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Donnerstag, 17. November 2022

Revolution als Dauermodus der Neuzeit

Überaschend aktuell liest sich "Das Europa der Könige!, dessen Inhalte die spritzigen Schreibstil ders Autors, Leonhard Horowski entspricht, teilweise gar schafft. So aktuell, daß mir beim Lesen immer wieder der Zeithorizont "abhanden kommt", denn eine geschichtliche Epoche, für die das Berichtete ein Alleinstellungsmerkmal hätte, oder auch nur so typisch wäre, daß es NUR DORT hätte stattfindenklönnen, kann ich nciht erkennen. 

Das Buch fällt dabei in die Kategorie der aus dem 17. und 18. Jahdhunert überlieferten Tagebücher und Klatschgeschichten,d ie zuhauf vor allem aus Frankreich (aber nicht nur von dort) auf uns gekommen sind. Der Autor will zeigen, daß die Politik dieser Epoche zutiefst von persönlichen Zielen und Vorstellungen der Politik - also den Königen und Fürstenund Adeligen - bestimmt war, von deren Verwandtschaftsbeziehungen und den Netzwerken, die alle aufgebaut hatten. Also von Eigenshaften bestimmt war, die man heute nicht mehr kennt.
Wirklich? Wenn Sie das Werk lesen, werter Leser, werden Sie das nicht mehr so sehen.  Die Etiketten an den Dingen haben sich vielleicht geändert,, man nennt dasselbe anders. Auch die Farbe dfer Schuhe oder die Qualität der Stoffe der Kostüme ist nicht mehr dieselbe. Aber was hat sich sonst geändert?

Montag, 17. Oktober 2022

Heilung von Gift durch Erhöhen der Dosis

Nicht nur, aber erneut und mit neuem Impetus stellt sich die Frage, ob es in der Demokratie, auf die sich unsere Kultur eingeschworen hat (und zwar selbst dort, wo sie noch das Mäntelchen einer onarchie übergeworfen hat) überhaupt einen Weg zur Macht gibt, der NICHT auf einer contradictio in adjectio beruht, wenn man die Arbeit von Whitney Webb heranzieht. 

Die in einem ihrer letzten Bücher, einem wahren Kompendium mit tausenden Belegverweisen unter dem Titel “One Nation Under Blackmail: The Sordid Union Between Intelligence and Crime That Gave Rise to Jeffrey Epstein" nachweist, wie stark die sogeannten Eliten und über sie die gesamten Vereinigten Staaten durch Verbindungen zum organisierten Verbrechen korrumpiert ist. 

Dabei war der Beginn dieser systematischen Verquickung von Interessen "gut gemeint", und sollte nur dem Guten dienen - dem Stillhalten der Gewerksschaften, um das Land kriegsfit zu machen, und von dort ausgehend (wenn man schon einmal die Freundschaften geschlossen hatte) in der Cooperation mit vorhandenen sizilianischen Organisationsstrukturen (unter der Oberfläche) vor dem Beginn der USA, die Mittemächte vom italienischen Fuß her aufzurollen. Vito Corleone, "Der Pate", war ja nicht erfunden, sondern ging auf ein Vorbild in einem Roman zurück, der wie jeder gute Roman wahrer als die Realität ist.

Donnerstag, 30. Juni 2022

Die Herrschaft der Grundlage der Freiheit

Diskussion bei Tichy
Es ist bemerkenswert (und noch tiefer wahr), daß eine Diskussion unter Tichy's Ausblicke, die den Titel "Wie geschwächt ist unsere Demokratie" trägt, nicht nur zwei Schriftsteller unter den vier Diskutanten (incl. Tichy selbst) hat, sondern sich zu größten Teilen über den Schriftsteller selbst handeln. 

Und damit beim Ringen, diesem elendigen liberalen Gefasel doch ein paar substantielle Gedanken abzuschwitzen. Nein, erst damit, dieser Substanz, die aus dem Material und nicht aus der "Überlegenheit" der Handelnden  kommt, Nahrhaftes abzuschwitzen, sind wir schon beim Thema.

Während sich schon dazau viel sagen ließe, weil an der Freiheit des Künstlers die Natürlichkeit und sohin Gerechtigkeit einer Kultur (und Gesellschaft tritt auch als Zustandbeschreibung einer Kultur auf) einzig und direkt ablesbar ist, sollen nur zwei Punkte kurz herausgegriffen werden.

Samstag, 4. Juni 2022

Wieder ziehen die plündernden Horden über die Steppe (3)

Steppenreiter machen ihre Beuteräume menschenleer. Die Herrschaft, die sich ihr Volk erfindet - Genau das hat sich Franz von Vitoria in Spanien auch überlegt, und hat damals etwas gewagt, das uns unerhört erscheinen mag, damals aber offenbar gar nicht so gesehen wurde. Obwohl in Philip II. ein König (die Kaiserwürde hatte man da schon an die Familienlinie der Habsburger in Österreich zurückgehen lassen) am Thron saß, der nicht mit sich spaßen ließ, ging es um geistige Subversion, hielt der heute "Vater des Völkerrechts" genannnte Universitätslehrer mit seiner Meinung nicht hinterm Berg. 

Daß er nämlich die Monarchie dieses (also König Philipp's) Zuschnitts NICHT als die ideale Verfaßtheit eines Staates sah. Zu leicht kann das in eine Absolutheit und Deifizierung kippen, wie es dann hundert Jahre später auch in ganz Europa begonnen hat zu geschehen. Aber dann? 

Was, wenn der König zum absoluten Tyrannen wird? Was, wenn er sein Reich für seine persönlichen und schändlichen Interessen mißbraucht, wie es die Habsburger ja auch nicht gerade selten praktiziert haben? Was hilft den beherrschten Menschen dann noch? Sie sind ihrem Monarchen total ausgeliefert, und die Kirche kann das nicht mehr korrigieren (wie Josef II. es in Wien dann auch bewiesen hat.) 

Freitag, 3. Juni 2022

Wieder ziehen die plündernden Horden über die Steppe (2)

Wer nützlich ist darf am Tisch der Barbaren speisen, der Rest hofft unterm Tisch auf ein paar Krumen - Der Verführungskraft dieser Leitlinie ist offenbar auch der derzeitige Herr des Hauses Habsburg erlegen. Als ich Karl von Habsburg unlängst wieder einmal näher zuhörte, denn er gab in Servus TV ein Stelldichein, rollten sich mir nämlich die Zehennägel ein. 
Nicht nur, daß Habsburg wirkt, als hätte ihn ein D-Zug vergewaltigt, macht er nun auf wichtiger Unternehmer. Denn er hat irgendwas mit einer Telephonfirma in Kiew zu tun. Wie schön, Habsburgs haben ja immer schon gerne viel geplaudert. Und ein Geschäft ist das allemal, weltweit, in einer Welt, die nach Narrativen lechzt, die ihren geistig verwirrten Zustand des Herumlügens um den logos in ein allherrlich fabuliertes Kostümchen mit Liebesgeschmack zum Aufspeicheln faßt. 
Auch dieser Karl scheint in dem Punkt Erfahrung zu haben. Wie wenig sein Persönlichkeitskostüm aber mit Wirklichkeit zu tun hat erkennt man aber an seiner Bereitschaft, eine passende Geschichte gleich mal zu erfinden. Wer schon mit dem Wirklichen geshcmust hat, der kann darauf aber gerne verzichten, denn die Ohrfeige kommt garantiert.
Und noch einer Versuchung ist er erlegen, auch hier hat sich ja schon so mancher Habsburger zu Tode gewichtigt - auch dieser Habsburg hat die Nützlichkeit als Legitimationsquelle entdeckt. Und damit ist er auch endlich wer im Konzert der Zeitgeistquaker, und kann endlich aufhören, die Balladen aus längst vergangenen Tagen - also die Lieder dom Ewigen - zu singen. 
Das will heute doch kein Mensch hören, wie soll man da noch ein bissel mehr Telephonminuten verkaufen? In Kiew! Wo doch niemand Ewiges (also Vergangenes) hören will, sondern nur Zukünftiges, nein: Nützliches.
Der heutige Habsburg fährt Motorrad (tut Karl seit seiner Jugend), ist geschieden und wieder liiert, und hat drei Kinder. Nicht acht oder siebzehn. Und den Sinn fürs Pragmatische hat die schon damals sehr gewöhnungsbedürftige Allianz mit deren Mutter aus wenn schon nicht standesgerechten, so wenigstens reichem und nützlichem Haus ja ohnehin schon vor Jahrzehnten bewiesen. Na Hauptsach, mer seint all zerfrieden.

Donnerstag, 2. Juni 2022

Wieder ziehen die plündernden Horden über die Steppe (1)

Je länger und je häufiger ich mich mit der Ukraine befasse, weil es diese Tage so vor die Haustüre tragen, desto umschweifiger werden die Gedanken. Denn irgendwie scheint die Sache festzustecken, und ihr Schritt so in Zeitlupe gesetzt, daß die Gedankenpferde viel schneller laufen, und vor und zurück und hin und her stampfen.

Etwa in der Überlegung, daß sich in der heutigen Ukraine wieder einmal deren eigentlich recht altes, aber offenbar nie erlöstes Schicksal an die Oberfläche trägt. Und das ist dieser Raum als die "Große Ebene", das Große Feld, wie es im Grunde als einzig legitimen Namen trägt. Flach wie eine Palatschinkenpfanne, haben sich hier große und kleine Völker durchbewegt, und keines ist je zur Ruhe gekommen. 

Fast alle sind übrigens Turkvölker, sodaß ich wohl anerkennen muß, daß diese Rasse weltgeschichtlich eine völlig unterschätzte Rolle zu spielen scheint. Von Korea bis vielleicht sogar Japan, haben sie - als Hunnen, Magyaren, Türken, Seldschuken, Tataren, Mongolen an die Oberfläche der Geschichte gekommen - am Schicksalsrad der Welt kräftiger gedreht, als uns gemeiniglich bewußt ist.

Mittwoch, 29. Dezember 2021

Merkwürden, wollten Sie das wirklich?

Wenn in der Monarchie eines - zumindest weitgehendst - geklärt ist dann das, wer in einem Land die Macht hat. Es ist der König, der Fürst, und alle weitere Macht im Land geht von ihm aus. Es mag Kräfte geben, die diese Macht usurpieren wollen, und wir haben es oft genug durch das Finanzwesen erlebt, oder durch Figuren wie Wallenstein (dem verleumderische Zungen sogar Ambitionen auf den Kaiserthron nachgesagt haben), aber das nur solange der Fürst seine Macht nicht wirklich ausspielt. 

Weil aber das Legitimierende selbst hinter der Macht steht und sie nur der König repräsentieren, das heißt: ausüben kann, hat der Machtinhaber in der Monarchie auch die Macht zu handeln. Immer. Selbst wenn er die Macht scheinbar bzw. faktisch einmal abgibt. Ein Federstrich, und die Banken sind enteignet. Eine Anweisung, und der Ehrgeizling ist ausgeschaltet. Der Elephant schüttelt sich, und die Ameisen fliegen davon. Die Macht in der Monarchie steht dem Herrschenden also immer zur Verfügung, und sie ist mehr oder weniger auch definiert. Der Herrscher muß sie nur nützen. 

Und tut es meist gar nicht, weil es nicht notwendig ist, zumindest nicht als direkter Akt, hat er es nicht mit einer Revolution zu tun. 

Mittwoch, 24. November 2021

Die Art und Weise, in den Krieg zu ziehen

Die Auflösung des Sozialen, erfolgt durch die Auflösung der vergangenen Selbstverständlichkeiten, all der normalen, selbstverständlichen Verbindlichkeiten in allem, den Familien, den Ehen, den Arbeitsverhältnissen (wo sich jeder selbstverständlich verpflichtet fühlt, der zur hingebungsvollen Leistung, jener zum gerechten Lohn), den Nachbarschaften und und und (selbst ein Rettungswesen oder die Feuerwehr sind längst teilmonetarisiert, auch wenn es offiziell nicht zugegeben wird) hat zu Gewaltverhältnissen im Sozialen geführt. Wo das Gesetz der Durchsetzung, des Stärkeren, des Skrupelloseren nicht einfach gilt, sondern vor allem als Idealbild. (Allein die faktische Realität ist ja noch oft anders, aber sie wird durch das Ideal bestimmt und ihm gemäß verändert.)

Aber Gewaltverhältnissen ist auch der Umbau der alltäglichen Zustände in Kriege. Und tatsächlich zeigt der Sprachgebrauch, daß wir uns in lauter Kriegen befinden. Krieg gegen den Terror, Krieg gegen das Klima, Krieg gegen Corona, Krieg Krieg Krieg. Krieg bedeutet, daß die selbstverständliche Ganzheit des Lebens aufgegeben wird, und zugunsten des Teilzieles - des Bestehen des Ganzen - der Strategie des Staates alles unterworfen wird. Um von diesem Kriegs- und Kampfgeschehen her das Leben bis ins Kleinste hinein besitzen zu lassen.

Karl Eugen Gass* schreibt einmal in seinem wunderschönen und wie die goldgelbe Abendsonne reifen "Pisaner Tagebuch", daß man die Herrschaftsform eines Staates an der Art erkennen kann, wie der Einzelne in den Krieg geht. 

Samstag, 20. November 2021

Liberté pour l'Autriche

Aus gegebenem Anlaß - Spontan kam es schon gestern zu einer Kundgebung vor der Österreichischen Botschaft in Paris. In einer angesichts der heimlichen, aber umso heftigeren, ja bösartigeren historischen Feindschaft dieser beiden Völker (die Rolle der Franzosen bei der Auflösung der Monarchie, der Haß, mit dem Österreich zertrümmert wurde, war beschämend; vergleiche man dazu die fast unverständliche Fairness, Verzeihungsgüte und genau darin wohlwollende Weitsicht mit der Metternich nur 100 Jahre davor Frankreich beim Wiener Kongress behandelt hatte), erklärten sich einige Hundertschaften Franzosen lautstark solidarisch mit den Österreichern, in deren persönliche Integrität mit dem jüngst verkündeten Anti-Coronamaßnahmen eingegriffen wurde. 

"Liberté pour l'Autriche" skandierten die Menschen. Freiheit für das Österreich**, Befreiung von der Corona-Diktatur!

Mittwoch, 21. August 2019

Bückware Monarchie

Es wird immer sichtbarer - wenn man denn noch zu sehen vermag - daß der heutige Mensch (vor allem des Westens) in einer Gespaltenheit lebt, die als Konflikt zwischen dem ontologischen Anruf und der faktischen Welt und ihren Machtgefügen zu begreifen sind. Dazu muß man den Menschen (und die gesamte Welt, das Seiende sohin) als nur in dem Maß seiend wissen, als er am Sein teil hat. Somit ist jede Abweichung von der vorgegebenen Ordnung aller Dinge (im Wissen Gottes, als Analogie dazu), ohne die nichts überhaupt wäre, ein Schritt der Nichtung. Das fühlt der Mensch zutiefst. Die göttliche Ordnung muß also per se nicht "befohlen" werden, sie ist nicht positivistisch, sondern sie ist auf eine Weise jedem zugängig weil allem grundgelegt, und man muß sie nur ergreifen und erfüllen. 

Eine Kultur, die überhaupt erst eine solche ist, ist nunmehr eine Realisierung dieser ontologischen Ordnung in die Welt hinein. Die kulturelle Ordnung, sofern sie Bestand haben will, ist eine institutionalisierte Umformung eines zutiefst aus dem Realwerdungswillen der Ordnung des Seins drängenden, auffordernden Willens. (Sein, Erkenntnis hat also immer auffordernden Charakter.) 

Bewegt sich diese Kultur in ihrer faktischen, historischen Form von dieser natürlichen Ordnung, die sie einmal mehr oder weniger ausdrückte und real werden half oder real werden ließ (Kultur ist auch Geburtshelfer), weg, so wird sie zu einem immer größer werden Widerspruch zu dem, was jeder Mensch in seinem Innersten aber als notwendig empfindet. Was den meisten und zum allergrößten Teil gar nie bewußt wird (sondern in der Tradition lebt).

Hat aber die faktische, historische Kulturlandschaft Macht (und das hat sie immer, sonst wäre sie nicht vorherrschend), beginnt mehr oder weniger jeder Einzelne, sich mit diesem Widerspruch zu dem, was er eigentlich will (aber zu dem er nicht den Mut findet, weil er sonst in Widerspruch zu seiner Umgebung gerät, und das ist an sich ebenfalls gegen seine menschliche Natur gerichtet), zu arrangieren. Es baut sich eine Welt der Bückware auf, wie wir es hier bereits öfter als Metapher dargestellt haben. In der versucht wird, einerseits den autoritativen Ansprüchen formal zu genügen, diese zu erfüllen, doch anderseits die wahren Antriebe immer dieselben bleiben: Seine ontologisch vorgegebene innere Grammatik und Struktur.

***

Das führt dazu, daß wir in der Gegenwart unter dem formalen Anspruch einer Demokratie beziehungsweise einer Wertelandschaft leben, die aber dem ontologischen Anspruch widerspricht, jedoch einzig jene Kraft darstellt, die uns zum Handeln weil Dasein treibt.

Diese innere, ontologisch vorgegebene Struktur ist die der Dreifaltigkeit, also des Zueinander der drei Weltsäulen, und in dieser Weise monarchisch, hierarchisch. Somit werden wir in den historischen Formen unserer Zivilisation immer nur innere Strukturen finden, die in sich monarchisch sind, aber als Material ihrer Realwerdung eine faktische Struktur des anti-hierarchischen haben (die auf diese Weise reine Behauptung bleibt).

Was immer wir also im Tagesgeschehen erblicken, ist nur dort substantiell und von Bedeutung, wo die monarchischen Strukturen - machen wir es so einfach wie möglich - real sind. Auch wenn sie in der Sehlandschaft des a- oder anti-monarchischen nur zum Teil sichtbar und real werden konnten.*

Illustrieren wir es so gut es geht: Man nehme die Klimabewegung. Sie ist inhaltlich völlig gleichgültig und irrelevant. Aber darum geht es auch gar nicht. In ihr drückt sich ein monarchisches, hierarchisches Streben aus, darum geht es, das Wege sucht, die Gesamtordnung (einer Monarchie) zu etablieren. Die auf diesem Weg etabliert natürlich nur als Zerrform der Diktatur beziehungsweise des Totalitarismus erscheinen kann. 

Denn je weniger die faktischen Lebensformen der ontologischen Anforderung und Ordnung entsprechen, umso vehementer (weil überlebensfordernder) wird die Forderung der Etablierung einer nur monarchisch möglichen Volkseinheit.

***

Um es noch weiter zu überspitzen: Es GIBT überhaupt keine Demokratie, die so wäre, wie wir sie glauben, uns denken oder wie sie uns vorgemacht wird. Wir leben vielmehr in einer Spukwelt, die von Text-Kulissen gebildet werden - die wir nie verlassen dürfen, noch das auch wagen - die mit dem, was sich wirklich abspielt, was sich gewissermaßen leiblich, fleischlich abspielt, so gut wie nichts zu tun haben. Denn diese Vorgänge, also die wahren Vorgänge, in denen wir stehen und leben, und nach denen wir sogar (unbewußt) handeln, sind Versuche, der einzig menschengemäßen Form einer Gesellschaft (als Gemeinschaft) zu genügen. Und darin ist alles hierarchisch und monarchisch.

So daß das größte Problem ist, daß wir aufgrund nicht zutreffender Begrifflichkeiten, die unsere Sprach- und damit Denkwelt ausmachen, nicht in der Lage sind, unser reales Leben zu denken. Und damit schöpferisch zu gestalten. Das ist deshalb gefährlich, weil es dem Räubertum Tür und Tor öffnet. Jenem Räubertum, das jene entwickeln, die sich graduell weniger als die Allgemeinheit um die Texturen des öffentlichen Raumes und Disputes scheren, oder die gar wissen, daß er Scheintheater ist.

***

Dies ist auch der Grund, warum so manche öffentlich heftig geführte Diskussion völlig ziel-, halt- und substanzlos ist. Und dazu gehört auch die Diskussion über die "Meinungsfreiheit", wie sie derzeit geführt wird. Die vielfach sogar nur ein Kampf Einzelner ist, die Macht und Autorität haben wollen. Aber im Ganzen ist es ein wildes Herumfuchteln von Blinden in dunklen Räumen.




*Deshalb werden auch in einer Demokratie immer jene Figuren den größten Zuspruch genießen, die der monarchischen Grammatik - auch wenn diese Begriffe an dieser Stelle extrem simplifiziert sind - am besten entsprechen. Schon gar, wenn sie Ähnlichkeiten mit der Tradition und Vergangenheit des betreffenden Volkes haben. Vergesse der Leser "Inhalte"! Es geht um Gestalten!





Sonntag, 18. August 2019

Dank den Vätern Österreichs! (3)

Teil 3) Exkursartige Anmerkungen
Nebensächlichkeiten? Hauptsachen!



*Es ist bemerkenswert, daß im Vergleich das Deutsche Grundgesetz die verfehlte Grammatik der Gründung dieses "Deutschland" 1871 exakt übernommen hat. Wo ein "Kaiser von unten" (was der Vater von Wilhelm I. abgelehnt hatte, aus genau diesem Grund) ausgerufen wurde. Das heutige deutsche Grundgesetz (schon das ist interessant: Es heißt nicht "Verfassung"; hat also offenbar bewußt nur "regelnde, ordnende Funktion", begründet aber nicht ein Volk oder einen Staat!) hat den Bundespräsidenten entsprechend geregelt: Er wird von den Abgeordneten gewählt. Also auch hier - von unten, als Spielball der Politik. 

Schon die Direktwahl erinnert in Österreich an den König, der ursprünglich - gegen die Eliten gestellt - ein Bündnis mit dem Volk hatte. Zwar wurde und wird immer auch in Österreich von den Parteien probiert, den Präsidenten zu dominieren, über die Wahl hinaus Vorteile zu erlangen. Und ihn zumindest durch den von ihnen betriebenen und finanzierten Wahlkampf für sich zu reklamieren, was speziell den SPÖ-Präsidenten kaum zu verbergen gelang. Wenngleich die Idee in Österreich nach 1945 viel Echo fand, daß der Präsident der Regierungsopposition entstammen sollte (woran sich viele dann doch nicht hielten, es war zu verlockend). 

Die Parteien müssen aber zumindest mit der Möglichkeit rechnen, daß - wie im Fall Kirchschläger (SPÖ) und Klestil (ÖVP) tatsächlich geschehen - der Bundespräsident sich doch der eigentlichen Macht dieser Position in Österreich zu besinnen beginnt und überparteilich wird. Das Amt ist es, das den Minister macht. Der Ort gibt das Wesen der Menschen vor, die auf ihm stehen. Das gibt immer Anlaß zu Hoffnung.

²Daß diese Statthalter-Regierung (per se weiblich) nichts Besseres zu tun hatte, als einige - und gerade die schönsten - Beschlüsse der ÖVP-FPÖ-Regierung zurücknahm oder zurückzunehmen angekündigt hat, zeigt, was für Verbrecher in der österreichischen Politik wirklich am Werk sind. Und welche Charakterlosigkeit die ÖVP prägt. 

Schon der Vater des VdZ - christlich-soziales Urgestein seit je, schon vor dem Krieg, nach dem Krieg persönlich sehr eng mit dem ersten Kanzler nach 1945, Leopold Figl (aber gut, das waren vermutlich viele) - hatte damit seine unübersteigbaren Probleme. (Immerhin hatte der Vater des VdZ die Mitglieder der österreichischen ÖVP-Zentrale in Wien regelmäßig mit Lebensmitteln versorgt, was zu "Tänzen auf den Tischen" geführt hatte ... ;-) 

Im Gegensatz zu deklarierten Linken (wie die in der alten SPÖ), die halt einfach dumm sind, aber es oft subjektiv sehr gut meinen, und menschlich ziemlich "in Ordnung", ja "konservativ" sind, sind in der ersten Linie stehende ÖVP-Politiker grundsätzlich Charakterdesaster. Die wenigen Ausnahmen, die es geben könnte, zählen nicht, und werden auch innerhalb der Partei "nichts".

Der VdZ kann sich an zahlreiche Gespräche mit solchen, oft ehedem sehr engagierten Leuten, erinnern. Sie sagen alle dasselbe, haben sich alle aus denselben Gründen aus der ÖVP zurückgezogen. Die internen Prozesse machen es guten Leuten unmöglich, nach oben zu kommen. Sie sagen das, was schon der Vater des VdZ gesagt hat, diesem ersten Bürgermeister Neuhofens a. d. Ybbs nach 1945 und Gründer einer bis heute bestehenden Zeitung.

**Die oft zitierte angebliche "Erbschaftsfolge" im Adel bezieht sich ausschließlich auf das Haus! Nur hierin spielt die Zeugung eine Rolle, die aber bloß zufällig und akzidentiell ist. Wo sie biologisch-genetisch verstanden wird, ist sie aber schon degeneriert und delegitimiert (!)

³Es scheint niemandem aufgefallen zu sein, aber es hat in Wahrheit enorme Relevanz. Nur bereits entgeistete Leichen können darin eine "Nebensächlichkeit" erkennen. Überall war die Rede, daß Österreich eine "Bundeskanzlerin" habe. Herrschaften, damit hat Österreich KEINEN BUNDESKANZLER. Bitte, werter Leser, überdenke er diesen Satz einmal wirklich genau. Vergesse er, was die Gendertrottelei ihm bereits ins Hirn gesetzt haben könnte. 

Wir haben es hier mit einem VERFASSUNGSBRUCH zu tun. In der österreichischen Verfassung kommt nur das Amt des BUNDESKANZLERS vor. Eine Frau Bundeskanzler, meinetwegen. Aber KEINE BUNDESKANZLERIN. Nicht nur dem persönlichen Eindruck nach, sondern ontologisch, ist diese Regierung also eine pure, amüsante Farce. Halt typisch österreichisch: Man macht Nichts, und erwartet, daß die Welt verändert wird.




Samstag, 17. August 2019

Dank den Vätern Österreichs! (2)


Teil 2) Sedet ad dexteram patris



Die Bestellung einer Frau zur Frau Bundeskanzler (denn so war es ja wohl gemeint?! oder wird hier stillschweigend eine neue Republik, an der Verfassung vorbei, auf der Grundlage der üblichen links-grünen Begriffsvergewaltigung durchgeführt?*) gibt der Sache dennoch einen fast versöhnlich stimmenden Charme, den man fast mit der Hegelschen "List der Vernunft" begründen könnte: Da wollte jemand etwas Revolutionäres schaffen und hat das älteste, in allen deutschen Völkern (siehe Grimms "Germanisches Recht" etc.) verwurzelte Recht angerufen, das es gibt. Würde Van der Bellen nach persönlicher Leistung beurteilt, müßte er sein Amt gar damit bestreiten, würde Österreich kurz vor der Hölle stehen und an den Sünden eines Menschen als Haupt durch Sühne und Stellvertretungsverbundenheit leiden, der sich die Hölle redlich verdient hat.

Die Handschrift verblödeter Grüner trägt die Regierung nämlich freilich dennoch. In der Betonung von "Fachkompetenz".* Als gäbe es eine Sachkompetenz in einer Regierung, die NICHT politisch (also: logos-, sinnorientiert, also in ein sittlich-persönliches, wertbezogenes Bild eingebettet) wäre. Das sind bestenfalls die Vorstellungen eines zeitgeistversoffenen, postmodernen Konstruktivisten. Aber lassen wir das, seien wir froh, daß nicht Schlimmeres passiert ist.

Wobei man nervös werden kann. Eine der ersten Stellungahmen der neuen Bundeskanzler-Sitzhalterin lautete, daß sie das Ziel der Österreicher in einem "toleranten" Staat sehe. Angeblich eine uns sogar "Toleranz". Man meint schon, eine Folge der Serie verpaßt zu haben: Was? Ein tolerantes Österreich sei des VdZ Ziel?

Nein, werte Dame, das ist Pruntzgequatsche von pseudointellektuellen Liberalismus-Schmarotzern wie Alexander Kissler, die ihre rückgratlose Kriecherei in schwülstigen Sträußen von Zeitgeistprimeln verstecken und nachmittags um drei herumlaufen und allen grinsend erklären, wie der Witz gemeint war, den jemand um acht Uhr zum Frühstück gemacht hat. Wobei eh schon wissen: "Toleranz'" klingt natürlich immer klug. Ist aber das Geschwafel von Rumpflaufsimpeln. Nein, werte Dame, sinnloses Gequatsche - "Toleranz" - kann KEIN Volk einen, tun Sie nun nicht auf "Politikerin" machen. Auch nicht diese Zusammenwürfelung von Siedlern, die ihre Stämme und Wurzeln verlassen haben, um sich einem Territorialrecht (statt Personalrecht) zu unterstellen.

Aber genau das, genau das spricht für die Verfassung Österreichs: Die Struktur ist so stark, daß es auf die Personen gar nicht ankommt. Und DAS ist das Wesen der Monarchie, der einzigen (sic!) Grundverfaßtheit eines Volkes. Wehe einem Volk, das auf die Qualität oder "Kompetenz" von Menschen aufgebaut ist. Das gibt es nur bei Gott selbst, der das Sein - also die Struktur - selbst IST. Die Berufung auf persönliche Abstammung etwa wird immer dort heidnisch und damit unbeholfen und größenwahnsinnig, wo sie sich auf weltimmanente Belange (körperliche Abstammung, genetische Vererbung und ähnliches) beruft.**

Bleibt noch ehrlich zuzugeben, daß dieser Grüne am Präsidentenstuhl Österreichs³ doch Anzeichen zeigt, vom Amt geprägt worden zu sein. So ganz kann ihm auch der VdZ nicht gewisse Austriazität absprechen, die er angenommen zu haben scheint. Und sein seniles Gehabe hat auch mancher andere mit dem alten Kaiser Franz Josef I. verglichen.  Nicht zuletzt sei der hier sogar positiv zitiert, denn was er über "den Österreicher" sagt, zeigt zumindest, daß er sich vorstellen kann, wie das ist. Wir zitieren hier die Zeitung "Österreich":

Darüber hinaus betonte Van der Bellen, man könne in derartigen Situationen auch auf "das typisch Österreichische" aufbauen: Der erste Punkt dabei sei die Zuversicht - "auf gut Österreichisch: 'Na, das mach' ma schon, das krieg' ma schon hin', diese grundsätzliche Einstellung", so der Präsident. Es gelte, die positive Chance zu sehen. Zweitens verstehe er darunter den Mut, wie er mit Verweis auf die Bundeshymne sagte ("mutig in die neuen Zeiten"). Und das dritte Wesentliche sei es, im Gespräch zu bleiben. "Auf gut Österreichisch: 'Beim Reden kommen die Leut zsamm. Man setzt sich zusammen und diskutiert das aus. Gerade in den letzten Tagen und Stunden wurde das wieder sehr schön unter Beweis gestellt", sagte der Präsident.

Da ist schon was Wahres dran, aber auch das, warum man die Österreicher manchmal verwünschen könnte und am liebsten den Weltrekord im Dauerkotzen bräche ... Man sagt nicht zu Unrecht: In Deutschland ist die Lage ernst, aber nicht hoffnungslos. In Österreich hingegen hoffnungslos, aber nicht ernst. Also beruhigen wir uns in Zeiten, wo plötzlich Bundespräsident und Bundeskanzler allen Österreichern erklären, wie sie eigentlich sind, und was sie wollen, ohne davon zu wissen.


Die Menschen, die sich hier nach dem Rückzug der Römer im 5. Jahrhundert angesiedelt haben, in erster Linie Bayern, Rheinländer (Adel!), Franken, Schwaben, zusammen mit einem Grundstock an Kelten, zurückgebliebenen Römern ("Walchen") und einigen Resten von Bergslawenstämmen, haben gelernt, sich mit vielen Einflüssen und Spannungen zu arrangieren. Das gibt dem Österreicher etwas Elastisches, das den übrigen deutschen Völkern, vor allem aber den Preußen, leider oft fehlt.

Aber noch etwas, und zwar genau deshalb: Die österreichische Verfaßtheit ist eine Struktur, die - das ist das vielleicht Interessanteste an der gegenwärtigen österreichischen Verfassung - eine Reinstallierung eines (konstitutionellen) Monarchen im Rahmen der bestehenden Rechtsordnung MÖGLICH machen würde. Und das vermittelt doch ein gerüttelt Maß an Hoffnung?

Dank den Vätern!

Für den 132. Geburtstag des letzten Kaisers von Österreich, sel. Karl I., als sel. Karoly IV. auch letzter König von Ungarn, in die Artikelplanung dieses Blog gestellt.


Morgen Teil 3) Exkursartige Anmerkungen
Nebensächlichkeiten? Hauptsachen!

*Bitte, Leute, für wie dumm müssen wir gehalten werden ... ? Die jetzige "Bundeskanzlerin" ist ÖVP-wahltaktisch gewählt. Sie hat der vorhersehbaren Spitzenkandidatin der SPÖ, einer Frau, die mit dem Slogan angetreten ist (im Grunde allein Ausweis unendlicher Vertrotteltheit), "erste Bundeskanzlerin der Republik" zu werden, schon im Vorfeld zerstört. Wenn die SPÖ-Vorsitzende Pamela (wohl in der Kindheit zu viel Dallas gesehen? mit diesen Fernsehprodukt-Generationen haben wir es allmählich zu tun!) Rendi-Wagner (ein Doppelname bei einer Frau ist allein schon ein Grund für Ausschließung aus jeder ordentlichen Gesellschaft; soll im Fischerhüttlein achtzehn Kilometer flußaufwärts wohnen, wir bringen ihr zweimal wöchentlich Kartoffelsuppe; wer wählt Menschen, die keine Identität haben, sondern Federn im Wind sind?) das nun in den Wahlkampf wirft, wird sie nur noch Lächerlichkeit ernten. Herrschaften, seid Ihr wirklich dem Plumpsmärchen aufgesessen, es gehe hier um "Persönlichkeiten", nämlich um "Sebastian Kurz"? Dann handelt danach. Er ist das, als was er aussieht: Ein Ohrwaschelkaktus.





Freitag, 16. August 2019

Dank den Vätern Österreichs! (1)

Eines muß man der Verfassung Österreichs lassen: Sie ist von ihrem staatsrechtlichen Denken her so gut gebaut, daß es tatsächlich noch keinen Fall seit 1945 gab, der sie hätte sprengen können. Es war selbst möglich das Chaos vom Ende Mai zu lösen, wo es innerhalb von zwei Wochen zu drei Regierungen kam.

Wer sich die Männer ansieht, die damals in die Diskussionen um die Verfassung eingeschaltet waren, versteht auch warum. Es waren sämtlich Männer, die vor der Situation standen, daß das, was einzig ein Volk stabil halten kann - die Monarchie, die monarchische Struktur - unter den neuen Prämissen (und unter dem Diktat des Völkerbundes, der das 1919 verbot) nicht mehr möglich war. Also versuchten sie, die inneren Strukturen der Monarchie nachzubilden, und damit auf jeden Fall ein Chaos zu vermeiden, das ohne Monarchie zweifellos ausbrechen würde. Und dann (Stichwort "Diktatur") zu Gewaltstrukturen führt, die wieder dasselbe machen: Eine Monarchie nachbilden, der aber die Legitimität fehlt. 

So erklärt sich die dem König (Kaiser) ähnliche Stellung des Bundespräsidenten in Österreich, die diesem schon kraft der Struktur, auf die er sich berufen kann und sogar muß (!), die auch in solchen bewegten Tagen "für alles" eine Lösung parat hält. Wenn man heute also die letztlich wirklich ruhige Entwicklung ansieht, die Österreich Ende Mai trotz allem nahm, auf die Person Alexanders von der Bellen zurückführt, so zeigt sich nur der Verblödungs- und Unbildungsgrad der Menschen. Van der Bellen hat nichts davon "geleistet".*

Vielmehr muß man sogar sagen, daß wo immer er Persönliches einbrachte, die Sache stinkt - wie bei der Lösung, einen weiblichen Interimskanzler zu installieren. Was bestenfalls noch mit dem althergebrachten Volksrecht sanfter beurteilt werden kann, daß Frauen, Mütter, Ehefrauen, Witwen von Monarchen, den Thron in der Zeit der Abwesenheit eines Monarchen erstens ganz im Sinne des Mannes fortführen, zweitens aber nur "freizuhalten" hatten, bis der oder ein Monarch wiedergefunden oder zurückgekehrt war. Und exakt das hat Frau Brigitte Bierlein zu leisten: Den Stuhl stellvertretend bereithalten, bis der nächste Kanzler gewählt ist, und ihn in der Zwischenzeit niemand besetzen kann.² 

Das ist im alten Herzogs- und Königsrecht der deutschen Völker, also auch der Bayern (und das heutige Österreich ist zur Gänze - außer dem Burgenland - ursprünglich bayrisches Gebiet gewesen) sogar bildlich gesehen worden. Man denke an das alte Kärnten. Da steht im Zolllfeld in der Nähe des Magdalensbergs, der ältesten und ersten Hauptstadt des Herzogtums Kärnten (dessen Herzogshaus mit Arnulf sogar einen deutschen Kaiser stellte), noch heute der uralte, steinerne Herzogsstuhl: Ein (immer gewählter, zumindest der Zustimmung der Volksvertreter und Stammeshäupter unterliegende) Herzog hatte zur Inbesitznahme des Amtes den Stuhl drei Tage (wörtlich) "zu besetzen". Dann "besaß" er das Herzogtum. Und Besitz heißt nicht "absolutes Eigentum". Besitz heißt auch nach heutigem Recht nur "Verfügungs- oder Nutzungsrecht".

Wobei dieses heutige Recht immer noch das "ersessene Eigentum" kennt. Und auch in der deutschen Krönungszeremonie hatte die Stuhlergreifung ihren besonderen liturgischen Rang. Der König, der Kaiser war erst Kaiser oder König (etc.), wenn er "am Stuhl", also "inthronisiert" war. Thronus ... klingelt es? 

Wie heute also noch. Die Assoziationen fliegen dabei, die die Ahnung voller machen: Nicht nur bei Königen, auch bei einem Bischof, ja bei einem Papst spielt das reale Sitzen seine ungebrochene Rolle. Man denke noch weiter, denke an "ex cathedra", also "vom Stuhle aus". Sogar der Papst hatte sich sein Amt "zu ersitzen", diesen "Stuhl Petri" - und man kennt vom päpstlichen Zeremoniell die "sedes gestatoria", der Stuhl, auf dem der Papst getragen wurde oder einige Zeit zu sitzen hatte. Und jeder Katholik kennt sein Glaubensbekenntnis: "Sedet ad dexteram Patri" - "Sitzet zur Rechten des Vaters, von dort wird er kommen ..." usw. usf. Sitzen ist mehr als seine fleischbehangenen Knochen niederzufletschen ...

Oder man denke an den historischen Umstand und seine Implikationen, zusammen mit dem Größenwahnsinn, der in der Renaissance einsetzte. Man denke daran, daß man erst ab hier saß. Ja es ist ein Merkmal der Neuzeit, daß man nun allgemein "saß". Es ist noch relativ jung, daß in der Kirche gesessen wird. Auch das ist eine Vorbereitung des Zweiten Vatikanums und der ihm folgenden Liturgiereform, die alle diese inneren geistigen Wege in Zement goß. Vorher "saß" nur der Oberste, der König, Fürst, Leitende, Prälat etc. Es sei aber alles nur noch nebenbei erwähnt, denn wir schweifen wie üblich wieder einmal unzulässig ab.

Zurück. Nicht mehr als diese Stuhlwahrung hat auch diese gesamte "Regierung" zu bedeuten, die eben das nicht ist, als was sie verkauft wird, Regierung. Sie hält die Stühle warm. Bis eine Regierung wieder besteht und gewählt wurde. Jede Wette - sie wird sich nicht darauf beschränken ...

  
Morgen Teil 2) Sedet ad dexteram patris





Freitag, 28. Dezember 2018

Warum eine Monarchie vernünftig ist (2)

 Teil 2)



Zur Kritik an der monarchischen Regierungsform läßt sich sagen, daß einerseits 90 Prozent der angeblichen Schwächen des Systems auf persönliche Fehler zurückgehen. Einer dieser Fehler ist, daß demokratische Prozesse von Monarchen oft zu gering bewertet werden. Monarchen haben aus persönlichen Gründen gerne eine Neigung zu absolutistischen Regungen (wie die Geschichte zeigt). Das spielt dem Umstand in die Hand, daß das Wesen der Monarchie den meisten Menschen kaum bewußt ist, und deshalb in der Wahrnehmung verschwimmt, wo die Nachteile einer bloßen Republik liegen. Stattdessen stehen in der Kritik an Monarchen etwa persönliches Fehlverhalten oder persönliche Skandale im Vordergrund. Dazu kommen oft überzogene Erwartungen der Öffentlichkeit gegenüber einer königlichen Familie. In Monarchien entsteht deshalb gerne einmal das Gefühl im Volk, daß das, was der Herrscher könne, auch jeder andere könne.

Daß das persönliche Fehlverhalten in Demokratien und unter Politikern nicht nur nicht anders, sondern weit schlimmer ist, geht leicht unter. In einer gemischten Monarchie hingegen (für die Wiszowaty eintritt) hätte aber dennoch jeder Einzelne die Möglichkeit, sich entsprechend zu beweisen, indem er einfach als Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten antritt. 

Was das Thema von Familienklüngelei anbelangt wird in Demokratien gerne vergessen, daß solche Klüngeleien in Demokratien um nichts weniger eine Rolle spielen.* Wenn man nun einwendet, daß Herrschaftspositionen in einer Monarchie nicht auf Verdienst, sondern auf Erbfolge beruhen, wird seltsamerweise vergessen, daß auch Talente vererbt werden, und daß sie zu ihrem Aufblühen auch ein bestimmtes familiäres, soziales Umfeld brauchen, das sie fordert. 

Wiszowaty geht dann dazu über, die Ängste zu analysieren, die mit der Vorstellung eines Monarchen zusammenhängen. Deren eine ist, daß kraft Erbfolge auch ein unfähiger Herrscher an die Macht kommen könnte. Und noch dazu in Verbindung mit der Vorstellung, daß die Monarchie zu viel Macht in die Hand eines Einzelnen lege, was einer Tyrannei Tür und Tor öffne. Das aber ist in einem gemischten System - "demokratische Monarchie" - gar nicht möglich, weil in dieser Form der Monarch gar nicht genug reale Macht hat, um eine Tyrannei zu installieren. Er steht dem parlamentarischen System gegenüber, hat andere Wirkmöglichkeiten und -bereiche, aber keine reale Macht, in Regierungsgeschäfte einzugreifen.

Das vielleicht größte Problem der Monarchie könnte freilich sein, daß ein Staat zu einer "Gerontokratie" wird, also zu einer Herrschaft der Alten führt. Etwa, wenn der Herrscher zu sehr am Thron klebt, den Weg für einen jüngeren Thronfolger damit nicht freigibt, weil sein Amt nicht von ihm zu lösen ist. Liechtenstein zeigt, wie es dennoch geht: Der regierende Fürst hat seinen Sohn zum Prinzregenten eingesetzt, der sämtliche Geschäfte führt, während er sich zurückgezogen hat, und nur noch mehr oder weniger von außen beteiligt ist. 

Ein weiterer Kritikpunkt wäre aber gewiß auch, daß den heutigen Herrschern vorgeworfen werden könnte, daß sich eine gewisse geistige Leere breitgemacht hat. Daß heutige Herrscher wirklich nur noch Pomp und Gloriae zelebrieren, "Berühmtheiten" sind, aber nichts Wesentliches mehr zu sagen haben.  

In einem letzten Punkt geht Wiszowaty auf Herausforderungen für die Zukunft ein. Denn es stellt sich die Frage, wie weit sich monarchisches Bewußtsein ändern müßte, um heute noch Akzeptanz zu finden, will die Monarchie als Staatsform überhaupt überleben. Was an natürliche Grenzen stößt, denn wenn sie sich zu sehr dem heutigen Denken angleicht, zerstört sie sich selbst. Wiszowaty führt drei Beispiele an, wie solche Adaptierung gelingen kann. 

Hier wird es nun ein wenig seltsam. Denn der Pole meint, daß es ein erster Überlebenspunkt ist, auch Frauen in die Thronfolge zu lassen. Weniger als Reaktion auf den Feminismus, sondern als Chance, Akzeptanz zu finden. (Der VdZ hält das für eine contradictio in adiecto.) Immerhin ist auffällig, daß in Europa vor allem die Monarchien überlebt haben, wo Frauen auf den Thron kommen konnten. Und was macht man in Spanien und Holland, wo die heute noch männlichen Könige nur Töchter haben? 

Der nächste Punkt für Monarchien ist, näher ans Volk zu kommen. Wenn das zu weit geht besteht die Gefahr, daß der Grund, wozu man eine Monarchie überhaupt braucht, verloren geht. Denn man steht vor der Frage, ob Monarchen eine "bessere Ausführung von uns selbst" sein sollen, oder ob sie nicht Ideale (in Reinform) vertreten sollen, denen das Volk als Anforderung zur Hinspannung nachzustreben hätte. 

Dazu kommt das Problem der Religionsvielfalt, die wir überall bereits haben. Denn mit dem Monarchen sollte sich im Normalfall auch eine Religion verbinden, die ihn und seine Ideale identifizierbar (in Wahrheit auch korrigierbar; diesen Aspekt bringt der Pole überhaupt nicht, was fast verwundert; Anm.) macht. 

Einen weiteren Punkt ist die EU, und wie sie sich in ihren Demokratisierungsbestrebungen auf das Wesen von Monarchien auswirkt. Denn die einen meinen, daß es die Monarchien aushöhlt, durch ihren Egalitarismus abschafft, die anderen, daß gerade in der Monarchie nationale Identität bewahrt bleiben kann. 

Eine riesige Herausforderung dabei stellt sich durch die Medien. Die im Grunde bei Monarchen sogar einfache Menschenrechte (auf Privatheit) mißachten, um Sensationen zu liefern. Das hat bewirkt, daß sich selbst unter Mitgliedern von Herrscherhäusern eine gewisse Scheu ausgebreitet hat, diese Würde überhaupt noch anzunehmen, um "leben" zu können. Denn sie müssen in gewisser Hinsicht das aufgeben, was wir heute jedem Einzelnen als Menschenrecht zugestehen: Sie haben keine Privatheit mehr. Sie können nicht heiraten, wen und wie sie wollen, das muß von den Parlamenten bewilligt werden. Sie sind sogar in ihrer finanziellen Existenz von diesen abhängig. 

Der entscheidende Punkt aber ist, daß die königlichen Familien die Öffentlichkeit überzeugen müssen, daß sie nicht sich und ihren privaten Interessen dienen, sondern der Öffentlichkeit. Das ist aber die Realität eines Herrscherhauses, es ist die einzig legitime Wirklichkeit einer Monarchie.

Zusammenfassung: In der Analyse der Vorteile einer Monarchie - als Mischform von Demokratie und Monarchentum (was im übrigen die allermeiste Zeit auch in unserer Geschichte so war! die absolute Monarchie ist eine relativ junge Entwicklung gewesen; Anm.) - durch Prof. Marcin Wiszkowaty aus Polen stellt sich eine solche Staatsform der heutigen Republik als deutlich überlegen heraus. Und zwar aus rein sachlichen Gründen. Nicht zuletzt das Fürstentum Liechtenstein zeigt, wie es gehen kann. Wiszkowaty läßt dabei einen Monarchen wie eine sinnvoll korrigierende Ergänzung zu heutigen Demokratien erscheinen.

Wenn man aber über die Frage nachdenkt, wie eine solche Form von den Menschen akzeptiert, ja gewollt werden könnte, so daß man "zurückwechseln" wollte, wird einem die Kluft zwischen der monarchischen Idee und den heutigen allgemeinen Anschauungen deutlich. Die zu überwinden Adaptierungen bräuchte, die der Pole auch vorschlägt, die aber dem Wesen der Monarchie glatt zuwider stehen. Was übrig bliebe wäre, daß man das Beste an der Monarchie - und das ist das personale Element als Fundament der Einheit eines Volkes, in seiner religiösen Rückbindung aber auch unter einer dem König selbst übergeordneten Instanz, nicht nur der Verantwortung, sondern vor allem der Stellvertretung, und damit Legitimität eines ganzen Staates bzw. Volkes! - zugunsten einer "besseren Funktionalität" aufgäbe. Damit würden aber Monarchen tatsächlich zum bloßen Schein absinken.



*Ja man spricht heute sogar von Oligarchien, also von der effektiven Herrschaft Weniger, die die Politik sogar in der Hand haben. Und Demokratien haben keine Instrumente, solche Machtkonzentrationen zu korrigieren.




*071118*


Donnerstag, 27. Dezember 2018

Warum eine Monarchie vernünftig ist (1)

Das leider nur über einen Link erreichbare Video zog der VdZ aus gloria.tv. Denn es wäre schade, die guten Argumente, die der polnische Verfassungsrechtler Prof. Dr. Marcin Wiszowaty zugunsten einer monarchischen Staatsform, verglichen mit einer rein demokratischen Republik, anführt nicht eingehender zu berücksichtigen. Leider liefert der Übersetzer im Video eine zwar gutgemeinte, aber so schlechte Übersetzung, die einem Co-Vortrag eher gleicht, daß die feste Substanz, die der Pole herausarbeitet, beim Zuhören untergehen könnten. 

Prinzipiell, meint Wiszowaty, gibt es ohnehin keine "reinen" Monarchien, zumindest nicht in Europa. Sie waren und sind immer eine Mischform. Doch hat der Monarch durch seine Unantastbarkeit eine wichtige Funktion des Gegengewichts gegen die immer interessengesteuerten Tagesgeschäfte einer bürgerlichen Regierung. Er muß nicht auf das Wahlverhalten schielen, und repräsentiert deshalb das einen Staat Durchtragende, die immer gleichbleibenden, immer gültigen Werte. Dabei wird er von zwei Dingen unterstützt: Der königlichen bzw. herrscherlichen Familie, die sich die Arbeit nicht nur aufteilen, sondern auch weit mehr präsent sein können - und darin diese Werte und Fundamente des Staates im öffentlichen Bewußtsein wesentlich wirksamer verankern. 

Ein König (bzw. ein Herrscher) kann zudem eine Aristokratie installieren und festigen, die nicht auf Privilegien beruht, sondern auf der Exzellenz seiner Träger. In denen das Wertvolle eines Volkes, eines Staates, herausragend vorkommt. Damit wird eine Aristokratie nicht einfach auf Erbfolge begründbar, sondern durch Leistung. Über allen Parteien stehend, kann ein König damit auch Personen in herausragende Positionen bringen, die keiner Partei zugehören. 

Daneben hat genau diese Stellung eine weitere wichtige Funktion: Denn jede Demokratie hat das Problem, daß viele Menschen gar nicht wählen gehen. Ein König aber kann und muß auch diesen Menschen politisches Gewicht geben. Darüber hinaus erfüllt ein König die in den meisten Demokratien herrschende Teilung in zwei Kammern mit neuem Leben weil Sinn, die nach unterschiedlichen Prinzipien zusammengesetzt sind. 

In Österreich ist der Nationalrat die Vertretung der thematischen Interessen von Wählern, während der Bundesrat das Regionalprinzip repräsentieren würde, also den Föderationsgedanken erst lebendig macht und in gewisser Weise dem Parlament als Korrektiv gegenüber stehen würde; in England beispielsweise ist es durch den Adel gekennzeichnet, also auch hier als Vertreterin anderer Prinzipien (s.o.) Ein König sichert den Einfluß dieser korrigierenden Kammer. Denn die zweite Kammer hat natürlich weniger direkten Einfluß auf die Gesetzgebung, aber das würde ein König besser ausgleichen können.

Überläßt man die Auswahl dieser Nobilität (Aristokratie) aber dem Parlament selbst - wie es in England seit 1999 der Fall ist, als man eine Reform durchsetzte - stellt man fest, daß der Einfluß der zweiten Kammer auf die Gesetzgebung schlagartig gegen Null geht.

Die Installierung eines Königs hat zudem den Vorteil, daß die heute üblichen Konflikte zwischen einem Präsidenten (der meist auf Repräsentationsaufgaben beschränkt bleibt) und einem regierenden Ministerpräsidenten (als aktivem Politiker) vermeiden helfen. 

Außenpolitisch ergibt eine Monarchie den Vorteil, daß jede monarchische Familie in ein dichtes, auch internationales Gewebe von Verwandten eingebunden ist. Das gibt jeder Diplomatie ganz andere Möglichkeiten. Wir haben es außerdem mit Menschen zu tun, die schon kraft familiärer Prägung internationale Kontakte viel professioneller pflegen als "gelernte" Diplomaten. Zumindest können sie eine rein politische Diplomatie unterstützen. Die Politik hat sogar mehr Zeit und Spielraum für die eigentliche Politik. Denn mit einem Mal hat die Diplomatie auch für die Medien größeres Gewicht, weil die Mitglieder der Herrscherhäuser öffentliche Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Das gilt auch grenzüberschreitend (man denke nur an die umfassende Berichterstattung über das englische Königshaus in unseren Ländern), wo Besuche von regierenden Häuptern anderer Staaten viel Aufmerksamkeit genießen. All das stärkt die Interessen eines Staates, auch im Sinne einer Völkerverständigung.

Nicht unerwähnt sollen Dinge bleiben wie die höhere Fähigkeit, Gelder für einen "guten Zweck" zu lukrieren. Das ist schon deshalb wichtig, weil Sozialausgaben immer den Charakter von "Gabe" (Gnade) haben müssen, wir haben über diese Verirrung des "Sozialstaates" schon oft an dieser Stelle gehandelt. Sie führen sonst unweigerlich zu einer Verrohung der öffentlichen Moral. Es gibt viele Beispiele aus England, wo königliches Engagement für Wohltätigkeitsorganisationen enorme Geldmittel flüssig gemacht haben, die nunmehr nicht vom Steuerzahler über Steuern (die eine Form der Enteignung sind) berappt werden müssen - es sei denn, er will es freiwillig - und ganz neue Möglichkeiten der Wohlfahrt ermöglichen.

Oder man nehme den Umstand, daß die Anwesenheit eines Mitglieds des Herrscherhauses - das man nicht einfach "mieten" kann wie einen Popstar - immer eine Auszeichnung, eine Erhöhung für alle möglichen Ereignisse bedeutet. 

Und es ist effizient. Denn das Interessante ist, daß die öffentlichen Ausgaben für Repräsentationsaufgaben in Ländern, die ein Königshaus haben, deutlich unter jenen von Ländern liegen, die das nicht haben.

Nicht vergessen darf man die Anziehungskraft, Würde und Schönheit königlicher Zeremonien. In der Traditionsverbundenheit, in der Gebundenheit an Rituale liegt aber auch ein wichtiger Anker gegen jede Form von politischem Populismus. Die niederländische Königin Beatrix hat etwa ihr Wort gegen Geerd Wilders erhoben, und nicht unerheblichen Einfluß darauf gehabt, daß er nicht in die Regierung kam, obwohl seine Partei die Wahlen gewann. Beatrix verhinderte aber, daß er Ministerpräsident wird. Monarchen sind die beste Gegenwehr gegen "charismatische Führerpersönlichkeiten", weil sie einen weit höheren Glaubwürdigkeitsstatus haben. 

Umgekehrt sind sie die sicherste Gegenwehr gegen Egalitarismus. Denn Könige garantieren auch eine "gesunde" Elite und Hierarchie. Denn erst mit einer öffentlich installierten, lebendigen Hierarchie wird einer Bevölkerung auch Gerechtigkeit in der persönlichen Identität zuteil. Der Egalitarismus ist zutiefst ungerecht, und endet im übrigen mit dem Sieg des Stärkeren, oft einfach des Brutaleren, Skrupelloseren. Besonders für die Kunst haben sie darin eine entscheidende Aufgabe, weil sie verhindern, daß sie von Ideologien und Parteien und Interesssen vereinnahmt und gelenkt wird.

Nicht zuletzt stehen Herrscherhäuser für die Hochschätzung von Ehe und Familie in einem Staat. Schon weil sie selbst deren Strukturen lebensnotwendig brauchen und repräsentieren.


Morgen Teil 2)





*071118*

Sonntag, 2. Juli 2017

Ein Augenblicksbericht aus Ungarn (2)

Teil 2) Die Ungarn sind unglücklich, weil sie, die völkisch so eigen sind, sich mit den Augen eines ihnen immer fremden Westens beurteilen. Und da schmieren sie nun völlig ab.


Diese Ungarn also, die mitten in die drei europäischen Völker - Slawen, Germanen, Romanen - im frühen 9. Jahrhundert aus Asien vorgestoßen sind, und denen man dann diese Bleibe, die Pannonische Ebene, umsäumt von Gebirgen, als ihr Haus- und Eigenrecht zugewiesen hat, um sie zu befrieden, wollen ein starkes Selbstsein, aber zugleich sehen sie sich mit den Augen der "Anderen", der Fremden, der anderen Kulturen. Denn diese sind kulturell, geistig deutlich überlegen (gewesen).

Gleichzeitig sind sie genau an der Mission, die sie so bereitwillig erfüllt haben - der Schutz des Abendlandes gegen nichtchristliche Kulturen, namentlich den Islam der Türken - auch kraftmäßig verblutet. Man schätzt, daß heute kaum noch zehn Prozent der in Ungarn lebenden Menschen "magyarischer Herkunft" sind. Doch hatten die Ungarn eines, das kaum sonst noch ein europäisches Volk hat: Sie sind von einer "heiligen", in Mythen unvordenklicher Zeit verankerten Krone des gottgestifteten Königtums ALS VOLK, als Kultur sogar, verankert. Ein Segen hier, gewiß, ein Auftrag, ganz gewiß, aber auch ein Fluch in diesem realpolitischen europäischen Spiel.

Wenn man aber als Europäer lernen will, WAS ein Volk ist, dann muß man auf Ungarn blicken. Nein, es ist nicht ethnisch-rassisch ausdefinierbar. Nein. Es ist eine - Idee! Es ist damit eine Wurzel der Religion. Es ist eine Kulturwurzel! Eine Identität! Und die ist immer - immer! - ein sublim entstandenes und entstehendes Konstrukt, das in Ungarn die Idee der Krone als einendes weil stiftendes Moment hatte. Selbst die vielen zehn- und hunderttausend zugewanderten Deutschen im Wechsel der Jahrhunderte "wurden Ungarn", der VdZ hat das immer wieder von ihren heutigen Nachkommen gehört. Sie wollten nicht "Deutsche in Ungarn" sein, sie wollten Ungarn sein. 1945/46, die Ausweisung der Deutschen, war also ein tragischer, von den vertriebenen Deutschsprachigen nie verstandener Irrtum. Was im übrigen die von den Ungarn selbst so abgelehnte, aber innert so logische Verbindung mit den Habsburgern - die nur diese Idee als Halteband hatte - als sehr, sehr natürlich erscheinen läßt.

Die Wirkzusammenhänge in die Gegenwart und aus ihr heraus sind sicher komplex, der VdZ will die momentanen Eindrücke noch wenig bewerten. Aber - sie sind da. Und deshalb meint er, dem Leser davon Kenntnis bringen zu sollen. Weil er dieses Land, diese Menschen hier liebgewonnen hat, auch wenn sie so viele Schwächen haben. Aber wer hätte das nicht? Lieber Menschen, die den Sinnen unterliegen, als Weltverächter. Er könnte aber derzeit fast zum Eindruck kommen, daß etwas in Ungarn bröckelt - etwas, das man als die Seele des Volkes bezeichnen könnte. Nein, er glaubt nicht, daß "Orban schuld ist". So einfach ist es sicher nicht.** Aber er bringt es auch nicht zum Stillstand.

Nur einen Punkt kann man in direktem Ursache-Wirkungsverhältnis sicher ausmachen: Die unverständliche Steigerung der Immobilienpreise. Sie sind zu einem guten Teil hausgemacht. Denn vor einigen Jahren hatte die FIDESZ den gloriosen Einfall, ungarische Familien zu fördern. Klingt phantastisch. Aber wie immer: Mit Geld kann man keine Sozialpolitik machen! Das ist sozialistischer Schwachsinn. Und man tat es auch hier, indem man Familien mit Geld förmlich überschüttete, speziell sobald ein Ehepaar Kinder hatte und eine Wohnung oder ein Haus brauchte.

Der Effekt war tödlich. Diese hohen Geldsummen, die plötzlich auf den Immobilienmarkt drängten, bewirkten eine endgültige Verschiebung jedes natürlichen Preisgefüges. Die Preise für Häuser, die Mieten stiegen und stiegen. Das hat nicht nur alle Förderungen aufgesaugt, sondern dazu geführt, daß sich normale, nicht geförderte Ungarn diese Preise nicht mehr leisten können. Das entspricht auch den Beobachtungen des VdZ, der nicht wenige Ungarn kennt, die in Bedingungen wohnen, die man nur als "ziemlich unter Standard" bezeichnen könnte. Die Abwanderungsrate ist nach wie vor enorm hoch, und zwar vor allem unter den gut Ausgebildeten, aber nicht nur dort.

Und die Geburtenrate in Ungarn, vorgebliches Ziel dieser Maßnahme? Sie blieb auf dem europaweit vertrauten, desaströsen Niveau. Kinder in die Welt zu setzen hat ja offenbar einen anderen Grund als "Geld", auch wenn das die Politik bis heute nicht begreift. Nur eines steigerte sich, wie in Österreich, wie in anderen Ländern zu beobachten: Eltern fühlen sich als "bessere Menschen", und benehmen sich auch entsprechend. - Sie haben nun "rechtliche Ansprüche".

Auch das Haus, in dem der VdZ wohnt, verfällt still vor sich hin. Niemand, der Hauseigentümer will oder kann investieren. Also hofft man, daß die Substanz noch eine Weile weiterträgt. Wie ja insgesamt in Ungarn nach 1945, wo man noch dazu den tödlichen Fehler begangen hat, mit den 300.000 bis 500.000 Deutschen, die man als "Volksfeinde" vertrieb (nichts Genaues weiß man bis heute nicht, es ist eben Ungarn, liebenswert, wahrlich liebenswert, aber irgendwie verrückt "inkonsequent" und "ach, machen wir schon"), genau die produktivste Schichte des Landes, die Mittelschicht, aus dem Land zu werfen - aus volkswirtschaftlicher Sicht ein Selbstmord! 

Das bringt der VdZ mit einer aus allen diesen erwähnten Komponenten erklärbaren verbreiteten Mentalität in Verbindung, in der die Ungarn "freies Wirtschaften" mit "catch as catch can" verwechselt haben. Sie haben keine Ahnung, mit Verlaub. Einen Mittelstand, der ein anderes Verhältnis zu Wert und Arbeit hat, der verwurzelt ist, der ganz natürlich gewachsene, traditionelle, soziale Verantwortung sieht, gibt es in Ungarn defacto nicht. Es gibt einen Scheinmittelstand, aus Glücksrittern und am Lohngefälle zum Westen, aber sogar innerhalb des Landes gut Verdienenden (im Osten Ungarns, zur Ukraine, zu Rumänien hin, sind die Löhne noch niedriger!).

Ja, gewiß, man hat viel saniert, gerade in den letzten Jahren, hat manche Autobahnkilometer gebaut, manche Innenstadt renoviert, um einen Wirtschaftszweig (Tourismus) aufzubauen, und Ungarn ist ein wirklich schönes Land. Aber der Effekt? Er ist zögerlich. Er bleibt fast aus. Und diese Gelder, die da ins Land flossen? Sämtlich EU-Gelder, die aber noch zumindest keinen nachhaltigen Effekt haben. Irgendwie ist auch aus dem Westen, auf den man ja gehofft hat, worauf sonst, die Luft draußen.

Westungarn kann sich nur deshalb "halbwegs gut" halten, weil es die nach Österreich auswandernden Arbeitskräfte durch billige Ostungarn ersetzen, damit das hier stark divergierende Lohnniveau (niedrig - hoch) halten, damit jonglieren konnte, und viel Kauftourismus, immer noch, aus Österreich hat. Entsprechend sind die Preisunterschiede für ein und dieselbe Leistung bei unterschiedlichen Anbietern enorm, je nachdem, auf welche Käuferschichte der Anbieter spekuliert. Das führt sogar zu eigenen sozialen Sonderschichten, wie denen der Zahnärzte, in Sopron mit 65.000 Einwohnern gut 300, die praktisch rein auf westliches Publikum ausgerichtet sind.

Korruption ist alltäglich, glaubt der VdZ Berichten, auch wenn er das nicht aus eigener Erfahrung bestätigen kann. Angeblich aber sogar in öffentlichen Einrichtungen wie dem Krankenhaus, wo sich die Art der medizinischen Betreuung, ein Operationstermin, eine Medikamentenauswahl, von persönlicher Zuwendung nicht zu sprechen, mit ein paar tausend Forint erheblich verändern läßt. Angeblich. Aber - glaubwürdig erzählt. Entsprechend divergieren dem VdZ zu Gehör gebrachte Berichte, von "sehr zufrieden" bis "katastrophal und lebensgefährlich". (Der VdZ kennt freilich eine Ärztin des Soproner Krankenhauses, er würde sich für deren Seriosität glatt verbürgen.)

Der Weihnachtsmarkt in Györ gilt in den Augen des VdZ sogar als Extrembeispiel. Hier fand er gar höhere Preise als beim Markt am Wiener Rathausplatz. Ach ja - hier haben wir einen der Gründe, für die absurden Mietpreise für Geschäftslokale. Die Vermieter wollen an dieser Konstellation "mitschneiden". Gier. Ganz einfach: Gier. Und der Gier immer innewohnende Dummheit, die Klugheit durch "Cleverness" glaubt ersetzen zu können. Oh ja, viele in Ungarn, die, die mit tollen (geleasten) Schlitten durch die Straßen auch von Sopron kurven, halten sich für unheimlich "clever". Auch diese Klagen hat der VdZ zunehmend gehört: Daß es eine zunehmende Schichte in Ungarn gibt, die sich "als etwas Besseres" fühlen, auf alle herabsehen, aber hier leben bleiben.

Insgesamt erhärtet sich also der Eindruck, daß Ungarn heute mehr denn je - oder: wieder? - ein Land ist, das wie ein Schiff zur Plünderung ausgeschrieben ist. Diese Plünderung konnte aber nicht nur nicht gestoppt werden, sondern sie nahm mittlerweile überhand, weil der Glaube, daß Ungarn gesunden, überleben kann, ein lebenswerter Ort auf dieser Welt ist, erschreckend gefallen ist. Den VdZ würde also nicht wundern, wenn bei den nächsten Parlamentswahlen die JOBBIK der FIDESZ an Stimmenateilen so nahekommt, daß sie ihr sogar gefährlich werden könnte. Denn die übrigen Parteien in Ungarn sind einfach abgemeldet. Und noch ratloser. Und noch weniger vertrauenswürdig.

Wäre das die Zeit für eine "Bewegung der Krone"? Die in Ungarn immer noch in so hohem Ansehen steht, daß sie (oder ist es eine Kopie? Man erzählt sich überall anderes ...) im Parlament an einem Ehrenplatz steht. Angeblich fühlen sich 10 (manchen Erhebungen nach sogar 25, dem Gefühlten des VdZ nach ... 90) Prozent der Ungarn als Angehörige einer Monarchie, die nur gerade mal keine ist. Diese Geste der Stephanskrone gegenüber (die originale, die der Papst König Stephan im Jahre 1000 übersandt hat, ist es auf jeden Fall nicht, die ist mit Sicherheit in den Mongolenstürmen, die Ungarn 90 Prozent seiner Bevölkerung gekostet haben, verschollen) hat Victor Orban veranlaßt, immerhin. Angeblich war es aber seine angeblich sehr fromme Frau, eine Katholikin. Orban selbst ist ja Lutheraner. 

Vom metaphysischen Gesichtspunkt - auf jeden Fall. Praktisch? Chancenlos. Aber Gott hat ja schon manches Wunder bewirkt. Vielleicht hat er eines auch für Ungarn in seinem Köcher der Vorsehung. Denn nach wie vor gilt: Die Kirchen in Ungarn sind voll.

Nachtrag vom 22. Juni 2017: Vier Wochen nach Erstellen dieses Blogeintrags wurde der subjektive Eindruck des VdZ (aus Gesprächen und persönlichen Erfahrungen) durch eine bekanntgewordene offizielle Erhebung bestätigt: Das GDP (GrossDomesticProdukt - Bruttoinlandsprodukt, also der Gesamtwert an produzierten Werten) der Ungarn ist in den letzten zwei Jahren um ein Prozent gesunken, obwohl der Privatkonsum unverändert blieb (was heißt: man lebt auf Schulden), und befindet sich im untersten Viertel der EU. Ungarn ist eines der ärmsten Länder Europas. Zum Vergleich: Das GDP in Deutschland (123 Prozent) und Österreich (sogar 126 Prozent) liegt (auf den Durchschnitt der EU) deutlich höher als Ungarn (67 Prozent), und kann sich entsprechend im Privatkonsum (D: 122, Ö: 118 Prozent) fast das Doppelte leisten als die Ungarn (63 Prozent), das am Niveau Rumäniens liegt und nur noch von wenigen Ländern (Kroatien: 59 Prozent, Bulgarien: 53 Prozent) unterboten wird. 

Wer weiterspekulieren möchte, der soll. Denn das sieht (auch Polen liegt ganz ähnlich wie Ungarn, obwohl man dort nach wie vor von blühender Wirtschaft spricht) nach einem kapitalen Bauchfleck der "EU-Osterweiterung" aus, der sich da abzeichnet. Und nur die alte Weisheit bestätigt, daß man eine Volkswirtschaft NIE durch Gelder von außen (die das BIP dieser Länder kurzfristig hochgedrückt haben) nach oben befördern. Macht, Mittel, damit Geld, müssen immer in einem Verhältnis zur Eigenkraft, Werte zu schaffen, stehen. Und das sind wie man hier sieht, lange, sehr lange Prozesse, die nur auf einer sittlich-kulturellen Höherentwicklung eines Volkes beruhen können. Nicht auf Geld. 

Die Osteuropäischen Länder in die EU einzubeziehen, diese Länder in einen schrankenlosen Freihandel einzugliedern, war nicht eine Aktion, den dortigen Menschen zu helfen, sondern eine Ausbeutungsaktion der West-EU, um die dortigen niedrigen Löhne speziell bei standardisierten Primitivtätigkeiten auszunützen. Das ist alles. Damit aber hat man die Selbst-Kräfte für ein Aufstehen aus eigener Kraft auf unabsehbare Zukunft ruiniert.


*Die JOBBIK, übersetzt "die Besseren", also die Partei der sogenannten "Rechs-Rechten" folgt man der Diktion der westeuropäischen Medienpfuhle, Umfragen zufolge in Ungarn bei ca. 18 Prozent Stimmenanteil (zum Vergleich: Die FIDESZ liegt bei etwa 45 Prozent) hat deshalb eine europaweite Initiative ins Leben gerufen, die zu ersten kleinen Erfolgen gekommen scheint. Sie hat zum Ziel, Mindestlöhne für einige Ostblockstaaten zu erwirken. Ob das freilich auf rein staatlich-politscher Ebene Sinn hat, wagt der VdZ zu bezweifeln. Vielmehr sind Löhne in ein ganzes Geflecht von umgebenden Bedingungen eingebunden, und der Staat kann nicht einfach Mindestlöhne diktieren. Da braucht es die Veränderung vieler Randbedingungen.

**Aber es soll auch nicht verhehlt werden, daß die Gerüchte, daß sich "Orban und sein Familienclan" Ungarn regelrecht "unter den Nagel reißen", mehr als nur Gerüchte zu sein scheinen. Manches scheint zu offensichtlich. Dem Leser aus deutschen Landen: Viktor Orban gilt im Umfeld des VdZ mittlerweile als Milliardär, als einer der reichsten Ungarn! Und aus dem (andersbewegten) Studium der Immobilienanzeigen schloß der VdZ auch selber, daß es in Ungarn eine kleine, aber sagenhaft reiche Schichte geben müsse. Die sich Wohnsitze leisten und diese erhalten, die auch westlichen Maßstäben nach "sagenhaft" sind. In Ungarn muß es also eine zahlenmäßig kleine Schichte geben, die sich genau so wie ausländische Konzerne des sagenhaft niedrigen Lohnniveaus schlichtweg "bedienen" kann. Die ihr eigenes Land ... aussaugt, sagt man so? Daß wir uns klar sind, werter Leser: Das war ja genau auch das, was Victor Orban den zuvor regierenden Sozialisten vorwarf, die sich derselben Gepflogenheiten befleißigten.


*280517*

Samstag, 1. Juli 2017

Ein Augenblicksbericht aus Ungarn (1)

Es sind nur Beobachtungen, die großen Schlüsse zieht der VdZ noch nicht. Aber was ihm zuletzt mehr und mehr zugetragen wird, was er selbst sieht, macht doch manche Sorgen und erweckt Mitgefühl mit den Menschen. Die Rede ist von Ungarn. Noch vor drei oder gar zwei Jahren war ein gewisses Frühlingslüftchen zu spüren. Optimismus schien die Oberhand zu gewinnen, die Ungarn schöpften irgendwie wieder Luft. Aber dieser zarten Zuversicht ist nun nicht einfach Pessimismus, sondern eine weit verbreitete Resignation gefolgt. Denn - es ändert sich nichts! Gleichzeitig hat der VdZ schon mehrfach gehört, daß die Mietpreise für Geschäftslokale in phantastische Regionen abwandern, und jedem Unternehmen die Luft nehmen.

Und aus Reisen in einige Staaten des ehemaligen Ostblocks hat der VdZ den Eindruck, daß diese Lohnstagnation alle diese Staaten betrifft. Es muß also etwas Allgemeines, etwas in den Überlegungen diese Volkswirtschaften "zu beleben", schiefgelaufen sein.

Im Gegenteil, die einfachen Ungarn, das "Volk", hat es immer schwerer, überhaupt zu überleben. Die Löhne sind nach wie vor auf demselben Niveau wie vor drei Jahren, und das heißt in Magyarország ein monatliches Einkommen von dreihundert Euro für einfache Arbeiter. Hochgehälter liegen nach wie vor bei sechs- oder siebenhundert Euro, und die Rentner müssen sich mit oft kaum zweihundert Euro bescheiden.*

Doch die Preise sind gestiegen, kräftig sogar, zuletzt durch eine Mehrwertsteuererhöhung, die bekanntlich ja die Konsumenten alleine trifft. Wie sehr die Ungarn Überlebenskünstler sind, wie dieses Wunder des Überlebens bei so niedrigen Löhnen nur funktioniert, weil irgendwie jeder jemanden kennt der jemanden kennt der dies oder das billig bei der Hand hat oder selbst produziert, hat der VdZ bereits früher geschildert. Denn der Forint ist stark gefallen, und er fällt derzeit weiter. Das heißt, daß zwar die Exporte billig werden - gut für die Konzerne, siehe unten, denn Ungarn hat VOR der Machtübernahme durch die FIDESZ so gut wie NICHTS mehr produziert, alles nur noch importiert - aber sich die Importe verteuern. Und das heißt: alle Konsumgüter, auch solche des alltäglichsten Bedarfs.

Zugleich sinkt die Qualität der inländischen Produkte weiter, auch wenn man mit Maßnahmen wie dem Siegel "Magyqar Termek" ("Ungarische Qualitätsware") dagegen ankämpft, und sei es als Appell an den Nationalgeist: Leute, kauft ungarisch! Gutes, klagen manche Ungarn, werde aber nach wie vor exportiert. Die Ungarn selbst bekämen den Ausschuß, auch von ihren eigenen Firmen. Gleichzeitig ist das private Verschuldungsniveau in Ungarn nicht merklich zurückgegangen, trotz so plakativer Maßnahmen wie die den Banken aufgedrückte Auslösung von Krediten in Schweizer Franken, dessen Steigen immerhin theoretisch dreihunderttausend Ungarn sowieso unrettbar verschuldet hatte. Es wäre interessant, wieviel Ungarn es sich überhaupt hatten leisten können, unter anderen Bewertungskriterien nämlich, diese Kredite (selbst zu günstigeren Währungskursen) umzutauschen.

Die Ungarn sind nämlich europaweit gesehen Spitzenreiter in Privatkrediten, mit einer Schulden-/Rückzahlungsrate, die je nach Rechnung bis zu siebzig Prozent der Haushaltseinkommen ausmacht. Naja, der Ungar war eben immer "Lebenskünstler", schon in der Habsburger-Monarchie, Fakten haben ihn immer nur marginal gestört.

Angesichts der zuletzt andrängenden Alltagseindrücke muten somit einem in Ungarn lebenden Österreicher bzw. Deutschen mit einer etwas eigenen Sichtweise Jubelmeldungen der Medien seltsam an, denen gemäß es in den letzten Jahren zu Ansiedlungen internationaler Konzerne gekommen sei, die Gesamtperspektive also glänze. Darunter wird als Paradebeispiel das Werk von Mercedes in Kecskemet gerne und oft zitiert. 

Ja, gewiß, da sind jeweils hunderte Arbeitsplätze "geschaffen" worden, ja, gewiß, die Erwerbsrate (die zum Zeitpunkt der Machtübernahme durch die FIDESZ in Ungarn bei europaweit sensationell niedrigen fünfzig Prozent lag, fünfzig Prozent leben direkt vom Staat) ist leicht gestiegen. Aber es könnte einen der Verdacht beschleichen, daß sich Ungarn - oder daß Ungarn von der FIDESZ, der Regierungspartei unter Victor Orban - zu billig verkauft hat bzw. verkauft wurde.

Denn es wäre höchst verwunderlich, wenn das Argument der niedrigen Löhne gerade für solche Konzerne wie Mercedes, die heute wie Heuschreckenschwärme auf der Wanderung die Arbeitsmärkte der Welt abfressen, also dort jeweils gerade produzieren, wo es im Moment eben die niedrigsten Löhne gibt, nicht auch für ihre Niederlassungen in Ungarn das Hauptargument gewesen wäre und die FIDESZ, die ja Wechsel, Wandel zum Besseren versprochen hatte, das nicht auch ins Treffen führte, um Erfolge aufzuweisen.

Die heutige Arbeitsorganisation in der Industrie (man denke nur an ISO 9000) hat ja bewirkt, daß gerade in Industrieunternehmen Arbeit durch oft sehr intelligente Zerlegung in wiederholbare Happen zur bloßen Funktion, der Arbeiter zum bloßen, jederzeit ersetzbaren Ablauferhalter wurde. Arbeiter sind heute bloße Funktionsträger, nur ein Teil - der nicht gerade den eigentlichen Menschen ausmachende Teil! - wird verlangt.

Gleichzeitig mehren sich die Berichte in den Ohren des VdZ, mehren sich die Aussagen, daß die Solidarität der Ungarn - in früheren Zeiten eine wahre Legende, so daß jeder Ungarn immer und überall und auf der ganzen Welt ein wahres Netzwerk von heimatbewußten Landsleuten zur Verfügung hatte - in sensationell kurzer Zeit völlig zerbröckelt ist. Er hat schon mehrfach gehört, daß Ungarn, die den Sprung ins Ausland (namentlich Wien) geschafft haben, von ihren Landsleuten nicht nur nichts mehr wissen wollen, sondern sich sogar von ihnen explizit distanzieren.

Ja der VdZ hat sogar immer mehr Stimmen gehört, daß die Ungarn froh sind, wenn sie ihr Land verlassen können. Stimmen, die gar sagen: Sie wären froh, woanders, in Österreich, in Deutschland etwa, geboren worden zu sein. Die sich in Ungarn einfach nicht mehr wohlfühlen, weil es sich dort, wie sie sagen, nicht mehr leben läßt. Was ihm immer wieder - von Ungarn selbst! - zu Ohren kam: Überall herrsche nur noch Geldgier, Falschheit (vor allem Zahlungskräftigen wie westlichen Ausländern gegenüber), und schreckliche Verlogenheit.

Der VdZ hat schon mehrfach hier darüber geschrieben. Es fehlt allerorten an "natürlichem Wertgefühl", am Wissen um Zusammenhänge von Preis, Geld und Wert, also Arbeit. Mittlerweile scheinen sich "gefühlt" alle Ungarn unterbezahlt zu sehen. Weil ihnen nicht klar ist, daß das mit so vielem sonst noch zusammenhängt, sie oft gar nicht "unterbezahlt" sind, auch wenn sie nominell viel weniger kriegen als gleichlautende Berufe wie etwa in Österreich. Preise, Löhne sind ganz sicher immer nur in einem regionalen, lokalen Rahmen, als Teil eines Gesamtgeflechts zu sehen.

Auf die Idee, daß Preis oder Lohn mit einer tatsächlich qualifizierbaren Leistung im Rahmen eines gewissermaßen "allgemeinen, universalen Menschseins", demgemäß irgendwie alle Preise der Welt irgendwie Adäquanz zur Volksleistung haben, mit einem gewissermaßen und erstaunlich objektiven Rahmen also zu tun haben, scheinen viele Ungarn gar nicht zu kommen. Da wollen Konvertiten - Kommunisten, aber eigentlich nur ... "lebenslustige Ungarn" - also nun ihren habituellen Kommunismus bzw. Schlamperismus als "Was kümmert es mich? Hauptsache der Gulyaskessel mit dem zusammenimprovisierten Inhalt brummt!" im Kapitalismus ausprobieren, einer völlig anderen Baustelle. Man will schon anders leben, ja, aber gemäß der Kriterien anderer, unvereinbarer Prinzipien anerkannt und vor allem hochgestellt werden. 

Wie soll das gutgehen? Es kann nicht gutgehen. Und die Ungarn sollten endlich aufhören, das zu versuchen, und endlich zu sich selbst finden. Als das, was sie sind: Ein phantastisches, liebenswertes, poetisches, halt oft auch zügelloses Volk einer phantastischen, grenzenlosen Landschaft. Aber diese Fragen wagt in Ungarn keiner zu stellen, diese Fragen WILL sich in Ungarn keiner stellen. Denn der Maßstab ist schon das Problem - ein universalistisches Menschentum. Darüber ein anderes Mal mehr, es handelt sich um ein ganz sublimes Problem der Geistesverwirrung, die seit Jahrhunderten betrieben wird. 


Morgen Teil 2) 
Die Ungarn sind unglücklich, weil sie, die völkisch so eigen sind, sich mit den Augen eines ihnen immer fremden Westens beurteilen. Und da schmieren sie nun völlig ab.



*280517*

Samstag, 29. Oktober 2016

Demokratie führt zu Zentralismus

Aufgrund der Gleichheit als Vorausetzung der Demokratie stellt sich in einer Demokratie das Paradox ein, daß sie eine Gleichheit der Mittel zu bewirken sucht - und jedem das Ziel freistellt. Einheit aber bedeutet das genaue Gegenteil: Es bedeutet die Gleichheit des Zieles, zu dem aber lauter verschiedene Mittel führen. 

Somit stellt sich in der Demokratie - besonders in alten Demokratien - ein scheinbares Paradox ein: Daß sie automatisch zu einer immer weiteren Stärkung der Zentralgewalt führt. Warum? Tocqueville erklärt es bestechend: Die Auflösung der Zwischenmenschlichkeit als Institution, wie sie die Aristrokratie (=die Monarchie) bedeutet, stellt jeden Menschen vor die Situation, daß ihm die Machtmittel fehlen, seine Lebensprobleme zu lösen. Stattdessen füllt der Staat alle diese Leerstellen, der Bürger steht also immer einem totalen, unendlich mächtigen Staat gegenüber, dem er hoffnungslos unterlegen ist.

Dies löst bei den Bürgern eine Demokratie etwas aus das wie "Friedensliebe" aussieht, in Wirklichkeit aber die immer größere Furcht davor ist, daß sich "etwas ändert" und vor allem daß ihr Wohlstand, das Sichere in ihrem Leben, gefährdet wird - durch einen Krieg. Oberstes Gesetz im Lande wird die öffentliche Ruhe, die sogar zur einzigen Leidenschaft wird.

Das führt zu einem Verhalten, in dem jeder alles haßt, was den anderen von ihm unterscheidet - nirgendwo werden Privilegien so gehaßt wie in der Demokratie - und doch (!) im Geheimen hofft und auf verborgenen Wegen sucht, den Staat "für seine Sache" zu gewinnen, an dessen Macht durch Nähe mehr als andere teilzunehmen, zu welchem Zweck sich die Beamtenschaft als Stand am allerbesten eignet. Nur der Staat kann noch Abstufungen herbeiführen, und er wird immer gieriger, dies auch monopolistisch zu tun, indem er in immer mehr Lebensbereiche vordringt um sie nach seinen Vorstellungen - damit von ihm abhängig - zu "ordnen".

Die Demokratie führt damit aus sich heraus zu einer Haltung der selbstverständlichen, inneren Unterwürfigkeit unter die Zenralmacht, die Staatsgewalt, wie sie keine aristokratische (nicht: absolutistische!) Monarchie auch nur annähernd kannte. Denn in dieser ist zwischen dem Einzelnen und der Zentralmacht eine unendlcihe Fülle von jeweils selbst organisierenden, mehr oder weniger selbstbestimmten Ebenen eingeschaltet, die nach oben vermitteln. Auf diesen Ebenen hat der Einzelne je nach Stand und Persönlichkeit gleichermaßen Verantwortung wie Möglichkeit zu wirken, aber auch viel spezifischeren, zutreffenderen Schutz, weil diese Ebenen weit weit mehr Informationen verarbeiten können  als eine Zentralmacht. Wer die Geschichte der Monarchie in Europa studiert wird zu der überraschenden Feststellung kommen, daß die Mitsprachemöglichkeit des Einzelnen, die Möglichkeit zur Gestaltung und Anpassung seiner direkten Lebensbedingungen, bei weitem größer waren als in den heutigen Demokratien. Die gar nicht anders können als zu verallgemeinern, und dabei den Einzelnen nicht nur simplifizeiren müssen, sondern in dieser Allgemeinheit allzu leicht in die Gefahr geraten, überhaupt keinem Einzelfall mehr gerecht zu werden. Gleichzeitig werden ihre Problemlösungen immer träger und langsamer, weshalb es weithin zu beobachten ist, daß als (dialektische Gegen-)Wirkung in einer Demokratie eine Neigung mancher sozialer Gruppen zur Despotie erwächst. Die heute als "Zunahme des Radikalismus" tatsächlich beobachtet werden kann.

Weil es unausweichlich ist, daß mit der Zeit in der Demokratie das Gefühl der individuellen Ohmacht anwächst. Denn der Bürger sieht sich ständig übergroßen und in der Verallgemeinerung der Gleichheit immer weniger aufs Einzelne zutreffenden Agenden gegenüber, auf die er keinen direkten - höchstens abstrakt irgendwie (z. B. über die "Wahlen") vorgestellten - und geordneten Einfluß hat. Entsprechend gewinnen simplifizierte, abstrakte Ideen an Gewalt und Bedeutung, einersetis, udn entsprechend formieren sich Einflußfaktoren, die sich nicht mehr an demokratische Prozesse selbst halten, sondern über andere Faktoren versuchen, die Mittel und die Gewalt über Einfluß auf die Zentralgewalt zu lenken (wie im Lobbying, in NGOs und Vereinen, über Medien, Parteien etc., oder schließlich über Korruption.)

Der Zentralismus als Lauf der Demokratie führt zu einer ungeheuren Gleichheit des Fühlens, die von dieser Zentralmacht, die immer weiter anwächst, ausgeht weil sich an ihr orientiert. Was die Zentralmacht immer ausschließlicher zum Objekt der Begierde macht, und zwar auch der ausländischer Mächte. Sogar im Falle eines Krieges, denn ist es in einer aristokratischen Monarchie fast nicht möglich, ein "Volk" zu unterwerfen, weil auch der Verteidigungswille ungleich ausgeprägter und vor allem dezentralisierter ist, besiegt man die Regierung, fällt in einer Demokratie mit der Regierung sofort das Volk (was heißen kann: schon am Verhandlungstisch), das in seinem individuellen Verteidigungswillen ohnehin schwach ist. Mit der Regierung, mit der Hauptstadt eines Landes "hat" man in einer Demokratie das Volk.*

Dieses Anwachsen des Zentralismus liegt in der Demokratie schon rein in der Dauer begründet, weil die Bürger entsprechend herangezogen werden, sich immer mehr daran gewöhnen, und dieses Daseinsgefühl in dem Maß selber und progressiv steigend stärken und weitergeben, als die Gleichheit vorangeschritten ist. Die Ungleichheit selbst wird zum Störfaktor und Problem. Je länger die Demokratie als Staatsform in einem Volk dauert, desto feiger - ja, man müßte sogar sagen: desto hinterhältiger - werden ihre Bürger.

Gleichzeitig hassen zwar die Bürger alle gesellschaftlichen, staatlichen Institutionen und Organisationen der Gewalt, doch lieben sie die Gewalt direkt und immer bedingugsloser, weil nur diese die Garantie der Gleichheit bedeutet, die zugleich und vor allem die Gleichheit des anderen garantiert. Der Mensch der Demokratie gehorcht keinem Nachbarn, weil ja alle ihm gleich sind, und er von niemandem abhängig ist, weil alle gleich sind - das macht ihn stolz. Er weigert sich, die Überlegenheit des anderen anzuerkennen, er mißtraut dem Rechtsgefühl des Nächsten und betrachtet seine Macht argwöhnisch und läßt ihn jeden Augenblick die gemeinsame Abhängigkeit vom Staat fühlen. Menschen, die zuvor eine Oberschicht ablehnten, anerkennen nunmehr einen unvergleichlich mächtigeren Oberherren, dem sie sich in scheinbarem Widerspruch zu dem erwähnten Stolz völlig unterwürfig zuneigen.

Sie gewähren dieser Oberherrschaft deshalb immer mehr Rechte (treten sie ab oder lassen sie sich widerspruchslos nehmen), damit die Zentralgewalt weiter wachse und diese Ruhe nicht nur garantiere, sondern auch herstelle. Selbst wenn sich politische Richtungen unterscheiden, so wird man aber aufgrund der immer weiter zunehmenden Schwäche der Bürger feststellen, daß sich diese Richtungen in immer weniger unterscheiden, und schon gar nicht noch grundsätzliche Veränderungen anstreben - weil alle vor allem eines wollen: daß im Grunde alles in den Mitteln gleich bleibe.

Tocqueville schreibt schon 1840, daß er überzeugt ist, daß sich die Entwicklung Europas hin zu Demokratien und Gleichheit nicht aufhalten lassen wird. Und zwar eigentlich, weil die absolutistischen Monarchien selbst diesen Wünschen der Menschen die Wege bereitet haben. Damit aber werden dieselben Menschen in ihrer natürlichen Neigung auch zum Zentralismus neigen. Der instinktiv angestrebt werden wird, wenn auch auf unterschiedliche Art, jedoch unausbleiblich. Lokale Freiheit und individuelle Unabhängigkeit, schreibt er, wird über kurz oder lang nur noch eine künstliche Bestrebung sein.

Denn es gibt sie nicht zugleich: Die Freiheit und die Gleichheit.**




*Mit dem Zerfallen der aristokratischen Monarchien, deren Übergang zum Absolutismus, war der moderne Massenkrieg, wie ihn erstmals Napoleon führte, logische Folge, der auf ein Europa traf, wo ihm mit den Regierungen und Hauptstädten auch das gesamte Land zufiel. Bis auf jene Reste, wo dieser Absolutismus noch nicht prägend genug gewesen war - wie Tirol. Entsprechend zwang er aber die absolutistischen Staaten, zu den selben Mitteln des Volks- und Massenkrieges zu greifen.

**Wahrheit, Sittlichkeit und Freiheit sind eine untrennbare Trias des menschlichen Heils, also auch das eigentliche Ziel des Gemeinwohls (nicht: Wohlstand ...) Die Kirche hat nie aufgehört, die Demokratie als "geringeres Übel" (mangels realistischer Alternativen) zu sehen. Als Form an sich aber ist sie prinzipiell ungenügend (denn das Idealbild einer menschlichen Gesellschaft muß die Kirche sein, die als "societas perfecta", als Urbild jeder Gesellschaft eine aristokratische Monarchie ist) und extrem gefährdet, das Gemeinwohl als Ziel der Politik nicht nur nicht zu erreichen, sondern einem solchen entgegen zu wirken. Grundhaltung kann deshalb nie mehr sein als ein "Versuch, das beste daraus zu machen".






*090916*

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Wenn ein Staat seine Bürger verdirbt

Die Gleichheit der Bedingungen kann nur in dem Maß wachsen, als die soziale Geastalt in den Menschen gewissesrmaßen Fleisch angenommen hat. Deshalb ist grundsätzlich die Demokratie nicht dort abzulehnen, wo sie sich auf menschliche und einheitliche Lebensräume erstreckt. Dort, im Horizont des alltäglichen Lebens, ist sie sogar dem Gemeinschaftsgefühl förderlich. Hier erfordert es viel Klugheit und Einsicht, die Freiheit in Balance zur sozialen Tugend der Menschen zu halten, die keineswegs überall und bei allen Menschen gleich und gleich entwickelt ist.

Verderblich aber ist es, wenn der Staat (oder die höherrangige Institution, die schon Repräsentativcharakter hat) beginnt die sozialen Funktionen der bürgerlichen Gesellschaften zu ersetzen. Wobei er sich dabei meist der Schwächen dieser als Verweis bedient. Oder wenn der Staat sich anmaßt, soziale Funktionen zu etablieren, die nicht im Leben der Menschen gründen und ihnen natürlich erscheinen, also das Sozialleben der Menschen prinzipiell zu ändern.* Dies wird zu einem selbst fortzeugenden Prozeß, zu einer "Entsittlichungsmaschinerie", sobald diese Funktionen auch noch institutionalisiert sind.

Tocqueville illustriert diese Gedanken an einem Beispiel: Er habe in Amerika oft beobachtet, wie viele Agenden von je lokalen Vereinigungen aufgegriffen und erledigt werden. In Frankreich (im 19. Jhd., Anm.) wäre derselbe Problemkreis Anlaß für viele Bürger gewesen, an ihre Regierung heranzutreten, um das Problem zu lösen.

Aber so beginnt ein Volk in Trägheit zu versinken. Sein sozialen Tugenden, seine Ausgerichtetheiten auf den Mitmenschen, die nur gedeihen können, wenn die Menschen begreifen, daß sie immer und in vielfältiger Weise voneinander abhängen, erlöschen oder werden gar nicht erst gebildet. Im Gegenzug wird der Mangel an diesen Tugenden maskiert, verborgen und heuchlerisch umgedeutet.

Es ist deshalb nicht uninteressant, daß sich die sozialistischen, etatistischen Ideen des 19. Jhds. zu einem Zeitpunkt entwickelt haben, als die hierarchischen Gliederungen der Staaten auseinanderzufallen begannen. Denn das erste, was unter der unweigerlichen Folge sozialer Isolierung der Menschen zu leiden begann, waren die natürlichen sozialen Tugenden, die nun durch zentralistische, vor allem positivistische Ideen zu ersetzen versucht wurden.²

Wo vorher der alltägliche Lebenslauf noch Gemeinschaft und Gemeinschaften entstehen ließ, über die man kaum nachzudenken hatte, wurden nun Ideen an ihre Stelle gesetzt, die solche Gemeinschaften durch willentliche, rationale Vereinigung nachbilden sollten. Daß der Staat damals mit einem male als "Vertrag von Bürgern" definiert wurde ist also nur noch logisch.

Wobei Tocqueville die Ursache dafür - Frankreich war dafür Vorreiter für Europa - schon in den zentralistischen, absolutistischen Despotien sah.** Denn sie waren es, die in Wahrheit durch die Alleinstellung des Königs die Gleichheit der Bürger herstellte. Die Zentralmacht stand einer nicht mehr weiter abgestuften Volksmasse gegenüber, in der soziale Zwischenstufen als organische Zueinadnerordnungen von Menschen und Klassen immer weiter an Bedeutung verloren.





*Der Sozialstaat der Prägung der letzten 40 Jahre ist deshalb nicht eine Idee, die da und dort korrekturbedürfitig wäre, sondern eine Idee, die an sich ein Volk verdirbt und mit den Ansätzen einer christlich-sozialen Politik gewissen punktuellen und vor allem temporären Ausgleichs nichts zu tun hat. Er hat die (scheinbar sogar: freiwillig eingegangene, in Wirklichkeit aus Tugendverzicht und dann -verlust entstandene) Knechtschaft der Menschen zur direkten Folge, weil er Vorgänge, die nie anders als von den Menschen selbst bewältigt werden müssen, sollen und dürfen, vorgeblich um sie im Ablauf zu "verbessern", an sich zieht.

²Welche groteske Verzerrung und Verfehlung der Wirklichkeit (und damit Wertlosigkeit der "guten Tat", das so nebenbei) aber diese Generierung "sozialer Ideen" aus dem Willen hervorrufen kann hat die "Refugees Welcome"-Bewegung des Herbstes 2015 gezeigt. Unvergeßlich - und in Wahrheit von jener Komik, die der Tragik entsteigt - die Situation etwa am Wiener Westbahnhof, als zahlreiche "sozial Bewegte" mit Teddybären und Wasserflaschen die Bahnsteige säumten, in die aber Züge mit Menschen einrollten, die in eine völlig andere Kategorie gehörten, als die Vorstellung von "Hilfe in der Not" den Helfern imaginiert hatte. Und wie deren weiteres Verhalten dann ja ausreichend belegt hat. Es weist auf ein erlittenes Trauma hin (aus der Uneinordenbarkeit der Realität mit den dogmatisiert-unverrückbaren Vorstellungsbildern dessen, was "gutes Handeln" ist), daß viele dieser "Hilfsbereiten" bis heute Schwierigkeiten haben, die Realitäten dieser Zuwanderungswellen zur Kenntnis zu nehmen. Die "Frauenbewegungen" etwa, die exakt in die beschriebene Kategorie positivistischer Rekonstruktion "sozial guten Handelns" fallen, sind bis heute in unlösbaren Widersprüchen erstarrt. Denn im Rahmen ihrer "guten Taten" haben sie genau das verstärkt, wogegen anzutreten ihr Gründungsimpuls war. Es gibt Fälle, wo weibliche Helfer, die zuvor jeden Busengrapscher als sexuelle Belästigung in alle Zeitungen getragen haben, von ihren "armen Flüchtlingen" im Rudel vergewaltigt wurden, aber diese Taten nicht einmal zur Anzeige gebracht hätten, wären sie nicht aus andern Gründen ans Tageslicht gekommen.

**Es ist eine sehr zu bedauernde historische Fehlentwicklung, daß der Begriff der Monarchie in den letzten 200 Jahren mit dem der absolutistischen Despotie gleichgesetzt wurde. Der aber bereits eine Fehlentwicklung der Monarchie war die gar nicht anders enden konnte als in deren Ende, weil er in Wahrheit das organische Gefüge eines Volkes auflöst und jene Gleichheit vorbereitet, die dann eine republikanische Demokratie als "logischen Schritt" erscheinen läßt. Wo immer Monarchie gedeihlich verlieft, war sie ein Zueinander des Ewigkeitsprinzips - im König - und der (im modernen Begriff:) Selbstverwaltung der Menschen in ihren alltäglichsten Lebensvollzügen. Der normale Bürger der ersten tausend Jahre Europas hat seinen König so gut wie überhaupt nicht auch nur zu Gesicht bekommen, hatte mit der Zentralmacht so gut wie nie etwas zu tun.  Er wußte nur, daß es sie als alle einendes Prinzip gibt, und als solche war sie auch Garant für einen zivilen Frieden. Deren Macht war aber äußerst eingeschränkt, sodaß sie sich bei direkter Intervention auch sehr konzentrieren mußte. Das begann sich erst mit der Renaissance und deren Ideen nachhaltig zu ändern.





*010916*