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Samstag, 4. Mai 2019

Der Samstag-Nachmittag-Film

Natürlich hat der Film etwas recht "Didaktisches", natürlich ist er vor allem eine Botschaft. Aber er hat auch etwas sehr Liebes, und vor allem etwas sehr Richtiges in seiner Menschensicht. Er ist allemal wert, gesehen zu werden, auch heute noch. "Der Pauker" (1958) mit Heinz Rühmann in einer seiner Paraderollen läßt uns auch heute in einem kleinen Traum von letztlich doch heiler Welt leben, die durch Leiden und Bosheit durch muß, um sich dann zum Guten zu heben. Aus sich selbst heraus. Und er zeigt, wie eine Jugend gerade im Umbruch zur Adoleszenz hin zu "holen" wäre, darin ist er kein Märchen. 

Aber er hat natürlich noch ein Gut, ein Kapital, das heute schon dünn geworden zu sein scheint. Er baut auf einer Söhnegeneration auf, die noch einen guten Schluck vom alten Anstand unserer Völker mitbekommen hat. Diese Substanz nicht weitergebaut und weitergegeben zu haben ist der wohl schwerste Fehler gewesen, der in den 1960er Jahren dann Generationen herangezogen hat, die diese Stufe zum Erwachsensein gar nicht mehr überwinden konnte. Sondern immer unerwachsen bleiben zu können meinte.

Im Film ahnt man den Umbruch schon, an der Kleidung (v. a. der der Mädchen), am Gehabe, an den neuen Gewohnheiten und Umgangsformen, die einbrechen. Man ahnt den großen Vaterverlust, der sich gut 150 Jahre lang aufgebaut hatte und nun kulminierte: In einer Jugend, die erstmals mit allem Alten, Tradierten brach. Das drückt sich in der Kleidung aus: Niemand streckt sich mehr nach den Schultern auf, auf denen dennoch alle stehen. Aber der Pauker - als Ersatzvater, wie gute Lehrer es sein können - schafft es gerade noch, diesen ersten Brand zu löschen. Und die Unschuld, die das Gute immer hat, einmal noch zu retten. Es mündet in Vaterliebe.

Entzückend und wie immer sehenswert Gert Fröbe. Aber auch ein ganz ganz junger Peter Kraus. Der nicht singt, also keine Angst. Aber immerhin hat er später mit seiner Musik versucht, den Rock 'n Roll zu zähmen, ihn in seine Herkunftskultur des Anstands hinüberzuholen. Gelingen konnte das freilich nicht. Sein Rock 'n Roll wurde weder Fisch noch Fleisch und war eher eine Echokammer des Kleinbürgertums. Man kann aus einem Kreis kein Quadrat schnitzen. Man kann keine Auflösung in Subjektivismus in die Konstruktivität des Objektiven überführen. Nacht bleibt Nacht, auch wenn die Scheinwerfer gleißen. Und was der Nacht gehört, wird am Tag fahl und durchsichtig.







*120219*

Freitag, 1. März 2019

Anschnallen, bitte!

Neulich, in der Fußgängerzone ... Vermutlich darf man Boogie bestenfalls hören, aber niemals sehen. Denn dann gibt es überhaupt kein Halten mehr. Ja Gottverdammminomoi, ist Jazz wirklich Virtuosität und Rhythmuskraft - ohne Musik? Wenn es also einen Beweis für die weltbewegende, ja welttragende, konstituierende Kraft des Rhythmus gibt, liefert ihn dann der Jazz?









*100119*

Montag, 24. September 2018

Vom Umsturz durch Musik (2)

Teil 2)



Der Mensch ist an sich auf Schönheit ausgerichtet, er braucht und sucht sie. Sie ist die unmittelbare Kraft, die ihn auf Ordnung und Sinn hinweist und entsprechend formt. Somit ist sie auch eine, wenn nicht die erste, vornehmste kulturbestimmende Kraft (wenn man auch Architektur als Musik begreift). Findet der Mensch diese Schönheit nicht mehr in der Kunst, in der Liturgie (und darauf läuft es hinaus), so sucht er sie woanders. 

Und er sucht sie in Ersatzformen, sprich: in Wirkungen, die denen der Wirkung der Schönheit ähneln. In Erschütterung, in Rhythmus, in selbst evozierten Gefühlen. Wie sie der Jazz bedeutet, der ebenfalls die Ordnung aufbricht und als Quelle der Musik den Musiker selbst sieht, ebenso wie den Hörer, von dem bedingungslose Auslieferung verlangt wird.  Und wie sie die Rockmusik bedeutet. Niemand wußte um die revolutionäre Kraft von Musik besser als die Rockmusiker selber! Die die Crux erlebten, daß ihre Intentionen durch die eine immer größere Rolle spielende Elektronik (heute: Digitalisierung) eine ungeahnte weitere Dimension der Entfesselung wie auch der Breitenwirkung (Schallplatte, Radio, Tonband, Fernsehen, bis zum Digitalspieler*) erfuhr.

Was sich dann vor allem ab der Mitte des 20. Jahrhunderts abspielte, war wie in allen Bereichen, nicht nur in der Musik, aber stark von ihr ausgehend, eine Ausfaltung dieser philosophischen Schlüsse, die so nebenbei auf einer völlig neuen (von Evolution und Darwinismus geprägten) Anthropologie aufbaute. Das Bild von dem, was der Mensch war, hat sich vollständig geändert, wir sehen es heute in aller Macht.**

Und in der Postmoderne eines Michel Foucault ihren vorläufigen Höhepunkt fand. Der ebenfalls aus persönlicher Erfahrung - Foucault war nicht nur homosexuell (und schon damit gesellschaftlicher Außenseiter, ein Mann "außerhalb des logos" also), sondern lebte seine Neigung in San Franzisco, wo er Vorlesungen hielt, in dessen Möglichkeiten extrem aus, bis er an seinen Exzessen krepierte. Für ihn (bzw. die Postmoderne) war Wissen (Nietzsche!) eine Angelegenheit der Macht und damit der herrschenden Klasse. Und damit der bestehenden Ordnung. Nur die dionysisch-befreite Sexualität vermag diese Banden aufzubrechen und die Menschen auf der Grundlage ihrer eigenen Erfahrung zu Wissen über die Welt gelangen. Dazu müssen sämtliche Denkmodelle aufgebrochen werden, denn in ihnen manifestiert sich lediglich die Macht derjenigen, die die kulturelle Ordnung beherrschen.

Ein Instrument dazu, wenn nicht das wesentliche Instrument dazu, war die Musik, die im 20. Jahrhundert aufkam und durch neue Medien und Technik rasch populär werden konnte. Die Sehnsucht der Menschen nach Schönheit war nach dem Abdanken der klassischen Musik, in der Schönheit noch der wesentliche Inhalt von Kunst war, um die sich jede Musikdramaturgie abspielte, um die der dramaturgische Aufbau in Oper, Symphonie, jedem Kunstwerk rang, ehe sie sich in der Katharsis (dem Freilegen der Schönheit) zu neuem Menschsein erhebt, unbefriedigt geblieben. 

Umso mehr stürzten sie sich auf die neuen Formen der Musik, wie sie eben aus den ausgeführten Impulsen, diesem Paradigmenwechsel, ja diesem Umsturz (Nietzsche, "Umwertung aller Werte") in der Musik, aufkamen. So wurden aber die Grundfesten unserer abendländischen Kultur buchstäblich erschüttert. Die Rolle der Musik in diesem Kulturumwälzungsprozeß, wie wir ihn seit 50 Jahren definitiv erleben, ist gar nicht zu überschätzen. Denn es war immer die Kunst, und noch mehr der Kult (als Quelle aller Kunst), die gesellschaftliche Haltungen und Stimmungen bewirkte, die sich dann in allen kulturellen Bereichen, bis hin zur Arbeit, ihre Realisierung suchte.







*In der Digitalisierung erfuhr diese dargestellte Wirkgeschichte der Musik im 20. Jahrhundert noch eine Wirkdimension zusätzlich. Denn die Digitalisierung ist bereits eine Reduktion der Musik von ihr weg hin zur reinen Wirkgeschichte. Der Programmierer geht nicht von der Musik selbst aus, diese ist nur noch abbildhaft (im Hörbild) vorhanden, sondern von der Wirkung, der entsprechend er sie programmiert. Das Digitale erzeugt also Wirkungen, keine Musik mehr. Oder wenn, dann eine eigene Musik, die mit der Ursprungsmusik nur noch einen rationalen Zusammenhang hat. Zur Illustration: Auf der Schallplatte ist noch eine direkte Wirkung der Ursprungsmusik in physischer Übertragung weil Präsenz - die Plattenprägung wird von den Schallwellen der Musik selbst hervorgerufen - enthalten. Wer das einmal erkannt hat, wird nie mehr digitalisierte Musik wollen, die nur "Bericht liefert, wie diese Musik ist", sie aber nicht mehr selber, sondern eine Interpretation des Programmierers ist. (Siehe unter anderem die Medienkritikansätze von Friedrich Kittler.)

**Es ist ein schweres Versäumnis, weithin zu beobachten, daß in vielen Diskussionen über Zeiterscheinungen ausgeklammert wird, daß diese Diskussionen sinnlos geworden sind, weil die Frage "Was ist der Mensch?" in zwei unvereinbaren Extremen gespalten ist und somit eine dialogische Klärung unmöglich ist. Das geht bis hinein in Fragen der Wirtschaft.

Samstag, 22. September 2018

Vom Umsturz durch Musik (1)

Das hier jüngst in einem Radiointerview mit E. Michael Jones besprochene, von diesem verfaßte Buch "Dionysos rising - The birth of cultural revolution out of the spirit of music" ist zwar schon 25 Jahre alt, aber es hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Auch wenn Jones heute meint, daß er die Hauptconclusio damals noch nicht in der Schärfe gesehen hat wie heute - daß hinter den Entwicklungen in der Musik des 20. Jahrhunderts konkrete Personen und Personengruppen standen - so hält seine These über das, was sich in der Musik abgespielt hat. Denn auch dort hat sich ein Kulturbruch abgespielt. Ja, vor allem dort nahm er seinen Ausgang.

Und er nahm ihn bei Richard Wagner, führte von dort über Nietzsche hin zu Schönberg und Michel Foucault. Signalpunkt war die Wagnersche Beschwörung der dunklen Kräfte, des Chaos gewissermaßen, wie es in "Tristan und Isolde" programmatisch (man beachte die Rolle des Venusbergs) vor Augen kommt. Wo die Befreiung des Menschen anhebt, wenn er sich den Leidenschaften hingibt. Die sich aber direkt gegen die Ordnung der Welt, gegen die Kultur wenden.

Nietzsche war von Wagner (zuerst; später hat er sich von ihm abgewandt) so beeindruckt, daß er sein erstes Buch "Die Geburt der Tragödie aus dem Geist der Musik" verfaßte (und sich in der Erprobung dieser Freiheit gleich die Syphilis holte). In dem er die durch Wagners Musik gemachte Erfahrung in eine Kulturtheorie ummünzte: Erst hat die Auslieferung an die Mächte der Nacht, des Chaos, des Erdinneren (Höhle), des weiblichen Uterus zu erfolgen, dann ersteigen daraus jene (rhythmischen; man beachte die Zusammenhänge mit der Architektur) Kräfte, die die Musik als noch bildlose, aber umso wirkmächtigere Grundverfaßtheit der Welt im Menschen hervorbringen.

Nicht logos, Sinn, Ordnung und Gerichtetheit auf diese vorgegebene, vorzufindende Ordnung (in Gott, also in der Vorsehung*) ist das zutiefst, innerste, grundlegendste Wesen der Welt, sondern die frei aus dem Chaos aufsteigenden Mächte. Und das ist auch die Grundaussage Wagners, die er in seinen Opern immer mehr herausschält. Die Welt selbst ist letztlich sinnlos, Moral hat nur pragmatischen und kulturbezogen relativen Charakter. Ein im logos fundiertes Wesen der Dinge gibt es nicht. Es hängt umso mehr davon ab, wozu sich der Mensch als Heroe (jener "Übermensch", der den "Willen zur Macht hat") entscheidet und ermannt, um die Welt nach seinem Bilde zu gestalten. 

Diese Sichtweise öffnete die Tore zu dem 20. Jahrhundert, wie wir es erlebt haben. Das als Kampf des logos mit dem Chaos, als Kampf von Dionysos mit Apollo begriffen werden kann. Und Dionysos hatte mächtige Verbündete, die vorerst auch gesiegt haben. Denn hinter ihm stehen alle menschlichen Leidenschaften und deren Entbindung, Entfesselung. Die Geschichte der Musik spiegelt es exemplarisch.

Denn von Wagner geht die Linie direkt weiter auf Arnold Schönberg, dessen Zwölftonmusik - so meint Jones aufzeigen zu können - ein Racheimpuls gegen die Ordnung der Welt war. Der er eine willkürliche, "übermenschliche" Ordnung (in seiner mathematischen Beziehung der Töne) entgegensetzte. Die aber damit auch das Schöne verlor, und es durch Beeindruckung und Sentiment ("Verklärte Nacht" ersetzte. Schönberg, ursprünglich Jude, hatte sich zum Christentum bekehrt und als Protestant taufen lassen. Bis er erlebte, daß ihn seine Frau mit einem Komponistenkollegen betrog. Das hat ihn ins Mark getroffen. 

Fortan war sein Schaffen nur noch von dieser Verletztheit geprägt. Und in einem nächsten Schritt hat er eine Anti-Ordnung konstituiert - seine Zwölftonmusik. Die eine fundamentale Wende in der abendländischen Musik bedeutete, in der er Wagner bis zur letzten Konsequenz weiterführte und den Boden für den Jazz (als Vorläufer) und die dionysische Rockmusik (später) bereitete. Sie stehen völlig logisch in dieser Entwicklungslinie. Und in dieser Linie steht die Entfesselung der Leidenschaften und Begierden der Menschen.  

Die Zwölftonmusik wirft jedes menschliche Harmonieempfinden über Bord und ersetzt es durch eine neue Dissonanz, die rein menschliches Werk ist. Aus dieser "Musik ohne Hören" wurde ein Hören ohne Musik. Es hatte tiefgreifende Auswirkungen. Denn in sehr rascher Folge gewöhnte es sich das Publikum ab, von der Klassik noch etwas - Schönheit! - zu erwarten.  


Am kommenden Montag Teil 2)


*Es wäre schon lange an der Zeit, einen wichtigen Punkt herauszustreichen, der seltsamerweise in der ganzen Diskussion noch nie berührt scheint: Nämlich die Analogie zwischen dieser Vorsehung Gottes "als Chaos" und dem dionysischen Chaos zu zeigen. Denn auf eine Weise verlangt auch der göttliche logos jenen entscheidenden Punkt, an dem die transzendenten Mächte (also die Gnade), in deren Händen alles (Gelingen, also alles Ordnende, Vernunftgemäße) liegt - Gott also, konkret sogar: Gott Vater (in dem alles Wissen ist) - über das Tor der Hingabe an diesen göttlichen Willen erst einzubrechen vermag. Der Unterschied zum Dionysischen liegt also nicht in diesem "Chaos", dem zu überantworten es ultimativ gilt. Das oft so rigoros abzulehnen hat der abendländischen Kultur (man betrachte vor allem den Protestantismus) nicht gut getan und vieles in eine kaum lösbare Aporie und Erstarrung geführt. 

Der an sich gar nicht so falsche Versuch über die "nouvelle theology", der im 20. Jahrhundert (parallel zu den Entwicklungen in der Musik) stattfand und heute die Theologie der katholischen Kirche zu überschwemmen droht, dieses Chaos wieder "hereinzubringen", diese Ganzhingabe, dieser "Steuerungsverlust" (durch letzthinnige Übergabe des Steuers an Gott), mußte aber insofern scheitern, als es vielen nicht gelang, dieses Geschehen, diese Akte in die göttliche Vernunft bzw. Vernunft überhaupt einzubetten. Damit endet auch diese Theologie dort, wo sie im Heidentum (Dionysos) endete, und in der Musikkultur des 20. Jahrhunderts sich exemplarisch zeigt: In einer Götzenanbetung, ja in der Dämonie der Verantwortung "an das nicht Gekannte und nicht zu Kennende". In einer Verneinung des dreifaltigen Gottes zugunsten anonymer (dämonischer) Mächte des Chaos. Wenn sich überhaupt Linien im theologischen Denken dieses Papstes (der VdZ bestreitet das) zeigen lassen, dann gehört diese dämonische, heidnische und letztlich nihilistische, weil vernunftverneinende Linie eindeutig dazu. 

Die Hineingabe in den Willen Gottes ist genau NICHT der Verzicht auf Vernunft, sondern ist die Hineingabe an die ultimative Vernunft, ist somit deren "Entfesselung" in die Welt hinein - aus Gott kommt nur Ordnung, niemals Chaos, das wäre ein Wesenswiderspruch. Chaos läßt er aber freilich zu, und es hat dann den Charakter einer Strafe, einer Gnadenlosigkeit aus menschlichem Abwenden und Versagen heraus. Wie sagt der VdZ in einem seiner Stücke ("Keiner hört auf Harvey") auf der Grundlage von Erlebnissen in Obdachlosenheimen? "Das ist die Hölle - wenn es keine Vernunft mehr gibt." Die Geschichte des 20. Jahrhunderts zeigt es eindrücklich.





*230818*

Donnerstag, 26. April 2018

Im Anbruch der Zeiten

Was soll einen im Grunde an der Gegenwart noch wundern, wenn man sich ansieht, was Ende der 1970er Jahre an Musikwelle rollte. Zwar hatte sich der VdZ damals längst aus allem ausgeklinkt, aber er versteht manches an sich besser, wenn er diese - im übrigen saugut gemachten - Szenen sieht. In ihrem Spiel mit Laszivität und der längst in Ambivalenz verschwimmenden Polarität von Geschlechtlichkeit. Der Rock'n Roll fand eine Art Endstadium, hat sich aufgelöst, und als Folge ist das Gender-Thema in den 1970ern, den Jugendjahren des VdZ, längst am Tisch.








*180418*

Sonntag, 5. Februar 2017

Der Teen als Todesschwert der Familie

Da gäbe es viel zu sagen, und für manchen viele "Aha-"Erlebnisse: In diesem Videovortrag zeichnet der Herausgeber von "Catholic Family News" ein knappes Bild von einer der Speerspitzen gegen die Familie: Und das war die Entdeckung des Teens als Marketinggruppe, unterstützt von der Politik, denn ein effektiveres Mittel für das Aufbrechen der Familie als die Idee, den Teen zu einer eigenen Kulturform zu prägen, hat es kaum noch gegeben.

Der VdZ kann aus seiner nicht unbeträchtlichen Verkaufserfahrung heraus sagen, daß Kinder im pubertären Alter fast noch mehr als die Frauen das Verkaufsgeschehen beeinflussen. Diese allgemein gültige Tatsache hat man in den 1950er ganz gezielt benutzt, um die Familien aufzubrechen. So konnte man sie leichter als jemals zuvor zu Konsumenten umbrechen. Über Teenager konnten sämtliche familiären Werte leichter als über alles sonst geknackt werden.

Und über das Aufwerten dieses pubertären Zustands zu einem Lebensentwurf konnte man eine ganze Gesellschaft zu gehorsamen Konsumenten umprägen. Indem man der Jugend, dem TEEN suggerierte, er sei eine vollwertige Persönlichkeit, die alle Rechte habe, ihre Ansprüche durchzusetzen.

Besonders die jungen Mädchen hat man damit systematisch ausgehebelt. Sie in ein Konzept der frühsexuellen Körperlichkeit versetzt - man denken an Britney Spears - die sie mit Reaktionen überschwemmt, denen sie nicht mehr gewachsen sind, die jede Zugänglichkeit für Vernunft völlig vernebeln. Besser konnte die Herrschaft der Leidenschaften, der sicherste Weg um jemanden aus der Vernunftordnung und damit aus der Freiheit zu brechen, nicht implementiert werden.

Wir sprechen hier von gezielten, dokumentierten Strategien! Kleines Beispiel: Das durchschnittliche Alter von Spielern von Videospielern war 1990 - 18 Jahre. 2016 ist es ... 30 Jahre.

Und genau das möchte man der Jugend heute entgegenwerfen, würde sie auch nur annähernd in der Lage sein, es zu verstehen: Ihr seid nicht "frei" und großartig, sondern primitive Opfer verabscheuenswürdiger (nicht zuletzt: kapitalistischer) Barbarei! Die das Herausbrechen aus ethisch-moralischen Ordnung als Marketingkonzept entdeckt und bis zur Perfektion entwickelt hat. Eure Konzepte von "Freiheit" sind nur übernommene Parolen der Unterdrückung, um Euch zu lächerlichen Marionetten von Interessen zu machen. Die nur deshalb "Chancen" haben, weil es noch immer genug Erwachsene gibt, die Euch vor noch größerem Schaden bewahren wollen, um das "Ganze" zu schützen. Denn das hieße, Euch die volle Wahrheit einzuschenken. Die Euch ins Nichts atomisieren würde.

Indem man diesen pubertären Jugendzustand aber zu einer eigenen Lebensform gemacht hat - Filme, Musik, etc. - hat man diese Unreife zum Zustand der Erwachsenheit gemacht. Wo sich selbst 30-, 40jährige als "besonders reif" empfinden, wenn sie gegen ihre Eltern opponieren.

Hören Sie, geneigter Leser, es lohnt. Entwicklungen und historische Strömungen sind immer komplex, gewiß, aber sie gäbe es nicht ohne Initiatioren, ohne solche, die sie auslösen.








*160117*

Sonntag, 18. August 2013

Kein Priester mehr

"People don't listen to Your music, they just follow what You do. And that I wanted to break. I wanted to be more asides." Wardruna - Gaahl, norwegischer Ritualistic-Rocker (man verzeihe die gewiß mangelhafte Einordnung in die Musikrichtungen; es geht wohl in Richtung "black metal", also dämonischer Ausprägung) in einem interessanten Interview (mit weiteren vier Teilen auf Youtube).





Interessant ist es deshalb, weil diese Art der Musik sich bewußt als Ritual versteht. In einer Mischung aus Magie und Religiosität, wird diese Musik im Selbstverständnis sakramental. Damit liegt sie auf einer direkten Linie mit Richard Wagner. "You feel," sagt der Norweger an einer Stelle, "You ARE the song, You represent its content." Und das jeden Tag, jeden Auftritt. Deshalb proben diese Musiker auch nur wenig, oder gar nicht.

Damit fließt religiöser Vollzug und Person zusammen, der Musiker wird zum Priester. Wardruna war das schließlich zuviel. Was er ursprünglich nur als sehr persönliche, intime Gefühlsäußerung beging, wurde allmählich zum Inhalt seiner Auftritte. Ehe ihm dieser rituelle Aspekt zuviel wurden. Es widersprach seinem Empfinden, diese religiösen Bezüge diskret, verborgen zu vollziehen. Jenem Gefühl, das aus seiner Kommunikation mit den alten germanischen Göttern erwuchs.

Wenn diese Innerlichkeit aber, so Wardruna, nicht zutiefst jeweils persönlich stattfindet, dann wird sie gefährlich. Die Auftritts- und Eventmechanismen verändern die Rezeption in den Künstlern wie in den Konsumenten, machen sie unwahr. Der Kult wird zum Schauspiel, nicht zum realen Vollzug. "[But] I have to forget how to paint, before I get a new picture." Sonst wird alles zur Technik. "You should be what You do, and therefore You have to become a child."

Da kommen noch viele weitere Aspekte dazu, wir werden das ein wenig hier nachverfolgen, mit der Zeit gewiß. Denn es geht auch hier um Wirklichkeit und Realismus in der Kunst, und es geht um Geist und Leib. Ein Thema, das spezielle die österreichische Kunst auf phänomenale Weise durchwirkt. Weshalb sich hier Nähen zwischen "Linkem Realismus" und "Ritualistischem Hardrock" (="ultrarechts") anzeigen, die keineswegs zufällig sind. Das fließt alles im selben Strombett. Wie hier schon oft gesagt: Die Linke will nicht KEINEN (irrationalen) Faschismus, sie WILL GENAU IHN, man höre nur genau zu.

Typisch ist, daß diese Selbstrezeption, die sich immer mehr verengt, zur zwanghaften Introspektion wird, weil alles Wahre sich aus dem Empfinden ergeben solle, die vergebens versucht, jede Reflexion auszuschalten, in Nichts auflöst. Wardruna ... outete sich nunmehr als "gay", als schwul. Und das ist in diesem extrem "rechten" Milieu äußerst häufig! Man denke an die SA, die fast eine per se homosexuelle Männergesellschaft war. Und man sehe sich genau den Zirkus der "katholischen" Weltjugendtage, das Gebaren mancher Päpste an, im übrigen, wo dasselbe Prinzip zu fließen beginnt.

Videos wie dieses nächste anzusehen heißt, in unsere Zukunft zu sehen. Und da paßt es wie die Faust aufs Auge, daß diese Bewegung so stark von einem Land ausgeht, das im monetären Wohlstand (Norwegens Öl!) regelrecht erstickt.





Zum Drüberstreuen:








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Mittwoch, 12. Januar 2011

Werft euer Leben nicht weg!

Was soll das denn? Warum vergeudet ihr jungen Leute denn so eure Zeit?  Und: Woher habt ihr denn das Geld? Drogen, Rock'n Roll - und dafür kein Schulabschluß, und  alles endet in Kriminalität. Steht das dafür? Schaut doch, was das für eine schöne Welt ist! Die Städte baut, und wo man Blumen kauft, und Kinder großzieht, sinnvoll arbeitet! Wer daran mitbaut, dem gehört sie auch, und der gehört dazu. Es ist doch ein großes Glück, für die Menschen da zu sein. Aber mit dieser Hottentottenmusik unterstützt ihr doch nur die reichen Kapitalisten, die unnützen Subjekte, die euch für ihre persönlichen Interessen benützen. Bindet euch ein, und auf einmal ändert sich euer Leben - ist das nicht verlockend? Baut mit an einer schönen Welt!

Ein sowjetischer Film, der die Jugend in beschwörendem, berührendem Ton animieren soll, an einer guten Gesellschaft mitzubauen, anstatt ihr Leben mit sinnlosem Vergnügen, Drogen und Rock'nRoll zu verschleudern.


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