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Dienstag, 7. September 2021

Der Haß der Schwachen auf die Weißen (2)

Wollen wir unsere Kultur retten, indem wir sie negieren, und uns die Kulturlosigkeit der Schwachen aneignen? Wir sind nicht weiß, weil wir zufällig blasser Hautfarbe sind, sondern es ist ganz anders: Jeder, der stark ist, wird von den Schwachen für "weiß" erklärt. Denn es ist anthropologische Tatsache: Alles Nicht-Weiße ist das Untere. - Wenn Peter Scholl-Latour davon spricht, daß Europa in dieser neu entstehenden globalen Machtkonstellation in die Bedeutungslosigkeit zu fallen droht, unter die Räder kommen wird, diesen Entwicklungen nicht gewachsen sein wird, so sieht der VdZ darin aber keinen Aufruf, sich eines Besseren zu besinnen und schleunigst die Kampfesweise dieser "modernen Moderne" anzunehmen, nein, überhaupt nicht. (Ob Scholl-Latour dies so versteht, geht aus seinen Ausführungen auch andernorts nicht ganz hervor, eher würde der VdZ ihn ebenfalls einer resignativen Auslegung zuordnen.)

Darin besteht auch der entscheidende Unterschied zur aktuellen Gebärde der führenden Politiker unserer Länder. Die manchmal sogar in dramatischen Worten fordern - man denke an den Besuch von Sebastian Kurz in Silicon Valley, von welcher Reise er (zum Fürchten!) mit schockgeweiteten Augen zurückkam um der Öffentlichkeit mitzuteilen, daß er die Zukunft gesehen habe, weshalb sich das Land auch diesen Vorgaben gemäß zu entwickeln habe, und er werde alles tun, um eine Entwicklung dorthin zu fördern! Was der VdZ nur als gefährliche Drohung einstufen kann - daß auch Europa sich dramatisch zu verändern habe. Wolle es in diesem Konzert "überleben".
 

Montag, 6. September 2021

Der Haß der Schwachen auf die Weißen (1)

Peter Scholl-Latour definierte im Jahre 2010, was "Weißsein" überhaupt sein könnte.

QR Peter Scholl-Latour
Und schon in den ersten 10 Minuten des Videos (Siehe die Videoseite) wird klar, daß es eine ethnische Definition nicht gibt. Wenn überhaupt, dann kann sich "der Weiße" als Mitglied der abendländischen Kultur betrachten. Deshalb sind die Feinde diverser Volkschaften und seltsamerweise ethnisch-definierten Bevölkerungsgruppen (wie in den USA, wo die "Schwarzen" in Wahrheit eine zunehmend amorphe Volkschaft aus zahllosen afrikanischen Völkern sind, aus der erst in den letzten Jahrzehnten einige afrikanische Völker - wie aus Nigeria - aus diesem Pool "Angehörige ihres Volkes" (und, was viel gefährlicher weil effizienter ist: ihrer Religion, und das ist der Islam) herauszufischen versucht, um in einem neu aufgewachten Selbstbewußtsein mehr und mehr von Weltbedeutung zu phantasieren, von Macht, zumindest am afrikanischen Kontinent, die sich mit (hörthört!) dem Machtnimbus der (hörthört!) Weißen (also der protestantisch-katholisch-jüdischen Bevölkerung der USA, mittlerweile knapp davor, die Mehrheit an die Gruppen der Latinos und der Schwarzen abzutreten).
 

Mittwoch, 25. März 2015

Verkehrter Ansatz

Was den Katholiken vom Protestanten (und dem Evangelikalen, und damit den meisten Erneuerungsbewegungen, auch im katholischen Raum) unterscheidet ist nicht der eine oder andere definierte Glaubens"inhalt", der eine oder andere theologische Satz. Wer glaubt, auf dieser Ebene Ökumene, Einheit sehen zu können, hat ein erschreckend grundlegendes spirituelles Problem. Ja, ein Glaubensproblem.

Denn das Unterscheidende zwischen Luther und der Kirche waren und sind gar nicht einzelne Glaubenssätze. Es war und ist die reale spirituelle Dimension dessen, was als "Glaube" gesehen wurde. Mit Übereinkünften über gemeinsame Formulierungen ist da nicht weiterzukommen. Schon gar nicht aber auch mit subjektiven Erlebnissen von etwas, das man mit "Liebe" oder "Glaube" gleichsetzt.

Luther hat in diese Auffassung, was Glaube, was Erlösung und Heil sei, in den Jahren 1517-19 gravierend geändert. Und die Rechtfertigung, das Heil, in ein Evozieren einer subjektiv erlebbaren "Gewißheit" verlegt. Ja, Glaube wurde zu dieser Pflicht, diese "Heilsgewißheit" subjektiv hervorzurufen. (Hilaire Belloc hat deshalb die im Calvinismus noch stärker ausgeprägte Seite des Protestantismus als DIE Grundsünde definiert, und deshalb den Calvinismus als das entscheidende Kulturproblem gesehen.) 

Luther hat damit einer psychologischen, psychologistischen "Glaubenspraxis" Tür und Tor geöffnet, ja sie selbst so vollzogen. Das sieht nicht nur der von Benedikt XVI. hoch geschätzte Paul Hacker so, das ist der Inhalt der Kritik, die der VdZ an dieser Stelle schon mehrfach geäußert und ausgebreitet hat.




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Montag, 23. März 2015

Selbstvergottung statt Vergottung des Selbst

"Viele," schreibt Irenäus einmal von den Gnostikern, "oder besser: alle wollen Lehrer sein und sich von der Häresie, in der sie gewesen sind, trennen. Indem sie eine Lehre aus der andren und wieder andere zusammenstellen, bemühen sie sich, dies wenigstens auf neue Weise zu lehren, damit sie als Erfinder ihres Lehrgebäudes gelten können." Der Erzgnostiker Simon sah sich als die allerhöchste Kraft selbst, als über alles überhobenen Vater. Und damit als Erfinder wie Berichter der Wahrheit.

Damit unterscheiden sich die Gnostiker grundlegend von den Mythologen, dem "Mythensager". Denn der will immer das Uralte, die wahre urzeitliche Geschichte wiedergeben, und noch genauer als andere vor ihm. Daraus entwickelt sich die mythische Erzählung immer weiter. Niemand dachte daran, etwas zu "erfinden".

Genau das aber wollen die Gnostiker, indem sie sich zu Gott selbst erheben, und in dieser Erfindung ihre Gottesschaft beweisen wollen. Sie erliegen der Versuchung, aus der "Vergottung des Selbst" die "Selbstvergottung" zu machen. Sie glauben, schreibt Karl Kerenyi dazu unter Bezug auf Jung, sie selbst seien der Uranfang.

Diese Vergottung des Selbst (nicht: Selbstvergottung, die ein schweres Vergehen war, weshalb die Antike - und nicht nur sie - auch die Magie ablehnte, in der sich der Magier der Urbilder habhaft machen will) ist auch in der Antike eine Teilhabe an einem archaion, einem Urbild. Ja, die Antike bzw. die Alte Welt verstand überhaupt alles, was es auf der Welt gab, als Erscheinung eines solche Urbildes, das Kraft hatte, und den Willen, sich zur Welt herauszutreiben. Sowohl als Ding, als auch in Eigenschaften. Wer als kräftig war, war Phänomen des Urbildes der Kraft selbst, wer König war Phänomen des Urbildes des Königs, etc. 

Damit aber war in der Antike auch die Person noch nicht abgegrenzt, denn ein eigenes Personsein, ein Ich in der Welt hatte sie nicht. In allen Dingen, in allen Menschen, stand einem eine Inkarnation des Urbildes gegenüber. Als Spiegelung, aber auch von diesem Urbild her durchlichtet, und darin vergöttlicht. An diese nus können die Menschen teilhaben, er ist aber nicht ichhaft, und ebensowenig subjektiv wie das Sonnenlicht. Wer also einer göttlichen Gestalt glich, war göttlich. Und an diese wirkungsvolle Gestalt war auch die wirkende Kraft schlechthin gebunden. Damit immer an eine bedeutende und charakteristische Persönlichkeit.

Aus diesem Empfangenden aber wird allzu leicht der Fehlglaube, darüber willkürlich (oder über Riten, Rituale etc.) verfügen zu können, wie es zur Gnostik führt. Aus der Vergöttlichung des Selbst - wird die Selbstvergöttlichung. Karl Kerenyi vergleicht einmal diesen Schritt mit dem Ton, der plötzlich meint, sich selbst hervorbringen zu können. Die Gnosis macht das Klingen DURCH den Ton zum ursprunghaften Hervorbringen des Tones. Gnostiker sehen sich ontologisch als Samen der Welt, ihr Tun als urschöpferisches, göttliches Sperma. Daraus folgt auch die große Rolle der Erotik, die die Gnostik kennzeichnet. Denn die Welt ersteht ihnen aus der Vermählung des Seins mit dem Nichts.*

Die Nähe zu gewissen Formen (auch: Auswüchsen) des protestantischen Quietismus ist ebenfalls nicht zufällig, denn das eigentliche Geschehen im Protestantismus trägt dieselben Züge in der Rolle des Ich, wie Paul Hacker so hervorragend herausgearbeitet hat. Eric Voegelin (formal ein Protestant, der nie offiziell zum Katholizismus übergetreten ist, aber nicht aus Anschauungsgründen) hat sogar direkt den Protestantismus als gnostische Bewegung bezeichnet.




*Diese Auffassung ist scharf von der Logos-Auffassung der Stoa zu trennen. Denn dieser Logos - als logos spermaticos, als Sperma aufzufassen -  ist wenn er in die Seele des Menschen gesät wird, keine Urzeugung des Menschen, sondern läßt ihn an der Weltvernunft teilnehmen, und erhält ihn teilhaftig dem Weltplan.





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Sonntag, 11. Januar 2015

Die Reaktion der Schwäche und Unterlegenheit

Am Schluß einer seiner Abhandlungen über den Inklusivismus im Hinduismus bzw. den indischen Religionen stellt Paul Hacker die Frage, ob es sich bei der von ihm erstmals so benannten Denkform nicht um eine allgemein menschliche Haltung handele. 

Auch für die nicht-indische Welt. Denn immerhin sind die Grundzüge des Inklusivismus Merkmale gewisser Konstellationen, die auf Indien nicht beschränkt werden können. 

Was meint Hacker mit diesem von ihm gefundenen Begriff? 

Im Inklusivismus erklärt jemand, daß eine zentrale Vorstellung einer fremden religiösen oder weltanschaulichen Gruppe identisch sei mit dieser oder jener zentralen Vorstellung von Gruppe, zu der man selber gehört. Dazu gehört, ausgesprochen oder unausgesprochen, daß das Fremde, das mit dem Eigenen als identisch erklärt wird, in irgendeiner Weise ihm untergeordnet ode runterlegen sei. Ferner wird ein Beweis dafür, daß das Fremde mit dem Eigenen identisch sei, meist nicht unternommen.

Dabei hat Hacker in seinem eine unfaßbare Breite und Tiefe indischer Schriften und Traditionen umfassenden Studium indischer Religionsentwicklung die kennzeichnende Charakteristik gefunden, daß diese Art zu denken stets die Reaktion eines schwächeren, sich unterlegen fühlenderen NEUEN gegenüber einer beherrschenden oder beherrschend vermeinten Denkrichtung oder religiösen Auffassung ist. 

Das Neue fühlt sich nunmehr (wieder) überlegen, ist dabei ohne es zu wissen fast immer begleitet von einem Unverständnis des Alten, und will für seine neue Sichtweise werben. Also integriert es alte Vorstellungen, behauptet sie seien vollinhaltlich enthalten, oder deutet diese - in einer aggressiveren Variante - schlichtweg um, interpretiert sie anders, und beläßt damit sogar alte Begriffswelten und Namen. 

Vieles, was sich im Meer indischer Schriften deshalb als so verwirrend und widersprüchlich findet, erhellt sich auf diese Weise. Mit Hinzufügungen wurde das jeweils Neue dem Alten aufgesetzt, welches man soweit noch belassen mußte, weil eine Änderung nicht akzeptiert worden wäre. Während anderes weggelassen wurde. Dafür hat man die neuen Vorstellungen oft z. B. durch Beifügung abschließender Kapitel (die sich dann zum Alten oft in unauflösbaren Widersprüchen finden) integriert, und die neue Ordnung quasi hergestellt, unter vorgeblichem Belassen, lediglich "Erweitern" des Alten.

Sehr irrtümlich wird diese Haltung oft mit "Toleranz" bezeichnet. Das ist sie aber ganz und gar nicht, und das beweist sich auch historisch. Denn über kurz oder lang kam alles dieses Neue zu einem Punkt, wo die Anhänger des Alten gezwungen werden sollten oder mußten, das Neue dadurch anzuerkennen - damit ihr Altes anerkannt bleibe - indem sie die Überlegenheit des Neuen anerkannten. Ein Vorgehen, das natürlich zur Auflösung der alten Vorstellungen führen mußte, weil sich darin jeder Religions- und Wahrheitsbegriff auflöst. 

Nachdem das Eindringen des Islam nie als Eindringen einer überlegenen Zivilisation oder Religion gesehen wurde, kam es in dieser Phase Indiens zu keinen solchen Inklusivismen. Der Unterschied war zu klar, zu unvereinbar, und die Inder fühlten sich auch nicht unterlegen, sondern lediglich bezwungen. Anders als bei der Unterwerfung des Subkontinents durch die Engländer, denen gegenüber sich die Inder hoffnungslos unterlegen empfanden - zivilisatorisch wie religiös. Deshalb kam es zur Strömungen eines Neu-Hinduismus, der sich bereits stark an westlichem Gedankengut orientierte, dieses "einzuschließen" versuchte. In welcher - sogar noch angepaßterer Form - er dann in Europa auftauchte.

Hier begann sich der Neo-Hinduismus bereits als Einheit aller Religionen aufzubauen, und deutete dazu alte metaphysisch-theologische Auffassungen um. Was das Christentum "Pelagianismus" nannte (und ablehnte), findet sich hier: Ein graduelles Hineinwachsen in die Einheit mit Gott, die in den jeweils anderen, unterlegenen Religionen aber gleichfalls, nur in je nachdem schwächerem Grad möglich ist. Um natürlich nur in der definitiven Letztreligion seine Erfüllung zu finden. Ähnlich, wie es sich auch in buddhistischen Strömungen - aus ähnlicher Situation wie der Hinduismus: unterlegen, neu, schwach - findet, wo Brahma nur eine frühere, noch unvollkommenere Inkarnation von Buddha war. (In seiner Prägnanz über die sozio-psychologischen, historischen Zusammenhänge von Hinduismus und Buddhismus ist übrigens die Geistesgeschichte Georg Misch' - eines Schülers von Dilthey - sehr zu empfehlen. Der zeigt, daß beide aus derselben psycho-sozialen Situation stammen.)

Nun könnte man die Frage stellen, ob es nicht das Christentum in seinen Anfängen in der heidnischen Welt genau so gemacht habe. Immerhin hat ja die Katholische Kirche viele heidnische Bräuche, sogar teilweise rituelle Elemente, integriert. Und war es zu Anfang historisch nicht auch in einer solche Situation - der Schwäche, der Unterlegenheit? Wer etwa die Architektur der Kirchen studiert kommt ja zu dem überraschenden Schluß, daß sie direkt an vorhandene Riten und religiöse Anschauungen der Antike, und dort des tieferen Heidentums anknüpfen, ja solche Elemente bis heute tradieren (ohne daß es noch jemand weiß). 

Der Unterschied liegt in der "Identifikation". Das Christentum hat diese Elemente nie als "identisch" gesehen (das tun erst heutige Esoteriker, auf die sich Hacker's These direkt anwenden läßt), und es hat jeder dieser Einschlüsse in Theologie und Philosophie selbst begründet sein müssen. Die vielen Ähnlichkeiten, die man durchaus bemerken könnte, sind deshalb nie mehr als solche gewesen: Analogien. So, wie die gesamte Schöpfung, jedes Seiende, eine Analogie der Dreifaltigkeit - aber nicht diese selbst! - ist.

Dieses Thema hat ja sogar zum berühmten Ritenstreit in der Mission geführt, weil sich dort die Grenze zwischen "Inkulturation" - als wesensbestimmende Notwendigkeit des Christentums, das ja geschichtlich wirkt, nicht abstrakt-virtuell - und "Inklusivismus" (also das direkte Übernehmen heidnischer Auffassungen, deren Identischerklären) oft nicht mehr ziehen ließ. Und, wenn man speziell die Liturgie in Afrika oder Südamerika ansieht, der Unterschied heute wieder verwischter wird denn je.

Aber darüber hinaus fallen die Parallelen des Hacker'schen Inklusivismusanalysen zu gegenwärtigen Erscheinungen zu sehr ins Auge, als es nur als indische Religionserscheinung zu sehen. Vielleichit wäre Hacker, der ja schon eingie Zeit tot ist, heute auch viel freimütiger in seiner Einschätzung. Einige seiner letzten Bücher (v. a. das Buch über "Das Ich im Glauben Luthers") lassen darauf schließen. Wo auch er die prinzipielle Problematik Europas immer mehr im Blick hatte.

Denn was Hacker aus der indischen Religionsgeschichte erkannte, läßt sich heute mühelos aus dem Zerfall Europas ablesen. Ein Europa, das in solche schwachen Gruppen (prinzipiell, nicht mengenmäßig) zerfallen ist, sodaß sich große Bevölkerungsgruppen unter bestimmten Charakterdispositionen finden, die jenen der historischen Inder in ihrer widerholten Situation der Schwäche entsprechen. Nur ist es gar nicht so sehr die der fehlenden gesellschaftlichen Stärke als Gruppe, sondern die der individuellen, aus dem Gesellschaftszustand erwachsenen Schwächen. 

Es sind die vielen aus ihrer Persönlichkeit her Schwachen, die den Inklusivismus - und die ihn begleitende Überlegenheitspose - zur regelrechten Zeiterscheinung machen. Die uns zu einer Kultur machen, in der sich bald jeder jedem überlegen fühlt, und das, was der andere denkt, sagt, macht, ohnehin längst durchschaut haben, auch wenn sie es einmal nicht wirklich erklären - dafür: behaupten - können.

Wenn man von "Selbstbedienungs-Mentalität" in der Religion spricht, von "Supermarktreligioin", so ist deshalb die Wahrheit nicht gut getroffen. Darum geht es gar nicht. Niemand, auch nicht der Mensch der Gegenwart, stoppelt sich eine Religion wirklich zusammen. Sondern er ... stiehlt. Er rafft an sich, wo ihm der andere überlegen ist, wo er um die Überlegenheit jedes Vernünftigen weiß, und behauptet einfach, daß er überlegen sei. Denn es geht im Inklusivismus um die Ordnung der Welt. Und diese Ordnung ist in ihrem Wesen ... Hierarchie. Heilige Ordnung. 

Die Religion des Menschen der Gegenwart - Inklusivismus pur - ist aus dem zusammengeklittert, "was übrigbleibt", nachdem er sich jedem Überlegenen entwunden zu haben meint, und nachdem er konstatieren muß, daß er seine Sittlichkeit nicht zu heben vermag. Und gleichzeitig nicht in der Lage ist, wirklich zu argumentieren, sich also in konstitutive Behauptung ergießt. Seine Argumente sind Rechtfertigungen eines status, keine Argumente.

Wieweit der Islam, der in sehr äquivalentem Duktus etwa Jesus Christus als "guten Mann" akzeptiert, unter diese Kategorie fällt, das zu beurteilen soll dem Leser überlassen bleiben.

Der Inklusivismus Europas, der westlichen Welt, hat aber weit mehr mit dem Vaterproblem zu tun, als mit religiöser Entscheidung, und schon gar mit Sittlichkeit. Übrig bleibt nur noch - das existentnotwendig werdende Gefühl der Überlegenheit.





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Sonntag, 30. November 2014

Reflexivität und Beschleunigung

Es ist ein großer und schrecklicher Irrtum, der viel mehr mit Täuschungsmanöver zu tun hat, zu meinen, die Unterschiede der Haltungen zur Welt, als wirkliche Unterschiede unter den Menschen, wären aus inhaltichen Definitionen erkennbar oder würden sich gar darin erschöpfen. Denn es sind in Wahrheit spirituelle, in der subjektiven Spiritualität gründende Differenzen, die die Welt auseinandergerissen haben.

Und sie sind bezeichen-, aber schwer im Zwischenmenschlichen argumentierbar, weil sie in der zwischenmenschlichen Kommunikation auf eine Aporie stoßen. Die der Diskretion, in der dem anderen Freiheit und Sosein belassen wird. Denn ein Argumentieren würde ein direktes Eingreifen in das Seelenleben des anderen bedeuten. Nur die lebendige Predigt könnte das leisten, der Beichtstuhl gleichermaßen, oder und gerade: die Kunst, die Ebene des Symbolischen. Denn nur auf diesen Ebenen wird der Mensch ins tiefste ontologische Mark getroffen.

So ist auch der entscheidende Unterschied, den Luther ins Christentum einführte, nicht auf der Ebene von Dogmen und Glaubensbekenntnissen zu begreifen. Die entscheidende Wende Luthers, die das ganze Abendland wie Sauerteig durchwachsen hat, ist die Wende zum Reflexiven. Nicht einmal mit dem Wort "subjektiv" läßt sich das beschreiben. In Luther wurde das Transzendente nämlich nicht nur ins eigene Erleben verlegt, sondern das eigene Erleben IST SELBST das Ontologische. Indem Luther das Heil und die Wahrheit in das Erleben subjektiver Gewißheit(en) verlegte, mit allen unlösbaren Widersprüchen, die sich daraus ergeben, wurde Wahrheit und Gnade zum psychogenen Erlebnis. Wurde Spiritualität zur Hervorrufung von Gewißheits- und Trost- und -Heilsgefühlen.

Die gesamte Entwicklung der Philosophie, das Auftauchen der Psychoanalyse, die gesamte Veränderung der Naturwissenschaften, sie alle zeugen davon, daß der Mensch, der sich in Wahrheit nie vom Gegenüber des Seins lösen kann, diese Steine, die der Wahrheit mehr und mehr im Wege liegen, erkennt, ja benennt. Aber nicht in ihre Ordnung stellen kann. Sodaß alle die Thesen und Theorien und Philosophien der letzten Jahrhunderte im letzten ein Versuch sind, den Wahrheitsbegriff dadurch zu retten, indem er um die Problemzonen persönlicher Spiritualität herumgeleitet wird. Sie wurden Rechtfertigungsversuche in die Wahrheit hinein, die zwangsläufig im Rationalismus und im Konstruktivismus enden müssen, als Etikettenschwindel allererster Güte. Weil sie die persönliche Substanz der Wahrheit irgendwann über Bord werfen müssen.

Umso vehementer werden Wortgebilde zu Kriegsinstrumenten geformt, hier, oder völlig ignoriert, dort. Weil deren Öffnung auf die persönliche Substanz der Wahrheit hin die persönliche Reaktion bräuchte, und damit die Gefahr einer Erschütterung einschließt, die nicht ausrechenbar ist. Die Ablehnung der Tradition, die Ablehnung der Autorität der Väter, der weiblichen Fleischlichkeit als "vorhandene Predigt", als Eckstein eben dieser persönlichen Verankerung von Wahrheit, erzählt davon.

Nachgerade umgekehrt wurde dafür der spirituelle Weg zur Beliebigkeit erklärt, um so persönlicher Verantwortung und psychischer Problematik auszuweichen. Wurde die Auseinandersetzung mit Gott und Wahrheit zum Streit der Schilder, die jeder so rasch als möglich beschriftet und vor sich her trägt.

Die einzige Möglichkeit der Läuterung der Wahrheit aber besteht in einem Streit der Sittlichkeit, und das heißt nicht primär: Moral, wenngleich AUCH. Sie besteht auch nicht - auch das eines der Schattengefechte - im Nachweis und in der Verurteilung persönlichen Fehlen in einer Situation und Lebenslage. Die Sittlichkeit, auf die es ankommt, ist der Wille, trotz der Schwäche immer wieder neu das Ziel der Freiheit anzustreben, immer wieder die eigene Wahrhaftigkeit zu suchen, und nicht nachzugeben in den zahllosen Möglichkeiten, diese Wahrhaftigkeit zu übertölpeln und sich und andere zu betrügen.

Es ist dieselbe Ungeduld, die Luther vorzuwerfen ist, der mit seinem Scheitern, diesem nie endenden Erleben realer Bedürftigkeit nicht fertig wurde, die der Beschleunigung der zivilisatorischen Lebensvorgänge zugrunde liegt. Denn wo ich das Heil, die Rettung nicht mehr von außen erwarte, real und konkret und fleischlich, als Gnade, als Gabe die ich nicht "machen", nur empfangen und erhoffen kann, wird sie zum notwendig zu Machenden. Während gleichzeitig damit das Vertrauen in das Sein der Welt - und damit in ihren Sinn - verdunstet. 

Solcherart aber entwurzelt, zum Luftballon geworden, der über dem Boden schwebt, wird Heil zur hysterisch herzustellenden Gedankenwelt, wird Wahrheit zum Webteppich, dessen Muster ich so rasch als möglich und so dicht wie möglich durch Integration von "Richtigem" weben muß: das Zeitalter der omnipräsenten Medien, die aber existentiell notwendig sind, ja die die Matrix des Existentiellen sind, die Ära der Sprache, die wie Schnittblumen behandelt wird, brach an. Die Angst wuchs und wächst, und zwar reziprok-korrelativ, daß sich eines Tages doch das Sein melden könnte, die Steine, die unter den höher und höher geschichteten Matratzen verborgen wurden, könnten wieder durchstoßen. Real und geschichtsmächtig, aber nach seinem Willen. Nicht einfach als "psychisches Erlebnis", als wäre Welt und Geschichte in den Grenzen des Zuckergeschmacks befangen.

Und in falscher Spiritualität meinen wir, daß das Sein - als bedrohliches Element, denn es zwingt, es fügt sich nicht, es läßt uns ohnmächtig sein - in dem Moment nicht  mehr vorhanden wäre, wo es gelingt, die Angst zu verdrängen. Als wäre Religion das Einwerfen einer Droge und Spiritualität die subjektive Psychomechanik, in diesem Wohlgefühl möglichst lange zu verharren.



Literaturempfehlung zum Thema: Paul Hacker, "Das Ich im Glauben bei Martin Luther"; Eric Voegelin "Luther und Calvin"; Sören Kierkegard "Angst"; Paul Schütz "Zwischen Nil und Kaukasus"; Ferdinand Ebner "Pneumatologie"; Walter Hoeres "Reflexivität und Reflexion"




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Sonntag, 9. November 2014

Aus den täglichen Heften

Wo das Geglaubte nicht in Vernunft eingebettet liegt (und hier hat auch Logik ihren Platz), fällt der Mensch zwangsläufig in die Reflexivität der Selbstvergewisserung. Ununterscheidbar liegt dann "inneres Erleben" als "Vorhandenes", als Bewußtseinsinhalt vor ihm, ununterscheidbar ob es selbst evoziert oder im Zufammenfall mit der objektiven Wirklichkeit steht, als Inhalt des Seins also.

Immer ist Logik eingebettet in Wahrheit, und zwar in eine objektive Wahrheit, die jeder Logik dimensional (nicht aber zwangsläufig verbal-inhaltlich) unterschieden ist. Ohne Wahrheitsbegriff gibt es keine Logik. Aber die Wahrheit ist (in ihrem Grad - als TEILHABE an der Wahrheit selbst) immer fleischlich manifestiert. Sie ist lebendig, ja sie IST das Leben, an dem wir im Maß teilhaben, als wir in der Wahrheit leben. Wo sich der Wahrheitsbegriff des Einzelnen nicht zu diesem Begreifen des Lebendigen hebt, bleibt er in rationalistischem Formalismus stecken, innerhalb dessen er wiederum auf das bloß Gedankliche zurückfällt.

Wenn es aber nun heißt, daß Vernunft (und in ihr die Logik) das Wesen des Weges (oder: Tores) zum Geist - dem Geglaubten also - ist, so heißt das nicht, daß bloßes logisches Denken automatisch auch zum Geist führt. Vielmehr ist es ein weiter Weg, Geist ALS Geist zu begreifen, als Anfang wie Ende der menschlichen Entwicklung also. Der sich nicht nur über weltlich-inhaltliche Bilder erhebt, sondern von diesen frei (und doch auf sie bezogen) die höchste Höhe des dem Menschen Möglichen bedeutet. Geist zu begreifen, und insofern: geistig leben und denken, ist also die Frucht eines langen Weges des sittlichen Bemühens um Freiheit, den es zu gehen gilt. Dieser Weg kann gar nicht anders sein, als ein Weg der Befreiung, und damit der Läuterung, in der sich der Mensch im Geist aus dem Zwangsläufigen hebt (selbst wenn er immer wieder dareinfällt, also: sündigt), und zwar genau OHNE sich vom (eigenen) Fleich zu distanzieren, sondern es in sein Insgesamt hineinzuholen. Denn der Mensch reicht über die gesamte Schöpfung in Gott hinein, und nur als dieses alles integrierend ist er Mensch.

Bleibt der Mensch in dieser Ungewirklichkeit, in dieser Fiktionalität (als Selbstvorwurf), sucht er unweigerlich sinnliche Bestätigung. Das heißt, daß sich sein Wirklichen auf die Suche nach Erlebnisinhalten konzentriert, die ihn - als Referenz auf die (bzw. "eine") Wirklichkeit - bestätigen. Das gilt auch für den Kult. Er wird also Erlebniswelten suchen, die ihn im Gefühl bestätigen. Denn dieses Selbstgefühl ist für ihn der Raum, in dem er "er selbst" ist. Es gehört zum Wesen des Heidentums, daß es zwangsläufig in solche Gefühlskulte und Erlebniswelten abdriftet. Weil ihm diese Vernunfthaftigkeit in der Wahrheit fehlt. 

Heil und Selbsthaftigkeit wird psychologisch verankert, Wirklichkeitserfahrung zum Produkt psychologischer Mechanismen der Selbstsetzung und -vergewisserung: Selbstsein wird zur (nur mehr oder weniger fanatischen) Selbststatuierung. Die Angst vor dem, wie die Dinge wirklich sind (oder, noch schlimmer, sein könnten) wächst. Der Blick für die Welt trübt sich, die Ratio schließt das innere Wort zu einem geschlossenen Kreis, mit der Tendenz, unliebsames Wirkliches zu vernichten bzw. zu ignorieren.

Der Mensch ist nicht ontologisch gegründet, wird damit nicht geisthaft, sondern reflexiv-rationalistisch und sentimental (als Simulation von Gefühl, so wie man sich eine Wohnung mit Blumen ausschmückt, um sie schön oder gemütlich erscheinen zu lassen). Der ungeistige Mensch verankert sich deshalb in "Erlebnis" ("Empirie"), identifiziert Geist mit Bild und Materialem (Physikalischem), und ist sich selbst Maßstab der Wahrheit (soweit das überhaupt möglich ist).


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Demut heißt nicht, schreibt übrigens sehr richtig Martin Luther (in seiner frühen Zeit, wo er ihr Wesen noch begreift, ehe er sich in der Reflexivität der Selbst-Statuierung des eigenen Seins überhebt), sich niedrige oder schlechte Bilder von sich vorzustellen. Demut ist hingegen von dem nicht zu trennen, was mit Identität zu bezeichnen ist. Sie muß immer konkret sein, weil sie ohne Inhalt, auf den sie sich bezieht, auf Sachgemäßheit also, nicht denkbar ist. Wo sie ihr anderes Gesicht, die Hochgemutheit, zeigt.

Wenn also konkrete figurale Identitätshinhalte fehlen, bleibt dem Menschen gleichermaßen nichts mehr übrig, an dem er demütig werden, wo sich diese Demut wirklichen könnte. Menschsein ist also ohne Kultur (als konkretes Zueinander von konkreten Gestalten) und kulturelle Differenzierung mangelhaft und unerfüllt und unerfüllbar. Die Ideologie der Gleichheit entzieht also der Demut ihren Boden, so wie sie die Identität der Menschen ins Nichts wirft - und alle gleichermaßen in den Hochmut treibt, weil dem Selbstsein nur ein Mögliches, aber Unerfülltes entspricht, das es selbst zu "entwerfen" gilt, weil der Persönlichkeit jeder konkrete Boden fehlt, an dem sie wachsen könnte. 

Fehlt das kulturelle Figurentheater (gewissermaßen), in dem jeder seinen Part einnimmt, seine Rolle spielt (und das heißt: Demut, Dienst an der Rolle, und DARIN Dienst am Sein selbst, und DARIN Weg zur freien Geistigkeit), kann sich der Einzelne nur noch selbst halten. Indem er sich immer das vorwirft, was er "sein könnte", das natürlich rein fiktiv bleibt und im Grunde gar keine Aussage darüber enthält, was er wirklich sein könnte. (Weshalb es eine häufige Erscheinung ist, daß Menschen glauben, ALLES sein zu können, was natürlich nicht stimmt.) Gleichzeitig wächst die Angst vor der Verwirklichung (die es nur als Verwirklichung in der Gestalt gibt), weil die Wirklichkeit zur Gefahr für das nur von einem selbst zu haltende "Ich" (als Selbstbild) wird. Das Streben eines solchen Menschen geht also vorwiegend darauf, die Bedingungen einer Wirklichung bestimmen zu wollen - ohne sie ins "hic et nunc", ins reale Jetzt setzen zu müssen. Sein Denken wird zur Selbstvergewisserung (die natürlich nie zu einem Ende kommt, weil es diese Selbstvergewisserung gar nicht gibt, denn Sicherheit kann nur über manifeste Fleischlichkeit, also im Dialog mit der Welt, erwachsen, soweit sie überhaupt erwachsen kann.)

(Hier setzt die Theologie des Kreuzes an, die das Kreuz nie kennt, das sie aufzuschultern bereit ist, und sich hierein in Gott, das Sein, daraus in die Vorsehung - Plan und Wille Gottes erfüllend -, birgt. Selbstvergewisserung ist also in diesem Aspekt auch Kreuzesscheu.)

Umgekehrt ist es völlig logisch, daß eine solche Kultur (bzw. kulturelle Gesellschaft) zu einer kollektiven Veranstaltung des Mobbing (und des Urheberdiebstahls) wird. Denn Mobbing bedeutet, dem anderen seinen Platz zu verweigern, durch Ignoranz (die unter das 5. Gebot, das Tötungsverbot, fällt) des realen Figürlichen, Gestalthaften. Mobbing greift auf das rein fiktive Ich zu, und sucht zu verhindern, daß reale figurale, fleischliche Forderung entsteht, wie sie Akzeptanz des anderen in dessen Identität als "der andere" mit sich bringt.  Nimmt der andere aber eine konkrete Gestalt ein, wird das Nichts der eigenen Nicht-Gestalt (die nur fiktiv existiert) dramatisch.





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Donnerstag, 23. Oktober 2014

Inklusivismus als Form des Hochmuts

Vieles, ja das Häufigste, was einem heute als "Toleranz" begegnet, subsummiert der Indologe Paul Hacker* unter "Inklusivismus". Und darin gleicht es dem Hinduismus, denn Hacker zeigt, daß es eine typische indische Denkform ist. Gekennzeichnet durch charakterliche Disposition.

Keineswegs ist der Hinduismus eine Religion der Toleranz, wie eine eigentlich künstliche Form davon, die im Grunde aus Indern resultiert, die im 20. Jhd. im Westen westliche Philosophie studiert haben, und im Westen kursiert, verkünden will.²

Von da her ist das, was wir mit Hinduismus verbinden, ein Versuch, mit westlichen Begriffen dieses unglaublich uneinheitliche, in unzählige, aber- und abertausende Richtungen aufgesplitterte Volks-Religions-Phänomen in eine Einheit und vor allem in eine dem Westen gegenüber rechtfertigende Begrifflichkeit zu bringen. Weshalb eine eigene "propagandistische" Form eines  Hinduismus entstand, in welcher Einheit der Lehre er vor Jahrzehnten im Westen auftauchte, den es so gar nie gab oder gibt. Es waren Versuche, mit der Einheitlichkeit etwas des Katholizismus mithalten zu können, die ein Religionssystem künstlich zu schaffen versuchten. Auch alte Schriften wurden so umgefälscht, "geradegebogen", wie Hacker beeindruckend zu zeigen vermag.

Eine Einheit wird so vorgetäuscht, die der Hinduismus in Indien gar nie hatte. Denn "der Hinduismus" ist praktisch überall in diesem Land als abgrenzende, antinomische und überall verschiedene "Lehre" (mit entsprechender Vielfalt des Kults) entstanden, weil er von allen Seiten mit Weltreligionen, vor allem dem Islam und dem Buddhismus, bedrängt wurde. Kein originaler Inder würde sich jemals als "Hindu" bezeichnen, eine solche Begrifflichkeit existiert gar nicht.** Das, was im Westen als Hinduismus auftaucht, ist den Indern selbst unbekannt. Es ist ein bereits in westliches Denken umgeformte und radikal veränderte weil westlichem Rationalismus angeglichene Naturreligion.

Und der Hinduismus Indiens ist alles - aber nicht tolerant. Vielmehr analysiert Hacker die indische "Toleranz" präzise im Sinn dessen, was der VdZ in anderem Zusammenhang hier bereits ausgebreitet hat: Der indische Inklusivismus ist in Wahrheit jener Hochmut, der die Ansichten und Begriffe des anderen als "in den seinen längst enthalten" klassifiziert. Nur so weit ist er "tolerant". Bei logischer Analyse ist das aber nicht der Fall.

Es ist das Verhalten der Schwachen, so Hacker, so der VdZ, die dem Begegnenden in Wahrheit nicht gewachsen sind, aber die sittliche Kraft nicht aufbringen, sich unterzuordnen. Sondern stattdessen den anderen auf ihre Begriffe und Begrifflichkeiten herunterbrechen, sodaß er ihnen quasi dann unterlegen ist. Weil SIE das, was der andere sagt, ja auch längst in ihrem Denken enthalten. 

Wir haben an dieser Stelle bereits eingehend darüber gehandelt. Verwenden wir also auch künftig den Begriff des Inklusivismus. Denn Hacker, der eine so klare Sprache pflegt, der so ungemein kenntnisreich und umfassend gebildet ist, daß selbst der gewesenen Papst Benedict XVI. ihn immer wieder als Vorbild anführt, wird uns noch sehr anregend beschäftigen.

Behalten wir vorerst diese Übereinstimmung - als Inklusivismus, deckungsgleich mit Formen des Narzißmus, wie wir sie an dieser Stelle bereits analysierend und in anderem Zusammenhang darzustellen versuchten.





²Und alle die, die heute daherkommen und erzählen, daß was man sage, doch dasselbe sei, was auch sie meinten (nur könne es der andere nicht erkennen, sie seien ihm also überlegen), gehören ins selbe Fach. In dieselbe verachtenswerte Geistes- und Charaktergeschichte. Nüchtern formuliert ist es nämlich eine primitive Strategie der Geistes- und Sittenschwachen, die so ihre embryonale Haltung zu bewahren trachten, unter Wahrung ihres eingebildeten sozialen Status.

*Paul Hacker (1913-1979) war nicht nur einer der angesehensten Indologen des 20. Jhds., sondern vielleicht aller Zeiten. So angesehen, daß viele selbst maßgebliche Inder zu ihm kamen, damit er sie in Sanskrit unterrichte. Zugleich war er aus dem originalen Schriftenstudium heraus ein außerordentlich exakter Kenner des Hinduismus. Er ist übrigens aus der ernüchternden Beschäftigung mit dem Hinduismus heraus, in dem er nur menschlicher Unzulänglichkeit begegnet ist, aber keiner plausiblen Heilslehre, in seinen späteren Jahren zum Katholizismus konvertiert.

**Das hat der VdZ auch persönlich erlebt, als er vor etlichen Jahren mit einem Hindu in nähere Gespräche kam, der ihm frei heraus erklärte, daß es so etwas wie Hinduismus gar nicht gäbe. Ein solcher wäre schlicht und ergreifend "Religiosität", ohne System, ohne Einheitlichkeit, nur NICHT islamisch oder buddhistisch oder christlich.



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