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Samstag, 19. Oktober 2013

Folgenreicher logischer Fehlschluß

Das Sein und das Nichtsein sind identisch, schreibt Hegel, den wir hier natürlich nur gewaltig gerafft wiedergeben. Denn in dem Moment, wo etwas "ist", ist es "etwas" (als eigentlicher Seinsakt), und damit "alles andere nicht". Damit fallen Sein und Nichtsein zusammen, sie sind nicht trennbar. Der Stuhl ist auch Stuhl, WEIL er zugleich NICHT-Stuhl ist, nicht Tisch oder Bett oder Kasten - unendlich.² Also Ist Identität zugleich Nicht-Identität, und als solche tritt sie ins Sein bzw. kennzeichnet das Sein, das damit immer dynamisch ist.*

Denn soweit wäre das zwar richtig, schreibt Heinrich Beck in "Der Akt-Charakter des Seins", aber Hegel übersieht einen wesentlichen Punkt, verkürzt seine Logik in einen radikalen Idealismus**. Das Sein wird ihm zur reinen Idee. Es geht gewissermaßen aus der Dingwelt hervor.***

Aber WENN sich ein Etwas auch als Nicht-dieses-Etwas identifizieren will, so muß ihm logisch das Etwas-Sein VORAUSGEHEN. Nicht zeitlich, sondern in seiner Wesensstruktur. Das heißt, der Akt des "Etwas-sein" ist das erste, Hegel's Identitätssatz betrifft erst die "zweite" Ebene, die der Reflexion, des auf-sich-selbst-Beziehens der Dinge.

Idealität setzt Realität voraus. Idee läßt sich nicht aus sich selbst heraus begründen. Das sieht auch Kant, der in seiner "Kritik der reinen Vernunft" schreibt, daß wenn dem begrifflichen Denken nicht eine Realität (des Seins) des mit dem Begriff bezeichneten Gegenstandes vorausgeht, und diese das Denken bestimmt, das Denken beliebig und realitätslos wird.

Hierbei handelt es sich keineswegs um eine "akademischen Streit um des Kaisers Bart," vergleichbar dem Fahrrad, das in China umfällt. Schon daß wir meinen, daß diese geistigen Klarheiten ohne Belang wären, bestätigt in seinem Materialismus (als Urheber der Wirklichkeit gesehen) die Tragweite. Daß dieser Akthaftigkeit der Realität eine andere Realität vorausgehen muß, ist eine Feststellung von größter praktischer Relevanz. Die sich im historischen Materialismus des Marxismus (als Wirkarm auch Hegels) direkt ausgewirkt hat, und heute implizit praktisch das gesamte Alltagsdenken (und die Wissenschaft) bestimmt. Das Sein selbst wird nämlich damit relativ, historisch relativ, es hat keinen absoluten Anker mehr, sondern das Faktische wird sein Absolutes.

Wenn etwa durch die Pädagogik (und die Politik, teilweise auch die Theologie, die über das historische der Gegenwart nicht mehr hinausblickt, die faktische Gegenwart für "Wirklichkeit" hält und entsprechend die Pastoral danach ausrichtet, sodaß Gott oft sogar schon zu einem bloßen "surplus" wird, und die Entwicklung der Liturgie ab 1970 ist genau so verstehbar, genau das zeigt sich als Folge: die Verabsolutierung des faktischen Menschseins) von einem Menschen ausgegangen wird, der sich durch Veränderung der historischen Umstände beliebig verändern läßt, er also kein Wesen (das aus dem Sein kommt) hat, das seinem Dasein vorausgeht, es begründet wie bestimmt (charakterisiert), und damit seine wirkliche Wirklichkeit ist, so führt sich das auf diese Sicht der Welt und Wirklichkeit zurück. Oder wenn ein Daniel Kehlmann sagt, es gebe kein "ich", dann spricht er exakt dieselbe Überzeugung - die aus einem logischen Fehlschluß erfolgt - aus. Und damit aber erwischt er den neuralgischen Punkt der Gegenwart.

Denn ohne absolutes Sein, das erstlich alle Realität gründet, das einzig wirklich ist, sodaß alle faktische Geschichtlichkeit der Gegenwart (wie Zukunft und Vergangenheit) aus dem hervorgeht, was einfach "da-seiend ist", kann man diesem Sein, dieser Wirklichkeit nicht mehr vertrauen.

Damit sieht sich der Mensch ständig in Gefahr, sich zu verlieren, sobald er sich der begegnenden Wirklichkeit "fügt" - er steht unter dem Dauerdruck, in die Welt eingreifen zu müssen, sonst kommt kein "Gutes Ich" heraus. Denn nichts gewährleistet dann noch die Gutheit des Begegnenden, das Begegnende läßt alles "im Fluß".

Und damit schließt sich auch aus dieser Richtung der Kreis zu Internet, facebook und Dauer-ipod-Anschluß, zu einer Gegenwart, in der alles nur noch prekär ist, und niemand niemandem mehr vertrauen kann. Denn nur "im Fluß" kann ja niemand leben, mit Grund, wie wir gesehen haben, es fehlt eben der Halt in einem Sein, das dem Seienden vorangeht, es begründet - das Seiende begründet sich heute aus sich selbst heraus sein Sein. Wenn das Faktische, das Netz der Oberflächlichkeiten und Weltgespinste damit aber ausläßt - bleibt nur noch absolutes Nichts. Weil die Welt keinen Halt mehr hat, Identität (weil unzuverlässig) verweigert, sodaß man sie sich selbst schaffen zu müssen meint.





²Ein Stuhl der "nicht Tisch" ist, ist deshalb kein "Nicht-Tisch". Diese Urteilsebene der Reflexion (die zeite, idelle also) findet keinen Kontakt zur Realität. Sie stellt nicht Realität dar, sondern Idealität. Hegel kenn kein eigentliches Urteil über die Realität, er bleibt auf der Ebene des Reflexionsurteils, versucht von dorther Realität zu verstehen. Erste Realität also (das reale Ding "der Stuhl") ist für Hegel nur eine unreflektierte Form des zweiten Urteils. "Da jedoch das zweite Urteil erst durch nachfolgende Reflexion vom ersten her gewonnen ist, wurzelt es ganz im ersten und setzt das erste voraus. Das bedeutet wiederum: die Idealität als die Ebene der 'Identität des Positiven und des Negativen' wurzelt ganz in der Realität als der Ebene der einfachen positiven Identität." (Beck) Es gibt gar keine Idee von einem Ding, wenn dieser nicht eine Realität, also eine "einfache positive Identität" (ALS dieses (Stuhl-)Ding, das zuerst einmal nur es selbst ist) VORAUSGEHT. Über diese erst werden Ideen erkennbar bzw. gewonnen. Das ist nicht zeitlich vorstellbar (das würde eine nicht-abstrakte Ebene bedeuten), sondern als Wesenseigenschaft der Dinge/Objekte. Hegels Idealität beschreibt eigentlich nur den abstrahierten Akt der Erkenntnis selbst. Aber dieser ist nicht das Reale selbst. Weil Hegel also den Dingen kein allem Erkennen (aller Idealität) vorgängiges´in sich selbst sein' zuerkennt, kennt Hegel auch keine "Person", das In-sich-Stehen des Menschen, das ihn erst zum Menschen macht. Auch das findet sich direkt im Marxismus, im historischen Materialismus wieder, wo der Mensch aktualistisches Konstrukt historischer Gegenwartsbedingungen wird. Das hat zwar für die Gestalt des Ich ALS Selbst seine Bedeutung, ist aber nur auf einem vorgängigen "ich" denkbar, einer dem Faktischen vorgängigen "natura" (Wesen als Form des - ersten - Seinsaktes). Der Hegelianismus/Marxismus kennt kein (absolutes) "Wesen" des Menschen, von dem aus Historie als Interagieren und aus diesem heraus erst verstanden werden könnte.

*Womit absolut nachvollziehbar wird, warum Marx diesen Idealismus später als unnotwendigen Schritt an Hegel ablehnt, die materialistische Konsequenz aus Hegel zieht, das Sein (und den Menschen) konsequent historisiert - er hängt nämlich tatsächlich in der Luft.

**In weiterer Folge wird daraus verständlich, warum Hegel im Pantheismus landen muß: Das Daseiende, die Existenz wird erschöpfend zum Sein selbst, damit die Welt zur aus sich selbst bzw. dem in ihr "eingesperrten" oder "daseienden", identischen Geist (Sein) heraustreibenden Ursache. Das heißt aber auch, daß eine Zeit selbst, die "so" denkt, im Pantheismus landen muß. Von den Banalisierungen dieser Sichtweisen (etwa in diversen esoterischen Schulen) gar nicht zu sprechen, die sehr häufig schon den schlichten Mangel haben, Abstraktion und bildhaftes Vorstellen nicht trennen zu können, Abstraktes (Geistiges) bildhaft-konkret nehmen. Etwa wenn Menschen darauf hoffen, durch Techniken "Geister/Geistwesen" zu "sehen".

***Woraus sich sogar der "Evolutionsgedanke" ziehen läßt, in dem die Welt sich aus sich selbst heraus automatisch zum Fortschritt bringt. Selbst im Technizismus, in dem alles zur "Ablaufoptimierung" für selbst gesetzte Parameter (warum sollten die noch falsch sein?) wird, finden sich da Analogien.





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Samstag, 17. November 2012

Vom Ich in der Welt (III)

3. Teil - Als Replik gefaßte Fußnote - *

(und darum in normaler Schriftgröße)



*Dem Verfasser dieser Zeilen hat es sich aus der bisherigen Beobachtung Kehlmanns längst angekündigt, in der der Erfolgsautor sich mit der Welt der "reinen Idee" - der Mathematik - so explizit befaßt hat. Für sich betrachtet, fehlt der Welt der reinen Idee nämlich die Wirklichkeit, und damit die Überleitung zur Welthaftigkeit hin. (Daß Kehlmann v. a. in Asien so "überraschende" Erfolge feiert, ist also keineswegs überraschend, es trifft dort auf vorhandene Konzepte, wie in bestimmten Formen des Buddhismus , oder im Konfuziamismus.) Edith Stein zeigt das in ihrer hervorragenden Untersuchung "Endliches zum Ewiges Sein". Daß Kehlmann sich nach Gauß nun mit Gödel befaßt zeigt diese Nähe: Kurt Gödel fand gleichfalls aus der einerseits rationalen Erkenntnis, daß die Rationalität sich nicht aus sich selbst heraus begründen und beweisen kann, also eigentlich transzendent, "offen" ist, keinen Ausweg, lehnte aus derselben Rationalität als Menschseins-Postulat aber "Gott" (als Leben/Sein) ab. Sodaß ihm die "Ursache" fehlte, man gestatte es hier "einfach" zu machen, es ist nicht komplizierter. Also fiel er in Spukglaube und Weltverschwörungs-Paranoia. Beides sind Wirklichkeiten in der Gestalt von "Ursachen-Konzepten", die aus den rein lebensimmanenten Ich-Vollzügen steigen. Denn die primäre Erfahrung des Lebens selbst ist ... seine Vorgängigkeit, es weiß sich verdankt, nicht aus sich selbst heraus bestehend. Ja, seine Struktur selbst IST Leben bzw. besteht nur deshalb. Wahrheitskonzepte außerhalb des Lebendigen - als Vorgang des Lebens selbst - funktionieren also nie, enden immer im Nihilismus. Sie kommen bestenfalls zu "Wahrheiten".

Hölderlin schreibt dazu also zwar: "Alles kommt also darauf an, daß das Ich nicht bloß mit seiner subjektiven Natur, von der es nicht abstrahieren kann, ohne sich aufzuheben, in Wechselwirkung bleibe, sondern daß es sich mit Freiheit ein Objekt wähle, von dem es will, wenn es will abstrahieren kann, um von diesem also durchaus angemessen bestimmt zu werden und es zu bestimmen. Hierin liegt die Möglichkeit, daß das Ich in harmonisch entgegengesetzten Lebn als Einheit, und das Harmonisch-Entgegengesetzte, als Einheit erkennbar werde im Ich in reiner (poetischer) Individualität. Zurfreien individualität wird, zur Einheit und Idnetität für sich selbst gelangt das reine subjektive Leben erst durch die Wahl seines Gegenstandes." 

Er schreibt aber genau auch das: daß dieses sich selbst hervorbringende Ich (als Weltgestalt) in einem Gesamtzusammenhang des Lebens "an sich" verbleibt. Sodaß das Leben "im Ich" also nur "erscheint". Das Ich erscheint also "sich" in der Welt, und die Welt erscheint "sich" im Ich. Ihm ist, wie Stefan Nowotny in "Der Fehl der Namen" schreibt, nicht "intellectuale Anschauung" als konstitivem Akt ausreichend, sondern Ich und Welt sind lediglich unlösbar aufeinander bezogen, in wechselweiser Bestimmung und Selbstbestimmung. die Ich-Konstitution kann deshalb weder mit der reinen Selbstanschauung eine Ich noch mit irgendeiner Art von Anschauung der Welt in eins fallen. Vielmehr ist die Sprache bereits selbst, als "schöpferische Reflexion", Hervorgang aus der dem Rationalen vorausgehenden Selbsterfahrung des Ich. Alles liegt in diesem Akt des "schöpferischen Ahnens" - die ursprüngliche, vorausgehende Gegebenheit des Ich ist also ein Akt schöpferischen "Er-findens", ein personaler, vorsprachlicher Akt. "Das Leben," schreibt Walter Benjamin dazu, "liegt [dem Gedichteten] als letzte Einheit zugrunde." Nur von dort kann Sprache [der Dichtung] erstehen, subjektiv, und DARIN transzendent. Der Akt des Sprechens und Denkens IST also die Bedeutung, der man nur staunend gegenübertreten kann, er bedeutet nicht noch rationale "Deutung." 

Alltag aber wunderbar [zu lieb] den Menschen
Gott an hat ein Gewand.
Und Erkenntnissen verberget sich sein Angesicht
Und Luft und Zeit deckt
Den Schröcklichen ... (Hölderlin; Griechenland, 3. Version)

 Das Leben selbst und die Erde berühren sich in liebender Zuneigung. Nicht im Intellekt.

Ein Zeichen sind wir, deutungslos
Schmerzlos sind wir und haben fast
Die Sprache in der Fremde verloren.

"Das Zeichen," schreibt Nowotny dazu, "das wir SIND, ordnet sich nicht ein in einen Horizont von Bedeutsamkeit oder in einen Zusammenhang von Verweisungen. Es ist, wenn man so will, nicht von dieser Welt." 

Und darum ist ... 
... die Sprache dem Menschen
gegeben ...
... damit er zeuge, was
er sei ...    

Das Sein im "Ich-bin" geht dem Menschen in seiner Gestaltwelt voraus. 




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Freitag, 16. November 2012

Vom Ich in der Welt (II)

Teil 2) Gibet es also ein Ich? Oder nicht?



Dem ICH aber überhaupt die Existenz abzusprechen (wie es jüngst z. B. Daniel Kehlmann in einem Interview tat) bedeutet, einem (metaphasischen bzw. anti-metaphysischen) Postulat zu folgen, das die Transzendenz prinzipiell ausschließt, und das Ich prinzipiell weltimmanent(istisch) setzt. Es bedeutet sogar, dem Geist den Geist abzusprechen.* Es bedeutet die Vorentscheidung, das Denken des Selbst absolut zu setzen, und weil das nicht (weltimmanent gedacht) möglich ist, dieses unser Denken nicht als "selbst-loses" Denken denkbar ist, den Grundtatbestand zu übersehen (oder willentlich zu entwerten), daß dem "cogitare" ein Ich bereits vorhergeht. Das nicht setzbar ist. Das uns gegeben, dem Denken vorgegeben ist. Das also bereits dieses "Selbstgefühl" dieses vorgängigen Ich als weltimmanent (z. B. evolutionär gedacht: als Epiphänomenologie aus rein leiblichen Regungen heraus) bestimmt. Eine Vorentscheidung! Kein Denkergebnis. Das die Bedingungen der Rezeption eines solchen "leiblichen" Ich selbst nicht weiter hinterfragt.

Die Interpretation von Descartes' "cogito ergo sum" übersieht meist genau das: daß die Feststellung, DASZ ich denke, bereits einem Ich nachgelagert ist, ein Ich voraussetzt, das sich in der Denkbewegung sprachlich erfährt, sich als Träger einer bzw. ALS Identität erfährt.

Denn die Bewegung des Ich zum Selbst - in der Erfahrung - IST bereits das Leben selbst. Dem Ich also Existenz abzusprechen, es in Gedanken rein welt-relativ bestehen zu lassen, mit der Geschichte also wieder vergehen zu lassen, heißt, das Leben selbst relativ zu setzen. Heißt, den transzendentalen Horizont in die Welt hineinzuverlegen, Leben als Evokation der Welt selbst zu sehen.  Wie es u. a. Heidegger versuchte, wie es Edith Stein sehr stringent aufweist. Mit der Auflösung eines (in Gott, dem Sein selbst) absoluten Ich (das natürlich vom Sein selbst abhängt) löst sich auch das Absolute selbst auf, Gott. Kehlmann hat darin also völlig recht, daß dieses Konzept im Buddhismus (bestimmter Prägung) existiert.

Das Leben geht aber der Welt voraus, es entstammt empirisch gesehen NICHT der Welt (als Welt der Gestalten), wird weltimmanent nur (unter bestimmten Bedingungen) in Trägerschaft weitergegeben: kein nur weltimmanenter Prozeß kann Leben "schaffen", er kann es nur "zeugen".) Diese zeigt, trägt es nur (in den Gestalten der Dinge, zugleich NUR als Gestalt, in seinen Akten als "Gehalt"), indem sie an diesem Leben teilhat: Kein Lebewesen kann sich selbst das Leben (und damit das Sein) geben. Und damit entstammt das absolute Ich gleichfalls NICHT dem fleischlichen Ich.


Teil 3) Als Replik gefaßte Fußnote - *




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Donnerstag, 15. November 2012

Vom Ich in der Welt (I)

Vom Ich in der Welt


Nur wenn das Seiende (die "Dingwelt"; mit Vorbehalt dieser Begriff hier, aber er illustriert vorerst) als Repräsentanz - im mehr oder weniger - des Seins selbst gesehen wird, das sich damit ans Seiende haftet, wo also das Seiende auf das Sein hinweist (transzendent, auf dieses hin, ist), nur dort kann eine Konzeption des Selbst halten, in dem das reale Selbst auch zum idealen Ich hinweist. Das an sich gesehen, Individuierung aus dem Sein an sich IST. 

In der Selbstranszendierung im Leben, im je Begegnenden, formt sich so das abstrakte, ideale Ich in ein Selbst hinein. Das in seiner Gestalt in negativer wie positiver Hinsicht vom Sein selbst erzählt, direkt oder indirekt.

Negativ - weil es sich am Leiden, am Fehlen des Seienden (das wo immer es unvollkommen in seiner Wesensentfaltung seine Idee repräsentiert) nur das Bild des Seins rekonstruieren, ableiten kann, in der Reflexion, in der Sehnsucht.

Positiv - wo es in dieser Selbstüberschreitung auf die Welt hin diese einfachhin annimmt, und hier (in vollkommender Übereinstimmung des idealen mit dem Wirklichen, so wenig das auch möglich ist) immanent, unreflektiert (gewissermaßen) zum vollkommenen Selbst wird. Das reine Repräsentanz des reinen, abstrakten Ich der Idee ist.

In jedem Fall ist das Selbst Repräsentant - Träger wie transzendenter Zeiger - des Seins eines Ich IM Seienden, das auf die eine Weise im Webmuster der Geschichte existiert weil lebt und solange es lebt, auf die andere in dieser Indivituation das Wesen des lebendigen Ich vollzieht, das nicht geschichtlich IST, in seinem Selbstvollzug in die Welt hinein aber Geschichte (und damit Welt) konstituiert.

Das Entscheidende ist damit nicht, OB Selbsttranszendenz (zur Werdung eines Selbst, aus dem Ich) oder nicht, sondern die Unterscheidung zwischen den Gestalten des Seins im Seienden. Vulgär formuliert, bedeutet Selbstwerdung also nicht, in ALLEM und JEDEM einfachhin 1:1 auf das Begegnende zu antworten. Wie sich am Beispiel der Technik zeigt, die sich nicht "inhaltlich-intentional" erfährt, sondern strukturell-phänomenologisch. Einer Art Selbsterfahrung der eigenen Mächtigkeit gleicht, in seiner Erfahrung nicht inhaltlich orientiert ist - letzteres ist oder wäre nach wie vor an die Hervorbringungsprodukte gebunden, die in der technischen Hervorbringung aber einer abstrahierten, qualitativ anderen Dimension des Bedürfens (bzw. Schichte des Selbsterfahrens) entsprechen.

Sondern aus dem Begegnenden die Gestalten des Seins zu lesen, und sohin dem Seienden adäquat zu antworten. Blinde Auslieferung an das Seiende (als Träger des Seins) ist damit genauso "schädlich", wie völlige Verweigerung des Seieneden (als möglicherweise oder höchst wahrscheinlich defekten Seinsrepräsentanten).


 Teil 2) Gibet es also ein Ich? Oder nicht?





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Donnerstag, 25. Oktober 2012

Seiten derselben Medaille

Bisher (ohne "erneuerbare Energiequellen") reichte in Deutschland für einen jährlichen Verbrauch von 83 Gigawatt eine Kraftwerksleistung von 120 GW als Vorhalte. 

Mit Wind- und Solarkraft muß diese vorzuhaltende Kapazität 220 Gigawatt betragen. Die Erneuerbaren Energiequellen sind ein reines Parallelnetz.

Ohne die Investitionen in Speicher zu berechnen, derzeit überhaupt noch ein ungelöstes Problem, wird das Deutschland in den nächsten Jahren 300 Milliarden Euro kosten.

Dieses zukünftige Netz, das nur als zentralgeplantes und -gesteuertes Netz möglich ist, bringt völlig neue Notwendigkeiten mit sich. Die sich in den Kosten niederschlagen. Bereits jetzt kann man sagen, daß der durchschnittliche Verbraucher diese Kosten tragen wird: der kleine Unternehmer, dessen Wirtschaften nicht unter die Förderkriterien fällt, weil er nicht international im Wettbewerb steht, und der Mittelstandshaushalt, der in der Lage ist, die höheren Energiekosten zu tragen. Denn bei gleichzeitigem Absinken der Kaufkraft der unteren Einkommensschichten wird eine soziale Staffelung unumgänglich sein. 

Ob direkt, durch verbraucherspezifische Stromtarife, oder indirekt durch höhere Sozialleistungen. Letzteres ist wahrscheinlicher, weil die Kosten für diese "Energiewende" nach wie vor aus politischen Gründen verschleiert werden sollen. Diejenigen also, die an der Zerstörung der Lebenswelt in bisher unbekanntem Ausmaß am meisten leiden werden, weil sie nur sich haben - Mensch sind, sonst nichts - werden es also auch bezahlen müssen.

Es ist mehr als zufällig, daß diese reale Entwicklung parallel geht mit einer Weltsicht, in der alles Leben ohnehin "nur (elektrische) Energie" ist. Eine Sicht, die sich spätestens seit Entdeckung der elektrischen Ströme in Organismen (in der 1. Hälfte des 19. Jhds.) wie eine Wucherung in die Herzen der Menschen gefressen hat.

In dem Maß, in dem Gott verdunstet, stehen die "wissenschaftlichen, realen Lebensquellen" - als technische Funktionalität, die der Welt abzuringen ist, auch das längst vorbereitet: als Stromkraftweke - im Blickpunkt, ersetzen sie. Als Grundkatechese über das Leben, die direkt aus dem Lebensvollzug als Grundeigenschaft der Welt hervorgeht, und damit den Geist wachruft, aus dem sie stammt, denn jedes Werkzeug repräsentiert seinen Geist, und dieser geht auf seinen Gebraucher über. Auf der einen Seite. Seit 100, 150 Jahren durch v. a. asiatische Lehren verbreitet, die ihre "Spiritualität" aus denselben Quellen, den "Techniken der Lebensanspeisung", beziehen.

Auf der anderen Seite bricht sich das Leben mehr und mehr in sein abstraktes Äquivalent - Geld "an sich". Als technisches Abstraktum der Lebensvollzüge, bodenlos, und damit in unbegrenzter Vermehrungsmechanik, die einem Zentralpunkt zusteuert: der Planung und Steuerung sämtlicher "Geldumlaufmechanismen".

Weder Geld-, noch Strom- bzw. Energieverbrauch, werden in solcher Entwicklung je "reichen", sie werden immer weiter steigen und steigen. Und zwar im selben Maß, wie das Leben als Gestalt in der Welt selbst verdunstet, das sie zu ersetzen suchen. Die Welt kann sich Nihilismus, sicentistischen Technizismus, im wahrsten Sinn des Wortes "nicht leisten". Im Einsatz einer "erleichternden" Technik - die eigene Vitalkraft einsparen und ersetzen soll. Einschließlich der Einsparung der Geisteskraft, im Logizismus*, im Energetizismus.

Eine Welt, die sich immanentistisch begreift (als in sich geschlossenes System**), muß sich zwangsläufig immer mehr immanentistischen "Lebenshervorrufungsprozessen" zuwenden. Im selben Maß, als die Menschen das Schwinden des Lebens erfahren. 

Gott IST das Leben. Es ist alles eine einzige Grundbewegung, aus der heraus auch Geschichte begreifbar wird.





*Im Rationalismus wird Denken zum bloßen Vollzug einer Mechanik, zur Technik. Das Wesentliche des Geistigen, das Schöpferische, das was jeder Mensch selbst zu vollziehen und zu erbringen hat, sodaß Geistiges zu Gestalt wie Grundlage seines vitalen Ich, im vitalen Selbst wird, wird ausgeblendet, Denk"ergebnisse" werden zu bloßem unschöpferischem Nachvollzug von Logikprozessen. Man wird aber nur "Selbst", wenn man sich aus dieser Quelle speist, in der das Ich - als alles Umfassender Wesenskern des Menschseins - sich selbst gegeben ist, sich also nicht sich selbst verdankt, sondern sich dem Leben selbst verdankt. Dem "Cogito, ergo sum" des Descartes - dem Zu-sich-Kommensprozeß des bewußten Ich im Selbst, in der ersten Lebensemanation, dem Wort (das Gott ist), dem Gedanken mithin - geht jenes "Ich" voraus, das diesen Prozeß FESTSTELLT, erfährt. Und auf das sich sämtliche weiteren entelechialen (leibwerdenden) Prozesse zurückführen. Dies auch zu einigen jüngst getroffenen bzw. zu lesenden Aussagen des Daniel Kehlmann erwidert. Innerrational - ein Glaubenspostulat, zu dem man sich entscheiden muß, das selbst nicht rationales Ergebnis ist! - bleibt nur Verzweiflung hier, und Curiositas dort, weil sich alles ins Relative, aber an sich Sinnlose, auflöst. Und damit - wie Kehlmann richtig sagt - im (nihilistischen Zweig des) Buddhismus endet. Das Entscheidende passiert aber im Personsgebungsakt: Abbild Gottes, weil aus ihm hervorgegangen, im Schöpfungsakt, aber wesenhaft von ihm getrennt (!), also nicht "selbst Gott", nur Analogie (Ähnlichkeit) seines Wesens (weshalb sich aus menschlichen Akten auf Akte Gottes rückschließen läßt, diese aber nicht identisch sind), steht dem Menschen zur Teilhabe an der Wahrheit nur die Person Gottes - in Jesus Christus - gegenüber. Nur indem er an IHM teilhat, hat er an der Wahrheit und am Leben teil. Jesus war kein "illuminierter Lebenstechniker", sonder er ist Ursprung wie Grundstein wie Ziel aller Schöpfung, aller Welt, als in sich unendlich komplexes Zusammenspiel, das sich in sich selbst am Leben erhält, wie ein gotisches Gewölbe, aber bei Fehlen des Schlußsteines in sich zusammenfällt.

**Weil aber der Rationalismus weiß, daß er sich selbst nicht aus sich selbst begründen und beweisen kann - das ist ja die großartige Leistung von Gödel: das streng rational BEWIESEN zu haben - bleibt (ohne das Sehen - bewußt wird hier nicht gesagt: denken! - von "Gott") diese rational begründete Notwendigkeit der Transzendenz als ungesättigte Gedankenbewegung vital und präsent. Und äußert sich (wie bei Gödel) in "Parapsychologie" und "Weltverschwörungstheorien". Gödel war zunehmend "Geisterseher" und paranoid, sein Wissen um außenstehende Ursachen äußerte sich, als ungesättigte Kraft des Selbst, zwangsläufig auf diese Weise.  




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Sonntag, 2. August 2009

"Ich oder der Faschismus!"

Die Reaktionen waren eigentlich so absehbar, daß ich mir an dieser Stelle weitere Arbeit ersparte. Rudolf Mitlöhner hat nun in der Furche eine Replik auf Kehlmann's Eröffnungsrede zu den Salzburger Festspielen dieses Jahres geschrieben, nein: Vielmehr eine Replik auf die Repliken. Der gar nicht so überwältigende Artikel genügt um zusammenzufassen, was über die Sache zu sagen sich lohnt. Denn die ganze Sache ist gar nicht so überwältigend ...

... Man mag auch daran Anstoß nehmen, daß Kehlmann ins Zentrum seiner Eröffnungsrede bei den Salzburger Festspielen seinen Vater, mithin ein gutes Stück persönlicher Befindlichkeit, gestellt hat. Aber natürlich kennt Kehlmann auch genau den Wirkmechanismus der Personalisierung: daß sich Geschichten, die über konkrete Personen erzählt werden [...] [...] Die Worte des Autors wurden primär als Abrechnung mit dem Regietheater rezipiert, erwartungsgemäß als hoffnungslos reaktionär punziert und dementsprechend empört zurückgewiesen. Aber diese Sicht greift wohl doch ein wenig zu kurz. An den Schluss seiner Rede stellte Kehlmann ein überzeugendes Plädoyer für die Phantasie und für die Kunst. „Enthüllung“, „nicht Verstellung“ sei die Aufgabe des Schauspielers, heißt es dort unter Berufung auf Festspielgründer Max Reinhardt – und weiters: „Die Wahrheit auszusprechen also über unsere von Konvention und Gewohnheit eingeschnürte Natur, die Wahrheit über das eine kurze Leben, das wir führen. Und über die unzähligen Leben, die wir darüber versäumen und denen wir nirgendwo anders begegnen können als in unserer Phantasie und in der Kunst.“ Und von diesem Schluss her erhält dann seine zuvor mehrfach formulierte Kritik erst ihr eigentliches Gewicht: die Sorge, das Theater sei zum „Privatvergnügen einer kleinen Gruppe“ verkommen, „ohne Relevanz für Leben, Gesellschaft und Gegenwart“. Wo das Theater diese Relevanz – „die Berührung mit der existenziellen Wahrhaftigkeit“ – verloren habe, so formulierte Kehlmann, wiederum auf Reinhardt Bezug nehmend, „bleibe leeres Spiel und, schlimmer noch, blanke Langeweile“.

Der Schlüsselsatz der Rede ist indes ein anderer, und er kommt ganz schlicht daher: „… man darf selbstverständlich auch für die drastischste Verfremdung (von Theaterstücken durch die Regie; Anm.) eintreten, aber man sollte sich deswegen nicht für einen fortschrittlichen Menschen halten.“ Hier liegt die eigentliche Sprengkraft, die weit über den Bereich des Theaters hinaus reicht, und wohl auch der tiefere Grund für die gereizte Reaktion jener, die sich für die „fortschrittliche Intelligenzija“ halten. Entgegen der Lesart seiner Kritiker lehnt Kehlmann also nicht generell „das Regietheater“ ab, schon gar nicht plädiert er für konventionelle oder historisierende Inszenierungen. Er hält es nur für unzulässig, ästhetische Fragen gewissermaßen moralisch zu überhöhen.

Antifaschistischer Schutzwall

Damit trifft er freilich einen wunden Punkt der Linken. Denn sie bezieht seit jeher ihre Selbstlegitimation aus genau dieser Überhöhung, aus der Selbststilisierung zu einer Art fleisch- und geistgewordenem antifaschistischen Schutzwall. „Ich oder der Faschismus“ war der Sukkus der Botschaft etwa von Claus Peymann oder Gerard Mortier (um beim Theater zu bleiben), mit der sie ihre (kultur)politische Mission begründeten. Wobei sie wohl den „katholischen Klerikofaschismus“, wie sie es genannt haben könnten, für die größere Gefahr hielten und deswegen auch als liebsten Reibebaum erkoren.
An diesem liebgewordenen Selbstverständnis hat Daniel Kehlmann kräftig gerüttelt. Sanft im Auftreten, ist er den Hütern der politischen Moral kräftig auf die Zehen gestiegen, diese haben reflexartig „Aua“ und „Pfui“ geschrien – und fertig war die Debatte.

Fertig wäre wohl zu lesen als: Schluß damit, es ist genauso langweilig wie der kritisierte Gegenstand.




*020809*

Samstag, 25. Juli 2009

Kehlmann sagt es


Wenn Kehlmann in seiner Eröffnungsrede zu den diesjährigen Salzburger Festspielen erzählt, daß ausländische Freunde ihn unverwandt fragten, was denn das solle, was sie am Theater hierzulande zu sehen bekämen, und Kehlmann dann darauf hinweist, daß man bei solchen Diskussionen sofort ideologische Anwürfe - "reaktionär" etcetra - zu erwarten habe, so ist es ein erster Befreiungsschlag, der zu begrüßen ist.

Aber es kann noch erweitert werden: ausländischen Freunden von mir ist es nie verständlich, wenn man ihnen andeutet, in welchem Ausmaß hierzulande ideologische Kämpfe geführt werden. In welchem Ausmaß hierzulande eine ideologische Diktatur versucht, das gesamte Leben, und wieviel dabei die Meinungsbildner, wieviel die Kunst, unter ihre Fuchtel zu bekommen. Und dies über Masse, Meinungsmanipulation und Lüge wie bedenkenlos gerechtfertigter Verleumdung via Ressentiment-Erzeugung tut.

Es ist ausländischen Freunden nicht vorstellbar, in welchem neurotischen Klima man hierzulande zu leben hat, das einem Klima der Diktatur kaum nachsteht.

Es ist ausländischen Freunden nicht vorstellbar, daß es Kunstdiskussionen gibt, die andere als Form- und Gestaltprobleme haben. Daß politisch-moralische, ideologische Opportunität weit mehr zählt. Daß Verbildetheit auch Beurteilungskriterien bis in die Irrelevanz verschoben hat.

Es ist deshalb ausländischen Freunden nicht vorstellbar, wieviel Mut Kehlmann aufbringt, wenigstens anzudeuten, wie bedrückend und eng das geistige Klima in diesem Lande ist. Eng gemacht gerade von jenen, die nicht Kunst, sondern "Gesellschaftsveränderung" auf ihre Fahnen geschrieben haben, und "haltet den Dieb" schreien, während sie die Beute unter sich aufteilen.




*250709*