Treibgut - Wo am breiten Strome die Ufer stehen, sind Schwarzerlensamen aufgegangen, und schäumen als saftige Büsche die Ränder der großen Lethe, die alles ins Dunkele Meer trägt; ihre weichen Äste, die noch nicht ahnen lassen, welcher später als kahler Stamm reife Blätter hoch in der Sonne wiegen wird, tauchen in die Wasser, wie Kinderhände. Dann und wann greifen sie, denen alles noch ernstes Spiel ist, nach Treibgut. Oder es bleibt hängen, lädt zum Tanze, haucht im Kusse Lebwohl
In der Frage, wer das wahre Oberhaupt der österreichischen (als Teilmenge der deutschen) Völker ist, zeigt sich eine heiße Spur. (Denn die "demokratisch gewählten" sogenannten Volksvertreter sind es sicher nicht. Sie sind ein fragiles und sich dieser Fragilität bewußtes Scheintheater einer Machtusurpation, der jede absolute Legitimität einer Machtausübung fehlt.
Allerbestenfalls kann in unvermeidbaren Fällen, die ein subsidiäres und föderalistisches, pseudo-staatliches Handeln (die Bundesländer Österreichs sind 1919 per Zwang zu einem Staat zusammengeschlossen worden) erfordern (etwa im Kriegsfall) von stellvertretender Handlung gesprochen werden, die aber keine dauernde Politikerkaste erforderte. Die österreichische und die deutsche Politik haben also keine Führung im eigentlichen Sinn, die aus sich heraus handeln, gestalten, schon gar verändern könnte.
Aber ein Volk kann sich keine Regierung selbst "geben". Das ist metaphysisch unmöglich. Es kann bestenfalls "so tun als ob", und dann eine groteske Komödie abziehen.
Weil es scheinbar auch ohne Tugend geht, und sich die Säue weiter in der Kloake suhlen können. - Sondern die noch viel viel weniger Prozent an Vätern (und Müttern, meinetwegen, obwohl die geschätzt zu weiteren 50 Prozent nur verlängerter Arm der Vampire und Marder sind, zu denen die Mehrheit wurde; beide Viecherlein laben sich bekanntlich am Blute der noch lebenden Opfer, bis die ausgesaugt und tot sind) die sechs, sieben, acht oder fünfzehn Kinder bejaht (und geschenkt bekommen) haben. Nur die sehen, wie ihnen am lebenden Leib die Organe herausgerissen, die Kinder enteignet und sie zu Bittstellern des Staates wurden, der jenen Teil am Einkommen "ergänzt", den er zuvor durch Steuern geraubt hat. Die er aber nur unter Auflagen gewährt, die eine strikte ideologische Ausrichtung an der staatlichen Doktrine zur Bedingung machen.
Sieht man von dem Umstande ab, daß wir uns doch bitte endlich mit dem Gedanken anfreunden sollten - und gerade die sogenannten "Konservativen" (und wieviele rühmen sich dessen, es ist täglich neu zum Wundern, aber vor allem zum Kotzen) scheinen hier die Mittel durch den Zweck geheiligt zu wissen - daß das Wohl und Wehe jedes Volkes, und damit auch sein Nachwuchs, ja vor allem seine Demographie!, in der Hand Gottes liegt.
Man hat dem Heiligen Ambrosius von Mailand (339-397), einer der vier lateinischen Kirchenlehrer der Spätantike (also nicht dem VdZ ... ;-) 1295 zum Kirchenvater "erhoben", und man hat ihm seinerzeit den Vorwurf gemacht, er würde die Substanz des Volkes aushöhlen und den Männern die ihnen zustehenden und passenden Frauen vorenthalten. Weil er die Jungfräulichkeit als höchstes Ziel so glorifiziere.
Dem entgegnet der Mailänder Bischof in seiner Schrift "De virginitate - Über die Jungfräulichkeit" daß nicht sein könne, daß im Christentum verpönt sei, was seit je her im Volke geübt und somit üblich, und bei den Heidenvölkern so hoch angesehen sei: Daß junge Mädchen, die noch keinem Manne gehören oder versprochen sind, sich Gott weihen. Oder den Heidengöttern, natürlich.
Der Kaiser hatte sogar das Recht, Priesterinnen (Vesta-linnen) auszuwählen, und niemand durfte dagegen Einspruch erheben, die somit zur Jungfräulichkeit ohne jede Eigenzustimmung verurteilt waren. Zwar haben die Ausnahmen mit der Zeit zugenommen, unter denen die Freigabe des erwählten Kindes gewährt werden konnte, oder sogar zum Recht wurde. Etwa, wenn bereits eine Schwester Vestalin, oder die Tochter das einzige Kind war; denn das Fehlen von Nachwuchs galt seit je bei den Menschen als Zeichen der Verfluchtheit durch Gott, der die Wurzeln eines Geschlechtes verdorren ließ. Niemandem aber wäre es eingefallen, dagegen zu opponieren! Jeder anerkannte die Wichtigkeit und Notwendigkeit dieses Opfers vor den Göttern.
Gedanken zum Tag "Maria Empfängnis": Mitten hinein in ein Jahrhundert, in dem sich die Weichen dieser Kultur bereits in den Abgrund der Nichtung, der Auflösung aller Grundlagen und Fundamente gestellt hatten, kam 1854 die Verkündigung des Dogmas der "Ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau", der "Unbefleckten Empfängnis." Das vier Jahre später durch die Erscheinung in Lourdes, wo sich die Gottesmutter dem einfachen Hirtenmädchen Bernadette Soubirous in achtzehn sehr gut bezeugten und von zahlreichen Wundern umkränzten Ereignissen zeigte.
Mitten hinein in eine Auffassung der Welt, in der diese in Funktionen aufgelöst wurde, kam eine einfache Seinsbotschaft: Ich BIN. Nicht Ich kann. Nicht ich werde tun. Nicht ich mache. Nein. Ich BIN.
Während rundum in der Französischen Revolution ein völlig neues Gesellschafts- und Menschheitskonzept konstruiert wurde. Mit der Soziologie, die von Auguste Comte ihr erstes Theoriegerüst erhielt, wurde die Menschheit gemäß der Auffassung eines Priesters, des Abbé Emmanuel Sieyès, Dompropst von Chartres, neu aufgefaßt und umgestaltet. Dessen Schrift "Abhandlung über die Privilegien - Was ist der dritte Stand?" die menschliche Gesellschaft gleich welcher Gestalt als Maschine, als Mechanismus verstanden wissen wollte.
Nicht mehr das Sein, nicht mehr die Ordnung in Gott war fortan das Entscheidende, sondern die Erfüllung von Funktionen. WER diese erfüllte war nun gleichgültig. Genau das glauben wir heute, oder sagen wir besser: Wollen wir glauben, weil wir auch glauben das zu sollen. Damit wurde die Sichtweise des Abendlandes, die dieses überhaupt grundgelegt hatte, die Thomas von Aquin im Satz "Agere sequitur esse - Das Handeln folgt dem Sein," ja setzt dieses voraus, so präzise formuliert und in den Strom des wahren Denkens gestellt hat.
Auch der dritte Stand war also in der Lage, das Insgesamt einer Gesellschaft abzubilden, zu repräsentieren. Man brauchte keinen König, man brauchte keinen Adel, keinen Klerus. Keine Kirche, keine Standeselite. Man brauchte nur Funktionsträger, und wer immer das sein wollte, sollte und konnte es sein.
Dabei versuchte Comtes "nur", ein neues Idealbild einer Gesellschaft zu rekonstruieren, das ohne die bisherigen Begriffe und Ordnungen auskam. Er versuchte es mit den Mitteln, die ihm nach der Aufklärung noch verblieben - einem zu Sand verdorrten, in zwei Dimensionen gefangenen, reduzierten Geist, der als "Ratio" die Welt gar nicht mehr fassen konnte. Und die eigene Erfahrung des Scheiterns zum Gemeinplatz machte. Denn auf Funktionen aufgelöst bleibt gar keine Gesellschaft mehr.
Aber das war Tor wie Startschuß zur Französischen Revolution. Der in der amerikanischen Revolution 1776 bereits das Vorbild geliefert wurde, und allen nun folgenden sogenannten bürgerlichen Revolutionen in Europa und der Welt Vorbild wurde. Und damit der Kultur den Todesstoß versetzte, weil ihre Fundamente zerstörte.
Die im deutschen Raum mit der Romantik und deren verzweifeltem Schatten, dem Biedermeier, noch einmal um Leben gerungen hatte, bis ihr durch die Revolutionen von 1848 das Licht ausgeblasen wurde.
Zehn Jahre später, 1858, kam Maria mit dieser einfachen Botschaft. "Ich bin die Unbefleckte Empfängnis!"
Sie WAR etwas. Und sie war das Einfachste, das man sich vorstellen konnte. Ein in Funktionsbegriffen definiert machtloses, schlichtes Mädchen. Aber genau dieses hat Gottes Schöpfung repräsentiert. Indem es sich nicht in Funktionen erhob, sondern nur WAR. Nur ist. Und nicht nach oben greift.
Nur schlichtes Sein, nicht protziges Machen. Nicht "Talent", sondern Stand und Ort als Erfüllungsmedium. Aufgeschlossen mit den beiden Schlüsseln - Berufung und Gehorsam.
Das ist wahre Macht. Weil es das Tor ist, durch das Gott in der Welt wirkt und repräsentiert wird. Gott sucht nicht Funktion. Er sucht Seinsoffenheit und demütiges Annehmen wie Repräsentieren dessen, wohin man gestellt ist. Genau damit repräsentiert also ein Mensch die Menschheit selbst. Individuation, die sich im Ort und in der Schickung zur Welt wirklicht.
Diesem Sein in der Welt, diesem schlichten Mädchensein, hat Gott die höchste Aufgabe zugedacht, die dem Menschen möglich ist: Jene Materia zu sein, ähnlich der Erde, aus der Gott im Anfang Adam schuf, in die Gott selbst sich durch den Geist - und im Geist, denn Maria war voller Gnade, also voll Gottes Geist, und dazu muß sie ohne Erbsünde gewesen sein - hineinzeugt.*
*Wir können hier durchaus den Bezug zu den in fast allen Völkern bestehenden Mythen herstellen, in denen Gott - Iospater (Jupiter), wie bei den Griechen und den Römern - einer irdischen Frau sexuell begegnete, und einen Sohn zeugte. Ziehen wir hier noch eine Linie zu Mythen, wie sie das alte Ägypten aufweist, in denen nämlich der Pharao als Repräsentant (und Sohn) Gottes (diesem also gleich oder ähnlich, als Abbild vom Urbild) nur mit "seinesgleichen", also nicht mit einer unreinen (rein irdischen) Frau Nachkommen zeugen konnte.
Was übrigens zur legendären Geschwister-Ehe führte, die sogar noch bei den römischen Kaisern eine (geistige) Rolle spielte. Denn ein Gott braucht die vollkommene Reinheit. So gut wie jedes Herrschergeschlecht beruft sich deshalb auf seine göttliche Abstammung. In der Gott sich mit einer Frau vereinte. Kein Mythos aber kann letztendlich das Problem der Reinheit lösen. Er ahnt aber seinen Sachverhalt.
In dieser Vollkommenheit - damit Schönheit: TOTA PULCHRA EST MARIA - ist auch der Bezug der Genesis zu verstehen, die Eva aus der Seite des vollkommenen Abbildes Gottes, aus der Rippe Adams, nimmt.
Aus der Erfahrung, wie Kinder geboren werden, ist manchen die Jungfräulichkeit Mariens nicht nachvollziehbar, ja abstrus. Wie soll sie ohne Zerstörung des Hymens (des Jungfrauenhäutchens) gebären? Ist das nicht überzogen? Sie bliebe doch Jungfrau, schon weil sie mit keinem Manne geschlafen hat - "ich kenne keinen Mann". (Josef hatte ja auch erst Zweifel, wie überliefert ist.)
Es gibt keine Dinge "in spiritu", auch wenn sie geschöpflich halt anders sind - Jungfräulichkeit schließt ein, daß diese Jungfräulichkeit "ganz" blieb, um Jungfräulichkeit zu sein. Also auch mit intaktem Hymen. So wie alle Konkretion von "Dingen" nicht von ihrem Bezug zu ihrem Urbild ("potens") - dem Gedanken im Sein - zu trennen ist. (Dies ist die Auffassung unter anderem der Protestanten, wo ein Ding nicht unbedingt wie sein Gedanke aussehen muß, um dieser zu sein, und umgekehrt - vereinfacht ausgedrückt.)
Das ist bereits weniger schwer verständlich, wenn man die uns heute bekannte Geburt - "in Schmerzen" - als Folge der Erbsünde begreift. Wie zuvor geboren wurde, wissen wir nicht. Die katholische Theologie spricht selbst bei der Geburt Jesu von "neuer Geburt", ohne das genau definieren zu können, aber so muß es aus anderen Voraussetzungen heraus dann eben gewesen sein. Es gehört nicht zum Glauben, sich genau vorstellen zu müssen, wie das geschehen sei. Wir wissen eben nicht alles. Aber es ist logisch und denknotwendig, daß die Geburt des "neuen Adam" auf eine Weise geschah, die mit der erbsündlichen Folge nichts zu tun hat bzw. diese nicht kennt.
Um diese gesamte Thematik aber glauben bzw. glaubend annehmen zu können, bedarf es des Für-wahr-Haltens vieler weiterer, solcherart "vorangehender" Glaubensinhalte. In diesem Sinne spricht man von "zentralen" Glaubensinhalten und weniger zentralen. Nicht, weil sie weniger wichtig oder auch weglaßbar wären, sondern weil die Gesamtheit der Glaubenslehre sehr eng ineinander verwoben und verschränkt ist, und manche Inhalte andere wiederum voraussetzen, um verständlicher und plausibler zu werden.
Wer zum Beispiel nicht an die Geschöpflichkeit der Welt glaubt, diese also für plausibel (vernünftig) und damit - im Zustimmen - für wahr hält und damit ihre Verkünder (die Kirche) für glaubwürdig hält, wird mit der gesamten katholischen Theologie nichts anfangen können, ja sie für positivistischen Unsinn halten.