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Sonntag, 29. März 2020

Der Krieg der Sekten (2)

Teil 2) Eine Situation des Generalmißbrauchs 
Zu einer riesigen Sekte als Normalzustand geworden


*Analog zum Verhalten in Mißbrauchssituationen - der VdZ verweist auf Artikel auf diesen Seiten, in denen er unsere Zeit als getragen von der Methodik des Mißbrauchs klassifizierte - wird deshalb alles getan, um ALLE zum MITTUN zu animieren. Niemand soll ausgenommen werden, niemand soll später einmal sagen können, er hätte die Folgen nicht mitverursacht. Was übrigens KEINE Verschwörung ist, davon kann man sicher ausgehen, sondern ein psychisch-sozialer Effekt, den man bei nur etwas Menschenkenntnis annehmen darf. Dieser freilich kann dann tatsächlich zu Verschwörungen führen, die sich freilich anders nennen weil selbst anders sehen.

Wie es vermutlich jede Verschwörung tut. Die wenigstens anfänglich (siehe Carroll Quigley in seiner Beschreibung der Anfänge der Verschwörungsgesellschaften im anglo-amerikanischen Raum) nicht "als Verschwörung" auftritt, sondern von Personen getragen wird, die reale Probleme zu sehen meinen, die sie bekämpfen wollen. Dieser Kampf erst macht mit der Zeit eine Verschwörung "notwendig", weil sie im Sinne der Problembekämpfung effizienter ist.

**Die Ähnlichkeit solchen Verhaltens mit dem Geschehen in einer Sekte ist augenfällig, und keineswegs Zufall. Sie hängt mit der Gespensterhaftigkeit der "Gefahr" zusammen: Dort ist es der Teufel, der immer und überall ist, hier ist es die Gefahr der Ansteckung durch den anderen (=jeder). 

Man könnte also sogar sagen, daß wir uns derzeit verhalten, als wären unsere Länder und Völker zu einer einzigen Sekte geworden! Wenn jemand über Veränderungen spricht, die die derzeitige Corona-Krise für unsere Gesellschaften bedeutet, dann ist das praktisch immer unsinniges Gerede, stimmt aber in einem Fall: Die Veränderungen werden auffällig jenen psycho-sozialen Folgen gleichen, die Sektenmitglieder und -aussteiger aufweisen.






*240320*

Samstag, 28. März 2020

Der Krieg der Sekten (1)

... und keiner weiß davon!


Was auch immer man James Corbett vorwerfen kann, dessen Gedankenwelt durch die Konzentration auf Verschwörungen ein wenig darunter leidet, nicht immer das Maß deren realer Auswirkungen richtig einzuschätzen - seine journalistische Tätigkeit ist bemerkenswert und immer zumindest originell. So meint er diesmal, in der "Corona-Krise", daß wir uns mitten in einem Krieg befinden, von dem seltsamerweise aber niemand etwas zu wissen scheint. Denn er trägt ein anderes Etikett. Er heißt "Corona-Pandemie". 

Wer sich ansieht, was als Gegenmaßnahmen verhängt wurde, welche sozialen wie politischen Folgen diese vermeintliche Pandemie hat, nimmt verblüfft zur Kenntnis, daß sich die Folgen für die Lebensweise zahlreicher Länder und Völker einer ganz bestimmten Situation absolut gleichen: 
Wir leben real unter denselben Lebensbedingungen, die ein schrecklicher, weltweiter Krieg hätte.
Volkswirtschaften brechen ein, Grenzen werden dicht gemacht, Menschen flüchten in eine Bunkersituation und richten sich auf Bedingungen ein, in denen es zu Verknappungen lebensnotwendigster Produkte kommt. Die Medien werden zentral gesteuert - wie in einem Krieg - und Zensur ist nicht nur üblich, sondern von den Menschen akzeptiert. Deren soziales Leben sich im Zustand des Krieges gegen jeden anderen Menschen befindet, der zur tödlichen Gefahr hochstilisiert wurde. 

Wie überhaupt alle diese Einschränkungen akzeptiert werden, weil wie in einem Krieg alles unter die Maxime des "Überlebens des Ganzen" gestellt ist, wo Kollateralschäden in Kauf genommen werden müssen. 

Auch die Gräben der Entfremdung fehlen nicht. Sie verlaufen zwischen jenen, die "ansteckend" sind (und das sind ganze Länder wie China, Persien, Italien) und wo sich die Epidemie mehr ausgebreitet hat, und jenen, die sich durch völligen Abbruch der kollateralen Beziehungen einigeln. Die Schuldigen und damit die Aggressoren sind dabei klar. Ihre Aggression rechtfertigt jede diplomatische Katastrophe, die solches Verhalten noch vor wenigen Wochen gewesen wäre.

Gleichzeitig steht die Staatsmacht gegen ihre Bevölkerungen. Zwar verkünden die Medien und Pressemitteilungen von "Gemeinschaft und Solidarität", doch jeder Augenschein, die Polizeipräsenz auf den Straßen,
die stetig steigende Rigorosität, mit der "Fehlverhalten" als "a- und antisoziales Verhalten" identifiziert und sanktioniert - weil bestimmtes Verhalten totalisiert** - wird, 
die Aktivierung der militärischen Ressourcen, das Versammlungs- und faktische Vereinsverbot, die Verhängung von Sondergesetzen, Ausnahmezuständen und die ganz selbstverständliche Inanspruchnahme von Sonderrechten durch die Regierenden, mit denen sie diktatorisch eingreifen, spricht eine ganz andere Sprache. Nämlich die eines Kriegszustands. Sogar Tote, "im Kampf Gefallene" liefert dieser Krieg.

Die Liste der Parallelen zu einer realen Kriegssituation wäre noch weit, weit verlängerbar. Kann also jemand sagen, worin sich der gegenwärtige Zustand von dem eines weltweiten Krieges unterscheidet? Es fehlt nicht einmal die Ausrufung!

Man könnte diesen Krieg mit einem Computerspiel vergleichen, in dem die Teilnehmer plötzlich begonnen haben, ihr ganzes Leben in diese Auseinandersetzung am Bildschirm und auf den Festplatten mit hineinzuziehen. Und ihre Sinnhorizonte gemäß den Prämissen des Spieles neu zu modellieren. 

Woher das Gefühl einer seltsamen Unwirklichkeit kommt, das so viele bei sich feststellen, blieb zwar vorerst ein Rätsel. Aber es wird daran gearbeitet, es zu lösen. Das Meiste von dem, was sich vor allem in den Medien tut, ist nur unter diesem Blickwinkel verstehbar: Die Medienwelt wurde einem Generalversuch, die erste, unbedingte Realität dieses Spieles zu beweisen. Und man muß ernsthafte Sorge haben, daß sie damit durchkommen. Mit jedem Tag, mit jeder Maßnahme, mit jeder Folge mehr wird die Unmöglichkeit der dafür verantwortlichen, mittätigen* Autoritäten zunehmen, diese Fehlannahme zuzugeben und zu korrigieren.

Daß somit die nächste Zukunft von Annahmen getragen sein wird, die unser alltägliches Leben nach den Regeln dieses Spieles neu ordnen, und durch weitgreifende Entscheidungen den Lauf der Welt ändern. Weil das aber nur in einem gesellschaftlichen Chaos enden kann, ist die stetige (und schließlich exponentielle) Zunahme von Zwangsmaßnahmen der Staaten gegenüber ihren Bevölkerungen so gut wie sicher.

Morgen Teil 2) Zu einer riesigen Sekte 
als Normalzustand geworden



*240320*

Dienstag, 29. Oktober 2019

Man sieht Schöpfung, man glaubt sie nicht (2)

Teil 2)



Wenn es also so gewesen ist, wenn es so gewesen sein soll, daß das Universum aus sich selbst entstanden ist, dann ist völlig unklar, wie das geschehen sein soll. Somit helfen nur noch literarische Phantasien. Und vor allem populärwissenschaftliche Bücher sind auch zu Märchenbüchern geworden, die einfach eine neue, irrationale Mythologie etablieren wollen. Stephen Hawkings "Kleine Geschichte der Zeit" (die der VdZ nach hundert Seiten wütend in die Ecke schleuderte, weil er sich verarscht sah) ist ein reines Mythenbuch, als Vorstellung, wie "es hätte sein können, wenn es so gewesen wäre."

Was ist das anderes als an ein Wunder zu glauben? Was ist das anderes als sich in einem Zirkelschluß zu verfangen? "Wir wissen, daß die mechanistischen Mythen mit vielen Schubladen (black boxes) für Wunder wahr sind, weil die Big Bang-Theorie wahr ist."

Jawohl, Hawking, dieser (medial) vielbeachtete und -geachtete Astrophysiker, hat die Astrophysik vor allem kraft seiner Autorität zu einer irrationalen Jedi-Sagengeschichte gemacht, die jede Mathematik entgründet und zum Scheinbeweis (Beleg "für", nicht Argument gegen jedes "gegen") mißbraucht.

Sogar - ja gerade! - buchstäblich genommen, liefert die Bibel (AT) in der Genesis mehr wissenschaftliche Relevanz als alle diese Theorien. Der große Abfall vom Glauben begann nicht aus irgendwelchen philosophischen, ideologischen Gründen. Er begann, weil die Menschen glaubten "zu wissen", daß die Bibel falsch liegt. Oder bestenfalls eine fromme, metaphorische Geschichte ist. Gerade Katholiken sollten sich dessen sehr gewahr werden!

Können aber so viele Physiker, so viele Wissenschaftler irren? Herrschaften - ja. Eindeutig: Ja. Die Wissenschaftsgeschichte (siehe Ludwig Fleck, siehe Thomas S. Kuhn) ist nachweislich voll von oft jahrhundertelang etablierten "Tatsachen", die sich dann als falsch herausstellten. Ja, die Wissenschaftsgeschichte ist als "Geschichte der Massenpsychosen" und Gruppendynamik besser beschrieben, denn als Geschichte eines sich weiterentwickelnden Wissens. Die Geschichte der Wissenschaft (vor allem seit sie begonnen hat, sich in relativ unabhängige Einzeldisziplinen zu entwickeln) ist die Geschichte der Charakterdispositionen von Einzelnen, nicht die von Wahrheit. (Ach ja, darum wurde ja so großer Wert darauf gelegt, die Möglichkeit einer Wahrheit - außer der eigenen - zu bestreiten.)

Gerade die irrationale Klimapanik beweist, wie sich Wissenschaftler (es sind immer Personen) in einen pseudo-religiösen Wahn versteigen können, aufgehangen an ein paar Erlöserfiguren, der nur noch mit den Wiedertäuferbewegungen und Sekten des 15. und 16. Jahrhunderts, wenn nicht mit dem Katharerwahn des 13. Jahrhunderts vergleichbar ist.

An ein junges, an ein geschaffenes Universum zu glauben ist keine stupide Glaubenstatsache, sondern der einzig sinnvolle Interpretationshorizont für die Beobachtungen. Noch Galileo, noch Descartes, sogar noch (in Grenzen) Newton waren der Meinung, daß die Wissenschaft nur den Glauben bestätigen könne. Und das hat überhaupt die Wissenschaft im Abendland begründet (die im islamischen Raum ruiniert): Das Wissen aus dem Glauben heraus, daß die Welt eine Selbstoffenbarung des Schöpfers ist. Deshalb ist jedes "Wissen" über ihre Dinge ein Weg zu Gott hin. Der Katholik muß deshalb wahre Wissenschaft lieben. Aber er muß sie (endlich) wieder (wieder!) von falscher Märchen-Erzählung unterscheiden lernen.

Betrachtet man das beobachtbare Universum nach den derzeit für wahr gehaltenen physikalischen Gesetzen, ist die Wahrscheinlichkeit dermaßen gering, daß es der unglaublich präzise ablaufende Prozeß ist, der es ist, daß sich die Erde und die Möglichkeit für Leben gebildet hat, als Ergebnis mechanistischer Prozesse anzunehmen einfach nur noch grotesk ist. Der einzig einleuchtende Schluß aller Tatsachen ist, daß das Universum wie die Bibel es sagt, auf die Erde und den Menschen zugeschnitten ist. Die Evidenz ist überwältigend.

Aber genau deshalb nimmt die Kosmologie der atheistischen Astrophysik solche absurden Formen an, daß sie gar nicht bemerkt, wie herbeigeholt, wie "erfunden" ihre Theorien sind. Nicht die Evidenz spricht gegen die Tatsache der Schöpfung, sondern weil die Evidenz so erdrückend ist, wird ein Kosmos ohne Schöpfung von dermaßen verschwurbelten, alles andere als wissenschaftlich haltbaren Theorien abgeleitet, in denen logische Widersprüche keine Rolle mehr spielen dürfen.







Montag, 28. Oktober 2019

Man sieht Schöpfung, man glaubt sie nicht (1)

Ein Student der Astrophysik (später sub auspiciis promoviert) hat es dem VdZ einmal so ausgedrückt: "Das Studium wurde mir immer klarer als Versuch, eine Voraussetzung zu begründen. Zunehmend haben wir uns nur noch damit befaßt, wie es hätte sein können. Wir haben alle möglichen Theorien gehört, entwickelt, diskutiert, unter der Anleitung der Professoren, wie es denn geschehen hätte sein können, daß das Universum aus rein materialistischen, mechanistischen Bedingungen heraus entstehen HÄTTE KÖNNEN."

Eine gesamte Kosmologie wurde zur mythologischen Erzählung, wie der Kosmos entstanden "ist". All die vielen Lücken in der Theorie wurden weggewischt. Denn das Ergebnis war klar: Das Universum MUSZ aus sich selbst so entstanden sein. Mehr und mehr war all sein Studieren, so der mittlerweile zum Doktor evolvierte Physiker, nur noch eine Suche nach möglichen Begründungen für eine Prämisse. Und all die Lücken wurden mit "irgendwann werden wir das noch wissen" weggedeutet. Dabei war es so einfach ...

Der Vortrag von Spike Psarris nimmt genau das aufs Korn. Der Kosmologe war ursprünglich ebenfalls ein Anhänger der Big Bang-Theorie, also einer Theorie, die zu erklären versucht, wie alles aus nichts entstanden sein könnte. Je näher er sich aber damit befaßte, desto mehr wurde er überzeugt, daß es rein logisch nicht anders gewesen sein kann, alles weist darauf hin: Der Kosmos, das Universum ist geschaffen worden. Ohne externe Ursache, also ohne einen Ursprung von allem, also ohne einen Ursprung von Sein, KANN das Universum nicht entstanden sein. Erst diese logischen Unvereinbarkeiten einer rein mechanistischen Kosmologie also haben den promovierten Astrologen zur Frage um Gott geführt. Und er, der ursprünglich von sich als Atheisten ausging, hat sich bekehrt.

Es würde viele Tage und Artikel füllen, die physikalischen, wissenschaftlich, aus der Evidenz (also dem Beobachteten) begründeten Argumente von Psarris hier anzuführen. Dem Leser muß also einiges zugemutet werden, wenn er diesen Vortrag hören und verstehen will. (Mit der Funktion "Untertitel" und "Automatisch übersetzten" geht es etwas leichter.) 

Aber es lohnt die Mühe, soviel vorweg. Psarris zeigt die verzweifelten Versuche, ein unhaltbares Theorem, eine unhaltbare (und schon gar nicht beweisbare) Theorie eines aus sich selbst entstandenen Universums zu halten. Und kommt natürlich auf die unlösbare, nahezu lächerlich "begründete" Theorie, daß alles aus "nichts" entstanden sein könnte. Wo es nichts gab, gab es auch keine physikalischen Gesetze. Etwas kann sich nicht aus sich selbst ins Sein bringen.

Wissenschaft und Glaube sind nicht nur vereinbar, sagt Psarris, sondern der Weg zueinander ist nahezu umgekehrt, als oft behauptet wird. Man glaubt nicht an eine Schöpfung, weil man glaubt, und sucht dann irgendwelche (windigen) "Beweise". Diese Vorgangsweise ist zum einen nur ein Teil der Wissenschaft, zum anderen ohne den zweiten Teil sinnlos: Dieser zweite Teil verlangt, daß die Theorie falsifizierbar sein muß. Das heißt, daß sie in dem Moment fällt, in dem sie einem Gegenargument nicht standhält. Die Widersprüche, in die sich die "moderne" Kosmologie verstrickt, sind verblüffend.

Und die landläufige Meinung heute zur Entstehung des Kosmos ist wissenschaftlich derart lückenhaft, derart phantasievoll zugeschmiert, daß man mit dem besten Willen nicht von einer "bewiesenen" Theorie reden kann. Man will, daß es so ist, das ist das ganze Geheimnis. Man will, daß es einen Kosmos ohne Gott, ohne Schöpfung gibt, das ist alles. Weil man die Wissenschaft auf diesen Aspekt eingegrenzt hat: Sie soll ausschließen, daß es eine übernatürliche Erklärung gibt. Aber das ist in sich nicht wissenschaftlich.

Die heutige Kosmologie akzeptiert sogar, daß die Entstehung des Universums mit Bedingungen und Vorgängen erklärt wird, die sich später nie mehr finden, die allen als für das gesamte Universum gültig gelten, denen sie aber "damals", vor (angeblich) 14,6 Milliarden Jahren, widersprechen. Es müssen bei der Entstehung der Erde Bedingungen geherrscht haben, die jenseits der heute geltenden Physik stehen.

Zumal es mittlerweile hinreichend Beobachtungstatsachen gibt (etwa die gemessene Hintergrundstrahlung, die Temperaturlandschaft des Kosmos, quasi), die jeder dieser Theorien eines aus sich selbst entstanden sein sollenden Universums eklatant widersprechen. Die vor etlichen Jahren erstmals technisch mögliche und erfolgte Messung der kosmischen Hintergrundstrahlung widerspricht sämtlichen (sic!) gängigen Kosmologien der Astrophysik. Es könnte sie so nicht geben, wie sie gemessen wurde.

Morgen Teil 2)






Samstag, 28. September 2019

Medjugorje als Mißbrauchsfall

Was ist das Typische an diesem (vom Charakter her so gar nicht vereinzelten) Fall, einer Kombination von Medjugorje und sexuellem Mißbrauch, der in Italien kräftig Wellen schlug? In dem es um Folgendes geht: Ein enger Vertrauter zweier der "Seher von Medjugorje", die angeblich seit 1981 täglich oder zumindest regelmäßig (und an allen Orten) Erscheinungen der "Gottesmutter Maria" (vulgo "Gospa") haben, wurde nun zahlreicher Fälle von schwerem sexuellem Mißbrauch angeklagt. Don Michele Barrone sitzt seither im Gefängnis, und die Indizien sprechen nicht gerade für ihn. Mittlerweile werden ihm sogar Verbindungen zur Mafia vorgeworfen. Denn der Priester hat auch gehörig Geld mit seinem "Service" gemacht. In dem er sich vor allem einen Ruf als Exorzist erworben hat.

Wie eng er mit Vicka und Mirjana aus Medjugorje zusammengearbeitet hat, dokumentieren nicht nur Videoaufnahmen, die zeigen, wie vertraulich die alle miteinander umgegangen sind, sondern auch ein sehr "frommes" Buch, das er zusammen mit Vicka geschrieben hat. Offensichtlich, so eine ironische Stimme, hat die Gottesmutter die Kinder zwar vor Abhörwanzen in ihren Räumen gewarnt, aber nicht vor diesem Wolf im Schafspelz, der bei manchen Erscheinungen (wie der am 2. Oktober 2014, am Video einsehbar) sogar höchst fromm neben Mirjana kniete. Padre Barrone ist der mit der Halbglatze.





Ein einmaliger Ausrutscher? Auch wenn er ziemlich häufig vorgekommen sein mag? Eher nicht. Denn diese Form der Neigung hat direkt mit Medjugorje und der speziellen Form der "Frömmigkeit" zu tun, die dort gepflegt wird. Denn Medjugorje ist von der Charismatischen Erneuerung nicht zu trennen, ja sie hängen geschichtlich eng zusammen, die Erscheinungen gehen auf eine Weise direkt aus der Depersonalisierung hervor, die in der Charismatik System hat. Und im Fall Medjugorje sogar direkt mit "Sensibilisierungsprogrammen" einher ging, wie Nachforschungen ergeben haben. 

Woher kommt aber diese Nähe solcher Subjektivismen zur Sexualität?  Wie kann es sein, daß speziell solche "Geistesbewegungen", von den protestantischen Sekten des 15. und 16. Jahrhunderts angefangen, bis zur heutigen Charismatik und allen Pfingstkirchen, gemeiniglich allesamt unter dem Begriff "Enthusiasmus-" oder "Erweckungsbewegungen" zusammenfaßbar, eine solche Nähe zu sexueller Uferlosigkeit und Mißbrauch aufweisen? Von der schon Gerhard Hauptmann in "Der Narr in Christo Emanuel Quint" ein so gut beobachtetes Romanzeugnis ablegt? 

Es hat zu tun mit der Grundbewegung des Subjektivistischen, die allen diesen Bewegungen zugrunde liegt. Darin zieht sich der Mensch auf ein "inneres Erleben" zurück, dem er höchste Autorität beimißt. Das ihn veranlaßt, selbst Autorität zu wählen, und dabei ein Urteilswerkzeug zur Hand nimmt, bei dem er wie in einer Tautologie von subjektiv generierten Intuitionen ausgehen muß. Er selbst erlebt, fühlt, "weiß intuitiv", was richtig und was falsch ist, ohne sich der Sache, die vor ihm liegt, zu unterwerfen, ja das darf er gar nicht. Denn sonst verliert er die Herrschaft über sein Urteil. 

Diese Loslösung vom Außen, die dadurch stattfindet, löst ihn auch von allem, was als Kultur das Material ist, das einem Menschen zur Persönlichkeit macht. Die knapp als Fähigkeit beschrieben werden kann, äußere Form zu tragen und zu ertragen (in der Begegnung mit anderen Formen), und damit Gestalt zu sein. Was nur innerhalb einer Kultur und deren Formenspiel gemäß möglich ist. 

Der religiöse, aber jede Form von Subjektivismus, führt also in eine Auflösung der Form, was selbst an der Kleidung abzulesen ist. Jedes Formgebot des Moments - nur das aber wäre das Medium einer Begegnung - wird zugunsten eines im Augenblick empfundenen Gefühls abgelegt. Kurz gesagt: Der Subjektivist beginnt, mit seiner Selbstauflösung, die ihn die Spannung von Form nicht mehr ertragen läßt, zugunsten eines Gefühls (von "Liebe", Sympathie etc.) auch von allen Begegnenden eine solche Formenauflösung zu verlangen. Er impliziert dazu eine neue Ethik, eine neue Moral der "Unkompliziertheit" und "Direktheit", bei der jede Form nur hinderlich ist.

Dieses Vorgehen ist vergleichbar mit dem Abräumen aller Gestaltmomente, die - wie in der Kultur, ja das ist das Wesen von Kultur - als tief innerliche, aber noch nie wirklich geformte (also im Rahmen eines Ganzen einer Person als Persönlichkeit auf ein vernünftiges Ziel informierte) Antriebe im Diffusen beläßt. Sie stehen nicht mehr unter der Herrschaft der Vernunft (die bestenfalls durch Moralismus ersetzt wird, wie man beim Puritanismus so gut sieht) und unterliegen damit zufälligen, im Augenblick einlangenden Anregungen. Die sie zum Heraustreten animieren, ohne daß dieses Heraustreten noch durch Formung der Vernunft unterliegt (wie es in der Tugend - und Kultur ist praktisch immer Tugend - ein immanentes, zur Haltung gewordenes Geschehen ist).

Gleichzeitig werden diese aufplatzenden, herausplatzenden Gefühle zum Kriterium des Urteils. Das nunmehr irrt und den offensichtlichen Widerspruch zur bisherigen beziehungsweise überkommenen Moralordnung durch "höheren Auftrag" rationalisiert. Somit ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich der subjektivistischen Frömmigkeit, die immer einen Defekt im Gehorsam zur Grundlage hat (also den Ort nicht achtet, an dem der Mensch steht,) eine sexuelle, ja eine gewaltsame Ausrichtung (beides in einer jeweiligen Mischung) beimischt. 

Da wird dann, wie im Fall Barrone, ein Mädchen, das sich dem Priester, der es von seinen Dämonen durch Exorzismus zu befreien verspricht und durch eine entsprechende Umgebung, die Saga, den Ruf, die Herkunft oder den Konnex (wie in dem Fall: Mit Medjugorje, wo die Gottesmutter selbst zu jeder Mißachtung kirchlicher Autorität angeregt hat) in seiner Autorität überzeugend gestärkt wird, das sich also diesem Priester sehr weitgehend ausliefert. Also auf die eigene Vernunfthoheit verzichtet, denn die eigene Vernunft ist durch die attestierte "Dämonie" zweifelhaft. Und sich dabei in ihrem Persongrund einer fremden Herrschaft erst recht öffnet. In sehr vielen, wenn nicht in allen Fällen (auf die eine oder andere Art) sogar durch den in der Charismatik obligatorischen Schritt der "Lebensübergabe" initiiert, der regelrecht identisch ist mit einer Form der Persönlichkeitsaufgabe, als der Bereitschaft, sie aufzulösen oder auflösen zu lassen.

Der Priester wiederum erlebt sich in einer fast allmächtigen, gottgleichen Position, die - weil er selbst ungeformt ist - sehr rasch und unmittelbar auf seine sexuelle Kraft aufprallt und diese aktiviert. So erfahren beide, Priester wie um Befreiung Bittender, die sexuelle Komponente als die einzige, nun real werdende Form, die wie von selbst aufsteht, weil die geschlechtliche Form (Mann und Frau) auch die Form ist, die selbst bei konkreter Nacktheit noch Form bleibt und deshalb zum Selbstvollzug (aus der Begegnung von Gestalten) anwegt. Kurz: Wo alle Form sich auflöst, bleibt beim Menschen immer noch die Form als geschlechtlicher Körper übrig. Formauflösung* mündet daher immer (sic!) in irgendeiner Form von sexueller Praktik oder Gewalt.

Die noch dazu in einem zweitwirklichen Rahmen (es ist nämlich NICHT die Kirche, der man sich im Gehorsam unterwirft, sondern deren Simulation durch für sich stehenden Gebrauch von deren Mitteln) der "rechten Ordnung" - hier Priester und damit Kirche, dort subjektives Empfinden - auftritt.  

Was wirklich nun geschieht braucht in der Regel viel Zeit, um rekognosziert zu werden. Es braucht Abstand und Konsolidierung der Persönlichkeit, wie sie oft der Alltag, in den man zurückkehrt, wieder zu geben vermag, um vor dem objektiven, also an der Sache ausgerichteten Auge der Vernunft zu sehen, was passiert ist. Das ist einer der Gründe, warum Mißbrauchsopfer oft erst Jahre nach den Vorfällen darüber adäquat sprechen, also denken können. Mit allen Gefahren wie einer falschen Bildhaftigkeit, weil die Erinnerung vielfach nur von Gefühlen gestützt die ihr zupassenden Bilder wieder herstellen muß, und die Nähe zur Phantasie auch eine gefälschte Erinnerung sehr möglich macht. 

Hier schließt sich der Kreis aus den beiden Bereichen, aus Medjugorje als Phänomen der Charismatik und sexuellem Mißbrauch oder zumindest sexueller Entgleisung. Wie sie gerade bei den ersten Proponenten, vor allem den franziskanischen Priestern von Medjugorje, in auffälligem Maß vorgefallen ist. 

Der auch Medjugorje nicht einfach zu einem Betrugsfall macht (und das Urteil der jugoslawischen Bischöfe diesbezüglich war eindeutig und von Anfang an klar: Es ist Betrug!), zum wohl größten Betrugsfall in der Geschichte der Katholischen Kirche, sondern auch zu einem beispiellosen, aber typischen und von der Typologie her keineswegs überraschenden Fall eines gigantischen Mißbrauchs von Millionen von Menschen. Die herkamen und -kommen, um sich mißbrauchen zu lassen. Um zu jenen Gefühlen zu gelangen, die ihnen die "Gewißheit vor ihrem inneren Urteilsforum" vermitteln, daß ihr Leben gottgefällig ist. Und kirchentreu, weil sie deren Praktiken (Beichte, Messe, Gebet, vor allem Rosenkranz) beherzigen. Ohne zu merken, daß sie diese wie magische Mittel einsetzen.




*Übrigens trifft das auch bei Konstellationen zu, in denen totale/totalitäre Gewalt über jemanden ausgeübt wird. Auch das ist oft von einer Weise der Formauflösung begleitet. Wie bestimmte Gefangenen- und Überlegenheitssituationen belegen.






Freitag, 2. August 2019

Der Wille zur Apokalypse

Es gibt messianische Sekten, deren Programm nicht nur darin besteht, sich als Auserwähltes Volk Gottes zu betrachten, sondern diese Auserwähltheit die Pflicht einschließt, das Ende der Welt herbeizuführen. Sie deuten nicht nur die Torah, sondern sie sehen sie als Handlungsanleitung, die Apokalypse herbeizuführen. Und dazu gehört auch die Rolle Israels.

Wie das zusammenhängt beschreibt Wolfgang Eggert in einem interessanten Gespräch mit Michael Friedrich Vogt. Das Gespräch ist schon älter, die Inhalte aber nach wie vor aktuell. Sehr richtig weist der Historiker Eggert aber auch darauf hin, daß diese Problematik keineswegs nur ein jüdisches Thema ist. Im Christentum gibt es im Bereich der Evangelikalen Sekten und Gruppen ganz ähnliche Tendenzen.

Sie spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle innerhalb der amerikanischen Politik, und manche haben häufig und direkten Eingang in Beratungen des Weißen Hauses. Sogar Reagan oder Bush haben ihre Politik in einem nicht zu bestreitenden Glauben an das Armageddon, an die letzte Schlacht der Erde, ehe der Messias kommt, gesehen. Bush jun. sah sich sogar explizit als Handwerkszeug Gottes, sah sein Vorgehen gegen Afghanistan und den Irak als göttlichen Auftrag.

Die Neo-Konservativen spielen dabei ihre besondere Rolle, meint Eggert. Weil sie aus Gründen der Notwendigkeit, der Politik der USA eine Vorwärtsdynamik - auch hin zur Apokalypse - zu verschaffen, eine Politik eines "ständigen Krieges" treiben. Vieles in der amerikanischen (und israelischen) Politik ist erst verstehbar, wenn man es als Erfüllung einer Prophetie begreift. Deshalb sind Entwicklungen im Nahen Osten, die auf eine Entschärfung der dortigen Konflikte hinausläuft, kontraproduktiv und müssen (sogar aus religiöser Sendung heraus) verhindert werden. Also braucht man auch immer einen personifizierten Feind. Und sei es, daß man ihn wie bei Ahmadinejad in Persien ... selbst installiert. Und Persien ist ja bis heute in dieser Rolle - von den USA selbst dorthin geschoben.

Ohne einen vernichtenden Krieg, sagen prominente Rabbiner, kann der Messias nicht kommen. Und durch den Messias wird die Vorzugsstellung des jüdischen Volkes definitiv.

Aber wie kann man einen solchen Krieg dem eigenen Volk verkaufen? Aus den Erfahrungen des Vietnamkrieges heraus weiß man, wie eine Sache ausgeht, wenn man die Medien nicht in der Hand hat. Also wurden unter "Operation Mockingbird" seither massive Anstrengungen unternommen, die Medien weltweit in die Hände zu bekommen. Sei es durch Bestechung, sei es durch Kompromittierung Widerspenstiger. Wobei viele Politiker das ohnehin als Bestandteil normaler Politik sehen.

Den deutlich zu erkennenden Umschwung zugunsten amerikanischer Interessen in der deutschen Links-Presse 1991/92 sieht Eggert in Zusammenhang mit dem Mauerfall, wo große Stasi-Aktenbestände über Verwicklungen westlicher Journalisten in DDR-Geheimdienstaktivitäten von den USA und Israel einkassiert und als Druckmittel mißbraucht wurden.







Sonntag, 16. Februar 2014

Denn sie wissen nicht was sie tun

Ein Auszug aus einem Bericht über Frankreich aus der FAZ, wo die Regierung Hollande ein Gesetz nach dem anderen durchzieht, um die Gesellschaft "umzugestalten". Viele Franzosen wehren sich dagegen. Wenigstens das haben sie der hiesigen Bevölkerung voraus. Wo angeblich eine Mehrheit bereits solches Vorgehen für normal hält weil die damit durchgesetzten "Werte" für richtig. Und selbst dann noch, denn für persönliche Ansichten könnte einer noch Respekt aufbringen, so verrückt sie sein mögen - niemand denkt sich noch etwas dabei, Dinge nicht einfach für "richtig" zu halten und im eigenen Lebensvollzug umzusetzen, sondern selbst Höchstpersönliches auch durch Gesetze vorzuschreiben.

Man greift auf solche Weise in den Blutkreislauf eines Volkes, eines Staates sein, vergiftet und entwirklicht den gesellschaftlichen Raum, schafft einen "Gottesstaat" für die neue Religion. Noch gibt es große Bevölkerungsanteile, die - wie in Frankreich - den Mut nicht verloren haben, und nur deshalb können unsere Systeme noch überleben. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis entweder die große Apathie einsetzt, oder die Konflikte im wahrsten Sinne schlagend werden. Und nichts ist kompromissloser, als der Kampf der Guten gegen die Bösen. 

Eric Voegelin legt in "Die politischen Religionen" die Mechanismen frei, die die politischen Strömungen des 19. und 20. Jhds. als Sublimationsformen der Gottferne, ja als Entwicklungen entarteter religiöser Ideen begreift. Mechanismen, die sich aus genuin religiösen, aber dekaptierten Grundschemata menschlichen Daseins erwachsen. Die Seinsvergessenheit der Gegenwart kann sich gar nicht anders äußern als in der Selbstvergottung der Menschen, der sich eine "neue schöne Welt" schafft. Weil dieses Ziel so "edel" ist, rechtfertigt es jede Schandtat des neuen "Volkes Gottes". Wie Himmler einmal sagte: "... ob fünfhundert, oder ob tausend Leichen daliegen. Aber dabei stark geblieben zu sein ..."


Das [jüngst beschlossene; Anm.] Gesetz reicht über die Paritätspflicht in so traditionsreichen Institutionen wie den Gelehrtenakademien weit hinaus. An den französischen Journalistenschulen müssen die Absolventen sich künftig einem Pflichtkurs unterziehen, um sexistische Vorurteile und Klischees zu erkennen und in ihrer künftigen Tätigkeit darüber aufzuklären. Das Gesetz beinhaltet zudem eine Ermunterung an die Männer, vermehrt ihren Vaterschaftsurlaub in Anspruch zu nehmen und schon frühzeitig in der Kindererziehung aktiv zu werden. Die sogenannten Mini-Misswahlen für junge Mädchen unter 13 Jahren werden verboten. Schönheitswettbewerbe für 13 bis 16 Jahre alte Mädchen müssen fortan durch ein behördliches Genehmigungsverfahren zugelassen werden. Zudem enthält der Gesetzestext verschärfte Maßnahmen gegen sexuelle Belästigung im Internet oder per Telefon.


Das bürgerliche Gesetzbuch (Code civil) wird auf Wunsch der Grünen sprachlich bereinigt. Der vom lateinischen bonus pater familias stammende Begriff des „guten Familienvaters“ wird durch den Ausdruck „vernünftig“ ersetzt. Die Grünen hatten in der Formulierung „ein überholtes Familienbild“ ausgemacht. Es reiche vollkommen aus, dass ein Vermögen oder eine Immobilie „vernünftig“ verwaltet werde. Die Aufgabe des Bildes vom „guten Familienvater“ aber hat die Gegner der Gesetzesänderungen besonders erzürnt. Die Vorsitzende der im Protest gegen die Homo-Ehe entstandenen „La manif pour tous“, Ludovine de la Rochère, etwa wittert dahinter den Versuch, die Geschlechterunterschiede zu leugnen und die traditionellen Familienstrukturen weiter zu zerstören. Seit der Einführung der Homosexuellenehe am 17. Mai 2013 hat sich die Gegenbewegung nicht aufgelöst, sondern setzt über soziale Netzwerke den Widerstand fort.



***

Samstag, 8. Februar 2014

Autorität als Grund der Vernünftigkeit

Weil aber Erkenntnis (der Welt) nur möglich ist, wenn das zu erkennende Objekt in seinem So-sein gesehen wird, ist Erkenntnis nur möglich, wenn ich dem Objekt Autorität einräume. Nur, wenn das Objekt der Erkenntnis "sich selbst" frei im Erkennenden entfalten kann, kann der Erkennende seine Eigenschaften abnehmen. Die aber immer einen geheimnisvollen Rest enthält, weil der Verstand nur Allgemeines ablösen kann, das hinwiederum auf Objekte zurückgeht, die immer individuell sind. Individuelles aber kann nicht anders erkannt werden als durch personale Beziehung, es ist im Verstand nicht weiter auflösbar.

Daraus aber schließt sich weiter, daß es ein Erkennen ohne Offenbarung, ohne Geglaubtes, gar nicht gibt. Es ist das Erste, auf dem alle weitere Erkenntnis aufbaut. Denn Vernunft bedeutet ja das Herstellen (und Halten) der Beziehung zum Grund von allem, und das ist das Sein (Gott). Im Sein ist alles enthalten, was IST. Damit alles, was erkannt werden kann.

Unterliegt nämlich - wie es der Positivismus meint - dieses Erste, dieser Grund der Autorität des Erkennenden selbst, als (primär) "zu Setzendes", so schließt dieser sich vom zu Erkennenden ab. Denn das Objekt läßt sich nicht erkennen, wenn ich die Bedingungen seiner Erkenntnis, das Resultat damit, bereits vorgebe.

Ohne "Staunen" (mit einem anderen Begriff) gibt es also keine Erkenntnis. Es bedeutet jene Ergebnisoffenheit der Sinne zum einen, die die Objekte in den Erkennenden "einläßt", ohne Offenbarung zum anderen sind sie nicht in Wahrheit zu fassen. In diesem Sinne läßt sich das Sein (im Seienden) gar nicht erkennen, wenn sich das Sein nicht selbst offenbart.

Und das tat es ja auch. Im Alten Testament als "Jahwe" (="Das seiend Seiende", das "was das Sein als sein tätig sein läßt" - Sein als Akt), und dann im ultimativen Akt: mit der Selbstoffenbarung Gottes in Jesus Christus.*

Damit zeigt sich aber auch, daß es eine Vernunftoffenheit OHNE Vertrauen in die Tradition, in das Weitergegebene, gar nicht geben kann. Darin gründet das vordringliche Recht der Eltern, als Einzige, die Verantwortung für ihren Nachwuchs tragen können (und müssen), und das in der Regel in Liebe tun, für die Erziehung (zur Vernunft) ihrer Kinder zuständig zu sein. Und niemand darf sie darin einschränken oder zu ersetzen versuchen. 

Sinngemäß dasselbe läßt sich von den weltlichen Ordnungen ("Identität") sagen, in die ein Mensch bei der Geburt ja hineingeworfen wird. Weshalb er ja einen Namen VON dieser Ordnung erhält, weil er FÜR diese Welt etwas/jemand ist.

In einer sich von Gott entfernenden Welt, wie wir sie heute erleben (was einem Abschneiden vom Grund ist, der die Vernunft begründet), streiten zum einen die strukturell IMMER notwendige Angebundenheit an eine Autorität mit dem Anspruch, diese Autorität NICHT zu wollen. Was zu nichts anderem führt als daß die Menschen schlicht nicht mehr wissen, weil verdrängen, WEM sie glauben. Und damit in Verwirrtheit enden, weil sie keine widerspruchsfreie Wahrheit mehr kennen. Ja, im letzten zerfällt eine solche Gesellschaft in immer mehr und immer kleinere Sekten, die alle die Begründungen zum Inhalt haben, warum sie dieser oder jener Autorität (die ihre Erkenntnis begründet) glauben.

Das Konzept des "frei sich selbst entwerfenden Menschen" (Autonomismus) ist reine Illusion. Sie entspricht nicht dem, was der Mensch überhaupt ist. Ein Mythos, der wirklich NUR die Selbsttäuschung verschleiern soll.** Denn das Entscheidende in der Erkenntnis (und der Vernunft) ist eben eine persönliche Haltung. Insofern ist Vernunftverweigerung (bzw. Gottesverweigerung) immer persönliche Schuld.***

[Eric Voegelin führt diese Geisteswende, die im 11./12. Jhd. erstmals in großem Umfang in Europa erkennbar ist - damals traten erstmals die großen "mystischen Bewegungen" auf, die genau das zum Inhalt haben: die Autorität wird in die subjektive Erfahrung, dem eigenen Urteil eingesenkt -, genau darauf zurück: Auf das Verschieben des autoritativen Horizonts hin auf sich selbst. Damit wird das Selbstverständliche, Geglaubte, das autoritative Gefüge, das einem durch sein Bestehen Erkenntnis vermittelt, die Einbettung in einen Kosmos, zur "Idee", Erkenntnis zum subjektiven Gefüge, und Kosmos wird zur "Welt", in der der Mensch nur noch Funktion ist, weil alles Funktion ist. 

Was sich im 5. Jhd. VOR Christus erstmals als genau das, und zwar fast weltweit, zeigt: die kosmischen Ordnungen (die alten Reiche) zerbrechen, und die Philosophie, die Ideensysteme treten auf. Man denke nur an diew griechische Tragödie, wo mit einem mal und binnen zweihundert Jahren aus dem noch mit einem Bein kosmologischen Äschylos heraus die Entwicklung über Sophokles bis zum "intellektuellen", psychologischen Euripides (und von dort bis zur Satire und Komödie des Menander) folgt. Während sich die ekstatischen Kulte (derselben Setzung des Subjekts als Ort der Theogonie, der Gotteszeugung) etablieren. Wenn man nichts über die Geschichte Griechenlands wüßte - daraus könnte man sie erkennen.

Diese Verlegung des Grundes auf das erkennende Subjekt selbst ist der sicherste Weg, um dem Erkennen den Kontakt mit der Realität, die ihre Autorität verliert, abzuschneiden. Verstand wird zum entwurzelten Rationalismus, der immer weniger Realität enthält, zu einer zweiten Realität wird. Für Voegelin ist es aus seinen historischen Analysen heraus DIE Grundkrankheit des Abendlandes, die als Grundkonzept eines ganzen Kulturentwurfs wie in der Renaissance geschehen, einer puren Sackgasse, nur in Verwirrung und Irrationalismus enden kann. Die Philosophie Europas, ja die Wissenschaft seither ist gerade dort, wo sie innovativ sein will, nahezu eine einzige rhetorische Fluchtbewegung vor der immer dräuenderen weil immer unbekannteren Wirklichkeit.]




*Um diese Vernunft-Notwendigkeit wußten auch sämtliche Religionsstifter. Auch die Veden der Inder führen sich auf göttliche Offenbarung zurück, und das Wesen von Religion kann überhaupt nur sein, das Geoffenbarte zu enthalten und dem Menschen weiterzugeben. Die Frage kann nicht sein, ob es der Offenbarung bedarf, sondern ob die Quelle der Offenbarung WAHR ist. Das zu prüfen ist dem, dem geoffenbart wurde, aber nicht in der Lage. Er muß nämlich dazu JEMANDEM, einem realen Gegenüber glauben. Eine rein subjektive Erfahrung hebt nie über diesen Notstand hinaus. Der Glaubensakt dieser Art ist nie über die Selbstgebung enthoben, weil das Urteilsforum zugleich der Boden der Vernunft ist - eine Aporie, die nicht ohne menschliche Beimischung durch einen Willensakt - und damit NICHT Geoffenbartem - lösbar ist. Deshalb zeigt sich auch bei näherer Analyse in allen Weltreligionen ein menschlicher, bedingender, die Umfassendheit des Seins einschränkender Faktor im Gebäude der Wahrheit, der einer objektiven Prüfung durch den Verstand - als Widerspruchsfreiheit - nicht standhält. 

Die einzige Religion, die genau diesen Faktor übersteigt, ist tatsächlich der Katholizismus, der insofern die einzige "Nicht-Konfession" ist, weil er immer dem Sein gegenüber offenbleibt, die Erkenntnishaltung nicht einschränkt. Entsprechend sind die Vorwürfe, die ihm "als Religion" unterstellt werden, so gut wie immer von Personen entworfen, die selbst in solchen Einschränkungen gefangen sind, sodaß ihnen ein "System" der Offenheit der Vernunft (bzw. des Verstehens) gar nicht vorstellbar ist.

**H. v. Doderer meint deshalb einmal (in den "dDmonen"), daß Reife nur heiße, "auf sich selbst nicht mehr hereinzufallen".

***In den meisten Fällen - deshalb der Zusammenhang zwischen Kulturniedergang und Atheismus - ist dies schlicht auf Trägheit des Geistes (Acedia) zurückzuführen. Wo der Einzelne die geistige Konsequenz aus dem sinnlich Erkannten verweigert.





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Samstag, 27. April 2013

Namenlose Verdummung

Die Arbeitsteilung ist eine Frucht der klaren Rollenspezifizierung. Von den Rollen ging sie aus, und damit von der Erfahrung, daß sämtliche Welt in einem Bereich der menschlichen Erfahrung wiederzufinden ist. Im Menschen ist die Welt enthalten, und nur diese Aspekte an ihr kann er vereinzeln. Indem er in spezielle Rollen schlüpft. Denen er sich im Spiel bzw. im Kult zuwendet, die er an sich wachruft. So, wie er sie an Feiertagen wachruft, Aspekt für Aspekt. Nein, wachgerufen bekommt.

Denn Feiertage sind Angelegenheit der Sippe, des Landes, das die Sippen zusammenfaßt, in denen sie sich zusammenfassen. Und im Jahreskreis, im Kreis mehrere Jahre (Olympiade ...), findet sich das Ganze, das Universale. Nur in dieser Festigkeit und Unangefochtenheit des eigenen Standpunkts, den ihm die Gemeinschaften garantieren, den sie sichern, wird der Einzelne frei, sich dem Ganzen zu öffnen. Aus einer Position des Friedens also, wo sein Selbstsein nicht an seiner Kampfbereitschaft hängt, die Verengung braucht, wie jeder Krieg.

In der Zusammenschau der Reihe der Feiertage - in allen Schichtungen: Religion, Staat, Familie etc. - findet sich damit eine Volksidentität in ihren Aspekten wieder. Sie gliedern das Menschsein, ja in ihrem Wechsel lassen sie die Menschen überhaupt erst Gestalt werden, als Herren über die Zeit. In allen Kreisen des Menschen, von den persönlichen Feiertagen angefangen (Geburtstage, Namenstage), über Familie, Sippe, Land, Religion ... Noch einmal: Feiertage, die erst zu solchen werden, wenn sie vom Allgemeinen kommen. Denn ihre Geistigkeit steht nicht nur außerhalb des Individuums, das nur an ihr teilhaben kann, wenn es sich ihr öffnet, sondern wird dem Einzelnen in ihren Inhalten und Kraftfeldern zugeteilt.*

Denn es ist der Name, mit allem was geistig dazugehört, der gewährleistet, daß in allem Erkennen, Ausprobieren, Spielen, Schwach- und Starksein, in allem Wandel, die Identität unangetastet und kontinuierlich bleibt. Mit allen Beifügungen, in denen man den weiteren Raum zugemessen und abgesteckt erhält, ja der einen zum Menschen macht.**

Es ist der Name, den man aus dem außenliegenden geistigen Raum erhält, der einen zu sich ruft, und der einen im Leben hält. Wie weit das geht, soll durch Querverweise auf die Gedächtniskultur in Monumenten und Sagen und Erzählungen, im Gut- oder Schlechtsprechen von Verstorbenen (und dem Verhältnis, das wir dazu fühlen), und selbst auf die Tatsache, daß der Mensch nur bleibt, weil sein Name im Gedächtnis Gottes, dem absoluten Geist, erhalten ist, aus diesem auch durch den Namen - man betrachte die Bedeutung des Zeugnisses, der Vollmacht: man kann nur tun, wozu man Vollmacht hat*** - hervorgeht, angedeutet werden.

Bis in die individuelle Persönlichkeitsentwicklung läßt sich das feststellen: Je weniger spezifisch eine Identität (als Rollenbewußtsein, als Übernahme einer zugeschriebenen Rolle, als Ergreifen in seiner Vollendung, und damit als Weiterbauen am Namen, der zu einem neuen, eigenen Namen wird) desto weniger spezifisch ist die Persönlichkeit orientiert. Löst sich das Institutionelle auf, als Zusprache von Namen, als Zeigendes das Ort zuweist und damit Orientierung in der Welt - auch in der Selbstreflexion - erst ermöglicht, zerfließt auch die einzelne Identität. Der Mensch verliert seine Tatkraft, er ist einem blinden, ungeformten Aktivitätswollen ausgeliefert.

Aber noch mehr: er verliert die Fähigkeit, Information - als "seine" - zu erkennen, als Information. Er verliert die Fähigkeit der Aufmerksamkeit, bleibt gefangen in einem panischen Achtgeben auf alle Aspekte die auf ihn treffen, deren Wichtigkeit er nicht reihen, deren Zutreffendheit auf ihn er nicht erfassen kann. Schon Norbert Wiener weist darauf hin, daß der Aspekt meist übersehen wird, daß Information erst zu einer Information wird, wenn sie für den Rezipienten auch als ihn betreffend erkannt werden kann. Erst dann wird sie zur Information. Sie braucht also Rolle, Identität.




*Die Bösartigkeit diverser Kräfte der Gegenwart läßt sich deshalb vor allem an ihrem Drang erkennen, zum einen traditionelle Feiertage auszuhebeln, zum anderen neue zu schaffen. In ihnen nämlich treffen sie die Lebensweise der Menschen ins Mark. Fluch deshalb über jene Medien, die konsequent mitarbeiten, solche neue Feiertage - vom Weltfrauentag über Klimaschutztage etc. etc. - durch implantierte Neurosen zu schaffen, in denen sie das Gewissen manipulieren und Mythoplastiken in den Verkehr setzen, die die Lebensordnung der Menschen ans Irrationale des Rationalismus binden. Sie sind mit die effizientesten Mittel, ein Land seiner schöpferischen Kräfte zu berauben, die Menschen am direktesten zu entwurzeln.

**Daraus läßt sich ermessen, was es bedeutet, wenn Beruf und Ausbildung mit Identität nicht mehr zusammenhängt. Wenn "Jobs" zu erledigen sind, als bloße vorübergehende Funktionen, wenn Beruf nur noch Vermeidung von Ablaufstörungen bedeutet. Das Problem der Scham (und Schamlosigkeit) hängt damit eng zusammen, denn die Scham ist der Schleier, "hinter der das Leben sich verwandeln kann." (Rosenstock-Huessy) Nur in der Scham gewinnt der Mensch die nötige Zeit für eine geistige Tat, in ihrem Gegenpart der Diskretion, die den Freiraum des bloß Möglichen schützt. Was direkt zur Bekleidung führt, an der sich das Maß des Menschseins ablesen läßt. Der Priester verhüllt sich deshalb ganz, wenn er die Heiligen Handlungen vollführt. Vom Lendenschurz zum Krönungsmantel führt eine direkte Leiter der Berufung. "Die Nation (das Volksganze) ist ein Kleid," schreibt Edmund Burke. In ihr liegt die Weisheit. Nacktheit heißt Krieg, Bekleidung Friede und Freiheitsraum. Fasse, wer es fassen kann.

***Deshalb die Tragödie des Neides und der Verleumdung: die darauf abzielen, die Vollmacht eines anderen, des Beneideten, die in seinem Namen steckt, zu zerstören, sodaß dieser in seiner Entfaltung, in seiner Selbstwerdung, seiner Entelechie deformiert und verhindert wird. Neid fällt eben unter das 5. Gebot: Du sollst nicht töten. Neid zeigt aber immer einen vorangehenden Defekt in den übergeordneten Gemeinschaften an, in denen der Einzelne steckt, aus denen er nämlich hervorgeht und sich ins Einzelne treibt. Der für Österreich in weiten Bereichen so typische Neid als Volkskrankheit zeigt deshalb einen ins Tiefste reichenden Defekt der Volks-, Kirchen- und Staatskonstitution, am leichtesten in einem verwüsteten Elitebildungsmechanismus erkennbar. Das österreichische Gemeinbewußtsein hat sich folgerichtig in das von Sekten umgewandelt.






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