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Samstag, 22. Oktober 2022

Der Leidende leidet nur (2)

Die Ablenkung vom Sinn. 'Kein Mitleiden - Nur eine Gruppe macht deshalb das Leiden der Leidenden unruhig. Eine Gruppe, die ihre Stunde gekommen sieht, den eigenen Machtanspruch zu rechtfertigen. Wie diese erwähnte Intellektuellengruppe. Die dnan eifrig darüber beriet, wie man Strukturen und welche aufbauen müßte, um das Volk aus der Misere zu führen. Und dazu wollten sie noch mehr agitieren, um noch mehr Volk auf die Straßen zu bringen.
Damit jedoch wird mit dem perfidesten aller Tricks gearbeitet: Mit dem Winken mit einer Standeserhöhung durch Tienahme am Aufstand der Intellektuellen, die sie - wie Gott, wie das, was am Horioont der Intellektuellen steht - vonihrem Leid befreien wird. Ganz ohne Gott. Ganz ohne Leiden.
Es gibt dieses Volk nicht, und alle die Aufrufe, die von Millionen schwärmen, die angeblich diesen deutshcen Herbst und Winter unter die freien Himmel der Stäte und Dörfer treiben würden, die gibt es nicht und die wird es nicht geben.

Freitag, 21. Oktober 2022

Der Leidende leidet nur (1)

Wieder habe ich es gehört. Wieder haben Intellektuelle in einem hochgelahrten Disput über die Gegenwart davon gesprochen, daß diese und jene Untätigkeit der Regierung eingetreten und zu befürchten" sei, und daß diese damit immer näher dme Punkt käme, an dem dieMassen aufstünden, auf die Straße gingen, und ihr Brot forderten.

Ich weiß nicht, was es war, aber diesmal stand es in großen Buchstaben vor meinen Augen. Diesmal sah ich klar, was da betrieben wurde, und warum.

Denn ich sah diesmal, daß sich dieses Schema seit Jahrund Tag udn Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden, wiederholt. Denn was diese Gelahrten und Intellektuellen da brabbelten, war alles andere als eine Beschreibung der Wirklichkeit, die angestochen wurde, und nun vor dem Ausströmen stehen soll. 

Dieses Imperativische der Worte ist nie zufällig gewählt. Sollen ist ein Befehl,  ein Imperativ, von dem die Imperatoren hoffen, daß er befolgt werde. Von wem? Von den Eliten. Anführern und Politikchefs, zu denen sie selbst nicht gehören.  Und von denen, denen sie angeblich Gutes tun. Ist das aber so?

Mittwoch, 28. September 2022

Transhumanismus - Gesundheit als Pflicht

Wem es noch nicht klar war - nun muß es ihm klar werden. Er findet hier nämlich einen Ausschnitt aus einem offiziellen Text der kanadischen Regierung. Darin geht es um nicht weniger als um die "wissenschaftlich NEUE Definition von Leben." Die Folgen für die Art, mit dem Menschen umzugehen, leiten sich aus der Art ab, wie man ihn sieht. 

Dieser Definition nach (die ich leider tatsächlich bei den jungen Menschen - vor allem bei jenen, die mehr "gebildet" sind  - bereits als allgemein finde) ist der Mensch auch an keine absolute Wertvorstellungen gebunden, sondern nach Belieben manipulierbar. Damit gibt es auch keine Moral mehr, so sehr das natürlich bestritten wird. Das verstehe man nur nicht. "It's science."

Mittwoch, 29. Juni 2022

Vom Untersten zum Obersten gewendet

Ich gestehe: Wieder und wieder habe ich mich bemüht, das Wesen der sogenannten "Kryptowährungen" zu verstehen. Wieder und wieder hbe ich dzau gelesen, habe Videos durchgesehen, aber was ich allerhöchstens erhalten habe ist, "wie er funktioniert". Ohne daß ich jemals eine Erklärung dafür erhalten hätte, WAS da funktioniert. Und nun werfe ich sogar das Handtuch, weil ich nun begriffen habe, daß es da gar nichts zu verstehen gibt.

Denn bei Bitcoins oder wie immer dieses bloße Spekulationsgebilde noch genannt wir ist der Trick der ungemien wortreichen "Erklärungen", die man zu hören bekommt nur die Tatsache, diese Wahrheit zu verschleiern. 
Ich habe an der falschen Stelle gesucht, habe mich vom Etikett täuschen lassen, auf dem steht "Geld" und "Währung". Und da konnte ich natürlich nie Zutreffendheit finden. 
Denn das geht auch gar nicht anders. Man kann dieses Kryptogeld nämlich nicht einmal als Geld und damit auch nicht als Währung bezeichnen. Es ist ein Pyramidenspiel MIT DEM VORHANDENEN GELD, und insofern Betrug, der auf dem Mangel an Realitätserleben der Menschen aufbaut und "neuen" Wert vormacht, wo aber gar keiner ist bzw. dieser nur durch unabwägbares Glück - den "windfall" - entsteht, und sofort in die herkömmliche, angeblich "überwundene" Geld- und Wertewelt rückgeführt werden muß, ehe er verpufft. Weil der Tag kommt, an dem alles auffliegt.

Samstag, 19. Juni 2021

Der Atheist denkt kurzfristig erfolgreicher (3)

Warum war das den Deutschen selber nicht eingefallen?Weil man "das nicht tut". Niemals wäre es einer ehrbezogenen Armeeführung noch der Väterepoche - den Wahnsinn haben erst wir Söhne und wie erst unsere Söhne zum absoluten Schrecken perfektioniert - eingefallen, den Kopf der gegnerischen Armee abzuschlagen. 

Kein Feind (der ab dem Kriegsende wieder zum Freund, bestenfalls zum Gegner in Interessen wurde) wurde restlos vernichtet, und kein Krieg mit dem Ziel geführt, den gegnerischen Feindesstaat zu vernichten, ja auch nur zu destabilisieren. Wenngleich auch die Zeit der 1930er, 1940er Jahre das Edle, das erst auf der breiten Straße der Heiligkeit seinen Wert über das Hinweisende hinaus erreicht, bereits zum Singulären machte. Das System war auf anderes ausgerichtet. Auf Effizienz, auf Modernität, auf vollkommene Unmenschlichkeit und Naturwidrigkeit, die sich dann als "sozial" und "ökologisch-nachhaltig" tarnt.

Das Gesetz, daß der Zweck - der Sieg, und sonst nichts! - alle Mittel heiligt, war aber immer für einen Christenmenschen inakzeptabel. Denn das Ausgehen eines Krieges als eines großen Insgesamt liegt wie bei jedem komplexen System immer noch in der Hand Gottes. Jeder anständige Feldherr (darunter sogar Namen wie Napoleon) wußte, daß man in Schlachten nur den ersten Schlag planen kann. Ab da nehmen die Dinge ihren eigenen Lauf, und man kann nur noch reagieren.

Dienstag, 8. Dezember 2020

Die realen Folgen der Erbsünde

In dem Video unten spricht Dr. Peter Borger, seines Zeichens Wissenschaftler, Molekularbiologe, seit fünfundzwanzig Jahren im Bereich der Genforschung tätig, und Mitarbeiter beim Menschliches Genom Project HUGEN, das bis zum Jahr 2000 mit dem ungeheuren Aufwand von dreihundert Millionen Dollar das menschliche Genom entziffert hatte. Und seither im Programm ENCODE an der Zuordnung der Gene zu Funktionen forscht. Man hofft, diese nächste Stufe bis in fünfundzwanzig, dreißig Jahren abschließen zu können. 

Ganz besonders interessant wird es - wir schreiben das für die Ungeduldigen unter uns; denen dann freilich die wirkliche "Erweiskraft" des Vortrags, in dem die Wirk- und Funktionsweise des menschlichen Genoms recht anschaulich erklärt wird, fehlt, das muß man schon dazusagen, die sich beim Vorschalten also des wirklichen "Aha!!"-Erlebnisses bringen, das sie nur noch Dr. Borger (oder dem VdZ) "glauben" können - nach rund einer Stunde am Video. Wo es um die echten Konsequenzen aus den Tatsachen der Genforschung geht. 

Denn soviel läßt sich bereits jetzt sagen: Auch der Mensch unterliegt der Entropie. Im Durchschnitt hat jeder Mensch fünfzehn kaputte Gene. Das heißt, Gene, die bereits "tot" sind, keinerlei Funktion mehr haben. 
Wobei sich bei jedem Menschen noch weitere hundert kaputte Gene finden, das heißt, Gene, die nicht mehr funktionieren, von Vater oder Mutter übertragen werden, und erst in dem Moment eine der berühmt-berüchtigten Erbkrankheiten (schwerer oder leichter) hervorrufen, die wir kennen.

Insgesamt fällt auf, daß das menschliche Genom in sehr schnellem Tempo verfällt. Das wird nur durch Selektion (sic!) etwas verzögert: Genetisch offensichtlich beschädigte Menschen pflanzen sich aus ganz natürlichen Gründen weniger fort als Menschen ohne solche offensichtlichen Schäden.*

Deshalb schießen wir sofort weiter über das von Borger definierte Ziel. Deshalb nämlich gibt es in der Bibel die Berichte über die ursprünglich so hohen Lebensalter! Von Adam bis Noah wurden die in der Bibel angeführten Patriarchen noch durchwegs neunhundert und mehr Jahre alt. Noah schaffte es ebenfalls noch auf neunhundert Jahre. 

Doch dann kam die Sintflut. Und mit ihr ein solcher Einschnitt in die Erde und ihre Lebensbedingungen, daß das Lebensalter durch Erbschädigungen rasant verfiel. Abraham, ein paar Generationen später wurde schon nur noch hundertsechsundsiebzig Jahre, und weiter und rascher und immer weiter zurück ging es, mit dem Lebensalter. (Auch heute, übrigens, ist die Zunahme der Lebensalter eher statistischen und technischen Feinheiten als einer wirklichen Verlängerung der Lebensdauer beizumessen.)

Legt man aber die mathematische Kurve über die Lebensalter, wie sie durch die Bibel überliefert sind, muß man verblüfft zur Kenntnis nehmen, daß sie fast exakt mit einer aus der Mathematik entstandenen Kurve übereinstimmt, die aus der errechneten exponentiellen Abnahme der Lebensalter aus den erwähnten Erbschäden aus dem Prinzip stammt, wie es das Erste Thermodynamische Grundgesetz - Sie wissen schon, das Gesetz der Entropie, demgemäß "alles zerfällt, wenn ihm nicht Energie zugeführt wird" - nahelegt.

Seit Joshua hat sich dieser Rückgang etwas verlangsamt, und pendelte sich allmählich um die hundert Jahre Lebensalter für den Menschen ein. Älter als einhundertzwanzig Jahre, das ist heute sicher, kann man aber nicht werden, denn das würden die Lungen nicht mitmachen.

Die Häufung von schwach-schädlichen Mutationen aber hat vor etwa fünf- bis sechstausend Jahren angefangen. (Tennessen et al. in einer Studie, veröffentlicht in Science.) 
Das heißt - mit oder nach der Sintflut. Mit den Ereignissen, wie sie uns durch die biblischen Berichte über Noah übermittelt werden. Seitdem der Mensch immer kürzer lebt. Weil er in seinem Erbgut verfällt.

Die Schlange im Paradies (hier wieder OT Berger) hat ja nachgefragt, als Eva meinte, Gott habe ihr gesagt, daß sie nach dem Genuß der Früchte von DIESEM Baum STERBEN würden. 

Wirklich, fragte da die Schlange? Hat er wirklich gesagt, ihr werdet sterben? Ja, aber nicht SOFORT. Sondern an den Folgen der Erbsünde, an der erblichen Degeneration. An der Selbstauslöschung durch die allmähliche Summierung der Folgen Eurer Sünde, die ihr von Generation zu Generation weitergebt.

Das humane Genom zerfällt langsam und allmählich. Deshalb wird über kurz oder lang die gesamte Menschheit sterben. Das ist überhaupt keine Frage. Und das wissen wir auch. Aber wir sollten es endlich in aller Deutlichkeit und in allen Bereichen sehen. 

Geht man in der Zeitreihe weiter zurück, findet man - ganz im Gegensatz zur Evolutionslehre - kaum Mutationen (Allele). Das beginnt erst vor rund sechstausend Jahren. 80 bis 90 Prozent der Mutationen sind überhaupt erst seit rund fünftausend Jahren generiert worden. Das kann man mit großer Sicherheit aus dem Genbefund aussagen. 

Ein Schmankerl der Erhellung findet der Leser übrigens noch bei 1:08' Stunde, wo Borger die Genome Bereichen zuordnet. Er lasse sich überraschen. Ein Gutteil der Erbinformationen (darunter das, was man bislang noch als "Junk-DNA" bezeichnete, die es natürlich gar nicht gibt, wie man heute weiß) dient übrigens dem jungen Menschen. Dem, der erst erwachsen werden muß. 

Dem liefert er hinlängliche Informationen, um sich im Rahmen des "humanen Erbes" zu entwickeln. Mit einem Schwerpunkt für jene Zeit, in der sich der Embryo im Mutterbauch entwickelt. Wo er noch nicht durch Anstoß von außen, sondern aus innerem Impuls heranwachsen muß. 

Die Transzendierung ist das Element, das ja erst allmählich im Leben eine Rolle zur Entwicklung des Ich spielt. Und sollte im Erwachsenen überhaupt "Lebensprogramm" sein bzw. das heißt dann erst Erwachsenheit. In der Haltung des Hinausstreckens zum Sachlichen, sozusagen. 

Alles, was wir heute als "Beweis" für Evolution heranziehen - die Finken auf Galapagos, oder die Barsche im Tanganjikasee - haben sich zwar (richtig) innerhalb der letzten paar tausend Jahre entwickelt. Aber sie alle haben keine neuen Informationen benötigt! Sondern sich im Rahmen des vorhandenen Erbgutes VARIIERT oder besonderen Bedingungen gemäß SELEKTIERT. 

Aber es bleibt wenig Raum. Denn für mehr als achtzig Prozent des menschlichen Genoms weiß man bereits, was sie für Funktionen hat. Auf keine kann verzichtet werden. Und das war der Stand, so Peter Borger, im Jahr 2012.

Die Aufgabe der Wissenschaften ist es aber, die Funktion der Natur zu erforschen. Und nicht, absolute Wahrheiten zu konstruieren. Deshalb hat ENCODE recht, und Darwin liegt falsch.

 

Video von den (empfehlenswerten) Youtube-Seiten von Wort + Wissen


*Hoffentlich ruft das nicht die anglo-amerikanischen Elite-Geheimgruppen auf den Plan. Die nun umso energischer an ihrem Eugenik-Programm der NEUEN WELTORDNUNG arbeiten, und zwar jetzt mit offiziellem Auftrag der Weltregierung, um durch gezielte Selektion (Abtreibung, vor allem bei unerwünschten Rassen und Menschengruppen) den Verfall der Menschheit zu bremsen. Als Katechon, sozusagen, nur - in der anderen Richtung. In die des bösen Satans.


*041220*

Samstag, 20. Juni 2020

Not und Elend (2)

Teil 2) Zumindest tendenziell hätte der Standard Recht.
Wäre Bonelli tatsächlich das, was man ihm hier vorwirft.
Aber damit kokettiert Bonelli ja nur, das ist das Problem.


Wenn wie bei Bonelli (und leider so vielen heutigen "Katholiken") die philosophischen, metaphysischen Fundamente für eine liberale Schießbude gebaut wurden, kann nicht der cleverste Identitätsschuster einen "Dom" draufsetzen. Er wird deshalb eine Schießbude bauen, der außen aber potemkinsch bemalte Domleinwände übergezogen werden. 

Man muß hier deshalb die Kritik bei "katholischen" Institutionen anbringen, die diesen Mann mit einer Autorität ausstatten, weil sie ihn in einen Anerkennungsrahmen stellen, der zwar dem Normalzustand heutiger "katholischer Universität" entspricht - eben einem Trojanischen Pferd, dem um Mitternacht die linken, materialistischen und atheistischen Krieger entsteigen, die handstreichartig die Herrschaft übernehmen - mit katholisch und wahr jedoch nichts zu tun hat. 

Denn die in der Wahrheitstradition des christlichen Abendlandes aufgebaute Psychologie unterscheidet sich dermaßen fundamental von Psychologieschustern wie Bonelli, daß man bei dem, was Letzterer betreibt, gar nicht mehr von Psychologie sprechen kann. Es ist eloquent und sophistisch verkleidete Vernebelungs- und Verwirrungstaktik, die - man muß es so brutal formulieren - simple Geschäftsinteressen verfolgen. An der sich aber jeder Mensch guten Willens zum geistigen Tode verschluckt.

Sodaß man hier sagen muß: Tendenziell hat der Standard natürlich Recht! Aber Bonelli gebührt nicht die Ehre, von linken Atheisten als "Gegner", und schon gar als "katholischer Gegner" an den Pranger gestellt zu werden. Daß das geschieht beweist lediglich und einmal mehr, wie dumm Linke sind.

Daß der oberösterreichische Schmuddel-T-Shirt-Psychiater, der in der Corona-Krise durch (für Liberale so typische) nanednana-Videos "Furore" machte und gerade in katholisch titulierten Kreisen wie ein Retter des Vaterlandes gefeiert wurde (samt der immer wieder aufflackernden Aufforderung, eine "Partei" zu gründen), sich nun verteidigt, indem er nachweist, daß er "nichts gegen Homosexuelle habe", und außerdem und überhaupt sei ihm das alles egal, muß dann gar nicht weiter kommentiert werden. 

Es ist erbärmlich, wenn und wie der Mann sich nun "eh als Liberaler" darstellen möchte, und deshalb eine Verteidigung für notwendig erachtet. Denn wie und was jemand glaubt, ist ja doch bloße Privatsache und natürlich verschweigt, wie sehr Homosexualität einen Menschen zerstört, und es schon deshalb problematisch ist, das zu verschweigen (wobei Bonelli die wirkliche Problematik darum vermutlich gar nicht kennt).

"Ich habe nie gesagt, Homosexualität sei veränderbar," heißt das dann. Statt den Mut zu besitzen zu sagen, was wirklich fundierte Sicht der Seelenlandschaften des Menschen notwendig machte. Notwendig, gerade für einen "Arzt", als den sich Bonelli eigenen Aussagen nach sieht. Und die muß (!) Homosexualität als das bezeichnen, was sie ist: Eine mehr oder weniger schwere Charakterneurose, die höchstens in fortgeschrittenem Zustand, also einer Psychose, nicht oder nur noch schwer heilbar (und insofern "veränderbar") ist. 

Sie ist aber letztlich (beziehungsweise erstlich) aus der Sünde, also der Seins- weil Selbstverfehlung entstanden, die sich sexuell ausdrückt und darin die leibliche Konstitution schwer schädigt, so schwer, daß es sogar typische "körperliche" Krankheitsbilder gibt, die praktisch immer mit dem Bereich von Immunschwächen und -problemen zu tun haben. Gut, jemanden zu verurteilen", also in einen Zustand "fest-sprechen" (was von der psychologischen Charakteristik auf eine Art Fluch hinausläuft) darf - beziehungsweise soll - nicht sein. 

Aber gerade bei Freunden (und Bonelli rühmt sich hier seiner homosexuellen Freunde) darf die feste Haltung nicht fehlen, in der diese wissen, daß sie sich in einem objektiv ungeordneten Zustand befinden, der eine wahrhaftige Begegnung fortschreitend unmöglich macht. Als Arzt aber muß diese Haltung klaren Ausdruck finden. Denn man sagt ja jemandem, der mit Masernpusteln kommt, auch nicht, daß eine Therapie mit Schmierseife gegen Fußpilz ausreicht.

Nein, nicht wird hier verlangt, Bonelli aus katholischen Bildungseinrichtungen und Seelsorgekreisen hinauszuwerfen, weil er liberal ist. Es wird verlangt, weil Bonellis Theorien und Thesen außer Schlagwortwahrheiten (die dann bloße Richtigkeiten sind) erzählen, die mit katholischer Aura zu umhüllen ein Verbrechen gegen jene Wahrheitspflicht ist, die solchen Institutionen (und Hochschulen sowieso) wesentlich sein muß. 

Und - vor allem! - diesen Mann mit einer "Psychologie" auftreten und reüssieren läßt, die eine Verhöhnung der Weisheit abendländischer Seelenkunde bedeutet. Das ist als würden sich Baumeister, die über viele Jahrhunderte Dome bauten, von einem Wanderzeltbauer nicht nur erklären lassen, wie Häuser zu bauen seien, sondern dazu auch noch zustimmend nicken, als wäre ihnen nun endlich erklärt worden, wie die Welt der Architektur in Wirklichkeit aussieht. Von Leuten, noch dazu, die es wirklich besser wissen müßten. 

Denn in diesem (natürlich nicht nur in diesem) hat auch E. Michael Jones Recht. Wenn er sagt, daß Wissenschaftlern mit hoher Reputation in der Öffentlichkeit und in der Wissenschaftswelt (am Beispiel Heisenberg gegenüber dem Einbrechen von primitiven Scharlatanen wie Kinsey in die deutsche Bildungs- und damit Medienwelt darstellbar) eine hohe Verantwortung in der öffentlichen Diskussion (also in der Bildung des allgemeinen Narrativs) zukommt. 

Nicht, weil sie Wächter der öffentlichen Moral sind. Sondern weil sie Wächter ihrer Geistessphäre (in dem Fall: Der Wissenschaft) sein MÜSSEN, um diese vor jenem Schaden zu bewahren, den sie erleiden werden, wenn unter dem Ansehen, das in der Vergangenheit erworben wurde, und dem sie die höchste Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit errungen hat, Piratenschiffe eindringen, die Kohle statt Gold verteilen, aber den selben Preis verlangen.

In diesem Sinne wäre an Ruf und Wirkungsmöglichkeiten Bonellis enorm viel zu korrigieren. Nicht, daß man ihn zum Verstummen bringen sollte oder das auch nur dürfte. Aber dafür ist das Forum einer hermetischen, diskreten Hochschulentfaltung (als "närrischer Raum") zuständig, deren Membranartige Grenzen zur Außenwelt aber die kathartische Ära strenger Wahrheitsfindung ist. Ihr Raum ist sicher nicht die Bühne. Und schon gar nicht die Bühne Katholischer Einrichtungen. 

Denn auch wenn es manchen schockieren muß: Raphael Bonelli ist Psychiater und Psychoanalytiker der Gegenwart. Diese Leute sind Abbilder jenes Vorbildes, in wessen Fußstapfen sie wandeln, und das ist Sigmund Freud. Sie sind wie er unredliche Scharlatane und Betrüger, die sich mit dieser Art Psychologie, die sie als "neue Wissenschaft" deklariert haben und deklarieren, einen Weg gebaut haben, trotz der Unfähigkeit, sich zur Welt hin als Persönlichkeit zu bewähren und damit im Geheimnis des Seins sich in empfangender Haltung über dem Nichts gehalten zu wissen, einen hohen, ja überlegenen Stand zu sichern. Der dadurch erzielt wird, indem man die Konkurrenz, also die starke, wahre, wahrhaftige Persönlichkeit verleumdet und auflöst. Was so nebenbei höchst lukrativ sein kann. 





*290520*

Freitag, 19. Juni 2020

Not und Elend (1)

Die Kritik, die auf diesen Seiten an Raphael Bonelli schon mehrmals artikuliert wurde, und bislang eher theoretisch war, erhält durch diese "Verteidigung" des Psychiaters und Psychotherapeuten ihr praktisches Fundament. Noch besser hätte man die Evidenzen nicht aufzeigen können, aus welchem liberalen Seichtwasser der Mann gestrickt ist. Den seltsamerweise, aber so typisch, von katholischen Organisationen, Gruppen und vielen einfachen Gläubigen als Fahnenträger der "guten Sache" gefeiert wird.

In dieser Stellungnahme versucht Bonelli, sich eines Artikels im österreichischen Flaggschiff des linksliberalen Lagers 'Der Standard' zu erwehren. Der ihm zu große Nähe zu (ultra- und sonst was-) konservativen katholischen Institutionen vorwirft. Samt den Hebelargumenten, er sei auch homophob, also "gegen" Homosexuelle eingestellt.

Alles das verneint Bonelli vehement und mit weinerlichem Gesicht, das den subjektiven Eindruck einer sonst oft schon so deutlich in der Physiognomie durchscheinenden Tendenz zur Gesichtslähmung (also einer Nervenschädigung in der "Maske", der "Persona") zur Prophetie macht. Er werde zu Unrecht angegriffen, denn er sei in seiner Arbeit weltanschaulich neutral, und selbstverständlich fließe eine religiöse Haltung oder Anschauung nicht in seine psychologische beziehungsweise therapeutische Arbeit ein.

Lassen wir einmal beiseite, wie das gehen soll. Denn wie soll sich eine (wissenschaftliche!) Sichtweise bilden, in der jene Elemente keine Rolle spielen, die als Licht (!) zur Erfassung der Wahrheit, also auch der Wahrheit über die Welt, über die Dinge, über den Menschen sohin, sogar die entscheidende Rolle spielt. Die voraussetzungslose Wissenschaft, von der offenbar auch Bonelli phantasiert, gibt es nämlich nicht. Und was er hier von sich weist, ist andererseits (und wenn es nützt) sein Etikett und damit seine Eintrittskarte als Autorität in Institutionen, die er genau damit schwer schädigt. 
Das Argument einer objektiven Wissenschaft erfüllt seine Wahrheit nicht durch die angebliche "Voraussetzungslosigkeit", sondern über die Natur der Wahrheit als Universalität, die nur durch sittliche Bedingungen zugängig wird. Insofern ist Wahrheit als objektive Grammatik der Welt tatsächlich "subjektiv". 
Aber nicht weil die Wahrheit (die immer eine konkrete Wahrheit "über oder von" etwas ist) selbst relativ, also nicht festmachbar, nicht definierbar ist. Sondern weil die Wahrheit sich erst über eine Beziehung zu ihr erschließt, ihre Reinheit und Darstellbarkeit - und damit ihre Objektivität - durch eine Person von deren sittlicher Reife abhängt.
Das ist der Ort für jene These, nach der sich in Bonelli (und seinem Denken, seiner Psychologie, seiner "Arzt"-Eigenschaft sohin) etwas offenbart, was als Hauptproblem einer Kultur im Zusammenbruch gesehen werden muß. Für die Bonelli symptomatisch ist. Denn wenn sich eine Kultur auflöst, tut sie das durch Auflösung ihrer institutionalisierten Formen. Da wird sogar bedeutend, daß sich Bonelli zum Beispiel in seinen "Corona-Videos" einem großen Auditorium im schlabbrigen T-Shirt präsentiert. Formverzicht ist zwar heute der Schlüssel zu den Menschen, aber nur, weil diesen jede Hürde der Begegnung "erspart" wird. 

Damit aber reduziert sich Wahrheit und damit Sprache auf eine "technische Logik", die es geben soll - aber gar nicht gibt! In jedem Fall aber vermeidet man nun jeden Widerspruch, weil jede Kritik sich schon nur durch die nunmehr manifeste Positions- weil Ortslosigkeit (also Indefiniertheit) beziehen kann, also von Vornherein danebenschießt. Denn ihr Ziel, die Person, die Figur, löst sich wie ein Spuk sofort auf, sobald man danach greift. 

Das entspricht auch der Beobachtung seiner Physiognomie entsprechend. Wenn oben (etwas, aber nur etwas polemisch) von Gesichtslähmung gesprochen wurde, so steckt dahinter der wahre Kern der Persönlichkeitsdiffusion. Diese wird durch Invertiertheit betrieben. Die das Denkprinzip ist. Sagen wir es salopp: Durch "In-sich-Hineingehen", im Wesentlichen also durch die Denkgestalt der Reflexivität (wir verweisen zur tiefergehenden Erklärung auf Texte hier, aber vor allem auf die Arbeiten von Walter Hoeres zu Reflexivität und Persönlichkeitsdiffusion) wird jene Ich-Grundlage aufgelöst, die selbst betrachtet wird, wobei Betrachtetes und Betrachtendes nicht unterscheidbar weil identisch ist. Resultat? Das Nichts. 

Diese Selbstnichtung ist sogar Prinzip der allermeisten Strömungen der Psychologie heute. Die ihre Therapie praktisch ausnahmslos als Auflösung der Persönlichkeit versteht, in der - natürlich! - Probleme "gelöst" werden. Durch von der Anwendung dieses Prinzips als "Heilungsprinzip" wird auch der Therapeut selbst affiziert. Sodaß der seelische Zustand von Therapeuten in sehr vielen Fällen höchst problematisch ist. Das ist auch bei Bonelli zu beobachten, mehr als er wohl glauben würde. 

Das begründet aber auch das, was fälschlicherweise von vielen als "Talent" oder "Fähigkeit" gesehen wird: Wo sich alles aufgelöst hat, wird die Sprache, getrieben von der sogenannten Intelligenz, auch höchst "flexibel". Der Mensch kann also "gut und spontan reden". Weil die Phantasie, das die Weltbruchstücke zu einem Ganzen (Bild) Vorschlagende, das dann das Ich zu einem Bild formen muß (also in Verantwortung, das heißt im Rahmen seiner Beziehung ZU jemandem etc.), keiner Bindung unterliegt. Weil die Phantasie nicht jene Grammatik trägt, die bei einer gesunden Person und Persönlichkeit (als Gestalt, in der sämtliche Beziehungsfäden integriert und beantwortet sind) aktiv und prägend vorhanden ist, die Bilder und die Sprache formt. Solche Personen werden zu "Plapperschnuten", sagen wir so, und "schlagen permanent Lösungen vor", ja scheinen unerschöpfbarer Quell von Möglichkeiten, denen nur eines fehlt: Verbindlichkeit. Wer sollte solche aufgelösten, nie Kraft zur Beziehung, nie Verbindlichkeit fordernden Personen "nicht mögen"? Die noch dazu von Schuld befreien? (Denn das ist der wirkliche Hintergrund für "Patienten".) Das ist doch die 70 Euro (und mehr) für die Sitzung locker wert?

Wessentwegen (also wegen der Auflösung der eigenen Persönlichkeit (die nur noch zu "einer Möglichkeit unter vielen" wird, deren man sich gelegentlich  bedient) die Branche übrigens "Supervision" eingerichtet hat. Denn der Therapeut verliert in seiner "Arbeit" regelmäßig jeden "objektiven Einordnungs-Rahmen", in dem erst er so wie jeder Mensch wenigstens irgendwie fest in der Welt steht. 

Meist über seine Branchenidentität: Kein Psychologe, der nicht bei jeder Gelegenheit erzählt, daß er ein solcher ist; die Bedeutung dieser Identitätsformel, die heute das am meisten Ersehnte, gerade von Psychologen am meisten ersehnte liefert: Autorität!, ist gar nicht zu überschätzen.

Sehen Sie aber auch, werter Leser, wie die Psychologie die Beichte ersetzt und bereits ersetzt hat? Natürlich ohne ihre reale Wirkung, weshalb Psychotherapien eine Eigenschaft haben: Sie werden zur sich selbst perennierenden Einrichtung für jeden, der sich darauf einmal eingelassen hat. 

Mit dem entscheidenden, weiteren Unterschied zur Beichte: Und das ist der wirkliche, also wirkende und wirken sollende Hintergrund, daß das Gegenüber "Sein selbst, Gott, die objektivste und - das ist wichtig! - absolute Ordnung, durch ein anderes Gegenüber ersetzt wird, den Therapeuten, und dessen Wahrheitsgrad (sozusagen), der Absolutheit beanspruchen muß. Weil sonst an Therapie nicht einmal gedacht werden kann. 

Wenn man in einem Streit zwischen zwei Personen, illustrieren wir es mal so, die jeweilige Person (oder auch nur eine; dann setzt sich halt die andere durch) aufgelöst wird, indem ihre Basis relativiert, in Sophistereien so lange zerredet wird, bis nichts mehr bleibt, weil der ordnende Rahmen der Ratio verloren geht, den in der Regel dann der Psychiater "ersetzt", das heißt, die heutige Psychologie zieht den "Patienten" ein neues, künstliches Verstandeskorsett ein, in dem dann die spezifischen Probleme des zu Behandelnden "lösbar" sind, zumindest eine begrenzte Zeit. Denn dauerhaft vermag die heutige Psychologie nichts zu bewirken, das wissen auch die Psychologen selbst, die sich mit Untersuchungen auseinanderzusetzen haben, die belegen, daß sich "Heilerfolge" der heutigen Psychotherapie im extrem niedrigen Bereich bewegen.

Denn Bonelli ist ein Trojanisches Pferd. Eines von so vielen natürlich nur. Aber eben eines von vielen. Das Etikett "katholisch" spricht der Psychiater zwar nicht (oder nur indirekt) aus, aber er kokettiert damit. Es ist nämlich sehr nützlich!

Aber wir stoßen hier an ein großes Problem der Gegenwart, das auf eine Verwirrung zurückzuführen ist, die zu allergrößten Teilen sogar genau dem Handwerk Bonellis zuzuschreiben ist: Der Psychologie des 20. Jahrhunderts, die maßgeblich auf (atheistische, materialistische, evolutionistische) Figuren wie Sigmund Freud aufbaut. 

Die Wahrheit ist deshalb, daß, wenn Bonelli "katholisch" wäre, die Kritik des Standard weitestgehend zuträfe. Und man (endlich!) ohne jede Scheu zugeben müßte, daß zumindest das meiste an den Anwürfen stimmte. Aber dazu bräuchte man jene Eier, die Bonelli zwar in seinen Vorträgen und Schriften einfordert, aber persönlich nicht hat. Dazu braucht es aber keine große Lektüre seiner Äußerungen, die sich wie die gesamte heutige Mainstream-Psychologie und Mainstream-Psychotherapie im Westen auf der Ebene von Küchenpsychologie bewegt. 

In die bemühte Leute wie Bonelli, die da ein eigenes Publikumsfach ausschöpfen, dem Schlagworte und Triggerbegriffe genügen, um einen "Wissenschaftler" samt und sonders zum einen heilig zu sprechen, zum anderen Tür und Tor zur eigenen "Information und Bildung" öffnen. Dabei wird jedes Denken abgeschaltet, denn man sucht ohnehin nur Schlagworte, an die man sich anhängen kann, sucht ohnehin nur Images (Bilder) und Identitätsziegel, die man dann zu einer Art "Identität" zusammenschustert. Aus der dann "Katholisches" generiert wird, das mit Katholizität ungefähr so viel zu tun hat wie Schusterblumen in der Krieau mit dem World Trade Center vor 9/11 - nämlich gar nix. 


Morgen Teil 2) Zumindest tendenziell hätte der Standard Recht.
Wäre Bonelli tatsächlich das, was man ihm hier vorwirft.
Aber damit kokettiert Bonelli ja nur, das ist das Problem.

 
 
*290520*

Sonntag, 22. März 2020

Der klandestine Atheismus

Dieses sind die Zeiten für die großen Männer mit den tiefen Worten. Wie jenem von Joachim Löw, den der VdZ als Spieler, noch mehr als Trainer (v. a. bei Wacker Innsbruck) sehr schätzte. Aber nun, durch die Coronakrise in die Langeweile gedrängt, drängt es ihn, mit Gedanken an die Öffentlichkeit zu treten, die nichts mit Fußball zu tun haben. Und dabei zerbröselt alles Gute, was der VdZ je über ihn gedacht hat.

Joachim Löw ist wie die meisten, nein, die allermeisten heute, etwas Bestimmtes. Der Leser möge sich erst selber ein Urteil machen. Ein Urteil über jemanden, der da sagt, das sich "die Erde gegen die Menschen wehrt".

Pause. Sie denken wohl. Na, kommt nichts?

Also gut, hier die Lösung des Rätsels: Leute, Leutelchen dieser Denkart gehören in die Schublade "doofe Atheisten". Denn Atheisten sind strunzdumm. Mehr gibt es über sie nicht zu sagen. Und über jene, die heute ach so tiefe Sprüche von sich geben.

Si tacuisses ... Für einen großen Fußballlehrer hätte ich Dich gehalten. Jetzt weiß ich, daß alles an Joachim Löws Laufbahn Zufall und primitiver Mechanismus war, zumindest ab einem gewissen Zeitpunkt. Brüder an der Spree, schmeißt ihn deshalb als Bundestrainer endlich raus. Daß die deutsche Fußballnationalmannschaft zunehmend "nichts mehr reißt", wie man an der steirischen Mur sagt, ist KEIN Zufall. Atheisten, die somit dem Zufall unterliegen, sind zu nichts zu gebrauchen. Sie tun nur so.



*180320*

Sonntag, 16. Februar 2020

Irland - Die Mutter über den Vater gestellt (4)

Teil 4) Die Beseitigung aller Torwächter



Worum es heute für Katholiken geht, ist auf jede Form von öffentlicher Anerkennung - in den Medien, in der akademischen Landschaft, in der Politik, im privaten Umfeld - verzichten zu lernen. Katholiken, Menschen, die sich der Wahrheit verpflichtet fühlen, müssen begreifen, daß sie von der gesamten öffentlichen Landschaft keine Anerkennung mehr erhalten werden, im Gegenteil: Sie werden entweder bekämpft, oder - und das ist effizienter - total ignoriert.

Gerade als Publizist muß man neue Wege finden, ins Sprachbewußtsein der Menschen vorzudringen. Die herkömmlichen Wege werden mehr und mehr verlegt. Und sei es, daß man unter dem Titel "hate speech" gerichtlich verfolgt wird, wie die UNO nun unter Umkehrung der Beweislast (sic!) - der Beschuldigte muß nachweisen, daß die Beschuldigung zu Unrecht erfolgt, sonst ist er automatisch schuldig - festgelegt hat. Unsere nationalen Rechtssysteme schaffen keinen Schutz mehr. Sie befassen sich neuerdings vielmehr mit Dingen wie "Die Verantwortung der Iren für den Kolonialismus in der Karibik". (Was umso grotesker ist, als viele Sklaven dort ... Iren waren. Schwarze waren den Bedingungen auf den dortigen Plantagen gar nicht gewachsen.)

Für eines ist die emotionale Lage in Irland ohnehin bereits weit gediehen, es wird vermutlich ein nächster Punkt, in dem man die Verfassung außer Kraft setzen wird, ohne daß es jemandem auffällt oder stört: Das Recht auf freie Meinungsäußerung. Hier ist das subjektive Bewußtsein vieler bereits dergestalt, daß sie meinen, daß bestimmte Ansichten strafbar sein sollten. Es kommt heute bereits häufig vor, daß Menschen bei der Polizei anrufen, weil ihnen irgendeine Twitternachricht irgendeines anderen nicht gefällt, man solle das gefälligst unterbinden.

Die formale Rechtslage spielt immer weniger eine Rolle im Bewußtsein der Menschen, wird immer unwichtiger. Vielmehr sehen sie sich über den Hebel einer "Moral" dazu bemüßigt, ihre Mitmenschen zu maßregeln und anzuzeigen, wenn deren Denken nicht ihren Vorstellungen (bzw. den Vorstellungen der neuen Moral) entspricht. Das Rechtsbewußtsein der Menschen hat sich schon so weit verändert, daß die Rechtslage selbst unwichtig wird, sondern die Basis für "Unrecht" die subjektive Rezeption ist: Wo ICH mich angegriffen fühle, muß auch der Staat eingreifen. Die gesamte Konstruktion der "hate speech" dient dazu, zumal rechtlich gar nicht ausdefinierbar ist, was "Haßrede" (hate speech) überhaupt sein soll.

Waters meint, daß dies auch mit einem sehr schwach ausgeprägten Gefühl für Unabhängigkeit und Integrität bei den Iren zu tun hat. Zuletzt hat sich das 2008 gezeigt, wo als Folge des finanziellen Staatszusammenbruchs (der im übrigen durch die falsche Entscheidung erfolgt ist, die Schulden der privaten, überschuldeten Banken zu verstaatlichen) ausländische Kapitalgeber mit den niedrigsten Steuern der Welt eingeladen wurden, in Irland Einfluß zu nehmen weil zu investieren. In den 1970ern hat sich das mit der Pharmaindustrie abgespielt, wo Konzerne wie Pfizer ins Land geholt wurden, indem man ihnen jede Umweltauflage ersparte und niedrigste Steuern für Gewinne zusagte. Das hatte verheerende Auswirkungen! Ganze Landschaften wurden verwüstet, und die Iren selbst haben in keiner Weise profitiert, weil keine Steuern bezahlt wurden.

Diesmal werden wir kolonialisiert

Nicht zuletzt durch den EU-Beitritt wurde die irische Politik zur bloßen Empfangsstelle von Direktiven aus Brüssel. Das hatte zur Folge, daß sich nur noch bestimmte Charaktere dazu bereit fanden, in die Politik zu gehen - Personen mit dem niedrigsten Niveau irischen Individualismus und Willen zur Selbstbestimmtheit. Jeder schöpferische Mensch meidet solche demütigenden Bedingungen, die ihn zur Marionette machen. Politik wurde deshalb zu einer Art "Sport", wo man am Abend feine Essen und am Monatsanfang fette Gehälter genießt. Die gesamte Führungsschichte wandelte sich. Die zuvor größten Idioten wurden nun zu Führungsgestalten. Und diese Menschen haben natürlich auch keinerlei Widerstand gegen die Invasion mit neuen Werten, dieser neuen Moral der Moderne. Und sie haben keine Skrupel, das der Bevölkerung zu diktieren, ja im Gegenteil, sie können damit ihre Macht demonstrieren - als Dominanz, die alles bis in den letzten Winkel bestimmen will.

Was sich in Irland abspielt, und das ist wohl das Auffälligste, ist aber nicht einmalig. Vielmehr fällt auf, daß sich diese Vorgänge weltweit wiederholen. Irland ist nur eines von vielen Beispielen, wie ideologische Mächte höchst professionell und systematisch jede nationale, lokale Rechtsgrundlage - sowohl formal wie im Rechtsempfinden - außer Kraft setzen, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen. Das geht so weit, daß man mittlerweile sagen muß, daß es gar keine Regierungen mehr gibt, die wirklich die Bevölkerung repräsentieren. Vielmehr sind es Umgestaltungsjuntas, die in fremdem Auftrag die eigene Bevölkerung vergewaltigen, allen sagen wie zu denken ist, und skrupellos die lokale, traditionelle Lebensweise umformen.

Übrigens fällt noch etwas auf - die Parallele zum Kolonialismus der Vergangenheit. Waters greift den Gedanken auf, indem er darauf hinweist, daß früher eintreffende fremde Mächte der einheimischen Bevölkerung erklärt haben, daß alles, was bisher geschehen ist, schlecht, alles was nun kommt gut ist. Daran mußte geglaubt werden, und so wurde auch vorgegangen, damit wurde alles legitimiert. Aber erleben wir heute nicht genau dasselbe?  

Erleben wir nicht auch, daß ständig von außen kommende Kräfte uns erklären - man nehme doch das Klimawandel-Thema, hier wird es ganz offensichtlich! - daß alles, was wir bisher gemacht, gedacht, gelebt haben schlecht, ja katastrophal ist. So daß wir uns neue Regeln und neue Lebensweisen anbequemen müssen, wie sie uns von außen ("international", "Konsens" etc. etc.) entgegengetragen werden. Denen wir sogar das Recht übertragen, über uns zu bestimmen, und Regeln zu verhängen, die wir selbst gar nicht nachvollziehen können, die bei uns selbst auch gar nie entstanden wären. Was bis in die Wirtschaft geht, die Produkte herstellen und vertreiben soll, die von außen diktiert werden.

Was sich in Dingen wie "Ehe für alle" oder "Abtreibung", was sich in "hate speech" etc. etc. abspielt entstammt derselben Quelle eines geringen Selbstwertgefühls. Wo wir selbst bereits bereit sind, Dinge und Gesetze über uns zu verhängen, die uns selbst weiter schwächen, ja auslöschen. Nicht andere Länder töten uns, nein, wir töten unsere Kinder selber. Nicht andere Länder schwächen unseren Staat, nein, wir tun es selber. Nicht andere Länder zerstören die natürliche Solidarität des Volkes, die auf der Familie aufbaut, nein, wir zerstören sie selber. Nicht andere Völker erobern uns und diktieren eine andere Kultur, nein, wir selbst holen Fremde in Massen ins Land und ordnen uns ihrer Kultur unter und geben die eigene auf. Nicht andere verbieten uns unsere Religion, sondern wir selbst erklären unsere Religion für relativ, also unwichtig, wenn nicht anderen unterlegen.








Samstag, 15. Februar 2020

Irland - Die Mutter über den Vater gestellt (3)

Teil 3) Als er zur Kirche zurückkehrte, fand er keine Kirche mehr



Während er die linksliberale Landschaft als bar jeder Vernunft zu sehen begann, die lediglich mit Gerüchten und Verleumdungen arbeitet, die auf leeren und sinnlosen Begriffen (wie "homophob") aufbauen, die nur Stimmungen, Gerüche, Vorurteile erzeugen sollen, aber keinerlei rationalen Wert haben. Keineswegs baut diese Ideologie auf "Evidenz" auf, ja nicht einmal auf Mehrheit, wie oft behauptet - es war die Meinung einer Minderheit, die sich über die Mehrheit hinwegsetzen und diese bzw. deren Weltanschauungen und Moralverstehen umdefinieren weil beherrschen wollte. Dazu braucht es diese oben besprochene Ablehnung des Vaters.

Waters war in der Folge widerfahren, daß er öffentlich und wiederholt mit abwertenden Aussagen über ihn konfrontiert war, für die es keinerlei Evidenz gab. Allmählich begriff er, wie gefährlich und skrupellos die Vertreter dieser neuen Moral waren und vorzugehen bereit waren. Diese Gefährlichkeit haben viele Katholiken bis heute nicht begriffen, und auch in Irland vor der Volksabstimmung über "Ehe für alle" im Jahr 2014 nicht. Man hat mit den Methoden nicht gerechnet, die angewendet wurden, um das gewünschte Ergebnis zu erbringen. Niemand hat vor allem damit gerechnet, wie professionell die Befürworter der "Ehe für alle" bereits waren, wie organisiert sie vorgingen: Die hatten sich "im Krieg" verstanden, und mit allen "Notstandsgesetzen" agiert, die im Krieg angewendet werden, weil das Ziel unbedingt Sieg heißen muß, egal mit welchen Mitteln. Während er und die Katholiken bzw. die Kirche mit "intellektueller Auseinandersetzung" vorgingen, ging es dem Gegner keineswegs um intellektuelle Redlichkeit und Vernunft, sondern um eine unbedingte Änderung der Gesetze. Und die Kirche hat bis heute nicht begriffen, daß sie sich in einem Krieg befindet, und kann damit nicht umgehen. 

Auch er war überrascht von dem, was ihm begegnete. Wie konzentriert und professionell vor allem die social media eingesetzt wurden. Damit wurde auf Personen des öffentlichen Lebens, Journalisten, Reporter, Kleriker ungeheurer Druck ausgeübt, die in der Folge reihenweise in die Knie gingen. Sogar der Erzbischof von Dublin, früher ein prononciert katholisch-traditioneller Mann, unterstützte schließlich die "Ehe für alle", um dem medialen Sturm, der entfacht wurde, zu entkommen. Wobei man ihm mit den gleichzeitig publik gemachten Mißbrauchsskandalen geschickt desavouierte und die Hände band, so daß er nur noch das Bild der Kirche in der Öffentlichkeit beschönigen wollte. 

Waters war zur Kirche zurückgekehrt, um nun zu erleben, daß es diese Kirche "gar nicht mehr gab"! Sie war nicht mehr vorhanden! Er erlebt heute die groteske Situation, daß er in seiner ganzen Kindheit und Jugend einer Umgebung gegenüberstand, die konservativ war (und mit seinen heutigen Ansichten übereinstimmen würde), er heute aber als Konservativer einer links-liberalen Umgebung gegenübersteht, mit der er sich in unvereinbarem Konflikt befindet, und wo ihn der Klerus bis auf wenige Ausnahmen im Stich läßt, ja ihm sogar als Gegner gegenübersteht. So geht es heute wohl vielen, auch dem VdZ übrigens. 

Es gibt keine Bischöfe mehr, die noch die Wahrheit verkünden, das ist das bittere Fazit. Irland steht heute in der historisch einmaligen Situation, einer Gruppe von Menschen - den Ungeborenen - alle Rechte abzusprechen. Das haben nicht einmal die Nazis gewagt. Damit widerspricht man sogar der irischen Verfassung. Wenn heute eine fremde Armee das Land erobern und erklären würde, daß ab sofort diesen und jenen Iren jedes Lebensrecht aberkannt würde, würde es allen sichtbar und man würde sich dagegen auch mit Widerstand auflehnen. Aber mit den neuen Abtreibungsgesetzen hat man so einen Krieg geführt und gewonnen, ohne auch nur einen Schuß abzufeuern. 

Maßgeblichen Anteil an diesem Verlust des Begreifens von Wirklichkeit haben die Medien. Die Waters als "korrupt" bezeichnet. Sie haben den Leuten eingeredet, daß es eine "Zeitgemäßheit" von Moral gäbe, diese mit dem Wesen des Menschen nichts zu tun hätte. Sondern mit der Evolution der Menschheit generell. 2015 wurde die Ehe von den Medien als nicht mehr zeitgemäß dargestellt, weil es angeblich keine substantielle Geschlechtsidentität gibt. Also wurde die "Ehe für alle" eingeführt. 2018 war das Abtreibungsverbot den Medien folgend nicht mehr zeitgemäß. Also wurde die Abtreibung freigegeben. Was wird 2022 sein? Die Euthanasie, weil deren Verbot nicht mehr zeitgemäß ist? Es ist zu erwarten. 

Mit diesen massiven Eingriffen in Grundrechte, die das erklärte Ziel von Rechtsanwaltskanzleien auf der ganzen Welt sind, die sich der LGBT-Agenda des "Transgenderismus" widmen, wird man den Eltern jedes Recht nehmen, auf die Erziehung und Identitätsbildung ihrer Kinder Einfluß zu nehmen und verantwortlich zu handeln. Irland ist nur das erste Land in Europa. Ihm werden bald Norwegen und Dänemark folgen. Das wird höchst professionell unter Ausnützung des bestehenden Rechts vorangetrieben, da stehen hoch professionelle Anwaltskanzleien dahinter, bezahlt von allen möglichen Seiten. 


Morgen Teil 4) Die Beseitigung aller Torwächter





Freitag, 14. Februar 2020

Irland - Die Mutter über den Vater gestellt (2)

 Teil 2) Man stellte in Irland die Mutter über den Vater



Und das hat in Irland eine lange lange Tradition. Waters verweist auf den interessanten Umstand, von dem man sich auch bei Besuchen in Irland überzeugen kann (wie der VdZ es tat, dem fiel es ebenfalls auf), daß das irische Geschichtsbewußtsein sich seltsam häufig auf frühere legendäre "Königinnen" beruft. Irland war eben nie (oder ist schon lange nicht mehr) ein wirkliches Patriarchat! Es war immer bzw. ist seit langer langer Zeit ein Matriarchat. Die Männer waren dafür da, funktionale Dinge zu tun. Die ihnen aber die Frauen auftrugen, die die Autorität auch in moralischen Fragen hatten. 

Der irische Katholizismus hatte damit keine intellektuelle Basis, sondern war in dieser Mutterbezogenheit lediglich "etabliert", war nur mit der Mutterverbindung eingesogene Verhaltensprägung, mit allen Folgen (wie: Angst vor Individualismus und Widerstand gegen Masse und Mehrheit).

Waters ist das erst in den 1990ern aufgefallen, als er einerseits mit dem ehemaligen Sozialismus der Tschechei zu tun bekam, anderseits selbst Vater wurde. Und mit ungläubigem Staunen feststellte, daß in Irland Väter keine Rechte hatten, ebenso wenig Kinder in Bezug auf ihre Väter. Das gesamte Rechtssystem war auf die Frauen und Mütter ausgerichtet, um deren Rolle und Rechte zu stärken.


Elvis oder Jesus, Intelligenz oder Geist

Der irische Journalist, der als äußerst frommer Katholik in einer äußerst frommen katholischen Umgebung aufgewachsen ist, erzählt aus seiner eigenen Jugend in den 1960ern/1970ern, wie er das Einbrechen der Pop- und Rockkultur des Westens erlebt hat: Als fundamentalen Konflikt mit der Welt, in die er hineingeboren worden war. Jesus war, so wie er es erlebt hatte, ein lieber, netter, weicher, unmännlicher Kerl. Aber diese neue Welt, die sich in der Rock- und Popmusik, mit neuen (und rebellischeren, individualistischeren) Vorbildern wie den Beatles oder dem Fußballer George Best war viel aufregender, interessanter, attraktiver. Und beides zugleich ging nicht, das fühlte er damals, ohne das Warum (wie heute) zu kennen. Also entsorgte auch Waters den "süßen Jesus" und wandte sich von der Kirche ab. Moderne Zeit und alter Glaube schienen ihm unvereinbar: Vor die Wahl gestellt "Elvis oder Jesus" wählte er Elvis. Dort schien auch alles viel "gescheiter", intellektuell überlegen zu sein.

Was er damals nicht erkannt hatte, war, wie hoch intelligent sein Vater, seine Vorfahren gewesen sind. Trotz nur geringer Schulausbildung hatten sie die geistigen Fähigkeiten zu hochwertigster Arbeit und Weltbewältigung. Die den heutigen Menschen völlig fehlt, die zwar mit Bergen von Zeugnissen ausgestattet werden, in deren Leben es aber keinerlei Evidenz für Intelligenz gibt, die mit dem Leben und der Welt zu tun hat. Der heutige Begriff von Intelligenz richtet sich nur auf eine institutionalisierte Definition, nicht auf Welt und Leben. Mit dem kulturellen Bruch seiner Jugend aber wurde auch diese neue Form von "Intelligenz" allgegenwärtig. Endgültig wurde im letzten Jahrzehnt die alte Form von Geist erledigt und zum Verschwinden gebracht.

Aber Waters war nicht zufrieden. Was da vor sich ging in der Welt blieb ihm ein Rätsel. Also begann er in den 1980ern und 1990ern erneut zu suchen. Und stieß in Ratzinger und Johannes Paul II. erstmals auf einen anderen, ihm neuen, vernunftbetonten und vernunftbasierten Katholizismus, der sich von dem bloß frommen, den er kannte und der ihm in seinem anti-intellektuellen und die Welt draußen lassenden Affekt nicht gerade attraktiv erschien, völlig unterschied. Nach und nach entdeckte er stattdessen, daß der Katholizismus auch diese neue Welt zu begreifen half. Ja erst in seinem Licht begann er zu verstehen, was er in der Welt und Irland erlebte.  

Früher hatte er den Katholizismus für ein Gebäude von Regeln und Vorschriften gehalten, das eine Clique alter Männer über die Menschen verhängt hatte. Nun begann er ihn als tiefes geistiges, konsistentes, großartiges Gebäude, der Verfaßtheit der Welt in toto zu begreifen, von dem ihm nach wie vor viel noch nicht klar ist, auf welche Klärung er aber mit immer mehr Vertrauen auch warten kann, weil er deren Lösung in der Kirche ahnt. Denn Zeit spielt im Erkennen eine immense Rolle. Keinesfalls ist ihm heute die Kirche diese Art von Desaströsität, als die er sie in seiner Jugend bzw. im Licht der "neuen" Kultur gesehen hatte. Aber um das zu sehen, hat er lange gebraucht.

Auch um zu sehen, wie eng linke, liberale Ideen von Gerechtigkeit mit dem Sozialismus verbunden sind. Dabei war er lange noch ebenso ein links-liberaler Denker, dem die pro-life-Bewegung etwa suspekt war. Bis er allmählich sah, daß hinter der Abtreibungsfrage ein völlig anderes Begreifen von Leben stand. Als er sich damit an seine frühere (linke, liberale) Kollegenschaft wandte, erlebte er aber eine seltsame Reaktion der Ablehnung. Mehr und mehr erkannte er sogar, daß dort von Anfang an eine Zielsetzung am Werk war, die auf eine Neubewertung der Homosexualität abzielte. Und das ging von der Verantwortung seiner Tochter gegenüber aus, die er in ihren Schulen und Einrichtungen mit einer ständigen ideologischen Erziehung konfrontiert sah, die allem bodenständigen Verstehen widersprach. 

Zumal er selbst mehr und mehr den Wert der Tradition erkannte. Selbst im Torfstechen, wo er und sein Bruder die alte Methode des Abhebens von Hand wählten, wofür sie von allen Nachbarn verlacht wurden, die längst mit riesigen Maschinen die Torflandschaften auszuheben und zu zerstören begonnen hatten. Aber genau diese neue Art zu denken, alles in abstrakte Vorgänge umzubrechen, ohne Rücksicht auf irgendetwas, war auch die Basis des kulturellen Umbruchs. Dort ging alles an Verbundenheit und Verantwortung, also Verwurzeltheit verloren, und wurde zum bloß intellektuellen Ding, zu dem man sich persönlich nicht stellen mußte. Mehr und mehr begann er auch seine Verbundenheit und Liebe zu Irland, seinen Menschen, dem Boden neu zu erfahren. Aus dem Linksliberalen wurde ein Traditionalist, der überall den Finger seines Vaters im Rücken spürte. Und wo immer er Vernunft erlebte, war sie in der Tradition bereits enthalten.


Morgen Teil 3) Als er zur Kirche zurückkehrte, fand er keine Kirche mehr




Donnerstag, 13. Februar 2020

Irland - Die Mutter über den Vater gestellt (1)

Noch 2010 wäre unvorstellbar gewesen, was sich in Irland seit 2011 abspielte: Das einstige Flaggschiff des Katholizismus brach binnen nicht einmal eines Jahrzehnts auseinander, und wurde zum Schlachtschiff des modernistischen Liberalismus der westlichen Welt, in dem die Kirche in atemberaubendem Tempo ausgebootet wurde, daß heute Irland wie zuletzt in den Fragen der Abtreibung oder der "Ehe für alle" sogar "vorbildhaft" wirkt. Auch im Haß auf die Kirche.

Wie konnte das geschehen? Wie war ein solcher Sinneswandel eines ganzen, durch und durch katholisch gewähnten Volkes in so kurzer Zeit möglich? E. Michael Jones geht im Gespräch mit dem in Irland sehr bekannten (und kontroversiellen) Journalisten John Waters dieser Frage nach.

Und Waters stellt gleich zu Beginn fest, daß der frühere Eindruck eine Täuschung gewesen ist. Eine Erzählung war lange Zeit aufrecht erhalten worden, die von der inneren Realität immer weniger bis gar nicht mehr gedeckt war. Der starke, hohe, weit ausladende Baum inmitten der Wüste der Neuzeit, als den man Irland wahrnahm, war von innen heraus bereits durchfault. Als in dem bekannten koordinierten Einwirken von NGOs, Medien und Ideologien, wie es auf bewährte Weise bereits sämtliche westliche Völker und Kulturen überwältigt hat, die ersten massiven, gezielten Axtschläge auf ihn einprasselten, stellte sich blitzschnell heraus, wie wenig Substanz und damit Widerstand noch vorhanden war, wie bereitwillig man aber diese Welt einer neuen Moral aufnahm und sogar herbeisehnte. Die irische Gesellschaft war und wurde in Wahrheit bereits seit langen Jahrzehnten geistig ausgehöhlt, und damit sturmreif geschossen für die "Neue Zeit", die "neuen Werte", wie sie den gesamten Westen bereits erfaßt haben.

Der legendäre irische Katholizismus war nur Fassade, war nur ein braves Nachlaufen und Festhalten an Gewohnheiten. Sobald diese - wie in der ernsten Finanzkrise 2011, in der Irland vor dem Bankrott stand - ihre Gefügtheit und Sicherheit verloren, brach die "Gesellschaft der Tradition" zusammen, und nichts blieb mehr übrig. Bislang eher nur unter der Hand gepflegte Sichtweisen kamen plötzlich nach oben, weil das Überkommene hinterfragt wurde. Mit einem Mal brach auch ein latenter Anti-Klerikalismus auf, den sich die irische Kirche (leider) gar nicht nur zu Unrecht selbst zuzuschreiben hat. Denn auch die hatte es sich bequem eingerichtet, und schien machen zu können was sie wollte, weil die Gesellschaft "dicht" hielt. Damit war nun Schluß.

Es stellte sich heraus, daß die Treue zur Kirche und ihre Stellung in der Gesellschaft oft einfach Indifferentismus gewesen war. Man nahm es hin, hinterfragte es kaum, ohne wirklich dahinter zu stehen. Waters meint am Beispiel seines eigentlich "tieffrommen" Vaters, daß der sein Gebetsleben pflegte, zur Messe ging, etc. etc., aber von Priestern und Bischöfen kaum Notiz nahm, ja eher amüsiert von diesen war, aber sie nicht ernst nahm. Er hatte seinen privaten Weg des Umgangs mit Gott in der und durch die Kirche. Und das war eine weit verbreitete Haltung in Irland!

Die Sichtweise der Kirche durch die Iren war generell sehr simpel. Man sah sie als regelbasiert, und daran hielt man sich. Eine in dem Sinn "personalisierte" Entscheidung war nicht nötig und traf auch kaum jemand. Wirklich tiefe Fragestellungen waren nicht üblich und wo immer sie auftraten, wurden sie auch vom Klerus abgetan und auf "das Gesetz Gottes" geschoben, basta. In dem Moment, wo es dazu kam, wo Kirche zu einer Angelegenheit der Treue durch persönliche Entscheidung wurde, wo das Individuum gezwungen war, seinen Glauben zu kennen und zu verteidigen, weil man TROTZ so vielem zu ihm hätte stehen müssen, weil die Moderne (die in vielem einfach eine Methodik des Zweifels ist) alles hinterfragte und rationale, geistige Antworten brauchte, kam der Abfall. Diese Argumente gab es nicht, man war nicht gewöhnt, sich damit zu befassen.

Dabei ist ein zweiter Aspekt zu berücksichtigen, der mit dem Genozid (der heute immer noch weithin fälschlich und in täuscherischer Absicht als "Hungersnot" bezeichnet wird) der Jahre 1845 bis 1949 zu tun hat und mit seinen fünf Millionen Toten* die Hälfte der irischen Bevölkerung auslöschte. Dies hatte beim Klerus eine Haltung bewirkt, in der das Thema "Sexualität" tabuisiert und auf Nachwuchsfragen konzentriert wurde, um die Geburtenziffern wieder hoch zu treiben, die Menschenverluste auszugleichen. Sie konzentrierten sich dabei vor allem auf die Mütter, die Frauen, und marginalisierten die Väter. So kam es zu einer symbiotischen Beziehung von Priestern und Müttern, um die Moral der Familie zu kontrollieren. Der irische Katholizismus wurde "unterwürfig" und weibisch.

Die Männer wurden irrelevant, wurden regelrecht zu Außenseitern des gesamten irischen moralischen Lebens. Mit Folgen. Denn während es im Zuge der Enzykliken Papst Leo XIII. (ab 1879) über die grundlegende Rolle des Thomismus als bestes philosophisches System des Katholizismus zu einem Aufblühen der Philosophie in Europa und Amerika kam, ging dieser intellektuelle Zug an Irland spurlos vorüber. 

Stattdessen wurden Erscheinungen der Muttergottes wie die von Knock (1879; Knock gilt heute als drittwichtigster Marienwallfahrtsort Europas von Erscheinungen, nach Lourdes und Fatima) ins Zentrum des kirchlichen Lebens gestellt, und das blieb auch so bis ins späte 20. Jahrhundert. Devote Frömmigkeit verhinderte so eine intellektuelle Auseinandersetzung, schien sie gar nicht notwendig zu machen, und damit eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Zeit und den geistigen Strömungen und Irrtümern der Moderne. Man stellte, so nennt es Jones beim Namen, die Mutter über den Vater.

 Morgen Teil 2) Man stellte in Irland die Mutter über den Vater





*Diese Zahl ist durch systematische Zählungen aus Massengräbern belegt, und wird heute von keinem ernsthaften Historiker noch bestritten. Nur die Engländer, die dafür direkt verantwortlich waren, weigern sich bis heute, das zuzugeben, und versuchen immer noch, die offizielle und zynische Version von einer von den Iren selbst verschuldeten Hungersnot durch "Kartoffelfäule", die eine Lüge ist, in der Welt aufrecht zu halten.




Montag, 30. Dezember 2019

Das Verschwinden des Christentums beschleunigt sich

Übertragung eines Beitrags aus dem Blog von William M. aus dem Amerikanischen durch Eberhard Wagner, mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Das Verschwinden des Christentums in Zahlen.
Sollten wir uns besser schon mal mit dem Sterben des Lichts anfreunden?

Es ist eine interessante Statistik, aber die Quelle, die ich nicht näher kenne, und die ich deshalb auch nicht verifizieren kann zeigt, daß die Zahl jener, die sich als "nicht religiös" bezeichnen, in Nordafrika steigt. In Libyen waren es 2012 noch um die 12 Prozent. Diese Zahl hat sich in den letzten sechs Jahren auf 25 Prozent verdoppelt. Unter Millenials (also der Menschen, die ums Jahr 2000 geboren sind) beträgt diese Zahl sogar 36 Prozent. Dasselbe spielt sich in Algerien, Ägypten, Marokko, und so weiter ab. Wenn diese Zahlen stimmen, dann weisen sie hinsichtlich der Geschwindigkeit des Wandels in dieselbe Richtung wie die Zahlen in ehedem christlichen Ländern.


Bevor wir uns aber damit befassen, ist es an der Zeit die Leser daran zu erinnern, daß es so etwas wie "unreligiös" gar nicht gibt, und zwar nicht im metaphysischen Sinn. Jeder, ausnahmslos, hat eine Vorstellung von gut und böse, moralisch und unmoralisch, heilig und profan. Diese Vorstellungen können sich in einem formellen, also sagen wir: offen sichtbaren, religiösen Weg, oder aber auch auf ganz andere Weisen ausdrücken. Egal wie, es drückt sich irgendwie aus.

Deshalb werden Menschen nicht weniger religiös, sie wechseln nur ihre Religion! Das bedeutet nicht notwendig, daß die Menschen sich vom Christentum und dem Islam entfernen und beide zur selben neuen Religion konvertieren, auch wenn das genau so aussehen mag. Aber sie entfernen sich von ihren Traditionen, und erfinden sich neue.

Man nehme nur den Transgender-Wahnsinn her. Es ist ein glatter metaphysischer Glaube, in dem ich davon ausgehe, daß ein Mann, der sagt, ab heute bin ich eine Frau, auch wirklich eine Frau IST. Es ist also der Glaube selbst, der eine Umwandlung bewirkt. Und es ist dieser Glaube, dem gegenüber sich alle verneigen müssen. Man kann es nicht hinterfragen. Es ist göttlich. Deshalb sage ich ja immer, daß die vorherrschende Religion, der sich die Menschen heute zuwenden, die Religion "Der Mensch ist Gott" ist. Meinetwegen nenne man das Humanismus, aber das ist eher eine ziemlich schwachbrüstige Erklärung für ein so erstaunliches Phänomen. 

Wie auch immer. Die, die sich selbst Christen nennen, und die wenigeren, die das traditionelle Christentum auch praktizieren, werden in den Vereinigten Staaten rapide weniger. Wir haben schon früher einmal festgestellt, daß das Christentum in Europa am Ende ist, weil die Zahl derer, die es praktizieren, schon bei 9 Prozent liegt, und immer weniger wird. Hier sind nun die letzten Umfragewerte für die USA, alle mit der üblichen Vorsicht und +/- genau, also nur bedingt aussagefähig.
... 65 Prozent der amerikanischen Erwachsenen bezeichnen sich als Christen, befragt man sie nach ihrer Religion. Das ist alleine im letzten Jahrzehnt ein Minus von 12 Prozentpunkten. Mittlerweile beträgt aber der Anteil der religiös Ungebundenen in der Bevölkerung, darunter sind jene verstanden, die von sich sagen, daß sie Atheisten, Agnostiker oder "nichts Bestimmtes" sind, in den letzten zehn Jahren auf 26 Prozent gestiegen. Die Zahl lag 2009 bei 17 Prozent.

Das sind gewaltige Veränderungen. Und es wird darin eine Beschleunigung erkennbar. Aber es zeigt einen Wandel, der gar nicht anders als so rasch ablaufen kann. Der Rückgang wird sich vermutlich erst verlangsamen, wenn die Zahl gegen null Prozent geht. Wie ich das meine? Die Zahl Protestierender (=protestantischer) Christen fällt in schnellerem Tempo als die bei Katholiken, aber es gibt immer noch welche. Von den Millenials gibt aber schon heute gerade noch die Hälfte an, daß sie überhaupt Christen sind. 


Diese 65 US-Prozent sind ihrer Selbsteinschätzung nach Christen, und sie unterscheiden sich natürlich von jenen, die praktizierende Christen sind. Nur noch 44 Prozent sagen nämlich, daß sie zumindest einmal wöchentlich den Gottesdienst besuchen. Wahrscheinlich ist das die verläßlichere Zahl als diese 65 Prozent. Obwohl das immer noch nicht die beste Schätzung ist, denn auch unter jenen, die zur Messe gehen, gibt es einen beträchtlichen Anteil von Leuten, die an Dinge glauben, die mit dem Christentum unvereinbar sind. Meist haben diese Dinge mit Sexualität zu tun. 

Es ist nur ein Gedanke, aber nimmt man all die übrigen Zahlen her, die man einsehen kann, wird insgesamt kaum mehr als ein Viertel bis ein Drittel aller Amerikaner als Christen übrigbleiben, und davon werden die meisten eher älter sein. Dennoch sieht es so aus, als würde die USA um ein gutes Jahrzehnt im Unglauben hinter Europa hinterherhinken. Ein anderer "ist nicht so wild"-Gedanke setzt die Zahl der traditionsbetonten Christen im kommenden Jahrzehnt auf 10 Prozent oder sogar weniger ein, und in Europa wahrscheinlich ein Zehntel davon. Daten aus Umfragen werden das vermutlich besser sehen und diese Zahl verdoppeln.

Es ist besser, werter Leser, Sie gewöhnen sich schon mal an den Gedanken.

Die Religion vom Menschen-als-Gott feiert allerdings nicht überall ihre Triumphe. Osteuropa und die slawischen Länder befinden sich in einem auffallenden Widerspruch zum Westen.  Vor allem Litauen hat noch echte Substanz, wenn man diesen Umfragezahlen glauben kann.

Es sind zum Beispiel nur etwa 25 Prozent der Litauer der Meinung, daß "Homosexualität von einer Gesellschaft akzeptiert werden sollte". Diese Zahl beträgt bei den Amerikanern 72 Prozent, und bei den Europäern im Durchschnitt sogar 86 Prozent. 

Litauer sind auch am wenigsten geneigt, der Aussage zuzustimmen, daß "in Ehen, wo sowohl der Ehemann als auch die Ehefrau einem Lohnberuf nachgehen, sich beide die Haus- und Familienarbeit zu gleichen Teilen aufteilen müssen."


Das Wichtigste von allem aber:

In der Frage, ob Frau und Mann die gleichen Rechte haben sollen, sind Amerikaner (mit 91 Prozent) derselben Auffassung wie Europäer (durchschnittlich 90 Prozent). Auf jeden Fall damit mehr als die Zentral- und Osteuropäer (im Schnitt 70 Prozent).

Litauer liegen auch hier an der Spitze, nämlich mit ungefähr 60 Prozent. Das ist zwar noch immer meilenweit weg von der richtigen Antwort, nämlich null Prozent, aber daß das die niedrigste Zustimmungsrate aller Länder weltweit ist, das erzählt schon einiges.





Samstag, 7. September 2019

Wo der Genderismus begann (3)

Teil 3)



Den Abschluß ihres Vortrags bildet eine Stellungnahme zum Feminismus. Sie sei eine Vertreterin des Gleichheits-Feminismus, das heißt, sie glaube an die Notwendigkeit, daß Mann und Frau im beruflichen wie politischen Bereich gleiche Möglichkeiten haben müssen. Daß deshalb systemische Barrieren beseitigt werden müssen, wo immer sie bestehen. Dennoch ist sie strikt dagegen, daß man spezielle "Schutzmechanismen" für Frauen aufbaut! Sie sind immer paternalistisch, patronhaft, verkindlichen die Frauen. Stattdessen müssen Arbeitsplätze als gender-neutrale Zone betrachtet werden, wo Frauen aber aus eigener Kraft, durch eigene Kommunikation, durch eigenes Handeln ihren Platz behaupten müssen. Sie sollen selbst festlegen, was sie zwischenmenschlich tolerieren und was nicht. 

Es gibt für Paglia keinen Grund, warum eine hoch ausgebildete Mittelklasse-Frau behauptet, sie hätte zu wenig "Macht", um etwas zurückzusagen, ihre Meinung zu äußern, oder sich zu beschweren, wenn es angebracht scheint. Das ist Unsinn! Hier benutzen Frauen bestenfalls die feministische Argumentation, um einen Vorteil daraus zu ziehen, aber sie ruinieren ihre Würde und Selbstachtung. Das mag in der Unterschichte noch angehen, wo Frauen oft schon rein von der Bildung her nicht in der Lage sind, sich zu wehren, und Angst haben, ihre Kinder nicht mehr durchzubringen, wenn sie gekündigt werden. Aber nicht bei gut ausgebildeten Frauen der Mittelschichte. Noch schlimmer wird es, wenn die Frauen übergeordnete Stellen einrichten, die dann "Gerechtigkeit" überwachen sollen. 

Als Alt-68erin war es Paglia immer ein Horror, wenn jemand persönliches Leben und Verhalten überwachen wollte! Und jetzt will die Linke und der Feminismus diese ständige Ausweitung der Bürokratie programmatisch? Die Geschichte zeigt, daß genau eine ständig wachsende Bürokratie den Niedergang einer Kultur besiegelte, der dadurch jedes Lebenslicht erlosch. Denn Bürokratie wächst aus eigener Gesetzlichkeit. 

Deshalb bräuchte jede Bürokratie einen inneren Mechanismus, der permanent ihre Größe und ihre Macht zurückstutzt. Das gilt auch für Universitäten. Deren Verwaltung nicht den geringsten Auftrag hat, das soziale und persönliche Leben am Campus zu überwachen und zu regulieren. Dieser universitäre Paternalismus, diese Haltung des ständigen "Händchenhaltens" ist sogar ein Betrug an der sexuellen Revolution der 1960er, die Freiheit und Selbstbestimmung wollte. Man wollte doch nicht diese "Kindermädchen-", diese Ersatzeltern-Figuren an allen Ecken und Enden!

Interessant noch eine Geschichte, die sie im Anschluß zum Vortrag auf eine Frage hin erzählt: Sie hat sich Anfang der 1970er mit Feministinnen geprügelt. Denn sie hat "Under my thumb" von den Rolling Stones verteidigt. Der Text mag sexistisch sein, aber nur in der provokanten Schlagzeile. Denn wenn man ihn genau ansieht, stimmt das gar nicht. Aber das Lied ist Kunst, ein großartiger Song. Daraufhin war sie von einer feministischen Funktionärin bespuckt und beschimpft worden: Ein Lied, das sexistisch ist, könne niemals Kunst sein! Das, so Paglia, sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen, denn es ist blanker Stalinismus.* Und damit habe sie auch als Feministin nie etwas zu tun haben wollen. Kunst darf sich niemals solche moralischen, politischen Gesten und Ideologismen leisten!

Noch ein letztes von ihr sei herausgegriffen, es beschließt diesen Bericht, und es sagt viel aus: Sie würde sich wünschen, sagt Camille Paglia, wenn sie einmal eine Feministin anträfe, die aus einer guten, bürgerlichen Familie mit Bildungshintergrund käme. So gut wie alle feministischen Leitfiguren kommen stattdessen aus katastrophalen, zerrütteten familiären Verhältnissen.

Sie würde sich vor allem wünschen, wenn der Feminismus endlich aus der "Anti-Männer"-Ecke käme. Sie würde sich also nicht nur endlich starke, gesunde Feministinnen wünschen, sondern auch solche, die die Freiheit haben, Männer die es verdienen, offen zu bewundern. Die Männer sahen, wie sie sie kannte: Die in den Krieg zogen und für ihr Vaterland kämpften, die im Wald Holz schlugen und Feuer machten, die Frauen respektierten und im Hinterhof Körbe flochten, die wie ihr Vater und ihr Großvater arbeiteten, arbeiteten, arbeiteten, sich für ihre Familien aufopferten und allen alles gaben, was sie geben konnten. Man sollte also nicht ständig, wie heute, auf Bilder von irgendwelchen bösartigen Lumpen starren. Die gibt es überall. Auch unter Frauen.






*Naja, so ganz stimmt das alles nicht. Denn ihre Opponentin hatte auf eine Weise gar nicht so Unrecht: Kunst muß gut, wahr und schön sein. Schön ist aber nicht einfach subjektiver Ästhetizismus, sondern der Glanz des Wahren, das auch ein Gutes ist. Deshalb sind Inhalte von der Formgestaltung nicht einfach zu trennen. Man kann nicht sagen "Was erzählt wird ist scheiße, aber es ist sehr gut formuliert, also ist es Kunst." Wobei nicht selten Kunstkritik - vor allem wenn sie aus kleinbürgerlichem Atem kommt - nicht zwischen dem Weg, einen Inhalt zu zeigen und dem Mittel unterscheiden kann. Das berührt die Frage, ob es in der Kunst möglich ist, "Niedriges, Schlechtes" ALS "Niedriges, Schlechtes" zu zeigen. Das geht, es hängt nur vom Gesamtrahmen ab. Im Roman etwa ist das Gezeigte, also das Gute, Wahre, Schöne letztlich sogar erst das Fazit, also der Schluß!

In dem Fall hat also Paglia auch wieder recht, weil sie ausführt, daß der Text durch den Strophenbau zeigt, daß er mit der Unterdrückung ("Under my thumb") spielt, dabei aber die Ohnmächtigkeit des Mannes darstellt. Der Titel ist nur Provokation.




Freitag, 6. September 2019

Wo der Genderismus begann (2)

Teil 2)



Warhols Pop-Art hat - und das war seine historische Bedeutung - die Avantgarde beendet, ja ermordet, die über hundertfünfzig Jahre einen oft heroischen Weg der Suche nach neuen Wegen gegangen war. Mit Warhols Pop-Art (auch Lichtenstein ist zu nennen) hob sich die traditionelle Kluft zwischen der hohen Kunst und der Alltagskultur auf. So, wie es Bowie in seinem Bereich ebenfalls gemacht hat. Warhol hatte zur Folge, daß die Avantgarde es ihm gleich machte, und Vorhandenes verfremdete und zerstörte. Aber das war nicht mehr Avantgarde! Denn diese muß immer einen (hohen) Preis kosten, muß Frucht einer schöpferischen, durchlittenen Qual am Gewesenen sein, nur so hat sie inneren Wert. So aber wurde alles nur noch Spiel mit den Galerien, den Moden und Kunstmärkten. 

Darin sind auch die Eliten in einen abscheulichen Provinzialismus gestürzt. Alles begann in political correctness und Klischees zu ersticken. Wirklich Neues gibt es seither in der Kunst nicht mehr. Die Kreativität ist aber in andere Bereiche abgewandert, in Animationsfilme, in die Entwicklung von Computer-Spielen und ins Industrie-Design. Dort hat sie auch bei ihren Studenten noch Konzept und formale Gestaltung gesehen, die aus der traditionellen bildenden Kunst aber geflohen ist.

Interessant sind ihre Ansichten über die Rolle der Freien Rede, auch und gerade in einer Demokratie. Sie meint, daß es ohne freie Rede Demokratie gar nicht geben kann, und die Tatsache, daß sie aus den Universitäten verschwunden ist, ist ein regelrechter Skandal. (Aber wie soll es sie geben, wenn die "neue Moral" alles zensiert wissen will?) Der die Korrumpiertheit der Verwalter-Klasse beweist, die die Universitäten dazu benutzen, ihren Interessen zu dienen. Die Fakultäten haben jede Macht verloren, ihre Programme selbst zu gestalten, sondern werden von überbezahlten, allmächtigen Verwaltungsbossen gesteuert. Sie sind die eigentlichen Antriebe hinter der Versumpfung der Universitäten in political correctness. 

Aber auch unter den Professoren ist eine schreckliche Entwicklung festzustellen. Sie begreifen oft nicht mehr, daß die Klasse, vor der sie stehen, nicht ihr Versuchslaboratorium für ihre persönlichen Ideologievorlieben sind. Sie unterscheiden nicht mehr zwischen ihrer Meinung (die man natürlich auch äußern kann oder soll, keine Frage, aber als solche erkennbar!), und dem eigentlichen Stoff, den sie vortragen sollen. Dem gegenüber jeder Student die Freiheit haben muß, jede, wirklich jede Position einzunehmen, die ihm richtig erscheint. Paglia findet es schockierend, daß stattdessen die Lehrenden immer mehr dazu übergegangen sind, den Studenten ihre Sichtweisen aufzuzwingen, ja sie damit zu tyrannisieren. 

Das hat damit zu tun, meint Paglia, daß jede Idee, jeder Maßstab verloren gegangen ist, wie Bildung und wie universitäre Lehre auszusehen habe. Und sie sagt das, obwohl sie selbst sich als Feministin bezeichnet, die seinerzeit auf Yale sogar die einzige war, die den Mut hatte, über Geschlecht zu dissertieren - aber das Übel begann mit den Gender-Studienrichtungen. Die mit einem Fingerschnipsen der Verwaltung über Nacht eingeführt wurden, in welchen Wiedergutmachung für die vormalige Ausgrenzung oder Unterrepräsentanz von Frauen an vielen Fakultäten geleistet werden sollte. Zuerst war alles nur eine Schaufensteraktion, in der man nach außen signalisieren wollte, daß man nun alles besser machte. Also schaufelte man Geld zu einigen Frauen und bedeutete ihnen, sie sollten nun einfach ihren eigenen Weg finden, "Frauenstudien" zu schaffen.

Damit erfand man von heute auf morgen einen Studienzweig, der aber viel konzeptionelle Vorüberlegung gebraucht hätte. Was an Ausbildung sollte angeboten werden, was sollte an Wissen über Anthropologie, Sozialgeschichte oder Biologie vermittelt werden. Gerade Letzteres! Denn heute fragt man sich wie es möglich war, "Gender-Studiengänge" anzubieten, ohne irgendeinen Bezug zu Biologie zu etablieren!? Heute kann man "Gender" studieren, ohne auch nur ein Semester Biologievorlesungen besucht zu haben! Stattdessen erklärt man Biologie für irrelevant für das Thema. Man hat nicht einmal einen verbindlichen Lektüre-Kanon festgelegt, den jeder Studierende kennen muß. 

Die Folgen waren vorhersehbar: Heute sind die Gender-Fakultäten so etwas wie das Politbüro der Universitäten. Und die exzessivsten Ansichten der Gender-Studien sind ins reale Leben übergeschwappt. Das hat - nicht zu Unrecht - dazu geführt, daß sich weltweit (Paglia nennt Ungarn) Widerstand regt und Gender-Studien von den Universitäten verbannt werden sollen, weil sie kein universitäres Fach, sondern Ideologie sind. Das entspricht genau ihren Beobachtungen, meint Paglia: Wenn die Linke Probleme nicht sehen will, sondern unter den Teppich kehrt, tauchen die in den Untergrund ab, und schlagen über die Rechten als Gegenkraft zurück. 

Das gilt auch für die Medien, die dazu neigen, linke Fehler zu verschweigen und Meldungen dazu zu unterdrücken. Die damit sogar rechten Extremismus regelrecht produzieren. Sie bezeichnet sich als Demokrat (Clinton), aber sie war nicht überrascht, daß Donald Trump die Wahlen gewonnen hat. Die Linke hat es ihm nämlich leicht gemacht, weil sie ihre Fehler (man denke an die Verbindungen zu Goldman Sachs) verheimlicht statt angesprochen hat, Dinge gemacht und zugelassen, die ihren vorgeblichen Idealen widersprochen haben - und das ist ihr auf den Kopf gefallen.

Auch die Art der TV-Shows ist da wenig förderlich. Sie leben von einer Inszenierung, in der sie unbedingt Konterparts wollen und aufbauen. Noch vor einigen Jahrzehnten war es möglich, in einer öffentlichen Diskussion jedes Argument zu bringen, das angebracht schien. Heute wird alles sofort in eine Schublade gesteckt, und nur diese muß man dann bedienen. Das ist einer Diskussionskultur, die letztlich doch auf "gute Ideen" oder gar "Konsens" abzielen sollte, absolut tödlich. Heute weiß jeder schon (oder gibt vor zu wissen) was jemand sagt, da hat der noch nicht einmal seinen Mund aufgemacht.

Dabei sind doch die meisten Standpunkte der Menschen viel flexibler als man meint! Die Menschen sind gar nicht so polarisiert und in kindischen Oppositionshaltungen einbetoniert, wie oft behauptet wird. Das richtet sich als Kritik vor allem an die Produktionsassistenten (in den USA "assistant producers"), die mit ihren "dramaturgischen Anweisungen" diese Polaritätsunkultur eingeführt haben und heute daran festhalten, weil es angeblich Quote bringt. Sie selbst geht deshalb in keine Talk-Show mehr. Und der VdZ, der vor etlichen Jahren die gleichen Erfahrungen gemacht hat, handhabt es genauso. Man kriegt dort eine Position übergestülpt, und ist nur als solcher dann interessant und wird (bis hin zu Kameraeinstellungen oder gesteuerten Publikumsreaktionen) nur als solcher dann präsentiert. 

Diese Erfahrungen haben Camille Paglia zur Ansicht geführt - sie ist auch Professor für Medienstudien - daß der Journalismus in den USA heute tot und ein stinkender Leichnam ist.

Morgen Teil 3)





Donnerstag, 5. September 2019

Wo der Genderismus begann (1)

Michel Foucault, der als Ikone des Postmodernismus angesehen wird, und von dem die fatale Idee stammt, daß alles menschliche Zueinander ein Kampf um Macht und Vorherrschaft ist, ist eine der Lieblingszielscheiben von Camille Paglia. Eine Frau, die ziemlich gescheit ist, und im persönlichen Eindruck gerade auch in diesem Vortrag wirkt, als schreie sie innerlich nach Gott, verbiete sich aber als ausgewiesene Atheistin diesen Gedanken. In diesem Zusammenhang ist die These von Paul C. Vitz noch interessanter, der sich damit befaßt hat, "woran Atheisten glauben". Und eines seiner wichtigsten Bücher "Faith of the Fatherless" (Glaube der Vaterlosen), ein Schlüsel zum Verständnis des Atheismus, nannte.

Foucault, so Paglia, ist ein glatter Dieb. Nicht einer seiner Gedanken ist originär, er hat alles zusammengestohlen. Keine seiner Thesen stammt von ihm, sondern wurde schon lange vor ihm aufgestellt, meint Paglia. Foucault hat das alles nur zusammengestellt. Und damit Furore gemacht. Er war offenbar einfach zur richtigen Zeit da, das war alles, und hat das in seinem (für einen Homosexuellen und Narzißten nicht untypischen) luciden Sinn für Nachfrage und Beliebtheitsmomente extrem gut vermarktet.

Mein Gott, ist die Frau klug. Der Vortrag sei wärmstens empfohlen, er ist eine Fundgrube von klugen und inspirierenden Bemerkungen, die sie als einen Überblick über eines ihrer aktuellen Bücher präsentiert. In dem sie sich mit der Pop-Kultur befaßt. 

So sagt sie, wieder unter Bezug auf Foucault, daß an der Gender-Ideologie der Gegenwart nichts, absolut nichts neu ist. Die eigentliche Kulmination des Genderismus hat bereits David Bowie in den 1970er-Jahren geliefert. Und er hat ihr zu diesem Einfluß verholfen, indem er eine ganze Generation tief beeindruckt und geprägt hat. Damit hat er dem Genderismus den Boden bereitet, ja ihn im Alleingang verbreitet. Indem er mit der neuen Ikonographie der neuen Medienwelt in Film und Musik wie der Schaffung eines öffentlichen Images als dessen Bezugspunkt perfekt umgegangen ist. Diese besondere Art des Geschicks teilt er somit mit Michel Foucault.

Parallel zu Bowie war aber ein anderer Künstler stilbildend, und darin eine weitere Gestaltbresche schlagender Vorreiter des Genderismus. Der Name dürfte vielen unbekannt sein, anders als seine Werke (und die seiner Epigonen) - es ist Tom of Finland. Der mit seinen homoerotischen Werken den "Lederlook", das Element des Sadomasochismus in der Schwulenszene also, zum Teil der Populärkultur machte. Noch bedeutender aber war die Schaffung einer Art Gestalt als Identitätsangebot für die gesamte Homosexuellen-Szene. Und Identität "als" Homosexueller ist deren eigentliches Problem*.

Ein weiteres "Lieblingsthema" (zu dem wir an dieser Stelle vor Jahren bereits einen Vortrag von ihr brachten) ist das Thema "Bildung". Denn sie ist tief entsetzt über das, was sie als Hochschulprofessorin über mittlerweile siebenvierzig Jahre beobachten muß. Das öffentliche Schulwesen ist in ihren Augen ein einziges Desaster. Dabei hat sie es an der Kunstschule, an der sie seit vierunddreißig Jahren unterrichtet, noch gut, weil sie die Studenten in Bewerbungsszenarien aussucht. Dennoch hat sie einen Überblick über das gesellschaftliche Geschehen, denn auch ihre Studentenschaft ist ein Kaleidoskop sämtlicher sozialer und gesellschaftlicher Schichten. 

Dabei geht sie so vor, daß sie ihre Lehrinhalte daran ausrichtet, was sie an den Studenten als Notwendigkeit und Bedarf erkennt, was an Wissen fehlt, was an Fertigkeiten. Und sie ist "horrified", sie ist schockiert festzustellen, daß speziell seit zwanzig Jahren Jahr um Jahr um Jahr das Maß an kultureller Information, das diese Studenten aufzunehmen vermögen und besitzen, zurückgegangen ist. Auch das, was man als Grundsäulen und Marksteine der gesamten westlichen Kultur ansieht ist mehr und mehr unbekannt und verschwunden. 

Sie erzählt eine bezeichnende Geschichte, die ihr vor fünfzehn Jahren passiert ist. Als sie in einer ihrer Klassen das bekannte Spiritual "Go down Moses" diskutieren wollte, so, wie sie es die Jahre zuvor auch gemacht hatte. Lange hatte sie sich in diesem Jahr gewundert, warum die Klasse einen inneren Widerstand zu haben schien, sich mit dem Text zu befassen. Bis sie erkannte: Die meisten Studenten wußten gar nicht, wer Moses war! Die einzigen, die das wußten, waren Afro-Amerikaner mit kirchlichem Hintergrund. 

Der säkuläre Humanismus hat es geschafft, die Grundlagen unserer Kultur ins Vergessen zu schieben. Man kann mit heutigen jungen Menschen nicht mehr über unsere Kultur sprechen, weil sie deren Gerüst gar nicht mehr kennen. Obwohl sie eine so lange Schulzeit durchlaufen haben. Damit fällt, kann man sagen, das gesamte kulturelle Erbe weg und muß ungekannt und unverstanden bleiben. Die gesamte Bibel, dieses großartige, unübertreffliche Kompendium von Weisheit und Heldenerzählungen und Schicksalsgeschichten, ist unbekannt, eine gesamte Dimension unserer Kultur fällt damit weg, mehr noch: Was bleibt von unserer Westlichen Kultur, wenn die Bibel, wenn der Name Moses wegfällt?

Sie kennen die Kardashian-Familie, und auf diesem Niveau bewegt sich die "Bildung". Ihr selbst war es in ihrer Zeit in Yale (1968-72) noch passiert, daß die Professoren sie als frivol und oberflächlich angesehen haben, weil sie sich für die Gegenwartskultur und darin vor allem für Hollywood und dessen Geschichte interessiert hat. Daraus, so war damals der Tenor, konnte man nichts lernen, weil man ohne Kenntnis der Grundlagen unserer Kultur daraus nichts erkennen konnte. Nicht einmal der europäische Kunst-Film der 1950er und 1960er hatte einen anerkannten Status als relevante Kunst. 

Sie hat Populärkultur immer ernst genommen. Und sie hat sich viel damit befaßt, sie zu interpretieren und zu verstehen, und daraus Rückschlüsse auf die Kultur und die Menschen zu ziehen. Sie hat gesehen, daß sich über diese Ebene Beziehungen zwischen Hochkultur und Populärkultur finden lassen. Sie war deshalb immer ein Fan von Andy Warhol, der - wie sie - die (ewige) Schönheit in der Werbung oder im Starkult etwa erkannte, man mußte nur die Oberfläche entfernen, buchstäblich ein anderes Licht darauf werfen. (Deshalb wohl die Verfremdungen vorhandener Photographien der Stars, die Warhol so berühmt gemacht haben, Anm.). Und sie war glücklich damals in New York seine Kurzfilme zu sehen, die mittlerweile völlig von der kulturellen Landkarte verschwunden sind. Man erkennt den Unterschied der Warhol'schen, absurden Verfremdung zu den Trash-Filmen der Gegenwart gar nicht mehr. 

Morgen Teil 2)



*Denn ontologisch gesehen ist Homosexualität keine Identität, sondern genau das Fehlen oder Suchen nach einer solchen.