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Montag, 27. April 2015

Von der Notwendigkeit, den Papst zurechtzuweisen (3)

Teil 3) Ein Exkurs - Macht ersetzt Autorität. 
Weitere Unschönheiten. Nachträge.



*EXKURS: Macht ersetzt Autorität

Weil so augenfällig ein Beispiel, das zeigt, wie groß die Verwirrung bereits ist: Dieselben Personen, die sich dann mit "Papsttreue" am Revers schmücken, fordern einmal, den Sinn "hinter" den Worten des Papstes - "mit gutem Willen" - zu sehen, und seine nominellen Worte quasi zu ignorieren, und das nächste mal zum Gegenteil, sie wörtlich zu nehmen. Was geben sie damit aber zu?! Daß sie selbst bereits Quelle jener Autorität sind, die dem Papst (und damit dem Amt) nämlich immer mehr fehlt. 

Wenn also Spaemann und andere vorbringen, daß bei P. Franziskus Macht Autorität ersetzt, der Papst zentralistisch-totalitär wie noch nie direkt bis vor die Haustüre der Gröbnergasse 14 im schwäbischen Jestetten seine Direktiven (über Twitter, über Medienpräsenz, der man gar nicht mehr entkommen kann) liefert, damit den Pfarrer, die Kirche vor Ort (und nur dort ist sie Kirche: konkret, verortet) elegant überrundet und zum abstrakten Ausführungskasperl degradiert, so ist das mehr als berechtigt. Und in diesem Sinn war an der Kritik von Kardinal Kasper, daß die deutsche Kirche "keine Filiale von Rom" sei, sehr wohl ein wahrer Kern. Auch ein Kardinal, als Elite, hat das Recht, mit Respekt gehört zu werden (was durchaus auch als Selbstkritik des VdZ gelten kann). 

Denn dann kann der Papst nur noch Macht repräsentieren, und über Macht regieren. Und das zeigt immer, daß die Autorität bereits verdunstet ist. Nicht zufällig scheint sich deshalb dieser Papst auf "pastorale Maßnahmen" zu konzentrieren. Pastoral, Praxis ist die (weil wirkende) Machtseite der kirchlichen Autorität, wo im Autoritätsverlust die Praxis die Orthodoxie sogar ersetzt. Heil aber geht auf das Sein, und nur in Folge auf das Handeln. 

Die Vergebung der Sünde lebt ausschließlich auf die Zukunft eines volleren Seins hin, und die liturgische Praxis ist ein Infusorium des HeilsBILDES, das in der Übernahme durch den teilnehmenden Menschen zur Welt kommt. Heiligkeit ist Schönheit der Gestalt, des Fleisches, und nur insofern ist sie Heiligkeit. Es gibt keine separierbare Handlungsheiligkeit - es gibt nur gutes Handeln, wenn ihr die Gestalt als Abbild Christi vorausgeht, oder deren Ziel ist. Denn nur dann ist etwas wirklich, weil es an der Wirklichkeit Gottes teilhat, und genau diese in Stellvertretung IN CHRISTUS, dem Logos, in die Welt - ZUR Welt; ALS Geschichte; in die Menschheit - trägt, auf daß er in ihr wohne.

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Kardinal Raymond Burke

Nachtrag 1) Der geneigte Leser möge doch auch einen Blick auf dieses Interview mit Kardinal Raymond Burke werfen, das am 21. Jänner d. J. in Rom geführt wurde, und auf das der VdZ hingewiesen wurde. Burke, der längst beträchtlich an Kompetenzen abgeben mußte, beklagt nämlich ganz genau dieselben Punkte, die Spaemann (und, er wagt diesen Beisatz: der VdZ, der sie sogar schon nach wenigen Wochen, nach Lektüre des Buches von Bergoglio, aufgrund der darin offen daliegenden narzißtischen Charaktereigenschaften des Argentiniers - die die Schizoidität als Handlungsprinzip erkennen läßt, jene prinzipielle Kluft zwischen Verbalität und Tat, wobei erstere in hoch ausgeprägter, "vielseitiger", höchst flesibler Eloquenz die Tatebene, die Wirklichkeitsebene also verschleiern soll, von der  nichts Gutes, ja Böses zu erwarten ist - vorhergesagt hat; bislang hat sich alles, wirklich alles erfüllt, man möge die eingehende Analyse nachlesen) nun moniert: Die Verwirrung, die dieser Papst überall schon ganz real angerichtet hat. Genau das ist auch die Erfahrung des VdZ aus diversen Gesprächen: Mittlerweile klaubt sich tatsächlich jeder aus Papstaussagen zusammen, was ihm in den Kram paßt und ihn legitimiert. Übrigens - die "Papstverteidiger" bzw. "Konservative" nicht weniger. 

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Nachtrag 2) Es braucht keine besondere Menschenkenntnis, um - unter der Beleuchtung, die auf den Charakter Bergoglios alias Papst Franziskus geworfen wurde, vor allem aus den jüngsten Stellungnahmen "als Papst" ein reines Selbstverteidigungs-Vorgehen ablesen zu können. Die Schwerpunkte, die Themen, die sich laufend finden, sind wie (vorbeugende) Antworten auf mögliche oder bereits aufgeplatzte Bruchstellen in den Widersprüchen, denen Bergoglio (denen: solch ein Charakter) vorauseilend begegnen will. Denn ob der Leser es glauben mag oder nicht: Nichts trifft solche Menschen mehr, als Kritik. Denn ... sie wissen, weil sie sich dem Sein nicht entziehen können, daß sie auf dünnem Eis bauen. So etwas kann natürlich nur auf einem Zustand aufbauen, wo sich aus der Wirklichkeitsferne auch längst völlige Unkenntnis des Menschen eingestellt hat - und das ist eines der schlimmsten, wenn nicht DAS schlimmste Übel in der Kirche. Bergoglio ist der Meister der Wirklichkeitsferne. Ahnungs-, Wirklichkeitslosigkeit ist der Grund, warum ihm so viele auf den Leim gehen. Weshalb ohne jeden Zweifel einer der Schwerpunkte dieses Papstes war, ist und noch viel weiter sein wird, "Realität" (Wirklichkeit) vorauseilend - über "impressio", über sinnliche Vereinzelung, als Eindruck - zu definieren. Sehr zum Beifall der Unproduktiven, der Unschöpferischen, die im Windschatten der Lüge auf ihre Chance hoffen, nach oben zu kommen. Durch "Papstwerdung".

Nachtrag 3) Vom in den letzten Wochen verstorbenen, hoch angesehenen amerikanischen Kardinal Francis George ist folgende (sehr zurückhaltende) Äußerung zu Papst Franziskus bekannt: 

"The new pope's popularity surprised George, who worried that people were developing unrealistic expectations that could lead to further disillusionment with the church. "He sends out so many signals it gets a bit jumbled at times," George said. "I'm sure he's not confused, himself. It's confusing for a lot of people, including myself at times. For someone who appreciates clarity, I would like to get a few things clear so I can cooperate."




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