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Mittwoch, 8. September 2021

Durchtränkt vom Weibelichen

Heute feiert die Kirche das Fest Mariä Geburt - Eine der Folgen der Feminisierung (das Wort Matriarchat möchte ich nicht für die Gegenwart verwenden, es erscheint mir unzulänglich und oberflächlich) der Kultur ist, daß sie einen Mutterkuchen herausbildet, dessen Logik nicht die Logik ist, sondern die Ästhetik. Die selbst wiederum - ganz Frau - in der Befindlichkeit gründet, die in der gleichfalls schwimmenden Zeit treibt.
Aber jede Frau formt sich - ganz und immer und der Grammatik folgend Mutter in ihrem Verhältnis zur umgebenden Welt - ihre Kinder. Ihre Bindung ist leiblicher, geformter, angenommener wie übergebener Natur, in der sie die Welt nun halten, wenn kein Mann mehr das Schwert in die Hand nimmt und den trennenden Schlag vollführt. 
Aber wo wollte der Held sein Haupt betten, wenn nicht am Bette der Gewöhnung und Sitte? Diese Macht aber, die gehört wieder ihr, sie ist die Herrin der Macht der Gewohnheit, ohne die die Welt nicht existieren kann. Weil sie sonst wie der Komet, der nicht zum Sternsein fand, verglüht. Noch jeder Samson fand seine Delilah, noch jeder Prinz wurde in einen Frosch zurückverwandelt.
Und so formt sich die Gegenwart, die Generation der Frauen-, nein, der Mutter-Gefälligen*, die zugleich die Rolle der "Philosophen" spielen:

Sonntag, 25. April 2021

Gedankensplitter (1156)

Wenn wir aber schon von Wissenschaft als Kunst reden, wenn wir das also soweit bereits erkannt haben, dann stehen wir unmittelbar vor dem Wesen von Wissenschaft. Das als "Manipulation" abscheulich fehlgedeutet worden ist. So sehr, daß der heutige Mensch überhaupt schon glaubt, daß das der Sinn von Wissenschaft sei: Technik. Lernen, die Welt zu manipulieren.

Montag, 22. Juni 2020

Bonelli, der Psychiater in der Unterwäsche

Aber wollen wir doch, zum Nachstreuen sozusagen, noch etwas aufgreifen, was bei Raphael Bonelli fast zum Markenzeichen in der Corona-Krise wurde. Wo er in sehr kurzen Abständen Videos ins Netz zur Veröffentlichung über Youtube stellte, in denen er - typisch Liberaler - über den Corona-Wahnsinn zu jammern begann, sobald er davon selbst gestört wurde. 

Denn auch er, wie die allermeisten, haben sich erst als Kritiker gemeldet, als der Urwald bereits gerodet, das Feld weit und übersichtlich, und die Kritiker sich unter zahlreichen ihresgleichen wußten. Daß das, was sie nun als so "offen erkennbare" Schrecklichkeit vorfanden, einige Wochen oder Monate zuvor zum einen (dem Sehenden) erkennbar, aber da noch zu verhindern gewesen wäre, spielt dann keine Rolle mehr.

Aber wir wollen hier nicht weiter des Psychiaters und Arztes Thesen und Sichtweisen zerlegen, sondern wir wollen nur das T-Shirt heranziehen. Denn eigentlich, eigentlich erklärt es selbst schon alles. Wie immer eben: Die Wahrheit steckt in der Gestalt. Die Tiefe liegt, wie Albert P. Gütersloh es einmal elegant formulierte (und was jeder Psychologe sofort bestreitet, ja angreift), die Tiefe liegt außen

Wenn also als Merkmal der Psychologie, die sich im 20. Jahrhundert auf der Grundlage von Sigmund Freud vor allem so rasant zur Welt- und Menschenerklärungsmaschinerie entwickelte, die in Wahrheit alle auflöst und verwirrt und zerstreut, weil total relativ macht (was mit wissenschaftlicher "Neutralität", Wertungslosigkeit begründet wird), wenn also das Merkmal der Psychologie das Innen nach außen zu stülpen ist, so passiert das genau bei dem, der ein T-Shirt als gültige Letztbekleidung verwendet. 

Denn das T-Shirt ist ein Unterleibchen. Es ist auch dann noch ein Unterleibchen, wenn es wie seit fünfzig Jahren (und heute endgültig allgemein) als Außenbekleidung getragen wird. Und es bleibt ein Unterleibchen, wenn es selbst bei nobelsten Anlässen für modisch und tragbar erklärt wird. Das zeigt nicht, daß es "salonfähig" wurde, sondern es zeigt, daß das Tragen von Unterwäsche allgemein als ausreichend gesehen wird. 

Daß es sich von der Mundl-Ästhetik des Rippchenleibchenträgers, der am Küchentisch sitzt, eine Flirt raucht, und ab und zu an seiner Bierflasche nippt, während der Fernseher läuft, unterscheidet, liegt an dem simplen Umstand, daß es in dieser Form ein Unterwäscheteil amerikanischer Soldaten war. Also in den USA geboren wurde. Aber interessanterweise ging es nicht zu jenem Zeitpunkt in unseren Kulturschatz über, als diese Soldaten tatsächlich unsere Länder besetzt hielten, sondern kam mit den Hollywood-Filmen, und einigen der von Hollywood gemachten (man kann das wörtlich nehmen) Ikonen der Gegenwart. 

Man kann und sollte übrigens - nicht nur hier - sich wieder angewöhnen, jedes Wort wörtlich nehmen. Wir haben in der Sprache ein sehr analoges Problem, zu dem bei T-Shirts, Dinge, Gestalten sind eben "Fraktale", so könnte man es sehen. Sie sind in allen Größen, Bereichen, auf allen Ebenen von derselben Grammatik gestaltet und geprägt. Wer die Grammatik des Seins - die Trinität! - kennt, sich bemüht sie zu erkennen, wird deshalb die gesamte Welt einordnen können. 

Soviel sei damit auch zur Überlegenheit von Experten gesagt. Die nur dort überlegen sein können, können!, wo und weil sie quantitativ dem Laien überlegen sind. Und weil die Intensität der Beschäftigung damit, mit der Quantität, vielleicht noch geholfen hat, die innere Charakteristik der Dinge durch allen Momentschein hindurch schneller und schneller klar zu erfassen. Umgekehrt hat jeder Laie den immensen Vorteil, sich nicht von Details geplagt und verwirrt über den Gesamteindruck (der meist ein instantaner, also der erste Eindruck ist) sofort der Gestalt zuzuwenden, denn die begegnet ihm zuerst. 

Und von dort aus die Charakteristik des Ganzen (das sich im Detail nur als Fraktale fortsetzt, wie gesagt) zu erkennen. Dieser Charakteristik muß dann auch alles sonst folgen, was an Detail noch ins Spiel kommt. Und es ist von großer Bedeutung, über die Details nicht diese Gesamtcharakteristik aus den Augen zu verlieren. Genau deswegen fällt ja heute auch auf, daß die sogenannten Wissenschaftler sehr oft ihre Autorität über Details unterstreichen wollen, in denen sie natürlich dem Laien überlegen sind. 

Aber sie wollen damit in den allermeisten Fällen nur die Autorität behaupten, indem sie den Laien verwirren wollen. Dem sie einreden, es wäre wissenschaftlich, wenn man bereit sei, sich über das Detail die Gesamtcharakteristik als unzutreffend aus der Hand schlagen zu lassen. Dazu zählt auch der Bezug auf berühmte Namen. Was Bonelli gerne mal tut, indem er Freud oder Jung oder irgendeinen anderen Autor in die Runde wirft.

Aber Details, Einzeldinge, Teile eines Ganzen unterscheiden sich voneinander nur durch den Wirkbereich, der ihrem Wesen, ihrer Art, ihrem Ort in der Ordnung der Schöpfung entspricht. Die Grammatik, die Charakteristik (so könnte man auch sagen, aber der Begriff hält nicht immer) des Selbstseins eines Dings - und weil etwas nur es selbst ist, wenn es tätig ist, sonst zerfällt es ins Nichts, bedeutet auch das ein aktives Tun und Wirken - ist immer von ein und derselben Charakteristik geprägt. Im Ganzen wie in allen Teilen.

Je integrierter ein Teil ist, zu je umfassender Eingliederung das Prinzip des Ganzen ist, desto mehr. Das heißt also, daß auch ein T-Shirt, dieses Unterwäscheteil, zu einer handfesten Aussage über die Gesamtheit einer Person heranzuziehen ist. Schon gar, wenn es nicht als Einblick in ein intimes privates Geschehen gelten soll, sondern als Bekleidung bei einem Auftritt vor einer Öffentlichkeit, die in die Zehntausende geht.

Bei Bonelli ist (wie bei praktisch bei jedem seiner Branche) der Formverzicht also grundsätzlich und charakteristisch. Wobei man bei Psychologen eigentlich sagen müßte: Die Unfähigkeit zur Form. Form widerspricht nämlich dem Wesen der Psychotherapie, wie sie heute verstanden wird. Sie würde definieren, den Patienten festlegen, in einer Beziehung Formelles fordern, und das würde der Universalität des Herumstocherns in den Seelen widersprechen. (Na und wie erst dem Wissenschaftsgebot, eh schon wissen.) 

Die Psychologie des 20. und erst kürzlich begonnenen 21. Jahrhunderts ist eine Rhetorik des Formverlusts. Das ist ihr Merkmal, das auf ein Menschenbild zurückgeht. Wobei man eigentlich sagen müßte, daß diese Gestaltlosigkeit das Menschenbild selbst geformt hat. Es war also zuerst (!) der Abbau der Formen in dieser Kultur, der DANN die Thesen formte, nach denen gedacht wird. Denn diese Formbarkeit nach einer Kultur, also nach den Formen, nimmt im selben Maß zu, wie die Abnabelung von der Vergangenheit, die Mißachtung der Tradition, also der Aktualismus zunimmt.

Also trägt auch Bonelli die Standes- und Zeittracht - das T-Shirt. Also tritt er in Unterwäsche an die Öffentlichkeit. 

Schön von einem Hintergrund untermalt, in dem ab und an auch ein Kind (jünger an Jahren als sein Erzeuger) auftritt (wie menschenfreundlich, wie kinderfreundlich sind wir doch heute! Das gehört zu einer lieben, guten Person heute doch dazu!? Schon gar mit katholischem Unbedenklichkeitsausweis?) 

Inmitten einer Wohnumgebung, die der VdZ nur zu gut kennt ... Häuser, die "individuell" gestaltet, "ganz nach den Wünschen" der Häuselbauer errichtet wurden, mit Schrägen und in Dachböden eingepaßten Regalen mit (richtig!) Taschenbüchern. Praktisch ist das neue Paradigma, auch in der Ästhetik, diesem Zeitstil, der gar kein Stil mehr ist, denn dazu müßte er von Formbedürfnissen ausgehen, nicht von Funktionen. Man denkt aber heute nicht mehr von den Gestalten her, und deren Anwägung. So sehen dann auch die Häuser aus. In der Psychologie wie in der Architektur. Fraktale, auch hier!

Und so wird vor allem gelebt, so ist die Lebensweise: Das Funktionale ersetzt die Form und ist Ausgangspunkt der sich dann ergebenden Form. Man baut heute die Häuser von innen nach außen. Angeblich. Man setzt sich zuerst mit den technischen Anforderungen auseinander, und diese beantwortet man. Das alleine ergibt dann die Form. Was in der Architektur mehr und mehr zur Verwendung von Glas geführt hat, mit Innenwänden, die jederzeit änderbar sind, mit Außenhüllen, die sich irgendwelchen Formvorstellungen einfügen, mit der Gestalt der späteren Bewohner aber nur noch technisch, nicht in der Beziehung als Gestalt eines Ganzen zu tun hat. Diese wird bestenfalls "erklärt". 

Wobei viele Bücher in der Psychologie tatsächlich nur in Broschur erhältlich sind. Auch hier also Formverzicht als Prinzip. Das Argument des "leistbaren Preises für notwendige Literatur" ist jedoch ein (oft gehörtes, aber nie zutreffendes) Scheinargument, auf das wir nicht weiter eingehen wollen. In Wahrheit ist nämlich auch der Preis, ja gerade der Preis, eine Aussage der kulturgeformten, kulturimmanenten Beziehung von einem Ort beziehungsweise zu einem Ort, aber lassen wir das jetzt.

Die Psychologie des 20. Jahrhunderts hat sich auf dieselbe Art entwickelt. Sie ist ein Etikettenschwindel, das heißt, sie erklärt ein und dasselbe Phänomen (Ding) zu "etwas anderem", gibt nämlich vor, daß das, was ein Ding ist, von einem selbst und beliebig definiert werden könne. Was die gesamte Welt unendlich reduziert.

Was sich heute als Seelenkunde offenbart, ist der Regress auf die Auflösung aller Formen. Diese werden als "starr" und die Freiheit "be-/verhindernd" angesehen. Will man zur wirklichen Seele (Schluß mit den Anführungszeichen, es würde nur so wimmeln davon) vordringen, muß man somit wie ein Kind werden. Denn auch das Kind hat noch keine von sich aus geprägten, und nur wenige von außen auferlegten Formen (als ausgeprägte, gehaltene, gestaltete Beziehung). 

Und einem Kind verzeiht man schon mal, wenn es in der Unterwäsche herumläuft. Denn es hat das Schamgefühl noch erst nur auf den eigenen Leib bezogen.  Noch nicht auf die weiteren, immer mehr kulturbezogenen Kreise, zu denen Bekleidung dann gehört. Wer Welt und in der Welt ist, ist das nur in der einen oder snderen Form "bekleidet". 

Und hier entwickeln sich Normen aus der bloßen Leibgrenze hinaus zum Sollensgebot - Gebot, weil es auf die Selbstüberschreitung ankommt, nicht aufs "wie ich mich fühle" o. ä. - auch in der Kleidung. Ohne bloß relativ zu sein. Auch in der Kleidung steckt jene archetypische Wesensbewegung, die von Grundformen ausgeht und diese in je nach Kulturhöhe in immer subtileren, feineren, quantitativ wie qualitativ diffizileren Formen (wie im Fraktale) weitertreibt.

Also bleibt Unterwäsche immer Unterwäsche, wo die Grenze zur Außenwelt noch gar nicht ausdifferenziert ist! Wie es der Massenmensch etwa zeigt.

Der Priester tritt deshalb nur im Talar auf. Der VdZ hat einige Beispiele dazu im Netz gesucht und gefunden. Selbst für Liberale gilt da: Sogar sie tragen meist Talar, wenn sie sich direkt an ein Publikum richten, also die Gestalt Priester bedeutend ist. Zumindest haben sie Priesterkleidung, schwarzer Anzug und römischer Kragen trifft da ebenfalls den Dresscode. 

Was es im Vergleich damit über einen Psychiater sagt, dessen Beruf es (wie der des Priesters) ist, seelisch Kranken oder Bedürftigen zu helfen, wenn er in der Unterwäsche als Kind vor die Menge (und in welcher Größe, in welcher Unkontrollierbarkeit, also Bedeutungsgestaltung der Begegnung, die immer eine Begegnung "als" ist: Youtube!) tritt, mag nun dem Leser überlassen bleiben. 

Denn wie gesagt: Die Tiefe liegt außen. Jeder kann die Grammatik des anderen sehen, die sich als Fraktale entfaltet. Die Verwirrung dieser Zeit liegt deshalb in der Schizoidität als Grundströmung, in der nichts mehr sein soll, was es ist. Und als was man es untrüglich erfaßt. Im Anfang. Ehe die begriffszerstörerische Sophisterei der Psychologie beginnt.



*290520*

Montag, 10. Juni 2019

Nur hat niemand darüber nachgedacht

Wenn etwas in die optische Harmonie, die immer von einer Ganzheit ausgeht, hineinpaßt, kann man auch davon ausgehen, daß sich zahlreiche weitere Effekte ergeben, die allen möglichen Ebenen zugerechnet werden können. Dieser Effekt berührt sämtliche Bereiche, die mit dem von einem Ding affektierten größten Beziehungsebene (Raum) verbunden bzw. in ihm enthalten sind. Gestalt ist eben nicht einfach ein nettes Anhängsel subjektiv empfundener (also nicht unbedingt zu beachtender) "Ästhetik", sondern der Raum eines aktuellen, in sich dynamischen Beziehungsgefüges. Schlicht also das, was wir Welt nennen.

Also zeigt sich bei Eingriffen in Gestalt (also bei Gestaltung) auch die Auswirkung auf die "Funktionsharmonie" (die Teil eines Gestaltenvollzugs sind) - bei Häßlichkeit als Dysfunktion, bei Schönheit (ein absolutes, intuitives Aufleuchten der Wesenserfüllung, wo also die Essenz die in Existenz gegangen ist) als allen begegnenden, angrenzenden Teilen zuzusprechende Wohlfunktion. Pflanzt man in ein Wesensganzes (Ort/Raum) ein raumfremdes Element, also etwas, das mit diesem Raum bzw. dessen Beziehungsträger keine wesenhafte Verbindung hat, so verursacht man in jedem Fall Störungen, möglicherweise sogar Zerstörung.*

Das trifft, wie es immer mehr evident wird, natürlich auch bei Windrädern zu. Die uns unsere Landschaften und damit den größten unmittelbaren, uns weil unsere Gestimmtheiten und Ortsverbundenheiten bestimmenden Raum, der ja pausenlos zu uns spricht, rauben, uns damit entwurzeln und zu Fremden in unserer Heimat machen. Diese Effekte werden vollkommen unterschätzt.

Und sie zeigen sich in konkreten Schäden. Denn abgesehen davon, zeigt sich ein Desaster nach dem anderen, das damit verbunden ist. Und die Liste die man derzeit aufstellen kann ist mit Sicherheit nicht zu Ende. Nicht nur, daß Windräder das Elektrizitätsnetz destabilisieren, nicht nur daß sie so ineffizient sind daß sie alles bisherige Denken (man müßte sagen: Der Menschheit, wo immer sie etwas "verbessern" wollte) über den Haufen werfen, nicht nur daß sie immer besser erkannten Schaden durch Infraschall (Schall ist eine Form der Enteignung von Raum, eine Herrschaftsform über ein Beiehungsgefüge, da umzugestalten er sich anmaßt) anrichten, nicht nur daß sie ein Massaker an Vögeln (durch direkten Totschlag) und Fledermäusen (durch Unterdruck, der hinter den Rotorblättern entsteht, und die Lungen der Fledermäuse platzen läßt) anrichten, haben sie scheinbar weitere, bislang gar nicht bedachte, aber verheerende Wirkungen.

So eine auf den Insektenbestand (Fluginsekten) und der damit zusammenhängenden Nahrungskette, die man bislang noch gar nicht bedacht weil gekannt hatte (und jede Störung eines Raumgefüges als Gestaltharmonie ist ein Hinausschreiten in eine Ursache-Wirk-Folge, die man noch nicht kennt, weil man nur kennt, was in Gestaltgefügen enthalten ist; mehr unbewußt sogar (aber um nichts präsenter), als bewußt (weshalb "Zustimmung zu Gestaltung, also Gefallen" immer ernster zu nehmen ist als irgendein rationalistisch betriebener Furz, den ein "Wissenschaftler" läßt.)

Wie eine aktuelle Studie des Instituts für Deutsche Luft- und Raumfahrtsforschung nämlich zeigt, dürften die Rotoren der Windräder auch für einen beträchtlichen Teil des beobachteten Rückgangs der Fluginsekten verantwortlich sein. Insgesamt nämlich verursachen die in Deutschland mittlerweile aufgestellten über 30.000 Windräder pro Jahr einen Verlust von 1.200 Tonnen (bei insgesamt 25.000 Tonnen gefährdetem Bestand) getöteter Fluginsekten. Das sind täglich (sic!) 4 bis 5 Milliarden Insekten. Und es wären weit mehr, gäbe es sie noch so zahlreich wie früher.

Was Außerdem auf die Nahrungskette größte Auswirkungen hat: Neben dem direkten Tod der Insekten, wird die Vermehrung und damit progressiv auch zukünftiger Bestand reduziert (denn die Wanderungen sind mit der Eiablage verbunden). Ein Indiz dafür liefert die Statistik, die eine Korrelation zwischen der Zahl der Windräder (seit 1990) und dem Insektenbestand zeigt. (Wobei Korrelation zwar nichts über Ursachen sagt, aber ein Hinweis sein kann.)

Man hat die Wirkung der Rotoren auf die Luftströmungen nicht berücksichtigt. Bislang war man der Auffassung, daß Fluginsekten nicht bis zu jenen Höhen steigen, in denen Windrotoren angebracht sind. Nun aber weiß man, daß Fluginsekten das sehr wohl tun. Weil sie Luftströmungen benutzen, um sich bei der Eiablage in entferntere Gebiete tragen zu lassen, und dabei auch in diese Höhen gelangen.

Das Faszinierende am "Fliegen" ist ja, daß nichts und niemand "fliegen", also aus dem Raum quasi aussteigen kann, sondern in der Luft quasi "schwimmt". Nichts auf der Erde kann seine Beziehungslinien überwinden, alles kann sich nur innerhalb solcher Räume (als Emanationen von Orten, also von Wesen) abspielen. 

Gerade Insekten brauchen also Luftströmungen, wollen sie sich über größere Strecken bewegen. Dabei werden sie von den Rotoren der Windräder angesaugt - und dann von eben diesen getötet. Auch das weiß man mit Sicherheit, weil mittlerweile bekannt ist (auch das hat zuvor niemand richtig bedacht), daß Insektenkadaver eine Hauptursache für das rätselhafte Phänomen ist, daß Windräder oft bis zu 50 Prozent Wirkungsgradverlust erleiden. 

Es ist also höchstwahrscheinlich gar nicht die pöhse Landwirtschaft, die Insektizide versprüht, auch von dieser Warte aus also nicht, die für die (angeblich; der VdZ hat so seine Zweifel an solchen Erhebungen) Verminderung des Bestands an Insekten bewirkt. Sondern es spricht viel dafür, daß der Öko- und Klimawahn auch in diesem Punkt - Windräder - nur Teil eines immer verheerender wirkenden Gesamtverlusts an Anbindung an den logos der Welt ist. Weil er an manches gar nicht gedacht hat. Wie denn auch, wenn man das, was  man um jeden Preis ändert, gar nicht kennt?





*Schon aus diesen Erwägungen heraus kann es also gar kein "Weltklima" geben, das adressierbar wäre. Sondern immer nur Klein- und Kleinsträume. Deshalb ist es völlig unsinnig, "große", "globale" Maßnahmen anzustreben, weil nur kleine und kleinste Maßnahmen überhaupt Wirkung haben können. Völlig unabhängig davon, wie dann ein alles umfassendes Gesamtbild aussieht, das in keinem Fall "machbar" ist. Typisches Beispiel liefert eine Nachricht aus der Geburtsstadt des VdZ, Amstetten. Wo nun Oberkluge den Klimawandel dafür verantwortlich machen, daß die Temperaturen in der Innenstadt im Sommer immer wärmer wurde. 

An den Maßnahmen, die man nun (mit viel Geld) setzen will, erkennt man aber, was die Ursachen sind. Es ist nämlich nicht der "Klimawandel", wie die Medien berichten. Der wird wie praktisch schon immer und überall nur als Ausrede für Versagen, Gier und Gedankenlosigkeit herangezogen, und öffnet natürlich wunderbare Hähne zum allgemeinen Steuergeldstrom, weil auch die höheren Politiker denkunfähig sind. Es ist die "Innenstadtgestaltung", die so vielen Bäumen (die in der Kindheit des VdZ noch sämtliche Hauptstraßen säumten) die Existenz gekostet hat, und die Bebauungsdichte, die einen Abtransport der Luft durch Wind immer mehr erschwert hat. So entstanden im Westen der Stadt immer umfangreichere Hochhaussiedlungen (vulgo "Zeckenburgsiedlung", noch dazu am Kamm eines großen Hanges), die natürlich den einfallenden Wind bremsen. Außerdem wurden (und werden laufend weiter) die Asphalt- und Steinflächen vervielfacht, Grünflächen (oder auch einst nur geschotterte Plätze) verschwanden, etc. etc.  Erst jetzt wieder wird ein ehedem riesiges Freigelände (Bahnhof) durch ein riesiges "Wohn- und Betriebszentrum" zugebaut. Dasselbe also, was auch in Sopron nach der großen "Verschönerungsoffensive" 2014-16 zu beobachten ist, der VdZ hat hier schon darüber berichtet.

So nebenbei: Diese "Innenstadtgestaltung" geht oder ging einher mit einem großen Aussterben des einstigen Stadtzentrums, und damit Teil einer verhäßlichenden, (wie bei Windrädern) nur bestimmter Funktion gewidmeter Umgestaltung der ganzen Stadt ... der Leser möge das im Licht des oben Gesagten weiterdenken. 






Sonntag, 27. Januar 2019

Sind wir wirklich technisch so weit fortgeschritten?

Es erhebt sich die Frage, ob wir seit hundert Jahren (oder länger) wirklich eine Explosion des technischen Fortschritts erleben. Sondern ob es sich hier nicht um etwas völlig anderes handelt. Darum nämlich, daß wir verglichen zu dem, was wir "wissen", was auch "Stand der Wissenschaft" ist, lediglich viel zu viel "tun" und wagen, weil wir viel zu überzeugt sind, viel zu wissen, als es tatsächlich tun. Das dachte sich der VdZ, als er unlängst einen Bericht über Pestizide las. Wo ständig davon die Rede war, daß man (also vor allem die Forscher) von allen möglichen Wirkungen (in der Vergangenheit) eingesetzter Pestizide "völlig überrascht" war. Daß sich in der Realität Wirkungen zeigten oder Verweildauern, die den theoretischen Überlegungen bei der Entwicklung nicht entsprachen. Sollte da nicht zuerst einmal die Frage auftauchen, ob wir nicht zu wenig überlegt haben? Zu wenig gewußt haben?

Dabei handelt es sich nicht um "Erfolge" oder wunderbare Fügungen, denn die Realität ist prinzipiell ein Wunder, und insofern ist alles eine Überraschung, buchstäblich alles, wir haben uns nur daran gewöhnt und meinen deshalb irrtümlich, es handele sich um Automatismen. Es geht um klar als solche identifizierbaren Schädigungen bzw. Beeinträchtigungen.

Ist das so? Ist das so, daß wir in unserem Tun halt auch mit unbekannten Kollateralschäden rechnen müssen, und zwar immer und auf jeden Fall? Kann man dann noch von verantwortungsvollem Tun sprechen? Oder geht das in der Hierarchie der "geringeren Übel" auf? Bei einem Übel, das man gar nicht kennt?

Oder haben wir es gar nicht mit einer so übertollen "technischen Entwicklung" zu tun, sondern mit einem Absenken der moralischen Standards? Mit einem Verfall der Charaktere und damit von einem Ausfall des Denkens? Bei Menschen, die von einem immer deutlicher angestiegenen Größenwahn geküßt immer weniger Skrupel haben, die Welt als einziges Experiment zu sehen? Wo es gleichgültig ist, was sonst noch passiert, Hauptsache man hat einen innerhalb eines bestimmten eingeschränkten Mechanismus erzielbaren Effekt erreicht? Sind wir in der Anwendung von "technischen Errungenschaften" nicht maßlos überzogen und gewissenlos geworden?

Könnte nicht das der Grund sein, daß wir heute in immer mehr Fällen auf die Situation stoßen, daß ein bestimmtes Ziel eines Handelns nicht nur nicht erreicht, sondern die Gesamtsituation sogar noch verschlimmert wird oder gar ins Gegenteil ausschlägt? Aus dem einzigen Grund: Daß wir wie nervöse Pubertätsschussler notorisch mit halbausgegorenen, gar nicht verantwortbaren Lösungen in der Welt herumfuhrwerken. Und als "technischen Fortschritt" verkaufen, was allerhöchstens eine spätere Möglichkeit ist, wenn wir mehr wissen? Sodaß wir in einer Welt leben, die in vielen Dingen deshalb so ungeordnet wird, weil wir einfach die Geduld nicht haben, wie sie nur eine Haltung der Sittlichkeit, eine Haltung der geduldigen Bewährung bringt? Daß wir uns pausenlos mit Federn schmücken, die gar nicht auf unsern Hut gehören: Daß wir Lösungen hätten, die - wie sich immer öfter herausstellt - gar keine Lösungen sind, sondern lediglich den Müll anwachsen lassen, das Nicht-Geordnete, Nicht-Ordnenbare.

Das Gesagte läßt sich auf alle möglichen Bereiche ausdehnen. In der Forschung ebenso, wie in der Politik. Bereiche, in denen wir mit "Zukunften" rechnen, die sich noch nicht einmal annähernd als gewiß abzeichnen. Und mit einem Schraubenzieher halt die eine Schraube anziehen, ohne zu wissen, zu welchem Gerät sie gehört, ob wir einen Ozeandampfer, einen Bagger oder einen Computer "reparieren", weil wir aber genau wissen, wie man Schrauben festdreht.

So daß wir uns in einem Zeitalter befinden, das keineswegs technisch so weit avanciert ist, sondern wo wir einfach dem, was wir wissen, um Längen voraus sind und damit pausenlos in unbekanntem Terrain operieren. Zumindest würde sich daraus auch der immer höhere Handlungsdruck erklären, den wir in allen möglichen Bereichen heute erleben. Wo es nur noch um "Zeitdruck" geht, weil wir ein gerade wieder hereinbrechendes Unglück beheben müssen, ausgelöst durch ein Handeln an einem "Gerät", das wir zwar irgendwie erfunden haben, dessen eigentliches Einsatzterrain wir aber gar nicht kennen.* 

Wenn man jetzt noch an Eingriffe in offensichtlich komplexe Systeme denkt, an Wirkkreise, wo eines das andere ergibt, wir an einem solchen Eingriff weiterarbeiten, darauf wieder aufsetzen, und so weiter, womit sich die Wechselwirkungen exponentiell vermehren - haben wir dann wirklich den Fortschritt, den wir uns vorbeten?

Was - wenn nicht das - sollte man eine Auswirkung von Hybris, Hochmut nennen? Das Mindeste, was man dazu sagen kann, ist, daß es überall ... am Nachdenken, an der Besinnung fehlt. Und zwar schon seit langem. Wir wissen heute zwar viel. Aber wovon? Wir tun heute viel. Aber was?

Und fügt sich darein nicht die wirklich seltsame Beobachtung, daß wir seit Jahrhunderten in einem Zustand leben, in dem jede Generation meint, sie wüßte nun erst - im Gegensatz zu den Vorvorderen - alles, das Wissen sei gar "settled", es gäbe nichts mehr zu erfahren? Während doch genau das Gegenteil zu beobachten ist, wir in immer kürzeren Intervallen mit Folgen der Tatsache konfrontiert werden, daß wir eben NICHT wußten, obwohl wir das vermeinten? Sind wir nicht heute sogar ständig mit Folgewirkungen konfrontiert (der VdZ denkt da an eine kürzliche Diskussion über die Wirkung von "Handystrahlung", nur als kleines Beispiel), die genau das anzeigen? Daß wir mit einer Technik operieren, die zwar im Labor eingesetzt werden dürfte, aber nicht in der freien Wildbahn?

Es geht also um die Frage, was verantwortungsvolles Handeln ausmacht. Und um die Frage, welches Wissen jenen Gewißheitsboden bietet, der auch eine Technik in den Rahmen von Verantwortung zu stellen vermag. Mit der dem Leser hoffentlich nicht neuen Tatsache: Daß die höchste Gewißheit aus dem Glauben und seiner kleinen Schwester, der Metaphysik kommt. Die jedes weitere Denken dann in gesetzten Annahmen formieren und informieren.

Ist das nicht der entscheidende Mangel? Weil sich dieses Nachdenken verflüchtigt hat, sind wir nicht mehr in der Lage, zwischen Problemen und Scheinproblemen zu unterscheiden. Hier beginnt aber das Übel der "Behebung" von Problemen. Und damit das der Technik.


Nachtrag: Anlaß zu dieser Glosse war die Lektüre eines an sich seriös wirkenden Berichts von Addendum über den Forschungsstand hinsichtlich des Pestizideinsatzes in der Landwirtschaft. Der, wie sich der Leser überzeugen möge, von Vokabeln wie "wissen wir noch nicht" oder "damit haben wir nicht gerechnet" oder "müssen wir noch mehr erforschen" nur so strotzt. Es geht dabei dem VdZ nicht um Pestizide. Es geht ihm um das Prinzip, das hier erkennbar wird. Und das er oben in Worte zu fassen versuchte.





*Übrigens spricht dafür auch die Entwicklung des Designs der Dinge, mit denen wir zu tun haben. Die jene gediegene Einfügung in ein Kulturinsgesamt, die Produkte noch vor hundert oder zweihundert Jahren hatten, und die ein Zueinander von Gestalten ist, die in ein Ganzes eingefügt Harmonie bedeuten, zugunsten von "gestaltloser Konstruktionsnacktheit" aufgegeben haben. Die Windräder sind ein gutes Beispiel dafür. Sowohl im Design, in der Ästhetik, als auch in den Wirkungen.





*221018*

Donnerstag, 28. April 2016

Nicht für die Blöden

Es mag ja sein, daß Volkswagen auf die etwas überzeichnete technische Eigenschaft seiner Fahrzeuge hier und da nicht ganz aufklärerisch genug hingewiesen, sondern sie auszutrotteln versucht hat. Denn Trottel trottelt man eben aus, dafür sind sie da. Aber die Werbung hat sofort darauf reagiert, und mit einer metaphysischen Scharfsinnigkeit, die immer wieder staunen macht. Seit vielen Jahren. Technik? Leistungsfähigkeit? Wen interessiert's. Es geht um die Gestalt! Es geht ums Aussehen. Dem wollen wir sofort und freudig zustimmen. Der Rest ist Hirnverschmutzung. Die ist um Dimensionen dreckiger als jeder Abgaswert. Der ist nur für die Blöden.








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Samstag, 14. November 2015

Zu Slumbewohnern geworden

Es war 1915 allen bewußt, und nur so war es verstanden, und nur so wurde es toleriert, daß die elektrischen Oberleitungen für die Straßenbahn an der Ringstraße in Wien - einem der prächtigsten Boulevards der Welt - offen und zwischen häßlichen Masten und ehrwürdigsten Gebäuden ausgespannt wurde. Die Empörung über diesen als enorm empfundenen Eingriff in das Raumgefühl, der unter heutigem Begriffsverwand meist nur noch als "nur optisch" und damit als unwesentlich abwertend eingeschätzt wird, war groß, und keineswegs auf das Kaiserhaus beschränkt. Dem man diesen Schock ersparte, und die Strecken, die es häufig befuhr, davon ausnahm. In jedem Fall war aber geplant, die Leitungen nach dem Ende des Krieges unterirdisch zu verlegen. Nur fehlten momentan die Mittel.

Ringstraße mit Parlement - Universität (als zwei Lungenflügel!), Rathaus und Volksgarten
Es blieb dabei. Was uns Heutigen zeigt, wie gesund das Sehempfinden der Menschen noch war. Das von den Gestalten ausging, und die Bedeutung des Raumes für die Seele der Menschen wie einer Menschengemeinschaft sehr wohl noch kannte. Wir haben uns heute schon an so viel gewöhnt, gewiß. Aber das macht die Tatsache nicht geringer, im Gegenteil: Wir haben uns an Veränderungen der Tektonik gewöhnt, die uns beeinträchtigt und amputiert hat. Denn es ist die Tektonik, und zwar zuerst die Tektonik des Großraumes, die unsere seelischen Rhythmen und Gestimmtheiten bestimmt, die NUR optische, körperhafte, gestalthafte Bezüge im Raum sind. Als Grundlage jeder alltäglichen Handlung, die von solchen Gestimmtheiten lebt, und aus diesen heraus gestaltet wird. Die Tatsache, daß wir uns dessen nicht mehr bewußt sind, ändert daran rein gar nichts. 

Es macht es nur gefährlicher, noch weitere Einschränkungen vorzunehmen, die das Seelengebäude der Nachkommen endgültig zur Wellblechhütte machen. Die Kleidung der Menschen verrät aber, daß wir in solchen Slums längst angekommen sind. Und Ästhetik zum plastifizierten Zuckerguß degradiert haben, der ab und an aus den Truhen hervorgeholt wird, wenn wir dann so tun, als wäre uns Schönheit und Würde noch ein Begriff. In Wirklichkeit sind es hohle Worte geworden, deren wirkliches Fehlen wir durch propagandistisch forcierte Einführung einer neuen Ästhetik des Zerfalls zu kaschieren suchen. War vor hundert Jahren der '"typische Wiener" der über die Ringstraße flanierende Herr, das Mädel, das sich auf der Ringstraße, diesem Garten der Ergehung, in ihrer höchsten Möglichkeit erlebte, ist es heute der niedrige Prolet, der im Chor der vermeinten Allgemeinheit Gelabere und Dreck zu lieben vorgibt um zu überspielen, daß er unter der Hoffnungslosigkeit leidet, sich nicht mehr zu höherem Menschentum und damit zu meh Freiheit und Daseinsspiel erheben zu können. Weil alles auf Funktion reduziert ist.

Ringstraße heute - Durchzugs-Nichtort- und Technikzentrale für privatime Konsumslums
Als man die Ringstraße mit Drähten überspannte war aber noch allen klar: Es war ein Eingriff in die Würde der Straße, und damit in das, was jeden, der sie durchschritt oder durchfuhr, innerlich höher stimmte, damit sein ganzes Leben hob, weil er  mit diesem Gefühl wieder zurückging in die niedrigen Häuser von Ottakring, oder die Zinskasernen von Favoriten, und damit seine Hütte immer wieder aufhellen konnte. Von Funktion hat noch kein Mensch gelebt, nur vegetiert. Selbst bei der Errichtung der Wohnhöfe in den 1920er-Jahren hat man das noch gewußt, die bereits größte Kompromisse mit puren Notwendigkeiten (Wohnraum für die durch den hierarchischen Zerfall neu entstandene, eher: aus dem seit der Mitte des 19. Jhds. explosionsartigen Wachstum der Reichsmetropole  übriggebliebene soziale Nichtstruktur) darstellten. 

Doch reichte die gestaltende Kraft der Stadt schon damals nicht mehr. Geht man von Technik, von rationalistischem Nutzen aus, findet sich keine Gestalt mehr, die das wesentlich birgt. Dazu hätte man von der Gestalt, der Architektur als Raum der rhythmischen Formung seiner Bewohner ausgehen müssen.

Sodaß heute die Architektur der Vergangenheit zur Kulisse eines technischen Apparats wurde, den bestenfalls die Tourismusmaschine noch braucht, der sonst aber eher hinderlich ist oder von sozial nicht eingeordneten Zuwanderermassen niedergewohnt wird. Denn wie man heute Architektur versteht, zeigt die Peripherie. Die gleichzeitig zeigt, daß man das wahre Wesen einer (und schon gar dieser) Stadt gar nicht mehr versteht, obwohl schon 100 Jahre seit diesen Umwälzungen des Wachstums vergangen sind, in denen man zur Besinnung hätte kommen können.

Karl Marx-Hof , Wien Heiligenstadt - aber man hatte Fließwasser und Bad
Hat der Gemeindebau ehedem Menschen zu "niederen Klassen" zusammengeschweißt, ja gemacht (!), die in ihren Wohnburgen der Schönheit gegenüberstanden, wird er noch heute seine Aufgabe erfüllen - in den Zuwanderern, die diese Trutzburgen - ein Wiener Spezifikum des geordneten Übergangs-Slums inmitten der Stadt* - zunehmend füllen. Die Zuwanderer der letzten Jahrzehnte sind nicht integriert? Es sind noch nicht einmal die meisten Wiener.

Heute empfinden wir das aber gar nicht mehr, und nicht, weil wir es nicht empfänden, sondern weil wir uns aberzogen haben, diesem Empfinden Raum zu geben. Es ist scheinbar klüger so. Somit leben wir längst in einem Seinsbereich, der uns zu Ameisen mißbildet hat. Zu deren beschränktem Wesen gehört, daß sie ihre Kleinheit gar nicht mehr denken können. Sie sind den größeren Maßstäben dafür umso hilfloser ausgeliefert.




Amalienbad, Wien - Einst öffentliche Hygieneanstalt
*Der Wiener Gemeindebau, in seiner typischen Form in den Jahren 1923-1935 entstanden und durch direkte Besteuerung von allem finanziert, das nach "Reichtum und Luxus" aussah,  war eine Architekturbewegung, die interessant, aber nichts desto weniger eine Blüte des Materialismus des 19. Jhds. ist. Mensch und Bedürfen wurde in höchste technizistische Auflösung getrieben, sogar die Ästhetik funktionalisiert. Nun hatte jeder Bad, vielleicht sogar ein WC, und Licht. Dafür waren die Deckenhöhen aussagekräftig genug: Es begann das Zeitalter der +/- 2,40 Meter.  Daß der einhergehende Verlust der Badekultur - zuvor in öffentlichen Bädern zelebriert, wahren Tempeln der Hygiene und Entspannung, vor allem aber der Kommunikation - und vor allem die psycho-sozialen Folgen des Abbaus der Gemeinschaftsräume schwer wiegen könnte, kam im Zeitalter des Individualismus, der Autonomismus als höchstes Ziel sah, niemandem mehr in den Sinn.  Baden aber war zu allen Zeiten in allen Völkern eine Veranstaltung der Gemeinschaft. So wie die Tavernen. Wer je ein "Stammgasthaus" erlebt hat, in dem bei allen und schärfsten Ideenkonflikten ein gemeinsamer Boden der Solidarität und Zusammengehörigkeit blieb, weiß, wovon die Rede ist.

Der Gemeindebau hat übrigens eine nicht minder interessante Gegenbewegung im Kirchenbau provoziert. Die meist wuchtigen, streng linearen "Kirchenburgen" der damaligen Zeit sind ein oft großartiges Pendant zur Zurüstung auf den definitiven Klassenkampf des "Roten Wien". Aber "rot" hört auf, wenn Menschen irgendwann doch Wurzeln suchen. Wenn die Gemeinschaft  mit dem Nächsten mehr zählt, als die künstliche Spaltung der Politisierung. Deshalb wird die "Linke" (samt ihrem Pendant, der "sozialen Rechten") immer von Wurzellosigkeit leben, und deshalb diese fördern.

Wien wurde rot, als die Bäder privatim wurden. Heute gibt es nur noch zwei öffentliche Bäder aus jener Zeit.




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Montag, 3. Februar 2014

Ästhetik als Naturbedingung

Es ist auffällig, daß in der Tierwelt nur jene Sinnesreize wahrgenommen und gewichtet werden, die den jeweiligen existentiellen Horizont einer Gesamtwelt für dieses Tier (bzw. diese Art) bedeutet. Eine Eidechse wird beim Rascheln von Stroh aufmerksam und versetzt sich in höhere Spannung. Das viel lautere Tönen einer Glocke interessiert sie aber überhaupt nicht. Max Scheler nennt es "Qualitätenkreise", die für je verschiedene Arten gegeben sind, und eine Art Alphabet darstellen, wodurch die gleichsam lebendigen Worte der Milieudinge darstellbar werden. Nur als solche treten sie figurhaft und komplex-qualitativ aus einem relativ neutralen Hintergrund hervor.

Beim Verstandeswesen Menschen, das im Intellekt von der bloßen Sinneswahrnehmung zurücktreten kann, tritt diese Gestaltauffassung unter den Gesichtspunkt der Unterscheidung von Wesentlichem zu Unwesentlichem (und ist damit vom Sinnhorizont des Menschen für das Ganze abhängig). 

An Untersuchungen bei Verletzungen des vorderen Stirnlappens hat sich gezeigt, daß dieses Unterscheidungsvermögen stark leiden kann. Der Untersuchte hat offenbar eine Störung des phantasmatischen Vorstellungsvermögens, die aber zur Erkenntnis der Dinge wesentlich ist, weil diese nur über Abstraktion (und damit unter der Bedingung der Phantasie) erfolgt.

Etwa bei der Wahrnehmung einer Blume, zeigt Hans André - deren Kelch in seiner Innigkeit erfaßt wird, als "annähernde Kugel". Wird der Blütenkelch zerzaust, nimmt auch die Wahrnehmung diese Abweichung von idealen Formen als Störung wahr. Dem kommt ein in der Natur feststellbares Streben der Lebewesen entgegen, sich in Symmetrie und bestimmten "geometrischen" Verhältnissen zu konstituieren. Bei Störungen versucht jedes Lebewesen, sich selbst wieder in diese Symmetrien zu bringen. Aus sich heraus versucht ein Lebewesen, Störungen von Größenverhältnissen und Spannungen von "abstrahierbaren" Gestalten (und -teilen) auszugleichen, in bestimmte Verhältnisse zu setzen.

Das leitet dazu hin, daß sich die geistigen Formen quasi in der Natur selbst vorausgehend finden, und mit dem Verstand des Menschen korrespondieren. André nennt es "angenäherte Rationalität". Die menschliche Rezeption dabei ist keineswegs von der bewußten Tätigkeit abhängig, vielmehr bezieht sich der Verstand selbst auf diese vorausgängigen Größen und deren Spannungen zueinander.

Es ist also nur bedingt richtig zu sagen, daß Anschauungen ohne Begriffe "blind" seien. Denn es gibt ein unbewußtes Erkennen, das sich dennoch auf geistige Größen bezieht, ja dieses ist vorgängig. 

Otto Willmann meint dazu, daß man zwar davon sprechen kann, daß das Wesen und die in ihm begründete Zusammengehörigkeit der Dinge oder Eigenschaften ohne Verstand nicht erkannt werden. Daß aber in der sinnlichen Wahrnehmung selbst das potentiell in ihr liegende Denken bereits vorliegt. Die Bildung eines Begriffs dafür ist sohin nicht willkürlich, sondern trägt potentiell die Struktur des Stoffes (des Objekts) in sich.

Anders also, als Descartes schreibt und wie es heute zur fast allgemeinen Sicht wurde, sind die rex extensa (die Welt der Objekte) und die res cogitans (die Welt der Subjekte, die die Kultur bilden) keineswegs zwei unterschiedliche Welten, die miteinander nichts zu tun haben, sondern korrespondieren direkt über die Gestalt, ja beziehen sich auf dieselben Formen. Die der Mensch im Laufe seines Heranwachsens nach und nach als Grundformen, die der Welt und ihm selbst als Teil der Welt zugrundeliegen, abstrahiert, die dann den Inhalt seines Verstandes bilden.

Dieses Abstraktionsvermögen hinwiederum ist im Maß der Liebe zu messen, wie Scheler etwa schreibt. Denn die Liebe ist jene Kraft, die von den bloßen Reiz-Reaktions-Verhältnissen freimacht, und das Objekt als es selbst stehen läßt und erfährt. Die Liebe ist deshalb ein Akzidens des schauenden Intellekts, der nur so weit und so tief schaut, als er liebt, aber nur so tief und weit lieben kann, wie er schaut*.



*Etwas, das dem Tier nicht möglich ist, so komplex seine Reiz-Reaktionsverhältnisse auch werden können. Letztlich kann es sich vom bloßen "Reagieren auf Eindruck" nicht lösen. Der Mensch aber kann zwischen Subjekt und Objekt scheiden.
 



*030214*

Dienstag, 19. November 2013

Das Schlechte alles Häßlichen

War es ein Jahrhundertregen? Eine Wetterkapriole, die ja - macht doch die Augen auf, meinte die IPCC-Sprecherin, und tatsächlich, da sehen wir es ja, dort und hier, und an der Elbe - so zunehmen? Eine unvorhersehbare Niederschlagsmenge? Naturgeschehen, das nicht zu erwarten war? Oder gar der Gottseibeiuns der Gegenwart, die Klimaerwärmung, die die Hochwasser im Binnendelta der Elbe neuerlich so katastrophisch machten, daß monatelang die Bahnlinie Hannover-Berlin unterbrochen war?

Nichts von alledem, zeigt ein recht guter Artikel in der FAZ aus der Feder von Hansjörg Küster, Biologe an der Uni Hannover. Alles, wirklich alles war vorhersehbar, aber niemand hat es sehen wollen. Denn gerade mit den zahlreichen Hochwasserschutzmaßnahmen, samt einer Anzahl von einzelnen (so genannten) Naturschutzmaßnahmen, haben etwas versucht, was so gar nicht ging. Nie gegangen wäre. Weil man den natürlichen Gegebenheiten der Elbe, von Wasser in flachen Landschaften, aus denen es nur langsam abfließt, nicht berücksichtigt hat. Weil man Nutzlandschaften - Einzelinteressen - erhalten wollte, weil man trotzdem einen Hochgeschwindigkeits-Bahndamm durch die Landschaft geknallt hat. Weil bedenkenlos in Räumen gesiedelt wurde, die als sogenannte Binnendelta notwendige Retentionsräume wären, in denen man aber nur das Wasser fernzuhalten versuchte - statt mit ihm zu leben. Weil man immer noch versucht, durch Technik Natur zu beherrschen, statt sie zu lesen, die nie zu betrügen ist, Gehorsam erzwingt. Immer. Überall. In allem.

Und so hat man den Wassern der Elbe, Wurthe und Saale, Oder, Leine und Weser, die aus dem Bergen kommen und von viel Land gespeist werden, allen Raum genommen, sie stattdessen zu Katastrophen konzentriert, die irgendwann irgendwo mit Sicherheit, und das an den langen Binnen- und Unterläufen, Dämme aufweichen und durchbrechen, in den Senken gehalten werden, aus denen sie mangels Gefälle nur noch langsam abfließen können. Damit wird der Schaden erst so hoch, wie er es nun schon regelmäßig wird.

Wer meint, die Natur einfach verzwecken zu können, wird immer erkennen müssen, daß der Mensch niemals ausreichend "denkt", solange er sich in technischen Kategorien bewegt. Sodaß umfangreiche Zwecksetzung durch den Menschen immer - immer! - in eine Katastrophe mündet. Denn das Sehen der Welt ist ein Sehen der ästhetischen* Kategorie, niemals ein mathematisches Abwägen, welches das Gesehene nur beschreiben und insofern verstehen machen kann. Nur so bleibt es in seinem gesamthaften Rahmen. Nur als Mysterium und Gestalt begriffen und aufgefaßt ist Natur und Welt "beherrschbar", indem sei zur Heimat und dienenden Freundin wird - weil nur so mit ihr gelebt werden kann.



*Um Mißverständnisse vorzubeugen sei erwähnt, daß hier keineswegs ein "Ästhetizismus" gemeint ist, der je nach Laune und Mode alles mal schön oder häßlich finden kann, Lebensbehübschung in Form eines virtuellen und psychogenen, willentlich gesetzten Lebensgefühls betreibt und Schönheit auf die Ebene zufälligen "Gefallens" - der Sentimentalität also - drückt. Sondern nur im Begreifen, daß gut, schön und wahr untrennbare Seiten an den Dingen sind kann dies so formuliert werden. Nur dann, aber dann sehr wohl, ist auch das "Empfinden" von Schönheit subjektives Erleben, und zugleich wahr und gut. So wie umgekehrt nur die Wahrheit das Gute und das Schöne erschließt. Wer irrt, sieht auch die Schönheit nicht, und begreift nicht das Gute an den Dingen. Hier zeigt sich die Untrennbarkeit von Ethik, Schönheit und Erkennen.





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Sonntag, 14. Juli 2013

Man gönnt sich ja sonst nichts (2)

Teil 2) Eine Politik der Ästhetik folgt der Ästhetik der Politik




Weil aber dieser ganze Wirtschaftszweig in rein markttechnischer Hinsicht nicht überlebensfähig ist, also nicht vom vorhandenen Wirtschaftsgefüge auf- und angenommen wird, heißt das nichts anderes, als daß sich enorme Steuerlasten für die Zukunft daraus ergeben: Mit nur wenig Überspitzung wird sich Deutschland für die nächsten fünfzig Jahre einen Spielplatz der Elektrotechnik leisten, und leisten müssen. Nicht aus Energienotwendigkeit, sondern einfach "weil es ihm so gefällt", um eine schöne Szene aus Lawrence of Arabia zu bemühen. Auch Sonnenkönige haben Himmelsschlösser gebaut, weil es ihnen so gefiel, prinzipiell ist dieses Vorgehen also nicht neu. Ja, es hat sogar etwas prinzipiell Sympathisches: Zweckfreiheit ist die höchste Form allen Heiligen Spiels. Hier wird also Liturgie zelebriert, und wir sollten versuchen, dieser Liturgie rasch etwas Schönes abzugewinnen. Denn diese Art der Politik ist eine Entscheidung reiner Ästhetik!

Seht, wie sachte dieser Wagen gleitet, er sich dem sanften Auf und Ab der Autobahn einschmiegt, als würde die Fingerkuppe über den Venushügel der holden Berenice streichen! Seht, wie elegant sich die Räder des Windrads in der Sonne spiegeln und mit den Baumwipfeln flüsternde Gespräche der Liebe führen! Seht, wie kristallgleich die Solarpaneele am Dach funkeln, es gibt sie nun auch mit Diamanteinsätzen! 

Das kann man sich schon etwas kosten lassen. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Irgendwann wird man das dann freilich wieder einstellen, wenn die Folgen dieser politischen Entscheidung vom Rest der (marktorientierten) Wirtschaft verdaut und ausgeglichen wurden. Leider. Schnöde, banale Welt des Zwecks!*

Nun stelle man sich vor, um ein Bonmot aus einer Broschüre aus dem Bundesumweltamt aufzugreifen, nun stelle man sich vor welchen Gesichtsverlust die Politik, die Konzerne, die Ökologiebeflissenen und der ganze Stand der Gebrauchsakademiker erleidet, wenn dieses Bedrohungsszenario (sagen wir es vorsichtig) ÜBEREILT an die Wand gemalt wurde. Nun stelle man sich vor, mit welcher Vehemenz sich alle diese gegen eine Aufklärung dieses Irrtums zur Wehr setzen würden. Nun stelle man sich dazu vor, wie viele Menschen sich in dieses Bedrohungsszenario bereits eingefügt haben, davon leben, sich auf es eingerichtet haben. Da geht es tatsächlich und sehr ernsthaft um Millionen und Abermillionen von Existenzen, und um das Überleben vieler Politiker.

Wenn es "keinen Klimawandel" gibt, dann werden wir ihn also längst schon erschaffen müssen. Denn das Paradigma ist mittlerweile system- und überlebensnotwendig geworden.

Das deutsche Bundesumweltamt hat also in gewisser Weise recht: Die Diskussion ist abgeschlossen. Weil die Konsequenzen der darauf bezogenen Politik nicht mehr zu ignorieren und rückgängig zu machen sind.

Lustigerweise ist vielleicht gerade das die Chance, daß sich die Debatte darüber allmählich wieder versachlicht. Und das wird sie, weil die Folgen - als Leid - für Deutschland sehr real zu verspüren sein werden. Schon aus diesem Grund läßt sich eine Parallele zu gewissen Persönlichkeitsbildern herstellen: Das Verhalten gelangweilter Wohlstandskinder, die keine Schwierigkeiten zu beseitigen, sich zu erproben hatten, zeigt aus der Notwendigkeit zur Freiheit, die der Mensch nicht wegdrücken kann, die Neigung, sich Schwierigkeiten künstlich selbst zu schaffen. Und sei es, indem er sinnlose Hürden errichtet, sinnlose Gebilde baut, sinnlose Ziele schafft. Die politische Grüne läßt sich auf diese Weise exzellent verstehen. Eine nicht als gebraucht erfahrene, paradiesisch versorgte Generation wird IMMER "ästhetisch" und verspielt.

Und das weist als wunderschönes Gleichnis auf die Kirche, der societas perfecta, Urbild aller Utopien, als Land ohne Schuld und Sorge. Wenn die Pflanze reif ist, in ihrer Vollkraft steht, abstrahiert sie sich selbst in die pure und zweckfreie Schönheit der Blüte. Und aus dieser Zweckfreiheit heraus entsteht in der Zueinanderneigung die Einheit in der Idee des Schönen im, Spiel der Liebenden - das Neue.



Der Herr hat mich geschaffen im Anfang seiner Wege, vor seinen Werken in der Urzeit;
in frühester Zeit wurde ich gebildet, am Anfang, beim Ursprung der Erde.
Als die Urmeere noch nicht waren, wurde ich geboren, als es die Quellen noch nicht gab, die wasserreichen.
Ehe die Berge eingesenkt wurden, vor den Hügeln wurde ich geboren.
Noch hatte er die Erde nicht gemacht und die Fluren und alle Schollen des Festlands.
Als er den Himmel baute, war ich dabei, als er den Erdkreis abmaß über den Wassern,
als er droben die Wolken befestigte und Quellen strömen ließ aus dem Urmeer,
als er dem Meer seine Satzung gab und die Wasser nicht seinen Befehl übertreten durften,
als er die Fundamente der Erde abmaß, da war ich als geliebtes Kind bei ihm. Ich war seine Freude Tag für Tag und spielte vor ihm allezeit.
Ich spielte auf seinem Erdenrund, und meine Freude war es, bei den Menschen zu sein. 

(Sprüche 8,22-31)



*Zumal ein anderer Zweck, der der (schlagwörtlichen) Umwelt"freundlichkeit", ja ebenfalls weit verfehlt zu werden scheint. Und diese Nachricht aus jüngster Zeit paßt wie die Faust aufs Auge, scheint zu bestätigen, was hier immer wieder und wieder darzulegen versucht wird: daß die "nachhaltige Technik" im Gesamthaushalt auf "irrationale" Weise reagiert. Die in Wahrheit nicht irrational ist, sondern das Verhalten kritischer Systeme, zu denen technische Systeme ab einer bestimmten Komplexität werden, die im einzelnen sehr wohl nachvollziehbar und rational reagieren. Wie sich nun herausgestellt hat, ist das reale Verhalten gerade von Audi- und BMW-Fahrzeugen dergestalt, daß sich in ihrer Gesamtheit deutlich mehr CO2-Ausstoß ergibt, als rein rechnerisch sein dürfte. 

Und das gilt in vermutlich sogar verschärfter Weise für die Elektronik und die Steuerung technischer Prozesse mit Computervorgängen: JEDER technische Schritt, jedes Einschalten von Maschinen (auch: in Maschinen), erhöht den Gesamtverbrauch an Energie, egal welcher Art. Wir täuschen uns dabei deshalb so gerne, weil wir Menge der Energie aus sinnlichem Eindruck mit Größe in Verbindung bringen. Aber der Einsatz immer kleinerer, immer "perfekter" durch Computerabläufe gesteuerter Maschinen, erhöht den Gesamtverbrauch an Energie, der sich nur auf andere Bereiche verlagert. Gesamtvolkswirtschaftlich und mittlerweile global betrachtet, steigert sich also mit der eingesetzten Elektronik, die Teilprozesse ablaufoptimieren soll, der Energieverbrauch, vermutlich sogar progressiv-proportional. 

Man wird also den "Gesamtverbrauch" eines Systems niemals dadurch verringern können, indem man Technik HINZUFÜGT, was meist "Effizienzsteigerung" genannt wird, sondern indem man Technik HERAUSNIMMT. Nur so verlagert man auch die Auswirkungen der Technik, den Energieverbrauch, aus ihr wieder heraus. Was man irrtümlich (oder schalkhaft?, wer weiß) gerne als Verringerung ansieht. Um diesen übergreifenderen Blickwinkel zu verstehen, muß man freilich in der Lage sein, den technik-spezifischen Blickwinkel zu verlassen. Denn Innerhalb des Technikjargons (zum Begriff "Jargon" siehe: T. W. Adorno) wird man hier zu keiner Auflösung kommen, ein System hält einen in sich bzw. innerhalb seiner Prämissen gefangen. Der Sinn eines Systems läßt sich nur transzendent erfassen, niemals aus sich selbst heraus. Der sittliche Aspekt ergibt sich nur aus der Wahl der Sinnebene, nicht aus dem Systemimmanenten.

Verbrauch ist ja ein Umwandlungsprozeß, das wird auch oft vergessen, denn das Gesamtenergiepotential eines geschlossenen Systems ist immer konstant - und das ist jede Wesenheit, jede "Seinsheit", also auch die Erde, auch innerhalb des Kosmos: das bezieht sich auf die Art des Seins und damit Wirkens, die Bedeutungsebenen. Dabei ist ein "Umschichten" von Bewegungs- auf Wärmeenergie, um im Jargon zu bleiben, nicht möglich, betrachtet man das Gesamtsystem.) Aber auch das soll nur ergänzen, kehren wir zum Hauptstrang des Erzählten zurück. 





*140713*

Samstag, 13. Juli 2013

Man gönnt sich ja sonst nichts (1)

Wie massiv Massenpsychosen in das reale Leben eingreifen können, zeigt sich am Beispiel des "menschengemachten Klimawandels" im besonderen in Deutschland. Kaum ein Land der Erde hat dieses Bedrohungsszenario so zum Paradigma der Politik gemacht. Warum auch immer. Und da sind dann noch die Menschen in den Unternehmensleitungen, die in einem komplexen Wechselspiel aus persönlicher Ansicht und notwendigem Reagieren auf die Politik diese Paradigmen übernehmen. Weil sie müssen, weil sie wollen, weil sie glauben. Immer aber unter der Notwendigkeit, Erträge zu erwirtschaften. Anders kann ja kein Unternehmen bestehen.

Das macht solche Paradigmen zu Selbstläufern, die sich zu wirkmächtigen Eigenfaktoren entwickeln. Was sich auf den Erkenntnisstand und -fortschritt einer ganzen Gesellschaft verheerend auswirken, eine ganze Gesellschaft in eine Sackgasse führen kann.

Es soll am Beispiel einiger deutscher Konzerne illustriert werden, pars pro toto, als Metapher für mittlerweile - in so stark medienorientierten Gesellschaften wie den unseren - die gesamte Welt. Und läßt sich auf noch größere Körperschaften und Organismen genauso übertragen (nehme man Weltkonzerne, oder die Stellung des Internet und der social media) wie auf kleinste, und selbst Individuen. Denn auch diese verankern ihre Existenz in Überzeugungen, sodaß Massenpsychosen bis ins Vereinzelte hinein wirksam werden können. Beispiele dafür, für kollektive Irrgänge, gibt es fast ohne Zahl aus der Geschichte. Größe oder Kleinheit selbst ist dabei weder Garant für dies, noch für jenes. Nur ihre Stellung wäre es.

Zurück zu Deutschland: Die diesem Klimaparadigma unterstellte Politik hat Reaktionen bei zahlreichen Konzernen bewirkt, wie auch anders. Man nehme Siemens mit ihrer Verhängung in die Energieproduktion, die Produktion von Atomkraftwerken zuvor, Windrädern heute. Und man nehme die Autoindustrie, allen voran BMW und VW. Sie haben viele Milliarden in die Entwicklung von Solarfahrzeugen investiert. Nun stellt sich heraus, und zwar weltweit, daß das vorerst zumindest ein Holzweg ist. Weder kann damit das vorgegebene Klimaziel verfolgt, noch ein technisch gangbarer Weg gefunden werden, weil diese Technik einfach zu teuer für die Massenproduktion ist. Zumindest vorerst sind nahezu sämtliche Autokonzerne der Welt bereits dazu übergegangen, die Technik elektrischer Antriebe rückzureihen.

Was aber nun? Was nun mit all den investierten Milliarden? Denn VW und BMW haben sich besonders intensiv in diese vermeinte und proklamierte Zukunft gestürzt.

Schon aus der wirtschaftlichen Logik und Notwendigkeit heraus also haben diese (willkürlich herausgegriffenen) Konzerne ein erstes Interesse daran, daß sich dieses Bedrohungsszenario NICHT ändert. Die PR-Abteilungen dieser Unternehmen werden sich also die Finger an den Tastaturen wundschreiben, daß diese Überzeugung nicht fällt. Und die Politik wird nicht weit dahinterstehen. Denn an der Autoindustrie in Deutschland hängt mehr oder weniger und je nach Betrachtungsweise die Existenzen von 25 Millionen Menschen. Selbst die Papierindustrie ist von der Entwicklungsfreude der Autokonzerne abhängig, ein bemerkenswerter Zusammenhang übrigens: JEDES Auto bedeutet auch hunderte Kilogramm Papierverbrauch.

Auf einer anderen Schiene aber machen diese Unternehmen - verständlichen - Druck auf die Politik. Und sie haben darin nicht einmal Unrecht, denn die Politik hat sich mit Verantwortung beladen, die sie - also: das Volk - nun erfüllen muß. Etwa indem die Bundesregierung eine Million E-Autos als Ziel verkündet hat. Dieses Ziel wird bei weitem nicht erreicht werden, soviel weiß man jetzt schon. Es ist wirtschaftlicher (und ökologischer) Unsinn.

Und da stehen ja Interessen dahinter, Notwendigkeiten gar. Was macht der Aktienkurs, wenn VW* plötzlich Milliarden in den Sand gesetzt haben soll? Bankkapitalien, Depotverwalter reicher Erben, aber auch Rentenfonds werden da nicht tatenlos zusehen. Kein Hochglanzblättchen und keine Gewerkschaft hätte Verständnis, wenn die Hoffnungen abertausender Kleinanleger enttäuscht würden, darunter nämlich viele jener, die in ihrer achtstündigen Schicht bei BMW ihre vierundzwanzig Kabelbäume verlegen oder einhundertachtundsiebzig Chromschnallen an den Grifflaschen anbringen, wöchentlich fünfmal, und sich's in ihrer Pension auch noch ein wenig gut gehen lassen wollen.

Also fordert VW (und BMW, das beim E-Auto besonders weit ist, wird heftig dazu nicken) staatliche Eingriffe, fordert etwa die Einführung einer eigenen Spur auf den Autobahnen, die Elektrofahrzeugen vorbehalten bleiben soll, sowie den Ausbau der Elektrotankstellennetze durch die Öffentlichkeit. Denn aus wirtschaftlichen Überlegungen macht das kein Privatunternehmen.

Dieses Beispiel alleine zeigt, wie sich selbst aus einer Schnapsidee eines fragwürdigen, aber an Geld wie Verbindungen reichen Politikers aus den USA, der aus verletzter Eitelkeit demonstrieren wollte, WAS WIRKLICH Politik in Demokratien macht - Stimmung, nicht sachliche Überlegung** - und darin enormen "Erfolg" hatte, ein realer Faktor mit enormem politischem Gewicht entwickeln kann.

Er mußte nur Gesellschaften finden, die geschlossen genug*** sind, um die Implikationen des Totalitären der aus seinen Thesen erfließenden Konsequenzen auch umzusetzen. Und siehe da, er fand solche geschlossenen Gesellschaften in Deutschland und Österreich und Skandinavien, nicht zufällig Länder mit dem höchsten Wohlstand und dem bestausgebauten Sozialstaat. Wo die Entscheidungswege kurz, die Fristen zu Korrekturen, weil immer gesamtsystemisch wirksam, lang sind. So schafft man Alternativlosigkeiten, eine löst die nächste ab.

Sodaß sich aus einer "Alternativlosigkeit" eine solche ganz anderer Art entwickeln kann: Nun wird etwa nämlich der gesamte Sektor der sogenannten erneuerbaren Energie (zählen wie die Elektroautos auch gleich dazu) nicht mehr zu einem Ausweg aus einer Bedrohung, sondern zu einem positiv(istisch) zu fassenden politischen Entschluß. Es wird zu einem klaren Projekt der Politik, völlig abgelöst von jeder Klimadiskussion. Er wird zu einer realpolitischen und wirtschaftlichen Notwendigkeit.

Das zeigt nebenbei auch die Komplexität der Interessenslagen, die in dieser an sich "wissenschaftsinternen" Diskussion mitspielt. Und es zeigt, daß es in der Frage um Sinn und Unsinn von Maßnahmen nicht um der Sache gemäßes Vorgehen geht, sondern längst um sehr reale politische Konsequenzen. Die tatsächlich bereits "alternativlos" sind. Ein ganzer Wirtschaftszweig, ja der Umbau einer ganzen Volkswirtschaft wurde geschaffen, der nicht auf Marktgeschehen basiert, sondern die Schöpfung des politischen Willens ist.
  
                     
                     Teil 2 morgen) Eine Politik der Ästhetik folgt der Ästhetik der Politik



*Zahlen der deutschen Autoindustrie im Überblick aus der Welt: Ausgaben deutscher Automobilhersteller und -zulieferer im Jahr 2012 für Forschung und Entwicklung 16,1 Milliarden Euro (Globale Autoindustrie: 50 Milliarden Euro) Umsatz deutsche Autobranche 2012 (Hersteller von Fahrzeugen, Anhängern, Aufbauten, Kfz-Teilen und Zubehör): 357 Milliarden Euro (+1,6 %), davon 128,2 Milliarden Euro (- 0,4 %) im Inland.

F&E nach Konzernen: Volkswagen 7,2 Milliarden Euro (plus 5,4 %) Toyota (6,7 Milliarden in Euro), Ford (3,65 Milliarden Euro) und BMW (3,61 Milliarden Euro) auf.

**Wer diesem Satz ein "leider leider" umhängen möchte, sei schärfstens gemaßregelt. Das ist keine bedauerliche Irrtumsanfälligkeit verdummter Massen als eine der Schattenseiten medienbasierter Demokratien, sondern es ist das Wesen des Menschen, daß er aus Stimmungen heraus urteilt. (Als Hinweis zur Unterlegung dieser Behauptung: Man lese Kant, man lese Whitehead, man lese Palágyi, und Thomas von Aquin hat auch dazu geschrieben.) Al Gore's Genie darf man durchaus darin erblicken, das ganz scharf erfaßt zu haben. Der Film, mit dem er diese Lawine auslöste, und der sachlich dilettantisch überhaupt nicht haltbare Behauptungen aufstellt, beweist das eindrücklich. Er ist reine Stimmungsmache, eine simple Metapher also, die den Nerv der Zeit, das immer umfassendere weil tiefgreifende Schuldbewußtsein der Gegenwart, perfekt traf - und die Tiefe des Absoluten auf geographische Weite umlegte, ein an sich sehr der menschlichen Anschauungsweise entgegenkommender Vorgang. Denn das Absolute "ist" auch "weit" und allumfassend. Al Gore wies einen Weg! Einen metaphorischen Weg der Schuldbewältigung.

***Direkt damit hängt zusammen, daß jener Politiker, der diesen Klimaideen direkt zuspricht, Barack Obama, der also aus diesem dieser Metapher zugrundeliegenden Geist geschnitzt ist, seine Politik vor allem darin definiert, solche Geschlossenheit der Gesellschaft auch in den USA anzustreben.  




*130713*

Montag, 3. September 2012

Lebendigkeit ALS Ästhetik

Das Ankünftigwerden des Lebens im Lebendigen ist seinem Wesen nach ästhetisch, in sich formal. Nicht also ein getrennt zu sehendes "Ich", das sich ästhetische Qualitäten in Projektion in die Welt hinein denkt oder sieht, sondern als Struktur seines konkreten Hierseins bildet die subjektive Ästhetik die Struktur der wahrgenommenen Welt.

Im Maß seines Lebendigseins ist also der Mensch ästhetisch. Wie in seiner Art.

In der Kunst, in der Gestaltung steigert sich diese Lebendigkeit im Erleben seiner Selbst. Denn das Erleben des Lebendigseins IST das Leben selbst; und es ist ästhetisch, als subjektiver Vorbegriff von Erlebensqualitäten. 

Nicht aber im Festhalten an ästhetischen, formalen, vorgeformten Kriterien, sondern genau in der Offenheit der Selbsttranszendenz.

Deshalb KANN das Heilige, das Göttliche, das Erhabene nur schön sein.



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