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Montag, 21. Oktober 2019

100 Jahre Haß (8)

Teil 8)




Erneut wendet sich Shamir Foxman zu. Der in Europa (Polen) als Jude aufgewachsen ist und von da her eine gewisse leidvolle Geprägtheit hat. Nun begreift Shamir, daß die Gleichsetzung Anti-Semitismus und Anti-Israelismus für den Vorsitzenden der ADL nur Teil des Problems ist. Foxman fühlt die Problematik der Juden über die Geschichte, ihre Affinität für Geld, ihr schlechter Ruf als Kredithaie. Er fühlt sogar, daß da nicht alles richtig war. Und er hat die tiefsitzende Angst, daß man mit den Problemen - wie 1939ff. - nicht rechtzeitig fertig wird, wenn man sie nicht vorzeitig sieht. Er hat Angst, daß wieder ein Holocaust kommt, weil er meint, daß es damals wie zuvor immer nur um eines ging: Man wollte ans Geld der Juden. 

Finkelstein versteht das nicht. Wo, woran soll man heute einen Holocaust heraufziehen sehen? Das ist doch verrückt! Es gibt so viele Probleme auf der Welt. Und da soll er sich aufregen, wenn irgendein Pubertärer ein Hakenkreuz irgendwo an eine Wand malt? Dabei ist Finkelstein auf Druck der Israeli Lobby - die es also sehr wohl gibt - beziehungsweise des ADL von der Universität wegen seiner Ansichten entlassen worden. Er durfte nicht einmal mehr nach Israel einreisen, weil er als "Sicherheitsrisiko" eingestuft wurde. Jetzt erst sieht, riecht man es: Finkelsteins Existenz ist ruiniert.

Doch er steht mehr denn je zu seiner Sichtweise. Israel ist die älteste, noch aufrechte Okkupation der Gegenwart. Das bei jeder seiner Aggressionen den Holocaust als Entschuldigung vorschiebt. Jedes Land, das ein Territorium okkupiert, wird sofort weltweit geächtet. Bei Israel dagegen hört man nur Rechtfertigungen. Es ist eine Ironie der Geschichte, daß ausgerechnet Israel so viel Leid über seine Nachbarn und vor allem die Palästinenser gebracht hat, und das mit selbst erlittenem Leid rechtfertigt. Anstatt die Völker zu lehren, daß man aus Leiderfahrung lernen kann, daß man daran wachsen kann, macht Israel genau dasselbe, und führt als Entschuldigung das eigene Leid an. Es ist verhängnisvoll, daß Israels Politik von Kriegstreibern aus den Hamptons, aus Beverly Hills, New York oder Miami bestimmt wird.

Es könnte Israel nichts Besseres passieren, als sich von diesen Leuten zu trennen. (Auch vom ADL, der ebenfalls bereits Europa in seinen Klauen hat; Anm.) In der derzeitigen Situation kann man nicht einmal Mitleid mit den israelischen Opfern haben. Das wäre so, als würde man die Opfer Hitlers mit den Millionen toter Deutscher ausgleichen wollen. Israels Tote sind eine Folge seiner falschen Politik. Das einzige, was in Israels Politik konstant ist, ist, daß jeder, der einem nicht paßt, als "Nazi" beschimpft wird, auch Juden untereinander beschimpfen sich so. Mal ist es der, mal der, und am Schluß ist sowieso jeder ein Nazi, der eine andere Meinung hat als man selber. 

Den Schluß des Filmes bildet wieder eine Sequenz aus Auschwitz. Eine Offiziers-Abteilung der israelischen Armee stattet dem ehemaligen KZ einen Besuch ab. Erstmals passiert das in Koordination mit der ADL. Da stehen sie denn also, die Offiziere, mit Abraham Foxman, und bestätigen sich das Furchtbare. Der größte Friedhof aller Zeiten, sagen sie. Eineinhalb Millionen Juden, sagen sie. Auch der Security-Mann kommt noch einmal zu Wort. Ja, sie leben immer im Schatten des Todes. Und in Auschwitz herrschte jene Industrie des Todes. Die Deutschen haben damit begonnen, wir halten die Erinnerung daran aufrecht. Aber damit werden wir Juden, sagt er, nie ein normales Volk werden. Wegen des präsenten Todes, wegen der Erinnerung. Vielleicht aber, sagt der Security-Mann, übertreiben wir ein wenig. Denn so können wir nie ein normales Volk werden. Bis ihn ein israelischer Begleiter vertreibt. Er sitze an einem Platz, an dem zwanzig Juden getötet worden waren, er solle aufstehen, dort sitze man nicht. 

Später dieselben Jugendlichen in einer jüdischen Zeremonie. Sie zitieren Namen von getöteten Juden, erzählen in wenigen Sätzen deren Geschichte, schwören, sich immer an sie zu erinnern. Manche weinen, können es jetzt, in dieser tragischen Atmosphäre der fackelerleuchteten Nachtzeremonie. Sahen die Koffer, die Kinderschuhe, die Babykleidung, die Toilettartikel der getöteten KZ-Insassen. Umarmen sich schluchzend vor riesigen Installationen, die Leichenberge zeigen. Manche sind einem Nervenzusammenbruch nahe. Endlich können sie wie gesollt reagieren. Manche weinen, weil man ihnen gesagt hat, daß ihnen dasselbe blühe. Daß man ihnen ihre Haare nehmen werde, nur weil sie einer bestimmten Ethnie angehören. "Ich habe doch nichts getan," schluchzt eine. "Warum soll ich sterben?" 

Noch einmal Foxman. Es habe ihn mit Stolz, mit Hoffnung erfüllt, mit 150 israelischen Offizieren Hand in Hand durch diese Stätte des Grauens zu gehen. 

Die Schüler verlassen das Gelände. Ein Mädchen sagt, sie habe nun den Wunsch, alle, die das getan hätten, zu töten. Wen töten? Einfach alle. Alle? Alle Nazis. Alle Feinde, die uns das angetan haben. Aber die sind ja alle schon tot? Ja, aber ihre Nachfahren leben noch. Sie mögen anders sein, aber sie sind hier.

Yoav Shamir ist ein großartiger Film gelungen. Der beste, freimütigste Film, den der VdZ zu dem Thema je gesehen hat. Der das Gesamtproblem Israel - Juden - Anti-Semitismus tief durchdringen, und damit ordnen und erhellen kann. Lohnende eineinhalb Stunden. Wenn er eines gelernt habe, sagt Shamir ganz zum Schluß, dann das, daß uns der ständige Blick in die Vergangenheit zurückhält und blockiert. Vielleicht ist es an der Zeit, daß wir Israeli endlich in der Gegenwart leben und in die Zukunft blicken.








*260819*

Sonntag, 20. Oktober 2019

100 Jahre Haß (7)

Teil 7)



Dazu kommt die Behauptung, daß Juden Amerika gegenüber weniger loyal sind als Israel gegenüber. Das belegen angeblich auch die Untersuchungen der Professoren John Mearsheimer (Harvard) und Steve Walt (Chicago). Die in "The Israeli Lobby" behaupten, daß eine israelische Lobby die US-Außenpolitik in eine Richtung beeinflusse, die die Interessen Israels vor die Interessen Amerikas stelle. Die Aufgabe des ADL sei, jeden, der Israel kritisiere, als Anti-Semiten ins Weltall zu schießen.

Das sieht auch der Führer der israelischen Sozialisten, Uri Avnery, so. Der die Lobby in den Diensten der Ultrarechten in Israel sehen. Und deren Liebling derzeit Benjamin Netanyahu ist. Ob deshalb der Kampf der ADL wirklich Israel dient, darüber sei er sich heute gar nicht mehr so sicher. Es könnte sein, daß nicht diese Leute Israel, sondern Israel ihnen dient. Bestimmen die Israeli ihre Politik, oder diese Leute die Politik der Israeli? 

Denn der ADL geht es ja gar nicht um Anti-Semitismus. Es geht ihnen nur um Anti-Israelismus. Jede Kritik an Israel machen sie aber zu Anti-Semitismus. Den es in Amerika gar nicht gibt, das ist ein Mythos. Wenn es ihn gäbe, könnte diese Lobby nicht so arbeiten, wie sie es tut. Anti-Semitismus ist ein reines Produkt der israelischen Medien und existiert nur in den Köpfen einiger global einflußreicher Juden. Aber es gibt den behaupteten Anti-Semitismus gar nicht. 

Nie ist es den Juden in Amerika besser gegangen. Man kann im großen Ganzen sogar sagen, daß der Anti-Semitismus eine jüdische, eine israelische Erfindung ist. Jeder auf der Welt fürchtet sich davor, wegen seiner Geschichte (Holocaust). Aber in Amerika, wo es so viele mächtige, einflußreiche Juden gibt, fürchtet man sich da vor einem Gespenst, und sieht deshalb hinter jedem Baum einen Anti-Semiten. Es gibt Anti-Islamismus, Anti-Arabismus, Anti-Schwarzentum, Anti-irgendwas. Aber einen Anti-Semitismus muß man mit der Lupe suchen.  Aber es gibt solche Leute, die mit ihren Lupen wie Sherlock Holmes herumlaufen und Anti-Semitismus suchen.

Ein nächster Sprecher der ADL, Ariel Sullivan, ist mit einer seltsamen Tatsache konfrontiert. Denn die Zweiggruppe der ADL in Israel ist ... für einen Versöhnungskurs in der Region. Und setzt sich dafür ein, daß die Politik der Lobbygruppen in der Sache etwas normaler wird. Und er bezieht sich auf Mearsheimer Buch. 

Das den ADL in New York ziemlich aufgemischt hat. Foxman ist beim Kongress der ADL außer sich. Er kann es nicht fassen, daß ein respektabler Akademiker und Jude so etwas veröffentlicht. Noch nie gab es eine so heftige Diskussion, ob Anti-Semitismus und Anti-Zionismus wirklich dasselbe sind. Charles Jacobs erklärt den Harvard-Professor gar zum Feind der Juden. Als ein weiterer Sprecher am Kongress, der Soziologieprofessor David Hirsch, es dann auch noch wagt, die Frage zu stellen, ob Israel in der ständig weiter vorangetriebenen Siedlungspolitik in der West Bank und wegen seiner Politik im Problem Ghaza nicht eine falsche Politik betreibe, sodaß solch eine Besatzungspolitik den Haß auf Israel (und die Juden) befördere, wird er lächerlich gemacht. Als er gar zu sagen wagt, daß Palästina (sic!), von Netanyahu als "Anti-Nation" bezeichnet, die einzige Nation im Vorderen Orient ist, der das Existenzrecht abgesprochen wird - von Israel - meint eine der Sprecherinnen, so etwas könne wohl bestenfalls ironisch gemeint sein. Aber Hirsch verteidigt sich: Anti-Semitismus und Anti-Zionismus sind zwei verschiedene Paar Schuh. 

Was Shamir am Kongress der ADL aber klar wird, ist, daß jeder, der nicht die pro-israelische Linie der ADL verfolgt, zum Schweigen gebracht wird. Er geht sogar so weit zu sagen, daß nur in einer Unterscheidung von Anti-Semitismus und Anti-Zionismus, in einer differenzierten Kritikmöglichkeit an der israelischen Politik, Hoffnung liege, daß es irgendwann im Nahen Osten doch noch Frieden geben könne. Wenn alle Kritik an Israel mit dem Mantel eines metaphysischen, ewigen Anti-Semitismus verhüllt wird, wie soll es dann jemals Frieden geben? Dann ist der Konflikt ja schon aus sich heraus ewig. 

Einmal noch geht Shamir zu Mearsheimer, dem Verfasser von "The Israeli Lobby". Ob er wirklich der Anti-Semit in Gestalt ist, der nicht kapiert, daß Anti-Semitismus sich im Anti-Israelismus (Anti-Zionismus) nur seine Maske sucht.  Der bestätigt: Er war nicht einen Moment antisemitisch. Nie. Und er ist auch nicht Anti-Israeli. Er sieht sogar die Politik der Israeli Lobby als schädlich für Israel, nicht nur für die USA. Daran ist nichts Anti-Semitisches. Wobei es ja eigentlich unmöglich ist zu "beweisen", daß man kein Anti-Semit ist.


Morgen Teil 8)





*260819*

Samstag, 19. Oktober 2019

100 Jahre Haß (6)

Teil 6)




Zurück nach Babyn Jar in der Ukraine. Wo am 21. September 1941 in einer Massenexekution 33.771 Juden in nur zwei Tagen ermordet worden waren. Auch Abraham Foxman vom ADL ist dabei. Die verstörendsten Momente aber sind, als Shamir das Gespräch der ADL-Verantwortlichen mit Mitreisenden aufgenommen hat. Das Erschreckende an Babyn Jar, sagt die Frau, sei, daß so etwas heute jederzeit wieder passieren könnte. Das sagt sie wirklich. Vielleicht mit Schwulen. Ihr Mann bestätigt. Deshalb sei es so wichtig, sagt er, Israel zu unterstützen. Die Juden, das meint er wohl, denn der Gedanke ist nicht so einfach nachzuvollziehen, seien der Prototyp jeder Minderheit, egal welcher Art, die gehaßt und verfolgt würde, weil sie der gesellschaftlichen Norm nicht entspräche, und nicht entsprechen könne. Kraft göttlichen Willens, möchte man (nicht ohne Sarkasmus) hinzufügen. Das verunsichert und erzürnt die Mehrheit, die auf Gott wütend sind, aber die Juden (und Schwulen etc.) und deren Glück aus Neid erschlagen wollen. 

Ohne Israel kann es keine Sicherheit für Juden auf der Welt geben. Die Liebe zu Israel ist wie die Liebe zu einem (eigenen) Kind. Nicht ganz so stark wie die zum Ehemann, aber sehr stark. (Wer Juden kennt weiß freilich, daß das eher eine Verlegenheitsaussage gewesen sein muß. Denn die Rolle der Mutter, die Bedeutung der Kinder steht im Judentum äußerst hoch. So hoch, daß als "Jude" nur gesehen wird, wer über die mütterliche - nicht über die väterliche! - Linie ethnische Abstammung nachweisen kann.) Israel ist für die Juden auf der Welt wie eine Versicherung, ein sicherer Ort, an den sie jederzeit zurückkehren können und sicher sind.

Weiter geht es im Film, als Begleitung mit der Gruppe israelischer Jugendlicher, die nach Auschwitz nun Majdanek und Lublin ansteuern. Während sie Chips fressen, wie Jugendliche es eben machen, werden sie mit ernsten Security-Worten und Schreckensfilmen über Majdanek beschüttet. In Majdanek angekommen, hören sie die Gruselgeschichten über Lagerkommandantinnen mit eisenbestückten Geiseln. Dann stehen sie in den halbdunklen Duschräumen, über deren Düsen das giftige Gas gekommen sei. Der Rest von KZ-Häftlingen starb an der unmenschlichen Behandlung. Die Jugendlichen könne mit alledem wenig anfangen. Es wird ihnen sichtlich einfach schon zu viel. Sie fühlen sich deshalb auch schuldig, weil sie die von den Begleitpersonen geforderten Emotionen nicht liefern können. Denn sie sollten das alles sehr sehr ernst und schwer nehmen. Aber sie sehen, sagt eine, täglich viel mehr Schrecken, im Fernsehen, wenn ein arabisches Haus bombardiert wurde oder so. Was soll's, die haben noch viele Häuser.

Szenenwechsel. DePaul University in Chicago. Die ein Buch mit dem Titel "Die Holocaust-Industrie" herausgegeben hat. Worin behauptet wird, daß Teile des jüdischen Establishments auf zynische Weise politischen Nutzen aus dem Holocaust ziehen. Geschrieben hat es Norman Finkelstein, selber ein Jude. Der doch glatt behauptet, daß, um die eigenen Verbrechen an den Palästinensern zu vertuschen, Israel sich so stark auf den Anti-Semitismus konzentriert habe. Damit wäre der Haß auf Israel auf irrationale, psychologische Motive verschoben, der sich nur daraus nähre, daß Juden eben Juden seien. Aber das stimmt gar nicht. 

Der Haß auf Juden kommt daher, daß der Staat, der vorgibt, alle Juden zu repräsentieren, sich in brutale Gewalt verwickelt hat. Es mag schon stimmen, sicher sogar, daß die meisten Menschen den Juden mit einem eigenartigen Gefühl begegnen. Das hat nicht zuletzt damit zu tun, daß die Juden die erfolgreichste, reichste gesellschaftliche Gruppe in den USA sind. Wenn man das erreicht hat, bekommt man die Welt auf einem Tablett serviert. Aber anstatt das zu sehen, sitzen die Juden herum und diskutieren über irrationalen Anti-Semitismus. Das hat etwas, für das man sich schämen sollte. 

Finkelstein hat für seine Theorien schwere Kritik einstecken müssen, von Juden selbst. Er wurde Holocaust-Leugner genannt, ein Jude mit Selbsthaß, und außerdem ein Idiot. Dabei waren seine eigenen Eltern im KZ. Wie sollte er also ein Holocaust-Leugner sein? Es gibt bereits 10.000 Webseiten, die das von ihm behaupten. 

Foxman wehrt sich vehement dagegen, daß behauptet wird, Israels Politik sei der Grund für den "neuen Anti-Semitismus", von dem geredet wird. Das käme von selbstunsicheren Juden. Es ist umgekehrt, sagt er. Man benützt Israel als Rationalisierung der antisemitischen Gefühle, so werde ein Schuh draus. Weil im Großteil der Welt Anti-Semitismus nicht akzeptiert wird, sucht man diese Ausrede dafür, die Gefühle zu rechtfertigen. Das belege die Tatsache, daß jedesmal, wenn ein Konflikt im Nahen Osten ausbreche, in den Israel involviert ist, der Anti-Semitismus meßbar in die Höhe schießt. Denn nun darf er sich - kostümiert - äußern. Der heutige, der "neue" Anti-Semitismus tarnt sich also als anti-israelische Haltung.

Morgen Teil 7)






*260819*

Freitag, 18. Oktober 2019

100 Jahre Haß (5)

Teil 5)



Das macht es auch völlig logisch, daß die nächste Station der Weltreise Foxmans Kiew und die Ukraine ist. Denn die Ukraine will sich aus Rußlands Armen befreien, und braucht dazu den Westen und die USA. Also läßt auch sie sich auf Anti-Semitismus einschwören, als vermeintliche Eintrittskarte in Washingtons Strategieüberlegungen. Der Preis sind einige ukrainische Aktionen gegen Anti-Semitismus in der Ukraine. Und die außenpolitische Unterstützung Israels. Das geht sogar so weit, daß sich Juschtschenko ermahnen läßt, hinkünftig zu unterlassen, den Holodomor (den Hungertod von rund fünf, vermutlich sogar acht Millionen Ukrainern unter Stalin) der 1920er Jahre mit dem Holocaust zu vergleichen. Der natürlich schlimmer, eben einzigartig in der Geschichte war. Und der ukrainische Ministerpräsident nickt tatsächlich dazu, läßt sich von ADL-Foxman wie einen Schulbuben belehren, und unter Druck setzen. Ja, sagt er, er wird den Holodomor nicht mehr als Genozid bezeichnen, und ihn nicht mehr mit dem Holocaust vergleichen.

Eine ADL-Vertreterin bestätigt nach dem sehenswerten Treffen wörtlich die Notwendigkeit, auf der "Schuldseite zu spielen". Deshalb darf nichts die Opferrolle der Juden schmälern. Die Schuld der Väter darf um nichts verringert werden. Und die Söhne müssen dafür die Verantwortung übernehmen.

Aber Shamir möchte sich mit dem gegenwärtigen, nicht mit ehemaligem Anti-Semitismus befassen. Also wendet er sich Moskau zu. Wo ein Attentäter in eine Synagoge eingedrungen war, und dort etliche Männer niedergestochen hatte. Der Vorfall war zur Gänze auf den Überwachungskameras aufgezeichnet worden. Also hat der Filmemacher sich mit den Mitgliedern der dortigen Synagoge unterhalten. Ob die sich nun unsicher fühlten? Und da wird es heftig.

Denn die Leute dort sagen, daß es in Moskau überhaupt keinen Antisemitismus gibt! Vielmehr, sagt einer, ist Anti-Semitismus eine bequeme Ausrede für Leute, die keine Karriere machen, weil sie faul und unfähig sind. Also rast Shamir sofort nach Kiew, um den ukrainischen Rabbi zu fragen. Der sagt im Grunde dasselbe. 

Und macht die interessante Feststellung, daß ihm auffällt, daß säkulare, unreligiöse Juden sich um Anti-Semitismus viel mehr sorgen als religiöse Juden. Für einen orthodoxen Juden steht Anti-Semitismus gar nicht am Speiseplan. Jude zu sein bedeutet ihnen ganz einfach, Judaismus zu praktizieren, der Rest kümmert sie nicht. Sie sind durch die Praxis Juden, basta. 

Aber jüdische Gemeinden in der ganzen Welt, die nicht religiös sind, haben im Anti-Semitismus "ihr Ding" gefunden. Endlich haben sie etwas, das ihnen Identität gibt.  Und prompt bestätigt das die ADL-Sprecherin, auf Punkt und Beistrich. Die Geschichte mit dem ADL und dem Anti-Semitismus gibt Identität, denn das tut die Religion für nicht orthodoxe Juden nicht.

Nun wird der Film immer verständlicher, sein Aufbau erklärt sich. Da war erst die Indoktrinierung der Jugend, die Zeitungen, die damit Geld verdienen, und schließlich das Büro der größten jüdischen Vereinigung gegen Anti-Semitismus, der ADL ... und dem steht die nackte Realität gegenüber, die ziemlich anders ist. 

Was ergibt sich daraus? Überall Anti-Semitismus zu sehen ist Teil der jüdischen Identität. Das sagt der Israeli Yoav Shamir in seinem ausgezeichneten Film "Defamation". Anti-Semitismus ist aber nicht real. Ja, es gibt ihn gar nicht. Zumindest nicht in der kolportierten Form. Höchstens als normale, verständliche Reaktion auf menschliche Verhaltens- und Mißverhaltensweisen gegenüber einzelnen Juden oder Gemeinschaften. 

Um das sagen zu können, werte Herrschaften, muß man wohl Jude sein. Dafür käme unsereins nämlich in den Karzer, ja vielleicht sogar würde er geköpft. Wegen Anti-Semitismus, dieses pöhse pöhse Haßverbrechen.


Morgen Teil 6)




*260819*

Donnerstag, 17. Oktober 2019

100 Jahre Haß (4)

Teil 4)



Dabei beläßt es Shamir vorerst. Und berichtet, daß ihn der Vorsitzende der ADL (Anti Defamation League) Abraham Foxman auf seine Reisen mitgenommen hat. Jedes Jahr besucht Foxman Staatsmänner und Politiker, veranstaltet Empfänge und pflegt Kontakte. Weltweit sucht er einflußreiche Leute, die ihm helfen können, gegen Anti-Semitismus zu kämpfen. Das geht bis zum Heiligen Vater in Rom. Sogar Gianfranco Fini (Lega Nord) ist einmal Gast. Überall wird natürlich mit fettem Polizeischutz hingefahren, um auch dem letzten Schusterbuben klar zu machen, wie heikel die Mission eines Mannes ist, der überall mit dem Tod bedroht wird, weil er Jude ist. Und natürlich, wie wichtig Foxman ist.

Apropos Auto. Dort läuft ein interessantes Gespräch mit Foxman ab. Als er auf die Frage, warum all die Staatsmänner und Politiker das täten, antwortet, daß sie es aus ihrer eigenen Wahrnehmung des Anti-Semitismus als Problem täten. Und weil sie die Geschichte glauben, daß Juden so mächtig sind. Das sind sie nicht, sagt er. Sie sind nicht so mächtig, wie die Feinde der Juden annehmen, wenn auch nicht so ohnmächtig, wie Juden selbst sich einschätzen. Irgendwo dazwischen, sagt er. Die Politiker der Welt glauben, daß die Juden großen Einfluß auf Washington haben.  

Wie also soll man die Verschwörungstheorien über Juden und ihre Macht bekämpfen, ohne sie nicht gleichzeitig als Jude zu benützen? Wenn es zu einer UNO-Generalversammlung kommt, trifft der ADL sich mit vierzig Staatsoberhäuptern, die Kontakt suchen. Warum wohl?

Es ist wie ein groteskes Spiel, sagt Yoav Shamir. Foxman arbeitet mit dem Bluff, daß alle an einen Einfluß in Washington glauben, den er gar nicht hat - und bekommt ihn dadurch tatsächlich!*

Genau dieser Glaube an die Macht der Juden aber ist es, der oft tatsächlich Neid und sogar Haß auf sie nährt. Salopp formuliert: Juden sind einfach oft ziemlich geschickt, gerade in solchen Dingen, die der Rhetorik eher zuzurechnen sind als realer "Macht". Die Juden haben sich seit je, weil sie seit der Zerstreuung (ab 70 n. Chr.) überall und immer eine Minderheit waren, als Strategie auf die Beeinflussung der öffentlichen Meinung konzentriert. Die Angst des Feindes, der glaubt, ein Millionenheer vor sich zu haben, ist in einem Krieg oft viel bedeutsamer als die wirkliche Heeresstärke Israels. Das vor allem hat sie zu den Medienmagnaten gemacht, die sie heute sind.**

Foxman hat eine enge Beziehung zur israelischen Regierung. Denn der ist Anti-Semitismus als taktisches Moment immer eine sehr wichtige Angelegenheit gewesen. Deshalb ist es der israelischen Regierung auch gar nicht so recht, wenn es da heißt, daß der Anti-Semitismus in Amerika gar nicht so schlimm sei. Und Foxmans ADL liefert laufend den äußerst nützlichen "Beweis", daß es viel schlimmer ist. 

Die Amerikaner (und das gilt für die Europäer nicht weniger) müssen felsenfest von der Bedeutung des Anti-Semitismus (in seinem Endergebnis, dem Holocaust) überzeugt sein! Und die Politiker nicht weniger. Nur so ist es möglich, daß Amerika seit Jahrzehnten eine Außenpolitik macht, die im Grunde nur israelischen Interessen dient. Und wenn die Amerikaner diese Überzeugung verlieren, dann muß man darauf hinarbeiten ihnen zu verbieten, sie zu gewichten, weil sie so einfach nicht mehr denken oder gar sprechen dürfen. Was ist daran unlogisch, was ist daran nicht fast "genial"? Deshalb ist das ADL für Israel von so immenser Bedeutung. Weltweit.


Morgen Teil 5)


*Das bestätigt die Sicht des VdZ, der seit je geglaubt hat, daß niemand an der Verbreitung und Glaubwürdigmachung von Verschwörungstheorien mehr interessiert ist, als die "Verschwörer" selbst. Die ihre Macht in allererster Linie nur aus diesen Verschwörungstheorien beziehen, die sie mit einer Macht sehen, die sie gar nie hatten. Aber ausgestattet mit dem Mythos, halten sie fortan alle für mächtig. Und plötzlich sind sie tatsächlich mächtig weil einflußreich. Das betrifft in den Augen des VdZ sogar sagenumwobene Häuser wie Rothschild. Wäre der VdZ ein Rothschild, würde er sofort ein Buch in die Welt schieben, das den Mythos der Macht sogar auf den Mars ausdehnt und zu einer Weltsage macht, mit der höchstens noch die Bibel mitkann.


**Bitte, was ist Hollywood anderes gewesen? Am Anfang doch alles andere als eine mächtige Filmproduktion, darum ging es gar nicht. Die Juden, die Hollywood geschaffen haben, haben sich von Anfang an auf den Nimbus konzentriert. Auf den Status, auf den Ruf in der Bevölkerung. Also war das erste, was sie geschaffen haben ... der Oscar. Die Ehrung. Das Merkmal von Ruhm, Ansehen und Qualität. SO haben sie die Filmwirtschaft in die Hand bekommen. Sie haben bestimmt, wer "berühmt" wird, und wer nicht. Hollywood wurde groß und mächtig, weil es eine eigene Welt der Hierarchie geschaffen hat, nicht, weil es so gute Filme produzierte. 

Die Kunst, gute Filme zu machen, konnten sie dann aber jederzeit zukaufen. Denn alle, und auch alle Christen, kamen gerne - um berühmt zu werden. Insofern ist es sehr jüdisch, immer gewesen, Macht über die Nützung der Schwächen der Menschen aufzubauen. Alkohol, Drogen, Pornographie, Ruhmsucht ... die Rolle der Juden in diesen Bereichen ist immens.




*260819*