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Montag, 6. September 2021

Si tacuisses (2)

Was ist also nun das Fazit aus der Sache? Das Führen von Stellvertreterkriegen. - Daß die Formulierung, daß es außerhalb der Kirche Heil gebe, nicht gemacht werden kann. Denn dann ist sie falsch und unsinnig, weil die Kirche ohnehin die allumfassende (also kat-holische) Versammlung der Geheiligten ist. Das wäre also so als behauptete man, daß man außerhalb des Weltalls Planeten gefunden habe.

Somit streifen wir am Problem der gesamten Dogmengeschichte. Die vor allem seit dem 19. Jahrhundert, als Gegenbewegung gegen den sich abzeichnenden Kultur-, Geistes- und Glaubensverfall, das Grundbesteck der Kirche befestigen wollte, damit es nicht verloren gehe. Damit aber hat man Aussagen in positive Formulierungen gepackt, die eine Eigenwirkung entwickelt haben. Wie die von der Unfehlbarkeit des Papstes, die zu einer "Verheiligung" (als Vergötzung) des Faktischen sämtlicher Päpste geführt hat, und zwar schon zu deren Lebzeiten, und niemand im Volk mehr weiß, was an päpstlichen Aussagen "total verbindlich" ist und was nicht. 

Sogar ein Schisma ist diesem Umstand zu verdanken, denn damals haben viele die römisch-katholische Kirche verlassen (wie die Altkatholiken). Und Schisma ist eine ganz andere und wirklich schlimmere Sache, als die Häresie. Aber nun wurde kein Ausweg mehr gelassen, und viele haben auch heute mit dieser Aussage ein Problem, in dem sie sich vor die Entscheidung gestellt sehen.

Sonntag, 5. September 2021

Si tacuisses (1)

C meinte, es sei falsch, einfach falsch, zu sagen, daß es nur in der Kirche das Heil gebe. Warum er überhaupt auf diese Aussage kommt? Ich weiß es nicht. Und genau darin liegt das Problem: Hätte ich nicht den Eindruck, daß er diese "Weite" nur benützt, um seine eigene und mir überlegene Gutheit darzustellen, wäre alles so einfach. 

Aber dazu müßte man den Unterschied zwischen einer positiven Formulierung und einer Wahrheit erkennen, die darin liegen kann, daß man etwas "nicht sicher sagen" kann. Wie es bei jedem Geheimnis der Fall ist. 

Worauf jemand außer der Kirche hoffen will, ist mir bis heute nicht klar geworden. Weil er gut lebt? Was ist dieses "gut"? Ich habe es noch nie anders gesehen denn als platte irgendwie zeitgeistige "Wohltat", bei der mir einfach nicht klar wird, woran sie sich bemessen könnte. Außer - eben! außer! - bei seiner eigenen Gutheit.

Und hier beginnt auch das Problem. Denn das Handeln ist das Selbstvollziehen des Seins. Das heißt, daß jemand nur behaupten kann "gut" zu handeln, wenn er gleichzeitig damit sagt "Ich BIN gut." 

Um diesen Zusammenhang von Heiligkeit und Gutheit weiß der Mensch. Deshalb ist die Aussage, "gut zu handeln", auch immer eine Aussage über die Heiligkeit. 
Der "Gutmensch" ist also nicht einfach der, der gut handelt, der der meint sein "gutes Handeln" würde legitimieren. Er ist der, der sich klandestin für heilig hält. Wir haben deshalb nicht das Problem der "political correctness". Diese ist vielmehr vorgeschoben, weil das Handeln legitimieren und damit beweisen soll, weil der Zusammenhang gewußt wird. 
Wir haben deshalb ein viel tieferes Problem, als ein moralisches. Wir haben das Problem, daß sich so viele Menschen als Heilige sehen.

Mittwoch, 8. August 2018

Immer schön an Muttis Schürze

Ja, tatsächlich, wir sind hineingeworfen in ein Haus, in eine Welt, in der wir nur eine Rolle zu spielen haben. Und zwar nur schon deshalb, weil wir in sie hineingeworfen sind. Aber - ist das ein Grund, sich in Selbstmitleid zu winden? Genau das tut Jim Morrison (& the Doors) aber in diesem Lied. Er tut so, als wäre das ein Grund, sich über diese pöhse Tragik der Welt zu beklagen.

Er verweigert damit die einzige Haltung, die den Menschen zur Welt begabt - das Heldentum.  Und verlangt, daß er lebenslang ein Kuschelmuschel an Muttis Schürze bleiben dürfen soll.

Das kennzeichnet - leider - weite Teile der 68er, zumindest wohin sie sich entwickelt haben. Sie wurden oft und oft zum bloßen weibischen Gejammere über das Wesen der Welt. Waren oft nur Weigerung, erwachsen zu werden. Verlangten eine Welt, die die Unreifheit auch als volles Menschtum anerkennen solle.








*190618*

Donnerstag, 28. Juli 2016

Erdogan zieht durch

Das Faszinierende am energischen Durchgreifen Erdogans ist das Faszinierende des Faschismus generelle. Und Erdogan ist Faschist, ohne jede Frage, und zwar im eigentlichsten Wortsinn. Also für die Linke Europas nicht einmal annähernd verstehbar, denn die haben von nicht, von buchstäblich nichts, das irgendwie mit Wirklichkeit zu tun hat, eine Ahnung. Ergodan zieht durch.

Und er tut es auf die exakte Weise, wie es eben der Faschismus tut: Als Äquivokation. Das heißt, daß das, was Erdogan macht, Produkt menschlicher Unsittlichkeit ist - Ungeduld im Gefolge. Der Türke wechselt sämtliche Eliten seines Landes aus. Und genau das müßte auch in Westeuropa passieren. Davor haben sie ja alle Angst. Sie wissen, daß ihre Lebensuhr tickt, denn sie sind sämtlich Usurpatoren, sie sind säümtlich Schmarotzer und Betrüger und Lügner, die die systemische Verlogenheit nützen. Das ist alles. Das ist das Geheimnis der heutigen Eliten.

NUR ... es ist falsch, es ist im wahrsten Sinn unmenschlich, diese Ausheelung der Eliten auf die Art Erdogans, also faschistisch, zu machen. Um so ein Idealbild der Gesellschaft zu erzwingen. Denn genau so läuft eine Gesellschaft nicht, genau so läuft das Leben nicht! Man kann das Leben in seiner "sanften" Gesetzlichkeit (die letztlich in der Hand Gottes liegt) nicht kurzzeit "qaussetzen", um es dann "laufen" zu lassen. Dies war und ist der Irrtum jedes Faschismus, ob dem der 1920er Jahre oder von heute. Man kann das Leben nicht gewinnen, indem man es kurzzeitig mal außer Kraft setzt.

Damit vereht man sich an der einzigen (!) wirklichen Grundhaltung des Lebens: Dem des Opfers, dem der Sühne, dem des Leidens, dem des Kreuzes. NUR in dieser Haltung fließt überhaupt Leben in die Welt, nur in dieser Haltung IST überhaupt Welt.

Man kann nicht einige Tage, Wochen, Monate das Leben prinzipiell aussetzen, DAMIT es dann begönne. Das ist der Grundirrtum des Faschismus, das ist der Grundirrtum Erdogans.  Er wird deshalb UNZWEIFELHAFT SCHEITERN. Er wird Opfer der von ihm selbst entfesselten Kräfte werden. 

Erdogan MACHT ALLES RICHTIG. Alles, was auch Europa "gebührte" macht er vor. Alles, was Auch Europa "retten" könnte, setzt er druch. Dafür muß man ihm einerseits großen Respekt zollen. ABER er lebt in einem grundsätzlichen Irrtum. Dem des Faschismus. Dem, daß man die Welt "schaffen" könne.

Aber ihr Sinn ist anthropozentiert. Menschenzentiert. Und ihr Sinn liegt nicht im Herbeiführen eines Idealzustands, den man sich eben vorstellen könnte. Er liegt in der FREIHEIT des Menschen. /Und die heitß auch: Freiheit zum Irrtu, Freiheit zur Sünde, Freiheit zur Schwäche. Nein, nicht, daß man all das einfach "tolerieren" (also: unbeeinträchtigt geschehen lassen) muß, das ist krankes Gehirnmaterial. Aber es heißt, daß kein Regierender mehr tun kann, als an die Freiheit seiner Bürger zu appellieren. 

Man kann keinen besseren Staat etablieren, als die Bürger in ihrem Seinszustand ermöglichen. Und was stellt sich Erdogan mit vermassten Bürgern vor? Hier endet eben das, was der Islam zu denken ermöglicht. Hier zeigen sich seine wirklichen Grenzen. 

Mehr als Faschismus hat er nicht zu bieten. Das ist nämlich sein Wesen. Immer gewesen. Die Folge? Ein barbarisches Volk, ein ausgelöschte Kultur. Beweis? Die kulturelle Unfruchtbarkeit (seit Jahrtausenden fast!) der gesamten muslimischen Welt. Einer Welt, die historisch weit über jeden Islam hinaus schon seit Jahrtausenden eine Kultur des gottähnlichen Zentralherrschers ist, wo die Menschen seit je alles - buchstäblich alles - vom Zentralherrscher erwarten. Die Situation der Türkei derzeit, so sie in den Medien sichtbar wird, bestätigt dies einmal mehr als Stufe der Türken selbst. DAS ist die eigentliche Unvereinbarkeit mit dem Abendland, das die Welt im Individuum sieht und sucht. Da sind wir noch lange nicht in der Fehlentwicklung zum Autonomismus der Aufklärung!

Schon Mustafa Kemal Atatürk war für Hitler und Mussolini nachweislich leuchtendes Vorbild, wie für so viele Europäer zuvor, als Zentralgott, der alles bestimmen muß, darf, und kann. Sie sind bei ihm buchstäblich in die Schule gegangen. Wer wird sich an Erdogan Maß nehmen? Oder nimmt es längst?*

Oh ja, der VdZ hat regelrecht Sehnsucht, die Eliten der Gegenwart, sämtlich Ausbund des Bösen, in den finstersten Verliesen zu sehen. Aber - er gestattet es nicht, ja, er würde sein Leben geben, um es zu verhindern. Denn er weiß: So würde nichts besser.

Denn Gott ist das Säuseln im Wind. Er ist nicht im Sturm, er ist nicht im Orkan, er ist nicht im Erdbeben. Er ist im gar nicht wahrnehmbaren Säuseln. Und in dieser Kleinheit liegt seine wahre Kraft. 

Diese Kleinheit der allmächtigen Kraft unterscheidet erst wirklcih das Christentum vom Islam, und zwar: entscheidend! Wenn der Papst also davon sprach, daß der missionarische Impetus des Christentums mit dem des Islam ja so ähnlich wäre, so muß man ihm eine aufs Maul schlagen. Er ist genau DAS NICHT. Ja, das ist der entscheidende, völlig konträre Unterschied: Die Kraft Gottes, und die Wege, auf denen sie in die Welt "geschleust" wird. Der Islam kennt nur den Faschismus. Das Christentum lehnt ihn genau deshalb vollständig ab. So verführerisch er sein mag.






*Ja glaubt denn jemand, daß Erdogan "aus dem Himmel geschneit" ist? Er ist Symptom der (Welt-)Zeit! Etwa eine Angela Merkel ist doch wie er das Inbild des Faschisten! Nach dem, was ein Faschist wirklich ist. Samt seiner Schleppe aus Liebdienern. Die Brutalität, mit der die Pastorentochter Merkel das Land, das zu regieren sie simuliert, in ein Desaster geführt (und dabei pausenlos gelogen) hat, ist historisch beispiellos. Das Urteil der Geschichte in 100 Jahren ist ohne Zweifel bereits jetzt gesprochen. Der Unterschied zu Hitler ist nur darin zu sehen, daß Merkel - eine Frau ist. Also gar nicht weiß, was sie tut, weil sie nicht kennt, was sie bestimmt. Entsprechend sind ALLE Faschisten der Geschichte (ja, das ist sein Wesensmerkmal) "weibisch". Muttersöhnchen. Heute wie früher. (Auch das Nicht-Frau-sein der Frau - Lesbentum etc., als Identifikation mit dem Vater, mangels dessen Männlichkeit die Distanz heißt, erst dann ist Geist möglich - ist "weibisch".)






*250716*

Donnerstag, 2. Juni 2016

Wahl der Muttersöhnchen

Wenn praktisch das gesamte offizielle und offiziöse Österreich - mit dabei als überwiegender Teil jene, die durch die Zugehörigkeit zu der Siegergruppe ihr Elitedasein gewissermaßen "erkaufen" wollen (es sind jene Gruppen, die vom "Anspruch" gekennzeichnet und getrieben sind, die Mutterzentrierten, Unmännlichen also) - für den einen Kandidaten stimmte, der Gegengruppe sogar genau das vorwarf: dieser Gruppe der Elite nicht anzugehören, dann muß man sich doch zumindest fragen, WOVON diese Elite Elite ist, worauf sich ihr Elitendasein überhaupt bezieht. Denn ein solches kann es nur in Bezug auf jene geben, die NICHT Elite sind, die Elite aber als solche sehen und anerkennen. Und das sind genau jene, denen die Eliten vorwerfen, unfähig zu sein, richtig zu entscheiden, und denen ihren Willen aufzuzwingen sie sich deshalb das Recht sehen. Diese Identität hat aber einen gravierenden Nachteil: Sie ist auf Dauer nicht positivistisch aufrechtzuhalten, kann durch Behauptung alleine nicht leben.

Sie bereiten damit ohne es zu wissen den Boden für etwas vor, das an dieser Stelle bereits  mehrmals dargelegt wurde: Daß eine Reform des Landes als Widergewinn der Vitalität - nur das kann ja Reform bezwecken - nur durch einen Totalaustausch der Eliten möglich sein wird.

Die Angst der Eliten war also völlig berechtigt. Und: Sie haben es zuerst erkannt. Wenn sie es auch nicht wissen. Dabei wird es nur um die oberen (maximal) 15 % gehen (die in ihrem innersten Kern extrem wenige sogar sind, in Österreich ein paar Dutzend- bis Hundertschaften), das in etwa ist das historisch sinnvolle Maß der wirklichen Eliten. Die zur diesmaligen Wahl noch zugezählt habenden weiteren 35 % (jeweils: von 100) werden nämlich sofort umschwenken. Sie sind jene, die sich Profit und Zukunft durch Zugehörigkeiten erhoffen. Diese brauchen jeweils nur "Gründe" (im Sinne von: Ausreden, Rechtfertigungen) für ihre Gefolgschaft. 

Das wird der rauhe Wind der Wirklichkeiten von selbst und mit der Zeit besorgen. Was in der Regel bis hin zu "Aufdeckern" samt ihren "Bekehrungsgeschichten" geht. Denn die reine Behauptung hört nie auf, unter sich zu greifen, um Boden zu suchen, tappt im Blinden, bis sie etwas wieder findet - und das ist das Volk. Das sind jene anderen 50 %, die diesmal "verloren".

Es wird nicht lange dauern, denn es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich die Anzeichen mehren, daß diese Elitenteile (die zwangsläufig zu guten Teilen in ihren Erwartungen enttäuscht werden, denn die Zahl der Plätze "am Königstisch" ist begrenzt) den "Dialog" mit den ehedem Verachteten suchen, und beginnen, Kompromisse zu schließen und Zugeständnisse zu machen, um die Zeit nicht zu verpassen, an diesem (neuen) Tisch einen Platz zu erhalten. Und es wird ihnen umso leichter fallen als sie ja auch heute wissen, daß es um die Vernunft geht. Noch dazu, wo sie (in Österreich nun exakt ermittelt!) nun wissen, daß sie die Königsmacher waren und sind. 

Dann wissen wir - es ist so weit. Nun wird die Stadt fallen (Sun Dsu).

Das ist der Stoff, aus dem Königsdramen gemacht sind, Herrschaften! Daß dies immer die Zeiten der Muttersöhne sind, damit, werte Herrschaften, müssen wir leben weil es immer so war. Nur Gott richtet definitiv. Wir aber haben klug wie die Schlangen zu sein.

Und umgekehrt? Kann es nicht auch umgekehrt passieren? Das ist nahezu auszuschließen. Denn die "Verlierer" dieser Wahl, die zugleich ein Scheidewasser der Gesellschaft Österreichs war, sind diejenigen, auf deren Rücken sich die Eliten "entschieden" haben. Sie sind vom Schmerz getrieben, der nicht so leicht zu vergessen ist, weil er sich täglich neu meldet - in der Mühe um den Aufbau, um die Gegenwehr gegen den weiteren Verfall.+

Man kann also durchaus optimistisch sein. Wäre nicht Zeit einwichtiger Faktor. Denn es wird viel Unheil passieren in den nächsten Jahren. Und kein Tag kann wiederholt werden, jeder Tag zählt und legt seine Früchte in den Wiegekorb der Ewigkeit. Man steigt nie zweimal als der selbe in einen Fluß.










*260516*

Mittwoch, 17. Februar 2016

Wo keine Männer - da kein Staat

Ein gewisses Gefühl der Verachtung wegen Lächerlichkeit kann der VdZ angesichts dieses Videos nicht unterdrücken. Nein, es kann überhaupt nicht möglich - und nicht gut - sein, der Polizei jedes Gewaltmonopol zu übertragen. Abgesehen davon, daß das gar nicht möglich ist. Das bedeutet zugleich das Ende jeder Sittlichkeit, weil es das Ende jeder Verantwortung anzeigt. Denn Gewalt ist, wie jemand einmal formulierte, am Rand aller Dinge.

Denn mit diesem heute so entpersonalisierten Gewaltbegriff entledigt man sich auch der situativen Handlungsnotwendigkeit. Und öffnet außerdem dieser totalen Überwachungs- und Datenmentalität, die namens einer bequemen Selbstentledigung unter Bezug auf den Irrtum eines rationalistisch-objektiv erfaßbaren Weltgefüges Sittlichkeit ersparen soll, Tür und Tor. Hab immer Dein Handy dabei, ruf jederzeit und immer die Polizei, dann wird alles gut?  Ist die Polizei die Stärke des Mannes? War das nicht eher ... die heimtückische Methode der Gewaltusurpation durch entweiblichte, selbstschwache Weiber?

Da kann man doch nur lachen: "Du hast trainierte Muskeln - ich hab Polizei!" Geht es noch erniedrigender? Gibt es keine Männer mehr, sondern nur noch "Schwuchteln" (A. Pirinçci ), die ihre Feigheit noch mit "Ach wie bin ich moralisch gut!" rechtfertigen wollen?

Das kann gar nicht funktionieren. Und es ist so erbärmlich, daß die Verachtung mancher Migranten gegenüber hiesiger Männlichkeit - und sie ist es, die einen Staat konstituiert und trägt! - mehr als verständlich, ja richtig ist. Nur weil Weiber es so machen (und die Gesellschaftspolitik bereits auf dieser Niedertracht basiert) ist es für Männer nicht gerechtfertigt. Denn sie geben GENAU DAMIT den Staat auf. Denn nur sie tragen können. Wo keine Männer - da kein Staat. Punkt.

Im Klartext: Die Dramatik von Sylvester-Köln (in ganz Deutschland) war nicht das Versagen der Polizei. Es war das Versagen deutscher Männer. Noch nie ist deren Männlichkeit derart vorgeführt worden. Das Gerede von Gewaltfreiheit ist - und man höre sich das Gelabere der faktischen Kirchen dazu an: BESCHÄMEND! Christsein heißt nämlich genau das: MANN SEIN - doch nur das Verbergen von Mangel an Mut, an Bereitschaft zu sterben. Glauben, Christsein aber heißt: Mutig sein. Sterben, hinein in die Aufgabe, die sich jeden Augenblick stellt. Wie die: Die Frauen, das Volk, zu schützen, im Bestand zu bewahren. Jetzt, hier, wo sie angegriffen werden. Wo waren solche aber in Köln?

Das eigentliche Problem von Kirche und Staat und damit der Migranten ist mittlerweile: Sie hatten es hierzulande noch nie mit Männern zu tun. Die gibt es hier nicht mehr. Die müssen Windeln wechseln und in Softboards über Moral diskutieren. Während ihre Frauen vergenußzweigelt werden und dann zur Polizei laufen. Wohin sonst?






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Dienstag, 26. Januar 2016

Rebellentum als Phänomen der Muttersöhnchen

Der Leser erinnert sich vielleicht daran, was an dieser Stelle bereits über die Zusammenhänge von gewissen (schwächlichen) Persönlichkeitsbildern und der Bereitschaft zur Rebellion gesagt wurde. Erinnert sich vielleicht an die historisch belegbare Tatsache, daß Revolutionen nie "von unten" kamen, sondern immer von einer unzufriedenen, selbstunsicheren zweiten Reihe der Mitte ausgehen, die endlich erreichen will, wozu sonst ihre Kraft nicht ausreichte. Dazu paßt nämlich der Bericht des deutschen Verfassungsschutzes, auf den uns Leser J - es sein ihm gedankt! - hinwies.

Denn der Deutsche Verfassungsschutz hat sich angesichts der von 2009 bis 2013 gegenüber den vier Jahren zuvor verdoppelten linksradikalen Gewalttaten in Deutschland (nunmehr waren es 1523 Fälle, davon 902 Fälle von Tätlichkeiten gegen Personen, mit insgesamt 873 Tatverdächtigen) mit der Täterschichte näher auseinandergesetzt. Und ist dabei zu wenig überraschenden, aber gar amüsanten und alles hier Gesagte stützenden Details gekommen. 

Der durchschnittliche linke Gewalttäter ist demnach 21-24 Jahre alt, männlich, hat trotz mittlerer Reife keinen Job, und er hat Probleme, eine Partnerin zu finden. Gleich auch noch die Kirsche auf der Torte: 92 % der 873 untersuchten jungen Männer wohnen sogar noch ... im "Hotel Mama". 

Im weiteren Detail: 73 % sind zwischen 18 und 29 Jahre alt. Ein Drittel etwa hat mittlere Reife, ein Drittel Abitur, ein Drittel ist arbeitslos. (Interessant wäre noch zu wissen, wieviele der 2/3, die also in Arbeit und Lohn stehen, im öffentlichen bzw. geschützten Bereich tätig sind, denn die Vermutung gilt: die meisten.) Und 9 von 10 gaben als Beziehungsstatus "ledig" an.

Der VdZ geht allerdings noch viel weiter. Weil er "Hotel Mama" so wie jedes Wort beim Wort nimmt. Denn Sprache ist nicht einfach nur beliebig vereinbarter Ausdruck für Wahrheit, sondern sie ist Gesicht der Wahrheit. Ihr zu folgen führt folglich zur Wahrheit, denn die Grammatik IST das Denken, die Semantik IST der Einbruch des Seins im Seienden.

Ist denn nämlich nicht auch das Suchen von Unterschlupf in jeder Form eine analoge Bewegung? Was läßt sich daraus an Aussage über Teile des Klerus treffen? (Und: das läßt sich, denn wenn in der Kirche eines Mangelware ist, dann sind es - erwachsene Männer!) Heißt das nicht auf anderer Seite, daß die je nach Schätzung uns in bis zu 85 % als junge Männer entgegentretenden Zuwandererwelle, die unsere Asyl-Aufnahmestellen überschwemmen, ... Mutterunterschlüpflinge (noch dazu bei "Mama Merkel"), nur stark in der Vermasstheit (als Universalie also), und nicht als Individuum, wie es eben Muttersöhnchen eigen ist? (Denn Mutter ist das Allgemeine, das erst durch den Namen, den Logos des Mannes, den Namensinnehaber des Hauses zur Individualisierung kommt.) 

Auch dafür gäbe es mehr als genug Indizien. Bis hin zur so häufigen Aufgabe ihres Herkunftsnamens durch Wegwerfen der Papiere, und Vortäuschung anderer Identität und Herkunft. Um dann hier - zu rebellieren. Und er VdZ erinnert sich noch sehr gut an so manchen Nachläufer der 68er-Bewegung, die ihm im Jugendkreis der späten 1970er unterkamen, die gleichfalls und in auffallender Weise vom Säckel der Eltern gut lebten - und von Revolution sprachen, womit sie zuerst den "blöden Alten" meinten, der ihnen die neue Pioneer-Anlage noch immer nicht gekauft hatte, sodaß Hendrix einfach nicht genug zur Geltung kam.

Zufall ist das alles ganz gewiß nicht. Und es hieße noch weiter, daß wir uns mit den über 1 Mio jungen Männern alleine 2015 - linke Rebellen ins Land geholt haben. Was so nebenbei mit gewissen psycho-sozialen Bedingungen des Islam in Entstehung (auch dazu findet der Leser an dieser Stelle historische Verweise) und heutigen Auffälligkeiten zusammenstimmt.




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Sonntag, 20. Dezember 2015

Wie EU & Kirchensteuer das Priestertum unterbinden (1)

Was ist damit gemeint, wenn an dieser Stelle immer wieder die Rede davon war, daß der Kirche der Blick für Wirklichkeit verloren gegangen ist? Daß der Klerus in den meisten Teilen Europas praktisch ausnahmslos das entscheidende Element der Welt - das Schöpferische des Lebens - nicht einmal mehr kennt?

Diese Behauptung stützt sich auch übrigens auf Vergleiche, die der VdZ etwa durch ungarische Priesterbekanntschaften ziehen kann. Auch hier und innerhalb des ungarischen Klerus zeigt sich noch dazu dieselbe Unterscheidungslinie.

Es geht um die Verbeamtung, es geht um das Element der "Sicherheit in der Welt". Und betrifft natürlich nicht nur den Klerus, sondern weite Teile der europäischen Gesellschaften, also auch Bürger des alltäglichen Lebens. Selbst hier - dieselbe Unterscheidungsgrenze.

Sie ist bei Zivilbürgern genau dort zu finden, wo sich seine alltägliche Existenz mit der Wirklichkeit selbst auseinandersetzen muß. Sie hat bei jedem Menschen nämlich genau die Dimension, genau jene Erstreckung, auf der er Verantwortung und Auseinandersetzung mit Ängsten zu leisten hat. Deshalb ist sie nicht pauschal erkennbar, und trägt immer individuelles Gesicht. Da handelt der eine, als Beispiel, als Geschäftsmann für Produkte, die Luxuskunden anzielen, mit außerordentlicher Härte und Schärfe, um am Abend, im trauten Freundeskreis bei einen Glas Luxuswein linke gesellschaftspolitische Forderungen zu stellen.

Der Kleriker ist von dieser Spezifizierung defacto befreit. Der Priester ist ja genau nicht - wie der Künstler, wie der Philosoph -  in das Figurenspiel der Welt eingebunden, sondern steht dazu quer. Er ist der prinzipielle Vermittler der Gnade, deren Gesicht dann in einer konkreten "zivilen" Lebenssituation sichtbar wird. Seine Aufgabe ist es, den Menschen jene Gnadenvermittlung zu bieten, die den Lebensalltag vom Prinzipiellen her durchwirken soll und kann, um so im konkretesten Dasein das weltschöpferische Element fruchtbar zu machen. Der Tisch des religiösen Tischlers ist damit tatsächlich anders, als der des nicht-religiösen, so weit geht das. Sodaß bestimmte Herangehensweisen an tägliche Aufgaben tatsächlich einmal schöpferisch sind, ein andermal aber kalt die innere Weltlogik auf Funktionalitäten herunterbrechen.

Es geht also um die eigentliche Basis der Religiosität. Diese Basis aber wird erst dann wirksam und fruchtbar, wenn der Mensch sich wirklich abhängig sieht. Das gilt auch umgekehrt: Religiosität ist daran erkennbar, und in ihrer Art erkennbar, wovon sich der Mensch existentiell abhängig sieht. Nur so auch läßt sich aus dem wirren Geschwafel des Bergoglio-Papstes mit viel gutem Willen so etwas wie Spiritualität herauspicken: Denn es ist dies die Haltung der Armut. die mit mehr oder weniger Gütern oder Besitz nur indirekt zu tun hat. 

Am Klerus dieser Länder ist also nicht primär zu kritisieren, DASZ er Geld hat. Es ist zu kritisieren, ja es ist ein prinzipieller Mangel, ein schwerer Defekt der Religiosität, wie er sich dann im Zugang zur Wirklichkeit der Menschen überhaupt ausdrück und zur Gestalt kommt, wenn der Klerus diese Armut NICHT hat. Die eine direkte Angewiesenheit auf die Gnade Gottes als Weltenschöpfer braucht. Noch einmal: Es geht nicht um Menge oder Art der dem Klerus zur Verfügung stehenden materiellen Mittel!

Nur ein Klerus aber, der heute - buchstäblich! - nicht weiß, wovon er morgen lebt, der heute nicht weiß, wovon er nächstes Monat seine Internetrechnung bezahlen oder seine Soutane erneuern soll, nur der ist in der Lage, Religiosität überhaupt zu entwickeln, nur der kann mit Wirklichkeit in Kontakt geraten. Denn nur der, der alles aus Gottes Hand erhält, und zwar: je neu erhält, zeigt zugleich auch die Grenzen dessen auf, was als Humanum den Namen "Eigentum" oder "Besitz" trägt. Der ein Geschenk sein muß, weil die Welt überhaupt ein Geschenk ist. 

Die Folgen aus der realen Entkoppelung des Klerus von dieser "momentanen Hand Gottes" sind katastrophal.* Denn genau daraus erwächst die völlige Verkennung der Natur des Weltgeschehens. Salopp formuliert: Wer nicht einmal mehr vom Wetter abhängt (wie der Bauer, der noch nicht am Tropf der EU oder zahlloser Solidaritätsversicherungen hängt), nur der rennt den Klimaapokalyptikern hinterher. Wer nur in Abstrakta umgebrochene menschliche Situationen (der Armut, der Not) kennt, der wird die wahre, ja absurde Natur dieser Migrationsbewegungen nicht erkennen. Und er wird deshalb, genau deshalb den Menschen, für deren Seelenheil er verantwortlich ist, auch völlig verfehlte "moralische" Richtlinien nahebringen.

Nur der Priester, der dieselbe Angst und Not erlebt wie der, er ihn an seinem Mittagstisch teilhaben läßt,  der buchstäblich an dessen Sorge hängt, nur der nimmt als alter Christus, in seinem Fleisch wahrer Priester, wahre Opfergabe im Sakrament, an der Not der menschen überhaupt teil. Der Rest ist rationalistisches, zweitwirkliches, pseudowirkliches Geschwafel.**


Demnächst² Teil 2) Erst wird der Mensch kastriert, und mit ihm die Gnadenvermittlung - Gegen den Sopranaturalismus, für einen grundschweren Realismus

²Durch einen lächerlichen Bedienfehler - es war schon sehr spät, der VdZ hundemüde, aber er wollte den Text noch einmal an einem Punkt präzisieren, der ihm den ganzen Tag nachgegangen war, wurde der bereits fertiggestellte zweite Teil dieses Artikels unwiderbringlich gelöscht. Das ist umso bedauerlicher (zumindest in den Augen des VdZ), als es sich um einen der besten je für dieses Blog verfaßten Texte handelte. Er hat natürlich versucht, ihn aus dem Gedächtnis zu rekonstruieren, aber die wirkliche Rekonstruktionsarbeit wartet noch. Und das ist nun richtig viel Arbeit, denn die meisten der hier vorzufinden Texte sind in höchst kurzer Zeit - als morgendliche Tagebuchauslagerungen; nur Vertraute des VdZ wissen, in welch kurzer Zeit der VdZ in der Lage ist, solche Texte zu verfassen, sie unterscheidet sich nur wenig von einer reinen Sprechzeit (Arbeit beginnt erst danach) - verfaßt, und sind in der Regel aus einem Gedanken geboren (oder nicht ...) Der Leser möge sich also bitte nicht gefrotzelt fühlen. Der regelmäßig Leser weiß ohnehin, daß solche Verschiebungen selten vorkommen. 




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Freitag, 4. Dezember 2015

Wahn der Quantifizierung

Größe, Übergröße innerhalb einer Art ist ein Zeichen der Degeneration. Wenn heute die Größe der Menschen als Ausweis der gestiegenen Lebensqualität gesehen wird, so widerspricth das jeder handgreiflichen Beobachtung. Auch und gerade die (zunehmende) Größe der Menschen zeigt das genaue Gegenteil: Den Mangel an Form, und damit den Mangel an Selbstsein, und das heißt: Begrenzung, an gedeihlicher Entwicklung.

Selbst die Historie zeigt das: Die "größten" Menschen der Geschichte waren keinesfalls "Riesen" in der Körpergröße. Oft waren sie sogar kleiner als der Durchschnitt. In jedem Fall waren es Menschen, die sich selbst besaßen, die von seelischer Energie durchdrungen waren, die sich nach außen wandte - nicht an das eigene (körperliche) Wachstum verschwendet weil fehlgeleitet wurde.

Noch deutlicher wird es an Geschwisterreihen. Die körperlich größten aus einer Familie waren meist auch diejenigen, die am meisten degeneriert waren. Die über die Mütterlichkeit, die Muttergebundenheit nicht zu ihrer Grenze, zu ihrem Ort gefunden haben. Gerade Muttersöhnchen sind deshalb häufig groß an Körpergestalt.

Das sicherste Zeichen der Degeneration unserer Kultur ist die Zunahme der (durchschnittlichen) Körpergröße. Sie stammt nämlich aus der Fehlleitung der menschlichen Energie, des Geistes, auf sich selbst, statt auf die Welt. 

Jedes Ding hat sein Maß in sich. Ja, durch sein Maß wird es es selbst.

Der Volksmund wußte immer, warum im Archetyp des "langen Dürren" auch das Charakteristikum des Narren steckt, und wie mehr im langen Dicken, in dem sich beide Formlosigkeiten - nur auf je andere Art - treffen.

Umgekehrt war der Philosoph immer der stämmige, eher kleine, fleischige, ja dicke Mensch. Als Thomas von Aquin verstorben war, mußte man die Tür zu seinem Studierzimmer ausbrechen, um ihn hinaustransportieren zu können.

Man lege selbst diese Dinge - weitergesponnen - auf die Schönheitsideale (ach, wären es nur solche; es sind doch vielmehr funktionalistische Gebrauchsideale, also zweimal umzulegen) der Gegenwart um.

Daß der heutige Mann in keine Rüstung des Mittelalters paßt, sollte ihn also beschämt machen. Es sagt viel über ihn aus. Die Rüstungen kamen ab, als der Freß- und Widerstandslosigkeits-Wohlstand als Kriterium des Lebens zunahm. Denn dann wurden die Tugend der Vorfahren zu eng, konnte von uns nicht mehr erreicht werden.





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Sonntag, 6. September 2015

Ich bin König - ihr müßt mich spielen

Wenn man sagt, und richtig sagt, daß die Öko-Bewegung und Weltrettungsapostelschar eine Bewegung der wohlhabenden, weißen Oberschicht ist, so darf man eines nicht dabei vergessen, das vielleicht noch wichtiger ist: Es geht nicht um diese Oberschichte. Die Grünbewegung ist vielmehr geprägt von jenen, die zu dieser Oberschichte DAZUGEHÖREN wollen. Natürlich geschieht dies nicht offen, sondern indirekt. 

Aber es passiert genau das, was Adelige über die Zeit nach 1918 in Österreich erzählen: Während sich die Adeligen selbst relativ leicht mit dem Bedeutungsverlust und der nunmehrigen Demokratie abfinden konnten, waren es deren Bedienstete, Angestellte, Diener, die zu dezidierten, ja fanatischen "Monarchisten" wurden. Diese Abhängigen waren und sind es, die sogar (bis heute am intensivsten) eine Wiederherstellung der alten Bedeutung verlangen. 

Es sind die, die aus sich heraus zu keinem Aufstieg in der Lage sind. Und das ... sind eigentlich alle. Denn der Unterschied zwischen Zufriedenen und Unzufriedenen liegt nicht in einer irgendwie definierbaren Ungerechtigkeit, er liegt in der Unfähigkeit, sich mit einem Stand abzufinden. Der Rest ist Rechtfertigung dieses ... Neids.

Das macht die Koinzidenzen zwischen Ökologisten und Fastischen deutlich. Beides sind Bewegungen von Emporkömmlingen, von Menschen, die sich etwas von einem Umsturz der Werte versprechen: Höheren Rang, höheren Stand. Daß sie den verdienen, müssen sie beweisen.

Es ist deshalb eine Bewegung der Muttersöhne. Denn dieser Drang nach "mehr" geht immer von den Müttern aus, die den Vater, die sich von ihrem Mann nicht ihre Identität geben lassen, sondern selbst schaffen wollen.

Dabei findet sich in dem diesem Habitus eigenen Färbung - die Veränderung der anderen! - genau diese Wahrheit wieder: Weil Identität nur empfangen (und dann angeeignet, anverwandelt) werden kann,  kann eine gewünschte "andere" Identität nur über Veränderung der anderen stattfinden. Der König wird (auch für sich selbst) wirklich, wenn es Diener gibt, die ihm dienen, Menschen, die sich vor ihm beugen.

Wer die Welt, die Menschen verändern will, der beweist deshalb, daß er sich selbst nicht gefunden hat. Denn er will sie zu einer Reaktion auf sein Selbstbild bringen, um dieses zu wirklichen.

Deshalb sind die Umweltbewegten fast ausschließlich Menschen, die ihre eigene Gutheit - und den daraus erstehenden Anspruch auf Adel - bestätigt haben wollen.




*060915*

Dienstag, 7. Juli 2015

Ex factis, non ex dictis amici pensandi (2)


Teil 2) Auf daß die Herdfeuer erlöschen




Oder will auch nur irgendjemand behaupten, daß ein Mensch, der bereit ist, die Welt in einem Ausmaß zu zernichten, das mit enormem finanziellem Einsatz, der jede Volkswirtschaft austrocknen MUSZ, weil er ökonomisch völlig sinnlos ist, die Lebenskraft von Völkern schwächt und irgendwann vernichtet, daß so eine Mensch Natur, Welt und Schöpfung (die immer mit menschlicher Kultur verbunden ist) LIEBT? Sind nicht Techniker, Technizisten - auch diese Behauptung unterschreibt der VdZ aus Beobachtungen jederzeit - immer besonders muttergebundene, mutterbeherrschte, wie väterkastrierte Wesen? Ist nicht gerade die Technik (und die heutige Ökologie in ihrer dogmatischen Verweisung auf "Wisssenschaft als Handlungsimperativ" ist pure Technik, purer Technizismus) der einzige Weg des Schwächeren, die - leibliche! Leib als Medium des Weltseins! - Stärke des Stärkeren zu überbieten?*

Könnte nicht die Stoßrichtung "carbonfree" auch aussagen, daß sie sich gegen das "nie verlöschende Herdfeuer" wendet, das die Frau zu hüten hat - ihre seit Menschengedenken eigentliche Aufgabe, in alle Dimensionen des Weltseins umfassende Realsymbolik für das einzig Lebensspendende, die Liebe? Sie finden das übertrieben, werter Leser? Der VdZ nicht. Denn man muß die Welt so denken. Nur so ist sie human, nur so ist sie in der Vorsehung - dem Wissen, der Vernunft - des personalen Gottes geborgene Schöpfung. Nur so ist sie schöpferisch.

Es wird also tatsächlich Zeit, meint der VdZ, anders zu denken, gerade in Schöpfungsfragen. Sonst kommt man nicht weiter. Die bloße Gegnerschaft gegen die Sprechfiguren des Ökologismus führt zu nichts, im Gegenteil, sie erhält einen Wahn am Leben, der die Welt in nie gewesenem Ausmaß beschädigen möchte, und sich dabei "Umweltschutz" oder gar "Liebe zur Schöpfung" nennt. Das ist seine Charakteristik: Fanatismus, Zerstörungswut mit Ersatzcharakter. Darin wird das Offensichtlichste nicht mehr gesehen.

Viktor Frankl schlägt in solch einem Fall deshalb vor, dem von solchem Wahn Befallenen nicht zu opponieren, sondern im Gegenteil: darin zu bestärken. Nur so erhält diese Denkfigur das Gewicht eines Gedankens, einer Gestalt, die Gravitation entwickelt, zur Erde zurückwill. Denn es ist zuvor diese Opposition, die seine Haltung am Leben hält, und ihm damit selber den Weg versperrt, aus Gründen des Erhaltens im Sein, dessen Verlust er fürchtet, das auch nominell zu wollen, was er sowieso will. Die Opposition ist es also, die ihn in in einer Haltung befestigt, die ihn nicht sehen läßt, was er in Wahrheit tut.










*Ist nicht das, genau das auch der tiefere Grund, warum selbst die Kirche - die Mutter der Welt selbst! - dabei ist, eine eigentümliche Verschwisterung mit dem Ökologismus einzugehen, denn das ist der größte Effekt, den die jüngst veröffentliche Enzyklika Laudato Si haben wird? Denn wenn diese in manchen Ansätzen freilich ganz anderes aufreißt - ihre Verwertbarkeit, ihr Umbrechen in Nutzen, das was als Funktion übrigbleibt, liegt woanders. Sie stärkt ganz real nicht die, denen die Schöfung als Gottesgabe heilig ist - sie stärkt die, die von Schöpfung (und Gott) gar nichts wissen wollen, denen dieser Begriff bestenfalls fromme, nützliche Metapher ist. 

Die wirkliche Botschaft, einen Schellnhuber in den päpstlichen Rat der Wissenschaften einzuladen, liegt dort: In einer Entheiligung durch (moralistischen) Technizismus. Mit einem Papst, der sich fast offen (wie immer ist er auch hier zurückgezuckt, jede Festmachungsmöglichkeit ist ihm ja feind) gegen die Vernunft (aber dafür für eine rationalistische, auf Denkzwänge umgebrochene Wissenschaft) ausspricht - und das heißt: Gegen den Vater, dafür pausenlos Verhaltensmaßregeln für kleinste Alltäglichkeiten in die Welt schießt. Die eigentümlichen Berichte über das bis heute nicht ganz geklärte Verhalten Bergoglio's während der argentinischen totalitären Militärdiktatur könnte hier eine weitere erhellende Note zufügen. Sucht er prinzipiell, in wirrem Instinkt, die Nähe zur - faktischen, als Moral starken - Macht, um von ihrem Schatten zu profitieren, wie Frauen es eben tun?




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Montag, 6. Juli 2015

Ex factis, non ex dictis amici pensandi (1)

Die Frage müßte doch in Wirklichkeit ganz anders lauten: Welche unterbewußten, chthonischen Antriebe bewegen die Kämpfer gegen die Erderwärmung? Denn es ist mehr als auffällig, daß der Umstieg zu "nachhaltigen Energiegewinnung" mit einem von Jahr zu Jahr noch deutlicher gestiegenen Verbrauch an fossilen Brennstoffen korreliert. Das thematisiert Hans-Ulrich Jörges, der das im Juni stattgefunden habende Treffen der G7 zu Fragen des Klimawandels bespricht. Und dabei zu dem Schluß kommt, daß die Politiker dort allesamt glatt gelogen haben: Denn während sie vollmundig den Ausstieg aus dem fossilen Zeitalter verkünden, treibt etwa die USA ihre Öl-, Gas- und Kohleproduktion (samt Verbrauch) in nie gewesene Höhen.

Und dieser Ansatz ist es auch, der den VdZ zunehmend beschäftigt: Man will offenbar genau das Gegenteil von dem erreichen, was man vorgibt. Denn das ist das Ergebnis.

Denn auch die deutsche "Energiewende", die ganz Europa mitzwingt, hat aus selbst dem simpelsten Gemüt nachvollziehbaren Gründen genau die gegenteiligen Effekte. Noch nie waren Kohle- und Atomkraftwerke - europaweit gesehen - von so hoher Bedeutung. Nicht TROTZ, sondern WEGEN der Energiewende als Umstieg auf "erneuerbare Energiequellen". Dazu kommt eine Verwüstung deutscher Landschaft, wie sie die Menschheit noch nie gesehen hat. Möge sich bitte der Leser diese kleine Photoshow zu Gemüte führen, und weitere Beispiele ließen sich in Massen anführen. 

Wenn auch das bloße Öffnen der Augen genügen würde, wenn man etwa durch das nördliche Burgenland oder die norddeutschen Landschaften fährt, wo von Landschaft oder Natur, oder Dächerlandschaften, wo von Kulturform gar nicht mehr gesprochen werden kann, die zu reinen technischen Nutz-Einrichtungen verkommen sind.

Könnte es also sein, daß die Figur des Gesprochenen, die Sprechfiguren, die unbewußte Auslagerung - in Stellvertreter- wie Sündenbockfunktion, in jedem Fall: als Scheintheater - jenen Nebel bilden sollen, der verhindern soll, wie Doderer es einmal ausdrückt, daß die Richtung aus der das Geschützfeuer kommt erkannt werden soll? Ist nicht zumindest einer der Gründe auch darin zu suchen, daß von einer Lösung "nur in globalem Maßstab" gesprochen wird, weil die Wirklichkeitsnähe schon so weit verloren ist, daß Folgen für die eigene Sittlichkeit - und nur daraus ließe sich eine "Wende" konstruieren - auszuschließen sind, weil sittliche, charakterliche Mühe, weil Rückbindung an die göttliche Vorsehung durch Eintreten in Gottes Willen bedeuten würden, und NUR DIE kann eine Veränderung bedeuten, NUR DIE kann die Welt verwandeln - von wo das Wort "Wende" ja kommt? Reden nicht (und der VdZ kennt da einige Fallbeispiele) die größten Wendepropheten längst davon, daß individuelles Verhalten "gar nichts bringt", weil nur große, noch größere, globale "Lösungen" (will heißen: per Gesetzen zwanghafte Regelungen)

Das Motiv der "ökologisch Bewegten" liegt, daran hat der VdZ keinen Zweifel, NICHT in einer Liebe zur Natur, zum Wesen der Schöpfung, zum Leben. Es liegt ganz, und zwar wirklich ganz woanders. Und das gilt es zu sehen, und immer schärfer zu sehen. Das muß zu Wort kommen, um gedacht zu werden. In neuen Ansätzen. Was heißt es, wenn man das Geheimnis der Welt selbst zunehmend in Technikgerüste spannt, um es zu beherrschen? Wut auf die Mutter? Verborgener Versuch, den Vater doch zum Sieg zu führen? Sind solche Ansätze nicht weit vielversprechender, um das Problem zu verstehen? Zumal der VdZ sofort, aus dem Stand, aus Beobachtung heraus, der Behauptung zustimmen würde, daß die Ökologiebewegten der Gegenwart durchweg aus einer familiären, identitären Situation stammen, in der Entmännlichung, Kastration herrscht, in der das Weib - durch funktionalisierte Moral, welche die hierarchische Stellung des Mannes durch Universalisierung von Moral aushebelt - herrscht.

Damit aber wehrlos gemacht, weil existentiell an diese Moral gebunden (die es sprachlich-gedanklich nicht mehr aufzulösen wagt, weil es sonst ins Nichts fiele), wendet sich die Wut gegen die Mutter - aber auf ganz andere Weise. Und richtet sich gegen das Wesensbild des Mütterlichen selbst, das im selben Atemzug, im Doppelschlag, auf ein Wesen zurückgestutzt werden soll. Dazu bietet die Natur perfektes Objekt.



Morgen Teil 2) Auf daß die Herdfeuer erlöschen




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Freitag, 12. Juni 2015

Katholisch ist: Ja zur Todesstrafe

Er sei, meint da Leser R in einem Brief an den VdZ, doch etwas irritiert. Denn da verkünde der Papst nun eine so rigorose Ablehnung der Todesstrafe, wie er, R, sie weder in der katholischen Tradition noch im aktuellen Katechismus (oder: gelte der nicht mehr, frägt er weiter?) noch auch in seinem eigenen Glaubensverständnis vorfinde.

Selbstverständlich, werter R, haben Sie Recht. Was immer da der argentinische Schwafelpofler wieder einmal erzählt hat - nehmen Sie sich ein Beispiel an Kardinal Newman, der das persönliche, am depositum fidei gebildete wie zu bildende, weil dort anzuhängende Gewissen über alles gestellt, hat, auch über den faktischen Papst. Und wenn es diese gesamte Schmeißfliegengesellschaft der Speichellecker, die sich in seinem Schweif sammelt, nachbetet - Ja, es gibt nicht nur die gesellschaftliche Möglichkeit, es gibt die politische Pflicht sogar, die Todesstrafe zu verhängen. Wenn das seelische Heil anderer, in offiziöser Verantwortung stehender ausdrücklich bzw. klar gefährdet ist. Als Notwehrmaßnahme. Das war noch nie anders, und das wird auch nie anders sein.

Und bleiben Sie weiter dem Katechismus treu, im Gegensatz zu manchen anderen. Der VdZ erinnert sich noch gut, was es 1994 bereits für einen Aufschrei gab, als sich diese prinzipielle Möglichkeit im Katechismus des Heiligen Papstes Johannes Paul II. fand.  So ist es einfach. Es war nie anders. Weil es prinzipiell so ist.

Daß das im Einzelfall schwer zu beurteilen sein mag, sei dahingestellt. Aber es ist die verdammte Pflicht jedes Entscheidungs- und Verantwortungsträgers, es zu beurteilen! Es zu befinden. Und dazu wird er nie mehr haben als seine eigene Einschätzung der Gefährdung.

Es gehört zu den großen Geheimnissen des Lebens, daß der Mensch imme rnur im Rahmen einer gewissen Unsicherheit agieren kann - aber darin feste Entschlüsse setzen MUSZ. Erst so kann schöpferisches Leben wirklich werden. Endgültige, absolute Gewißheit werden wie auf Erden nie erlangen. Das ist eben dann genau - Verantwortung! Wer nur auf Sicherheit hin meint, Entscheidungen treffen zu dürfen - wird überhaupt nie welche treffen, er wird immer nur Abläufe summieren.

Im übrigen ist die Todesstrafe auch eine Form der Sühneleistung - VOR GOTT. Daran scheint heute ja überhaupt niemand mehr zu denken. Weil es offenbar niemand mehr kennt. Es kommt im Leben aber nicht darauf an, möglichst lang und unbehelligt zu leben, sondern seine Seele ins Heil zu bringen. Jede Strafe hat genau diese Funktion: Der Rückgliederung in diese Ordnung des Heils. DEas geht nur mit Schmerz.

Noch dazu hat die Welt einfach eine gewisse Relativität, die Relativität eine Spiels mit ernsten Regeln. Um es wieder einmal salopp zu formulieren: Die Welt geht auch mit einem irrtümlich verhängten Todesurteil nicht zugrunde. Eher sogar im Gegenteil. Auch das Todesurteil das über Jesus verhängt wurde war nicht gerecht, und doch hat es die Welt erlöst. Der überlieferte Dialog am Kreuz, mit den Schächern, erhellt die Problematik großartig. "Wir haben es verdient - jener aber nicht." Wir haben es verdient. Das hat sogar etwas sehr Zeitrelatives, guter R. Mal wird die Todesstrafe häufiger, mal weniger häufig verhängt. Ein "objektives, absolutes" Maß für die Todesstrafe gibt es also auch nicht. Aber niemals kann sie prinzipiell ein "no go" sein.*

Wenn Ihnen auch noch so viele twitterfromme Scheinheilige und Heiligkeitssimulanten, von denen es heute so viele gibt wie noch nie, das wagt der VdZ zu behaupten, erklären wollen, daß - gegen den Katechismus, gegen das depositum fidei, gegen jede Vernunft - die Todesstrafe in jedem Fall abzulehnen ist, dann nennen Sie jenen dezent das berühmte (leider aber nicht historische) Zitat Goethes aus dem Götz von Berlechingen. Und heißen sie die Superfrommen weiter Schlabber sammeln. Denn das Rückgrat der meisten dieser hat nicht einmal die Qualität einer Stangenbohne, in deren Gestus sie sich egal wie verbiegen, um nur ja oder endlich "nach oben" zu kommen.

Lassen Sie sich, geschätzter Leser R, nicht von den käsigen Muttersöhnchen der Gegenwart irritieren, deren Moralität doch in Wahrheit nur die Lüge der Schwäche ist, die andere schwächen will, weil sie Angst vor dem Sein haben und noch nie in ihrem Leben wußten, was Verantwortung für andere überhaupt heißt.

Also, lieber R: schnaufen sie sich die künstliche, lächerlich sentimentale Tragik, die über dieses Thema gelegt wird, als ginge es um Grundsatzfragen des Glaubens, einmal aus. Und dann lesen Sie Newman. Oder - von mir aus - dieses Blog. Manchmal. Als Stütze oder Prüfstein der Vernunft vielleicht. Der VdZ übernimmt die Verantwortung. Weil er sie sowieso dafür hat, denn dafür wird er gerichtet - für jedes, JEDES Wort.

So, wie alle anderen. Und wenn sich die tausendmal wünschten (und wünschen werden), daß man ihr Wort nicht ernst nehmen solle. Die Welt steht auf dem Wort gegründet.  

In principio erat verbum, et verbum erat apud Deum, et Deum verbum erat.




*Daß es - davon völlig unabhängig - eine Reform des Umgangs mit Straftätern braucht, die ihre Strafe abgebüßt haben, ist ein ganz anderes Thema. Denn Bestrafte für immer zu ächten ist tatsächlich unchristlich.'Daß sie das Vertrauen in sie neu aufrichten müssen ist ein anderes Thema. Dem aber kommt die ständige Zerrerei von allem und jedem in die Öffentlichkeit nicht gerade entgegen. Da bräuchte es im Gegenteil eine Kultur der Diskretion. Wer eine Strafe abgebüßt und seine Tat gesühnt hat, braucht die reale Möglichkeit, neu anzufangen.  

Interessanterweise hat sich genau aber dieser Gedanke völlig verloren. Gefängnisse sind in Teilen Europas (Norwegen!) schon regelrechte Sanatorien, mit bester Ausstattung, einem bequemen Urlaubsheim gleich, wo es nur noch darum geht, für eine gewisse Zeit irgendwie auszusperren, ohne daß es zu sehr nach Aussperrung aussieht. Aber eine "Resozialisierung" ohne Sühne, Strafe und Schmerz. auch ohne Bürgerrechte in dieser Sühnezeit, gibt es prinzipiell nicht. Und damit ist auch jedes Gerede um angeblich schuldige Barmherzigkeit obsolet. Barmherzigkeit kann niemals "geschuldet" sein.





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Sonntag, 24. Mai 2015

Heroische Lebenshaltung als Schale des Geistes

Es ist schon sehr aussagekräftig, wenn ausgerechnet das, was "die Menschen des Islam" mit dem Christentum vielleicht am meisten verbindet, von den Christen am meisten abgelehnt wird: Und das ist das, was Hemmingway mit  vollem Recht als jenen Ort nennt, an dem das Leben seine größte Kraft entfaltet. Es ist die heroische Lebenshaltung!

Und dort liegen in den Augen des VdZ auch jene Anknüpfungspunkte, wo der Muslim, der wirklich Geist, Spiritualität sucht, sich seiner Bruderschaft mit dem Christen bewußt werden könnte, ja wo ein In- und Miteinander möglich würde, das wirklich die Tore zur "einen Religion" öffnen könnte. Wo der Islam seine Wüsten aus den eigenen Wurzeln heraus wieder bewässert. Und die sind das Christentum. Ja, wo wir von den Menschen, die sich Muslime nennen, sogar etwas lernen können. 

Denn wenn auch manches pseudologisch unwirklich geworden ist, so erinnert selbst der Fanatismus der IS und der Islamisten generell an diese Grundhaltung des Lebendigen. Das nicht aufatmet, weil es keine Todesgefahr mehr zu fürchten braucht, und rund um sich Polsterlandschaften der Sicherheit aufgebaut hat. Sondern das sich bewußt dem Tod stellt, um ihn dadurch zur Furchtlosigkeit zu überwinden. Diese genuin christliche Grundhaltung - "non timete!" - des Gekreuzigten ist aus überaus nachvollziehbaren (geistig-seelischen) Gründen "im Islam" in dieser Überzogenheit aufzufinden. Als Problem der Überführung des Geistes ins Fleisch, wie es beim Durchdenken der Konsequenzen des Arianismus (Jesus ist nicht Gott, nur Mensch, "mit Sendung", muhamad also) gar nicht anders kommen kann. 

Aus exakt demselben Grund hat sich Europa poseudologisch, "virtuell" entwickelt; auch hier hat sich die Tugend in den Voluntarismus und Positivismus verlagert - man beachte die heutigen führenden Moralgebote, die sich in zahllosen Lebensführungsregeln niederschlägt, von der political correctness über die Mülltrennung bis zum Klimawandelwahn. 

Ihre wirklichen Wurzeln liegen aber in der durch Jesus Christus offenbarten Grundhaltung des Menschen zu Gott hin: der heroischen Lebenshaltung, die sich ohne Furcht der Wirklichkeit stellt, den Kopf jederzeit zum Empfang eines Hiebes geneigt.

Die Entstehung wie Ausbreitung des Islam ist keineswegs geographisch belanglos universal. Sie setzt auf einer natürlichen heroischen Mentalität auf, wie sie sich in weiten Teilen der Welt tatsächlich noch erhalten hat. Eine Haltung, wie sie auch das Griechentum so großartig herausgestellt hat, bei allen spirituellen Verkürzungen, die mangels Offenbarung im Christentum kaum anders hätten eintreten können.

Das ist nicht die Wohlstandsmentalität, in der Europas Christentum zur verweichlichten, trägen Wohlstandsgrinsefigur verkommen ist, die ohne das Waten in Versorgtheit und Versorgungshaltung gar nicht denkbar wäre. Und aus demselben Grund die christliche Botschaft zur friedensverschwafelten Luschenbrühe verdünnt, die die Simulation von Liebe, die in Wahrheit gar niemanden berührt und bewegt, am allerwenigsten die die dauernd davon reden, zum Gebot erhebt. Weil man so dem Schmerz der Begnung mit dem Wirklichen, dem Sein, am elegantesten vermeidet, weil man DEM ANDEREN das Schwert des Muts zur Welt und zur Gestalt aus der Hand nimmt. Wo alles eingeebnet ist, ist nichts mehr gefährlich. Weil nichts mehr da ist, nur ausgekaltete Herzen.

Da tut es richtig gut, in den Muslimen - auch - diesen richtigen Impuls der Anti-Moderne zu sehen, aus dem sich so etwas wie "Anti-Amerikanismus" herausdestilliert hat. Denn dazu braucht es heute Heldentum. Man fürchtet im offiziösen Europa aber regelrecht diesen Impuls, diesen Geistesfunken, dessen Gebet ironischerweise die sogenannte "Europahymne" ist - dieses Ineinander von Schillers Ode an die Freude und Beethovens Lebenswerk im Enthusiasmus schloß, in der Erfülltheit mit Gott, im Chor der Schöpfung, in der der Mensch zum wahren Abbild Gottes in der Liebesumschlungenheit von Geist und Fleisch wird. Als Kraft, die wahrlich zu bewegen vermag.

Die Fahne, unter der sich dieser Kontinent angeblich sammelt, und die man in Wahrheit längst fürchtet, genau deshalb weil sie ihre Botschaft sendet. Weil sie da und dort auch europäische junge Menschen erfassen könnte.

Aber es ist diese Haltung des Heroischen, in der sich der Mensch zum Geist der Heiligkeit öffnet, auf daß er darin bade, von diesem übergossen werde, und sich zum wahren Leben im Geist erhebe. Hemmingway hatte völlig recht. Der Mensch ist nur, wenn er liebt. Er ist nur, wenn er heroisch lebt und sich in den Geist übersteigt. Und dort sind wir den Menschen jenes geographischen Raumes, der als islamisch bezeichnet wird, wirklich Brüder. In diesem Funken träfen wir uns wirklich. In jener Männlichkeit, die Hemmingway mit jeder Zeile meint.*

Denen freilich eines fehlt: Jenes Licht, das die Welt erleuchtet hat und erleuchtet, in carnatio, im Fleisch, als Gestalt, und den Menschen der sich zu dieser Gestalt öffnet, zum wahren Heldentum führt. Nicht als tragische Karikatur nach einer Erfülltheit hechelt oder auf eine Erfülltheit wartet (nach wie vor gibt es Strömungen im Islam, vor allem bei den Shiiten, die auf einen Mahdi, einen Erlöser warten), die sie umso mehr verliert, als sie sich danach willentlich explizit streckt.

Das ist dann der wahre Enthosiasmus, die wahre Freude, kein billiges Surrogat der Selbstmanipulation, zu der europäische, christliche Lebenshaltung verkommen ist. Es ist der Geist des Heldentums, der uns erst zu Christen macht, aus dem die Welt überhaupt nur lebt. Das erfassen Heiden, wie Hemmingway, zumindest als das, was dem Menschen wirklich fehlt. Weil sie sich einfach nicht von der Sattheitsmentalität, aus der diese Brühe kommt, die wir als angebliches Christentum durch die Welt spritzeln, einlullen haben lassen können. Zeigen wir allen doch, wo jenes Heldentum liegt, das die gottferne Fleischlichkeit so ersehnt, daß sie nicht auf den Erlöser warten will, den sie nicht sieht, weil wir, geschmackloses Salz, ihn verbergen.









*Oh, er habe sie nicht "gelebt", sondern nur in der Kunst herbeiimaginiert? Wer so redet, weiß nicht, was das Wesen des Künstlers und der Kunst überhaupt ist. Denn des Künstlers Werk ist, und darin unterscheidet er sich in nichts (außer der materia, dem Material) von den Menschen des weltlichen Alltags, des Nutzengeflechts, jenes Medium, in der er sein Leben wirklich lebt und vollzieht. Wie oft wird hier auch von Künstlern ein tragischer Fehler begangen, weil sie dem Druck des Menschseins wie alle anderen es leben erliegen. Und ihren Lebensacker verlassen, und sich auf fremdem Territorium lächerlich machen.



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Freitag, 10. April 2015

Rechts wie Links sind links

Man begeht einen Denkfehler, LINKS und RECHTS inhaltlich festmachen zu wollen. Das geht wenn überhaupt nur beschränkt. Denn es sind vielmehr strukturelle Pole, Pole einer Bewegung aus Ordnung, Festigung, und Auflösung. Eigentlich also sogar Pole aus Männlichkeit und Weiblichkeit. Abe res ist auch die Poligkeit aus Subjektivität (Subjektivismus) und dem Absoluten, dem Objektiven. Schon von hier aus lassen sich viele Linien ziehen.

Welt aber bedeutet eigentlich "rechts". Doch muß dieses "rechts" sich mmer wieder von "links", der Auflösung, dem Rückfall ins Placentoidendasein, durchbluten lassen, weil es sonst zu Tode erstarrt.

Jedes Rechts muß deshalb von einem links immer wieder aufgelöst werden, um sich erneut ins Rechts zu finden. Denn auf Links kann nichts bestehen bleiben, kein Mensch kann sich auf Links halten. 

Also wird auch jede linke Bewegung an einem gewissen Punkt rechts. Die Frage, wie sich das äußert, liegt in den Inhalten, die dann als fundierend zur Maxime erhoben werden. Und hier erst kommt die Frage der Wahrheit ins Spiel.

Die political correctness ist ein typischer Fall einer Linksbewegung, die rechts wurde, der es aber an Wahrheit ermangelt. Das heißt nicht weniger als daß das Denken dieser Bewegung von subjektiven Zufälligkeiten, nicht von der Forderung der Widerspruchsfreiheit, der Redlichkeitsforderung des Denkens auf Übereinstimmung mit dem Tatsächlichen getragen ist. Hier werden Übereinstimmungen mit Tatsächlichem zum bloßen Ausweis, zur bloßen Rechtfertigung. 

Prinzipiell wird ein Mensch durch seinen Werdegang strukturell links oder rechts geprägt: Weil alles aber nach der Art handelt, nach der es ist, ist auch die Vernunft so, wie ihre Struktur ist.* Er hat also eine Grundintention, und diese hängt maßgeblich mit seiner Prägung durch die Eltern zusammen. Schwache Väter, starke, positivistische Mütter werden linke Charaktere erzeugen. Die auch dann links sind, wenn sie rechtes Gedankengut (und sie tun dies dann praktisch immer sehr prononciert, sehr betont) vor sich hertragen. Sie tun es damit auf die Art des Weibes, dem das Rechte immer Fremd sein wird, das es aber braucht und annehmen muß und annimmt, um in der Welt Figur sein, Identität haben zu wollen. Sie wird es immer positivistisch tun, also "rechtistisch", nicht rechts.

Ausgewogenheit dieses rhythmischen Schwingens im Einzelnen, im Kind, im Heranwachsenden kann es nur geben, wenn diese Ausgewogenheit in der wesengemäßen Polarisierung der Eltern erfahren wurde. (Später, im Erwachsenen, der das bewußt erkennt, und diesbezüglich allfälligen Mangel wahrnimmt, ist es zwar nicht unmöglich, aber bereits sehr schwierig, solche realen Strukturen noch nachzubilden. Zumindest wäre viel Geduld und noch mehr Bereitschaft, sich Gewalt anzutun und Schmerz zu tragen, nötig.)

Hält sich ein Mensch - und eine Vielzahl von Menschen, die dann ein geistiges Klima ergeben, einen Zeitgeist - länger am linken Pol auf, wird er als Gegenbewegung, zur Selbstbefestigung (weil niemand im Nichts verharren kann) immer Maximen bilden, die letztlich auf Religion hinauslaufen. Denn der Gegenpol zum Nichts des Linken ist das Absolute des Rechten.

Deshalb wird linke Grundstruktur eines Menschen auch eine entsprechend links (anarchisch) geprägte Struktur eines allfälligen RECHTEN Weltbildes nach sich ziehen. (Während es eine "rechts" geprägte Grundstruktur NICHT GIBT - dem Linken steht auf dieser Ebene die Harmonie der ausgewogenen Polarisierung, die Seinsverankerung gegenüber, die weder rechts noch links ist! Der Kampf Links gegen Rechts liegt also auf einer ganz anderen und sekundären Ebene - ihr gemeinsamer Boden ist Links.)

Das Linke dieser Zeit - und wir leben in einer zutiefst LINKEN Zeit - wird deshalb als Gegenbewegung ein RECHTS hervorbringen bzw. hat es hervorgebracht. Ein Rechts, das aber linke Inhalte in sich birgt, und diese zur Religion erhebt. Rechte Inhalte dienen nur der Befestigung der linken, ungesicherten Basis. Weshalb auch jede Revolution (an sich: links, und zwar: immer links) nach kurzer Zeit nach rechts kippt.

Und nur eine solche Linke Zeit kann auch ein apokalyptisches Szenario als reales Problem definieren ("Klimakatastrophe"), ja muß es fast. In ihm wird das Nichts, das der Linken vor Augen steht, benannt, begrifflich definiert, und (auf sehr interessante Weise also: wahr) zum Hauptproblem erklärt, und als Begründung für ein rechtes System dienen. (Die linken 68er mußten zwangsläufig "Weltkatastrophen" - als erstrangige Bedrohung von ALLEM - hervorbringen.**) Denn das Rechte (und noch einmal: Das Rechte folgt aus der Geprägtheit nach Links) läßt sich nicht anders legitimieren - als durch Absolutheit, durch Religion.




*Dennoch kann die Vernunft selbst (nicht aber die Art, wie jemand sie gebraucht) nie ins völlig Subjektive versinken, denn sie wird immer den Anruf des Seins, des Logos erhalten. Daraus entstehen wieder eigene Antriebe und Motive, weil das Verhältnis zum Sein wiederum subjektiver (und der eigentlich sittliche) Akt ist.

**Die Verlinksung des Papsttums - das Papsttum kann aus seinem Wesen heraus niemals links (auch nicht rechts) sein, sondern muß väterlich, kann aber niemals mütterlich sein - war zwar nicht unabwendbar, ist aber logisch: Ein bereits nach dem 2. Vatikanum, in seinem Charakter aber aus diesem heraus geweihter Priester wird mit höchster Wahrscheinlichkeit linke Grundstrukturen umsetzen, das (ihm "rechts" erscheinende des Seins) links durchtränken. Daß 68er wie Kardinal Schönborn zu den größten Verehrern von Papst Franziskus zählen ist also nur logisch: Hier treffen nicht logische Gebilde aufeinander, sondern charakterliche Strukturen. 

Genauso nachvollziehbar war, daß Alt-68er, wie es das Kardinalskollegium mittlerweile überhaupt konstituiert, einen linken Papst wählt. Erst in der neuen Generation (die aber noch kein Kardinalsalter haben), den Söhnen der Alt-68er, wird als Gegenbewegung ein Rückschwenk erfolgen (können), intentional, in der Praxis aber bereits fast unmöglich. Denn Substanz läßt sich nicht voluntaristisch errichten, sie ist eine ausschließlich reale Frage der mühevollen Prägung von Generationen, und die kann nur gesamtkulturell erfolgen, ist also heute so gut wie auszuschließen, denn dann müßte eine wirkliche,weltumspannende Katastrophe eintreten, die alles auf "Null" wirft. Was dieser Papst also in wenigen Jahren einreißt (und alle, die ihm zujubeln, sind links bzw. bricht in ihnen ihre linke Prägung s. o. durch) wird gar nicht wieder aufzubauen sein.




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Mittwoch, 2. Juli 2014

Ein Schuß ins Knie (2)

Teil 2) Was sich aber noch viel mehr in der Affinität zu Rußland ausdrückt




Denn was sich in dem Propagandakrieg noch offenbart ist etwas ganz anderes. Der Grund, warum Putin und Rußland zunehmend an Glaubwürdigkeit gewinnt liegt nicht an den "Vorkommnissen". Mit Verlaub - die hat jeder nur aus zweiter Hand. Und am meisten die, die "mittendrin" sind. Denn denen fehlt noch wahrscheinlicher als dem externen Betrachter jeder große Rahmen. Wobei die Behauptung hier aufgestellt wird, daß den gesamten Rahmen ... überhaupt niemand kennt. Dazu wurde das Nachdenken über Geopolitik zu lange auf Eis gelegt.

Was sich in der zunehmenden Affinität zu Rußland ausdrückt baut also zwar auf Fakten auf, aber es liegt in einem anderen Umstand: Rußland und Putin vermitteln die Gewißheit, daß es noch eine Politik des Handelns gäbe. Ein Urteil, das die westeuropäische Politik schon lange nich tmehr verdient, die nur noch den Ereignisen hinterherhüpft, als wäre politisches Handeln nur noch das Befolgen von Notwendigkeiten - unfrei.

Aber noch mehr. Es wird klar, wenn man "Argumente" verfolgt, die angeführt werden, und die das Unrechtmäßige an Putins bzw. Rußlands Kurs betreffen. Immerhin, so viele Kommentare und Meldungen, würde doch Putin ständig "Menschenrechte" verletzen. Man beachte doch alleine die "Rechte von Homosexuellen", man beachte die Internetzensur, man beachte generell das was alsl "Demokratie" zu bezeichnen ist - die Freiheit aller von allem, also den Liberalismus. Wo sich aber alles entbindet, alles "von" allem frei wird, bleibt das Nichts. Das, was als Menschenrechte verkündet wird, ist zugleich die Verurteilung zum Nichts, zur Sinnlosigkeit.

Hier zeigt sich eine der Grundaporien des Westens, der "aufgeklärten europäischen Gesellschaften".  Denn der Liberalismus basiert auf einer rationalistischen Selbsttäuschung, er ist in sich irrational, bringen wir es auf den Punkt. Er ist eine Ideologie, nicht weniger als der Marxismus oder Faschismus. Aber wie jede Ideologie gerät er in Konflikt mit der Wirklichkeitserfahrung der Menschen. Liberalismus war (und ist) also ohne entsprechende Verbildung nicht denkbar. Er ist ohne Propaganda nicht denkbar. Für die die "gebildeten Schichten" ganz besonders anfällig sind, nicht nämlich die "armen" Massen, wie - auch das eine Propagandalüge - es gerne heißt. In dieser Feststellung hat jede solide Analyse des Revolutionären (wie jene von Crane Brinton, aber er ist keineswegs damit alleine) sehr recht. Man beachte nur die Realitäten jüngster "Revolutionen". Die einfachen Menschen, sozusagen, sind VIEL WENIGER LEICHT zu täuschen, als die sogenannten Gebildeten.* Deren Bildung meist in nichts sonst besteht als darin, sich in wirklichkeitssfernen Sprachwolken zu halten gelernt zu haben, virtuell ist.

Der (radikale) Liberalismus ist eine utopische Revolution gegen die Wirklichkeit des Lebens selbst und mißbraucht dazu das Wort "Freiheit". Wer wirklich lebt, existentiell lebt - und das sind NICHT die Systemgünstlinge etwa des Westens, die Beamten oder quasi Verbeamteten der dortigen sogenannten freien Märkte, die solches ja längst nicht mehr sind - weiß, daß das Leben auf Urteil und Entscheidung zur Konkretion, aus Verantwortung besteht. Die Welt ist überhaupt nur deshalb Welt, weil sie Festlegung ist. In aller Irrtumsanfälligkeit, in allem Wissen um die Schwachheit und Gebrechlichkeit JEDES Menschen.

Jeder Unternehmer, jeder Mensch dem Freiheit noch ein Anliegen ist, weiß, daß Leben also aus dem Entscheid zum Selbstvollzug besteht. Daß Welt "hinausgeworfen" werden muß, nicht quasi von selber entsteht. Daß also auch Politik und Staat und ZUKUNFT gestaltet werden muß, nicht von selber passiert, weil man sonst ihr Opfer wird.

Europa, die Politik in Europa hat aber keine Visionen mehr. Nur noch Utopien, nur noch "Notwendigkeiten", "Zwangsläufigkeiten". Nur noch Maschinenanalytik. Und nahezu jeder öffentlich gemachte Plan - man denke an die Freihandelszone mit den USA - ist nichts als die Fortschreibung von solchen Zwangsläufigkeiten. Einer Situation, mit der die Menschen aber nicht einverstanden sind. (Hier ist die Rede von Menschen, die noch Wert auf Freiheit legen, und nicht die Eliminierung jeder Form als eine Freiheit mißdeuten, die sie ja gar nicht ist.)

Denn Zukunft heißt Gestalt, weil Welt Gestalt ist. Nicht Bindungsfreiheit, nicht Aufgelöstheit, nicht Erfindung des Augenblicks, je neu vorzunehmen. Sie heißt Fundament in der Gegenwart des Sinns, aus der Vergangenheit, um Zukunft zu HABEN.  

Putin bzw. Rußland zeigt einen anderen Willen. Es zeigt den Willen, Zukunft zu gestalten, ohne sich selbst dabei in eine Willkür der Kräfte, einem Getriebe aufzugeben. Das nicht erkannt zu haben ist das Kernproblem sämtlicher "rechter" Parteien Europas, die nicht zufällig mehr und mehr Anleihen bei Rußland nehmen, weil das "gegen"-Sein einfach nicht reicht. Deshalb haben etwa dieWahlerfolge der FPÖ immer wieder dieselbe Bewegung: sie erreichen einen Plafond, und brechen dann wieder ein. Sie sind nicht zukunftsfähig, weil sie keine Sinndimension haben.

Was aber die Menschen von (höherer) Politik wollen ist nicht einfach nur Vision, und schon gar nicht Utopie, die Vision zu sein ja nur vortäuscht. Und schon gar nicht wollen sie summarisch-technische "Lösungen". Sie wollen eigentlich ihre Art zu leben aufrechthalten, Gegenwart, und dazu, das weiß jeder der es noch mit Wirklichkeit zu tun hat, nicht alles Faktoren durch eine Rundumversicherung gegen alles und jeden zu besitzen meint, braucht es immer aktive Gestaltung. Vision. (Nicht Utopie, die die Lebensart ja verändern will.) Diese Erfahrung wird durch einen Grundantrieb von ALLEM  Seienden genährt.  

Das  nämlich zutiefst weiß, daß es sich aktiv im Dasein HALTEN muß - als Akt, nicht einfach als Funktionsvollzug. Der Mensch, schreibt deshalb Ortega Y Gasset einmal überspitzt, ist in seinem Wesen "utopisch". Man ist nur (und wie gerne würde der VdZ nun einige so erhellende Analysen der Sprache und ihrer Zeitbezüge darlegen, alleine ...) im Bezug zur Zukunft gegenwärtig. (Eine Wahrheit, die ja die Utopie pervertiert.) Und das ist das Wesen der Männlichkeit.

Oh nein, Herrschaften - Männlichkeit hat keineswegs ausgedient, nur weil mit Steuergeldern aufgezuckerte, nie abgenabelte Akademiker- und Politikertrottel das verkünden. 

Und diese Männlichkeit, dieses Menschsein (das in seinem Wesen Männlichkeit ist, so wie alles Seiende bzw. Welt es ist, wenn es auch nur auf dem Boden des Weiblichen zu stehen und zu werden vermag - das Wesen der Welt ist Ehe!) wird durch die Russen und Putin quasi personifiziert. Durch ihr Handeln. Das signalisiert: Wir gestalten! 

NOCH heißt das keineswegs, daß die Menschen Westeuropas deshalb Putin hinterherlaufen. Aber wenn man es hierzulande nicht begreift, und wie sollte das geschehen, wird es so (in dieser nächsten Perversion) enden.

Und davor haben die Politiker des Westens - wer von ihnen ist kein Muttersöhnchen? - schlicht und ergreifend Angst. Ja, sie haben MIR RECHT davor Angst, denn sie wissen nicht, wie dem zu begegnen wäre. Wissen kein Gegenrezept gegen ihre Seinssschwäche. 

Denn das liegt nicht in EZB-Geldern und fiktiven Krediten, mit denen (wie derzeit: der Ukraine) gar nicht geholfen, sondern neuerlich das Ausblühen des Wirklichen nur hinausgeschoben wird. (Und wenn man der Ukraine noch fünfzig Milliarden hintenreinschöbe und bald hineinschieben wird - es wird das Land nur noch weiter destabilisieren, weil auch jedes "geschenkte" Geld eine Volkswirtschaft als Geld-Arbeits-Gefüge destabilisiert ... Wenn wir seit sechs Jahren etwas deutlich sehen können dann das, daß sich volkswirtschaftlich betrachtet Kredit von geschenktem - das heißt auch: künstlich gemachtem - Geld in keiner Weise unterscheidet, beides währungs- und finanztechnisch absolut konvertibel ist**)

Putin ist nahezu der einzige europäische, aktive Politiker, der dies zu wissen scheint. Der zu wissen scheint, daß es darum geht, die Zukunft in die Hand zu nehmen. Auch wenn man einmal irrt. Und um das zu sehen braucht es gerade nicht Propaganda der Medien. Dazu braucht es nur den offenen Blick auf Tatsachen. Und gegen die ist jede Propaganda machtlos. Ja. Propaganda ist einfach nur dumm, wenn sie meint, Tatsachen ignorieren zu können***. Die westliche Propaganda aber war und ist ... dumm.

Oh nein, die Menschen Europas wollen nicht Politiker, die mit Glubschaugen stammeln, daß sie nicht anders könnten, und dabei gar nicht anders wollen. Sie wollen Politiker wie zwar um Notwendigkeiten wissen, aber nicht vergessen, daß Leben heißt, sich selbst zu ergreifen, und in die Zukunft vorzustrecken. Nicht - sich zu verkaufen, um sich irgendwelchen Dynamismen auszuliefern.

Das alles aber äußert sich nur chthonisch, stellvertretend an einem fernen Objekt. Als Kampf der Sinnbilder. Für den Diskurs ist die Propagandadecke im Westen bereits viel zu dicht, zu existentiell, zu bedrohlich, zu aussichtslos, vor allem aber zu irrational (denn der Westen ist zutiefst irrational; er ist eine dämonische Willenskrake). Die Menschen wagen es nicht mehr, sie zu durchstoßen, weshalb ihnen auch das Rüstzeug fehlt, es zu tun - die Sprache, das Denken. Die Revolution frißt ihre eigenen Kinder. Man glaubt der Politik nicht mehr. Man glaubt nur Sinn, nicht Begründungen.

Aber deshalb wird es Europa zerreißen bzw. wurde es deshalb bereits zerrissen. In eine Nomenklatura, in eine Politikerkaste, in eine Bürokraten- und Technikerkaste, in eine Pseudoelite, die an ihrer Illusion festhält - und Politikern, und Menschen, und Wahlvölkern, die ihr Leben in die Hand nehmen. Auch ums Risiko, mal zu irren. Aber wer einfach festhält, irrt prinzipiell. Nur Sinn gibt Halt, Zukunft. Kein "Stabilitätspakt".

Europas Bevölkerung hat zunehmend die Muttersöhnchen (und: endlich) satt, die es seit fünf Jahrzehnten beherrschen. Samt ihren sogenannten "Werten".




*Der VdZ ist deshalb zeitlebens immer viel lieber in schlichte Kneipen gegangen, als sich in "gebildeten Kreisen" aufzuhalten, wie es ihm oft und oft abgenötigt war. Aber es war stets nur anstrengende Zeitverschwendung. Die einfachsten Leute und Arbeiter haben nach wie vor den klarsten Wirklichkeitsbezug und -verstand. Auch wenn sie von allen Seiten entmutigt werden sollen.

**Das wäre mal eine fundamjentale Kritik des Papstes gewesen, der doch dauernd über Wirtschaft und Geld lamentiert und sich im medialen Geklatsche sonnt. Aber was will man - von einem Muttersöhnchen?

***Siehe etwa (denn nur den flüchtigen Internet-Worten des VdZ glaubt ja niemand) Jacques Ellul. In Buch-Ausgabe.






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Dienstag, 1. Juli 2014

Ein Schuß ins Knie (1)

Aufgelistet werden Beispiele in teilweise recht eigenwilligem Englisch: „Your nation is a nation of complete idiots.“ Das wurde offenbar in einem Medium mit moderierten Kommentaren geschrieben. Dahinter steht: „Nicht publiziert“. Oder: „Obama did shit his pants while talking about foreign affairs, how you can feel yourself psychologically comfortable with pants full of shit.“ Auch dieser Beitrag wurde nicht veröffentlicht. Im Anschluss gibt es Beispielsätze für Portale ohne Moderation, dort wurden alle Einträge freigeschaltet. Etwa: „Can you live in America without antidepressants? I think nooo.“

Das ist ein Kernstück eines Artikels in der FAZ, in dem die an dieser Stelle bereits besprochene Auffälligkeit, daß in den Zeitungsforen die pro-russischen Kommentare (schon gar im derzeitigen Konflikt mit der Ukraine) so deutlich überwiegen, als von Moskau gesteuerte Kampagne bloßgestellt wird.

Nun, mit solchen Diktionen läßt sich nicht weiterkommen. Sie sind nicht nur übliche Winkelzüge von Propaganda, sondern sie haben allesamt einen gewaltigen Kern an Wahrem. Und zwar nicht nur dort, wo - wie die FAZ "aufdeckt" - ganze russische Unternehmen dafür gegründet wurden, die Medienwelt der Welt zu unterminieren. Die Anzahl von Unternehmen, die sich nur der "Manipulation" öffentlicher Meinung widmen, ist wohl bereits beträchtlich, weltweit, und auf allen Seiten. Und wer als Konzern egal welchen Geschäftszieles meint, erfolgreich sein zu sollen, beschäftigt ganze Horden von "normalen Bürgern", die im Internet ihrer "Meinung" freien Lauf lassen.

Worin läge also hier Beweiskraft für oder gegen jemanden? Worin, ob eine Meinung richtig (= auf  Wahrheit aufbauend) oder falsch (= gezielt desinformierend) ist? Wer die Entstehung von Meinung als Haltung zu etwas generell betrachtet weiß außerdem, daß es so etwas wie eine "freie Meinung", die also autonom und autarkistisch entstanden ist, gar nicht gibt. Diesen Unsinn zu vertreten blieb den Kohlköpfen der Aufklärung und des Rationalismus vorbehalten. Der Mensch empfängt Sprache, empfängt damit Inhalte, und empfinge er sie nicht, hätte er gar keine. Seine Lebensaufgabe besteht also nicht darin, sich von diesem Empfangen abzukoppeln, sondern sie ob ihrer Übereinstimmung mit seinem Gewissen zu prüfen.

Die Beschwerde, daß es Meinungsmanipulatoren gibt, Leute, die das versuchten, ist also schlichtweg kindisch. Wenn die Politik der Demokratie heutigen Zuschnitts von der "Freiheit der Medien" als Grundbeindung faselt, so tut sie dies um die Manipulationswirkung einer bestimmten (leider meist nicht einmal gekannten) Minderheit zu schützen. Oder, wie es jemand einmal formulierte: "Die Freiheit der Medien ist die Freiheit einer kleinen Minderheit von 2-300 Leuten, ihre Meinung zu verkünden." Und dieser existentiellen Kraft einiger Herausgeber fügen sich dann Heerscharen von Journalisten. Das skizziert im wesentlichen die Medienlandschaft der Welt. Links wie rechts, Ost wie West, Rußland wie China oder USA oder Brüssel. Und der Sozialstaat ist überhaupt die effektivste Methode der Hörigmachung ganzer Bevölkerungen, die in "aufgeklärten Mediendemokratien" kritisieren soll, wovon sie abhängt. Das betrifft auch, ja vor allem besonders "radikale" Elemente, oder titelabhängige "Eliten", deren Radikalität höchst häufig in direkter Korelation zum Zähneknirschen steht, mit dem sie ganz zufällig existentielle Versorgtheit so hoch stellen, daß sie Freiheit und Mutlosigkeit gerne einmal niedriger bewerten. Aber - nicht einmal das wollen wir verurteilen. Mein Gott, der Mensch ist, wie er ist. 

Und wir sollten das Meinungsgeraäusch im Internet ohnehin sehr sehr niedrig relevant bewerten. Das davon lebt, daß allen eingeredet wird, es sei hoch wichtig. Was von den allermeisten ohnehin mit gewissem Grunderstaunen quittiert wird, weil ihre alltägliche Lebenserfahrung so gar nicht mit den Erkenntnissen, die die Medien vorkauen, übereinstimmen will.

Worüber also geht die Beschwerde? Geneigter Leser, der VdZ hat hier einen Verdacht. Es geht um die größere Geschicktheit, mit der die Russen offenbar - wenn - die westlichen Medien manipulieren. Denn wenn jemand den Amerikanern um die Ohren schmeißt, daß ihre Gesellschaft krank ist, weil sie ohne Psychopharmaka das Leben in diesem Land kaum noch erträglich sein läßt, so - hat das einen gehörigen Batzen Wahrheit. Wie bei oberflächlicher Recherche nachzuprüfen, steigt der Konsum von Antidepressiva in den USA derartig dramatisch, daß eine Aussage wie oben, die die FAZ als einen Höhepunkt der Perfidie anführt, als so wahr erscheinen läßt, daß man den Russen dankbar sein muß. Kein Kabarettist, kein Kritiker der Zeit könnte es klarer ausdrücken. Die Russen erfüllen also hiermit eine Aufgabe, ddie die Kunst in den USA kaum noch erfüllen kann. (Wobei: Wenn eines typisch ist für Amerikaner, so ist es ihre Selbstironie.) Da will ein Land der Welt das Glück vorschreiben, das sein eigenes Leben nur noch mit einer Fuhre Stimmungserheller erträgt. Das bereichert jede Lennox-Show, und gibt garantierte Lacher von Millionen, die sich erkannt sehen. Die ... zustimmen. Das sei wahr.

Das macht vielleicht die russischen Poster (wenn es sie denn, und in dieser Form, gibt, wobei: das will der VdZ sogar glauben, es stimmt zu sehr mit der heutigen Welt - überall - überein) so glaubwürdig. Sie scheinen etwas zu sagen, was mit der Wahrnehmung der Leute übereinstimmt. Wenn also den so überaus braven, objektiven Journalisten Welt-Medienlandschaften nicht geglaubt wird, so liegt das wohl eher nicht daran, daß die Menschen manipulierbar sind wie Ötkers-Pudding. Daran glauben nämlich nur bestimmte Menschen- und Meinungsgruppen. Sondern weil die Russen es verstehen, wahre Kerne anzusprechen.

Vielleicht, weil sie es leichter haben als die Amerikaner? Vielleicht, weil ihre Politik einen deutlichen Funken weniger widersprüchlich, aber einen gewaltigen Funken logischer ist? Wie glaubwürdig will eine EU sein, die, wie sich nun herausstellt, ein Assoziierungsabkommen mit der Ukraine längst in der Schublade liegen hatte, und unter Milliardenzahlungen die nun erst so richtig demokratisch (weil passender) gewählte Regierung dazu bringt, flux diese auch endlich zu unterzeichnen? Worüber will sich Brüssel da beklagen? Daß das nicht nur stinkt, sondern daß ihre Kampfposter in den Foren der Medien einen schweren Stand gegen die flockigen Kabarettisten der Russen haben, denen man es ziemlich leicht macht: weil die mit dem Rückenwind der Fakten agieren können?

Gewißheiten, geschätzte Leser, geneigte Spekulanten, entstehen ganz anders, als welke Medientheorien materialistischer Titelhamster (pardon: Akademiker, die gerne auf freies Denken verzichten, wenn sie durch Institiutionenkriecherei endlich, endlich jene Autorität erlangen, formell, deren sie kraft ihrer persönlichen Wesensbestimmung nicht in der Lage sind) einhämmern wollen. Gewißheiten sind ein äußerst seltsames Pflaster ... und sie sind in ihren Fundamenten streng genommen ... ein unmanipulierbare Kern jedes Menschen.

Man kann sie bestenfalls noch ... verleumden.

Aber den Menschen zu sagen, daß ihre verbalen Meinungsstrukturen empfangen sind - das heißt, Eulen nach Athen tragen. Das funktioniert nur, wenn man den Menschen gleichzeitig den rousseauschen Unsinn einbleut, jeder Mensch würde die Welt neu erfinden können und müssen. Deutungsbilder sind das Wesen der Tradierung, ohne die Kultur undenkbar ist. Vorsicht deshalb, auch an die FAZ gerichtet, sonst könnte der Schuß ganz schnell nach hinten losgehen, und ihre kulturbewahrende Funktion, die der Zeitung immer noch zugedankt werden muß, könnte sich in Nichts auflösen. Gerade der vor kurzem verstorbene und mit oft genug grotesken (weil von der Zeitung inhaltlich gar nicht  mehr gedeckten) Nachrufen bedachte Herausgeber Frank Schirrmacher, wußte nämlich um diese fundamentale Funktion seiner Zeitung. (Von österreichischen Zeitungen will man da ohnehin gar nicht mehr reden, die sind längst und ausnahmslos Afterdreck am Stecken der Zeit.)

Die Manipulation funktioniert nicht, WEIL Deutungsbilder weitergegeben werden! Kein Mensch deutet die Welt "aus sich". Sie funktioniert, wenn existentielle und identitäre Mechanismen dabei betätigt, werden, die eigene, auf der höchst subjektiven "kleinen" Welterfahrung beruhende Plausibilitätsprüfung ausschalten wollen. Es mag durchaus sein, und wäre verständlich, wenn im Westen erstaunlich hohe Bereitschaft vorherrscht, russischen Deutungsschemata zu folgen. Aber das wäre dann nicht mehr als eine Aussage über die Unglaubwürdigkeit des Westens.

Und Berichte wie die erwähnten, die durch sämtliche Medien geistern, sind dann nicht mehr als das Jammern der Muttersöhnchen, daß ihre eigene Manipulation nicht den Erfolg hat, der ihr doch formal zustünde.



Morgen Teil 2) Was sich aber noch viel mehr in der Affinität zu Rußland ausdrückt




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Samstag, 19. April 2014

Ein Brainblower

Er ist nicht der große Gesellschaftsanalyst, und er ist nicht der Philosoph, der die Dinge auf ihren wahren Ursprung hin zu durchdringen sucht. Versteht man aber Akif Pirincci's Buch "Deutschland von Sinnen" als Aufruf zum Mut zum gesunden Menschenverstand, so darf man es als wirkungsvolles Aufrütteln zu sich selbst genießen. Nicht, daß man solche Bücher ständig lesen sollte. Denn die Ideologisierung hilft der Gegen-Ideologisierung nicht weiter, sie treibt sie zum Kentern auf der Gegenseite. 

Die frische Art, in der Pirincci aufschreit, weil wir mit einem Unsinn tagtäglich zugeschüttet werden, den als solchen zu bezeichnen niemand mehr wagt, was nämlich tatsächlich bereits existenzbedrohende Ausmaße angenommen hat, tut dann aber sehr gut. Und sie eignet sich, das Gehirn wieder mal durchblasen zu lassen. Deshalb ist seine Lektüre eine Empfehlung. Daß sie von einem quasi Konvertiten stammt, ist typisch, denn Anstöße zu großen Veränderungen - aus geläutertem Blick, dem aber zugleich das Mangel des Positivistischen anhaftet - kommen immer von Außen, von den Randlagen, nie aus der Mitte.

Manches, was der türkischstämmige Deutsche da schreibt, ist sachlich nicht oder nur halb richtig, schon gar wo es auf Ursachenzusammenhänge geht, und bleibt nur auf der Ebene der Phänomene stichhaltig. Wo er in sehr vielen, ja den allermeisten Dingen absolut richtig sieht. (Seine neutrale bis ablehnende Haltung zur Religion wollen wir ihm nachsehen, sie betrifft ja eigentlich deren Ideologisierung, wo er wieder recht hätte, samt einer völligen Unkenntnis des Christentums. Aus dem nämlich jene Werte und Haltungen stammen, die Pirincci Deutschland so positiv zuschreibt. Aber das hat er ja mit dem Großteil der Deutschen - und Österreicher - längst gemein.) 

Aber als längst notwendiger Rülpser - mit viel Humor gewürzt - gesehen, als längst fälliges Erbrechen nach jahrzehntelanger Überfütterung mit Unsinn, der in seinem unbedarften, persönlichen Ton damit keineswegs "unter der Gürtellinie" bleibt, sondern der Sache angemessen (!) ist, und deshalb nur so in dieser Art geschrieben werden kann und soll, sollte man sich beim Kauf beeilen. Es ist Realismus! Und schon deshalb ist es bei anhaltender Lage durchaus wahrscheinlich, daß man in wenigen Jahren solche Bücher gar nicht mehr veröffentlichen oder öffentlich kaufen kann. Seine Sprache, den Freimut, mit dem der Autor dreinschlägt, hat nichts Störendes. Sie verstößt nur gegen jene Betulichkeit, oder jene Pseudo-Wissenschaftlichkeit, vor allem aber gegen Bierernst und völlige Humorlosigkeit, mit der heute wie immer die böse und niedrige Absicht und Charakterlosigkeit sich gerne umhüllt, um eine Geistigkeit vorzutäuschen, die sie gar nicht hat. Denn der heutige Zeitgeist ist vor allem eines: er ist geistlos. Die heutigen Ideologien sind in Wahrheit so gut wie immer banal und primitiv, ihre rationalen Unterbauten bloßer Schein, der die so handfesten, realen Spuren verwischen soll.

Aus solcher Stimmung aber wird der Umschwung kommen, da stimmt der Verfasser dieser Zeilen mit Pirincci völlig überein. (Neben so mancher praktischer Forderung, die sich auch auf diesem Blog in ähnlicher Form längst findet.) Bleibt es freilich bei einer Stimmung, und das ist leider zu erwarten (auch hier ist Realismus angebracht), wird die dann irrational bleibende Gegenbewegung, die weil sie aus der Natur des Menschen (der ja heute so zuwidergehandelt wird) genährt wird, zwar vieles an Falschem über Bord werfen, aber ihr wird die Kraft fehlen, konstruktiv Besseres dagegenzustellen.

Stephan Hassel's "Empört Euch", das vor einigen Jahren so großes Aufsehen erregte, hat kein Empörungspotential (und entsprechend ist es auch verpufft, sieht man von künstlicher Aufregung ab), das über die linke Gesellschaftsphantasie hinausgeht, und damit den Teufel mit Beelzebug auszutreiben versucht. Akif Pirincci's "Deutschland von Sinnen" aber hat dieses Potential, initial zu wirken.





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