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Freitag, 19. August 2022

Soziales gibt es nur als Ritus

Filmchen Veränderungen
Das Filmchen soll hier doch seinen Platz haben, worauf William Briggs in einem Post verweist. Und Briggs kann sich über alle diese Indizien, die die totale Verweichlichung vor allem der jungen Menschen hinweist, so herrlich und mit bissigem Humor aufregen. An dieser Stelle freilich wird wie üblich die Analytikmashcinerie angeworfen.

Was sich hier zeigt ist die in den letzten fünf, sechs Jahrzehnten allgemein gewordene Haltung, sich bei Begegnungen mit dem Außen (wozu auch eine Ignoranzfähigkeit gehört, weil ein Gutteil des menschlichen Handelns auch bei anderen geringe sachliche Bedeutung hat, oder falsch eingeordnet, oder unklar und mißverständlich ist) der eigenen Empfindung zuzuwenden. Das führt aber - und das ist das stets Übersehene dabei - zu einer ständigen Reduktion jener Grenze, in der das Handeln selbst im Fokus steht.

Montag, 16. Mai 2022

Der sicherste Weg zum Unglück

Zwischen Glück und Wohlgefühl gibt es so entscheidende Unteschiede, daß man sie fast als gegensätzlich ausgterichtet betrachten muß. Obwohl sie in der Gegenwartskultur gleichgesetzt, die Begriffe ducheinander gemischt werden. und oft geug mit voller Absicht - um uns zu täuschen. 

Gerade im Internet wird dem Wohlfühlen enorme Beachtung gezollt, und die Begriffe behandelt, als wären sie identisch und als könnte das Wohlfühlen das Glück ersetzen. Eine enorme Verwirrung hat sich somit breitgemacht. 

Der amerikanische Neurowissenschaftler Robert Lustig sieht aber einen völligen Widerspruch. Und er beschreibt ihn in sieben Antagonismen:

Mittwoch, 8. September 2021

Durchtränkt vom Weibelichen

Heute feiert die Kirche das Fest Mariä Geburt - Eine der Folgen der Feminisierung (das Wort Matriarchat möchte ich nicht für die Gegenwart verwenden, es erscheint mir unzulänglich und oberflächlich) der Kultur ist, daß sie einen Mutterkuchen herausbildet, dessen Logik nicht die Logik ist, sondern die Ästhetik. Die selbst wiederum - ganz Frau - in der Befindlichkeit gründet, die in der gleichfalls schwimmenden Zeit treibt.
Aber jede Frau formt sich - ganz und immer und der Grammatik folgend Mutter in ihrem Verhältnis zur umgebenden Welt - ihre Kinder. Ihre Bindung ist leiblicher, geformter, angenommener wie übergebener Natur, in der sie die Welt nun halten, wenn kein Mann mehr das Schwert in die Hand nimmt und den trennenden Schlag vollführt. 
Aber wo wollte der Held sein Haupt betten, wenn nicht am Bette der Gewöhnung und Sitte? Diese Macht aber, die gehört wieder ihr, sie ist die Herrin der Macht der Gewohnheit, ohne die die Welt nicht existieren kann. Weil sie sonst wie der Komet, der nicht zum Sternsein fand, verglüht. Noch jeder Samson fand seine Delilah, noch jeder Prinz wurde in einen Frosch zurückverwandelt.
Und so formt sich die Gegenwart, die Generation der Frauen-, nein, der Mutter-Gefälligen*, die zugleich die Rolle der "Philosophen" spielen:

Donnerstag, 29. Juli 2021

Unfähig, Gefahren abzuschätzen (3)

Einmal aber fahren wir noch aus dem Bild, und schauen der Richtung nach, in die der Pinsel ausschwingt - In einem kleinen Schwenker, so wie die großen Mahler ja auch mit ihrem Pinsel am Schluß immer ein bissel im Schwung sozusagen rausschießen aus dem Strich, wollen wir also doch noch eine Richtung aufzeigen, in die es weiter geht. Denn Herren und Damen aller Schaften und Gewerke, es geht NICHT um ein nächstes, langweiliges Lamento vom Massenmenschen und dessen tragische Wirkung auf den Untergang der Welt, nein. Auch das wollen wir den Liberalen überlassen, die ihre eigene Sicht von "Genie" haben, die nicht die unsere ist. 

Der Mensch, der einfache Mensch, der ist nämlich NICHT schuld an dem Schlamassel, in dem wir stecken, ganz sicher nicht. Und die, die ihm das einreden wollen, gehören samt und sonder mit geselcht, wenn einmal das große Gerichtsglockerl scheppert.

Mittwoch, 28. Juli 2021

Unfähig, Gefahren abzuschätzen (2)

Und wie dankbar sie sind, weil ihnen nun ständig andere vorsagen, wo es gefährlich wird. Der Arzt vor den tausendfachen Gesundheitsgefahren. Der Onkel Minister mit der Märchenstimme über brandgefährliche und tödliche Viren, die umso gefährlicher sind, weil man diese Biester NIE UND NIMMER SIEHT und - jetzt kommt's! - nicht einmal KRANK WIRD DAVON, so gefährlich sind die! Und die geben wir dann auch voll weiter! Das ist wissenschaftlich bewiesen, sagt dann die Chefredakteurin der größten wirklich kritischen Tageszeitung mit angeschlossenem Aufnahmekammerl (was sich heute Nachrichten-Sender nennt), und alle, die noch älter geworden sind, nicken und schimpfen, weil da draußen ein paar herumlaufen, die den Seher unsicher machen wollen - höre man doch nicht auf sie! Und von einer Impfung wollen sie abbringen, von der nicht einmal gesagt werden kann, wofür die gut sein soll, weil sie zwar "schwere Verläufe" abhält, vor allem von jenen, die sowieso nicht krank werden, dafür aber den kleinen Nachteil hat, daß sie tödlich sein kann, vor allem bei jenen, die sonst nie daran gestorben wären.

Der moderne, der liberale Mensch ist die Crux. Denn wer seine Gestaltgrenzen nicht kennt, der ist auch unfähig, eine andere Gestalt abzuschätzen. Dies reicht durch alle Ebenen durch, in die man "zufällig" (weil hineingestellt) hineinragt, und die einen betreffen.

Dienstag, 27. Juli 2021

Unfähig, Gefahren abzuschätzen (1)

Wir haben hier schon oft - und zwar wirklich oft - über das verdammte Wesen des Liberalismus feuchte Lehmpatzen mit verderblichem Verdauungsinnerem geschleudert. Regelmäßigen Lesern könnte das sogar bereits zuviel geworden sein.* Aber man kann es nicht genug betonen. Denn der Liberalismus hat eine entscheidende, ja dramatische Komponente, die nicht oft genug betont werden KANN. Und das ist die - Wehrlosigkeit des Liberalen. 

Was nicht weniger heißt als daß der moderne Mensch, der sich des Geschirrschranks voller Instrumente und Löffel und Kochbücher des Liberalismus bedient, um seine Mahlzeiten der Identität zu kochen, in seinem tiefsten Wesen ... wehrlos geworden ist. Wieviel gemacht, wieviel einfach geworden ist so eine Sache, die kaum entschieden werden kann. Beides trifft nämlich zu, das ist gewiß, und was die einen selber machen, dient den anderen. Die mit Menschen, die vorgeben (und damit vorgeben müssen), LIBERAL zu SEIN, die sich damit (wollen sie nicht aus der Gemeinschaft fallen, die ihnen ihre Identität abstützt und zuspricht) sogar des inkonsistenten, widersprüchlichen, aber saftig vollmundig klingenden liberalen Sprachwirrwarrs bedienen MÜSSEN. Der sie regelmäßig ohne Hosen dastehen läßt. Aber wen stört das schon, wenn das Wulliwulli stimmt.

Samstag, 12. Juni 2021

Gedankensplitter 1165a (Einer von den ganz Wichtigen!)

Es ist ERST das Allgemeine, dann das Individuelle, das die Gestalten der Welt konstituiert. Zwar ist eines ohne das andere undenkbar, und zwar wird ein Ding (=Seiendes) erst und nur durch das Einplatzen des Einzelnen in die Umgebung, an den Ort sohin, weil darin die Beziehungen bereits vordefiniert sind, denen der Einzelne beigestellt ist (was ja sein soziales Wesen ausmacht).

ber es ist das Allgemeine, auf das hin sich das Einzelne transzendieren muß, um DADURCH - DADURCH! - zu leben. Was heißt: Die Selbsttranszendenz zu vollziehen! So wie die Freiheit, gibt es nämlich auch das Leben nur im Vollzug. Was aufhört, sich zu transzendieren, stirbt. Meist, nachdem es zuvor eine Zeit lang krank geworden ist.

Das heißt, daß ZUERST das MANNSEIN oder das FRAUSEIN besteht, das aber dann nur im Individuellen existiert. Als Hans oder Friederike, als Bertram oder als s'Nießerl.

Dienstag, 20. April 2021

Warum der Subjektivist immer lügt (2)

2) Nur in Gemeinschaft Ausbruch aus der Kerkerhaft -
Gemeinschaft aber nur in der Wahrheit

QR DDr. M. Spitzer

Es gibt so mache Theorien, warum beobachtbar das intersubjektive Vertrauen heute so sinkt. Warum die Menschen einander nicht mehr vertrauen, zumindest nicht, wenn sie einander nicht gut kennen. Warum das Verlangen der Menschen nach von außen garantierter Sicherheit (!) so groß ist, weil die Menschen der Ordnung rundherum nicht vertrauen. Warum das Verlangen nach einer starken (als jederzeit interventionsbereit) Ordnungsmacht in Zeiten einer Auflösung des Gemeinschaftlichen so wächst. (Wie virulent das Problem der Vereinzelung, des Verlusts des Sozialen heute ist, zeigen u. a. durchaus interessanten Auslassungen des Neurologen und Psychiaters DDr. Manfred Spitzer. Zahlreiche Studien belegen den für jeden mit Hausverstand beobachtbaren Verlust der Empathiefähigkeit des westlichen Menschen.)

Der Mensch hat in sich ein Bild eingegossen, in dem er sich als Ebenbild Gottes weiß. In dem deshalb auch ein Weltbild besteht, das aus seiner inneren Grammatik auf jene Wahrheit ausgerichtet ist, die in Selbstüberschreitung der einzige Weg ist, um Gemeinschaft herzustellen, also den Solipsismus, dieses furchtbare Gefängnis der Abgeschlossenheit, der Gefangenheit in sich, zu überwinden. 

Über eine Teilhabe an einem Ort, den auch andere betreten haben. Sodaß Leben überhaupt nur heißt, einen Ort betreten zu haben, an dem sich Wahrheit konstituiert. Dieses elementare Wissen trägt jeder untrüglich in sich. So untrüglich, daß es immense Anstrengungen braucht, um dieses innere Gefühl so zum Verstummen zu bringen, daß es nicht mehr "gehört" wird. Weil die übergelagerten, habituellen Strukturen dieser inneren Struktur widersprechen. 

Im Fall der Sommer-/Winterzeit ist es das Wesen des Kulturellen, das mit der verordneten Ordnung der Willkür in Konflikt gerät. Es ist nun nicht so, daß es ein so prinzipielles Problem wäre, daß es nicht nach einigen Wochen (jeweils!) zu den Übergangszeiten behebbar wäre. Weil sich der Habitus (mit einigem Aufwand) wieder verändert hat. Und Menschen, die nach dem Sonnenlauf leben können, um dann ihren inneren Ablauf mit dem äußeren kaum koordinieren zu können, gibt es (leider) nur noch wenige. Das gilt auch für Landwirte. 

Im Fall anderer Themen aber gilt es nicht. Das gilt für den gesamten Bereich der Sexualität, es gilt für Haltungen gegenüber Alten, es gilt für Erziehungsfragen, für Bildungsfragen, für Fragen des Wirtschaftens, es gilt einfach für sämtliche Bereiche unserer Lebenswelt. In diesen wäre das Subjektive, wenn es richtig verstanden ist, sehr wohl Maßstab wie Lieferant von Rückmeldungen auf Übereinstimmung mit dem Wahren, Guten, Schönen. Sodaß man davon ausgehen muß (und in Vorzeiten sehr wohl davon ausgegangen ist!) daß der Mensch in seinem Innersten die Wahrheit kennt, fühlt, und deshalb auch fühlt, wenn ein Außen, ein Lebensvollzug, eine Aussage damit übereinstimmt, oder nicht. So, wie jedes Tier, jede Pflanze nie etwas tut, das außerhalb ihrer natürlichen Ordnung steht. 

Wohl ist der Mensch ein Geist-Leib-Wesen. Aber das Prinzip ist dasselbe, auch wenn die Wahrheit erst erarbeitet werden muß Aber die Grundwahrheiten über die Welt sind bei allen Menschen gleich, also das, was man "Synderesis" nennt: Widerspruchslosigkeit, daß ein Ding nicht ein anderes sein kann, und so weiter. Also die ersten und wichtigsten Fundamente sämtlicher weiterer Strukturen im Menschen. 

Wenn aber jemand daherkommt - und das tun heute fast alle, sozusagen! was die Sache noch dramatischer macht - und behauptet, er würde Revolution fordern, WEIL er innerlich deren Richtigkeit spürt, er würde den Verstoß gegen diese allgemeinen Ordnungsprinzipien verlangen, WEIL er eine andere Ordnungsstruktur subjektiv sehe oder fühle, dann wisse, werter Leser, daß er mit Sicherheit lügt.

Denn nur der, der sich auf die Wahrheit hin ausrichtet, nur der fühlt auch "richtig", nur der weiß überhaupt noch, was seine Natur ist. Und dieser Sicherheit, werter Leser, darf auch er gewiß sein. Umso mehr freilich muß er damit rechnen, daß die Reaktion des anderen, des Lügners, umso heftiger ausfallen kann, als er immer und jederzeit um seine Lüge weiß. In der er sich, werter Leser, Ihnen gegenüber ins Unrecht der Ortlosigkeit stellt, die ihn ins Nichts wirft, dem die Unsicherheit und Gewillkürtheit des Verhaltens folgt.


*Erkenntnishindernisse? Der Leser stelle sich ein Weltbild vor, das bestimmte Dinge und Erscheinungen als schlecht definiert, andere als gesollt und wünschenswert und damit als gestattet. Damit hat diese Anschauung ein Wertegerüst inhärent, das entweder der Natur entspricht (wie das Katholische), oder ihr widerspricht. Wie mehr oder weniger alle (!) anderen, nicht-katholischen (=allumfassenden) Weltanschauungen und Religionen, und vor allem wie ausnahmslos alle Ideologien. 

Die in sich Ordnungsveränderungsaufträge sind. Diese Veränderungsaufträge, dieses Gesollte und Nicht-Gesollte, das in den Bereichen des Lasters (als Haltung aus dem Ordnungsverstoß heraus) blockieren auch das Aufsteigen von Gedanken, die mit dem sinnlich Eindringenden übereinstimmen. Die diese Sinnesbewegungen "beruhigen", zur Ruhe mit dem innersten Wesenskern bringen, der aus sich heraus (!) auf Wahrheit ausgerichtet ist. Amorph in seinem Beginn, aber in seinen Inhalten nach Wahrheit ausgerichtet. Jedes sündliche Verhalten ist also ein Verstoß gegen diese innere Ordnung, die in einem selbst vorhanden ist, aber unbeantwortet, also ungeformt bleibt.

**Untersucht wurde das freilich nie. Wie die meisten der vorgeblichen Einsparmaßnahmen nie auf ihre ursprüngliche Zielsetzung untersucht werden, man denke an die Zentralisierungsbestrebungen von Behörden. Wo sie im Ganzen gesehen untersucht werden (wie bei den Gemeindezusammenlegungen in der Steiermark) hat sich ein gegenteiliger, hier: ein kosten- und energieverbrauchs-steigernder Effekt bewiesen.


*310321*

Montag, 19. April 2021

Warum der Subjektivist immer lügt (1)

Von Jahr zu Jahr mehr, hat der VdZ Schwierigkeiten mit der aufoktroyierten Zeitumstellung von Winter- auf Sommerzeit (und umgekehrt.) Diesmal ist es die seit dem 28. März tägliche frühere Stunde. Als eine Stunde früher, als man durch seinen Lebensrhythmus gewöhnt war. Der VdZ fühlt sich pausenlos gehetzt, ist mit allem "später" dran, muß deshalb die gesamten Tages- und Wochenabläufe nach Prioritäten neu ordnen. Denn sämtliche eingewöhnte Abläufe, die so schön immanentisiert waren, daß man kaum nachdenken (also neue Energie darauf verwenden) mußte, die institutionalisiert waren (und das ist das, was wir mit Kultur bezeichnen), scheitern krachend. 

Der offizielle Tagesrhythmus, nach dem sich nun das meiste richtet, von den Öffnungszeiten der Geschäfte bis zu den Meßzeiten, oder seien es manche Ereignisse im Internet, stimmt also nicht mehr mit dem habituellen Rhythmus überein. Sodaß jeder umlernen muß. Warum? Weil irgendjemand vor fünfzig Jahren die Idee hatte, aus seinen Statistiken herausgefunden zu haben, daß sich zwei Prozent der in unseren Volkswirtschaften verwendeten Energie damit einsparen ließen.

Was für eine Zumutung. Die natürlich der Klasse der Voluntaristen eingefallen ist, den Lebensunfähigen und -hassern, die irgendwo in einem Kopfland wohnen, wo ihnen die "Ratio" irgendwelche neuen Gut- und Schlechtwerte vorgibt. 

Zur Einführung der Sommer-/Winterzeit war es das Energiesparen, damals durch den Ölschock ausgelöst. Der aus politischen Gründen verursacht wurde - Stichwort Israel - und sich als künstliche Verknappung durch die Saudischen Produktionsländer erwies. Als sich diese Situation entspannte, hat man diese Maßnahmen nicht mehr geändert. Neben den "Energiesparwochen" (wie in Österreich) war es eben diese Zeitumstellung. Es würde abends länger zur Aktivitätszeit hell sein, also bräuchte man weniger Strom für künstliche Beleuchtung. 

Was sich, wie man heute weiß, als Unsinn herausgestellt hat. Es wird gar nix am Verbrauch gespart, zumal allgemein die Verwendung künstlicher Beleuchtung gewaltig gestiegen ist. Und wo an Verbrauch gespart wird (wie bei Energiesparlampen), steigt der Energieverbrauch für die Produktion. Und der VdZ meint aus der Erfahrung, was Rationalismus anstellt, auch hier mit sicherer Stimme sagen zu können: Die bloßen Kosten sind gestiegen, und werden durch die Zeitumstellung alles andere als positiv beeinflußt.**

Dabei steht uns ein nächster Zwang erst bevor. Mit den Corona-Maßnahmen hat es sich ja bereits angekündigt, mit welcher Frechheit und Respektlosigkeit die Klasse der "Elite" sich anmaßt, in das intimste Leben der Bevölkerung einzugreifen. Ja darin liegt sogar (ein Verdacht, aber der Leser soll selbst prüfen, ob er zutreffend ist) das eigentliche Moment ihres Selbstgefühls, als Macht das Leben zu bewegen. 

Für diese Klasse der Emporkömmlinge gilt es allemal. Die ihre Position nicht dem eigentlichen Leben, sondern der Cleverness verdanken, innerhalb der "normalen", humanen Hierarchien nach oben zu kommen, also die Auf- und Abstiegsmechanismen zu beherrschen (als das einzige, was sie noch studieren).

Mit derselben Chuzpe werden deshalb in sehr absehbarer Zeit die Welt- und Klimaretter über die Elektrizität das Leben der Menschen regulieren. Es fehlt überall an dem Grundrespekt vor den Menschen, dem Leben, der Ordnung, die MAN VORFINDET. Stattdessen sieht sich jeder ermächtigt, der Welt eine neue Ordnung aufzudrücken. Auch der Natur.

Weshalb der Subjektivismus als Erklärung nicht ganz stimmt, oder einer Korrektur bedarf. Denn der VdZ hat immer mehr festgestellt, daß die Menschen, die ihren Leidenschaften folgen - darum geht es ja heute, und vor allem bei den Generationen seit der sexuellen Revolution der 68er - genau dieses Hören auf ihre innere Stimme der Natur NICHT funktioniert. Sie hören NICHT mehr, was sie nicht hören wollen, was ihrem Gesollten widerspricht. So wie bei der Empfängnisverhütung etwa. Dazu muß man vielmehr schon sehr denaturiert sein. 

Revolution im Namen des Natürlicheren, wie es Rousseau verkündet hat, und wie es sich zweihundert Jahre später exemplarisch umgesetzt hat, ist ein Widerspruch in sich. Es ist NICHT natürlich, zu rebellieren, es ist nicht natürlich, eine Revolution zu wollen. Und es ist auch historisch nachweisbar, daß keine einzige namhafte Revolution (sofern sie nicht ein kurzfristiges Rebellieren gegen einen ganz bestimmten und bestimmbaren Mißstand war; ein Gewerkschaftsstreik kann also ein sehr berechtigtes Vorgehen sein).

Deshalb glaubt der VdZ niemandem mehr das, was zu glauben überall verlangt wird: Daß der, der seine Rebellion gegen die überkommene Ordnung in einem "Gefühl", in einem "Fühlen" als Verweis auf seine "Natur", auf ein "so bin ich eben!" beruft, nicht schwer lügt. Oder so seiner selbst entfremdet ist, daß er das sogar "glaubt", was hier heißt: Sich so verwirrt weil so viele Erkenntnishindernisse* übernommen und internalisiert hat, daß er gar kein wirkliches Gefühl für natürliches Gut-/Schlechtempfinden mehr hat. 

Das natürlichste Ordnungsstreben ist deshalb der Traditionalismus. Und nur Menschen mit Respekt vor Ordnungen kann man auch vertrauen, daß sie überhaupt die Wahrheit sprechen. Allen aber die behaupten, sie würden etwas so und so "spüren", das aber leider leider der natürlichen Ordnung widerspricht, also eine eigene, neue Natürlichkeit zu sein vorgibt, darf man nur eine Haltung entgegenbringen: Die des Mißtrauens.

Morgen Teil 2) Nur in Gemeinschaft Ausbruch aus der Kerkerhaft -
Gemeinschaft aber nur in der Wahrheit


*310321*

Mittwoch, 14. April 2021

Mit einem Blick erkannt

Es sind nicht die Merkmale, von denen eine Wesenserkenntnis abhängt, sondern es ist umgekehrt. Und die Merkmale wiederum können nicht nur als Defizit (oder vollkommener Ausdruck) wahrgenommen werden, sondern sie werden wahrgenommen, weil die intuitive Erkenntnis, die auf das Personsganze geht, der Teilerkenntnis nicht nur quantitativ, sondern in der Dimension weit vorausgeht. Das schreibt Hans-Eduard Hengstenberg dazu in seinem Aufsatz "Erkenntnis als Urphänomen". Worin er zeigt, daß der Erkenntnis jene Unhinterfragbarkeit vorausgeht, die auch anderes kennzeichnet, wie - die Wahrheit. Sie ist "einfach da", und jeder bezieht sich darauf. Sie kann nicht einmal "weggefragt" werden, sondern sie umschließt das menschliche Sein von seiner Wurzel her. 

Aber mehr noch, fußt das Erkennen in einem Sinnganzen, das selbst wieder im intuitiven Akt vom Erkennenden erfaßt wird, und diesem in den Dingen der Welt begegnet. Jeder intellektuelle Akt wiederum wird von diesem Vorrationalen durchdrungen. 
Der zwar eine gewisse Analogie mit dem hat, was man als "Fühlen" bezeichnet, aber NICHT IDENTISCH damit ist. Vielmehr muß er dann durch den Intellekt geprüft, und braucht einem gereinigten Willen als Analogie zur Seinsstärke.

Dies sei auch zum leidigen Thema "Masken" gesagt. Die der VdZ auch lästig und oppressiv und ekelig und was weiß der Deibel noch alles findet. Aber sie mit dramatischen Worten zu einem "Tod der Kommunikation" hochzustilisieren, wie es hiesige Küchenpsychologie gerne macht, ist weit übers Ziel geschossen. Wir haben schon vor Monaten darüber gehandelt. 

Jetzt haben wir in Hengstenberg aber diesen Aufsatz gefunden, der wie die Faust aufs Auge zu diesem Thema paßt. Und die Ausführungen des VdZ bestätigt. Die Welt ist nicht deshalb zu einem anonymen Maskenetwas geworden, weil wir diese Dreckfetzen im Gesicht tragen, die eh nix bewirken.* 

Die wunderbare Passage über den intuitiven geistigen Akt als Laudatio aber wollen wir dem Leser auch im Original nicht vorenthalten, er wird selbst erkennen, warum.

Im intuitiven geistigen Akt wird das Seiende um seiner selbst willen bejaht. Im Vollzug dieses Aktes liegt Freude dafür, daß das Seiende ist, was es ist, und so ist, wie es ist - ohne alle Vorbehalte. 

Dem widerspricht nicht, daß der intuitive Akt vorrational vollzogen wird. Im Gegenteil, dieser vorrationale - nicht irrationale - Charakter verhindert von vorneherein alle Verzwecklichung und garantiert die Selbstlosigkeit des Schauens.

Das Seiende um seiner selbst willen zur Offenbarkeit bringen. Etwas davon hat Heidegger tief gesehen in seinem Begriff des "Seinlassens", nur hat er es wieder verdorben durch seinen Impersonalismus beziehungsweise Anipersonalismus.

Das Seiende zur Offenbarkeit bringen und ihm eine Laudatio spenden, beides ist das Zusammengehörige im intuitiven Akt. Darin liegt der tiefste Sinn der Erkenntnis und der intuitiven Erkenntnis im besonderen. Hier leuchtet die Zweckentbundenheit aller tieferen Erkenntnis auf. Insofern der Mensch im Vollzug intuitiver Akte steht, kann er nicht lügen, verdrehen oder hassen, auch nicht "verbergen" im Sinne Heideggers. 

Zugleich ist es eine Laudatio des Schöpfers durch die Laudatio der Geschöpfe hindurch. 

Der intuitive geistige Akt hat eine Nähe zu dem, was in der patristischen Philosophie das "innere Wort" (verbum mentis) genannt wurde. Zur Vollendung kommt diese Laudatio, wenn das innere Wort des Aktintuitus Ausdruck im Sprachwort gewinnt. 

Hier liegt die tiefste Wurzel der menschlichen Sprache, das Wort ist nicht primär "Zeichen" zum Zwecke der Bezeichnung von etwas, wie die zeitgenössische Sprachwissenschaftstheorie meint. 

Die Lehre vom intuitiven geistigen Akt ermöglicht eine Rehabilitation und Belebung der echten Meditation. Damit die alberne Nachäffung der östlichen Meditation, deren Eigenwert nicht verkannt werden soll, betreffend Nirwana, Re-inkarnation und dergleichen endlich aufhört.

Noch etwas. Von unserer Sicht aus erscheint der Gesang der Singvögel, der nicht auf biologische Zwecke wie Weibchenwerbung oder Warnung des Konkurrenten im Nachbarrevier einzuengen ist, als Analogie zum Aktintuitus und dessen Ausdruck im Wort. 

Und damit ergibt sich eine weitere Nähe, nämlich zum Heiligen Franziskus, der seine Mitgeschöpfe als seine Brüder und Schwestern ansprach. Hätte man mehr auf Franz von Assisi gehört, der in der Geschichte der Heiligen im Hinblick auf Naturmeditation eine Sonderstellung innehat, dann wäre in der Kirche manches anders verlaufen. [...]

Die Laudatio im intuitiven Akt ist schon Antwort auf den Anspruch, den die Seienden aufgrund ihres Seins, ihrer Wesenheit und ihres ontologischen Sinnes an den Menschen ergehen lassen. Nur als Angesprochener kann der Mensch antworten und überhaupt sprechen.

Es ist nicht so, als wäre der intuitive geistige Akt von Haus aus eine neutrale Kenntnisnahme, und als wenn sich daran erst eine Antwort anschlösse. Sondern der intuitive Akt ist Antwort und nur als solche existent. 

Der Mensch ist wesentlich ein die Dinge und den Schöpfer lobender. Unabhängig von allem "Nutzen für etwas". Das ist die Abundanz des Aktsinnes gegenüber dem ontologischen Sinn, den die nichtpersonalen Seienden in sich auf Grund ihres Seins- und Sinnentwurfs besitzen.


*Wieder gibt es eine (übrigens: leicht zu lesende) US-Studie zum

QR Maskenstudie

Tragen von Masken in Zeiten von Corona. Und diesmal ist es sogar eine Metastudie, die dutzende andere, weltweit verfaßte Studien ver- und auswertet. 

Und erneut zu dem Ergebnis kommt, daß Masken völlig wirkungslos beim Versuch sind, eine Seuche zu verhindern oder auch nur einzudämmen, weil eine interpersonale Übertragung verhindern. 
Das tun sie nicht nur nicht, sondern Masken sind in einem Punkt vor allem sogar SEHR wirkungsvoll: Dabei, eine ganze Menge weiterer und schwerer Krankheiten auszubrüten, zu begünstigen oder ganz gewaltig zu verschärfen.
Aber dieses Thema ist im Grunde so banal und häßlich, daß es dem VdZ wie eine Beleidigung dieses Blog als geistigen Raum erscheinen will, sich damit überhaupt noch zu befassen. So viel kann man diese Sache fast nicht überhöhen, damit sie wieder der Bearbeitung wert wird. Schon gar nicht, wenn man grantig deswegen ist. Grantig auch deswegen, weil niemanden interessiert, was die Wissenschaft sagt, und zwar gerade die nicht, die am meisten vorgeben, sich darauf zu beziehen. 

Der Unterschied? Der Unterschied ist wohl, daß sich gar so viele auf WissenschaftLER beziehen, also auf Personen, und dabei wiederum auf Wissenschaftler, die ihr Gebiet maßlos überschreiten, um persönlichen Gewinn, Ansehen, Macht, Autorität aus ihrem rein weltlichen, nicht-fachlichen Beziehungen zu schöpfen. Und sich in Aussagen versteigen, die sie kraft ihres Berufes in eine Aura von Wissenschaft tauchen, die aber lediglich persönliche Intentionen tragen. Und genau darin werden sie von der Politik sehr geschätzt, weil sie dieser sogar die Entscheidungen abnehmen, ohne dafür Verantwortung zu tragen. Denn dann, dann "war es die Wissenschaft."

QR Merkur und Masken

Nachtrag: Wir sind solche Anblicke schon gewöhnt. Aus einem Artikel im Münchner Merkur, der ursprünglich (lt. RPP) ebenfalls Masken (für Kinder) kritisch sah, wurde ... das. (Erkennbar bei Anklicken.) Ist natürlich ein Problem, wenn der journalistische Standard nicht erreicht wird. Naja, kann vorkommen.


*130421*

Sonntag, 22. März 2020

Neulich unter Stalin (3)

Aber wäre er nicht auch fähig gewesen zu einem jener Monster zu werden, wie sie Merkmal des Systems waren? Solschenizyn stellt sich die Frage, und er, der viele Jahre das System GULAG durchmessen hat, der es von allen Seiten kennt, kann diese Frage nicht beantworten. Es wäre möglich gewesen, schreibt er stattdessen, und er könnte nicht sagen, was ihn davon abgehalten hat, NICHT in den NKWD einzutreten, nicht einer der Schergen zu werden.

Woher kam sie überhaupt, diese Wolfsbrut im russischen Volk? Ist sie nicht von unserem Stamm, von unserem Blut? Es ist eine grausige Frage: Wäre aus mir ein gleicher Henker geworden, wenn das Leben ein bißchen anders gelaufen wäre?

Denn sie waren als Studenten, als Jugendliche unfaßbar naiv, und voller Hoffnung auf die versprochene, leuchtende Zukunft der Sowjetunion. Sie liefen eben am Tag, mit ihren Fahnen und Parolen der strahlenden Welt des Sozialismus. Die Schergen aber arbeiteten, die Gefängniswagen fuhren in der Nacht.

Und ein Vierteljahrhundert später, hätte man da nicht sagen können: Jetzt aber, jetzt hat man das System durchschaut, von der Folter erfahren, von den rund um uns herum brodelnden Verhaftungen, von den vollen Gefängnissen, den Lagern wissen können. Aber immer noch - nein! [...] Woher hätten wir über die Verhaftungen wissen und warum darüber nachdenken sollen? Daß alle Honoratioren der Gegend abgesetzt, abgelöst wurden - das war uns entschieden gleichgültig. Wenn diese oder jene Mitstudenten über Nacht weg waren, wenn zwei oder drei Professoren verschwanden, was machte es? Wurden halt die Prüfungen leichter. 

Der Kampf gegen den inneren Feind war eine logische Aufgabe des historischen Materialismus, die Vorlesungen sprachen unverblümt davon. Was das aber hieß machte sich niemand klar. Und wie groß doch die praktischen Vorteile waren, wenn man einfach im System blieb?! Warum also nicht dem NKWD beitreten? Das war doch allemal besser als ein kümmerlich bezahlter Lehrerposten irgendwo in einem gottverlassenen Landkreis. Die NKWD-Schulen lockten stattdessen mit üppigen Naturalien und doppeltem bis dreifachen Gehalt. Was hatte wenigstens die meisten auch seiner Mitstudenten, was ihn also abgehalten, was zum "Nicht-Bösen" werden lassen, wo doch alle Argumente dafür sprachen?

Was wir empfanden, hatte aber keine Worte. (Und wenn, dann hätten wir sie aus Angst einander nicht anvertraut.) Irgendwo, nicht im Kopf - in der Brust saß der Widerstand. Von allen Seiten können sie auf dich einreden: "Du mußt!" und dein eigener Kopf ruft im Chor: "Du mußt!"
Bloß die Brust sträubt sich: Ich will nicht, ES STINKT. Ohne mich, wie ihr wollt, aber ich bleibe draußen!

Das kam von weit her, von Lermontow vermutlich. Von jenen Jahrzehnten russischen Lebens, als es für einen anständigen Menschen, offen und laut gesagt, keinen schlimmeren Dienst gab als den des Gendarmen. Nein, von weiter zurück.
Das waren, ohne daß wir es wußten, nur die Kupfermünzen der Kopeken, mit denen wir uns von den vorväterlichen Goldrubeln loskauften, von jener Zeit, da die Sittlichkeit noch nicht als etwas Relatives galt und die Unterscheidung zwischen Gut und Böse einfach mit dem Herzen getroffen wurde.

Später wird er freilich einmal schreiben, daß er begreifen hat müssen, daß man genau diese Gefühle ablegen muß, will man ein System wie das des GULAG überleben. Man muß alles Menschliche, jedes Gefühl, jedes Mitgefühl mit dem anderen, jede liebende Erinnerung, alles ablegen - man muß zum Stein werden, will man das System, will man die Verhöre, will man den GULAG überleben.

Wird fortgesetzt



Mittwoch, 11. März 2020

Aus Mangel an Verstehen

In der FAZ fand sich in diesen Wochen ein dermaßen guter, substantieller Kommentar zum "Synodalen Weg", der derzeit in Deutschland als Forum sein Unwesen treibt, in dem eine Neugründung der Kirche durchgesetzt werden soll, daß der VdZ den Leser unbedingt darauf hinweisen möchte. Denn er zeigt ein Verständnis, das man nicht mehr erwarten würde.

Insbesonders ein Punkt soll herausgegriffen werden. Weil der Verfasser, Christian Geyer, etwas zu begreifen scheint, das völlig verloren ist, auch bei den meisten "Katholiken". Es geht um die Identität von Hierarchie und Gnadenfluß. Es geht um die Funktion von Autorität als Quelle einer geistigen Qualität, an der nur im Gehorsam teilgenommen werden kann. Deshalb erschüttern auch Stellungnahmen wie einiges an den Aussagen des ehem. Abtpräses Notker Wolf, die er im bayrischen Fernsehen von sich gab. Wolf hat freilich, was angeblich so wichtig ist: soziale Akzeptanz. Aber entspricht das, was er sagt und wie er wirkt wirklich dem Wesen der Kirche, also damit dem Gnadenfluß, als vitaler Prozeß dessen, was in der Kirche zur bloßen Welt HINZUKOMMT? Noch dazu wo Wolf ein überzeugendes Beispiel dafür ist, wie sich die Forderung nach Akzeptanz immer mit dem verschwistert, was man "Anbiederung" nennt und alle Tore für eitles "Bitte habt mich lieb!"-Gehabe öffnet.

Die autoritäre, hierarchische Verfaßtheit der Kirche (und im übrigen JEDER sozialen Organisation und Gemeinschaft) ist ein ontologisches Wesensmerkmal, den man sich als Weg der Gnade vorzustellen hat, in dem der Himmel, die transzendente Dimension, in die Welt kommen will und kann. So kann der Geist die Welt durchdringen und durchwirken, sodaß diese in einer neuen Qualität fortbesteht. Sie ist soziologisch bestenfalls beschreibbar, aber nicht weltimmanent und damit ohne Transzendenz verstehbar, begründ- und erklärbar.

Was sich im Synodalen Weg aber zeigt ist ein erschütterndes Unverständnis der Kirche und des Katholischen generell. Sie zeigt sich als Tendenz, die wie ein Lebensprogramm um sich gegriffen hat und lange schon alle Bereiche des Lebens erfaßt hat: Man schafft ab, was man nicht (mehr) versteht. Und lehnt damit nicht einfach nur die Tradition ab, sondern wendet sich gegen alles, was überhaupt besteht, um es neu zu erfinden.

Einige Zitate, aus denen der post-moderne philosophische, in Wahrheit damit marxistische Ansatz, der seit langem das Denken allgemein und als Ton jedes öffentlichen Diskurses erfaßt hat, besonders deutlich wird. Hervorhebungen vom VdZ.

"... Dabei sprach aus der reizenden Wortmeldung ein Angebot, das man bei Strafe theologischer Irrelevanz auf dem Synodalen Weg nicht ablehnen durfte: dass nämlich alle Teilnehmer einander als Gleiche begreifen, ohne länger umständlich unterscheiden zu müssen, in Bezug worauf sie gleich sind und in welcher Hinsicht sie es mutmaßlich nicht sind.

Blockaden lösen

Freundlicher lässt sich Theologisches nicht ausbremsen! Ist die flache Hierarchie im Sozialen erst einmal als Superkriterium etabliert, so wirkt sakramentales Hierarchiedenken als Anschlag auf die Gemeinnützigkeit, und Ämterfragen können nicht anders denn als Machtfragen aufgefasst werden. Die Offenbarungsidee hätte sich demnach durch ihre Tauglichkeit auszuweisen, im jeweiligen Heute „Gräben zu überbrücken“ (Bischof Bätzing), „Blockaden zu lösen“ (Pater Langendörfer), „authentisch und echt“ (Bischof Bode) zu sprechen. ..."


"... Solche Rückkopplung von Religion ans persönliche Wohlgefühl, an Bedürfnisse privaten Aufgehobenseins, versteht sich nicht von selbst. Sie ist ein peinlicher Zug derer, die sich im Umgang mit Weltfremdheit – zu welcher der Katholizismus naturgemäß gehört – als Absolutisten ihrer Gegenwart gebärden, und dies durchaus autoritär, wie bei der Regie der Frankfurter Versammlung zeitweise deutlich wurde. Man versteht insoweit Kardinal Woelkis Zwischenruf, als er, ähnlich wie Bischof Koch und andere, gegenüber dem sozial begründeten Durchgriff aufs sakramentale Kirchenverständnis davor warnte, dasselbe „als kalten Kaffee abzutun – weil ich es vielleicht nicht verstehe“. Mit anderen Worten: Die Satzungen des Synodalen Wegs sind keinesfalls voraussetzungslos lesbar, wie sie nahelegen. Sie sind an theologische Vorverständnisse gebunden, denen nicht im Happening-Stil der Ignoranz, sondern mit theologischen Gründen beizukommen ist.

Glaubwürdigkeit statt Glaube

Warum Woelkis Ansicht, die Verfasstheit des Synodalen Wegs erinnere ihn typologisch eher an ein „protestantisches Kirchenparlament“, sogleich als Beschimpfung kritisiert wurde, erschließt sich unter analytischem Gesichtspunkt nicht, es sei denn, man möchte den „Geist des Miteinanders“ (Kardinal Marx) als Konsensbefehl auffassen, dem Widerspruch als Ruhestörung gilt. ..."

"... Das wirklich Verstörende war in Frankfurt etwas anderes: die Ersetzung des Glaubensbegriffs durch jenen der Glaubwürdigkeit. Tatsächlich beschwört der Synodale Weg die persönliche Glaubwürdigkeit der Glaubenszeugen wie ein Heilsversprechen. Was in der Marketing-Abteilung eines Wirtschaftsunternehmens überzeugt, wirkt in Gottes Namen dann doch leicht blasphemisch ..."



Montag, 24. Juni 2019

Weil es sein muß ...

Keine Ahnung, wie oft der VdZ eben diese Tonaufnahme hier schon gebracht oder empfohlen hat. Aber sie taucht in seinem Leben wieder und wieder auf, genau diese Aufnahme: Vladimir Horowitz mit dem Konzert in der Carnegie Hall 1978, wo er Rachmaninoffs 3. Klavierkonzert bringt. Überwältigend, phantastisch, jeden sicher gemeinten Sockel des eigenen Lebens umreißend.

Die längst vielfach zerkratzte Schallplatte hält der VdZ seit Jahrzehnten wie ein Heiligtum. Nein, kein "brauchst Du das noch" könnte dieses Grunddokument seines Lebens beseitigen. Es ist das allgemein menschliche Dokument der Zerrissenheit, in der wir alle leben. Dem Leser sei deshalb Vorsicht geraten. Ähnlich wie bei Bruckners 7. Symphonie wird die innere Spannung kaum noch ertragen. Sie wird in der Aggressivität der größtmöglichen Lautstärke enden, die der Tonanlage des Lesers möglich ist. Ja, sie sollte dort enden. Weil - das Leben (nicht nur heute) dort anfängt.

Angeblich hat Rachmaninoff, ein großartiger Pianist, einmal gesagt, daß Horowitz seine Musik besser spiele, interpretiere, als er selbst. Nun gut, das ist ja kein wirkliches Kriterium für einen Künstler, für einen Komponisten, für einen Schaffenden. Im Gegenteil. Wer schafft, entläßt ein Kind in die Welt, das nunmehr der Welt auch gehört.

Leider, wirklich leider, und es ist ein Lehrstück, erreicht die digitalisierte Konserve nicht annähernd das Hörerlebnis der analogen Aufnahme, die der VdZ auf seinem riemengetriebenen, röhrenbefeuerten Dual-Plattenspieler erfahren konnte. Ohne das zu erinnern wüßte er nicht, wie ihm wäre, hörte er es jetzt in dieser Konserve. Es klingt ... anders. Dasselbe Konzert!

Wie für jedes Digitalerlebnis kann deshalb auch hier nur gelten: Die digitale Welt kann nicht mehr sein als ein Verweis, ja ein für jeden an der Wirklichkeit Interessierten verpflichtendes Gebot, auf die ... reale Welt zurückzugreifen. Das Digitale ist immer bereits eine Interpretation, die die eigene Interpretation vorwegnimmt. Das Netz ist eine Welt der Programmierer, die Welt interpretieren, nicht eine Welt der Wirklichkeit selbst.

Also, werter Leser, kaufe er sich einen (meinetwegen: Alten) riemengetriebenen (Dual-)Plattenspieler, der in der nächsten Stufe über eine röhrengetriebene, mechanische Verstärkeranlage liefert. Und dazu eine der alten (mit violettem Cover!) Vinyl-Schallplatten mit eben diesem Konzert. Er wird vieles begreifen. Glaube er dem VdZ! Besonders unterscheidbar wird es im entscheidenden Moment, ab etwa Min. 40, wo sich das Motiv durch alle Kämpfe und Feinde durchzusetzen beginnt. Ach, was für ein Unterschied zur Vinyl-Platte .









*040519*

Freitag, 15. Juli 2016

Schlecht informiert wie nie

Dieses Video ist deshalb interessant, weil es ein kaum glaubliches Problem sehr gut aufwirft. Denn während die öffentliche Mär davon handelt, daß wir alle so gut informiert wären und uns noch viel besser informieren könnten, wenn wir wollten, zeigt die alltägliche Realitätserfahrung - und diese pointierte Videopräsentation - daß Ignoranz und Unwissenheit so groß wie noch nie waren. Zumindest werden sie nicht weniger. 

Das ist nicht nur ein Problem der Konsumenten, der "Informationssuchenden", sondern auch eine der Medien, die von derselben Wirklichkeitsverweigerung betroffen sind wie die Mehrheit der Menschen, die aber tatkräftig mithilft, die Menschen in Täuschungen zu versetzen. Es ist eben so: Wir werden nicht von Information und Fakten bestimmt. Diese Haltung der Weltoffenheit, der Wahrheitsbereitschaft, wie immer sie aussehen mag, die viel mit Sittlichkeit zu tun hat ja zu deren Kern gehört, ist ein hohes sittliches Ziel und kulturelles Gut. Wir werden stattdessen von irrationalen Stimmungen und Handlungstopoi (menschliche Grundschemata) bestimmt, die wir einfach ergreifen, warum auch immer. Und diesen Stimmungen gemäß suchen und beurteilen wir Information, ja sie lassen uns Information überhaupt erst als solche erkennen.

Nur ist nicht dieses Ergreifen von Stimmungen das Problem (und es ist ein Ergreifen, es ist ein individueller sittlicher Akt, keine "Zugestoßenheit"), denn das ist Wesensbestandteil des Menschen, das macht niemand anders, sondern woraus sich diese Stimmungen nähren. Es geht also wieder einmal - um den Ort, an dem wir stehen, und mit dem die Art der Beziehungen zu tun hat, die wir zur Welt gesollt wie faktisch unterhalten. Die Stimmung gibt das Licht, in dem diese Beziehungen gesehen werden. Und: Es darf nicht vergessen werde, daß wir alle in Hierarchien, in Ordnungen stehen. Das Licht, in dem wir die Welt sehen (und deshalb einschätzen), wird zu allererst von den obersten Persönlichkeiten und Führungskräften bestimmt, die zu uns in Autoritätsverhältnissen stehen.

Wenn wir die größten angeblichen Probleme der Welt heute betrachten, wie sie in Erhebungen wohl dargestellt werden würden, so braucht es nicht viel Verwegenheit davon auszugehen, daß  fast alle dieser Drohbilder pure Einbildungen sind, die Fakten und Tatsachen sogar völlig widersprechen. Daß die meisten Menschen zwar der Meinung sein werden, gut und richtig informiert zu sein, daß aber das genaue Gegenteil der Fall ist.

Damit soll nicht gesagt werden, daß wir angesichts der hier präsentierten Fakten in Jubel und Euphorie ausbrechen sollen. Es soll aber gesagt werden daß wir ganz gefährlich dabei sind, uns mit Problemen zu beschäftigen, ja mit Sorgen zu fesseln, die gar keine sind. Während die wahren Probleme ganz woanders liegen, mit denen wir uns aber gar nicht befassen.








*070616*

Sonntag, 17. April 2016

Empfinden wird geoffenbart

Was Johannes Paul II. in seinem Vorwort zu seinem grundlegenden Buch "Liebe und Verantwortung" schreibt, gilt für alle Philosophie, für alles Denken, vor allem für alle Ontologie. Der Geist ist niemals direktes Objekt der (sinnlichen, wenn man will: empirischen) Erfahrung. ABER er ist es, der Erfahrung er in ihrer Tiefe zur Wahrnehmung hebt. Wo die ontologische Tiefe - und sie ist so gut wie immer (als praktische Erfahrung an den Menschen) implizit viel konkreter, als den Menschen selbst bewußt ist - verfehlt wird, entgeht dem Menschen die Tiefe seines eigenen Erfahrens, also auch des Empfindens.

Daran, an der Rezeption der Wirklichkeit, muß sich Wahrheit bemessen. Und sie tut es in diesem Fall nicht an der Falsifizierung - sie ist es ja eigentlich, die das rezeptive Denken meist anwegt - sondern als Verifizierung! Sie tut es in (und hier stimmt das Wort tatsächlich) in der Übereinstimmung und Harmonie des Denkens mit dem Erleben, das durch das Denken in die volle Geistigkeit als Mensch - ja überhaupt ALS Geist ZUM Geist - gehoben wird.

"Richtiges" Denken als "wahres" Denken ist deshalb eine Aufsteilung des Empfindens in den Geist. Das Empfinden wird geborgen, es wird nicht erfunden! Deshalb muß sich auch jedes ethische, jedes moralische Gebot als höhere Potenz des jedem (jedem!) Erlebten und Erlebbaren darstellen. Ein anderes (katholisches) Moralgebot kann es nicht geben. Dann wäre es nicht mehr katholisch.

Die Frage nach der Richtigkeit oder Wahrheit katholischer Moraldistinktion kann also nie sein, ob es "richtig oder falsch" ist, sondern, ob es im Erleben des Menschen - DES Menschen - vorkommt. Das ist das Kriterium des Wahren, das ist das Kriterium des Katholischen. 

Weil aber Erkennen nur durch "devotio", durch Unterwerfung (Gedankenkreis: Gehorsam, Autorität, Hierarchie ...) möglich ist, nur in dieser Haltung also überhaupt Erkennen möglich ist (will Denken sich nicht in Sophisterei sinnlos verquirlen), ist Erkennen (als Wahrnehmen sowieso) ohne Offenbarung überhaupt nicht möglich, will es nicht in sich kreisendes Stammlensgeschwurbele bleiben. Erst die Offenbarung (Gedankenkreis: "Mutter" - Muttersprache ...) macht Welt, die prinzipiell Welt des Menschen und damit des Denkens weil Geistens ist.

Denn einerseits ist nichts erkannt, das nicht begrifflich faßbar wird - weil der Begriff (und hier sind wir sogar bei J. Derrida!) das Gefäß des Wiederklangs des Seins ist - und insofern ist alles erst "etwas", wenn es in den logosgetränkten Begriff gehoben wird. Anderseits ist nicht der Mensch der Erfinder der Begriffe, sondern der Übernehmer.





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Samstag, 16. Januar 2016

Vom bequemen Erwarten des Endes

Die Huffington Post schreibt über das Ergebnis einer Studie, die ergab, daß die permanenten Negativnachrichten über die bevorstehende Katastrophe über den Klimawandel die Menschen kontraproduktiv stimmten. (Jene Bevölkerung der USA ist damit gemeint, die, wie eine jüngste Erhebung "schockartig" ergab, zu 70 Prozent den Klimawandel immer noch nicht als großes Menschheitsproblem sehen.) Und sie versucht es damit zu begründen, daß diese ständigen Nachrichten über Bedrohungen der ganzen Menschheit die Bürger in schlechte Stimmung versetze. Wer aber in schlechter Stimmung sei, sei auch nicht mehr bereit, sein Leben zu ändern.

Nun glaubt der VdZ das nicht. Nicht in dieser Form. Vielmehr glaubt er, daß ein anderer "Mechanismus" (und hier handelt es sich tatsächlich einmal um einen solchen) im Menschen einsetzt. Denn er erlebt die völlig abgehobene, abstrahierte Klimakatastrophenstimmung als etwas, das er in seinem Leben und Erkennen gar nicht wiederfindet. Es ist wie ein reines und vor allem nominelles Wortproblem, das ja nicht zufällig das Problem der "gebildeten Schichten" ist. Sodaß von Klimakatastrophe zu schwafeln sogar zum Ausweis für die Zugehörigkeit zu dieser Elite wurde. Ein Geschehen, das ja in seiner Schematik längst allgemein wurde und auf die neue Art der Moral zurückzuführen ist, die uns zu beherrschen versucht. Man denke nur an die "Flüchtlingsfrage", man denke an die Genderthematik.

Überall ist es mittlerweile dasselbe: Dringlichkeiten und moralische Imperative werden zu solchen erhoben, die mit dem realen Erleben der Menschen nicht nur nicht korrelieren, sondern diesem sogar widersprechen. Der Effekt dieser Zweitwirklichkeit (Pseudologie) ist dann die wirkliche Katastrophe - denn die Menschen beginnen längst, die Ratio, den Verstand als irrelevant einzustufen. Damit fallen sie auf ein Stadium des puren Nachfolgens ihrer Stimmungen* und (wahllosen) Gefühle zurück, und damit fällt der Mensch auch tatsächlich zurück. Aber das ist ihnen gar nicht zu verdenken.

Weshalb an der hier immer wieder gemachten Vorhersage, daß wir auf ein Zeitalter eines Irrationalismus zusteuern, weil das Gefühlte, das sinnlich Erkannte, ja eigentlich das "Gewußte", von keinem öffentlichen Disput - und das IST die Sprache! - erfaßt wird. Weil die Sprache, das Denken die erlebte, noch einmal, die GEWUSSTE Wirklichkeit nicht mehr erfaßt. Diese Entwirklichung hat ja schon längst auch die auffälligsten Teile der Kirche erfaßt, weshalb die Tore für ein aufkommendes Neuheidentum (das im übrigen keine Religion ist, hier täuschen sich viele!) weit weit offenstehen. 

Um das Gesagte in einem Beispiel nachvollziehbarer zu machen: Daß die politische Agenda "Klimakatastrophe" sich mit dem Mantel der Wissenschaft umgetan hat, daß sich so viele Wissenschaftler dazu laufend mißbrauchen haben lassen und weiterhin lassen, daß von so vielen der Begriff so mißbraucht wurde, wird dazu führen, daß "der Wissenschaft" ihr prinzipiell gebührender Rang verlustig gegangen ist und noch viel mehr verlustig gehen wird. Bei vielen Begriffen ist das längst der Fall: Vom Künstler erwartet niemand mehr Wahrsicht. Vom Politiker nicht mehr Hüten des Gemeinwohls. Von Klerikern niemand mehr leuchtturmartige Wahrheit.**

Während die Kartenhalter des öffentlichen Diskurses - Politik, Wissenschaft, Kirche, Künstler, Intellektuelle, mit einem Wort: die Eliten - als irrelevante Schwätzer jede Bedeutung verlieren. Vielmehr warten die Menschen nunmehr zu, bis jene (und es werden Personen sein) auftreten, die ihren unartikulierten Willen zu einer bestimmten Stimmung aufgreifen, um sich davon dann bewegen zu lassen.

Der VdZ hat deshalb immer mehr den Eindruck, daß wir in einer Situation stehen, die mit immer mehr Verlangen auf einen Messias wartet. Es ist wie die Ruhe vor einem Sturm. Aber sie wartet auf einen Messias, der eine längst entsittlichte Menschheit in ihrer Bequemlichkeit beläßt. Jedoch die Menschen wissen in Wahrheit, was sie erwarten. Sie werden es deshalb sofort erkennen. Was im übrigen für beide Pole gilt. Da ist einmal die Wahrheit, die aber mühsam ist, weil den Einzelnen zur Sittlichkeit fordert, und da ist zum anderen das Versprechen, diese Mühe sei nicht notwendig, das "erreichbare Ergebnis", das Paradies aber dennoch dasselbe. Sprechen wir das Wort aus? Das Wort vom "Antichrist"?

Vielleicht ist hier der Punkt darauf hinzuweisen, daß die "Apokalypse" keineswegs (zumindest nicht: nur) ein verdinglichbar zu machendes, einmaliges historisches Ergebnis ist. Sondern eine Grundwahrheit des Menschen - zu allen Zeiten und in allen historischen Situationen Fleisch und Realität wird. So, wie das ganze Leben, ja die ganze Welt je nur die Konkretion solcher Grundideen ist, die der Welt nicht nur zugrundeliegen, sondern sie überhaupt erst zur Welt (und zur Geschichte) machen. Wir dürfen uns die Geschichte nur nicht simpel als technischen Apparat vorstellen, an dem sich mit Notwendigkeit eines nach dem anderen abspielt, bis der Prozeß zu Ende ist. Daß es im Endeffekt aber doch zu einer Folgerichtigkeit und einer historischen Aufeinanderfolge kommen wird, steht auf einem ganz anderen Papier geschrieben. Das wirkliche Ende der Welt aber liegt nur in einer Hand und in einem Willen und in einem Beschluß: Dem, Gottes des Vaters. Und es ist ein Akt.





*Nur sind Stimmungen (und damit zusammenhängend auch Gefühle, denn diese nähren sich aus derselben Quelle) nicht einfach etwas, das es passiv einfach zu durchleiden gilt. Sie sind im Gegenteil sittliche Entscheidungen, sie sind Ergebnisse von Willensakten, und sei es daß man die Gestaltung, das Aufraffen zur Gestaltung einer bestimmten Stimmung - die ja auch aus zufälligen Gefühlen heraus aufsteigen - aufgibt. Sie sind damit direkt von der Vernunft - und darin mit dem Verstand - abhängig. Gilt der Verstand aber als irrelevant, die Welt als unfähig von ihm durchdrungen zu werden - gilt also die Welt nicht mehr als "logos-basiert" - verliert er seine Rolle in der Selbstgestaltung.

**Mit einer ganz wichtigen Reserve sei auch die Kirche hier angeführt: Denn anders als in der Politik, in der Kunst etc. ist sie durch ihre sakramentale Dimension - die ja in die tiefsten ontischen Gründe führt - nicht mit weltlichen Institutionen gleichzusetzen. Das wird viele Kleriker noch staunen machen, auch jene, die sich "gegen" ihre Lehren wenden. Nie wird die Kirche sich nämlich dieses Anspruchs entledigen können, und nie werden die Menschen sie anders sehen als unter diesem Anspruch. Umso mehr werden die Kleriker Objekte der aufkommenden Wutausbrüche werden. Sie werden an etwas gemessen, das ihr faktisches Verhalten unbedeutend macht. Sie werden am Ewigkeitswert der Kirche gemessen, den sie sakramental vertreten, immer und unter allen Umständen. Auch wenn die Menschen es scheinbar vergessen oder nie gehört haben, oder ignorieren wollen, oder Faktisches kritisieren: Was in der Kirche wirklich passiert, ist für die Menschheit ALS SOLCHE zutiefst wesentlich. Sie erwarten von ihr die Darreichung der Wahrheit, die in ihr auf die Erde gekommen ist. Und Wahrheit ist die erste und fundamentalste Dimension jedes Menschen, ob er das rational durchdringt oder nicht. Nur in der Wahrheit ist überhaupt Menschsein (das wesentlich in seiner sprachlichen Ausquellung zum Menschsein in der Welt wird) möglich.





*160116*

Dienstag, 24. November 2015

Wer mitbestimmt hat auch Mitverantwortung

Beim Sehen einer TV-Diskussion zum Thema Terrorismus: 

Wenn das Volk Souverän ist, jeder Einzelne "mitbestimmen" kann, dann ist in einer solcherart verstandenen Staatskonstruktion auch jeder Einzelne verantwortlich. Und damit ist auch jeder Einzelne potentieller Feind. In den Zeiten der Kabinettkriege blieb diese Verantwortung in Kreisen der direkten Verantwortlichen, der Regierendenn. Die interessieren heute aber eine IS gar nicht mehr. Ihr Feind ist das Volk. Regierungen interessieren diese Bewegungen gar nicht mehr.*

Gleichzeitig wird den Einzelnen bewußt, wie wenig ihre persöniche Macht ausreicht, um die Folgen ihrer Verantwortung zu tragen. Das zeigt am deutlichsten das Ungleichgewicht, das entstanden ist. Denn Verantwortung läßt sich nur im Gleichklang mit der Macht tragen. Insofern hat unsere Demokratie nicht die Machtstrukturen verändert, sondern die Verantwortung kollektiviert. Das Zeitalter der Volkskriege, der Kriege, die auf die Auslöschung von Völkern abzielten, begann mit genau diesem Schritt: der Abwälzung von politischer Verantwortung auf jeden Einzelnen.

Und noch einmal gleichzeitig suchen wir heute nach einzelnen Personen, direkten Ansprechpartnern, direkten Verantwortlichen ("die einzelnen Terroristen"), die dann mehr Verantwortung als andere haben tragen sollen. Indem wir fordern nicht "pauschal" zu verurteilen, sondern Einzelne zu suchen. Hier zeigt sich spätestens, daß etwas mit der Mitbestimmungsmär nicht stimmen kann. Indem wir uns weigern, jene soziale Gruppe, der diese Einzelnen zugehören, als Verantwortliche zu sehen. Einer extremen Kollektivierung steht also eine extreme Vereinzelung gegenüber.

Es ist einer jener Irrtümer, wo wir (und die Welt) den eigenen Mythen auf den Leim gehen. Die Wahrnehmung wurde hin zu rationalen Scheinkontruktionen verschoben. Und wir selbst sind daran interessiert, diesen irrationalen Mythos aufrechtzuhalten. Und haben die Welt daran glauben gemacht. Daraus folgt die Verschiebung der Berührungsebenen, die Volk direkt zum Feind macht.

Der Irrtum liegt darin zu glauben, weil Gestalt Funktion hat, sie in der Funktion  nicht nur zu begründen, sondern durch Funktion auch zu ersetzen sei. Der Irrtum liegt darin zu meinen, daß die Rationalität genügen würde, eine Gestalt zu erkennen und - wie eine Maschine - nachzubilden und nachzubauen. Das Zueinander der Welt ist ein zueinander von Gestalten, und deren Wirklichkeit ist bildhaft, und ist weit, unendlich (!) weit weil kategorial von dem unterschieden, was die Ration zu bilden vermag. Wir sind dem Maschinendenken auf den Leim gegangen.**

Deshalb muß man sagen, daß diese Mißverständnisse in höchstem Maß medieninduziert sind (und waren; die Aufklärungsideologie hätte es ohne den Buchdruck nicht gegeben.) Ohne Medien wären sie nicht möglich gewesen, und Medien (im speziellen das Internet, ein bereits fast ausschließliches Medium der Pseudologie) sind heute maßgeblich beteiligt. Und es ist mehr als folgerichtig, daß diese Pseudologie in Kulturen, in denen das Buch die Rolle des "sola scriptura" ("nur die Schrift") spielt, wie im Protestantismus, wie im Islam, ihren fruchtbarsten Boden findet. Der nur die Verwurzelung (die einzig diese Ganzheit der Wahrnehmung erfüllt) entgegenstehen kann.

Das (und nicht nur das) macht die gesamte Diskussion in Wahrheit irrational, zum bloßen Versuch, rationale Konstrukte zu finden, die Scheinsicherheiten gewähren sollen. Die Widersprüche stecken viel tiefer, und sie sind nicht auflösbar, und alle Lösungsdiskussionen bleiben an der Oberfläche bloßer kurzfristiger faktischer Phänomenfürsorge, weil die tragenden Säulen dieses Lebensgefühls sakrosankt gestellt ist, es eigentlich nur um ein Gefühl geht. Nicht zufällig wird dieses Wort auch außerordentlich häufig  ausgesprochen. 

Gerade also in einer Zeit, wo sich in der Spitze eines Volkes - angeblich - die direkte Spur des Handelns jedes Einzelnen findet, hat diese Spitze (etwa als politische Führung) ihre Repräsentationskraft, ihre Symbolkraft des "Für alle stehen" verloren.

Interessanterweise scheinen viele Muslime, die mit der IS sonst nicht direkt zu tun haben, dieses "pars pro toto" sehr wohl zu empfinden. Viele solidarisieren sich deshalb mit ihnen. Während unsere Institutionen mit bemerkenswerter Sturheit "die einzelnen Verbrecher" suchen.



*Das Moment des "ruler punishment" schwingt hier nicht mit. In diesem uralten Rechtsprinzip, das sich historisch in den Rechtssystemen der arabischen Völker sehr deutlich findet (an sich aber natürlich weltweit), wird das Vermögen als Selbstsein des Regierenden bzw. Machthabers (quasi: des Vaters) in seinem Machtbereich gesehen. Trifft man diesen, soll in Wahrheit der Regierende getroffen werden. Die Motive der IS sind aber offensichtlich anders, weil ihre Wirkung sogar das Gegenteil erreicht. Der Medea-Mythos illustriert es am eindrücklichsten, und die heute so weit verbreitete Art vieler Frauen, gegen den Mann zu kämpfen, indem sie die Kinder und/oder das Vermögen des Mannes zerstören, ist ganz genau so motiviert.

**Der VdZ hat lange gezögert, Hans-Peter Dürr in dieses Blog einzuführen. Denn was dieser vermittelt ist in Details außerordentlich richtig, um doch im Ganzen falsch zu sein. Dürr fehtl ganz deutlich die Metaphysik, um das, was er im Einzelnen sehr richtig herausgefunden hat, wirklich zu ordnen. Sein Weltbild bleibt deshalb mechanistisch, er ist nie bis zum Ende des prinzipielleren Denkweges gegangen, als seine Beschäftigugn mit der Quantenphysik erbrachte. Er hat also die Grenze des Mechanismus nur weiter (und sehr weit) nach hinten verschoben, was sich dann aber natürlich zurückwendet. Doch in diesem Zusammenhang bringt der VdZ ihn nun doch, mit dem Video "Wir erleben mehr als wir begreifen".








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Samstag, 14. November 2015

Zu Slumbewohnern geworden

Es war 1915 allen bewußt, und nur so war es verstanden, und nur so wurde es toleriert, daß die elektrischen Oberleitungen für die Straßenbahn an der Ringstraße in Wien - einem der prächtigsten Boulevards der Welt - offen und zwischen häßlichen Masten und ehrwürdigsten Gebäuden ausgespannt wurde. Die Empörung über diesen als enorm empfundenen Eingriff in das Raumgefühl, der unter heutigem Begriffsverwand meist nur noch als "nur optisch" und damit als unwesentlich abwertend eingeschätzt wird, war groß, und keineswegs auf das Kaiserhaus beschränkt. Dem man diesen Schock ersparte, und die Strecken, die es häufig befuhr, davon ausnahm. In jedem Fall war aber geplant, die Leitungen nach dem Ende des Krieges unterirdisch zu verlegen. Nur fehlten momentan die Mittel.

Ringstraße mit Parlement - Universität (als zwei Lungenflügel!), Rathaus und Volksgarten
Es blieb dabei. Was uns Heutigen zeigt, wie gesund das Sehempfinden der Menschen noch war. Das von den Gestalten ausging, und die Bedeutung des Raumes für die Seele der Menschen wie einer Menschengemeinschaft sehr wohl noch kannte. Wir haben uns heute schon an so viel gewöhnt, gewiß. Aber das macht die Tatsache nicht geringer, im Gegenteil: Wir haben uns an Veränderungen der Tektonik gewöhnt, die uns beeinträchtigt und amputiert hat. Denn es ist die Tektonik, und zwar zuerst die Tektonik des Großraumes, die unsere seelischen Rhythmen und Gestimmtheiten bestimmt, die NUR optische, körperhafte, gestalthafte Bezüge im Raum sind. Als Grundlage jeder alltäglichen Handlung, die von solchen Gestimmtheiten lebt, und aus diesen heraus gestaltet wird. Die Tatsache, daß wir uns dessen nicht mehr bewußt sind, ändert daran rein gar nichts. 

Es macht es nur gefährlicher, noch weitere Einschränkungen vorzunehmen, die das Seelengebäude der Nachkommen endgültig zur Wellblechhütte machen. Die Kleidung der Menschen verrät aber, daß wir in solchen Slums längst angekommen sind. Und Ästhetik zum plastifizierten Zuckerguß degradiert haben, der ab und an aus den Truhen hervorgeholt wird, wenn wir dann so tun, als wäre uns Schönheit und Würde noch ein Begriff. In Wirklichkeit sind es hohle Worte geworden, deren wirkliches Fehlen wir durch propagandistisch forcierte Einführung einer neuen Ästhetik des Zerfalls zu kaschieren suchen. War vor hundert Jahren der '"typische Wiener" der über die Ringstraße flanierende Herr, das Mädel, das sich auf der Ringstraße, diesem Garten der Ergehung, in ihrer höchsten Möglichkeit erlebte, ist es heute der niedrige Prolet, der im Chor der vermeinten Allgemeinheit Gelabere und Dreck zu lieben vorgibt um zu überspielen, daß er unter der Hoffnungslosigkeit leidet, sich nicht mehr zu höherem Menschentum und damit zu meh Freiheit und Daseinsspiel erheben zu können. Weil alles auf Funktion reduziert ist.

Ringstraße heute - Durchzugs-Nichtort- und Technikzentrale für privatime Konsumslums
Als man die Ringstraße mit Drähten überspannte war aber noch allen klar: Es war ein Eingriff in die Würde der Straße, und damit in das, was jeden, der sie durchschritt oder durchfuhr, innerlich höher stimmte, damit sein ganzes Leben hob, weil er  mit diesem Gefühl wieder zurückging in die niedrigen Häuser von Ottakring, oder die Zinskasernen von Favoriten, und damit seine Hütte immer wieder aufhellen konnte. Von Funktion hat noch kein Mensch gelebt, nur vegetiert. Selbst bei der Errichtung der Wohnhöfe in den 1920er-Jahren hat man das noch gewußt, die bereits größte Kompromisse mit puren Notwendigkeiten (Wohnraum für die durch den hierarchischen Zerfall neu entstandene, eher: aus dem seit der Mitte des 19. Jhds. explosionsartigen Wachstum der Reichsmetropole  übriggebliebene soziale Nichtstruktur) darstellten. 

Doch reichte die gestaltende Kraft der Stadt schon damals nicht mehr. Geht man von Technik, von rationalistischem Nutzen aus, findet sich keine Gestalt mehr, die das wesentlich birgt. Dazu hätte man von der Gestalt, der Architektur als Raum der rhythmischen Formung seiner Bewohner ausgehen müssen.

Sodaß heute die Architektur der Vergangenheit zur Kulisse eines technischen Apparats wurde, den bestenfalls die Tourismusmaschine noch braucht, der sonst aber eher hinderlich ist oder von sozial nicht eingeordneten Zuwanderermassen niedergewohnt wird. Denn wie man heute Architektur versteht, zeigt die Peripherie. Die gleichzeitig zeigt, daß man das wahre Wesen einer (und schon gar dieser) Stadt gar nicht mehr versteht, obwohl schon 100 Jahre seit diesen Umwälzungen des Wachstums vergangen sind, in denen man zur Besinnung hätte kommen können.

Karl Marx-Hof , Wien Heiligenstadt - aber man hatte Fließwasser und Bad
Hat der Gemeindebau ehedem Menschen zu "niederen Klassen" zusammengeschweißt, ja gemacht (!), die in ihren Wohnburgen der Schönheit gegenüberstanden, wird er noch heute seine Aufgabe erfüllen - in den Zuwanderern, die diese Trutzburgen - ein Wiener Spezifikum des geordneten Übergangs-Slums inmitten der Stadt* - zunehmend füllen. Die Zuwanderer der letzten Jahrzehnte sind nicht integriert? Es sind noch nicht einmal die meisten Wiener.

Heute empfinden wir das aber gar nicht mehr, und nicht, weil wir es nicht empfänden, sondern weil wir uns aberzogen haben, diesem Empfinden Raum zu geben. Es ist scheinbar klüger so. Somit leben wir längst in einem Seinsbereich, der uns zu Ameisen mißbildet hat. Zu deren beschränktem Wesen gehört, daß sie ihre Kleinheit gar nicht mehr denken können. Sie sind den größeren Maßstäben dafür umso hilfloser ausgeliefert.




Amalienbad, Wien - Einst öffentliche Hygieneanstalt
*Der Wiener Gemeindebau, in seiner typischen Form in den Jahren 1923-1935 entstanden und durch direkte Besteuerung von allem finanziert, das nach "Reichtum und Luxus" aussah,  war eine Architekturbewegung, die interessant, aber nichts desto weniger eine Blüte des Materialismus des 19. Jhds. ist. Mensch und Bedürfen wurde in höchste technizistische Auflösung getrieben, sogar die Ästhetik funktionalisiert. Nun hatte jeder Bad, vielleicht sogar ein WC, und Licht. Dafür waren die Deckenhöhen aussagekräftig genug: Es begann das Zeitalter der +/- 2,40 Meter.  Daß der einhergehende Verlust der Badekultur - zuvor in öffentlichen Bädern zelebriert, wahren Tempeln der Hygiene und Entspannung, vor allem aber der Kommunikation - und vor allem die psycho-sozialen Folgen des Abbaus der Gemeinschaftsräume schwer wiegen könnte, kam im Zeitalter des Individualismus, der Autonomismus als höchstes Ziel sah, niemandem mehr in den Sinn.  Baden aber war zu allen Zeiten in allen Völkern eine Veranstaltung der Gemeinschaft. So wie die Tavernen. Wer je ein "Stammgasthaus" erlebt hat, in dem bei allen und schärfsten Ideenkonflikten ein gemeinsamer Boden der Solidarität und Zusammengehörigkeit blieb, weiß, wovon die Rede ist.

Der Gemeindebau hat übrigens eine nicht minder interessante Gegenbewegung im Kirchenbau provoziert. Die meist wuchtigen, streng linearen "Kirchenburgen" der damaligen Zeit sind ein oft großartiges Pendant zur Zurüstung auf den definitiven Klassenkampf des "Roten Wien". Aber "rot" hört auf, wenn Menschen irgendwann doch Wurzeln suchen. Wenn die Gemeinschaft  mit dem Nächsten mehr zählt, als die künstliche Spaltung der Politisierung. Deshalb wird die "Linke" (samt ihrem Pendant, der "sozialen Rechten") immer von Wurzellosigkeit leben, und deshalb diese fördern.

Wien wurde rot, als die Bäder privatim wurden. Heute gibt es nur noch zwei öffentliche Bäder aus jener Zeit.




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Donnerstag, 1. Oktober 2015

Gezielte Verwirrungstaktik? Oder Verblödungswirkung.

Auch in diesem Artikel der Presse findet sich die seit langem von allen Gescheiten übliche Zuschreibung, daß "Bekanntschaft mit Zuwanderern" (nicht zufällig nennt man sie pauschal längst nur noch "'Flüchtlinge", so wie alle Zuwanderungswilligen zuvor "Asylanten" waren, obwohl das in allzu vielen Fällen gar nicht zutraf, sondern pure Täuschungsabsicht war) den Ablehnungsgrad senken würde, mit dem die Bevölkerung ihnen begegnet. Und es wird nachgerade als Ausweis der Dummheit der Menschen gehandelt, daß die massivsten Ablehnungshaltungen oft gerade in jenen Gegenden aufträten, die den geringsten Ausländeranteil hätten. Es ist höchste Zeit, diesem Unsinn vereierspeister Gehirne entgegenzutreten. Denn hier werden zwei völlig verschiedene Ebenen durcheinandergeworfen, und das vermutlich in voller Absicht - der der Verleumdung.

Die eine Ebene aber ist die der persönlichen Begegnung. Hier ist es selbstverständlich mehr als angebracht, JEDEM Menschen mit Respekt und Höflichkeit zu begegnen. Aber darin liegt auch ein Gefahr, die Gefahr die mit jeder Erfahrung des Vereinzelten einhergeht. Nämlich die, daß eine notwendig sachlichen Erwägungen zu treffende Entscheidung - und eine solche ist die Haltung zur Zuwanderung, gefährlich wird es also (für den Einzelnen!), wenn das nicht der Fall ist - von vordergründigen Emotionen überrumpelt wird. 

Dazu ein illustrierendes Beispiel: Die Tochter des VdZ hat im Zuge ihrer Ausbildung zur Lehrerin nach den ersten Stunden des Probeunterrichts ihrem Vater begeistert mitgeteilt, daß "das über die Ausländer" nicht stimme. Denn "die sind so lieb, wie sie so dasitzen, die armen Hascherl!"

Selbstverständlich sind sie lieb. Und selbstverständlich sind sie mit Liebe zu behandeln. Nur ist es darum nie gegangen. Wer etwas anderes erwartete hat ohnehin ein schweres Problem mit der Wirklichkeit. Aber die wahren Probleme sind ja völlig anders gelagert, und auch des VdZ Tochter wird sie in der Praxis noch ausreichend erfahren. Vorausgesetzt, sie behält überhaupt das eigentliche Ziel ihres Berufs - das Lehren, das Vermitteln von Wissen und Fähigkeiten, das sie ja zu diesem Beruf anfeuerte, denn sie wollte ja etwas "vermitteln" - noch genug im Auge. Denn der Umgang mit diesen "armen Hascherln", das Mitgefühl mit ihnen, ist eine hier eigentlich irrelevante Seite der Medaille. Freilich, gibt man das Ziel des Lernfortschritts auf, wird sie zur Hauptseite - aber damit zur Verfehlung der Schule überhaupt.

Sie soll hier nicht bloßgestellt werden, und der VdZ hat viel Vertrauen in ihre eigene Fähigkeit, die Wirklichkeit nach und nach doch wieder zu Wort kommen zu lassen. Wenn aus den "armen Hascherln" wieder "Schüler" geworden sind, die einen Lernfortschritt zu erreichen haben, für den sie verantwortlich ist. Dann wird auch sie begreifen, was es heißt, in einer Volksschulklasse zu unterrichten, in der nicht einmal 20 % die Unterrichtssprache ausreichend sprechen. Von der Muttersprachenproblematik - der eigentlichen Verstehensproblematik also - wollen wir hier noch gar nicht angefangen haben.

Es soll einzig gezeigt werden, daß der vordergründig menschliche Eindruck von der Ebene, auf der eine Entscheidung getroffen werden müßte, erheblich abweichen kann.* Aber diese sachliche Ebene ist die entscheidende Ebene, und das zeigt sich spätestens nach gewisser Zeit. Denn Zeit ist das Nacheinander des in der Tiefe bestimmenden Seins.

Womit wir bei der zweiten Ebene sind, die in Zuschreibungen, wie sie fast ausnahmslos stattfinden,  den Ausdruck finden, daß jene, die "Ausländer ablehnen" gar nicht wissen, wovon sie sprechen. Zuschreibungen, denen aber bewußte Verleumdungsabsicht unterstellt werden muß. (Wäre Dummheit schmeichelnder? Sie können wählen.) 

Vernunft heißt, aus allen persönlichen Befindlichkeiten herauszusteigen, und die Spannung zu einem Sinn, zu einem sachlichen Ziel aufrechtzuhalten. Vielmehr muß man nach dem hier Explizierten damit sogar sagen: NUR sie, die noch persönlichen Abstand zur Problematik haben, wissen überhaupt, wovon die Rede ist. Denn hier hat das vordergründige Gefühl noch nicht die Bereitschaft, RICHTIG zu entscheiden, so überlagert, daß nur noch aus vordergründiger Emotion heraus entschieden wird. Und genau das wollen sie vielleicht sogar verhindern.  

Nicht ANGST VOR DEN UNBEKANNTEN FREMDEN bestimmt sie also, sondern im Gegenteil: Das Wissen, daß sie diese prinzipiell mögen (werden oder könnten), weil sie Menschen wie sie selbst sind, und sie aber genau deshalb sehr wahrscheinlich sachlich FALSCHE Entscheidungen treffen werden. 

Ganz anders also also die Verleumder meinen - und der VdZ meint das wirklich ernst - ist davon auszugehen, daß diese "Ablehner in Distanz" von Propaganda GENAU NICHT so leicht zu beeinflussen sind, wie jene, die emotional entscheiden, weil sie "Zuwanderer persönlich kennen". Und die Ereignisse der jüngsten Zeit, die Beobachtungen anläßlich der "großen Welle der Liebe und Solidarität", die manche Saftgehirne feststellen zu müssen meinten, geben dem VdZ darin völlig recht. Eine Welle, die recht rasch wieder umschlagen kann, wenn die Verneblung der ersten Euphorie, des ersten Emotionsrausches, wieder verzogen ist. Und spätestens, wenn es zu ersten massiven Problemen kommt, wie sie mittlerweile wenigstens ab und an in den Medien berichtet werden. Oder wenn die Kinder den Fußballplatz im Hof nicht mehr benützen können, weil die "Ausländerkinder" sie verjagen (dem VdZ selbst passiert), oder wenn die netten Menschen aus Irgendwo regelmäßig um Mitternacht geruchvoll ihr Lamm am Balkon nebenan zu grillen beginnen und lautstark mit ihrer Verwandtschaft ein Fest feiern. (Was wohl jeder Poet fasziniert mit Sympathie beobachtet; aber sie sollten eben deshalb keine politischen Entscheidungen treffen. Denn anders als jeder Bürger sollten sie ja nichts "wollen" - der Bürger aber MUSZ wollen, er ist dazu verpflichtet, sonder verfehlt er sich.)

Davor aber, vor bloß oder stark emotional gefärbten Entscheidungen, sollten sich alle wirklich fürchten. Denn sie tragen so gut wie nie, weil ihnen die Sache um die es geht gleichgültig ist. Sei sind mit ihren momentanen Gefühlen zufrieden, warum auch immer. 

Die Dummen und Unwissenden sind damit jene, die solche primitiven Zuschreibungen vornehmen. Die auf völliger Ahnungslosigkeit über die Natur des Menschen beruhen. (Wie vielsagend, daß ausgerechnet jene es sind, die die großen Maßnahmen - gegen den Willen anderer, meist: der Betroffenen - verlangen zu müssen meinen.)

Man sollte also endlich aufhören, diese Art der Volksverwirrung und Verleumdung weiter zu betreiben. Die, die viel Kontakt - meist ja zwangsverordnet - mit "Flüchtlingen" haben und hatten, wissen viele Details. Gut, man soll ihnen zuhören. Aber man sollte auch den Stimmungsumschwung fürchten, zu dem sie in der Lage sind, wenn aus dem emotionalen Gemengelage allmählich die Konturen der Realitäten herausstechen. Denn wenn es um die Entscheidungen geht, um wirkliche Beurteilungen der objektiven Lage und Sachverhalte, sollte man in erster Linie auf jene hören, die dieser Gefährdung ihrer Vernunft NOCH NICHT ausgesetzt waren und sind.





*Genau damit arbeitet ja die political correctness. Sie ist pures Gefühl, und zwar ist sie ANGST. Dem Einzelnen soll die Vernunft aus der Hand genommen werden, indem ein (v. a. im Sprachraum, also als Sprache) lückenloses System der Droh- und Ablehnungsmechanismen aufgebaut wird. Weil aber der Mensch seinem Wesen nach von Anerkennung durch den anderen abhängt, ist dieses Modell äußerst effizient. Man muß die Menschen nur glauben machen (!), daß sie bei dieser oder jener Vernunfthaltung abgelehnt würden. 

Weshalb die political correctness - das Gutmenschentum - eine reine Propaganda-Fiktion, ein Geschehen der Zweitwirklichkeit (als Erscheinung der positivistisch konstruierten Persönlichkeitssimulation) ist, der nicht zufällig (es wurde hier bereits abgehandelt) vor allem die "gebildeten Schichten" (bzw. jener, die zu dieser Schichte gehören wollen, es sind ja immer die Bediensteten, die Subalternen, die auf den Status ihrer Herren und Führer ganz besonders pochen) anheimfallen. Denn diese Erscheinungen sind in Wahrheit pure Emotion - aggressiver Gestus einer Gewalt, die um ihre fundamentale Illegitimität weiß, aber es nicht wissen darf, weshalb sich der Statusanspruch auf "moralische Überlegenheit" konzentriert. 

Und deshalb gehen der political correctness die inhaltlichen Felder auch nie aus (wie sich in der Erweiterung auf "Veganisums" wieder einmal erweist), sie müssen immer "voraus" sein, jede Erfüllung ihrer Forderungen wirft sie ins Nichts. Und deshalb verbeißen sich jene vor allem in sachlich tragende Pfeiler, von denen sie wissen, daß sie von den Menschen mit Vernunft nicht losgelassen werden KÖNNEN.

Vor den Menschen in der "Knochenmühle des Lebens" haben und hatten aber die Propagandisten aller Zeiten immer die größte Angst. Denn sie sind kaum je beeinflußbar. Wem täglich das Leben um die Ohren fliegt, hat keine andere Wahl als - Wirklichkeit, als Realität anzuerkennen. Von da her stammt jedoch die gerne bemühte verleumderische und gerne verbreitete Behauptung, daß die "einfachen Leute dumm und ungebildet" seien. Meist sind sie aber vor allem eines: UNVERBILDET. 

Vielleicht täte es also so manchem, der mit Zuschreibungen s. o. herumwirft, wirklich gut, mit solchen Menschen von der Straße wirklichen Kontakt zu suchen. Und nicht aus der Ferne über sie zu urteilen. Vielleicht würde sich damit nämlich SEINE Sicht ändern, denn er würde sehen, daß sie nicht böse oder verhetzt oder irrational "xenophob" únd "rassistisch" sind - sondern einfach am Boden von Tatsachen stehen, deren Relevanz so manchem der "Gebildeten" gar nicht bekannt ist.





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Samstag, 16. August 2014

Totalerblindung (2)

Teil 2) Man kann sich seine Religion gar nicht aussuchen




Das hat natürlich weitreichende Implikationen. Wenn nämlich in einer Kultur die Selbstautonomie als Grundgefühl vorherrscht, als Ethos gewissermaßen, beginnt diese Kultur ohne jeden Zweifel an sich selbst auszutrocknen. Ihre Basis wird immer schmäler, ihre Erkenntnis immer dürftiger, bestenfalls in sich noch ausgefeilter und rational wortreicher (weil eigentlich: verzweifelter). Diese Stimmung aber entsteht nicht durch Gedankenarbeit, durch (s.o.) formalistisches Herumgedrechsele am Wortsalat, sondern sie entsteht durch die reale Lebensweise. Stimmen die Hierarchien nicht mehr, weil sie von ihrem herkommen abgeschnitten wurden (das heißt nichts simpler als: Anti-Traditionslismus), so sind damit die Erkenntnisgrundlagen einer Gesellschaft ruiniert. (Hierarchien haben und implementieren selbstverständlich auch die Anti-Hierarchischen, revolutionären Strömungen, es ist ja lediglich der Wahnsinn ihrer Methode, das zu verschleiern: Aus dem Bild der Hierarchie, das also eine aufgeklärte Gesellschaft wie die unsere darstellt, läßt sich das Erkenntnisprinzip ablesen - simpel: der Gott, in dem alles gründet.)

Hier greifen fatale Mechanismen, die nicht auf den Einzelnen beschränkt bleiben können. Wenn sich im Handeln der Menschen zeigt, daß sie aus sich heraus nicht höherkommen, und das heißt: real, konkret, durch ihre reale sittliche Verfaßtheit, die für jede Moral ja erst die Basis bildet, dann beginnt sie ohne jeden Zweifel das Höhere zu hassen. Die Wahrheit, die real ist, wird zum Feind - zum Feind wird die wirkliche Wirklichkeit der Dinge. Selbsteinschätzung wird damit unmöglich, und damit Einschätzung des Begegnenden. 

Denn dem Begegnenden wird nicht getraut, es enthält keine Botschaft mehr, oder man wählt es ersatzweise (weil dem menschlichen Wesen ja notwendig, als Grundstruktur gewissermaßen), mit allen Folgen, bis zur Hörigkeit, bis zum Fanatismus, der ja ein Fetischismus ist. Eine Kultur, ein Volk wird damit als Ganzes blind. Über die Lebensweise, die sie über jeden verhängt, und der sich gar niemand wirklich entziehen kann.

Zugleich müßte nun klar sein, daß auch dasjenige, AN DEM jemand teilhaben will, nicht aus seinem eigenen Urteil erwachsen KANN. Er ist gar nicht fähig, es zu beurteilen, weil zu erkennen. Von Religion kann man deshalb überhaupt nur dann sprechen, wenn es sich um eine Überlieferung handelt. Sie braucht konkrete Personen, die die Offenbarung Gottes weitergeben. Man KANN also gar nicht "seine Religion" wählen.

(Jedes Konvertitentum zeigt ja dieselben Krankheiten der Pseudologie, oder ist überhaupt eine solche, wenn es im "Konfessionellen", also bei der "Überzeugung" bleibt. Sodaß die heutige Religionslosigkeit zwangsläufig Religion gar nicht mehr anders fassen kann denn als "Überzeugung", die sie aber gar nie ist.)

Hinter solchen Aussagen, die heute also nicht zufällig so verbreitet sind - Auswuchs bereits der Verzerrtheit, ja der Wahnverfallenheit des heutigen Menschen - verbirgt sich etwas ganz anders. Man kann nur folgerungsweise auf die Plausibilität gewisser Aussagen vertrauen, und sich daraufhin entschließen, AN DIESER (oder jener) Offenbarung teilhaben zu wollen. 

Und genauso wenig kann man DIREKT, ohne menschliche Vermittlung also, an Gott teilhaben, quasi als autonomistische Direktreligion, als Privatmystik, um die man sich nur zu mühen bräuchte, die quasi außergeistig in bloßen physischen Methodiken oder Vorgehen äußern könnte. Ja, selbst wenn dem so wäre, so wäre es wertlos, weil der Mensch in der Verfaßtheit als geistseelisch-physisches Wesen, er selbst nur über die Vernunft ist. 

Dieser quasi "höchstpersönliche spezielle Draht" zu Gott würde nämlich voraussetzen, daß man selbst bereits Gott (zumindest aber heilig) ist, und das hat einen bereits aufgelösten Gottesbegriff (und eine absurde, jedes Kabarett unendlich übertreffende Selbsttäuschung und Blindheit den eignen Zustand betreffend) zur Voraussetzung, und damit Nihilismus. Nicht mehr und nicht weniger ist aber der Wahn, in dem heute so viele Menschen befangen sind. Den sie nicht zufällig so wortreich und nicht selten durch viel Religionsgequatsche, immer aber gestützt durch formalistischen Mißbrauch formal (teil-)wahrer Aussagen zu verschleiern suchen. Denn die Wahrheit ist eben kein formales Rechenexempel "logischer Aussagen". Sie ist lebendig (und erst darin überhaupt möglich vernünftig) und lebt in personalem Dialog, oder sie ist einfach Dummheit, die folgenotwendig zur Bosheit wird bzw. sich daraus nährt.




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