Dieses Blog durchsuchen

Posts mit dem Label Eid (Gelübde) werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Eid (Gelübde) werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 3. Januar 2023

Kletten im Haar

In der seit dem 10. Jahrhundert endgültig eingeleiteten Technisierung des Schreibens - Hugo von St. Victoire setzt in der Wortteilung der Schrift und dem nun folgenden leisen Lesen in dem die Sprache ihre Gestalt verloren hat, die stattdessen mathematisch aufs Papier gezirkelt und damit zweidimensional wird, den Beginn der abendänsichen Katastrophe an - in deem das Schreiben selbst unaufhaltsam zu einem nur noch techniischem Akt wurde, hat sich die Erstellung von Texten (die als fleischgewordenes Wort nur dann gelten können, wenn sie auch eine menschliche Gestalt annehmen), immer weietgehender vom Humanen (und damit von der Kunst) entfernt.

Carl Friedrich von Nägelsbach weist deshalb schon zu Beginn seiner "Anmerkungen zur Ilias nebst einigen Excursen" (mir war schon der Titel überaus sympathisch) darauf hin, daß der heutige Mensch (er schriebt das etwa 1850 als Hilfestellugn für den Unterricht des Griechischen an Gymnasien - ein großartiges Werk voller Weisheit) darauf hin, daß die Ilias praktisch immer vollkommen unverstanden und mißverstanden bleibt. Weil man nicht versteht, daß sie niemals als Text verstanden war, sondern Homer (und er ist wie Goethe völig sicher, meint auch das belegen zu können, daß das ursprüngliche Wert als Gahnzes vollkommen aus der einen Hand des Dichtersstammt, den die Überlieferung als Homer erinnert) sie als rein mnemotechnisches Werk verfaßt hat, dessen Effekte, dessen Sprache, desen Bilder, dessen Fabeln und Details ausschließlich auf den Augenblick ausgerichtet waren, in dem ein Sänger auf ein Publikum trifft, das zuhört und in seinem ganzen Gemüt reagiert und interagiert.  Erst viel später hat man begonnen, diese großartige Geschichte aufzuschreiben, und dann vor sich auf Papyrus zu lesen und zu reflektieren. 

Sonntag, 7. August 2022

Das gegebene Wort

"Dann wäre das Denken das Übernehmen eines "sprechenden Bildes" (Sprachbildes) VON JEMANDEM, das heißt: Das uns angeboten wird bzw. das von uns wahrnehmbar existiert.

Kraft unserer Phantasie vermögen wir nun, dieses Sprachbild auf Übereinstimmung - direkt oder in seiner Grammatik, seinen Schemata, seinen Strukturen und so weiter - mit dem Begegnenden zu legen, um zu sehen ob es die Sinnesdaten erhellt, das heißot: zu Gestalten werden läßt, die untetreinadner so handeln, daß sich die Logik sowohl im Sprachbild als auch im realen Bild der Dinge deckt."

Bogdan Tzessneff, "Mysli" (Gedanken)

So  wir dauch die These immer begreifbarer, die der katholischen Lehre zugrundeliegt. Und die vom Schöpfungsbericht her die Welt im Menschen, von der Gesamtshcöpfung her gesehen aber im (ganz)Gott(ganz)Menschen Jesus Christus zusammenfaßt. 

Samstag, 2. Oktober 2021

Aus den Notizen am Nachmittag eines normalerweise gebrauchten Tages (2)

Schaffen ist Umordnen, Umordnen ergibt das Neue. Das Luder in der Abendmesse Aber darauf legt sie es wohl an. Die Ungarin. Und die Gnade. - Eigenartige Doppelnatur des Wortes. Wie jedes Ding in dieser gigantischen, nur staunen machenden Schöpfung. Und Staunen, so Jolles wieder, bringt Fragen. Aber dieses Fragen hat seine Antwort bereits in sich, denn es kommt aus der Antwort. Das ist nicht irrational, sondern ein Geheimnis. Das Wort setzt und wird gesetzt, das fällt in eins: Das Darstellen ist ein Schaffen, das Geschaffene ein wieder schaffendes - weil sprechendes - Darstellen (Sein von Gestalt; Darstellen als Schaffen weil Sprechen).
 
Wesen des Schauspielers, Wesen der Kunst, Wesen es Handwerks, Wesen der Welt. Wesen Gottes, in Jesus?

Selbst von dieser Seite aber wird die Ehe konkret als das den Menschen Konstituierende begreiflich - als Mann und Frau schuf er ihn (den Menschen) - das Wort ist einfach immer und überall das, was Schöpfungsprozesse auslöst weil Sinn hervortreten und Fleisch werden läßt. 
 
Deshalb ist noch jede "gescheiterte" Ehe (was ist das?) besser als keine. (Wenn es denn eine Ehe ist.) Ohne gründendes Wort - nichts, buchstäblich. Wie widerlich, schon rein ästhetisch, wie die Leute heute leben. Seltsam, daß das verschwinden konnte. Noch vor sechzig Jahren war es so selbstverständlich. Jeder, wirklich jeder hat geheiratet, das war auch die Standardfrage für jedes Kind. Die Spiele, alles waren "Ehen." Das Vater-Mutter-Kind-Spiel, das vergißt man doch nicht, das spielen doch alle Kinder.

Donnerstag, 30. September 2021

Aus den Notizen am Nachmittag eines normalerweise gebrauchten Tages (1)

13 Uhr) Die Lektüre ist mein Restprogramm für heute. Der Vormittag ist ja durch den Fehler bei den Tabletten eher nicht so gelaufen. Der Elektriker kam nicht, und diesmal war mir die Unzuverlässigkeit der Ungarn nur allzu willkommen.

Denn wenn ich die Medikamente zur Nacht vergesse, habe ich am nächsten Tag den Salat. Ich merke es normalerweise, weil ich aufwache und im Halbschlaf Alpträume, und, davon wach, so eiskalte Gedanken an Selbsttötung auftauchen, daß es mir kalt über den Rücken läuft. Dann weiß ich: Die Tradolan ... 
Die Pregabalin habe ich weniger in Verdacht. Vier Stück, je zwei und zwei, unmittelbar vor dem Schlafengehen. Wehe wenn nicht. Auch wenn die Schmerzanfälle immer seltener geworden sind, selbst wenn ich durch sofortiges Nachnehmen der vier Tabletten das Schlimmste noch abwenden kann, neige ich am Morgen danach zu Depressionen, weil ich schon im Vorhinein weiß, daß es ein gebrauchter Tag werden wird.

Aber heute war es anders.

Sonntag, 23. Dezember 2018

Geburt aus dem Eid (4/2)




Audio + Video Teil 4/2






Teil 4/2


In diesem Sinn kann es auch Tradition - vor allem wo sie lange schon währt, denn über kurze Frist kann auch eine Täuschung bestehen, wenn auch nur auf ihre Art - nur als Gutes geben. Denn was nicht gut ist, ist nicht wahr, und es muß deshalb vergehen. Irgendwann vergeht alles, was nicht gut, nicht schön, nicht wahr ist. Weil ihm das Sein fehlt, zu dem es die Teilhabe nicht aufrecht halten kann.

Diese Tradition wird aber nicht einfach nur durch Personen in aktuellen, heutigen Akten und Gesprächen und Ansprachen vermittelt. Sondern sie lebt in allem, was die Menschen, die einem bei der Geburt schon voraus gegangen sind, in ihrem Leben gewirklicht haben. Womit die Welt, sagen wir, vollgestellt ist, in die wir geboren werden, und die im Ergreifen dann unsere Welt wird.

Als Kultur, in der wir leben. In einem Volk als Gemeinschaft der sich ans selbe Erinnernden, also mit einer gemeinsamen Geschichte, in seinen Gewohnheiten, seiner Sprache, seinen Bräuchen und Kulten und Riten, seinen Tänzen und Liedern, kurz in allem, was das ausmacht, was man Lebensvollzug nennt. Dort liegt auch unsere Basis als Individuum, weil wir uns zu allem diesen auch verhalten. Also kommunizieren. Einzelner und Tradition haben damit etwas Unauflösbares, weil die Kommunikation wie gesagt zwei Seiten braucht, sonst fällt Sprache ins Leere, löst sich auf.

Man muß dazu auch die Seite sehen, daß ein Mensch, der ja auch leiblichen Ursprung hat, durch das ihm Mitgegebene auf diese Umgebung hin vorgeprägt ist. Der mitgegebene Leib ist das Sehwerkzeug, um es einfach zu sagen, die Raumstation, von der aus man der Welt begegnet. Der man nie entfliehen, die man bestenfalls und langsam etwas verändern kann. Über den Geist als einzige Brücke, damit ... über die Gnade, also nicht von uns alleine zu schaffen. Weil, wie gesagt, die Sprache der Sprache nicht aus uns kommt, sondern uns voraus geht. Wir haben also einen Leib, eine Basis, mit all ihrer Geschichte. Auch in negativen, verweigernden Haltungen, was immer heißt: Ein Gut ausklammernd. Aber genau so und noch weit mehr in allem, was uns überhaupt ausmacht. Was uns ... über die Sprache, über die wir verfügen, und damit erst über die Grammatik denken läßt. Was uns jenen Boden gibt, auf dem wir stehen. Von dem aus wir urteilen und planen.

Wenn es heute also Meinung ist, was man als Postmoderne bezeichnet, daß sich jeder Mensch zur Lebenserfüllung in einen Zustand der "tabula rasa" bringen muß, wo es keine vorgegebenen Gedanken und keine vorgegebene Grammatik gebe, so ist das nicht nur sinnlos und unmöglich. Es ist selbstzerstörerisch. Und daneben ist es auch müßig eine Sprache zu suchen, die keine "Macht" oder "Hierarchie" enthält. Als Wille und Absicht. Das tut sie notwendig, sonst gäbe es Sprache gar nicht, sonst gäbe es keine Grammatik als geistiges System, als Struktur von Beziehungen, und damit keine Sprache.

Der Mensch erhält die Sprache, er erhält die Erzählungen, die nicht nur "Inhalte" weitergeben, sondern die in sich jene Basis und Weltstruktur enthält, aber auch an ihrem Ursprungsende sozusagen die Grammatik des transzendenten Seins, des Wortes, der Wahrheit (die bereits die welthafte Gestalt der Sprache der Sprache ist), die zuerst einmal die Basis aller seiner weiteren Urteile und Entscheidungen bildet.

Wer die Tradition ablehnt, lehnt zuerst einmal sich, und darin seine Vorfahren ab. Er vertraut ihnen nicht, und damit sich selbst nicht. Das ist der wirkliche Grund, warum wir social media brauchen. Sie sind die ständig notwendige Selbstvergewisserung, weil wir uns nicht mehr trauen, weil wir unseren Vorfahren nicht mehr vertrauen.

Gerade zu Weihnachten erleben wir etwas Besonderes. Wir erleben, daß sich das Geheimnis der Welt in einer Erzählung kundtut. Und Erzählung heißt: Einer dargestellten Grammatik. Einer mündlichen Erzählung, die in der Schrift leichter erinnert werden kann, deren Schriftzeichen zumindest Bojen sind, die uns zu den innersten Inhalten der letztlich transzendenten oder transzendenzoffenen Sprache führen.

Und diese Offenheit hat Sprache übrigens immer. Deshalb ist es durchaus lohnenswert, auch dem Lügner genau zuzuhören. Letztlich sagt er die Wahrheit, oder eine Wahrheit, nur auf eine andere Art. Und irgendwann verrät er sich. Irgendwann führt sich die Lüge ad absurdum, und verkündet die Wahrheit, als Grund, warum sie zur Lüge umformiert wurde. Also zur Täuschungsabsicht über die Welt wurde. Aus der heraus man eine andere, neue Welt schaffen wollte. Sie ahmt damit Gott nach, will sein wie Gott. Lüge und erste Sünde liegen wie im Ehebett beieinander.

Damit kehren wir zum Anfang dieser Ausführungen zurück. Daß die Sprache in seinen Urgründen ein Eid ist. Ein Versprechen auf Weltschöpfung. Unsere Sprache ist die ikonenhafte Offenbarung jener Sprache, auf der die Welt insgesamt beruht.

Die Erzählung enthält die Grammatik der Welt, haben wir gesagt. Umso mehr trifft das auf die Erzählungen vom Anfang der Welt zu. So ist es auch bei Weihnachten, diesem neuen Anfang der Welt. Im Weihnachtsevangelium. Und wird in der Lesung am ersten Weihnachtstag, dem Prolog des Johannes Evangeliums, ausgelegt. Wo die tiefe Grammatik der Weltschöpfung, die Eidhaftigkeit des Wortes vor Augen steht: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.

Indem dieses Wort auf die Erde kommt, fleischlich wird - als Gestalt, in der alles enthalten ist: als fleischgewordener Gott, der zugleich in einer der drei Personen Mensch, also Sohn Gottes ist - wird die Welt tatsächlich neu geboren, weil nicht nur durch eine Ikone, sondern durch den nunmehr welthaft gewordenen, Fleisch gewordenen Urgrund neu geschaffen.

Die Welt erhält in ihrem weltlichen Kreislauf, in dem sie gewissermaßen in sich steht bzw. stehen sollte, der ohne Verbindung mit Gott, dem Sein, aber nicht sein kann, diese Bestandsquelle neu zurück. Gott wird eingeschleust gewissermaßen in diesen Kreislauf der Sinne und Beziehungen, der die Welt ist.

Es sind ja die Sinne, über die wir an jenem Außen teilhaben können, das uns grundlegt und dann immer wieder von neuem nährt, also bestehen läßt, was dem Menschen als Ebenbild Gottes zubedacht war. Die in der Ähnlichkeit enthaltene Disposition der Teilhabe an jener innergöttlichen Gnade, zu jener Liebe, in der Gott ist, und Fleisch geworden wieder unter uns weilt. Und nun wie im Paradies unter uns wandelt, und damit auf eine Weise - in der Kirche - die Welt in ein Paradies verwandelt. Jenes Paradies, von dem die Propheten gekündet haben, daß es eines Tages kommen wird - in der Fleischwerdung Gottes.

An ihn angebunden, und nur insoweit, sind wir Bewohner dieses Paradieses. Dessen Vollgestalt freilich noch nicht da ist, dazu muß das Schlechte wie bei der Ernte als Spreu ausgesondert werden. Beim Jüngsten Gericht. Aber wir Getaufte dürfen bereits in dieser geistigen Welt und Wirklichkeit leben. An der wir freilich nur im Glauben ganz teilhaben können. Aber einmal, nach dem Jüngsten Tag, werden wir nicht mehr glauben müssen, sondern werden es sehen.

Im Weihnachtsfest machen wir diesen Anfang Realität. In dem Paradies gehörigen Spiel des Ritus, des Kultes, der in den Gebräuchen deren konkrete Weltwerdung vollzieht. Uns damit zeigt, wie Geist Welt wird, so wie Gott Mensch wurde.

Lassen wir uns das deshalb nicht nehmen. Sondern begehen wir mit heiligem, ehrfürchtigem Ernst jenes Spiel, als das die Welt überhaupt nur sie selbst ist. Mit allen Traditionen, mit allen Gesten und Riten, mit allem Kult. Wie es uns übergeben wurde. So daß wir aus Weihnachten heraus, vom Eid Gottes aus, der sich uns zugesagt hat, der uns seinen Eid gegeben hat, weil er gesprochen hat, weil sein Wort in der Welt ist, in ein neues Jahr gehen, das somit im Wort begonnen zu einer Weltschöpfung wird. Die Wandel und Wechsel zur Eigenschaft hat, damit auch die Jahreszeiten braucht, weil Sein in der Welt - Freiheit - nur jeweils aktiv, im Vollzug an einem Begegnenden, überhaupt da sein kann.

Wir können von hier aus die letzte Linie ziehen. Daß nämlich diese Weltschöpfung in einer Person gründet. Und diese Person wiederum in einem Namen, dem ersten und eigentlichen Wort - Jesus. Dem Grund- und Schlußstein der Welt, in dem er sie in das Universale der göttlichen Gegenwart hebt. Zum himmlischen Jerusalem. Dem Urbild jeder Ikone, jeder Schrift, jedes Wortes, jedes Dings auf der Welt. In ihm ist alles enthalten.

Und so können wir auch unser Sprechen - unserem Hauch - spiritus, spirare, atmen - als Träger (als Träger! als Ikone! nicht als dieser Gott selbst!) des göttlichen Hauchens innerhalb der Dreifaltigkeit - als Weltzeugungsakt begreifen. Das in der Wahrhaftigkeit den Eid - zum schönen, guten, Welt werden sollenden Wort geworden - erfüllt.

Im hinausgestellten Wort ist alles eine Idee aus dem unendlichen logos, dieser nach außen drängenden, lebendigen, beziehungsvollen Grammatik des Geistes. Der sich im Wort in die Welt hebt, die im Gehörtwerden - auch in unserem eigenen Hören, denn wir hören uns selbst, ja denken ist sprechen und hören, ist nicht leise, ist nicht stumm, sondern tönt in uns - bewegt und somit Welt schafft.

Je mehr unser Sprechen zum Eid wird, und in dieser Haltung also Fenster zur Gnade wird, desto mehr schöpferische Kraft haben wir. Weil wir Gott ähnlich sind, und so an seinem inneren Leben teilhaben können.

Das wird uns in Weihnachten durch die Fleischwerdung Gottes des Sohnes wieder geschenkt.


*181218*

Geburt aus dem Eid (4/1)

Wenn aber der Anfang von allem das Wort war, das bei Gott war, und das Gott war, stehen wir nicht nur vor der Welt als Schöpfung, dann stehen wir nicht nur vor dem Menschen als Ebenbild Gottes und seiner Sprache als seiner ersten, ihn grundlegenden Bedingung - die Sprache ist also nicht "vom Menschen erfunden", das trifft nur auf eine bestimmte Weise zu, als anpassendes, tastendes Bemühen zur eigentlichen Sprache zurückzufinden, wo das "Ja" ein "Ja", das "Nein" ein "Nein" ist. Dann stehen wir auch vor der Tatsache, daß sich in der Sprache die Eigenschaften des Sprechenden offenbaren, und dazu gehört, daß er die Ursache der Dinge der Welt ist. Im Wort, im Gedanken, in der Sprache ist die Ursache der Welt.

Worte, Sprache, die mehr ist als ratio, als Verstand, sind nur ein Aspekt davon, sondern die die Sprache als jenes Gewebe betrachten, auf dem die Welt - ja letztlich Gott - überhaupt aufruht und insofern die Welt ist. Damit stehen wir vor der Tatsache, daß die Grammatik dieses innerste Wesen des Sprechenden - also die Wahrheit - erkennbar macht. Die Gesetze der Grammatik der Welt sind somit Hinweis auf Struktur und Gesetz der Wahrheit.

Das macht begreifbar, warum in einer Zeit, in der die Wahrheit als "nicht vorhanden" bezeichnet wird, sowohl die Welt als auch die Sprache verkommen muß, und verloren geht. Beides verliert nicht nur ihren Wahrheitsgehalt, sondern mit dem Wahrheitsgehalt auch ihre kommunikative Möglichkeit. Denn ohne Wahrheitsbezug gibt es kein Sprechen. Und damit keine Welt. 
Wo die Sprache ihre Verbindlichkeit, ihre Eidhaftigkeit verliert, verliert der Mensch die Welt.

Das wird auch durch die viele Schrift (fälschlich weil vorschnell als "Information" bezeichnet) nicht anders, die heute mehr und mehr das ad personam gerichtete, gesprochene Wort ersetzen soll, was ein furchtbarer Irrtum genauso ist wie ein verzweifelter Versuch, ihre Tragfähigkeit in der Welt wieder zu finden.

Weil die Schrift auf eine Symbolhaftigkeit zurückgeht, in der die ins Transzendentale, alles Welthafte, Geschöpfliche, Begründende reichende Tiefe als Sprache der Sprache (wie Heidegger es nennt) hinweisend, aber als Ganzes, Integeres, als ikonenhaftes Bild repräsentiert und damit als Fenster dorthin gegenwärtig gesetzt wird.

Das ist der Grund, warum Schrift und Bild (als Symbol, also als Kunst) auch in unserer Kultur anfänglich keine zwei Dinge, sondern eins waren. Die alte Buchmalerei, aber auch die alten Bilder oder Kirchenmalereien drücken genau das aus. Ich behaupte: das ist auch der einzige Hintergrund der Höhlenbilder. Sie sind keine "Zeichnungen", sie sind Schrift, die einmal Ikone war. So wie jedes Ding, jedes Lebewesen, einfach alles ... Schrift war und ist.

Schrift ist die Ikone der Sprache, Fenster zu einer geistigen Wirklichkeit - zu der des logos, in dem aller Grund zusammen-, mit Gott in eins fällt. Wo Sein, Wille, Handeln, Liebe nicht mehr auseinanderfällt, wie beim Menschen, dem die Göttlichkeit fehlt, weil er Gott nicht mehr in allem gleicht. Sondern in einer innergöttlichen Beziehungshaftigkeit west und nur im Aktiven, im Handeln, im Vollzug IST.

Beim Menschen ist genau dies, was bei ihm in Ähnlichkeit, also Analogie da war, in der Sünde auseinandergefallen. Weil er sich vom Einen, dem Urbild seines Ganzen, abgewandt hat. Ihm ist nun Hintereinander, Nacheinander, was in Gott eins war und ist.

Schrift ist deshalb in ihrer eigentlichen Form Abbild vom Urbild, und Fenster zum Unendlichen Geist. Und jeder, der sich viel mit Schriftsprache auseinandersetzt, wird bestätigen, daß im Schreiben die reinste Form des Denkens welthaft wird. Der Schriftsteller, der Philosoph DENKT IM SCHREIBEN, bestenfalls (weil flüchtig) noch im Gespräch. Und sonst nicht.

Damit ist auch klar, daß ein gesprochener, noch mehr aber ein geschriebener Text immer verweisenden Charakter hat, sich nie selbst genügen kann, sondern als Kommunion für Sprechenden wie Hörenden da ist. Sie ist wie ein Molekül, dessen Bindungsverlangen nach vielen Seiten ausgreift. Und in gewisser Weise auch in dieser Beidseitigkeit entsteht. Jeder Schreibende, jeder Sprechende spricht FÜR jemanden. Und wenn es nur einer ist. Und wenn es nur Gott ist.

Schrift - Bild, Ikone - ist aber auch Erinnerungshilfe, so daß ein Bild aufs andere kommen kann - Denken als Gebäude möglich wird. Sie weist mehr noch auf eine Erinnerung hin, die allen Menschen gleich ist, nur in vielem vergessen, verdrängt, abgelehnt wurde. Eine Erinnerung an die Fundamente der Welt. Die ein Bild sind. Das eine Grammatik enthält. Die Grammatik der Welt.

Die ursprünglich allen Menschen gleich war, und die innere Nähe aller Sprachen zueinander begreiflich macht, in der sich alle Menschen auch heute noch letztlich verstehen können.

Ich bin vor 12 Jahren nach Ungarn gezogen. Und habe mich bis heute geweigert, auch wenn es nicht immer leicht war, die Sprache zu lernen. Ich habe dabei von Anfang an die Erfahrung gemacht, daß das für eine Alltagskommunikation auch gar nicht notwendig war. Es gab noch so viel, das eine Kommunikation möglich machte, Geste, Tonfall, Laute, nur als Beispiele, daß ich für die alltäglichen Dinge auch so durchkam. Es genügte Aufmerksamkeit. Und Rückgriff auf menschliche Erfahrung.

Wenn eine solche Kommunikation auch nicht immer leicht ist. Weil sie ursprünglich von einer einzigen Tradition ausging, von einer einzigen Weitergabe und von dort aus immer wieder weitergegeben wurde und wird, die heute - das ist der Inhalt der Erzählung vom Turm zu Babel, die Ursache dafür liegt im Hochmut, in der Abweisung der Spache der Sprache - in viele Teileigenheiten und -traditionen zerfallen ist.

Denn es ist nicht nur in allen Sprachen eine Erinnerung enthalten, die weitergegeben wird, sondern auch in ihrer Einzeltradition ist die einem weitergegebene Sprache das Fundament der eigenen Weltsicht, des eigenen Denkens. Als Sprechen und Denken IN ewigem Raum, an einem Ort, in einer Landschaft und Kultur. Eingeschränkt, spezifisch.

Das Erinnerte bildet dann den Boden jeder Person, jedes Menschen. Wer einmal mit Alzheimer-oder Demenz-Patienten zu tun hatte, weiß, daß diese mit der Erinnerung auch ihre Persönlichkeit verlieren, nicht mehr greifbar werden, so etwas wie "verschwinden" - weil die gewirklichte Gestalt der Person, die es nur in einem In-der-Welt-sein geben kann, also mit Bezügen, nur durch Erinnerung in der Welt bleibt. Dem Demenzkranken, oder machen wir es einfacher: dem Vergeßlichen, ist es nicht möglich, Persönlichkeit zu bewahren. Und umgekehrt. Der Unsittliche zeigt auch immer ein "schlechtes Gedächtnis". Das erst heißt, alle Bezüge in sich zu tragen und zu repräsentieren. Er wird in vollem Sinn wieder zum Kind, auch in seiner Verdienstlosigkeit.

Das heißt, daß ihm das entschwindet, was ihm als Mensch und Persönlichkeit übergeben wurde und laufend wird. Durch die Eltern, aber auch und je älter jemand wird, desto mehr durch die weitere oder engere Umgebung. Weil alles Welthafte, alles Dingliche auf dem Wort beruht, sind auch alle Dinge, die Welt, Erinnerungsträger, und damit Gerüst und Stütze einer Persönlichkeit. Der Demenzkranke, der Erinnerungslose kann nur diese Dinge nicht mehr lesen. Oder ... will sie nicht mehr lesen. Wie es bei manchen sogenannten Geisteskranken oft so deutlich erkennbar ist. Die Verweigerer mehr sind als angeblich Kranke.

Damit ist es die Erinnerung, die einem Menschen in dem Maß Freiheit, also Verfügungskraft über seine Möglichkeiten zu haben - das alleine zeigt schon die Verbindung von Freiheit mit dem Guten - als die Umgebung einerseits der Sprache der Sprache wahrhaftig, gerecht wird, und auch, als er den Dingen richtig, wesensgemäß begegnungsfähig und vor allem begegnungswillig ist.

Und damit auch in dem Maß, als diese Umgebung auch wahrhaftig ist. Also in ihrer Sprache das symbolisiert, was auch dem Kind (weil allen Menschen gleichermaßen) zugrunde liegt und ihm somit Welt wie Transzendentes erschließt. Als Wahrheit. Die als Schönheit sichtbar, im Guten erfahrbar und im eigenen Tun als Ergreifen der Wahrheit lebendig wird.

Ebenfalls heute) Fortsetzung - Teil 4/2



*131118*

Sonntag, 16. Dezember 2018

Geburt aus dem Eid (3)



Video + Audio



Auch diesmal gilt unser Dank Leser B, der mit ungeheurer Geduld und Mühewaltung den Text aus dem Video in geschriebenen Text übertragen hat.

Wir haben davon gesprochen und wir sprechen davon, daß alles Denken auf einen Eid zurückgeht, auf ein Sprechen, auf etwas, das wirklich wird, hinter dem ein persönliches Verhältnis steht. Das ist wie alles menschliche Sprechen für uns sehr schwierig. Deshalb schwierig, weil unser Sprechen letztlich ein Umkreisen ist. Das heißt aber, daß wir in diesem Umkreisen auf etwas hinweisen, das all‘ unserem Denken, und von mir, wie von Ihnen von etwas Erfaßbaren ausgeht. Dieses Erfaßbare geht unserem menschlichen Sprechen voraus. Wie das zu erreichen wäre, daß wir wirklich ganz präzise sprechen, daß wir sagen können, das „Ja“ ist ein „Ja“, das „Nein“ ist ein „Nein“ hat – greifen wir vor – mit Heiligkeit zu tun. Mit einem Zustand des Himmels, des Paradieses, den wir nicht haben. 

Daß wir aber das aber als zukünftig voraussetzen können, zeigt uns an, daß es schon einmal da war, sonst würden wir es nicht kennen. Man kann sich nur auf etwas freuen, sich auf etwas hin zu bereiten, das man kennt. Also muß es in unserer Erfahrungswelt bereits vorhanden sein, in irgendeiner Form und sei es der Ahnung, der Erinnerung. Und diese Erinnerung wurde uns von unseren Vorfahren, also von allen Menschen, die vor uns gelebt haben, weitergereicht. Es gab also einmal eine Zeit, in der das Wort Eid war und damit sehr ähnlich dem, was das Wort überhaupt ist aus dem die Welt herausgeht. Und warum geht sie daraus heraus? Weil in jedem Wort ein persönlicher Anspruch, ein persönliches Wollen liegt. Diese Eidhaftigkeit des Wortes, das wir aus dem Wort selbst herausgehend als Ähnlichkeit annehmen müssen, war unverbrüchlich. Der Eid ist unverbrüchlich. Das heißt, der Eid verheißt, wie die Welt wirklich wird, wenn wir ihrer mächtig sind. 

Das ist der Hinweis auf die Verbindung mit der Sittlichkeit. Aber die Welt selbst ist aus dem Eid geboren, sie entstand aus dem Eid. Und erst der Eid, die Verbindlichkeit unseres Wortes, also damit das Wort überhaupt, wenn es ein Wort ist, ist es nämlich nur Wort, weil es Eid ist, ist der Eid also schöpferisch, und damit ist das Wort schöpferisch. Kein Wort aus Gottes Mund, das nicht wirklich wird, real wird, Realität wird. Und das hat nur im Eid diese Kraft. Ohne Eidesqualität, ohne die eigentliche Sprache gibt es also gar keine Welt. Mensch werden, heißt deshalb auf dem Weg zu einer Sprache zu sein, die ein Eid ist. Also ist der eigentliche Mensch immer nur erst der ganz Wahrhaftige, der Heilige. Deshalb drängt auch die ganze Welt auf eine Sprache, die Eid ist und zwar, es war ihr Beginn. Alles, was auf der Welt ist, erinnert sich auf eine Weise darauf und will es wiederhaben als Seligkeit.

Es gab etwas, was diese Seligkeit zerstört und gebrochen hat. Aber alles was ist, klammert sich an seinen Anfang, also an sein Gründungswort. Und dieser Anfang ist zugleich auch damit, weil er ein Versprechen ist. Ein Eid ist ein Ziel. Dieser Anfang richtet alle weiteren Lebenswege auf dieses Ziel aus. Das gilt auch umgekehrt. Jeder Beginn hat nicht nur einen Eid zugrunde liegen, sondern es ist gar kein Beginn, weil er gar keine Kraft hat, ein Ziel zu erreichen, sondern jeder Beginn trägt diese Verheißung eines Eides auf Welthaftigkeit. Erst in der Welthaftigkeit kommen die Dinge zu sich, weil sie damit einen Ort haben und damit in einem Netz von Begegnung stehen, das alle Dinge umschließt wie der Fisch das Wasser. Hinter allem Seienden, hinter allem Dinghaften steht also, wenn wir die Gedanken zurückgehen, eine sittliche, eine ethische Qualität, ein Wille. Hinter der Welt steht Liebe.

Nächsten Sonntag 4. Teil




*131118* 

Sonntag, 9. Dezember 2018

Geburt aus dem Eid (2)


Video + Audio




Erneut gilt der Dank Leser B, der auch dieses Video "abschrieb" und den (spontan) gesprochenen Text somit dem Leser auf diese Weise zugängig macht.


Wir haben also, wenn wir davon sprechen, daß das Wort, die Sprache damit, auf einen Eid zurückgeht, auch davon gesprochen, daß damit alles Sprechen und damit alles Denken auf ein persönliches Verhältnis zurückgeht. Jetzt könnte man sagen, ja, wie kommt man dazu? Wir glauben ja heute doch etwas anderes, wir glauben, daß das Denken doch eine Art Summe aus irgendwelchen rationalen Gegebenheiten, Tatsachen ist. 


Wir kommen auf den Punkt, zu überlegen, woraus setzt sich Rationales denn überhaupt zusammen? Und werfen wir hier einen Mann ein, der sehr wenig bekannt ist, und das hat einfach damit zu tun, glaube ich, daß sein Denken sehr sehr korrekt war, aber damit eine hohe – wir greifen vor – eine hohe Sittlichkeit voraussetzt und damit eine ganz große Anstrengung bedeutet. Eine ganz große momentane Prüfung von Moment zu Moment – Prüfung – ob das, was ich denke, wirklich wahr ist, mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Denn das ist ja Wahrheit, eine Adäquatio, also eine Adäquatheit des Denkens der Begriffe des menschlichen Denkens mit der Wirklichkeit, mit dem Sein. 


Wir kommen also auf einen Österreicher zurück, der Kurt Gödel geheißen hat und der seine Hauptwerke Ende der 1920er, Anfang der 1930er Jahre im Rahmen des sogenannten Wiener Kreises, verfaßt und gedacht hat. Aber auch innerhalb des Wiener Kreises, aus dem Leute wie Karl Popper oder Kurt Wittgenstein hervorgegangen sind, nicht wirklich die große Karriere gemacht hat, dann noch nach Amerika gegangen ist, geflohen vor Hitler usw. und dort ein sehr enger Vertrauter von Albert Einstein war. Wie man den Biographen glauben kann, haben sie sich täglich auf ein mehrstündiges Gespräch getroffen und Einstein, so heißt es, war sehr beeindruckt über Gödels Gedanken. Gödel hat nämlich mit einer mathematischen Präzision nachgewiesen, daß alles Denken auf ein persönliches Verhältnis, ja, auf ein persönliches Annehmen zurückgeht. 

Er ist damit nicht der allererste, es gab schon andere, mehrere, Henry Poincaré zum Beispiel. Aber er hat gezeigt, daß das Denken aus sich selbst heraus, nicht begründbar ist, damit auch nicht die Mathematik begründbar ist, auf den sich unser heutige Wissenschaftsanspruch so gerne beruft, sondern, daß auch alle Mathematik, also die angeblich oder scheinbar oder präziseste aller möglichen Denkarten auf Persönlichem bzw. auf Annahmen beruht und eigentlich damit auf einem Glauben beruht, auf einer Annahme, wie die Welt ist, also auf eine Gesetztheit - und damit auf einen persönlichen Akt.


Ich habe, um diese Gedanken nachzuvollziehen, ich sage es ganz ehrlich, zwei Wochen gebraucht, zwei Wochen nur mich mit dem zu befassen, um das nachzuvollziehen, und ich würde heute wieder zwei Wochen brauchen, um es Ihnen oder egal wem auseinandersetzen zu können, warum das so ist.

Man muß da wirklich sehr sehr genau vorgehen. Aber dann läßt es sich nachvollziehen.



Gödel ist sehr tragisch geendet. Er ist verhungert im Grunde, in Amerika, aber nicht, weil man ihn hat verhungern lassen, sondern weil er in einen ganz seltsamen Obskurantismus gefallen ist, in Spiritismus, das heißt, er hat alles Mögliche geglaubt, geistiger Seelenspuk usw. Er hat halt kein Glaubensgebäude gefunden, indem er das Geglaubte in eine rationale Form bringen konnte. 


Wir haben hier etwas sehr Wichtiges. Glaube muß gegeben werden und damit muß auch das Denken gegeben werden. Das widerspricht unserem heutigen Anspruch, indem wir voller Stolz sagen, wir können alles selber denken, wir können auf alles selber kommen, jeder einzelne kann das alles aus sich selbst heraus. Nein. Wir verdanken uns, wir verdanken unser Denken unseren Eltern, unseren Vorfahren, unserer Umgebung, der Allgemeinheit. Und das, was wir dazu beisteuern, ist meist nur etwas ganz ganz ganz ʹwas Kleines - meistens eigentlich, ganz etwas Kleines, aber darauf kommt es auch gar nicht an.


Nächsten Sonntag 3. Teil




*131118*

Sonntag, 2. Dezember 2018

Geburt aus dem Eid (1)

Video + Audio



Mit speziellem Dank an Leser B hier auch noch "nur der Text", vom Video übernommen. Denn es war im Wesentlichen "spontan" gesprochen,  mußte also nachgeschrieben werden. Verstehe der Leser diese "Drei-Gestaltigkeit" des Inhalts als Versuch, wie diese komplexen Inhalte am besten darzustellen sind. Ausnahmsweise sei der Leser ermutigt sich unter office@eberhardwagner.com zumelden, welche Form ihm am geeignetsten erscheint.

Guten Abend!


Ich möchte heute darüber sprechen, daß alles Sprechen, jedes Wort aus einer Verbindlichkeit herauskommt. Das heißt alles Sprechen stammt aus dem Eid, jedes Wort ist in seinem Wesen ein Eid.

Nun, wie kommt man darauf, wie kann man über so etwas überhaupt sprechen, wir haben es ja nicht vor uns liegen wie in einem Bilderbuch. Der Weg dazu ist die Deduktion, die Ableitung, das heißt, ich gehe davon aus, daß wenn eines stimmt, auch das andere stimmen muß. Und auf diesem Weg kommen wir zu einem seltsamen Grundverhältnis, indem die Welt und alle Dinge stehen. Das nämlich alles Denken auf einem Für-Wahrhalten, als auf einem Etwas und letztlich damit jemandem glauben aufruht, ohne das gäbe es keine Welt. 


Unter Kindern - das kenne ich gut - gibt es diesen lieben Spruch: „Versprochen wird nicht gebrochen!“ In dem Moment, wo das besprochen wurde, stand das, was man hier zugesagt hat, was hier besprochen wurde, in einem heiligen Raum, das heißt, es hat hier wirklich niemand gewagt, dagegen zu verstoßen und hat einen anderen nachher erinnert: „Du hast es versprochen!“



Und dieses Versprechen, Ver-sprechen, Zu-sprechen, ist eine Form des Eides. Und gerade auch bei Kindern, aber auch unter uns Großen und Erwachsenen läßt sich feststellen, daß alles was wir miteinander sprechen, darauf beruht, daß ich es dem anderen nicht nur glaube, sondern indem ich es ihm glaube, davon ausgehe, daß es sich erfüllt. 


Wer über menschliches Handeln nachdenkt, wird letztendlich entdecken, daß alles menschliche Handeln auf einem Versprechen beruht. Ja, ein Versprechen ist bzw. die Erfüllung eines Versprechens ist, dem ein solcher Eid vorausgeht. Der Eid steht also am Anfang aller Dinge, der Eid, die Zusage, daß es so wird, wie es ist, wie es also im Wort gesagt ist, sich auch erfüllt. Kein Wort aus Gottes Mund, daß nicht wahr wird, daß nicht wirklich, daß nicht Realität wird.



Wir arbeiten also auf das große Weihnachtsevangelium zu, ohne daß das so beabsichtigt war, aber, es erfüllt sich eben. Wo es heißt: „In principio erat Verbum et Verbum erat apud Deum et Deus erat Verbum.“ Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott, ja, das Wort war Gott.





Nächsten Sonntag 2. Teil



*061118*


Sonntag, 8. Februar 2015

Wahrheit ist absolut

Nicht die Wahrheit ist relativ, nicht subjektiv und deshalb in ihrem absoluten Gehalt nicht bestimmbar. Sondern der Zugang zu ihr, die Durchlässigkeit auf sie hin. Deshalb kann nur der Ganz-Heilige - Gott - die Wahrheit selbst nicht nur darstellen, sondern auch sein. Hier ist also Denken und Vollzug in einem, hier ist sie Sakrament. So, wie der Eid daran rührt, in dem sich der Mensch zum höchsten ihm Möglichen ausstreckt, ohne es aber zu berühren.*

Eben nicht aber im Menschen. Denn der Zugang zu ihr, der ist subjektiv. Und nur im Sittlichen kann sie überhaupt jene Gestalt annehmen, die ihn auch wahrhaftig handeln - nicht zufällig richtig treffen -  läßt. 



*Im alten Rechtsgut der Germanen, aber eigentlich: aller Völker, war der Eid vor Gericht deshalb die Überwälzung der Beweispflicht und damit Gerechtigkeit auf eine Person - den Eidleistenden. Dieser stellte sich im Eid direkt Gott gegenüber, und zog damit auch alle Folgen auf sich, wenn das Urteil ungerecht war, und damit Gott beleidigte. Im Eid mußte das Gericht (der Richtende) deshalb nicht mehr subjektiv für wahr halten, urteilen.



***

Dienstag, 5. März 2013

Hören und Sprechen als EIN Akt

Es bedeutet ein völliges Verkennen der Sprache zu meinen, es wäre ein einseitiger Akt, der "etwas bewirke". Vielmehr ist das "höre!", das jedem Sprechakt vorausgeht, eine Aufforderung, demselben Geist beizutreten, den der Sprechende mit seinen Worten zur Darstellung bringt. Ohne diesen vorausgehenden Gemeinschaftsakt ist jedes Sprechen sinnlos, und sein Effekt bestenfalls Gewalt. Kein Sprechen läßt sich erfassen, ohne sein zweites Bein, das Hören, zu betrachten.

Das was eint, muß jedem Sprechakt - selbst dem des bloßen Befehles, wie beim Militär - vorausgehen. Und man tritt diesem Einenden bei durch den Ort, den Stand, in dem man sich befindet, in den man eintritt.

Der Sprecher muß also selbst auf das hören, das durch ihn hindurchspricht. Er muß selbst gehorsam sein. Nur dann kann er gehört werden, nur dann sind Sprechender und Hörender eins. Für Heraklith ist es deshalb ein und derselbe Mißbrauch, Dinge auszusprechen, die nicht ausgesprochen werden sollen, wie Dinge zu sagen, deren Inhalte nicht in Kraft gesetzt sind.

So ist auch Gehorsam (beim Angesprochenen) nicht primär ein Akt des willentlichen Nachbiegens nach einem fremden Willen. Im "Anbrüllen" wird am klarsten deutlich, daß die Einheit nicht gegeben ist, das Äußere gewaltsam gebogen werden muß, weil es sich sonst nicht freiwillig und schöpferisch vollzieht. Gehorsam bedeutet Zugehörigkeit! Und aus dem Gehorsam, der Bindung schöpft erst das Sprachvermögen. Nicht aus dem Beherrschen von Sprachstrukturen.* Sprechen kommt deshalb aus dem Gelübde, im "Ver-sprechen" ist es noch erkennbar, aus der Verkörperung eines Geistes. Nur dort ist Sprache noch schöpferisch.**

Es ist der freiwillige Eintritt in jenen Geist, der mich mit dem Gegenüber eint, in dem wir beide uns einen. Damit wird die Bedeutung der Wahrheit erfaßbar, denn Einung kann es nur in der Wahrheit geben, die beiden Seiten zugängig ist, im Geist, auf den sich Sprache bezieht. Lüge bleibt im Sprechenden isoliert, mißbraucht bestenfalls den allen Menschen grundgelegten Einungswillen als Hörende, die sich selbst entfremdet werden. Und damit wird Sprache wirklich weltschöpferisch - oder -zerstörerisch, ja damit wird Wort zur Wirklichkeit selbst.

Zu verstehen bedeutet deshalb, die fleischliche Welthaftigkeit einem Gehörten, einem Geist gemäß zu übernehmen, im Hören gemeinsam zur Welt rufen. Selbst dort, wo der Hörende vorerst etwas "nicht versteht" - bleibt es in seinem Herzen, beläßt er es dort, "bewahrt" er es dort, wird er auch das ihm in seiner derzeitigen Weltgestalt Vorauswesende mit der Zeit verstehen.

Miß- oder Unverständnisse setzen also in Problemen der Identität, in ständischen Konfrontationen an. Deshalb gilt, daß ein Volk seine Einheit in dem Moment verliert, in dem seine traditionelle Standesordnung verloren geht. Und mit der Einheit verliert es seinen Bestand. Ab dem Moment, wo die Menschen aufhören, einander zu verstehen. Ab da wird ihre Sprache zum Kampfinstrument der Selbstrettung, als nicht mehr angenommene Gestalt zur Einheit. Sie wird leer und unschöpferisch, ja zufällig, allfällig hervorgerufene Gestalten werden zwanghafte und technische Notlösungen von Interessen.




*Das ist auch das tragische Mißverständnis in der Diskussion um Zuwanderer, die "erst die Sprache lernen sollen". Integrieren kann nur "Begeisterung" des zu Integrierenden, nur so kann es zur Vermählung in einem Volk - in seiner Form als Land, dann als Staat - kommen, im Eros als anwegende Kraft des Schöpferischen. Und Eros zeitigt Gesang. (Deshalb singt der balzende Vogel ... brauchen Frauen Sprache, Gesang; deshalb singt und dichtet der Liebende.) Denn Sprache ist geronnene Begeisterung, sie verewigt einen Geist.

**Die Amerikaner, die die Brüchigkeit ihrer Sprache viel deutlicher ahnen, binden den Beginn der Staatsbürgerschaft deshalb direkt an ein Gelübde. Und die Vereidigung einer Regierung hat genau denselben Sinn: Darstellung, unverbrüchliche Repräsentation des alle einenden Volksgeistes. Das Eheversprechen SCHAFFT die Ehe, als gemeinsame Gestalt, die zu realisieren zwei Menschen entschlossen sind. In dem Moment beginnt eine neue Weltgestalt beim Sprechenden, und das heißt auch untrennbar: Gestalt vor der Welt. Denn wirklich ist nur, was ein innen UND ein Außen hat. Niemand kann sich nur für sich binden, aber auch selbst lossprechen, schreibt selbst ein Agnostiker wie Derrida. Erst der Name macht den Menschen zum Träger - es gibt keinen "Menschen an sich", es gibt nur unter einen Namen zusammengefaßte, nein, damit geschaffene Eigenart. Wer den Menschen ihre Namen nimmt, nimmt ihnen deshalb ihr Sein. Alles was aber etwas ist, hat einen Namen, und dieser Name birgt (und schafft) nur Wirklichkeit, weil er auf ein GEGENSEIN bezogen ist, eben ein Außen, eine Gesellschaft, eine Umgebung etc. Eine Gesellschaft besteht nur aufgrund der Namen, die ihre Glieder und Ordnungen haben. Die Liebe in einer Ehe drängt nach Schöpferischem - und sie schafft sich deshalb etwas Neues: einen Namen, als Ziel, als Forderung, als Anspruch. Und dazu muß sie etwas überwinden, wie alles, was etwas sein will, aus der Welt etwas herausschlagen muß: als neue Gegenseitsvorstellung. Erst dadurch wird überhaupt etwas. Wenn also heute nicht geheiratet wird, so deshalb, weil niemand mehr den Preis der Dinge zahlen will, wie im Spiel, und deshalb keine Dinge mehr schafft. Aber zugleich jedem böse ist, der diese Illusion, zu der sich alle per Internet und iPad verabredet haben, stört.




***