Dieses Blog durchsuchen

Posts mit dem Label Schneider (Ceslaus Maria) werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Schneider (Ceslaus Maria) werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 24. Mai 2022

Gegen den Pantheismus gesagt

Nun kann man zwar sage, daß auf eine Weise das Nicht-sein in einem Ding enthalten ist, aber nicht auf die Weise, daß man das Nicht-sein als SUBSTANZ auffaßt. Das Nicht-sein "ist" also nicht auf die Weise des Seins, sondern nur als Dazugedachtes. Es "gibt es nicht", sozusagen, nciht als reales Ding, oder als positive weil reale Eigenschaft. 

Es ist aber das, weshalb (nicht: wodurch!) wir ein Ding erkennen. Denn durch sein Sein erkennen wir es nicht, das Sein übersteigt uns immer. Wir erkennen auf die Weise des Verstandes bei keinem Ding direkt, "was" es ist. Wieweit etwas am Sein teilhat, auf welche Weise, das erschließt sich nun aber durch das, was es nicht ist.

Keine Hyäne käme auf die Idee, eine Giraffe zu sein. Und würde sie das behaupten, dann unterliegt sie entweder einen Irrtum, oder sie lügt. Niemals aber kann eine Hyäne dadurch definiiert und im Verstande erkannt werden als man sagt, sie sei alles Sein, das nicht-nicht ist. Dieses wäre völlig unerkennbar und unbegrenzbar. Es fällt also auch nicht "zusammen", als wäre das Nicht-sein "eine wirkliche, wirkende Weise des Seins."

Und es wäre auch genau so falsch verstanden, als würde die Substnaz eines Dinges als "nur in der Beziehung seiend", und sonst "nicht"! Vielmehr ist die Beziehung eine Bedingung, unter der ein Ding "seiner Art nach" sein (und deshalb überhaupt real sein) KANN (aber nicht einmal muß, wie beim Menschen, der das sogar bewußt verweigern kann.) Seine Substanz hat ein Ding immer, es ist die Ursache seines Daseins (als Anteilhabe am absoluten Sein), das immer ein Dasein "als Etwas" ist, das wir als "für Etwas, das nicht es selbst ist" erkennen. 

Insofern ist die Beziehung, in der jedes Ding steht, eine Aufforderung zum Seiend-sein, und eine Aufforderung auf seine (bestimmte) Weise zu sein, weil er seinen Platz in der Ordnund des Wissens Gottes hat. Der Frosch hüpft nicht über die Wiese, um die Blüten des Marillenbaumes zu bestäuben, und er wird es auch nie "lernen" oder verlegenheitshalber übernehmen, weil die Bienen gerade Lohnstreik haben. Das kommt nurin den Märchen des Ambrosius vor, liebe Kinder.

Sonntag, 9. Mai 2021

Neulich vor einem Jahr (3)

Teil 3) Kapitalismus wird oligarchisch wie der Kommunismus


Das ist jenes Prinzip, in dem der Stärkere, der nun nur noch ein Skrupelloserer ist (somit der von "christlich-ethischen Werten, die die Rücksicht auf den Schwächeren kraft des Hauptgebotes der Nächstenliebe verlangt, befreitere") sich nicht nur durchsetzt, sondern in einem ständigen Wettbewerb mit dem anderen in einem Prozeß der ständigen Akkumulierung von Geld und Kapital steht. Weil immer nur der Stärkere übrigbleibt, der zugleich dann auch der mit weiter konzentrierterer Kapitalmacht wird, die sich von selbst in politische Macht umsetzt.

Samstag, 8. Mai 2021

Neulich vor einem Jahr (2)

 Teil 2) Ein gemeinsamer Feind - die bürgerliche Ordnung


Eine Ordnung, in der sich nicht nur alles von selbst fügt, sondern dem Gesetz der Evolution nach, der Stärkere siegt und siegen muß. Denn nur so ist der Fortschritt im Sinne einer sinnvollen Evolution gewährleistet. Der niemals dulden kann, auch wenn er es vorgibt, daß das Schwache den Gesellschaftston maßgeblich bestimmend existiert. Dies alles sind keine Zuspitzungen, sondern es sind im liberalen Weltbild IMPLIZIERTE Resultanten. Und das heißt, daß er sich immer nicht nur dorthin entwickeln wird, sondern daß diese Ziele mit der Zeit immer wieder explizit werden.

Freitag, 7. Mai 2021

Neulich vor einem Jahr (1)

QR Schießt Reiche tot

Es war der März 2020, als sich bei einer Parteiveranstaltung der deutschen, im Parlament in erklecklicher Zahl vertretenen Partei "Die Linke" diese Szene abspielte: 

Freitag, 20. März 2015

Denken nach Art der Vernunft

Aber ist es nicht, schreibt da Leser R, unzulässiger Psychologismus, etwa die Klimapropheten bestimmter Richtung charakterlicher Dispositionen zu zeihen? Wie komme der Verfasser dieser Zeilen zu dieser Behauptung, die sich doch gar nicht belegen lasse? Sei das nicht der Versuch der Verleumdung?

Diese Behauptung, werter Leser R, steht, so antwortet der VdZ, auf weit tieferen Überlegungen, als quasi persönlicher Voreingenommenheit und dem Versuch, unliebsamem Widerspruch durch fiktive Anmeldung persönlicher Bedenken Zweifel auszulösen, um Glaubwürdigkeiten zu verändern. 

Denn der Mensch, auch ein Wissenschaftler, erkennt nur im Maß und in der Gestalt seiner persönlichen Vernunft. Die nämlich ein Vermögen ist, kein einfach festzulegendes Inhaltliches. Die Wesensform einer menschlichen Vernunft sagt also sehr wohl etwas darüber aus, welcher persönlichen Verfaßtheit und Motivlage sich ein Mensch bedient bzw. von welcher er bestimmt ist.

Nun ist es so, daß sich dieses Vermögen der Vernunft nur am Einzelnen insoweit festmachen kann, als es im Einzelnen ein Wesensbild erfaßt. Das vom Einzelnen repräsentiert wird, aber nicht einfach im Faktischen erkennbar ist, sondern daraus abstrahiert werden muß. Der Mensch erkennt nämlich nur Allgemeines, das sich im Einzelnen repräsentiert, wenn es auch nie ausschöpft.  

(Die Erkenntnis liegt also nicht "in" der Materie, im Stoff, in dem sich etwas zeigt, sondern in der dahinterstehenden Idee, die im Einzelnen, immer bedingt von Ort, Beziehungsgefügen etc., individuell wird. Und nur individuell, weil es das Allgemeine an sich nicht konkret gibt, ihm kommt keine Realität zu. Vielmehr ist das Einzelne nur als Einzelnes Träger des Wirklichen, sofern es dem Allgemeinen als Urbild entspricht. Simples Beispiel: Eine Pflanze mit Hühnerbeinen wird nicht als Pflanze bestehen können, es gibt sie nicht. Sie besteht nur, wenn und soweit sie dem Urbild Pflanze entspricht, und das Konkrete an dieser oder jener Pflanze erzählt von diesem Ringen um die Abbildhaftigkeit vom Urbild.)

Seine Aussagefähigkeit bzw. die Aussagefähigkeit des Erkennenden beschränkt sich also darauf, was etwas sein KANN. Nur wenn man abschätzen kann, daß sich dieses oder jenes so oder so verhalten KANN (oder: könnte), kann man von Erkenntnis sprechen. Im Einzelnen verbleibend, wäre das keine Erkenntnis, niemals könnte von einem Einzelnen weiter geschlossen werden. Der Mensch wäre reiner Kollektor von Einzeldingen, die sich durch nichts verbinden ließen. Das das Einzelne Verbindende, das Allgemeine also, ist es, was wir erkennen.

Zugleich läßt sich sagen, daß man etwas nicht erkannt hat, wenn man nicht sagen kann, wie es sein könnte oder kann! Dann fehlt dem Erkennenden einfach das Urbild, nach dem sich das Einzelne ausstreckt (in seinem Sosein, das zuerst ein Seinwollen durch Konkretion und Urbildentsprechung ist.)

Dazu muß der Mensch sich also in seiner eigenen Vernunftfähigkeit diesem Allgemeinen öffnen, er muß daran teilhaben: seine Vernunftfähigkeit ist also die Fähigkeit, allgemeine Bilder nicht nur zu tragen, sondern mit diesen identisch zu sein.² Das macht das Erkennen bzw. Erkannte im Menschen mit dem Objekt des Erkennens identisch - es macht die EINE Vernunft. 

Vorausgesetzt, es gibt dieses Urbild. Und bedenkend, woher dieses Urbild stammt. Wissenschaft kann sich also nur auf tatsächliche Urbilder berufen. Sonst wird sie zur bloßen Phantasie, wobei diese Phantasie das Urbild, auf das sich derjenige Wissenschaftler, der ja solcher dann nicht mehr ist, bezieht.

Wenn der Mensch wie im Falle des Klimas also gar nicht weiß, was Klima überhaupt ist (weil es "das Klima" gar nicht real gibt, es gibt nur Wetter), er das Urbild also gar nicht kennt, gar nicht weiß, wie es wirklich "funktioniert", wie es ist, so kann er nur spekulieren, wie es sich entwickelt, weil er zuvor spekuliert, wie es "ist". Dieses Phantasieren, das es dann ist, drückt nun aber ohne jeden Zweifel jene Bilder aus, die die Struktur seiner Vernunft repräsentieren. Denn im Einzelnen läßt sich offenbar NICHT auf Weltklima etc. etc. schließen. 

Der solcherart "Prophezeiende" verrät also, auf welchen Grundannahmen er seine Phantasie spielen läßt. Und damit verrät er die Struktur seiner eigenen Persönlichkeit.  Denn jede Vernunft streckt sich nach dem aus, was es als Gut, als Ziel erfaßt.

Deshalb lassen sich in den Klimapropheten bestimmten Couleurs (Ihr Begriff, werter R) sehr klar charakterliche Dispositionen bestimmen. Selbst die Vermessensten müssen ja zugeben, daß sie im Grunde nichts oder "viel zu wenig" verstehen, um Klima zu verstehen. Damit liegen immer sehr persönliche Dispositionen (als Motive, ein Bild zu entwerfen, haben sie ja kein objektives, allgemeines Bild, auf das sie sich beziehen, sprechen sie vom konkreten Klima) jenen (nunmehr offen so nennendenden) Phantasmata zugrunde, die jemand als Urbilder herbeizieht, formuliert er aus einer Nicht-Kenntnis ein Mögliches.

Also zeigt sich in den Klima-Weltuntergangspropheten auch eine entsprechende Disposition einerseits, sowie anderseits eine Neigung, die konkrete Welt zu sehen. (Ob das gut oder schlecht ist, ist da ohne Belang. Daß es gut sei, das behaupten diejenigen ohnehin.) 

Damit wird es einfach, denn nun läßt sich sehr leicht zeigen, daß hinter diesen subjektiven Vorstellungen ein Bild von einer Welt liegt, das einerseits mechanistisch ist, und zwar oft von der einfachsten Sorte, die Welt also als recht einfachen mechanischen Apparat sieht, das weiters den Sinn der Welt mit inhaliert, weil es eine Entwicklung qualifiziert,  und das ferner aus Nichtwissen heraus eine Verfügungsmacht des Menschen postuliert, die einmal zu begründen wäre angesichts einer Situation, in der sich die Möglichkeit der Lenkung von Wetter oder Klima in nichts nachweisen läßt, ja die Erfahrung strikt dagegen spricht: Nichts am Wetter ist vorhersagbar, nimmt man kleine, beschränkte Einzelzusammenhänge und Erfahrungswerte aus, sodaß Einzelvorkommnissen gewisse und sehr beschränkte Wahrscheinlichkeiten unterlegt werden können.*

Der Eindruck mag täuschen, geschätzter Leser R, aber dem VdZ kommt es so vor, daß sich deshalb ein immer größer werdender Teil der Klimakatastrophenwarner und -propheten gar nicht mehr die Mühe macht zu verschleiern, daß sie im Grunde eine Änderung des menschlichen Lebens, der Gesellschaften wollen. Und zwar gleich weltweit (wofür die Metapher vom "Weltklima" ja alles hergibt). Denn nur auf "wissenschaftliche Klimaforschung" läßt sich einfach gar nichts von dem aufbauen, was da von der Politik gefordert wird, und dem gemäß sich das gesamte Leben und Wirtschaften weltweit ändern sollte weil "müßte". Immer mehr Klimapropheten öffnen ihr Visier und beziehen sich gleich und direkt auf eine Veränderung der Lebensweise als Forderung. Worum, so der VdZ, es ihnen ja immer nur ging. Und so wird noch mehr erkennbar, welchen utopischen Geistes Kind da entschlüpft ist und sein Unwesen treiben möchte. 

Wie ein erst jüngst auf den Tisch des VdZ gewandertes Büchlein**, in dem die sich auf akademischeste Weihen stützenden Verfasser eigentlich nur noch von neuen Wirtschafts- und in Wahrheit alten sozialistischen, ja marxistischen Gesellschaftsmodellen sprechen. Die sämtlich mit utopistischem Einschlag (weil nunmehr "vernünftig") nicht geizen, und im Grunde alte Phantasien von Umverteilung und "Gerechtigkeit", noch mehr aber einen aberwitzigen Weltbeherrschungswahn aufkochen.*** Und welchen Charakters, von welcher Persönlichkeitsstruktur, welcher Wirklichkeitsbeziehung und welcher Weltanschaulichkeit Menschen mit diesen Forderungen sind, darüber muß an dieser Stelle kein weiteres Wort mehr verloren werden.




²Diese Aussage läßt sich am Beobachten von Kindern, deren Wachsen in der Erkenntnis, ausgehend vom Identifizieren mit Wesensbildern, deren Ergreifen aus der Nachahmung etwa, hervorragend verifizieren.

*Wovon ja die Wettervorhersage lebt. Es wäre so nebenher interessant zu prüfen, wieweit die jahrhundertealten Bauernregeln außer Kraft sind; was vielleicht, wenn schon, ein Indiz für Änderungen wäre. Die wenigen Regeln, die der VdZ kennt, stimmen aber nach wie vor.

**Möglicherweise wird der VdZ darüber hier noch berichten, er kämpft momentan mit einem Buch, das eigentlich einer Befassung gar nicht wert wäre, aber vielleicht als Symptomatik verwertet werden kann.

***Die Regel ist simpel, aber umso zutreffender: Je weniger Wirklichkeitsmacht den (meist einfach narzißtischen) ungewirklichten Selbstansprüchen entspricht, desto größer und umfassender und totalitärer werden eines Menschen Machtansprüche. Eine in einem Zeitalter kastrierter Männer und entweiblichter Frauen - wo also schon grundlegendste Wirklichungspotenz fehlt - wahrlich beängstigende, im Alltag dabei unentwegt verifizierbare Erkenntnis. Oder was sonst steckt dahinter, wenn sich Millionen bemüßigt fühlen, dem Papst twitternd Ratschläge oder Zuspruch zu geben, oder sich in Weltpolitik einzumischen?





***


Mittwoch, 18. März 2015

Worin Irrtum beruht

Der Irrtum beruht [...]

- darin, daß der rechte Weg im Vernunftvermögen vorliegt, von dem abgewichen werden kann oder auf dem gewandelt werden kann; und demzufolge ist es auch durch fortgesetzte Beobachtung wieder möglich, den Irrtum zu berichtigen; denn dieser rechte Weg der allgemeine Erkenntnisgrund im reinen Vernunftvermögen, bleibt trotz des vollendeten Irrtums ganz derselbe.

- darin, daß die Verbindung des Wesens mit dem wirklichen Sein außen eine zufällige, nicht aus dem Wesen selbst sich ergebend,e sondern von den äußeren einwirkenden Ursächlichkeiten abhängig ist, wonach das Wesen also nicht immer ganz und gar dieselben Erscheinungen bietet, sondern je nach seiner Natur selbst entgegengesetzten 'Einflüssen zugänglich ist. Je weiter somit das Wesen, desto verschiedenartiger seine äußere Erscheinung und desto leichter der Irrtum.

- darin, daß dieser oder jener einzelne Sinneseindruck zu bewältigend ist im Vergleiche zu den anderen, die alle auch nur Einzelheiten darstellen, sodaß die in der Vernunft dirigierende Form nicht gleichmäßig durchdringt und so vorschnell zu Gunsten einer bestimmten Einzelnheit das schließliche Urteil erfolgt. Dies letztere ist der Grund des Irrtums zumal bei Kindern, bei von Leidenschaften beherrschten Personen und schließlich bei Wahnwitzigen.


Ceslaus M. Schneider, in "Das Wissen Gottes nach der Lehre des Hl. Thomas v. Aquin"




***

Mittwoch, 11. März 2015

Der Ritus geht dem Erkennen voraus

Jedes Ding hat eine eigene Substanz, eine Natur, auf der sein Sein beruht. Doch weil diese Substanz ein Vermögen ist, ein Vermögen an sich aber nicht erkannt werden kann, weil es keine erkennbare Wesensform hat, erkennen wir die Dinge nur nach ihrem Aspekt in der Vernunft. Zu verstehen gewissermaßen als Strukturteil der Vernunft selbst. 

Deshalb vermögen wir die Dinge nur soweit zu erkennen, als wir selbst uns von der Vernunft umfassen lassen, an ihr teilhaben, uns ihr öffnen.

Es sind also nicht die Vielheiten der Dinge an sich, als einzelne Substanzen, die uns erkennen lassen. Ein Mensch vermag viele Dinge als Einzelne "zu kennen" - und doch nichts zu erkennen. Sondern er erkennt im Maß seiner Vernunftangeglichenheit. Dort liegt auch die objektive Wahrheit.

Die objektive Wahrheit eines Dinges erkennen heißt nicht das Ding erkennen, je nachdem es sein Sein hat, schreibt C. M. Schneider in "Das Wissen Gottes" deshalb. Sondern das heißt es erkennen, weil und insoweit die innerste Natur dieses einzelnen Seins innerhalb der Vernunft als bestimmende Form, als species intelligibilis sich vorfindet.

Erkennen heißt man also, wenn (und soweit) die Form der Vernunft der innersten Natur der Erkenntnisobjekte gleicht.

Deshalb kann es gar kein Erkennen der Dinge außerhalb der Poesie geben, und kein Mensch erkennt auf andere Weise. Das urteilende, einteilende, vergleichende Vermögen des Menschen dient lediglich der Herstellung der Übereinstimmung von Vernunftform mit Vernunftform.

Auch von dieser Seite her beleuchtet ergibt sich also der direkte Zusammenhang von Sittlichkeit mit Vernunft und Vernunftfähigkeit, von Erkenntnis als sittlicher (nicht primär oder reduziert "intellektueller") Leistung. 

Nur das poetische Herz vermag zu erkennen. Und jedes Ding vermag nur insoweit erkannt zu werden, als es diese Poesie selbst darstellt. 

(Querverweis 1: Jedes Ding vollzieht sich in "Ritus und Liturgie seiner Natur", sonst fällt es ins Nichts. Alle Dinge beginnen deshalb im Ritus, im Kult, und bleiben nur, soweit und solange sie aus diesem atmen. Woraus folgt, daß der Technizismus alles ins Nichts stößt, nur Scheinhervorbringungen vorzuweisen hat, die bestenfalls aus anderem, gar nicht rekognisziertem Ritus leben.
Querverweis 2: Jedes menschliche Leben beginnt mit einem Fest (s. u. a. Initiationen etc.), in dem das Konstituens, aufgrund dessen er weiterlebt, fleischhaft und von ihm übernommen wird. Ist dieses nicht sakramental, bleibt es nur analog, bestenfalls volatil und voluntaristisch simulierbar. Deshalb zerfällt bzw. stirbt alles, was nicht wie im Menschsein diese Sakramentalität als Quelle des Lebens als Möglichkeit "ewigen Lebens" zu erlangen vermag.
Querverweis 3: Diesen Vollzug setzt Paul Hacker mit dem hinduistischen Begriff des dharma analog. Man wird durch die Berührung mit dem Heiligen selbst geheiligt. Dies geschieht in den überlieferten Riten, den sanskaras als rites de passage, die jeweils einen neuen Lebensabschnitt ankündigen. Sie unterscheiden sich aber grundlegend vom Sakrament, denn sie sind unpersönliche, impersonale "Technik", während im Sakrament die Heiligung nur von Gott her wirksam ist, eine wesenhaft personale Struktur hat, und immer dem freien Gnadenhandeln Gottes anheimliegt, nicht automatistisch passiert.)




***

Donnerstag, 5. März 2015

Materie ist empfangend - oder sie ist nicht

Der Materialismus wie der Pantheismus, schreibt Ceslaus M. Schneider einmal, denken einfach nicht konsequent genug. Denn sie gehen von einer materia prima aus, die keineswegs mehr die reine Möglichkeit ist, sondern setzen an einer bereits mit Form bedachten Materie an. Also einer, die aus der reinen Möglichkeit bereits in ein Etwas übergegangen ist, aus dem sich dann alles weitere Weltsein entwickelt.

Aber Materie kann nur als reine Potenz in ihrem Ursprung gedacht werden. Sie ist die reine Empfänglichkeit, die durch die sich eingießende Form zu einem Etwas wird. Nur in diesem prinzipiellen Zueinander, die sich als Eigenschaft über allen weiteren Gestaltstufen gleichermaßen zeigt, kann die Materie als Erstursache der Welt gesehen werden. Denn aus Möglichem kann nur Mögliches herstammen. Es braucht immer ein hinzukommendes Wirkliches, also im letzten (und ersten) die reine Wirklichkeit, Gott, an welcher reinen Wirklichkeit dann alles Wirkliche Anteil hat, so wie alles Materielle an der reinen Materie Anteil hat. Die damit auch nicht aus sich selbst entstanden sein kann, weil auch die materia prima ein Sein hat, das aber nicht aus ihr selbst stammen kann. Ex nihil nihil fit - Aus nichts wird nichts.

Der reine Stoff, schreibt er, kann nur als rein Empfangendes gedacht werden, das sein Sein erhält. So ist seine Natur, und alles kann nur seiner Natur gemäß handeln. Das in seinem Gestaltwerden aber ein Gebendes voraussetzt. Dieses Gestaltsein ist eben das Sein des Seienden selbst, und es ist deshalb ein grundlegend Empfangendes, das nicht aus sich zum Sein kommen kann, sondern nur aus der Ehe von Form + Stoff, von Akt und Potens.  

Denn die Gestaltwerdung ist der Prozeß, sich mehr und mehr im Sein zu befestigen, sich im Sein in diesem Prozeß des Zueinander zu aktualisieren (wirklich zu werden), und nur so ist auch Entwicklung denkbar. Fällt dieser Prozeß des Empfangens (und Aufnehmens) weg, fällt das Seiende, das Etwas, das Ding - ins Nichts, fällt zurück in die reine Möglichkeit, weil es die Form ablehnt.² Was seine Gestalt verliert, verliert sein Sein.* (Das nur möglich Gebliebene hat aber keine Gestalt.)

Denn jede Gestalt ist selbst wieder eine Informiertheit dieser materia prima. Ob im Stein oder im Tier oder im Mensch, immer sind die vorgefundenen Moleküle und Atome keine für sich möglichen Einzelteile, sondern tragen eine aus der Spitze der Gestalt strömende Informiertheit, als Teil eines Ganzen, das von seinem Zentrum her - der Form, der Idee - eine materia prima, einen formlosen Urstoff informiert, der als Gestalt (Ding) dann Anteil am Sein hat.³

Das, was in der Besitzergreifung (=Tugend, Sittlichkeit) gemeint ist, ist auf dieser Ebene nichts anderes als die vollkommene Informierung aller leiblichen Teile durch den Menschen (in diesem Sinne also Eigentümer) selbst, der SO am Sein teilhat bzw. der Materie Sein gibt. Wobei diese Seele, dieses Prinzip, wiederum dieselbe Eigenschaft als materialer Träger - Geist - hat: Sie empfängt ihr Sein vom Geist, in der Erkenntnis, in der Wahrheit, die ihr durch die Leiblichkeit, das Gestaltsein alles Seienden, vermittelt wird.**

Weil aber der Materialismus wie Pantheismus von einer rein stoffimmanenten Entwicklung ausgehen WILL - denn er WILL den Geber allen Seins, das Sein, Gott, ausschließen - muß er auch von einer bereits die Urstufe überschreiten habenden Materie ausgehen, die vom nur Möglichen (der völlig ohne Form gedachten materia prima) bereits ins Aktuelle übergegangen ist.


***

Das findet sich ja ganz exakt auch in der Quantenphysik, die ja eine Suche nach der materia prima ist. In der die kleinsten Teile der Materie immer mehr zur uninformierten, gestaltlosen Möglichkeit werden. Interessanterweise scheitern auch alle materialistischen Theorien in der Quantenphysik genau daran: daß sie ein erstmaterielles Teilchen annehmen müssen, das bereits informiert IST weil anderes Erstmateriales informiert. Der Regress materialer Verursachung - siehe Aristoteles' Gottesbeweis - ist eben nicht endlos möglich. Materie läßt sich eben nicht als aus kleinsten Teilen zusammengesetzter Komplex vorstellen. Sie ist zuerst reine Möglichkeit. 

Die sogar schon jeder Meßvorgang in eine Form hineinstellt, also zu einem etwas macht, das aus der Herausforderung der Meßmethode und Versuchskonstellation als Hinzukommendes informiert wird. (Meßvorgänge beeinflussen und präformieren selbst das Gemessene.) Weshalb die Quantenphysik zur Mathematik und Erkenntniskritik werden muß, weil sie in jeder Empirie bereits an dieser verändernden Grundvoraussetzung scheitert. Die Physis, die sie sucht, wird sie niemals empirisch finden. Die gesamte Quantenphysik der letzten Jahrzehnte hat aus dieser Sicht nichts anderes gemacht, als eine metaphysisch "immer" schon klare Aussage über die Materie zu beweisen (oder sie erfolglos zu widerlegen versucht). Die Physik wird also immer nur noch kleinerer und noch kleinere Teile finden, weil meßbar nur ist, was bereits informiert IST. Ihr bliebe nur der Ausweg, sich in Metaphysik zu wandeln. Und damit ... wäre sie dort, wo sie bis ins hohe Mittelalter stand. Damit wäre sie dort, wo das Buch Genesis mehr zur Physik beiträgt, als jedes Labor es je vermochte.

***

²Ein Beispiel aus dem Alltag, das das Gesagte illustriert: Wenn ein Schmied ein Stück Eisen mit Hammerschlägen formen möchte, und dieses zerspringt, so sagt er: Das Eisen sträubt sich. Oder: Es ist spröde. Dieses letztere Wort wird (im Sinne von: widerständig, widerwillig) auch für einen Menschen verwendet, der sich nicht fügen will: er will eine Form nicht annehmen und zur Gestalt bringen.

³Gott Vater - und es ist durchaus zulässig, es gleichnishaft auf den physischen Vater in der Zeugung zu übertragen, so wie der Same das Ei informiert, so wie der Sprechende, Nennende, den aufnehmend Hörenden informiert (das Wort Materie kommt von mater/Mutter) - ist also der "Informierende". Jesus sagt selbst deshalb, daß er nur das sage, was er vom Vater gehört habe.

*Diese Grundaussage läßt sich sofort überführen in recht konkrete Probleme der Gegenwart. Wenn etwa die Pädagogik die Menschen durch auflösen ihrer Herkunftsidentität zur reinen Möglichkeit zurückführt, fördert sie auf der einen Seite die Gier nach Informiertheit (der junge Mensch nimmt also wahllos weil urteilsentmündigt auf und läßt sich formen), weil sie auf der anderen Seite den jungen Menschen ins Nichts des "alles ist möglich" zurückwirft. Daß in so einer Grundhaltung der Erziehung natürlich auch Allergien, Autoimmunkrankheiten, seelische Phänomene der Desintegration (wie ADHS) immer stärker auftreten, ist logische Folge. Das, was heute als "Erziehung zur Kritikfähigkeit" schon in jüngsten Jahren angewandt wird, ist deshalb eine perverse Kombination von Indoktrinierung und Desintegration aus allen identitären, mitgebrachten Informationsgeflechten. 

Die Folge ist ohne jeden Zweifel eine innere Spaltung des Menschen, und zwar aus der Unwahrheit der nun erfolgenden Information durch Formeinströmung (weil es somit ja auch den Mythos der Gegenwart, die präfigurierte Person, gibt, in der "jeder Mensch ein Genie" mit für sich stehenden "Talenten" wäre, oder ähnliches, sodaß das durch den Erziehungsprozeß Informierte (Selbst) in Widerspruch zur menschlichen Natur gerät, der nur äußerst schwer vom Betroffenen aufzulösen ist, weil er sehr früh bereits in positivistische Konstrukte wie in eine Zwangsjacke eingesperrt wird. Die heutige Erziehung des Rückgriffs auf das "alles ist möglich" (s. u. a. Rousseau) macht also genau das, was zu verhindern sie vorgibt: Sie lähmt die Freiheit der Menschen, und preßt sie in ideologische Konstrukte, die sie als "Freiheit" etikettiert: der sich so noch "frei" bezeichnende Mensch ist aber nur noch jemand, der das Etikett "Freiheit" als Schlüssel zur Entformung vor sich her zu tragen gelernt hat.

**Was als Hölle zu verstehen ist, ergibt sich also aus dem Verlust der Fähigkeit, zur Gestalt zu kommen beziehungsweise am Sein teilzuhaben (was somit eben auch als "völlige Absenz von Vernunft" verstanden werden kann, wie es der VdZ in einem seiner Theaterstücke darlegt). Der Höllenbewohner bleibt gewissermaßen in der Möglichkeit, weil er mangels Vernunft nicht am Sein (des Selbst als Seiendes) teilhat. Theresia von Avila hat eine ihr zuteilgewordene Höllenerfahrung genauso übrigens beschrieben: Als totale Eingemauertheit. 

Die Klaustrophobie sowie das unsägliche, leicht wahnsinnig machende Gefühl das in einer eng anliegenden Zwangsjacke entsteht oder jenes, wenn man in einem ganz engen Rohr steckt, machen diese ontologische Tatsache erfahrbar. In dieselbe Kategorie, nur methodisch umgekehrt, fällt das Experiment, in dem man (vor etlichen Jahren) Versuchspersonen in Räume eingeschlossen hat, in denen alle sinnliche Erfahrung (außer Tastsinn) fehlte: dunkel, schalldicht etc. Nach etlichen Stunden mußte es abgebrochen werden, weil einige am Rande des Wahnsinns waren. Deshalb ist es eine beliebte Foltermethode, auch des CIA (der, wie bekannt wurde, Terrorverdächtige in enge, dunkle Kisten einsperrte). Wie sich also Menschen im Zustand von eingefrorenen Embryonen fühlen müssen, wie sich das auf ihr späteres Leben auswirkt, wenn sie wieder aufgetaut werden um sich zu entwickeln, mag man sich selber ausmalen, das nur nebenbei.




*050315*