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Sonntag, 26. Februar 2023

Vom Schreibtisch weg geplaudert

Meinen Freunden einen kurzen Zwischenbericht von der Arbeit, in die ich mich seit Monaten verbissen habe, und die sich zu einem Riesenwerk ausgeweitet hat. Es ist ein Werk der Poesie, der erhzählenden Prosa, und alleine die bereeits jetzt verfaßten Texte und Erzählstränge umfassen rund 600 Seiten. Ein Ende ist noch nicht in Sicht. Die Arbeit wird mich also noch viele Monate beanspruchen, und ich bin sehr glücklich damit. Erste Leseproben haben mir bestätigt, daß sich unter viel Schutt auch viel Gold finden läßt. Wie ich mit dem Schlamm umgehe, aus dem sich diese Lotosblüten herausarbeiten und dann rein und schön und duftend daliegen, weiß ich allerdings noch nicht. Er ist einerseits unverzichtbasr, anderseits stinkt er wie jeder Morast. Mal sehen. Vielleicht werde ich aber einmal an diesem Ort eine kleine Probe einsehbar machen. Mal sehen.

Darüber hinaus ist die Befassung mit vielen anderen Themen, mit denen ich mich befasse, sehr in den Hintergrund getreten. Und damit habe ich persönlich absolut kein Problem. Manch Leser (und im besonderen die, die seit vielen Jahren diese Seiten verfolgen) wird es vielleicht vermissen, ich persönlich - ehrlich gesagt - nicht.

Donnerstag, 17. November 2022

Revolution als Dauermodus der Neuzeit

Überaschend aktuell liest sich "Das Europa der Könige!, dessen Inhalte die spritzigen Schreibstil ders Autors, Leonhard Horowski entspricht, teilweise gar schafft. So aktuell, daß mir beim Lesen immer wieder der Zeithorizont "abhanden kommt", denn eine geschichtliche Epoche, für die das Berichtete ein Alleinstellungsmerkmal hätte, oder auch nur so typisch wäre, daß es NUR DORT hätte stattfindenklönnen, kann ich nciht erkennen. 

Das Buch fällt dabei in die Kategorie der aus dem 17. und 18. Jahdhunert überlieferten Tagebücher und Klatschgeschichten,d ie zuhauf vor allem aus Frankreich (aber nicht nur von dort) auf uns gekommen sind. Der Autor will zeigen, daß die Politik dieser Epoche zutiefst von persönlichen Zielen und Vorstellungen der Politik - also den Königen und Fürstenund Adeligen - bestimmt war, von deren Verwandtschaftsbeziehungen und den Netzwerken, die alle aufgebaut hatten. Also von Eigenshaften bestimmt war, die man heute nicht mehr kennt.
Wirklich? Wenn Sie das Werk lesen, werter Leser, werden Sie das nicht mehr so sehen.  Die Etiketten an den Dingen haben sich vielleicht geändert,, man nennt dasselbe anders. Auch die Farbe dfer Schuhe oder die Qualität der Stoffe der Kostüme ist nicht mehr dieselbe. Aber was hat sich sonst geändert?

Montag, 4. Oktober 2021

Wenn man nichts verschreit

Ich hoffe, "ich verschreie es nicht." (Schon bleibe ich wieder hängen. Dieser "Aberglaube" beruht auf dem tief in uns vorhandenen Wissen um die realitätsschaffende Kraft des Wortes. Es heißt nicht zufällig in der Heiligen Schrift, daß wir nach jedem Wort gerichtet werden, das unseren Mund verläßt.)

Also, noch einmal: Ich hoffe, ich verschreie es nicht, aber das Maß an Normalität, in dem ich hier in Ungarn lebe, läßt die Nachrichten in deutsch- und englischsprachigen Medien wie das Abrollen eines fernen, fremden Spektakels erscheinen. Wie im Traum, sehe ich zu, was angeblich in Österreich, Deutschland oder einigen Staaten in den USA abläuft, um "das Virus zu bekämpfen", oder wie immer die Floskeln lauten, die als Federn an den Hut gesteckt werden. 

Mittwoch, 21. Juli 2021

Reformation als Bildungsnotstand

Im Grunde ist die ganze Reformation der Ungeduld Martin Luthers, also dem Ausfluß eines sittlichen Defekts, somit eines Tugendmangels, zuzuschreiben. Die dann mit den Jahren scheinhalber von einer Theologie überlagert wurde, die in nichts bestand als in einem rationalistischen, sophistischen Herausgreifen und Fortführen von theologischen Sätzen, die Luther in Erlangen zum einen zu wenig verstand, die er zum anderen mit Recht ablehnen mußte, weil sie einfach falsch oder Aberglaube waren. 

Es ist dies eine Ungeduld die jene haben, die der Wirklichkeit des Seins zu wenig vertrauen. Und sie tun dies vor allem deshalb, weil sie sich einerseits zumuten, ihre Vernunft selbständig darauf auszurichten, und anderseits die Verknüpfung zur religiösen Haltung übersehen. Die die Indefektibilität der Kirche nicht in einer utopischen "Reinheit" des faktischen historischen Zustands erkennt (denn dort ist sie nicht, nicht bis zum historischen Zweiten Wiederkommen Christi und der darauf folgenden Neuen Schöpfung), sondern in jener Wirklichkeit des Seins, in der alles Faktische auf eine nicht immer leicht zu erkennende, subtile, aber umso wirklichere, kräftigere, unüberwindlichere Weise zusammengehalten wird.

Dienstag, 8. September 2020

Und steht die Hoffnung nicht, erhebt sich Grauen (2)

Teil 2)



So erhebt sich aus der Hoffnungslosigkeit eine Welt des Grauens. Die mit zwanghaftem, auferlegtem, gesolltem Optimismus (und sei es den der "Hoffnung" auf eine "baldige Impfung gegen Corona") dieses Fehlen der Göttlichen Tugend im Menschen ersetzen soll. Um eine Welt zu zeugen, die eine Utopie ist, ein Paradies, ein Phantasialand.
Also haben wir es mit einer Welt des "Gewußten" zu tun, einer Wissenschaft, die sich dazu gewandelt hat, einer "Bildung" die diesen Charakter angenommen hat - daß das "Gewußte" zu einem verzweifelten, also der Hoffnung entbehrenden Diktat wird, wie die Welt ZU SEIN HAT. Weil ohne Glaube die Welt zu einem Unerkennbaren zerrinnt, zu einer Welt der Schatten, ja nicht einmal dieser. Zu einem Tappen in einem dunkelen Raum. 
So erleben wir es, so erleben wir diese Welt, wie sie in den Medien herantritt, diesem bevorzugten Instrument der Manipulation, also der Gewalt am Weltwissen der Menschen - so erleben wir, daß das "Gewußte" zu einem Diktat wird, dem jeder zu folgen hat. Um wenigstens irgendwie - in sich aber zutiefst irrational - die Welt noch handhabbar weil "erkannt" zu halten.
In dieser solcher Welt darf nichts andere mehr "gewußt" - das heißt: als Wirklichkeit gesagt und gedacht - werden, als der Wille der Verzweifelten festlegt. Der somit zu einem bösen Willen wird, ja zu einem Wollen des Bösen. 
Der ebenso verhindert, daß jede Vorausschau, jedes Bild der Zukunft ernsthaft und real vorgestellt wird. Der somit verhindern muß, daß die Menschen die Tangenten an die Gegenwart anlegen, um durch deren fürderen Verlauf zu sehen, wo wir bei gleichbleibender Richtung unseres Wollens landen. 
Der damit das gegenwärtige Handeln aber aus jedem wahren Sinnhorizont herausreißen muß, um durch Vorgabediktat eines Sinnes das Sehen verhindern und bestimmen möchte. Damit wird die Vorgabe des Sinns auf jene Art zum Dogma, in der alles verhindert und bei Strafe verhindert wird, das nicht diesem Sinn entspricht.  
Denken wir dabei einfach, wenn wir den Aufweis der Richtigkeit dieser Aussagen suchen. Denken wir an die letzten Krisen, die uns bestimmen, die (angebliche) Klimakrise, die (angebliche) Corona-Krise. Wo wir erlebt haben, daß der Sinn unhinterfragt bleiben muß. Daß es sich hier wie da unausweichlich um eine existentielle, ja apokalyptische Bedrohung handelt. Wo alles, was an Daten im Täglichen auftaucht, nur noch in dieser Hinsicht gedeutet und damit zu "Fakten" gemacht wird. 
Während wir gar nicht mehr bemerken, wie anders die Welt vielleicht ist! So anders, daß bei gleichbleibenden Daten ein völlig anderer Sinn belegt wird. Der niemals von einer Gefahr sprechen könnte, die dieser dogmatisierten Sinndeutung auch nur annähernd gleichkommt.
So erkennen wir vielleicht, wie gefährlich diese Haltung der Hoffnungslosigkeit für uns werden kann. Weil sie unser Entscheiden und damit Handeln sinnlos machen kann, weil sie Hoffnung durch Zwang zur Utopie ersetzt. 
Nichts und niemandem fehlt aber die Hoffnung so sichtbar, wie der Utopie und dem Utopisten. Und nichts und niemandem fehlt dieser unserer gegenwärtigen Welt, die wie ein Schwamm vollgesogen von Utopie ist, so sehr wie die Ergebenheit in den Willen und die Vorsehung Gottes. Nichts fehlt also so sehr wie der Glaube an die weltschaffende wie welterhaltende Kraft und Wollen der Wahrheit selbst, also dem logos, auf dem alles Welthafte aufruht, weil von ihm in dieser Mehrdimensionalität des Personalen - Wissen, Ergebenheit, Liebe als Seinsbejahung - durchwirkt ist.

Damit ist die Analyse klar im Ergebnis. Daß wir in einer immer verzweifelteren Welt leben, die in dem Maß auf unser geistiges Leben (weil wir Personen sind) ausgreift, als sie den allumfassenden, in jeder Weise offenen (und damit den katholisch seienden) Glauben als Weg der Enthüllung eines uns betreffenden, die Realität durchwaltenden Wirklichen und damit als einzig mögliche Basis der von Gott eingesenkten Tugend der Hoffnung verliert. 

Die begriffen hat, daß es kein Glück außerhalb des Wollens Gottes gibt, das sich von unserem kleinen, innerweltlich bedingten, psychologisch begründbaren Wollen und Wünschen grundsätzlich unterscheidet. Weil sie jedes Ergebnis des Spiels schon im Vorhinein als das Beste, Mögliche annimmt.

Eine solche Welt aber ist eine Welt des Grauens, und eine Inkarnation der Hölle, die Satan selbst nicht möglich wäre, der aber diese Welt genau in dieser Verzweiflung des Menschen erst zur Pforte zu jener Ewigen Hölle zu machen vermag, in der wir damit vorzeitig gelandet sind, wenn wir den Glauben verloren haben.

Der wie die Hoffnung ein göttliches Geschenk, somit ein Eingreifen in die reale, fleischliche Welt ist. Fehlen aber diese beiden, fehlt der Glaube, fehlt die eingesenkte Hoffnung - was bleibt dann noch zu lieben, und aus welcher Kraft könnte dann noch geliebt werden?

Fehlt die Hoffnung, erhebt sich also Grauen und erhält ihren Namen. Es sind die Namen, die das Schicksal der Welt bestimmen. Denn auch im Anfang war das Wort. Es aber war - ein Name.




*210820*

Montag, 7. September 2020

Und steht die Hoffnung nicht, erhebt sich Grauen (1)

Vielleicht vergißt man es, vielleicht aber kann man es nur aus einer menschlich-psychologischen Warte heraus verstehen - daß die Hoffnung wie der Glaube und wie die Liebe göttliche Tugenden sind. Tugenden, die nicht "zu machen" sind, sondern die uns kraft der Sakramente eingesenkt werden. Einmal durch die Taufe (mit Ehe, Firmung und Kommunion als Vollendung) als Grundlage (das heißt wiederum: durch die Kirche generell), und dann durch jene übrigen Sakramente, die im Rahmen eines entfalteten Gnaden- und Glaubensleben gesehen werden können. Und das heißt als Tugendleben. Denn das Laster verdunkelt deren Wirkung, ja trocknet sie aus und macht sie sogar zur Anklage im Gericht.

Wenn wir uns aber hier nur der Hoffnung zuwenden, so auch in ihrem Zusammenhang mit den übrigen zwei göttlichen Tugenden, dem Glauben und der Liebe, denn sie spielen zusammen, und wirken aufeinander. Darauf wiederum greifen wir vor allem den Glauben heraus, denn er bietet jene sachliche, vernunftbetontere Grundlage, auf der im speziellen die Hoffnung aufruht. 

Und die Hoffnung wird vielleicht am wenigsten von diesen drei Tugenden verstanden. Sie hat nämlich nichts mit Optimismus zu tun, der nicht einmal ihre kleine Schwester ist oder als solche bezeichnet werden könnte. Denn jener ist eine weltlich-psychische (und psychologische) Dimension, die von aller Übernatur abgeschlossen bleibt. Die Hoffnung ist also nicht etwas, das auf Optimismus (als deren natürliche Grundlage, treu dem Wissen um die Tatsache, daß die Gnade der Natur folgt, ja diese voraussetzt.

Die Hoffnung ist aber vielleicht jene Tugend, deren Fehlen am meisten zu beobachten ist. Denn sie hat eine sehr weltliche Auswirkung und betrifft die Weise des In-der-Welt-Stehens. Sie ist darin die Haltung der Offenheit dem Begegnenden gegenüber. Eine Offenheit, die nur aus der Glaubensergebenheit zu verstehen ist, und die Zukunft in der Hand Gottes weiß. Damit bleibt sie - im Gegensatz zum Optimismus - ergebnisoffen, und ihre Freude bezieht sich gerade darauf. Während der Optimismus gerade diese Gottergebenheit ausschließt, weil ein nützliches, erwünschtes Ergebnis herbeisehnt oder gar aus der Sicherheit der weltlichen Vorbereitung heraus erwartet. In Gott aber gibt es diese Art der Sicherheit nicht, ja sie schließt sich sogar aus.

Denn für Gott ist die Welt ein Spiel, und zwar ein Tanz der Freude, des Lobes, der Selbstentfaltung, und völlig unabhängig von jedem Ergebnis, wie wir Menschen es sehen würden. Zu hoffen bedeutet nicht, irgendein "gutes Ausgehen" des Lebens - als "Gelingen" irdischer Vorstellungen, als "Heile Welt" (in den Augen der Menschen) sozusagen - zu erwarten, oder darauf zu bauen. Im Gegenteil, ist die Hoffnung davon abhängig, wie sehr im Glauben, der hier ein Glauben an die Göttliche Vorsehung ist, an Gottes Willen festgehalten wird. 

Doch an letzterem mangelt es in der Gegenwart, das läßt sich mit Sicherheit sagen. Denn am sichersten läßt sich dies aus einer politischen, medialen, sprachlich-geistigen, gesellschaftlichen Situation erkennen, in der jeder Verantwortungsträger durch sein Verhalten auf den Glauben an ein "gutes Ausgehen" einer Sache abzielt. 

Und dieses Verhalten hat sich in allen Lebensbereichen in unserer Kultur, die damit zeigt, daß ihr bereits die Grundlagen fehlen (also gar nicht mehr substituiert werden können), durchgesetzt. Es ist in der Dichte und Qualität der Propaganda erkennbar, in der "Stimmung" und "gesollter Optimismus" die Hoffnung ersetzen soll. Ja es läßt sich beobachten, daß ein enorm hoher Anteil des praktischen Lebens in irgendeiner Form die fehlende Hoffnung ersetzen soll. 

Diese Maßnahmen sind daran erkennbar, daß sie auf die menschliche Seele und deren Selbsterfahren ausgreifen wollen. Sie wollen jenen Realismus verhindern, der ergebnisoffen dem Begegnenden gegenübersteht, und bis über die Schwellen des Aberglaubens hinaus einen geistigen Raum schaffen, in dem durch zu wenig Erwartung auf ein erwünschtes Ergebnis zumindest nicht verhindert wird, daß dieses gewünschte Ergebnis auch eintritt. 

Durch erlahmendes Engagement etwa, durch zu wenig Sorgfalt, noch mehr aber durch ein Engagement, das über die realistische Haltung der Erwartungslosigkeit hinausgeht und voluntaristisch, also durch überschießendes "Wollen", über den sachlich-natürlichen Rahmen hinaus am Gelingen einer Unternehmung mitwirkt.

Im Gegenstück zum "bene-dicere", also dem "gut-sprechen" (=dem Segen), soll nun ein "male-dicere", ein "schlecht-sprechen", verhindert werden. Wenn wir es mit Redeverboten und Internetzensur sehr zahlreicher Art zu tun haben, in denen etwa eine "Leugnung der Corona-Gefahr", ein "Kleinreden der Klimabedrohung" (und der Leser wird noch eine Reihe weiterer Beispiele ähnlicher Gesinnungsweise kennen, und zwar gerade aus dem Alltäglichen) verhindert werden soll, in dem die Meinung der Menschen bestimmt und gesteuert werden soll, dann erfolgt dies aus dem Ausschließen des Willen Gottes heraus.

Das heißt, daß in allen Lebensbereichen mittlerweile jenes Vertrauen fehlt, das eine Zuwendung zur Sachlichkeit, eine Hingabe ans sachlich orientierte Tun erlaubt, sondern in jedem Moment dessen Ausgang - mit Zittern und Bangen - gewiß stellen möchte. So bricht in die einzig schöpferische Gegenwart, der Hinwendung und Öffnung der Übernatur gegenüber, die jede Zukunft zwingen wollende Hand der Angst herein. Die jedes Verhalten insofern fürchtet, als es aus der Verbindung mit der Sache selbst zu einem Ausgang führen könnte, der dem eigenen Planen und Wollen entgegensteht. Die Wirklichkeit wird zum Feind!

Fehlt also die Hoffnung, fehlt nicht nur mit Sicherheit auch der Glaube, also die volle Wirklichkeit des Wissens, sondern das Wirkliche als Wirkendes (also das aktive Element des Seins, Gottes Liebe somit) wird zur Bedrohung. Ja, jeder Augenblick selbst wird gefürchtet, weil er das Leben, die Welt aus den besorgt begleiteten Dahingleiten auf den Schienen des Guten (und das ergibt sich aus der Sachlichkeit, dem Sein im Seienden).

Paranoia ist die logische und unausbleibliche Folge, die die Hand zur Faust ballt, um alles und jeden zu zwingen und zu beherrschen. Die vor allem das zwingen möchte, das das Bewegen in principio, also vom Ursprung her, auslöst und trägt: Der Geist, das Wort, das Denken, und in dieser Linie: Das Meinen, die Sichtweise, die individuelle Überzeugung, worauf immer man es in dieser Linie noch herunterbrechen möchte.

Morgen Teil 2)



*210820*

Dienstag, 16. Juni 2020

Gott möge uns davor behüten

Der Bewerber ums amerikanische Präsidentenamt Joe Biden in einem Tweet vom 19. Mai 2020:

"We need a president who believes in science"

Ein effektiverer Weg zur Hölle auf Erden mangels Vernunft und Totalerblindung der Menschheit ist kaum denkbar als durch Aberglaube. Wen Gott aber strafen will, den überläßt er seiner eigenen Dummheit.


*200520*

Samstag, 6. Juni 2020

Das Argument der Stunde

Das einzige Argument für den Lockdown (das völlige Niederschrauben des sozialen und wirtschaftlichen Lebens, das wir weltweit erleben) das man bekommt, schreibt William M. Briggs, lautet ungefähr so:
Wir wissen, daß Lockdowns funktionieren weil Lockdowns funktionieren, und deshalb haben wir Lockdowns verfügt, denn wenn wir keine Lockdowns verfügt hätten, wäre alles viel schlimmer. Das sagt uns die Wissenschaft.
Dieses höchst seltsame Argument, schreibt Briggs weiter, erhält man von Virenfachleuten ebenso wie von Doktoren aller möglichen Geistesfächer. Sie halten das für überzeugend. Und ein überraschend großer Teil der Bevölkerung glaubt ihnen beziehungsweise glaubt auch daran. Das heißt: Will daran glauben. Will an ein wenig Sicherheit inmitten der großen unabschätzbaren Angst glauben.
Die Menschen sind so verzweifelt darin, sich an dieser Überzeugung festzuklammern, daß Lockdowns notwendig sind, daß sie als Evidenz nur anerkennen, was sie in ihrem Glauben bestätigt.
Aber es gibt keinen einzigen wissenschaftlichen Beweis, daß ein Lockdown etwas anderes produziert als schwerste gesellschaftliche, wirtschaftliche und (!) gesundheitliche Schäden. 



*180520*

Donnerstag, 4. Juni 2020

Das ist der Erfolg der Maßnahmen (2)

Teil 2) Die Anmerkung als Exkurs



*Noch einmal, und die völlig unauffälligen Gesamt-Totenzahlen belegen das weltweit: Der Corona-Virus war und ist (nicht nur in der Meinung des VdZ) lediglich eine nächste Variante innerhalb der üblichen und seit je bekannten Viren, wie sie, bedingt durch die zunehmende Widerstandsschwäche in Kaltwetterzeiten (von Mitte Winter bis Anfang Frühjahr) in den altbekannten Grippewellen zutage getreten sind. Worunter, übrigens, auch bisher schon Corona-Viren waren. 

Daraus etwas "Besonderes", Neues zu machen war von Anfang an unsinnig, paßte aber (leider) auf unsere verrückt gewordene Betrachtungsweise der Welt, die grob gesprochen ein mittlerweile völliges Abdriften in Zweitwirklichkeiten bedeutet. 

Mit einer Logik, die dem logos, also dem geistigen Sinngefüge und Prinzip der Welt nicht mehr entspricht, und dorthinein durch unser Verhalten und unsere institutionalisierte Grammatik (=Kultur) nicht mehr verankerbar ist. Weil wir die Dinge der Welt nicht mehr in das Insgesamt des wirklich Wirklichen einordnen und deshalb angemessen gewichten können. 

Nur darin war die sogenannte Corona-Pandemie beziehungsweise die weltweite Reaktion darauf neu, und nur darin war und ist sie echte Gefahr: Sie hat eine neue Stufe der allgemeinen Verrücktheit gezeigt, in der die Vernunft aus unserem Denken und Erkennen vollständig diffundiert ist. Genau das hat die Panik angezeigt, die mangels Kenntnis zu einem irrationalen "Fürchten vor jedem Kontakt mit der Welt" wurde. Denn wer die Welt nicht mehr denken kann, wird sie zwangsläufig fürchten. 

Und so weit sind wir. Und zwar gerade DURCH die sogenannte Wissenschaft, die sich vom logos losgerissen und als neue, schreckliche Herrin die sanftmütige "Königin Vernunft" verdrängt hat.

Deshalb war die Corona-Krise so interessant. Sie war (und ist) ein erschreckendes Zeichen eines Zustands des Aberglaubens, der schlimmstem Heidentum entspricht.

Und deshalb war sie so ein Schrecken, weil der Entzug des Kultes, der katholischen Liturgie, die Menschen jeder Verankerung beraubt hat. Ja mehr noch, man hat den unersetzlichen realen Kult (und noch nie war die Menschheit ohne diesen) sogar in die Virtualität abgedrängt. DIESER Schaden wiegt noch weit schwerer (weil fundamentaler) als jeder andere. Auch wenn er scheinbar am wenigsten (weil nicht direkt, sondern in allen konkreten Weltbelangen immanent) "feststellbar" ist. Also die Zusammenhänge von Ursache und Wirkung von der Art heutigen Weltdenkens nicht mehr durchdringbar sind. 



*150520*

Mittwoch, 3. Juni 2020

Das ist der Erfolg der Maßnahmen (1)

Auf diesem Schaubild (Stand Mitte Mai 2020) sind die Länder der Welt mit über einer Million Einwohner und deren Corona-Tote pro Million zu sehen. Die einen (gelb), sind Länder, die aufgrund des Corona-Virus einen LOCKDOWN durchgeführt, also ihr Land mit Ausgehverboten und weitgehendem bis völligem Stillstand des sozialen und wirtschaftlichen Lebens stillgelegt haben. Die anderen (blau) sind jene Länder, wo KEIN LOCKDOWN verhängt wurde. 

Fazit: Es gibt keine Evidenz, weltweit, daß Maßnahmen von Regierungen im "Kampf gegen das Corona-Virus" auch nur irgendeinen Einfluß auf den Verlauf der Corona-Epidemie* im Land hatten. Selbst der Zustand des Gesundheitssystems (und das heißt: der medizinischen Versorgung von Kranken) im jeweiligen Land ist diesbezüglich ohne jeden aufweisbaren Belang. Ja, es ist sogar statistisch signifikant, daß Länder OHNE Shutdown WENIGER Tote pro Million Einwohner hatten.

Es gibt vor allem aber noch jede nur denkbare Evidenz, daß die Shutdown-Maßnahmen der Politik, die meist sogar mit Polizeieinsatz, manchmal gar mit blutigem Einsatz des Militärs durchgesetzt, gigantische Schäden aller möglichen medizinischen wie nicht-medizinischen Art angerichtet haben. 

Maßnahmen, die vor allem von der durch nichts belegbaren Vorstellung, also der Illusion gezeugt wurden, man könne Pandemien durch Niederschlagung des sozialen Lebens verhindern und bekämpfen. Das lehrt die Vergangenheit der letzten hundert Jahre, daß Verläufe von Pandemien wie Naturgesetze zu betrachten sind, und durch nichts verändert werden können. 

Die Vorstellung, das JETZT tun zu können, die auch durch dieses Corona-Virus und neuerlich widerlegt wurde, hat also mit dem unreifen Größenwahn des Narzißten zu tun, daß die eigene Gegenwart EINMALIG und in der Geschichte EINZIGARTIG weil PRINZIPIELL ÜBERLEGEN sei. 

Stattdessen hat sich wieder einmal nicht nur bewiesen, daß der Mensch NICHT in der Lage ist, die Natur bis in jedes Detail zu beherrschen, sondern auch, daß komplexe Systeme (Gesamtheiten) vom Menschen weder gedacht noch konstruiert, aber schon gar nicht gesteuert werden können. Auch diese Corona-Viren sind nur eine nächste Variante im endlosen Strom der Viren in deren historischer, nie zu brechender Anpassungsvorgänge, wie sie die Menschheit seit je umgeben. Und niemand wird jemals - weil aus prinzipiellen Gründen! - diese Vorgänge beherrschen können. 

Deshalb werden wir eine nächste Krankheits-Panik, wie sie diesmal durch die Welt rollte, nur vermeiden können, wenn wir mit der Illusion aufräumen, wir könnten die Welt beliebig beherrschen und durch unser Verhalten steuern. Andernfalls werden wir von einer SELBST GEMACHTEN Katastrophe in die nächste taumeln.

Noch eine kleine abschließende Bemerkung: Daß der Shutdown eines Landes bei der Bekämpfung einer Epidemie nichts nicht nur nichts Positives bewirkt, sondern nur unermeßlichen Schaden anrichtet, wäre an sich doch eine gute Nachricht. Denn es hieße, daß wir solche Maßnahmen zukünftig nie mehr zu befürchten hätten?! 

Seltsamerweise ist das nicht der Fall, im Gegenteil. Zu sagen, daß der Shutdown nichts gebracht hat und deshalb auch zukünftig nichts bringt, erregt vielerorts sogar Ärger und Aggression. Wie kann es das geben? Es gibt dafür nur eine Erklärung, meint William Briggs: Daß viele Menschen das Schlechte WOLLEN. Und dagegen, werter Leser, dagegen ist bis heute noch kein Kraut gewachsen.


Graphik William M. Briggs - Vergrößern durch Anklicken


*Morgen Teil 2) Die Anmerkung als Exkurs



*150520*

Donnerstag, 31. Oktober 2019

Heidentum an Heiligem Ort

Aus einer Beichte bei einem glühenden Verehrer von Papst Franziskus ging der VdZ jüngst mit dem seltsamen Eindruck, daß hier bereits ein neuer Glaube verkündet wird. Der nicht nur das Gewissen abdrängt und verwirren und durch ein neues, irrationales, letztlich heidnisches Gewissen ersetzen will, sondern einen völlig anderen Zugang zur Gnade "lehrt" - der diese Gnade gar nicht mehr aktualisiert. Weil der Geist Gottes durch subjektives, geistig-logisch gar nicht mehr einordnenbares Erleben ersetzt wird. Was sich da offenbarte war eine völlig andere Anthropologie, aus der heraus der "alte" Glaube gar nicht mehr verständlich wird und der zu großen Teilen auf der sinnlosen, lediglich zersetzenden Sophistik der "Psychologie" seit Siegmund Freud aufruht. Also muß ein neuer Glaube aufgesetzt werden.

Die Gegenrede des VdZ wurde zwangsläufig mit einem Maß an Verachtung quittiert - dem mit großen Buchstaben angeschrieben war, daß der VdZ eben als einer mit "alten Neurosen verhaftet" gesehen wurde, die ihn unfrei machten - das das Dauerlächeln des Priesters im Hinausgehen wie eine Teufelsfratze erscheinen ließ. Denn dieser neue Glaube beruht auf einer inneren Haltung, nicht auf klarem Denken, nicht auf logos, nicht auf Vernunft. Sondern auf deren neuer Form, in der Vernunft zu einem ganz anders konnotierten "vernünftig" umgedeutet wird, in dem Ausbrüche aus der Vernunft als vernunftimmanent angesehen werden.

***

Neulich, in den Gärten des Vatikans, geschah das, in Anwesenheit des Papstes, der rechts gleich neben dieser Zeremonie saß. Als die Aufnahmen an die Öffentlichkeit kamen, die als Film auch zeigen, daß er diese Statue später "segnet", bestritt er, daß es zu einer Anbetung der Götzenstatue gekommen wäre. Man nennt das einerseits "gaslighting", als hartnäckiges Behaupten, daß was man sieht, nicht das ist, was man sieht. Anderseits wird eine manichäische Spaltung des Leibes von einer "virtuellen Intention" dahinter offenbar, wo also der Leib etwas tut (beziehungsweise tun könne), das aber nicht das gesamte Schicksal des Menschen (als Hypostase von Geist und Leiblichkeit) betrifft. Damit wird um der Lüge willen das Wesen der Welt verleumdet.




***

Dieses Gebet wurde am 25. Oktober 2019 öffentlich in einer Kirche in Verona gebetet, die Zettel verteilt. Die Übersetzung folgt unten. Es ist blankes Heidentum, es ist Greuel an Heiliger Stätte.



Pachamama dieser Orte
trinke und esse dieses Opfer, das ich Dir bereitwillig gebe
damit dieses Land fruchtbar werde.
Sei uns gnädig! Sei uns günstig gestimmt!
Laß unsere Ochsen kräftig schreiten
und laß sie nicht müde werden.
Laß unsere Samen gut aufgehen,
damit ihnen nichts Übles zustoße,
damit ihnen der Frost keine Zerstörung anhabe,
die dann so viel gute Nahrung bedeuten.
Wir bitten Dich: Gib und das alles!
Sei uns gnädig! Sei uns günstig gestimmt!





Donnerstag, 18. Juli 2019

Auch in Millionen von Jahren hat die Evolution nichts gemacht

Der VdZ hat noch keinen Menschen angetroffen, der wirklich ernsthaft über das, woran zu glauben er mit absoluter Gewißheit gleichsetzte - die Evolution der Menschen und Lebewesen, die materialistische Entstehung des Universums - nachgedacht hat. Obwohl er die "Tatsache" einer Evolution strikt behauptet, ja jeden, der das bestreitet zum Idioten erklärt.

Am erschütterndsten aber war und ist, daß die meisten sich nicht einmal im Ansatz mit biologischen Tatsachen und Argumenten auseinandergesetzt haben, und schlicht und ergreifend NICHTS wissen, und auch gar nicht wissen wollen. Das einzige, was sie "wissen", hat ihnen eine rauchige Stimme im Fernsehen eingehaucht, die davon erzählt, daß wieder einmal "die Evolution in Millionen von Jahren" Wunder gewirkt hat.

In diesem Video-Vortrag werden von dem Naturwissenschaftler Dr. Thomas Seiler in einer Art Schnelldurchgang (eine Stunde) einmal die hauptsächlichsten Argumente der Evolutionstheorie dargestellt. Sein Vortrag ist also so etwas wie eine Grundausstattung für jeden, der einmal ernsthaft eines der katastrophalsten, weil irrigsten, weitreichendsten Vorurteile durchzudenken beginnen möchte. 

Und zu naturwissenschaftlichen Fragestellungen und Tatsachen gelangt, von denen die allermeisten Menschen nicht einmal den Funken von Ahnung haben. Oder von denen sie je auch nur ansatzweise - außer über entstellende Verunglimpfungen - gehört haben. Die allermeisten kennen nicht einmal ansatzweise aber auch nur die Argumente, die angeblich FÜR eine Evolution sprechen. Sie glauben einfach daran. Warum? Weil ... ja weil es alle tun. Na und wie erst "die Wissenschaft". Reine PR.

Im "allergünstigsten" Fall sind manche teil-, aber völlig fehlinformiert. Auch der VdZ kennt Menschen die zu einer Diskussion geneigt sind, aber dann mit angeblich belegen sollenden Argumenten kommen, die schon vor hundert Jahren widerlegt waren. Wie die Heckelsche These, daß jeder Mensch im Mutterleib alle Phasen der Evolution von Lebewesen durchmache.

Aber gut, an diesem sachlichen Desinteresse ist sogar etwas richtig, es ist ein richtiger Instinkt. Denn in diesem Vortrag wird gezeigt, daß die angeblichen Argumente FÜR alles andere als "Beweise" für Evolution sind, im Gegenteil: Die biologischen Tatschen WIDERSPRECHEN einer Annahme einer evolutiv, also in Makro-Evolution entwickelten Welt. Zum Gegenteil stützt die Naturwissenschaft aber die Annahme einer Schöpfung.

Die wesentlichsten Argumente bleiben hier zwar aus, alles bleibt auf naturwissenschaftlicher Basis, dennoch sollte das hier vorgestellte Wissen zum Allgemeinstand der Gegenwart gehören. Die wesentlichsten Argumente, die eine Evolution definitiv ausschließen, weil sie denkunmöglich ist, entstammen freilich der Philosophie. Aus der man nachweisen kann, daß die Evolution auf grundsätzlichen Denkfehlern beruht.

Denn selbstverständlich kommt auch die Evolutionstheorie nicht ohne ihr zugrunde liegende Philosophie aus. Sie beruht keineswegs auf der mathematischen Stichhaltigkeit von "Beobachtungen", wie uns ständig erklärt wird. Zum Gegenteil muß sie enorm viele Beobachtungstatsachen durch "kreative Deutung" wegerklären und seriöse Philosophie ausblenden. Und hat dabei eine fatale Wechselwirkung mit ähnlichen Fehlentwicklungen in der Astrophysik/Kosmologie entwickelt, wo eins das andere zur Rechtfertigung heranzieht - und sich wechselseitig somit "kreative Deutungen" als Beweis dienen und sich unter Berufung auf den jeweils anderen erklären. Akzidentien können niemals Substanz "erschaffen". Darauf aber beruht der Darwinismus.







Dienstag, 31. Mai 2016

Dann ist es Todsünde (2)

Teil 2) Zuerst das Gewissen 
- Worüber sich ein Bergoglio-Kabarett schreiben ließe -


Newman sah sehr scharf, wohin eine offizielle Dogmatisierung der Unfehlbarkeit des Papstes führen würde, und er hatte absolut recht: Die Gläubigen würden mit der Zeit nicht mehr unterscheiden können, was eine unfehlbare und was eine fehlbare oder rein private Handlung eines Papstes wäre. Genau diese Verwirrung im Volk kann man seither auch beobachten.

Und daß er es sich in der Gewissensbildung je leicht gemacht hätte, kann ihm ganz gewiß nicht zum Vorwurf gemacht werden. Auch nicht dem VdZ. Im Gegenteil sah er sich aus diesem Grund oft und oft genötigt, sich mit theologischen und philosophischen Fragen auseinanderzusetzen, mit viel Mühe und Zeitaufwand, die er sich manchmal auch lieber erspart hätte. 

Und selbst wenn dieser Argentinier am Stuhle Petri den allergrößten Stuß erzählt (und der VdZ größte Zweifel an seiner persönlichen Lauterkeit hat²) prüft der VdZ bis heute, wo jener berühmte Funke Wahrheit liegen könnte, der in allem sein muß, sonst gäbe es ihn nicht. Nur ist er oft sehr versteckt und sehr häufig in einem ganz anderen Zusammenhang zu sehen, als es Bergoglio zu meinen scheint. Denn man darf auch nicht den Fehler machen, sich im Vereinzelten zu verlieren, man muß immer den großen Horizont suchen, in den es einzubetten ist, und aus dem heraus es überhaupt erst ist wo und was es ist.

Nichts aber könnte den VdZ dazu bringen, in blindem Gehorsam - und das ist immer schon (!) eine von der Kirche abgelehnte, ja als abzulehnende klar bestimmte Haltung! - einfach allem und jedem nachzulaufen, was der Papst sagt. Die Notwendigkeit zu schärfster Prüfung ist aber besonders dort der Fall, und ganz besonders dort der Fall, wo der VdZ zu anderen Schlüssen kam oder kommt, als der Papst bekannt gibt (schon gar, wenn er es als private Plauderei tut). Denn dann weiß der VdZ umso fester, daß er Verantwortung für sich übernehmen muß.

Und das ist es, was den Menschen erst in Freiheit gründet: Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Erst dort (!) und in dieser Freiheit der freien Zustimmung - denn Irrtum ist nicht Freiheit, Irrtum ist immer in Unfreiheit begründet und Ausdruck von Unfreiheit, wenn er nicht gleich Bosheit und damit direkte und schwere Sünde ist - ist er auch Ebenbild Gottes. Und das heißt auch und das heißt gerade, selbst dem Papst zu widersprechen, wenn er Unsinn redet und falsch handelt. Ohne Amt und Realisierung damit je anzuzweifeln.*

Aber zu dieser Berufung des Getauften zur Freiheit der Kinder Gottes gehört genauso jene zu kritisieren, die da meinen, die Anerkennung päpstlicher Autorität verlangte die Außerkraftsetzung des eigenen Gewissens und der höchst persönlich nur wahrzunehmenden Verantwortung für den ganz konkreten Lebenskreis am Ort, an dem man steht. Das ist Aberglaube. Das ist dieselbe Todsünde, die gesetzt wird, wenn man von anderen verlangt, sie hätten sich in blindem Gehorsam dem Papst zu fügen. Denn nichts kann die Notwendigkeit (und man muß heute DARAN erinnern, gerade weil alle meinen, es sei umgekehrt) zum Ergreifen der Freiheit - Selbstsein ist ein Akt - ersetzen oder außer Kraft setzen.**



"Papa Francesco"
 - Ein Bergoglio-Entwurf -

Es erzählt viel auszutesten, in welcher Form und mit welchen Inhalten sich zu einer Situation oder Person ein Kabarett schreiben ließe. Es erzählt schon viel, wenn Kabarett die einzige Möglichkeit ist, sich einer Sache zu nähern, ohne sie in Haß oder Lieblosigkeit auszustellen, weil sie in Sachlichkeit gar nicht zu bewältigen wäre, ohne in einem vernichtenden Urteil zu erstarren. Denn im Kabarett muß man seine Figuren lieben, sonst mißlingt es und wird zum langweiligen Traktat. Das also mit einer überspitzten Handlung Tatsachen Bergoglio'scher Amtsführung auf einen Kulminationspunkt hin schreibt, der die Groteske deutlich macht. Und damit eine Verobjektivierung eines zuvor noch ungeborgenen, chthonischen, diffusen Inhalt möglich macht.

Diesen vor Augen stellt, und im Lachen befreit und distanziert, sodaß man sich frei verhalten kann. Schon vor geraumer Zeit hat der VdZ den Gedanken einmal durchgespielt, weil er sich aufdrängte, dieses Pontifikat in einer episodenartigen Kurzfilmreihe mit viel Humor (in dem Bergoglio durchaus mit gewisser Liebenswürdigkeit betrachtet würde, ohne freilich der Sache etwas zu nehmen) darzustellen. Dazu braucht es aber doch gewisse theologisch-philosophische Urteilskraft, sonst würde man der Sache ihre eigentliche Spitze - und den eigentlichen Humor - nehmen. Der nur über Tragik funktioniert, denn die Komödie ist eine überzogene, überdehnte, auf wahrhaftige Spitzen (als verlängerte Tangenten) getriebene Tragödie, die maßlos wurde. Aber um Tragik zu begreifen, um sie darstellen zu können, muß man ihre sachlichen Grundlagen in ihrer Ernsthaftigkeit erkannt haben.

(Der Leser möge verstehen: Die konkreten Inhalte werden derzeit noch unter Verschluß gehalten.)

Es umzusetzen ist halt eine Geldfrage, und Filmproduktion etwas anderes als Ideen zu gestalten. Zu der es auch jede Menge Mitstreiter und vor allem ein Gemüt braucht, kräftig in die Welt hineinzugreifen. Der VdZ hat also die Idee weit nach hinten gestellt, wo sie weiter fermentieren kann. Wie so viele Ideen.





*Der VdZ war vor gut 20 Jahren in einen schweren und öffentlich ausgetragenen Disput verwickelt, in dem er in seiner Verantwortung als Familienvater auch für die religiöse Erziehung seiner Kinder den offiziellen Religionsunterricht kritisierte. Im Einzelfall müsse man seine Kinder sogar vom offiziellen Religionsunterricht abmelden, äußerte er damals, wenn man sie katholisch erzogen haben wollte. Was ihm den Vorwurf seitens etlicher Kleriker (darunter Bischof Krenn) eintrug, er sei "ungehorsam", ja rufe dazu auf. Das war nicht nur tief ungerecht, und zwar weil man eben nicht verstand was einen Familienvater von einem Kleriker unterscheidet, es ist selbst von maßgeblichen Kirchenvertretern (und im übrigen von + Johannes Paul II.) längst bestätigt worden. Denn vor allem ist religiöse Erziehung eine elterliche Verantwortung, die zu leisten und die kein Priester oder Religionslehrer abnehmen kann. Der offizielle Religionsunterricht kann (wie überhaupt jede Schule) diese elterliche Pflicht nur stellvertretend übernehmen, mit elterlicher Gutheißung, niemals aber ersetzend.

²Warum soll das nicht gestattet sein? Worin unterscheidet sich diese Meinung prinzipiell von jener, in der Menschen nach dem Tod von Päpsten "Santo subito!" rufen, und die sofortige Seligsprechung eines Papstes verlangen? Auch das ein Urteil aus persönlichem Eindruck (so weit man den eben gewinnen kann) und über die persönliche Heiligkeit eines Menschen. Im Fall Bergoglios kommt der VdZ eben zu diesem Urteil. Und er beruft sich auf eine vielfach erprobte und offenbar nicht so ganz unausgereifte Menschenkenntnis dabei. Ein lauterer Mensch handelt und redet nicht so widersprüchlich, im Gegenteil: Lauterkeit ist ja gerade Einheit in Denken und Handeln, wo das Ja zu einem Ja, das Nein zu einem Nein wird. Oder gilt Menschenkenntnis nicht bei Päpsten? Oder nur, wenn diese heilig sind? - siehe eben: Newman.

**Das passiert nicht einmal in den allerhöchsten Stufen der Mystik, ja gerade dort ist die höchste Freiheit Endziel.



*220516*

Montag, 30. Mai 2016

Dann ist es Todsünde (1)

Es ist natürlich Unsinn zu behaupten, auch der VdZ gehörte zu jener Schicht von Menschen, die so lange auf die Autorität des Papstes pochten, so lange der ihre Meinung verträte. Denn was nie in Frage steht und stand ist genau das, was die Autorität des Papstes eigentlich ausmacht - Jurisdiktion, Lehramt, und Weiheamt - also alles, was mit dem Amt verbunden, erstens, UND zweitens, daß dieses Amt nie "in spiritu" (sopranaturalistisch) alleine bestehen könne, sondern immer in einer Konkretion seine geschichtliche Realität hat, also immer auch in der konkreten Person des Papstes gegenwärtig ist und personal weitergegeben wird. Eine Trennung dieser beiden Bereiche gibt es nur in den Tagen oder Wochen einer Sedisvakanz, wenn also ein Papst gestorben ist, und noch kein anderer gewählt wurde. So lange ist das Amt aber auch vakant, in potens, also nicht real und gegenwärtig.

Die  weltweit enorm angewachsene Kritik an Jose Bergoglio lautet genau nicht, die Autorität des Papstes als nie trennbaren konkreten Träger des Papstamtes in Frage zu stellen, sondern sie sind im Gegenteil ein immer lauter werdender Aufschrei, der Argentinier solle endlich aufhören, Amt mit privater Karriere zu verwechseln und genau diese Autorität, die er zu repräsentieren, ja zu SEIN hat (!), nachhaltig und schwer zu beschädigen! Und das tut jede Autoritätsfigur, die nicht das Wesen des Gehorsams erfaßt hat - und der kann seiner Stütze nicht entbehren, die da heißt: Vertrauen in die Vernunftoffenheit und den Gehorsam der Leitungskraft, sein Amt zu erfüllen. Passiert das Umgekehrte, mißbraucht die Leitung das Amt für persönliche Absichten, spricht man sogar mit Recht von Korruption.

Denn Aufgabe ist mit Amt und Ort verbunden, zuerst und vor allem, und hierarchisch oben wie unten, nicht in persönlich-subjektivistischem Getue, mit dem jemand vielleicht sogar das Amt klein macht, um seine Last abzuwerfen und den Umstand mißbraucht, daß es Amt ohne Person nicht real gibt. Dann nämlich verlieren die Menschen auch das Vertrauen in die Lebenskraft jenes Organismus, dessen Ordnung sie selbst in Gehorsamspflicht an ihrem Platz eingegliedert sind. Immer heißt Amt (und je höher es ist, umso mehr), hinter diesem Amt zu verschwinden. Maskentrage zu übernehmen, nicht ständig hinter der Maske hervor zu lugen oder sie ganz abzulegen. Dann bleibt genau - NICHTS. Die Leber, die Niere, der Magen sind nur Leber und Niere und Magen, wenn sie das tun, was ihrem Ort angemessen ist. Tun sie das nicht, vergehen sie selbst, und stirbt der Organismus.

Das ist beim Menschen zumindest, bei allem nur weltlichen der Fall. Nicht freilich bei der Kirche, die kraft ihres sakramentalen Charakters immer noch reformatorische Kraft genug hat, zu überleben, auch wenn die Organe so weitgehend versagen. Daran glauben wir, und das ergibt sich aus der Vernunft sodaß wir darauf vertrauen können. Selbst bei schlechten, ja katastrophalen Päpsten, die alles falsch gemacht haben, wie die Kirchengeschichte zeigt. Aber es heißt nicht, daß Fehler keine Fehler mehr sind. Es heißt nicht, daß die Kirche nicht auf ein winziges Restdasein schrumpfen kann, während die Welt in Chaos und Gottferne versinkt, sodaß es für den Einzelnen sehr schwer sein würde, noch den Weg zur Erlösung zu finden. Womit die Größe und Chance einer christlich geformten, im Alltag geprägten Kultur wohl erahnbar wird, und klar wird, warum man darum auch kämpfen muß. Denn das Wesen der Kirche, der Auftrag damit an jeden Getauften, ist SICHTBARKEIT, Erfahrbarkeit.

Nie, auch nicht auf diesen Seiten, wurde das Lehramt und seine Autorität in Frage gestellt, im Gegenteil wird von Franziskus dringend angemahnt, dieses zu beachten, so wie es seine Aufgabe wäre. Daß das nicht der Fall ist, ist eben der entscheidende Punkt der Kritik an ihm, auch und recht gut zusammengefaßt so, wie es Alexander Kissler in einer Replik auf FOCUS darlegt. Und auch auf diesen Seiten wurde auf das schwere Kreuz hingewiesen das darin liegt, einen Papst zu haben, der das Lehramt wie eine Angelegenheit von Kaffeekränzchen behandelt, die man mal beachten kann, aber nicht unbedingt muß, je nach Situation. 

An der Jurisdiktionsgewalt hat überhaupt nie jemand gezweifelt. Der VdZ kann sogar ganz konkret belegen (wenn er das wollte), daß auch er sich stets den Urteilssprüchen der Kirche gefügt hat, selbst wenn er subjektiv überzeugt (!) war (und ist), daß sie falsch sind. Und selbst dort, wo er diesen in seinen Augen vermeintlichen Irrtum kritisiert hat, geschah es aus der Forderung, die Gestalt der Kirche durch Irrtum nicht zu verdunkeln. Und selbst wenn das Barmherzigkeitsverständnis des derzeitigen Papstes höchst fragwürdige Blüten gezeitigt hat, ist dieses ausgerufene Jahr der Barmherzigkeit für den VdZ Quelle von Gnaden, deren er sich gerne und häufig bedient, weil in der Frage der Wirksamkeit eben nicht eine subjektive Verhunzung eines Plappermaules von Bedeutung ist, sondern ein objektives weil ontisches Geschehen. Auch ein 5jähriger kann eine Lokomotive lenken.

Und daß der VdZ am Weiheamt zweifelt, können nicht einmal die hartgesottensten Ignoranten behaupten, denn gerade auch auf diesen Seiten wird seit Jahren dargelegt, daß die reale Präsenz Gottes in Jesus Christus in der Kirche, die über die Tradition bewahrt wird, strikt an dieses Amt und seine konkreten Vertreter gebunden ist. Weshalb er stets die frömmelnden Auswüchse bei aus dem protestantischen Raum eingedrungener Charismatiken vehement abgelehnt hat. Die ja genau von einer solchen angeblich möglichen Trennung von Form und Inhalt, deren immer konkreter, in Form und Weihe gebundener, eben sakramentaler Inhalt sich zu subjektiven Befindlichkeiten eindampft, schwärmen. Auch das übrigens einer der Kritikpunkte an Franziskus, der diese Tendenzen, die letztlich die Kirche auflösen würden (wie es ja im Protestantismus geschah), direkt ermutigt und stärkt.

Aber all das ändert nichts daran (und der VdZ hatte auch immer gewisse kritische und sogar sehr Distanz zu allen Päpsten, von denen er immerhin schon den sechsten erlebt, soweit es ihre kirchenpolitischen oder wie heute weltpolitischen Einlassungen anbelangt. Und selbst wenn ein Johannes Paul II. heiliggesprochen wurde, ändert das nichts daran, daß er kirchenpolitisch schwere Fehler begangen hat. Und das kann der VdZ aus ganz konkreten Berührungspunkten sagen, nicht einfach aus Medienstudium und abstrakten Gegebenheiten. Dazu genügen wache Augen.

Die auch bei diesem Papst genügen. Nichts, aber auch rein gar nichts könne ihn je davon abhalten, zuerst sein Gewissen zu befragen, sagte dazu der (der Dogmatisierung der päpstlichen Unfehlbarkeit in großer Weitsicht und praktischer Klarheit äußerst kritisch gegenüberstehende) Kardinal Newman, an dessen Katholizität wohl niemand zweifeln könnte. Der am rein inhaltlichen Aspekt aber nie Zweifel hatte, und die hat auch der VdZ nicht. Aber er hat sein Gewissen, und dieses verbietet ihm - als Geschöpf Gottes, seinem Bilde nach geschaffen - Gedanken zu akzeptieren, die seine Vernunft ablehnen muß. Er trinke auf das Papsttum, war einer seiner berühmtesten Aussprüche, und auf sein Gewissen. ZUERST aber auf sein Gewissen. 


Morgen Teil 2) Zuerst das Gewissen 
- Worüber sich ein Bergoglio-Kabarett schreiben ließe -



*220516*

Samstag, 25. Juli 2015

Zurechtgelogene Heilsneurose

Es ist amüsant, dieses (12min.) Video anzuschauen. In der hat das EU.L.E - Europäisches Institut für Lebensmittel und Ernährungswissenschaften e.V. einen wahren Verkaufsschlager der Veganenbewegung - "Die China-Study" - unter die Lupe genommen. Darin wird angeblich der definitive weil wissenschaftliche Beweis für die messianische Aufgabe des Veganismus geliefert.

Schon die offensichtlichste Behauptung des Religionsersatzes Veganismus entpuppt sich als reine Phantasie, ja: als Lüge, weil sich eine der Bibeln der Apostel einer Wende der menschlichen Eßgewohnheiten im Dienste ewigen, glückliche, ja paradiesischen Lebens (nichts, was nicht durch vegane Ernährung ins Optimum zu bringen wäre!) auf eine wahrlich umfassende China-Studie beruft - die aber das genaue Gegenteil ergeben hat. 

Nämlich: Es gibt zwischen Fleisch- und sogar Fettkonsum sowie Todesarten KEINEN NACHWEISBAREN ZUSAMMENHANG. (So, wie sich zwischen dem Cholesterin in der Nahrung und dem im Blut KEINERLEI ZUSAMMENHANG nachweisen läßt.) Nicht einmal zwischen Kalorienverbrauch und Sterblichkeitsrate besteht wissenschaftlich betrachtet eine Korelation. Wenigstens bei erhöhten Darmkrebsraten durch Fleischkonsum? Rien. Fehlanzeige.

Eine solche läßt sich allerdings bei erhöhtem Wassergemüseverzehr (wie Algen) nachweisen.

Das war's dann auch eigentlich schon. Der Bayer Udo Pollmer beschreibt das - vor allem für Veganer - verheerende Ergebnis drastisch-amüsant. Denn dort wird die gesamte westliche Ernährungswissenschaft so an die Wand gefahren, daß im Grunde nur noch ein Baaz (=Schleim) übrigbleibt, der an der Wand runterläuft. Was die Welt braucht ist nicht Veganismus, sondern mehr Biergärten mit Salzrettich und Brezen. Die sind nämlich veganer als vegan.








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Montag, 27. April 2015

Von der Notwendigkeit, den Papst zurechtzuweisen (3)

Teil 3) Ein Exkurs - Macht ersetzt Autorität. 
Weitere Unschönheiten. Nachträge.



*EXKURS: Macht ersetzt Autorität

Weil so augenfällig ein Beispiel, das zeigt, wie groß die Verwirrung bereits ist: Dieselben Personen, die sich dann mit "Papsttreue" am Revers schmücken, fordern einmal, den Sinn "hinter" den Worten des Papstes - "mit gutem Willen" - zu sehen, und seine nominellen Worte quasi zu ignorieren, und das nächste mal zum Gegenteil, sie wörtlich zu nehmen. Was geben sie damit aber zu?! Daß sie selbst bereits Quelle jener Autorität sind, die dem Papst (und damit dem Amt) nämlich immer mehr fehlt. 

Wenn also Spaemann und andere vorbringen, daß bei P. Franziskus Macht Autorität ersetzt, der Papst zentralistisch-totalitär wie noch nie direkt bis vor die Haustüre der Gröbnergasse 14 im schwäbischen Jestetten seine Direktiven (über Twitter, über Medienpräsenz, der man gar nicht mehr entkommen kann) liefert, damit den Pfarrer, die Kirche vor Ort (und nur dort ist sie Kirche: konkret, verortet) elegant überrundet und zum abstrakten Ausführungskasperl degradiert, so ist das mehr als berechtigt. Und in diesem Sinn war an der Kritik von Kardinal Kasper, daß die deutsche Kirche "keine Filiale von Rom" sei, sehr wohl ein wahrer Kern. Auch ein Kardinal, als Elite, hat das Recht, mit Respekt gehört zu werden (was durchaus auch als Selbstkritik des VdZ gelten kann). 

Denn dann kann der Papst nur noch Macht repräsentieren, und über Macht regieren. Und das zeigt immer, daß die Autorität bereits verdunstet ist. Nicht zufällig scheint sich deshalb dieser Papst auf "pastorale Maßnahmen" zu konzentrieren. Pastoral, Praxis ist die (weil wirkende) Machtseite der kirchlichen Autorität, wo im Autoritätsverlust die Praxis die Orthodoxie sogar ersetzt. Heil aber geht auf das Sein, und nur in Folge auf das Handeln. 

Die Vergebung der Sünde lebt ausschließlich auf die Zukunft eines volleren Seins hin, und die liturgische Praxis ist ein Infusorium des HeilsBILDES, das in der Übernahme durch den teilnehmenden Menschen zur Welt kommt. Heiligkeit ist Schönheit der Gestalt, des Fleisches, und nur insofern ist sie Heiligkeit. Es gibt keine separierbare Handlungsheiligkeit - es gibt nur gutes Handeln, wenn ihr die Gestalt als Abbild Christi vorausgeht, oder deren Ziel ist. Denn nur dann ist etwas wirklich, weil es an der Wirklichkeit Gottes teilhat, und genau diese in Stellvertretung IN CHRISTUS, dem Logos, in die Welt - ZUR Welt; ALS Geschichte; in die Menschheit - trägt, auf daß er in ihr wohne.

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Kardinal Raymond Burke
Nachtrag 1) Der geneigte Leser möge doch auch einen Blick auf dieses Interview mit Kardinal Raymond Burke werfen, das am 21. Jänner d. J. in Rom geführt wurde, und auf das der VdZ hingewiesen wurde. Burke, der längst beträchtlich an Kompetenzen abgeben mußte, beklagt nämlich ganz genau dieselben Punkte, die Spaemann (und, er wagt diesen Beisatz: der VdZ, der sie sogar schon nach wenigen Wochen, nach Lektüre des Buches von Bergoglio, aufgrund der darin offen daliegenden narzißtischen Charaktereigenschaften des Argentiniers - die die Schizoidität als Handlungsprinzip erkennen läßt, jene prinzipielle Kluft zwischen Verbalität und Tat, wobei erstere in hoch ausgeprägter, "vielseitiger", höchst flexibler Eloquenz die Tatebene, die Wirklichkeitsebene also verschleiern soll, von der  nichts Gutes, ja Böses zu erwarten ist - vorhergesagt hat; bislang hat sich alles, wirklich alles erfüllt, man möge die eingehende Analyse nachlesen) nun moniert: 
 
Die Verwirrung, die dieser Papst überall schon ganz real angerichtet hat. Genau das ist auch die Erfahrung des VdZ aus diversen Gesprächen: Mittlerweile klaubt sich tatsächlich jeder aus Papstaussagen zusammen, was ihm in den Kram paßt und ihn legitimiert. Übrigens - die "Papstverteidiger" bzw. "Konservative" nicht weniger.
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Nachtrag 2) Es braucht keine besondere Menschenkenntnis, um - unter der Beleuchtung, die auf den Charakter Bergoglios alias Papst Franziskus geworfen wurde, vor allem aus den jüngsten Stellungnahmen "als Papst" ein reines Selbstverteidigungs-Vorgehen ablesen zu können. Die Schwerpunkte, die Themen, die sich laufend finden, sind wie (vorbeugende) Antworten auf mögliche oder bereits aufgeplatzte Bruchstellen in den Widersprüchen, denen Bergoglio (denen: solch ein Charakter) vorauseilend begegnen will. Denn ob der Leser es glauben mag oder nicht: Nichts trifft solche Menschen mehr, als Kritik. Denn ... sie wissen, weil sie sich dem Sein nicht entziehen können, daß sie auf dünnem Eis bauen. So etwas kann natürlich nur auf einem Zustand aufbauen, wo sich aus der Wirklichkeitsferne auch längst völlige Unkenntnis des Menschen eingestellt hat - und das ist eines der schlimmsten, wenn nicht DAS schlimmste Übel in der Kirche. Bergoglio ist der Meister der Wirklichkeitsferne. Ahnungs-, Wirklichkeitslosigkeit ist der Grund, warum ihm so viele auf den Leim gehen. Weshalb ohne jeden Zweifel einer der Schwerpunkte dieses Papstes war, ist und noch viel weiter sein wird, "Realität" (Wirklichkeit) vorauseilend - über "impressio", über sinnliche Vereinzelung, als Eindruck - zu definieren. Sehr zum Beifall der Unproduktiven, der Unschöpferischen, die im Windschatten der Lüge auf ihre Chance hoffen, nach oben zu kommen. Durch "Papstwerdung".

Nachtrag 3) Vom in den letzten Wochen verstorbenen, hoch angesehenen amerikanischen Kardinal Francis George ist folgende (sehr zurückhaltende) Äußerung zu Papst Franziskus bekannt: 

"The new pope's popularity surprised George, who worried that people were developing unrealistic expectations that could lead to further disillusionment with the church. "He sends out so many signals it gets a bit jumbled at times," George said. "I'm sure he's not confused, himself. It's confusing for a lot of people, including myself at times. For someone who appreciates clarity, I would like to get a few things clear so I can cooperate."


*270415*

Sonntag, 26. April 2015

Von der Notwendigkeit, den Papst zurechtzuweisen (2)

Teil 2) Dann schickt Gott eben Propheten


Es ist nicht der götzendienerische Glaube, der blinde Kadavergehorsam (getragen von Angst, wenn nicht Bösartigkeit, die nur noch Propagandatöne zuläßt, wenn man von Kirche und Glaube spricht, also die Sprache, das Wort, den Logos darin tötet; gar nicht selten, auf einer Linie nämlich, weil sie sich heimlich recht zählbare Vorteile versprechen, die Wurzel des Egalitarismus, der sich so gerne als "Bescheidenheit" katzengoldmünzt) an einen argentinischen Plauderanten, der seine faktische Person mit dem höchsten Amt, das die Welt kennt, das also wie bestenfalls noch ein universales Kaiseramt eine weltlich-menschliche "Figur" gar nicht mehr kennen darf, für beliebig und je nach Bedarf als austauschbar ansieht. Das zwischen Biertischgesprächen und päpstlichen Verkündigungen nicht mehr zu scheiden weiß.

Der Papst ist in persona die Kirche als Beziehungsmittelpunkt. Also muß auch alles Faktische am faktischen Papst dieser Höhe der Aufgabe angeglichen werden. Schon gar seit der Verkündigung des Unfehlbarkeitsdogmas, das die Sache noch heikler macht. Und der VdZ sagt unterscheidet bewußt zwischen "Verkündigung" des Dogmas, ein politischer Akt ALS wirkmächtige SPRACHE, und seiner Wahrheit. Denn an der Unfehlbarkeit des Petrus und seiner Nachfolger hat die Kirche nie gezweifelt, sie war immer implizites Glaubensgut. Aber in der Sprache wurde sie angreifbar, wenn die Sprache sie nicht ausreichend synthetisch ausdrücken konnte. Dann kann sie sogar - bei gleichem nominellem Wortlaut - zur Häresie werden.

Der Schaden ungenügender Sprache geht auf das Amt, dessen Autorität zur Beliebigkeit des Banalen, des "Gleichen" herabsinkt. Der die Sprache zerstört, das Denken, und damit - den Glauben, der seiner Vernunft beraubt zum fideistischen, dumpfen Aberglauben wird, wo nur noch der da vorne, der am Papstthron, vorzugeben vermag, wohin ich mich zu drehen und wenden habe, weil ich nicht einmal mehr den nächsten Schritt zu setzen wage.

Und das ist nicht einfach ein neuartiges Symptom, das ist der Hintergrund dieser sich allmählich und über Jahrzehnte immer stärkeren Papstidolatrie, die nun ihre groteskesten Züge angenommen hat.

Deshalb MUSZ ein Papst auf der Höhe der Sprache seiner Zeit sein. Nicht in der Kenntnis der Gossensprache, die mag ihm in seiner Freizeit Spaß machen, gut. Er muß deshalb lesen, im Sprachraum leben, diesen atmen, weil sich dieses Ringen um den Logos in der Sprache dort ausdrückt. Er muß auf der Höhe der Theologie der Zeit sein, ja muß dieser nächste Schritte vorgeben, sonst geht sogar seine Apologie an der Zeit vorbei.

Und, mit Verlaub, so manche vorgebliche moralische, pastorale Forderungen dieses Papstes, auch manche "Reformansätze" und "Ratschläge", wirken wie Ansätze von vor vierzig Jahren, die in ihrer Zeitgebundenheit aber längst ganz andere Wege gegangen sind, sich weiterentwickelt haben, weil sie in der Welt standen, und diese darauf reagiert hat. Also immer neu aus dem Logos in die Sprache gehoben werden müssen.  Denn die Sprache ist Vielheit, Akzidens. Der Logos nur ist Einheit, in die sie lebendig rückgebunden sein muß, damit sie wahr wird, und damit die Welt eins wird.*

Aber er kann und darf nicht verlangen, sie zu ignorieren!

Wer das Amt liebt kann gar nicht anders, als seine Reinheit zu verlangen. Und zu kritisieren, wenn diese Reinheit verloren zu gehen droht. DAS ist das entscheidende Kriterium für die Heiligkeit EINES PAPSTES als Heiligkeit der Person, die ihn repräsentiert. So, wie auch der Tischler nur ALS Tischler heilig wird und nicht, in dem er hier schlampt, dafür dort "gute Werke" tut und lieb ist. Wer den Papst anschaut, muß sicher sein, das Amt zu sehen - nicht einen Herrn Bergoglio, der gerade Sodbrennen und einen lustigen Einfall hat.

Wer - wenn nicht die intellektuelle Elite des deutschen katholischen Raumes - hat aber das Recht, ja viel mehr noch: die Pflicht, den Papst zu kritisieren, wenn er zu kritisieren ist? Denn sie sind der Leib, den sich die Kirche je neu und in Reinheit als Reinheit sucht. An dem das "Volk" dann teilhaben darf, mit Recht, weil es auf die richtige, geläuterte Gestalt (und Sprache) vertrauen darf, die ihm von der Elite überreicht wird. Wer Gottes Willen sucht und tun will, kann an der Hierarchie des Aufbaus menschlicher Gemeinschaft nicht vorbei.

Es gibt sie nicht, die Abkürzung, den "direkten Draht" (der Protestanten), das würde die Kirche obsolet machen. Nicht als Normalweg. Während sehr wohl in Krisenzeiten Gott immer wieder Herausragende, Propheten, Mahner auf den Plan gerufen hat, weil ein ganzes Volk, mitsamt ihren Anführern, ins Verderben der Nichtung torkelt, das ein Abweichen vom Willen Gottes bedeutet. Haben die dann auch nur geplaudert? Oder haben sie nicht in ihren Worten genau das getan, was Spaemann, Mosebach und einige wenige andere auch tun, die nämlich kraft ihrer Berufung (IN der sie Glieder der Kirche sind) dazu aufgefordert sind: Die herumschwirrende Sprache, das unklare Denken, auf ihren Kern zu läutern, den Logos? Indem sie uns mitteilen, wo das faktische Geschehen von diesem Logos, dem Willen Gottes, abweicht. 

Das aus und im Logos zu sehen, das zu beobachten, und in die Sprache zu heben ist nämlich IHR Charisma. Das zu besitzen gerade erwähnte Personen hinlänglich belegt haben. Denen freilich nur dieser Logos auch Zeugnis gibt. Sodaß ihre Stimme von jenen nicht gehört und gar verachtet wird, die diesem Logos bereits fern stehen, weil sie ihn in ihre Gewalt gebracht haben.

Morgen Teil 3) Ein Exkurs - Macht ersetzt Autorität. 
Und auch andere sehen Unschönheiten. 


*260415*

Wörtlich geglaubt

Die wirkliche Religion eines Menschen läßt sich nicht einfach per ausdrücklichem Befehl umstellen, wie man das Programm einer Waschmaschinen umstellt. Sie wirken nach, sie tragen das, was im ausgesprochenen Wort einen neuen Ausdruck gefunden haben mag. Doch das wirkliche Handeln und Glauben sitzt viel tiefer.

So entstand bei vielen Völkern, die "zum Christentum bekehrt" worden waren, wie bei den Friesen, eine bemerkenswerte Mischung aus substantiellem altem Glauben und Aberglauben - und neuen Formeln. Das hat sich etwa bei diesem höchst widerständigen, eigenwilligen Nordvölklein darin ausgedrückt, daß immer wieder einem Verstorbenen ein (lebendiger) Kleriker mit ins Grab gegeben wurde. Der sollte ihm dort den Weg nach Walhall weisen. Man nahm den Priester schlicht beim Wort.

Das Christentum wurde - auch bei den Sachsen war es ähnlich - nur zum neuen Rahmen, in dem der alte Aberglaube, der tief im Welterleben verankert war, ausgelebt wurde. Ähnliche Berichte gibt es noch aus jüngster Zeit von der katholischen Kirche aus Mittelamerika, wo der katholische rituelle Rahmen häufig nur eine andere Form für alten, ungebrochenen Aberglauben, wie er schon aus der Maya-Zeit bekannt ist, darstellt. Wenn z. B. die Marienverehrung nur neue Form für alte Kulte für weibliche Gottheiten wird.

Auf dieselbe Weise haben gerade in Norddeutschland Hexen-, Zauber- und Spukglaube überlebt. Sie haben aus dem neuen Glaubenskleid sogar Rechtfertigungssysteme abgeleitet.

Was ein Mensch wirklich glaubt, und was er sagt, daß er glaube, sind meist zwei sehr verschiedene Paar Schuhe. Sein Handeln, sein Bewegen, als steten Ausdruck des wahrgenommenen Weltrhythmus, das erzählt, auf welchen Beinen jemand wirklich steht. Ein explizit zu nennendes Glaubenssystem ist oft nicht mehr als ein Kompromiss reiner Sophistik, geschickter Wortstellung, mit dem man sich einer Lesart beugt, um Streit und Ausgeschlossenheit zu vermeiden, oder Ansehen zu erringen. Insofern freilich nicht ohne Wert, weil er ein Ziel definiert, das eines Tages auch das Handeln bestimmt. Denn der Kult, der Bewegungsrhythmus (im weitesten Sinn), als Präformation der Denkgrundlagen, entscheidet letztlich, was man (nach)denkt, und was man zustimmend glaubt. Lex orandi - lex credendi. Das Fleisch, über Gewohnheit geprägt wie zu prägen, kann da schon mal hinterherhinken.




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Samstag, 25. April 2015

Von der Notwendigkeit, den Papst zurechtzuweisen (1)

Nun hat also auch Robert Spaemann sehr deutliche Worte der Kritik an Papst Franziskus gefunden. Spaemann, der in seinem Leben als Philosoph (das ja keine Tätigkeit ist, wie man Schnitten verpackt, oder Doppelflanschen von 8 bis 16 Uhr überprüft, weil es eine Lebensweise ist, wie die Kunst, wie das Priestertum) zwar kein eigenes System entworfen hat, der aber wie kein anderer in den letzten Jahrzehnten den intellektuellen Diskurs im deutschsprachigen Raum geprägt und angeführt hat, und immer noch zu den meistgelesenen Philosophen gehört. Das hat ihm eine Stellung eingebracht, die ihn vor allem im katholischen Raum eine derart maßgebliche Stimme der Vernunft sein ließ und läßt, wie sie vielleicht nur noch vom Papst übertroffen wird. Vom gewesenen Papst. Dazu unten.

Die Punkte, die Spaemann an P. Franziskus kritisiert, decken sich völlig mit der an dieser Stelle ebenfalls immer wieder und bereits sehr früh vorgebrachten Kritik. Sind nur noch konkreter auf Vorgänge in der Kirche bezogen, wie es einem weit größeren Geist, als es der VdZ je sein wird und gar ist, auch ansteht. 

Nun sind zwei Dinge bemerkenswert. Denn zum einen wirft Spaemann dem Papst vor, nichts zu lesen, an Theologie kaum interessiert zu sein. Wie bitte, schrie da so mancher auf? Muß man nun lesen, um guter Papst zu sein? Genügt es nicht, einfach zu glauben, und charismatisch in der Kirche herumzufuhrwerken? Was erdreistet sich da dieser deutsche Philosoph? 

Und Ähnliches hat man ja auch vor ein paar Wochen erfahren können, als ein weiterer der Elite katholischer Intellektualität und Poesie, Martin Mosebach, im selben Sinn Kritik äußerte.

Was man mit Spaemann (und auch anderen, man kann sich sogar die Frage stellen, ob nicht überhaupt die "Sprachelite", die intellektuelle Elite des deutschen katholischen Raumes unisono spricht) nun oft macht, ist im Grunde das Gleiche, was man mit dem Papst macht. Den zu interpretieren sich auch jeder berufen fühlt.

Man anerkennt ihre mit vollem Recht zustehende Autorität nicht, sondern fühlt sich auf derselben Ebene, um sie bewerten zu können. Die einen, weil sie bereits so "gleichgemacht", in ihrer Persönlichkeitslandschaft so ausgelöscht sind, daß sie die Herkunft der Sprache, und damit des Denkens, und damit ihres Denkens, von der Autorität her nicht mehr anerkennen. (Somit sich die Frage gefallen lassen müssen, was das für ein Glaube ist, den sie - von den Inhalten ja nicht zu trennen, also nicht auf einen nebulosen "persönlichen Akt" begrenzbar (wie es der Protestantismus nämlich macht) - gar nicht empfangen haben, sondern selbst schaffen zu können meinen.

Wenn Spaemann auch vom Papst also fordert, man müsse lesen, dann ist damit gemeint, daß um überhaupt denken (und damit glauben) zu können das Ohr unentwegt am Puls der Sprache kleben muß. Diese Sprache täglich, stündlich, sekündlich am Leben zu halten, ist Aufgabe der Denker, der Dichter, der Philosophen, der Priester und Päpste. Sie sind es, die die Sprache entwickeln und aktuell - lebendig - halten. Und damit, damit werte Leser, das Denken. 

Wer damit argumentiert, daß auch die Kirche in ihren Anfängen keineswegs intellektuell einig gewesen sei, irrt ganz gefährlich! Denn nur WEIL sie das war, nur weil der Inhalt des Geglaubten allen gleich war, hat sie sich entfalten können. Auch in die Sprache hinein, wie es die Zeit jeweils forderte, als das Geglaubte auch formuliert werden mußte. Dieser Irrtum, der auch der gesamten "Erneuerungs-Charismatik" zugrunde liegt, einer protestantischen Bewegung sohin, richtet freilich schon geraume Zeit unermeßlichen Schaden an - in dem die "Charismatik" der Urkirche völlig mißverstanden und zur Nebulosität, zur Unbestimmtheit wie (sprachlich-denkerischen) Unbestimmbarkeit und Irrationalität umgedeutet wird. Das ist das Wesen von Sekten, aber nicht das der Kirche.

Denn Denken heißt, aus dem Numinosen zu schöpfen. Es heißt aber vor allem, es in die Form der Sprache zu gießen. Nur so kann Denken Wirklichkeit werden und sich entfalten. Das Wort wird Fleisch. Nicht jeder, der die Symbole und Zeichen der Sprache benutzt, der "redet" denkt aber. Sprache ist für jeden primär nämlich gegeben. Und damit auch das Denken, das über die Sprache einziehen kann. Sprache ist somit der "geistige Raum eines Volkes" wie Hugo von Hofmannsthal es einmal ausdrückte.

Weil aber Sprache nur lebendig bleibt wenn sie aus dem Numinosen heraus atmet, nur dann nämlich lebt sie (sonst stirbt sie; es gibt tote Sprachen), ist es von größter Wichtigkeit, daß die Philosophen, Denker und Päpste im Rhythmus dieser Sprache mitatmen. Sie müssen also ... lesen. Gute Bücher sind nicht gut, weil sie besonders verschnörkelte Wortkonstruktionen aufweisen, sondern weil in ihnen dieser Atem erfahrbar wird. Zwar noch weniger als im Gespräch (unter bzw. mit Philosophen, Denkern, Dichtern etc.) und bereits verändert, aber immer noch sehr weitgehend verfügbar. Bücher sind also zwar nicht alles, direktes Gespräch wäre viel mehr, aber man kann mit ihnen doch weit kommen und in den Geist, der hinter allem steht, der alles bewegt, eintauchen. Jesus ist nicht weniger als das "Buch des Lebens". Tolle - lege! heißt es in der Apokalypse. Kostet und seht, nehmt und lest. Etymologisch bedeutet lesen ernten, aufnehmen, einnehmen.

Deshalb braucht auch die Theologie ständiges Mitatmen mit der Literatur, mit der geschriebenen Sprache, in der sich die Denker und Künstler austauschen. Schon deshalb, weil unsere Sprache, und damit unser Denken, sich mithilfe des Buches entwickelt hat. Was wir heute sprechen und damit denken (können) ist gleichfalls nur noch verstehbar, wenn wir uns mit der Tradition vertraut machen, in der sie sich entwickelt hat. Nur so können wir "von Gott sprechen" (theo-logein), in diesem pulsierenden Rhythmus (im Heiligen Geist) aus Zurücksinken - Fleischwerden.

Wer nur im Zurücksinken verharrt, wer dies für das Einzige Nötige hält, wird zwangsläufig wirr in seinem Reden. Wer nur entspannt, verliert seine Gestaltungskraft. Und genau das ist am Papst ja feststellbar, der so offenkundig unreflektiert - also nicht in der Sprache geformt - daherplappert, daß er pausenlos Wirrnis anrichtet. Das Chaos, von dem Spaemann auch spricht. Die Planlosigkeit, die sich in allem zeigt und eifrigstes Geplaudere über "Reform" zur bloßen nebulosen Chimäre verkommen läßt.

Ein Volk (und wie erst die Kirche) hat die Pflicht, auf ihre Sprachquellen zu hören - auf seine Künstler, auf seine Philosophen, auf seine Priester und auf seine Könige. Wenn es das nicht tut, verliert es seine schöpferische Kraft in der Welt. Es mag sich dann zwar noch "wohlfühlen", so wie sich ein verwirrter Drogenberauschter wohlfühlt, aber es vermag nicht mehr Mensch (der sich selbst besitzt, in der Zeit) zu werden und wird ins Nichts fallen. Während eben diese Künstler, Dichter, Philosophen und Priester und Könige die Pflicht haben, ihre Sprache "zu quälen", zu läutern. Denn sie gibt dem Volk das vor, was es zu denken und damit zu wirklichen vermag. 

Ein Papst, der diese Pflicht im umgekehrten Sinn also aber nicht erfüllt, muß zurechtgewiesen werden. Und auch das ist in der Kirchengeschichte zuweilen vorgekommen. Wer nämlich nicht denkt, wer nicht liest, wer seine Sprache nicht foltert um das Aussagbare überhaupt erst zu finden, der verdient nicht Argumente - er braucht Zurechtweisung. Die gesamte Unfehlbarkeit des Papstes hängt nämlich genau daran: Daran, daß er den Logos selbst repräsentiert. Denn der Gläubige, der das Papstamt anerkennt, anerkennt es DESWEGEN. Und sein Glaube (s. u. a. Newman!) ist der Glaube an diesen Logos, an das depositum fidei, dem auch der Papst verpflichtet, das zu vertreten er in besonderer Weise berufen ist. Nicht der an eine Person, die am Papstthron Tango tanzt und die von ihm nicht zu trennende Amtswürde wie eine Holzente mit rotem Schnabel am Bändchen hinterherlaufen läßt. Ach ja, die ist ja auch noch da ...

Morgen Teil 2) Dann schickt Gott eben Propheten


*250415*

Mittwoch, 23. April 2014

Gültige Diagnose

Die Übersetzungen von Swedenborgs Schriften finden in und außerhalb Deutschlands, wie wir hören, einen sehr starken Absatz, und die Zahl seiner Anhänger vermehrt sich täglich. Dies ist uns völlig begreiflich. Das ungeschmückte Evangelium, die Einfalt der Kirchenlehre ist nicht mehr imstande, die geistig entkräftete Zeit zu erregen; die Wahrheit muß mit schreibenden Farben aufgetragen und in ganz gigantischen Schilderungen versinnlicht werden, wenn sie noch reizen und die Gemüter in Bewegung setzen soll. 

Die unendliche Leerheit und Stumpfheit des religiösen Sinnes ist in die Lage versetzt, falls sie die Geister nicht mit Händen greift und täglich vor sich herwandeln sieht, an keine höhere Geisterwelt mehr glauben zu könne, und die Phantasie bedarf der grellsten Aufschreckung, wenn die Hoffnung, auch jenseits noch fortzuleben, nicht ganz zusammensinken soll.  

Lange genug hat man sich die ebenso geistlose als beweinenswerte Mühe gegeben, die Wunder aus der evangelischen Geschichte zu verbannen, den Glauben an die große Erscheinung des Gottes Sohnes mit frechem Hohne zu untergraben, allen lebendigen Verkehr zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpfe in Abrede zu stellen, und mit den seichtesten Moralien die Völker wie mit einer Sündflut zu überschwemmen; wenigstens folgte diese auf dem Fuße nach.  

Aber die sehnsuchtsvolle Brust des Menschen ist mit solchem Gerede nicht zu befriedigen, und wenn du ihr die wahren Wunder nimmst, so wird sie sich falsche erdichten. 

Unsere Zeit ist dazu verurteilt, das trostlose Schauspiel des mattesten, unmächtigsten und freudelosesten geistigen Lebens nach dem überspanntesten und krankhaftesten Überreiz desselben aufführen zu sehen, und wenn wir nicht mit lebendigen und geisterfülltem Sinne zur Kirchenlehre zurückkehren, werden wir bald die kläglichste Schwärmerei mit demselben Übergewichte um sich greifen sehen, wie wir den flachsten Unglauben auf dem Throne erblicken. 

Zum gottgefälligen Glauben aber wird niemand durch diese Erscheinungen geführt werden, und die Antwort, die im Evangelium (Lk. XVI, 19ff) jener üppige, hartherzige Reiche von Abraham erhielt, als er diesen bat, den Lazarus zu seinen Brüdern zu schicken, auf daß sie sich bekehren möchten, paßt vollständig auch für Swedenborgs Anhänger, wenn sie dafürhalten, daß die Welt eines Geistersehers bedürfe, um zur Wahrheit zurückzukehren, undenthält ein vollgültiges Zeugnis gegen ihren Propheten. Wir haben Moses und die Propheten, und jetzt auch Christus, die Apostel und die Kirche, und wenn wir diese nicht hören, werden wir auch dem kein Gehör geben, der aus der andern Welt Kunde in diese zu bringen vorgibt. Mit diesen Worten allein hat Christus alle Erwartungen abgewiesen, die sich an Swedenborgs Visionen knüpfen.


J. A. Möhler in "Symbolik", ca. 1850, 
in einer Synthese Swedenborgs, 
als nach wie vor gültige Diagnose der Zeit




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