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Freitag, 11. Februar 2011

Zweifach

Eric Satié (1866-1925) - Gymnopedie No. 1

Jean Cocteau schreibt in "Hahn und Harlekin" über den Komponisten: "Satié ist das Gegenteil eines Improvisateurs. Man könnte meinen, daß sein Werk im voraus fertiggestelt wurde und daß er es gewissenhaft Note für Note loslöst. [Er] lehrt unsere Epoche die größte Kühnheit: schlicht zu sein. Hat er nicht den Beweis geliefert, daß er raffinierter sein kann als jeder andere? Er deckt jedoch den Rhythmus auf, befreit und entblößt ihn. Handelt es sich erneut um die Musik, auf der, wie Nietzsche sagte, 'der Geist tanzt, nach jener Musik, in der der Geist schwimmt'?"


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Mittwoch, 5. Januar 2011

Wahrheit

"Die äußerste Grenze der Weisheit wird vom Publikum Wahnsinn genannt."

Jean Cocteau

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Samstag, 25. Dezember 2010

Was für ein Leben führen wir

Jean Cocteau erzählt, wie er Ostern 1917 mit Pablo Picasso in Rom an einer Inszenierung ("Parade") arbeitete. Nach 14 Tagen durchgehender Arbeit, wo sie für nichts anderes Zeit hatten, gingen die beiden schließlich doch einmal spazieren. Sie wollten endlich etwas von Rom sehen.

Da kamen sie an eine Kirche. Picasso meinte, sie sollten doch hineingehen. Die Kirche aber war voll mit Gläubigen, Lichtern, Musik und Gebet. Ein Besuch war unmöglich. Laß uns in eine andere gehen, meinte Cocteau.

Doch auch in der nächsten war es nicht anders: überall dasselbe Schauspiel.

Schweigend gingen die beiden lange nebeneinander her. Dann sagte Picasso: "Wir leben wie die Hunde."

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Sonntag, 19. Dezember 2010

Ordnung machen

Eric Satié (1866-1925)
Jacques Maritain erzählt seinem Freund Jean Cocteau in einem Brief von der Bekehrung von Erik Satie, dem Komponisten. Der was schwer erkrankt, und Maritain hatte ihn noch wenige Wochen vor seinem Tod besucht.

"Als ich das erste mal sein Zimmer im Spital St. Josef betrat - Pierre de Massot hatte mich hingeführt und für einen Augenblick zurückgezogen - flüsterte er mir ins Ohr: "Sie wissen, ich bin nicht so ein hartgesottener Religionsfeind. Wenn ich gesund werde, werde ich mein Leben ändern. Aber nicht auf einmal, um nicht meinen Freunden Ärgernis zu geben. Und dann, ich habe jeden Morgen ein Kreuzzeichen gemacht ..."

Als der Spitalsgeistliche wie gewöhnlich am Karfreitag durch die Säle ging, um zu fragen, wer Ostern halten wolle, antwortete er: "Aber gewiß, ich bin katholisch!" Er beichtete des  Abends noch; da er die Gebete vergessen hatte, bat er die Pflegeschwester ihm bei der Buße zu helfen. Sie verrichteten zusammen das Gebet des Herrn und den Englischen Gruß; Satie weinte. Zweimal noch verlangte er nach der Heiligen Kommunion. Zu Reverdy, seinem Vertrauten, sprach er von seinen frommen Übungen in seinem unnachahmlichen, halb ernsten, halb schalkhaften Ton, den die Schamhaftigkeit ihm eingab, wenn er von sich selbst sprach.

Zu mir sprach er vor allem von Musik und von Küchensachen. [...] Einmal fuhr er mich derb an, weil ich eine auf seltsame Weise verschwundene Büchse Konfekt nicht mehr finden konnte. Alle Schubläden mußten durchstöbert werden. "Es ist doch nicht weit her mit einem katholischen Autor, wenn er nicht einmal imstande ist, eine verschwundene Büchse Konfekt zu finden. Man braucht sie bloß sehen, wie sie suchen, um zu wissen, daß sie sie nie finden werden."

Alles in allem zeigte er in seiner rätselhaften und grausamen Krankheit musterhafte Geduld. Und stets diesen seltsamen - von Überlegung und Ironie, von Ängstlichkeit und Absonderlichkeit getragenen - Ordnungssinn, der bei ihm eine so tiefe Bedeutung besaß. Zuletzt befiel ihn eine nur durch wache Momente unterbrochene Ohnmacht. Als ich an seinem Bette sitzend leise meinen Rosenkranz betete, erwachte er und sagte: "Es ist gut beisammen zu sein, wenn man zusammen denkt." Dann fiel er in Schlaf. Das sind die letzten Worte, die ich aus seinem Munde hörte. Nach einer halben Stunde ging ich leise fort. 

Ich sah ihn erst wieder, als er auf der Bahre lag. Er hatte die letzte Ölung bei vollem Bewußtsein erhalten. Ich glaube, daß er seinen Freunden viel erbitten wird."

"Gott kann man nichts vormachen," schreibt er dann an anderer Stelle. "Er verachtet die Literatur. Er hat das reine Auge Satié's geliebt."

Aus "Der Künstler und der Weise - Jean Cocteau und Jacques Maritain - Briefe"

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