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Donnerstag, 23. Dezember 2021

Auch das gehört unter den Baum (2)

Ein Symbol, ein Königreich für ein Symbol! Die Erlösungsidee. Die Feinde. Der Tod. - Käutner stellt ein mehr oder weniger zusammengeklittertes Symbol dar. Er macht Ludwig II. zum Sinnbild des Idealen, des Schönen, Guten, Wahren, das inmitten des Reißwolfs der Moderne untergehen muß. Die Welt ist brutal, und die Macht gehört den Skrupellosen. Aber nur die Schönheit kann Mensch, Kultur, Volk prägen, nur die (idealisch überhöhte, eigentlich aber als Sakrament mißverstandene) Kunst als Kult des Vollkommenen kann ein Volk zu sich selbst führen.

Richard Wagner sollte die Werkzeuge der Auferstehung der innersten Kräfte des Volkes schaffen. Denn so war dessen Werkverständnis, als Liturgie, in deren Grammatik sich die Grammatik des Ewigen enthält, an der der Einzelne vorbehaltlos wie an einer Kommunion teilhat. Was viele nicht wissen ist, daß sein Nibelungenring (insbesonders Rheingold) eine fundamentale Kapitalismuskritik zum Inhalt hat, als das alles wahrlich Menschliche, Hohe Zerstörende.

Mittwoch, 22. Dezember 2021

Auch das gehört unter den Baum (1)

QR Film Ludwig II.
Es geht auch zum Hören, was als Film über "Ludwig II." im Jahre 1955 angelegt wurde (und auf Youtube an mehreren Stellen angeboten wird.) Denn der Maestro della musica höchstpersönlich, Herbert von Karajan, bietet mit den Wiener Philharmonikern sowie namhaften Solisten (Martha Mödl als Isolde, Wolfgang Windgassen als Tristan) die unvermeidliche Wagner-Musik zum Liebling so vieler romantischen Bewegungen, zum Kreis der Legenden und Sagen rund um den vorvorletzten Bayernkönig. 

Den O. W. Fischer spielt. Dessen denkwürdige Leistung einerseits bis in die Nebenrollen (wer hätte da etwa einen Klaus Kinski vermutet? war der auch mal Schauspieler, ehe er sich als Kasperl seiner selbst verdingt hat? natürlich, und wie!) von einem hochkarätigen Ensemble getragen wird. Wer Marianne Koch hier in jungen Jahren (als Prinzessin Sophie, die sich historisch mit Ludwig verlobte, ohne daß es dann zur Ehe kam) sieht, das nebenbei, kann sich nur fragen: Mein Gott, diese vielleicht schönste Frau Deutschlands im 20. Jahrhundert ist wirklich nie gealtert. Sie war immer gleich schön. 

Samstag, 23. Februar 2019

Der Samstag-Nachmittag-Film

Diesmal soll die Aufmerksamkeit des Lesers auf ein wahres Kleinod der deutschen Filmgeschichte gelenkt werden. Das dem Publikum weit weniger bekannt ist als Kennern der Filmgeschichte. Denn "Unter den Brücken" unter der Regie von Helmut Käutner wurde von Mai bis Oktober 1944 in Berlin und Umgebung gedreht, als es bereits schwierig war, die Bombenschäden in Berlin auszublenden, und wo sich die Rote Armee bereits der Oder näherte. Erst 1946 kam er deshalb in die Kinos, 1945 gab es ja kaum noch funktionsfähige Lichtspieltheater in Berlin.

Aber er zeigt einmal mehr, daß der deutsche Film auch mitten in all den Wirren und ideologischen Bedrückungen des Landes künstlerisch erstaunlich freie Hand hatte. Dafür sorgte Goebbels höchstpersönlich, der sämtliche Filmproduktionen des Deutschen Reiches zur Ufa zusammengezogen und die Filmproduktion zentralisiert hatte. Dennoch hatten Propagandafilme einen nur kleinen Anteil (etwa 15 Prozent) an der bemerkenswerten Produktivkraft des Films. Der deutsche Spielfilm blieb beliebt und qualitativ hochwertig, weil die Künstler große Freiheit genossen. Was 1944 sogar zur erstmaligen Überschreitung der Milliarde bei der Zahl der Kinobesucher im Reich geführt hatte.

"Unter den Brücken" ist ein überaus poetischer, künstlerisch wirklich gelungener Film, zu dem Helmut Käutner auch am Buch mitarbeitete, das sich an einen französischen Roman anlehnt. Der in der Geschichte zweier Männer, Kahnschiffer, Teilhaber an demselben Lastkahn, mit dem sie tief verbunden sind, die dieselbe Frau lieben, eine Privatheit des Lebens, eine Individualität und persönliche Originalität, dabei eine Breite des Lebensspektrums zeigt, die immer gültig bleibt. Und die das eigentliche Wesen der Poesie ausmacht. 

Mag rundum die Welt zusammenstürzen, die Welt der allermeisten Menschen ist davon eigentlich unberührt. Sie dreht sich um Liebe, seelische Konflikte, zwischenmenschliche Spannungen, und alltägliche Lebensbewältigung. Unglaublich fein das Spiel, unglaublich subtil in allen filmerischen Mitteln (man beachte alleine das Licht!) und tollen Einfällen sind die seelischen und zwischenmenschlichen Konflikte auf die Leinwand gebracht. Man kann in manchen Szenen die Figuren denken hören, ohne daß etwas gesprochen wird. Ganz ruhig und unspektakulär das Geschehen, und doch packend bis zum Schluß. Großartig die Proponenten, phantastisch gelungen die Figurenzeichnung, allen voran von Gustav Knuth, Carl Raddatz und Hannelore Schroth.

Besonders interessant übrigens die Behandlung des Erotischen, der Leser möge sich selbst seine Gedanken dazu machen. Sie wird nämlich in ihrer Bedeutung gerade im Zwischenmenschlichen durchaus realistisch gezeigt, und damit auch in ihrer Relevanz nicht geschmälert, aber auch in ihrer Notwendigkeit zur Ordnung deutlich. Entsprechend verändert sie ihre Rolle im Film.








*070119*

Samstag, 26. Januar 2019

Der Samstag-Nachmittag-Film

Nicht nur ein Film mit der berückenden Liselotte Pulver. Sondern ein Film über Normalität, die sich dennoch bereits als im Umbruch befindlich abzeichnet. 1957 unter der Regie von Helmut Käutner produziert, zeigt sich in "Die Zürcher Verlobung" eine Welt, die man als Heutiger vermutlich als "kitschig" empfindet. Warum? Weil sie eben - normal ist. Wir sollten uns vielleicht angewöhnen, das Normale wieder normal zu finden.

Ganz einfach deshalb, damit wir selber wieder normal werden. Dann werden wir auch das Drama wieder verstehen lernen. Wieviel Freude würde sich uns wieder erschließen.  Der VdZ meinte einmal in einem Interview (vor 20 Jahren), daß die Gegenwart nur die Tragödie verstünde weil verdiene. Er hat sich geirrt. Sie ist nicht bereit dafür. Sie müßte dazu erst einmal wieder normal werden. Erst dann gäbe es wieder Lebensfreude. Unnormale, irre Zeiten sind auch freudlose Zeiten.

Und sieh da. Normal geworden, kann man plötzlich in diesem Film den feinen Humor genießen, der enthalten ist. Humor ist immer fein. Weil er aus der Normalität lebt. Zum Wohle, geneigter Leser! Sehen Sie, wie man eine Frau zu nehmen hat.

Und freuen Sie sich nicht nur auf die berückende, im übrigen im besten Sinn erotische Liselotte Pulver, sondern auch auf einen überraschenden Gastauftritt des wie immer entzückenden Rudolf Platte. Was kann das übertreffen! Der Schluß, wo Platte noch einmal seinen Moment hat, ist umwerfend wohltuend.

Es liegt am Medium Film, seiner materialen Eigendynamik, Chaplin hat es in seiner Ablehnung schon richtig gesehen, daß sich die Banalität im Film derartig ausgebreitet hat. So daß heute wirklich nix mehr erhebt.









*241118*

Samstag, 12. August 2017

Der Samstag-Nachmittag-Film

Mit "Wir machen Musik" hat sich der deutsche Musikfilm selbst ein Denkmal gesetzt. Und einigen der Legenden dazu, wie Ilse Werner. Die Musik muß da natürlich von Peter Igelhoff stammen, diesem wunderbaren Meister des heiteren Liedes. 

Der Film unter der Regie von Helmut Käutner ist einfach großartig gemacht. Er erinnert daran, welche Rolle die Musik im Kulturleben unseres Volkes - wie jedes Volkes - spielt. Wenn das Lied aber stirbt, wo nicht mehr gesungen wird, ist eine Kultur bereits im Entschwinden, liegt am Totenbett. Denn alles Leben, alle Welt ist in seiner inneren Struktur Musik.












*030817*