleistung steigt und steigt wieder, diesmal erfreulicherweise sogar im Winter ...

Und wie sagt der Lateiner? Pecunia non olet. Geld stinkt nicht.



***

Mittwoch, 26. Januar 2011

Ihretwegen?

Eine der heutigen (26. Jänner) Tagesheiligen ist die Hl. Kümmernis, oder auch Wilgefortis (von "virgo fortis"), oder auch Ontkommer, Comeria, Hülpe, Liberata, Eutropia, Gwer. Die Tradition zeigt sie als bärtige Frau, die an einem Baum oder an einem Kreuz wie der Heiland angeheftet hängt. Dabei oft ein Fiedler, und Schuhe. Ihre Verehrung war im Alpenraum sehr verbreitet, ist aber in der Neuzeit deutlich  zurückgegangen. Seltsame Parallele - auch das, wofür sie stand ...

Die Legende erzählt, daß sie sich als junges sizilianisches oder portugiesisches Mädchen im Jahre 130 etwa so für das Christentum entzündete, daß sie dem Gekreuzigten Ewige Treue schwor, ganz wie die Heiligen Jungfrauen es getan hatten. Doch ihr heidnischer Vater, ein König, hatte andere Pläne mit ihr, und bestimmte sie zur Ehe. Das Mädchen flehte zu Jesus, und der erhörte sie: Über Nacht wuchs ihr ein Bart.  So verweigerte sie zweifach die Heirat.

Der Vater war darüber so empört, daß er seine Tochter dazu bestimmte, das Schicksal ihres Gottes zu erleiden, und er ließ sie an einen Baum schlagen. Dort hing sie, drei Tage lang, und predigte ohne Unterlaß, ehe sie starb; viele Menschen bekehrten sich - darunter auch der Vater.

An einem der drei Tage war auch ein Bettler mit einer Geige vor den Baum gekommen, und weil ihn die Leidende dauerte, spielte er ihr auf seiner Fiedel schöne Weisen. Daraufhin warf ihm die Prinzessin einen ihrer goldenen Schuhe, mit einer Bewegung des Fußes, zu. Der Bettler nahm das Geschenk dankend an, und versuchte es in der Stadt gegen Geld und Essen einzulösen. Dabei schöpfte man Mißtrauen, und nahm ihn wegen Diebstahls fest. Man schleppte ihn zur Heiligen, die am Baume noch lebend hing. Die Heilige aber entledigte sich nun auch ihres zweiten Schuhs, und schleuderte ihn ebenfalls in Richtung des Bettlers, worauf man diesen als unschuldig erkannte und von ihm abließ.

Die Heilige wird als Patronin der Fruchtbarkeit - ähnlich dem Heiligen Leonhard - verehrt, was auch die Schuhlegende in Analogie ausdrückt: der Schuh gilt seit ewigen Zeiten als Symbol des weiblichen Schooßes. Sie ist dabei besondere Helferin für Frauen mit Fruchtbarkeitsproblemen, und auch in anderen Frauenangelegenheiten - "Kümmernissen", vor allem in Bayern und Tirol auch als Hoffnung zur Erfüllung des brennenden Wunsches nach einem Gatten.

***

Seit wenigen Jahrzehnten ist weltweit - bis auf wenige Ausnahmen - eine noch nie da gewesene Situation eingetreten. Aus verschiedensten zusammenfallenden Gründen, ist erstmals Parität in der Anzahl von Frauen und Männern eingetreten, ja vielfach, wie in China und Indien, sind Männer schon längst in der Überzahl. Bislang haben ja vor allem Kriege, oder die generell niedrigere Lebenserwartung der Männer, dafür gesorgt, daß immer die Frauen mehr oder weniger deutlich in der Überzahl waren. Einen Mann zu kriegen, war also immer ein sehr konkret begründetes Anliegen. Umgekehrt hatten es die Männer "leichter", weil sie weit begehrter waren. 
Das ändert sich nun. Es gibt aber Hoffnung: Untersuchungen in lokal begrezten geographischen Räumen haben gezeigt, daß Männerüberschuß aufgrund des ungestillten Aggressions- bzw. Befruchtungspotentials unweigerlich in Kriege mündet. Das alte Mengenverhältnis könnte sich also bald wieder herstellen.

***