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Mittwoch, 25. Juli 2018

Der Grund war intellektuelles Versagen aus sittlichem Versagen (5)

Teil 5)



Dagegen steht heute eine Generation joggender Mädchen, die ohne Büstenhalter und in knappen Shorts durch den Park laufen, Kopfhörer in ihren Ohren, und nicht verstehen, daß sie der Männerwelt Signale setzen, mit denen sie umzugehen hätten. Stattdessen stehen sie in Widersprüchen - was sie sind, was sie bewirken, wollen sie zwar schon erfahren, aber ohne die Konsequenzen, die daraus erfolgen. Daß z. B. Männer auf sie reagieren, und völlig natürlich reagieren. Denn sie lösen in den Männern völlig automatisch "Jagdinstinkt" aus, und provozieren damit besonders jene Männer, die psychotisch sind. Junge Frauen sind heute völlig ahnungslos und naiv. Umso gigantischer und omnipräsenter werden ideologische Konstrukte über die bösen Männer.

Dazu kommt die Besonderheit des Alkoholkonsums unter jungen Menschen. Denn Alkohol enthemmt. Der Betrunkene weiß um die Konsequenzen seines Handelns, aber sie kümmern ihn weniger. Nun muß man wissen, daß 84 Prozent der 18-jährigen Burschen noch keine oder kaum Erfahrung mit Frauen haben. Sie erleben, daß junge Frauen (und je schöner desto mehr) sie versteinern lassen. Also trinken sie Alkohol, um sich zu enthemmen, um endlich einen Fortschritt zu machen. 50 Prozent aller Vergewaltigungen geschehen unter Alkoholeinfluß, und zwar SOWOHL bei Frauen wie bei Männern. Umso mehr fällt auf, daß unter Jugendlichen Alkohol - Stichwort "Komasaufen", "Alkopops" - eine immense Rolle spielt, als "sexuelle Freiheit" ganz oben auf der Liste steht. Als wollten sie dem Regelwerk entkommen. Und - dann doch nicht, weil sie nachträglich noch entscheiden, ob ihr Handeln "freiwillig" war oder nicht.

Ein neuer Faschismus. So gab es ihn noch nie.

Es ist aber Faschismus der schlimmsten Art, wenn sich der Staat nunmehr dessen annimmt, was Mann und Frau zueinander sagen dürfen und was nicht. Im übrigen beruht es auf einem völligen Mißverständnis von "Entscheidung" und "Vertrag". Und die Linken unterstützen das auch noch! Früher haben junge Menschen GEGEN Gesetze gekämpft - heute wollen sie mehr und mehr davon?! Was sind das für angebliche "Linke"? Noch dazu wo diese Gesetze auf bürokratische Ebene verlagert werden, Institutionen (wie Universitäten) verpflichtend auferlegt werden, und eine neue parallele Ebene einziehen. Mit derselben Regulationsmacht wie Gesetze, aber ohne deren Garantien aufgrund deren Einbettung in geschichtliche Zusammenhänge und ihrem Insgesamt, in dem sie stehen.

Niemand sagt den jungen Mädchen mehr, daß sie selbst für ihr Verhalten Verantwortung übernehmen müssen! Sagt man das aber, wird man als reaktionär verdammt. Das ist das genaue Gegenteil von Feminismus, es ist die Totalentmündigung der Frauen. Und evoziert eine Paranois, in der die schlimmsten Aspekte der Tyrannei exakt ins eigene Leben implementiert werden.

Implementierung von Verantwortungslosigkeit

Es wird so getan, als hätte der eigene Körper nichts mit eines "Worten" zu tun.  Als seinen das zwei verschiedene Wirklichkeiten. Als sei "Vertrag" nur eine Sache der Worte. Das ist naiv, ja pathologisch zu meinen, daß Menschen so interagieren und kommunizieren!

Paglia erzählt von ihrer Beobachtung, daß die jungen Menschen heute vor allem über iPhone etc. kommunizieren. Dabei fällt ihr auf, daß sie die Fähigkeit verlieren, über Körperlichkeit und Gesichtsausdruck zu kommunizieren. Sie werden ihrer selbst gar nicht mehr gewahr, und können vor allem das Gegenüber nicht mehr einschätzen, weil sie seine Körpersprache, seine Mimik nicht mehr einschätzen können. Um so ein umfassenderes, wahreres Bild von Wirklichkeit zu erhalten, mit der sie zu tun haben. Sie verlieren ihre Fähigkeit, die Absichten des anderen zu erkennen. Paglia meint, daß ihr auffalle, daß ihre Studenten von Jahr zu Jahr "flacher" und ausdrucksloser in ihrer Mimik und Körpersprache werden. Oft sitzen die Leute, die über iPhone kommunizieren, sogar im selben Raum.

Man könnte es doch viel einfacher sagen, oder? Unser Verhaltenssystem wird diktatorisch und totalitär, bis ins alltäglichste Detail, weil die jungen Menschen nicht mehr in der Lage sind, jene Sittlichkeit aufzubauen, die sie zu Menschen machen würde. Deshalb muß auch das Verhaltenssystem angepaßt werden. Und zwar muß den Menschen die Menschlichkeit abgeknöpft werden, die sie noch haben, sie sind im Konkurrenzkampf eine "Zumutung" - weil sie auf jeden Fall gewinnen würden. Davon versprechen sich die Unsittlichen also jenen - erzwungenen - Ertrag, den sie in der Wirklichkeit nicht mehr ernten würden. Natürlich ist das ein fataler Trugschluß der auf Kosten unserer gesamten Kultur geht.

Dazu erzählt Peterson, daß es verläßliche Zahlen gibt, die sagen, daß Frauen, die Brüder haben, weit weniger oft vergewaltigt werden. Der Grund? Sie haben einfach gelernt, einen Mann zu lesen und zu interpretieren. Paglia ergänzt durch ihre Beobachtung, daß Frauen, die viele Brüder haben, ganz besonders gut in leitenden Organisationsaufgaben sind. Denn sie haben gelernt, Männer nicht zu ernst zu nehmen. Sie können einfach mit Männern umgehen. Sie sehen Männer nicht als Aggressoren, haben Humor, haben schlicht eine unvoreingenommene Beziehung zu ihnen. (Damit schließt sich der Bogen zu den Folgen der Kleinfamilie.)

Das Problem wurde virulent, als sich Feminismus mit "Frauen im Beruf" gleichzusetzen begann. Seit Mutterschaft eine "geringere Form von Erfahrung" wurde. Ab da wurde Feminismus zur Obsession. Denn dem ganzen Feminismus fehlt nun die Erfahrung der Mütter und Ehefrauen. Es fehlt damit die Erfahrung um die Fragilität der jüngeren und älteren Männer, und das Bild vom Mann wurde zu einem unwirklichen Zerrbild. Die Bewegung des Feminismus ist heute dominiert von unverheirateten Frauen, Lesben, Frauen ohne Kinder, vor allem Frauen ohne männliche Kinder. Hätten alle diese Frauengesellschaften auch nur einige Mütter unter ihnen, einige verheiratete Frauen, sie würden sofort den Großteil ihres Genderunsinns aus dem Fenster werfen. Aber die feministische Rhetorik ist heute monomanisch, starr und hysterisch.

Akademische Ausbildung ohne Bildung

Auffallend ist dabei der geringe Kenntnisstand auch über Geschichte. Erst dann aber würden sie sehen, daß selbst die größten patriarchalischen Gesellschaften - Rom als Republik, oder England unter Victoria - ein völlig anderes Bild von der realen Macht der Frau zeigen würde, das den feministischen Vorstellungen nicht im geringsten entspricht. Das gilt auch für das Matriarchat, denn dann würde sich zeigen, daß dieses regelmäßig in Desaster geführt hat, einerseits, und anderseits eine Fraulichkeit verlangen würde, die abgelehnt wird. Die Perversion dabei ist also, daß zwar das Patriarchat heute als das verkörperte Böse gilt, daß aber alles darauf hinausläuft, daß ein Patriarchat notwendig und dann gut wäre, wenn Frauen es betreiben würden.

Die Zukunftsprognose fällt bei beiden, Camille Paglia und Jordan Peterson, sehr pessimistisch aus. Vor allem aus der Perspektive der Schulerziehung und der Universitäten, wo wirklich alles daneben geht und die Zerstörung unserer Kultur zementiert. Denn der Westen wurde durch das Prinzip der Selbsttranszendierung geschaffen - genau das wurde nun aber aufgegeben und sogar bekämpft. Weltanschauungen in der Tradition des Marxismus herrschen, die eine extreme Verengung des Blicks bedeuten.







*150618*

Dienstag, 24. Juli 2018

Der Grund war intellektuelles Versagen aus sittlichem Versagen (4)

Teil 4)



Entsprechend ist es wahr und unwahr zugleich, weil es diesen Pragmatismus ahnen läßt, wenn sich beide in ein Loblied unserer Zivilisation hineinsteigern. Ja, es stimmt, es ist uns allen nicht oder zu wenig klar, in welchem Ausmaß wir mit Dingen leben, die im Grunde von Männern aufrechterhalten werden. Elektrizität, Wasser, Computernetze, täglich frische Milch im Kühlschrank ... überall sind es Männer, die pausenlos im Hintergrund arbeiten, damit wir alles das ständig zur Verfügung haben. Denn diese Kontinuität ist ein Schein. In Wirklichkeit bricht alles ständig, wird aber sofort zusammengeflickt. Wir ringen ständig mit den Elementen, entwinden dem Chaos die Ordnung, die Welt, in der wir leben. Ohne diesen männlichen Kampf würde alles zusammenbrechen, und in der Gesellschaft würde Chaos ausbrechen. Wer einmal einen Krieg erlebt hat weiß, wie fragil diese Dinge sind. Der weiß sie dann aber zu schätzen.

Eine Generation, die keine Ahnung mehr von Wirklichkeit hat

Der antizivilisatorische Affekt der political correctness stammt genau von dort: Aus mangelnder Wirklichkeitserfahrung. Alle diese Kämpfer für Gendergerechtigkeit etc. sind ausnahmslos in diese funktionierende Welt eingebunden und von ihr abhängig. Und kämpfen umgekehrt genau dagegen und gefährden sie.

Diese Gefährdung ist sehr lebendig in einer Welt, in der es keine Unterschiede in der Qualität mehr gibt. Denn wir leben davon, daß jeder daran glaubt, daß es auf ihn und seine bestmögliche Leistung ankommt, und daß er sich damit Ansehen und Stellung erringen kann, und sich vom anderen unterscheiden kann. Das heißt nicht, daß man Anerkennung "fordern" kann, aber es heißt doch, daß man sie nur auf dem Weg über Leistungshierarchie erringen kann. Daran glaubt auch jeder implizit! Sonst würde sich keiner mehr anstrengen. Und eines der wissenschaftlich am besten abgesicherten Merkmale ist die Höhe der Intelligenz. (Dieser Verweis findet sich bei Peterson übrigens sehr sehr regelmäßig und hat ihm manche Vorwürfe eingebracht.)

Peterson weist übrigens auf eine der dem heutigen verrückten Weltbild vom "bösen Patriarchat" zugrundeliegende Art von Fehlschluß hin. So erzählt er von der Tatsache, daß die meisten, die Kinder mißbrauchen, selbst in ihrer Kindheit mißbraucht wurden. Daraus leitet man ab, daß Mißbrauch Mißbrauch "bewirkt". Aber das ist falsch! Denn die meisten, die als Kinder mißbraucht wurden, mißbrauchen später NICHT wiederum. Ja, Mißbraucher wurden meist selbst mißbraucht. Aber deshalb kann man nicht sagen, daß Mißbrauch weiteren Mißbrauch AUSLÖST. Mißbrauch setzt sich nicht von selber fort! Solche Fehlschlüsse gibt es heute en masse.

Die Großfamilie ist nicht zu ersetzen; ihre Zerstörung hat weitreichende Folgen

Sehr richtig weist Paglia darauf hin, daß die Problematik der Geschlechter durch die Atomisierung der Großfamilie bewirkt wurde. Denn in einer Großfamilie wirken unzählige Faktoren auf die Bildung einer Identität hin, und Beziehungen sind ungemein vielfältig. Es gibt ein ganzes Biotop von Beziehungsmustern und Dingen, die einem entsprechen - und solche, die das nicht tun. Und das beste: Das passiert ganz selbstverständlich. Und vor allem erfährt jeder Heranwachsende Familie als stabile Zelle. 

In der Kleinfamilie hingegen erfährt das Kind, wie instabil diese Familie ist. Weil der Bestand durch nur wenige Faktoren (und die sind alle direkt) gesichert ist. Zwei Menschen (die Eltern) können niemals die Gesamtheit des Lebens vermitteln, wie es in der Großfamilie weit besser der Fall ist. 

Die heutige Psychologie trägt das ihre zur Identitätsdiffusion bei. Sie bezieht sich in ihrer Therapie auf die "Reparatur" von Verhalten. Aber sie läßt die Geschichte des Menschen aus. Schon allein darauf hinzuweisen, daß die Vita von Homosexuellen eine Geschichte der Identitätsbildung zeigt, daß diese Geschichte außerdem bei vielen Homosexuellen absolut gleich ist, und mit der Familie zu tun hat, wird heute zum Verbrechen. 

Weil es die Psyche destruiert ist Sprachregelung ein unsägliches Verbrechen

Aber das Verbrechen liegt anderswo.  Es liegt in einem mehr und mehr restriktiven Sprachgebrauch, der den Zugang zur Wirklichkeit der eigenen Erfahrung verbaut. Wie eine Regierung sich anmaßen kann, die Sprache seiner Bürger zu bestimmen, ist eine Ungeheuerlichkeit, es ist ein Verbrechen! Denn die Sprache, die jemand HAT, die jemand spricht, entspricht auch seiner Psyche. Sie per Verordnung und Ideologie zu verändern heißt, den Einzelnen von sich selbst zu entfremden!

Eine der schlimmsten Auswirkungen der Kleinfamilie - mit älteren, damit bereits situierten, materiell gut ausgestatteten Eltern, und wenigen Kindern, sodaß die wenigen Kinder dann viel zu "bedeutsam" für den Lebenslauf der Eltern werden, Kinder also viel zu weit nach oben gehoben werden - ist die mangelnde Stabilisierung der Identität der Kinder, WEIL es weniger Geschwister gibt. Und deren Funktion ist eben auch, einen "am Platz zu halten", selbst wenn das manchmal brutal sein kann. Denn Geschwister können durchaus auch "mörderisch" werden, und hier muß dann auch eingeschritten werden. Dinge sind eben immer komplex und ambivalent und nicht, wie Ideologen glauben, einfach immer in einem Grund motiviert. Es ist geradezu Kennzeichen von Ideologien, daß sie in allem nur eine Ursache kennen wollen - wie heute in der Geschlechterfrage: Alles gehe um (männliche) Macht!

Vor allem lernen Kinder mit Geschwistern die Ambivalenzen der Zwischenmenschlichkeit kennen. Lernen Frustrationen zu verwinden, lernen Spannungen auszuhalten. Damit ist die Familie das Gegenteil der heutigen Universitäten geworden, die genau das Gegenteil versucht: Durch Verbote und Gebote der Korrektheiten jede zwischenmenschliche Spannung auszuschalten. So wird auch den Studenten die Möglichkeit genommen, zu reifen.

Kinder brauchen aber junge Eltern

Kinder brauchen junge Eltern. Sie brauchen Eltern, die die Energie haben, ein Leben aufzubauen, auch beruflich, auch im Status, und in diesen Kampf sind die Kinder automatisch mit eingebunden. Es ist notwendig für Kinder, daß man sich NICHT ständig um sie kümmert, und junge Eltern, die etwas aufbauen, sind dazu nicht in der Lage. Das ist für ihre Prägung außerordentlich wichtig. Stattdessen werden vor allem die Frauen in ein Schema gepreßt, in dem ihnen eingeredet wird, sie müßten Karriere machen, müßten ein zukünftiger "Leader" (Führer) sein. Dabei signalisiert doch jeder junge weibliche Körper diese natürliche Bestrebung, Mutter zu werden, Kinder zu haben. Das Ergebnis sind dann Frauen, die zutiefst unzufrieden sind, aber nicht wissen, warum. Wenn sie sich in jungen Jahren für einen Mann und Kinder entscheiden, werden sie aber wie Verräter, wie Versager behandelt. Das tun doch höchstens Unterklasse-Arbeiterfrauen!? 

Paglia sagt, daß sie aber gerade Frauen aus den unteren Schichten als die viel abgerundeteren Persönlichkeiten erlebt. Sie drücken sich viel kräftiger aus, setzen sich leichter durch, haben einen Körper, der "Raum greift", haben einen Mann, dem sie ins Angesicht widerstehen, sind also viel vitaler. Ihnen stehen diese bourgeoisen Mädchen entgegen, die bei allem verletzt sind, voller Betulichkeiten, ständig auf der Suche nach dem Schutz und der Unterstützung ihrer Eltern, die ihre jungen Jahre zugunsten einer vagen Zukunftshoffnung nicht gelebt haben. Sie sind den einfachen Frauen heillos unterlegen. 

Deshalb sind gerade auf Universitäten junge Frauen oft so aggressiv. Sie opponieren auf einer ganz ganz tiefen Ebene gegen ihr Nicht-Frau-sein. Sie wollen zwar Freiheit, aber sie wollen nicht die Risiken, die damit einhergehen.  Sie umgeben sich mit einem Regelwerk, das nur verwundern kann, denn frühere Generationen haben genau dem zu entfliehen versucht: Sie wollten dem Regelwerk entfliehen, auch wenn es ein Risiko war, lernten das andere Geschlecht kennen und mit ihm umzugehen, lernten auch einmal sich abzugrenzen, oder auch damit zu spielen.


Morgen Teil 5)





*160618*

Montag, 23. Juli 2018

Der Grund war intellektuelles Versagen aus sittlichem Versagen (3)

Teil 3)




Paglia führt aus, daß das Problem auch damit zu tun habe, daß Männer und Frauen nicht mehr wie früher je eigene Welten haben, die miteinander nur wenig zu tun haben. Und darin erringen sie ihre Stellungen, ihre Leistungen, und haben viel Lebensfreude dabei, eben unter ihresgleichen zu sein, mit ganz spezifischen Bereichen und Tätigkeiten und Kompetenzbereichen - und sei es das Kochen. Dabei haben auch Frauen enorme Machtpositionen errungen, über Hochzeiten bestimmt, über die Art zu leben. Jedes Geschlecht hatte seine eigenen Hierarchien, seine eigene Art miteinander zu kommunizieren, eigene Anerkennungsbereiche. Sie könne sich noch erinnern, wie in ihrer Kindheit nach dem Essen die Frauen in der Küche verschwanden und den Abwasch erledigten. So viel wurde da gelacht und getratscht. Während die Männer aufgestanden waren und sich um ein Auto im Hof versammelt hatten, wo sie den Motor studierten. Beide Geschlechter tankten gewissermaßen bei etwas auf, das ihnen Freude machte.

Die Frauen werden dabei tief unglücklich. Aber sie wisssen nicht warum.

Heute stehen wir in einer Situation, in der beiden Geschlechtern alles möglich ist. Und beide sind darin ... unglücklich, vor allem die Frauen. Gerade die Frauen der Mittelklassen sind signifikant unzufrieden, und sie wissen nicht warum. Also machen sie den Mann dafür verantwortlich. Er muß sich ändern, er muß mehr wie eine Frau werden. Aber das ist genau der falsche Weg. Auch für die Männer. Denn es gibt nichts Gefährlicheres als einen schwachen, feminisierten Mann. 

Warum kann man nicht damit einfach leben, daß das Geschlechterverhältnis immer ein wenig spannungsgeladen ist? Warum kann man nicht akzeptieren, daß Männer und Frauen ihre Dinge je auf eigene Art bewältigen? Und daß es im Zusammenspiel beider dann auch zu Spannungen und Konflikten kommt? Stattdessen beschweren sich die Frauen ständig und erklären alles, was spezifisch männlich ist, für schlecht. Dabei ist die Welt eben kein Kindergarten, es geht in ihr zu, es ist kompetitiv, sie ist oft auf Kampf gestellt. 

Genau das liegt aber im Wesen der Frau, Konflikten eher auszuweichen, sich mehr auf Zwischenmenschlichkeit zu konzentrieren als die Männer, die mehr an Sachen interessiert sind. Peterson weist darauf hin, daß seiner Erfahrung nach eben unter Männern praktisch alles eine Art Wettkampf ist. Was Männern fehlt ist eine Vorstellung davon, wie sie mit Frauen konkurrieren sollen. Denn da kollidieren zwei Prinzipien! Aus ihrer Natur heraus stehen sie in einer Situation, wo sie einerseits um zu gewinnen "die Sau rauslassen" müßten, wie es unter Männern geschieht. Dabei sind sie sehr wohl kooperativ, aber sie wollen an der Spitze der Sieger stehen (=Helden sein). 

Was Frauen gegenüber aber als Brutalität ausgelegt wird. Wenn Männer aber Frauen gegenüber verlieren, werden sie bemitleidenswert. Wie soll also ein Mann so ein Spiel spielen? Es gibt keine archetypischen Rollenbilder, die das abdecken. Männer hauen einander in die Fresse, und sind am nächsten Tag wieder die besten Freunde. Aber bei Frauen funktioniert das nicht! Sie haben eine ganz andere Art der nachhaltigen Konfliktaufrechterhaltung. (So nebenbei: Es gibt Studien die zeigen, daß es vor allem Frauen untereinander sind, die sich auf Facebook durch Rufschädigung und Mobbing bekämpfen.) Im Kampf mit Frauen stehen Männer vor dem Problem, daß das, was sie normalerweise tun, plötzlich zu vermeiden ist. Wie sollen sie damit umgehen?

Es hatte also seinen tiefen Sinn, wenn historisch die Arbeits- und Aufgabenwelten von Männern und Frauen zwei separate Sphären waren. Und das sollten sie nach wie vor sein. So kann sich ein Proprium herausbilden, ein je eigenes Frau- und Mannsein, ohne daß es kollidiert. Es steht sich lediglich dann gegenüber, ergänzend. 

Die Idee, beide Welten zu mischen, ist grundfalsch. Und sie ist im übrigen die Dynamik der Feiglinge, auf beiden Seiten. Hier zeigt sich natürlich aber auch die bedauernswerte Vergangenheit beider - Paglia und Peterson - in evolutionistische Weltbilder, und das ist die letzthinnige Schwäche der ganzen Argumentation. Sie wird relativ, sie wird historizistisch, und damit angreifbar. Das sei so, weil es sich von der Steinzeit an so entwickelt habe, meinen beide. Also: Weil es immer so war ist es auch so, weil wir ja so wurden. Und wir wurden so, weil es biologisch so angelegt ist. Daß es sich herausgebildet hat, ist dann einfach eine Frage der besseren Organisation gewesen, seit je, und nicht eine der Macht.

Da zerfließen eben die psychologistisch-evolutionistischen Sichtweisen der beiden: Was sagen sie eigentlich? Zuschriften werden gerne entgegengenommen. Viele Worte - aber worum?

Leider. Damit verfehlen beide den entscheidenden Punkt: Die metaphysische, in der Ideenwelt, im Wissen, im Sein Gottes verankerte Polarität und Komplementarität der Beziehung der Geschlechter zueinander. Aus diesem Grund braucht es sehr wohl auch eine Leitidee, die in der Amplitudenhaftigkeit der Menschen (beider Geschlechter), wo sie mal mehr mal weniger ihr Selbstsein erfüllen, immer wieder ihr Maß in der Ideenwelt holt. Das wird bei beiden aber nur faktisch-historisch, und Mythos und Archetyp werden damit lediglich pragmatisch. Dieser Damm gegen die Frage "Warum soll sich das also nicht auch ändern? Gestalten wir das Leben neu, das sich ja so viel verändert hat, verändern sich doch auch die Geschlechter und Bilder davon?!" hält nicht, wir erleben es ja.

Die an sich richtige Forderung von Paglia, daß sich die gesamte heutige Erziehung ändern müßte, hat deshalb einen Beigeschmack. Wenn man von ihr hört, daß das notwendig ist, weil sich die jungen Menschen sonst in dieser heutigen Welt, die eine Welt des Kampfes ist, nicht zurechtfinden, denn sie wurde ja so, aus diesen Polaritäten.

Aber beide spüren diese Widersprüchlichkeit. Deshalb sind beide ja auch die bekannten Grenzgänger (vor allem Peterson), wo sie nach einer Verbindung im Absoluten suchen, sogar ahnen, ohne daß sich diese Welten - das Absolute und das historisch-mythologische/archetypische - aber auch finden. Peterson meint deshalb einmal an anderer Stelle, daß sich diese Welten "manchmal berühren". Eben, nicht nur manchmal. Sie sind durchgängige Berührungen, durch alle Ebenen durch. Nur verliert sich da und dort diese an sich eine Analogie und Deckungsgleichheit in der Weltseiung des Menschen durch zivilisatorische Prozesse, weil kulturell verfehlte Lebensweisen und damit Prägungen auch diese Trennung - als Defekt! - bewirken können und tatsächlich bewirken. 

Und zwar gerade dort hätten sie die Quelle dieser Deckungsgleichheit, wozu sich Peterson nicht entschließen kann: Im Kult. Im Gottesdienst, wo die eigentliche Weltseins-Dynamik (als Beziehungsfeld in Gestalten, die sinnlich aufgenommen und erlebt werden) zur Welt kommt, inkarniert. Samt der notwendigen Haltung der Kultteilnehmer, die in ihrer Haltung der Ehrfurcht (im vielfältigsten Sinn) diese Dynamik in sich aufnehmen. Das ist ja Kult.

Morgen Teil 4)





*160618*

Sonntag, 22. Juli 2018

Der Grund war intellektuelles Versagen aus sittlichem Versagen (2)

Teil 2)



Interessant, was Peterson über Zebras erzählt, mit dem er so manchen der gegenwärtigen Mythen zertrümmert. Angeblich würden ja Tiere von Löwen geschlagen, weil sie die schwächsten seien. Tatsache ist aber, daß Zebras durch ihre Zeichnung als einzelne Tiere extrem in der Landschaft auffallen - aber das tun sie nicht mehr, wenn sie in einer Herde stehen. Dann erfüllt die Zeichnung ihren Sinn. Denn da ist ein Individuum nicht mehr ausmachbar. Löwen fallen aber Tiere an, die IDENTIFIZIERBAR sind. Das ist die Lösung des Problems: Identifizierbarkeit. Das macht erst Individualität.

Nur nicht auffallen!

Peterson nützt das Beispiel der Zebras, um zu zeigen, was auch unter Wissenschaftlern passiert. Sie verbergen sich konsequent in der Masse, wollen nicht auffallen. Denn sobald sie durch Individualität auffallen, werden sie "angegriffen".  Deshalb verwendet die Gruppe der Wissenschaftler immer eine Sprache, die sie als Gruppe schützt, und nur innerhalb derer agiert sie. Sie will Sicherheit innerhalb einer Gruppe, eines Systems, und wagt nicht, das System zu hinterfragen und damit zu erweitern. Deshalb imitieren, benützen zum Beispiel amerikanische Forscher die Sprache der Franzosen, in der Übersetzung, die ihnen geliefert wird. 

Michel Foucault wollte in Frankreich (in seiner Muttersprache) noch das System hinterfragen, provozieren. In die USA übersetzt wollten seine Leser ihn nur noch benutzen, imitieren. Seine Sprache, seine Thesen haben also auf eine Weise ihren Sinn (weil ihren Ort; Anm.) verloren! In Frankreich hatte Foucault einen Sinn. Aber nicht mehr in Englisch, nicht mehr in England oder den USA.

Dennoch haben Amerikaner die französischen Texte zu imitieren und in die USA zu transferieren versucht. Das war nicht notwendig, und damit völlig falsch.

Besonders ereifert sich Paglia über die Entwicklung der Fakultäten. Sie hatte gemeint, die 68er-Revolution würde ein Niederreißen von Grenzen bedeuten. Das Gegenteil trat ein. Die Studien wurden fortlaufend fragmentiert, immer neue Fakultäten und Teilgebiete geschaffen. Und meistens über Nacht, was dafür Sorge trug, daß die wissenschaftlichen Voraussetzungen überall ungeklärt blieben. Um ideologischem Druck zu genügen, wurden etwa "Gender-Studies" eingeführt. Aber niemand befaßte sich damit, was das überhaupt sein sollte! Stattdessen holte man mit Fingerschnipsen alle möglichen Vortragenden und die definierten einfach, was das nun sei. Daß das etwa mit Biologie zu tun haben könnte wurde nicht einmal diskutiert, und darf bis heute nicht diskutiert werden. 

Der Erfolg ist, daß diese Studien intellektuell auf dem Stand der 1970er Jahre eingefroren sind. Und nur die Prämisse zählt, daß Geschlecht mit Macht zu tun haben soll. Es seien nur linguistische Konstrukte. Was ein Mensch ist (Geschlecht ist) wurde so zu einer Frage, die nur der Beliebigkeit des Menschen unterliegt, und keinerlei Bedingungen hat, die vorausgehen - eben eine Natur. Kultur wurde so zu einer sich ständig verändernden amorphen Masse. Und groteskerweise hat sich die Politik sofort darauf gestürzt. Es geht dabei aber nur um Macht, um irrationale Macht, weil nichts mehr definierbar ist, Sexualität und Geschlecht völlig aus allen Beziehungen herausgenommen wurde.

Alles, was etwas ist, ist Begriff. Darum werden Begriffe zum Feind.

Jede Definition wird hingegen als bösartige Äußerung des Patriarchats eingestuft und durch ideologische Festlegung ersetzt. Die reale Ambivalenz des Menschen, die Notwendigkeit, zwischen tyrannischer Mutter und sorgender Mutter, zwischen tyrannischem Vater und sorgendem Vater, einer Aufgabe, der jeder sich ständig neu zu stellen hat, kommt gar nicht mehr vor. Es gibt nur die sorgende Mutter - die "Große, gute Mutter", und den tyrannischen Vater, den "Bösen, dem es nur um Macht über die Frau geht". Das ist pathologisch und saugt, sagt Peterson, regelrecht die Vitalität aus unserer Kultur. Mit einer fatalen Entwicklung, die eine klare "anti-männliche" Forderung ist und gerade die jungen Männer - genau die, die die größte Energie haben - aus allen Schulen und Universitäten hinausdrängt.

Es gibt keinen anderen Weg, sagt Paglia, als den, daß Männer wieder aufstehen und fordern, als Männer angesehen und respektiert zu werden. 

Peterson weist auf Untersuchungen hin, die belegen, daß die Psychopathologien bei Frauen deutlich zunehmen. Frauen, die in diesem toten Schema sozialisiert werden, können nicht mehr zwischen Tyrannei und Kompetenz unterscheiden. Das überlegene Argument, die größere Fertigkeit wird bereits als Tyrannei angesehen. Wir werden deshalb immer ausschließlicher von schwer pathologischen Persönlichkeitsstrukturen von Frauen dominiert, die unfähig sind, gesunde, ausgewogene Beziehungen zu Männern aufzubauen. 

Man sagt gerne, daß Männer eben aufstehen müssen, um sich zu wehren. Aber das übersieht eine Tatsache: Diese Frauen haben nie gelernt, daß es im Kampf gegen unfaire Mittel anderer oder in einer Auseinandersetzung Stufen gibt - Gespräch, Diskurs, Streit, und als letztes auch physische Gewalt. Aber diese Stufen zu sehen ist heute verboten! Schon die "mögliche Bedrohung" wird attackiert.

Männer können nur noch verlieren. Denn ihnen gilt der Kampf.

Damit kommen Männer auf jeden Fall unter die Räder, weil sich mit ihnen IMMER die Möglichkeit verbindet, physisch gewaltsam zu werden. Wenn Männer untereinander reden, ist diese Möglichkeit immer präsent, ja sie ist der Hintergrund der immer mitschwingt, und allen ist das bewußt. Im Gegenteil: Wenn man es mit jemandem zu tun hat, der diese Bereitschaft NICHT hat, hat man vor ihm gar keinen Respekt. Es braucht also nicht die Männer, die aufstehen, sondern es müssen die noch gesunden, ausgewogenen Frauen sein, die aufstehen und sagen: Genug von dieser Pathologie! Genug von diesem Männerhaß! 

Nur ist dabei das Problem, daß die gesunden Frauen viel zu sehr damit beschäftigt sind, gesunde Dinge zu tun - Beruf, Familie, Alltag. Sie haben gar keine Zeit, sich mit ihren durchgeknallten Schwestern auseinanderzusetzen. Während die pathologischen Frauenpersönlichkeiten eben nichts zu tun haben, als sich mit ihren pathologischen Vorstellungen auseinanderzusetzen. Und das ist der Grund, warum diese kranken Vorstellungen unsere Gesellschaften, unsere Kultur so stark dominieren können. Das ist fatal, und es ist symptomatisch für den Niedergang unserer Kultur.


Morgen Teil 3)





*160618*

Samstag, 21. Juli 2018

Der Grund war intellektuelles Versagen aus sittlichem Versagen (1)

Wir bringen hier eine Zusammenfassung als sinngemäße Übertragung, die wie üblich da und dort Ausgangspunkt für eigene Ausführungen wurde, aber im Wesentlichen das im 5. Teil schließlich eingefügte Gespräch zwischen Camille Paglia und Jordan Peterson wiedergibt. Das nicht, weil der VdZ in allem den beiden zustimmt, ja er hat sogar sehr prinzipielle Einwände, worüber er schon gesprochen hat oder noch sprechen wird. Beide zeigen enorme Widersprüche, die auf ihre Prämissen zurückzuführen sind. Dazu ein anderes mal mehr. 

Kurz aber vorweggeschickt: Die Argumentation beider - beider! - beruht auf falschen Voraussetzungen, auf falschen Prämissen. Beide versuchen lediglich, ihren mit Recht aufgewachten gesunden Menschenverstand zu retten und zu seinem Recht zu bringen. Begründen können sie ihn aber nicht, dazu fehlt ihnen etwas Entscheidendes: Die Denkgrundlage. Beide bleiben damit Phänomenologisten. Darin freilich ist viel Richtiges.

Im großen ganzen ist das Gespräch also sehr interessant, vieles ist sehr richtig, und die beiden decken ein breites Feld ab, weshalb es eine Analyse der "Modernen Zeiten" ist. Im besonderen geht es dabei auf die Problematik Neo-Marxismus und Postmoderne ein. 

Ganz vehement wendet sich Camille Paglia gegen die Saga, daß der Postmodernismus der ursprünglichen Protestbewegung der 1960er entstamme. Sie habe selbst erlebt und oft und oft gesehen, wie gerade die intellektuell Begabtesten von LSD bzw. Drogen ausgeschaltet wurden. Die Bewegung nach den 68ern war eine Bewegung des Ausstiegs, und das hieß vor allem ein Ausstieg aus dem wissenschaftlichen Denken. 

Sie habe selbst erlebt, wie stattdessen "Hohepriester" eines neuen Denkens die Herrschaft übernahmen, und diese Denker - vor allem Franzosen wie Derrida und Foucault - waren NICHT progressiv, sie waren zutiefst reaktionär. Vor allem war diese Bewegung getragen von einer extremen Arroganz eines Überlegenheitsgefühls, in dessen Namen alle herkömmlichen Formen in Wissenschaft wie Kunst ignoriert und deshalb "überwunden" wurden. Das wurde getragen von einem fast hysterischen, in jedem Fall nur gefühlsmäßig verankerten "Wissen" um die Destruktivität, die in "Sexismus", "Rassismus" etc. verankert war, die angeblich alles zerstöre. Nun herrschte das "Gefühl".

Der Umbruch der Akademiker - Akademismus wurde zu einem Feld von Betrügern

Alle diese Leute waren BETRÜGER. Der Akademikermarkt in den 1970ern brach zusammen, aus einem Studium auszusteigen war Mode. An dessen Stelle setzte sich deshalb umso leichter institutionalisierter, intellektueller Betrug. 

Die nunmehr autorisierten neuen Leitbilder haben Theorie lediglich als Rechtfertigung mißbraucht, sie aber nie redlich betrieben. Daraus entstand eine existentiell motivierte, tiefe Verachtung gegen alles, was nach Qualität und intellektueller Kompetenz auch nur roch. Hier kann man nur simple Motive wie "Eifersucht" und "Neid" feststellen. Die Kunstkritik war getragen von Leuten, die nicht den geringsten Sinn für Kunst - Schönheit, Wahrheit, Gutheit - hatten. Es war die brutale Reaktion von Dummen - ja, von Dummen! - gegen die Gescheiten. Dafür wurden neue, völlig undefinierbare Kriterien eingeführt. "Bewußtseinserweiterung", "Kosmologisches Bewußtsein", etc. etc. 

Und genau auf dieser Welle schwammen die Modeintellektuellen der Zeit, die vor allem aus Frankreich kamen: Derrida oder Foucault. Man verstand einfach nicht mehr - und wollte nicht verstehen, und konnte mangels intellektueller Befähigung nicht verstehen - was Kunst ist. Die über Warhol entstehende "Pop-Art" zerstörte sogar die echte Avantgarde der Kunst, die immer eine leidende Schichte aus innovativem Drang gewesen ist. Und das Lustigste: Diese neue "Kunst" erklärte sich als Anti-Konventionalismus, lebte aber nur deshalb, weil die Medien sie hochdrückten! Und die Galerien, die natürlich nur aufs Geschäft schauen, taten mit. Seit fünfzig Jahren haben wir deshalb einen regelrechten Infantilismus in der Kunst. 

Getragen von einer Akademikerschicht, die man als gnadenlose Karrieristen bezeichnen muß, die auf jeder populären Welle mitschwammen, um es zu etwas zu bringen. Schlimmster Bürokratismus zog ein! Nach oben kam, wer gut mit Behörden umgehen konnte. Eine ganze Generation wurde korrumpiert.

Die Post-68er waren eine einzige Bewegung der Konventionalität! All der Protest gegen die Regierung etc. war eine verabscheuenswürdige Inszenierung zutiefst konventioneller Defraudanten.

Gleichzeitig kam die Ausbeutung der Studenten durch die enormen Studiengebühren. Die scheinbar aber niemanden störten! Mit dem Geld sank hingegen die Qualitätskontrolle. Und jeder Absolvent verließ die Universität mit exorbitanten Schulden. Die Umstellung der Methode, in der sich nun jeder Student "frei" wählen konnte, was er denn an Vorlesungen besuche, ohne jede Führung, ohne jede Anleitung, führte zu einer Illusion von Freiheit und Wissen. Niemand kümmerte sich nun noch darum, vor allem durch ein Teilstudium erst einmal die Basis fürs Denken zu schaffen. Und die Lehrenden entschlugen sich nun jeder Verantwortung für Erkenntnis an sich, sie hatten ja nur ihre beschränkten Teilgebiete zu "lehren". Was damit geschah, war nicht mehr ihre Verantwortung.

Tja, plötzlich sah niemand mehr Zusammenhänge, große Sinnkonstrukte. Damit verlor jede Gesamtorientierung ihren Sinn, ihre Autorität. Alles wurde damit relativ. Die großen Erzählungen (die eigentlich das Grundmaterial jeder Wissenschaft sein müßten, jede Forschung ist eigentlich eine Variation dieser Grunderzählung; Anm.) gab es nicht mehr.

Es war nicht Intellektuallität. Es war Emotionalität, die sich als Intellektualität tarnte.

Der Neo-Marxismus, der damals aufbrach, war keine intellektuelle Bewegung, sagt Paglia. Er war eine "Attitüde". Eine Solidaritätsgeste mit Schichten und Lebenswirklichkeiten, die niemand der Proponenten des Marxismus auch nur annähernd kannte. Gerade die Neo-Marxisten zeichneten sich durch besondere Arroganz etwa gegenüber dem Betriebspersonal der Universitäten aus, denen sie sich natürlich völlig überlegen fühlten. Sie waren die neue Aristokratie! Dabei, so Paglia, hat sie erlebt, daß diese neue Studentengeneration von nichts eine Ahnung hatte, sie war nicht in der Lage zu begreifen, daß die Geschichte VOR ihrer Zeit existiert! 

Sie sahen und sehen alles aus der Perspektive der Gegenwart. Deshalb kann ihnen Geschichte nichts mehr erzählen. Sie sind also in Wahrheit ganz schlecht ausgebildet! Und halten sich aber, weil das Vergangene total relativiert wird, für überlegen. Wie will man aber klassische, europäische Kultur (und deren Gegenwart; Anm.) verstehen, wenn man keine Ahnung von ihrer Genese hat? Die gegenwärtige Generation ist extrem ignorant! Sie bemerkt nicht einmal, daß das, was sie als große Neuentdeckungen feiert, jedem Menschen mit Erfahrung absolut lächerlich vorkommen muß, weil das doch längst klar war! Die Ignoranz der gegenwärtigen Studenten ist extem! Sie haben auch so gut wie nichts gelesen, sie kennen einfach nichts, und schon gar kennen sie nicht die Quellen. Wie aber soll man da "denken"?

Foucault oder Derrida sind niemals Forscher gewesen. Sie haben einfach nur das, was sie gelesen haben -  wenn sie es denn gelesen haben - einfach wiederverwertet, und darauf ihre "neuen" Ideen aufgebaut. Ihren ganzen Theorien fehlt deshalb die Realität. Sie haben sie ignoriert.


Morgen Teil 2)



*150618*