Treibgut - Wo am breiten Strome die Ufer stehen, sind Schwarzerlensamen aufgegangen, und schäumen als saftige Büsche die Ränder der großen Lethe, die alles ins Dunkele Meer trägt; ihre weichen Äste, die noch nicht ahnen lassen, welcher später als kahler Stamm reife Blätter hoch in der Sonne wiegen wird, tauchen in die Wasser, wie Kinderhände. Dann und wann greifen sie, denen alles noch ernstes Spiel ist, nach Treibgut. Oder es bleibt hängen, lädt zum Tanze, haucht im Kusse Lebwohl
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Dienstag, 3. Januar 2023
Kletten im Haar
Sonntag, 7. August 2022
Das gegebene Wort
"Dann wäre das Denken das Übernehmen eines "sprechenden Bildes" (Sprachbildes) VON JEMANDEM, das heißt: Das uns angeboten wird bzw. das von uns wahrnehmbar existiert.Kraft unserer Phantasie vermögen wir nun, dieses Sprachbild auf Übereinstimmung - direkt oder in seiner Grammatik, seinen Schemata, seinen Strukturen und so weiter - mit dem Begegnenden zu legen, um zu sehen ob es die Sinnesdaten erhellt, das heißot: zu Gestalten werden läßt, die untetreinadner so handeln, daß sich die Logik sowohl im Sprachbild als auch im realen Bild der Dinge deckt."
Bogdan Tzessneff, "Mysli" (Gedanken)
So wir dauch die These immer begreifbarer, die der katholischen Lehre zugrundeliegt. Und die vom Schöpfungsbericht her die Welt im Menschen, von der Gesamtshcöpfung her gesehen aber im (ganz)Gott(ganz)Menschen Jesus Christus zusammenfaßt.
Samstag, 2. Oktober 2021
Aus den Notizen am Nachmittag eines normalerweise gebrauchten Tages (2)
Donnerstag, 30. September 2021
Aus den Notizen am Nachmittag eines normalerweise gebrauchten Tages (1)
Sonntag, 23. Dezember 2018
Geburt aus dem Eid (4/2)
Teil 4/2
In diesem Sinn kann es auch Tradition - vor allem wo sie lange schon währt, denn über kurze Frist kann auch eine Täuschung bestehen, wenn auch nur auf ihre Art - nur als Gutes geben. Denn was nicht gut ist, ist nicht wahr, und es muß deshalb vergehen. Irgendwann vergeht alles, was nicht gut, nicht schön, nicht wahr ist. Weil ihm das Sein fehlt, zu dem es die Teilhabe nicht aufrecht halten kann.
Diese Tradition wird aber nicht einfach nur durch Personen in aktuellen, heutigen Akten und Gesprächen und Ansprachen vermittelt. Sondern sie lebt in allem, was die Menschen, die einem bei der Geburt schon voraus gegangen sind, in ihrem Leben gewirklicht haben. Womit die Welt, sagen wir, vollgestellt ist, in die wir geboren werden, und die im Ergreifen dann unsere Welt wird.
Als Kultur, in der wir leben. In einem Volk als Gemeinschaft der sich ans selbe Erinnernden, also mit einer gemeinsamen Geschichte, in seinen Gewohnheiten, seiner Sprache, seinen Bräuchen und Kulten und Riten, seinen Tänzen und Liedern, kurz in allem, was das ausmacht, was man Lebensvollzug nennt. Dort liegt auch unsere Basis als Individuum, weil wir uns zu allem diesen auch verhalten. Also kommunizieren. Einzelner und Tradition haben damit etwas Unauflösbares, weil die Kommunikation wie gesagt zwei Seiten braucht, sonst fällt Sprache ins Leere, löst sich auf.
Man muß dazu auch die Seite sehen, daß ein Mensch, der ja auch leiblichen Ursprung hat, durch das ihm Mitgegebene auf diese Umgebung hin vorgeprägt ist. Der mitgegebene Leib ist das Sehwerkzeug, um es einfach zu sagen, die Raumstation, von der aus man der Welt begegnet. Der man nie entfliehen, die man bestenfalls und langsam etwas verändern kann. Über den Geist als einzige Brücke, damit ... über die Gnade, also nicht von uns alleine zu schaffen. Weil, wie gesagt, die Sprache der Sprache nicht aus uns kommt, sondern uns voraus geht. Wir haben also einen Leib, eine Basis, mit all ihrer Geschichte. Auch in negativen, verweigernden Haltungen, was immer heißt: Ein Gut ausklammernd. Aber genau so und noch weit mehr in allem, was uns überhaupt ausmacht. Was uns ... über die Sprache, über die wir verfügen, und damit erst über die Grammatik denken läßt. Was uns jenen Boden gibt, auf dem wir stehen. Von dem aus wir urteilen und planen.
Wenn es heute also Meinung ist, was man als Postmoderne bezeichnet, daß sich jeder Mensch zur Lebenserfüllung in einen Zustand der "tabula rasa" bringen muß, wo es keine vorgegebenen Gedanken und keine vorgegebene Grammatik gebe, so ist das nicht nur sinnlos und unmöglich. Es ist selbstzerstörerisch. Und daneben ist es auch müßig eine Sprache zu suchen, die keine "Macht" oder "Hierarchie" enthält. Als Wille und Absicht. Das tut sie notwendig, sonst gäbe es Sprache gar nicht, sonst gäbe es keine Grammatik als geistiges System, als Struktur von Beziehungen, und damit keine Sprache.
Der Mensch erhält die Sprache, er erhält die Erzählungen, die nicht nur "Inhalte" weitergeben, sondern die in sich jene Basis und Weltstruktur enthält, aber auch an ihrem Ursprungsende sozusagen die Grammatik des transzendenten Seins, des Wortes, der Wahrheit (die bereits die welthafte Gestalt der Sprache der Sprache ist), die zuerst einmal die Basis aller seiner weiteren Urteile und Entscheidungen bildet.
Wer die Tradition ablehnt, lehnt zuerst einmal sich, und darin seine Vorfahren ab. Er vertraut ihnen nicht, und damit sich selbst nicht. Das ist der wirkliche Grund, warum wir social media brauchen. Sie sind die ständig notwendige Selbstvergewisserung, weil wir uns nicht mehr trauen, weil wir unseren Vorfahren nicht mehr vertrauen.
Gerade zu Weihnachten erleben wir etwas Besonderes. Wir erleben, daß sich das Geheimnis der Welt in einer Erzählung kundtut. Und Erzählung heißt: Einer dargestellten Grammatik. Einer mündlichen Erzählung, die in der Schrift leichter erinnert werden kann, deren Schriftzeichen zumindest Bojen sind, die uns zu den innersten Inhalten der letztlich transzendenten oder transzendenzoffenen Sprache führen.
Und diese Offenheit hat Sprache übrigens immer. Deshalb ist es durchaus lohnenswert, auch dem Lügner genau zuzuhören. Letztlich sagt er die Wahrheit, oder eine Wahrheit, nur auf eine andere Art. Und irgendwann verrät er sich. Irgendwann führt sich die Lüge ad absurdum, und verkündet die Wahrheit, als Grund, warum sie zur Lüge umformiert wurde. Also zur Täuschungsabsicht über die Welt wurde. Aus der heraus man eine andere, neue Welt schaffen wollte. Sie ahmt damit Gott nach, will sein wie Gott. Lüge und erste Sünde liegen wie im Ehebett beieinander.
Damit kehren wir zum Anfang dieser Ausführungen zurück. Daß die Sprache in seinen Urgründen ein Eid ist. Ein Versprechen auf Weltschöpfung. Unsere Sprache ist die ikonenhafte Offenbarung jener Sprache, auf der die Welt insgesamt beruht.
Die Erzählung enthält die Grammatik der Welt, haben wir gesagt. Umso mehr trifft das auf die Erzählungen vom Anfang der Welt zu. So ist es auch bei Weihnachten, diesem neuen Anfang der Welt. Im Weihnachtsevangelium. Und wird in der Lesung am ersten Weihnachtstag, dem Prolog des Johannes Evangeliums, ausgelegt. Wo die tiefe Grammatik der Weltschöpfung, die Eidhaftigkeit des Wortes vor Augen steht: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.
Indem dieses Wort auf die Erde kommt, fleischlich wird - als Gestalt, in der alles enthalten ist: als fleischgewordener Gott, der zugleich in einer der drei Personen Mensch, also Sohn Gottes ist - wird die Welt tatsächlich neu geboren, weil nicht nur durch eine Ikone, sondern durch den nunmehr welthaft gewordenen, Fleisch gewordenen Urgrund neu geschaffen.
Die Welt erhält in ihrem weltlichen Kreislauf, in dem sie gewissermaßen in sich steht bzw. stehen sollte, der ohne Verbindung mit Gott, dem Sein, aber nicht sein kann, diese Bestandsquelle neu zurück. Gott wird eingeschleust gewissermaßen in diesen Kreislauf der Sinne und Beziehungen, der die Welt ist.
Es sind ja die Sinne, über die wir an jenem Außen teilhaben können, das uns grundlegt und dann immer wieder von neuem nährt, also bestehen läßt, was dem Menschen als Ebenbild Gottes zubedacht war. Die in der Ähnlichkeit enthaltene Disposition der Teilhabe an jener innergöttlichen Gnade, zu jener Liebe, in der Gott ist, und Fleisch geworden wieder unter uns weilt. Und nun wie im Paradies unter uns wandelt, und damit auf eine Weise - in der Kirche - die Welt in ein Paradies verwandelt. Jenes Paradies, von dem die Propheten gekündet haben, daß es eines Tages kommen wird - in der Fleischwerdung Gottes.
An ihn angebunden, und nur insoweit, sind wir Bewohner dieses Paradieses. Dessen Vollgestalt freilich noch nicht da ist, dazu muß das Schlechte wie bei der Ernte als Spreu ausgesondert werden. Beim Jüngsten Gericht. Aber wir Getaufte dürfen bereits in dieser geistigen Welt und Wirklichkeit leben. An der wir freilich nur im Glauben ganz teilhaben können. Aber einmal, nach dem Jüngsten Tag, werden wir nicht mehr glauben müssen, sondern werden es sehen.
Im Weihnachtsfest machen wir diesen Anfang Realität. In dem Paradies gehörigen Spiel des Ritus, des Kultes, der in den Gebräuchen deren konkrete Weltwerdung vollzieht. Uns damit zeigt, wie Geist Welt wird, so wie Gott Mensch wurde.
Lassen wir uns das deshalb nicht nehmen. Sondern begehen wir mit heiligem, ehrfürchtigem Ernst jenes Spiel, als das die Welt überhaupt nur sie selbst ist. Mit allen Traditionen, mit allen Gesten und Riten, mit allem Kult. Wie es uns übergeben wurde. So daß wir aus Weihnachten heraus, vom Eid Gottes aus, der sich uns zugesagt hat, der uns seinen Eid gegeben hat, weil er gesprochen hat, weil sein Wort in der Welt ist, in ein neues Jahr gehen, das somit im Wort begonnen zu einer Weltschöpfung wird. Die Wandel und Wechsel zur Eigenschaft hat, damit auch die Jahreszeiten braucht, weil Sein in der Welt - Freiheit - nur jeweils aktiv, im Vollzug an einem Begegnenden, überhaupt da sein kann.
Wir können von hier aus die letzte Linie ziehen. Daß nämlich diese Weltschöpfung in einer Person gründet. Und diese Person wiederum in einem Namen, dem ersten und eigentlichen Wort - Jesus. Dem Grund- und Schlußstein der Welt, in dem er sie in das Universale der göttlichen Gegenwart hebt. Zum himmlischen Jerusalem. Dem Urbild jeder Ikone, jeder Schrift, jedes Wortes, jedes Dings auf der Welt. In ihm ist alles enthalten.
Und so können wir auch unser Sprechen - unserem Hauch - spiritus, spirare, atmen - als Träger (als Träger! als Ikone! nicht als dieser Gott selbst!) des göttlichen Hauchens innerhalb der Dreifaltigkeit - als Weltzeugungsakt begreifen. Das in der Wahrhaftigkeit den Eid - zum schönen, guten, Welt werden sollenden Wort geworden - erfüllt.
Im hinausgestellten Wort ist alles eine Idee aus dem unendlichen logos, dieser nach außen drängenden, lebendigen, beziehungsvollen Grammatik des Geistes. Der sich im Wort in die Welt hebt, die im Gehörtwerden - auch in unserem eigenen Hören, denn wir hören uns selbst, ja denken ist sprechen und hören, ist nicht leise, ist nicht stumm, sondern tönt in uns - bewegt und somit Welt schafft.
Je mehr unser Sprechen zum Eid wird, und in dieser Haltung also Fenster zur Gnade wird, desto mehr schöpferische Kraft haben wir. Weil wir Gott ähnlich sind, und so an seinem inneren Leben teilhaben können.
Das wird uns in Weihnachten durch die Fleischwerdung Gottes des Sohnes wieder geschenkt.
Geburt aus dem Eid (4/1)
Worte, Sprache, die mehr ist als ratio, als Verstand, sind nur ein Aspekt davon, sondern die die Sprache als jenes Gewebe betrachten, auf dem die Welt - ja letztlich Gott - überhaupt aufruht und insofern die Welt ist. Damit stehen wir vor der Tatsache, daß die Grammatik dieses innerste Wesen des Sprechenden - also die Wahrheit - erkennbar macht. Die Gesetze der Grammatik der Welt sind somit Hinweis auf Struktur und Gesetz der Wahrheit.
Das macht begreifbar, warum in einer Zeit, in der die Wahrheit als "nicht vorhanden" bezeichnet wird, sowohl die Welt als auch die Sprache verkommen muß, und verloren geht. Beides verliert nicht nur ihren Wahrheitsgehalt, sondern mit dem Wahrheitsgehalt auch ihre kommunikative Möglichkeit. Denn ohne Wahrheitsbezug gibt es kein Sprechen. Und damit keine Welt.
Das wird auch durch die viele Schrift (fälschlich weil vorschnell als "Information" bezeichnet) nicht anders, die heute mehr und mehr das ad personam gerichtete, gesprochene Wort ersetzen soll, was ein furchtbarer Irrtum genauso ist wie ein verzweifelter Versuch, ihre Tragfähigkeit in der Welt wieder zu finden.
Weil die Schrift auf eine Symbolhaftigkeit zurückgeht, in der die ins Transzendentale, alles Welthafte, Geschöpfliche, Begründende reichende Tiefe als Sprache der Sprache (wie Heidegger es nennt) hinweisend, aber als Ganzes, Integeres, als ikonenhaftes Bild repräsentiert und damit als Fenster dorthin gegenwärtig gesetzt wird.
Das ist der Grund, warum Schrift und Bild (als Symbol, also als Kunst) auch in unserer Kultur anfänglich keine zwei Dinge, sondern eins waren. Die alte Buchmalerei, aber auch die alten Bilder oder Kirchenmalereien drücken genau das aus. Ich behaupte: das ist auch der einzige Hintergrund der Höhlenbilder. Sie sind keine "Zeichnungen", sie sind Schrift, die einmal Ikone war. So wie jedes Ding, jedes Lebewesen, einfach alles ... Schrift war und ist.
Schrift ist die Ikone der Sprache, Fenster zu einer geistigen Wirklichkeit - zu der des logos, in dem aller Grund zusammen-, mit Gott in eins fällt. Wo Sein, Wille, Handeln, Liebe nicht mehr auseinanderfällt, wie beim Menschen, dem die Göttlichkeit fehlt, weil er Gott nicht mehr in allem gleicht. Sondern in einer innergöttlichen Beziehungshaftigkeit west und nur im Aktiven, im Handeln, im Vollzug IST.
Beim Menschen ist genau dies, was bei ihm in Ähnlichkeit, also Analogie da war, in der Sünde auseinandergefallen. Weil er sich vom Einen, dem Urbild seines Ganzen, abgewandt hat. Ihm ist nun Hintereinander, Nacheinander, was in Gott eins war und ist.
Schrift ist deshalb in ihrer eigentlichen Form Abbild vom Urbild, und Fenster zum Unendlichen Geist. Und jeder, der sich viel mit Schriftsprache auseinandersetzt, wird bestätigen, daß im Schreiben die reinste Form des Denkens welthaft wird. Der Schriftsteller, der Philosoph DENKT IM SCHREIBEN, bestenfalls (weil flüchtig) noch im Gespräch. Und sonst nicht.
Damit ist auch klar, daß ein gesprochener, noch mehr aber ein geschriebener Text immer verweisenden Charakter hat, sich nie selbst genügen kann, sondern als Kommunion für Sprechenden wie Hörenden da ist. Sie ist wie ein Molekül, dessen Bindungsverlangen nach vielen Seiten ausgreift. Und in gewisser Weise auch in dieser Beidseitigkeit entsteht. Jeder Schreibende, jeder Sprechende spricht FÜR jemanden. Und wenn es nur einer ist. Und wenn es nur Gott ist.
Schrift - Bild, Ikone - ist aber auch Erinnerungshilfe, so daß ein Bild aufs andere kommen kann - Denken als Gebäude möglich wird. Sie weist mehr noch auf eine Erinnerung hin, die allen Menschen gleich ist, nur in vielem vergessen, verdrängt, abgelehnt wurde. Eine Erinnerung an die Fundamente der Welt. Die ein Bild sind. Das eine Grammatik enthält. Die Grammatik der Welt.
Die ursprünglich allen Menschen gleich war, und die innere Nähe aller Sprachen zueinander begreiflich macht, in der sich alle Menschen auch heute noch letztlich verstehen können.
Ich bin vor 12 Jahren nach Ungarn gezogen. Und habe mich bis heute geweigert, auch wenn es nicht immer leicht war, die Sprache zu lernen. Ich habe dabei von Anfang an die Erfahrung gemacht, daß das für eine Alltagskommunikation auch gar nicht notwendig war. Es gab noch so viel, das eine Kommunikation möglich machte, Geste, Tonfall, Laute, nur als Beispiele, daß ich für die alltäglichen Dinge auch so durchkam. Es genügte Aufmerksamkeit. Und Rückgriff auf menschliche Erfahrung.
Wenn eine solche Kommunikation auch nicht immer leicht ist. Weil sie ursprünglich von einer einzigen Tradition ausging, von einer einzigen Weitergabe und von dort aus immer wieder weitergegeben wurde und wird, die heute - das ist der Inhalt der Erzählung vom Turm zu Babel, die Ursache dafür liegt im Hochmut, in der Abweisung der Spache der Sprache - in viele Teileigenheiten und -traditionen zerfallen ist.
Denn es ist nicht nur in allen Sprachen eine Erinnerung enthalten, die weitergegeben wird, sondern auch in ihrer Einzeltradition ist die einem weitergegebene Sprache das Fundament der eigenen Weltsicht, des eigenen Denkens. Als Sprechen und Denken IN ewigem Raum, an einem Ort, in einer Landschaft und Kultur. Eingeschränkt, spezifisch.
Das Erinnerte bildet dann den Boden jeder Person, jedes Menschen. Wer einmal mit Alzheimer-oder Demenz-Patienten zu tun hatte, weiß, daß diese mit der Erinnerung auch ihre Persönlichkeit verlieren, nicht mehr greifbar werden, so etwas wie "verschwinden" - weil die gewirklichte Gestalt der Person, die es nur in einem In-der-Welt-sein geben kann, also mit Bezügen, nur durch Erinnerung in der Welt bleibt. Dem Demenzkranken, oder machen wir es einfacher: dem Vergeßlichen, ist es nicht möglich, Persönlichkeit zu bewahren. Und umgekehrt. Der Unsittliche zeigt auch immer ein "schlechtes Gedächtnis". Das erst heißt, alle Bezüge in sich zu tragen und zu repräsentieren. Er wird in vollem Sinn wieder zum Kind, auch in seiner Verdienstlosigkeit.
Das heißt, daß ihm das entschwindet, was ihm als Mensch und Persönlichkeit übergeben wurde und laufend wird. Durch die Eltern, aber auch und je älter jemand wird, desto mehr durch die weitere oder engere Umgebung. Weil alles Welthafte, alles Dingliche auf dem Wort beruht, sind auch alle Dinge, die Welt, Erinnerungsträger, und damit Gerüst und Stütze einer Persönlichkeit. Der Demenzkranke, der Erinnerungslose kann nur diese Dinge nicht mehr lesen. Oder ... will sie nicht mehr lesen. Wie es bei manchen sogenannten Geisteskranken oft so deutlich erkennbar ist. Die Verweigerer mehr sind als angeblich Kranke.
Damit ist es die Erinnerung, die einem Menschen in dem Maß Freiheit, also Verfügungskraft über seine Möglichkeiten zu haben - das alleine zeigt schon die Verbindung von Freiheit mit dem Guten - als die Umgebung einerseits der Sprache der Sprache wahrhaftig, gerecht wird, und auch, als er den Dingen richtig, wesensgemäß begegnungsfähig und vor allem begegnungswillig ist.
Und damit auch in dem Maß, als diese Umgebung auch wahrhaftig ist. Also in ihrer Sprache das symbolisiert, was auch dem Kind (weil allen Menschen gleichermaßen) zugrunde liegt und ihm somit Welt wie Transzendentes erschließt. Als Wahrheit. Die als Schönheit sichtbar, im Guten erfahrbar und im eigenen Tun als Ergreifen der Wahrheit lebendig wird.
Sonntag, 16. Dezember 2018
Geburt aus dem Eid (3)
Auch diesmal gilt unser Dank Leser B, der mit ungeheurer Geduld und Mühewaltung den Text aus dem Video in geschriebenen Text übertragen hat.
*131118*
Sonntag, 9. Dezember 2018
Geburt aus dem Eid (2)
Erneut gilt der Dank Leser B, der auch dieses Video "abschrieb" und den (spontan) gesprochenen Text somit dem Leser auf diese Weise zugängig macht.
Sonntag, 2. Dezember 2018
Geburt aus dem Eid (1)
Mit speziellem Dank an Leser B hier auch noch "nur der Text", vom Video übernommen. Denn es war im Wesentlichen "spontan" gesprochen, mußte also nachgeschrieben werden. Verstehe der Leser diese "Drei-Gestaltigkeit" des Inhalts als Versuch, wie diese komplexen Inhalte am besten darzustellen sind. Ausnahmsweise sei der Leser ermutigt sich unter office@eberhardwagner.com zumelden, welche Form ihm am geeignetsten erscheint.
Sonntag, 8. Februar 2015
Wahrheit ist absolut
Dienstag, 5. März 2013
Hören und Sprechen als EIN Akt
Das was eint, muß jedem Sprechakt - selbst dem des bloßen Befehles, wie beim Militär - vorausgehen. Und man tritt diesem Einenden bei durch den Ort, den Stand, in dem man sich befindet, in den man eintritt.
Der Sprecher muß also selbst auf das hören, das durch ihn hindurchspricht. Er muß selbst gehorsam sein. Nur dann kann er gehört werden, nur dann sind Sprechender und Hörender eins. Für Heraklith ist es deshalb ein und derselbe Mißbrauch, Dinge auszusprechen, die nicht ausgesprochen werden sollen, wie Dinge zu sagen, deren Inhalte nicht in Kraft gesetzt sind.
Es ist der freiwillige Eintritt in jenen Geist, der mich mit dem Gegenüber eint, in dem wir beide uns einen. Damit wird die Bedeutung der Wahrheit erfaßbar, denn Einung kann es nur in der Wahrheit geben, die beiden Seiten zugängig ist, im Geist, auf den sich Sprache bezieht. Lüge bleibt im Sprechenden isoliert, mißbraucht bestenfalls den allen Menschen grundgelegten Einungswillen als Hörende, die sich selbst entfremdet werden. Und damit wird Sprache wirklich weltschöpferisch - oder -zerstörerisch, ja damit wird Wort zur Wirklichkeit selbst.
Miß- oder Unverständnisse setzen also in Problemen der Identität, in ständischen Konfrontationen an. Deshalb gilt, daß ein Volk seine Einheit in dem Moment verliert, in dem seine traditionelle Standesordnung verloren geht. Und mit der Einheit verliert es seinen Bestand. Ab dem Moment, wo die Menschen aufhören, einander zu verstehen. Ab da wird ihre Sprache zum Kampfinstrument der Selbstrettung, als nicht mehr angenommene Gestalt zur Einheit. Sie wird leer und unschöpferisch, ja zufällig, allfällig hervorgerufene Gestalten werden zwanghafte und technische Notlösungen von Interessen.
**Die Amerikaner, die die Brüchigkeit ihrer Sprache viel deutlicher ahnen, binden den Beginn der Staatsbürgerschaft deshalb direkt an ein Gelübde. Und die Vereidigung einer Regierung hat genau denselben Sinn: Darstellung, unverbrüchliche Repräsentation des alle einenden Volksgeistes. Das Eheversprechen SCHAFFT die Ehe, als gemeinsame Gestalt, die zu realisieren zwei Menschen entschlossen sind. In dem Moment beginnt eine neue Weltgestalt beim Sprechenden, und das heißt auch untrennbar: Gestalt vor der Welt. Denn wirklich ist nur, was ein innen UND ein Außen hat. Niemand kann sich nur für sich binden, aber auch selbst lossprechen, schreibt selbst ein Agnostiker wie Derrida. Erst der Name macht den Menschen zum Träger - es gibt keinen "Menschen an sich", es gibt nur unter einen Namen zusammengefaßte, nein, damit geschaffene Eigenart. Wer den Menschen ihre Namen nimmt, nimmt ihnen deshalb ihr Sein. Alles was aber etwas ist, hat einen Namen, und dieser Name birgt (und schafft) nur Wirklichkeit, weil er auf ein GEGENSEIN bezogen ist, eben ein Außen, eine Gesellschaft, eine Umgebung etc. Eine Gesellschaft besteht nur aufgrund der Namen, die ihre Glieder und Ordnungen haben. Die Liebe in einer Ehe drängt nach Schöpferischem - und sie schafft sich deshalb etwas Neues: einen Namen, als Ziel, als Forderung, als Anspruch. Und dazu muß sie etwas überwinden, wie alles, was etwas sein will, aus der Welt etwas herausschlagen muß: als neue Gegenseitsvorstellung. Erst dadurch wird überhaupt etwas. Wenn also heute nicht geheiratet wird, so deshalb, weil niemand mehr den Preis der Dinge zahlen will, wie im Spiel, und deshalb keine Dinge mehr schafft. Aber zugleich jedem böse ist, der diese Illusion, zu der sich alle per Internet und iPad verabredet haben, stört.