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Sonntag, 17. Februar 2013

Freiheit, Kreuz, und Ende

Aus 2009) Man muß oder kann Toynbee nicht in allem zustimmen. Zu deutlich stammt sein Moralbegriff protestantischen Quellen, ist er Kantianer im Verhaltenscodex (richtiges Handeln als vernünftig notwendiger, positivistisch zu setzender, sonst aber nicht weiter begründbarer, nur postulierbarer Schluß) und Hegelianer in der Geschichtsauffassung (Geschichte als dialektischer Entwicklungsprozeß einer so sich je an sich selbst vorantreibenden allumfassenden Weltvernunft, in der alles Faktische seinen "Ewigkeitswert" als es selbst schon nur durch sein Dasein trägt, es also historisch kein "richtig" oder "falsch" gibt).

Während die aristotelisch-thomistische Metaphysik (meist völlig miß- und unverstanden als statisches Wirklichkeitskonstrukt) die Geschichte als Ringen des Ewigen mit dem Begegnenden, wo sich (als actu des potens) wie eine Blüte aus dem Schlamm (ein buddhistischer Vergleich, übrigens) stets nur das Sein selbst als tragend, das Faktische als Maß seines real gewordenen Actu zeigt, durch das das Sein selbst, sorgsam herausgeschält, sich erzählend mitteilt. Sodaß das Wahre nicht historisch "immer in der Mitte" (metaphorisch gesagt) bleibt, sondern die Geschichte sehr wohl zu faktischen Irrwegen führen kann. Die nur verständlich werden, versteht man über allem Faktischen die wirklichen Konflikte, das wirkliche Ringen des Seins um Wirklichwerdung einerseits, und ... die Kraft, die aus Schwäche oder Bosheit dieses Sein, in oft sehr komplexen Gemengelagen, mangelhaft macht, und so die Form verunstaltet.

Wahrheit in der Geschichte, in der Gegenwart, ist also durchaus als "reines" Problem der Schönheit und der Gestalt ansehbar. Das Problem der Moral ist also letzthinnig ein Problem der Liebe zur Natur, zur Schönheit - und damit: der Liebe zu Gott, dem Sein, dem alles entspringt!

"Du sollst den Herrn, Deinen Gott, lieben und verehren ..." und: "Du sollst den Nächsten lieben wie Dich selbst!" In diesen Geboten ist alles enthalten. Und Jesus sah, daß jener gut geredet hatte.

In seine Geschichtssicht also muß man Toynbee mit Vorbehalt genießen. Aber es lohnt auf jeden Fall, sich seinen Fragen zu stellen, denn sie sind oft richtig gestellt.

Und so frägt sich Toynbee in seinen Grundwerken immer wieder, ja diese sind sein Zielpunkt, das Motivans seines Forschens, in welchem Stadium, in welcher Phase wir uns HEUTE befinden. Natürlich geht Toynbee der Frage zuvor nach, ob man überhaupt von einem Niedergang, oder gar Verfall, unserer Kultur sprechen kann, klärt, was unter dieser Kultur überhaupt zu verstehen ist, befaßt sich also mit einer Morphologie der Geschichte und der Kulturen.

Dabei ist augenfällig, daß Toynbee von den Ereignissen 1939-45 sowie vom Kalten Krieg deutlich beeinflußt ist, und zwar ... in einem Optimismus, der manchmal überrascht. Erst in seinen späteren Werken ist er ernüchtert von den Erfahrungen der Jahrzehnte bis in die 1980er Jahre, ohne aber diese Spätphase unserer abendländischen Kultur dort anzusetzen, wo (mit Verlaub) ich sie sehe - im Brechen des Höhepunkts, im Hochmittelalter, das in die Renaissance hinein - an sich selbst letztlich! - zerschellt. Seither fährt diese Kultur eine Schleife, und kehrt allmählich an ihren Ausgangspunkt zurück.

Aber nicht als Wiedereinstieg in die Ganzheit des Mittelalters. Dazu fehlt es an jener in Jahrhunderten errungenen Sittlichkeit der Einzelnen. Wir stehen vor einer Ganzheit als Folge eines Verzichts und Verlusts menschlicher Vernunft. Entsprechend leben wir mitten in aufgeblühten Sumpfgewächsen, Verfalls- und Modergerüchen.

Blühen rundum "Gemeinschaften", Communities und Partnerschaften auf, die allesamt auf dem Versprechen basieren, über ihre jeweils spezifischen wahren Probleme und Lücken, die zu überspannen (um nicht zu sagen: umzulügen) ihre Aufgabe ist, nicht zu sprechen - und sich daraus meist sehr exakt, ja oft regelrecht wörtlich, definieren.

In Esoterik und Obskurantismus, in den Irrationalismen gerade der heutigen "Rationalismen", in sich als historisch neu ausgebenden (und sich genau darin fast amüsant als historische Begleiterscheinung mit beträchtlichem Wiederkennungswert offenbarende) Erweckungs- und Erneuerungsbewegungen, egal welchen Couleurs, die allesamt das Ewige, die Heilsgnade, vorgeben zu besitzen, in historisch gebotenem Gewande zugängig zu machen. Wo Ganzheit simuliert wird, indem der Boden des Handelns auf die subjektivierte Aktualität des Befindens, die faktische Befindlichkeit, reduziert wird. Und in einer fast unüberschaubaren, ineinander verschränkten Mannigfaltigkeit an Formen von Selbstbetrug und Vernebelungen (wer hat noch nicht in die Augen von "Irren" geblickt, hinter denen beeindruckend klar der kluge Schelm, aber auch die hinterhältige Fratze dessen hervorblitzt, der genau weiß, daß er sich in einer Entscheidung dem Wort und der Kultur entzieht) - an Feigenblättern, hinter denen wir uns vor dem Sein zu verbergen meinen.

Ein Persönlichkeitsboden, dem es aber an sittlicher Kraft fehlt, der also nur von sich behaupten kann, Boden des Handelns und Denkens zu sein - in Wahrheit aber ein Bündel an Getriebenheiten ist.

Uns dies bewußt zu machen, uns klar zu machen, wo wir stehen, und uns damit auch von Fesseln frei werden zu lassen, die sich als einzigartig ausgeben, läßt uns also die Gegenwart und unser Maß an Unfreiheit verstehen. Und uns entsprechend reagieren! Denn wo immer wir uns historisch befinden, wie immer diese Epoche im Rückblick, in fünfhundert, in tausend Jahren, eingeschätzt werden mag, steht über unserem Leben die Pflicht, als Anzeige des einzigen Weges zur Geglücktheit unseres Daseinssinns, unsere wahren Kräfte zu wecken und unsere Gestalt, so gut es historisch geht, zu wirklichen. Denn Leben bedeutet Darstellung. (Bild: Stiftsbibliothek Admont, Steiermark) 

Und so wird gerade die Befassung mit unserer Kultur, in ihren überlieferten Zeugnissen und Niederlegungen, in ihrer Kunst, in ihrer Geistigkeit der Literatur(en), zu einem Ausloten der eigenen inneren Räume. Denn Irrtum und dämonischer Irrationalismus, Sprachzerstörung und Gedankenverführung in der Ideologie, in dem Fühlen und Fürchten verhängten Rechtfertigen (anstelle des Denkens) und Halten in der Existenz, ist ein Verhängnis des Zugangs zu unserem wirklichen, inneren Kern. Und verhindert so, daß wir uns von den Getriebenheiten befreien, indem wir uns (zunehmend) ganz besitzen. Und jeden Augenblick Herr unseres Handelns und Daseins sind.

Daß gerade jetzt und in dieser Phase das Kreuz unter Diskussion gerät, zeigt eine ganz überraschende Richtigkeit, weil es diese Basis allen menschlichen Lebens und Gelingens wie Selbstbesitzes ins Zentrum schiebt: die Selbsthingabe an einen Sinn, der aus der Erfüllung einer Gestalt sich ergibt, die in Lauterkeit erkennbar wird, und auf die sich alle Lebenserfüllung im Glück, aber/und auch als Verpflichtung ergibt. Nur, und zwar wirklich: nur, im Kreuz läßt sich auch heute Leben wirklichen, so kann es auch heute gelingen. Es macht uns bewußt, daß wir aller Unbill niemals unterliegen, indem wir ihr versklavt sind, sondern das Kreuz ist das höchste Zeichen und Symbol der menschlichen Freiheit! Die in der Verbindung mit Jesus Christus, die wir sohin über alle Zeit hinaus eingehen, zugleich den höchsten Sinn erfüllt. Auch indem es tröstet!

Denn das Kreuz ist das wahre Zeichen der Hoffnung! Nichts und Niemandem wird es in dieser Welt jemals gelingen, ein Paradies zu schaffen. Immer wird diese Welt ein "vallis lacrimosa" sein, bis zum Ende der Tage, bis zur Wiederkunft Gottes Jesus Christus. Weshalb der einzige Grund, über den Untergang des Abendlandes - und Oswald Spengler war ja nur einer der Ahner, der wirkliche Untergang vollzieht sich vor unsern Augen, und Spengler war Teil davon - Trauer zu empfinden ist, daß sich hier eine Kultur auflöst, die die Vervollkommnung des Menschen auf historisch einzigartige Weise zum Inhalt wie zum Gehalt hatte. Es geht nicht, absolut gesehen, um mehr oder weniger Migranten oder Sprache. Es geht nur um einen Weg zum Heil, der prinzipiell in jeder Situation gangbar ist.

Wenn es auch zu keiner Schönheit der historischen Gestalt absehbar mehr kommt, weil das Antlitz der Schönheit - schon über dem Pontifikat Johannes Paul II. lag der Malachias'sche Leitspruch "de labore sole = über die Mühe der Sonne" - sich zurückgezogen hat. Von diesem Schutthaufen, in dem wir leben, mehr verhüllt als entborgen wird. Und: alles lebt aus der Schönheit, auch wenn wir zu oft heute glauben und eingeredet bekommen, das wäre eine ästhetisierende Zusatzqualität des Lebens. Nein, es ist sein Grund. Und alle Sittlichkeit ist nur die Formung des Schöpflöffels, diese Schönheit, dieses Gold zu uns zu nehmen, um daraus zu leben.

Das Kirchenjahr geht in diesen herbstlich trüben Wochen zu Ende, erhöht die Lebensphase der Natur, die sich zum Sterben legt - mit dem Fest "Christkönig", das Fest des Jüngsten Gerichts, das Allerheiligen (logisch) folgt. Ehe die Geschichte neuen Anlauf nimmt - im Advent, in der Geburt Christi, am Tiefpunkt des Lichts in der Welt.

In dieser Dunkelheit ist zunehmend der Glaube gefragt, in der Treue, im Ausharren die Art unserer Verdienstlichkeit, dessen, was wir als Menschen beitragen können, um im Heil zu bleiben. Und um in der Hoffnung, oft, und wie oft, gegen alle Bedrängnis der Zeit, zu verbleiben.

Es ist kein Obskurantismus, wenn wir als Christen, als Katholiken, uns diese historische Gewißheit immer wieder vor Augen führen. Uns bewußt machen, indem wir mit dem Kirchenjahr gehen, daß unser irdisches Leben und relativen Wert hat. Daß wir uns jene seelische Qualität aber, durch eigenes Zutun, wenn auch nicht einfach aus uns selbst, die wir dann wirklich, als "konservierte" Form einer in der Auferstehung sichtbar werdenden Form, uns auf sein Wort hin erheben. Vorstellbar wie das Aufgehen des Samenkorns im Frühjahrsregen des immer nur einen Ostern, das (so wie alle Ewigkeit) immer wieder, Jahr für Jahr seine Fühler in die Welt reckt, und sich doch wieder zurückzieht. Uns aber auch bewußt machen, daß es ein reales Ende der Geschichte geben wird. So real, wir wir den Frühstückskaffee trinken, oder die Bombe fürchten. Nichts wird dieses Ende auf Dauer verhindern. Das Paradies hier - wird es in dieser Phase der Geschichte der Schöpfung nie geben. Erst ... nachher. In der verheißenen Neuen Schöpfung, der Neuen Erde. (Bild: Chartres, gotische Westrosette "Parusie")

Insofern also kann es keinen geschichtlichen Fatalismus geben, weil der Lauf dieser Geschichte, der Geschichte VOR der Parusie, der Wiederkunft Christi, endlich ist. Dieser Fatalismus wird nur im Alltag tragend, wenn wir uns Gottes begeben, wenn wir außerhalb jener Kraft leben, zu der wir durch Jesus Christus, einmalig und für immer, berufen sind. In dieser Kraft können wir selbst in scheinbar unausweichlichen Zyklusphasen - wobei dies auch Toynbee so sieht, hier darf man ihm nicht Unrecht tun, das hat er wohl begriffen - immer aussteigen. Denn nur im Zustand der Unfreiheit unterliegen wir scheinbar unausweichlichen Gesetzmäßigkeiten. Nur das Versagen hat Gründe und Techniken. Das Gelingen ist immer - Gnade und Geheimnis der Ganzheit.

Und deshalb ist das Kreuz das Zeichen der Hoffnung, in aller Geschichte, die sich so gesehen völlig relativiert, die Hoffnung auf volle Erfüllung unseres Strebens nach Glück nicht auf diese Welt richtet! Daß die für alle, ausnahmslos, reale Erfahrung des irdischen Leides nicht in Verzweiflung enden muß, sondern sogar einen Sinn hat. Daß wir darauf hoffen dürfen und sollen, daß ein Ende nur ein Ende des Schreckens sein kann, wenn wir das wollen. Und daß es eines Tages zu einer alles umfassenden Richtigstellung kommt, einer Rechtfertigung, die wir uns als Anrecht aber heute, im Ausharren, erwerben.

Wer das Christentum um diese Dimension verkürzt - und das ist heute häufig, besonders innerhalb der Kirche gar, vorgeblich, weil man den Erlösungsaspekt pädagogisch hervorstreichen möchte - nimmt ihm seine wahre historische Kraft, und deutet den Katholizismus zu einer lächerlichen Technik der Diesseits-Glücksgefühls-Produktion um, insofern eine zeitgeistige und in derselben Logik liegende Parallele zur Esoterik, die eine Funktionalisierung der Heilswirkungen versucht, dem Wesen der heutigen technisierten Seelen, dem Wesen der Unfreiheit gemäß, die Seelenleben tatsächlich zur Mechanik umzugestalten versucht. Aber es gibt auch im Heilsleben keine Garantie, weil eben keine Technik der Gnade, sondern Gnade bleibt immer ungeschuldet, bleibt Geheimnis. Aber Geheimnis ist eben prinzipiell nicht: Irrational.

Wenn wir heute, oder in diesen Tagen (der Novo Ordo hat das Fest auf den letzten Sonntag vor Advent verschoben) am Fest Christus König, dem eigentlichen Ende des Kirchenjahres und der Zeit, uns dem Ende zuwenden, so hat das seine absolute Richtigkeit. Und wir dürfen trauern, wir dürfen des Endes gedenken. Nur so wird uns gewärtig, was uns erwartet, nur so hoffen wir richtig: Auf seine Wiederkunft, auf die Rückkehr des Königs, in Macht und Herrlichkeit. Dann wird alles gut.

"So bist Du denn ein König?!"
"Du sagst es. Ja, ich bin ein König. Aber mein Königreich ist nicht von dieser Welt." (nach Joh. 18/37)




*170213*

Samstag, 12. Februar 2011

Wirklich: Erstmals

Curtius bezieht sich auf Toynbee, und beileibe: nicht nur die beiden sind der Auffassung, daß die antike Kultur, in ihrem Fundamentstein Homer, nie aufgehört hat, in ihrer Töchterlinie - Athen/Rom/Europa - fortzubestehen, mit jeweiligen Renaissancen. Aber es sind immer wieder dieselben Linien, die sich vorfinden, es sind immer wieder dieselben Gedanken, es sind immer wieder dieselben Personen, es ist immer wieder dieselbe Weltauffassung, die auch die Neuzeit von der Antike durch und durch gewirkt macht.

Nicht einmal im Frankenreich im 7. und 8. Jahrhundert kam es zum dauerhaften Bruch, zumal es später wieder nachholte, was mit den Karolingern kurzzeitig abzureißen schien.

Erst im 20. Jahrhundert, in einer Ausfaltung dessen, was im 19. Jahrhundert begann, begegnet uns plötzlich etwas, das Curtius "katastrophisch" nennt: Plötzlich scheint dieser Kulturstrom wirklich abzureißen! Plötzlich scheint diese Kultur wirklich zu Ende zu gehen. Plötzlich und erstmals reißt ihr Geistesstrom, die Weltbefindlichkeit der Menschen, wirklich ab.


*120211*

Sonntag, 8. November 2009

Leider kein wahres Märchen

Jahrzehnte, ja: lange Jahrhunderte galt die Türkei, insbesonders nach dem Zusammenbruch ihrer Expansionsstrategie, namentlich durch die Niederlage gegen Österreich und Europa (Lepanto 1532, Wien 1683ff), zeigte das Riesenreich immer deutlichere Verfallserscheinungen. Außenpoltisch erlitt es eine Niederlage, eine Schmach nach der anderen, das Reich löste sich zum Beispiel in Nordafrika wie von selbst auf, England und Frankreich mußten, wie im Falle Ägypten/Suez, kaum nachhelfen, und wollten es auch bald nicht mehr. Als "Kranker Mann am Bosporus" war die Türkei im ganzen 19. Jahrhundert nämlich nur noch eine eigentümliche Marionette sämtlicher europäischer Großmächte im Gerangel um die Vorherrschaft am Kontinent, ja: in der Welt - alle Seiten brauchten den Schein einer starken Türkei, alle Seiten stützten deshalb, wirklich ein groteskes Kapitel der Weltgeschichte, die jeweiligen Herrscher.

Aber die Türkei - eine Gründung der aus Asien (Korea) ursprünglich stammenden, im Westen im anatolischen Hochland gelandeten nomadischen Turkstämme unter ihrem Herrscherhaus, den Osmanen, war todkrank. An sich ein religiöses Reich - denn wirklich zur Großmacht waren die Osmanen erst geworden, als sie auch das Kalifat, die Oberherrschaft über alle islamischen Staaten, für sich (und nach Istanbul) erworben hatten - zerfiel das Reich innerlich längst, auch wenn es nach außen noch wie eine Großmacht dastand. Kaum vorstellbare Dekadenz, Korruption, Machtwillkür ... Die Geschichte gerade der Jahrzehnte bis zur Erhebung der "Jungtürken" 1909 liest sich wie ein archaisch-blutiges Märchen aus 1009 Nächten, mit einem wirklich Wahnsinnigen, nachweislich Paranoiden, als letzten Herrscher. Dann kam der erste Weltkrieg, und der nominelle Zerfall des Großreiches der Osmanen. Bis der türkische Oberst Kemal Atatürk putschte, und mit militärischer Gewalt einen Rumpfstaat "rettete". Mit einem aufgeklärt - laizistischen Programm wollte er, eben auch mit brutaler Gewalt, die Türkei vom Mittelalter ins 20. Jahrhundert führen.

Solche Reiche leben lang, unter Umständen. Toynbee weist auf Ägypten hin, wo eine tote, versteinerte Kultur scheinbar unbeschadet 1500, 2000 Jahre weiter bestehen bleiben kann, nominell.

Heute ist die Türkei ein wirtschaftlich sehr prosperierendes, an sich modern verwaltetes, laisiertes Land, mit europaweit den höchsten Wirtschaftswachstumsraten, aber nach wie vor starken inneren Spannungen - übrigens wie bei uns: In der Auseinandersetzung mit dem radikalen Islam, den Islamisten. Spricht man mit Türken, die noch in der Türkei leben, vor allem, wenn sie aus dem Megaballungsraum Istanbul (eine Stadt, deren Bevölkerung man nur noch schätzen kann: Zehn Millionen sind die häufigsten Schätzungen, der Großraum wird mit zwanzig Millionen, manchmal deutlich mehr, Bewohnern angegeben).

Soweit im Eilzugstempo zur Geschichte der Türkei.

Warum schreibe ich das an dieser Stelle? Weil man sich manchmal, wenn man in Gefahr steht, sich der Verzweiflung hinzugeben, nach seltsamen Allianzen sehnt, deren Seltsamkeit auf einem Irrtum über die wahre Natur ihrer Gestalt, die eben nur Schein ist, beruht.

Da schreibt nämlich der KURIER (Titelverlinkung) treuherzig, daß die Arbeitsämter warnen, daß etwa ein Drittel der türkischen weiblichen Jugendlichen "verschwinden" - von der Schule weg, nicht mehr am Arbeitsamt oder als Arbeitnehmer auftauchen.

Man darf da schon einmal schmunzeln. Und sich eins ins Fäusterl lachen. Denn: Dem AMS erscheint es bereits zur Notwendigkeit zu gehören, daß Frauen bei ihm auftauchen?! Mehr aber scheint es heute bereits so weit jenseitig, daß Frauen zuhause bleiben, ihr Leben im Haushalt, als Mütter und Ehefrauen leben, als kulturfremd.

Denn hier schreibt der KURIER weiter sinngemäß: Dies sei eines der stärksten Integrationshindernisse.

Und da wird es natürlich interessant. Denn an sich sind solche Nachrichten ... verführerisch. Weil sich eines hier aussagt, was man ja eh weiß, wofür man zuweilen kämpft, weil man es immer als eines der Hauptziele ideologischer Begehrlichkeiten weiß: Man muß die Familien knacken! Nur dann hat man umerzieherischen, manipulativen Zugriff auf ihre einzelnen Mitglieder. Wo die Familien intakt bleiben - da hat der Staat das Nachsehen. Das war immer so. Weshalb ich ohne jedes wenn und aber behaupte, daß die persönliche Freiheit noch vor hundert Jahren, wie aber erst vor fünfhundert Jahren, oder tausend, in einem Maß größer war, das uns gar nicht mehr vorstellbar scheint.

So wenig, wie dem AMS vorstellbar ist, daß es ein Glück gibt, das weit jenseits ihrer zeitgeistig-ideologischen Lebensvorstellungen liegt: Eine Frau, die nicht ins Erwerbsleben einsteigt. Eine Familie, die deshalb integer bleibt, nicht "integrierbar" ist.

Wo eine Familie erhalten bleibt, wo ihre Integrität nicht angetastet wird, dort ist sie eben eine für staatliche Willkür unüberwindliche Bastion. Dort beißen sich alle Feministen und Ideologen und Psychologen etc. die Zähne aus. Erst wenn der Staat als Türbrecher fungiert, haben diese Hebel des Wahnsinns Zutritt.

Haben sie dies einmal geschafft - am effektivsten funktioniert es über die Depotenzierung des Mannes, der "Emanzipation" der Frau eben (und, als Folge, der Kinder - in dieser Reihenfolge läuft das) - fällt ihnen jeder Einzelne der Familie in die Arme, wird zum Werkzeug politischer Willkür. Während der Mann (es braucht einen Rest Wirklichkeitsanker, sonst bricht alles zusammen) entrechtet wird, weil werden muß.

Natürlich ist die Geschichte auch interessant, weil sie amüsant ist. Verwunderung aufkommen lassen könnte, über das geringe Geschichtsbewußtsein, zumindest, über die nächsten Zeugnisse dieser heute (in Wahrheit gar nicht) so erstaunlich weit verbreiteten Naivität. (Erst gestern: Man denke an die Studenten, die wirklich glauben, sie wären ideologiefrei, das verkünden ... und eine Liste Forderungen präsentieren, die einen Ideologiepunkt nach dem anderen umfaßt!)

Jene Naivität, die heute erstaunliches Merkmal der Nachwachsenden ist, weil diese Generationen längst glauben, und zwar: wirklich glauben, daß das, was sie "wissen" und erleben unumstößlich gültig ist und zu bleiben hat, für alle Zeiten. Ein gesonderter Nachdenkstoff, allerdings. Und so können sich die Heutigen gar nicht vorstellen, daß das alles einmal völlig anders, ja umgekehrt war ... Ein wirklicher, schlagender und schmerzlicher Beweis, in welchem Ausmaß die linke Gehirnwäsche der letzten Jahrzehnte bereits gegriffen hat: Die Menschen heute empfinden ihren Fanatismus als "einzig möglich und normal". Vor allem aber: Als notwendig, und sei es mit Gewalt durchzusetzen!

So weit konnten sie nur kommen, weil - ja, so ist es - die substantiellen Kräfte in diesem Land zu gutgläubig waren. Aber das ist eine andere Geschichte.

Doch noch vor (bis vor!) dreißig Jahren war es keineswegs normal und natürlich, eher das Gegenteil, auch bei uns, daß Frauen am AMS jemals aufgeschienen sind. Ein Staatsvolk, das lebenslustvoll genug ist sich erhalten zu wollen, bestehen bleiben, vererben will (also Selbstachtung vor dem eigenen Werk, fürs Überleben so notwendigen Stolz hat), muß ausreichend Nachwuchs in die Welt setzen.

Wenn es das tut, kann - ich betone: kann (denn daß wir es uns anders nicht einmal leisten können, das wird noch heftig verschleiert, wird sich aber bald weisen) - die Frau nicht ins Erwerbsleben einsteigen, sondern dann muß - ich betone: muß - sie zuhause bleiben und dort kräftig mitwirken, im Generationenverbund, im Geschlechtsverbund, wo alle als erste konkrete Lebensaufgabe Familie als Erwerbs-, Überlebensgemeinschaft, als integren Organismus verstehen. Jedes Sozialsystem der Welt, das glaubt, sich alle diese Leistungen erkaufen zu können, die die Familien seit je selbstverständlich und aus völlig ungeschuldeter, selbstverständlicher Liebe erbringt, wird scheitern, das ist absolut sicher. Daß wir noch nicht so weit sind, das zu sehen, liegt nur an der Intransparenz unseres Sozialstaates und am Blendwerk der Schuldenbasis, auf der wir alle leben.

So also könnte es einen schon manchmal jucken, in den zugewanderten Türken (bzw. Mohammedanern) Verbündete einer gesünderen, älteren, heileren Welt zu sehen, nach der wir uns doch alle sehnen. Denn wir alle ... wollen unsere Kindheit! Wir alle wollen jenes Glück, das uns dort zumindest aufgeblitzt ist, als Sehnsucht, als Traum, als ... Erinnerung. Wir sind in unseren Träumen unser besseres, idealeres, glücklicheres Ich, zumindest können wir es dort sehen! Wo es Dinge gibt, die uns im komplexen Wachapparat längst abhanden gekommen sind, deren Wert aber zutiefst drinnen in seinem wahren Gewicht, als unermeßlich und fundamental erscheint. Ein Idealbild von unserem Leben, um dessen Verwirklichung wir ein Leben lang kämpfen, wenn wir das einmal begriffen haben, wenn wir einmal - so läuft es meist - nach ausreichendem Leidensdruck aufhören, uns dagegen und damit gegen uns selbst zu wehren.

Familienzusammenhalt, in erster Linie, aufbauend auf einem völlig anderen Verhältnis von Mann - Frau - Kind, als es heute propagiert wird, als "normal" dargestellt wird. Mit Mama und Papa, mit mir, als Kind, und viel Glück und Sonne - und Schutz, viel Schutz und Sicherheit: Mit einer hohen Mauer rundum, am besten in einer Burg, an der alle bösen Eindringlinge scheitern. So erzählen es die Märchen, und sie verkünden uns unsere wirklichen Träume und Innerlichkeiten. Und bis zum heutigen Tag verkünden es die Umfragen unter den Wertvorstellungen der Jugendlichen und Erwachsenen, so viel kann da gar nicht gelogen werden. Und sind jedesmal Anlaß zu neuen Maßnahmenkatalogen größenwahnsinniger Politiker der Linken, wie endlich und endlich diese Gehirne gewaschen werden können ...

Aber man hätte sich furchtbar getäuscht, dies in den Migranten, vor allem aus der Türkei, aus islamischem Kulturkreis, zu sehen, die mit Artikeln wie dem im Titel verlinkten gemeint sind! Und dieser Täuschung unterliegen, wie man unschwer feststellen kann, gerade sehr rechte Kreise mit Vorliebe. Längst findet man Webseiten, wo sich solche Nutz- und Wirkgemeinschaften ankündigen oder verwirklichen: Die äußerste Rechte, und der Islamismus.

In einem Punkt mag diese Allianz sogar wesensgemäß sein - im Ideologisieren des Natürlichen, Gesunden, in der Vergötzung der kulturellen Institutionen Familie und Staat, die beides nicht von ihrem inneren Wesen her begreift, ja gar kein Wesen kennt, sondern von ihrem bloßen Phänomen her deren Werden und Bleiben technisch auflöst - weshalb diese Phänomene zum Terror der Rubriken, der Masken, der Gestalten werden. Aber das ist keine gangbare Allianz für den Abendländer. Er wäre in eine ähnliche Falle getappt, wie in der Zeit von 1918 bis 1933/38: Der Zweck heiligt keine Mittel!

Denn die Stellung der Familie im Islam, bzw. im Türkentum, soweit es nicht völlig verwestlicht ist, wie im Raum Istanbul, per Verfassung von Kemal Atatürk ja in der ganzen Türkei, ist ganz anders, als es bei uns traditionell und üblich war! Es herrscht dort auch KEIN Patriarchat, wie es unser Abendland geprägt und sozial gegliedert hat. Sondern die Familien sind matriarchalisch organisiert! Wahrscheinlich eine jahrtausendealte (Etrusker!) quasi genetisch gewordene Tradition, mit Persönlichkeitsstrukturen, die schon Aischylos (man lese: "Die Perser"!) klar der griechisch-abendländischen Seele gegenüberstellt - als Massenseele, als Mangel an dem, was das Abendland im Grunde aufgebaut hat, an Individualität, an Selbststand.

Daß sich hier ganz unbewußte Affinitäten finden, daß sich hier im Grunde ein Untergrund bereitet hat, der auch hierzulande längst in diese Richtung sich entwickelt hat, liegt auf der Hand. Die Entmännlichung unserer Familien, unseres Selbstverständnisses, die gleichzusetzen ist mit einer Entweltung, mit einer Umkehrung des Umgangs mit der Welt, vom Gestaltenden, Schöpferischen zum Ausführenden, hat diesen Boden aufbereitet, die Ernte bereitet. Denn das Wesen der Frau ist Vollzug, nicht Setzung.

So wie die Familie im Islam, die weitgehend (in Verkehrung der Subsidiarität) eine mundgerechte Abbildung und Weiterführung des Staates ist, ja diesem regelrecht zugeordnet - nicht umgekehrt, wie es bei uns war, und wie es unsere eigentliche, unsere Staaten begründende Staatslehre immer verkündet hat. (Und die es sich immerhin anders bis heute nicht zu verkünden wagt, so sehr vor allem die Grünen danach greifen.) Der sich als Organismus begreift, der nicht aus dem Individualismus der Einzelnen lebt, sondern diesen Individualismus nicht nötig macht, ja nicht brauchen kann, und übernimmt. Und weil in islamischen Ländern der Staat eine Schöpfung der Religionsmoral ist, sind matriarchale islamische Familien (die Stellung der Frau dort ist ja nur scheinbar entrechtet, ihre wahre Macht ganz anders!) Vollzugsorte einer für sich geregelten, nie am Boden wurzelnden religiösen Lebensgestaltung.

Türkische, islamische Menschen sind zuhöchst "Massenseelen", denen es an wirklichem Selbstentwurf fehlt, und in dem das Denken, Fühlen des Volkes, dem sie angehören, einen uns zumindest früher gar nicht vorstellbaren Raum einnimmt. Die Türken (ich weiß, ich verallgemeinere, aber auch aus sehr persönlicher und mannigfaltiger Erfahrung halte ich das für zulässig) sind keine Persönlichkeiten, die ihren Selbstentwurf, ihren Ehrbegriff, aus einem - und sei es gegen die ganze Welt stehenden - Wesensbild beziehen, das sie noch dazu als gottebenbildlich verstehen. Selbst das Bilderverbot des Islam läßt sich dahingehend deuten. Ihre Identität empfangen sie aus einer (wie: beziehen sie auf eine) Metaidee einer staatsdurchwirkenden, diesen im Grunde bildenden und ersetzenden, eine Religionsidee, die über unbedingte (und nicht metaphysisch begründete, sohin als "natürlich" erwachsene!) Verhaltensgebote die Staaten bildet. Nicht umgekehrt. Und genau hier mit Rassenvergötzung oder Nationsvergottung (siehe unter anderem Hegel: Die Nation als Gesamtorganismus/-geist!) absolut am selben Roß sitzend.

Woran zeigt sich, als Beleg für das Gesagte, daß die Relikte von Volkskultur nicht dem natürlichen sittlichen Boden entspringen? In dem Gewaltaufwand, den Türken betreiben müssen, in der ständigen Energie, die sie in die Erhaltung ihrer Identität investieren müssen; in der gewaltsamen Abschottung von der Außenwelt, im Bilden von Separatwelten hier - im Vermassungscharakter der Einzelnen, den jeder feststellen kann, der es einmal mit Türken (oder Mohammedanern) zu tun hat, die fast ausnahmslos in "Rudeln" auftreten.

Ihre Identität ist voluntaristisch, und damit zeigt sie alleine ihre matriarchale Herkunft. Somit braucht diese Identität fortwährend Expansion der Metaidee (Religion), braucht im Grunde einen permanenten Kriegszustand! Historisch muß man da nicht weit graben, um die Plausibilität dieser Thesen testieren zu können.

Weitere Indizien, die die nomadische Herkunft und spezifisch nomadische Identität aufweisen, die dem Abendland zuinnerst fremd ist, sind der geringe Bezug der Türken zu Boden und Architektur! Ich sage nicht, daß das nur bei ihnen zu beobachten wäre, aber: Wer alleine sieht wie Türken unter Umständen jahrzehntelang in Häusern wohnen können, in Wohnungen, an denen sie nicht einen Nagel verändern, als nähmen sie die Umwelt gar nicht wahr, weiß, was damit gemeint ist.

Auf Erhaltung, als Notwehr abzielende, überwiegend antinomische Identitätsmaßnahmen, die auch Gewalt einsetzen, sind manchmal zulässig und richtig, ja zeigen erst Verantwortungsbewußtsein. Aber auf Dauer ist es nicht genug, auf Dauer zeigt es, daß etwas mit der Fleischwerdung dieser Eigenschaften, und damit mit dem natürlichen Boden einer Kultur, deren Institutionen eben nicht "fleischgewordene, ausgefaltete Natur" sind, nicht paßt.

Deshalb sollten wir uns nicht täuschen lassen - da kommt keine kulturelle Erneuerung, sondern den Türken klebt Leichengeruch an ihren Händen. Sie sind nicht jene Barbaren, die, aus natürlichem Empfinden heraus, eine zerfallenen Kulturkörper nach und nach und neu beleben.

Da werden wir auf andere warten müssen. Vielleicht wirklich ... aus Afrika, noch wahrscheinlicher aber: aus Osteuropa. Auf Menschen, die noch mutig genug, vor allem aber selbstverständlich, zu den Träumen ihrer Kindheit stehen. Auch wenn wir Hiesige sehr weit vorne wieder anfangen müssen.




*081109*

Wechsel der Hand im Handschuh


Es hat längst keinen Sinn mehr, "gegen Migranten" aufzutreten - das Problem ist nicht mehr zu vermeiden, es muß bewältigt werden. Und die entscheidenden Weichenstellungen sind dabei längst passiert und müssen nun verantwortet werden. Wir haben heute nur noch zu lesen, welchen Staat, welches Land man uns quasi verordnet hat.

Einerseits. Der uns zugestoßen ist - andererseits. Denn die heutige politische "Elite" ist seit vielen Jahren, mit wenigen Lichtblicken, aufgrund ihrer ideologischen wie persönlichen Neigungen unfähig, jene Matrix der Natur zu lesen, die politischem Handeln erst Sinn gäbe, weshalb politische Entscheidungen seit Jahrzehnten nicht nur völlig anderen Ausgang als "gewünscht" zeitigt, sondern längst völlig kopflos gemacht hat.

Politisches, zielbewußtes Handeln ist eben ersetzt worden durch utopisches und bloßes Wünschen, das sich und den Wählern Zielgerichtetheit nur noch vormacht, seine Theorieschleier sucht, aber in Wahrheit zu einem mehr oder weniger panikartigen Getriebensein von "geringeren Übeln" angesichts ultimativer "Meta-Bedrohungen" (zuletzt: "Klimawandel") wurde. Diese Matrix des Handelns, unter der Herrschaft der "geringeren Übel", habe ich bereits vor zwanzig Jahren als Grundzug heutigen Menschseins, Lebens und Wirtschaftens - es war ja erst der Erfahrungssirup eines intensiven langjährigen Erlebens in und mit der Wirtschaft - dargestellt. Heute ist es zu jener vulkanischen Größe und Zwanghaftigkeit angewachsen, die immer unüberhörbarer im Untergrund brodelt - und erst jüngst, wie in einem gewaltigen Disneyland fast zynisch mit heutigen politischen Mechanismen spielend, uns so noch weiter zum Megaclash treibend, in einem kleineren Vorbeben seine wahre Potenz ahnen ließ.

Der recht informative, lebendige Bericht der KLEINE ZEITUNG (Titelverlinkung) über Graz wirft ein Schlaglicht auf diese Gegenwart, und macht Zukunft viel klarer, als wir noch wahrhaben wollen. Ein Anteil von über einem Drittel - genau: 42,4 Prozent - an Geburten "mit Migrationshintergrund" in Graz bedeutet nun einmal, daß mittelfristig auch die Bevölkerung dieses Landes - schon gar, wenn man die zusätzliche Zuwanderung berücksichtigt - aus diesen und aus diesen entwurzelten Menschen bestehen wird. Nein: schon besteht.

Ein Drittel der Kinder in Grazer Kindergärten spricht sogar überhaupt nicht Deutsch, heißt es da. In einem der Kindergärten, aus denen berichtet wird, werden von 73 Kindern 19 Sprachen gesprochen. Daneben aber ist der kulturelle Unterschied, dargestellt in der individuellen Entwicklung der Kinder (im Text: das "Zeichnen des Kopfes" ist durchschnittlichen heimischen Kindern ab 3 Jahre möglich - Migrantenkinder haben mit fünf noch Probleme), noch gar nicht berücksichtigt.

Aber er wird unweigerlich eine dramatische Entwicklung des sittlichen Standes der Bevölkerung (das hat nichts mit Moral zu tun, sondern bedeutet eine bestimmte Kraft der Persönlichkeit) stattfinden, über deren Auswirkungen man besser noch nicht spricht. Und davon wird auch die Leistungspotenz Österreichs, wie wir sie bisher kennen, stark betroffen sein.

Aber ... ist sie das nicht schon längst? Könnte es sein, daß man sich von einer ganz anderen Vorstellung lösen muß, die sich bereits überlebt hat? Könnte es sein, daß wir von einem Sittlichkeitsanspruch ausgehen, der nicht mehr vorhanden ist, sondern nur noch vom Auslaufen der noch vorhandenen Generation der Leistungsträger lebt? Könnte es sein, daß - Toynbee beobachtet es bei allen Kulturen im Auflösungsstadium - "barbarische" Kräfte allmählich in die leere Hülle des Untergegangenen schlüpfen, gewiß schwächer als die eingenommene Kultur zu ihrer Hochblüte, aber stärker als deren momentane menschliche Träger?

Und: ich schreibe "wir" - wie "wir" sie kennen.

Dieses "wir" - DAS weigert sich nämlich, wird immer spröder. Denn mit diesem Wechsel der Bevölkerung, der unweigerlich stattfindet, und stattfand, wechseln auch die Kriterien. Und das Angestammte wird immer unpassender.

Wut ist nicht mehr angebracht, dafür ist es zu spät. Trauer über den Tod dieser Kultur, und Bereitschaft zur inneren Emigration, zur Inselbildung, zeitgemäß. Das meiste, was sich heute noch "Kultur" nennt, ist nur noch ein riesiger Museumsbetrieb, wo es vorgeblich an abendländische Tradition anknüpft, oder die Suche nach einer neuen Basis einer neuen, akkommodierten "Kultur". Die so wie in der Vergangenheit das der Menschheit längst errungene einfach vergißt, verdrängt, bis es eines Tages wieder ausgegraben wird. Wie die Antike, gar nicht so sehr in der Renaissance, sondern mit diesem hier gemeinten Bezug vor allem im späten 18., frühen 19. Jahrhundert. Als Maßstab einer Größe des Menschen, derer nur noch wehmütig gedacht werden kann. Die aber immer gültiges Richtmaß persönlichen Strebens bleiben wird, und deshalb umso mehr zu leben - im Kreuz - lohnt.

Mit den Migranten findet sich eben nicht "Fremdes" zu "Heimischem" - es findet sich Gleiches zu Gleichem, was die sittliche Kraft der jeweiligen Kulturstufen, nur in anderer Gestalt (immer ja in den Kostümen der Tradition), anbelangt. Ja, in Migranten findet sich sogar kurzfristig gewiß mehr Respekt vor eine Tradition, die diese noch als lebendige Kulturkraft wahrnehmen, von der sie sich etwas erhoffen. Die es aber längst nicht mehr ist. Denn auch den heutigen und hier geborenen Generationen ist das Abendland längst trockenes Schema, das sie nicht mehr verstehen.

Die wahre Umvolkung, um ein vor zwanzig Jahren heiß diskutiertes Wort Jörg Haiders zu verwenden, hat intern längst stattgefunden. Denn die letzten Schritte der abendländischen Kulturkatastrophe waren die Kriege 1914 bis 1945, und es war die darauf folgende Ersetzung der Kulturträger durch Funktionäre, bahngebrochen durch die von Hitler endgültig eingeleitete Moderne, in der wir uns noch heute befinden. In ihm findet sich fast das ganze Spektrum, auf welche Weise sich die Schwachen - die Macht erringen, und letztlich erfolgreich (heute) errungen haben. Hier sind alle Weisen erkennbar, wie und mit welchen Motiven, mit welcher Art der schleichenden Machtokkupation (denn um Macht offen zu erkämpfen, dafür fehlt ihnen die sittliche Kraft) Schwache agieren. Und dieser wahre Zusammenbruch, im finalen Stadium, begann ja spätestens schon vor hundert Jahren.

So lange ist übrigens Demographieforschern - ich verweise unter anderem auf Aussagen von Herwig Birg, den bekanntesten deutschen Demographen - ablesbar, so lange schon haben sie die heutigen Zustände (auf den Prozentpunkt genau!) vorhersagen lassen.

Nun kamen andere, um diesen Apparat in einem entblößten, aufgelösten Staat für sich zu nützen. Wir werden es ihnen nicht mehr verwehren können.




*081109*

Montag, 19. Oktober 2009

Versteinerte Ordnungen

Toynbee weist nach, daß historisch nachweisbar ein direkter Zusammenhang mit der Kodifizierung von Gesetzen, deren Fassung in Schriftform, und dem Zerfall des jeweiligen Gesellschaftskörpers besteht. Die großen Gesetzwerke sind immer in den letzten Minuten der jeweiligen Kulturen entstanden - als eigentlich nichts mehr von der alten Ordnung zu retten war.

Je mehr ehedem gesunde Lebensordnungen zerfallen, desto mehr werden die aus dem Verwesungsgeruch rekonstruierten Gesetzmäßigkeiten in Stein gemeißelt, um die Gefüge zu stabilisieren. Solche Tat findet anschließend aber nur bei einer Nachwelt Würdigung, die zu weit weg, zu barbarisch oder zu sentimental ist, um zu einer richtigen Einschätzung dieses Werkes zu finden. Desungeachtet, dient das solcherart übergebene Recht der nachfolgenden (Universal-)Kultur (und: Religion) als Gefüge.




*191009*

Freitag, 16. Oktober 2009

Im Tod wird alles unabwendbar

"Gelingen ist immer ein Geheimnis - Scheitern hat immer Gründe." Was diesem Satz, der so wahr ist, zugrunde liegt, ist kein oberflächlicher, partyesker Psychologismus, sondern eine tiefe Grundwahrheit: Daß Scheitern (in seiner Ursache und in seinen Verursachern) aus dem Tod der schöpferischen Kraft stammt, wo der Mechanismus Oberhand gewinnt. Weshalb Psychologie, und schon gar die heute herrschende mechanistische Psychologie, die den Menschen als Produkt chemisch-physikalischer Prozesse sieht, mit dem Gipfel des (im wahrsten Sinne) geistlosen Mythos der Evolution, in dieser Phase sogar zu wahren Aussagen kommen kann.

Die Fragen, die Toynbee als Schlüsselfragen stellt, lassen sich also genau aus diesen Überlegungen heraus beantworten.

Ja, es gibt ihn nicht, den geschichtlichen Determinismus. Aber witzigerweise ... wird er genau dann als solcher manifest und ablesbar - sodaß man ihn zum Determinismus umdeuten könnte, ja fast muß - wo eine Kultur eben ihre schöpferische Kraft verloren hat, und zusammenbricht. Da wird plötzlich diese Gesamtbewegung (und Toynbee sieht wohl den Raum wie die historischen Belege für jeweilige Bewegungen, die exakt aus diesem Zusammenbruch heraus sich in schöpferischer Kraft formieren, aber es sind anfänglich zumindest Minderheiten) zu einer einem Fatum verdammt deckungsgleichen Lawine, die unausweichlich und hellen Augen absehbar an bestimmten Punkten landen wird.

"Es besteht," schreibt Toynbee, "ein Gegensatz zwischen der Mannigfaltigkeit des Wachstums und der Uniformität des Zerfalls." Penelope's nächtliches Auftrennen des tagsüber gewebten vielfältigen Musters ist immer gleich monoton.

Der Mensch wird erst dann berechenbar und mechanistisch, wenn er das Menschsein nicht mehr anstrebt oder erreicht. Und es ist, wie bei allen Dingen, so daß das Wesen eines Dings an seinen höchsten Möglichkeiten verankert ist.

"In Lebensfluten, im Tatensturm
wall ich auf und ab, webe hin und her!
Geburt und Grab, ein ewiges Meer,
ein wechselnd Weben, ein glühend Leben,
So schaff' ich am sausenden Webstuhl der Zeit
Und wirke der Gottheit lebendiges Kleid
." 

Goethe, Faust I




*161009*

Dienstag, 6. Oktober 2009

Vorhergesagter Totalitarismus

Die prophetische Weitsicht, die Dr. Edwyn Bevan, etwa 1930 in einem Brief an Arnold Toynbee, bewies, ist so beeindruckend, daß ich seine Aussagen ohne Kürzungen bringe. Bevan nimmt auf beeindruckende Weise in Grundzügen vorweg, was ... HEUTE in voller Gestalt zu beobachten und zu erwarten ist, und die Kontinuität der Gegenwart im Strom der Geschichte beweist. Natürlich sage ich dies vor dem Hintergrund der Tatsache, daß mich aus nahezu den fast deckungsgleichen Analysenresultaten heraus die Gedanken für Europa zu nahezu exakt gleichen Schlüssen geführt habe: auch für mich ist eine absehbar recht nahe Zukunft unweigerlich eine Zukunft (aus heutiger Sicht:) "rechter" Despotie. Und zwar als logische, aber schauderbare Notreaktion aufgrund der erfolgreichen Zerstörungsarbeit der Linken. Da hat Hegel völlig richtig das dialektische Wesen vieler Geschichtsprozesse durchschaut.

Gleichzeitig - drum der volle Text - zeigt Bevan aber auch eine Perspektive auf (und das ist der entscheidende Punkt, auch u. a. gegen Hegel, oder Fatalisten wie Spengler) ... und das ist der eigentlich entscheidende Punkt. Denn das (längst nahezu verschwundene) katholische Christentum ist die einzige Kraft, die Geschichte, die in Unfreiheit erstarrt, real zu durchbrechen und damit zu erneuern vermag. Aber nicht ... ohne das Blut des Martyriums. Denn der Irrtum der "Rechten" ist haargenau derselbe, wie der der Linken, wenn auch verständlicher: sie wird mit Technizismus antworten. (Das ist ja das, was man Faschismus nennt, dem der Zweck alle Mittel heiligt. Der aber genau an den untauglichen Mitteln - contradictionem in acjectione - scheitern muß. Weil alles dem Sein gemäß handelt - und nicht Ergebnis eines Prozesses, sondern einer Seinsverwandlung ist.)

"Ich meine nicht, daß die Gefahr, die vor uns steht, die Anarchie ist, sondern der Despotismus, der Verlust der geistigen Freiheit, der totalitäre Staat, vielleicht ein universaler totalitärer Weltstaat. Als eine Folge des Kampfes zwischen Nationen oder Klassen mag es örtliche und zeitweilige Anarchie geben, eine vorübergehende Phase. Anarchie [Anm.: längst haben wir es heute mit reinen Gewaltverhältnissen zu tun, das also, was Anarchie ist - da braucht es nicht einmal die Rachephilosophien amerikanischer Action-Schinken zum Beleg] ist von Natur schwach, und in einer anarchischen Welt könnte eine festorganisierte Gruppe mit rationaler Organisation und wissenschaftlicher Kenntnis ihre Herrschaft über den Rest ausbreiten. [Anm.: Man braucht nur die Vorgänge um Wahlen, Einfluß, Lobbyismus, Öffentlichkeitsarbeit als Wesen der Presse, usw. betrachten, um diese Prophezeiung erfüllt zu sehen, um zu begreifen, daß wir einen Streit ganz anderer als demokratischer Kräfte um die alleinige Macht haben. Und längst sieht sich die jeweils herrschende Macht ohne jeden Skrupel berechtigt, das Wertegefüge der Menschen durch "Erziehung" ihren Vorstellungen gemäß zu verändern; man denke nur an "Gender", "political correctness" ...]

Und die Welt würde den despotischen Staat als Alternative zur Anarchie bewillkommnen. [Anm.: Nachdem offizieller Geist, Gedankenwelt, herrschende Meinungsressentiments, immer weiter zur realen Weltwahrnehmung der Menschen auseinanderklafft, wird dieses Begehren sich irrational äußern, nicht unähnlich wie es 1933ff geschah.]

Dann könnte die Welt in eine Periode geistiger "Versteinerung" eintreten, in eine schreckliche Ordnung, die für die höheren Betätigungen des menschlichen Geistes der Tod wäre. [Anm.: Selbst in "Kunstbereichen" herrscht heute längst das Primat des Nutzens, der Techniken (auch individueller Weltzugänge), der ideologischen Veränderungsphantasien, hat die Poesie schon heute weitgehend verdrängt]

Die Versteinerung des Römischen Reiches und die Versteinerung Chinas [Anm.: Auf den Niedergang einer Kultur muß nicht zwangsläufig deren völliger Zerfall folgen, sondern sie kann sich offenbar - Rom, China, v.a. Ägypten sind Beispiele dafür - noch sehr lange, und seien es zweitausend Jahre wie bei Ägypten, tausend Jahre bei China, in Versteinerung aufrechthalten] würden weniger starr erscheinen, wie die herrschende Gruppe viel größere wissenschaftliche Machtmittel hätte. (Kennen Sie Macaulays Essay on "History"? Er argumentiert, daß die barbarischen Invasionen auf die Länge gesehen ein Segen waren, weil sie die Versteinerung durchbrachen. "Es kostet Europa tausend Jahre Barbarismus, dem Schicksal Chinas zu entgehen."

Es gäbe keine barbarischen Rassen, um einen zukünftigen totalitären Weltstaat zu zerbrechen.) [Anm.: Die Vereinheitlichung der technizistischen Lebensform heute, die ja eine Folge des inneren Auseinanderfallens unserer Kultur ist, macht diese Äußerungen zu einer regelrechten Elegie: denn tatsächlich gibt es heute gar kein Barbarentum mehr, sondern es ist abgelöst von proletarisiertem Banausentum.]

Es scheint mir möglich, daß in solch einem totalitären Staat naturwissenschaftliche Forschung mit kontinuierlichen neuen Entdeckungen weitergehen könnte, während Poesie und Philosophie darniederlägen. Für die griechische Naturwissenschaft war das Ptolemäerreich keine unkongeniale Umwelt, und ich meine, daß, allgemein gesprochen, die Naturwissenschaft unter einem Despotismus blühen könnte. Es liegt im Interesse der herrschenden Gruppe, das zu ermutigen, was ihre Machtmittel anwachsen lassen könnte. Das, nicht Anarchie, ist für mich der Nachtmahr, wenn wir keinen Weg finden, um unseren gegenwärtigen Bruderkrieg zu beenden.

Aber es  g i b t  da die christliche Kirche, ein Faktor, mit dem zu rechnen ist. Sie kann sich in dem zukünftigen Weltstaat des Martyriums zu unterziehen haben, aber sie könnte auch wiederum, wie sie den römischen Weltstaat am Ende dazu trieb, sich jedenfalls formell Christus zu unterwerfen, auf dem Wege des Martyriums den wissenschaftlich-rationalistischen Weltstaat der Zukunft erobern." 


Dr. Edwyn Bevan




*061009*

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Verlust der Selbstkontrolle

Das sicherste Kriterium zur Bestimmung, ob eine Kultur sich aufbaut, oder niederbricht, ist Zuwachs oder Verlust an Selbstbestimmung (der Individuen). Das heißt: das Potential kreativer Lebensbewältigung.

In Spät- oder Zerfallsphasen von Kulturen ist nicht nur eine immer breitere Kluft zwischen den Führungsschichten und der Bevölkerungsmasse zu beobachten, sondern auch eine Kluft zwischen dem "elitären Denken" und der Wirklichkeitsbewältigungsstrategien jener. Und hier muß man Toynbee erweitern: denn diese Kluft, zwischen dem Geist und der Vernunft des Einzelnen, hat ein absolutes Kriterium, das in Zeiten des Aufbaus die "elitäre Geisteskraft" (weil der Wahrheit näher) zum Erstrebenswerten und Aufbauenden macht. Während, wenn diese Geisteskraft der Elite versagt, diese Kluft zu einem definitiven Abstoßungsprozeß führt: neue Eliten kommen zur Wirkung.

Mechanisierung kultureller Institutionen ist so ein Maß des Verlustes der Selbstbestimmung, weil nicht mehr die Prozesse dem Menschen, sondern der Mensch in immer breiterem Maß den Prozessen zu dienen hat. Der Organismus einer Gesellschaft verbraucht zunehmend mehr Anteile seiner Energie zur Selbstorganisation, zum Selbsterhalt (u. a. in der Zahl der Gesetze und den Beamten bzw. im unmittelbaren Staatszielen dienenden Bevölkerungsanteil erkennbar).

Ein fatales Detail dabei: Selbstbestimmung ist nicht der heute vorzufindende Autonomismus, also Willkür (der eine Form des Mangels an Selbstbestimmung ist), ebenso wenig wie Kreativität den Abbruch alles Bestehenden (sondern: dessen neue Assemblierung durch Konkretisierung des abstrahierten, somit lebendigen Gehalts) bedeutet.




*011009*

Aus Mutlosigkeit den Tod wählen

Polybios, einer der großen griechischen Historiker (200 bis 120 v.Chr.), führt in seinen "Historien" die Gründe dafür an, die die hellenische Kultur so derart niedergehen haben lassen, daß sogar weite Gebiete wieder versumpften bzw. verödeten.

Toynbee weist ja zurück, daß technische Rückschläge die Ursachen für kulturelle Niedergänge gewesen seien, vielmehr sei es höchstwahrscheinlich historisch betrachtet genau umgekehrt: Veränderungen im sozialen Körper, insbesondere ... seelische, geistige Gründe, modern ausgedrückt: Motivationsgründe ... wären die Ursachen für das oft sogar völlige Verschwinden von Zivilisation aus manchen Gebieten.

Zurück zu Polybios: Der schreibt, daß die Praxis der Verminderung des Umfangs der Familien durch Abtreibung und Kindermord die Hauptursachen des sozialen wie politischen Niedergangs Griechenlands.

Niemals, so Toynbee, habe ökonomischer oder gar technischer Zusammenbruch das Verschwinden oder auch nur Niedergehen einer Kultur bewirkt - sondern es war umgekehrt. Gesunde, oder/und wachsende Kulturen bewältigen nahezu alles, es sei auch hier sogar umgekehrt, daß Herausforderungen Wachstum anregten. Es sei denn, daß diese Schwierigkeiten einmal den Lebensmut einer Kultur brechen, und damit deren Zurückweichen erfolgt. Ausgedrückt ... in einem Aufgeben der Zukunft (siehe wieder: Polybios), sowie in einer Verachtung der eigenen Vergangenheit, die bereit für die Aufnahme von Neuem, Fremdem macht.

Es ist aber niemals der Verlust der Kontrolle über die umgebende Umwelt gewesen, der eine Kultur niedergehen ließ. Es ist ... der Selbstmord.

"Noch nie lag England, niemals soll es liegen
Zu Füßen eines stolzen Siegers, außer
Es half sich selbst die erste Wunde schlagen.
... Nichts soll uns Reu'
Erregen, bleibt sich selbst nur England treu.

Shakespeare, "König Johann"


"Weiß Gott, bedarf's in diesem tragisch' Leben
Des Bösewichtes nicht, denn Leidenschaften weben
Den Stoff, der uns betrügt durch das, was falsch
." 

Meredith, "Love's Grave"




*011019*

Mittwoch, 30. September 2009

Kennzeichen des Niederbruchs

Arnold Toynbee meint, daß es drei Merkmale des Niederbruchs einer Kultur (bzw. eines Gesellschaftskörpers) gebe:

  • ein Versagen der schöpferischen Kraft in der (führenden) Minderheit (=Elite)
  • als Antwort darauf ein Rückzug der Nachahmung auf Seiten der Mehrheit
  • und ein daraus sich ergebender Verlust der sozialen Einheit im Gesellschaftskörper als Ganzem.

Ohne es darauf abzustellen, nennt Toynbee damit die Stoßrichtung eine beabsichtigte Zerstörung einer Kultur von außen, die auf die Zerstörung der Vertrauensbasis von Elite und Volk abzielt, und dazu in erster Linie eine Uminterpretation der Geschichte sowie ein Niederziehen der führenden Schichte benutzt.

Diesen Faktor unterschätzt Toynbee damit auch ganz gewiß, wenn er (ca. 1935) schreibt, daß der abendländische Gesellschaftskörper die Kultur der Zukunft sei, die völlig niedergebrochenen übrigen Weltkulturen gegenüberstehe.

Wieder, sein Hegelianismus, unterscheidet der britische Historiker also nicht zwischen den faktischen Erscheinungen und ihrer Substanz, die sich anthropologisch in den Polen Sein und Nichtsein bewegt, sodaß wir es historisch sehr wohl mit "Scheinphänomenen" zu tun haben, die wiederum wesentlich, Hirngespinsten oder Massenpsychosen vergleichbar, dämonischer Natur in Massenmeinungsbildungsmechanismen (Ressentiment als Element des Moralen) entstehen (und vergehen) können.

Denn in gewisser Weise hat Toynbee zwar recht, aber der "Mechanismus", der Technizismus, der eines der Kennzeichen des Abendlandes ist, ist eine seiner größten Verführungen zum Scheitern! Aber nicht als positive, sondern bestenfalls positivistische Schöpfung. Weshalb man den Verlust der schöpferischen Kraft der Eliten im Abendland durchaus um einige Jahrhunderte vorverlegen kann, weil abzuwägen bleibt, ob die immer ausschließlicher technische Entwicklung, der wir seit vier-, fünfhundert Jahren, seit dem Umbruch des Mittelalters, den wir "Neuzeit" nennen, unterliegen (mit der bis in die letzte Menschlichkeit mittlerweile vorgedrungene Umbildung dieser Kultur in Technik und Mechanismen) nicht unfreie Getriebenheit, ja Besessenheit eher denn schöpferischer Genius ist.

Was ja als sicherstes Zeichen des Todesröchelns längst bis in die Religion gedrungen ist, deren letzte Reste an Religio durch Psychotechniken und Effektproduktion praktisch ausgerottet wurden und werden. Womit auch jeder möglichen Regeneration die Versorgungslinien abgeschnitten werden, weil bereits generationenlang das Numinosum der Religion bestenfalls noch in der Dämonie - als Identifikation mit dem Irrationalen - erfahren werden kann, als menschliche wie liturgische Grunderfahrung aber fehlt. Die Entwicklung in Lateinamerika, mit dem Masseneinbruch von freikirchlich-evangelikalen, charismatischen Bewegungen in ehedem angestammten christ-katholischen Bevölkerungsschichten, bestätigt dies (und Toynbee) vollauf.

Ein Technizismus übrigens, dessentwegen das Abendland auch oft verachtet wurde und wird, und zwar auch von Kulturen, die dem Abendland in seiner faktischen Gewalt unterlegen sind. Wohl nicht ganz zu Unrecht.


*300909*

Dienstag, 29. September 2009

Amerikanische Ausstattung - russische Seele

Für Toynbee ist (1935ff.) der sowjetische Marxismus (phänomenologisch betrachtet) nichts als der Versuch, den Kapitalismus für alle zu erreichen: mit dem Traum "amerikanischer Ausstattung" auch für die russische Seele, die in eine amerikanische umgewandelt werden soll.

Wobei für ihn überhaupt der marxistische Glaube einer totalen Verwerfung der abendländischen Gesellschaftsordnung näher kommt als irgendein anderer Glaube abendländischen Ursprungs.

Und er ist es mit dem Ziel, den amerikanischen Traum - auf andere Weise - zu verwirklichen.

Man könnte Toynbee völlig rechtgeben, interpretiert man die Umstürze 1989 als Entladungen der enttäuschten Bevölkerung, die sich, endgültig entnervt, einen effizienteren Weg zum amerikanischen Traum freimachen wollte. Interpretiert 1989 nicht als Sieg des Abendlandes und seiner Grundlagen.

Einen ähnlichen Verlauf stellt Toynbee übrigens bereits für die Freiheitsbewegung Mahatma Gandhi's fest: Indien nahm einen ähnlichen Weg, und gegen Gandhi's Aufforderung, nicht die westlichen Methoden anzuwenden, geschah genau das. Die Inder wurden zu den "besseren" (erfolgreicheren) Kapitalisten, und diesen Weg, zu einer eigenen starken Industrie etc., wollten sie sich mit Gandhi's "Methoden" freikämpfen. "Die wirksamsten Helfer waren die (stillen) indischen Industriellen," meint Toynbee. "Sie haben zugleich die Philosophie des Propheten am wirksamsten ausgehebelt."




*290909*

Mehr Technik - weniger Kultur

In "Der Gang der Weltgeschichte" (original: "Study of History") räumt Arnold Toynbee mit leichtem, durch historische Fakten gut vorbereitetem Fingertippen, mit einem Mißverständnis auf: daß nämlich technischer Fortschritt ein Signum oder eine Begleiterscheinung kulturellen Hochstandes sei. Zum Gegenteil, zeigt die Geschichte, daß die Entwicklung der Technik nahezu unabhängig vom Stand eines "Sozialkörpers" (ein Begriff, den Toynbee gerne anstelle von Kulturen benutzt) ist. Daß man sogar bemerkt, daß die Technik - in Arbeitsteilung, Funktionalisierung und Mechanisierung von Vorgängen - dann zur Blüte kam, als die Kulturen bereits im definitiven Niedergang, manchmal bereits (minoische Kultur) niedergegangen waren.

In jedem Fall ist keine wirkliche Korrelation zwischen dem Stand der Technik und dem Stand einer Kultur zu bemerken, beide entwickeln sich nahezu unabhängig voneinander. Selbst vor tausenden von Jahren, in der Gegenüberstellung von Neolithikum und (diesem vorangehendem) Paläolithikum, zeigt sich, daß die ältere Kultur wohl technisch weniger ausgefeiltere Werkzeuge besaß, dafür aber künstlerische Werke zu schaffen vermochte, oder ihre Werkzeuge mit einer detailverliebten Kunstfertigkeit ausgestaltete, die den späteren, jüngeren Kulturen bereits fehlte. Ähnliches läßt sich bei der Gegenüberstellung Mayas (älter) - Azteken (Friedrich Georg Jünger) sagen.

Überhaupt die Kriegstechnik verhält sich nahezu unabhängig, wenn sie nicht sogar die einzige menschliche Technik ist, die über all die Jahrtausende eine kontinuierliche Fortentwicklung nahm. Selbst Expansion einer Kultur ist in vielen Fällen sogar Anzeichen für ihre innere Schwäche eher, denn Kraft zur Durchdringung der Welt.

Dieser Nenner ist freilich nur auf den ersten Augenblick überraschend, und er trifft sich nahezu deckungsgleich mit den Analysen eines Friedrich Georg Jünger, etc. Toynbee führt ihn auch auf die eurozentristische Technikbegeisterung des 19. Jahrhunderts zurück, auf das Selbstverständnis der Gesellschaften seither, die sich (seither) im Rausch der technischen Entwicklung auch in der historischen Höhe des Menschseins, weil als jeweiliger Spitzenpunkt einer kontinuierlichen Vorwärtsentwicklung (aus Evolutionismen) wähnen. Klarerweise ist auch die materiale Technik der historischen Forschung leichter zugängig, weil auch archäologisch evidenter.

"In der fortwährenden Vereinfachung, in der kontinuierlichen Spezialisierung, verliert der Einzelne mehr und mehr Ganzheitlichkeit und Universalität," sagt Toynbee. Gleichzeitig verkürzt sich der Produktzyklus - sichtbarer Ausdruck einer Tendenz zur "Vergeistigung" (negativ formuliert: Auflösung) des Materiellen, das im selben Zug immer bedeutsamer für die Lebensvorgänge wird.

Hier, und in diesem Moment aber, wo die Aufgaben von technischer Problemlösung sich auf "Moral" legen, wo sich die Kraft von außen (wo das Problem gelöst ist) auf innen wendet, beginnt jede vergangene Kultur zu brechen.




*290909*

Freitag, 25. September 2009

Der Kampf ist entscheidend

Nimmt man Toynbee's Grundthese zur Entwicklung von Kulturen - "Je größer die Schwierigkeit, desto größer der Anreiz!" - dann führt ein System, das (wie im Sozialstaat) alle Schwierigkeiten zu beseitigen versucht, zum Niedergang der Nachkommenden.

Immerhin würde Toynbee's Ansicht auch die hier schon mehrmals ausgerollte These zur demographischen Entwicklung stützen, daß nämlich die Geburtenrate mit der gefühlten Notwendigkeit zusammenhängt, an der Welt handeln, Herausforderungen bewältigen zu müssen. Und NICHT der heute fälschlich getroffenen Grundannahme offizieller Familienpolitik, daß noch mehr Wohlstand, also die "Beseitigung der Armut" die Fertilität in die Höhe treibt. 

(Auch Nachwuchs soll ja, geht es nach den meisten Politikern, keine Spuren in der Lebensweise hinterlassen, man sieht: dieselbe prinzipielle Dummheit, die unsere ganze Zivilisation in sich zusammenfallen läßt: Leben ohne Auswirkung ... Handeln wird heute generell ersetzt und mißverstanden durch "Machen von gewünschten Effekten".)

Wer sich eine wirkliche Aufgabe (heutige Meta-Alarme wie "Klimakatastrophe" etc. sind ja nur psychogene Ersatzhandlungen) an der Welt sieht, zu der er Hilfe braucht - der setzt Nachwuchs in die Welt. Für den aber, der die bestehende Welt nur vernaschen will, ist Nachwuchs hinderlich.




*250909*

Donnerstag, 24. September 2009

Initialgebräu aus schwachem Proletariat

Der Ansatz Toynbees ist überzeugend ausgearbeitet: Die großen Kulturen haben sich anders, als man glauben könnte, nicht dort entwickelt, wo die Bedingungen besonders günstig gewesen sind! Im Gegenteil, die Entwicklung der vor der Verwüstung des afrikanischen Mittelteils in den feucht-fruchtbaren Süden geflohenen Völker zeigt eine "Einlullung". Auch alle anderen Kulturen haben eindeutig Entwicklungen aufzuweisen, daß jene Teile der Völker sich zu Höchstleistungen aufschwangen, die es mit großen Herausforderungen zu tun hatten, die sie bewältigten. Toynbee weist dies für praktisch sämtliche maßgeblichen Kulturkörper der Weltgeschichte nach: Kulturentwicklung hat mit dem Willen von Völkern, Herausforderungen zu bewältigen, direkt zu tun. Herodot erzählt, zum selben Thema, vom Perserkönig Kyros, der den Ausspruch getätigt haben soll: "Weiche Länder erzeugen weiche Menschen."

Noch eine Stufe übrigens, die Arnold Toynbee als all diesen "Gesellschaftskörpern" gemeinsam zeigt, ist jene, wo aus absterbenden Kulturen sich neue abspalten, auch epigonal, wie Kinder aus Elternleibern: In den untergehenden Volksteilen begann sich eine Spaltung einer führenden, aber zu immer mehr systemerhaltender Gewalt genötigten Minderheit, und einer "proletarischen", einfachen, sich selbst aber zu verwirklichen suchenden Mehrheit, auszubilden, wobei der Mehrheit das vorherrschende System in seinem Willen zur Entfaltung zunehmend hinderlich war. Immer, meint Toynbee, sei ein Initialstoß zu Neubildungen damit von "schwachen", durchaus der vorigen Kultur unterlegenen Volksteilen (oder Zuwanderern/Nachbarn) ausgegangen.




*240909*

Samstag, 27. Juni 2009

Wodurch der erste Beweger bewegt


Wodurch, fragt Aristoteles, bewegt Gott? Ja, wer ist der persönliche Gott? Er ist "das Denken des Denkens!" antwortet er. Selbst unbewegt, bewegt er das gesamte All.

Wodurch aber bewegt er?

Weil er sich in der Schöpfung selbst erzählt, dem Erkennen preisgibt, macht er sich also zum Objekt des Liebens - Gott bewegt durch die Anziehungskraft des Geistes, durch geistige Anziehung! Er bewegt dadurch, daß er - erkannt in seinen Geschöpfen - geliebt wird!

E. R. Curtius weist übrigens a. a. O. darauf hin, daß dieser christlich-metaphysische Ansatz die Entsprechung zum Orpheus-Mythos ist: der durch den Gesang bewirkte, daß man ihm folgte ... Aber er hält damit eine wichtige Analogie fest: jene von Gott - zum Schöpfertum des Menschen. Das eben nicht in einem bloßen "Selbstausdruck" (siehe den Satz a. a. O. im Blog hier) unfruchtbar sich um sich bewegt, sondern im "Schaffen eines Zieles der Liebe" besteht.

Denn, wie Antonio della Caraffa einmal sagt: "Man kann nur ETWAS lieben." Und: etwas zu lieben bedeutet, es als "etwas" erkannt zu haben, weil man nur lieben kann, was man kennt. Sonst liebt man nämlich ... gar nicht.





*270609*

Ein Satz wie eine Bombe

In seinem Essay über Toynbee, über die Lebensphasen von Kulturen, über Byzanz, das im osmanischen Reich seinen Körper aufgelöst hat und deshalb in unserem Bewußtsein so wenig präsent ist (sieht man von ihren Resten in der russischen Kultur und Orthodoxie ab), schreibt E. R. Curtius in einer Fußnote einen Satz, der wie eine Bombe erschüttert, weil er den wesentlichen Moment des Schöpferischen einfordert, dabei eigene Dekadenz bewußt macht: Daß Kultur den Willen zur positivistischen Tat braucht.

"Selbstausdruck ist nicht Schöpfertum!"

Selbstausdruck an sich ist statisch und unfruchtbar, bedeutet ferner den Verzicht auf Deutung, auf Einordnung in einen Sinnhorizont. Gerade in den Erzeugnissen der Kunst ist dies deutlich beobachtbar.

Curtius schreibt in diesem Essay übrigens weiter: In der letzten Phase einer Kultur, der Auflösung, die dem Niedergang folgt, hat der Einzelne im sozialen Verhalten nur noch die Wahl zwischen Mimesis (der Anpassung unter Selbstauflösung), und dem Martyrium.

(Nur in letzterem übrigens kann jene Klammer überleben, die Revolte mit Altem zur Zukunft verbindet.)

Unterscheidbar in je aktive und passive (persönliche) Tendenzen, zeigen sich in dieser Auflösungsphase Tendenzen von Archaismus (Beschwörung der Geister der Ahnen im "zurück zu"), und Futurismus (vergleiche die ständig neuen "Weltkatastrophen- und -rettungsideen"), in den Polen "Schuldbewußtsein" und beiden gemein ist die Flucht aus der Gegenwart, womit sie die Auflösung manifestieren, anstatt sie zu lösen. Während der Archaismus (der Begriff ist von Toynbee) einen Rückschritt zur Primitivität bringt, ergeht sich der Futurismus in Vermeidung der Passivität in die sinnlose Bewegung des Hamsters im Tretrad.

Im Sozialgefühl geht jedes "Stilgefühl" verloren, wie es einer wachsenden Kultur innewohnt. Die Seele überläßt sich der Formlosigkeit, und "im Schmelztiegel der Promiskuität" (cit. Toynbee) vermischen sich unvereinbare Traditionen und Werte. In Religion und Philosophie wirkt sich das als Synkretismus aus. Dem steht (im aktiven Part) das Streben nach einem Einheitsstil, einer Einheitsform entgegen, die das Chaos im Einzelnen durch eine kosmische (Zwangs-)Ordnung ersetzen will.

Dies alles auf der Grundlage eines "quälenden Gefühls des Versagens" als beherrschendem individuellem Empfinden.

[Was sich mit der hier schon mehrmals untermauerten Analyse trifft, daß das größte heutige Problem jenes der unbewältigten Schuld ist: Unser Leben besteht nahezu ausschließlich bereits aus Mechanismen der Schuldverdrängung statt -bewältigung (die nur durch Verzeihung möglich ist - ohne Religiosität ist Bewältigung also unmöglich)].

Im geistigen Bereich - um dieses Thema an dieser Stelle abzuschließen - findet Toynbee die Analogie in den beiden Polen "Apathie" (in Herstellung von "Unverwundbarkeit" - vom Mystizismus bis zur Stoa, buddhistische Auflösung etc., aber als Verzicht auf Selbstbestimmung auch durch die Betonung der Extreme "Zufall" und "Notwendigkeit") und "Verklärung."

Letztere, im Verbund mit der Loslösung eher dem futuristischen Aspekt (des Aktiven) entsprechend, ist ein Weg zu einem tatsächlichen geistigen Wandel, und sohin dem mythischen Schema "Rückzug und Wiederkehr" gleichzustellen - Rückzug in die Wüste, und Wiederkehr auf veränderter Basis.




*270609*