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Samstag, 21. Mai 2016

Ausweglosigkeiten - Filmempfehlung (3)

Teil 3) Warum sich an diesem Film die profundeste, zutreffendste und tiefste Kritik der Gegenwart aufbauen läßt, die der VdZ je aus fremder Feder gesehen hat. Aber leider wurde American Psycho in dieser Tiefe nicht verstanden. Denn dann hätte man auch des VdZ Roman "Helena" verstanden. Was wohl die Begeisterung erklärt, mit der er an den Film anknüpft. + Der ganze Film. Hier!




Alles bleibt also ohne Wirkung, die wirkliche Wirklichkeit ist dieser Welt abhanden gekommen. Selbst die Recherche des Kriminalbeamten, der dem Proponenten dicht auf den Fersen zu sein scheint, ist pures "Simulieren". Man bedient sich gegenseitig die vorstellungen, Verdächtiger wie Kriminalinspektor. 

Und niemand scheint diese eigene Unwirklichkeit zu bemerken, niemanden scheint diese Wirklichkeitslosigkeit auch nur ansatzweise zu berühren. Als wäre niemand da! Alle spielen nur  als gäbe es eine Welt. Eine solche hermetische Welt wird aber zwangsläufig zum magischen und autoreparativen Ort, dem gar nicht mehr zu entkommen ist. Die die ihr wichtigen Teile endgültig verschlungen hat und nicht mehr freigibt. Ja die sich verhält, als hätte sie eigene Schöpfungsmacht von Wirklichem aufgebaut. 

Und spätestens hier drängt sich überzeugend die Stringenz der Philosophie auf, die hinter diesem Stück Kunst steckt. Denn wenn die Welt ist, was wir Menschen denken, dann ist auch das Wirkliche das, was wir denken, und geht von uns, den Göttern dieser Welt, aus. Eine wirkliche Wirklichkeit, die seltsamerweise in den Menschen weiterlebt und sogar nach Anschluß drängt, weil  nur sie jenen Inhalt bieten kann, den jeder im Letzten sucht, ohne den er sogar verrückt wird, ist aber nur möglich, wenn diese Welt selbst von einem Wissen gewußt wird, das NICHT im Menschen liegt. Sodaß menschliches Wissen nur in dieser Einbettung in die Wahrheit dieser Wirklichkeit überhaupt Relevanz hat. Zumindest für die Menschen und ihre innersten Sehnsüchte.

Das fatale an dieser Zweitwirklichkeit ist, daß sie mit nomineller Sprache nicht mehr aufzubrechen ist. Denn sie funktioniert als Analogie, in Ahnlichkeit zur Welt der wirklichen Wirklichkeit. Sie hat aber einen entscheidenden Unterschied: Die Welt der wirklichen Wirklichkeit ist offen, sie ist offen dem Sein selbst gegenüber - Gott. Und diese Türen sind Türen der Haltung, der innersten Entscheidung, der Sprache der Sprache, die nur geört werden kann. Der im Sprechen nur gehorcht werden kann. Denn der Mensch der Offenheit und des dienmütigen Gehorsams spricht die Sprache der Engel, ihre Sprache ist seine Sprache, und sie ist es, die ihn hält. Er weiß, daß er sich nicht selbst retten und im Sein halten kann. Er weiß sich abhängig vom Sein selbst.

Der Teufel aber ist der Affe Gottes. Von ihm inspiriert, ist diese Welt der des göttlichen Wortes ähnlich, aber ihr fehlt die entscheidende Dimension. Das macht sie dem bloß nominalen Verstand so schwer erkennbar, ohne daß die Welt Gottes nicht in die des Verstandes greift wie ein Zahnrand ins andere, als ein Aspekt desselben Ganzen, der göttlichen Sophia, der göttlichen Weisheit, und aus göttlichem Verstand, an dem des Menschen Verstand teilhat, den er widerspiegelt in der Haltung, konstituiert ist. Deshalb ist diese im Film dargestellte, die heutige Welt umspannende Welt des Sprechens tatsächlich eine Hölle. Aber der Bewohner der Hölle weigert sich, das zu erkennen, ins Licht zu blicken. Denn er meidet, was vor dem unerreichten Licht erst entsteht: den abgrundtiefen Schmerz. Im Licht, im Wissen Gottes aber würde er sich im Verstand sehen. Also wendet er den Blick vom Licht ab, und kann ihm doch nicht entfliehen, weil er isset (ist als tätig seiend) aus Gott. Hölle ist, wo keine Vernunft mehr ist. Aber wo viele viele Nomina, Worte sind.

Nichts Wirkliches dringt mehr an die eine solche Zweitwelt konstituierenden wie von ihr konstituierten Menschen heran, die die Universitäten mit endlosem Nachschub derselben Unwirklichkeit beschicken, die also auch in dieser Sphäre existieren. Sie ist existentiell in der ontologischen Ebene - in der Todesangst, der Angst vor dem Höllenschlund des Nichterfüllten abgesichert. Deshalb wirft sie sich zu einem Sein wie Gott auf. Nichts mehr kann diese Scheinwelt, die die Macht hat, die alles beherrscht und bestimmt und um die es allen geht, denen die dazugehören und denen die von ihr etwas wollen und dabei aber Schmerzen riskieren, erschüttern, und nichts geht mehr hinaus. Die schöne, gelackte Welt, die sich sogar ihre Landschaften der Probleme und Katastrophen erfindet um wirklich zu erscheinen, ist eine in sich geschlossene Hölle ohne wirkliche Wirklichkeit und damit ohne Liebe. Sie ist ein Moloch, der alle verschlingt, die in seine Nähe kommen.  

Und DAS ist eine Präzision der Darstellung der Gegenwart, die eine Kritik des gesamten 20. und 21. Jhds., eine Kritik der gesamten globalisierten, per Netz und Medien verhängten hermetisch gewordenen Welt wird, die einen regelrecht umhautl, weil sie so tief und umfassend wahr ist.




Auf Youtube gibt es derzeit erstaunlicherweise sogar den ganzen Film zu sehen.





P. S.: Keine Angst: Wurde das Buch in den USA schon deshalb so heftig diskutiert, weil es ausführliche Schilderungen von Gewaltszenen enthält, sind solche Geschehnisse im Film lediglich angedeutet und eigentlich nie direkt zu sehen.





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Freitag, 20. Mai 2016

Ausweglosigkeiten - Filmempfehlung (2)


Teil 2) Eine Welt, aus der es kein Entrinnen mehr gibt, 
weil es außen keine Wirklichkeit mehr gibt, die stark genug ist,
ihre Wände einzudrücken, Türen zu schlagen




"American Psycho" zeigt eine Welt, in der nichts mehr relevant ist, nichts mehr zählt, die wie ein technisches Handbuch funktioniert. Eine Welt am Ende eines ausgereizten, gewissermaßen vollendeten Rationalismus. Die eine eigene, abgeschlossene Scheinwelt für sich ist, die zwar die Nomenklatur des Wirklichen benutzt, sich aus diesem Herwinwehen des Vergangenen gar wie das Vergangene Leben nennt, aber nur noch ein dichter Vorhang einer Plauderkulisse ist, in dem sich vor allem Geld jene Betriebsmittel schafft, die das Leben im Ballon so erträglich machen. Alles. wirklich ist simulierbar! Alles ist nachzubauen! Und alles Störende ist fernzuhalten!

Nichts hat aber da noch Bedeutung. Selbst Bedeutung wird simuliert. Alles bewegt sich nur noch in den Ebenen einer Plapperwelt, die ihre äquivoken Werte (eigentlich also Namen von Werten) mitliefert. Niemand erlebt sich mehr wirklich und als wirklich, Persönlichkeit sind willkürliche Konstrukte. Werte gibt es nur in diesem Rahmen. Als Markenprodukte eines Liefestyle. Einer Individualität bleibt nur die Gestaltung von Visitenkarten, Variationen und Wettläufe um Statussymbole, marginale Leistungsfelder erhalten so existentielle Bedeutung und Kleinigkeiten werden Objekte von tödlicher Konkurrenz. Selbst der Beruf wird zum "Besitz eines Büros", angefüllt mit Klischees eines Berufs: Dichte Terminkalender, hektische Telephonate, chique Sekretärinnen.

Was diese Menschen tun ist so unwichtig, daß es im Film nicht einmal vorkommt, es reicht das Klischee, für sie wie für die wirkliche Welt draußen: Irgendetwas an der Börse tun sie, man nennt es Broker, es muß nur wichtig klingen. Bildung ist sinnfreies Lexikonwissen, das sich im Herunterbeten völlig unwichtiger Namen, Jahreszahlen, Albentitel von CDs oder taxativ aufzählbare Karrieredetails irgendwelcher Popstars oder im Erkennen der Marke des Anzugs beweist. Selbst Harvard-Vorzugsabsolventen sind dieser Welt nur Nachschub. Man weiß viel, genug um Stunden und Partys zu füllen, aber ... wovon eigentlich? Was arbeiten diese Menschen eigentlich? Es ist alles unwichtig, man erfährt es nicht einmal.

"Ich bin ganz einfach nicht da." Diesen Menschen ist die Wirklichkeit gar nicht mehr erreichbar, nichts reicht mehr aus, um die Wirklichkeit der Welt zu erreichen. Alles ist hermetisch in sich geschlossen, solange man in dieser Welt mitmachen kann, einen Job hat, was darußen steht steht darunter und ist schon damit wertlos und nur als Zulieferant und Nutzen von Bedeutung. Die Wirklichkeit bleibt aber jenen, die aus diesem Lifestyle-Disneyland, zu dem das Leben verkommen ist, herausfallen, oder es gar nicht erreichen. Schlimm dran ist, wer noch Substanz genug hat und diese investiert, oder dieser leeren Welt irrtümlich und aus Gewohnheit Substanz zuspricht. Die aber nur als überraschendes Herabfallen aus dem Irgendwo, als Krume vom Tisch des Himmels quasi vorstellbar wird, weil gar kein realer Weg je dorthin führt.

Selbst Sexualität ist damit nur das Vollziehen pornographischer Stereotype. Der Versuch sie in einem letzten Rest von "wirklicher Konvention" als Liebesakt zu vollziehen bleibt grotesk kümmerlich vor dem Hintergrund der gestylten Pornowelten. Ehe (oder gar wirkliche Liebe, wirkliches Begehren) ist ein Einbruch von Wirklichkeit, mit dem man nichts anfangen kann. Und interessanterweise weil wohl wahrhaftig sind Frauen wirklichkeitsverhafteter als Männer, ja Frauen sind - fast könnte man das sagen - Wirklichkeit, die den Männern gegenübersteht. Nur weil sie etwas Wirkliches wollen (und sei es Geld) lassen sie sich in deren Welten hineinziehen. American Psycho thematisiert damit sogar die unlösbare Frage um die Grenze zwischen Hure und Ehefrau, die so einfach nicht zu beantworten ist und keinesfalls Ironie oder Zynismus verdient. Zu viel hat sie mit dem Wesen der Frau und Ehe zu tun. Auch definierte Nutten wie überhaupt Frauen können sich nie von der Ehe freimachen.

Werden Frauen aber zu real, pochen sie auf Wirklichkeit (und sie tun es, immer wieder), wird das Pseudo-Ich zerrüttet. Es löst sich auf, und in diesen Momenten zerstiebt sogar Mordabsicht. Es geht in dieser genuin männlichen Welt (die es bleibt, selbst wenn Frauen darin mitschwimmen) um Katalogwelten, -objekte und -kriterien in der Bewertung von Menschen, um Flachbauch und hard body und Leistungen im Bett. Die Welt als Netz einer hermetichen Logik ist ein unwirklicher Versandhauskatalog geworden. Wirkliche Menschen sind darin nicht vorgesehen.

Selbst nach dutzenden Morden, selbst nach einem öffentlichen Amoklauf - der Proponent schafft es nicht, die Welt zu einer Wirklichkeit in der Reaktion zu provozieren. Was er zwar immer dringender erhofft, die er eigentlich mit seinen Taten immer verzweifelter sucht, denn diese Welt ist unersättlich, will mehr, will alles. Aber die wirkliche Welt zieht sich stets zurück, unsicher geworden, als glaubt die Wirklichkeit selbst nicht mehr an sich. Ja schließlich erlebt man deren Verrätselung. Als würde die Wirklichkeit selbst unwirklich, zum Gestellt des Unwirklichen. Denn sie wird es durch Zeugen, Zeugen aus dieser unwirklichen Welt - der Proponent war bezeugt an einem Ort, wo er gar nicht war, und der in dieser Zeit von ihm Erschlagene hielt sich bezeugt an jenem Ort auf, wohin der Mörder ihn fiktiv verschwinden ließ, um seine Spuren zu verwischen.



Morgen Teil 3) Warum sich an diesem Film die profundeste, zutreffendste und tiefste Kritik der Gegenwart aufbauen läßt, die der VdZ je aus fremder Feder gesehen hat. Aber leider wurde American Psycho in dieser Tiefe nicht verstanden. Denn dann hätte man auch des VdZ Roman "Helena" verstanden. Was wohl die Begeisterung erklärt, mit der er an den Film anknüpft.
+ Der ganze Film. Hier. Morgen.

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Donnerstag, 19. Mai 2016

Ausweglosigkeiten - Filmempfehlung (1)

"American Psycho"

Der Film wird meist als Parabel über die Konsumwelt gedeutet, und meist heißt es, er würde diese kritisieren. Da ist ein Mann, Mitte zwanzig, Teil einer offenbar erfolgreichen, geldschweren Geschäftswelt, der sich nach und nach für Gott zu halten scheint. Und mehr und mehr erkennt, daß er die Macht und die Mittel, ja den Auftrag hat, sich diese Welt so zu gestalten, daß er darin Sieger bleibt. So beginnt er zu morden, und ein Mord reiht sich an den anderen. schon scheint ihm ein Kriminalinspektor auf der Spur zu sein, da löst sich alles auf völlig überraschende Weise auf. Er wird als unschuldig bezeichnet, obwohl er das garnicht ist. Und mit einem mal erkennt er, daß er aber doch genau das möchte, genau das verlangte! Aber es gelingt ihm nicht mehr, schuldig zu werden und als solcher erkannt zu werden. Identität wenigstens als Mörder zu erreichen - selbst das ist ihm in dieser vollkommenen Konsum- und Geldwelt verwehrt.

Aha. Ein Film über die pöhse Konsumwelt? Nein. Denn das mißversteht ihn, auch das Buch. Vielmehr läßt sich daraus eine Gegenwartskritik gewinnen, die derartig umfassend zutreffend ist, daß sie einen umhauen könnte, würde man sie erkennen können. Selbst der Film lotet das Thema wesentlich tiefer aus als jene meinen, die zufrieden "Kritik an der Konsumwelt" nicken und sich im übrigen an einem recht spannenden Krimi mit überraschenden Wendungen freuen, denn den Film könnte man auch irgendwie so ansehen. 

Aber etwas anderes macht ihn so hoch aktuell. Etwas anderes macht eine wirkliche Auseinandersetzung mit ihm so lohnend. Versuchen wir es an den Haaren zu fassen und auf die Beine zu stellen.

Diese Tiefe der Darstellung - und es ist irrelevant, ob die Filmmacher, ja ob der Buchautor Bret Easton Ellis diese Tiefe artikulieren konnten; es ist nicht einmal relevant, ob sie sie beabsichtigten; die Leistung der Kunst ist wahrhaftige Darstellung, nicht primär philosophische Analyse, und die Darstellung ist eine Frage des Gehorsams den Figuren und Dingen gegenüber, die man schreibend oder filmerisch darstellt; die Dinge sind es, die tun, die handeln, das DAHINTER, das Wirkliche Wirkliche, ist unsichtbar enthalten, und es das was handelt, dem der Künstler auf eine Weise nur noch folgt; wenn die Dinge wahrhaftig gewollt, die Künstler also gehorsam sind - läßt seine Parabel nämlich keineswegs zur "Kritik der pöhsen Konsumgesellschaft" werden, die selbst zu dieser Konsumwelt dazugehört, so wenig gerne viele das hören werden wollen. Pseudotiefe einer Pseudowelt, zu der natürlich auch das Sündenbockverhalten gehört, die "Kritik", denn wir wissen ja eh alle, wie schlimm es um uns steht. Aber wenn wir es kritisieren, gehören wir doch ncith dazu? American Psycho sagt: Jawohl, wir alle gehören sehr wohl dazu!

Vielmehr gilt also: Hier findet sich die Darstellung der gesamten, buchstäblich: der gesamten heutigen globalisierten Welt, auch in der Politik, die in ihrer Gesamtheit und Hermetik einer Horrorveranstaltung gleicht, weil sie in komplexer Dynamik und Wechselwirkung in einer Zweitwirklichkeit gefangen ist, aus der es vorerst und aus ihr heraus kein Entkommen mehr gibt. American Psycho knüpft damit an eine Philosophie-, Theologie- und Kunstströmung an, die man als die wohl prägendsten, innovativsten des gesamten 20. Jhds. bezeichnen muß. Von der Idealismuskritik eines Y Gasset angefangen, über die Theologie eines Ferdinand Ebner, bis zur Literatur ienes Heimito von Doderer. Sie alle hatten dieselben Sorgen. American Psycho zeigt, daß sie berechtigt waren. Und deshalb ist American Psycho tatsächlich Horror. Aber anders, als man meint. Denn die Kritisierten - wir alle! - sind in Wirklichkeit und von der Wirklichkeit aus ... Figuren eines Horrorstücks.

Die Inhalte, um die es hier geht, an deren Darstellund sich zeigt, was sichtbar wird, sind nämlich austauschbar, das Schema der Grundaussage also viel weiter anwendbar. Sämtliche heutige politische oder gesellschaftspolitische Themen sind längst solche geschlossene Welten von Scheinwerten (political correctness), unwirklichen Dress- und Verhaltenscodes und Scheindisputen. Lassen wir uns nur nicht täuschen, weil es im Film um Armani oder weiß der Deibel welche Marken geht. Das ist unwichtig. Sie sind Platzhalter, Anködern von Publikum. Wer diesen Welten einmal angehört, ist von ihnen abhängig, wer ausbrechen möchte wird von ihnen wieder zurückgesogen. Sie bedingen sich gegenseitig. Aber zahllose andere Spieler könnten das genauso gut darstellen. Nur würden wir es dann vermutlich ablehnen. Im Klischee des Films fühlen wir uns denn doch wohler. Denn das kann man so schön von sich fernhalten. So sehr, daß uns verborgen bleibt, was und hier gesagt wird.

Armani und LeGrandIrgendwas sind da nur Fächelchen in einem ungeheuren Ladenkasten VOLLER Fächer. Um diesen Ladenkasten aber geht es. Nicht um Fach Armani oder Fach Klimawandel oder Fach Ökologie oder Fach Neocons oder oder oder. Diese Welt ist zum losgerissenen Ballon geworden, der nicht einmal mehr sieht, daß er hunderte Meter über dem Erdball schwebt, der seine Bahn zieht, die aber die wirkliche Bahn der wirklichen Wirklichkeit ist, an der wir gar nicht mehr teilnehmen, von der wir aber letztendlich abhängen, und zwar vollständig udn entscheidend. Denn es geht gar nur um diese Erde, unter uns, die wir aber gar nicht mehr sehen. Aber wer von den Passagieren des Ballons würde das glauben?



Morgen Teil 2) Eine Welt, aus der es kein Entrinnen mehr gibt, weil es außen keine Wirklichkeit mehr gibt, die stark genug ist, ihre Fenster und Türen einzudrücken





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Sonntag, 21. April 2013

Weltbegründender Subjektivismus

Aus 2010) Metaphysiklos gemacht, ist das Problem eines ernstzunehmenden Konstruktivismus (der sich von plumpem Biologismus - der ja selbst wiederum die Philosophie als Deutung benötigt oder benötigen würde - als Grundlage der Philosophie selbst losgesagt hat, sodaß er bloße Weltanschauung wird) eigentlich nur, daß er einem Mißverständnis erliegt, wie man auch manchen erkenntnistheoretischen Subjektivismus mißdeuten könnte: wenn man nämlich den Satz, daß es "kein Objekt ohne Subjekt" gibt, ontologisch versteht, also das Sein des Erkenntnisobjekts an sich mitbegründend, im Sinne des "daß es dadurch überhaupt erst Sein hat." Es IST, auch wenn ohne erkennendes Subjekt nichts mehr aussagbar wäre. Ja nicht einmal die Kausalität wäre (denkerisch notwendig) dem Sein der Dinge an sich zuzuschreiben. (Eine Frage, die übrigens die Quantenphysik längst stellt). Denn wir haben es (in der Erkenntnis) immer nur mit "Erscheinungen" zu tun, nicht mit den den Dingen an sich.

Er bleibt ein in vielem sogar sehr genaues Beschreiben faktischer Psychologie des Erkennens, bleibt die eine Seite der Medaille, und insofern ist auch mancher Rückgriff auf naturwissenschaftliche Daten unverzichtbar, als notwendige Empirie einer Verifizierung/Falsifizierung von These.

Diese Ontologie, diese Begründung des Seins an sich, trennt Schopenhauer, als Beispiel, klar ab, sie kann nicht in der Anschauung liegen, es braucht einen weiteren Faktor - und Schopenhauer nennt ihn: Wille.

Und er verkündet damit (ohne es zu wollen) zumindest äquivok (gleichlautend) eine Kosmologie, die der Katholizismus geprägt hat: der sagt, daß Wille und Liebe, in eins fallend, Gott seiend wie diesen auszeichnend, Grund wie Ursache aller Schöpfung ist.

Welche Begründung einerseits den Subjektivismus neu bewertet und wesentlich macht, und anderseits der Psychologie (als Instrument der Reinigung der Motivation) ganz neue Bedeutung beimißt.





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Donnerstag, 14. April 2011

Weltillumination und Weltursprung

Ein ausgezeichnetes Filmchen, ich war überrascht: denn es behandelt (mit Selbstbezug, natürlich) eine philosophische Grundfrage des 20. Jhds., die bis heute dramatisch nachwirkt. Was, wenn es keine Welt an sich gäbe, sondern die Welt selbst nur von uns - substantiell - konstruiert und damit nur im Maße unserer Einbildung existent wäre? Gibt es eine objektive Welt an sich, oder ist alles nur ein "für mich"? Bestünde ein Unterschied? Selbst der Bezug zur Wirtschaftskrise der letzten Jahre paßt exakt in diese Fragestellung.


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Dienstag, 12. Oktober 2010

Nur ein kleiner Gedanke

Es scheint so ein unspektakulärer, stiller Bedanke, wenn Spaemann aufweist, wie im Cogito von Cogito ergo sum des Descartes eine Annahme eines Gottes implizit enthalten ist. (Und: daß Descartes das wußte.)

Denn das Cogito, das sich selbst als Horizont setzen möchte, um zum ergo sum zu kommen, verliert seine Basis, auf der es sich als Denkendes (bzw. Gedachtes) erkennen könnte. Es braucht also seinen apriorischen Bezug eines Dritten, Außenstehenden - eines Gottes. Sonst kann es sich nicht als Seiendes verstehen: das zu konstatieren, setzt einen Standpunkt außerhalb des Seienden, des Raumes voraus. Das Descartes'sche Cogito "springt" also implizit, um sein "Ego" in ein Seiendes verwandeln zu können. Es ließe sich sonst das Denken nicht als "res cogitans" (als "denkbare Sache") denken.

Schelling schreibt es einmal so: "Ich bin. Mein Ich enthält sein Sein, das allem Denken und Vorstellen vorausgeht." Dieses "Ich bin", führt Spaemann aus, kann nicht als Resultat eines Prozesses der Reflexion des endlichen Bewußtseins versanden werden, denn dieser Prozeß ist unendlich. Erst durch die Antizipation des Anderen und seines Blicks wird er zum Stehen gebracht. Wenn der Andere ich nicht selbst täuschen will, muß er denken, daß ich denke. In diesem cogito me cogitare (das ich denke, das mich zum Ich denkt) weiß sich das Cogito als sum.

So ein kleiner, unscheinbarer Gedanke, dessen Anwesenheit sich seit Jahrhunderten findet, aber kaum beachtet wurde und wird. Dabei war er selbst und gerade Descartes bewußt (und läßt nur so ein sonst kaum verständliches theistisches Konzept verstehen, denn: warum hätte er sonst an einem Gott festhalten sollen?)

Aber er hebt den gesamten Konstruktivismus der Gegenwart aus den Angeln. Der die Welt ontologisch als nur im Menschen be- wie entstehend begreifen möchte.


*121010*

Donnerstag, 23. September 2010

Die sich selbst nicht beim Wort nahmen

"Wer übrigens von all den Idealisten (für die also die Welt nur in ihren Gedanken, nicht als Realität bestand; Anm.) hat denn je im Umgang mit Dingen und Menschen ernstlich an seinen Idealismus geglaubt? Wer unter den Idealisten redet und handelt und kämpft oder arbeitet mit einzelnen Menschen und mit Gemeinschaften jeglicher Stufe als mit bloßen Schöpfungen seiner oder doch irgendeiner Vernunft, die all diese Menschen samt ihren Gedanken, Reden und Taten als bloß Gedachtes hervorbringt?"


Daniel Feuling, in "Hauptfragen der Metaphysik"



*230910*