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Samstag, 1. September 2018

Dieses Drehbuch wird gerade geschrieben

Die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in Deutschland laufen derartig vorhersehbar und waren auch vorhergesehen, nicht nur vom VdZ, daß man sich fast die Frage stellen muß: Wer hat das Drehbuch geschrieben? Denn brav erfüllt die Bürgerliche und Linke (beides ist fast schon austauschbar) die Funktion des Treibers, der eine Reaktion der Menschen auslöst, die dann als "rechts" so irgendwie zwar bezeichenbar ist, aber auch nur, weil sie nicht links ist. Oder ist das alles nur die Mechanik, die dem Ungeistigen, dem Toten, dem Vernunftlosen innewohnt, das das Geschehen bestimmt?

Der Sieger steht bereits fest und ist wie immer bereits im 1. Akt, also von Anfang an festgestanden. Und er heißt - eben diese "Rechte", die sich derzeit noch als Fluchtpunkt der Vernünftigen darstellt, auch wenn sich das noch deutlich verflüchtigen wird, weil das Eine, das die Vernunft letztlich ganz Umfassende fehlt. Vernunft ohne die Existentialität Gottes, ohne die Kirche kretiniert irgendwann zu Rationalismus und Esoterik, also zu Lächerlichkeit.

Halt, noch einen Sieger wird es geben, die Zugewanderten, namentlich vor allem die Zugewanderten aus muslimischen Ländern. Die sich sofort gegen die Linke wenden wird, sobald sie demokratisch Gewicht haben wird, aus Beobachtungen in der Geschichte wird das wahrscheinlich beim Erreichen von 10 Prozent sein. Ab da verändert sich schlagartig auch ihr Charakter. Und sie wird die Linke offen als das ansprechen, was sie ist: Ganz sicher nicht islamfreundlich.

Deshalb aber sprach der VdZ immer von einer bevorstehenden "rechten Diktatur". Denn spätestens ab diesem Zeitpunkt wird sich unsere "Wertelandschaft" zur voluntaristischen, moralistischen und totalitaristischen (zumindest der Neigung nach) Vorschriftenlandschaft ändern. 

Warum ist das mit Sicherheit so? Es zeichnet sich längst ab. Denn die "indigenen", also die, sagen wir angestammten, Deutschländer wenden sich von der Kirche ab. Die selbst ebenfalls die Funktion der Treiber übernommen hat und die Menschen von sich weg treibt, weil ihre selbstbeschädigende Funktion zu offensichtlich wird, in der sie mit dem Establishment Walzer tanzt.* Die Rechte hat sich längst auf die Seite der aufklärerischen Parole "Staat und Religion getrennt" eingeschworen, und das heißt: offiziell von der Religion abgesetzt. 

Wobei es eigentlich umgekehrt ist, die Kirche hat die Menschen verlassen, was historisch übrigens eine Novität ist. Kirche (und das ist per definitionem nur die Katholische Kirche, die Protestanten haben keine "Kirche" in deren Sinn) kommt zwar dann noch vor, aber nur noch als gewisse rudimentäre Wertereferenz oder Freizeitbehübschung. Glaubwürdigkeit hat sie keine mehr, auf keiner Seite. Tritt auch noch die derzeitige Generation ab, was in den nächsten Jahren der Fall sein wird, übernimmt eine Generation, die durch das Zweite Vatikanum etc. nicht einmal mehr die physisch-rituelle Prägung der heute Alten hat. Was aber soll dann noch eine "menschliche Gesellschaft" tragen, wenn es nicht die Kirche tut? "Werte"? Glaubt das jemand wirklich? Sind nicht "Werte" als Lebensmaßstab per se bereits Ausdruck von Diktatur?

Mit "Neonazitum" hat das alles aber nichts zu tun.  Es ist ein unausbleibliches weil mittlerweile materiales, geistloses, damit dialektisches Geschehen.

Ebenfalls auffallend ist in diesem Zusammenhang, mit welchem deppensicheren Instinkt die Links-Bürgerliche (Establishment) fortwährend falsche Lageeinschätzungen vornimmt. Und nirgendwo scheint es Stimmen der Vernunft in ihr zu geben. Entsprechend zeigen auch die jüngsten Ereignisse in Chemnitz, daß die Bürger bereits an jenem Punkt sind, wo sich die schon lange überwältigende, aber bislang schweigende Mehrheit allmählich und fast möchte man sagen: unter Notwehraspekten, aufzustellen beginnt. Man kann es ihr nicht einmal verdenken.

Denn kaum noch jemand fühlt sich weil seine Rechtsvorstellung noch vom Rechtssystem und der Politik dieses Landes vertreten. Fast jeder aber fühlt sich schon drangsaliert und betrogen, und das mit Recht, denn wie sollte das auch anders sein? Wir stehen, vergessen wir das nicht, in einer Phase, wo schon seit Jahren, und erst in den letzten Jahren mit beeindruckendem Ausmaß, das Recht seine Rolle an Gesinnung und linke Utopie abgetreten hat. Ja, wir leben in einer Situation, die die Folge eines unausgesetzten Rechtsbruchs gerade des Establishments ist.**

Die Massen - nein, nennen wir sie: die Bevölkerungsmehrheit - haben zwar in einer Revolution noch nie eine große Rolle gespielt, sie waren aber immer das entscheidende Instrument. Der Normalbürger will ja nur eines: Er will in Ruhe leben, arbeiten, Kinder zeugen und Frauen lieben. Daran ist nichts Verwerfliches, im Gegenteil. Deshalb wird auch dieses Aufstehen von Massen so wie immer nur Übergangsphase bleiben. Wobei - wir haben es, der VdZ ist überzeugt, erst mit den allerersten Anfängen davon zu tun. Weil sich diese Linie aber mathematisch-progressiv verhält, wird sie immer rascher ansteigen. Bis sie eine Dynamik bekommt, die sich selbst überschlägt. Dann ist Schluß mit der Partie. Dann hat die gegenwärtige Establishmentschichte (die im Laufe der nächsten Jahre ebenfalls immer häufiger umfallen, also die Seiten wechseln wird, wie immer) endgültig verspielt. 

Was dann kommt? Der VdZ weiß es nicht. Einige dunkle Jahre? Ja. Dunkler als die Gegenwart? Möglicherweise. Möglicherweise aber auch nicht, weil es wieder ruhiger werden könnte. Und der VdZ ist doch im Grunde auch nichts anderes - ein Bürger, der seine Ruhe will. Daß die Kunst und die Freiheit nicht geschätzt wird, ist er zudem auch heute schon gewöhnt. Für ihn wird sich also nicht viel ändern.

Aber die Vision, die Michel Houellebecq in "Die Unterwerfung" gezeichnet hat, ist wohl die wahrscheinlichste Zukunft. Als eine Koalition der "Rechten" (dem Volk) und den Muslimen in einer rechten Diktatur. Sie werden sich arrangieren, zwei Herrschaftsbereiche vereinbaren, zwei Systeme des bürgerlichen Rechts installieren. (Und daran wäre historisch gesehen nichts Außergewöhnliches.) Denn die Segregationslösung - die der angestammten Bevölkerung noch die übergreifende Macht über das Land ließe - wird nicht geschehen, dazu fehlt der Mut und die Einsicht. Dieser Weg hat nicht mehr viel Zeit. Sind die Muslime zu stark, und das ist nur eine Frage der Zeit, ist es damit vorbei.

Aber das Drehbuch, nach dem das alles abläuft, nein, als das alles erkennbar wird, wird derzeit vom Establishment mit erstaunlich festem Griff geschrieben. Es gibt sehr bald auch nichts mehr, das es noch "richtig machen" könnte, um das abzuwenden. Wer sich die Medienlandschaft "nach Chemnitz" ansieht kann nur noch den Kopf schütteln. Sie haben nichts begriffen. Auch für eine linke Diktatur - die verzweifelt noch versucht wird und es noch mehr versucht werden, aber nur noch Auslöser sein wird - ist es bereits zu spät.



*Natürlich ist das absurde, vernunftwidrige Vorgehen der Kirche, die sich dem Establishment an den Hals geschmissen hat - das wird noch viel schlimmer werden - von einem sehr richtigen Grundmotiv getragen, den die Hierarchie in fast dämonisch zu nennender Verblendung nicht erkennt: Es ist der anti-katholische Impuls als anti-menschlicher, anti-göttlicher Impuls. Viel an diesem Anti-Katholizismus, dem die Kirche durch ihr Verhalten selbst die Rechtfertigung liefert, ist der erleichtern sollenden Scheinbefreiung der Moderne zuzuschreiben, das Gewissen der Wahrheit zu verdrängen. Mit dem (gerechtfertigten oder richtigen) realpolitischen Motiv wird somit zugleich die Wahrheit beseitigt. Und die Kirche hat das selber erst möglich gemacht. Ihre Strafe von Gott (man könnte sie dabei als Strafe für den Protestantismus/die Protestantisierung sehen, nicht zufällig also die aktuellen Bemühungen, die "Interkommunion" einzuführen; das ist ja alles nicht zufällig!) war und ist die unaufhebbare Verblendung.

**Vielleicht kriegt Österreich die Kurve noch. Der VdZ würde aber nicht darauf wetten. Noch fehlt etwas Entscheidendes.





*300818*

Mittwoch, 7. Februar 2018

Die List der Vernunft

Ob man nicht längst klare Antworten sehen muß, die die Frage nach der Islamisierung Europas aus ganz anderem Blickwinkel erhellt. Denn es erfolgte aufgrund einer Einladung des Westens, der sich aus seinen Verstrickungen, die aus immer mehr Widernatürlichkeiten entstanden, nicht mehr anders zu befreien weiß als durch tief unbewußte, gewissermaßen vom Sein getriebene Wirklichungsmechanismen. Die beheben sollen, wozu er bewußt, in seinem rationalen Weltverstehen, nicht in der Lage ist. Weil das rationale Gebilde der Gegenwart eben die Natur nicht mehr zu erfassen vermag, wie hier schon so oft als größtes Problem der Gegenwart (mit der Folge von Irrationalität, Situationsethik etc.) bezeichnet wurde.

Der Islam bietet diese "Restauration des Natürlichen", und er tut es auf derselben Ebene, in die sich der Rationalismus (als das im Denken verlorene eigentliche Denken, als uneigentliche Sprache eines Logizismus, der aber den logos, also die Sinnstrukturen der Welt, nicht mehr zu erfassen vermag) verirrt hat. In Moral bzw. Moralismus.

Ein - wenn nicht DAS - Schwergewicht liegt dabei in der Hoffnung, vom Feminismus befreit zu werden. Denn die Verwirrung des Verhältnisses der Geschlechter in ihrer Weltstellung betrifft jeden. Aber dieses Super-Tabu ist nicht mehr zu knacken, es hat sich als dämonisches Überdogma in Stein verwandelt, der über allem liegt und das Schöpferische der Welt erstickt. Zu keinem anderen Schluß kann man kommen, wenn man betrachtet, mit welchem Rekordtempo sich genuin islamisch geprägte Frauenmode ausbreitet.

Die Menschen sitzen verkehrt rum auf den Pferden und erklären deren Schweife für Zügel

Und es sind gerade die Linken (und Linksgeprägten, und das sind heute nahezu alle Westeuropäer, auch die meisten derer, die sich als rechts bezeichnen, denn unsere Lebensweise ist seit mindestens 50 Jahren definitiv weil die gesellschaftlichen Grundlagen auflösend, also gegen das Sein gerichtet, geprägt) die diese Entwicklung am meisten befördern. Weil sie einerseits am meisten wünschen, andererseits überhaupt am wenigsten Kraft zur Wirklichung (egal wovon) haben. Denn es ist Wirklichkeitsferne die jene Weltbilder zeugt, zumindest als Ausweg nahelegt, die im wesentlichen mit Ersatzfiguren arbeitet, also Seinsprobleme über Verdinglichung von Abstrakta in Marionetten-Ersatz adressieren. Macht also explizit, was von einer viel tiefer liegenden Matrix, einer gewissermaßen ontologischen Wahrheit, in seinen Grundrichtungen angetrieben wird. 

Sie tut es auch darin, als sie mit immer expressiverem Westizismus (und das ist die political correctness auf eine Weise) die Situation über paradoxe Intention auf die Spitze treibt. Um so den Druck im Kessel möglichst rasch zu erheben. Denn er wird ihr, der Linken, immer unerträglicher, während das Gefühl der Ohnmacht wächst (weshalb die Aggressivität der Linken so stark steigt.) Sämtliche Institutionen (also die Kultur selbst) sind bereits heute sturmreif geschossen, durch Liberalismus und Irenismus ("alle Religion sind gleich").

Gerade die "Verteidigung westlicher Werte" hat im Grunde auf allen Seiten den Charakter (weil diese angeblich zu verteidigenden Werte contra naturam stehen!), den Druck im Kessel weiter zu erhöhen, zugleich aber die persönliche Konfrontation mit dem Sein auf alle Fälle zu vermeiden.

Europa wird sich teilen

Das legt zwei Konsequenzen nahe. Die eine ist, daß das Christentum bzw. die Kirche im Westen (dem die Schuld an den momentanen Zuständen gegeben wird, darüber kann kein Zweifel bestehen) Hemd und Hose verlieren wird und schon verloren hat. Es wird hier verschwinden. 

Zum anderen wird sich Europa teilen, in einen islamischen Westen und einen (zumindest weitgehend noch) christlichen Osten. Denn nur dort wird die kulturrelevante Seite des Islam erkannt und das Christentum zumindest verteidigt. Weil es sich im Osten noch nicht in einen (moralistischen) Pseudohumanismus aufgelöst hat, wie das im Westen der Fall ist, sondern wie in der Liturgie erkennbar noch Fleisch und Realität hat. Zumindest besteht dort noch die Chance, sich aus eigener kultureller Kraft zu reformieren. Ein Paradox, das man durchaus mit Hegels "List der Vernunft" erklären könnte.

Mit einfachen Worten wäre alles das also auf einen simplen Punkt zu bringen: Der Westen überläßt dem Islam jene Drecksarbeit einer Kulturrestauration, zu der er keine Kraft und keinen Mut mehr hat. Weil er sich vom Christentum aber bereits getrennt hat, der Kirche keine Chance gibt (was noch andere unbewußte, ontologische ebenso wie psychologische Gründe hat, denn die Sünde bewirkt zuerst eine Angst vor Gott, und er kann mit Ersatz - Islam, Moralismus - ausweichen) sieht er nur noch die kulturrealistische Seite, und wird die islamische Lebensform annehmen. Das deckt sich exakt mit der Prognose, die ebenfalls auf diesen Seiten schon oft zu lesen war: Die Zukunft des westlichen Europas wird "rechts" sein.*





*Genau so, wie es Michel Houellebecq übrigens vorhersagt, der das als kommende Allianz von Islam und (extremen) Rechten sieht.





*260118*

Mittwoch, 8. Juni 2016

Türkei ist kein Rechtsstaat mehr (2)

Teil 2)





"Die EU nimmt, um ihr Flüchtlingsproblem gelöst zu bekommen, die Verletzung von Menschenrechten in der Türkei in Kauf," sagt der Geschäftsführer von "'Reporter ohne Grenzen", Christian Mihr, in einem weiteren Interview über die Türkei. "Die Türkei entwickelt sich [mit Deckung und Beihilfe Europas; Anm.] zu einem autoritären Staat." Anmerkung: War das nicht schon das Problem 1914ff., das Deutschland schweigen ließ, obwohl es vom Völkermord an den Armeniern wußte? Ja noch mehr: Läuft nicht auch in unsreen Ländern bereits dieselbe Bewegung zu Autoritarismus und Klassifizhierung der Opposition als Terroristische Vereinigung (und nennt sich "Kampf gegen Rechtsextremismus")?

Erst jüngst haben die österreichischen Grünen den Vorschlag zur Diskussion gebracht, die "Rechte Szene" unter dieselben Gesichtspunkte zu stellen wie den islamistischen Terror. Das kann gar nicht anders enden als in einer repressiven Totalüberwachung der gesamten Opposition, weil buchstäblich alles Wort der Opposition unter das Rastermikroskop des "Extremismus" kommt. Weil in einer Situation, in der die Staatspolitik links ist - wie heute - JEDE Opposition automatisch rechts [bezeichnet] sein muß. Das ist kein Drohbild, sondern das ist längst beobachtbare Realität. Wer nicht dem vorgegebenen, politisch opportunen Mainstream folgt, wird ja politisch nicht nur nicht ernst genommen, sondern als Fall der Psychopathologie klassifiziert. Ebenso wird als "rechtsextremes Merkmal" klassifiziert, wenn jemand ein "reaktionäres Gesellschaftsbild" in Fragen der Gleichstellung der Frauen oder Homosexualität habe.

Rückt Michel Houellebecq's Vision in "Unterwerfung" - wo er von einer Allianz der Rechten mit dem Islam schreibt - immer näher? Vorerst sieht es ja noch eher nach Raspaille's Vision einer Fremdherrschaft ("Heerlager der Heiligen") durch die Zuwandernden aus, denen das "heilige Europa" bereitwillig das Feld überläßt.










*020616*


















Donnerstag, 23. April 2015

Befreiungsbewegung Islam (4)

Teil 4) Wohin Europa deshalb gehen wird





Es gibt diesen Islam gar nicht, oder noch nicht (sic!), von dem so gerne und beschwichtigend als "friedlichem und nur dann eigentlichem Islam" die Rede ist. Denn er ist seinem Wesen weil Ursprung nach eine soziale, eine psycho-soziale, eine anarchisch-auflösende hier, eine positivistisch-moralistisch diktatorische dort, aber er ist keine genuin religiöse Bewegung, sondern eine soziale, die sich einen religiösen Mantel umhängt und mit religiösen Elementen spielt, deren Substanz christliche Provenienz hat, aber Christus nicht kennt.

Und DESHALB hat er seine Zeit für Europa erst vor sich. Denn darin haben sich die Charakterfundamente Europas denen des Islam bereits angeglichen. Erneut wird der Islam für ein Europa, das in Chaos und Irrationalität versinkt, als einfache, simple Lösung, als Rettung und Sicherheit, als Neubeginn durch Lebensordnung erscheinen. 

Weshalb der VdZ auch Michel Houellebecq zustimmt, der Islam und Rechte Bewegungen an einem Strang ziehen sieht. Das sich als Kultur auflösende Europa wird in nicht ferner Zukunft in Angst erstarren, weil es sich einem Chaos gegenübersieht. Und deshalb werden seine Menschen nach Halt suchen. Und den werden sie zum einen in voluntaristischen Bewegungen (wie den "rechten" - die auch "links" sein können; es ist dieselbe Medaille) finden, auf dem Boden - einer wahren Schlangengrube - von Neuheidentum, Protestantismus, Gnostizismus etc. etc. Weil das Menschsein über das Mögliche nicht mehr hinauskommen wird, deshalb zu Pseudologien, zu Simulationen der Inkarnation greift.

Und zum anderen im Islam, der sich nie verändert hat, das auch gar nicht kann, und damit sein altes Konzept einer starren, festen, "sicheren" Lebensordnung anbietet, aber auf denselben psychologischen, geistigen Fundamenten steht wie Europa mittlerweile.

Um sich durch beide Wege in ein Gefühl von Würde zurückzuheben, in dem sie sich über eine Welt stellen, der sie nicht mehr gewachsen sind, die sie nicht mehr verstehen, und die sie erdrückt und als Verlierer sieht. Und vor allem - von ihrer Schuld, ihren Schulden befreit, indem sie meinen, der alten Welt einen Tritt in den Allerwertesten verpassen zu können, um sich von ihr (und ihrem Anteil an der Genese des Chaos) zu trennen. 

Diese Entwicklung, die zu wesentlichen Teilen eine Spielform des Arianismus ist, hält der VdZ für nicht mehr aufhaltbar, und hat nicht zuletzt durch den derzeitigen Papst, der die Auflösung der abendländischen Kultur (die Kultur der Neuen Welt ist selbst eine Häresie, die der Herkunftskultur; die "Theologie der Befreiung" konnte nur in dieser Haltung entstehen) und ihre Simplifizierung (wie der Islam) institutionalisiert, ihren ultimativen Anschub erhalten. Europa hat diese "Bewegung der Befreiung" (aus der Last der vorgegebenen Form) noch vor sich bzw. steckt mitten drin, die Südamerika bereits weitgehend entkatholisiert hat. Wie jede Häresie - über Äquivokation, über dieselben Worte, die nur andere Inhalte haben. Die wahre Revolution, die wahre Häresie läuft im Fleisch. Ex factis, non ex dictis, amici pensandi.

Kultur kann nur auf dem Sein basieren, deshalb nur aus Kult (aus realisiertem Bewegungsbild, sozusagen) hervorgehen, und im Kult (der immer neu das Konkrete aus dem Ursprungsbild befeuert, weil es sonst ins Nichts zurückfällt) bestehen bleiben. Das Sein muß aber real Fleisch werden, und es muß gesehen, präsent, dargestellt und damit "da" sein, um an ihm teilzuhaben. Das muß REAL passieren, kann nicht durch eine anzugleichende Gedankenlandschaft simuliert werden. Gott muß real inkarnieren, und die, die ihn über die Sinne aufnehmen, die an ihn glauben, die Teil an ihm haben, seinem "Bewegungsbild" je neu angeglichen, aus aller Schuld heraus (die nur das Sein vergeben kann), sind (lebendige) Kirche. Nur so bleibt der Mensch, bleibt Kultur im Bestand, wie immer sie konkret aussehen möge, weil sie relativ und immer historisch ist.

Eine Häresie, die eine (teilthetische) Bewegung gegen eine Vollthese ist, kann niemals "friedlich" oder "gleichberechtigt" in einem Kulturkörper koexistieren.  Dieser Gedanke alleine ist absurd. Man kann bestenfalls zu pragmatischen Lösungen kommen. Abgegrenzte Lebensbereiche etwa, offizielle Parallelgesellschaften (die es faktisch ohnehin bereits gibt), zusammengefaßt unter einer Art "Reichsidee", die den bisherigen Staatsbegriff überhöht, und sehr reduziert realpolitisch alle umgreift.

Damit ist der Hauptfeind dieser Bewegung(en) auch klar. Es ist der Katholizismus. Nicht "die Christen". Denn an solchen, die sich so nennen, wird es nicht mangeln. Auch die Arianer haben sich Christen genannt. Kirchenvertreter, die den Islam "einladen", an ihrer Seite zu "koexistieren", wissen gar nicht, was sie tun. Man kann mit dem Islam nicht einfach "koexistieren". Man kann nur Wege suchen, sich gegen ihn zu verteidigen (sic!), auch und gerade ob so vieler längst vorgestellter Weichen, wie der nicht mehr einfach wegzuwischenden Präsenz von Millionen von Muslimen in Europa.

Grund zum Verzweifeln? Gewiß nicht. Dieser Realismus gehört zum Leben auf dieser Erde. Wie stellt einmal Ernst Jünger fest? Jede Kultur hat nur eine erstaunlich kurze Blüte. Der Rest ist Kampf darum. Der Rest ist die Pflicht zu einem "gewagten Leben" im Geist.





***

Mittwoch, 22. April 2015

Befreiungsbewegung Islam (3)

Teil 3) Perspektiven


Der Islam war ausgelöst und ausgebreitet von Völkern und unteren Bevölkerungsschichten (Beduinen waren die erste Kerntruppe der Muslime), die das erste Mal in ihrer Geschichte, allmählich auch durch religiöse Doktrine geeint und zur umstürzenden (erobernden) Gewalt legitimiert, in der Lage waren, durch sich, durch ihre Art Ansehen und Macht zu erreichen. Der Kampf des christlichen Europa gegen den Islam war in Wahrheit ein Kampf gegen eindringende heidnische (Ost-)Völker. Nach den Hunnen, nach den nicht zu vergessenden nordischen heidnischen Völkern (!), waren es bereits unter der Fahne des Islam die arabischen Stämme, und die ebenfalls zuvor heidnischen Mongolen, und darauf die Türken, die das Christentum schwer bedrängten und mehrmals bis an den Rand der Auslöschung brachten. Die asiatischen Völker erneuerten dabei jeweils den islamischen Expansionsdrang, nahmen die so einfache Religion an, die ja im Wesentlichen allgemeine, ausgewählte Sätze über Gott verbreitete, gegen die kaum jemand etwas sagen konnte und die ohne komplexe Verstehensvorgänge einleuchtete.

Der Islam war, wie salopp aber zutreffend von Hilaire Belloc formuliert, "modern" in seinen Ansichten. Und noch heute ist die hohe Affinität von Muslimen und Moderne unübersehbar, man lasse sich da nicht durch (nur scheinbar) antiquierte einzelne Lebensformen täuschen. (Der arabische Frühling ist ein einziges Zeugnis dafür!). Wie modern der Islam war, zeigt sich, daß auch Europa, wiewohl allmählich in Gegenaffekt gesammelt, mit ähnlichen Problemen zu kämpfen begann - wie der Bildersturm (besonders in Byzanz, aber auch Karl der Große war nicht frei davon) bezeugt. 

Während das Medium der sich von der Rede abkoppelnden Schrift - sehr von Karl befördert! - seinen Siegeszug der "nominalen Sprachinhalte" antrat, wie sie uns heute in Internet und social media (ja, eigentlich schon in der Photographie, und damit im Film) in Reinform begegnet.

Eine Neubewertung der Kreuzzüge wäre aus dem Gesagten natürlich höchst an der Zeit, denn sie waren strategisch gesehen (zumindest am Anfang) eine richtige und legitime "Vorwärtsverteidigung" gegen Expansionsstrebungen eines technisch-wirtschaftlich wie (durch asiatische Zuströmungen) militärisch immer mächtigeren, zentralistischen Gegner.* Europa begann zu erwachen, reagierte, und erhielt durch das Neue, das man im Orient sah, einen regelrechten Modernisierungsschub (der in der Reformation, in der Renaissance seinen definitiven geistigen Niederschlag fand).

Aber es unterlag militärisch. Mit weitreichenden Folgen: der Erfolg der Einzelfürsten, der Erfolg der Reformation, ist nicht zuletzt auf die Schwächung der Zentralmacht des Kaisers durch die notwendige Abwehr islamisch-türkischer Angriffe zurückzuführen, die nicht nur Kräfte band, sondern um Kräfte aufzustellen viele Kompromisse notwendig machte. Der Aufstieg des antikaiserlichen, zentralistischen Frankreichs zur Zentralmacht Europas im 17. und 18. Jahrhundert ist sogar direkt auf deren Bündnis mit den "moderneren" Muslimen zurückzuführen. Aber die Haltung Europas gegenüber dem Islam war für fast ein Jahrtausend vergleichbar der Haltung Westeuropas dem Bolschewismus gegenüber.

Beides: Moderne, egalitaristische Bewegungen, deren Anfänge eine einzige Geschichte aus Intrige und Mord ist, in der Emporkömmlinge (pars pro toto: Mohammed war, ob real oder nur als Symbol, Archetyp dieses nach-oben-Kommens und damit Archetyp einer Bewegung; vom Kameltreiber, über reiche Heirat, zum Anführer eines Volkes, zum Gründer einer Religion) nach der Macht griffen. Und sich geschickt alles zunutze machten, was ihnen nutzen konnte. Und beide, übrigens, sind letztlich an der materiellen Überlegenheit des Westens gescheitert, so wie die Türkei, die islamische Welt im 18. Jahrhundert, als sie Europa erstmals nachzuhinken begann, und schließlich verdrängt wurde.

Das Gesagte berührt auch den Kern dessen, was "islamische Toleranz" genannt wird - es war schlicht Pragmatismus. Der Islam selbst war nie tolerant, sondern immer eine positivistische, utopistische Bewegung, die fanatische Charaktere wie magisch weil wesensadäquat anzieht, und aus diesem Wesen heraus nur als Reformbewegung, als Bewegung GEGEN eine Ordnung bestehen kann.  Er wird deshalb immer expansionistisch sein, weil das seine Grundbewegung ist. Er erlischt sonst.

Weil er diese Gefahr damit als Grundgestimmtheit hat, ist verstehbar, warum der Abfall, alles, was sein eigenes Selbstverständnis, seine Identität in der Welt angreifen könnte, diese große Rolle als Todfeind spielt. Von der er anderseits doch abhängt, sodaß der Islam Feinde sucht, sobald er keine mehr hat. Und fehlen sie außen, sucht er sie innen, in der Tendenz zur "radikalen Religiosität" wie in der totalitären Lebensordnung.

Wer deshalb von einer friedlichen Ko-Existenz des Islam in einem ansonsten christlichen Europa spricht, weiß gar nicht, wovon er überhaupt faselt. Das ist gar nicht möglich, weil solcher "Religion" gar nicht MÖGLICH ist, was dem Christentum sogar Essenz bedeutet: die Öffnung zur Wahrheit.



Morgen Teil 4) Wohin Europa deshalb gehen wird


*Die legendäre Freundschaft von Friedrich II. mit dem ägyptischen Sultan war die Sympathie zweier sehr ähnlicher "gottgleicher" Herrschertypen. Ihr persönlicher Wille WAR Gottes Wille - der Kern der Auseinandersetzung mit der Kirche, die auch den Herrscher UNTER dem Recht sieht. Kantorowicz macht in seiner großartigen Biographie Friedrichs kein Hehl daraus. Der Staufer, der dem späteren Absolutismus in Europa (Ludwig XIV., und sogar noch sein Epigone Ludwig II. des Bayern des 19. Jahrhunderts, nehmen genau seine Gedanken auf!) die Wege geebnet hat, hat sogar ernsthaft überlegt, sich überhaupt nach Kleinasien zu verpflanzen.



*220415*

Dienstag, 21. April 2015

Befreiungsbewegung Islam (2)

Teil 2) Das Gesicht des Paradieses - sowie: Aspekte und Fußnoten 




Und in diese apokalyptische Stimmung hinein, stieg nun der Islam auf. Und er bot nicht nur die Perspektive der Befreiung, zumindest wurde das auf ihn projeziert, sondern auch eine feste, ganz einfache Lebensordnung. Die noch dazu in vielem ja auf ohnehin Bekanntes zurückgriff. Aber gerade in Spannungszonen Erleichterungen brachte. Wie in Ehefragen, den Fragen des Geschlechterverhältnisses***, Rechtsfragen (immerhin hatte nun jeder Zugang zum Recht), und der Entmachtung der Priester (über die Sakramentenfrage). Der Islam bot sogar nicht nur Simplizität und Sicherheit, sondern wer ihm beitrat wurde Teil einer mächtigen, ja (der bisherigen Ordnung) überlegenen neuen Ordnung.**** Die auf erste gleich einmal das komplizierte, drückende Steuersystem durch ein simples Tributsystem (für Nichtmuslime) ersetzte, das sehr effektiv die Zentralmacht des Kalifen stärkte.

Insgesamt blieb deshalb jahrhundertelang den Unterworfenen viel Interpretationsspielraum. Umso mehr, als die neuen Herrscher schon rein zahlenmäßig, aber auch organisatorisch gar nicht in der Lage waren, die eroberten Gebiete wirklich zu kontrollieren, blieben alte Strukturen aufrecht, und entstand für die Unterworfenen Freiraum, in dem sie auch an den überlieferten religiösen Bräuchen einfach festhalten konnten. Weshalb sich in Syrien oder Mesopotamien auch das Christentum, mit ihm aber auch die griechisch-römische Kultur und Zivilisation, lange unverändert hielt. Nur der Deckmantel war verändert. Der eigentliche Islam durchdrang den Alltag erst allmählich. Und er tat es mit dem (schon rein finanziell ermöglichten) Ansteigen der Macht der Zentrale.

So entstand die islamische Welt, die in den ersten (zentralistischen) Kalifaten aus erwähnten Gründen auch tatsächlich zu blühen vermochte, und enorme Attraktivität gewann. Während AUFGRUND des Islam, der ja einen Kulturraum zerschlug, die nunmehr abgetrennten Randteile Nord- und Mitteleuropa in Primitivität und Armut fiel. Aber Kriege (die Muslime gewannen ja die ersten und entscheidenden Schlachten) fanden zwischen für sich bestehenden Heeren statt, nicht gegen Völker. Vor dem erwähnten Hintergrund ist das auch gar nicht weiter verwunderlich. Für viele nunmehrigen Bewohner einer islamischen Welt, für die Wirtschaft, die Wissenschaft, die Technik, bedeutete die neue Epoche erst einmal das Aufatmen des Abschüttelns von sehr realen Erstarrungen und Bedrückungen.

Völker, Menschen sahen oder sehen Anziehungskräfte anders, und recht praktisch. Der Orient wurde für Europas Völker zum - fernen, abgetrennten, unbekannten - Mythos und Märchenland, zum Paradies irdischer Wohlgenüsse und Wissenschaft, der ihre eigene karge, ja primitive Lebensführung weit hinterherhinkte. Die islamische Welt stand in ihren ersten drei, vier Jahrhunderten bis zum 10. Jhd., als ihre Expansion durch Franken und Normannen gestoppt wurde, in Teilbereichen aber noch bis ins 16., 17. Jhd., in Wohlstand und Zivilisationsniveau dem von Süden und Osten schwer bedrängten (Rest-)Europa bald so gegenüber, wie die heutige westlich-industrialisierte Welt den ärmsten Entwicklungsländern. Sie war intellektuell wie materiell hoffnungslos überlegen. Eigentlich ist es ein Wunder, daß Westeuropa standhielt, was nur über jenes Christentum verstehbar wird, das hier einen todernsten, existentiellen Kampf gegen eine Häresie führte.

Warum sich der Islam in den Osten, also über das römische Reich hinaus mit derselben Geschwindigkeit ausbreitete, obwohl er dort in den mesopotamischen, persischen, afghanischen Völkern, bis an die Grenzen Indiens, andere soziale Bedingungen vorfand? Diese Völker, alle, hatten (und haben) ein sehr spezifisches Verhältnis zu Macht und Religion: ihre traditionelle Haltung konjugiert beides zu einem. (Diesen Punkt - die Rolle der Despotie in orientalischen Gesellschaften - erhellt die hier schon mehrfach zitierte Untersuchung von Wittfogel.) Was bis ins Herrschaftsverständnis von Friedrich II. dem Staufer sowie in die Renaissance wiederhallt. Wenn nun ein Herrscher durch Kriegserfolg an die Macht kommt, wird auch seine Religion angenommen, denn das ist nicht trennbar. 

Aus der Konstellation "gottänlicher/göttlicher Zentralherrscher" und "Volk" (ohne intermittierende Adelsschichte; die wird durch einen abhängigen Beamtenadel ersetzt) ergibt sich auch ein weit weniger individualisiertes Volk, das zur Masse wird, kollektiv reagiert. (Das war schon den alten Griechen Problem.) Von Alexander dem Großen (4. Jhd. v. Chr.) bis Mohammed (7. Jhd. n. Chr.) hatte Europa nach Asien gewirkt, vor allem die dort herrschende Schichte dominiert. Dann schwappte die Welle zurück. Und wurde vor allem durch die enormen Zuströme asiatischer Steppenvölker (v. a. Mongolen und Turkvölker) genährt, die allesamt eines kennzeichnete: Sie waren wilde Kämpfer, die nie durch kulturell verwurzelte Institutionalisierungen und Seßhaftigkeit in ihrer schon ganz natürlich vorgegebenen Brauchbarkeit als Eroberer gehemmt wurden.



Morgen Teil 3) Perspektiven



²Das Erhellungspotential alleine dieses Punktes ist so enorm, daß es schon ausreicht, den Großteil des Islam, ja menschlichen Handelns, und der Geschichte, speziell Europas in der Neuzeit, zu verstehen. Denn darin findet sich die gesamte Haltung der Schöpfung und dem Menschen gegenüber grundgelegt. Im Auseinanderreißen von Welt und Geist, Mensch und Gott, sinkt die Welt ins (manichäisch) Wertlose, Eigengesetzliche, nur mehr "Materielle", während das Heil, das Verhältnis des Menschen zu Gott, wie eine Wolke über allem schwebt, aber keine direkte Verbindung mehr findet. Die Welt wird damit ihrer Heiligkeit ALS ANALOGIE, als Gleichnis Gottes, sodaß die Behandlung des einen die Beziehung zum anderen affiziert, der eigentlichen Grundlage der religiösen Haltung der Menschen, entkleidet. Nicht zuletzt der Kapitalismus, wie er sich entwickelte, geht auf diese in Islam wie Protestantismus neu definierte Inkarnationsfrage zurück. 

*Luther wandte sich ja auch massiv gegen die Bauernaufstände und förderte ihre brutale Niederschlagung.

**Der Zentralismus Ostroms war ja die Reaktion darauf, der Versuch, dieses Auseinanderfallen aufzuhalten.

³Deshalb war es tatsächlich DER fundamentale abendländische Akt, als Schöpfungsakt erster Güte, als Papst Leo III. diesen Frankenkönig Karl überrumpelte, und ihm im Weihnachtshochamt des Jahres 800 überraschend eine Kaiserkrone aufs Haupt drückte. Hier erst wurde - unter dem Druck des Islam - Europa eine Ordnung wiedergegeben, die als Kultur Europa bis heute geprägt weil gestaltet hat.

***Dieser Aspekt wird gemeiniglich übersehen und weit unterschätzt. Es kam im Rom der Kaiserzeit zu einer Emanzipation der Frauen, einer Auflösung der traditionellen Geschlechterverhältnisse, die mit den Zuständen der Gegenwart direkt vergleichbar sind. Während die Rolle der Männer, etwa durch den Wegfall des Militärdienstes (der zunehmend von Zuwanderern, Fremdvölkern erfüllt wurde), der Aufweichung und Auflösung ihrer Dominanz, der Relativierung der Rolle der Väter, der Verweichlichung, der Auflösung sexueller Grenzen, etc. etc., völlig unbestimmt wurde. Die Wurzel jeder Identität, die geschlechtliche Identität, verdunstete genauso, wie es die Religion und damit die Sicherheit des Handelns in der Welt tat.

***Denn er trat mit genau jener Haltung auf, die schon im Arianismus zu beobachten ist: Er war eine Bewegung der "Snobs", und wer ihm beitrat, durfte nun auch Snob, allen überlegen sein. Eine ähnliche Haltung, übrigens, wie sie den sogenannten "Inklusivismus" von Religionen kennzeichnet, der bewirkt, daß eine Religion die Elemente der anderen als "in sich enthalten" bezeichnet, und daraus Überlegenheit (auch in nomineller Unterlegenheit) konstituiert. 





***

Mittwoch, 25. Februar 2015

Schlägt den Sack und meint den Esel (3)

Teil 3) Die Ablehnung des Islam ist ein Stellvertreterschauspiel 
im Kampf gegen das Christentum. Hier kämpfen zwei Brüder gegen die Kirche.



Nehmen wir nun aber einmal an, daß das, was am Islam abgelehnt wird, allgemeine Auffassung wäre. Zumindest ist es die explizit gemachte Lebenshaltung, jene, die auch die Öffentlichkeit beherrscht. Wer es wagt, gegen diese Haltungen Stellung zu nehmen, ja wer es wagt, solche naturrechtliche Wahrheiten in sein Leben real einfließen zu lassen - und damit, mehr ist das ja nicht, zu sich selbst zu finden, der Enfremdung zu entfliehen - wird nicht nur ideell gesteinigt, sondern hat sogar vielfach schon mit strafrechtlichen Konsequenzen zu rechnen.  Man müßte aus christlicher Sicht sogar zum dem Schluß kommen, daß die gegenwärtige Situation der Kultur des Westens direkt dem Christentum entgegensteht. Und zwar nicht mehr nur marginal, sondern fundamental. Man könnte es sogar auf den Satz zuspitzen: Wenn das Christentum also aufhört, anti-modernistisch zu sein, so ist es zugleich unchristlich.

Hier ist aber weit mehr gemeint als bloße "Auffassungsdinge", Dinge der Weltanschauung, gedankliche Dinge. Wobei - mehr ist nicht der richtige Ausdruck. Denn - anders, anders wäre besser. Denn für das Christentum ist der leibliche Vollzug entscheidend, das ist ja sein Geheimnis, das es auch vom Islam unterscheidet. Die Soteriologie des Christentums ist definitiv eine der Inkarnation der Gnade DURCH die Liturgie, durch die Sakramente, udn das heißt: DURCH DIE LEIBLICHE PRÄGUNG, durch den leiblichen Vollzug. In der Liturgie wird nicht einfach ein verbales Hokuspokus inszeniert, ein Idealismus also, wo im Kopf sich das vollzöge, wovon man spräche. Mitnichten und -neffen! 

Hier wird auch der "gutmeinende Wille" oft kräftig mißverstanden. Denn das Sakrament bewirkt, was es vollzieht. Was in der Liturgie - als Priester wie als Beiwohnender - nicht vollzogen wird, passiert schlichtweg nicht als Gnadenwirkung. (Worin natürlich jetzt Protestanten überhaupt nicht mehr mitkönnen, die es mit Magie verwechseln.) 

Die Frage nach dem Christlichen am Christentum und am Christen ist also direkt eine Frage nach dem realen lebensvollzhug. Das Heil läuft nicht in einer Parallelwelt, sondern es ist auf den Leib angewiesen, auf das Ganze des Menschen mit Leib und Seele in seiner Wechselwirkung. Es gibt sie nicht, die Heiligkeit ind er Meditation, während der Leib halt irgendwie lebt und vollzieht. 

Liturgie ist auf eine Weise nur zu verstehen, wenn man sie als Einformung des Heiligen Rhythmus als Quelle aller Handlungen in den Leib des Menschen betrachtet. Real, sehr real. Als ganz reales Sein (einer Analogie Gottes, im Seienden), dem dann die Handlung folgt.

Daraus folgt, daß christlich nur sein kann, wer in seinem realen Lebensvollzug diese Heiligkeit in sich trägt. Nicht einfach im Kopf nachfühlt oder simuliert - sondern real im Heiligen Rhythmus IST. Zwar genau deshalb muß man sich als Christ vor nichts fürchten. Aber genau deshalb muß man als Christ sich vor allem auch in acht nehmen, was sich in der historische, faktischen Welt zeigt.

Daraus läßt sich direkt schließen, daß der Christ - wie der Muslime - sich nur als zuerst kritisch, heute aber direkt anti-modern zeigen muß. Denn die Moderne verlangt genau das Gegenteil: Sie geht von einer reinen Faktizität aus, in ihr ist alles relativ geworden, insofern das Heilige direkt ausgeschlossen, nur noch ein Gedankending geworden. (Wer darin wieder einmal Hegel durchhört, hat sehr recht. Seine Weltwirkung kam nicht von ungefähr: Er traf den Nagel der Zeitentwicklung zum Beginn der großen Umbauten Europas, die er auf eine Art vorwegnahm, auf den Kopf.)

Heißt das nun auch, daß sich Christentum und Islam in einer Koalition finden sollten, anstatt einander zu bekämpfen? Die Animositäten sind, wie wir nun gesehen haben, zum Teil unbegründet, sie sind es auf einer Fundamentalebene aber sehr wohl. Denn es gibt ihn nicht, den islamischen Weg zum Christentum. Der Unterschied in der Soteriologie ist mehr als ein Gedankenspiel eifriger Theologen. Er schließt sich aus! Aber anders, als vielfach gemeint ist.

Das Christentum ist nämlich schon längst über jener Schwelle angelangt, in der es in Europa noch auf jene natürlich-kulturellen Bedingungen träfe, die es aufnehmen könnten wie der Schuh den Fuß. Das vielfach zu hörende Gerede vom Umbau des Christentums zu einem "Bekenntnischristentum" ist deshalb dummes, ja sogar gefährliches, HÄRETISCHES Geschwafel. Und es ist eigentlich islamisches Gerede. Denn Houellebecq hat völlig recht, wenn er eine Zukunft vorwegahnt, in der sich faschistische Rekonstruktion des Natürlichen - die aus ihrem Wesen heraus nicht funktionieren kann, wie sich am Schicksal sämtlicher Versuche in Europa zeigt und gezeigt hat - durch Koalition der "Rechten" mit dem Islam abzeichnen. Das wird auch so passieren, der VdZ ist sich recht sicher. 

Weil sich in diesem Positivismus die Koinzidenz des Islam mit positivistischen, ideologischen Strömungen, in welcher Form auch immer sie auftreten, zusammenfindet. Es ist aber ein grundlegender Unterschied, ja es ist DER unterschiedliche Zugang des Katholizismus (und schon nur noch von diesem, jede Nicht-Katholizität sämtlicher "christlicher Konfessionen" weicht bereits graduell von diesem Zugang ab, als Schritt zur Unmöglichkeit, zum Positivistischen), wie das Heil in die Welt kommt. 

Während der Islam Gott dieses Heil aus der Hand nimmt, was sich natürlich in vielerlei Widersprüchen verbirgt, so wie es ja auch beim Protestantismus, in gewissem Grad auch in der Orthodoxie (die auf orientalische Gesellschaftsstrukturen zurückgeht, man möge das nicht vergessen), ist es dem Katholizismus ein im wahren Lebensvollzug immanent Gewirklichtes, Vorhandenes, und nur insofern von Heilswert, ja überhaupt wirklich, als es eben im Menschen in der Freiheit gründet, in der er sich als Analogie Gottes, der das Sein ist, will. Sein Heil liegt deshalb nicht im Moralismus, im Gegenteil, dieser Moralismus birgt die immense, ja unausweichliche Gefahr, das wirkliche Sein nicht mehr zu hören. Er drückt den Menschen auf sich selbst zurück.

Selbst also, wenn man den Katholizismus wie den Islam als Anti-Moderne begreift, unterscheidet sich der Weg zum Heil so fundamental, daß eines das andere ausschließt. Und es ist brandgefährlich weil falsch, den Islam als graduelle Annäherung an die göttliche Ordnung zu sehen, auf die hin durchlässig zu werden Sinn des christkatholischen Weges ist, der das Kreuz ist. Die Ähnlichkeiten werden schon deshalb so überschätzt, weil sie gleichzeitig eines der heutigen Symptome des Verfalls sind: die Verwendung gleicher Worte, aber mit völlig anderem Inhalt und Bezug. 

Die anti-islamische Haltung, die sich vielfach in Europa zeigt, hat mit dem Islam also überhaupt nichts zu tun. Vielmehr verbindet sich darin - in der Ablehnung! - ein und dieselbe geistige Haltung und ficht ihre Scheinkämpfe.* Beide bedienen sich derselben Mittel. Sowohl der Islam, der eigentlich auf eine kulturelle Grundhaltung reduziert werden könnte, wie die Moderne aber sind direkt anti-christlich, hier darf man sich keine Illusion des Pragmatismus machen. Sie sind pseudologisch und virtuell, sie sind voluntaristisch in ihrem Verständnis von Wirkung und Wirklichung auf der Welt. Es mag solitäre Strömungen geben, die diese Pseudologie erkennen, aber sie müssen an der prinzipiellen Soteriologie des Islam scheitern.

Von einzelnen Versuchen, den Islam quasi zu modernisieren, als "aufgeklärten Islam" neu zu konstituieren, ist nicht viel mehr zu sagen. Sie stoßen auf gar keine prinzipiellen Hindernisse. Nicht zufällig stammen sie von Personen, die bereits an der Moderne kräftig partizipieren, sich "integriert" haben, etc. Dort hat der Islam auf eine Weise lediglich erreicht, was er wollte, und somit kann er sich in seinen letzten naturrechtlichen Bezügen quasi auflösen.

So vielschichtig die Frage natürlich ist, und in unzählichen Facetten und Vermischungen, auch mit natürlicher Religiosität selbst, auftritt: Es ist überzufällig und belegt als Indiz, daß z. B. Zuwanderer aus islamischen Ländern "wie Kinder" den Lebensvollzügen der technischen westlichen Welt zufallen wie die Fliegen der Leimrute. Und das Besitzen eines iPhones, das Fahren eines tollen Wagens, und die eigene Facebookseite für Merkmale von Kultur halten, die erstrebenswert wären. Darunter lassen sich die meisten der Zuckungen des "Arabischen Frühling" zusammenfassen, soweit sie als Volkserhebungen gelten können, und nur Wüste zurückließen. Denn sie sind einfach Entsprechungen: Der Islam trägt dasselbe Gesicht wie die Moderne. Sein Haß auf den Westen ist der Haß des Neiders, des Konkurrenten um dasselbe Gut, das zu erlangen aber die Macht fehlt. Kulturbildende Kraft au sich hat er nicht, ihm fehlt die soteriologische Kraft. Weshalb die Ablehnung der Moderne als Lebensform, wo sie stattfindet, nur in Rückfall und Stagnation mündet. Kein Land, das längere Zeit islamisch geprägt war, hat sich jemals wieder zu einer Kulturnation erheben können. Selbst wenn sie aus Ölmilliarden finanzierte Wolkenkratzer und Modernitätsoasen hinstellt. Denn gerade in der Technikaffinität drückt sich das am deutlichsten aus. Aber keine Kultur wird durch Technik aufgerichtet, Technik kann Kultur nur simulieren.

Die den Islam ablehnen, finden sich deshalb genau in derselben Schichte jener wieder, die als Mittelschichte für die Verwüstungen des Abendlandes die besten Multiplikatoren und Abnehmer sind: in der gebildeten Mittelschicht, jener Schicht, die immer und überall die Trägerschichte von Revolution war. Und die Moderne ist eine Revolution in Permanenz, die diese Dauerauseinandersetzung braucht - deshalb auch den Islam lebensnotwendig braucht, nachdem das Christentum "unten durchgetaucht" ist - um sich in der Existenz zu halten. Sie trefen auf jene muslimische Schichte, die sich als Konkurrenten um Dasselbe, um denselben modernen Lebensvollzug begreift und deshalb in Untersuchungen nicht zufällig als "Modernisierungsverlierer" bezeichnet wird. Sie selbst begreifen sich nämlich tatsächlich so.

Den Islam abzulehnen ist deshalb das Schlagen eines Sackes, während man den Esel meint: Die Kirche. Sie ist es, die die Moderne nicht zur Ruhe kommen läßt, weil die Moderne an sich Fundamentlosigkeit bedeutet. Und um sie geht es, um das Zerschlagen des Seins im Seienden, das dem heutigen Lebensvollzug so widerspricht, während man "Islam" ruft. Eine Kirche, die genau nicht den Verwirrungen und Verlockungen der Zeit auf den Leim gegangen ist. Auch und nur dort wo sie nicht meint, man könnte Pseudologie mit Pseudologie - etwa durch Twittergefechte oder Konfessionsstärke - bekämpfen, und sich damit selbst den soteriologischen Ernst der Fleischlichkeit nimmt. Denn es geht um den realen Lebensvollzug, um die Zentimeter vor der Nase, nicht um ferne Wortgeflechte, in denen man sich selbst in der Welt zu halten vermeint. Wie im Islam. Und wie in der Moderne. Denn Christsein bedeutet die reale Wirklichung eines Sakraments. Nicht Virtualität.



*Als Kriterium alleine, um etwa die Pegida zu verstehen, genügt das freilich bei weitem nicht. Denn dort mischen sich nach Meinung des VdZ echter Anti-Modernismus mit Ideologie. Die Haltung der Dialogverweigerung und Schubladisierung, wie sie dümmer und instrumentalisierter kaum hätte stattfinden können, bewirkt freilich, daß es zu einer geistigen Abklärung, zu einer Entmischung weil Klärung der Motive, zu einem Verstehen des Phänomens kaum kommen kann. Auch und vor allem die Linke ist eben modern: Sie schafft sich ihre Feinde selber, weil sie nur in Antinomie bestehen kann. Instinktiv weist deshalb die Linke sehr folgerichtig die stärkste proklamierte Ablehnung des Islam auf. 

Wenn Houellebecq gleichfalls richtig von der Unmöglichkeit spricht, heute noch klare Frontlinien zu finden, weil sich ganz ungewöhnliche Koalitionen bilden, so hat er einerseits darin völlig recht. Er hat es aber anderseits nur deshalb, weil die Frontlinien ganz woanders laufen, als bisher als solche angesehene Kriterien erfassen.



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