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Freitag, 25. Juni 2021

Im Alter immer wirrer

Es ist seltsam einem Josef Hader in der Zeitung zu begegnen der verkündet, das allgemeine Klima würde immer irrer und bewege sich von der Vernunft weg. Wenn man gleichzeitig feststellt, daß der Kabarettist (den der VdZ vom frühesten Beginn seiner Karriere an kennt) in den letzten zehn Jahren immer (dürfen wir es so sagen?) dümmer, seichter und irrer, auf keinen Fall aber reifer in den von ihm kolportierten Ansichten wird. 

QR Interview Hader
Das einzige, was dabei objektiv stimmt ist, daß sich öffentlicher und eigener Standort immer weiter entfernen, wie immer man sich da auch festmachen möchte. Aber vermutlich wird Hader die Sichtweisen, die sich hier im Blog zeigen, als unvernünftig klassifizieren, während wir ihm in seinem dasselbe Etikett anhängen. Wer liegt nun richtig? Beide sagen immerhin dasselbe: Vernunft und öffentliches Klima entfernen sich immer weiter voneinander.

Montag, 2. November 2020

Das Nehmen verweigert

Wir leben in einer Zeit, die die Filterung sämtlicher Aussendungen des Mundes filtert und reinigt. Also das zumindest anstrebt und für nötig hält. Wo jede Berührung mit dem Nächsten zur Gefahr wird. Wo überhaupt jede Begegnung mit einem "anderen" zur Gefahr wird, weil das Gegebene nicht angenommen wird. Die also Interpreten wie Michel Foucault zu Kündern der wahren Realität hochhebt. Wen soll da noch irgendetwas wundern?

Nicht Corona war die Gefahr, war jemals eine Gefahr. Sondern Corona war wie die Emanation eines Geistes, war ein Spuk, in dem sich verwirklicht hat, was Grundzug der Gegenwart ist. Die im dialektischen Prinzip eine Wirklichkeit schafft, die der Grammatik der Seelen entspricht.

Eine Zeit, die das Nehmen verweigert. Denn im Nehmen wird der Geber als hierarchisch übergeordnet anerkannt. Im Nehmen wird aber die Prägung der eigenen Existenz durch ein Begegnendes akzeptiert. Und damit ist Nehmen eine Auslieferung, die dem Sterben genauso entspricht wie sich im Geben vollzieht, in dem jemand seine Existenz dem Transzendenten übergibt, also die Situation, die Gegenwart Gottes Realität und Gnade öffnet.


*311020*

Samstag, 7. September 2019

Wo der Genderismus begann (3)

Teil 3)



Den Abschluß ihres Vortrags bildet eine Stellungnahme zum Feminismus. Sie sei eine Vertreterin des Gleichheits-Feminismus, das heißt, sie glaube an die Notwendigkeit, daß Mann und Frau im beruflichen wie politischen Bereich gleiche Möglichkeiten haben müssen. Daß deshalb systemische Barrieren beseitigt werden müssen, wo immer sie bestehen. Dennoch ist sie strikt dagegen, daß man spezielle "Schutzmechanismen" für Frauen aufbaut! Sie sind immer paternalistisch, patronhaft, verkindlichen die Frauen. Stattdessen müssen Arbeitsplätze als gender-neutrale Zone betrachtet werden, wo Frauen aber aus eigener Kraft, durch eigene Kommunikation, durch eigenes Handeln ihren Platz behaupten müssen. Sie sollen selbst festlegen, was sie zwischenmenschlich tolerieren und was nicht. 

Es gibt für Paglia keinen Grund, warum eine hoch ausgebildete Mittelklasse-Frau behauptet, sie hätte zu wenig "Macht", um etwas zurückzusagen, ihre Meinung zu äußern, oder sich zu beschweren, wenn es angebracht scheint. Das ist Unsinn! Hier benutzen Frauen bestenfalls die feministische Argumentation, um einen Vorteil daraus zu ziehen, aber sie ruinieren ihre Würde und Selbstachtung. Das mag in der Unterschichte noch angehen, wo Frauen oft schon rein von der Bildung her nicht in der Lage sind, sich zu wehren, und Angst haben, ihre Kinder nicht mehr durchzubringen, wenn sie gekündigt werden. Aber nicht bei gut ausgebildeten Frauen der Mittelschichte. Noch schlimmer wird es, wenn die Frauen übergeordnete Stellen einrichten, die dann "Gerechtigkeit" überwachen sollen. 

Als Alt-68erin war es Paglia immer ein Horror, wenn jemand persönliches Leben und Verhalten überwachen wollte! Und jetzt will die Linke und der Feminismus diese ständige Ausweitung der Bürokratie programmatisch? Die Geschichte zeigt, daß genau eine ständig wachsende Bürokratie den Niedergang einer Kultur besiegelte, der dadurch jedes Lebenslicht erlosch. Denn Bürokratie wächst aus eigener Gesetzlichkeit. 

Deshalb bräuchte jede Bürokratie einen inneren Mechanismus, der permanent ihre Größe und ihre Macht zurückstutzt. Das gilt auch für Universitäten. Deren Verwaltung nicht den geringsten Auftrag hat, das soziale und persönliche Leben am Campus zu überwachen und zu regulieren. Dieser universitäre Paternalismus, diese Haltung des ständigen "Händchenhaltens" ist sogar ein Betrug an der sexuellen Revolution der 1960er, die Freiheit und Selbstbestimmung wollte. Man wollte doch nicht diese "Kindermädchen-", diese Ersatzeltern-Figuren an allen Ecken und Enden!

Interessant noch eine Geschichte, die sie im Anschluß zum Vortrag auf eine Frage hin erzählt: Sie hat sich Anfang der 1970er mit Feministinnen geprügelt. Denn sie hat "Under my thumb" von den Rolling Stones verteidigt. Der Text mag sexistisch sein, aber nur in der provokanten Schlagzeile. Denn wenn man ihn genau ansieht, stimmt das gar nicht. Aber das Lied ist Kunst, ein großartiger Song. Daraufhin war sie von einer feministischen Funktionärin bespuckt und beschimpft worden: Ein Lied, das sexistisch ist, könne niemals Kunst sein! Das, so Paglia, sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen, denn es ist blanker Stalinismus.* Und damit habe sie auch als Feministin nie etwas zu tun haben wollen. Kunst darf sich niemals solche moralischen, politischen Gesten und Ideologismen leisten!

Noch ein letztes von ihr sei herausgegriffen, es beschließt diesen Bericht, und es sagt viel aus: Sie würde sich wünschen, sagt Camille Paglia, wenn sie einmal eine Feministin anträfe, die aus einer guten, bürgerlichen Familie mit Bildungshintergrund käme. So gut wie alle feministischen Leitfiguren kommen stattdessen aus katastrophalen, zerrütteten familiären Verhältnissen.

Sie würde sich vor allem wünschen, wenn der Feminismus endlich aus der "Anti-Männer"-Ecke käme. Sie würde sich also nicht nur endlich starke, gesunde Feministinnen wünschen, sondern auch solche, die die Freiheit haben, Männer die es verdienen, offen zu bewundern. Die Männer sahen, wie sie sie kannte: Die in den Krieg zogen und für ihr Vaterland kämpften, die im Wald Holz schlugen und Feuer machten, die Frauen respektierten und im Hinterhof Körbe flochten, die wie ihr Vater und ihr Großvater arbeiteten, arbeiteten, arbeiteten, sich für ihre Familien aufopferten und allen alles gaben, was sie geben konnten. Man sollte also nicht ständig, wie heute, auf Bilder von irgendwelchen bösartigen Lumpen starren. Die gibt es überall. Auch unter Frauen.






*Naja, so ganz stimmt das alles nicht. Denn ihre Opponentin hatte auf eine Weise gar nicht so Unrecht: Kunst muß gut, wahr und schön sein. Schön ist aber nicht einfach subjektiver Ästhetizismus, sondern der Glanz des Wahren, das auch ein Gutes ist. Deshalb sind Inhalte von der Formgestaltung nicht einfach zu trennen. Man kann nicht sagen "Was erzählt wird ist scheiße, aber es ist sehr gut formuliert, also ist es Kunst." Wobei nicht selten Kunstkritik - vor allem wenn sie aus kleinbürgerlichem Atem kommt - nicht zwischen dem Weg, einen Inhalt zu zeigen und dem Mittel unterscheiden kann. Das berührt die Frage, ob es in der Kunst möglich ist, "Niedriges, Schlechtes" ALS "Niedriges, Schlechtes" zu zeigen. Das geht, es hängt nur vom Gesamtrahmen ab. Im Roman etwa ist das Gezeigte, also das Gute, Wahre, Schöne letztlich sogar erst das Fazit, also der Schluß!

In dem Fall hat also Paglia auch wieder recht, weil sie ausführt, daß der Text durch den Strophenbau zeigt, daß er mit der Unterdrückung ("Under my thumb") spielt, dabei aber die Ohnmächtigkeit des Mannes darstellt. Der Titel ist nur Provokation.




Freitag, 6. September 2019

Wo der Genderismus begann (2)

Teil 2)



Warhols Pop-Art hat - und das war seine historische Bedeutung - die Avantgarde beendet, ja ermordet, die über hundertfünfzig Jahre einen oft heroischen Weg der Suche nach neuen Wegen gegangen war. Mit Warhols Pop-Art (auch Lichtenstein ist zu nennen) hob sich die traditionelle Kluft zwischen der hohen Kunst und der Alltagskultur auf. So, wie es Bowie in seinem Bereich ebenfalls gemacht hat. Warhol hatte zur Folge, daß die Avantgarde es ihm gleich machte, und Vorhandenes verfremdete und zerstörte. Aber das war nicht mehr Avantgarde! Denn diese muß immer einen (hohen) Preis kosten, muß Frucht einer schöpferischen, durchlittenen Qual am Gewesenen sein, nur so hat sie inneren Wert. So aber wurde alles nur noch Spiel mit den Galerien, den Moden und Kunstmärkten. 

Darin sind auch die Eliten in einen abscheulichen Provinzialismus gestürzt. Alles begann in political correctness und Klischees zu ersticken. Wirklich Neues gibt es seither in der Kunst nicht mehr. Die Kreativität ist aber in andere Bereiche abgewandert, in Animationsfilme, in die Entwicklung von Computer-Spielen und ins Industrie-Design. Dort hat sie auch bei ihren Studenten noch Konzept und formale Gestaltung gesehen, die aus der traditionellen bildenden Kunst aber geflohen ist.

Interessant sind ihre Ansichten über die Rolle der Freien Rede, auch und gerade in einer Demokratie. Sie meint, daß es ohne freie Rede Demokratie gar nicht geben kann, und die Tatsache, daß sie aus den Universitäten verschwunden ist, ist ein regelrechter Skandal. (Aber wie soll es sie geben, wenn die "neue Moral" alles zensiert wissen will?) Der die Korrumpiertheit der Verwalter-Klasse beweist, die die Universitäten dazu benutzen, ihren Interessen zu dienen. Die Fakultäten haben jede Macht verloren, ihre Programme selbst zu gestalten, sondern werden von überbezahlten, allmächtigen Verwaltungsbossen gesteuert. Sie sind die eigentlichen Antriebe hinter der Versumpfung der Universitäten in political correctness. 

Aber auch unter den Professoren ist eine schreckliche Entwicklung festzustellen. Sie begreifen oft nicht mehr, daß die Klasse, vor der sie stehen, nicht ihr Versuchslaboratorium für ihre persönlichen Ideologievorlieben sind. Sie unterscheiden nicht mehr zwischen ihrer Meinung (die man natürlich auch äußern kann oder soll, keine Frage, aber als solche erkennbar!), und dem eigentlichen Stoff, den sie vortragen sollen. Dem gegenüber jeder Student die Freiheit haben muß, jede, wirklich jede Position einzunehmen, die ihm richtig erscheint. Paglia findet es schockierend, daß stattdessen die Lehrenden immer mehr dazu übergegangen sind, den Studenten ihre Sichtweisen aufzuzwingen, ja sie damit zu tyrannisieren. 

Das hat damit zu tun, meint Paglia, daß jede Idee, jeder Maßstab verloren gegangen ist, wie Bildung und wie universitäre Lehre auszusehen habe. Und sie sagt das, obwohl sie selbst sich als Feministin bezeichnet, die seinerzeit auf Yale sogar die einzige war, die den Mut hatte, über Geschlecht zu dissertieren - aber das Übel begann mit den Gender-Studienrichtungen. Die mit einem Fingerschnipsen der Verwaltung über Nacht eingeführt wurden, in welchen Wiedergutmachung für die vormalige Ausgrenzung oder Unterrepräsentanz von Frauen an vielen Fakultäten geleistet werden sollte. Zuerst war alles nur eine Schaufensteraktion, in der man nach außen signalisieren wollte, daß man nun alles besser machte. Also schaufelte man Geld zu einigen Frauen und bedeutete ihnen, sie sollten nun einfach ihren eigenen Weg finden, "Frauenstudien" zu schaffen.

Damit erfand man von heute auf morgen einen Studienzweig, der aber viel konzeptionelle Vorüberlegung gebraucht hätte. Was an Ausbildung sollte angeboten werden, was sollte an Wissen über Anthropologie, Sozialgeschichte oder Biologie vermittelt werden. Gerade Letzteres! Denn heute fragt man sich wie es möglich war, "Gender-Studiengänge" anzubieten, ohne irgendeinen Bezug zu Biologie zu etablieren!? Heute kann man "Gender" studieren, ohne auch nur ein Semester Biologievorlesungen besucht zu haben! Stattdessen erklärt man Biologie für irrelevant für das Thema. Man hat nicht einmal einen verbindlichen Lektüre-Kanon festgelegt, den jeder Studierende kennen muß. 

Die Folgen waren vorhersehbar: Heute sind die Gender-Fakultäten so etwas wie das Politbüro der Universitäten. Und die exzessivsten Ansichten der Gender-Studien sind ins reale Leben übergeschwappt. Das hat - nicht zu Unrecht - dazu geführt, daß sich weltweit (Paglia nennt Ungarn) Widerstand regt und Gender-Studien von den Universitäten verbannt werden sollen, weil sie kein universitäres Fach, sondern Ideologie sind. Das entspricht genau ihren Beobachtungen, meint Paglia: Wenn die Linke Probleme nicht sehen will, sondern unter den Teppich kehrt, tauchen die in den Untergrund ab, und schlagen über die Rechten als Gegenkraft zurück. 

Das gilt auch für die Medien, die dazu neigen, linke Fehler zu verschweigen und Meldungen dazu zu unterdrücken. Die damit sogar rechten Extremismus regelrecht produzieren. Sie bezeichnet sich als Demokrat (Clinton), aber sie war nicht überrascht, daß Donald Trump die Wahlen gewonnen hat. Die Linke hat es ihm nämlich leicht gemacht, weil sie ihre Fehler (man denke an die Verbindungen zu Goldman Sachs) verheimlicht statt angesprochen hat, Dinge gemacht und zugelassen, die ihren vorgeblichen Idealen widersprochen haben - und das ist ihr auf den Kopf gefallen.

Auch die Art der TV-Shows ist da wenig förderlich. Sie leben von einer Inszenierung, in der sie unbedingt Konterparts wollen und aufbauen. Noch vor einigen Jahrzehnten war es möglich, in einer öffentlichen Diskussion jedes Argument zu bringen, das angebracht schien. Heute wird alles sofort in eine Schublade gesteckt, und nur diese muß man dann bedienen. Das ist einer Diskussionskultur, die letztlich doch auf "gute Ideen" oder gar "Konsens" abzielen sollte, absolut tödlich. Heute weiß jeder schon (oder gibt vor zu wissen) was jemand sagt, da hat der noch nicht einmal seinen Mund aufgemacht.

Dabei sind doch die meisten Standpunkte der Menschen viel flexibler als man meint! Die Menschen sind gar nicht so polarisiert und in kindischen Oppositionshaltungen einbetoniert, wie oft behauptet wird. Das richtet sich als Kritik vor allem an die Produktionsassistenten (in den USA "assistant producers"), die mit ihren "dramaturgischen Anweisungen" diese Polaritätsunkultur eingeführt haben und heute daran festhalten, weil es angeblich Quote bringt. Sie selbst geht deshalb in keine Talk-Show mehr. Und der VdZ, der vor etlichen Jahren die gleichen Erfahrungen gemacht hat, handhabt es genauso. Man kriegt dort eine Position übergestülpt, und ist nur als solcher dann interessant und wird (bis hin zu Kameraeinstellungen oder gesteuerten Publikumsreaktionen) nur als solcher dann präsentiert. 

Diese Erfahrungen haben Camille Paglia zur Ansicht geführt - sie ist auch Professor für Medienstudien - daß der Journalismus in den USA heute tot und ein stinkender Leichnam ist.

Morgen Teil 3)





Donnerstag, 5. September 2019

Wo der Genderismus begann (1)

Michel Foucault, der als Ikone des Postmodernismus angesehen wird, und von dem die fatale Idee stammt, daß alles menschliche Zueinander ein Kampf um Macht und Vorherrschaft ist, ist eine der Lieblingszielscheiben von Camille Paglia. Eine Frau, die ziemlich gescheit ist, und im persönlichen Eindruck gerade auch in diesem Vortrag wirkt, als schreie sie innerlich nach Gott, verbiete sich aber als ausgewiesene Atheistin diesen Gedanken. In diesem Zusammenhang ist die These von Paul C. Vitz noch interessanter, der sich damit befaßt hat, "woran Atheisten glauben". Und eines seiner wichtigsten Bücher "Faith of the Fatherless" (Glaube der Vaterlosen), ein Schlüsel zum Verständnis des Atheismus, nannte.

Foucault, so Paglia, ist ein glatter Dieb. Nicht einer seiner Gedanken ist originär, er hat alles zusammengestohlen. Keine seiner Thesen stammt von ihm, sondern wurde schon lange vor ihm aufgestellt, meint Paglia. Foucault hat das alles nur zusammengestellt. Und damit Furore gemacht. Er war offenbar einfach zur richtigen Zeit da, das war alles, und hat das in seinem (für einen Homosexuellen und Narzißten nicht untypischen) luciden Sinn für Nachfrage und Beliebtheitsmomente extrem gut vermarktet.

Mein Gott, ist die Frau klug. Der Vortrag sei wärmstens empfohlen, er ist eine Fundgrube von klugen und inspirierenden Bemerkungen, die sie als einen Überblick über eines ihrer aktuellen Bücher präsentiert. In dem sie sich mit der Pop-Kultur befaßt. 

So sagt sie, wieder unter Bezug auf Foucault, daß an der Gender-Ideologie der Gegenwart nichts, absolut nichts neu ist. Die eigentliche Kulmination des Genderismus hat bereits David Bowie in den 1970er-Jahren geliefert. Und er hat ihr zu diesem Einfluß verholfen, indem er eine ganze Generation tief beeindruckt und geprägt hat. Damit hat er dem Genderismus den Boden bereitet, ja ihn im Alleingang verbreitet. Indem er mit der neuen Ikonographie der neuen Medienwelt in Film und Musik wie der Schaffung eines öffentlichen Images als dessen Bezugspunkt perfekt umgegangen ist. Diese besondere Art des Geschicks teilt er somit mit Michel Foucault.

Parallel zu Bowie war aber ein anderer Künstler stilbildend, und darin eine weitere Gestaltbresche schlagender Vorreiter des Genderismus. Der Name dürfte vielen unbekannt sein, anders als seine Werke (und die seiner Epigonen) - es ist Tom of Finland. Der mit seinen homoerotischen Werken den "Lederlook", das Element des Sadomasochismus in der Schwulenszene also, zum Teil der Populärkultur machte. Noch bedeutender aber war die Schaffung einer Art Gestalt als Identitätsangebot für die gesamte Homosexuellen-Szene. Und Identität "als" Homosexueller ist deren eigentliches Problem*.

Ein weiteres "Lieblingsthema" (zu dem wir an dieser Stelle vor Jahren bereits einen Vortrag von ihr brachten) ist das Thema "Bildung". Denn sie ist tief entsetzt über das, was sie als Hochschulprofessorin über mittlerweile siebenvierzig Jahre beobachten muß. Das öffentliche Schulwesen ist in ihren Augen ein einziges Desaster. Dabei hat sie es an der Kunstschule, an der sie seit vierunddreißig Jahren unterrichtet, noch gut, weil sie die Studenten in Bewerbungsszenarien aussucht. Dennoch hat sie einen Überblick über das gesellschaftliche Geschehen, denn auch ihre Studentenschaft ist ein Kaleidoskop sämtlicher sozialer und gesellschaftlicher Schichten. 

Dabei geht sie so vor, daß sie ihre Lehrinhalte daran ausrichtet, was sie an den Studenten als Notwendigkeit und Bedarf erkennt, was an Wissen fehlt, was an Fertigkeiten. Und sie ist "horrified", sie ist schockiert festzustellen, daß speziell seit zwanzig Jahren Jahr um Jahr um Jahr das Maß an kultureller Information, das diese Studenten aufzunehmen vermögen und besitzen, zurückgegangen ist. Auch das, was man als Grundsäulen und Marksteine der gesamten westlichen Kultur ansieht ist mehr und mehr unbekannt und verschwunden. 

Sie erzählt eine bezeichnende Geschichte, die ihr vor fünfzehn Jahren passiert ist. Als sie in einer ihrer Klassen das bekannte Spiritual "Go down Moses" diskutieren wollte, so, wie sie es die Jahre zuvor auch gemacht hatte. Lange hatte sie sich in diesem Jahr gewundert, warum die Klasse einen inneren Widerstand zu haben schien, sich mit dem Text zu befassen. Bis sie erkannte: Die meisten Studenten wußten gar nicht, wer Moses war! Die einzigen, die das wußten, waren Afro-Amerikaner mit kirchlichem Hintergrund. 

Der säkuläre Humanismus hat es geschafft, die Grundlagen unserer Kultur ins Vergessen zu schieben. Man kann mit heutigen jungen Menschen nicht mehr über unsere Kultur sprechen, weil sie deren Gerüst gar nicht mehr kennen. Obwohl sie eine so lange Schulzeit durchlaufen haben. Damit fällt, kann man sagen, das gesamte kulturelle Erbe weg und muß ungekannt und unverstanden bleiben. Die gesamte Bibel, dieses großartige, unübertreffliche Kompendium von Weisheit und Heldenerzählungen und Schicksalsgeschichten, ist unbekannt, eine gesamte Dimension unserer Kultur fällt damit weg, mehr noch: Was bleibt von unserer Westlichen Kultur, wenn die Bibel, wenn der Name Moses wegfällt?

Sie kennen die Kardashian-Familie, und auf diesem Niveau bewegt sich die "Bildung". Ihr selbst war es in ihrer Zeit in Yale (1968-72) noch passiert, daß die Professoren sie als frivol und oberflächlich angesehen haben, weil sie sich für die Gegenwartskultur und darin vor allem für Hollywood und dessen Geschichte interessiert hat. Daraus, so war damals der Tenor, konnte man nichts lernen, weil man ohne Kenntnis der Grundlagen unserer Kultur daraus nichts erkennen konnte. Nicht einmal der europäische Kunst-Film der 1950er und 1960er hatte einen anerkannten Status als relevante Kunst. 

Sie hat Populärkultur immer ernst genommen. Und sie hat sich viel damit befaßt, sie zu interpretieren und zu verstehen, und daraus Rückschlüsse auf die Kultur und die Menschen zu ziehen. Sie hat gesehen, daß sich über diese Ebene Beziehungen zwischen Hochkultur und Populärkultur finden lassen. Sie war deshalb immer ein Fan von Andy Warhol, der - wie sie - die (ewige) Schönheit in der Werbung oder im Starkult etwa erkannte, man mußte nur die Oberfläche entfernen, buchstäblich ein anderes Licht darauf werfen. (Deshalb wohl die Verfremdungen vorhandener Photographien der Stars, die Warhol so berühmt gemacht haben, Anm.). Und sie war glücklich damals in New York seine Kurzfilme zu sehen, die mittlerweile völlig von der kulturellen Landkarte verschwunden sind. Man erkennt den Unterschied der Warhol'schen, absurden Verfremdung zu den Trash-Filmen der Gegenwart gar nicht mehr. 

Morgen Teil 2)



*Denn ontologisch gesehen ist Homosexualität keine Identität, sondern genau das Fehlen oder Suchen nach einer solchen.




Mittwoch, 25. Juli 2018

Der Grund war intellektuelles Versagen aus sittlichem Versagen (5)

Teil 5)



Dagegen steht heute eine Generation joggender Mädchen, die ohne Büstenhalter und in knappen Shorts durch den Park laufen, Kopfhörer in ihren Ohren, und nicht verstehen, daß sie der Männerwelt Signale setzen, mit denen sie umzugehen hätten. Stattdessen stehen sie in Widersprüchen - was sie sind, was sie bewirken, wollen sie zwar schon erfahren, aber ohne die Konsequenzen, die daraus erfolgen. Daß z. B. Männer auf sie reagieren, und völlig natürlich reagieren. Denn sie lösen in den Männern völlig automatisch "Jagdinstinkt" aus, und provozieren damit besonders jene Männer, die psychotisch sind. Junge Frauen sind heute völlig ahnungslos und naiv. Umso gigantischer und omnipräsenter werden ideologische Konstrukte über die bösen Männer.

Dazu kommt die Besonderheit des Alkoholkonsums unter jungen Menschen. Denn Alkohol enthemmt. Der Betrunkene weiß um die Konsequenzen seines Handelns, aber sie kümmern ihn weniger. Nun muß man wissen, daß 84 Prozent der 18-jährigen Burschen noch keine oder kaum Erfahrung mit Frauen haben. Sie erleben, daß junge Frauen (und je schöner desto mehr) sie versteinern lassen. Also trinken sie Alkohol, um sich zu enthemmen, um endlich einen Fortschritt zu machen. 50 Prozent aller Vergewaltigungen geschehen unter Alkoholeinfluß, und zwar SOWOHL bei Frauen wie bei Männern. Umso mehr fällt auf, daß unter Jugendlichen Alkohol - Stichwort "Komasaufen", "Alkopops" - eine immense Rolle spielt, als "sexuelle Freiheit" ganz oben auf der Liste steht. Als wollten sie dem Regelwerk entkommen. Und - dann doch nicht, weil sie nachträglich noch entscheiden, ob ihr Handeln "freiwillig" war oder nicht.

Ein neuer Faschismus. So gab es ihn noch nie.

Es ist aber Faschismus der schlimmsten Art, wenn sich der Staat nunmehr dessen annimmt, was Mann und Frau zueinander sagen dürfen und was nicht. Im übrigen beruht es auf einem völligen Mißverständnis von "Entscheidung" und "Vertrag". Und die Linken unterstützen das auch noch! Früher haben junge Menschen GEGEN Gesetze gekämpft - heute wollen sie mehr und mehr davon?! Was sind das für angebliche "Linke"? Noch dazu wo diese Gesetze auf bürokratische Ebene verlagert werden, Institutionen (wie Universitäten) verpflichtend auferlegt werden, und eine neue parallele Ebene einziehen. Mit derselben Regulationsmacht wie Gesetze, aber ohne deren Garantien aufgrund deren Einbettung in geschichtliche Zusammenhänge und ihrem Insgesamt, in dem sie stehen.

Niemand sagt den jungen Mädchen mehr, daß sie selbst für ihr Verhalten Verantwortung übernehmen müssen! Sagt man das aber, wird man als reaktionär verdammt. Das ist das genaue Gegenteil von Feminismus, es ist die Totalentmündigung der Frauen. Und evoziert eine Paranois, in der die schlimmsten Aspekte der Tyrannei exakt ins eigene Leben implementiert werden.

Implementierung von Verantwortungslosigkeit

Es wird so getan, als hätte der eigene Körper nichts mit eines "Worten" zu tun.  Als seinen das zwei verschiedene Wirklichkeiten. Als sei "Vertrag" nur eine Sache der Worte. Das ist naiv, ja pathologisch zu meinen, daß Menschen so interagieren und kommunizieren!

Paglia erzählt von ihrer Beobachtung, daß die jungen Menschen heute vor allem über iPhone etc. kommunizieren. Dabei fällt ihr auf, daß sie die Fähigkeit verlieren, über Körperlichkeit und Gesichtsausdruck zu kommunizieren. Sie werden ihrer selbst gar nicht mehr gewahr, und können vor allem das Gegenüber nicht mehr einschätzen, weil sie seine Körpersprache, seine Mimik nicht mehr einschätzen können. Um so ein umfassenderes, wahreres Bild von Wirklichkeit zu erhalten, mit der sie zu tun haben. Sie verlieren ihre Fähigkeit, die Absichten des anderen zu erkennen. Paglia meint, daß ihr auffalle, daß ihre Studenten von Jahr zu Jahr "flacher" und ausdrucksloser in ihrer Mimik und Körpersprache werden. Oft sitzen die Leute, die über iPhone kommunizieren, sogar im selben Raum.

Man könnte es doch viel einfacher sagen, oder? Unser Verhaltenssystem wird diktatorisch und totalitär, bis ins alltäglichste Detail, weil die jungen Menschen nicht mehr in der Lage sind, jene Sittlichkeit aufzubauen, die sie zu Menschen machen würde. Deshalb muß auch das Verhaltenssystem angepaßt werden. Und zwar muß den Menschen die Menschlichkeit abgeknöpft werden, die sie noch haben, sie sind im Konkurrenzkampf eine "Zumutung" - weil sie auf jeden Fall gewinnen würden. Davon versprechen sich die Unsittlichen also jenen - erzwungenen - Ertrag, den sie in der Wirklichkeit nicht mehr ernten würden. Natürlich ist das ein fataler Trugschluß der auf Kosten unserer gesamten Kultur geht.

Dazu erzählt Peterson, daß es verläßliche Zahlen gibt, die sagen, daß Frauen, die Brüder haben, weit weniger oft vergewaltigt werden. Der Grund? Sie haben einfach gelernt, einen Mann zu lesen und zu interpretieren. Paglia ergänzt durch ihre Beobachtung, daß Frauen, die viele Brüder haben, ganz besonders gut in leitenden Organisationsaufgaben sind. Denn sie haben gelernt, Männer nicht zu ernst zu nehmen. Sie können einfach mit Männern umgehen. Sie sehen Männer nicht als Aggressoren, haben Humor, haben schlicht eine unvoreingenommene Beziehung zu ihnen. (Damit schließt sich der Bogen zu den Folgen der Kleinfamilie.)

Das Problem wurde virulent, als sich Feminismus mit "Frauen im Beruf" gleichzusetzen begann. Seit Mutterschaft eine "geringere Form von Erfahrung" wurde. Ab da wurde Feminismus zur Obsession. Denn dem ganzen Feminismus fehlt nun die Erfahrung der Mütter und Ehefrauen. Es fehlt damit die Erfahrung um die Fragilität der jüngeren und älteren Männer, und das Bild vom Mann wurde zu einem unwirklichen Zerrbild. Die Bewegung des Feminismus ist heute dominiert von unverheirateten Frauen, Lesben, Frauen ohne Kinder, vor allem Frauen ohne männliche Kinder. Hätten alle diese Frauengesellschaften auch nur einige Mütter unter ihnen, einige verheiratete Frauen, sie würden sofort den Großteil ihres Genderunsinns aus dem Fenster werfen. Aber die feministische Rhetorik ist heute monomanisch, starr und hysterisch.

Akademische Ausbildung ohne Bildung

Auffallend ist dabei der geringe Kenntnisstand auch über Geschichte. Erst dann aber würden sie sehen, daß selbst die größten patriarchalischen Gesellschaften - Rom als Republik, oder England unter Victoria - ein völlig anderes Bild von der realen Macht der Frau zeigen würde, das den feministischen Vorstellungen nicht im geringsten entspricht. Das gilt auch für das Matriarchat, denn dann würde sich zeigen, daß dieses regelmäßig in Desaster geführt hat, einerseits, und anderseits eine Fraulichkeit verlangen würde, die abgelehnt wird. Die Perversion dabei ist also, daß zwar das Patriarchat heute als das verkörperte Böse gilt, daß aber alles darauf hinausläuft, daß ein Patriarchat notwendig und dann gut wäre, wenn Frauen es betreiben würden.

Die Zukunftsprognose fällt bei beiden, Camille Paglia und Jordan Peterson, sehr pessimistisch aus. Vor allem aus der Perspektive der Schulerziehung und der Universitäten, wo wirklich alles daneben geht und die Zerstörung unserer Kultur zementiert. Denn der Westen wurde durch das Prinzip der Selbsttranszendierung geschaffen - genau das wurde nun aber aufgegeben und sogar bekämpft. Weltanschauungen in der Tradition des Marxismus herrschen, die eine extreme Verengung des Blicks bedeuten.







*150618*

Dienstag, 24. Juli 2018

Der Grund war intellektuelles Versagen aus sittlichem Versagen (4)

Teil 4)



Entsprechend ist es wahr und unwahr zugleich, weil es diesen Pragmatismus ahnen läßt, wenn sich beide in ein Loblied unserer Zivilisation hineinsteigern. Ja, es stimmt, es ist uns allen nicht oder zu wenig klar, in welchem Ausmaß wir mit Dingen leben, die im Grunde von Männern aufrechterhalten werden. Elektrizität, Wasser, Computernetze, täglich frische Milch im Kühlschrank ... überall sind es Männer, die pausenlos im Hintergrund arbeiten, damit wir alles das ständig zur Verfügung haben. Denn diese Kontinuität ist ein Schein. In Wirklichkeit bricht alles ständig, wird aber sofort zusammengeflickt. Wir ringen ständig mit den Elementen, entwinden dem Chaos die Ordnung, die Welt, in der wir leben. Ohne diesen männlichen Kampf würde alles zusammenbrechen, und in der Gesellschaft würde Chaos ausbrechen. Wer einmal einen Krieg erlebt hat weiß, wie fragil diese Dinge sind. Der weiß sie dann aber zu schätzen.

Eine Generation, die keine Ahnung mehr von Wirklichkeit hat

Der antizivilisatorische Affekt der political correctness stammt genau von dort: Aus mangelnder Wirklichkeitserfahrung. Alle diese Kämpfer für Gendergerechtigkeit etc. sind ausnahmslos in diese funktionierende Welt eingebunden und von ihr abhängig. Und kämpfen umgekehrt genau dagegen und gefährden sie.

Diese Gefährdung ist sehr lebendig in einer Welt, in der es keine Unterschiede in der Qualität mehr gibt. Denn wir leben davon, daß jeder daran glaubt, daß es auf ihn und seine bestmögliche Leistung ankommt, und daß er sich damit Ansehen und Stellung erringen kann, und sich vom anderen unterscheiden kann. Das heißt nicht, daß man Anerkennung "fordern" kann, aber es heißt doch, daß man sie nur auf dem Weg über Leistungshierarchie erringen kann. Daran glaubt auch jeder implizit! Sonst würde sich keiner mehr anstrengen. Und eines der wissenschaftlich am besten abgesicherten Merkmale ist die Höhe der Intelligenz. (Dieser Verweis findet sich bei Peterson übrigens sehr sehr regelmäßig und hat ihm manche Vorwürfe eingebracht.)

Peterson weist übrigens auf eine der dem heutigen verrückten Weltbild vom "bösen Patriarchat" zugrundeliegende Art von Fehlschluß hin. So erzählt er von der Tatsache, daß die meisten, die Kinder mißbrauchen, selbst in ihrer Kindheit mißbraucht wurden. Daraus leitet man ab, daß Mißbrauch Mißbrauch "bewirkt". Aber das ist falsch! Denn die meisten, die als Kinder mißbraucht wurden, mißbrauchen später NICHT wiederum. Ja, Mißbraucher wurden meist selbst mißbraucht. Aber deshalb kann man nicht sagen, daß Mißbrauch weiteren Mißbrauch AUSLÖST. Mißbrauch setzt sich nicht von selber fort! Solche Fehlschlüsse gibt es heute en masse.

Die Großfamilie ist nicht zu ersetzen; ihre Zerstörung hat weitreichende Folgen

Sehr richtig weist Paglia darauf hin, daß die Problematik der Geschlechter durch die Atomisierung der Großfamilie bewirkt wurde. Denn in einer Großfamilie wirken unzählige Faktoren auf die Bildung einer Identität hin, und Beziehungen sind ungemein vielfältig. Es gibt ein ganzes Biotop von Beziehungsmustern und Dingen, die einem entsprechen - und solche, die das nicht tun. Und das beste: Das passiert ganz selbstverständlich. Und vor allem erfährt jeder Heranwachsende Familie als stabile Zelle. 

In der Kleinfamilie hingegen erfährt das Kind, wie instabil diese Familie ist. Weil der Bestand durch nur wenige Faktoren (und die sind alle direkt) gesichert ist. Zwei Menschen (die Eltern) können niemals die Gesamtheit des Lebens vermitteln, wie es in der Großfamilie weit besser der Fall ist. 

Die heutige Psychologie trägt das ihre zur Identitätsdiffusion bei. Sie bezieht sich in ihrer Therapie auf die "Reparatur" von Verhalten. Aber sie läßt die Geschichte des Menschen aus. Schon allein darauf hinzuweisen, daß die Vita von Homosexuellen eine Geschichte der Identitätsbildung zeigt, daß diese Geschichte außerdem bei vielen Homosexuellen absolut gleich ist, und mit der Familie zu tun hat, wird heute zum Verbrechen. 

Weil es die Psyche destruiert ist Sprachregelung ein unsägliches Verbrechen

Aber das Verbrechen liegt anderswo.  Es liegt in einem mehr und mehr restriktiven Sprachgebrauch, der den Zugang zur Wirklichkeit der eigenen Erfahrung verbaut. Wie eine Regierung sich anmaßen kann, die Sprache seiner Bürger zu bestimmen, ist eine Ungeheuerlichkeit, es ist ein Verbrechen! Denn die Sprache, die jemand HAT, die jemand spricht, entspricht auch seiner Psyche. Sie per Verordnung und Ideologie zu verändern heißt, den Einzelnen von sich selbst zu entfremden!

Eine der schlimmsten Auswirkungen der Kleinfamilie - mit älteren, damit bereits situierten, materiell gut ausgestatteten Eltern, und wenigen Kindern, sodaß die wenigen Kinder dann viel zu "bedeutsam" für den Lebenslauf der Eltern werden, Kinder also viel zu weit nach oben gehoben werden - ist die mangelnde Stabilisierung der Identität der Kinder, WEIL es weniger Geschwister gibt. Und deren Funktion ist eben auch, einen "am Platz zu halten", selbst wenn das manchmal brutal sein kann. Denn Geschwister können durchaus auch "mörderisch" werden, und hier muß dann auch eingeschritten werden. Dinge sind eben immer komplex und ambivalent und nicht, wie Ideologen glauben, einfach immer in einem Grund motiviert. Es ist geradezu Kennzeichen von Ideologien, daß sie in allem nur eine Ursache kennen wollen - wie heute in der Geschlechterfrage: Alles gehe um (männliche) Macht!

Vor allem lernen Kinder mit Geschwistern die Ambivalenzen der Zwischenmenschlichkeit kennen. Lernen Frustrationen zu verwinden, lernen Spannungen auszuhalten. Damit ist die Familie das Gegenteil der heutigen Universitäten geworden, die genau das Gegenteil versucht: Durch Verbote und Gebote der Korrektheiten jede zwischenmenschliche Spannung auszuschalten. So wird auch den Studenten die Möglichkeit genommen, zu reifen.

Kinder brauchen aber junge Eltern

Kinder brauchen junge Eltern. Sie brauchen Eltern, die die Energie haben, ein Leben aufzubauen, auch beruflich, auch im Status, und in diesen Kampf sind die Kinder automatisch mit eingebunden. Es ist notwendig für Kinder, daß man sich NICHT ständig um sie kümmert, und junge Eltern, die etwas aufbauen, sind dazu nicht in der Lage. Das ist für ihre Prägung außerordentlich wichtig. Stattdessen werden vor allem die Frauen in ein Schema gepreßt, in dem ihnen eingeredet wird, sie müßten Karriere machen, müßten ein zukünftiger "Leader" (Führer) sein. Dabei signalisiert doch jeder junge weibliche Körper diese natürliche Bestrebung, Mutter zu werden, Kinder zu haben. Das Ergebnis sind dann Frauen, die zutiefst unzufrieden sind, aber nicht wissen, warum. Wenn sie sich in jungen Jahren für einen Mann und Kinder entscheiden, werden sie aber wie Verräter, wie Versager behandelt. Das tun doch höchstens Unterklasse-Arbeiterfrauen!? 

Paglia sagt, daß sie aber gerade Frauen aus den unteren Schichten als die viel abgerundeteren Persönlichkeiten erlebt. Sie drücken sich viel kräftiger aus, setzen sich leichter durch, haben einen Körper, der "Raum greift", haben einen Mann, dem sie ins Angesicht widerstehen, sind also viel vitaler. Ihnen stehen diese bourgeoisen Mädchen entgegen, die bei allem verletzt sind, voller Betulichkeiten, ständig auf der Suche nach dem Schutz und der Unterstützung ihrer Eltern, die ihre jungen Jahre zugunsten einer vagen Zukunftshoffnung nicht gelebt haben. Sie sind den einfachen Frauen heillos unterlegen. 

Deshalb sind gerade auf Universitäten junge Frauen oft so aggressiv. Sie opponieren auf einer ganz ganz tiefen Ebene gegen ihr Nicht-Frau-sein. Sie wollen zwar Freiheit, aber sie wollen nicht die Risiken, die damit einhergehen.  Sie umgeben sich mit einem Regelwerk, das nur verwundern kann, denn frühere Generationen haben genau dem zu entfliehen versucht: Sie wollten dem Regelwerk entfliehen, auch wenn es ein Risiko war, lernten das andere Geschlecht kennen und mit ihm umzugehen, lernten auch einmal sich abzugrenzen, oder auch damit zu spielen.


Morgen Teil 5)





*160618*

Montag, 23. Juli 2018

Der Grund war intellektuelles Versagen aus sittlichem Versagen (3)

Teil 3)




Paglia führt aus, daß das Problem auch damit zu tun habe, daß Männer und Frauen nicht mehr wie früher je eigene Welten haben, die miteinander nur wenig zu tun haben. Und darin erringen sie ihre Stellungen, ihre Leistungen, und haben viel Lebensfreude dabei, eben unter ihresgleichen zu sein, mit ganz spezifischen Bereichen und Tätigkeiten und Kompetenzbereichen - und sei es das Kochen. Dabei haben auch Frauen enorme Machtpositionen errungen, über Hochzeiten bestimmt, über die Art zu leben. Jedes Geschlecht hatte seine eigenen Hierarchien, seine eigene Art miteinander zu kommunizieren, eigene Anerkennungsbereiche. Sie könne sich noch erinnern, wie in ihrer Kindheit nach dem Essen die Frauen in der Küche verschwanden und den Abwasch erledigten. So viel wurde da gelacht und getratscht. Während die Männer aufgestanden waren und sich um ein Auto im Hof versammelt hatten, wo sie den Motor studierten. Beide Geschlechter tankten gewissermaßen bei etwas auf, das ihnen Freude machte.

Die Frauen werden dabei tief unglücklich. Aber sie wisssen nicht warum.

Heute stehen wir in einer Situation, in der beiden Geschlechtern alles möglich ist. Und beide sind darin ... unglücklich, vor allem die Frauen. Gerade die Frauen der Mittelklassen sind signifikant unzufrieden, und sie wissen nicht warum. Also machen sie den Mann dafür verantwortlich. Er muß sich ändern, er muß mehr wie eine Frau werden. Aber das ist genau der falsche Weg. Auch für die Männer. Denn es gibt nichts Gefährlicheres als einen schwachen, feminisierten Mann. 

Warum kann man nicht damit einfach leben, daß das Geschlechterverhältnis immer ein wenig spannungsgeladen ist? Warum kann man nicht akzeptieren, daß Männer und Frauen ihre Dinge je auf eigene Art bewältigen? Und daß es im Zusammenspiel beider dann auch zu Spannungen und Konflikten kommt? Stattdessen beschweren sich die Frauen ständig und erklären alles, was spezifisch männlich ist, für schlecht. Dabei ist die Welt eben kein Kindergarten, es geht in ihr zu, es ist kompetitiv, sie ist oft auf Kampf gestellt. 

Genau das liegt aber im Wesen der Frau, Konflikten eher auszuweichen, sich mehr auf Zwischenmenschlichkeit zu konzentrieren als die Männer, die mehr an Sachen interessiert sind. Peterson weist darauf hin, daß seiner Erfahrung nach eben unter Männern praktisch alles eine Art Wettkampf ist. Was Männern fehlt ist eine Vorstellung davon, wie sie mit Frauen konkurrieren sollen. Denn da kollidieren zwei Prinzipien! Aus ihrer Natur heraus stehen sie in einer Situation, wo sie einerseits um zu gewinnen "die Sau rauslassen" müßten, wie es unter Männern geschieht. Dabei sind sie sehr wohl kooperativ, aber sie wollen an der Spitze der Sieger stehen (=Helden sein). 

Was Frauen gegenüber aber als Brutalität ausgelegt wird. Wenn Männer aber Frauen gegenüber verlieren, werden sie bemitleidenswert. Wie soll also ein Mann so ein Spiel spielen? Es gibt keine archetypischen Rollenbilder, die das abdecken. Männer hauen einander in die Fresse, und sind am nächsten Tag wieder die besten Freunde. Aber bei Frauen funktioniert das nicht! Sie haben eine ganz andere Art der nachhaltigen Konfliktaufrechterhaltung. (So nebenbei: Es gibt Studien die zeigen, daß es vor allem Frauen untereinander sind, die sich auf Facebook durch Rufschädigung und Mobbing bekämpfen.) Im Kampf mit Frauen stehen Männer vor dem Problem, daß das, was sie normalerweise tun, plötzlich zu vermeiden ist. Wie sollen sie damit umgehen?

Es hatte also seinen tiefen Sinn, wenn historisch die Arbeits- und Aufgabenwelten von Männern und Frauen zwei separate Sphären waren. Und das sollten sie nach wie vor sein. So kann sich ein Proprium herausbilden, ein je eigenes Frau- und Mannsein, ohne daß es kollidiert. Es steht sich lediglich dann gegenüber, ergänzend. 

Die Idee, beide Welten zu mischen, ist grundfalsch. Und sie ist im übrigen die Dynamik der Feiglinge, auf beiden Seiten. Hier zeigt sich natürlich aber auch die bedauernswerte Vergangenheit beider - Paglia und Peterson - in evolutionistische Weltbilder, und das ist die letzthinnige Schwäche der ganzen Argumentation. Sie wird relativ, sie wird historizistisch, und damit angreifbar. Das sei so, weil es sich von der Steinzeit an so entwickelt habe, meinen beide. Also: Weil es immer so war ist es auch so, weil wir ja so wurden. Und wir wurden so, weil es biologisch so angelegt ist. Daß es sich herausgebildet hat, ist dann einfach eine Frage der besseren Organisation gewesen, seit je, und nicht eine der Macht.

Da zerfließen eben die psychologistisch-evolutionistischen Sichtweisen der beiden: Was sagen sie eigentlich? Zuschriften werden gerne entgegengenommen. Viele Worte - aber worum?

Leider. Damit verfehlen beide den entscheidenden Punkt: Die metaphysische, in der Ideenwelt, im Wissen, im Sein Gottes verankerte Polarität und Komplementarität der Beziehung der Geschlechter zueinander. Aus diesem Grund braucht es sehr wohl auch eine Leitidee, die in der Amplitudenhaftigkeit der Menschen (beider Geschlechter), wo sie mal mehr mal weniger ihr Selbstsein erfüllen, immer wieder ihr Maß in der Ideenwelt holt. Das wird bei beiden aber nur faktisch-historisch, und Mythos und Archetyp werden damit lediglich pragmatisch. Dieser Damm gegen die Frage "Warum soll sich das also nicht auch ändern? Gestalten wir das Leben neu, das sich ja so viel verändert hat, verändern sich doch auch die Geschlechter und Bilder davon?!" hält nicht, wir erleben es ja.

Die an sich richtige Forderung von Paglia, daß sich die gesamte heutige Erziehung ändern müßte, hat deshalb einen Beigeschmack. Wenn man von ihr hört, daß das notwendig ist, weil sich die jungen Menschen sonst in dieser heutigen Welt, die eine Welt des Kampfes ist, nicht zurechtfinden, denn sie wurde ja so, aus diesen Polaritäten.

Aber beide spüren diese Widersprüchlichkeit. Deshalb sind beide ja auch die bekannten Grenzgänger (vor allem Peterson), wo sie nach einer Verbindung im Absoluten suchen, sogar ahnen, ohne daß sich diese Welten - das Absolute und das historisch-mythologische/archetypische - aber auch finden. Peterson meint deshalb einmal an anderer Stelle, daß sich diese Welten "manchmal berühren". Eben, nicht nur manchmal. Sie sind durchgängige Berührungen, durch alle Ebenen durch. Nur verliert sich da und dort diese an sich eine Analogie und Deckungsgleichheit in der Weltseiung des Menschen durch zivilisatorische Prozesse, weil kulturell verfehlte Lebensweisen und damit Prägungen auch diese Trennung - als Defekt! - bewirken können und tatsächlich bewirken. 

Und zwar gerade dort hätten sie die Quelle dieser Deckungsgleichheit, wozu sich Peterson nicht entschließen kann: Im Kult. Im Gottesdienst, wo die eigentliche Weltseins-Dynamik (als Beziehungsfeld in Gestalten, die sinnlich aufgenommen und erlebt werden) zur Welt kommt, inkarniert. Samt der notwendigen Haltung der Kultteilnehmer, die in ihrer Haltung der Ehrfurcht (im vielfältigsten Sinn) diese Dynamik in sich aufnehmen. Das ist ja Kult.

Morgen Teil 4)





*160618*

Sonntag, 22. Juli 2018

Der Grund war intellektuelles Versagen aus sittlichem Versagen (2)

Teil 2)



Interessant, was Peterson über Zebras erzählt, mit dem er so manchen der gegenwärtigen Mythen zertrümmert. Angeblich würden ja Tiere von Löwen geschlagen, weil sie die schwächsten seien. Tatsache ist aber, daß Zebras durch ihre Zeichnung als einzelne Tiere extrem in der Landschaft auffallen - aber das tun sie nicht mehr, wenn sie in einer Herde stehen. Dann erfüllt die Zeichnung ihren Sinn. Denn da ist ein Individuum nicht mehr ausmachbar. Löwen fallen aber Tiere an, die IDENTIFIZIERBAR sind. Das ist die Lösung des Problems: Identifizierbarkeit. Das macht erst Individualität.

Nur nicht auffallen!

Peterson nützt das Beispiel der Zebras, um zu zeigen, was auch unter Wissenschaftlern passiert. Sie verbergen sich konsequent in der Masse, wollen nicht auffallen. Denn sobald sie durch Individualität auffallen, werden sie "angegriffen".  Deshalb verwendet die Gruppe der Wissenschaftler immer eine Sprache, die sie als Gruppe schützt, und nur innerhalb derer agiert sie. Sie will Sicherheit innerhalb einer Gruppe, eines Systems, und wagt nicht, das System zu hinterfragen und damit zu erweitern. Deshalb imitieren, benützen zum Beispiel amerikanische Forscher die Sprache der Franzosen, in der Übersetzung, die ihnen geliefert wird. 

Michel Foucault wollte in Frankreich (in seiner Muttersprache) noch das System hinterfragen, provozieren. In die USA übersetzt wollten seine Leser ihn nur noch benutzen, imitieren. Seine Sprache, seine Thesen haben also auf eine Weise ihren Sinn (weil ihren Ort; Anm.) verloren! In Frankreich hatte Foucault einen Sinn. Aber nicht mehr in Englisch, nicht mehr in England oder den USA.

Dennoch haben Amerikaner die französischen Texte zu imitieren und in die USA zu transferieren versucht. Das war nicht notwendig, und damit völlig falsch.

Besonders ereifert sich Paglia über die Entwicklung der Fakultäten. Sie hatte gemeint, die 68er-Revolution würde ein Niederreißen von Grenzen bedeuten. Das Gegenteil trat ein. Die Studien wurden fortlaufend fragmentiert, immer neue Fakultäten und Teilgebiete geschaffen. Und meistens über Nacht, was dafür Sorge trug, daß die wissenschaftlichen Voraussetzungen überall ungeklärt blieben. Um ideologischem Druck zu genügen, wurden etwa "Gender-Studies" eingeführt. Aber niemand befaßte sich damit, was das überhaupt sein sollte! Stattdessen holte man mit Fingerschnipsen alle möglichen Vortragenden und die definierten einfach, was das nun sei. Daß das etwa mit Biologie zu tun haben könnte wurde nicht einmal diskutiert, und darf bis heute nicht diskutiert werden. 

Der Erfolg ist, daß diese Studien intellektuell auf dem Stand der 1970er Jahre eingefroren sind. Und nur die Prämisse zählt, daß Geschlecht mit Macht zu tun haben soll. Es seien nur linguistische Konstrukte. Was ein Mensch ist (Geschlecht ist) wurde so zu einer Frage, die nur der Beliebigkeit des Menschen unterliegt, und keinerlei Bedingungen hat, die vorausgehen - eben eine Natur. Kultur wurde so zu einer sich ständig verändernden amorphen Masse. Und groteskerweise hat sich die Politik sofort darauf gestürzt. Es geht dabei aber nur um Macht, um irrationale Macht, weil nichts mehr definierbar ist, Sexualität und Geschlecht völlig aus allen Beziehungen herausgenommen wurde.

Alles, was etwas ist, ist Begriff. Darum werden Begriffe zum Feind.

Jede Definition wird hingegen als bösartige Äußerung des Patriarchats eingestuft und durch ideologische Festlegung ersetzt. Die reale Ambivalenz des Menschen, die Notwendigkeit, zwischen tyrannischer Mutter und sorgender Mutter, zwischen tyrannischem Vater und sorgendem Vater, einer Aufgabe, der jeder sich ständig neu zu stellen hat, kommt gar nicht mehr vor. Es gibt nur die sorgende Mutter - die "Große, gute Mutter", und den tyrannischen Vater, den "Bösen, dem es nur um Macht über die Frau geht". Das ist pathologisch und saugt, sagt Peterson, regelrecht die Vitalität aus unserer Kultur. Mit einer fatalen Entwicklung, die eine klare "anti-männliche" Forderung ist und gerade die jungen Männer - genau die, die die größte Energie haben - aus allen Schulen und Universitäten hinausdrängt.

Es gibt keinen anderen Weg, sagt Paglia, als den, daß Männer wieder aufstehen und fordern, als Männer angesehen und respektiert zu werden. 

Peterson weist auf Untersuchungen hin, die belegen, daß die Psychopathologien bei Frauen deutlich zunehmen. Frauen, die in diesem toten Schema sozialisiert werden, können nicht mehr zwischen Tyrannei und Kompetenz unterscheiden. Das überlegene Argument, die größere Fertigkeit wird bereits als Tyrannei angesehen. Wir werden deshalb immer ausschließlicher von schwer pathologischen Persönlichkeitsstrukturen von Frauen dominiert, die unfähig sind, gesunde, ausgewogene Beziehungen zu Männern aufzubauen. 

Man sagt gerne, daß Männer eben aufstehen müssen, um sich zu wehren. Aber das übersieht eine Tatsache: Diese Frauen haben nie gelernt, daß es im Kampf gegen unfaire Mittel anderer oder in einer Auseinandersetzung Stufen gibt - Gespräch, Diskurs, Streit, und als letztes auch physische Gewalt. Aber diese Stufen zu sehen ist heute verboten! Schon die "mögliche Bedrohung" wird attackiert.

Männer können nur noch verlieren. Denn ihnen gilt der Kampf.

Damit kommen Männer auf jeden Fall unter die Räder, weil sich mit ihnen IMMER die Möglichkeit verbindet, physisch gewaltsam zu werden. Wenn Männer untereinander reden, ist diese Möglichkeit immer präsent, ja sie ist der Hintergrund der immer mitschwingt, und allen ist das bewußt. Im Gegenteil: Wenn man es mit jemandem zu tun hat, der diese Bereitschaft NICHT hat, hat man vor ihm gar keinen Respekt. Es braucht also nicht die Männer, die aufstehen, sondern es müssen die noch gesunden, ausgewogenen Frauen sein, die aufstehen und sagen: Genug von dieser Pathologie! Genug von diesem Männerhaß! 

Nur ist dabei das Problem, daß die gesunden Frauen viel zu sehr damit beschäftigt sind, gesunde Dinge zu tun - Beruf, Familie, Alltag. Sie haben gar keine Zeit, sich mit ihren durchgeknallten Schwestern auseinanderzusetzen. Während die pathologischen Frauenpersönlichkeiten eben nichts zu tun haben, als sich mit ihren pathologischen Vorstellungen auseinanderzusetzen. Und das ist der Grund, warum diese kranken Vorstellungen unsere Gesellschaften, unsere Kultur so stark dominieren können. Das ist fatal, und es ist symptomatisch für den Niedergang unserer Kultur.


Morgen Teil 3)





*160618*

Samstag, 21. Juli 2018

Der Grund war intellektuelles Versagen aus sittlichem Versagen (1)

Wir bringen hier eine Zusammenfassung als sinngemäße Übertragung, die wie üblich da und dort Ausgangspunkt für eigene Ausführungen wurde, aber im Wesentlichen das im 5. Teil schließlich eingefügte Gespräch zwischen Camille Paglia und Jordan Peterson wiedergibt. Das nicht, weil der VdZ in allem den beiden zustimmt, ja er hat sogar sehr prinzipielle Einwände, worüber er schon gesprochen hat oder noch sprechen wird. Beide zeigen enorme Widersprüche, die auf ihre Prämissen zurückzuführen sind. Dazu ein anderes mal mehr. 

Kurz aber vorweggeschickt: Die Argumentation beider - beider! - beruht auf falschen Voraussetzungen, auf falschen Prämissen. Beide versuchen lediglich, ihren mit Recht aufgewachten gesunden Menschenverstand zu retten und zu seinem Recht zu bringen. Begründen können sie ihn aber nicht, dazu fehlt ihnen etwas Entscheidendes: Die Denkgrundlage. Beide bleiben damit Phänomenologisten. Darin freilich ist viel Richtiges.

Im großen ganzen ist das Gespräch also sehr interessant, vieles ist sehr richtig, und die beiden decken ein breites Feld ab, weshalb es eine Analyse der "Modernen Zeiten" ist. Im besonderen geht es dabei auf die Problematik Neo-Marxismus und Postmoderne ein. 

Ganz vehement wendet sich Camille Paglia gegen die Saga, daß der Postmodernismus der ursprünglichen Protestbewegung der 1960er entstamme. Sie habe selbst erlebt und oft und oft gesehen, wie gerade die intellektuell Begabtesten von LSD bzw. Drogen ausgeschaltet wurden. Die Bewegung nach den 68ern war eine Bewegung des Ausstiegs, und das hieß vor allem ein Ausstieg aus dem wissenschaftlichen Denken. 

Sie habe selbst erlebt, wie stattdessen "Hohepriester" eines neuen Denkens die Herrschaft übernahmen, und diese Denker - vor allem Franzosen wie Derrida und Foucault - waren NICHT progressiv, sie waren zutiefst reaktionär. Vor allem war diese Bewegung getragen von einer extremen Arroganz eines Überlegenheitsgefühls, in dessen Namen alle herkömmlichen Formen in Wissenschaft wie Kunst ignoriert und deshalb "überwunden" wurden. Das wurde getragen von einem fast hysterischen, in jedem Fall nur gefühlsmäßig verankerten "Wissen" um die Destruktivität, die in "Sexismus", "Rassismus" etc. verankert war, die angeblich alles zerstöre. Nun herrschte das "Gefühl".

Der Umbruch der Akademiker - Akademismus wurde zu einem Feld von Betrügern

Alle diese Leute waren BETRÜGER. Der Akademikermarkt in den 1970ern brach zusammen, aus einem Studium auszusteigen war Mode. An dessen Stelle setzte sich deshalb umso leichter institutionalisierter, intellektueller Betrug. 

Die nunmehr autorisierten neuen Leitbilder haben Theorie lediglich als Rechtfertigung mißbraucht, sie aber nie redlich betrieben. Daraus entstand eine existentiell motivierte, tiefe Verachtung gegen alles, was nach Qualität und intellektueller Kompetenz auch nur roch. Hier kann man nur simple Motive wie "Eifersucht" und "Neid" feststellen. Die Kunstkritik war getragen von Leuten, die nicht den geringsten Sinn für Kunst - Schönheit, Wahrheit, Gutheit - hatten. Es war die brutale Reaktion von Dummen - ja, von Dummen! - gegen die Gescheiten. Dafür wurden neue, völlig undefinierbare Kriterien eingeführt. "Bewußtseinserweiterung", "Kosmologisches Bewußtsein", etc. etc. 

Und genau auf dieser Welle schwammen die Modeintellektuellen der Zeit, die vor allem aus Frankreich kamen: Derrida oder Foucault. Man verstand einfach nicht mehr - und wollte nicht verstehen, und konnte mangels intellektueller Befähigung nicht verstehen - was Kunst ist. Die über Warhol entstehende "Pop-Art" zerstörte sogar die echte Avantgarde der Kunst, die immer eine leidende Schichte aus innovativem Drang gewesen ist. Und das Lustigste: Diese neue "Kunst" erklärte sich als Anti-Konventionalismus, lebte aber nur deshalb, weil die Medien sie hochdrückten! Und die Galerien, die natürlich nur aufs Geschäft schauen, taten mit. Seit fünfzig Jahren haben wir deshalb einen regelrechten Infantilismus in der Kunst. 

Getragen von einer Akademikerschicht, die man als gnadenlose Karrieristen bezeichnen muß, die auf jeder populären Welle mitschwammen, um es zu etwas zu bringen. Schlimmster Bürokratismus zog ein! Nach oben kam, wer gut mit Behörden umgehen konnte. Eine ganze Generation wurde korrumpiert.

Die Post-68er waren eine einzige Bewegung der Konventionalität! All der Protest gegen die Regierung etc. war eine verabscheuenswürdige Inszenierung zutiefst konventioneller Defraudanten.

Gleichzeitig kam die Ausbeutung der Studenten durch die enormen Studiengebühren. Die scheinbar aber niemanden störten! Mit dem Geld sank hingegen die Qualitätskontrolle. Und jeder Absolvent verließ die Universität mit exorbitanten Schulden. Die Umstellung der Methode, in der sich nun jeder Student "frei" wählen konnte, was er denn an Vorlesungen besuche, ohne jede Führung, ohne jede Anleitung, führte zu einer Illusion von Freiheit und Wissen. Niemand kümmerte sich nun noch darum, vor allem durch ein Teilstudium erst einmal die Basis fürs Denken zu schaffen. Und die Lehrenden entschlugen sich nun jeder Verantwortung für Erkenntnis an sich, sie hatten ja nur ihre beschränkten Teilgebiete zu "lehren". Was damit geschah, war nicht mehr ihre Verantwortung.

Tja, plötzlich sah niemand mehr Zusammenhänge, große Sinnkonstrukte. Damit verlor jede Gesamtorientierung ihren Sinn, ihre Autorität. Alles wurde damit relativ. Die großen Erzählungen (die eigentlich das Grundmaterial jeder Wissenschaft sein müßten, jede Forschung ist eigentlich eine Variation dieser Grunderzählung; Anm.) gab es nicht mehr.

Es war nicht Intellektuallität. Es war Emotionalität, die sich als Intellektualität tarnte.

Der Neo-Marxismus, der damals aufbrach, war keine intellektuelle Bewegung, sagt Paglia. Er war eine "Attitüde". Eine Solidaritätsgeste mit Schichten und Lebenswirklichkeiten, die niemand der Proponenten des Marxismus auch nur annähernd kannte. Gerade die Neo-Marxisten zeichneten sich durch besondere Arroganz etwa gegenüber dem Betriebspersonal der Universitäten aus, denen sie sich natürlich völlig überlegen fühlten. Sie waren die neue Aristokratie! Dabei, so Paglia, hat sie erlebt, daß diese neue Studentengeneration von nichts eine Ahnung hatte, sie war nicht in der Lage zu begreifen, daß die Geschichte VOR ihrer Zeit existiert! 

Sie sahen und sehen alles aus der Perspektive der Gegenwart. Deshalb kann ihnen Geschichte nichts mehr erzählen. Sie sind also in Wahrheit ganz schlecht ausgebildet! Und halten sich aber, weil das Vergangene total relativiert wird, für überlegen. Wie will man aber klassische, europäische Kultur (und deren Gegenwart; Anm.) verstehen, wenn man keine Ahnung von ihrer Genese hat? Die gegenwärtige Generation ist extrem ignorant! Sie bemerkt nicht einmal, daß das, was sie als große Neuentdeckungen feiert, jedem Menschen mit Erfahrung absolut lächerlich vorkommen muß, weil das doch längst klar war! Die Ignoranz der gegenwärtigen Studenten ist extem! Sie haben auch so gut wie nichts gelesen, sie kennen einfach nichts, und schon gar kennen sie nicht die Quellen. Wie aber soll man da "denken"?

Foucault oder Derrida sind niemals Forscher gewesen. Sie haben einfach nur das, was sie gelesen haben -  wenn sie es denn gelesen haben - einfach wiederverwertet, und darauf ihre "neuen" Ideen aufgebaut. Ihren ganzen Theorien fehlt deshalb die Realität. Sie haben sie ignoriert.


Morgen Teil 2)



*150618*