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Mittwoch, 15. April 2015

Winkel des gesunden Menschenverstandes

Immer wieder finden sich auf EIKE Beiträge, die gar nicht so sehr wegen ihrer detaillierten wissenschaftlichen Fakten bestechen, sondern durch die Art der Herangehensweise. In der sie sogar deutlich "spezialwissenschaftlichere" Seiten im Internet übertreffen. Man muß deshalb EIKE zwar mit gewisser Vorsicht lesen, hat aber anderseits einen viel richtigeren Zugang zur Materie als anderswo. Wo der Glaube herrscht, es gäbe eine Fachwissenschaft, die "aus sich heraus" zu korrekten Ergebnissen in der Lage wäre. Das ist sie aber nie. Weshalb der VdZ immer wieder gerne Beiträge auf diesen Seiten liest und deren Entwicklung verfolgt.* Über den Ansatz des "gesunden Menschenverstandes" wird damit schon alleine das Kriterium der Wissenschaftlichkeit mehr erfüllt, als über noch so spezifische Fachuntersuchungen.

Einer dieser Artikel befaßt sich mit den aus den Eisbohrkern-Analysen (angeblich) hervorgehenden rasanten Anstiegen der CO2-Konzentration im Schnee bzw. im Eis. Der Amerikaner Robert Voisin zeigt nun anhand realistischer Rekonstruktion der Vorgänge des Schnees auf dem Weg zum Eis, daß eine solche Annahme zwangsläufig irreführend sein muß. Denn auf dem Weg zum Eis werden Konzentrationsspitzen immer und ausschließlich abgeflacht. Das führt bei unwissenschaftlicher - und das heißt immer auch: unrealistischer - Betrachtungsweise zur Fehlannahme, daß in jüngsten Zeiträumen (etwa) die CO2-Konzentration überdurchschnittlich angestiegen ist.

In einem Artikel vom Jänner dieses Jahres hat derselbe Autor bereits seine bedenkenswerten Überlegungen zu gemessenen Spitzenwerten in Eisbohrkernen generell niedergelegt. Wer sich also mit der logischen Kontinuität der Überlegungen näher auseinandersetzen möchte, sollte auch diesen Beitrag lesen.

Um zu realistischen Daten über aktuelle Zeitepochen zu kommen, die (erst!) einen Vergleich mit Tiefenschichten zulassen, müßten bei Oberflächenanalysen im Vergleich etwa 500 Jahre abgewartet werden, um sämtliche Vermischungsvorgänge mit berücksichtigen zu können, die ältere Schichten natürlich hinter sich haben. Ohne konkret wirklich Aussagen zu ermöglichen. Denn JEDE Messung älterer Schichten ist zwangsläufig abgeflacht, und zwar aus der realen Bedingung der Entstehung dieser Schicht heraus.

Es ist deshalb schlicht unwissenschaftlich und falsch zu behaupten, die aktuelleren Schichten der letzten Jahrzehnte im arktischen Eis würden einen rapiden Anstieg des CO2-Gehalts beweisen. Geht man dem Vorgang der Entstehung des zu Messenden auf den Grund, der immer höchst individuell - auch in kleinstem lokalem Rahmen - ist, sieht man, daß das zu sagen falsch und unwissenschaftlich ist.

Übrigens ist der VdZ der Ansicht, daß Voisin ein sehr prinzipielles Problem der Naturwissenschaft angeschnitten hat. Gerade, wenn sie paläo-ontologisch vorgeht. Wo in dieser heutigen Zeit beobachtete Vorgänge erstaunlich oft unreflektiert auf vergangene Zeiten übertragen und zu Aussagen über vergangene Epochen und Gegebenheiten und damit für Genesen gegenwärtiger Zustände verwendet werden. Meist scheitern sie schon an simplen realistischen Bedingungen des Zustandekommens von gemessenen Objekten.


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Man nehme nur die Temperaturmessungen. Kein Mensch kann natürlich daran zweifeln, daß hier und heute dort jene X Grad gemessen werden. Und kein Mensch wird zweifeln, daß vor fünfzig Jahren Y Grad gemessen wurden. Der Unterschied liegt aber nicht in einer Steigerung der Temperatur generell, sondern - es gibt belegte Beispiele! - daran, daß der Parkplatz einer Spedition in 200 Metern Entfernung errichtet wurde, der logischerweise zu einem Anstieg der an diesem Punkt gemessenen Temperaturen geführt hat. Geändert haben sich im Beispiel (aus einem konkreten Praxisfall) die Bedingungen des Messens, nicht der Meßvorgang selber. 

Über die Notwendigkeit einer "händischen" Anpassung der Meßvorgänge wurde an dieser Stelle bereits abgehandelt. Samt dem keineswegs also überraschenden Ergebnis, daß eine "händische" Bewertung der konkreten Einzelergegnisse (die natürlich enorm aufwendig ist und vor allem: nicht mit Computer erfolgen kann) ... kein bißchen "Temperaturanstieg" in den letzten Jahrzehnten ergibt. Ein solcher beschränkt sich auf jeweils feststellbare, nachvollziehbare Änderungen in den Meßbedingungen. Und das glaubt der VdZ mit aller Erfahrung über Menschen und Denkprozesse sofort. Denn es entspricht allen Bedingungen des gesunden Menschenverstandes.

Aus denen es auch prinzipiell - wörtlich, nicht als Metapher gemeint - WAHNSINN ist, aus einer "aktuellen Befindlichkeitserhebung" heraus Entwicklungen abzuleiten. Schon gar, wenn sie aktuell "dringend" wirken, weil aus der Reihe fallen. Was immer jemand behaupten und wozu ihn universitäre Zertifikate sonst noch ermächtigen mögen: Das ist NICHT (natur)wissenschaftlich. Und der VdZ geht so weit, daß er jedem der vielen, die er kennengelernt hat und die sich naturwissenschaftlicher Missionen befleißigen, streng genommen Wissenschaftlichkeit abspricht. Er kennt (persönlich) nur ganz ganz wenige Naturwissenschaftler (aber: es gibt sie), die überhaupt IN DER LAGE sind, wissenschaftlich zu denken. Keiner von jenen, übrigens, hat etwas mit Klimawandel am Hut. 

Die Frage der Wissenschaftlichkeit ist keine Frage "richtiger" Teiloperationen, sie ist deshalb auch keine Frage richtig angewandter Teilmethoden. Methoden alleine ergeben noch nicht notwendig Wissenschaftlichkeit, noch weniger aber ergeben sie notwendig Wahrheit. Es gibt ihn - den "naturwissenschaftlich richtig seienden" ... Irrtum. Denn es gibt sie, ja sie ist sogar das, was man historisch in Unzahl belegbar (Unter anderen zkeigen das L. Fleck oder T. Kuhn in ihren legendären wissenschaftssoziologischen Werken auf) als "Stand der Wissenschaft" bezeichnet: Die wissenschaftliche Mode, die "korrekt" vorgeht, aber generell ... Unsinn produziert, weil nichts als eine psychologische Massenerscheinung ist. Wo Wissenschaft sich nicht mehr zuerst um Wahrheit (nicht einfach um "Richtigkeit") müht, ist sie wertlos und pure Verschwendung gesellschaftlicher Resourcen. Die Forderung nach einem zweijährigen philosophischen Propädeutikum - VOR allem Fachstudium - die u. a. sogar ein K. P. Liessmann (obwohl er selber ein philosophischer Dünnbrettbohrer, aber halt populär ist) in aktuellen Werken der Bildungskritik erneuert, ist WEIT brennender, als geglaubt wird. Nur weil jeder Mensch "denkt" heißt das noch lange nicht, daß jeder Mensch denken KANN.



*Wobei leider die philosophische Durchdringung der Materie auf EIKE zwar in ihrer entscheidenden Rolle von den Autoren dort meist geahnt, aber kaum je erfüllt wird. Man kann Philosophie aber nicht einfach oberflächlich, man muß sie systematisch betreiben, sonst verreckt man auf Wegen, weil man längst früher verschluckte, grundsätzliche Fehler im Denkprozeß übersehen hat, und bleibt bei simplen, also damit zusammengeschusterten Meinungsgebilden stecken.




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Samstag, 18. Oktober 2014

Ungebildete Wissensgesellschaft

Mit Bildung, schreibt Konrad Paul Liessmann in "Theorie der Unbildung", hat das Wissen der Wissensgesellschaft rein gar nichts mehr zu tun. Vielmehr wird Wissen utilitaristisch verstanden, und damit reinen Zweckbedingungen unterworfen. Nur, wo Wissen auch anwendbar ist und Nutzen bringt, wird es toleriert, dort wo es sich zur "Information" reeduziert. Aber was unterscheidet den heutigen "Wissenden" vom bloßen Produzenten früherer Epochen, dessen Tätigkeit so selbstverständlich genommen wird, daß er - wie früher die Bauern - nicht einmal als Stand (sondern nur als amorphe, anonyme Masse) gezählt wird?

Bildung geht nicht auf gewußte inhaltliche Details. Sie geht nach dem Warum, nach dem Erfassen von Zusammenhängen und Ursachen, damit nach den Grundlagen der Kultur in der wir leben, und damit im letzten nach der Grundfrage des Menschen, dem Sinn der Existenz. Sie ist kein Anwendungswissen, das sich übernehmen ließe, wie man Kleider anzieht, sodaß der am gebildetsten ist, der möglichst viele Wissensteile wie aus einem Ersatzteillager assembliert. Und auch und schon gar nicht der, von dem es heute heißt, er wisse, wo er Wissen abfragen könne - im Internet, bei Wikipedia, oder in Bibliotheken. 

Die eigentliche Leistung der Bildung muß von jedem selbst erbracht werden, und sie besteht nicht im Ansammeln von Gewußtem, sondern im Verstehen der Untergründe. Deshalb hat Bildung auch eine klare Hierarchie des Wissenswerten. Wer sich in unbedeutendem Wissen verliert, die Rangordnung des von ihm Gewußten im Rahmen der menschlichen Existenz nicht mehr einschätzen kann, lebt in der dringenden Gefahr, den Boden zu verlieren, der ihm ein Ordnung des Gewußten oder Wissenswerten, eine Einschätzung des daran Bedeutenden und Unbedeutenden, überhaupt erst ermöglicht.

Zugleich aber muß man sehen, daß der recht verstandene Bildungsbegriff sehr wohl zu einem gewissen Kanon des Gewußten führen muß. Denn die Pädagogik der Gegenwart tut in einem panischen Umkehrschluß so, als wäre Bildung ein rein formales, technisches Geschehen. Aber jede Bildung kann sich nur auf Konkretes beziehen. Nimmt man dieses Konkrete - so, als müßte man gar nichts mehr im Gedächtnis halten, nichs mehr an Wissen parat haben - so stürzt die Bildung völlig ins Nichts und wird gar nicht zu Bildung, sondern zur bloßen Anwendungsmechanik von vorgeblich Gewußtem. Bildung heißt nämlich, Gewußtes abwägen und bewerten zu können. Dazu aber muß man etwas ... wissen.* Bildung ohne Wahrheit und Wahrheitsbegriff ist deshalb sinnlos. Nur der solcherart in den Grundfesten stabile Mensch vermag auch auf Distanz zum Zeitgeist zu gehen, weil er dessen Relativität erkennen kann. Schule ohne Vergangenheitszugewandtheit, die stattdessen meint gegenwartstauglich (als Verhalten, im Ungang) machen zu sollen, ist deshalb zum Scheitern verurteilt.**

Dagegen aber steht der fatale Irrglaube (der selbst aber bereits Folge viel tieferer Ursachen  ist), die Steigerung des heute ungeordnet "Gewußten" würde auch eine Steigerung der Vernunft der Menschen mit sich bringen. Der Prozentsatz der Menschen, die nach den logischen Kriterien der Wissenschaft selbst denken (und denken können), ist nämlich extrem niedrig. Und er wird auch durch Akademikerquoten nicht erhöht, wenn wie heute Universitätsausbildung immer mehr nur noch heißt, Gewußtes "gleichzuschalten", sodaß Akademiker wird, der sein Denken dem vorgeblich Gewußten angleicht. Mit Nietzsche läßt sich deshalb sagen, daß unsere Schulen und Universitäten sich in "Anstalten der Lebensnoth" gewandelt haben, die im Gegensatz zu den zweckfreien, gerade nicht "aktualitätszugewandten" Stätten der Bildung - als Muße! - stehen. Und sie muß zuallererst Stätte der Muttersprache, der Sprache, des Umgangs mit der Sprache sein.  Denn in der Sprache stecken auch alle Beziehungen zu den Gegenständen der Welt, ihr gilt es sich zuallererst UNTERZUORDNEN. (Nicht, wie im Genderwahn, sie zurechtzubiegen.)*** Denn sie ist das Spiegelbild der Entwicklung einer Kultur.

Noch einen Irrtum widerlegt Liessmann. Den, wo man meine, Wissen (im heutigen Sinn) würde auch das kulturelle Niveau heben und die Art der Gesellschaftsform bestimmen. Das hieße zu übersehen, daß sich Wissensgesellschaften in allen bislang bekannten Gesellschaftsformen herausgebildet haben, im liberalen Amerika genauso wie im nationalsozialistischen Deutschland, dem kommunistischen Rußland oder dem totalitären China. Wissensgesellschaften heutiger Prägung sind also gesellschaftspolitisch "neutral", Diener jedes Herren. Aus ihnen läßt sich nichts ablesen, das sich als Ethos oder gesteigerte Moral definieren ließe. Schon das sollte zu denken geben.

Im übrigen ist die Unwissenheit der breiten Bevölkerung heute um nichts geringer als im so gerne geringgeschätzten Mittelalter. Deren Leben sich auf Anwendung beschränkt. Wer mit einem iPhone umgeht, hat in der Regel absolut keine Ahnung, was sich im Inneren seines Gerätes (oder der hochtenisierten Einrichtungen, mit denen er im Alltag zu tun hat) abspielt, nicht anders als der mittelalterliche Bauer bei seinen einfachen Maschinen. Das tägliche Tun bleibt irrational und dumpfe, fast magisch zu nennende Anwendung.



*Genau hier hinterläßt auch der Liessmann'sche Bildungsbegriff eine Lücke, die er bestenfalls durch fast zufälligen Pragmatismus überbrücken kann. Es ist kein Zufall, daß Liessmann das Hegel'sche (immanentistische, historizistische) Konzept von Geist hervorhebt. Das macht ihn zwar zum guten Polemiker, aber letztlich nicht überzeugend, weil er den Ort, von dem aus er kritisiert, selbst nicht verankern kann. 
Aber alles Gewußte ist letztlich ein für wahr Gehaltenes, ein Geglaubtes - man "weiß" (rational) nicht, sondern man glaubt in einem vorgängigen Akt, daß etwas gewiß sei. Die Begegnung mit der Wahrheit aber ist ein personaler Akt, ein Akt des Annehmens und Vertrauens, kein Resultat logischer Operationen. Eher einem Licht vergleichbar, als einem Denkprozeß. Auch Logik kommt ohne eine solcherart fundierte personale Wahrheit, als sittlichem Akt, nicht aus. Eine Gesellschaft, die auf einen personalen Gott also verzichten zu können meint, fällt unweigerlich in sehr handfeste Dummheit. Und ihre Wissenschaft kann gar nicht anders enden als im immer engeren Pragmatismus. 
Wer die Entwicklung der abendländischen Wissenschaft nicht aus dem Katholizismus heraus begreift, versteht deshalb auch die Wissenschaft falsch, schätzt die Wende zur Moderne (ab dem 16. Jhd.) falsch und singulär ein. Und DAS begründet die richtige Feststellung Liessmann's, daß Bildung heute gar nicht gelingen DARF, weil sich sonst ihr Ungenügen zur Weltdurchdringung offensichtlich machen würde. Die Bildungsmanöver der Gegenwart sind deshalb großangelegte Selbstbetrugsmanöver.

**Darin liegt der Sinn des Studiums der Antike und ihrer Sprachen, hier läßt sich tatsächlich an das humanistische Bildungsideal anschließen. Wer sich mit der Antike eingehender beschäftigt, die uns doch so umfangreich vorliegt, wird wenigstens den Wahn verlieren, daß unsere Zeit alles anders und besser mache. Aber dieses Studium der Alten läßt sich nur exemplarisch vollführen, am Konkreten also, das es damit im Gedächtnis zu wissen gilt. Es gibt Bildung also nicht ohne Wissen, nur ins Gewußte hinein wie aus diesem heraus kann sich Geist, als personale Bewegung der Freiheit, entfalten.

***Karl Kraus geht sogar so weit zu sagen, daß wenn aus dem Deutschunterricht der Schulen nicht Ekel vor dem Journalismus bzw. seiner Sprache erwächst, war er auf jeden Fall umsonst.




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Donnerstag, 16. Oktober 2014

Erziehung zum geistlosen Analphabetentum

Ein hervorragender Artikel aus der Feder von Konrad Paul Liessmann fand sich dieser Tage in der FAZ. Liessmann bespricht darin die bereits erschreckend fortgeschrittene und allgemein werdende Unfähigkeit, sich schriftlich, sprachlich auszudrücken. Selbst Universitätsstudenten erschrecken mittlerweile, wenn sie schriftlich und in ganzen Sätzen Inhalte zum Ausdruck bringen sollen. Das aber beginnt in den Volksschulen, die von einer Spracherlernung weg hin zu einem "Problemlösen" gehen, in der die Sprache bestenfalls auf Informationsträgerqualität eingeschränkt wird. Kommunikation wird damit auf rein sachliche Information reduziert, die Sprache immer extremer simplifiziert.

Schuld hat eine Didaktik, die das Kind nicht "traumatisieren" will, indem es mit Rechtschreibung konfrontiert wird. Jeder soll "nach Gehör" schreiben, und sich so seine eigene Grammatik und Rechtschreibung zusammenstoppeln.

Aber Sprache ist mehr. Sie ist nicht angeboren, und das verweist auf ihre Rolle als Kulturträger. Wozu aber braucht der Mensch Kultur? Das ist die eigentliche Kernfrage, die Liessman hier aber nur streift, wenn er schreibt, daß Menschen, die sich nicht mehr der Sprache überlassen können, die nicht mehr durch Sprache denken können, zur Geistlosigkeit verdammt sind. Dazu braucht der Mensch Kultur, in ihrer Untrennbarkeit von allgemeiner Kultur, und dabei: von Sprache.

Diese muß erlernt werden. Erst dann wird klar, daß die Sprache selbst ein geistiger Schatz ist, aus dem nur der zu schpfen vermag, der ihre Logik, ihre Grammatik beherrscht. Denn in dieser steckt geistiger Inhalt, der von Generation zu Generation weitergegeben wurde und wird. Oder nicht. Das erfährt aber nur der der begreift, daß Sprache nicht einfach nur subjektive Gedanken ausdrückt, sondern in sich eine Dynamik trägt, die DURCH Sprache, durch das Schreiben denken macht. In dem Moment, in dem man sich ihr ausliefert, und ihre immanente Logik, im Dialog mit eigenen Impulsen, entfalten läßt. Logik ist die bereits fleischgewordene Welterkenntnnis, ihr zu folgen ist wie an ihrer Hand die Welt zu erfahren, und im Erkennen sich ihr gegenüber verhalten zu können.

Nicht zuletzt wird durch die schulische "Pisa-"Didaktik eine Generation nach der anderen von den Schätzen der Literatur unserer Sprache abgekoppelt. Sie können sie nicht mehr heben, sie können sie nicht mehr begreifen, weil sie verlernt haben, daß sie von Sprache geformt werden - nicht, sie formen. Diese Richtungsumkehr ist es auch, die der VdZ schon vor zwanzig Jahren heftig kritisiert hat, als mit der grotesk verworrenen Diskussion um die schließlich verordnete Rechtschreibreform, deren Ziele vor allem diese nun auf uns zurückfallende Simplifizierung waren, die Richtungsumkehr im Verhältnis zur Sprache (aber überhaupt zu jedem zu Erlernenden) in Wahrheit zur Diskussion stand. 

Plötzlich wurde Sprache zu etwas beliebig von jedem Kind bereits Machbaren, als wäre sie in jedem je neu geboren, und kein Kulturgut, das es zu schaffen galt und gilt, und an dem jeder, der dieser Sprache mächtig ist, im Maß seiner Sprachbeherrschung wenigstens theoretisch teilhaben kann, indem er ihrer mächtig wird. Unter dem Totschlagwort "Erlernen von Kritikfähigkeit" sieht sich heute stattdessen jeder Fünfjährige bereits ermächtigt, selbst zu entscheiden, was sinnvoll ist und was nicht. Damit bleiben die Menschen aber im Stadium der Kleinkinder gefangen, sie werden bestenfalls durch Schicksalsschläge über diese Grenzen getrieben. Wer aber in sich bleibt, in seinen Ansprüchen und Antrieben gebunden bleibt, kann sich nie zum Geist erheben.

Liessmann schreibt, daß wir heute bereits an den Schulen direkt und methodisch Analphabetismus erzeugen. Schon jetzt können viele Kinder und Jugendliche nicht mehr mit der Hand schreiben, bestenfalls Tasten einer Tastatur bedienen oder simple Zeichen von sich geben. Die kulturelle Verarmung, auf die wir hier zusteuern, ist gar nicht drastisch genug ausmalbar.

Der Mensch hat (in gewisser Hinsicht) die Aufgabe, sich selbst zu schaffen. Aber er kann es nicht "aus sich", sondern er muß sich als Teil einer Kultur schaffen. Sie ist erst das Material, in das hinein und vor allem aus dem heraus sich Menschsein konkretisieren kann. Anders IST es nicht mehr als unerfüllter, im Fortgang des Lebens nicht mehr ordenbarer Anspruch. Anders wird auch nicht das, worum es angeblich heute allen geht: Freiheit, die sich nur aus der Geistigkeit in lebendige Gestalt erheben kann. Hinter der Didaktik des Schreibens, wie sie heute praktiziert wird, steckt also die altbekannte Feindschaft der Kultur gegenüber, die ohne Tradition ins Nichts fällt.

Die Gestalt der Freiheit ist selbst dynamisch. Sie wird erst in der Bindung sie selbst, und damit wirklich weil konkret und real. Sie ist erst vorhanden, wenn sie vollzogen wird. Nicht, wenn der Mensch entbunden von allen Regeln und Vorgaben einfach sich selbst überlassen bleibt. Denn er ist kein erster Schöpfer, der sich eine beliebige Welt aus dem Hut zaubern kann! Glaubt er das aber, wird er ohne es zu merken impotent, dreht sich in sich selbst - und in seinen Unfreiheiten und Getriebenheiten. Denn Freiheit heißt in erster Linie, "von sich selbst" frei zu sein. Erst dort entsteht Geist - im freien Verhalten zu eigenen Antrieben, im sachgemäßen Gestalten von Welt. So muß Objektivität verstanden werden, als Freiheit zur Objektgemäßheit, als Freiheit von subjektivistischer Getriebenheit.




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Dienstag, 4. Februar 2014

Auf dem Weg zu einem christlichen Europa (2)

Teil 2) Deutsche Panzer mit 
österreichischen Ritterkreuzträgern




Eine gewisse Österreich- (und Deutschland-)Spezifizität solcher Dinge läßt sich freilich nicht von der Hand weisen. In keinem Land Europas hat sich der totalitäre Zentralismus so prägnant entwickelt, und zwar ZUERST in Österreich, dem seit dem 18. Jhd. aufgeklärtesten (und damit zentralistischesten) Land Europas, und dann im preußischen Deutschland, das im 19. Jhd. folgte. Kein Land Europas hat eine derartige Tradition der kollektiven Unfreiheit und Vermassung wie diese beiden Länder. Nicht England, nicht Frankreich (trotz 1789), und nicht einmal Rußland. Österreich als polarer Kopf Deutschlands hat seinen Sinn verloren, und Kleindeutschland torkelt seither wie ein angeschlagener Boxer, der mit den Armen rudernd in den Seilen Halt sucht und alles tut, um seinem Gegner immer noch zu imponieren.

Projekte wie dieses, das eine Selbsteliminierung Österreichs (das Raum in Zeit bedeutet) zum Inhalt hat, das sein gesamtes Land quasi nihilieren möchte, um dem europäischen Transport freie Bahn zu geben, Projekte wie das heillos wahnsinnige deutsche Energiewendeprojekt, sind nur sinnvoll und möglich, wenn man vor hat, ganz Europa zu zwingen. (Noch schlimmer dabei: Die Politik weiß das offenbar nicht einmal.) Die gesamte Energiewende in Deutschland ist ohne Einbindung ganz Europas unmöglich und sinnlos. Dabei in sich größenwahnsinnig und krank, mehr ist dazu nicht zu sagen, weil es jede Dimension des Beherrschbaren alleine schon überschreitet. Aus mathematisch-physikalischen Gegebenheiten.

Und da meldet sich nun ein Spanier, an sich der christlichsozialen Fraktion Europas zuzurechnen, und seit Jahren EU-Ratspräsident, Jose Manuel Barroso, mit einer Meldung, die einem fast den Atem nimmt. Denn sie bedeutet einen Paradigmenwechsel, der von den kranken und dummen Narren in Brüssel nicht zu erwarten war.

Barroso verkündet, daß es doch sinnvoll sei, ab 2020 (soweit ist es bereits vertraglich festgelegt) die Verbindlichkeit der Klimaziele - und damit der Energieziele - der EU ad libidum zu stellen! (Die Prozentzahlen sind irrelevant, weil sowieso Phantasiezahlen.) Er verkündet, daß man den einzelnen Staaten FREI stellen sollte, ob sie und in welchem Umfang "nur noch empfohlene Klimaziele" erreichen wollten, oder nicht. 

Das ist eine Meldung von enormer Tragweite, von enormer politischer Brisanz. Denn man riecht förmlich die preußisch-deutschen Panzer, und die österreichischen Ritterkreuzträger, die sie lenken. Das ist gemeint, wie es geschrieben ist.

Denn diese beiden Länder - Österreich, das seit 1938 überhaupt kein Sein mehr gefunden hat, als verabscheuenswürdiger Appendix des halbstarken Preußen-Deutschland, das ohne Technizismus meint, ins Nichts zu sinken, was wohl ein völlig richtiges Selbstwahrnehmen ist (das Gewerbe der Überwindung von Raum und Zeit ist erste Tragsäule des realen Lebensgebildes Deutschland) - können das niemals hinnehmen. Was immer Politiker daherschwafeln mögen.

Während Österreich 60 % eines BIP, die Gesamtheit einer jährlichen Steuereinnahme eingesetzt hat (und man denke nicht nur an die initiatorischen Schulden, denn nur so kann das "finanziert" werden, sondern an die reale Belastung künftiger Generationen, solche Netze zu ERHALTEN, ein Gesetzmäßigkeit, die JEDE Amortisationsrechnung solcher Gigaprojekte sowieso ad absurdum führt), hat sich Deutschland auf ein Energiesystem verlassen, das als reiner populistischer politischer Wille ein doppeltes Stromsystem (und damit die Grundlage seine Wirtschaft) leistet, das wenn es überhaupt denn je funktioniert nur funktioniert, wenn es auch ganz Europa integriert, mit Offenheit gegen das antipodische Asien (und darüber hinaus ins Weltall ...), und dabei die Freiheit der Lebensgestaltung des Einzelnen exterminiert, weil das System überhaupt nur zentralistisch funktioniert, wenn es denn funktioniert (und das, das ist es eben- es wird NIE funktionieren! wie die Alpen-Hochleistungsstrecken! die ohne Gesamtsystem nicht funktionieren, und dann - erst recht nicht ...) 

Was eine Zukunft präluminiert, in der deutsche Militärs neuseeländischen Solaranlagenbetreibern das Messer an die Brust setzt, weil deren Verhalten systemnotwendig wird. (die Amerikaner werden bald aus vieler Weltpolitik aussteigen, weil ihre Energiesituation dabei ist, sich auf einige Jahrzehnte - politisch freilich verkannt, deshalb auf weit mehr Jahrzehnte einkalkuliert - völlig zu ändern.) Übertreibung? Nein, bitterer Ernst. "Deutschland wird am Hindukusch verteidigt", oder wie hieß es doch?

Der Wahnsinn der ÖBB ist nur noch mit Lüge überhaupt darstellbar. Wobei Eisenbahn schon kurz nach ihren Anfängen als staatspolitsche Angelegenheit angesehen wurde. Und mit der Garantie als Geiselhaft eines ganzen Volkes. Nichts Neues, gewiß, auch nicht in der Energiepolitik Deutschlands. Es soll nur einmal mehr aufgezeigt werden. Weil sich die Politik um eine Größenordnung vergriffen hat. Daß sie das zwar nicht begreift, aber aufgrund von Einzelfakten da und dort bereits vorsichtig zurückzuckt, wenigstens außerhalb Deutschlands und Österreichs, das ist wirklich überraschend. Und gibt ... ja, tatsächlich: Es gibt ein wenig Hoffnung, daß das Einzige, was das Abendland noch vor dem endgültigen Krepieren retten kann, wenigstens irgendwie nicht ganz ausgeschaltet ist: Die Kraft seiner Einzelorganismen, sich aus der Wahrheit (die ohne Seinsdimension undenkbar ist, aber damit auch um ihre letztliche Unbeherrschbarkeit, Geschenkhaftigkeit weiß) zu regenerieren. Und das ist im wahrsten Sinn christlich. Auch, ja gerade wenn es Deutschland und Österreich um die Kraft eines ganzen Arbeitsjahres bringt.

Aber nicht vergessen werden sollte eines der wenigen Dinge, die der Staufer Friedrich II. so konsequent eingeführt hat: Beamte, Minister, die falsch entscheiden, haften mit ihrem gesamten Vermögen, und über Generationen. Denn wer solchen Geist atmet, was generationenlang entstand wie weiter wirkt - der soll auch seine Folgen spüren. Den will man dort nicht, wo Vernunft herrscht.




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Montag, 3. Februar 2014

Auf dem Weg zu einem christlichen Europa (1)

Die Erzählung des Turmbaus zu Babel wird allzu gerne auf die leichte Schulter genommen. Und man muß nicht alleine auf Spengler oder Toynbee zurückgreifen. Die Menge der Kulturanalysten, die die Endphase einer Kultur mit der Errichtung von Monumentalbauten charakterisiert sieht ist nahezu unzählbar. Selbst (und sogar gerade) die Physik zeigt, daß sich das Verhalten von Dingen (Seiendem) prinzipiell ändert, wenn sich gewisse Quantitäten (von Teilqualitäten) zu einem Ganzen binden: Die großen Dinge sind anders zu bewerten als die Vorgänge im Kleinen. Sie unterliegen anderen "Gesetzen".

Ausführlich wurde an dieser Stelle bereits über das Problem der "kritischen Massen" diskutiert. Es besagt, daß sich im Einzelnen keineswegs kritische oder problematische Vorgänge in kybernetischen Systemen - d. h. in Systemen, wo alles aus Eigengesetzlichkeit heraus auch zurückwirkt, mit dem Auftreffenden, den Wirkungen korrespondiert, sich verhält - schon aus mathematisch theoretischen Gründen zu einem unvorhersagbaren Insgesamt entwickelt. 

Große Erdbeben werden deshalb niemals vorhersagbar werden. Diese Erkenntnis war der Ausgangspunkt. Weil die Anlässe, die ein Megabeben auslösen, genauso klein und unscheinbar sind, wie zahllose andere zuvor, die nichts ausgelöst haben, vom Ganzen verschluckt wurden. Die Wahrscheinlichkeit ihres Eintretens ist lediglich an sich eine Gewißheit. Der Zeitpunkt aber bleibt im Dunklen.

Das hat weit konkretere, praktische Auswirkungen, als man meinen könnte. Die scheinbar komplexe, abstrakte Theorie beschreibt ein sehr reales Verhalten, das sich auch im simpelsten Wirtschaftsunternehmen ausdrückt. Wirtschaftliche Planungen, die einen gewissen Umfang überschreiten, in Zeit wie in Quantität, sind sinnlos. Unternehmensplanungen haben nur einen Sinn im Rahmen eines Sinngefüges. Dort liegt auch der alle Wahrscheinlichkeit umgreifende Rahmen. Nur faktische Zahlengebilde, die sich nur auf Vergangenes beziehen können, können schlimmste Fehlprognosen zur Folge haben.

Das gilt es zu wissen, wenn man sich mit Meldungen wie dieser befaßt: Die ÖBB (Österreichische Bundesbahnen) haben sich, wie ein unternehmensintern aufgelegtes, "vertrauliches" Papier, das an die Presse kam, darlegt, höchstwahrscheinlich in ihrer jüngsten und laufenden Investition, die eine Größenordnung von 60 Milliarden Euro hat und damit das gesamte Steueraufkommen Österreichs eines Jahres übertrifft, schlichtweg ... getäuscht. 60 Milliarden stehen kurz davor, in den Sand gesetzt zu werden.

Grund ist die Fehleinschätzung der Entwicklung des Frachtaufkommens in Zentral- und Osteuropa. Nicht um ein paar Prozent, sondern um Größenordnungen! Überall gehen die Volkswirtschaften andere als die vorausgeworfenen Wege, und auch die Fracht sucht sich andere solche. Neue Korridore haben sich aufgetan, und damit ist das Frachtvolumen im für die angeleierten gigantischen Neubauten relevanten Raum derzeit sogar RÜCKLÄUFIG. 

Nichts an den Prognosen, die die gesamten Ostalpen mehrfach untertunneln und überspannen sollen, wird halten. Das zeigt sich bereits jetzt. Die Hochgeschwindigkeitstrassen unter Semmering und Wechsel, unter der Koralm von der Steiermark nach Kärnten, und selbst unter den Brenner werden wie schon jetzt aussieht gigantische Fehlinvestitionen sein, die sich niemals rechnen werden. Das publik gewordene ÖBB-interne Papier zeigt es auf. diese Projekte werden sich niemals rechnen! Milliardengräber tun sich hier bereits jetzt vorhersehbar auf, mit Folgekosten, die alle künftigen Generationen belasten werden.

Immerhin hat Konrad Paul Liessmann in einem lächerlich substanzlosen Gequatsche im Schweizer Fernsehen, das als philosophisches Gespräch auszugeben man die Chuzpe hatte, darauf hingewiesen, daß Verantwortung mit Vorhersagbarkeit zu tun hat. Aber damit hat sie auch direkt damit zu tun, daß es für Argumente wie "Die Krise hat keiner vorhersehen können" keine Rechtfertigung gibt. Wer Entscheidungen über einen gewissen Mengen- und Zeitrahmen hinaus trifft, kann dies nur aus einer Gesamt-Sinnperspektive machen. 

Niemals kann er sich auf das technische Machwerk eines Zahlengebäudes verlassen oder ausreden. Das zeugt nur von (und das ist wörtlich gemeint) TOTALER Unfähigkeit, aus und nicht mehr, die kein Doktorgrad oder Ausbildungsdiplom oder formeller Wissenschaftsrang ersetzen kann. Sich auf derartige Prognosen zu verlassen, wie es offenbar die ÖBB tat, ist deshalb schlichtweg verantwortungslos, wenn auch vermutlich ausschließlich politisch motiviert. Wem es an Lebensklugheit fehlt, den Rahmen, in welchem überhaupt Dinge planbar sind, einzuschätzen, der hat an vorderer Stelle NICHTS zu suchen.





Morgen Teil 2) Deutsche Panzer mit 
österreichischen Ritterkreuzträgern





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